Frank Schätzing – Tod und Teufel

Pfft – tschak! Der Killer mit der Armbrust

Köln im Jahre 1260: Die führenden Patrizier haben sich zu einem Komplott gegen den Erzbischof verschworen, der ihnen ihre Macht geraubt hat. Sie dingen einen skrupellosen Attentäter, der nicht nur den Erzbischof, sondern auch potenzielle Verräter in den eigenen Reihen aus dem Weg räumen soll. Als ein unbeteiligter Dieb per Zufall Zeuge einer solchen Verräterbeseitigung wird, sehen die Patrizier ihre Pläne in Gefahr. Der Attentäter mit der tödlichen Mini-Armbrust heftet sich an die Fersen des Diebes. Aber er hat nicht mit dessen klugen Verbündeten gerechnet …

Der Autor

Frank Schätzing, geboren 1957, studierte Kommunikation und wurde Creative Director in internationalen Agentur-Networks. Er gründete die Kölner Werbeagentur Intevi und arbeitete als Musiker und Musikproduzent. 1995 debütierte er mit dem historischen Roman „Tod und Teufel“, der sich inzwischen zum Bestseller gemausert hat. Nach einer Reihe von Krimis und Kurzgeschichten folgte 2000 der Politthriller „Lautlos“. Die Synthese aus beidem ist „Der Schwarm“. Der Öko-Katastrophenthriller sauste die Buchcharts hoch und wurde sogar in die USA verkauft. Die Verfilmung dürfte unvermeidlich sein. Schätzing wurde 2002 mit dem KölnLiteraturpreis ausgezeichnet und lebt auch in der Domstadt.

Die Sprecher/Die Inszenierung

Die Sprecher und ihren Rollen:

Gerd Köster: der Erzähler. Gerd Köster, 1957 in Köln geboren, war mal Kopf der angeblich legendären Musikgruppe „Schröder Roadshow“. Zu seinen Großtaten gehört laut Verlag die Übertragung von Tom Waits („The piano has been drinking“) ins Deutsche – nein, pardon! Natürlich ins Kölsche (ganz was anderes). In den letzten Jahren fand er als Theaterschauspieler und Sprecher Beachtung.

Mario Adorf: Johann Overstolz, Patrizier (hier spricht tatsächlich der bekannte Schauspieler)
Frank Schätzing: Theoderich Overstolz, sein Sohn; sowie Hieronymus, ein Schlachter, ein Häscher
Thomas Balou Martin: Mathias Overstolz; Rolof
Volker Niederfahrenhorst: Daniel Overstolz
Timmo Niesner: Kuno Kone
Peter Matic: Jaspar Rodenkirchen
Sven Hasper: Jacop der Fuchs
Heinz Ostermann: Goddert von Weiden
Anke Engelke: Richmodis, seine Tochter
Hans-Jürgen Wolf: Urquhart
u. v. a.

Frank Schätzing hat seinen eigenen Roman selbst zu einem Hörspieldrehbuch umgearbeitet, führte zusammen mit Loy Wesselburg Regie und produzierte mit ihm die Musik, d. h. die beiden spielten eine Menge Instrumente, und nur Uwe A. O. Heinlein spielte noch den irischen Dudelsack. Für das Sound-Design zeichnete Nico Rebscher verantwortlich, die Geräusche trug Peter Aufderhaar bei. Loy Wesselburg war für „gelegentliches Armbrustschießen“ zuständig.

Handlung

Jacop der Fuchs trägt seinen Beinamen zu Recht: Er hat fuchsrotes Haar, und dieser Umstand kann sich, wie er immer wieder feststellen muss, als recht hinderlich beim Untertauchen erweisen. Man schreibt den 11. September 1260, und wieder einmal ist Jacop seiner Profession des unentgeltlichen Einsackens – vulgo: Diebstahl – nachgegangen, als ihn durch einen dummen Zufall ein Schlachter dabei bemerkt. Jacop beeilt sich, mit Fersengeld zu zahlen. Erst im Bach der Färber findet er Deckung, und eine freundliche Maid deckt ihn auch noch gegenüber seinem Verfolger. Als die Luft rein ist, darf er wieder auftauchen. Natürlich steht er tief in Richmodis‘ Schuld, doch alles, womit er sich revanchieren kann, ist eine selbstgeschnitzte Pfeife. Er verspricht, ihr eines Tages die Flötentöne beizubringen …

