Pratchett, Terry / Kirby, Josh – Eric

Diese Ausgabe eines klassischen Rincewind-Romans wurde knallbunt illustriert von Josh Kirby, im gewohnten Stil. Genau genommen, ist sogar das ganze Buch nur geschrieben worden, um Kirby Gelegenheit zur Darbietung seiner Kunst zu geben. Denn diese Reiseerzählung hat relativ wenig mit der Scheibenwelt der übrigen Romane zu tun.

_Handlung_

Der 13-jährige Eric ist so eine Art Möchtegernzauberer und macht Sachen, von denen seine Eltern nichts erfahren dürfen. Er beschwört einen Dämon und erhält statt dessen Rincewind. Er soll ihm drei Wünsche erfüllen: Eric möchte Herrscher der Welt sein, die schönste Frau besuchen und ewig leben: kurzum höchstes Glück! Na, denn prost, denkt sich Rincewind unwillig. Und ich meine: Das ist ja wie bei Dr. Faust. (In der Tat ist auf der Originalausgabe das Wort „Faust“ durchgestrichen und durch „ERIC“ ersetzt. Aber als Engländer bezieht sich Pratchett eher auf den „Faust“ von Christopher Marlowe, nicht auf Goethe.)

Herrscher der Welt wird Eric im Urwald von Klatsch, wo auf Pyramiden Menschen den Göttern geopfert werden. Genau wie ihre Kulturgenossen, die Azteken, schneiden auch die Tezumaner ihren Opfern gern mit einem Obsidianmesser das Herz raus…

Nun hat aber der neue Herrscher der Hölle, Dämonenkönig Astfgl, neue Leitlinien für die Führung von dämonischen und höllischen Aktivitäten erlassen. Der Dämon, der für die Tezumaner zuständig ist, wird bei seiner Materialisierung auf der Steinpyramide leider das unerwartete Opfer einer vorbei kommenden Truhe mit tausend Beinen. Eric und Rincewind sind gerettet.

Sogleich erfüllt sich der nächste Wunsch. Was bei „Faust“ die schöne Helena in Troja, das ist für Eric die achtfache Mutter Elenor von Tsota, das nun von den Ephebianern umzingelt ist. Doch der schlaue Held Lavaeolus (= Odysseus) verschafft ihnen Einlass bei Elenor. Eric winkt angesichts der fülligen Dame und ihrer Kinderschar dankend ab.

Auf geht’s zum nächsten Wunsch. Das ewige Leben jedoch beginnt nirgendwo, das heißt im Nichts – denn eine Ewigkeit dauert von Anfang bis Ende einer Welt (Letzteres taucht ebenfalls auf, im Stil von H.G. Wells). Erst als ein (der?) Schöpfer auch die Scheibenwelt kreiert hat, dürfen Eric und Rincewind auf ihr landen. Wenig später stellt sich auch eine Truhe ein. Das ist auch nötig, denn der Dämonenkönig holt das Duo in die Hölle, wo dann der Showdown inklusive Revolution stattfindet.

_Fazit_

Die Hölle als Traum eines Bürokraten darzustellen und die Götter als verkappte Dämonen, gehört mit zur Parodie der Religionsgeschichte und ihrer seltsamen Vorstellungen. Aber auch die hinterlistige Kritik an dem, was sich die (jungen) Leute so landläufig unter „erfüllten Wünschen“ vorstellen, kommt nicht zu kurz. Man nehme sich vor seinen Wünschen in acht!

Dieser kleine Band ist ein Schmuckstück für jede Pratchett-Sammlung. Seit der deutschen Neuauflage der Pratchettwerke ist er auch wieder offiziell erhältlich.

_Michael Matzer_ © 2001ff

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