Sherlock Holmes – Walpurgisnacht (Die geheimen Fälle des Meisterdetektivs 8)

Abenteuer am Theater: den Dolch im Gewande?

Im Londoner Lyceum Theatre tritt der berühmte Schauspieler Henry Irving in seiner Paraderolle als Mephisto in „Faust“ auf. Die Inszenierung und die Darsteller werden von Presse und Publikum gefeiert, aber hinter den Kulissen häufen sich besorgniserregende Vorfälle, die Irvings Vertraute Mary Anne Stirling veranlassen, ihren Schauspielschüler in der Baker Street aufzusuchen… (korrigierte Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 12 Jahren.

Der Autor

Marc Gruppe ist der Autor, Produzent und Regisseur der erfolgreichen Hörspielreihe GRUSELKABINETT, die von Titania Medien produziert und von Lübbe Audio vertrieben wird. Genau wie dort erscheinen auch „Die geheimen Fälle des Meisterdetektivs“ meist im Doppelpack.

Folgen:
1: Im Schatten des Rippers
2: Spuk im Pfarrhaus
3: Das entwendete Fallbeil
4: Der Engel von Hampstead
5: Die Affenfrau
6: Spurlos verschwunden
7: Der Smaragd des Todes
8: Walpurgisnacht
9: Die Elfen von Cottingley (11/13)
10: Der Vampir von Sussex / Das gefleckte Band / Der Fall Milverton / Der Teufelsfuß (Neuausgabe (11/13))
11: Das Zeichen der Vier (4/2014, Neuausgabe)
12: Ein Skandal in Böhmen (4/2014)

Die Sprecher/Die Inszenierung

Die Rollen und ihre Sprecher:

Sherlock Holmes: Joachim Tennstedt (dt. Stimme von John Malkovich)
Dr. John H. Watson: Detlef Bierstedt (dt. Stimme von George Clooney u. a.)
Mrs. Hudson: Regina Lemnitz (dt. Stimme von Kathy Bates)
Margery Mapleton: Philine Peters-Arnolds
Mary Anne Stirling: Kurmin, Dagmar von
Henry Irving: Beckhaus, Friedrich Georg
Ellen Terry: Walther, Kristine
George Alexander: Pampel, Wolfgang (dt. Stimme von Harrison Ford)
H.B. Conway: Makino, Jan
William G. Wills: Nathan, David (dt. Stimme von Christian Bale)
Bram Stoker: Eichel, Kaspar
Hexe 1: Färber, Anja
Hexe 2: Fischer, Dana
Hexe 3: Viertel, Anja

Regie führten die Produzenten Marc Gruppe und Stephan Bosenius. Die Aufnahmen fanden in den Planet-Earth-Studios statt. Alle Illustrationen – im Booklet, auf der CD – trug Firuz Askin bei.

Handlung

Sonntagmorgen in der Baker 221B: Mrs. Hudson ist immer noch abwesend, was Dr. Watson weiterhin Kummer bereitet. Hudsons Kusine Marge Mapleton ist einfach kein vollwertiger Ersatz, ganz im Gegentum: Watson kann von Glück sagen, dass sie es schafft, einen anständigen Tee hinzubekommen. Doch was sie jetzt erzählt, schlägt dem Fass die Krone ins Gesicht. Sie hat seinen guten Freund Sherlock Holmes verfolgt und beschattet!

Was sie berichtet, ist dazu angetan, dem guten Watson, die obligatorische Zeitungslektüre vollends zu vermiesen: Holmes besucht seit Wochen ein Frauenzimmer, noch dazu ein rothaariges. Watson ist baff. Sein Freund ist bekannt dafür, nur ein einziges Weib zu verehren, nämlich Irene Adler, und die war bekanntlich seine erbittertste Konkurrentin (in „Ein Skandal in Böhmen“). Wer also, um Himmels willen, kann die neue Frau sein? Regt sich bei Holmes am Ende doch noch etwas unterhalb der Gürtellinie?!

Und wenn man vom Teufel spricht, kommt er auch schon fröhlich pfeifend hereinspaziert. Holmes weiß natürlich, dass er verfolgt worden ist, das hat ihn aber nicht davon abgehalten, jene Frau zu besuchen – eine gewisse Mary Anne Stirling, wie Mapleton berichtete. Nun redet Holmes auch noch von „totaler Befriedigung“. Watson ist sprachlos. Ist sein Freund in die Klauen einer Hexe gefallen?