Der Tagedieb Jacop schläft in einer alten Hütte unter einem der Torbögen in der neuen Stadtmauer, doch sein Freund Tilman ist noch schlechter dran: Er muss im Freien am Entenpfuhl schlafen und hat von den kalten Nächten einen schlimmen Husten bekommen. Doch zur Feier des Tages – er ist ja fast schon verliebt – will Jacop sich und seinem Freund etwas Besonderes gönnen. Er beschließt, sich die besten Äpfel von ganz Köln zu organisieren, und die wachsen bekanntlich im Obstgarten des Erzbischofs Konrad. Gesagt, getan: Jacop steigt über die Mauer des bischöflichen Grundstücks, das gleich neben der Baustelle des neuen Doms liegt, und klettert auf den Ast des nächsten Apfelbaums.

Obwohl erst der Morgen graut, hat er hier die beste Aussicht auf den werdenden Dom – ein wahres Ungeheuer von einer Kirche, wie es sich nur eine sehr reiche Stadt leisten kann. Aber schließlich sind darin die Gebeine der Heiligen drei Könige bestattet, die natürlich Pilger aus ganz Europa anziehen. Die und die Rheinschiffahrt lassen eine Menge Kies, pardon: Geld in der Stadt liegen. Doch Reichtum weckt auch Machtgelüste, und ohne dass Jacop etwas davon ahnt, wird gerade ein solcher Machtkampf in Gang gesetzt. Das Einzige, was er davon zu sehen bekommt, ist jedoch eine Gestalt, die zunächst oben auf dem Baugerüst steht. Jeder kennt den Dombaumeister Gerhard Morart. Doch da erscheint wie aus dem Nichts eine zweite Gestalt hinter Morart, die sich ihm bis auf Tuchfühlung nähert. Ein Stoß – und schon stürzt der Dombaumeister in die Tiefe.

Ausgerechnet in diesem Augenblick bricht der Ast, auf dem Jacop sitzt. Er stürzt auf die Baustelle und sein Hut fällt ihm vom Kopf. Nun kann der Attentäter ihn einwandfrei sehen und später wiedererkennen: So rotes Haar vergisst man nicht. Jacop bemerkt, dass der gestürzte Dombaumeister noch lebt und will ihm helfen. Doch Morart haucht nur drei Worte, bevor er stirbt: „Es ist falsch.“ Nun hat der Attentäter einen weiteren Grund, warum er Jacop unbedingt haben muss. Jacop macht sich aus dem Staub und flieht zu seiner Freundin, der Hure Maria, die in Clemens Brabanters Hurenhaus lebt. Als sie ihm nicht glauben will, eilt er weiter. Doch Tilman, dem er seinen Hut und Mantel geliehen hat, wird schon bald Opfer einer Verwechslung – und eines Pfeilschusses in den Nacken. Auch Maria hat nicht mehr lange zu leben. Der unheimliche Armbrustschütze quetscht sie aus und beseitigt die lästige Zeugin. Nun weiß er, dass Jacop noch lebt.

Es dauert nicht lange, da hat auch Jacop herausgefunden, dass ihm ein skrupelloser Mörder folgt: Maria und Tilman sind tot, nur seinetwegen! In einer Kirche kann er seinen Verfolger abhängen, doch für wie lange? Am nächsten Tag hat er unglaubliches Glück, als ihm einer der hochnäsigen Patrizier aus der Kaufmannssippe der Overstolzens einen Goldgulden als Almosen schenkt. Damit kann er nun sogar einen Arzt bezahlen und sich die Wunde verbinden lassen, die er in der vorigen Nacht erlitten hat. Von Richmodis weiß er, dass sie einen Onkel hat, der Physikus ist. Dieser Jaspar Rodenkirchen soll sich als der wertvollste Mensch und beste Freund erweisen, den Jacop je kennen gelernt hat. Und – o Wunder aller Wunder! – er glaubt ihm sogar die Abenteuer der letzten Nacht!

