Schlagwort-Archive: Bastei Lübbe

Bernard Cornwell – Sharpes Flucht (Sharpe 10)

Das zehnte Sharpe-Abenteuer – „Sharpes Flucht“ – ist wieder neueren Datums, der Roman wurde 2004 in England erstveröffentlicht. Es ist mit 550 Seiten eines der umfangreicheren Abenteuer von Richard Sharpe und sein Erfinder, Bernard Cornwell, hat wie immer einiges für seinen Helden in petto.

Dabei sieht es für Sharpe im Moment gar nicht so rosig aus. Bisher hatten wir Sharpe immer als einen Hansdampf in allen Gassen erlebt, als einen Mann, der grundsätzlich jede Aufgabe für möglich hält und das Wort „scheitern“ nicht zu kennen scheint. Ein grundsoliger Optimist also, dessen Optimismus auch noch dadurch befeuert wurde, dass er ihn in der Regel vorwärtsbrachte. Rückschläge sind in Richard Sharpes Leben immer nur temporär und auch wenn er eine Schlacht verlieren mag, den Krieg gewinnt er immer!

 

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Janice Hardy – Krieg der Heiler (The Healing Wars 3)

Endkampf um die Freiheit: spannende Jugendfantasy

Die Schifterin Nya und ihr Freunde fliehen vor dem Herzog von Baseer und kehren in ihre Heimatstadt Geveg zurück. Dort haben sich die Einheimischen wie auch die Baseeri-Adeligen gegen den Herzog erhoben. Um sie vor dem anstehenden Angriff der herzoglichen Armee zu warnen, begeben sich Nya und Co. in die geteilte Stadt. Doch was können sie schon gegen eine Armee von Unsterblichen ausrichten, fragt sich Nya bang.

Die Autorin

Janice Hardy wurde in Pennsylvania geboren und wuchs in Florida auf. Sie machte ihren Collegeabschluss in Grafikdesign und arbeitete als Gestalterin für verschiedene Zeitschriften. Während dieser Zeit absolvierte sie einen Kurs als Rettungstaucherin. Dabei lernte sie ihren Mann kennen. Heute leben die beiden im amerikanischen Bundesstaat Georgia.

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Bernard Cornwell – Sharpes Gold (Sharpe 9)

Im neunten Abenteuer der Reihe um den Scharfschützen Richard Sharpe hat Lord Wellington einmal mehr einen Spezialauftrag für den Captain. Und wie der Titel “Sharpes Gold” vermuten lässt, geht es dabei um einen waschechten Schatz! Denn was braucht man, um einen Feldzug zu gewinnen? Genau … reichlich Geld. Und eben dieses droht den Engländern im Moment auszugehen. Doch hinter den feindlichen Linien ist ein Goldschatz aufgetaucht, den sich Wellington unbedingt sichern will. Die ganze Geschichte muss natürlich streng geheim bleiben und auch, wofür genau das Gold verwendet werden soll, bleibt Wellingtons Geheimnis. Doch er bläut Sharpe ein, dass es gilt, den Schatz zu sichern – koste es, was es wolle! Und so ziehen Sharpe und seine Rifles aus, einen ganzen Haufen Gold zu bergen und durch französisch besetztes Gebiet zurück zu Wellington zu schleppen. Bernard Cornwell – Sharpes Gold (Sharpe 9) weiterlesen

Marc Olden – Salomons Thron

Das geschieht:

London im Jahre 1848: Schwarzmagier Jonathan hat zweimal vergeblich versucht, Asmodeus, den König der Dämonen, zu beschwören und sich untertan zu machen. Asmodeus wird sich grausam für diese Dreistigkeit rächen. Jonathan bleibt nur, sich des Thrones Salomons zu bemächtigen. Gelingt ihm dies, ist er nicht nur den wütenden Dämon los, sondern kann sich auch zum Herrn aller bösen Geister aufschwingen.

Allerdings ist Salomons Thron seit Äonen verschollen. Es gibt drei äußerst seltene Bücher, die Jonathan in ihrer Gesamtheit einen Weg zum Objekt seiner Begierde weisen können. Doch jemand ist ihm zuvorgekommen: Justin Coltman, ein reicher aber todkranker Amerikaner, der sich aus der Lektüre Lebensrettung erhofft. Gerade ist Coltman mit den Büchern im Gepäck in die USA zurückgereist.

Nicht nur Jonathan folgt ihm über den Atlantik. Dem Magier sitzt ein unerbittlicher Rächer im Nacken. Pierce James Figg ist ein ehemaliger Preisboxer, dem Jonathan die Gattin und den Sohn ermordet hat. Sogar Jonathan fürchtet den Zorn des kampfstarken Figg, dem er alles nahm, was diesem im Leben wichtig war. Marc Olden – Salomons Thron weiterlesen

Bernard Cornwell – Sharpes Trophäe (Sharpe 8)

„Sharpes Trophäe“, chronologisch Band 8 der Reihe um den Scharfschützen Richard Sharpe, ist einer der älteren Romane aus der Feder von Bernard Cornwell – erstveröffentlicht 1981. Auch für „Sharpes Trophäe“ hat der englische Autor seine üblichen Zutaten einmal kräftig umgerührt, um sie in einer appetitlichen Zusammensetzung dem geneigten Leser zu präsentieren: Es gibt einen abenteuerlustigen, vom Glück begünstigten Helden, einen wirklich verabscheuungswürdigen Gegenspieler, eine große Schlacht, eine Frauengeschichte und alles ist gewürzt mit einer ganz großen Prise leicht verständlicher Militärgeschichte.

Sharpes Regiment, das 95th, ist bereits zurück in der Heimat, während er immer noch in Portugal festsitzt und für den Pionier Captain Hogan Aufgaben erfüllt. Der aktuelle Befehl lautet, eine alte Römerbrücke in Valdelacasa zu sprengen, um die Franzosen davon abzuhalten, den Tejo zu überqueren. Eigentlich eine leichte Aufgabe, die nicht viel Zeit in Anspruch nehmen sollte. Allerdings müssen Hogan und die Rifles aus diplomatischen Gründen ein englisches und spanisches Regiment mitführen – und beide Regimenter sind nicht gerade ruhmbekleckert.

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[NEWS] AMANDA CARLSON: Vollmondfieber

Amanda Carlson startet ihre Werwolftrilogie bei Bastei Lübbe im „Vollmondfieber“:

Ich verrate euch ein wohl gehütetes Geheimnis: Werwölfe existieren. Ihr glaubt mir nicht? Nun, vielleicht weil wir ganz normal aussehen – wenn nicht gerade Vollmond ist. Mein Name ist Jessica. Ich bin die einzige weibliche Werwölfin der Welt. Und eine Bedrohung für meine Art. Denn eine Prophezeiung besagt unseren Untergang, wenn eine Werwölfin auf den Plan tritt. Gestern habe ich mich zum ersten Mal verwandelt. Seitdem sind alle hinter mir her. Nicht nur Mitglieder meines eigenen Clans, sondern auch die anderen Gestalten der Nacht …
(Verlagsinfo)

Originaltitel: Full Blooded
Taschenbuch: 384 Seiten
ISBN-13: 978-3404206841

Der Verlag bietet unter dieser Adresse eine Leseprobe an.

[NEWS] STEFAN GEMMEL – Sichelmond

Bastei Lübbe Baumhaus veröffentlicht Phantastisches von Stefan Gemmel: „Sichelmond“.

Mysteriöses geschieht: zum dritten Mal erwacht der 16-jährige Rouven in einer fremden Wohnung, die völlig verwüstet ist und deren Besitzer verschwunden scheint. An den Türen entdeckt er geheimnisvolle Symbole, sie weisen darauf hin, dass er offenbar selbst für die Vorkommnisse verantwortlich ist. Aber wie kann das sein? Rouven versucht zu ergründen, was geschehen ist. Je mehr er dabei über sich selbst erfährt, desto mehr kommt er einem teuflischen Plan auf die Spur: Nicht nur sein Leben ist in Gefahr, sondern die Zukunft der ganzen Welt. Es geht um nichts weniger als die Rettung aller menschlichen Seelen. Und die Zeit läuft. Denn Jachael, Rouvens Feind, möchte eine Menschheit erschaffen, die nur eines im Sinn hat: die willenlose Ausführung seines Plans, die Welt im Chaos versinken zu lassen. Einzig Rouven kann Jachael stoppen.

