Schlagwort-Archive: Bastei Lübbe

Ken Follett – Die Tore der Welt

Höhen und Tiefen des Schicksals: Mittelalter-Seifenoper

England im Jahre 1327. Es ist der Tag nach Allerheiligen. In der Stadt Kingsbridge trifft sich im Schatten der Kathedrale das Volk. Vier Kinder flüchten vor dem Trubel in den nahe gelegenen Wald. Dort werden sie Zeugen eines Kampfes – und eines tödlichen Geheimnisses. Merthin, ein Nachfahre von Jack Builder, dem Erbauer der Kathedrale, hat dessen Genie und rebellische Natur geerbt. Sein starker Bruder Ralph strebt den Aufstieg in die Ritterschaft an. Caris, Tochter eines Wollhändlers, hat den Traum, Arzt zu werden. Gwenda, Kind eines Taglöhners, will nur ihrer Liebe folgen.

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Susan Price – Die Elfling-Saga

Der Elfling-Zyklus:

Band 1: „Der Erbe der Krone“
Band 2: „Das Heer der Toten“

Beide Romane in einem Band: „Die Elfling-Saga“

Nordische Action-Fantasy aus England

Er ist das Kind einer Frau aus dem Elfenreich. Aber er ist auch der Sohn eines Königs, und er fordert die Krone, die ihm nach altem Recht zusteht. Doch er hat nicht mit der Tücke der Priester gerechnet, die ihn „Teufelsbrut“ nennen. Denn sie behaupten, dass er keine Seele besitzt. (Verlagsinfo)

Die Autorin

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Jesse Bullington – Vom Tode verwest

Das geschieht:

1516 wird der Schweizer Niklaus Manuel Deutsch, der gerade als Söldner in Oberitalien kämpft, von seinem Hauptmann beauftragt, die maurische Hexe Awa nach Spanien zu bringen, wo der Inquisitor Ashton Kahlert bereits die Folterinstrumente schärfen lässt. Die Mission misslingt, Awa kann sich befreien, denn sie ist in der Tat eine Hexe, die lange, leidensreiche Jahre einem Nekromanten dienen musste, der sie in viele seiner schwarzen Künste einweihte.

Awa konnte ihren Peiniger schließlich überlisten und umbringen, doch dieser belegte sie mit einem fürchterlichen Fluch: Zehn Jahre nach seinem Tod werde er aus dem Jenseits wiederkehren und in ihren Körper einfahren, um ihn für ein neues Leben zu ‚übernehmen‘. Auf der Suche nach einem Weg, dieses Schicksal abzuwenden, zog Awa durch das Heilige Römische Reich, bis sie in Italien gefangengenommen wurde. Jesse Bullington – Vom Tode verwest weiterlesen

Mike Resnick – Mallory und die Nacht der Toten

Die Mallory-Romane:

1 – „Jäger des verlorenen Einhorns“
2 – „Mallory und die Nacht der Toten“
3 – „Mallory und der Taschendrache“ (20.07.2012)

Dies ist John Justin Mallorys zweiter Fall im Manhattan der Fabelwesen, dort, wo er seine detektivischen Fähigkeiten weitaus besser einzusetzen weiß als einst in seinem (unserem) Manhattan. Sowohl die Justiz als auch die Ethik und Moral kommt seinen Vorstellungen sehr entgegen, und hier kann er sich als das geben, was einen typischen fabelhaften Detektiv ausmacht: Knallhart, unbestechlich, mit sicherem Gespür für das Vorgehen seiner Gegner und der Fähigkeit, ihnen immer um die sprichwörtliche Nasenlänge voraus zu sein.

Mike Resnick, einer der produktivsten Schriftsteller unserer Zeit, Verfasser unzähliger Kurzgeschichten, Romane und Erzählungen und regelmäßiger Gewinner einschlägiger Genrepreise, ist dem deutschsprachigen Publikum bisher recht unbekannt. Seit wenigen Jahren veröffentlicht Lübbe in schöner Regelmäßigkeit Romane seiner erfolgreichen Reihen, zuletzt die „Wilson Cole“ – Romane um den gleichnamigen, hochmoralischen und aus diesem Grund meuternden Raumkapitän. Hoffen wir, dass nach der „Mallory“-Reihe noch viel Resnick-Stoff nach Deutschland schwappt.

Nachdem Mallory einen Pakt mit dem Grundy, dem mächtigsten Dämon des parallelen Manhattan, geschlossen hat und sich die Passage, die ihm die Rückkehr in seine Welt ermöglichte, schloss, nistet sich der Privatdetektiv mit seiner über 60-jährigen Partnerin häuslich und bürokratisch ein, eröffnet eine Detektei. Und zu Halloween kracht es: Vlad Dracule (mit weiteren, unbekannteren Namen) reist in Manhattan ein und ermordet alsbald das ungünstigste aller Opfer: den Neffen Mallorys Partnerin Winnifred Carruthers. Außerdem nimmt er auch von Carruthers einen Schluck und bedroht damit ihre Existenz, so dass Mallory nur wenig Zeit bleibt, seinen Gegner zu stellen. Und das in der „Nacht der Toten“, wo alles an umtriebigen Wesen auf den Beinen ist und seine Spürnase auf eine harte Probe stellt …

Mike Resnick erzählt seine Geschichten vor allem über Unterhaltungen. Und so beginnt dieser flotte Roman typischerweise mit einer der merkwürdigen Unterhaltungen zwischen Mallory und dem Katzenwesen Felina. Dieser Stil Resnicks gestaltet seine Geschichten stets hochinteressant und regt natürlich zum Mitdenken an, denn anders als bei erzählenden Stilen dringt der Leser nicht tief in die Gedankenwelt seiner Protagonisten ein, sondern erfährt ihre Absichten und Überlegungen vor allem über die Dialoge. Was vor allem die Fähigkeiten Mallorys ins rechte Licht rückt, denn er führt nicht nur einmal nicht nur seine Gesprächspartner in die Irre oder hält sie unwissend, während er bereits einen durchschlagenden Plan entwickelt.

Die Charaktere erhalten auch in diesem zweiten Band der Reihe ihre typischen Eigenschaften. Resnick versteht es hervorragend, seine Figuren lebendig zu schildern und ihnen besondere Erkennungsmerkmale zu verleihen. So wiederholen sich bestimmte Eigenschaften zwar, wie zum Beispiel Felinas vordergründige Sturheit und katzenartiges Ego, um sich Schmuseeinheiten oder Milchcocktails zu gewinnen. Doch Mallory lässt sich selten auf diese Spielchen ein, und nicht nur Felina muss sich meistens seinen Argumenten beugen. Man gewinnt – nicht während der Lektüre, sondern erst bei genauerem Reflektieren – den Eindruck, dass Resnick ein besonderes System der Protagonistenkreation hat, und das funktioniert einwandfrei. Natürlich könnte man bemängeln, wie unschlagbar seine Helden charakterisiert sind, doch machen diese Helden einen besonderen Reiz seiner Geschichten aus, denn sie transportieren stets einen wichtigen Anteil seiner Geschichten, manchmal auch wichtige Grundsätze oder Moralitäten. Und schließlich ist es wieder kein schlagbarer Gegner, dem sich Mallory stellt, sondern der jahrtausende alte Vampir höchstselbst – niemand sonst als Mallory könnte in der Lage sein, ihm seine Bedingungen aufzuzwingen.

Die Geschichte beleuchtet wieder stroboskopisch und trotzdem erstaunlich eindringlich die Gegebenheiten des fremden Manhattan – das soo fremd gar nicht wirkt. Die Eigenschaften unserer Welt sind auch dort zu finden, nur stellt Resnick sie überspitzt dar und führt sie dadurch humorvoll und plakativ vor Augen. Eindrucksvoll, mitzuerleben, wie Resnick diese deutlichen Bilder weitgehend über Dialoge erzeugt.

In einem Satz: Dieser Roman ist nicht dazu geeignet, als Wurfgeschoss ernsthafte Verletzungen zuzufügen, denn er orientiert sich nicht an der heute üblichen aufgeblähten Seitenzahl, sondern kommt mit weit weniger Platz und umso schneller ans Ziel, leidet nicht unter Längen und ist unterhaltungstechnisch ein Hochgenuss.

Taschenbuch, 361 Seiten plus umfangreicher Anhang zum Autor
Deutsche Erstausgabe
Übersetzt von Thomas Schichtel
Januar 2012
Originaltitel:
Stalking the Vampire
ISBN 13: 978-3-404-20645-2
www.luebbe.de

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Kepler, Lars – Paganinis Fluch

_Inhalt_

Carl Palmcrona wird im Stockholmer Nobelstadtteil Östermalm in seiner Wohnung tot aufgefunden. Das Zimmer, in dem er an einem Strick hängt, ist unmöbliert – es gibt darin nichts, worauf er hätte steigen können, um Selbstmord zu begehen. Am selben Tag wird auf einer Jacht, die in den Stockholmer Schären treibt, eine tote Frau entdeckt. Ihre Lungen sind mit Meerwasser gefüllt, ihr Körper und ihre Kleider jedoch vollkommen trocken. Sie ist auf einem Boot ertrunken, das noch schwimmt … Die beiden Todesfälle geben der Polizei Rätsel auf. Bis Kommissar Joona Linna zwischen ihnen eine Verbindung entdeckt. Die Spur führt zu einem Mann, der die Violinen des Teufelsgeigers Paganini sammelt – und Albträume wahr werden lässt.

_Kritik_

„Paganinis Fluch“ von Lars Kepler alias Alexander und Alexandra Ahndoril ist der zweite Kriminalroman des Autorenduos. Schon in „Der Hypnotiseur“ spielte der finnisch-stämmige Kriminalkommissar Joona Linna die Rolle, des eigensinnigen, aber hochkompetenten Ermittlers. In Stockholm kommt es dubiosen Morden und der Täter scheint nicht gerade zimperlich gewesen zu sein.

Schon in den ersten Kapiteln wird sich der Leser fragen, was in aller Welt die vermeintlichen Morde mit dem Teufelsgeiger Paganini zu tun haben! In „Paganinis Fluch“ geht es um mehr als leidenschaftliche Musik oder einen Pakt mit dem Teufel. Politik kombiniert mit Waffenhandel bilden die Haupthandlung in diesem Roman des schwedischen Autorenpaares.

Umso verwirrender ist demnach der Titel des Buches. Weder viele Geigen noch ein Fluch sind Bestandteil der Handlung. Als Eyecatcher gedacht, verspricht der Titel überhaupt mysteriöse Spannung, doch dieses Mal ist der Plot gar nicht so spannend, wie es der Leser nach „Der Hypnotiseur“ erwartet.

Die Handlung birgt zwar Konflikte und Komplikationen, aber entwickelt sich in einem gemächlichen Tempo. Allerdings haben es die Autoren geschickt verstanden, die Charaktere in die Handlung zu integrieren. Naive Erpresser treffen auf Auftragskiller und Politiker gehen mit Rüstungskonzernen Bande eine. Hinzu kommt dann ein dekretierendes Foto, welches das zentrale Thema für Joona Linna wird. Nach und nach lichtet sich der Nebel und der Leser kann die verschiedenen Handlungsstränge miteinander verweben, sodass er den ermittelnden Beamten gut folgen kann und manchmal ist der konzentrierte Leser den Ermittlern sogar eine Nasenlänge voraus.

Diese Perspektive ist zwar interessant, aber leider vermeiden es die Autoren, so manches Detail zu verstecken. Zu transparent werden die Handlungen der Protagonisten, was zur Folge hat, dass der Spannung keine Möglichkeit gegeben wird, sich entwickeln zu können.

