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George R. R. Martin – Das Erbe von Winterfell (Das Lied von Eis und Feuer 2)

Das Lied von Eis und Feuer (überarbeitete Neuauflage):

01 „Die Herren von Winterfell“
02 „Das Erbe von Winterfell“
03 „Der Thron der Sieben Königreiche“
04 „Die Saat des goldenen Löwen“
05 „Sturm der Schwerter“
06 „Die Königin der Drachen“
07 „Zeit der Krähen“
08 „Die dunkle Königin“
09 „Der Sohn des Greifen“
10 „Ein Tanz mit Drachen“

Im Original:

01 „A Game of Thrones“
02 „A Clash of Kings“
03 „A Storm of Swords“
04 „A Feast for Crows“
05 „A Dance with Dragons“
06 „The Winds of Winter“
07 „A Dream of Spring“

Die Handlung:

Eddard Stark, der Lord von Winterfell, ist dem Ruf seines Königs und alten Freundes Robert Baratheon gefolgt und hat seine kalte Heimat im hohen Norden verlassen, um als Hand – als Roberts Berater und Stellvertreter – zu dienen. Eddard ist ein geradliniger, tapferer und aufrechter Mann, der sich jeder Gefahr mit dem Schwert entgegenstellen würde – doch die Ränke der Mächtigen bei Hof sind nichts, was man mit einem Schwert bekämpfen kann. Auch dann nicht, wenn man die Hand des Königs ist … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Weniger Seiten aber mehr Kapitel bietet der zweite Teil der Serie. Und wieder sind die Kapitel mit den Vornamen der Charaktere betitelt, um die es auf den folgenden Seiten gehen wird. Da dem Leser des ersten Bandes die Namen mittlerweile aber etwas sagen, fällt die Orientierung leichter und die Vorfreude, endlich zu erfahren, wie es mit ihm oder ihr weitergeht, ist groß … oder die Abneigung, je nachdem ob man dem „Team Stark“ oder „Team Lennister“ angehört.

In diesem Teil wird jede Menge gekämpft, intrigiert, beschuldigt, zu Felde gezogen, entführt und der Leser lernt die Erzählweise von George R. R. Martin erneut kennen: Gewöhne dich nicht zu sehr an einen Charakter, es könnte ihm etwas zustoßen. Und gegen Ende dieses Bandes müssen wir uns auch direkt von jemandem verabschieden, von dem wir das am Anfang des ersten Bandes sicher nicht erwartet hätten.

Aber so hält Martin die Spannung hoch. Nicht nur, dass er seine Schlachten ausführlich beschreibt, auch lässt er keinen seiner Charaktere in Sicherheit verweilen. Dies ist keine TV-Soap, in der nie einer der Hauptcharaktere sterben wird, hier kann es jeden erwischen. Vielleicht auch ein Grund, warum Martin sich so viele Figuren hat einfallen lassen, da kann er auch mal überraschend eine Hauptperson aus dem Rennen nehmen, ohne dass die Geschichte dann nicht mehr weitergehen könnte.

Und selbst die vermeintlichen Nebenschauplätze sind so interessant, dass der Leser an allen Fronten wissen will, was los ist. Daenerys Targaryen, die von ihrem Bruder mit einem „Wilden“, dem Stammesfürsten des Reitervolks, Khal Drogo, verheiratet wurde, wird irgendwann und irgendwie noch eine wichtige Rolle spielen, das spürt der Leser. Auch wenn sich ihre Wege mit keinem der anderen beschriebenen Häuser gekreuzt haben. Ihr Charakter macht die grundlegendste Entwicklung durch. Vom verschüchterten 13-jährigen zwangsverheirateten Mädchen bis hin zur selbstbewussten Anführerin. Und all das so glaubhaft beschrieben, dass der Leser es in seinem Kopfkino lebendig sehen kann.

Am Ende des Romans hat dann auch sie ihren dramatischen Auftritt und lässt die Wochen für den Neu-Leser erneut viel zu langsam vergehen, bis der nächste Band der Neuausgabe erscheint.

Geteiltes Buch ist halbes Buch

Der Verlag streitet gar nicht ab, die original Bücher geteilt zu haben und das mit der Neuausgabe auch gar nicht verändern zu wollen, im Gegenteil sind die Bücher ja nochmals durch eine großzügigere Aufteilung künstlich verlängert worden, um damit Mehreinnahmen zu erzielen.

Das ist ja nicht grundsätzlich verwerflich, kosten doch die Lizenzen für so ein bekanntes und beliebtes Werk eine Menge mehr als die Romane von eher unbekannten Autoren. Außerdem verlängert die Übersetzung vom Englischen ins Deutsche das Manuskript allein schon um ein Drittel, was auch zu Problemen führen könnte, will man die Seiten nicht komplett bedrucken oder einen Zeichensatz verwenden, den nur Brillenträger noch erkennen können.

Sicher gibt es dennoch Sonderausgaben der „Eis und Feuer“-Bücher, die den kompletten Text der geteilten Bücher enthalten, das sind dann aber auch ordentliche Ziegel, die nur angenehm im Regal anzusehen sind und schnell mal für eine Bänderdehnung im Handgelenk sorgen können, wenn man tatsächlich versucht sie zu lesen.

Die vollständig überarbeite Neuausgabe

Die Bezeichnung allein klingt schon nach „spezialgelagerter Sonderfall“. Was ist also neu, außer dem Cover, das durch seine schlichte Gestaltung edler wirkt als die Vorgängerversion?

Das merkt der Leser recht schnell (so er denn die alten Ausgaben kennt), wenn er die kartonierten Klappen öffnet, die die neu gezeichneten Kartenteile von Westeros freigeben. Hier wurde konsequent alles übersetzt, was es zu übersetzen gab. Früher hatte man sich noch Teile rausgepickt, die dann eingedeutscht wurden, hier heißt es jetzt „Weißwasserhafen“ statt „White Harbor“ und so weiter.

Auch gibts die aktuelle Rechtschreibung zu sehen, also „dass“ statt „daß“ und „Pass“ statt „Paß“. Bei den Kapitelanfängen hat der Verlag mehr Platz gelassen, was das Buch im Endeffekt noch mal um richtige viele (unnötige) Seiten länger macht.

Der Anhang wurde auch überarbeitet und durch eine Versetzung der Spiegelstriche übersichtlicher gemacht. Statt direkt mit einer Aufzählung der wichtigsten Häuser zu beginnen, gibts erstmal eine Kurzbeschreibung von Westeros und den wichtigsten Stämmen. Dann folgt die Vorstellung der Häuser in alphabetischer Reihenfolge. Dies ist eine sehr leserfreundliche Veränderung zum Vorgänger, denn grad der Neueinsteiger wird ziemlich oft im Anhang blättern (müssen), bei der Fülle an Charakteren und Häusern, die in diesem Roman zu finden sind. Auch wenn er sich sicher schon an viele der Figuren erinnern kann.

Und auch bei den Namen sowohl der Häuser als auch der Charaktere wurde die Eindeutschung weiter fortgeführt. Aus „Haus Greyjoy“ wurde „Haus Graufreud“, aus „Ser Arys Oekheart“ wurde „Ser Arys Eichenherz“ und Daenerys Targaryen heißt jetzt „Daenerys Sturmtochter“ und nicht mehr „Daenerys Stormborn“. Das kann man sicher alles gut nachvollziehen, warum aber das „Haus Lannister“ jetzt „Haus Lennister“ heißt, das erschließt sich mir nicht.

Die TV-Serie:

Im April 2011 startete die zehnteilige TV-Version des ersten Bandes „A Game of Thrones“ so erfolgreich im US-Fernsehen, dass sie direkt für eine weitere Staffel verlängert wurde. Sie orientiert sich stark am Buch (oder den ersten beiden Büchern, wenn man in Deutschland wohnt) und braucht sich weder bei Nacktheit noch bei Gewaltdarstellungen einzuschränken, da die Serie im Pay-TV läuft. Gerade das kommt bei den Fans der Serie sehr gut an.

In Deutschland wird der Sender TNT die zehn Folgen der ersten Staffel ab November 2011 zeigen … Winter is coming to Germany.

Die Dreharbeiten zur zweiten Staffel beginnen Ende Juli 2011.

Der Autor

George R. R. Martin, 1948 in Bayonne/New Jersey geboren, veröffentlichte seine ersten Kurzgeschichten im Jahr 1971 und gelangte damit in der Sciencefiction-Szene zu frühem Ruhm. Gleich mehrfach wurde ihm der renommierte Hugo Award verliehen. Danach arbeitete er in der Produktion von Fernsehserien, etwa als Dramaturg der TV-Serie „Twilight Zone“, ehe er 1996 mit einem Sensationserfolg auf die Bühne der Fantasy-Literatur zurückkehrte: Sein mehrteiliges Epos „Das Lied von Eis und Feuer“ wird einhellig als Meisterwerk gepriesen. George R. R. Martin lebt in Santa Fe, New Mexico. (Verlagsinfo)

Mein Fazit:

Dramatik und Kämpfe an allen Fronten, alle Schauplätze sind spannend beschrieben, selbst die, die noch gar nichts mit den anderen zu tun haben. Bei George R. R. Martin ist kein Charakter vor dem plötzlichen Tod sicher, so wichtig er auch zu sein scheint. Auch das trägt dazu bei, dass das Kopfkino wieder unglaublich gut unterhält.

