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TEST: Kindle Touch

Vorwort

Nicht ganz so plötzlich, aber schon unerwartet präsentiert amazon seinen eBook-Reader Kindle Touch nun auch in Deutschland. Im letzten Jahr erschien nämlich der „normale“ Kindle mit dem Hinweis, dass die in den USA erhältlichen Modelle „Touch“ und „Touch 3G“ bei uns nicht erscheinen werden. Gehen wir also mal davon aus, dass in absehbarer Zeit auch der „Kindle Fire“ bei uns erhältlich sein wird … auch der ist bislang nicht für Deutschland angekündigt.

Vom Auspacken bis zum Lesen

Das mir vom Hersteller leihweise zur Verfügung gestellte Testgerät war nicht nur voller Fettfingerabdrücke und Staub, es war praktischerweise auch schon auf mich registriert. Einzuschalten brauchte ich es auch nicht, denn es war schon im Stand-by-Modus … der, das allerdings erwähne ich natürlich, verbraucht keinen Strom, da eInk-Reader nur Energie beim Aufbau der Anzeige benötigen, nicht für die Anzeige selbst.

Im Hauptmenü fand ich ein paar vorinstallierte Dokumente: Eine paar kurze Infos zu dem Gerät, ein „User’s Guide“ in englischer Sprache und ein paar Wörterbücher. Wer bereits einen Kindle besitzt und auf den Touch umgestiegen ist, der findet hier auch unter dem Punkt „Archiv“ seine bisherigen amazon-eBook-Käufe aufgelistet, die man sich so auch fix wieder auf das neue Gerät holen kann.

Haptik und Optik

Der Kindle Touch liegt gut in der Hand und kann nicht nur aufgrund seines geringen Gewichts problemlos in einer Hand gehalten werden … auch längere Zeit. Das Gefühl einer leichten Gummierung auf der Rückseite sorgt für einen guten Rutschschutz beim Festhalten. Mit ein wenig Fingerspitzengefühl kann man es hinbekommen, dass man auch für das Umblättern keine zweite Hand benutzen muss. Auf das Display patschen muss man dafür aber in jedem Fall.

Dass Displays von eInk-Geräten die Texte in der Qualität einer Tageszeitung darstellen können, bestätigt sich auch beim Kindle Touch. Die Texte sind auch bei kleinen Schriftgrößen immer klar und deutlich erkennbar und sowohl bei hellem Sonnenlicht als auch bei künstlicher Beleuchtung reflexionsfrei und gut zu lesen.

Erstes Lesen

Obwohl dem Gerät keine Bedienungsanleitung beilag, war und ist die Benutzung recht intuitiv und selbsterklärend. Ich mag eh keine Anleitungen, ich finde gern selbst alles heraus … und beim Kindle Touch geht das auf jeden Fall, denn so komplex und kompliziert wie ein neuer AV-Receiver ist er nicht.

Nach einem Tipp auf einen Buchtitel in der Menüliste ist man auch schon im Dokument. Für die Auswahl eines Buches braucht man das Display nur leicht zu berühren, wie man das von kapazitiven Smartphones oder Tablet-PCs auch kennt. Auch wenn die Technik dahinter eine andere ist, angenehm zu bedienen ists bei beiden.

Wem die Schriftgröße nicht gefällt, der kann direkt mit einer Zwei-Finger-Geste auf dem Display das Schriftgrößen-Menü aufrufen und aus sieben verschiedenen Schriftgrößen seinen Favoriten auswählen. Eine Größe hoch- oder runterschalten funktioniert durch einfaches Auseinander- oder Zusammenziehen von zwei Fingern auf dem Display.

Das seitenweise Umblättern geschieht beim Kindle Touch auch durch Berühren des Displays, denn außer des HOME-Buttons unten in der Mitte des Gehäuses und dem Stand-by-Knopf am unteren Rand, gibts beim Kindle Touch keine Knöpfe. Das Display ist für diesen Vorgang in Zonen eingeteilt. Berührt man den rechten Rand des Display, gehts eine Seite vor, links gehts eine Seite zurück. Wer den oberen Rand berührt, der bekommt eine Menü-Zeile eingeblendet, in der er unter anderem mittels eines Suchfelds im Dokument suchen kann. Außerdem zeigt der Kindle Touch hier zusätzlich ein kleines MP3-Player-Menü an, wenn sich Audio-Dateien auf dem Gerät befinden.