Stefan Gemmel, Jahrgang 1970, lebt in Lehmen an der Mosel. Viele seiner Kinder- und Jugendbücher sind bereits in 16 Sprachen übersetzt worden. Bekannt geworden ist er aber vor allem durch seine ungewöhnlichen Lesungen, Lesenächte und Workshops, die er in Schulen und Büchereien durchführt. Dabei bezieht er sein Publikum auf besondere Weise in Form von Rollenspielen, Sprachexperimenten oder Spontantheater mit ein. Seine große Leidenschaft gilt dabei immer dem Nachwuchs, den er zu fördern sucht. So unterstützt er junge Schreibtalente beim Verfassen von Texten oder sogar bei der Veröffentlichung ihrer Bücher und leitet Literaturprojekte und Schreibwerkstätten, in denen sich angehende Autoren erproben können. Für dieses ehrenamtliche Engagement und auch für seine originelle Art der Leseförderung wurde ihm 2007 das Bundesverdienstkreuz verliehen.
(Verlagsinfos)

Gebundene Ausgabe, 416 Seiten
ISBN-13: 978-3833901195
empfohlen ab 13 Jahren

Der Verlag bietet unter dieser Adresse eine Leseprobe an.

Anthony E. Zuiker/Duane Swierczynski – Level 26: Dunkle Prophezeiung

Das geschieht:

Einst war Steve Dark Star-Ermittler der „Special Circumstances Division“, einer vom US-Justizministerium eingerichteten Einheit, die sich um jene Super-Verbrecher kümmert, die sowohl der Polizei als auch dem FBI und anderen Behörden durch die Finger schlüpfen. Darks letzte Jagd endete in einem Desaster; der Serienkiller Sqweegel ermordete seine Gattin und trieb ihn beinahe in den Wahnsinn. Um seiner überlebenden Tochter Sibby ein Vater sein zu können, quittierte Dark den Dienst.

Doch er ist nun einmal der geborene Ermittler. Seinem neuen Job als Dozent geht Dark deshalb nur lustlos nach, und Sibby ‚parkt‘ er bei den Großeltern. Privat hält er seine Datenbank psychopathischer Mörder auf dem neuesten Stand und sehnt sich im Grunde zurück ins „Special-Circs“-Team. Dieses Tor bleibt ihm jedoch verschlossen, wie Dark erfahren muss, als er seine Hilfe in einem aktuellen Fall besonderen Wahnsinns anbietet: Ein Killer ‚arbeitet‘ nach dem Vorbild des Tarot-Spiels! Anthony E. Zuiker/Duane Swierczynski – Level 26: Dunkle Prophezeiung weiterlesen

Ken Follett – Die Tore der Welt

Höhen und Tiefen des Schicksals: Mittelalter-Seifenoper

England im Jahre 1327. Es ist der Tag nach Allerheiligen. In der Stadt Kingsbridge trifft sich im Schatten der Kathedrale das Volk. Vier Kinder flüchten vor dem Trubel in den nahe gelegenen Wald. Dort werden sie Zeugen eines Kampfes – und eines tödlichen Geheimnisses. Merthin, ein Nachfahre von Jack Builder, dem Erbauer der Kathedrale, hat dessen Genie und rebellische Natur geerbt. Sein starker Bruder Ralph strebt den Aufstieg in die Ritterschaft an. Caris, Tochter eines Wollhändlers, hat den Traum, Arzt zu werden. Gwenda, Kind eines Taglöhners, will nur ihrer Liebe folgen.

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Susan Price – Die Elfling-Saga

Der Elfling-Zyklus:

Band 1: „Der Erbe der Krone“
Band 2: „Das Heer der Toten“

Beide Romane in einem Band: „Die Elfling-Saga“

Nordische Action-Fantasy aus England

Er ist das Kind einer Frau aus dem Elfenreich. Aber er ist auch der Sohn eines Königs, und er fordert die Krone, die ihm nach altem Recht zusteht. Doch er hat nicht mit der Tücke der Priester gerechnet, die ihn „Teufelsbrut“ nennen. Denn sie behaupten, dass er keine Seele besitzt. (Verlagsinfo)

Die Autorin

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Stephen R. Lawhead – Das Knochenhaus (Die schimmernden Reiche 2)

Die schimmernden Reiche:

Band 1: „Die Zeitwanderer“
Band 2: „Das Knochenhaus“
Band 3: „The Spirit Well“ (04.09.2012, noch ohne dt. Titel)
Band 4: „The Shadow Lamp“ (angekündigt für 2013, noch ohne dt. Titel)
Band 5: „The Fatal Tree“ (angekündigt für 2014, noch ohne dt. Titel)

Der heilige Gral aller Schatzkarten

Es gibt sie wirklich: die Ley-Linien. Pfade, auf denen man durch die Zeit reisen kann und die nur die wenigsten kennen. Kit Livingston kennt sie, denn er hat sie bereits benutzt. Mit seiner Freundin Mina ist er auf der Suche nach der Karte der möglichen Universen. Diese wurde zerteilt und in alle Welten zerstreut. Aber Kit ist nicht der Einzige, der sie haben will …

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Jesse Bullington – Vom Tode verwest

Das geschieht:

1516 wird der Schweizer Niklaus Manuel Deutsch, der gerade als Söldner in Oberitalien kämpft, von seinem Hauptmann beauftragt, die maurische Hexe Awa nach Spanien zu bringen, wo der Inquisitor Ashton Kahlert bereits die Folterinstrumente schärfen lässt. Die Mission misslingt, Awa kann sich befreien, denn sie ist in der Tat eine Hexe, die lange, leidensreiche Jahre einem Nekromanten dienen musste, der sie in viele seiner schwarzen Künste einweihte.

Awa konnte ihren Peiniger schließlich überlisten und umbringen, doch dieser belegte sie mit einem fürchterlichen Fluch: Zehn Jahre nach seinem Tod werde er aus dem Jenseits wiederkehren und in ihren Körper einfahren, um ihn für ein neues Leben zu ‚übernehmen‘. Auf der Suche nach einem Weg, dieses Schicksal abzuwenden, zog Awa durch das Heilige Römische Reich, bis sie in Italien gefangengenommen wurde. Jesse Bullington – Vom Tode verwest weiterlesen

Mike Resnick – Mallory und die Nacht der Toten

Die Mallory-Romane:

1 – „Jäger des verlorenen Einhorns“
2 – „Mallory und die Nacht der Toten“
3 – „Mallory und der Taschendrache“ (20.07.2012)

Dies ist John Justin Mallorys zweiter Fall im Manhattan der Fabelwesen, dort, wo er seine detektivischen Fähigkeiten weitaus besser einzusetzen weiß als einst in seinem (unserem) Manhattan. Sowohl die Justiz als auch die Ethik und Moral kommt seinen Vorstellungen sehr entgegen, und hier kann er sich als das geben, was einen typischen fabelhaften Detektiv ausmacht: Knallhart, unbestechlich, mit sicherem Gespür für das Vorgehen seiner Gegner und der Fähigkeit, ihnen immer um die sprichwörtliche Nasenlänge voraus zu sein.

Mike Resnick, einer der produktivsten Schriftsteller unserer Zeit, Verfasser unzähliger Kurzgeschichten, Romane und Erzählungen und regelmäßiger Gewinner einschlägiger Genrepreise, ist dem deutschsprachigen Publikum bisher recht unbekannt. Seit wenigen Jahren veröffentlicht Lübbe in schöner Regelmäßigkeit Romane seiner erfolgreichen Reihen, zuletzt die „Wilson Cole“ – Romane um den gleichnamigen, hochmoralischen und aus diesem Grund meuternden Raumkapitän. Hoffen wir, dass nach der „Mallory“-Reihe noch viel Resnick-Stoff nach Deutschland schwappt.

Nachdem Mallory einen Pakt mit dem Grundy, dem mächtigsten Dämon des parallelen Manhattan, geschlossen hat und sich die Passage, die ihm die Rückkehr in seine Welt ermöglichte, schloss, nistet sich der Privatdetektiv mit seiner über 60-jährigen Partnerin häuslich und bürokratisch ein, eröffnet eine Detektei. Und zu Halloween kracht es: Vlad Dracule (mit weiteren, unbekannteren Namen) reist in Manhattan ein und ermordet alsbald das ungünstigste aller Opfer: den Neffen Mallorys Partnerin Winnifred Carruthers. Außerdem nimmt er auch von Carruthers einen Schluck und bedroht damit ihre Existenz, so dass Mallory nur wenig Zeit bleibt, seinen Gegner zu stellen. Und das in der „Nacht der Toten“, wo alles an umtriebigen Wesen auf den Beinen ist und seine Spürnase auf eine harte Probe stellt …

Mike Resnick erzählt seine Geschichten vor allem über Unterhaltungen. Und so beginnt dieser flotte Roman typischerweise mit einer der merkwürdigen Unterhaltungen zwischen Mallory und dem Katzenwesen Felina. Dieser Stil Resnicks gestaltet seine Geschichten stets hochinteressant und regt natürlich zum Mitdenken an, denn anders als bei erzählenden Stilen dringt der Leser nicht tief in die Gedankenwelt seiner Protagonisten ein, sondern erfährt ihre Absichten und Überlegungen vor allem über die Dialoge. Was vor allem die Fähigkeiten Mallorys ins rechte Licht rückt, denn er führt nicht nur einmal nicht nur seine Gesprächspartner in die Irre oder hält sie unwissend, während er bereits einen durchschlagenden Plan entwickelt.