Taschenbuch: 544 Seiten
Originaltitel: A Game of Thrones (Seite 360 – 674)
Aus dem Amerikanischen von Jörn Ingwersen
ISBN: 978-3-442-26781-1
www.randomhouse.de/blanvalet

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

George R. R. Martin – Die Herren von Winterfell (Das Lied von Eis und Feuer 1)

Das Lied von Eis und Feuer (überarbeitete Neuauflage):

01 „Die Herren von Winterfell“
02 „Das Erbe von Winterfell“
03 „Der Thron der Sieben Königreiche“
04 „Die Saat des goldenen Löwen“
05 „Sturm der Schwerter“
06 „Die Königin der Drachen“
07 „Zeit der Krähen“
08 „Die dunkle Königin“
09 „Der Sohn des Greifen“
10 „Ein Tanz mit Drachen“

Im Original:

01 „A Game of Thrones“
02 „A Clash of Kings“
03 „A Storm of Swords“
04 „A Feast for Crows“
05 „A Dance with Dragons“
06 „The Winds of Winter“
07 „A Dream of Spring“

George R. R. Martin – Die Herren von Winterfell (Das Lied von Eis und Feuer 1) weiterlesen

David Anthony Durham – Die fernen Lande (Acacia 2)

Acacia

Band 1: Macht und Verrat“
Band 2: „Die fernen Lande“

Die Mein sind besiegt, doch Aliver hat den Kampf gegen die Besatzer mit seinem Leben bezahlt. Nun sitzt Corinn auf dem Thron, und es scheint sich kaum etwas verändert zu haben, zumindest nicht zum Besseren. Das Volk, das inzwischen von seiner Abhängigkeit vom Nebel geheilt ist, murrt, und mehr als das. Corinn bleibt das nicht verborgen.

Mena ist derweil damit beschäftigt, die Nebenwirkungen des magischen Wutausbruchs der Santoth zu beseitigen. Eine ganze Reihe von Ungeheuern hat sie bereits erschlagen, doch das letzte der magisch veränderten Geschöpfe, das auf ihrer Liste steht, scheint irgendwie anders zu sein als die bisherigen …

Kelis, Alivers Jugendfreund, wird plötzlich mit der Tatsache konfrontiert, dass Aliver vor seinem Tod ein Kind gezeugt hat: Eine Tochter, die nun von den Santoth gerufen wird, und ausgerechnet Kelis wird als ihr Beschützer erwählt!

Dariel wiederum ist mit Aufbauarbeit beschäftigt. Bis Corinn ihn zusammen mit einem Vertreter der Gilde auf eine diplomatische Mission nach Westen schickt. Doch die Gilde hat nicht vergessen, dass Dariel einst ihre schwimmenden Plattformen in die Luft gejagt hat …

Dariels Reise in die Anderen Lande erweitert die Handlung um ein gutes Stück. Zum einen natürlich um eine andere Kultur. Die Auldek sind ein Volk von Kriegern, und das Töten scheint ihr einziger Lebensinhalt zu sein. Für alle anderen Tätigkeiten haben sie Sklaven. Gleichzeitig sind diese todesmutigen Kämpfer erstaunlich ängstlich: Sie fürchten sich sowohl vor dem Meer als auch vor dem Landesinneren ihres eigenen Kontinents. Nahezu das gesamte Volk der Auldek scheint sich an einem schmalen Küstenstreifen zusammenzudrängen.

Zum anderen bedeutet ein neuer Ort auch neue Charaktere: Der wichtigste ist Mór, die einst als Quotenkind in die Anderen Lande kam. Die junge Frau ist eine Anführerin des Untergrunds, misstrauisch, zornig und voller Hass auf die Familie Akaran, denen sie die Schuld an ihrer Lage gibt. Ein weiterer ist Devoth, der mächtigste der Auldek, ein Mann, der im einen Augenblick voller Begeisterung das Gemetzel bei einer Art Gladiatorenkampf beobachten und im nächsten mit einer Schar zahmer Kolibris spielen kann.

Vor allem aber stellt diese Reise eine Menge Zusammenhänge her. So erfährt der Leser endlich, was mit den Quotenkindern geschieht und was genau es mit den Numrek auf sich hat, mit denen Corinn sich verbündet hat, um Hanish Mein zu stürzen. Außerdem offenbart sie das wahre Ausmaß der Machenschaften der Gilde.

Allein die Bedrohungen durch Gilde und Auldek, die der Autor in diesem Teil der Geschichte aufbaut, drehen gehörig an der Spannungsschraube. Aber damit ist es nicht getan. Auch in Acacia tut sich einiges, was sich im Laufe der Handlung immer mehr zur Gefahr entwickelt. Dabei wirken die einzelnen Bestandteile der Entwicklung gar nicht mal so schlimm. Das Volk ist unzufrieden und plant einen Aufstand; die Gilde hat als Ersatz für den Nebel eine neue Droge entwickelt, die mit Wein vermischt unters Volk gebracht werden soll, deren Langzeitfolgen aber noch völlig unbekannt sind; das Klima hat sich verändert, sodass große Teile der Provinz Talay unter jahrelanger Dürre leiden. Das sind zwar ernste Schwierigkeiten, mit denen man aber durchaus fertig werden könnte. Die zunehmende Spannung wird weniger durch diese Einzelheiten als solche bewirkt als viel mehr dadurch, wie Corinn darauf reagiert. Denn Corinn ist nicht wirklich stark, obwohl sie ihre Unsicherheit nach außen perfekt verbirgt. Sie ist im ersten Band mehrmals verraten worden, deshalb traut sie kaum jemandem, aber auch ihr Misstrauen kann sie nicht gegen erneuten Verrat schützen. Corinn nimmt immer öfter Zuflucht zur Magie, die sie aus dem Buch von Elenet erlernt hat. Doch die Magie ist ein zweischneidiges Schwert in mehr als einer Hinsicht.

Der Handlungsteil, der in Acacia spielt, zeigt deshalb besonders gut, wie geschickt der Autor das Wechselspiel zwischen seinen Figuren und den äußeren Umständen gestaltet hat. Alles ergibt sich aus sich selbst, vollkommen fließend, ohne Hänger, logische Knicke oder ähnliches Geholper. Selbst die Verbindung der Geschehnisse von einem Kontinent zum andern ist glatt wie Seide geraten. Und natürlich hat der Autor sein Buch nicht beendet ohne ein paar vage Andeutungen, die noch einiges an Enthüllungen versprechen. Einziger Wermutstropfen: Ein paar grobe Schnitzer im Lektorat.

Damit ist „Die fernen Lande“ ein würdiger Nachfolger des bereits sehr gelungenen ersten Bandes der Acacia-Trilogie. Natürliche, glaubwürdige und interessante Charaktere verbunden mit einer spannenden, vielschichtigen und kaum vorhersehbaren Handlung füllen locker die knapp achthundert Seiten, sodass der Leser eine detaillierte Ausarbeitung des Hintergrundes überhaupt nicht vermisst. Ich bin jetzt schon gespannt auf den letzten Band. Wenn er genauso gut wird wie der Erste, nehme ich auch gerne eine weitere Wartezeit von drei Jahren in Kauf.

David Anthony Durham wurde 1969 in New York geboren, war aber viel in Europa unterwegs. Unter anderem hat er mehrere Jahre in Schottland verbracht. Neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller hat er an verschiedenen Universitäten gelehrt. Zu seinen Werken gehören außer einigen Kurzgeschichten die Romane „Gabriel’s Story“ und „Walk through Darkness“, sowie der Historienroman „Pride of Karthage“ über den zweiten punischen Krieg, von denen bisher jedoch keines ins Deutsche übersetzt wurde. Der dritte Band des Acacia-Zyklus trägt den Titel „The Sacred Band“, und ist derzeit noch in Arbeit.

Paperback, 782 Seiten
Originaltitel: Acacia 2: The Other Lands
Aus dem Amerikanischen von Tim Straetmann
ISBN-13: 978-3442267804

http://www.davidanthonydurham.com/index.html
http://www.randomhouse.de/blanvalet/index.jsp

Der Autor vergibt: (5.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Stephen M. Irwin – Der Sog

In seiner australischen Heimatstadt entdeckt der hellsichtige Nick eine mörderische, im Wald hausende Hexe; während er dieser das Handwerk legen will, wartet sie darauf, dass Nick in ihren Bannkreis gerät … – Inhaltlich und formal gelungener Horror im Stephen-King-Stil: Durchschnittsmenschen werden mit einem sehr realen Grauen konfrontiert. Die Geschichte fesselt, doch Debüt-Autor Irwin geriet an einen Lektor, der ihm zu viele Längen durchgehen ließ. Stephen M. Irwin – Der Sog weiterlesen

Brent Weeks – Jenseits der Schatten (Schatten-Trilogie 3)

Die Schatten-Trilogie:

Band 1: „Der Weg in die Schatten“
Band 2: „Am Rande der Schatten“
Band 3: „Jenseits der Schatten“

Mit „Jenseits der Schatten“, dem letzten Teil der Nachtengel-Trilogie, schließt der amerikanische Autor Brent Weeks seine Saga um den Assassinen Kylar Stern ab.

Als Schüler von Durzo Blint erreichte der noch sehr junge Kylar ein erschreckendes Talent für das Töten seiner Opfer. Und dadurch entwickelte sich ein fast schon legendärer Ruf als |Nachtengel von Cenaria|. Die Invasoren aus Khalidor konnte er retten, den brutalen und grausamen Gottkönig töten, der seine Heimat tyrannisch seinem Willen unterworfen hat.

Doch der Sieg verlangte ihn einen hohen Preis. Seinen rechten Arm hat er verloren, seine Frau Elene ist verschollen und noch dazu ist er durch die Magischen Ringe an Vi, eine ebenfalls tödliche Attentäterin, gebunden. Auch der „Wolf“ in der mystischen Schattenwelt ist alles andere als offen gegenüber dem Blutengel und jetzigen Nachtengel.

