Roberts, A3R – Star Warped – Die Krieg-der-Sterne-Parodie

_Humor für Zwölfjährige: WC-Nullnull fiept!_

„Unvermeidlich, aber wahr: Die ultimative Parodie auf alle sechs (ja, Sie haben richtig gelesen: alle SECHS) STAR WARS-Kinofilme!“ (Verlagsinfo)

_Der Autor_

A.R.R.R. Roberts, der sich hier stilecht mit nur A3R als Vornamen zufriedengibt, hat bereits die mehr oder weniger geniale Parodie auf Tolkiens Kinderbuchklassiker „The Hobbit“ verbrochen, die hierzulande unter dem Titel [„Der kleine Hobbnix“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=477 (O-Titel: The Soddit) erschien. Kürzlich kam auch seine Verhohnepiepelung des elbischen Telefonuchs „The Silmarillion“ auf den Markt. Aus dem ursprünglichen „The Sellamillion“ wurde das kriminelle Wortspiel „Stiehlnemillion“.

_Handlung_

Das Buch besteht definitv aus sechs Teilen, beginnt aber natürlich keineswegs mit dem ersten, sondern mit dem vierten – genau wie in der Vorlage von „Schorsch Luk-Ass“. Folglich folgt nach der sechsten Episode die erste. Wer das etwas verwirrend findet, sollte sich beim Erfinder beschweren.

Luke Skyquaker lebt auf seiner Welt Tätowiermir frisch, nackt und unschuldig unter FKK-bewussten Schweden, als das Unglück in Gestalt zweiter Droiden an seine Tür klopft. Der goldene schlanke Droide mit dem Namen SAF4711 hat für proteinbasierende Humanwesen nur Verachtung und Abscheu übrig – in dieser Reihenfolge. Darin steht ihm sein Kumpel WC-Nullnull nur wenig nach, der sich trotz seines Aussehens einer Kloschüssel weigert, anders als in Fieptönen zu kommunizieren.

WC-Nullnull spielt ihm eine Holobotschaft vor, in der eine gewisse Prinzessin Lepra einen Jobber-Ritter namens Jopi-An Knofi um Hilfe ruft. Sie sei nämlich von Imperialen Reichsimperium gefangen genommen worden und werde höchstwahrscheinlich aufs Grässlichste gefoltert werden, weil dessen Schergen die Geheimnisse der Rebellenden (sic!) erfahren wollen, die für eine „Galaxia libre“ kämpfen.

Luke kennt keine Jobber-Ritter, noch nicht mal Siff-Lords, doch ihm fällt ein alter Knacker namens Opi-Jan Knofi ein, den er mal fragen könnte, was gemeint ist. Und tatsächlich meint Opi, dass sie sofort losdüsen sollten, um Prinzessin Lepra zu befreien, denn schließlich sei die „PRACHT“ ja mit ihnen.

Da Luke nicht mal einen Golfwagen steuern kann, brauchen sie noch einen fähigen Piloten. Diesen finden sie in Gestalt von Hans Polo, doch leider ist er nicht besonders helle, noch ist sein Kopilot Aubacke bislang aus seinem Winterschlaf erwacht. Dafür verfügt Hans über ein geiles Raumschiff mit dem eindrucksvollen Namen „Millennium Wanze“ – der Name „Millennium Schmetterling“ war schon vergeben.

Doch die reichsimperialen Sturtruppler (sic!) haben etwas gegen alte Knacker, die ein Neonschwert zücken, um einem der Ihren eins überzuziehen. Zum Glück entpuppt sich das Neonschwert lediglich als harmlose Leuchtstoffröhre, aber die Sturtruppler sind doch so verblüfft von Opis Angriff, dass sich die Verschwörer an Bord der „Wanze“ flüchten können. Dabei wird Hans Polo schwer getroffen, und Luke muss den Start selbst übernehmen. Leider drückt er den Knopf für den Rückwärtsgang und würgt den Motor ab …

Daher teilen sie schon bald das grässliche Schicksal Prinzessin Lepras. Eingekerkert in einer Zelle des Todesheilbades (= The Death Spa) müssen sie ihre Hirn- und sonstigen Zellen anstrengen, um hier wieder rauszukommen. Wehe, wenn der Oberkommandeur des obersten Pfandmuffels des Reichsimperiums kommt und sie verhört: Mit seiner röchelnden Stimme und seinem gefürchteten schwarzen Humor würde sie Schwarz Vater im Handumdrehen kirre machen.

