Andrzej Sapkowski – Dame vom See, Die (Geralt-Saga, 5. Roman)

Diese Rezension stammt von Michael Birke

_Die Geralt-Saga:_

Vorgeschichte: _1_ [Der letzte Wunsch]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3939
Vorgeschichte: _2_ [Das Schwert der Vorsehung]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5327

_Roman 1_: [Das Erbe der Elfen]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5334
_Roman 2_: [Die Zeit der Verachtung]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5751
_Roman 3_: [Feuertaufe]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5966
_Roman 4_: [Der Schwalbenturm]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6447
_Roman 5: Die Dame vom See_

„Ich bin mir nicht sicher, ob diese Geschichte wirklich schon zu Ende ist. Denn du musst wissen, dass sich Vergangenheit und Zukunft schrecklich verflochten haben. In jedem Augenblick liegt die Ewigkeit.“

Ich kann mich diesem Zitat auf dem Buchrücken nur anschließen, denn genau so hat Sapkowski „Die Dame vom See“, den abschließenden Band der Hexer-Saga, geschrieben. Sehr schwer fällt es mir diesen Roman zu bewerten, denn sehr unterschiedlich sind die durch eine sehr wirre und willkürliche Rahmenhandlung zusammengefassten Erzählungen. Das hat jedoch auch etwas Gutes, so kommt Geralt wieder mehr zum Zuge als in „Schwalbenturm“, was mir sehr gut gefallen hat. Als weitere Perspektiven werden unter anderem die eines Kriegsfreiwilligen, eines Medikus im Schlachtgetümmels, der Loge der Zauberinnen, Ciris Gefangenschaft als Dame vom See und sogar des Kaisers Emhyr var Emreis angeboten.

Leider war die Prophezeiung um Ciri und ihre Bedeutung für die ganze Welt von Anfang an sehr vage und bleibt es bis zu ihrer überraschenden, aber relativ unbefriedigenden Auflösung. Danach plätschert der Roman noch sehr lange hin, die in diese Rahmenhandlung eingeflochtenen Episoden wirken nach dem Showdown mit Nilfgaard auf dem Schlachtfeld überflüssig und aufgesetzt. Warum hat Sapkowski stattdessen nicht mehr aus der Provinz Touissant erzählt, wo Geralt auf der erfolglosen Suche nach Ciri Station macht und von Fringilla Vigo becirct wird. Hier nämlich ist er der Hexer, wie wir ihn kennen und lieben. Monster soll er jagen, die wahren Monster sitzen jedoch im Schloss und sind menschlich. Der angeblich gar so böse Sukkubus, den die Damenwelt von Touissant gerne erledigt sehen würde, hat viele Freunde, vergreift sich nicht an Minderjährigen und ist auch ansonsten sehr gut gelitten, weshalb alle Männer Geralt anflehen, den süßen Sukkubus doch bitte zu verschonen. Natürlich findet Geralt eine passende Lösung. Einen weiteren Höhepunkt stellt die Schlacht mit den Heeren Nilfgaards dar, die Sapwkoskis unter anderem aus der Perspektive eines Kriegsfreiwilligen und eines Feldschers sehr intensiv und gelungen schildert.

Etwas sehr weit hergeholt und mitunter irritierend war die Verknüpfung mit der Artuslegende, Parzival und dem Elfenkönig Oberon. Nimue und Condwiramurs (Parzivals Mutter) die Geschichte Ciris „nachträumen“ zu lassen und von ihren Erlebnissen in der Elfenwelt zu berichten zu lassen stört den Lesefluss beträchtlich. Am Ende der Geschichte wird der Bogen zum Beginn, wo der Ritter Galahad eine nackte Ciri im See baden sieht, geschlagen. Warum so viel Aufwand für diesen geringen Effekt? Es scheint mir eher, dass Sapkowski wie bereits in seiner Hussitensaga um Reinmar von Bielau die Luft und die Lust ausgegangen sind. George R. R. Martin arbeitet mit wesentlich mehr Figurenperspektiven, aber die Handlung wird dadurch nicht verworren oder irritierender. Spannungskurve und Gesamtkonzeption Fehlanzeige, ein überbordender Überbau für das, was Sapkowski am besten kann und wohl auch am liebsten weiter gemacht hätte: Kurze, knackige und humorvolle Episoden über den Hexer Geralt zum Besten geben.

Als Abschluss der Hexersaga ist das Buch leidlich gelungen, ich hätte mir gewünscht, mehr von Geralt und Yennefer zu lesen. In Zukunft würde ich mir lieber weitere Kurzgeschichten rund um den Hexer wünschen, gerne auch über interessante Charaktere aus seinem Umfeld. Eine ganze Welt rund um die Geschichten zu schaffen ist lobenswert und faszinierend, doch die recht diffuse Prophezeiung um Ciri hätte Sapkowski besser nicht bemühen sollen, sie ist recht schwach und die abschließende Pointe lässt vieles im Nachhinein als sehr unlogisch und konstruiert erscheinen.

Trotzdem hatte ich mit „Die Dame vom See“ mehr Freude als an „Schwalbenturm“. Die Saga um Geralt wird in der kommenden Fortsetzung des ausgezeichneten Computerrollenspiels „The Witcher“ weitergeführt. Allerdings hat Sapkowski an „The Witcher 2: Assassins of Kings“ in keinster Weise mitgewirkt. Leider hat der Autor bisher nichts über eine Fortsetzung der Hexer-Geschichten verlauten lassen. Nur einige ältere Kurzgeschichten, die zum Teil in Konflikt zu den anderen Geschichten stehen, sind noch nicht ins Deutsche übersetzt worden.

Schade, ich hätte trotz dieses Abschlussbandes gerne weitere Abenteuer des Hexers gelesen.

|Taschenbuch: 539 Seiten
Originaltitel: |Pani Jeziora|
Aus dem Polnischen von Erik Simon
ISBN-13: 978-3423248174|
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