Cenaria wird regiert von einer Königin – Terah Graesin – und Logan, dem eigentlichen König Cenarias, und nun sieht sich der militärische Oberbefehlshaber aufgrund weiterer Bedrohungen durch Invasoren genötigt, schnell zu handeln. Doch in ihm sträubt sich alles dagegen, die Königin zu stürzen, um sein rechtmäßiger Erbe anzutreten.

Kylars Plan ist die einzige Chance, um vielleicht den ganzen Kontinent und die angrenzenden Länder zu retten, zumal ein khalidorischer Magier das Ziel verfolgt, die personifizierte Göttin Khali zu beschwören. Ein Alptraum, der darauf abzielt, sich selbst als Gottkönig über alle zu erheben.

Um das Land zu retten, muss Kylar seine Freundschaft zu Logan aufs Spiel setzen und sich töten lassen, aber als Unsterblicher muss er dafür einen Preis zahlen, dessen er sich zu spät bewusst wird …

Kritik

Der dritte und abschließende Roman der Schatten-Trilogie unterscheidet sich enorm von den beiden Vorgänger-Romanen. Auch wenn nun alle Geheimnisse und Fragen gelüftet werden, wird es im Laufe der Handlung, die durch und durch mit Magie versetzt ist, sehr unruhig und manchmal schwer nachvollziehbar.

Der Autor Brent Weeks übertreibt es mit seiner unglaublichen Vielzahl von Charakteren, die den sowieso schon unübersichtlichen Kontinent bevölkern. Auch hier kann man schnell den roten Faden verlieren, denn die eine oder andere Prophezeiung wirkt absolut überdreht und unangemessen.

In „Jenseits der Schatten“ konzentriert sich die Handlung meist auf Kylar und auf Logan. Mit Vi und Elene, die beide um die Liebe des Attentäters buhlen, gibt es zwar eine Nebenhandlung, doch auch hier steht sie parallel zu der des Nachfolgers des Gottkönigs Dorian, der versucht, Khalidor zu schützen, und auch so manches Urteil fällt, von dem er früher zutiefst glaubte, es wäre Unrecht.

Totgeglaubte leben länger! Ein Sprichwort, das sich hier auch gleich manifestiert, denn Durzo Blint, der Meister und Ziehvater Kylars, lebt. Nach ein paar Jahrhunderten der Kämpfe und der politischen Verwicklungen und Leben, die er führen musste, ist er „müde“ geworden und möchte an der Seite von Momo K. und seiner Tochter „alt“ werden. Doch wie auch bei Kylar, kann er sich seinem Schicksal nicht entziehen.

Ein großer Kritikpunkt sind die magischen Elemente. Hier wird munter verzaubert, verflucht, beschworen, verhext, und auch so manches übernatürliche Wesen und einige doch recht muntere Untote versammeln sich zu einem Showdown, der zwar explosiv verläuft, aber deutlich über die Grenzen der beiden ersten Romane hinausgeht.

Auch wenn es sich hier um das Genre Fantasy handelt, wird die Handlung dann leider allzu phantastisch. Doch es gibt auch Momentaufnahmen, die fabelhaft und wirklich großartig erzählt werden. Gerade die Freundschaft zwischen Kylar und Logan – dieser Bruch ist eine der einfühlsamsten und dramatischsten Szenen, die ich je gelesen habe.

Und wenn wir gerade von Dramatik sprechen: Kylars Unsterblichkeit ist mehr Fluch als Segen, und sein Opfer wird den Leser manches Mal schlucken lassen oder gar zu Tränen rühren. Solche Sensibilität hätte ich dem Autor Brent Weeks nicht zugetraut, erzählt er doch die Geschichte eines Berufsmörders, auch wenn dieser eigentlich ein recht guter Kerl ist.

Erfrischende Momente präsentiert uns Vi, ebenfalls eine tragische, geläuterte Figur mit ebenfalls mächtigem, magischem Potenzial. Hinter Klostermauern, und dann noch bei der Unterrichtung von Zaubern, ist ihr nicht wirklich wohl. Sie sehnt sich nach Kylar, in den sie sich auch ohne die magisch bindenden Ringe verliebt hat. Als Elene später noch im gleichen Kloster einquartiert wird, ist das Liebeschaos perfekt.

Dramatisch und vor allem actionreich geht es zu, wenn sich auf dem Schlachtfeld die verschiedenen Staaten mit ihren Armeen einfinden. Hier haben alle Beteiligten ein Wörtchen mitzureden, und neben viel Zauber wird natürlich auch mit konventionellen Waffen gekämpft.

„Jenseits der Schatten“ von Brent Weeks lebt von einer konzentrierten und schweren Tragik. Kylar und Durzo, nein, eigentlich jeder der Charaktere muss Opfer bringen, manche schweren Herzens. Andere hingegen verschreiben sich einer Sache, die größer und wichtiger ist als sie selbst.

Das ist genau der Mittelpunkt und die Botschaft der Geschichte, die Brent Weeks hervorragend vermittelt. Manchmal zwischen den Zeilen, manchmal kann man nur interpretieren oder Vermutungen anstellen. Doch hier dreht sich am Ende alles um Liebe, Vertrauen und darum, dass das eigene Schicksal, gemessen an den vielen anderen Leben, ein Staubkorn im Wind sein kann, der Flügelschlag eines Schmetterlings, der einen Orkan auslösen kann.

Fazit

Trotz der übertriebenen magischen Momente in „Jenseits der Schatten“ ist der vorliegende Roman absolut zu empfehlen.

Die ganze Schatten-Trilogie, wie sie untertitelt ist, übertrifft die Erwartungen und reiht sich als Perle in die Reihe aktueller Fantasyromane ein.

Brent Weeks erschuf mit Kylar und Durzo Charaktere, die man gerne wiedersehen möchte und an deren Schicksal man aktiv teilnimmt. Hier wird getötet, geopfert, geliebt, es werden Fehler begangen und großartige Ziele verfolgt. Und wenn eine Saga Helden hervorbringt, die menschlicher nicht sein können, dann ist dies genau hier passiert.

„Jenseits der Schatten“ ist der Abschluss einer bald legendären Trilogie und hoffentlich nur der Auftakt zu weiteren Abenteuern mit den gleichen oder auch anderen Charakteren dieser Fantasywelt.

Tauchen Sie „Jenseits der Schatten“ ein, es wird Sie in eine Tiefe reißen, aus der Sie gar nicht mehr entkommen wollen.

Taschenbuch: 699 Seiten
Originaltitel: Beyond the Shadows (Night Angel 3)
Übersetzung: Hans Link
ISBN-13: 978-3442266302

www.brentweeks.com
www.randomhouse.de/blanvalet

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (1 Stimmen, Durchschnitt: 5,00 von 5)

Larke, Glenda – Wissende, Die (Die Inseln des Ruhms 1)

Die Inseln des Ruhms:

Band 1: „Die Wissende“
Band 2: „Gilfeather“ (noch ohne dt. Titel)
Band 3: „The Tainted“ (noch ohne dt. Titel)

Glut ist ein Mischling und als solcher auf den Ruhmesinseln unerwünscht. Allein die Tatsache, dass sie für die Wahrer arbeitet, sorgt dafür, dass sie zumindest geduldet wird. Als sie jedoch den Auftrag erhält, eine junge Frau aufzuspüren, die ausgerissen ist, gerät ihre Weltsicht schon bald ins Wanken …

Die Geschichte ist aus der Ich-Perspektive erzählt, daher ist Glut die einzige Hauptperson:

Glut ist zäh, abgebrüht und auch nicht dumm. Deshalb ist ihr durchaus bewusst, dass die Wahrer, allen voran ihr unmittelbarer Vorgesetzter Dasrick, sie benutzen. Sie hofft jedoch, für ihre Arbeit irgendwann die Bürgerrechte zu erhalten, die ihr erlauben würden, irgendwo sesshaft zu werden. Dafür ist sie bereit, nahezu alles zu tun. Zumindest, bis sie Flamme trifft …

Flamme ist eine junge Cirkasin mit der Fähigkeit, Silb-Magie zu wirken, was für eine Cirkasin eher ungewöhnlich ist. Vor allem aber beeindruckt sie Glut durch ihre innere Stärke und ihren Mut sowie ihre ausgeprägte Integrität. Zum ersten Mal empfindet Glut so etwas wie Freundschaft für eine andere Person.

Thor Reyder scheint seinerseits einen Narren an Glut gefressen zu haben. Der meist so ernst wirkende Mann hat durchaus Humor, vor allem aber zeichnet er sich durch eine schier übermenschliche Selbstbeherrschung aus. Binnen kürzester Zeit macht er Glut einen Heiratsantrag, hilft ihr mehrfach aus der Patsche. Dennoch wirkt er manchmal seltsam zugeknöpft, als ob er nicht die ganze Wahrheit sagte.

Dasrick dagegen ist ein absolut unsympathischer Zeitgenosse. Trotz der wertvollen Dienste, die Glut ihm leistet, demütigt er sie immer wieder. Dabei ist er von ihr genauso abhängig wie sie von ihm, denn Dasrick ist ehrgeizig. Und für seinen Ehrgeiz ist er bereit, noch viel weiter zu gehen, als Glut es für die Erlangung der Bürgerrechte jemals täte, nur ist er dabei bei Weitem nicht so ehrlich wie sie, sondern beschönigt sein Tun mit dem Mäntelchen ehrbarer Motive.

Der Bösewicht zu guter Letzt ist ein Dunkelmagier, der offenbar vorhat, die Herrschaft über die gesamten Ruhmesinseln zu übernehmen. Wer er tatsächlich ist und was ihn dazu treibt, wurde bisher nur angedeutet. Offensichtlich jedoch ist er ein Sadist, der es genießt, andere zu quälen, und der seine Helfershelfer rücksichtslos ausnutzt und dann fallen lässt.