Die Charaktere erhalten auch in diesem zweiten Band der Reihe ihre typischen Eigenschaften. Resnick versteht es hervorragend, seine Figuren lebendig zu schildern und ihnen besondere Erkennungsmerkmale zu verleihen. So wiederholen sich bestimmte Eigenschaften zwar, wie zum Beispiel Felinas vordergründige Sturheit und katzenartiges Ego, um sich Schmuseeinheiten oder Milchcocktails zu gewinnen. Doch Mallory lässt sich selten auf diese Spielchen ein, und nicht nur Felina muss sich meistens seinen Argumenten beugen. Man gewinnt – nicht während der Lektüre, sondern erst bei genauerem Reflektieren – den Eindruck, dass Resnick ein besonderes System der Protagonistenkreation hat, und das funktioniert einwandfrei. Natürlich könnte man bemängeln, wie unschlagbar seine Helden charakterisiert sind, doch machen diese Helden einen besonderen Reiz seiner Geschichten aus, denn sie transportieren stets einen wichtigen Anteil seiner Geschichten, manchmal auch wichtige Grundsätze oder Moralitäten. Und schließlich ist es wieder kein schlagbarer Gegner, dem sich Mallory stellt, sondern der jahrtausende alte Vampir höchstselbst – niemand sonst als Mallory könnte in der Lage sein, ihm seine Bedingungen aufzuzwingen.

Die Geschichte beleuchtet wieder stroboskopisch und trotzdem erstaunlich eindringlich die Gegebenheiten des fremden Manhattan – das soo fremd gar nicht wirkt. Die Eigenschaften unserer Welt sind auch dort zu finden, nur stellt Resnick sie überspitzt dar und führt sie dadurch humorvoll und plakativ vor Augen. Eindrucksvoll, mitzuerleben, wie Resnick diese deutlichen Bilder weitgehend über Dialoge erzeugt.

In einem Satz: Dieser Roman ist nicht dazu geeignet, als Wurfgeschoss ernsthafte Verletzungen zuzufügen, denn er orientiert sich nicht an der heute üblichen aufgeblähten Seitenzahl, sondern kommt mit weit weniger Platz und umso schneller ans Ziel, leidet nicht unter Längen und ist unterhaltungstechnisch ein Hochgenuss.

Taschenbuch, 361 Seiten plus umfangreicher Anhang zum Autor
Deutsche Erstausgabe
Übersetzt von Thomas Schichtel
Januar 2012
Originaltitel:
Stalking the Vampire
ISBN 13: 978-3-404-20645-2
www.luebbe.de

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Kepler, Lars – Paganinis Fluch

_Inhalt_

Carl Palmcrona wird im Stockholmer Nobelstadtteil Östermalm in seiner Wohnung tot aufgefunden. Das Zimmer, in dem er an einem Strick hängt, ist unmöbliert – es gibt darin nichts, worauf er hätte steigen können, um Selbstmord zu begehen. Am selben Tag wird auf einer Jacht, die in den Stockholmer Schären treibt, eine tote Frau entdeckt. Ihre Lungen sind mit Meerwasser gefüllt, ihr Körper und ihre Kleider jedoch vollkommen trocken. Sie ist auf einem Boot ertrunken, das noch schwimmt … Die beiden Todesfälle geben der Polizei Rätsel auf. Bis Kommissar Joona Linna zwischen ihnen eine Verbindung entdeckt. Die Spur führt zu einem Mann, der die Violinen des Teufelsgeigers Paganini sammelt – und Albträume wahr werden lässt.

_Kritik_

„Paganinis Fluch“ von Lars Kepler alias Alexander und Alexandra Ahndoril ist der zweite Kriminalroman des Autorenduos. Schon in „Der Hypnotiseur“ spielte der finnisch-stämmige Kriminalkommissar Joona Linna die Rolle, des eigensinnigen, aber hochkompetenten Ermittlers. In Stockholm kommt es dubiosen Morden und der Täter scheint nicht gerade zimperlich gewesen zu sein.

Schon in den ersten Kapiteln wird sich der Leser fragen, was in aller Welt die vermeintlichen Morde mit dem Teufelsgeiger Paganini zu tun haben! In „Paganinis Fluch“ geht es um mehr als leidenschaftliche Musik oder einen Pakt mit dem Teufel. Politik kombiniert mit Waffenhandel bilden die Haupthandlung in diesem Roman des schwedischen Autorenpaares.

Umso verwirrender ist demnach der Titel des Buches. Weder viele Geigen noch ein Fluch sind Bestandteil der Handlung. Als Eyecatcher gedacht, verspricht der Titel überhaupt mysteriöse Spannung, doch dieses Mal ist der Plot gar nicht so spannend, wie es der Leser nach „Der Hypnotiseur“ erwartet.

Die Handlung birgt zwar Konflikte und Komplikationen, aber entwickelt sich in einem gemächlichen Tempo. Allerdings haben es die Autoren geschickt verstanden, die Charaktere in die Handlung zu integrieren. Naive Erpresser treffen auf Auftragskiller und Politiker gehen mit Rüstungskonzernen Bande eine. Hinzu kommt dann ein dekretierendes Foto, welches das zentrale Thema für Joona Linna wird. Nach und nach lichtet sich der Nebel und der Leser kann die verschiedenen Handlungsstränge miteinander verweben, sodass er den ermittelnden Beamten gut folgen kann und manchmal ist der konzentrierte Leser den Ermittlern sogar eine Nasenlänge voraus.

Diese Perspektive ist zwar interessant, aber leider vermeiden es die Autoren, so manches Detail zu verstecken. Zu transparent werden die Handlungen der Protagonisten, was zur Folge hat, dass der Spannung keine Möglichkeit gegeben wird, sich entwickeln zu können.

Viel Mühe und Aufwand hingegen gaben sich die Autoren mit der Konzeption ihrer Protagonisten. Axel Riessen, der das politische Amt des Rüstungskontrolleurs innehat, ist der Dreh- und Angelpunkt der Handlung. Sein musikalisches Talent an der Geige konnte er nicht weiter ausbauen, da er indirekt getötet hat. Und diese Geister der Vergangenheit haben ihn mit dem Fluch der chronischen Schlaflosigkeit zurückgelassen. Sein gestörtes Verhältnis zu sich selbst und zu einem noch minderjährigen und psychisch-gestörten Mädchen klingt höchst interessant, aber ist dennoch recht unglaubwürdig. Und genau an dieser Stelle löst sich das Rätsel um den Titel des Romans in Wohlgefallen auf.

Das sehr aktuelle Thema „Waffenhandel“ wird leider in den Hintergrund gedrängt. Das Schweden so tief in den internationalen Waffenhandel involviert ist, vermutet der deutsche Leser gar nicht. Diese Brisanz hätte in dem Roman großartig verarbeitet werden können, allerdings verläuft auch diese Thematik im Sande.

_Fazit_

Die Erwartungshaltung war groß, gerade nach dem genialen Start mit „Der Hypnotiseur“ greift man nur allzu gerne nach dem zweiten Titel des schwedischen Autorenpaares.

Trotz sehr guter Ideen und einer fast schon perfekten Figurenzeichnung, verliert sich die Spannung in der oftmals unstrukturierten Handlung. Daran kann auch der interessante Joona Linna nicht viel ändern, der deutlich unterfordert erscheint.