Sein Anstand verbietet ihm aber, nach den Einzelheiten zu bohren. Als besagte Mary Anne Stirling dann Tage später an die Haustür von 221B klopft, entfährt Miss Mapleton erst einmal ein Juchzer der Bestürzung: Es ist jenes Frauenzimmer! Watson lässt sie heraufrufen, um nach ihrem Anliegen zu fragen. Aber sie will nur Holmes sprechen und wartet, bis dieser eintrifft. Unterdessen windet sich Watson in Verlegenheit, zerrissen zwischen Diskretion und Neugier. Die Stirling und Holmes – ein Paar?! Seine Andeutungen verwirren jedoch lediglich.

Erst Holmes‘ Eintreffen klärt die Lage: Er stellt Stirling als seine Schauspiellehrerin vor. Watson entfährt ein Seufzer der Erleichterung. Stirling stehe neben Henry Irving, dem berühmtesten Schauspieler der Epcohe, auf der Bühne des Londoner Lyceum Theaters. Dort gibt er in Goethes „Faust“ den Mephisto und sie die Martha Schwerdtlein, die Mentorin des Gretchens, der Geliebten Heinrich Fausts. Der Erfolg der Inszenierung, die mit vielen Spezialeffekten aufwartet, ist so groß, dass Besucher selbst aus dem Deutschen Reich anreisen.

Die Stirling bittet ihren Schauspielschüler um Hilfe bei der Aufklärung unangenehmer Vorfälle, die in letzter Zeit sogar das Leben der Schauspieler gefährden. Beim letzten Vorfall ist die Darstellerin einer Hexe in Brand geraten und musste in ein Krankenhaus gebracht werden. Wer dahinter steckt, ist ebenso unklar wie dessen Motiv.

Nachdem Holmes und Watson die Aufführung besucht haben, ist Watson hingerissen. Ebenso aber auch beunruhigt: Einige schräge Gestalten treiben sich hinter der Bühne herum, darunter der Autor des Skripts für die Inszenierung, ein gewisser William Wills. Er hat seine Freundin, die Gretchen-Darstellerin Ellen Terry, an Henry Irving verloren. Der Darsteller des Valentin ist ebenso unzufrieden wie dieser Bram Stoker, der neuerdings die rechte Hand Irvings ist. Stoker warnt den unzufriedenen Faust-Darsteller George Alexander vor Irving, dem „Vampir“. Watson ist entsetzt: Diese truppe ist ja die reinste Schlangengrube.

Aber weil es keinen Zwischenfall gab, sondern lediglich eine mit einem Dolch befestigte Drohung gegen die Stirling, muss die Ermittlung einen anderen Weg einschlagen. Holmes drängt darauf, dass er mit Watson undercover den Täter sucht. Dazu müssen sie sich als Mitwirkende verkleiden, am besten direkt neben der bedrohten Stirling. Watson ist schockiert – er als Meerkatze in einem lächerlichen Kostüm? Nimmer!

Doch gegen Holmes‘ Silberzunge ist kein Kraut gewachsen. In Mephisto-Manier überredet er seinen Freund, schließlich doch als dienende Meerkatze in der Hexenküche aufzutreten. Dieser „Sündenfall“ soll ein denkwürdiger Auftritt werden …

Mein Eindruck

Doch was ist nun mit der titelgebenden Walpurgisnacht? Dieser Hexensabbat auf dem Blocksberg – dem Brocken im Harz – wird in der Tat inszeniert, und zwar, wie es sich gehört, direkt am Anfang. Donner, Wind, Hexengelächter – diese Auftakt ist in der Tat furios. Die wichtigsten Figuren werden eingeführt, nämlich Mephisto und Faust. Wenn Holmes und Watson zuschauen, treten auch die Martha und die niedliche Gretchen auf. Besonders bewegend und dramatisch ist Gretchens Sterbszene: Sie wird wegen Kindsmords hingerichtet (getreu historischen Vorbildern, die der Jurastudent Goethe sehr wohl kannte).

In einem dritten Teil des Stücks treten dann Holmes und Watson in der Hexenküche auf. Dagmar von Kurmin rezitiert als Mary Anne Stirling bzw. Hexe das berühmte „Hexeneinmaleins“, das so abstrus ist, dass es den Zuschauer schon wieder das Gruseln lehrt. (Konstantin Wecker dichtete daraus bekanntlich seine ganz eigene Version.) In der Hexenküche wird jener Trank gebraut, der aus Faust, dem alten Knacker, einen feschen jungen Burschen machen soll, der in der Lage ist, ein Gretchen zu verführen.