Viel Mühe und Aufwand hingegen gaben sich die Autoren mit der Konzeption ihrer Protagonisten. Axel Riessen, der das politische Amt des Rüstungskontrolleurs innehat, ist der Dreh- und Angelpunkt der Handlung. Sein musikalisches Talent an der Geige konnte er nicht weiter ausbauen, da er indirekt getötet hat. Und diese Geister der Vergangenheit haben ihn mit dem Fluch der chronischen Schlaflosigkeit zurückgelassen. Sein gestörtes Verhältnis zu sich selbst und zu einem noch minderjährigen und psychisch-gestörten Mädchen klingt höchst interessant, aber ist dennoch recht unglaubwürdig. Und genau an dieser Stelle löst sich das Rätsel um den Titel des Romans in Wohlgefallen auf.

Das sehr aktuelle Thema „Waffenhandel“ wird leider in den Hintergrund gedrängt. Das Schweden so tief in den internationalen Waffenhandel involviert ist, vermutet der deutsche Leser gar nicht. Diese Brisanz hätte in dem Roman großartig verarbeitet werden können, allerdings verläuft auch diese Thematik im Sande.

_Fazit_

Die Erwartungshaltung war groß, gerade nach dem genialen Start mit „Der Hypnotiseur“ greift man nur allzu gerne nach dem zweiten Titel des schwedischen Autorenpaares.

Trotz sehr guter Ideen und einer fast schon perfekten Figurenzeichnung, verliert sich die Spannung in der oftmals unstrukturierten Handlung. Daran kann auch der interessante Joona Linna nicht viel ändern, der deutlich unterfordert erscheint.

„Paganinis Fluch“ ist ein solider Thriller und nicht unbedingt ein Kriminalroman, da hier zu viel verraten wird. Auch wenn ein wenig Enttäuschung vorherrscht, der dritte kommende Band, kann hoffentlich wieder an „Der Hypnotiseur“ anknüpfen.

|Gebundene Ausgabe: 624 Seiten
Originaltitel: Paganinikontraktet
ISBN-13: 978-3785724286|
[www.luebbe.de]http://www.luebbe.de

_Lars Kepler bei |Buchwurm.info|_
[„Der Hypnotiseur“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6797
[„Der Hypnotiseur“ (Lesung)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7015

China Miéville – Der Krake

Mittlerweile schreibt der britische Schriftsteller produktive und ambitionierte phantastische Literatur, die in schöner Regelmäßigkeit mit Preisen gewürdigt wird. Sein erst 2010 in Deutsch erschienener Roman „Die Stadt und die Stadt“ wurde mit den wichtigsten Preisen ausgezeichnet wie Locus Award, Hugo Award und World Fantasy Award sowie in Deutschland dem Kurd Laßwitz Preis – wobei sich bei diesem Rundumschlag die Frage stellen könnte, ob es im entsprechenden Jahr keine Konkurrenz gab … China Miéville – Der Krake weiterlesen

Jean-Christophe Grangé – Im Wald der stummen Schreie

Jean-Christophe Grangé – diesen Namen verbinde ich mit Nervenkitzel, ausgefeilten Spannungsromanen, packenden Geschichten, interessanten Wendungen und Topspannung bis zur letzten Seite. Bekannt geworden durch „Die purpurnen Flüsse“ hat sich der französische Bestsellerautor inzwischen in die Riege der ganz Großen geschrieben, sodass ich mit großer Vorfreude seinem aktuellen Buch „Im Wald der stummen Schreie“ entgegen gefiebert habe. Doch leider, leider enttäuscht Grangé dieses Mal nahezu auf ganzer Linie …

Penetrante Richterin

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Mike Resnick – Jäger des verlorenen Einhorns

Der Auftakt zu einer Reihe von phantastischen Romanen um den Privatdetektiv John Justin Mallory, von Mike Resnick schon im Jahr 1987 veröffentlicht, passt gut in die Regale deutscher Buchhandlungen, die sich derzeit unter der Last dickster urbaner Fantasyliteratur biegen und knacken. Resnick war dieser Welle voraus, und so mag dem einen oder anderen Leser die Ernsthaftigkeit, mit der die aktuellen Autoren ihre Fantasien versehen, bei der leicht und lockeren, aber nichtsdestotrotz spannenden und rasanten Lektüre dieses Krimis fehlen.

Krimi deshalb. Genau. Ein Privatdetektiv erhält im selbstmitleidigen Suff und am Rande seines eigenen Abgrunds einen lukrativen Auftrag von einer Person, die er nicht so recht einzuordnen weiß. Der Elf benimmt sich merkwürdig, greift dicke Bündel Geld aus der Luft und führt Mallory in ein irgendwie anders geartetes Manhattan, in dem Gnome, Pinoccios, Einhörner, Schrumpfpferde, Magier und Dämonen hausen und ihr Unwesen treiben. Oder auch liebenswert leben. Trotz seiner Vorbehalte – immerhin könnte man das Ganze auch für eine alkoholinduzierte Fantasie halten – greift Mallory nach der Chance, seine Lebenspunkte in seinem Manhattan zu verbessern, und begibt sich auf die aberwitzige Jagd auf das Einhorn, dessen einmalige Besonderheit es ist, die Membran, die die beiden Manhattans trennt/verbindet, zu erhalten/erzeugen.

Eine der ersten Szenen, bei denen die Andersartigkeit des anderen Manhattans zur Sprache kommt, ist Mallorys Besuch in einem Museum, in dem auch prompt die Exponate zum Leben erwachen und Jagd auf die nächtlichen Besucher machen – im deutschen Sprachraum deutet alles auf einen billigen Mitschnitt aus „Nachts im Museum“ hin, doch zeigt sich, dass die dem Film zugrunde liegende Kindergeschichte aus dem Jahr 1993 schwerlich Vorlage für diese bereits 1987 erschienene Erzählung gewesen sein kann; ein Verdacht, der nur durch die späte Veröffentlichung des Romans in Deutschland genährt wird. Im Hinterkopf regt sich auch vor dieser Recherche schon das Misstrauen gegen den Verdacht, ist Resnick doch einer der produktivsten Schriftsteller seiner Zunft und laut Locus-Hitliste auf Platz vier der erfolgreichsten Preiseinheimser im Science-Fiction – Genre. Also einer, der Plagiate nun wirklich nicht nötig hat.

Es sind vor allem die Dialoge, die die Geschichte erzählen. Der Roman umfasst 384 Seiten und ist damit beileibe nicht der dickste seiner Zunft, aber dick genug, um eine Erzählung, die nur eine einzige Nacht umfasst, zu verbesondern. Resnick beschreibt nicht viel, hier mal eine Wegstrecke, dort mal eine Tätigkeit – aber nie erhält man direkten Zutritt zu den Gedanken des Protagonisten, sondern ist auf die Ereignisse und Dialoge angewiesen wie seine Mitstreiter, um seine einfallsreichen Pläne und Streiche nachzuvollziehen. Ich erinnere mich in dem Zusammenhang zum Beispiel an die Szene, in der Mallory vor seinem Elf Murgelström, der ihn beschattet, zu entkommen zu versuchen scheint, bis ihn ein Straßenumzug aufhält und er ein beliebiges Geschäft betritt, das unscheinbare Bilder ausstellt. Er beginnt ein Gespräch mit der Verkäuferin und erfährt, dass man in diesen Bildern Urlaub machen könne, und so sucht er sich eines aus und kauft es. Was irgendwie mit dem magischen Stein des Einhorns in Verbindung stehen muss und mit Mallorys Versuch, ihn vor dem mächtigen Dämon Grundy und vor dem zwielichtigen Elf Murgelström zu verstecken. Mit keiner Silbe deutet Resnick Mallorys Gedanken hier an, und so erfährt man erst im Ereignismoment, was er mit diesem Bild eigentlich vorhat und ob seine Mitarbeiter wirklich den Edelstein darin versteckten … immerhin erklärt er seine Ideen im Nachhinein immer einem seiner staunenden Freunde (und uns staunenden Lesern), so dass wir gleichfalls die Kaltschnäuzigkeit bewundern können, mit der er sich im Parallelmanhattan bewegt.

Da wundert es einen nur, warum er in seiner Welt so erfolglos sein soll. Resnick bietet als Erklärung die politischen und gesetzlichen Zustände unserer Welt, die seinen Ermittlungsmethoden stets Stöcke zwischen die Beine werfen oder überführte und verhaftete Gangster nach kurzer Zeit wieder auf freien Fuß setzen.

„Jäger des verlorenen Einhorns“ ist wirklich kurzweilige Unterhaltung, vollgestopft mit komischen Ideen und erzählt in flotter Sprache. Das macht Spaß!

Taschenbuch: 384 Seiten
Originaltitel:
Stalking Unicorn
Deutsch von Thomas Schichtel
ISBN-13: 978-3404200085

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Holdstock, Robert – Odins Wolf (Berserker-Saga 1)

_Die |Berserker|-Saga:_

1) _“Odins Wolf“_ („Shadow of the Wolf“) (1977)
2) „Die Jägerinnen von Connacht“ („The Bull Chief“) (1977)
3) „The Horned Warrior“ (1979, nicht übersetzt)

_Dem Ewigen Helden ebenbürtig, aber lausig übersetzt_

Harald Schmetteraxt, ein junger Norweger, von Odin verflucht, wird zu einem wahnsinnigen Krieger, der Tausenden den Tod bringt. Wenn ihn der Kampfrausch überkommt, treibt er ganze Heere in die Flucht, und nicht einmal seine eigene Familie ist vor ihm sicher. Verzweifelt flieht er vor dem eigenen Schicksal, aber wohin er auch kommt, bringt er Tod und Verderben – er ist ein Berserker. (Verlagsinfo)

_Der Autor_

Robert Paul Holdstock, geboren 1948, begann mit dem Schreiben schon 1968, machte sich aber erst 1976 als Schriftsteller selbständig und schrieb daraufhin eine ganze Menge Genre-Fantasy. Dabei entstanden wenig interessante Trilogien und Kollaborationen an „Sword and Sorcery“-Romanen, u. a. mit Angus Wells.

Erst 1983 und 1984 taucht das für die Ryhope-Sequenz wichtige Motiv des Vater-Sohn-Konflikts auf. Beide Seiten werden getrennt und müssen wieder vereinigt werden. Das Besondere an dieser emotional aufgeladenen Konstellation ist jedoch, dass die Bewegung, die dafür nötig ist, in einer Geisterwelt stattfindet: dem Ryhope-Forst.

In Holdstocks keltischer Fantasy befindet sich in diesem Urwald, der kollektiven Unbewussten C. G. Jungs entspricht, erstens ein Schacht, der mit weiterem Vordringen ins Innere immer weiter zurück in der Zeit führt. Eines der wichtigsten und furchtbarsten Ungeheuer, Urscumug, stammt beispielsweise aus der Steinzeit. Und zweitens finden bei diesen seelischen Nachtreisen durch die Epochen permanent Verwandlungen, Metamorphosen statt. So verwandelt sich die Hauptfigur Tallis in „Lavondyss“ schließlich in eine Dryade, einen Baumgeist. Das ist äußerst faszinierend geschildert.

Am Ende der Nachtreisen warten harte Kämpfe, die auch in psychologischer Hinsicht alles abverlangen, was die Kontrahenten aufbieten können. Und es ist niemals gewährleistet, dass die Hauptfiguren sicher und heil nach Hause zurückkehren können. Denn im keltischen Zwielicht, das noch nicht durch das christliche Heilsversprechen erleuchtet ist, scheint am Ende des Weges keine spirituelle Sonne, sondern dort wartet nur ewige Nacht. Es ist also die Aufgabe des Autors darzulegen, wie dieses schreckliche Ende vermieden werden kann.

