Rike Drust – Muttergefühle. Zwei: Neues Kind, neues Glück

Rike Drust hat es gewagt – das zweite Kind, obwohl das erste doch bereits so schwierig war. Angefangen von der Geburt über sein Schlafverhalten bis hin zu seinen ausgeprägten Trotzphasen. Doch beim zweiten Kind ist alles besser, selbst der Kaiserschnitt war in der geplanten Version längst nicht so schlimm wie in der Notfallvariante und auch „die Kleine“ ist wesentlich lieber, sozial verträglicher und insgesamt viel einfacher als „der Große“. Nach der Geburt schwebt Rike Drust auf einer heimeligen Wolke voller schöner Hormone und kann ihr zweites Mutterglück kaum fassen.

Aber natürlich ist nicht alles so rosa – nur zu häufig fühlt sie sich als fürsorgliche Mutter und in Teilzeit arbeitende Hausfrau nicht entsprechend von „dem Mann“ gewürdigt. Immer wieder knallt es, und all das bei extremem Schlafmangel, der einfach nicht weichen will und Rike Drust dunkle Augenringe ins Gesicht zaubert. Und doch: Ihre Familie macht sie einfach glücklich!

Bestandsaufnahme einer Familie

Rike Drust berichtet aus ihrem eigenen Familienleben – mit Mann, großem Sohn und kleiner Tochter und einer Teilzeitarbeit, die sie zuhause ausüben kann. Eigentlich ist alles perfekt, aber doch hakt es immer mal wieder an der einen und/oder anderen Stelle. Manchmal aber auch nur deshalb, weil ihr die Rahmenbedingungen nicht passen, sie sich als Mutter von anderen beobachtet fühlt, Mütter ihrer Ansicht nach in der Gesellschaft zu wenig gewürdigt und finanziell unterstützt werden – und insbesondere die Alleinerziehenden trifft es hart.

Ja, da hat sie natürlich Recht, aber ist das so neu? Auf dem Cover wird eine „herrlich ironische Bestandsaufnahme mütterlicher Gefühlszustände“ angekündigt. Eine Bestandsaufnahme habe ich entdeckt, das stimmt, aber von Ironie finde ich leider sehr wenig. Rike Drust bemüht sich in betont jugendlicher Sprache („schimmeln uns auf die Couch“) mit allerlei Schimpfwörtern und Slang, was ich in einem Roman eher unangebracht finde. Sie bemüht sich redlich, Witze unterzubringen, leider trifft sie so gar nicht meinen Humor. Lachen konnte ich in dem gesamten Buch nicht ein einziges Mal, und obwohl der Roman weniger als 300 Seiten hat, zog er sich für mich wie Kaugummi. Immer wieder habe ich verwundert auf die Seitenzahl am Buchrand geschaut und gedacht, ich müsste doch schon viel weiter sein.

Das Buch ist unterteilt in allerlei Kapitel, die sich bestimmten Themenblöcken widmen, doch einen roten Faden konnte ich nicht einmal bei dieser Unterteilung erkennen. Immer wieder dreht sie sich im Kreis, wiederholt Themen und Passagen. Keine Ahnung, ob sie ihrer Meinung damit unbedingt noch mehr Ausdruck verleihen möchte, aber mich langweilten die ständigen Wiederholungen. Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft sie von ihrem Familienbett, den ewigen Schlafproblemen und der Matratze ihres „Großen“ neben dem Ehebett erzählt hat. Auch die Verwendung von „Großer“, „Kleine“ und „Mann“ statt der echten Namen oder wenigstens erfundener Namen nervte mich zusehends.

Rike Drust macht einen Rundumschlag über sämtliche Themen, die junge Familien bewegen – Durchschlafen, Teilzeitarbeit der Frau, Elternzeit beim Mann, Unterstützung von Familien und Alleinerziehenden in der Gesellschaft, Aufgabenteilung zwischen den Eltern, Anerkennung bei anderen Müttern, ungefragte Einmischung von außen etc. Wer selbst kleine Kinder hat, der kennt sie alle, diese Themen. Aber er findet bei Rike Drust auch wirklich gar nichts Neues.

Was ich mich auch die ganze Zeit gefragt habe, was genau soll das Buch sein? Erlebnisbericht? Roman, Ratgeber? Es ist von all dem ein wenig, aber so oft, wie Rike Drust einem ihre Meinung aufdrängt, vielleicht am ehesten letzteres. Aber auch da funktioniert das Buch nicht, denn wen wunderts? Wenn frau sich in der Familie nicht gewürdigt und unterstützt fühlt und ihr Mann einfach nicht sehen mag, was ihr fehlt, dann sollte sie das offen aussprechen. Echt jetzt? Um das zu wissen, hätte ich das Buch nun wirklich nicht lesen müssen. Die Autorin erwähnt eigentlich alle nur bekannten Klischees.

Neues Buch, neues Glück?

Ich konnte mit diesem Buch leider nichts anfangen. Meinen Humor traf es nicht, inhaltlich neue Themen habe ich nicht gefunden, einen Ratgeber für junge Familien brauche ich nicht, zudem drehte sich das Buch ständig im Kreis. Schade, die Ankündigung hatte mehr versprochen.

Klappenbroschur: 304 Seiten
ISBN-13: 978-3570103142
www.randomhouse.de/Verlag/C-Bertelsmann

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