Unterdessen im Haus der Overstolzens. Der Attentäter, ein gewisser Lord Urquhart aus dem schottischen Hochland sowie ehemaliger Kreuzfahrer, informiert seinen Auftraggeber, dass dessen Pläne in Gefahr seien. Erstens gibt es außer den beiden gedungenen Zeugen, die Gerhard Morarts Sturz als Unglücksfall gesehen haben wollen, noch einen, der das Gegenteil bezeugen kann. Und obendrein habe dieser Morarts letzte Worte gehört. Diese dürfen keinesfalls in Umlauf geraten. Als Urquhart dieses flüchtige Subjekt beschreibt, fällt es seinem Zuhörer wie Schuppen von den Augen. Er selbst hatte diesem Burschen auch noch einen Goldgulden geschenkt! Sofort veranlasst Overstolz die Fahndung nach Jacop. Eine Menschenjagd in der ganzen Stadt beginnt …

Mein Eindruck

Was hier wie in ganz normales, aber im Grunde harmloses Jugendabenteuer klingt, ist nur die eine Seite der Geschichte. Denn wie ich bereits in der Einleitung geschrieben habe, bekommen auch die Verschwörer regelmäßig ihre Szenen. So wie sich ihre Pläne und deren unglückliche Ausführung ändern, so verändern sich auch die Einstellungen der Verschwörer zueinander. Ein weiterer Mann, Kuno Kone, wird wegen seiner Zweifel ausgeschlossen – und man ahnt, dass er früher oder später zum Verräter gestempelt werden wird.

Aber auch der Drahtzieher des Komplotts, der Patriarch Johann Overstolz, muss zu seinem Leidwesen erfahren, dass die ganze Sache auf einem Irrtum beruht. Seine steinalte Mutter Blithildis (wahrhaft schaudererregend gesprochen von Anka Zink) sucht nämlich nicht Gerechtigkeit für die Patrizier, sondern will nur ihre persönliche Rachsucht befriedigen. Tja, dumm gelaufen, Johann! Jetzt ist schon alles zu spät: Der Attentäter ist kein Werkzeug mehr, sondern ein freier Agent, den niemand mehr zurückpfeifen kann.

Welt oder Gott?

Der Autor versteht es, hinter den Details dieser Auseinandersetzung das größere Bild sichtbar zu machen. Die Patrizier gegen den Erzbischof, die Kaufleute gegen den Papst – das ist das Zentrum des aktuellen Konflikts. Der Erzbischof hat mehrere Patrizier festsetzen lassen, wie wir erfahren, und im Epilog werden wir informiert, dass es im Jahr 1261 zu einer Schlacht mit den bischöflichen Truppen kam, welche das Ende der Herrschaft der Erzbischöfe über die Stadt bedeutete. Köln erklärte sich daraufhin zu reichsunmittelbaren Freien Reichsstadt, die nur dem Kaiser verantwortlich war. Was sich natürlich vor allem auch steuerlich günstig auswirkte.

Im Verlauf der Auseinandersetzungen, von denen Jacop, unser Held, nur am Rande etwas mitbekommt, kommt es zu den üblichen Manövern: Fahndung, Falschaussagen, Zeugenmorde, weitere Verhöre, Flucht ins Leprosenheim, eine Entführung und der Kampf um das Entführungsopfer, und schließlich der obligatorische doppelte Showdown. All dies gehört zum genreüblichen Inventar eines Thrillers und sorgt beim Publikum für gehörig Spannung und Gänsehaut.

Meisterdetektiv

Dass die „Guten“ überhaupt die Oberhand gewinnen und die Pläne ihrer Gegner zu durchschauen vermögen, grenzt an ein Wunder. Weder Jacop noch Richmodis wären dazu in der Lage, und der versoffene Gotterd von Weiden gleich zweimal nicht. Nein, es ist einzig und allein Jaspar Rodenkirchen zu verdanken, dass sie schnell und unerschrocken die richtigen Schlüsse ziehen (mit einer wichtigen Ausnahme, und die trägt Jacop bei). So entsteht vor uns Jaspar als ein zweiter William von Baskerville, wie er in „Der Name der Rose“ auftaucht. (Der Name „Baskerville“ verweist in Ecos Roman auf Sherlock Holmes und dessen berühmtesten Fall.)

Ebenso wie der Mönch William seinem Novizen Adson die Sachverhalte erklärt und auf diverse Geheimnisse stößt, so ist auch Jaspar ein unerschrockener Anhänger des Rationalismus: Mit seinem Verstand sei es dem Menschen gegeben, die Schöpfung Gottes zu ergründen. Doch dies geht nur mit einem freien Willen, einem Willen, wie er dem Mönch und Philosophen Abälardus gegeben war, der seine Heloise gegen alle Widerstände liebte. Abälard ist Jaspars Vorbild, und nur als freier Denker gelingt es Jaspar, das Geheimnis der Verschwörer ebenso wie die Schwachstelle des Killers zu ergründen. Ob der Meisterdetektiv Jaspar jedoch triumphiert, ist nicht nur eine Frage des raschen Verstandes und der schnellen Kommunikation, sondern auch ein wenig dem Glück überlassen.