_Handlung_

Gott Odin schickt einen seiner persönlichen Wölfe los, auf dass er einen bestimmten Mann suche …

|Gotthelm|

Harald Schmetteraxt ist gerade mal 18 Jahre alt, als er einem Gott begegnet. Der Junge hat als Norweger in Irland gekämpft, geplündert, aber nie vergewaltigt. Und er hat sogar Wehrlose verschont. Man nennt ihn spöttisch den Unschuldigen. Auf dem Rückweg von der Schlacht zum befestigten Dorf seines Vaters an der Küste begegnet er dem Krieger Gotthelm, der aus dem irischen Süden stammt.

Gotthelm trägt einen Zauberhelm: Auf dessen Oberfläche sind Kampfszenen dargestellt, die zu Anfang sieben tödliche Begegnungen zeigten, doch nun sind es nur noch zwei. „Dies“, sagt Gotthelm, „sind die möglichen Tode, die ich sterben werde. Ich weiß also schon im Voraus Bescheid, wenn es gefährlich wird. Ein Zauberer hat mich mit diesem Helm entlohnt.“ Die nächste Szene zeigt einen Bären und einen Wolf …

|Das Dorf|

Zusammen ziehen sie nach Hause, wo Haralds Verlobte Elena bereits auf ihn wartet. Er kann es kaum erwarten, ihren weichen Körper an sich zu drücken. Vor der väterlichen Festung liegt das Dorf, in dem Harald geradezu aufgewachsen ist, bei Freunden des Vaters. Dieses Dorf findet er nun verwüstet vor, sämtliche Bewohner auf grausamste Weise erschlagen. Da wird er beschossen.

Der Schütze stellt sich als ein sterbender Berserker heraus. Berserker sind ungeheuer stark und haben sich dem Totem des Bären geweiht. Viele von ihnen tragen deshalb Bärenschädel anstelle eines Helms. Als Infanterie sind sie von größter Wirkung auf den gegner, denn nichts scheint ihnen etwas anhaben zu können. Noch im Sterben verwundet der Berserker Gotthelm schwer am Oberschenkel.

|Die Berserker|

In der Festung des Vaters herrscht eine seltsam angespannte Atmosphäre. Nicht einmal das Wiedersehen mit Vater und Elena, die sich um Gotthelm kümmern soll, kann Harald davon ablenken. Bald findet er die Ursache heraus: Die so harmlos und stillwirkenden Fremden am Lagerfeuer vor der großen Halle sind Berserker! Wie konnte sie sein Vater nur hereinlassen? In einer Geste der Herausforderung wirft er ihnen den Kopf ihres Kampfgefährten aus dem Dorf vor die Füße. Sie geraten sofort in Aufruhr, doch halten sie an sich. Aber wie lange noch?

|Der Gott|

Harald und sein Vater feiern gerade mit viel Ale seine Rückkehr, als die Berserker bewaffnet die Halle betreten. Mit Schwertern und Äxten gehen sie ohne Vorwarnung auf die Trinkgesellschaft los. Harald kann hinausfliehen, doch dort wartet ein neuer Schrecken auf ihn: die turmhohe Gestalt eines Bären, der ihn anbrüllt, sobald er ihn erblickt. Es handelt sich um Odin, den Gott, der schon den Wolf ausgesandt hat. Ein Schlag der Pranke streckt Harald nieder …

|Der Fluch|

In Walhalla treten die Berserker vor den Dämonengott Odin und fordern von ihm Haralds Bestrafung: Er soll einer von ihnen werden. Odin gewährt den Wunsch nur unter der Bedingung, dass ein entsprechendes Opfer akzeptabel sein müsse, sonst seien sie selbst fällig. Und so geschieht es, dass Harald in der Festung seines Vaters erwacht und ein fremder geist ihn erfüllt: Es ist der Geist des Bären, der den Berserkern ihren Blutdurst, ihre Stärke und Unverwundbarkeit verleiht.

Doch wer soll dafür geopfert werden? Ist es etwa Sigurd Gotthelm oder gar Elena?

_Mein Eindruck_

Anno 1977 schrieb der 1984 mit dem World Fantasy Award ausgezeichnete Autor Holdstock noch unter dem Pseudonym „Chris Carlsen“ die Berserker-Trilogie. Der Verlag war der gleiche, der auch die Serie über CONAN, den Barbaren veröffentlichte, und zwar von illustren Autoren wie Robert E. Howard (Conans Schöpfer), Lyon Sprague deCamp und Robert Jordan. CONAN gehört dem „Sword & Sorcery“-Genre an, sodass der Leser nicht nur brutale Action, sondern auch jede Menge Hexerei und Dämonen erwarten darf.

Das ist auch in der Berserker-Saga der Fall. Allerdings gibt es einen bedeutenden Unterschied zu CONAN: Der Schauplatz ist historisch und die nordische Mythologie ist es ebenfalls. Der Schauplatz reicht von den Fjorden in Haralds Heimat Norwegen bis zu den Kriegsschauplätzen im östlichen Irland, sogar bis Britannien und Kaledonien (Schottland).

Offensichtlich hatte sich der Autor entsprechend kundig gemacht. Denn nicht nur gehören stimmige Hintergrunddetails zu diesen Gegenden und ihren Bewohnern zum Inventar der Handlung. Das beste Kapitel des Romans überhaupt spielt an einem ganz besonders bekannten Ort Irlands: im Tal des Flusses Boyne, wo die alten Königsgräber von Tara und Newgrange liegen.

Der Eingang zum 1977 bekannten Königsgrab (es gab ja später weitere Ausgrabungen, die der Autor dann für „Erdwind“ berücksichtigte) ist tatsächlich, wie der Autor ihn beschreibt, mit Spiralen, Triskeln und Zirkeln verziert, wie ein Foto von 1912 beweist, das ich in Chris Squires Buch „Mythology of the Celtic people“ (1912) gefunden habe. Die Spiralen sind keltische Ornamente, die an heiligen Orten zu finden sind. In „Erdwind“ sind sie der Erdmagie geweiht und entfalten einen eigenen Zauber, und auch in der Novelle „Earth and Stone“ (1980) spielen sie eine zentrale Rolle.

|Deirdre von den Flammen|

Daher eignen sie sich bestens, um jenen Ort zu bezeichnen, der nach der Schlacht von Wikingern und Berserkern gegen die irischen Kelten zu einem Wendepunkt für Haralds Schicksal wird. Die Kelten haben nur gewonnen, weil ihnen eine Hexe beistand. Dieser Hexe folgt Harald nun in ihr Versteck – eben in jene Höhle, die heute Königsgräber birgt. Dort wartet Deidre von den Flammen bereits auf ihn.

Deidre ist eine junge Frau, die den Eindringling mit der Schönheit ihres kaum verhüllten Körpers in eine tödliche Falle locken will. Doch Harald unterwirft sich ihrer Gnade, weil er um Erlösung von dem Fluch bittet, unter dem er leidet. Er ist ja bekanntlich vom Geist eines wilden Bären besessen, der nach Blut dürstet und dessen Blutrausch bereits Elena, Haralds Geliebte, zum Opfer gefallen ist: Harald vergewaltigte sie. Seitdem verabscheut er den zweiten Geist in seiner Seele und will ihn loswerden.

Wie sich zu seiner Überraschung herausstellt, ist auch Deidre eine Verfluchte. Weil sie sich mit einem anderen als mit ihrem Verlobten einließ und davonging, verfluchte dieser sie, ewig einsam ihr Dasein zu fristen, bis jemand käme, „der weniger als sterblich ist“. Und das ist nun genau mit Harald der Fall, denn Haralds Seele (Körper sind lediglich Hüllen) ist bekanntlich nur die HÄLFTE seines Wesens, die andere gehört dem Bären.

Zum Dank für die Erlösung gewährt Deidre (ein Name, der in irischen Sagen immer Unglück bringt) Harald nicht nur eine unvergessliche Liebesnacht, sondern auch zwei wertvolle Hilfsmittel: die Wegbeschreibung zum Zauberer, der den Fluch aufheben könnte, und einen Zauberdolch, der mit einem magischen Bild als eine Art Kompass zu eben jenen Bergen dienen kann.

|Action|

Ansonsten bietet der Roman eine Menge blutige Action, die eines CONAN durchaus würdig ist. Insbesondere die Schlacht der Wikinger und Berserker gegen die Kelten unter Deidre ist sehr detailliert geschildert. Weniger gefiel mir hingegen die Vergewaltigung Elenas und zahlreicher anderer unschuldiger Opfer, die dem Bären in Harald zum Opfer fallen – oder seinen Widersachern, den anderen Berserkern.

Der Höhepunkt dieser Konfrontation ist der Kampf in Urlsgarde, seinem Heimatdorf, wo Harald Elena wahnsinnig vorfindet und Sigurd und seinen Vater im Sterben liegend. Hier enden alle Dinge, wie es scheint, doch dem ist nicht so. Für Überraschungen ist gesorgt …

_Die Übersetzung _

Ich habe schon viele miese Übersetzungen gelesen (vgl. „Schmiede Gottes“, aber die von Doris Heeger schießt den Vogel ab. Angefangen von fehlenden Buchstaben und fehlende bzw. überflüssige Kommata über falsche Endungen und stilistisch zweifelhaften Ausdrücken bis hin zu falsch gesetzten Wörtern („Schwert“ statt „Schild“ im Finale) wird dem Leser hier die ganze Palette von möglichen Fehlern zugemutet. Eine Liste würde von hier bis zum Mond reichen, sodass ich lieber darauf verzichte.

_Unterm Strich_

Dieser Fantasyroman taugt nur etwas für absolute Hardcore-Fans von Conan, dem Barbaren. Nicht einmal historisch Interessierte dürften den ungenauen Ortsbeschreibungen etwas abgewinnen können. Doch für Anhänger von „Sword & Sorcery“ ist die Geschichte ein gefundenes Fressen.

Sie wartet mit einer Menge Action, viel Hexerei und Dämonie (Odin) sowie einem guten Schuss Sinnlichkeit auf. Weniger witzig ist die knappe Schilderung von Elenas Vergewaltigung, die Harald unter dem Zwang der Bärenseele begeht, von der er durch Odins Fluch besessen ist.

Ab der Mitte wird die Tragödie von Haralds Schicksal sehr deutlich gemacht, doch er findet in Deidre eine Schicksalsgenossin, die ihm auf dem Weg zur Erlösung hilft. Weil aber Haralds Seele weiterwandern muss, wird er zu einem Kollegen des Ewigen Helden, den bekanntlich Michael Moorcock erfand: Elric, Hawkmoon, Corum und wie sie alle heißen – ihnen sei Harald an die Seite gestellt. Und genau wie die Romane über diese Gestalten – jeder maximal 200 Seiten lang – sollte man auch die „Berserker“-Saga keineswegs auf die Goldwaage legen, ganz im Gegenteil.

|Taschenbuch: 203 Seiten
Originaltitel: The Shadow of the Wolf (1977)
Aus dem Englischen von Doris Heeger
ISBN-13: 978-3404200320|
[www.luebbe.de]http://www.luebbe.de

_Robert Holdstock bei |Buchwurm.info|:_
[„Gate of Ivory“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1422
[„The Bone Forest (Mythago Wood 3)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4088
[„Mythenwald“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4139
[„The Hollowing“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4161
[„Tallis im Mythenwald“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4211
[„The Fetch“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4550
[„Erdwind“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4558

China Miéville – Die Stadt & Die Stadt

China Miéville ist von Städten gefangen, vereinnahmt … ja fast hypnotisiert, so scheint es, wenn man sich durch seine Bibliografie liest. Immer neue Facetten entdeckt er und verarbeitet sie in den unterschiedlichsten, teils wunderbar abgefahrenen Romanen, denken wir nur an London, in das er bereits mehrfach seine Geschichten verfrachtete (zum Beispiel „König Ratte“ oder „Un Lon Dun“). Dort wird der im Sommer 2011 bei Lübbe erscheinende Roman „Der Krake“ ebenfalls angesiedelt sein und Miévilles Städten eine neue dunkle Seite hinzufügen.