Dafür, dass die Nebenfiguren lediglich aus Gluts Sicht beschrieben sind, ist die Charakterzeichnung recht ordentlich geraten. Tatsächlich geht jede der Figuren – mit Ausnahme des Bösewichts – über reine Nachvollziehbarkeit hinaus. Selbst der Antagonist wirkt irgendwie getrieben und dadurch eigenständiger als der reine Typus des machthungrigen Bösewichts, obwohl die Informationen zu seiner Person bisher noch recht dürftig sind.

Die Welt, in die Glenda Larke ihre Geschichte eingebettet hat, wirkt ein wenig wie eine Zwiebel. Die gesamte Handlung spielt an einem Ort, der sich Gorthen-Nehrung nennt. Gorthen-Nehrung ist sozusagen Niemandsland, hierher werden alle vertrieben, die auf den übrigen Inseln unerwünscht sind, vor allem Mischlinge, Verbrecher und Kranke. Im Grunde ist die Nehrung nicht mehr als eine schmale, langgestreckte Sandbank, die an einem einzigen, niedrigen Felsen angeschwemmt wurde.

Um diese Nehrung herum befinden sich noch eine Menge anderer, jeweils autonomer Inseln und Inselchen. Alle zusammen nennen sie sich die Ruhmesinseln. Außerhalb dieser Ruhmesinseln gibt es noch in einiger Entfernung ein Land namens Kell. Aus diesem Land stammt der Ethnologe, der im Rahmen seiner Forschungen Glut nach ihren Erlebnissen befragt. Diese Rahmenhandlung spielt fünfzig Jahre später als Gluts Erzählung.

Besonders interessant fand ich den Entwurf der Magie: Es gibt drei unterschiedliche Arten, die jeweils unterschiedliche Fähigkeiten beinhalten, wobei die Weißbegabung etwas aus der Reihe fällt, denn sie kann nichts bewirken, sondern lediglich andere Magie erkennen. Da die Weißbegabten allerdings gegen die Magie anderer immun sind, bedeutet das unterm Strich, dass die einzelnen Formen der Magie sich einigermaßen ebenbürtig sind. Dadurch werden sowohl ein übertrieben übermächtiger Bösewicht als auch ebenso übertriebene Überhelden vermieden.

Aus diesen magischen und politischen Details hat die Autorin ihren Plot aufgebaut:
Da ist Glut mit ihrer Weißbegabung, die auf der Suche nach einer jungen Frau ist; dann Flamme, mit ihrer Silb-Magie einen jungen Mann heilt, der von einem Dunkelmagier angegriffen wurde; Thor Reyden, der nahezu über alles Bescheid zu wissen scheint; und plötzlich taucht auch noch Dasrick auf mit einem ganzen Schiff voller Wahrer. Dieses Aufgebot scheint für die Suche nach einer Frau etwas übertrieben, und überhaupt, warum hat Dasrick überhaupt Glut hergeschickt, wenn er jetzt selber auftaucht?

Erst allmählich stellt sich heraus, dass hier eine ganze Menge nicht so ist, wie es scheint, von der Hälfte aller Personen über ihre wahren Absichten bis hin zu ihren Mitteln. Und bald ist Glut nicht mehr allein damit beschäftigt, die Ausreißerin zu suchen. Stattdessen ist sie zwischen diverse Fronten geraten und muss sich nicht nur gegen einen Feind behaupten, der ihr ans Leder will, sondern auch noch gegen andere, nicht weniger skrupellose …

Zwar könnte ich nicht sagen, dass ich mir beim Lesen vor Aufregung die Fingernägel abgekaut hätte. Tatsächlich muss ich sogar gestehen, dass ich, als Glut zum wiederholten Mal von den Schergen des Dunkelmagiers eingefangen wird, etwas genervt war. Immerhin aber waren die verschiedenen Ausbrüche und Fluchtversuche unterschiedlich genug, um zumindest etwas Abwechslung zu bieten. Das Faszinierende an diesem Buch war daher weniger steigende Spannung als vielmehr die allmähliche Auflösung von Rätseln und Geheimnissen, wobei die Identität der Ausreißerin recht schnell klar war. Mit am besten gefallen hat mir der Entwurf der Ghemfe, einer fremdartigen Rasse, die offenbar aus dem Meer stammt. In diesem Zusammenhang blieben die meisten Geheimnisse erhalten, was vielversprechende Aussichten für den zweiten Band bedeutet. Auch der Ortswechsel auf eine andere Insel bietet jede Menge neues Potential, und die neue Personenkonstellation am Ende des ersten Bandes sowieso. So ist „Die Wissende“ ein nicht unbedingt spannender, aber abwechslungsreicher Auftakt zu einem Zyklus mit der Aussicht auf Steigerung.

Glenda Larke stammt aus Australien und wollte schon als Kind Schriftstellerin werden. Zunächst kam jedoch eine Heirat und ein Lehrerberuf dazwischen. Bei einem längeren Aufenthalt in Wien kehrte die Lust am Schreiben zurück, seither hat die Autorin den Einzelroman „Havenstar“ sowie die Trilogien The Mirage Makers und The Isles of Glory geschrieben. „Die Wissende“ ist der erste Band der Trilogie Die Inseln des Ruhmes und das erste ihrer Bücher, das ins Deutsche übersetzt wurde. Die Autorin schreibt derzeit an ihrer neuen Trilogie Watergivers, die bisher bis Band zwei gediehen ist.

Taschenbuch: 479 Seiten
Originaltitel: The Isles of Glory 1 – The Aware
Deutsch von Susanne Gerold
ISBN-13: 978-3-442-26760-6

www.glendalarke.com
www.randomhouse.de/blanvalet

Der Autor vergibt: (4.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Weeks, Brent – Am Rande der Schatten (Schatten-Trilogie 2)

Band 1: „Der Weg in die Schatten“
Band 2: „Am Rande der Schatten“

Azoth ist unter seinem neuen Namen Kylar zum besten Blutjungen Cenarias aufgestiegen. Doch Elene zuliebe hat er seinen Beruf aufgegeben und versucht nun, mit ihr und Momma Ks Tochter Uly zusammen, sich im Nachbarland Waedryn ein neues Leben als Kräuterhändler aufzubauen. Es dauert allerdings nicht lange, da holt ihn sein altes Leben wieder ein, in Gestalt seines alten Freundes Jarl …

War im ersten Band Durzo Blint derjenige, der zerrissen und gequält gewirkt hat, so hat diesen Part jetzt Kylar übernommen. Er ist hin- und hergerissen zwischen seinem alten Leben und seiner Liebe zu Elene, die jegliche Gewalt ablehnt.

Elene ist auf Grund der religiösen Erziehung durch ihre Zieheltern in mancher Hinsicht ziemlich naiv. Sie ist so sehr davon überzeugt, dass Gewalt nur neue Gewalt hervorbringt, dass sie für Kylars Tun keinerlei Verständnis aufbringt.

Mit den größten Schwierigkeiten aber hat Logan zu kämpfen. Mit seinem Sprung ins Loch am Ende des ersten Bandes hat er sich selbst in eine gefährliche Sackgasse manövriert. Der Kampf ums Überleben an diesem Ort öffnet ihm in vielerlei Hinsicht die Augen …

Und dann ist da noch Vi, Hu Gibbets Lehrling. Die junge Frau ist ein seelisches Wrack, das niemandem vertraut und deren einziger Ehrgeiz darin besteht, ihr eigener Herr zu sein. Ein ziemlich ehrgeiziges Ziel, wenn der Gottkönig von Khalidor persönlich ein Auge auf jemanden geworfen hat.

Die übrigen Neuzugänge in der Charakterriege sind nicht ganz so detailliert ausgefallen wie Vi, ingesamt jedoch ist die Darstellung durchaus zufrieden stellend. Logans Entwicklung und auch Kylars Kampf mit sich selbst sind sehr gut gelungen, und Vi, die im ersten Band nur eine kleine Nebenrolle spielte, entwickelt sich zu einer interessanten Person und einem echten Gewinn für das Buch.

Auch in Bezug auf den Entwurf der Welt hat Brent Weeks einiges ausgebaut. Zum ersten Mal taucht so etwas wie eine Gottheit auf, eine äußerst ungemütliche obendrein, sodass der Leser sich unwillkürlich die Frage stellt, ob der Name Khali womöglich mehr als Zufall ist. Und die Vir werden zum ersten Mal und ganz beiläufig als die anderen bezeichnet, als wären sie eigenständige Wesen.

Am stärksten jedoch hat sich das Handlungsfeld ausgeweitet. Nicht nur, dass sich diesmal ein ganzer Handlungsstrang mit Vi beschäftigt. Der Strang um die drei fremden Magier Dorian, Solon und Feir wurde aufgedröselt, weil die drei sich trennen. Curoch, das am Ende des ersten Bandes in die Hände eines unwissenden Khalidori gefallen war, stellt einen eigenen Strang, die Magierinnen aus der Chantry stellen einen und weitere Magier aus dem Süden stellen einen. Viele davon sind nur sehr dünn und kurz, aber alles ist sehr geschickt miteinander verknüpft, bis am Ende des Buches eine völlig veränderte Situation vorliegt, mit einigen Parteien mehr, die sich nun am Kochen diverser Süppchen beteiligen.

Wie bereits im ersten Band ist auch hier die Handlung mit einigen Grausamkeiten gewürzt – eine der härtesten Szenen ist die Strafaktion des Gottkönigs gleich zu Anfang des Buches, aber auch die Darstellung der Erschaffung eines Ferali war starker Tobak – sowie mit einer Menge Action, wenn Kylar wieder einmal seine gesamten Fähigkeiten voll ausschöpft. Die exzessive Gewalt der khalidorischen Kultur gibt dem Buch stellenweise fast etwas philosophisches, zumindest in der kurzen Szene, in der der Gottkönig mit Jenine über das Böse diskutiert.
Zur Spannung hat dieser Aspekt allerdings nicht viel beigetragen. Auch ohne ihn wäre das Buch ein echter Pageturner Dank solcher Szenen wie zum Beispiel der dramatischen Rettungsaktion unter der Burg von Cenaria. Der fiese Cliffhanger am Ende des Buches und die ausgesprochen überraschende Entdeckung Kylars auf der letzten Seite tun ein Übriges.