Die Kreuzzüge

Denn die Schwachstelle des Killers verweist auf ein weiteres Hintergrundgeschehen, das immer wieder erwähnt wird: die Kreuzzüge. Dieses Phänomen ist nicht bloß latent im Hintergrund, sondern auch ganz aktuell: Der Erzbischof Konrad hat vor, in seiner Messe am 14. September zum Kreuzzug – gegen die Tataren! – aufzurufen, und die Verschwörer wollen dies verhindern.

Was ein Kreuzzug bedeutet, ist mehrmals Gegenstand von Erörterungen zwischen Jaspar und Jacop. So gab es beispielsweise einen Kinderkreuzzug, der viele Kölner Kinder ans Mittelmeer führte, wo sie dann einfach versklavt und verkauft wurden. Das ist die unblutige Variante, doch Jaspars Gewährsmann Hieronymus, der im Hospital liegt, war im Heiligen Land und erzählt von Strömen von Blut, für die die Kreuzritter verantwortlich waren.

Da wir schon frühzeitig von dem eigenartigen Geisteszustand des Attentäters Urquhart erfahren, ahnen wir bald, dass seine an Schizophrenie grenzende Psychose mit seinen eigenen Erlebnissen im Heiligen Land zu tun haben könnte. In der Tat ist dem auch so. Wie Jaspar von Hieronymus erfährt, kam es im ägyptischen Ort Damietta zu einem christlichen Massaker an Kindern. War Urquhart dabei und hat dieses Erlebnis verdrängt? Oder hat er mitgemacht? „Tod und Teufel“ ist keine tumbe Aneinanderreihung von Verfolgungsjagden, sondern führt uns auch ins Herz der Finsternis: in die Psyche des Killers. Das ist eine tolle Leistung und einer der Gründe, warum dieser historische Thriller, Schätzings Erstling, Bestand haben wird.

Die Sprecher / Die Inszenierung

„Pfft – tschak!“ macht die Mini-Armbrust des Killers, und schon bei diesem vielfach wiederholten Geräusch gefriert dem Zuhörer schier das Blut in den Adern. Es ist ein Kontrapunkt zu dem Geschehen und erinnert daran, dass alles todernst zu nehmen ist. Das macht diese Präsentation zu einer Geschichte für Erwachsene, nicht für Jugendliche, wie man angesichts Jacops Alter meinen könnte. Die vielen brutalen Morde verschieben die Stimmung in Richtung eines Jack-the-Ripper-Schockers, wobei etliche Horrorszenen hilfreich sind. Die romantischen Episoden, für die Richmodis und Jacop sorgen, werden im letzten Drittel immer seltener, je grimmiger das Geschehen wird.

Die Musik folgt dieser Entwicklung seitens der Stimmung genau. Man könnte sogar sagen, dass die Musik, welche ja der Autor, Regisseur und Komponist in Personalunion beigetragen hat, die Emotionen analog zur Action steuert. Kann man sich anfangs noch über mittelalterliche Tanzmusik und romantische Intermezzi freuen, so nehmen bald die dräuenden Posaunen und Bässe zu, bis an Romantik erst wieder im Epilog zu denken ist.

Leider wurde die Musik meines Erachtens zu laut aufgenommen und in die Tonspur integriert. Zuweilen stört die Musik die Dialoge doch beträchtlich. Hinzukommt noch, dass die Posaunen usw. im letzten Drittel so aufdringlich platziert werden, dass man ihrer schnell überdrüssig wird und sie bald zum Teufel wünscht. In solchen Momenten erweist sich das Hörspiel als prätentiöse Veranstaltung, die den Verdacht auf Geltungssucht des Autors nahelegt. Der Meister aber erweist sich in der Bescheidenheit.

Die Geräuschkulisse ist absolut realistisch, und so kann leicht ein Kinofeeling entstehen. Wenn am Anfang die Verschwörer über eine Wiese reiten, hören wir nicht nur Hufgetrappel, sondern auch die Grillen. Dies bildet einen Kontrast zu den allgegenwärtigen Glockenschlägen, die in der Stadt erklingen, und zu dem Prasseln des Kaminfeuers, das in den Räumen zu hören ist, in denen sich die „Guten“ zu unterhalten pflegen. Sogar an die Klappern der Leprakranken wurde gedacht.