Seine absonderlichste, brutalste, farbenprächtigste und dabei genialste Schöpfung ist New Crobuzon, die Hauptstadt seiner fiktiven Welt Bas Lag und wundervoll zu erleben in „Perdido Street Station“. Mit dem vorliegenden Roman entwirft er eine ebenso abstruse wie faszinierende Stadtschmelze, die beiden Städte Beszél und Ul Quoma, die sich durchdringen, teilweise aus identischen Straßen bestehen und doch unterschiedlicher nicht sein könnten …

Der Polizeiinspektor Borlú aus Beszél wird mit einem Mordfall betraut, bei dem es sich um eine junge, hübsche und unbekannte Frau handelt. Seine Recherche führt zu einem ungesetzlichen Telefonat mit einem Mann aus Ul Quoma, wo dieser zugibt, über die Grenze hinweg Plakate der Frau gesehen zu haben und sie zu erkennen – eindeutig Grenzbruch, das schwerste Verbrechen in den Städten, doch gibt es den ersten Hinweis auf die Herkunft der Frau. Borlú vermutet ein grenzüberschreitendes Verbrechen unter Grenzbruch und versucht, die Ermittlungen an die über-/zwischengeordnete Macht Ahndung abzugeben, die die Grenze zwischen den Städten bewacht und aufrecht erhält, indem sie Grenzbrecher grundsätzlich und radikal bestraft.

Plötzlich tauchen jedoch Videoaufnahmen auf, die den Grenzbruch ausschließen und damit wieder Borlú und seinen Ul Quoma’schen Kollegen Dhatt zu den verantwortlichen Ermittlern machen. Borlús Misstrauen ist geweckt, er scheint mit seinem Vorgehen einem größeren Verbrechen auf der Spur zu sein, als es bisher den Anschein machte. Was er schließlich entdeckt, sprengt all seine Vorstellungen; hier geht es um Dinge, die das sensible Gleichgewicht der Städte aushebeln und zum absoluten Chaos führen können, und das zwischen Macht- und Geldgier, dem Streben nach Anerkennung und der fanatischen Suche nach einer unsichtbaren dritten Stadt

Was sich in der einfachen Inhaltsangabe wie ein recht unspektakulärer Krimi anhört, liest sich mit einem ganz anderen Schwerpunkt. Wie bei dem Titel nicht anders zu erwarten, liegt die Stadt im Mittelpunkt des schöpferischen Interesses. Borlús Ermittlungen führen den Leser kreuz und quer durch die Städte und konfrontieren ihn immer wieder mit den absurdesten und faszinierendsten Situationen, die eine solche Stadtstaatenkonstruktion mit sich bringen würde. Anfangs glaubt man noch an eine irgendwie geartete phantastische zweite Stadt, die die reale Stadt hin und wieder überlagert oder nur manchen ausgewählten Menschen Zutritt gewährt, doch weit gefehlt.

Beszél und Ul Quoma sind zwei Städte auf einem Terrain. Man nehme sich eine beliebige Stadt (für die Vorstellung vorzugsweise eine, die man kennt) und teile sie folgendermaßen: Das Zentrum mit seinen Parks, Marktplätzen, Straßen und Gassen gehört zu beiden Städten und wird als „deckungsgleich“ bezeichnet. Je weiter man nach außen kommt, desto seltener werden die sogenannten Deckungsgleichen und desto mehr Stadtteile werden „total“ einer Stadt zugeordnet. Und die Trennung der beiden besteht ausschließlich in der Psyche der Bewohner: Quomani leben nur in ihren Bereichen, sehen nur ihre Landsleute und Fahrzeuge und Häuser und Straßen, während die Besz genichtsehen werden, wie auch ihre Fahrzeuge, Kneipen, Straßenbahnen, Autos und Häuser … Das Nichtsehen ist dabei der Knackpunkt: Von Kindesbeinen an lernen die Bewohner, sich auf bestimmte Arten zu bewegen, zu kleiden, bestimmte Farben zu meiden und alle anders charakterisierten Details zu nichtsehen. Das ist weit mehr als es nicht zu beachten, es ist ein psychischer Prozess, bei dem die Aspekte weitgehend aus dem Wahrnehmungsspektrum ausgeschlossen werden. Im Straßenverkehr auf Deckungsgleichen ist das besonders interessant …

Diese Konstruktion ist es, die Miéville in den faszinierendsten Farben beleuchtet und ein unglaubliches, weil eigentlich unvorstellbares Bild dieser speziellen Stadt vor den Leseraugen ausbreitet. Die möglichen Konflikte bieten seiner Geschichte dabei Ansatzpunkte, ebenso wie die spezielle Art, die Grenze zu überschreiten: Es gibt ein Gebäude in der Stadt, das von beiden Seiten durchfahren werden kann und als Grenzübergang fungiert. Unvorstellbar, dass jemand, der eben noch die Gerüche der quomanischen Kaffees genichtrochen hat und sie, sobald er die Grenze durchschritten hat, in ihrem vollen Aroma wahrnimmt, ebenso wie alles andere auf dieser Seite der Stadt.

Unvorstellbar, dass sich jemand an diese Zustände halten würde, doch auch dafür hat Miéville eine Lösung: Eine annähernd allmächtige Zuständigkeit in Form der Organisation Ahndung, die jeden Grenzbruch (also zum Beispiel, wenn ein Besz ohne Umweg über das Grenzgebäude in eine total in Ul Quoma liegende Straße geht oder, weniger offensichtlich, ein Quomani einen Gegenstand in einer deckungsgleichen Gegend ablegt und ein Besz ihn an sich nimmt) unnachgiebig und radikal ahndet.

Die Geschichte an sich ist eine durchaus spannende, unterhaltsame und wendungsreiche Ermittlungsgeschichte, deren Auflösung sich aber nicht einfach auf eine Kriminalgeschichte beschränkt, sondern eng verwoben mit den besonderen Zuständen der Stadt ein unausweichliches und anspruchsvolles Gesamtbild hinterlässt. Man kann das teilweise skurrile Flair und das Charisma der Schöpfung kaum beschreiben, und so bleibt als einzige Möglichkeit die uneingeschränkte Leseempfehlung!

Taschenbuch: 428 Seiten
Originaltitel: The City & The City
Deutsch von Eva Bauche-Eppers
ISBN-13: 978-3404243938

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)


 

Mike Resnick – Wilson Cole 5: Flaggschiff

_|Wilson Cole|:_

Band 1: [„Die Meuterer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5304
Band 2: [„Die Piraten“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5589
Band 3: [„Die Söldner“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6167
Band 4: [„Die Rebellen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6278
Band 5: [„Flaggschiff“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6944

_Rehabilitiert! Der Pirat mischt die Republik auf_

Rund 3000 Jahre in der Zukunft (im Jahr 4875) führt die Republik der Menschen Krieg gegen die Teroni- Föderation. Der Offizier Wilson Cole hat Befehle missachtet – und damit Millionen von Menschen das Leben gerettet. Trotzdem soll er sich vor dem Kriegsgericht verantworten. Mit seinem Schiff „Theodore Roosevelt“ flieht Cole in die gesetzlosen Gebiete der Galaxis, an die Innere Grenze zur Teroni-Föderation. Sein Plan ist einfach: Piraterie! Doch Cole stellt fest, dass er zwar ein guter Soldat, aber ein lausiger Pirat ist. Nach der Nachhilfe bei den Profis verdingt er sich als Söldner. Schließlich kommandiert er eine eigene Flotte von rund 50 Schiffen, meidet aber die Regierungsstreitmacht nach Möglichkeit.

Nun steht ein Krieg bevor. Die „Theodore Roosevelt“ bereitet sich unter Coles Kommando darauf vor, in die Republik vorzudringen, ist den Feindschiffen aber hoffnunslos unterlegen. Coles Strategie lautet daher: Jedes Gefecht vermeiden. Bald erkennt er, dass er bis nach Deluros VIII vorstoßen muss, der Hauptwelt der Republik. Doch eine neue Gefahr lauert zwischen den Sternen, und auf diese sind Cole und seine Crew nicht vorbereitet … (abgewandelte Verlagsinfo)

_Der Autor_

Mike Resnick wurde am 5. März 1942 in Chicago geboren. Bereits mit 15 veröffentlichte er seinen ersten Artikel, mit 17 seine erste Kurzgeschichte und mit 20 seinen ersten Roman. Inzwischen hat er mehr als 250 Bücher veröffentlicht. Er zählt zum Urgestein der SF und Fantasy und hat im Lauf seiner Schriftstellerkarriere alle international begehrten Genre-Preise gewonnen, darunter seit 1989 allein fünfmal den HUGO Award (für den er weitere 27-mal nominiert war). Er gilt als einer der fleißigsten Autoren der Szene und ist auch als Herausgeber sehr aktiv. Seine Werke wurden bisher in 20 Sprachen übersetzt. Da sich bei ihm alles ums Buch dreht, verwundert es nicht, dass auch seine Frau Carol Schriftstellerin ist – wie auch seine Tochter Laura, die bereits ihre ersten SF/Fantasy-Preise gewonnen hat.

Auf Deutsch erschienen unter anderem:

– [„Elfenbein“ (1988; Heyne, 1995)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6462
– „Einhornpirsch“ (1987; Heyne 1997; siehe meinen Bericht)
– „Santiago“ (1987, Heyne 1993)
– „Walpurgis III“ (Knaur, 1986)
– „Das Zeitalter der Sterne“ (Knaur, 1985, „Birthright“)
– „Die größte Show im ganzen Kosmos“ 1-4 (Goldmann 1984/85)
– „Herr der bösen Wünsche (Bastei-Lübbe, 1984)

Der |Starship|-Zyklus:
– „Die Meuterer“ („Starship: Mutiny“)
– „Die Piraten“ („Starship: Pirate“)
– „Die Söldner“ (Starship: Mercenary)
– „Die Rebellen“ (Starship: Rebel)
– _“Flaggschiff“_ (Starship: Flagship)

_Handlung_

Die Schlacht um die Station Singapur ist vorüber. Sie war sehr verlustreich, doch die Rebellen an der Inneren Grenze haben den Angriff der Republik abgewehrt. Nur wenig später sieht sich Wilson Cole mit seinem Schlachtschiff „Theodore Roosevelt“ jedoch einer weiteren Streitmacht der Republik gegenüber. Diesen 800 Schiffen hat er nichts entgegenzusetzen. Ein strategischer Rückzug ist angebracht. Auch der Platinherzog, sein Gönner, kommt mit an Bord, ebenso der Alien-Hehler, der sich „David Copperfield“ nennt und den göttlichen Charles Dickens verehrt.

Durch ein Wurmloch nach dem anderen weiß Cole sich dem Zugriff der Republik zu entziehen. Durch geschickte Propaganda verbreitet er Misstrauen innerhalb der Sternenflotte der Republik und gegenüber den unterworfenen Völkern. Leider sind schon bald schwere Übergriffe zu beklagen: Wer sich nicht rechtzeitig identifiziert, wird zu Staub zerblasen. Die Republik zeigt auch gegenüber den Vasallen keine Gnade und macht sich so ganze Sternsysteme zu Feinden.

Als der Oktopus, ein Partner Coles, von der Flotte gefangengenommen wird, muss Cole einen drastischen Schritt unternehmen: Entweder entlockt er einem gefangenen Flottenangehörigen die relevanten Informationen oder der Oktopus und 80 seiner Leute werden hingerichtet. Es kommt zu zwei befehlsverweigerungen, doch schließlich erhält Cole die Informationen und kann mit einer listigen Täuschung den Oktopus samt Crew befreien. Er gibt ihm ein Frachtschiff, um wieder auf Kaperfahrt zu gehen.

