Stephen King – Die Augen des Drachen. Fantasy-Roman

Einfallsreiches Märchen

König Roland von Delain wird ermordet, und man bezichtigt Peter, seinen Sohn und erben, der Tat. Hinter dem Ränkespiel steckt der mächtige Hofzauberer Flagg. Der Kampf um den Thron beginnt … ‚Der Zauber von Stephen King ist überaus verführerisch – unmöglich, das Buch aus der Hand zu legen.‘ The Washington Post.(Verlagsinfo)

King schrieb den Roman ursprünglich für seine Tochter Naomi King und den Sohn von Peter Straub. Er veröffentlichte ihn erstmals im Jahre 1983 durch den Verlag Philtrum Press in einer limitierten Auflage von 1250 Stück. Erst 1987 veröffentlichte der Viking-Verlag den Roman nach Erwerb der Rechte.

Der Autor

Stephen King, geboren 1947 in Portland, Maine, ist einer der erfolgreichsten amerikanischen Schriftsteller. Schon als Student veröffentlichte er Kurzgeschichten, sein erster Romanerfolg, „Carrie“ (verfilmt), erlaubte ihm, sich nur noch dem Schreiben zu widmen. Seitdem hat er weltweit 400 Mio. Büchern in mehr als 40 Sprachen verkauft. Im November 2003 erhielt er den Sonderpreis der National Book Foundation für sein Lebenswerk. (Verlagsinfo) Er lebt in Bangor, Maine, und Florida. Seine Erstleserin ist immer noch seine Frau Tabitha King. Inzwischen schreibt auch sein Sohn Joe Hill erfolgreich: „Blind“ (bei Heyne).

Sein Hauptwerk, das zeigt sich immer deutlicher, ist der Zyklus um den dunklen Turm. Er besteht bislang aus folgenden Romanen:

Schwarz (ab 1978); Drei; Tot; Glas; Wolfsmond; Susannah; Der Turm (2005), Wind (2013).

Stephen King wurde bei der Erschaffung der Saga um den Dunklen Turm maßgebend von dem Gedicht „Childe Roland to the Dark Tower Came“ von Robert Browning inspiriert („Herr Roland kam zum finstern Turm“), welches sich wiederum unter anderem auf Edgar’s Song in Shakespeares Drama „König Lear“ bezieht. Dieser Hinweis ist der Wikipedia entnommen, die nicht nur einen Spezialartikel zum Zyklus enthält, sondern auch jeden einzelnen Roman vorstellt.

Inhalt

Im Königreich Delain herrscht der alte König Roland von Delain, der weder ein guter noch ein schlechter König ist. Als Ratgeber steht ihm der finstere Hofzauberer Flagg zur Seite, der nach der Herrschaft giert. Roland heiratet die junge Sasha; obwohl er sie liebt, meidet er sie aus Schüchternheit.

Doch eines Tages trifft er beim Jagen im Wald auf einen Drachen, den er erfolgreich erlegt. Als Zeichen des Triumphes verzehrt er das Herz des Drachen. Danach findet er den Mut, mit seiner Frau zu schlafen und ein paar Monate später gebiert sie einen Sohn, der den Namen Peter erhält.

Der wahre Erbe

Peter genießt eine unbeschwerte Kindheit, seine Eltern lieben ihn und das Volk sieht ihn schon als würdigen Thronfolger an. Für Flagg ist Peter ein Dorn im Auge und Roland ist entschlossener denn je geworden. Wenige Jahre später erwartet Sasha ein weiteres Kind und entgeht durch Zufall einem Giftanschlag Flaggs. Doch Sasha stirbt bei der Geburt ihres zweiten Sohnes, der den Namen Thomas erhält.

Konkurrenz

Im Gegensatz zu Peter ist Thomas ein schwacher Mensch, der immer im Schatten seines älteren Bruders steht. Wenige Jahre später beginnt Thomas nicht nur seinen Bruder, sondern auch seinen eigenen Vater zu hassen. Roland zeigt mehr Fürsorge für Peter und Thomas fühlt sich zurückgesetzt. Flagg sieht darin natürlich eine Chance und beginnt Thomas zu manipulieren und zeigt Thomas, wie man durch die Augen vom Kopf des toten Drachen in den Trophäensaal hineinsehen kann. Thomas macht es sich daraufhin zur Gewohnheit, seinen eigenen Vater auszuspionieren.