„Paganinis Fluch“ ist ein solider Thriller und nicht unbedingt ein Kriminalroman, da hier zu viel verraten wird. Auch wenn ein wenig Enttäuschung vorherrscht, der dritte kommende Band, kann hoffentlich wieder an „Der Hypnotiseur“ anknüpfen.

|Gebundene Ausgabe: 624 Seiten
Originaltitel: Paganinikontraktet
ISBN-13: 978-3785724286|
[www.luebbe.de]http://www.luebbe.de

_Lars Kepler bei |Buchwurm.info|_
[„Der Hypnotiseur“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6797
[„Der Hypnotiseur“ (Lesung)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7015

China Miéville – Der Krake

Mittlerweile schreibt der britische Schriftsteller produktive und ambitionierte phantastische Literatur, die in schöner Regelmäßigkeit mit Preisen gewürdigt wird. Sein erst 2010 in Deutsch erschienener Roman „Die Stadt und die Stadt“ wurde mit den wichtigsten Preisen ausgezeichnet wie Locus Award, Hugo Award und World Fantasy Award sowie in Deutschland dem Kurd Laßwitz Preis – wobei sich bei diesem Rundumschlag die Frage stellen könnte, ob es im entsprechenden Jahr keine Konkurrenz gab … China Miéville – Der Krake weiterlesen

Jean-Christophe Grangé – Im Wald der stummen Schreie

Jean-Christophe Grangé – diesen Namen verbinde ich mit Nervenkitzel, ausgefeilten Spannungsromanen, packenden Geschichten, interessanten Wendungen und Topspannung bis zur letzten Seite. Bekannt geworden durch „Die purpurnen Flüsse“ hat sich der französische Bestsellerautor inzwischen in die Riege der ganz Großen geschrieben, sodass ich mit großer Vorfreude seinem aktuellen Buch „Im Wald der stummen Schreie“ entgegen gefiebert habe. Doch leider, leider enttäuscht Grangé dieses Mal nahezu auf ganzer Linie …

Penetrante Richterin

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Mike Resnick – Jäger des verlorenen Einhorns

Der Auftakt zu einer Reihe von phantastischen Romanen um den Privatdetektiv John Justin Mallory, von Mike Resnick schon im Jahr 1987 veröffentlicht, passt gut in die Regale deutscher Buchhandlungen, die sich derzeit unter der Last dickster urbaner Fantasyliteratur biegen und knacken. Resnick war dieser Welle voraus, und so mag dem einen oder anderen Leser die Ernsthaftigkeit, mit der die aktuellen Autoren ihre Fantasien versehen, bei der leicht und lockeren, aber nichtsdestotrotz spannenden und rasanten Lektüre dieses Krimis fehlen.

Krimi deshalb. Genau. Ein Privatdetektiv erhält im selbstmitleidigen Suff und am Rande seines eigenen Abgrunds einen lukrativen Auftrag von einer Person, die er nicht so recht einzuordnen weiß. Der Elf benimmt sich merkwürdig, greift dicke Bündel Geld aus der Luft und führt Mallory in ein irgendwie anders geartetes Manhattan, in dem Gnome, Pinoccios, Einhörner, Schrumpfpferde, Magier und Dämonen hausen und ihr Unwesen treiben. Oder auch liebenswert leben. Trotz seiner Vorbehalte – immerhin könnte man das Ganze auch für eine alkoholinduzierte Fantasie halten – greift Mallory nach der Chance, seine Lebenspunkte in seinem Manhattan zu verbessern, und begibt sich auf die aberwitzige Jagd auf das Einhorn, dessen einmalige Besonderheit es ist, die Membran, die die beiden Manhattans trennt/verbindet, zu erhalten/erzeugen.

Eine der ersten Szenen, bei denen die Andersartigkeit des anderen Manhattans zur Sprache kommt, ist Mallorys Besuch in einem Museum, in dem auch prompt die Exponate zum Leben erwachen und Jagd auf die nächtlichen Besucher machen – im deutschen Sprachraum deutet alles auf einen billigen Mitschnitt aus „Nachts im Museum“ hin, doch zeigt sich, dass die dem Film zugrunde liegende Kindergeschichte aus dem Jahr 1993 schwerlich Vorlage für diese bereits 1987 erschienene Erzählung gewesen sein kann; ein Verdacht, der nur durch die späte Veröffentlichung des Romans in Deutschland genährt wird. Im Hinterkopf regt sich auch vor dieser Recherche schon das Misstrauen gegen den Verdacht, ist Resnick doch einer der produktivsten Schriftsteller seiner Zunft und laut Locus-Hitliste auf Platz vier der erfolgreichsten Preiseinheimser im Science-Fiction – Genre. Also einer, der Plagiate nun wirklich nicht nötig hat.

Es sind vor allem die Dialoge, die die Geschichte erzählen. Der Roman umfasst 384 Seiten und ist damit beileibe nicht der dickste seiner Zunft, aber dick genug, um eine Erzählung, die nur eine einzige Nacht umfasst, zu verbesondern. Resnick beschreibt nicht viel, hier mal eine Wegstrecke, dort mal eine Tätigkeit – aber nie erhält man direkten Zutritt zu den Gedanken des Protagonisten, sondern ist auf die Ereignisse und Dialoge angewiesen wie seine Mitstreiter, um seine einfallsreichen Pläne und Streiche nachzuvollziehen. Ich erinnere mich in dem Zusammenhang zum Beispiel an die Szene, in der Mallory vor seinem Elf Murgelström, der ihn beschattet, zu entkommen zu versuchen scheint, bis ihn ein Straßenumzug aufhält und er ein beliebiges Geschäft betritt, das unscheinbare Bilder ausstellt. Er beginnt ein Gespräch mit der Verkäuferin und erfährt, dass man in diesen Bildern Urlaub machen könne, und so sucht er sich eines aus und kauft es. Was irgendwie mit dem magischen Stein des Einhorns in Verbindung stehen muss und mit Mallorys Versuch, ihn vor dem mächtigen Dämon Grundy und vor dem zwielichtigen Elf Murgelström zu verstecken. Mit keiner Silbe deutet Resnick Mallorys Gedanken hier an, und so erfährt man erst im Ereignismoment, was er mit diesem Bild eigentlich vorhat und ob seine Mitarbeiter wirklich den Edelstein darin versteckten … immerhin erklärt er seine Ideen im Nachhinein immer einem seiner staunenden Freunde (und uns staunenden Lesern), so dass wir gleichfalls die Kaltschnäuzigkeit bewundern können, mit der er sich im Parallelmanhattan bewegt.

Da wundert es einen nur, warum er in seiner Welt so erfolglos sein soll. Resnick bietet als Erklärung die politischen und gesetzlichen Zustände unserer Welt, die seinen Ermittlungsmethoden stets Stöcke zwischen die Beine werfen oder überführte und verhaftete Gangster nach kurzer Zeit wieder auf freien Fuß setzen.

„Jäger des verlorenen Einhorns“ ist wirklich kurzweilige Unterhaltung, vollgestopft mit komischen Ideen und erzählt in flotter Sprache. Das macht Spaß!

Taschenbuch: 384 Seiten
Originaltitel:
Stalking Unicorn
Deutsch von Thomas Schichtel
ISBN-13: 978-3404200085

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Holdstock, Robert – Odins Wolf (Berserker-Saga 1)

_Die |Berserker|-Saga:_

1) _“Odins Wolf“_ („Shadow of the Wolf“) (1977)
2) „Die Jägerinnen von Connacht“ („The Bull Chief“) (1977)
3) „The Horned Warrior“ (1979, nicht übersetzt)

_Dem Ewigen Helden ebenbürtig, aber lausig übersetzt_

Harald Schmetteraxt, ein junger Norweger, von Odin verflucht, wird zu einem wahnsinnigen Krieger, der Tausenden den Tod bringt. Wenn ihn der Kampfrausch überkommt, treibt er ganze Heere in die Flucht, und nicht einmal seine eigene Familie ist vor ihm sicher. Verzweifelt flieht er vor dem eigenen Schicksal, aber wohin er auch kommt, bringt er Tod und Verderben – er ist ein Berserker. (Verlagsinfo)

_Der Autor_

Robert Paul Holdstock, geboren 1948, begann mit dem Schreiben schon 1968, machte sich aber erst 1976 als Schriftsteller selbständig und schrieb daraufhin eine ganze Menge Genre-Fantasy. Dabei entstanden wenig interessante Trilogien und Kollaborationen an „Sword and Sorcery“-Romanen, u. a. mit Angus Wells.

Erst 1983 und 1984 taucht das für die Ryhope-Sequenz wichtige Motiv des Vater-Sohn-Konflikts auf. Beide Seiten werden getrennt und müssen wieder vereinigt werden. Das Besondere an dieser emotional aufgeladenen Konstellation ist jedoch, dass die Bewegung, die dafür nötig ist, in einer Geisterwelt stattfindet: dem Ryhope-Forst.