Fortan sammelt Cole weitere Ressourcen auf Welten, die abtrünnig geworden sind. Doch das alles sind nur Stützungsmaßnahmen für den eigentlichen Coup: In seiner kühnsten Aktion als „Trojanisches Pferd“ lässt er sich von einem gekaperten Schlachtschiff „gefangen nehmen“ und zur Zentralwelt der Republik bringen, wo ihm bereits der Premierminister eine „faire Hinrichtung“ versprochen hat. Doch besagter Premierminister wird eine böse Überraschung erleben, sobald Cole erst einmal vor ihm steht …

_Mein Eindruck_

Dieser Vorstoß ins Herz der Republik ist natürlich der älteste Trick im Buch: Schon Homer wusste vom Trojanischen Pferd zu berichten. Aber der Trick zeigt, welche Art von „Held“ Wilson Cole ist – gar keiner, sondern vielmehr ein Pragmatiker, der die Kunst des Möglichen betreibt. Und das ist die Definition eines Poliitikers. Diese Definition würde er jedoch weit von sich weisen. Ganz einfach aus dem Grund, weil es ihm lediglich um zwei Ziele geht: seine Haut zu retten (und die seiner Lieben) sowie der Republik ein neues, menschenfreundliches Gesicht zu geben. Dummerweise kann er das eine nicht ohne das andere haben.

|Das Gewissen|

Sharon Blacksmith, seine Sicherheitsoffizierin an Bord der „Teddy R“ und seine Primärgeliebte, spielt sein Gewissen. Sie darf ihm Fragen stellen, die er bei niemandem sonst beantworten würde. So auch die entscheidende Frage, bei der es um die wichtigste ethische Frage des ganzen Buches geht (und auf die der Autor in seinem ANHANG Nr. 5 gesondert eingeht, siehe unten). Die Frage nämlich, ob man foltern darf, und wenn ja, unter welchen Bedingungen.

|Folter oder Verhör?|

Diese Frage hatte für die amerikanischen Leser (und für aufmerksame US-Beobachter im Ausland) eine aktuelle Bedeutung: Unter George W. Bush war die Foltermethode des Waterboardings ausdrücklich zugelassen. Resnick stellt infrage, dass es sich überhaupt um Folter gehandelt habe, denn niemand sei dabei zu Schaden gekommen. Das möchte ich doch stark bezweifeln. Er hat jedoch ein starkes Argument für die Anwendung dieser „Verhörmethode“, wie er es nennt: Damit wurde ein potenziell verheerender Anschlag auf Los Angeles aufgedeckt. Von diesem Anschlagsplan habe ich noch nie etwas gehört, was für die Effizienz der amerikanischen Vertuschungsmethoden spricht.

|Krieg oder Frieden|

Die Republik führt sich in ihrem Imperium, das von vier Kriegen charakterisiert wird, auf wie der Diktator und Despot, den wir vom Faschismus und Totalitarismus (Hitler, Stalin, Mussolini, Franco) gewohnt sind. Ausbeutung, Unterdrückung, Rechtslosigkeit sind an der Tagesordnung. Es gehört zu Coles zweitem Ziel, diesen Despotismus, der seinen Freund Forrice mutwillig hinrichtete, zu beenden. Er will die Republik reformieren. Leichter gesagt als getan. Denn die erste Frage, die man ihm stellt: „Wollen Sie an die Stelle des Premierministers treten? Geht es auch Ihnen um Macht, Captain?“

Dieser Verdacht liegt natürlich nahe. Doch Cole weist die Unterstellung weit von sich. Er will nur sein eigenes Leben (und das seiner Lieben) selbst bestimmen können. Das geht aber nicht, wenn ständig gegen aufmüpfige Dissidenten Krieg geführt wird. Und die vier Kriege sollten ebenfalls beendet werden, führen sie doch nur zu Blutvergießen und Ausbeutung der Ressourcen. Dass Frieden mit dem Feind möglich ist, demonstriert er sogleich: Sein Erster Offizier auf der „Teddy R“ ist ein Teroni, ein Alien, mit dessen Rasse der Rest der Republik Krieg führt.

|Der Anhang|

Der „Birthright“-Zyklus, dessen Chronologie mehrere Seiten umfasst und in den ersten COLE-Bänden vorgestellt wurde, umfasst nicht nur den fünfteiligen „Wilson Cole“-Zyklus, sondern auch viele Einzelromane wie etwa „Elfenbein“, „Santiago“ und „Kirinyaga“ (siehe meinen Bericht). Alle dazugehörigen Werke, egal ob Roman oder Story, werden in eine zusammenhängende Chronologie gestellt. „Flaggschiff“ etwa spielt ca. im Jahr 1970 GE, was dem Jahr 2908+1970 = 4878 AD entspricht. Diese Chronologie spielt im SONG eine Rolle, der als Anhang 6 zu finden ist.

Anhang 4 (Anhänge 1-3 sind in Band 4 zu finden) wird von einer kurzen Abhandlung über Wurmlöcher bestritten. Gibt es sie oder sind sie bloß poetische Erfindung? Nun, zumindest gibt es sie theoretisch, seit 1921 ein deutscher Mathematiker namens Weyl sie postulierte, Albert Einstein und Alfred Rosen die „Einstein-Rosen-Brücken“ erfanden und 1959 diese Theorie ausgebaut wurde. Voilà, le „Wurmloch“.

Der Angang 5 ist der Ethik Wilson Coles gewidmet. Dabei stellt der Autor dar, welche knifflige ethische Frage für jeden einzelnen Band zu beantworten war. In Band 1 war es für Cole beispielsweise moralisch nicht zu rechtfertigen, acht Millionen Menschen für einen Treibstoffvorrat zu opfern, der nicht in die Hand des Feindes fallen sollte. Und so weiter. Dieser handlungsphilosophische Gehalt ist es, der für mich diese fünf Bände aus der Masse der Militär-SF heraushebt. Und natürlich der Humor.

|Die Übersetzung|

Thomas Schichtel war nicht besonders beansprucht, hat aber seine Sache gut gemacht. Besonders aufgefallen ist mir, dass er genau zwischen „ich denke, dass“ und „ich glaube, dass“ unterscheidet. In vielen Übersetzungen wird beides synonym verwendet, aber das läuft auf eine Täuschung des Lesers hinaus. Das Denken ist ein mentaler Akt und drückt eine Meinung aus. Das Glauben ist ein gefühlsmäßiger, meist irrationaler Akt und drückt eine innere Einstellung aus, die sich selten rational begründen lässt. Dazwischen können Welten liegen. Wir können aber davon ausgehen, dass ein routinierter Autor wie Resnick genau zu unterscheiden weiß, was ein Denk- und was ein Glaubensakt ist.

Der Text ist bemerkenswert frei von Druck- und Flüchtigkeitsfehlern. Das erleichterte die Lektüre ungemein.

_Unterm Strich_

Wer am Anfang dieses Abschlussbandes der Reihe denkt, Cole könnte es nie schaffen, die Sternenflotte der Republik, die rund 3,4 Mio. Schiffe zählt, zu überwältigen und schließlich sogar anzuführen, wird im Finale eines Besseren belehrt. Der Angriff auf die Zentralwelt der Republik kommt aus dem Nichts und trifft Coles Gefährten im Augenblick ihres größten Triumphs: der Gefangennahme des Premierministers. Nun muss Coles Schiff den Gegenangriff einleiten – daher ist der Titel „Flaggschiff“ durchaus gerechtfertigt. Dass er seinen Ruf als militärisches Genie – und aufmüpfiger Querdenker – nichts umsonst hat, belegt er in der finalen Raumschlacht, die den Höhepunkt dieses Bandes bildet (ähnlich wie schon in Band 4).

|Etwas für jeden|

Leser, die sich an schneller Action im Weltraum erfreuen, kommen hier ebenso auf ihre Kosten wie Leser, die den ironischen Humor der Hauptfigur einfach vergnüglich finden. Dazu gehöre beispielsweise ich, aber mich interessierte auch die Art und Weise, wie Cole ethische Dilemmata anpackt und löst. Im Anhang erläutert der Autor, dass jeder Band dieses Zyklus ein solches ethisches Problem aufgreift, erörtert und verarbeitet. Selten entspricht die Lösung den Erwartungen des Lesers, so auch hier. Dass Resnick die Methode des „Waterboardings“ als unter gewissen Umständen gerechtfertigt betrachtet, finde ich nicht so witzig.

„Flaggschiff“ ist der spannend und flott zu lesende Abschluss einer herausragenden Serie von Weltraumabenteuern. Auch Afrika taucht wieder auf, ganz besonders Resnicks geliebtes Kenia (mit „Nyerere“ und anderen Namen). Ich bin gespannt, ob Bastei-Lübbe auch die anderen Zyklen dieses höchst produktiven Autors veröffentlicht.

Fazit: vier von fünf Sternen.

|Taschenbuch: 365 Seiten
Originaltitel: Starship: Flagship (2009)
Aus dem US-Englischen von Thomas Schichtel
ISBN-13: 978-3404233502|
[www.luebbe.de]http://www.luebbe.de
[Autorenhomepage]http://www.fortunecity.com/tattooine/farmer/2/

 

Yancey, Rick – Monstrumologe, Der

_|Der Monstrumologe|:_

Band 1: _“Der Monstrumologe“_
Band 2: „The Curse of the Wendigo“ (noch ohne dt. Titel)

_New Jerusalem, 1888._ Der 12 Jahre alte Will Henry lebt, seit er seine Eltern bei einem Feuer verloren hat, bei dem skurrilen Dr. Warthrop und arbeitet als sein Assistent. Auch Will Henrys Vater hatte für Dr. Warthrop gearbeitet und vor Will und seiner Mutter immer ein großes Geheimnis um seine Tätigkeit gemacht. Warum das so war, muss der junge Will nun am eigenen Leib erfahren, Dr. Warthrop arbeitet als Monstrumologe, er erforscht und jagt jene Wesen, die eigentlich nur in Sagen und Albträumen vorkommen. Ob er will oder nicht, Dr. Warthrop meint auf Will angewiesen zu sein und so muss der 12 Jahre alte Junge ihm bei jeder noch so grauenvollen Studie assistieren.

Eines Nachts steht der Grabräuber Erasmus vor des Doktors Tür und liefert kreidebleich einen zutiefst verstörenden und grausamen Fund ab. Auf seiner Karre verbirgt Erasmus ein totes, sieben Fuß großes, kopfloses Monster, das sich mit seinen in Höhe des Bauches liegenden Zähnen in eine junge Frauenleiche verbissen hat und diese junge Frau in grausiger Umarmung festhält.

Dr. Warthrop hat das Monster schnell katalogisiert und berichtet Will, mit welch einer Rasse sie es zu tun haben: Den Anthropophagen. Bei den Anthropophagen handelt es sich um eine hochgefährliche Rasse, die eigentlich in Amerika nicht vorkommt. Wie dieses Exemplar die weite Reise über das Meer getätigt hat, bleibt rätselhaft.

Zu allem Überfluss findet Dr. Warthrop in der Frauenleiche den Embryo des Anthropophagen, somit ist klar, dass Dr. Warthrop und Will Henry es nicht nur mit einem Exemplar zu tun haben. In New Jerusalem scheint ein ganzes Rudel zu leben und nur der kauzige Dr. Warthrop und der kleine Will Henry stehen zwischen den ahnungslosen Menschen und den todbringenden Monstern …

_Kritik_

Der Autor Rick Yancey hat mit dem Titel „Der Monstrumologe“ einen düsteren Horror-Roman um die Forschung und Jagd nach Monstern geschrieben.

Erzählt wird der Roman aus der Sicht des erwachsenen Will Henry, der seine Erlebnisse noch einmal Revue passieren lässt und aus der Sicht eines an Erfahrungen reichen Erwachsenen seine eigene Geschichte schildert.

