Ruth Rendell – Der Fremde im Haus

Inhalt

Zum ersten Mal in seinem Leben verläuft für Carl alles nach Plan. Sein Romandebüt wird veröffentlicht, er hat ein Haus in Londons Stadtmitte geerbt, und er ist glücklich verliebt. Um jetzt noch für den nötigen Geldfluss zu sorgen, sucht er sich einen Untermieter, den er für einen wahren Glücksfall hält. Doch der vermeintlich zuvorkommende Dermot streift nachts durchs Haus, taucht im Dunkeln hinter Türen auf und durchwühlt Schränke und Schubladen. Als er schließlich von einem tragischen Unglück in Carls Bekanntenkreis erfährt, setzt dies eine Kette verhängnisvoller Ereignisse in Gang … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Dieser Krimi ist für mich der beste Beweis dafür, dass nicht das Was (Handlung), sondern das Wie (Stil) darüber entscheidet, ob ich eine Geschichte mag oder nicht. Der Plot ist packend, komplex, temporeich, abwechslungsreich und (trocken) ironisch – die Charaktere sowie den Schreibstil empfand ich hingegen als befremdlich.

In einem Interview von 2005 sagte die Autorin: Ich versuche erfolgreich, wie ich glaube -, in meinen Lesern Mitgefühl für meine Psychopathen zu wecken, denn ich empfinde es.

Ich nicht! Dabei habe ich wirklich viele Spannungsromane gelesen, in denen ich furchtbare Figuren – von Stalkern über Erpresser bis hin zu Mördern – mochte, weil sie „ausgleichende“ Eigenschaften (Intelligenz, Talent etc.) hatten, oder ich ihre Beweggründe nachvollziehen konnte. Die Protagonisten und Nebencharaktere hier sind fast ausnahmslos höchst unsympathisch, da sie wie seelenlose Roboter beziehungsweise bockige Kleinkinder anmuten, die keine Ahnung von Ursache und Wirkung haben.

Den Charakteren fehlt es an Tiefgang, insbesondere drei der vier Hauptfiguren sind einfach nur einfältig, kleinlich, verbohrt, weinerlich und lächerlich eitel sowie selbstgerecht. Die Motive für ihr Handeln sind weder interessant noch originell: banalste Geldgier, jämmerliches Machtgehabe plus kindischer Neid. Zudem ist die Inhaltsangabe des Verlags irreführend, da sie ein Opfer-Täter-Szenario andeutet – in diesem Roman gibt es allerdings keine Opfer, nur „Freiwillige“, denn alle Protagonisten setzen durch himmelhoch schreienden Leichtsinn, Ereignisse in Gang, die sich rächen müssen…

Der Autor

Ruth Rendell wurde 1930 in London geboren und lebte dort bis zu ihrem Tod 2015. Sie arbeitete als Journalistin, bevor sie sich ganz dem Schreiben von Romanen widmete. 1997 wurde sie mit dem Grand Master Award der Crime Writers‘ Association of America, dem renommiertesten Krimipreis, ausgezeichnet und darüber hinaus von Königin Elizabeth II. in den Adelsstand erhoben. Ruth Rendell ist auch unter dem Pseudonym Barbara Vine bekannt. (Verlagsinfo)

Fazit:

Ich muss der Geschichte zugute halten, dass sie keine Zeit verschwendet: Man ist sofort mittendrin und wird durch drei, sich abwechselnde, Handlungsstränge mitgerissen. Schlecht fand ich hingegen die häufig vorkommende indirekte Rede, weil sie den Schreibstil unnötig altmodisch und leblos macht. Auch die oft steifen Dialoge irritierten mich – sie scheinen Filmen aus den 1950-60er Jahren zu entspringen. Die Wertvorstellungen fast aller Figuren sind passend dazu ebenso veraltet – was jedoch leider realistisch sein könnte!? Gesellschaftssatire? Kam bei mir nicht so an! Inhaltlich wirken die Geschehnisse manchmal abgehackt beziehungsweise unstimmig. Ich empfand das Buch als verstörend unterhaltsam und habe aus purer Neugier immer weiter gelesen.

Hardcover: 304 Seiten
Originaltitel: Dark Corners
Aus dem Englischen von Karin Dufner
ISBN-13: 978-3764505844

www.randomhouse.de

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