Stephen King – Stark – The dark half

Das Monster im Autor

Stephen King oder Richard Bachman? Diese Frage stellten sich die Fans nicht mehr, seitdem sich der Meister aus Maine selbst outen musste. In seinem von George Romero verfilmten Horror-Roman „Stark“ greift er die schizophrene Seite dieser Dualität mit souveräner Kreativität auf.

Der Autor

Stephen King, geboren 1947 in Portland, Maine, ist einer der erfolgreichsten amerikanischen Schriftsteller. Schon als Student veröffentlichte er Kurzgeschichten, sein erster Romanerfolg, „Carrie“ (verfilmt), erlaubte ihm, sich nur noch dem Schreiben zu widmen. Seitdem hat er weltweit 400 Mio. Büchern in mehr als 40 Sprachen verkauft. Im November 2003 erhielt er den Sonderpreis der National Book Foundation für sein Lebenswerk. (Verlagsinfo) Er lebt in Bangor, Maine, und Florida. Seine Erstleserin ist immer noch seine Frau Tabitha King. Inzwischen schreibt auch sein Sohn Joe Hill erfolgreich: „Blind“ (bei Heyne).

Sein Hauptwerk, das zeigt sich immer deutlicher, ist der Zyklus um den dunklen Turm. Er besteht bislang aus folgenden Romanen:

Schwarz (ab 1978); Drei; Tot; Glas; Wolfsmond; Susannah; Der Turm (2005), Wind (2013).

Stephen King wurde bei der Erschaffung der Saga um den Dunklen Turm maßgebend von dem Gedicht „Childe Roland to the Dark Tower Came“ von Robert Browning inspiriert („Herr Roland kam zum finstern Turm“), welches sich wiederum unter anderem auf Edgar’s Song in Shakespeares Drama „König Lear“ bezieht. Dieser Hinweis ist der Wikipedia entnommen, die nicht nur einen Spezialartikel zum Zyklus enthält, sondern auch jeden einzelnen Roman vorstellt.

Mehr Info in der Wikipedia.

Handlung

Der mit Qualitätsliteratur relativ erfolglose Schriftsteller Thad Beaumont schreibt unter dem Pseudonym ‚George Stark‘ gängige, kommerziell sehr erfolgreiche Actionromane, zum Beispiel „Machine’s Way“. Er kann daher seine Familie gut ernähren. Als man ihm auf die Schliche kommt, lüftet er als Präventivangriff sein Pseudonym und begräbt sein anderes Ich als Werbegag auf dem Friedhof von Castle Rock, Maine (dem Staat, in dem auch King lebt).

Doch damit hat sich die Sache beileibe nicht erledigt: Stark wühlt sich aus der Grabestiefe ans Licht, die dunkle Hälfte Thads hat sich quasi verselbständigt. Als erstes beginnt George, die für sein Ableben Verantwortlichen zur blutigen Rechenschaft zu ziehen. Doch Starks körperlicher Verfall lässt sich nur aufhalten, wenn Thad wieder zur Feder bzw. zum Bleistift (mit einer ganz bestimmten Stärke) greift und einen neuen, sechsten Stark-Roman zu Papier bringt. Hier spielt das Alter Ego sozusagen den Fan aus „Misery“ („SIE“).

Dummerweise weigert sich Thad jedoch, will er doch das mordende Monster endlich los sein. Alles kulminiert in der finalen Auseinandersetzung zwischen Stark und Thad, in der die den ganzen Roman gleichsam als roter Faden durchziehenden Sperlinge eine wichtige Rolle spielen. Das Ende soll hier aber nicht verraten werden. (Leute, die die Verfilmung von George Romero kennen, wissen eh, wovon die Rede ist.)

Mein Eindruck

Gegenüber den Vorgängern wie „Das Monstrum“ und „SIE“ zeichnet sich „Stark“ durch viel tiefere, detailliertere Zeichnung der Charaktere aus, die in der psychologisch motivierten Handlung auch entsprechend zum Tragen kommen kann. Durch das Motiv der Sperlinge als Seelenbegleiter erhält die Gegenüberstellung der Figuren noch den rechten mystischen Dreh.

An gewisse Werke des Splatterpunk erinnern lediglich die blutigen Mordszenen, die George Stark auf seinem Rachefeldzug reichlich verursacht. Schwache Mägen gehen hier kurz mal auf die Toilette. Ziemlich in den Hintergrund gerät hingegen die Beschreibung der Schauplätze, die doch sonst so ausladend ausfiel. Das führt dazu, dass sich der Leser sehr, äh, „stark“ auf die beiden Hauptfiguren konzentrieren kann.

King schildert intensiv und gefühlsgeladen, wenn auch für mich nicht hundertprozentig überzeugend die Lage Thads, der „guten Hälfte“ des Menschen, sozusagen Dr. Jekyll. Hilflos muss er die Morde an Bekannten, die Entführung seiner Frau und Kinder sowie die Machtlosigkeit der Polizisten, so etwa Sheriff Alan Pangborn, miterleben. Ja, er wird sogar selbst zur Zielscheibe ihrer Verdächtigungen. Eher eine Überraschung stellt das all diese Rätsel auflösende Finale dar. Es rutscht stellenweise in Pathos ab. Aber das ist mir lieber gewesen als unangebrachte Komik („bathos“).

Und was lernen wir daraus: man sollte es sich beizeiten überlegen, bevor man „Qualitätsliteratur“ zu produzieren versucht. Man sieht ja, wohin dies führen kann.

Taschenbuch: 520 Seiten
Originaltitel: Stark – The dark half, 1988.
Aus dem Englischen von Christel Wiemken;.
ISBN-13: 9783453048805

https://www.heyne.de

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