Der Autor bedient sich einer Sprache, die für die Zeit des endenden 19. Jahrhunderts passend erscheint. Anfangs muss der Leser sich vielleicht etwas an die Satzbauweise und die Sprache selbst gewöhnen. Sobald der Einstig geschafft ist, liest sich der Roman flüssig und durch einen stetig steigenden Spannungsaufbau ist der Leser schnell an das Geschehen gefesselt. Auch die Rätsel um die Figuren selber und die Klärung wie die nicht in Amerika vorkommenden Anthropophagen eingeschleust werden konnten, tragen zum Gelingen der Geschichte bei.

Detailgetreu schildert der Autor nicht nur die Umgebung und die Monster, auch vor sehr bildlichen Beschreibungen der Tatorte, der teilweise übelst zugerichteten Leichen und der Monster selbst, macht der Autor keinen Halt. Trotz der splatterfreien Sprache kommt das Grauen hier definitiv nicht zu kurz. Dem empfindsamen Leser kann sich hier bei der Beschreibung schon mal der Magen umdrehen.

Die Protagonisten sind passend zur düsteren Grundstimmung authentisch gezeichnet. Passend zu den Erlebnissen entwickeln sich diese weiter und der Leser erfährt einige Hintergründe der einzelnen Figuren.

Mit dem jungen Will Henry hat der Leser schnell Mitleid, er muss schnell erwachsen werden und mit dem Vorhandensein der albtraumhaften Monster klarkommen. Zeit, Kind zu sein, ist Will Henry nicht vergönnt, sein Mentor fordert von ihm, ein vollwertiger Ersatz für den verstorbenen Vater zu sein. Auch ist Will Henry für die Haushaltsführung und die eigene und des Doktors Verpflegung zuständig.

Dr. Warthrop ist seinen Monstern so sehr verschrieben, dass auch er kaum noch menschlich erscheint. Den Menschen ausmachende Fähigkeiten wie Feingefühl, Trost, Liebe scheinen diesem Charakter fremd zu sein. Dr. Warthrop kommt wie der perfekte Egoist daher, jeder, besonders Will Henry, hat sich ihm zu fügen und die Bedürfnisse andere sind ihm nur suspekt und nicht nachvollziehbar. Diesem Charakter Sympathien entgegenzubringen ist anfangs schier unmöglich. So manches Mal dürfte die Frage aufkommen, wer hier nun das wirkliche Monster ist.

Auch die weiteren Protagonisten kommen hier in der Beschreibung nicht zu kurz, der Autor versteht, jede Figur zu einer für die Geschichte unentbehrlichen zu machen.

Die Aufmachung des Paperbacks ist sehr gelungen. Schon das Cover zeigt den jungen Protagonisten Will Henry in düsterem Schwarz-Weiß, lediglich ein paar kleine Blutstropfen bringen Farbe ins Spiel. Auch im Buch finden sich Zeichnungen der vom Monstrumologen benötigten Werkzeuge und ganzseitige Illustrationen, die zu der Handlung passen. Auch spart der Verlag nicht an einem passenden Lesezeichen, hinten im Buch kann man es heraustrennen.

_Fazit_

Mit „Der Monstrumologe“ hat der Autor Rick Yancey einen schaurig düsteren Horrorroman geschrieben, der den Leser das Gruseln lehrt. Der Leser, der niedlichen Feen nichts abgewinnen kann, es dafür aber liebt, wenn ihm beim Lesen die Haare zu Berge stehen, ist mit „Der Monstrumologe“ bestens bedient.

Lediglich der Altersempfehlung des Verlages kann ich keinesfalls zustimmen, für Jugendliche ist dieser Roman kaum geeignet und hat in der Kinder/Jugendbuchabteilung nichts zu suchen. Die sehr lebendige Beschreibung der grausig verstümmelten Leichen ist für das vorgeschlagene Alter zu viel des Guten.

_Autor_

Rick Yancey wollte schon seit seiner Jugend Schriftsteller werden. Nach seinem Abschluss in Anglistik an der Roosevelt University in Chicago startete er in seiner Heimat Florida eine Künstlerkarriere. Während er in Teilzeit unterrichtete und sich als Theaterschauspieler versuchte, nahm er eine Anstellung beim Finanzamt an. Den Traum der Schriftstellerkarriere gab er nie auf, dafür aber nach zehn Jahren seine Beamtenstelle. Über seine Zeit beim Finanzamt schrieb er ein Memoire („Confessions of a Tax Collector“), das vom Wall Street Journal als eins der fünf besten Bücher bezeichnet wurde, das je über Steuern geschrieben wurde. Seine Jugendbuchtrilogie über Alfred Kropp erschien in 17 Ländern und wurde für die berühmte Carnegie Medal nominiert. Rick ist stolzer Vater von drei Söhnen. Er lebt mit seiner Frau Sandy in Florida.

|Taschenbuch: 416 Seiten
Originaltitel: The Monstrumologist
ISBN-13: 978-3785760406|
[www.luebbe.de]http://www.luebbe.de

Eine Leseprobe bietet der Verlag [hier]http://www.bic-media.com/dmrs/widget.do?isbn=9783785760406 an.

_Rick Yancey bei |Buchwurm.info|:_
[„Der Monstrumologe“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6655

Lars Kepler – Der Hypnotiseur

Die Handlung:

Vor den Toren Stockholms wird an einem Sportplatz die Leiche eines brutal ermordeten Mannes entdeckt. Kurz darauf werden Frau und Tochter ebenso bestialisch getötet aufgefunden. Offenbar wollte der Täter die ganze Familie auslöschen. Doch der Sohn überlebt schwer verletzt. Als Kriminalkommissar Joona Linna erfährt, dass es ein weiteres Familienmitglied gibt, eine Schwester, wird ihm klar, dass er sie vor dem Mörder finden muss.

Er setzt sich mit dem Arzt und Hypnotiseur Erik Maria Bark in Verbindung. Er will, dass Bark den kaum ansprechbaren Jungen unter Hypnose verhört. Bark hatte sich jedoch wegen eines traumatischen Erlebnisses geschworen, niemals mehr zu hypnotisieren. Aber es geht hier um ein Menschenleben. Es gelingt ihm schließlich, den Jungen zum Sprechen zu bringen. Was er dabei erfährt, lässt ihm das Herz gefrieren …
(Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

In Schweden abgefeiert und in Deutschland vom Verlag als „Der wohl wichtigste Kriminalroman seit Langem“ beworben, geht „Der Hypnotiseur“ von der ersten Seite an in die Vollen. Hier wird nicht auf ein Verbrechen hingearbeitet, es gab schon eins, besser noch, der Leser wird direkt in dem Moment in die Handlung geworfen, als das Blut der grausam ermordeten Opfer noch nicht getrocknet ist.

Nachdem der Leser also erstmal geschockt wurde, erfährt er im Anschluss die offenbar leider nie ausbleibenden Psycho-Thriller-Klischees eines immer von der Gesellschaft oder sonstigen Dämonen gebeutelten armen, armen Protagonisten. Wobei eigentlich Kommissar Joona Linna ermittelt und der Hypnotiseur Erik Maria Bark der mit den Problemen ist. Das bremst immer mal wieder die rasante Thrillerfahrt, denn eigentlich möchte man ja wissen, wer der Täter ist, ob er noch mal zuschlägt und was der auf dem Buchrücken angekündigte Überlebende unter Hypnose zu dem Verbrechen zu sagen hat. Stattdessen haben alle irgendwie so ihre Probleme mit sich, mit den Kollegen oder einfach mit allen.

Warum also erzählen uns die Autoren so viel Unwichtiges über das Umfeld des Hypnotiseurs? Entweder um Seiten zu füllen, oder weil sie noch etwas mit ihm vorhaben. Und das haben sie. Erik Maria Bark hat mehr mit diesem Mordfall zu tun, als ihm bewusst oder lieb ist. Und schnell wird auch sein zuvor immer wieder beschriebenes persönliches Umfeld in Form seiner Frau und seines Sohnes Teil des Ganzen.

Eine spannende Jagd nach einem cleveren Killer hält Linna auf Trab und nicht nur der Hypnotiseur muss um sein Leben fürchten.

Die Autoren

Lars Kepler ist das Pseudonym von Alexandra und Alexander Ahndoril. |Der Hypnotiseur|, ihr Krimidebüt, war in Schweden sensationell erfolgreich und das Buchereignis des Jahres. Der Roman erscheint in über dreißig Ländern. Das Ehepaar lebt mit seinen drei Kindern in Stockholm.
(Verlagsinfo)

Mein Fazit:

Ob dieser Roman wirklich „wichtig“ ist, muss jeder selber für sich entscheiden, spannend ist er allemal, wenn auch ziemlich brutal. Zartbesaitete können die deutlichen Verletzungsbeschreibungen der Opfer problemlos überlesen, Hartgesottene nehmen alles mit, was blutig und abgetrennt ist. Freunde von Sebastian Fitzek greifen hier zu.

Und wenn der Roman in Deutschland und ab nächstem Jahr auch im englischsprachigen Raum so erfolgreich wird wie in seinem Heimatland, dann erleben wir Joona Linna sicher auch bald im Folgeroman „Paganinikontraktet“ in deutscher Sprache.

Hardcover: 638 Seiten
Originaltitel: Hypnotisören (2009)
Aus dem Schwedischen von Paul Berf
ISBN-13: 978-3-7857-2426-2
www.luebbe.de

Der Autor vergibt: (3.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Richard Montanari – Septagon

„Mr. Ludo“, der ebenso geniale wie irrsinnige Magier, arbeitet an einem Kunstwerk, für das die Körper von sieben Frauen den Rohstoff bilden; vier Opfer hat sein Wahn bereits gefordert, während zwei Polizisten verzweifelt versuchen, dem ein Ende zu machen … – Montanari, der Meister der bizarren Killer-Thriller-Plots, kämpft nicht immer erfolgreich gegen das Klischee, ringt jedoch dem strapazierten Sub-Genre einen effektvoll variierten, rasanten und im letzten Drittel furiosen Pageturner ab.
Richard Montanari – Septagon weiterlesen

Dave Duncan – Die Jägersschenke

Die „Omar„-Romane:

„Die Straße der Plünderer“
„Die Jägersschenke“

auch als Sammelband erschienen: „Omar, der Geschichtenerzähler“

Die Handlung:

Unglückliche Umstände verschlagen den Geschichtenerzähler Omar ziemlich durchgefroren in die „Jägersschenke“. Unglücklich deshalb, weil er hier im Sommer zuvor nicht nur die Zeche geprellt hat, nachdem er seine Speisen nicht bezahlen konnte, sondern auch noch den Hund des Wirts erschlagen.

Verständlicherweise möchte sich der Wirt nun rächen und Omar nackt zurück in den Winter schicken, da kommt Omar auf eine Idee. In einem Geschichtenwettbewerb will er im Wechsel gegen die anwesenden Gäste antreten und so lange seine Geschichten als die besseren anerkannt werden, darf er bleiben. Und so fängt Omar an, um sein Leben zu erzählen. (Veränderte Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Nachdem die 1992 und 1995 erschienen zwei „Omar“-Bücher bei uns bereits 2007 als Sammelband bei Otherworld veröffentlicht wurden, entschied sich Bastei Lübbe nun dazu, die beiden Romane „Die Straße der Plünderer“ und „Die Jägersschenke“ noch einmal separat als preiswerte Taschenbuchausgaben zu veröffentlichen. In beiden Büchern steht der Geschichtenerzähler Omar im Mittelpunkt und beide können auch einzeln gelesen werden, ohne die jeweils andere Geschichte zu kennen.

Die Gäste in der „Jägersschenke“, gegen die Omar antritt, sind vom Autor interessant gezeichnet und sehr unterschiedlich. Sechs Geschichten hat der Geschichtenerzähler zu erzählen und tritt dabei gegen einen Soldaten, eine Schauspielerin, einen Spielmann, einen Rechtspfleger, eine Zofe und einen Pferdehändler an.

