Salvatore, R. A. – Kampf der Kreaturen (Die Rückkehr des Dunkelelf 2)

„Kampf der Kreaturen“ ist der zweite Band der Reihe „Die Rückkehr des Dunkelelf“, die einem altgedienten AD&D-Haudegen, dem beliebten Dunkelelf Drizzt Do’Urden, neuen Schwung verleihen soll: Hatten sich doch dessen Krummsäbel ein wenig an Routine und eher missglückten neuen Ideen abgestumpft.

Zurück zu den Wurzeln – mit einer gehörigen Prise Humor und altbewährtem und beliebtem Schneid. So das Motto des ersten Bandes [„Die Invasion der Orks“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=476. Klassischere – und dank der Tolkien-Verfilmung nur noch mehr populäre – Unholde kann es kaum geben. Eine riesige Armee aus Orks, Frostriesen und abtrünnigen Dunkelelfen rottet sich zusammen und stürmt die Länder der Menschen, Elfen und Zwerge. Drizzt und seine Freunde Bruenor, Wulfgar, Catti-brie und Regis stellen sich den Invasoren entgegen.

Am Ende des ersten Bandes wird Zwergenkönig Bruenor schwer verletzt, Drizzt von der Gruppe getrennt. Er sieht den vermeintlichen Tod all seiner Freunde bei der Verteidigung Senkendorfs aus der Ferne. Während diese – durchaus lebendig – den sterbenden Bruenor nach Mithril-Halle bringen und dort die Verteidigung organisieren, startet Drizzt einen aus Verzweiflung geborenen Rachefeldzug.

Ohne seine Freunde verwandelt er sich in den gefühllosen Jäger, als der er jahrelang das Unterreich durchstreift hat. Die Elfen Tarathiel und Innovindil versuchen ihm zu helfen, verstärken aber nur seinen Schmerz, sie reißen unwillkürlich alte Wunden in Drizzt auf.

Derweil potenziert sich die Bedrohung durch die Orks dramatisch: Die Zwerge haben bei ihrem Rückzug dem Ork-Gott Gruumsh gelästert. Dieser hat sich offensichtlich den Möchtegern-Ork-König Obould Todespfeil als Avatar auserkoren. Mit gottgleicher Kraft und festem Willen führt er seine Truppen in die Schlacht, die unter ihrem neuen Führer vereint stärker denn je sind.

_Nichts Neues in Faerûn_

An und für sich ist das Szenario genauso ausgelutscht wie geradezu klassisch zu nennen. Leider fehlt dem zweiten Band der Esprit und Humor des ersten Bandes, und so muss man sich zu Beginn durch endlose Passagen eines Orks |en masse| schlitzenden, einsamen Dunkelelfen mit Schuldkomplexen kämpfen. Salvatore verfällt in dieselbe Leier, die schon die letzten Bände um den Elf ungenießbar machten. Stichwort Ellifain – Drizzts Nemesis aus frühester Jugend. Gerade eben betrauert Drizzt den vermeintlichen Tod |aller| seiner Freunde, zusätzlich bedrückt ihn aber immer noch das unrühmliche Ende der jungen Elfe. Zur Erinnerung: Ellifain wurde vor Drizzt unter ihren toten Elfeneltern versteckt, als er in seiner Jugend einen der widerlich blutrünstigen und grausamen Überfälle der Drow auf Siedlungen der Oberflächenelfen mitmachen musste. Obwohl der schockierte Drizzt Ellifain gerettet hat, hasste diese ihn zeitlebens und starb schlussendlich während einer von ihr herbeigeführten Konfrontation von der Hand ihres Retters, in dem sie trotz aller Lobeshymnen über ihn immer nur den Feind und mörderischen Dunkelelfen gesehen hat.

Seifenoper pur. Zu allem Überfluss weicht Salvatore nicht von den einleitenden, kursiv gedruckten Gedankengängen Drizzts aus der Ich-Perspektive ab. Diese hat er jedoch schon so oft in ähnlicher Weise wiedergekäut, das sie nur noch breitgetretener, seichter Quark sind, den ich wirklich nicht genießen konnte.

Der Ork-Chef wird von Gotteshand berührt, was man in Rollenspielerkreisen als Beförderung zum unkaputtbaren Nichtspielercharakter definieren würde. Damit hätte man die wesentlichen Ereignisse der unerquicklich handlungsarmen ersten Buchhälfte abgehakt.