In Holdstocks keltischer Fantasy befindet sich in diesem Urwald, der kollektiven Unbewussten C. G. Jungs entspricht, erstens ein Schacht, der mit weiterem Vordringen ins Innere immer weiter zurück in der Zeit führt. Eines der wichtigsten und furchtbarsten Ungeheuer, Urscumug, stammt beispielsweise aus der Steinzeit. Und zweitens finden bei diesen seelischen Nachtreisen durch die Epochen permanent Verwandlungen, Metamorphosen statt. So verwandelt sich die Hauptfigur Tallis in „Lavondyss“ schließlich in eine Dryade, einen Baumgeist. Das ist äußerst faszinierend geschildert.

Am Ende der Nachtreisen warten harte Kämpfe, die auch in psychologischer Hinsicht alles abverlangen, was die Kontrahenten aufbieten können. Und es ist niemals gewährleistet, dass die Hauptfiguren sicher und heil nach Hause zurückkehren können. Denn im keltischen Zwielicht, das noch nicht durch das christliche Heilsversprechen erleuchtet ist, scheint am Ende des Weges keine spirituelle Sonne, sondern dort wartet nur ewige Nacht. Es ist also die Aufgabe des Autors darzulegen, wie dieses schreckliche Ende vermieden werden kann.

_Handlung_

Gott Odin schickt einen seiner persönlichen Wölfe los, auf dass er einen bestimmten Mann suche …

|Gotthelm|

Harald Schmetteraxt ist gerade mal 18 Jahre alt, als er einem Gott begegnet. Der Junge hat als Norweger in Irland gekämpft, geplündert, aber nie vergewaltigt. Und er hat sogar Wehrlose verschont. Man nennt ihn spöttisch den Unschuldigen. Auf dem Rückweg von der Schlacht zum befestigten Dorf seines Vaters an der Küste begegnet er dem Krieger Gotthelm, der aus dem irischen Süden stammt.

Gotthelm trägt einen Zauberhelm: Auf dessen Oberfläche sind Kampfszenen dargestellt, die zu Anfang sieben tödliche Begegnungen zeigten, doch nun sind es nur noch zwei. „Dies“, sagt Gotthelm, „sind die möglichen Tode, die ich sterben werde. Ich weiß also schon im Voraus Bescheid, wenn es gefährlich wird. Ein Zauberer hat mich mit diesem Helm entlohnt.“ Die nächste Szene zeigt einen Bären und einen Wolf …

|Das Dorf|

Zusammen ziehen sie nach Hause, wo Haralds Verlobte Elena bereits auf ihn wartet. Er kann es kaum erwarten, ihren weichen Körper an sich zu drücken. Vor der väterlichen Festung liegt das Dorf, in dem Harald geradezu aufgewachsen ist, bei Freunden des Vaters. Dieses Dorf findet er nun verwüstet vor, sämtliche Bewohner auf grausamste Weise erschlagen. Da wird er beschossen.

Der Schütze stellt sich als ein sterbender Berserker heraus. Berserker sind ungeheuer stark und haben sich dem Totem des Bären geweiht. Viele von ihnen tragen deshalb Bärenschädel anstelle eines Helms. Als Infanterie sind sie von größter Wirkung auf den gegner, denn nichts scheint ihnen etwas anhaben zu können. Noch im Sterben verwundet der Berserker Gotthelm schwer am Oberschenkel.

|Die Berserker|

In der Festung des Vaters herrscht eine seltsam angespannte Atmosphäre. Nicht einmal das Wiedersehen mit Vater und Elena, die sich um Gotthelm kümmern soll, kann Harald davon ablenken. Bald findet er die Ursache heraus: Die so harmlos und stillwirkenden Fremden am Lagerfeuer vor der großen Halle sind Berserker! Wie konnte sie sein Vater nur hereinlassen? In einer Geste der Herausforderung wirft er ihnen den Kopf ihres Kampfgefährten aus dem Dorf vor die Füße. Sie geraten sofort in Aufruhr, doch halten sie an sich. Aber wie lange noch?

|Der Gott|

Harald und sein Vater feiern gerade mit viel Ale seine Rückkehr, als die Berserker bewaffnet die Halle betreten. Mit Schwertern und Äxten gehen sie ohne Vorwarnung auf die Trinkgesellschaft los. Harald kann hinausfliehen, doch dort wartet ein neuer Schrecken auf ihn: die turmhohe Gestalt eines Bären, der ihn anbrüllt, sobald er ihn erblickt. Es handelt sich um Odin, den Gott, der schon den Wolf ausgesandt hat. Ein Schlag der Pranke streckt Harald nieder …

|Der Fluch|

In Walhalla treten die Berserker vor den Dämonengott Odin und fordern von ihm Haralds Bestrafung: Er soll einer von ihnen werden. Odin gewährt den Wunsch nur unter der Bedingung, dass ein entsprechendes Opfer akzeptabel sein müsse, sonst seien sie selbst fällig. Und so geschieht es, dass Harald in der Festung seines Vaters erwacht und ein fremder geist ihn erfüllt: Es ist der Geist des Bären, der den Berserkern ihren Blutdurst, ihre Stärke und Unverwundbarkeit verleiht.

Doch wer soll dafür geopfert werden? Ist es etwa Sigurd Gotthelm oder gar Elena?

_Mein Eindruck_

Anno 1977 schrieb der 1984 mit dem World Fantasy Award ausgezeichnete Autor Holdstock noch unter dem Pseudonym „Chris Carlsen“ die Berserker-Trilogie. Der Verlag war der gleiche, der auch die Serie über CONAN, den Barbaren veröffentlichte, und zwar von illustren Autoren wie Robert E. Howard (Conans Schöpfer), Lyon Sprague deCamp und Robert Jordan. CONAN gehört dem „Sword & Sorcery“-Genre an, sodass der Leser nicht nur brutale Action, sondern auch jede Menge Hexerei und Dämonen erwarten darf.

Das ist auch in der Berserker-Saga der Fall. Allerdings gibt es einen bedeutenden Unterschied zu CONAN: Der Schauplatz ist historisch und die nordische Mythologie ist es ebenfalls. Der Schauplatz reicht von den Fjorden in Haralds Heimat Norwegen bis zu den Kriegsschauplätzen im östlichen Irland, sogar bis Britannien und Kaledonien (Schottland).

Offensichtlich hatte sich der Autor entsprechend kundig gemacht. Denn nicht nur gehören stimmige Hintergrunddetails zu diesen Gegenden und ihren Bewohnern zum Inventar der Handlung. Das beste Kapitel des Romans überhaupt spielt an einem ganz besonders bekannten Ort Irlands: im Tal des Flusses Boyne, wo die alten Königsgräber von Tara und Newgrange liegen.

Der Eingang zum 1977 bekannten Königsgrab (es gab ja später weitere Ausgrabungen, die der Autor dann für „Erdwind“ berücksichtigte) ist tatsächlich, wie der Autor ihn beschreibt, mit Spiralen, Triskeln und Zirkeln verziert, wie ein Foto von 1912 beweist, das ich in Chris Squires Buch „Mythology of the Celtic people“ (1912) gefunden habe. Die Spiralen sind keltische Ornamente, die an heiligen Orten zu finden sind. In „Erdwind“ sind sie der Erdmagie geweiht und entfalten einen eigenen Zauber, und auch in der Novelle „Earth and Stone“ (1980) spielen sie eine zentrale Rolle.

|Deirdre von den Flammen|

Daher eignen sie sich bestens, um jenen Ort zu bezeichnen, der nach der Schlacht von Wikingern und Berserkern gegen die irischen Kelten zu einem Wendepunkt für Haralds Schicksal wird. Die Kelten haben nur gewonnen, weil ihnen eine Hexe beistand. Dieser Hexe folgt Harald nun in ihr Versteck – eben in jene Höhle, die heute Königsgräber birgt. Dort wartet Deidre von den Flammen bereits auf ihn.

Deidre ist eine junge Frau, die den Eindringling mit der Schönheit ihres kaum verhüllten Körpers in eine tödliche Falle locken will. Doch Harald unterwirft sich ihrer Gnade, weil er um Erlösung von dem Fluch bittet, unter dem er leidet. Er ist ja bekanntlich vom Geist eines wilden Bären besessen, der nach Blut dürstet und dessen Blutrausch bereits Elena, Haralds Geliebte, zum Opfer gefallen ist: Harald vergewaltigte sie. Seitdem verabscheut er den zweiten Geist in seiner Seele und will ihn loswerden.