Bei jedem sechsten Blättern initialisiert der Kindle Touch den Bildschirm neu, was ihn einmal aufflackern lässt. Bei den fünf vorherigen Seitenwechseln blendet er nur den alten Text aus und den neuen ein.

Buch-Shopping

Im HOME-Menü strahlt uns in der oberen Leiste schon ein Einkaufswagen-Symbol an, das uns bei aktiver Internet-Verbindung in den amazon-Buchladen bringt. Das Stöbern ist allerdings recht schwerfällig, auch wenn alles auf eine Benutzung über den Kindle abgestimmt ist. Auch die Scroll-Wisch-Gesten, die man vom Smartphone oder Tablet-PC her kennt, funktionieren hier … aber der Bildschirm scrollt nicht mit. Nachdem man „gewischt“ hat, wird die Seite komplett neu aufgebaut. Das Flackern und Ruckeln irritiert, macht wenig Spaß und verkürzt die Verweildauer im Shop. Wenn man aber weiß, was man sucht oder schnell gefunden hat, was man möchte, dann ist der Lesespaß nicht mehr weit.

Nach Auswahl eines Titels kann man sich entweder erstmal eine kostenlose Leseprobe auf das Gerät schicken lassen oder den Titel direkt kaufen. Und noch während man den anschließenden Einkaufshinweis durchliest, ist das Buch im Hintergrund schon auf den Kindle Touch geladen worden und steht im HOME-Menü zum direkten Loslesen zur Verfügung.

Noch Fragen?

Wie viele Bücher passen denn auf den Kindle Touch?

Der Hersteller wirft mit den Werten 4 GB und 3000 Bücher erstmal ein paar gewichtige Zahlen in den Raum, die nicht jedem etwas sagen. Natürlich habe ich keine 3000 Bücher da, mit denen ich diese Behauptung nachprüfen könnte, aber rein rechnerisch ist das durchaus möglich. Ich erspare jetzt jedem an dieser Stelle die Aufschlüsselung, aber, gehen Sie mal davon aus, dass Sie all Ihre Lieblingsbücher auf dem Kindle Touch mit sich rumtragen können … und ich meine wirklich alle Lieblingsbücher. Dass der Speicher nicht etwa durch Speicherkarten erweiterbar ist, macht mir persönlich wenig aus. Bis ich mal 3000 Bücher auf dem Gerät angesammelt hätte …

Außerdem bietet amazon mithilfe seiner Internet-Cloud (mit 5 GB Speicherplatz) die Möglichkeit, per WLAN auf jedes einmal bei amazon gekaufte eBook zuzugreifen und es sich auf den Kindle Touch zu laden.

Kann der Kindle Touch noch mehr, als Bücher anzeigen?

Kann er, auch wenn der Hersteller es explizit als „Beta-Funktion“ bezeichnet, wenn es hierbei um die Tonwiedergabe geht, wohl um jeglicher Beschwerde von Technik-Freaks aus dem Weg zu gehen. Der Kindle Touch kann (im Gegensatz zum normalen Kindle) also auch Audio-Inhalte wie MP3-Dateien abspielen. Auch kann er Bilder anzeigen und ermöglicht so z. B. das Lesen von Zeitschriften oder Comics. Ein Web-Browser ist auch als Beta-Extra enthalten. Das Surfen mit einem eInk-Display macht allerdings erwartungsgemäß nur bei sehr textlastigen Webseiten Spaß … News-Seiten hingegen lassen sich ganz ordentlich lesen. Beim Scrollen von Homepages ruckelt und flackert es gehörig, sodass der Browser wirklich nur für schnelle Recherchezwecke geeignet ist, nicht für längeres Surfen.

Die eingebauten Lautsprecher klingen erwartungsgemäß ein wenig blechern. Der MP3-Player lässt sich mangels Knöpfe am Gehäuse auch nur über das Menü des Geräts bedienen, läuft aber auch während man liest im Multitaskingmodus weiter. So kann man sich zusätzlich beim Lesen auch noch von sanfter Hintergrundmusik berieseln lassen.