Das klingt auf den ersten Blick nach einer Menge Abwechslung, allein auf Grund der unterschiedlichen Charaktere, aber leider erzählen sowohl die Gäste als auch Omar im Prinzip eine einzige große Geschichte um ein kriegerisches Königreich immer ein Stückchen weiter. Natürlich werden von Omar immer neue Details eingefügt und er schmückt seine Geschichten ein wenig mehr aus als seine Gegner … muss er ja auch, denn er will ja gewinnen und nicht nackt hinaus in die Kälte geschickt werden. Dennoch hätte ich von einem Geschichtenerzähler, der mit geschilderten Abenteuern handelt, nach dem Lesen des Klappentextes erwartet, dass er nicht einfach die Vorlage der anderen Gäste aufgreift und einfach nur weiter erzählt, sondern völlig eigenständige Geschichten zum Besten gibt. Hierfür fehlten dem Autor entweder die Ideen oder er sparte sie sich für andere Bücher auf.

Dennoch ist Omar ein Charakter, dem man als Leser (dem er ja nichts getan hat) nicht böse sein kann, wenn er wieder einmal die Wahrheit so hindreht, wie sie ihm zuträglich ist. Auch die Zeche hat er ja nie geprellt, er wollte ja bezahlen …

Interessant ist auch, dass der Roman keine einfache Sammlung von aneinandergereihten Geschichten ist, sondern sich auch in der Gruppe der Gäste mit zunehmender Zeit eine eigene Dynamik und Anspannung bildet. Natürlich ist Omar auch hieran nicht ganz unschuldig. Und so wird zwischen den Geschichten eifrig diskutiert.

Mein Fazit:

Der Roman über den liebenswerten Wahrheitsverdreher Omar lässt sich trotz der zum Genre passenden altertümlichen Sprache flüssig lesen. Sobald der Geschichtenerzähler in seinem Element war, stellte sich bei mir unweigerlich ein dauerhaftes Grinsen ein und ich wünschte ihm, dass er den Wettstreit gewinnen würde.

Ein Fantasy-Roman ohne Trolle, Oger, Elfen und Orks in den Hauptrollen, sondern ein Charakterroman, der seine Aufgabe erfüllt: er unterhält, und das gut. Der geneigte Leser kann anschließend wie schon erwähnt problemlos zum Vorgänger- oder Sammelband greifen.

Taschenbuch: 480 Seiten
Originaltitel: The Hunter’s Haunt (1995)
Aus dem Englischen von Michael Krug
ISBN-13: 978-3404206261
www.luebbe.de

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

 

Philip Jolowicz – Das Vermächtnis des Bösen

Als ein Anwalt die Vergangenheit seiner Familie erforscht, stößt er auf die wahre Geschichte von Jack the Ripper und beschwört ein Drama herauf, das in der Gegenwart neue Opfer fordert … – Auf zwei zeitlichen Ebenen spinnt der Autor ein obskures, nur bedingt spannendes Garn, baut seine Geschichte faktenkundig aber nie subtil in die historische Realität des Ripper-Mythos‘ ein und legt eine halbgar wirkende Mischung aus Historienkrimi und Thriller vor.
Philip Jolowicz – Das Vermächtnis des Bösen weiterlesen

Mike Resnick – Wilson Cole 4: Die Rebellen

Die „Wilson Cole“-Romane bringen endlich, muss man sagen, Mike Resnicks Romane in den deutschen Sprachraum. Als einer der beliebtesten und erfolgreichsten amerikanischen Science-Fiction-Schriftsteller wurde er mit Auszeichnungen überhäuft, so dass es erstaunt, wie wenig davon über den großen Teich geschwappt ist. Allein seine Kurzgeschichten erhielten vor allen lebenden wie toten SF-Autoren die meisten Preise.

„Wilson Cole“ ist eine fünfteilige Geschichte um ein Raumschiff, seine Besatzung und ihren Captain, ebenso wie es eine Geschichte ist um Missbrauch von Staatsgewalt, Ethik, blinden militärischen Gehorsam und bedingungslose Freundschaft. „Die Rebellen“ ist der Titel des vierten Teils, der sich nahtlos in die Geschichte fügt.

Was bisher geschah:

Der unbequem gewordene Held der Republik Wilson Cole kommt als zweiter Offizier an Bord der Theodore Roosevelt. Nachdem sein dortiger Captain die sinnlose Vernichtung eines ganzen bevölkerten Planeten befiehlt, übernimmt Cole das Kommando und setzt den Captain in Haft, bis ein offizielles Kriegsgericht sich dem fehlgeleiteten Druck der Öffentlichkeit beugt und Cole verurteilen will. Die Mannschaft der Teddy R befreit ihn und sie flüchten an die Innere Grenze, einen weitgehend gesetzlosen und unabhängigen Bereich der Galaxis.

Hier versuchen sie sich als Piraten, was sich nicht mit ihrer Moral vereinen lässt. Also wird die Teddy R ein Söldnerschiff und erfüllt militärische Aufträge, wobei Cole Wert auf Menschlichkeit legt und dadurch immer neue Schiffe in seine wachsende Flotte eingliedern kann. Das Hauptquartier wird die elf Kilometer große Station Singapur.

Der vierte Roman

Die desertierten Republikaner gewinnen Freunde und Verbündete in ihrem Exil, doch als Coles erster Offizier und bester Freund Four Eyes von einem Schiff der Raumflotte gefangen und von deren Captain zu Tode gefoltert wird, startet er einen Vernichtungsfeldzug gegen die Teile der Flotte, die immer wieder in die Innere Grenze eindringen und sich mit erschreckender Brutalität (wobei sie auch vor Völkermorden nicht zurückschrecken) Rohstoffe, Nahrung und Besatzungen beschaffen. Cole stellt der Republik das Ultimatum, die Innere Grenze als unabhängigen Raum zu achten und von weiteren Übergriffen abzusehen.

Selbst aus der Republik kommen jetzt Sympathisanten und schließen sich Coles Flotte an, denn überall gährt der Unmut über die Republik und ihre Willkür. Schließlich kann die Republik die ständigen Attacken auf ihre Flottenschiffe nicht mehr tolerieren und startet einen Feldzug gegen Station Singapur …

Die wichtigen Charaktere festigen sich immer mehr und erlangen ein Eigenleben, das sie und ihre Handlungen bestimmt. Es gibt auch einige Nebendarsteller und Ausführende von Coles Befehlen (der natürlich nicht alles selbst machen kann), so gibt es Computerspezialisten, Piloten oder Buchhalter. Was er aber wirklich nicht brauchte, waren zwei Seelenklempner. Seine Gefährtin Sharon Blacksmith, zugleich Chef der Bordsicherheit, übernimmt diese Aufgabe immer besser, so dass Four Eyes in dieser Richtung immer weniger zu tun hatte. Er war als Erster Offizier immer dann im Geschehen, wenn Cole schlief oder sich anderswo aufhielt, und so gab es für Resnick wenig Chancen, ihn weiter als Charakter aufzubauen und ihm Tiefe zu schenken. Doch als Opfer der Republik, schwer verstümmelt und gefoltert, gibt er post mortem einen wichtigen Wendepunkt für die Geschichte her, so dass die bisher schon angedeutete Richtung einen klaren Ausgangspunkt erhält. Detailliert und überzeugend schildert Resnick Coles Rachedurst und die daraus entstehende Feinderkenntnis.

Zwar dreht sich im zweiten Teil des Romans alles um die Abwehr der republikanischen Flotte, doch Resnick entwickelt in den Zwischengesprächen seiner Protagonisten eine Stimmung und die Grundlage der neuen Fixierung, die Cole uns am Ende des Romans offenbart.

Das Tempo bleibt weiter hoch, denn obwohl es militärische Science Fiction ist, fokussiert sich Resnick weniger auf die Kämpfe, sondern eher auf die Ideen, die Cole und seine Leute immer wieder zum Sieg führen. Dabei bleibt auch weiterhin Zeit für kleine humoristische Einlagen, die meist zu Lasten des feigen Außerirdischen „David Copperfield“ gehen. Die Geschichte hat keine Auflockerung nötig, sonst könnte man die schrägen Figuren als zwischenzeitliche Auflockerungshelfer bezeichnen, doch Resnick erzählt flüssig und in sympathischer Geradlinigkeit seine Geschichte, die von der ersten Seite des ersten Romans bis jetzt einen sehr hohen Unterhaltungs- und Spaßfaktor bietet, und man lehnt sich nicht sehr weit aus dem Fenster, wenn man für den letzten Roman „Flaggschiff“ ein furioses Finale erwartet.

Broschiert: 352 Seiten
ISBN-13: 978-3404233427
Originaltitel: 
Starship: Rebel

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Mike Resnick – Wilson Cole 3: Die Söldner

3000 Jahre in der Zukunft: Die Menschheit hat sich in Form einer Republik über die Galaxis ausgebreitet. Der große Krieg gegen die Teroni-Föderation erfordert die Wehrpflicht der Menschen, doch ihr berühmtester Offizier Wilson Cole wurde wegen Meuterei (die einem Planeten mit mehreren Milliarden Bewohnern das Leben rettete) lebenslänglich verknackt. Seine Mannschaft befreite ihn aus dem Untersuchungsgefängnis und flüchtete mit ihm als Captain an Bord der Theodore Roosevelt in den Grenzbereich der Republik. Für Cole stellt sich eine wichtige Frage: Wie soll er das Schlachtschiff unterhalten und seine Mannschaft ernähren, geschweige denn bezahlen? Als Pirat hielt er sich mehr schlecht als recht, doch was kann ein Soldat besser, als seine Wehrkraft zu verkaufen? Kurzerhand werden sie zu Söldnern …

Auch als Söldner gibt es einiges an Bürokram zu erledigen, und so übernimmt der ehemalige Hehler David Copperfield den Job, die lukrativsten Aufträge an Land zu ziehen. Zum Leidwesen Coles und der Mannschaft geht Copperfield hierbei sehr unrealistisch zu Werke, denn obwohl sie es noch immer schaffen, ihren Auftrag zu erfüllen, gerät die Teddy R in immer stärkere Bedrängnis, je mehr der Job einbringen soll. Offenbar hat der Hehler kein Gespür für die militärische Stärke des Schiffes und demnach für die Jobs, bei denen sie auch eine Chance haben.

Um das Schiff zu überholen und neue Aufträge einzuholen lässt Cole die wichtigste Sektorstation mit dem Eigennamen Singapur ansteuern. Das Konglomerat aus tausenden einzelner Stationen ist neutrales Territorium für alle Interessenten, es bietet neben jeglichen Kontaktmöglichkeiten Bars, Spielkasinos, Hurenhäuser aller denk- und undenkbaren Ausrichtung sowie Hotels und Vergnügungsbezirke für jeden Geschmack. Mit ihrem Chef, dem „Platinherzog“, gelingt Cole ein wichtiges Arrangement für die Zukunft: Gegen eine Gewinnbeteiligung vermittelt der Herzog Kontakte und bietet der Teddy R die Station als Hauptquartier.

Während der Erfüllung seiner Aufträge gewinnt Cole einige kleinere Schiffe und ihre Mannschaften als neue Gefolgschaft hinzu, doch er muss auch zwei seiner Soldaten in einer stationären Krankenbehandlung lassen. Seine beste Kampfpartnerin, die eigenwillige Walli, geht im Suff einen Deal mit einem lokalen Kriegsherren ein und verlässt Coles Geschwader. Dumm nur, dass dieser Kriegsherr gerade den Planeten, den die Krankenstation umkreist, zum Ziel erkoren hat und Cole sich ihm deshalb in den Weg stellen muss. Aus Walli und Cole werden direkte Gegner mit ungewissem Ausgang …

Resnick produziert bisher nur einige wenige ausgefeilte Charaktere wie Cole selbst, seinen besten Freund Four Eyes, die Walküre Walli und Coles Freundin und Sicherheitschefin Sharon Blacksmith. Auch David Copperfield erhält in diesem dritten Band deutlich mehr Profil und zeigt der in Brutalität groß gewordenen Walküre (Resnicks „Piratenkönigin“), was echte Loyalität – und noch darüber hinaus gehendes Gemeinschaftsgefühl – erstens bedeuten und zweitens bewirken können.