Dieses Stück findet etliche Parallelen in den beiden anderen Handlungssträngen: Da ist zum einen die „Schlangengrube“ um den „Vampir“ Henry Irving. Nur aufmerksames Zuhören erlaubt es dem Zuhörer, den Überblick zu behalten, wenn so viele Namen nacheinander fallen – es ist eben eine größere Truppe. Da hilft die Liste der Figuren jedoch, die dem Booklet beigefügt ist, sich die Rollen zu merken. Bemerkenswert finde ich, dass ausgerechnet der Mephisto-Darsteller als „Vampir“ bezeichnet wird. Ihm zur Seite stehen Hexen und Helfer, die offenbar einen Teufelspakt geschlossen haben. Dass Irving daher nur der Oberteufel sein kann, ergibt sich nur aus der Metaphorik, nicht aber aus der Ermittlung. Genug verraten!

Der dritte Handlungsstrang dreht sich um Holmes, Watson und Baker Street. Die Idylle der Männerfreundschaft ist aus dem Gleichgewicht geraten und von einem flammendrothaarigen Weib bedroht, deucht Watson: Unterstützt von Mapleton, stellt er sich die Rivalin bereits als Hexe vor, die ihm womöglich seinen Freund entreißt. Und was ist die natürliche Bestimmung von Hexen? Natürlich der Scheiterhaufen. Dem Zuhörer schwant Schlimmes.

Dieser leicht bedrohliche Unterton gehört aber zu der Komödie, die hier aufgeführt wird. Wir lachen dem Schrecken ins Gesicht, und auch Watson bleibt nichts anderes übrig, als gute Miene zum vermeintlich bösen Spiel zu machen. Erst als Holmes die Stirling als seine Lehrerin vorstellt, lösen sich Watsons Beklemmung und Furcht. Und als sei dies nicht genug der Erlösung, kehrt auch Mrs. Hudson zurück. Watson erscheint uns als ein Faust, der unter Hexen und Teufel gefallen ist, doch nun – endlich! – Erlösung erlangt. Alles gerät wieder, wenn auch unter Hudsons Schreckensschreien, wieder ins Lot.

Und die Ermittlung? Über die darf hier natürlich hier nichts (weiter) verraten werden. Allerdings war ich enttäuscht von der völligen Abwesenheit irgendwelcher Action. Der Zuhörer sollte also eine gute Portion Theaterbegeisterung sowie „Faust“-Kenntnisse mitbringen und ein gewisses Verständnis für das Bühnen-Business, das die Bretter sind, die angeblich die Welt bedeuten.

Die Sprecher/Die Inszenierung

Die Sprecher

Die Hauptfigur ist natürlich der Titelgeber himself. Joachim Tennstedt verleiht Sherlock Holmes eine flexible Janusköpfigkeit. Die erste Seite bekommen wir zu sehen, wenn Holmes als mephistophelischer Fremdgänger auftritt, der seinen braven Freund Watson scheinbar verraten hat. Später ist Holmes ein tüchtiger Detektiv, aber auch ein praktischer Helfer in Geschäftsangelegenheiten. Wie bei John Malkovich können wir uns auf einen Facettenreichtum an Darstellungsformen freuen.

Dr. Watson

Die Figur des Dr. Watson ist in vielen Verfilmungen missrepräsentiert worden. Neben Basil Rathbone und Peter Cushing musste er den vetrottelten Stichwortgeber mimen. Er war der selbstgefällige Körper neben dem rastlosen, aber kranken Geist des Detektivs. Nicht so in dieser neuen Serie.

Detlef Bierstedts Stimme ist uns von George Clooney vertraut, daher kann er mit einer gewissen geliehenen Autorität auftreten, ganz besonders in allen medizinischen Belangen. Dennoch kommt er häufig über die Rolle des Stichwortgebers nicht hinaus. Holmes hat stets die Initiative. In Folge 3 wurde Watson sogar als Aktenträger missbraucht. Doch auch er verfügt über einen Revolver und die Kenntnisse, diesen zu gebrauchen, besonders aus seiner Zeit als Militärarzt in Afghanistan.