Der Vergleich mit den anderen

Lesen bei Licht … und ohne

Es ist ja nicht so, als hätte amazon das Lesen erfunden, nur weil sie eine Menge Bücher verkaufen. So verhält es sich auch beim Thema „eBook-Reader“. Es gibt Mitbewerber und die sind für den einen oder anderen potenziellen Käufer durchaus in Erwägung zu ziehen.

Nicht von ungefähr weist amazon in der Kindle-Werbung gern darauf hin, dass man auch bei starkem Sonnenlicht noch angenehm mit dem Gerät lesen kann. Das geht nämlich zum Beispiel mit dem iPad (1, 2 oder 3) bedingt oder eher gar nicht. Je heller es ist, desto wunderbarer verwandelt sich der Tablet-PC in einen nützlichen Schminkspiegel. Lesen macht dann keinen Spaß mehr.

Allerdings darf man auch nicht verschweigen, dass die Hintergrundbeleuchtung des iPads (oder anderer LCD-Lesegeräte) absolut zu punkten weiß, wenn es langsam schummrig wird. Wer mit dem Kindle liest, der muss schon früher das Licht anschalten, als wenn er ein Buch in der Hand hält. Aber … im Dunkeln zu lesen, ist eh nicht gut für die Augen.

Leicht, leichter, Kindle

Beim Thema „Gewicht“ gewinnt der Kindle Touch gegen jeden von mir getesteten LCD-Reader und auch gegen fast jedes gedruckte Buch. So gern ich Hardcover im Regal stehen sehe, so schmerzhaft finde ich es, sie tatsächlich zu lesen. Auf dem Kindle Touch ist jedes Buch immer gleich schwer, nämlich 213 Gramm. Das schaffen sonst nur wirklich dünne Taschenbücher.

Im Vergleich dazu ist das aktuelle iPad dreimal so schwer und strengt beim Lesen das Handgelenk, so man das Gerät denn beim Lesen mit einer Hand halten kann oder mag, auch dreimal mehr an. Andere LCD-Reader, die nicht zeitgleich ein Tablet-PC sind, sind natürlich leichter … aber die Kindle-Familie ist noch leichter, weil die eInk-Technik einfach weniger wiegt.

Durchhaltevermögen

Auch wenn die iPads gute zehn Stunden unter Volllast durchhalten, bevor man sie aufladen muss und andere LCD-Reader gern auch mal ein paar Tage (maximal) des Lesens überstehen … eher früher als später müssen sie alle ans Netz. Sehr ärgerlich ist das, wenn es grad richtig spannend ist im Roman … oder … noch schlimmer … man grad im Urlaub ist und spontan feststellen muss, was zu Hause in der Schublade liegt … genau, das Netzkabel.

Ob der Akku des Kindle Touch tatsächlich die vom Hersteller versprochenen zwei Monate ohne Zusatzstrom durchhält, kann ich nicht bezeugen … ich musste das Gerät lange vorher wieder zurückgeben. Allerdings kann ich vom normalen Kindle her bestätigen, dass er wirklich verdammt lange hält, selbst man jeden Tag eine längere Leserunde einlegt. Auf Wochen lege ich mich da spontan fest, auch wenn ich es nie aufgeschrieben habe, wann ich ihn aufladen musste … es passiert einfach zu selten.

Die Auswahl der Bücher und das Formate-Wirrwarr

Für die, die sich nicht auskennen: Amazon benutzt für seine Lesegeräte ein hauseigenes Format, namens AZW. Bücher in diesem Format bekommt man nur bei amazon und kein anderer Reader kann damit umgehen. Der Rest der Welt benutzt aber das EPUB-Format. Das kann so gut wie jeder Reader, ob eInk oder LCD … nur die Kindles, die können mit diesem Format nichts anfangen. Das ist halt so eine Apple-Sache, man möchte eben, dass die Käufer im eigenen Haus shoppen und nicht bei den Mitbewerbern.