Doch bevor es dazu kommt, verliebt sich Luke in die schmucke Prinzessin, die in keiner Weise wirkt, als verlöre sie demnächst ein paar verfaulte Körperteile, geschweige denn die absonderlichen Dinger, die sie über den Ohren trägt. Doch ihre schwerste Stunde steht den Verschwörern noch bevor. Bei einem Fluchtversuch verirren sie sich in einen engen holzgetäfelten Raum, dessen Tür von den Verfolgern verschlossen und verrammelt wird. Eine tödliche Falle?!

Doch als der heiße Dampf in die Zelle dringt, weiß Luke Bescheid – schließlich gehört bei den Schweden das Saunabaden zum täglichen Ritual. Und so fällt es ihm nicht schwer, einen glorreichen Vorschlag zu machen. Sie brauchen sich nur alle auszuziehen und dann in den Lüftungsschacht klettern, um zu entkommen.

Dagegen legt allerdings Prinzessin Lepra ihr Veto ein. Wo käme man denn hin, wenn sich alle mir nichts, dir nichts auszögen, so wie die armen Science-Fiction-Autoren auf dem Planeten Gregbär, hm? (In die Freiheit beispielsweise …)

Freuen Sie sich! Die Episode 4 „Eine nackte Hoffnung“ wird fortgesetzt in:
Ep. 5: Das Imperium spielt verrückt (u. a. mit epischen Abenteuern auf dem Eisplaneten Caldarsch)
Ep. 6: Die Rückkehr des Sohnes des Jobbers reitet wieder
Ep. 1: Die dunkle Verrohung
Ep. 2: Angriff der Tron-Krieger
Ep. 3: Die Rache der Rückkehr des Sohnes der Siff reitet wieder: Die nächste Generation – die Anfangsjahre

_Mein Eindruck_

Humor ist natürlich eine Geschmacksfrage. Alle, die mit religösem Eifer die Abenteuer von Luke, Leia und Han verschlungen und Klein-Anis Aufstieg zum gefürchteten Siff-, pardon! Sith-Lord mit Heulen und Zähneklappern verfolgt haben, denen sei von der Lektüre dieses vorliegenden Bändchens mit dem Namen „Star Warped“ dringend abgeraten. Es könnte sich als schwere Störung ihres Welt-Bildes erweisen und zu voreiligen Handlungen führen (Mord, Selbstmord, Vernichtung der DVD-Box durch Flammenwerfereinsatz und dergleichen mehr).

Wer sich im Angesicht des Merchandising-Sturms und Propaganda-Gewitters aus Lucasland allerdings ein restliches Quäntchen Verstand bewahren konnte, den könnte diese Parodie durchaus interessieren.

Doch deshalb ist eine Parodie nocht nicht „per se“ gelungen, nur weil sie einen der größten Mythen der modernen Kinogeschichte auf den Arm nimmt. (Schwarz Vader würde VERHOHNEPIEPELT sagen, natürlich in Großbuchstaben, aber auf dieses Niveau müssen wir uns nicht hinabbegeben. Wirklich nicht!)

Wie immer bei Parodien spielt die Übertragung in die deutsche Sprachlandschaft eine entscheidende Rolle. In Roberts‘ Erstling „Der kleine Hobbnix“ gelang dies der Übersetzerin verzüglich, so dass es eine wahre Freude war, den rappenden Zwergen auf ihrem Weg zum Drachenschatz unterm Einsamen Berg zu folgen. Sie waren einfach zu lieb, doof und putzig, um sie anödend zu finden. Außerdem gab es die komplizierte Sache mit dem reziprok wirkenden Ring-Zauber und ein Rätsel um Zauberer Ganzalt, die für Unterhaltung und Spannung sorgten.

Bei „Star Warped“ hat Ronald M. Hahn die Übertragung besorgt. Hahn, Übersetzer der „Wüstenplanet“-Romane Frank Herberts, ist Autor zahlreicher Jugendbücher und hat eine Satire mit dem Titel „Die Socialdemokraten auf dem Monde“ geschrieben (bei |Heyne|). Man kann ihm durchaus bescheinigen, sich in Sachen Humor auszukennen und sich darin ausdrücken zu können.