Die Sprecher

Anke Engelke habe ich nicht erkannt, gebe ich offen zu. Ihre Richmodis klingt wider Erwarten wie ein erfahrenes Frauenzimmer statt wie eine unverheiratete Jungfer. Und der Sprecher des Jacop, Sven Hasper, klingt wiederum zu jung für das Alter, das er eigentlich schon erreicht haben müsste. Wir erfahren viel aus seiner Kindheit und Jugend. (Sein Geburtsjahr ließe sich leicht errechnen: Als er vier Jahre alt war, heiratete Isabella von England Kaiser Friedrich II., der bekanntlich 1250 starb. Mithin ist Jacop anno 1260 mindestens 14 Jahre alt, aber wohl um einiges älter.)

Die akustischen Glanzpunkte des Hörspiels sind Mario Adorf als alter Johann Overstolz, der furchteinflößende Killer Urquhart, den Hans-Jürgen Wolf zwar gut spricht, aber ein paar Mal zu oft in hämisches Lachen ausbrechen lässt, und schließlich mein absoluter Favorit: Peter Matic. Er spricht den Meisterdetektiv Jaspar Rodenkirchen und klingt genau wie Sir Ben Kingsley. Kein Wunder, denn er ist dessen deutsche Stimmbandvertretung.

Wunderbar, wie er die Figur des Dr. Jaspar zugleich streng und respektabel, dann wieder zärtlich und nachdenklich erscheinen lassen kann. Aber auch Humor blitzt durch, etwa dann, wenn er Jacop wiederholt als „Füchslein“ bezeichnet. Jacop hält sich für schlau wie ein Fuchs, aber Jaspar ist wesentlich schlauer, ohne deshalb jedoch jemals überheblich zu werden. Meister Rodenkirchen hätte weitere Abenteuer verdient.

Während also die Sprecherriege meist gelungen platziert ist, so wird ihre positive, passende Darstellung massiv durch die Musik gestört, die sich sowohl als „Hintergrund“-Musik als auch als Pausenfüller in den Vordergrund drängt. Ich habe den Erzähler noch nicht erwähnt. Das hat einen einfachen Grund. Gerd Köster liest eben so gut vor, dass er nicht stört, sondern im Gegensatz zur Musik zum Verständnis der Handlung beiträgt. Und Leute, die nicht auffallen, sind eben gut.

Das Booklet

… enthält eine detaillierte Karte des rekonstruierten Köln, wie es ums Jahr 1260 wohl ausgesehen haben mag, nachdem die neue Stadtmauer errichtet worden war. Die Karte enthält eine lange Liste von Schauplätzen des fiktiven Geschehens.

Das Booklet besteht also aus einem Faltblatt – sonst würde die Karte nicht darauf passen. Die Rück- bzw. Vorderseite dieses Faltblattes zeigt die Listen der Mitwirkenden, aufgeteilt nach den „Guten“, den „Teuflischen“ und der „Zunft“, womit die Crew der Macher gemeint ist. Das ganze Design gehorcht dem durchgehenden Schwarz-vs.-Rot-Prinzip, wie es schon auf dem Cover angedeutet wird: eine rote – und ziemlich gehörnt aussehende – Armbrust vor einem silberschwarzen Hintergrund.

Unterm Strich

Manchmal ist weniger wirklich mehr. Das Hörspiel zu Schätzings Erstling „Tod und Teufel“ ist so ein Fall. Während die Sprecher und der Geräuschdesigner ihre Sache ausgezeichnet gemacht haben, so gilt dies nicht unbedingt für die Musik. Für diese zeichnen Schätzing und Wesselburg verantwortlich. Es nicht die Art der Musik – diese ist wunderbar, mitunter sogar zeitgerecht – sondern vielmehr ihr übermäßiger und prätentiöser Einsatz. Sie besagt im Grunde: „Hört her, Leute, wie fabelhaft ich auch als Komponist und Musiker bin!“

Man könnte fast meinen, Schätzing leide an einem künstlerischen Minderwertigkeitskomplex – den hat er wirklich nicht nötig. Statt des Autors hätte man erfahrene Leute vom Rundfunk die Musik aussteuern lassen sollen. Sie üben sich in der Regel in Bescheidenheit und sorgen dafür, dass Dialoge nicht unter einem Übermaß von prätentiöser Musik leiden müssen.

525 Minuten auf 7 CDs
www.hoerverlag.de
www.frankschaetzing.com

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