Mrs. Hudson

Regina Lemnitz als Mrs. Hudson zeigt sich stets hilfreich, mal energisch, mal als fühlende Seele. Außerdem ist sie das moralische Zentrum der ersten sechs Folgen. Alles, was Holmes & Watson tun, müssen sie nicht nur gegenüber Inspektor Aberline rechtfertigen, sondern vor allem vor ihrer Haushälterin. Leider fällt sie in den Folgen 7 und 8 fast vollständig aus und tritt nur als ihren Brief zitierende Stimme auf. In Folge 8 darf sie endlich selbst auftreten – und das Chaos aufräumen, das ihre Cousine Mapleton in ihrer Küche angerichtet hat…

Margery Mapleton

Mrs Hudsons jüngere Cousine ist die Ursache für den Notstand in Baker Street 221B. Mit mal unschuldigen, mal anzüglichen Fragen und Bemerkungen bringt sie die beiden Junggesellen in hochnotpeinliche Situationen, die für uns Lauscher natürlich königliches Amüsement bereithalten. Dass die Haushälterin über ein zweifelhaftes Frauenzimmer wie Holmes‘ vermeintliche Geliebte die Nase rümpft, versteht sich von selbst. Wir müssen uns wirklich fragen, wohin es mit Holmes und Watson gekommen ist.

Die Nebenfiguren

Die Nebenfiguren sind vor allem durch ihre jeweiligen Sprecher bedeutsam. Dazu gehören Regina Lemnitz (Ladies first!), Wolfgang Pampel und David Nathan (Alter vor Schönheit!). Lemnitz stellt die moralische Autorität von Mrs. Hudson in Baker Street 221B wieder her. Wolfgang Pampel tritt als ranghöchste Figur in Henry Irvings Truppe auf, ein passender Mephisto. David Nathan mimt den hinterlistigen Autor Wills mit entsprechender Doppelzüngigkeit. Nicht zu unterschlagen ist jedenfalls Dagmar von Kurmin als hexenhafte Holmes-Lehrerin: Ihr Auftritt verrät Stil, Eleganz und Superiorität.

Schade, dass hier nicht auf jede Nebenrolle eingehen kann, aber die Hexen und das Gretchen haben mir am besten gefallen. Ihr Lachen ist teuflisch und ihre Verse sehr anzüglich (es lohnt sich, mal genau hinzuhören). Tennstedt und Bierstedt als Holmes und Watson, die wiederum als „Meerkatzen“, also als Äffchen, auftreten: köstlich.

Geräusche

Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Szenen dicht und realistisch aufgebaut. Mit den aus dem GRUSELKABINETT vertrauten Andeutungen setzt auch die Sherlock-Holmes-Reihe auf dezente Gewalt, scheut aber auch nicht vor deren konkreter Anwendung zurück. Diese Folge macht hiervon eine Ausnahme: Keinerlei gewalt wird angewendet, es sei denn, der Zuhörer imaginiert sie hinzu.

Auffallend ist der akustische Kontrast zwischen den drei Hauptschauplätzen. Die heimeligen Geräusche des sonst so genussvollen Teetrinkens und Pfeifeschmauchens sind weiterhin ziemlich in Unordnung. Eine Straßenszene bildet den Übergang zur Welt des Theaters, die mit vielen Details ausgeschmückt wird. Darin wiederum findet endlich die Aufführung in mehreren Teilen statt. Die akustische Ausstattung kann man sich gut ausmalen: künstlicher Donner, künstlicher Wind – hinzu denke man sich die entsprechend dramatische Musik. Dies alles bildet den frühen Vorläufer der Kinematografie. Kein Wunder, dass sich Watson so dafür begeistern kann.

Musik

Die Musik entspricht der eines Scores für einen klassischen Spielfilm, also nicht zwangsläufig für einen Horrorstreifen. Klassische Instrumente wie Violine, Cello und Kontrabass werden manchmal von elektronisch erzeugten Effekten ergänzt. Schnelle Musik deutet Dynamik und Dringlichkeit an, langsame Musik entspannt und immer wieder endet eine Szene in einem dramatischen Crescendo.

Natürlich ist die Musik am besten innerhalb der „Faust“-Aufführung eingesetzt, woanders spielt sie kaum eine Rolle. Im Stück muss sie die Geräusche und die Verse ergänzen, so dass ihr Beitrag nicht bloß untermalend, sondern auch charakterisierend ist. Daher kann sie auf dem Blocksberg ganz schon wild toben. Den krassen Gegensatz dazu bildet die Untermalung des Serien-Intros, das in jeder Folge erklingt: ein langsamer Walzer im Fin-de-siècle-Stil, wie mir scheint, sehr gemütlich und idyllisch. Perfect for teatime.

Musik, Geräusche und Stimmen wurden so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt.

