Ulf Schiewe – Die Hure Babylon

“Die Hure Babylon” ist der dritte Teil der Montalban-Reihe, die der deutsche Autor Uwe Schiewe mit “Der Bastard von Tolosa” begonnen und mit “Die Comtessa” fortgesetzt hat. Während zwischen dem ersten und zweiten Teil des für seine historische Genauigkeit geschätzten Erzählzyklus‘ mehrere Jahrzehnte liegen, schließt “Die Hure Babylon” jedoch unmittelbar an ihren Vorgänger an.

Ermengarda von Narbonne, die sich in “Die Comtessa” mit Arnauts Hilfe einer Zwangsheirat zu entziehen versuchte und auf der Flucht in ihren Helfer verliebt hat, konnte der Heirat zwar nicht entgehen, lebt jedoch nur in einer Scheinehe und herrscht selbständig über ihr Land. Dass sie mit Arnaut zusammenlebt, ist allgemein bekannt. Als Ermengarda jedoch erneut eine Fehlgeburt erleidet, versteigt sich dieser in den Gedanken, Gott würde ihre Beziehung als Sünde ansehen und mit Hilfe der Kreuzzüge könnte er seine Schuld wieder abtragen. Trotz dieser offensichtlichen Begründung wird man den Eindruck nicht los, dass diese inoffizielle Beziehung auch seinen Stolz verletzt und er eine Möglichkeit sucht, sich erneut zu beweisen. Beeindruckend schildert der Autor an dieser Stelle schon die Kriegshetze, die von den Predigern betrieben wird, und junge Männer scharenweise begeistert zu den Waffen greifen lässt. So zieht auch Arnaut trotz der lebhaften Erinnerungen an seines Großvaters furchtbare Schilderungen der ersten Kreuzzüge mit seinen engsten Gefährten gen Jerusalem.

Ungeschönt werden zahlreiche grausame und verlustreiche Schlachten, des bereits von vornherein zum Scheitern verurteilten Unterfangens geschildert. Man leidet mit den Kreuzrittern und ihrem Gefolge mit, wenn sie sich halb verhungert und erfroren durch die heutige Türkei schleppen, immer in Furcht vor dem nächsten Angriff aus dem Hinterhalt, und versteht bald, was das Wort “Alptraum” bedeutet. Als sich allerdings eine Chance bietet, der bereits verlorenen Sache zu entkommen, lässt es Arnauts Stolz immer noch nicht zu, mit den überlebenden Freunden an Ermengardas Hof zurückzukehren. Hier beginnt sich der Roman etwas in die Länge zu ziehen, was aber kaum auffällt, weil man sich als Leser nach den vielen blutigen Seiten wirklich nach etwas Erholung gesehnt hat, bevor es noch einmal richtig dramatisch und auch tragisch wird.

“Die Hure Babylon” ist ein historischer Roman für die Liebhaber von möglichst realistischen Schilderungen der Zeitumstände. Die ungeschönten historischen Fakten werden nur mit einer wenig romantischen literarischen Handlung verwoben. Es gibt zwar neben der Beziehungsgeschichte von Ermengarda und Arnaut noch mehrere Liebesgeschichten, aber auch diese sind von “rosa Romantik” weit entfernt und mit Vergewaltigungen und anderen brutalen Vorkommnissen verbunden. Der Leser wird von Abscheu und Faszination gleichzeitig gefangen genommen und kann sich dem Roman Dank eines guten Spannungsbogens und einem schnellen Erzähltempo kaum entziehen. Am Ende ist man richtig froh, dass die Greul endlich vorbei sind, und man mit dem Helden zusammen aufatmen kann. Da macht es gar nichts mehr aus, dass der Schluss mit einem plötzlich heimgekehrten Arnaut dann doch sehr überraschend kommt.

Ein Nachwort des Autors zur historischen Bedeutung der Kreuzzüge und den von ihm verwendeten tatsächlichen Begebenheiten, macht den hoffentlich nur vorübergehenden Abschied von Arnaut nicht ganz so schwer, und ein Glossar, sowie eine Übersicht über die realen und fiktiven Personen runden den 555 Seiten starken Roman ab. Die Aufmachung des Schutzumschlags des Hardcovers schließt sich optisch an seine beiden Vorgänger an. Dadurch bilden sie auch im Bücherregal eine gute Einheit.

Gebundene Ausgabe: 576 Seiten
ISBN-13: 978-3426199305

www.droemer-knaur.de

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