Royce Buckingham – Die rubinrote Königin (Mapper 3)

Mapper

Band 1: Die Karte der Welt“
Band 2: Der Wille des Königs“
Band 3: „Die rubinrote Königin“

Skye ist gefallen. Innerhalb kürzester Zeit haben die rotgekleideten Soldaten aus dem fernen Fretwitt die befestigte Stadt erobert und machen sich nun auf, den Rest des Landes zu besetzen. Doch ihre Invasion steht unter keinem guten Stern: ihre Königin aus dem Haus Zinnober ist der Aufgabe nicht gewachsen und hat außerdem einen höchst gefährlichen Mann in ihrem Gefolge. Und das Land Abrogan seblst scheint sich gegen die Eroberer zu wehren … auf seine eigene, unheilvolle Art!

Während der zweite Band des Zyklus die Vorgeschichte zum ersten erzählte, spielt der dritte viele Jahre nach dem ersten.

Die Hauptfigur Cameo ist ein sehr junges, unerfahrenes und naives Mädchen, das ganz unbeabsichtigt in eine Intrige des roten Hofes geraten ist, und als schließlich ihr Leben in Gefahr gerät, reißt sie einfach aus.

Die andere Hauptfigur ist Vill. Genau: eben jener Vill, der im ersten Band für so viel Ärger gesorgt hat. Doch nachdem Vill zu Beginn der Geschichte den Schleier zum zweiten Mal verlassen hat, sind seine Gefühle zurückgekehrt. Er schämt sich seiner früheren Taten und will sie wieder gut machen.

So richtig warm geworden bin ich mit der Charakterzeichnung nicht.

Cameo ist nicht unsympathisch, und bei dem Leben, das sie geführt hat, ist es nicht verwunderlich, dass sie den intriganten Höflingen auf den Leim gegangen ist. Dennoch fand ich ihre Darstellung stellenweise etwas übertrieben.

Noch schlimmer waren die Nebenfiguren, vor allem die Höflinge aus Fretwitt. Sie alle wirkten schrecklich unnatürlich, und ihre Intrige war unglaublich plump. Wer bitte unterhält sich über einen geplanten Mord, wenn er weiß, dass das Opfer sich im Nebenzimmer aufhält und ihn hören kann?

Vill ist nicht ganz so steif und übertrieben geraten, allerdings fehlte mir hier die Entwicklung vom gefühllosen Rächer hin zum schuldbewußten Helden. Es ist einfach, als sei ein Schalter umgelegt.

Ähnlich unausgegoren empfand ich auch die Handlung.

Sämtliche Parteien rennen unentwegt kreuz und quer in Abrogan herum. Im Falle von Cameo und Vill erfährt man immerhin die Gründe. Die Bewegungen des schwarzen Heeres sind allerdings überhaupt nicht nachzuvollziehen. Zeitliche Sprünge von mehreren Wochen innerhalb der Handlung tragen nicht gerade dazu bei, diesen Punkt zu erhellen. Vor allem, weil diese doch relativ langen Abschnitte einfach in der Versenkung verschwinden oder mit einem lapidaren Kommentar abgehandelt werden.

Außerdem ist die Geschichte voller loser Fäden. Der Leser erfährt weder, welche Ziele die Intriganten des roten Hofes verfolgten, noch, wie Vill es geschafft hat, aus dem Schleier herauszufinden, noch, warum bei seinem zweiten Aufenthalt dort die Auswirkungen genau entgegengesetzt zu denen beim ersten Aufenthalt waren. Man erfährt nicht, wie Wex es in seinem Alter und innerhalb so kurzer Zeit von Skye in die Zornberge geschafft, warum Kraven sich im Eis eingefroren, und wer und wie derjenige Shinka aufgetrieben und auf den Berg gebracht hat.

All diesen losen Fäden stehen diesmal eher wenige neue Ideen gegenüber. Das einzige nette Detail in diesem Band sind die sprechenden Vögel, und die allein können die angesprochenen Mankos nicht ausgleichen.

Alles in allem hätte man aus der Grundidee des Buches durchaus etwas machen können. Leider ist es dem Autor aber nicht gelungen, die einzelnen Komponenten zu einer runden Sache zu verschmelzen, die sich flüssig liest, geschweige denn einen Spannungsbogen entwickelt. Auch die vielen Einfälle, die den ersten Band bunt und interessant gemacht haben, fehlen, und die Charaktere sind zu blass und unnatürlich, um die Handlung über den holperigen Untergrund hinwegzutragen. So wirkt das Endergebnis ein wenig einfalls- und lieblos, als hätte der Autor eigentlich gar keine Lust gehabt, eine Fortsetzung zu schreiben. Der Schluss des Buches würde noch weitere Bände erlauben, aber falls es dazu kommen sollte, glaube ich nicht, dass ich sie lesen will.

Royce Buckingham studierte Rechtswissenschaften und arbeitet als Staatsanwalt. Das Schreiben lief lange Zeit nebenher, neben Kurzgeschichten und Drehbüchern entstanden die Kinderbücher „The dead Boys“ und „Goblins! An Underearth Adventure“ sowie die Demonkeeper-Trilogie, deren erster Teil „Dämliche Dämonen“ zweitweise als Filmstoff zur Debatte stand, bisher aber nicht in den Kinos ankam. Außerdem erschien mit „The Terminals“ ein erstes Jugendbuch aus seiner Feder, und im März 2015 mit „Impass“ ein Roman für Erwachsene.

Taschenbuch 544 Seiten
Originaltitel: Mapper 3
Deutsch von Michael Pfingstl
ISBN-13: 978-3734160165

www.erik-kellen.de
www.randomhouse.de/blanvalet

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