Als legitimen und auch völlig legalen Hinweis kann ich an dieser Stelle aber allen, die sich aus diesem Grund allein nun gegen einen Kindle Touch entscheiden würden aber sagen: Es gibt ein Programm, das nennt sich CALIBRE … das ist kostenlos herunterladbar und kann den Kindle mit jedem „Fremdformat“ versorgen, das sie eventuell schon bei einem anderen Händler erworben haben. Alles kein Problem und sollte daher auch kein wirklich entscheidendes Kaufkriterium darstellen, solange die Dateien keinen DRM-Kopierschutz haben, denn dann klappts leider nicht.

Ich möchte einen Kindle … aber welchen nur?

Wer sich für einen Kindle von amazon entschieden hat, der hat die Wahl zwischen derzeit drei Geräten: dem Kindle, dem Kindle Touch und dem Kindle Touch 3G.

Wer einfach nur Lesen möchte und keine weiteren Features braucht … den Reader also wirklich nur als Reader und Buchersatz benutzen möchte … dem reicht der KINDLE.

Wer es etwas komfortabler in der Bedienung mag und kein Freund von langen und oftmals nervigen Reisen mit der Steuerkreuztastatur ist, für den ist der KINDLE TOUCH zu empfehlen.

Wer viel unterwegs ist und nicht auf eine WLAN-Verbindung angewiesen sein und den Bedienungskomfort des KINDLE TOUCH möchte, der greift zum KINDLE TOUCH 3G, denn der bietet laut Hersteller in über 100 Ländern und Regionen einen drahtlosen Zugang zum amazon-Store.

Techno-Babble, der wirklich interessant ist, in der Übersicht

Display-Größe: 15 cm (6 Zoll)
Maße: 17,2 x 12 x 10,1 cm
Gewicht: 213 Gramm
Speicher: 4 GB (wovon 3 GB vom Käufer genutzt werden können) … der Speicher ist nicht erweiterbar
Preis: 129 Euro
Akku-Laufzeit|: Wer jeden Tag 30 Minuten liest, soll zwei Monate ohne Aufladen auskommen. Wer vergisst, das WLAN dabei abzuschalten oder ständig im amazon-Shop Nachschub bestellt, weils so einfach und bequem ist, der muss nach drei Wochen aufladen.
Verbindung mit der Welt|: Per WLAN gehts direkt ins Internet (in den Shop oder die Cloud) oder per USB an den PC. Beide Verbindungen können genutzt werden, um Bücher auf den Kindle Touch zu übertragen.
Dateiformate, die der Kindle Touch versteht: AZW, AZW3, TXT, PDF, AA, AAX, MP3, MOBI (ungeschützt), PRC, HTML, DOC, DICX, JPEG, GIF, PNG, BMP (nach Konvertierung)

Ausstattung

Der Vergleich zum Apfel-Konzern und seinen iGeräten passt auch an dieser Stelle. In der Verpackung fand ich den Kindle Touch und ein USB-2.0-Kabel. Ein Netzkabel muss separat gekauft werden, Gleiches gilt für eine Schutzhülle. Wer eine längere Anleitung (auf Deutsch) haben möchte, der kann sie sich von der Herstellerseite herunterladen und dabei auch gleich auf seinen Kindle Touch übertragen. So hat das Gerät seine eigene Bedienungsanleitung immer parat.

Mein Fazit:

Der Kindle Touch kann das am besten, wofür er eigentlich da ist: Bücher anzeigen. Er liegt super in der Hand und ist durch das Touchdisplay einfach und intuitiv zu bedienen. Es passen richtig viele eBooks auf das Gerät und das Online-Einkaufen neuer Bücher über den Kindle Touch geht schnell und problemlos.

Die zusätzlichen Features, die der Kindle Touch als Beta-Dreingabe anbietet, darf man nicht mit Smartphones oder Tablet-PCs vergleichen. Wenn man das nicht tut, dann kann man sich auch über den eingebauten MP3-Player und den WebBrowser durchaus freuen, auch wenn sie vielleicht nicht den gewohnten Komfort bieten.

Alles in allem ist der Kindle Touch  nicht nur aufgrund seines Preises ein von den eInk-Mitbewerbern ernst zu nehmender Konkurrent, der komfortablen Lesespaß bietet.