Der neue Charakter, der Platinherzog, ist erneut eine aufgestaute Kuriosität wie zuvor Walli und David Copperfield. Sein Körper besteht aus Prothesen, deren sichtbare Oberflächen aus Platin bestehen. Offenbar gibt es noch natürliche Innereien, denn sowohl sind seine natürlichen Lippen durchblutet, als er auch mit menschlichem Wesen und den ebenfalls erhaltenen Geschlechtsteilen gesegnet ist. Bisher übernimmt dieser Charakter einen Teil der Rolle, die Copperfield noch zukam: Kontakte knüpfen, Beziehungen spielen lassen, den Vermittler für den doch noch immer recht fremden, da republikserzogenen Cole abgeben. Eigene Persönlichkeit entwickelt er dabei wenig.

Wieder sind Coles Gegner überwiegend brutale Kriegsherren, die sich einige Planeten der Zone unter den Nagel gerissen haben und ihnen Schutzgelder abpressen. Dabei stellt Resnick erneut die Überlegenheit von Coles Intelligenz über deren tumbe Gnadenlosigkeit heraus, auch wenn es in manchen Situationen durchaus auf Körperlichkeit ankommt, wie er Cole erleben lässt. Und natürlich ist und bleibt die Theodore Roosevelt als Militärschiff den meisten regionalen Schiffen überlegen. Man trifft hier also bis auf die zahlenmäßige Überlegenheit, die Cole mit Geist auszuschalten hat, nicht auf echte Schwierigkeiten – bis Walli zur direkten Konfrontation mit Cole gezwungen wird, was das entscheidende Konfliktthema des Romans ist.

Hier entwickelt Resnick aus den Charaktereigenschaften dieser Piratenkönigin einen Konflikt, auf den er schon seit Einführung von Walli hinarbeitet: Zwar führt ein im Suff geführter Streit mit Cole zu ihrer Entscheidung, sich dem Gegner anzubieten, doch hat Resnick sie schon vorher deutlich machen lassen, was sie von Coles Lebensachtung hält. Und in der folgenden Nüchternheit ist es ihre Ehre, die sie an einem Rückzieher hindert, und ihre Ehre bleibt ihr eigentlicher Gegner bis zuletzt.

Cole selbst merkt es nicht, aber seine Freunde, allen voran der Molarier Four Eyes, bemerken, wie seine Kräfte unter der Verantwortung schwinden, die er für das Schiff und seine Tätigkeiten übernommen hat. Der Molarier schließlich bringt das Problem zur Sprache und artikuliert auch Coles eigene Unzufriedenheit mit der Sinnlosigkeit ihrer Mühen. Nicht nur einmal wird scheinbar lapidar der Kommentar eingeworfen, bald könne Cole der Republik entgegentreten. Und auch der Titel des folgenden Bandes „Die Rebellen“ deutet in diese Richtung …

Es ist bemerkenswert zu lesen, wie sich die Ausrichtung von Coles Tätigkeitsschwerpunkten verschiebt und wohin (laut folgender Titel) das Ganze noch führen kann: Vom ungünstig positionierten und missverstandenen Offizier der Republiksflotte über den parasitären Piraten, als der er seine Fähigkeiten vergraben muss, bis zum jetzigen Söldner, der bereits deutlich mehr militärisches Geschick verlangt, sich aber keinem größeren Ziel unterordnen kann und darum in seinem Tun keinen Sinn sieht – deutlich zeichnet sich der Weg bereits jetzt ab, den Cole und seine Mitstreiter werden gehen müssen, um die Erfüllung zu finden. Während Cole als Captain auch mal zwiespältige Entscheidungen zu treffen hat, ist Four Eyes sein handelndes Gewissen. Cole würde dem widersprechen und sagen, er brauche kein Gewissen, und von seiner Mentalität her gesehen, müssten wir ihm zustimmen. Auch der dritte Band der Wilson-Cole-Geschichte ist ein Feuerwerk aus Action und spannender Unterhaltung, wie man es sich nur wünschen kann.

Broschiert: 366 Seiten
ISBN-13: 978-3404233373
Originaltitel:
Starshhip: Mercenary
Übersetzt von Thomas Schichtel

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Mike Resnick – Wilson Cole 2: Die Piraten

3000 Jahre in der Zukunft: Die Menschheit hat sich in Form einer Republik über die Galaxis ausgebreitet. Der große Krieg gegen die Teroni-Föderation erfordert die Wehrpflicht der Menschen, doch ihr berühmtester Offizier Wilson Cole wurde wegen Meuterei (die einem Planeten mit mehreren Milliarden Bewohnern das Leben rettete) lebenslänglich verknackt. Seine Mannschaft befreite ihn aus dem Untersuchungsgefängnis und flüchtete mit ihm als Captain an Bord der Theodore Roosevelt in den Grenzbereich der Republik. Für Cole stellt sich eine wichtige Frage: Wie soll er das Schlachtschiff unterhalten und seine Mannschaft ernähren, geschweige denn bezahlen? Er sieht einen Ausweg: als Pirat …

Der Job als Pirat stellt Cole und seine Mannschaft vor unerwartete Probleme: Zwar ist die alte, ausmusterungswürdige Teddy R hier außerhalb der Republik ein überlegenes Kriegsschiff, doch lässt es sich nicht mit der Moral der Besatzung verbinden, Unschuldige auszurauben, zu töten oder anders zu schädigen. Coles Idee: Man beraube Piraten und verkaufe die Beute an Hehler.

Schon beim ersten Versuch – sie geraten an einen außerirdischen Hehler, der sich David Copperfield nennt und alle echten Bücher Charles Dickens‘ mit völliger Verrücktheit sammelt – stellt Cole fest, dass dieser Weg nicht lukrativ genug ist, um dauerhaft für das Schiff sorgen zu können. Die neue, bessere Idee: Man beraube weiterhin Piraten, verkaufe die Beute aber an die zugehörige Versicherung, die den Betroffenen für den Schaden aufkommen muss und billiger davonkäme, wenn sie die Ware bei Cole zurückkaufte.

Nach wenigen Versuchen gerät Cole bei einer solchen Transaktion in einen Hinterhalt, aus dem er sich nur mit Hilfe einer außergewöhnlichen Piratin, die er auf Grund ihres Aussehens und ihrer Fähigkeiten „Walküre“ (kurz: Walli) nennt, retten. Sie wurde um ihr Schiff betrogen und lässt sich auf der Teddy R als Zweiter Offizier anstellen mit der Option, ihr Schiff bei Gelegenheit zurückzuerkämpfen. Der Gegner, ein berüchtigter Pirat mit dem Namen „Hammerhai“, bringt nicht nur Cole und seine Meute in Bedrängnis …

Dieser zweite Band des Fünfteilers um Wilson Cole bestätigt schnell den Eindruck, der schon im ersten Band „Die Meuterer“ entsteht: Eine kurzweilige, handlungs- und actionreiche Geschichte, angesiedelt in einem galaktischen Universum, dem es nicht an kreativen und ausgefallenen Details fehlt. Dabei kann man zwar den Eindruck gewinnen, mit Wilson Cole hätte Resnick einen übermächtigen Charakter geschaffen, doch entwickelt sich dieser Charakter im Laufe der Geschichte ständig weiter, da aus seiner Sicht erzählt wird und Resnick seine Entscheidungsfindung immer wunderbar illustriert.

Cole ist ein durchschnittlicher Mensch, der aber stets die passende Antwort parat hat, meist jedoch nicht die Antworten gibt, sondern die Fragen stellt. Er ist der Captain des Raumschiffs Theodore Roosevelt und sollte sich als solcher nach Meinung seiner Mitstreiter weitgehend aus der eigentlichen Handlung heraushalten, doch findet er immer wieder Argumente, die seinen persönlichen Einsatz rechtfertigen, so dass man hier einen echten Space-Opera-Captain vorfindet, der alle wichtigen Angelegenheiten selber regelt. Immerhin stellt er sich als ausnehmend menschlich dar wie ein Old Shatterhand der alten Garde, vergießt er doch nie ohne Not das Blut seiner Gegner, ohne allerdings zu zögern, wenn es ihm nötig erscheint. Gegen brutale Widersacher wie den Hammerhai setzt er sich geistig überlegen und energisch durch frei nach dem Motto: „Unter all den unbewussten Lebensformen gibt es wenige, die des Denkens fähig sind. Ich habe ein Gehirn und halte es für eine Straftat, es nicht zu benutzen.“

Die anderen Charaktere kann man weitgehend vernachlässigen, sie agieren meist im Hintergrund oder geben ihre Gedanken zu Coles Überlegungen hinzu, was schließlich für ihn und für den Leser zur Erkenntnis der neuen Strategie (oder des zum Erfolg führenden Tricks) führt. Die wichtigsten wurden bereits im ersten Band eingeführt und haben sich seither nicht merklich weiter entwickelt. Neu sind David Copperfield und Walli, die Piratenkönigin.

Copperfield ist zwar ein verrückter Außerirdischer, findet aber keinen richtigen Zugang zum Flair der Geschichte. Er wirkt etwas konstruiert und bleibt überwiegend uninteressant.

Walli bringt das in die Handlung, was Cole fehlt und was aus den beiden ein karrierefähiges Duo macht: überragende Kampfkunst und Angriffslust, bei Verhandlungen spielt sie Coles Rückendeckung und den aggressiven Verhandlungspartner. Sie kommt zwar erst in der zweiten Hälfte des Romans dazu, wird uns aber hoffentlich noch einige interessante Kämpfe liefern. Bis zu ihrem Auftritt gab es tatsächlich keinen Cole ebenbürtigen Charakter in der Geschichte, und so musste Resnick quasi mit Cole allein zurechtkommen. Mit Walli steht ein echter Partner bereit, der die Handlung auch mal übernehmen kann und ihr dadurch zu einem breiteren Spektrum verhilft.

Insgesamt bietet die Handlung ein fast klischéehaftes Umfeld mit ebensolchen Protagonisten, doch bei genauerem Hinsehen offenbart sich mehr Tiefgang als erwartet. Wilson Cole ist schnelle, spannende Unterhaltung mit mal wieder interessanten und außergewöhnlichen Gedankengängen und überraschenden Tricks. Warum ist Mike Resnick hierzulande so überaus unbekannt? Seine Produktivität und die gelobte und bepreiste Qualität seiner Geschichten sollten doch auch hier ihre Fangemeinde finden.

Taschenbuch: 384 Seiten
ISBN-13: 978-3404233298
Originaltitel: 
Starship: Pirate
Übersetzt von Thomas Schichtel

Der Autor vergibt: (3.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Charles Finch – September Society. Der Club der tödlichen Gentlemen

Das Verschwinden eines adligen Oxford-Studenten verwickelt 1866 einen frühen Privatdetektiv in eine Verschwörung, die zwei Jahrzehnte zuvor im fernen Ostindien ihren Anfang nahm … – Ein früher Sherlock Holmes löst unter Einsatz zeitgenössischer Ermittlungsmethoden seinen Fall, während er gleichzeitig mit privaten Liebeshändeln ringt: gemächlicher Häkel-Krimi mit Lady-Thriller-Schmalz-Ballast und überkonstruiertem Plot.
Charles Finch – September Society. Der Club der tödlichen Gentlemen weiterlesen