Um es kurz zu machen, der zweite Band ist in jeder Hinsicht genauso gelungen wie der erste. Er ist spannend, temporeich und verwickelt, sodass es niemals langweilig wird, und trotzdem haben die Hauptprotagonisten noch genügend Raum für Tiefe und Entwicklung. Die diversen Andeutungen im Zusammenhang mit dem Aspekt der Magie lassen auf mehr hoffen und der Schluss des Buches macht unsagbar neugierig auf die Fortsetzung. Da komme nicht einmal ich umhin, wegen der grausameren Szenen ein Auge zuzudrücken.

Brent Weeks wollte schon als Junge Schriftsteller werden und hat sich deshalb nach dem College nicht mit dem Erlernen eines anderen Berufes aufgehalten, sondern gleich mit dem Schreiben begonnen. Bis jemand bereit war, ihm etwas dafür zu bezahlen, hielt er sich als Barkeeper über Wasser. „Der Weg in die Schatten“ ist seine erste Veröffentlichung und der Auftakt zur Schatten-Trilogie, deren dritter Band unter dem Titel „Jenseits der Schatten“ im November 2010 in die Buchläden kommt. Der Autor schreibt derweil an seiner nächsten Serie, deren erster Band unter dem Titel „The Black Prism“ im August diesen Jahres auf Englisch erschien.

Taschenbuch: 704 Seiten
Originaltitel: Night Angel 02. Shadow’s Edge
Übersetzt von Hans Link
ISBN-13: 978-3442266296

www.brentweeks.com
www.randomhouse.de/blanvalet

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (1 Stimmen, Durchschnitt: 5,00 von 5)

Abraham, Daniel – Frühling der Vergeltung (Die magischen Städte 4)

Die magischen Städte:

Band 1: Das Drachenschwert“
Band 2: Winter des Verrats“
Band 3: Herbst der Kriege“
Band 4: „Frühling der Vergeltung“

Fünfzehn Jahre sind seit den Ereignissen in „Herbst der Kriege“ vergangen. Die Städte der Khai, die den Überfall der Galten überlebt haben, stehen vor dem Zusammenbruch, denn seit fünfzehn Jahren wurden im Reich nur eine Handvoll Kinder geboren, Kinder, deren Mütter aus anderen Ländern stammen. Otah, inzwischen Kaiser, sieht nur eine Möglichkeit, den Niedergang seines Volkes zu verhindern: Heiraten zwischen seinem Volk und den verfeindeten Galten, die auf Seiten der Männer dasselbe Problem haben. Der Plan stößt auf wenig Gegenliebe, und das nicht nur in Galtland.

Maati empfindet Otahs Plan als Verrat. Er ist der Überzeugung, dass ein solches Vorgehen überflüssig wäre, sollte es gelingen, einen neuen Andaten zu binden, der die Unfruchtbarkeit wieder aufheben kann. Da die Galten sämtliche Bücher über Andatenbindung verbrannt und sämtliche Dichter bis auf Maati und Cehmai getötet haben, Cehmai ihm aber nicht helfen will, hat Maati begonnen, neue Dichter auszubilden. Weibliche. Eine davon ist Eiah, Otahs Tochter …

Die Neuzugänge unter den Charakteren gehören diesmal großteils der nächsten Generation an.

Eiah ist eine selbstbewusste junge Frau, die genau weiß, was sie will. Mit ihrem Vater hat sie gebrochen, sie fühlt sich durch sein Vorhaben in die Belanglosigkeit abgeschoben. Außerdem ist sie Ärztin und als solche nicht gewillt, sich mit einem Gebrechen abzufinden, das sich womöglich heilen ließe. Aber ihr Beruf als Ärztin hat ihr auch Menschenkenntnis beschert. Und mit der Zeit kommen ihr Zweifel an ihrem Vorhaben …

Vanjit ist eine stille, bescheidene, freundliche junge Frau. Aber sie ist schwer verletzt, nicht nur durch ihre Unfruchtbarkeit, sondern auch seelisch: Sie musste mit ansehen, wie die Galten ihre gesamte Familie ermordeten. Kein Wunder, dass sie auf die Galten nicht gut zu sprechen ist. Was eine Untertreibung ist, wie sich allmählich herausstellt …

Otah ist natürlich inzwischen nicht mehr der Jüngste, wie auch Maati. Aber im Gegensatz zu Maati ist er nicht so in der Vergangenheit verhaftet.

Maati trauert seinem alten Leben nach. Er will, dass die Welt wieder so ist, wie sie in seiner Jugend war. Das liegt vor allem an seinen Schuldgefühlen. Maati hat sich schon nach der Trennung von Liat als Versager gefühlt. Nayiits Tod und die fehlgeschlagene Bindung des Andaten Unfruchtbar haben das noch verschlimmert. Zumindest die Folgen seiner misslungenen Bindung will er wieder gut machen. Aber abgesehen davon scheint er vor allem zu hoffen, dass ein neuer Andat die „alten Zeiten“ zurückbringen werde. Seine Naivität in dieser Hinsicht wäre beinahe rührend, wäre sie nicht so mit Selbstmitleid überfrachtet.

Otah dagegen ist sich klar darüber, dass die Welt nie wieder so sein wird wie früher, auch nicht durch einen neuen Andaten. Abgesehen davon hält Otah die Andaten eher für ein Übel denn einen Gewinn, deshalb liegt ihm an einer Rückkehr zu den alten Zeiten nicht allzu viel. Auch Otah bedauert so manches, was er in seinem Leben getan hat, allerdings nicht so weinerlich. Und im Gegesatz zu Maati, der zwischen Selbstbezichtigung und Schuldzuweisungen an Otah schwankt, steht Otah zu seinem eigenen Handeln und versucht, so gut wie möglich damit zu leben.

Wie in den vorherigen Bänden war die Charakterzeichnung auch diesmal wieder gut gelungen, wenngleich diesmal nicht auf alle Charaktere gleichermaßen eingegangen wurde. Otahs Sohn Danat und seine galtische Braut Ana spielen zwar eine nicht unwesentliche Rolle, sind aber bei Weitem nicht so detailliert geraten wie Eiah oder Vanjit. Dennoch wirken auch sie zu keiner Zeit unnatürlich oder flach. Sehr gut gemacht fand ich die Entwicklung von Otah und Maati sowie die schleichenden Veränderungen an Vanjit und Eiahs wachsende Zweifel.

Die Handlung verläuft in zwei Strängen. Einer beschäftigt sich mit Otah und seinen Bemühungen, die Zukunft seines Landes zu sichern. Die andere mit Maati und seinen Schülerinnen, die versuchen, einen neuen Andaten zu binden. Aber trotz diverser Turbulenzen wie Verschwörungen, Piraten und einer trotzigen Adligen, mit denen Otah sich herum ärgern muss, ist das Ganze etwas zäh geraten. Oder vielleicht gerade deshalb? Es dauert bis zur Mitte des Buches, bis Otah sich dazu durchringen kann, all die genannten Kleinigkeiten beiseite zu schieben und sich dem eigentlichen Thema zuzuwenden, nämlich einer Gruppe, die versucht, einen neuen Andaten zu binden. Und die Ereignisse um Maati brauchen genauso lang, um in die Gänge zu kommen, was angesichts dessen, dass es hier ausschließlich um die Entwicklung einer neuen Bindung geht, noch langatmiger war als der Strang um Otah mit seinen unterschiedlichen Facetten.

Nachdem sich die diversen Figuren dann mal in Bewegung gesetzt haben, wird es ein wenig besser, echte Spannung wie in Band zwei und drei will aber immer noch nicht aufkommen. Dabei hätte die neue Dichterin mit ihrem Andaten eine Menge mehr tun können, um ihren Verfolgern Schwierigkeiten zu machen. Zumindest hätte es letzteren nicht so leicht zu fallen brauchen, sie zu finden. Ein paar Irrtümer gepaart mit einem gewissen Zeitdruck hätten hier sicher einiges bewirken können.

Auch der Showdown war ein wenig schwachbrüstig. Kaum hat Maatis ehemalige Schülerin ihm ihre Absichten kundgetan, löst sich die Situation bereits in Wohlgefallen auf, noch ehe sie richtig prekär werden konnte. Und allzu überraschend war die Auflösung auch nicht.

Gut gefallen hat mir hingegen der Schluss des Buches. Er wird dem langen Zeitraum gerecht, über den sich der Zyklus erstreckt hat, und auch seiner Hauptfigur Otah.

Insgesamt aber muss ich sagen, dass ich von diesem letzten Band ein wenig enttäuscht war. Wahrscheinlich war nach der langen Warmlaufzeit einfach nicht mehr genug Raum vorhanden, um das eigentliche Problem – die neue Dichterin und ihren Andaten – etwas komplexer und weniger geradlinig auszubauen. Das ist vor allem deshalb schade, weil in der ersten Hälfte des Buches so manche Szene hätte gestrafft oder gar weggelassen werden können. Die erwähnte Verschwörung diverser Adliger zum Beispiel taucht, nachdem Otah einen Vertrauten mit der Lösung des Problems betraut hat, überhaupt nicht mehr auf und hat – im Gegensatz zu der Bedrohung der Piraten – keinen einzigen Berührungspunkt mit der Haupthandlung. Und auch die ausführlichen Szenen über Maatis Selbstmitleid hätten nicht ganz so ausführlich ausfallen müssen. So gut der langsame Handlungsfortschritt der Charakterzeichnung getan hat, für die Spannung war er tödlich.

