Pratchett, Terry – Schweinsgalopp

Father Christmas ist auf der Scheibenwelt verschwunden. Als Ersatz springt Gevatter Tod ein. Rotgewandet fährt er mit seinen vier fliegenden Schweinen durch die Lande und bringt den Menschenkindern alles, was sie sich wünschen (auch wenn sie es selber nicht genau wissen). Die Bräuche zu befolgen, fällt Tod manchmal etwas schwer, doch das mit dem fröhlichen (?) „Ho-ho-ho“ hat er schon raus. Vielleicht übertreibt er es damit ein bisschen.

Father Christmas ist einem Anschlag der Assassinengilde zum Opfer gefallen. Einer ihrer übelsten Vertreter ist in Fathers Schlossturm eingebrochen und versucht nun mit Hilfe eines angeheuerten Magiers, dem zwölften mit dieser Aufgabe, den Tresorraum von Father Christmas zu öffnen. (Das klingt sehr nach „Stirb langsam 1“.)

Unterdessen in der Unsichtbaren Universität: Die Abwesenheit des echten Father Christmas hat ein (wissenschaftlich natürlich begründbares) Glaubens-Vakuum entstehen lassen. Dadurch glauben die Menschen nun an alles Mögliche, zum Beispiel an die Zahnfee. Selbst die Professores der Uni brauchen es nur laut auszusprechen, an was sie glauben könnten, und schon – ist es da: Gnome, Wichte, Aufmunterungsfeen. Der Erzkanzler Ridcull rauft sich die Haare. Auch die neue Rechenmaschine, die von Ameisen (= Bits & Bytes) und Käse (= Speicher) angetrieben wird, hilft da nicht viel weiter.

Susanne, die Tochter TODs, wollte eigentlich ein ganz normales Leben führen. Doch seit er verschwunden ist, macht sie sich Sorgen. Auf der Suche nach ihm begegnet sie nicht nur dem Gott des Katzenjammers. Sie trifft auch auf die Assassinen im Turm von Father Christmas. Es wird spannend, doch das Ende soll hier nicht verraten werden.

In einer kompliziert verflochtenen Handlung führt uns der „Douglas Adams der Fantasy“ vor Augen, was es mit dem Kinderglauben an den Nikolaus und die Zahnfee so alles auf sich hat – und das ist eine ganze Menge. In todernstem Ton bringt Pratchett wie so oft die unglaublichsten Sätze und Szenen (p.s.: … und Fußnoten), so etwa die Sache mit dem Ameisencomputer. (Das erinnert mich an den Termitencomputer von Jeff Noon in „Automated Alice“, mit seinem „beanary system“. Beide Bücher entstanden 1996…)

Pratchetts Humor und Erzählstil mag nicht jedermanns Sache sein, aber „Schweinsgalopp“ könnte selbst solche Skeptiker von den Qualitäten dieses Autors überzeugen: Es ist einer seiner gelungensten Romane!

_Michael Matzer_ © 1998ff