Wie sich zu seiner Überraschung herausstellt, ist auch Deidre eine Verfluchte. Weil sie sich mit einem anderen als mit ihrem Verlobten einließ und davonging, verfluchte dieser sie, ewig einsam ihr Dasein zu fristen, bis jemand käme, „der weniger als sterblich ist“. Und das ist nun genau mit Harald der Fall, denn Haralds Seele (Körper sind lediglich Hüllen) ist bekanntlich nur die HÄLFTE seines Wesens, die andere gehört dem Bären.

Zum Dank für die Erlösung gewährt Deidre (ein Name, der in irischen Sagen immer Unglück bringt) Harald nicht nur eine unvergessliche Liebesnacht, sondern auch zwei wertvolle Hilfsmittel: die Wegbeschreibung zum Zauberer, der den Fluch aufheben könnte, und einen Zauberdolch, der mit einem magischen Bild als eine Art Kompass zu eben jenen Bergen dienen kann.

|Action|

Ansonsten bietet der Roman eine Menge blutige Action, die eines CONAN durchaus würdig ist. Insbesondere die Schlacht der Wikinger und Berserker gegen die Kelten unter Deidre ist sehr detailliert geschildert. Weniger gefiel mir hingegen die Vergewaltigung Elenas und zahlreicher anderer unschuldiger Opfer, die dem Bären in Harald zum Opfer fallen – oder seinen Widersachern, den anderen Berserkern.

Der Höhepunkt dieser Konfrontation ist der Kampf in Urlsgarde, seinem Heimatdorf, wo Harald Elena wahnsinnig vorfindet und Sigurd und seinen Vater im Sterben liegend. Hier enden alle Dinge, wie es scheint, doch dem ist nicht so. Für Überraschungen ist gesorgt …

_Die Übersetzung _

Ich habe schon viele miese Übersetzungen gelesen (vgl. „Schmiede Gottes“, aber die von Doris Heeger schießt den Vogel ab. Angefangen von fehlenden Buchstaben und fehlende bzw. überflüssige Kommata über falsche Endungen und stilistisch zweifelhaften Ausdrücken bis hin zu falsch gesetzten Wörtern („Schwert“ statt „Schild“ im Finale) wird dem Leser hier die ganze Palette von möglichen Fehlern zugemutet. Eine Liste würde von hier bis zum Mond reichen, sodass ich lieber darauf verzichte.

_Unterm Strich_

Dieser Fantasyroman taugt nur etwas für absolute Hardcore-Fans von Conan, dem Barbaren. Nicht einmal historisch Interessierte dürften den ungenauen Ortsbeschreibungen etwas abgewinnen können. Doch für Anhänger von „Sword & Sorcery“ ist die Geschichte ein gefundenes Fressen.

Sie wartet mit einer Menge Action, viel Hexerei und Dämonie (Odin) sowie einem guten Schuss Sinnlichkeit auf. Weniger witzig ist die knappe Schilderung von Elenas Vergewaltigung, die Harald unter dem Zwang der Bärenseele begeht, von der er durch Odins Fluch besessen ist.

Ab der Mitte wird die Tragödie von Haralds Schicksal sehr deutlich gemacht, doch er findet in Deidre eine Schicksalsgenossin, die ihm auf dem Weg zur Erlösung hilft. Weil aber Haralds Seele weiterwandern muss, wird er zu einem Kollegen des Ewigen Helden, den bekanntlich Michael Moorcock erfand: Elric, Hawkmoon, Corum und wie sie alle heißen – ihnen sei Harald an die Seite gestellt. Und genau wie die Romane über diese Gestalten – jeder maximal 200 Seiten lang – sollte man auch die „Berserker“-Saga keineswegs auf die Goldwaage legen, ganz im Gegenteil.

|Taschenbuch: 203 Seiten
Originaltitel: The Shadow of the Wolf (1977)
Aus dem Englischen von Doris Heeger
ISBN-13: 978-3404200320|
[www.luebbe.de]http://www.luebbe.de

_Robert Holdstock bei |Buchwurm.info|:_
[„Gate of Ivory“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1422
[„The Bone Forest (Mythago Wood 3)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4088
[„Mythenwald“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4139
[„The Hollowing“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4161
[„Tallis im Mythenwald“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4211
[„The Fetch“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4550
[„Erdwind“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4558

China Miéville – Die Stadt & Die Stadt

China Miéville ist von Städten gefangen, vereinnahmt … ja fast hypnotisiert, so scheint es, wenn man sich durch seine Bibliografie liest. Immer neue Facetten entdeckt er und verarbeitet sie in den unterschiedlichsten, teils wunderbar abgefahrenen Romanen, denken wir nur an London, in das er bereits mehrfach seine Geschichten verfrachtete (zum Beispiel „König Ratte“ oder „Un Lon Dun“). Dort wird der im Sommer 2011 bei Lübbe erscheinende Roman „Der Krake“ ebenfalls angesiedelt sein und Miévilles Städten eine neue dunkle Seite hinzufügen.

Seine absonderlichste, brutalste, farbenprächtigste und dabei genialste Schöpfung ist New Crobuzon, die Hauptstadt seiner fiktiven Welt Bas Lag und wundervoll zu erleben in „Perdido Street Station“. Mit dem vorliegenden Roman entwirft er eine ebenso abstruse wie faszinierende Stadtschmelze, die beiden Städte Beszél und Ul Quoma, die sich durchdringen, teilweise aus identischen Straßen bestehen und doch unterschiedlicher nicht sein könnten …

Der Polizeiinspektor Borlú aus Beszél wird mit einem Mordfall betraut, bei dem es sich um eine junge, hübsche und unbekannte Frau handelt. Seine Recherche führt zu einem ungesetzlichen Telefonat mit einem Mann aus Ul Quoma, wo dieser zugibt, über die Grenze hinweg Plakate der Frau gesehen zu haben und sie zu erkennen – eindeutig Grenzbruch, das schwerste Verbrechen in den Städten, doch gibt es den ersten Hinweis auf die Herkunft der Frau. Borlú vermutet ein grenzüberschreitendes Verbrechen unter Grenzbruch und versucht, die Ermittlungen an die über-/zwischengeordnete Macht Ahndung abzugeben, die die Grenze zwischen den Städten bewacht und aufrecht erhält, indem sie Grenzbrecher grundsätzlich und radikal bestraft.

Plötzlich tauchen jedoch Videoaufnahmen auf, die den Grenzbruch ausschließen und damit wieder Borlú und seinen Ul Quoma’schen Kollegen Dhatt zu den verantwortlichen Ermittlern machen. Borlús Misstrauen ist geweckt, er scheint mit seinem Vorgehen einem größeren Verbrechen auf der Spur zu sein, als es bisher den Anschein machte. Was er schließlich entdeckt, sprengt all seine Vorstellungen; hier geht es um Dinge, die das sensible Gleichgewicht der Städte aushebeln und zum absoluten Chaos führen können, und das zwischen Macht- und Geldgier, dem Streben nach Anerkennung und der fanatischen Suche nach einer unsichtbaren dritten Stadt

Was sich in der einfachen Inhaltsangabe wie ein recht unspektakulärer Krimi anhört, liest sich mit einem ganz anderen Schwerpunkt. Wie bei dem Titel nicht anders zu erwarten, liegt die Stadt im Mittelpunkt des schöpferischen Interesses. Borlús Ermittlungen führen den Leser kreuz und quer durch die Städte und konfrontieren ihn immer wieder mit den absurdesten und faszinierendsten Situationen, die eine solche Stadtstaatenkonstruktion mit sich bringen würde. Anfangs glaubt man noch an eine irgendwie geartete phantastische zweite Stadt, die die reale Stadt hin und wieder überlagert oder nur manchen ausgewählten Menschen Zutritt gewährt, doch weit gefehlt.