Unterm Strich fand ich den Zyklus Die magischen Städte interessant und lesenswert. Nach einem ruhigen ersten Band wurde es etwas lebhafter, um dann im letzten noch einmal etwas abzuflauen. Aber abgesehen davon, dass der letzte Band stellenweise etwas weitschweifig und dadurch in seinem Verhältnis Charakterzeichnung zu Handlung etwas unausgewogen war, war er durchaus nicht schlecht. Wer nicht ununterbrochen krachende Action braucht, kann hier durchaus auf seine Kosten kommen.

Daniel Abraham lebt mit Frau und Tochter in New Mexico. Bevor er seinen ersten Roman „Sommer der Zwietracht“ verfasste, hat er eine Vielzahl von Kurzgeschichten in Magazinen und Anthologien veröffentlicht, sowie den Kurzroman „Shadow Twin“ in Zusammenarbeit mit Gardner Dozois und George R. R. Martin. Seine Kurzgeschichte „Flat Diane“ wurde für den |Nebula Award| nominiert.

475 Seiten, kartoniert
Originaltitel: The Prince of Spring (The Long Price Quartet 4)
Übersetzung: Andreas Heckmann
ISBN-13: 978-3-442-24449-2
http://www.danielabraham.com/
www.randomhouse.de/blanvalet

Der Autor vergibt: (3.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Brent Weeks – Am Rande der Schatten (Schatten-Trilogie 2)

Letztes Jahr erschien im Blanvalet-Verlag das Erstlingswerk von Brent Weeks – „Der Weg in die Schatten“ – und entführte den Leser in eine faszinierende neue Region der phantastischen Literatur. Der Auftaktband der Schatten-Trilogie war mehr als überzeugend, und mit dem Erscheinen des zweiten Teiles ist der Autor durch die Erwartungshaltung des Lesers gefordert, die ohnehin schon dichte Atmosphäre und den Spannungsbogen weiter auszubauen.

Inhalt

Kylar Stern – oder Azoth, wie er früher, in einem ganz anderen Leben hieß – sieht sich gezwungen, sein Leben und das seiner kleinen Familie zu überdenken. Nach der Invasion durch den brutalen und kalten Gottkaiser befindet sich Kylars frühere Heimat in den Händen der Invasoren, die mit Willkür und Opferungen, die eher sorgsam organisierten Hinrichtungen gleichen, das Volk einschüchtern. Kylar und seine alte Liebe, das ehemalige Puppenmädchen Elene und die Tochter seines ehemaligen Meisters, der auch für Kylar so etwas wie eine Vaterfigur gewesen ist, fliehen aus der Stadt. Elene, die um Kylars Vergangenheit und seine Tätigkeit als gedungener Mörder, als „Blutjunge“ weiß, möchte, dass ihr Liebster nicht mehr zu seinem Schwert „Vergeltung“ greift und dem Töten abschwört.

Angekommen in seiner neuen Umgebung, wird Kylar aber nicht glücklich. Auch wenn er mit Elene ein Herzensziel erreicht hat, überkommt ihn eine stetige innere Unruhe. Kylar wurde zum Töten ausgebildet, von einem Meister, dessen tödliches Talent einmalig war, und doch war Durzo Blint kein schlechter Mensch, und vieles, was seinen Meister innerlich bewegte, versteht Kylar erst jetzt. Doch Kylar musste seinen Meister in einem Zweikampf töten, und nun, auf sich allein gestellt, kann er sich nicht wirklich mit jemanden austauschen. Elene würde ihn ohnehin nicht verstehen, denn seinen Wunsch zu töten und seine erworbenen Fähigkeiten zu trainieren, kann er nicht ausleben, und so wird Kylar zunehmend gereizter.

Nach einer Zwiesprache mit sich selbst öffnet er dann doch seine Kiste, in der seine Blutjungenkleidung und seine Waffen schlummern, und geht nachts auf die Jagd. Verbrecher, Diebe und Räuber werden zu Zielen Kylars – auch wenn er sie anfangs nur erschreckt, ist es lediglich eine Frage der Zeit, bis sein Schwert „Vergeltung“ wieder Blut fließen lassen wird.

Inzwischen wird das Blutmädchen Vi vom Gottkaiser beauftragt, seinen alten Freund Jarl zu ermorden, der inzwischen das Oberhaupt der organisierten Kriminalität geworden ist. Gefangen zwischen den Optionen des Versagens, der Loyalität zu Jarl und dem Zorn des Gottkaisers, ist Vi der Verzweiflung nahe, doch wie unter einem Zwang weiß sie auch, was ihre nächsten Schritte sein werden.

Kylar, der ja vermutet, dass sein Freund und nun König Logan Gyre den Tod gefunden hat, täuscht sich indessen. Logan Gyre lebt, ist aber in dem dunkelsten Gefängnis der Stadt gelandet, das auch als „Das Arschloch der Hölle“ bekannt und berüchtigt ist. Hier haben nur jene Menschen eine Chance zu überleben, die skrupellos sind gegenüber ihrem eigenen Gewissen und jeder Ethik. Im Loch kann man nur überleben, wenn man bereit ist, seine Menschlichkeit abzulegen, wobei Mord hier noch eher eine Bagatelle darstellt.

Als Kylar von seinem alten Freund Jarl um Hilfe gebeten wird, den Gottkaiser umzubringen, um für die Rebellion gegen die Besatzer ein Zeichen zu setzen, muss er sich entscheiden, ob er seiner Familie und dem Versprechen, das er Elena gab, treu bleibt oder aber seine Bestimmung und sein Schicksal herausfordern soll.

Kritik

„Am Rande der Schatten“ von Brent Weeks wird den Leser erneut begeistern. Kylar ist erwachsen geworden; er ist ein Blutjunge, er ist der Nachtengel und damit eine Legende. Sein Talent ist tödlich, doch noch bewahrt er seine Menschlichkeit und sein Mitgefühl für andere. Zwischen Verantwortung und Bestimmung wird Kylar hin- und hergerissen. Fast zu spät entdeckt er, dass sein Schicksal nicht immer in seinen Händen liegt und dass Verantwortung ein sehr scharfes zweischneidiges Schwert sein kann.

Die Handlung baut sich auf, indem die Protagonisten immer wieder in persönliche Konflikte getrieben und so gelenkt werden, dass ihre Entscheidungen die der anderen bis aufs Äußerste beeinflussen. Hier geht es nicht um eindimensionale Beweggründe. Die Grenzen zwischen Freund und Feind, zwischen Verantwortung und Bestimmung sind fließend und oft genug müssen sich Kylar und auch Logan eingestehen, dass man gezwungen wird, sich nicht nur am Rande der Schatten zu bewegen, sondern auch tief in sie einzutauchen.

Dass Kylar wieder zum Schwert greift, ist natürlich schon der Tatsache geschuldet, dass es sich hier um eine Trilogie handelt, also absolut vorhersehbar, doch Kylars Dilemma mit seiner Familie und dem Drang, die Konfrontation mit dem Bösen zu suchen, zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Handlung. Spannend bleibt die ganze Thematik auf jeden Fall, und auch für Action wird gesorgt, wenn auch ein bisschen weniger als im ersten Teil. Deutlich zugenommen hat hier die Einbeziehung der magischen Elemente, und das finde ich diesmal, gemessen an den übrigen Szenarien, überproportioniert.

Kylar wirkt im zweiten Teil deutlich überfordert. Dadurch, dass er immer versucht, allem und jedem gerecht zu werden, vergisst er sich selbst und handelt fast zu spät für sich und andere. Der zweite Handlungsstrang beschäftigt sich primär mit Logan, der gezwungen ist, mit dem Bösen zu paktieren, denn im „Loch“ gibt es keine Zivilisation, hier herrscht Primitivität und keine Moral, und erst recht kennt man hier kein Gewissen. Um zu überleben, muss er sich mit Mördern und Vergewaltigern verbünden, die unverzeihliche Verbrechen verübt haben. Logan verändert ich zwangsläufig und wird niemals mehr die gleiche Person sein.

Das Blutmädchen Vi ist der verlorenste Charakter in diesem zweiten Band. Weder weiß sie, was sie möchte, noch kann sie einschätzen, welche Folgen ihre Handlungen haben werden. Zwischen Gefühl und Verstand verloren, fühlt sie sich isoliert und unverstanden. Noch schlimmer wird es für sie, als sie den Auftrag bekommt, Jarl zu töten, ihren alten Freund, und als sie später Kylar kennenlernt, ist sie fasziniert von seinen Fähigkeiten und seinem Charakter.

In ihrem Leben gab es nicht viel Licht. Sie selbst kannte nur die undurchdringliche Dunkelheit, lebte eher jenseits der Schatten und bewegt sich nun langsam an die verheißungsvolle lichte Oberfläche, die so vielversprechend ist, so menschlich sein kann, dabei aber auch so verletzend. Doch sie ist bereit, für ihre Menschlichkeit zu kämpfen und notfalls auch alles zu opfern. Hier kann der Leser wirklich gespannt sein, denn ähnlich wie bei Kylar trägt sie eine Unmenge an Potenzial in sich und im dritten Teil der Serie kann sie zur Schlüsselfigur werden.

„Am Rande der Schatten“ besteht aus drei Handlungssträngen, die an die drei Protagonisten gekoppelt sind. Zum letzten Drittel des Buches hin verfolgen diese drei ein gemeinsames Ziel, nur der Weg dahin ist ein jeweils eigenständiger.