Die Übertragung der Namen wie etwa Wehzeh- bzw. WC-Nullnull (statt R2D2) oder Opi-Jan Knofi (Knofi = Knoblauch) statt Ob-Wan Kenobi fand ich ja noch einigermaßen erträglich. Und wenn Yoda der Jedi zum jodelnden Jodella wird, könnte man sich auch einen abgrinsen. Allerdings lassen die Dialoge doch sehr an Intelligenz zu wünschen übrig. Das Hirnzellen-Energieniveau, das hier aufgebracht werden muss, kann locker schon ein Elf- oder Zwölfjähriger liefern. (Das ist „zufällig“ das Alter, ab dem STAR-WARS-Filme freigegeben sind.) Und allen, die schon älter sind, kommt dies wie Schwachstrom-Humor vor.

Beispiel gefällig? Auf Seite 116/117 heißt es:

»Urplötzlich hörte [Luke] eine geisterhafte Stimme aus einer Existenzebene, die jenseits seiner eigenen lag: ‚Setz die Pracht ein, Luke‘.
„Was?“, sagte Luke verdutzt.
„Was?“, fragte Prinzessin Lepra.
„Was?“, sagte Luke und schaute sie an.
„Was hast du gesagt?“, fragte sie.
„Was?“
„WAS?“
„Hast du was gesagt? Hast du gesagt: ‚Setz die Pracht ein, Luke‘?“
„Nein“, sagte Lepra.
„Hast du irgendwas gesagt, das(s*) ich vielleicht als ‚Setz die Pracht ein, Luke‘ missverstanden haben könnte?“
„Nein – jetzt hör auf zu mauern. […]“«
(*) Das zweite S steht tatsächlich im Text. Das ist natürlich nicht ganz korrekt.

An dieser Passage entzünden sich herzlich wenige Intelligenzfunken. Vielmehr neigt der mit brillantem Verstand ausgestattete Leser dazu, ein Stöhnen der Qual von sich zu geben. Aber daran ist der Übersetzer putativ unschuldig (in dubio pro reo). Der Dialog ist eben so gnadenlos dumm.

Wie schwierig das Geschäft der Übertragung sein kann, zeigt sich nur wenige Zeilen vor diesem Dialog. Das ursprüngliche (erschlossene) Wort „autodestruction“, aus dem im Deutschen „Autovernichtung“ gemacht wurde, interpretiert Luke zunächst ganz folgerichtig als „Selbstvernichtung“. Er erklärt sich diese Funktion aus der Paranoia des imperialen Reichsimperiums. Mit Freuden drückt er daher den Knopf für „Autovernichtung“, in der Hoffnung, so den Selbstzerstörungsmechanismus des Todesheilbades in Gang zu setzen, ähnlich wie Lt. Ripley in „Alien“. Daraus wird leider nichts, denn der Knopf „Autovernichtung“ ist wortwörtlich zu verstehen: Klar, dass in einem gigantischen Parkhaus von Planetengröße Autos das einzige sind, was vernichtet wird …

Merke: Was im Original als „autodestruction“ schön zweideutig war, ist im Deutschen als „Autovernichtung“ leider ziemlich eindeutig und gibt die Pointe vorzeitig preis. Der Leser fragt sich deshalb auch während Lukes Monolog über „Selbstvernichtung“, wovon er da eigentlich faselt, wenn doch längst klar sein muss, dass es um die Vernichtung von Autos geht und um nichts sonst. Kein Wunder, dass Prinzessin Lepra ihren lobenden Kuss zurückhaben will.

Man sieht also, dass eine Parodie nicht immer so gut funktioniert wie das Original. Und da das Buch offenbar Kinder ansprechen soll, fühlte ich mich durchweg unterfordert.

_Unterm Strich_

„Star Warped“ bietet sicherlich einige nette Einfälle, die Leuten, die den |Star Wars|-Rummel kritisch beäugen, das eine oder andere Schmunzeln entlocken können. Doch die sprachlichen Fallstricke erweisen sich als so hinderlich, dass eine Menge des Esprits des Originals verloren geht. Und dass sich das Buch nun an Kinder von elf oder zwölf Jahren wendet, fand ich dann eher unpassend. Fazit: Muss man nicht kennen.

|Originaltitel: Star Warped, 2005
Aus dem US-Englischen übersetzt von Ronald M. Hahn|