Die zweite stimmt versöhnlicher: Den Elan und Humor des ersten Bandes findet man hier zwar ebenfalls nicht, aber es gibt einige wirklich Drizzt-mäßige Gefechte: Unser Lieblings-Säbelschwinger darf sich mit einigen Dunkelelfen duellieren, als Reminiszenz an alte, bessere Zeiten darf auch der Doppelkreuzschlag mit Finte nicht fehlen! Das soll jetzt keineswegs ironisch gemeint sein, dieser Kampf war eines der wenigen Highlights dieses Buchs.

Bemerkenswert auch die Aktionen von Shoudra Sternenglanz und Nanfoodle in Mithril-Halle: Während Regis in Vertretung des sterbenden Bruenor (Ironischerweise erreichte mich während der Lektüre dieser Passage die Nachricht vom Tod des PLO-Chefs Yassir Arafat – ein Omen?) verzweifelt die Verteidigung der Festung gegen die vehement und immer erfolgreicher stürmenden Orks organisiert, kommt es bei dem Duo zu Gewissenskonflikten: Soll man wirklich das Erz der um ihr Leben kämpfenden Zwerge schwächen? Obwohl Shoudra mit den Zwergen sympathisiert, ist ihre Stellung gefährdet, denn ihr Sabotageauftrag fliegt ungünstigerweise auf …

Interessante neue Aspekte bringt die Elfe Innovindil ins Spiel: Nicht gerade dezent (Holzhammermethode) weist sie Drizzt darauf hin, dass eine jahrhundertelange Beziehung unter Elfen potenziell glücklicher ist als eine mit nur wenige Jahrzehnte lebenden Menschen. Bahnt sich hier etwa eine unheilige Romanze an? Catti-brie ist nach wie vor am Leben und in Sorge um Drizzt, der sie jedoch als vermeintlich Tote betrauert. Oder wohl doch nicht so sehr: Grämt er sich doch mehr wegen Ellifain – Drizzt, was ist nur los mit dir? Oder sollte man besser sagen: Salvatore, das passt nicht mehr auch nur annährend zusammen?

Viel mehr passiert leider nicht. Der erste Teil ist grottenlangweiliges, seichtes Psychogewäsch, von dem Salvatore wirklich langsam abkommen sollte. Die zweite Hälfte glänzt mit einigen überdurchschnittlichen Metzeleien in bester Salvatore-Manier und … Überraschung! Es sterben einige Helden! Ob sich etwa auch Bruenor Heldenhammer in die Hallen Moradins begibt, möchte ich hier nicht verraten. Der Helden-Bodycount ist jedenfalls beträchtlich und schafft Salvatore-untypische Panik beim nichts ahnenden Leser!

_Eher geht ein Frostriese durch ein Nadelöhr …_

… als dieses Buch in die Annalen der Fantasyliteratur ein. Die guten Ansätze des ersten Bandes wurden vollständig aufgegeben, ein Rückfall in die langweilige Tristesse, die mit diesem Ork-Großangriff eigentlich aufhören sollte. Da hilft auch die Beschwörung vergangener Glanzzeiten nichts. Die ersten Romane um Drizzt schufen eine beliebte Kultfigur und Legende. Aber was kommt jetzt?

Die erhoffte Wende zum Besseren jedenfalls nicht. Ansätze waren vorhanden. Am meisten habe ich die humorigen Nebenhandlungen des ersten Bandes vermisst. Salvatore sollte zusammen mit Klingenkünstler Drizzt eher einen Dönerstand betreiben als solche lustlosen Romane zu verbrechen. Wer Wert auf abwechslungsreichere Dunkelelfen-Geschichten ohne Geblubber und Leerlauf legt, sollte sich stattdessen die Reihe „Der Krieg der Spinnenkönigin“, erster Band [„Zersetzung“,]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id_book=183 ansehen.

R. A. Salvatore hat leider immer noch nicht wieder zu der alten Form zurückgefunden, die ihn so viele Fans beschert und Drizzt Do’Urden zur Kultfigur gemacht hat. Neue Ideen hat er jedenfalls keine, an alte Zeiten versucht er vergeblich anzuknüpfen. Schade!

Homepage des Autors:
http://www.rasalvatore.com/

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