Interessant zu betrachten ist die Wirkung der Invasoren auf die Bevölkerung. „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“ trifft in diesem Falle zu, denn auch die Gilde der Kriminellen ist wenig angetan von der brutalen totalitären Herrschaft und rebelliert offen zusammen mit Bürgern und dem Adel, was in einer „Blutnacht“ eskaliert.

Fazit

„Am Rande der Schatten“ von Brent Weeks setzt die Schatten-Trilogie gelungen fort und überzeugt durch die facettenreichen und vielschichtigen Charaktere. Mit viel Spannung und Action bietet auch dieser Roman ein überaus hohes Lesevergnügen, das den Leser packen und nicht mehr loslassen wird.

Als Negativkritik gibt es nur wenig anzumerken: Die magischen Komponenten sind gerade in der Mitte der Geschichte meiner Meinung nach übermäßig präsent im Vergleich zu den menschlichen Wesenszügen der Charaktere.

Auf der Bühne präsentieren sich Dramatik und Tragik, Liebe und Tod, und selbst in kleineren Nebenschauplätzen zeigt sich das Talent des Autors und somit ein Roman, der mit seinen Figuren hundertfünfzigprozentig zu überzeugen weiß. Phantastisches Lesevergnügen ist hier garantiert, und Brent Weeks hat damit Zauberhaftes für die Leserschaft geleistet.

Der Autor

Brent Weeks wollte schon als Junge Schriftsteller werden und hat sich deshalb nach dem Collage nicht mit dem Erlernen eines anderen Berufes aufgehalten, sondern gleich mit dem Schreiben begonnen. Bis jemand bereit war, ihm etwas dafür zu bezahlen, hielt er sich als Barkeeper über Wasser. „Der Weg in die Schatten“ war seine erste Veröffentlichung und der Auftakt zur |Nachtengel|-Trilogie, gefolgt von „Am Rande der Schatten“. Band drei, „Jenseits der Schatten“, ist für den November 2010 angekündigt. Der Autor schreibt derweil an seiner nächsten Serie, deren erster Band unter dem Titel „The Black Prism“ im August dieses Jahres auf Englisch erschien.

Originaltitel: Night Angel 02. Shadow’s Edge
Übersetzung: Hans Link
704 Seiten, Klappenbroschur
ISBN-13: 978-3442266296

www.brentweeks.com
www.randomhouse.de/blanvalet

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (1 Stimmen, Durchschnitt: 5,00 von 5)

Weeks, Brent – Weg in die Schatten, Der (Schatten-Trilogie 1)

Azoth ist elf und gehört damit zu den Kleinen in der Gilde des schwarzen Drachen. Und wie alle Kleinen hat er entsetzlich unter dem sadistischen sechzehnjährigen Ratte zu leiden. Kein Wunder, dass der Junge davon träumt, von Durzo Blint als Lehrling angenommen zu werden. Doch Durzo Blint ist eine lebende Legende und hat noch nie einen Lehrling angenommen. Als Durzo Azoth die Bedingung nennt, unter der er eine Ausnahme zu machen bereit wäre, muss Azoth feststellen, dass das, was seinen Traumberuf ausmacht, ihm gar nicht so leicht fällt wie er gedacht hatte …

Eigentlich ist Azoth ein freundlicher, mitfühlender Kerl. Er teilt sein bisschen Essen nicht nur mit seinem Freund Jarl, sondern auch mit der stummen Kleinen, die alle nur Puppenmädchen nennen. Der einzige Mensch, den er wirklich hasst, ist Ratte. Er hat entsetzliche Angst vor dem viel stärkeren Jungen; dass er es trotzdem wagt, sich zu widersetzen, zeigt seinen Mut. Doch als der Konflikt sich immer mehr zuspitzt, zögert Azoth, die Sache konsequent zu Ende zu bringen.

Ratte dagegen ist ein skrupelloses Scheusal. Das Einzige, was ihn davon abhält sich wie ein wildes Tier zu verhalten, ist der Plan, an den er sich halten muss um das Ziel zu erreichen, das er sich gesteckt hat. Denn Ratte hat durchaus nicht vor, sich mit der Anführerschaft einer Kinderdiebesgilde zufrieden zu geben. Ratte will mehr, viel mehr …

Auch Durzo Blint scheint so etwas wie Skrupel nicht zu kennen. Schließlich kann ein gedungener Attentäter es sich generell nicht leisten, seine Aufträge in Frage zu stellen, doch Blint hat auch kein Problem damit, in einem solchen Zusammenhang noch weiteren Menschen das Leben zu nehmen, wenn er es für nötig hält, auch wenn für ihn das Eintreten einer solchen Notwendigkeit ein Zeichen für Pfusch bei der Arbeit ist. Im Laufe der Zeit stellt sich allerdings heraus, dass Durzo Blint nicht ganz so abgebrüht ist, wie er gern möchte, dass die Welt es von ihm glaubt.

Und dann ist da noch Logan Gyre. Der zwölfjährige Junge ist der Sohn eines der mächtigsten und beliebtesten Adligen des Reiches und nur deshalb nicht der Kronprinz, weil sein Vater einst, um einen Bürgerkrieg zu vermeiden, auf seinen Anspruch auf den Thron verzichtet hat. Und Logan schlägt ganz nach seinem Vater: Er ist ausgesprochen loyal dem Reich und seinen Freunden gegenüber, absolut frei von jeglichem Ehrgeiz, stark wie ein Ochse, aber gutmütig, ehrlich und durchaus nicht dumm.

Brent Weeks hat hier eine respektable Charakterzeichnung abgeliefert. Seine Charaktere haben vielleicht nicht ganz dieselbe Tiefe wie bei Jenny-Mai Nuyen oder Anne Bishop, aber es ist ihm gelungen, sie sehr lebendig und fassbar zu zeichnen und dabei jedes Klischee zu vermeiden, und das bis hinein in die Nebencharaktere. Besonders Durzo Blint ist in seiner Zerrissenheit sehr gut gelungen.

Die Welt, in der seine Geschichte spielt, ist dagegen nur grob skizziert. Cenaria ist ein Land, das bisher kaum auf bemerkenswerte Eigenleistungen zurückgreifen kann. Seine Kultur ist ein Mosaik aus kulturellen Bruchstücken, die es von den Nachbarländern kopiert hat, seine Armee ist kaum vorhanden und so schwach wie ihr unfähiger König. Die wenigen Magier des Landes sind Blutjungen und ihre Magie das Einzige, was sie von anderen käuflichen Mördern unterscheidet. Fast alle stehen sie im Dienste einer Gruppe von Unterweltbossen, genannt der Sa’kagé. Die Macht des Sa’kagé ist größer als die des Königs, doch die Unterwelt kümmert sich nur um ihre eigenen Interessen und da gehört Außenpolitik nicht unbedingt dazu.

Das nördliche Nachbarland Khalidor dagegen wird von einem Gottkönig regiert, der zwar alt ist, aber dennoch die Absicht hat, zu seinen Lebzeiten noch den gesamten Kontinent zu erobern. Außerdem hat er es auf einen Ka’kari abgesehen, das sich in Cenaria befinden soll. Die Ka’kari sind mächtige, magische Artefakte, die sich an ihren Besitzer binden und ihm besondere Fähigkeiten verleihen.

Und im südlichen Nachbarland Modai gibt es scharenweise Magier, von denen drei beschlossen haben, sich in den Lauf der Geschichte einzumischen. Auch sie besitzen ein magisches Artefakt, das Schwert Curoch.

Damit hat sich die Ausarbeitung des Hintergrundes auch schon erschöpft. Zumindest vorerst. Wahrscheinlich hat der Autor sich die Details über das magische Schwert, den Verbleib der übrigen Ka’kari sowie die Vin, die die Magier Khalidors an ihren Armen tragen, für den nächsten Band aufgehoben.

Der Handlung hat das nicht geschadet, sie ist ohnehin voll gepackt bis zum Rand. Brent Weeks erzählt recht zügig. Nachdem Azoth erst geschafft hat, von Durzo als Lehrling angenommen zu werden, dreht der Autor an der Zeitschraube. Azoths Lehre wird großteils lediglich gestreift und fast fragt sich der Leser, warum der Autor manche Szenen überhaupt einflicht, sie scheinen keine wirklichen Auswirkungen auf die spätere Handlung zu haben. Tatsächlich dienen sie der Charakterzeichnung, der Gegenüberstellung von Azoth und Durzo, die zunächst grundverschieden scheinen.

Aber kaum ist Azoths Lehre so gut wie beendet, kommt der bis dahin nur angedeutete Plot in die Gänge und erstaunlich schnell zieht sich die Schlinge zu. Der Spannungsbogen strafft sich kontinuierlich Seite für Seite immer weiter, während der Leser Zeuge wird, wie Cenaria unaufhaltsam in die Katastrophe schlittert. Dabei hat Brent Weeks seine Geschichte so dicht geschrieben, dass sie sich kaum in einzelne Handlungsstränge unterteilen lässt, obwohl sie mal von Azoth, mal von Durzo, mal von den Magiern berichtet. Und genauso wenig lässt sich Azoths innere Entwicklung von den äußeren Ereignissen trennen, in die er hineingezogen wird.

Unterm Strich kommt ein Roman mit einer recht düsteren Grundstimmung heraus, der genauso durch seine gebeutelten, ums Überleben kämpfenden Charaktere getragen wird wie durch die massive Bedrohung von außerhalb; mit einem viel versprechenden Entwurf der Magie und einer ganzen Menge Rätsel, die noch zu lösen sind – wie zum Beispiel das um die Herkunft des Magiers Dorian -; mit einer Menge temporeicher Kampfszenen, aber auch mit einer Menge Brutalität und Blutvergießen. Wer es finster, actionreich und kämpferisch mag, ist hier auf jeden Fall richtig. Freunde weniger blutiger Spannung sollten sich die Lektüre vielleicht noch einmal überlegen.

