Sebastian Fitzek – AchtNacht

Es ist der achte August, um acht Uhr acht. Sie haben 80 Millionen Feinde. Werden Sie die AchtNacht überleben?

Diese Worte zieren den Rücken des neuesten Thrillers aus der Feder von Bestsellerautor Sebastian Fitzek. Endlich wieder Nachschub vom „Meister des Wahns“ – und schon die einleitenden Worte machen natürlich neugierig und ziehen den Leser in den Bann.

AchtNacht heißt die Todeslotterie, die Sebastian Fitzek in seinem neuen Roman ersinnt. Ein Jahr lang hatten Menschen aus aller Welt die Gelegenheit, Personen zu nominieren, denen sie den Tod wünschen. Der Einsatz dafür kostet nur wenige Euro, doch die Konsequenzen sind deutlich schwerwiegender, denn als die AchtNacht anbricht, müssen zwei Personen feststellen, dass sie nominiert wurden und nun 12 Stunden überleben müssen, in denen sie von Millionen von Menschen gejagt werden.

Die beiden Auserwählten sind die Psychologiestunden Arezu Herzsprung und der junge Vater Benjamin Rühmann. 12 Stunden lang dauert die AchtNacht, und wer einen der beiden Auserwählten tötet und den Beweis dafür erbringt, gewinnt in der Todeslotterie zehn Millionen Euro. Schneller als ihnen lieb ist, finden sich Arezu und Ben verfolgt von Menschenmassen, die ihnen nach dem Leben trachten. Dass fragwürdige Informationen über Ben auftauchen, die ihn als Kinderschänder darstellen, macht die Sache für ihn auch nicht leichter.

Doch dann eilt ihnen ein SEK-Mann zu Hilfe, der ihnen verspricht, sie sicher durch die Nacht zu bringen. Für einen kurzen Moment wirkt alles gut. Nur leider erhält Ben dann einen Anruf. Seiner Tochter, die derzeit auf der Intensivstation liegt, wurde ein unbekanntes Gift gespritzt. Das Gegengift erhält Ben nur, wenn er die sichere Wohnung verlässt und sich mit Arezu den Menschenmassen stellt.

Wer wird die AchtNacht überleben?
Nimm dich in Acht vor dieser Nacht

Das Buch beginnt mit einem kurzen Prolog, der einen Monat nach der AchtNacht spielt und der bereits etliche Fragen aufwirft. Ich habe beim Lesen des Buches mehrfach zurückgeblättert zum Prolog um herauszufinden, wann dieser Sinn ergibt und wann ich verstehe, was er mir sagen will. Aber Fitzek wäre nicht Fitzek, wenn er früh verraten würde, in welche Richtung seine Geschichte geht.

Nach dem Prolog springen wir zum Beginn der AchtNacht und lernen Ben kennen. Der ahnt noch nichts von seinem „Glück“ und weiß weder, dass er nominiert noch ausgewählt wurde. Er erfährt gerade, dass seine schwerbehinderte Tochter versucht haben soll, sich das Leben zu nehmen. Mit ihrem Rollstuhl ist sie vom Dach des Studentenwohnhauses gestürzt. Als aber Bens Noch-Frau Jennifer kurze Zeit später ein Selfie ihrer Tochter findet, das nur wenige Minuten vor dem angeblichen Selbstmord aufgenommen wurde und das ihre Tochter lachend und gut gelaunt zeigt, wissen Ben und Jennifer genau, dass Jule sich garantiert nicht freiwillig in die Tiefe gestürzt hat.

Bevor sich aber Ben auf Spurensuche begeben kann, findet er sich als Zielscheibe in der Todeslotterie wieder. Die Jagd ist eröffnet! Arezu macht sich auf die Suche nach Ben, da sie glaubt, er wäre derjenige, der hinter der AchtNacht steckt. Sie selbst hatte die Idee dazu, umgesetzt hat diese aber „Oz“, den sie nicht persönlich kennt. Als sie gemerkt hat, dass Oz es ernst meint und die als Psychologieexperiment gedachte Lotterie tatsächlich stattfinden lassen will, hat sie den Vorschlag gemacht, sich selbst als Opfer auszuwählen. Doch Ben hat keine Ahnung, wer Oz ist und wie man die Lotterie stoppen könnte.

Die Nacht hat für die beiden manch eine böse Überraschung und schier unlösbare Aufgabe parat. Ob sie das überleben? Wer weiß. Nur langsam jedenfalls erfährt man, wie es zu der AchtNacht kam, was der Plan dahinter ist und welche Widersacher Ben nun durch die Berliner Nacht schicken.

In der Geschichte bleibt beim Lesen kaum noch Zeit zum Luftholen. Als die Menschenjagd erst einmal begonnen hatte, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen, weil ich natürlich wissen wollte, ob Ben und Arezu überleben und weil ich wissen wollte, wer Oz ist – die fiese Gestalt hinter der Lotterie. Diese Fragen werden beantwortet – und so viel sei verraten: Das Ende fügt sich logisch zusammen, wenn man von einigen unrealistischen Szenen absieht. Aber es ist nicht so, als würde Sebastian Fitzek hier – wie manches andere Mal – am Ende alles auf den Kopf stellen. Ich fand das Ende schlüssig und war sehr zufrieden beim Zuklappen des Buches.

Menschenjagd

Viel interessanter sind aber noch die Fragen, die die Geschichte aufwirft und die Arezu mit diesem tödlichen Spiel untersuchen wollte: Was geschieht, wenn man die Möglichkeit hat, seinen ärgsten Feind als Todeskandidat zu nominieren? Wer macht so etwas? Was geschieht mit den Menschen, die an einer solchen Lotterie teilnehmen? Und gibt es tatsächlich Menschen, die für zehn Millionen Euro auf die Jagd gehen, um einen fremden Menschen zu töten?

Wie ihm die Idee zum Plot „Alle gegen einen“ kam, erklärt Fitzek in einem kurzen Nachwort. Es ist durchaus eine interessante Frage, wem man in einer solchen Situation überhaupt noch vertrauen kann. Ben findet einige Menschen, die ihm helfen, obwohl sie zehn Millionen Euro verdienen könnten, wenn sie ihn töten würden.

Aber doppelt interessant wird die Geschichte dadurch, dass Ben nicht ein fremder Mann bleibt, stattdessen werden der Öffentlichkeit fragwürdige Details aus seiner Vergangenheit zugespielt, die ihn in sehr schlechtem Licht darstellen. Und tatsächlich: Ben, der Kinderschänder, wird tatsächlich zum Freiwild, während Ben als besorgter Familienvater einer behinderten Tochter womöglich so viele Sympathien besessen hätte, dass zehn Millionen nicht gereicht hätten, um ihm den Tod zu wünschen…

Wahnsinnsnacht

Mit der „AchtNacht“ habe ich auch eine recht schlaflose Nacht verbracht, in der ich nur so über die Seiten flog und völlig in der Geschichte eintauchte. Ja, nicht alles ist realistisch, was wir hier zu lesen bekommen. Aber die Geschichte ist packend, atemlos und hat am Ende ein schlüssiges Ende.

Taschenbuch: 416 Seiten
ISBN-13: 978-3426521083
www.knaur.de

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