Das Booklet

Die Titelillustration zeigt das Bühnenplakat, mit einer Todesdrohung, die nicht ganz mit dem Inhalt des Stücks übereinstimmt. Dort gilt die Drohung der Hexe, die Madame Stirling spielen wird. Aber Irving als Mephisto sieht wahrscheinlich viel besser aus …

Im Booklet sind die Titel des GRUSELKABINETTS verzeichnet sowie Werbung für den Illustrator Firuz Askin zu finden. Die letzte Seite zählt sämtliche Mitwirkenden auf. Die innere Doppelseite listet sämtliche Titel von Titania Medien auf, und zwar auch alle Neuerscheinungen bis Herbst 2013.

Hinweise auf die nächsten GK-Hörspiele im Herbst 2013:

Nr. 78: Lovecraft: Das Ding auf der Schwelle
Nr. 79: Theodor Hildebrand: Lodoiska
Nr. 80+81: Lewis: Der Mönch 1+2
Nr. 82: Henry S. Whitehead: Der Zombie
Nr. 83: Allen Upward: Heimgesucht

Unterm Strich

In der Doppelfolge „Der Smaragd des Todes“ und „Walpurgisnacht“ erleben wir auf der privaten Ebene der jeweils kriminalistischen Handlung Dr. Watsons Höllenfahrt, Fegefeuer und Erlösung mit. Die an Dantes „Göttliche Komödie“ angelehnte dreistufige Entwicklung sieht Watson, wie er zusammen mit Holmes in die Hölle der Behandlung durch Margery Mapleton geworfen ist. Rettung ist zunächst nicht in Sicht, doch es sollte doch mit, ähem, dem Teufel zugehen, wenn sich nicht Holmes einfallen ließe.

Als späte Inkarnation von Mephisto entführt Holmes seinen besten Freund in die Fegefeuer-Landschaft des Theaters und nicht ohne Vorbedacht in eine Aufführung des klassischen Erlösungsstoffes „Faust“. Welch ein Hexensabbat die – vorliegende akustische – Aufführung eröffnet! Watson gehen die Augen über und seine Ohren schlackern ob der Knalleffekte und des Theaterdonners. Allerdings erhebt sich die Frage, wo denn hier die Erlösung bleibt.

Wie sich bald zeigt, muss Watson vor dem ebenso erfolgreichen wie überraschenden Abschluss der Ermittlung noch selbst etwas leisten: Er muss ein anderer werden. Eine Erfahrung, die ihm Holmes weit voraus hat, die dem guten Watson jedoch einiges abverlangt – und auch seinem Affenkostüm, das um die Taille herum beachtlich spannt. Nach diesem Fegefeuer hat die göttliche Vorsehung – bzw. die Regie, was das Gleiche ist – die Erlösung vorgesehen: Mrs. Hudson kehrt zurück! Die Hoffnung aufs Elysium ist also nicht ganz unberechtigt. Denn bekanntlich zieht DAS WEIBLICHE uns (Männer) hinan…

Für wen sich das Hörspiel eignet

In diesem Hörspiel um Holmes und Watson halten sich Komödie, Drama und Spannung die Waage. Allerdings gibt es kaum Action, und für den Theatergenuss sollte der Zuhörer schon einige gewisse Vorkenntnisse mitbringen. Wer Goethes „Faust“ in der Schule genossen oder erlitten hat, hat jedenfalls einen Wissensvorsprung. Insofern richtet sich der Stoff nicht gerade an die jüngste Generation, die vor allem MP3 und Facebook versteht, sondern an eine gesetztere Generation, die noch mit deutschen Dichtern und Denkern traktiert wurde. Mir hat sie jedenfalls großen Spaß gemacht.

Das Hörspiel

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und bekannte Stimmen von Synchronsprechern und Theaterschauspielern einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Die Sprecherriege für diese neue Reihe ist höchst kompetent zu nennen, handelt es sich doch um die deutschen Stimmen von Hollywoodstars wie John Malkovich und George Clooney.

Auch jungen Menschen, die sich einfach nur für gruselige Audiokost interessieren, die gut gemacht ist, lässt sich das Hörspiel empfehlen. Es ist leicht verständlich, wirkungsvoll inszeniert, und die Stimmen der Hollywoodstars John Malkovich, George Clooney, Harrison Ford und Christian Bale vermitteln das richtige Kino-Feeling.

1 Audio-CD mit 79 Minuten Spieldauer
www.titania-medien.de

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