Beszél und Ul Quoma sind zwei Städte auf einem Terrain. Man nehme sich eine beliebige Stadt (für die Vorstellung vorzugsweise eine, die man kennt) und teile sie folgendermaßen: Das Zentrum mit seinen Parks, Marktplätzen, Straßen und Gassen gehört zu beiden Städten und wird als „deckungsgleich“ bezeichnet. Je weiter man nach außen kommt, desto seltener werden die sogenannten Deckungsgleichen und desto mehr Stadtteile werden „total“ einer Stadt zugeordnet. Und die Trennung der beiden besteht ausschließlich in der Psyche der Bewohner: Quomani leben nur in ihren Bereichen, sehen nur ihre Landsleute und Fahrzeuge und Häuser und Straßen, während die Besz genichtsehen werden, wie auch ihre Fahrzeuge, Kneipen, Straßenbahnen, Autos und Häuser … Das Nichtsehen ist dabei der Knackpunkt: Von Kindesbeinen an lernen die Bewohner, sich auf bestimmte Arten zu bewegen, zu kleiden, bestimmte Farben zu meiden und alle anders charakterisierten Details zu nichtsehen. Das ist weit mehr als es nicht zu beachten, es ist ein psychischer Prozess, bei dem die Aspekte weitgehend aus dem Wahrnehmungsspektrum ausgeschlossen werden. Im Straßenverkehr auf Deckungsgleichen ist das besonders interessant …

Diese Konstruktion ist es, die Miéville in den faszinierendsten Farben beleuchtet und ein unglaubliches, weil eigentlich unvorstellbares Bild dieser speziellen Stadt vor den Leseraugen ausbreitet. Die möglichen Konflikte bieten seiner Geschichte dabei Ansatzpunkte, ebenso wie die spezielle Art, die Grenze zu überschreiten: Es gibt ein Gebäude in der Stadt, das von beiden Seiten durchfahren werden kann und als Grenzübergang fungiert. Unvorstellbar, dass jemand, der eben noch die Gerüche der quomanischen Kaffees genichtrochen hat und sie, sobald er die Grenze durchschritten hat, in ihrem vollen Aroma wahrnimmt, ebenso wie alles andere auf dieser Seite der Stadt.

Unvorstellbar, dass sich jemand an diese Zustände halten würde, doch auch dafür hat Miéville eine Lösung: Eine annähernd allmächtige Zuständigkeit in Form der Organisation Ahndung, die jeden Grenzbruch (also zum Beispiel, wenn ein Besz ohne Umweg über das Grenzgebäude in eine total in Ul Quoma liegende Straße geht oder, weniger offensichtlich, ein Quomani einen Gegenstand in einer deckungsgleichen Gegend ablegt und ein Besz ihn an sich nimmt) unnachgiebig und radikal ahndet.

Die Geschichte an sich ist eine durchaus spannende, unterhaltsame und wendungsreiche Ermittlungsgeschichte, deren Auflösung sich aber nicht einfach auf eine Kriminalgeschichte beschränkt, sondern eng verwoben mit den besonderen Zuständen der Stadt ein unausweichliches und anspruchsvolles Gesamtbild hinterlässt. Man kann das teilweise skurrile Flair und das Charisma der Schöpfung kaum beschreiben, und so bleibt als einzige Möglichkeit die uneingeschränkte Leseempfehlung!

Taschenbuch: 428 Seiten
Originaltitel: The City & The City
Deutsch von Eva Bauche-Eppers
ISBN-13: 978-3404243938

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)


 

Mike Resnick – Wilson Cole 5: Flaggschiff

_|Wilson Cole|:_

Band 1: [„Die Meuterer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5304
Band 2: [„Die Piraten“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5589
Band 3: [„Die Söldner“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6167
Band 4: [„Die Rebellen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6278
Band 5: [„Flaggschiff“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6944

_Rehabilitiert! Der Pirat mischt die Republik auf_

Rund 3000 Jahre in der Zukunft (im Jahr 4875) führt die Republik der Menschen Krieg gegen die Teroni- Föderation. Der Offizier Wilson Cole hat Befehle missachtet – und damit Millionen von Menschen das Leben gerettet. Trotzdem soll er sich vor dem Kriegsgericht verantworten. Mit seinem Schiff „Theodore Roosevelt“ flieht Cole in die gesetzlosen Gebiete der Galaxis, an die Innere Grenze zur Teroni-Föderation. Sein Plan ist einfach: Piraterie! Doch Cole stellt fest, dass er zwar ein guter Soldat, aber ein lausiger Pirat ist. Nach der Nachhilfe bei den Profis verdingt er sich als Söldner. Schließlich kommandiert er eine eigene Flotte von rund 50 Schiffen, meidet aber die Regierungsstreitmacht nach Möglichkeit.

Nun steht ein Krieg bevor. Die „Theodore Roosevelt“ bereitet sich unter Coles Kommando darauf vor, in die Republik vorzudringen, ist den Feindschiffen aber hoffnunslos unterlegen. Coles Strategie lautet daher: Jedes Gefecht vermeiden. Bald erkennt er, dass er bis nach Deluros VIII vorstoßen muss, der Hauptwelt der Republik. Doch eine neue Gefahr lauert zwischen den Sternen, und auf diese sind Cole und seine Crew nicht vorbereitet … (abgewandelte Verlagsinfo)

_Der Autor_

Mike Resnick wurde am 5. März 1942 in Chicago geboren. Bereits mit 15 veröffentlichte er seinen ersten Artikel, mit 17 seine erste Kurzgeschichte und mit 20 seinen ersten Roman. Inzwischen hat er mehr als 250 Bücher veröffentlicht. Er zählt zum Urgestein der SF und Fantasy und hat im Lauf seiner Schriftstellerkarriere alle international begehrten Genre-Preise gewonnen, darunter seit 1989 allein fünfmal den HUGO Award (für den er weitere 27-mal nominiert war). Er gilt als einer der fleißigsten Autoren der Szene und ist auch als Herausgeber sehr aktiv. Seine Werke wurden bisher in 20 Sprachen übersetzt. Da sich bei ihm alles ums Buch dreht, verwundert es nicht, dass auch seine Frau Carol Schriftstellerin ist – wie auch seine Tochter Laura, die bereits ihre ersten SF/Fantasy-Preise gewonnen hat.

Auf Deutsch erschienen unter anderem:

– [„Elfenbein“ (1988; Heyne, 1995)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6462
– „Einhornpirsch“ (1987; Heyne 1997; siehe meinen Bericht)
– „Santiago“ (1987, Heyne 1993)
– „Walpurgis III“ (Knaur, 1986)
– „Das Zeitalter der Sterne“ (Knaur, 1985, „Birthright“)
– „Die größte Show im ganzen Kosmos“ 1-4 (Goldmann 1984/85)
– „Herr der bösen Wünsche (Bastei-Lübbe, 1984)

Der |Starship|-Zyklus:
– „Die Meuterer“ („Starship: Mutiny“)
– „Die Piraten“ („Starship: Pirate“)
– „Die Söldner“ (Starship: Mercenary)
– „Die Rebellen“ (Starship: Rebel)
– _“Flaggschiff“_ (Starship: Flagship)

_Handlung_

Die Schlacht um die Station Singapur ist vorüber. Sie war sehr verlustreich, doch die Rebellen an der Inneren Grenze haben den Angriff der Republik abgewehrt. Nur wenig später sieht sich Wilson Cole mit seinem Schlachtschiff „Theodore Roosevelt“ jedoch einer weiteren Streitmacht der Republik gegenüber. Diesen 800 Schiffen hat er nichts entgegenzusetzen. Ein strategischer Rückzug ist angebracht. Auch der Platinherzog, sein Gönner, kommt mit an Bord, ebenso der Alien-Hehler, der sich „David Copperfield“ nennt und den göttlichen Charles Dickens verehrt.

Durch ein Wurmloch nach dem anderen weiß Cole sich dem Zugriff der Republik zu entziehen. Durch geschickte Propaganda verbreitet er Misstrauen innerhalb der Sternenflotte der Republik und gegenüber den unterworfenen Völkern. Leider sind schon bald schwere Übergriffe zu beklagen: Wer sich nicht rechtzeitig identifiziert, wird zu Staub zerblasen. Die Republik zeigt auch gegenüber den Vasallen keine Gnade und macht sich so ganze Sternsysteme zu Feinden.

Als der Oktopus, ein Partner Coles, von der Flotte gefangengenommen wird, muss Cole einen drastischen Schritt unternehmen: Entweder entlockt er einem gefangenen Flottenangehörigen die relevanten Informationen oder der Oktopus und 80 seiner Leute werden hingerichtet. Es kommt zu zwei befehlsverweigerungen, doch schließlich erhält Cole die Informationen und kann mit einer listigen Täuschung den Oktopus samt Crew befreien. Er gibt ihm ein Frachtschiff, um wieder auf Kaperfahrt zu gehen.