Der Anschlag

Eines Tages mischt Flagg Drachensand in den Wein des Königs. Drachensand ist das tödlichste Gift auf der ganzen Welt. Thomas beobachtet durch die Augen des Drachen, wie Flagg seinem Vater den vergifteten Wein überreicht, den Roland ohne Zögern trinkt.

Bald darauf erleidet Roland Höllenqualen und stirbt durch innere Verbrennungen. Flagg gelingt es, den Verdacht auf Peter zu lenken. Peter wird des Königsmordes für schuldig befunden und in den Kerker geworfen. Nur Thomas könnte die Unschuld seines älteren Bruders beweisen, doch aus Angst vor Flagg schweigt er. Thomas wird zum König gekrönt und Flagg steht ihm als Berater zur Seite. Thomas ist von nun an die willenlose Marionette des mörderischen Zauberers.

Fluchtversuch

Peter will nicht aufgeben und plant bereits seine Flucht aus dem Kerker und will Delain von den Machenschaften Flaggs befreien. Auf seine Bitte hin werden Peter im Kerker zwei Dinge gewährt: das Puppenhaus seiner Mutter und zu jeder Mahlzeit eine frische Serviette. Peter nimmt von jeder Serviette fünf Fäden ab und webt mit Hilfe des im Puppenhaus vorhandenen Webstuhls ein Seil. Er hat vor, sich mittels dieses Seils aus dem Kerker abzuseilen… (Wikipedia.de)

Unterm Strich

Dieses Buch ist ein echtes Fantasy-Märchen, recht rührselig erzählt von einem fiktiven Geschichtenerzähler. King präsentiert eine Reihe bizarrer Ideen, so etwa das bemerkenswert tödliche Gift Drachensand. Der Leser kann bloß verwundert staunen, welchen Ideenreichtum der sogenannte Gruselautor King vor ihm ausbreitet.

Der Roman eignet sich vor allem für junge Leser, die noch an die Kraft von Märchen glauben. Er wurde ja auch für zwei Kinder geschrieben. Vielleicht hat der Meister alle Phänomene seiner Gegenwart – Ronald Reagan ist seit fast vier Jahren an der Macht und hat die USA umgekrempelt – derart verschlüsselt, dass ein kluger Kopf die wahre Botschaft hinter all den Fantasy-Versatzstücken lesen kann.

Wissenswertes

Für Kingologen gibt es aber einige interessante Parallelen und Verbindungen zu entdecken. „Die Figur des Flagg tauchte bereits in dem Roman „The Stand – Das letzte Gefecht“ und später auch im Dunkler-Turm-Zyklus auf. Bei der Fantasywelt, die King für den Roman Die Augen des Drachen entworfen hat, handelt es sich offensichtlich um eine Parallelwelt zum Turm-Zyklus (s.o.), was sich vor allem in den Ähnlichkeiten der Namen der Protagonisten Roland Delain und Roland Deschain und vielen weiteren kleinen Versatzstücken und Nebenfiguren äußert. Anders als in der Welt, in der der Dunkle-Turm-Zyklus spielt, scheint sich die Welt nicht weiterbewegt zu haben.“ (Wikipedia.de)

Achtung, gekürzt!

Die erste deutsche Ausgabe des Romans von 1987 ist stark gekürzt: 382 statt 512 Seiten. So wurden beispielsweise ganze Buchseiten nicht übersetzt. Erst im Februar 2011 erschien die erste deutsche Komplettübersetzung des Romans. Meine Besprechung beruht auf der gekürzten Version, daher sollte sich der Leser seinen eigenen Reim auf die Geschichte machen, indem er die ungekürzte Fassung liest.

Die aktuelle Wertung gilt nur für die vollständige, ungekürzte Fassung von 2011!

Taschenbuch: 512 Seiten
Originaltitel: The Eyes of the Dragon, 1983
Aus dem Englischen von Joachim Körber
ISBN-13: 9783453435759

www.heyne.de

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