Matthew Skelton – Endymion Spring: Die Macht des geheimen Buches

Mainz, 1452:

Zwei Gestalten – eine davon zieht eine schwere Truhe durch den Schnee – erscheinen in einer Winternacht in Mainz. Einer der beiden stellt sich als Johann Fust heraus, der andere als sein Gehilfe. Die beiden sind auf dem Weg zu Johannes Gutenberg, der in seiner kleinen Werkstatt erste Druckversuche der Bibel anfertigt. Johann Fust unterbreitet ihm einen Vorschlag: Er finanziert Johannes Gutenbergs Druckerei, wenn er die Druckerei anschließend ebenfalls benutzen darf.

Endymion Spring, ein Lehrling Johannes Gutenbergs, spürt, dass an der Sache etwas faul ist. Wo ist der Haken an diesem Angebot? Und was ist in der unheimlichen Truhe, die der Besucher mitgebracht hat? Hat Fust etwa einen Packt mit dem Teufel geschlossen?

Eines Abends, als Endymion Spring sich in der dunklen Werkstatt versteckt, offenbart Fust sein dunkles Geheimnis …

Oxford, heute:

Blake ist ein Träumer. Vorübergehend wohnt er mit seiner Mutter und seiner kleinen Schwester Duck in Oxford, wo seine Mutter sehr viel arbeiten muss und nur wenig Zeit für Blake und Duck hat. Deshalb lädt sie die beiden jeden Tag in der Bibliothek ab, wo sie ihre Schulaufgaben machen sollen. Während Blake mal wieder auf seine Mutter wartet, klopft er mit dem Finger gegen die Bücherrücken in den Regalen – bis er auf einmal von einem Buch zurückgeschlagen wird.

Verwundert schaut er sich das Buch genauer an. Die Seiten des Buches sind leer und trotzdem ist Blake von dem Buch fasziniert, auf dessen Umschlag in großen, geschwungenen Buchstaben „Endymion Spring“ steht. Während er eine Weile auf die leeren Seiten starrt, offenbart sich ihm dort ein Rätsel, das allerdings nur er sehen kann. Kurz überlegt er, ob er es sich ausleihen soll, stellt es dann allerdings doch wieder zurück ins Regal.

Seine Entscheidung bereut er bald: Er wird einfach das Gefühl nicht los, dass ein magisches Geheimnis mit dem Buch namens „Endymion Spring“ verbunden ist. Doch als er in die Bibliothek zurückkehrt, ist das Buch verschwunden. Wer hat es genommen? Was hat es mit dem Buch auf sich? Und wer oder was ist Endymion Spring?

_“Endymion Spring“_ ist in zwei Geschichten beziehungsweise Zeitebenen aufgeteilt. Einmal wird von Endymion Spring aus dessen Perspektive erzählt, einem Jungen, der bei Johannes Gutenberg in der Werkstatt arbeitet. Dann wird wieder von Blake berichtet, der mit seiner Mutter und seiner Schwester in Oxford lebt und seinen Vater sehr vermisst.

Anfangs erfährt man zunächst nicht, worum es eigentlich geht. Man lernt Blake kennen, er findet ein geheimnisvolles Buch mit leeren Seiten, das ihm Rätsel aufgibt, und er läuft lange Zeit hinter diesem Folianten her und versucht ihn wiederzufinden. Mehr erfährt man erst einmal für lange Zeit nicht und der Leser fragt sich irgendwann, wann denn die eigentliche Geschichte anfangen soll. Das Buch ist ja mit seinen rund 400 Seiten ein eher schmalbrüstiges Werk, aber selbst nach Erreichen der Halbzeit will die Geschichte einfach nicht so richtig in die Gänge kommen.

„Endymion Spring“ wirft viele Fragen auf, die eine wirklich spannende Geschichte vermuten lassen, doch die erwarteten fantastischen Abenteuer und die Spannung fallen während der gesamten Lektüre aus. Ich hätte mir einiges mehr von dem Buch erwartet, da die Inhaltsangabe nicht allzu viel verraten hat, sich jedoch das, was dort zu lesen ist, interessant anhört. Am Ende der Lektüre ist man aber schon leicht enttäuscht, auch wenn sich nicht sagen lässt, dass das Buch langweilig wäre. Es war nur einfach nicht besonders spannend und ich hätte mir erhofft, dass mehr passiert.

Die Geschichte trägt teilweise die Züge eines Krimis. „Endymion Spring“ erzählt von einer Person im Schatten, die das Buch an sich reißen und dessen Weisheiten missbrauchen will. Ab diesem Punkt fängt der Leser an, auf der Lauer zu sitzen. Wer verhält sich auffällig, bzw. unauffällig, so dass man vermuten könnte, der Autor hätte genau diese Person als Verräter auserwählt? Wer ist vertrauenswürdig und wer nicht? Diese Fragen stellen sich automatisch ein. Trotzdem hat mich der Verlauf der Geschehnisse nie wirklich überrascht, was dem Buch zusätzlich einiges an Spannung genommen hat. Die Entwicklung war ab einer gewissen Stelle recht vorhersehbar.

So richtig mitfiebern kann der Leser auch nicht. Das Buch lässt sich schnell durcharbeiten, aber nicht, weil es so spannend und gelungen ist, eher weil es flüssig zu lesen ist und man möglichst schnell zu einem spannenden Handlungsstrang vordringen oder einfach zum Ende kommen will. Ich konnte mich nur schwerlich in die Personen der Geschichte einfühlen, und dem Buch fehlt einfach das gewisse Etwas. Aus der Geschichte hätte man wohl weit mehr machen können, doch letztendlich hat die Umsetzung meinen Erwartungen nicht standhalten können.

Der Schreibstil von Matthew Skelton ist ganz akzeptabel. Er weist eigentlich keine großen Besonderheiten auf, aber zumindest ist das Buch flüssig zu lesen, da es recht schlicht geschrieben ist. Besonders anfangs ist die Geschichte noch sehr schön geschrieben. Matthew Skelton hat einige, sehr schöne Wortspiele und Vergleiche eingebracht, die dazu beitragen, eine sehr winterliche Märchenatmosphäre zu schaffen, was aber leider nicht sehr lange anhält. Irgendwann, nach einigen Seiten, rutscht Matthew Skelton in eine unauffällige Schreibweise ab. Schade eigentlich.

Fazit: Das Buch war nicht schlecht, aber auch nicht wirklich gut. Die Inhaltsangabe hat meiner Meinung nach einfach zu viel versprochen, sodass ich ein wenig enttäuscht war, als ich das Buch zuklappte und immer noch das Gefühl hatte, nichts wirklich Spannendes gelesen zu haben. Ich denke allerdings, wenn man sich von der Inhaltsangabe nicht zu viel verspricht, ist die Geschichte ganz akzeptabel.

Der Autor von „Endymion Spring“ ist Matthew Skelton. Er wurde 1971 in Southampton geboren und wuchs in Edmonton, Kanada, auf. Er studierte Englisch in Alberta und arbeitete als Assistent an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz, bevor er im Jahr 2000 in Oxford seine Ausbildung abschloss. Während er dort von 20 €uro in der Woche lebte, schrieb er in der Wohnung eines Freundes sein erstes Buch, „Endymion Spring“. 2006 erschien es in mehr als einem Dutzend Länder. „Endymion Spring“ ist sein bisher einziges Buch. Warner Brothers hat sich die Filmrechte daran gesichert.

432 Seiten, fester Einband, Pappband
Übersetzt aus dem Englischen von Ulli und Herbert Günther
Illustriert von Bill Sanderson
www.hanser.de
www.randomhouse.com/teens/endymion

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