Fortan sammelt Cole weitere Ressourcen auf Welten, die abtrünnig geworden sind. Doch das alles sind nur Stützungsmaßnahmen für den eigentlichen Coup: In seiner kühnsten Aktion als „Trojanisches Pferd“ lässt er sich von einem gekaperten Schlachtschiff „gefangen nehmen“ und zur Zentralwelt der Republik bringen, wo ihm bereits der Premierminister eine „faire Hinrichtung“ versprochen hat. Doch besagter Premierminister wird eine böse Überraschung erleben, sobald Cole erst einmal vor ihm steht …

_Mein Eindruck_

Dieser Vorstoß ins Herz der Republik ist natürlich der älteste Trick im Buch: Schon Homer wusste vom Trojanischen Pferd zu berichten. Aber der Trick zeigt, welche Art von „Held“ Wilson Cole ist – gar keiner, sondern vielmehr ein Pragmatiker, der die Kunst des Möglichen betreibt. Und das ist die Definition eines Poliitikers. Diese Definition würde er jedoch weit von sich weisen. Ganz einfach aus dem Grund, weil es ihm lediglich um zwei Ziele geht: seine Haut zu retten (und die seiner Lieben) sowie der Republik ein neues, menschenfreundliches Gesicht zu geben. Dummerweise kann er das eine nicht ohne das andere haben.

|Das Gewissen|

Sharon Blacksmith, seine Sicherheitsoffizierin an Bord der „Teddy R“ und seine Primärgeliebte, spielt sein Gewissen. Sie darf ihm Fragen stellen, die er bei niemandem sonst beantworten würde. So auch die entscheidende Frage, bei der es um die wichtigste ethische Frage des ganzen Buches geht (und auf die der Autor in seinem ANHANG Nr. 5 gesondert eingeht, siehe unten). Die Frage nämlich, ob man foltern darf, und wenn ja, unter welchen Bedingungen.

|Folter oder Verhör?|

Diese Frage hatte für die amerikanischen Leser (und für aufmerksame US-Beobachter im Ausland) eine aktuelle Bedeutung: Unter George W. Bush war die Foltermethode des Waterboardings ausdrücklich zugelassen. Resnick stellt infrage, dass es sich überhaupt um Folter gehandelt habe, denn niemand sei dabei zu Schaden gekommen. Das möchte ich doch stark bezweifeln. Er hat jedoch ein starkes Argument für die Anwendung dieser „Verhörmethode“, wie er es nennt: Damit wurde ein potenziell verheerender Anschlag auf Los Angeles aufgedeckt. Von diesem Anschlagsplan habe ich noch nie etwas gehört, was für die Effizienz der amerikanischen Vertuschungsmethoden spricht.

|Krieg oder Frieden|

Die Republik führt sich in ihrem Imperium, das von vier Kriegen charakterisiert wird, auf wie der Diktator und Despot, den wir vom Faschismus und Totalitarismus (Hitler, Stalin, Mussolini, Franco) gewohnt sind. Ausbeutung, Unterdrückung, Rechtslosigkeit sind an der Tagesordnung. Es gehört zu Coles zweitem Ziel, diesen Despotismus, der seinen Freund Forrice mutwillig hinrichtete, zu beenden. Er will die Republik reformieren. Leichter gesagt als getan. Denn die erste Frage, die man ihm stellt: „Wollen Sie an die Stelle des Premierministers treten? Geht es auch Ihnen um Macht, Captain?“

Dieser Verdacht liegt natürlich nahe. Doch Cole weist die Unterstellung weit von sich. Er will nur sein eigenes Leben (und das seiner Lieben) selbst bestimmen können. Das geht aber nicht, wenn ständig gegen aufmüpfige Dissidenten Krieg geführt wird. Und die vier Kriege sollten ebenfalls beendet werden, führen sie doch nur zu Blutvergießen und Ausbeutung der Ressourcen. Dass Frieden mit dem Feind möglich ist, demonstriert er sogleich: Sein Erster Offizier auf der „Teddy R“ ist ein Teroni, ein Alien, mit dessen Rasse der Rest der Republik Krieg führt.

|Der Anhang|

Der „Birthright“-Zyklus, dessen Chronologie mehrere Seiten umfasst und in den ersten COLE-Bänden vorgestellt wurde, umfasst nicht nur den fünfteiligen „Wilson Cole“-Zyklus, sondern auch viele Einzelromane wie etwa „Elfenbein“, „Santiago“ und „Kirinyaga“ (siehe meinen Bericht). Alle dazugehörigen Werke, egal ob Roman oder Story, werden in eine zusammenhängende Chronologie gestellt. „Flaggschiff“ etwa spielt ca. im Jahr 1970 GE, was dem Jahr 2908+1970 = 4878 AD entspricht. Diese Chronologie spielt im SONG eine Rolle, der als Anhang 6 zu finden ist.

Anhang 4 (Anhänge 1-3 sind in Band 4 zu finden) wird von einer kurzen Abhandlung über Wurmlöcher bestritten. Gibt es sie oder sind sie bloß poetische Erfindung? Nun, zumindest gibt es sie theoretisch, seit 1921 ein deutscher Mathematiker namens Weyl sie postulierte, Albert Einstein und Alfred Rosen die „Einstein-Rosen-Brücken“ erfanden und 1959 diese Theorie ausgebaut wurde. Voilà, le „Wurmloch“.

Der Angang 5 ist der Ethik Wilson Coles gewidmet. Dabei stellt der Autor dar, welche knifflige ethische Frage für jeden einzelnen Band zu beantworten war. In Band 1 war es für Cole beispielsweise moralisch nicht zu rechtfertigen, acht Millionen Menschen für einen Treibstoffvorrat zu opfern, der nicht in die Hand des Feindes fallen sollte. Und so weiter. Dieser handlungsphilosophische Gehalt ist es, der für mich diese fünf Bände aus der Masse der Militär-SF heraushebt. Und natürlich der Humor.

|Die Übersetzung|

Thomas Schichtel war nicht besonders beansprucht, hat aber seine Sache gut gemacht. Besonders aufgefallen ist mir, dass er genau zwischen „ich denke, dass“ und „ich glaube, dass“ unterscheidet. In vielen Übersetzungen wird beides synonym verwendet, aber das läuft auf eine Täuschung des Lesers hinaus. Das Denken ist ein mentaler Akt und drückt eine Meinung aus. Das Glauben ist ein gefühlsmäßiger, meist irrationaler Akt und drückt eine innere Einstellung aus, die sich selten rational begründen lässt. Dazwischen können Welten liegen. Wir können aber davon ausgehen, dass ein routinierter Autor wie Resnick genau zu unterscheiden weiß, was ein Denk- und was ein Glaubensakt ist.

Der Text ist bemerkenswert frei von Druck- und Flüchtigkeitsfehlern. Das erleichterte die Lektüre ungemein.

_Unterm Strich_

Wer am Anfang dieses Abschlussbandes der Reihe denkt, Cole könnte es nie schaffen, die Sternenflotte der Republik, die rund 3,4 Mio. Schiffe zählt, zu überwältigen und schließlich sogar anzuführen, wird im Finale eines Besseren belehrt. Der Angriff auf die Zentralwelt der Republik kommt aus dem Nichts und trifft Coles Gefährten im Augenblick ihres größten Triumphs: der Gefangennahme des Premierministers. Nun muss Coles Schiff den Gegenangriff einleiten – daher ist der Titel „Flaggschiff“ durchaus gerechtfertigt. Dass er seinen Ruf als militärisches Genie – und aufmüpfiger Querdenker – nichts umsonst hat, belegt er in der finalen Raumschlacht, die den Höhepunkt dieses Bandes bildet (ähnlich wie schon in Band 4).

|Etwas für jeden|

Leser, die sich an schneller Action im Weltraum erfreuen, kommen hier ebenso auf ihre Kosten wie Leser, die den ironischen Humor der Hauptfigur einfach vergnüglich finden. Dazu gehöre beispielsweise ich, aber mich interessierte auch die Art und Weise, wie Cole ethische Dilemmata anpackt und löst. Im Anhang erläutert der Autor, dass jeder Band dieses Zyklus ein solches ethisches Problem aufgreift, erörtert und verarbeitet. Selten entspricht die Lösung den Erwartungen des Lesers, so auch hier. Dass Resnick die Methode des „Waterboardings“ als unter gewissen Umständen gerechtfertigt betrachtet, finde ich nicht so witzig.

„Flaggschiff“ ist der spannend und flott zu lesende Abschluss einer herausragenden Serie von Weltraumabenteuern. Auch Afrika taucht wieder auf, ganz besonders Resnicks geliebtes Kenia (mit „Nyerere“ und anderen Namen). Ich bin gespannt, ob Bastei-Lübbe auch die anderen Zyklen dieses höchst produktiven Autors veröffentlicht.

Fazit: vier von fünf Sternen.

|Taschenbuch: 365 Seiten
Originaltitel: Starship: Flagship (2009)
Aus dem US-Englischen von Thomas Schichtel
ISBN-13: 978-3404233502|
[www.luebbe.de]http://www.luebbe.de
[Autorenhomepage]http://www.fortunecity.com/tattooine/farmer/2/