Brent Weeks wollte schon als Junge Schriftsteller werden und hat sich deshalb nach dem Collage nicht mit dem Erlernen eines anderen Berufes aufgehalten, sondern gleich mit dem Schreiben begonnen. Bis jemand bereit war, ihm etwas dafür zu bezahlen, hielt er sich als Barkeeper über Wasser. „Der Weg in die Schatten“ ist seine erste Veröffentlichung und der Auftakt zur Schatten-Trilogie, deren zweiter Band unter dem Titel „Am Rande der Schatten“ im Juli 2010 in die Buchläden kommt. Der Autor schreibt derweil an seiner nächsten Serie, deren erster Band unter dem Titel „The Black Prism“ im August dieses Jahres auf Englisch erscheint.

Taschenbuch: 704 Seiten
Originaltitel: Night Angel 01. The Way of Shadows
Deutsch von Hans Link
ISBN-13: 978-3442266289

www.brentweeks.com
www.randomhouse.de/blanvalet

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (1 Stimmen, Durchschnitt: 5,00 von 5)

Abraham, Daniel – Herbst der Kriege (Die magischen Städte 3)

Die magischen Städte:

Band 1: Das Drachenschwert“
Band 2: Winter des Verrats“
Band 3: „Herbst der Kriege“

Wie sein Vorgängerband beginnt auch „Herbst der Kriege“ mit einem großen Zeitsprung.

Vor vierzehn Jahren ist Otah eher widerwillig zum Khai seiner Heimatstadt Machi erkoren worden, wobei der Widerwille beide Seiten betrifft: Otah hat noch immer nicht das Geringste für Macht übrig, zumal die Arbeit eines Khai größtenteils in eher unwichtig erscheinendem Kleinkram besteht und mit Etikette überfrachtet ist. Die Utkhais dagegen misstrauen einem Herrscher, der ihre alten Traditionen ablehnt, sie legen ihm das als Schwäche aus.

Doch eines Tages taucht Liat in Machi auf. Eben jene Liat, die in jenem verhängnisvollen Sommer in Sarayketh erst mit Otah, später mit Maati ein Verhältnis hatte. Und sie hat ausgesprochen unangenehme Neuigkeiten im Gepäck …

In der Charakterzeichnung hat sich diesmal eine ganze Menge getan:

Liat, das ehrgeizige aber unsichere junge Mädchen aus dem ersten Band, ist zu einer selbstbewussten Frau und fähigen Leiterin eines Handelskontors geworden, die ihren eigenen Wert nicht mehr hauptsächlich danach beurteilt, ob sie einen Mann hat oder nicht.

Maati hat sich zwar ebenfalls einen Platz in der Stadt Machi erobert und sich mit dem Dichter Cehmai angefreundet, leidet aber noch immer unter Schuldgefühlen, vor allem Nayiit gegenüber, dem er gern ein Vater gewesen wäre.

Nayiit, Liats Sohn, ist einer der Neuzugänge, gutmütig, charmant und freundlich und mit der besten Absicht, ein guter Mann zu sein. Aber er scheint bisher keinen Schimmer davon zu haben, was er sich für seine eigene Zukunft vorstellt. Andererseits hat er bereits Tatsachen geschaffen, er hat geheiratet und ein Kind gezeugt. Ganz offensichtlich hat er sein Leben nicht wirklich im Griff, ist ziellos und unreif.

Der wichtigste Charakter – neben Otah und Maati natürlich – ist Balasar Gice, ein galtischer General, der es sich zu Aufgabe gemacht hat, die Welt ein für alle Mal von den Andaten zu befreien. Er tut dies mit Gründlichkeit, Entschlossenheit und durchaus auch einer gewissen Gnadenlosigkeit, vor allem aber ausgesprochen nüchtern und sachlich, ohne jeden Fanatismus, Ehrgeiz oder Hass, nur aus der reinen Überzeugung heraus, dass das, was er tut, unumgänglich notwendig ist.

Daniel Abraham hat erneut bewiesen, dass er ein Händchen für Charakterzeichnung hat. Er hat diejenigen Personen, die von Anfang an dabei waren, weiterentwickelt, ohne dabei ihren ursprünglichen Entwurf so zu verändern, dass sie nicht mehr sie selbst sind. Alle seine Figuren, von den Neben- bis zu den Hauptrollen, sind frei von Klischees und wirken durch ihre Unsicherheiten, Gewissensbisse und Ängste jederzeit lebensecht und menschlich. Vor allem der General war ein großer Gewinn.

Faszinierend ist auch, dass Abrahams Geschichte noch immer völlig ohne echten Bösewicht auskommt. Die Galten mögen Gegner der magischen Städte sein, das sind sie aber hauptsächlich deshalb, weil sie sich durch die Macht der Andaten bedroht fühlen. Dafür gibt es gute Gründe, wie die Erinnerungen des Generals zeigen. Seltsamerweise gilt das umgekehrt genauso: Die Galten sind ein kriegerisches Volk mit einem schlagkräftigen Heer, das seit Jahrzehnten immer wieder mit seinen Nachbarn Krieg führt, und die magischen Städte fürchten, ohne den Schutz der Andaten von den Galten überrannt zu werden, was auch nicht so ganz von der Hand zu weisen ist. Diesen Konflikt, der letzten Endes in einen Krieg führt, hat Daniel Abraham gekonnt in Szene gesetzt. Die Kampfszenen hielten sich dabei eher in Grenzen, blutige Details und andere Grausamkeiten fehlen fast vollständig. Das Gewicht liegt eher darauf, wie die Menschen mit der Bedrohung oder mit dem Erlebten umgehen.

Das klingt jetzt vielleicht etwas fad, und tatsächlich kann ich nicht behaupten, dass ich beim Lesen feuchte Hände bekommen hätte. Aber dem Autor ist es gelungen, die Tatsache, dass der Gegenspieler des Helden eigentlich ein ganz patenter Mann ist, für sich zu nutzen. Denn am Ende geraten beide Seiten unter Druck, und der Leser weiß nicht so recht, ob er überhaupt jemandem, und wenn ja, wem nun den Sieg wünschen soll. Außerdem wäre da noch der Söldner Sinja, der auf seine Weise dafür sorgt, dass die Sache zunehmen spannend wird.

Überrascht hat mich, dass das Dokument, das im zweiten Band des Zyklus noch so wichtig zu sein schien, diesmal überhaupt nicht vorkam. Der Krieg des General Balasar Gice war offenbar eine ausgesprochen persönliche Angelegenheit, die zwar auf sein Betreiben hin vom galtischen Rat gebilligt und unterstützt wurde – irgendwoher musste er ja seine Soldaten nehmen – von den übrigen galtischen Intrigen aber unabhängig war. Das zeigt sich auch in der Durchführung, die Dimensionen von dem entfernt ist, was die Galten bisher an Unternehmungen auf die Beine gestellt haben.

Fragt sich nur, ob der galtische Rat mit dem Ergebnis zufrieden ist. Immerhin hatte er etwas andere Vorstellungen von der Zielsetzung dieses Feldzuges als sein General. Und da die phantastischen Elemente in diesem Zyklus bisher völlig auf die Andaten beschränkt waren, stellt sich auch die Frage, wie diese im letzten Band des Zyklus aussehen werden. Ich bin wirklich neugierig, wie die Sache ausgeht.

Daniel Abraham lebt mit Frau und Tochter in New Mexico. Bevor er seinen ersten Roman „Sommer der Zwietracht“ verfasste, hat er eine Vielzahl von Kurzgeschichten in Magazinen und Anthologien sowie den Kurzroman „Shadow Twin“ in Zusammenarbeit mit Gardner Dozois und George R. R. Martin veröffentlicht. Seine Kurzgeschichte „Flat Diane“ wurde für den Nebula Award nominiert. Der letzte Band des Zyklus Die magischen Städte, „The Price of Spring“, kommt im Juli 2009 in die amerikanischen Buchläden. Der Erscheinungstermin für die deutsche Übersetzung ist noch nicht bekannt.

509 Seiten, kartoniert
Originaltitel: An Autumn War (The Long Price Quartet 3)
Übersetzung: Andreas Heckmann
ISBN-13: 978-3-442-24448-5

http://www.danielabraham.com/
www.randomhouse.de/blanvalet

Der Autor vergibt: (4.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Jim Kelly – Kalt wie Blut

Während einer Kältewelle sterben zwei Männer auf bizarre Weise. Ein misstrauischer Reporter glaubt nicht an Zufall und enthüllt nicht nur eine mörderische Intrige, sondern muss auch noch feststellen, dass er selbst darin verwickelt ist … – Sehr britischer Krimi der modernen Art, d. h. unter Einsatz diverser ablenkender „red herrings“ geplottet, mit gesellschaftskritischen Untertönen ausgestattet und mit zwar intensiven Seifenoper-Elementen versehen, die aber durch trockenen Humor und einen gesunden Sinn fürs Absurde angenehm gemildert werden; anders ausgedrückt: Lektürevergnügen für den leicht gehobenen aber nie behaupteten Anspruch.
Jim Kelly – Kalt wie Blut weiterlesen

Abraham, Daniel – Winter des Verrats (Die magischen Städte 2)

Die magischen Städte:

Band 1: Das Drachenschwert“
Band 2: „Winter des Verrats“

Zwölf Jahre sind seit den Ereignissen in „Sommer der Zwietracht“ vergangen. Otah hat nach einigen Jahren auf See und auf den Inseln beim Haus Siyanti in Udun als Kurier angefangen und kommt so quasi in der ganzen Welt herum. So landet er unvermeidlich eines Tages auch in seiner Geburtsstadt Machi, und das ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als seine drei ältesten Brüder beginnen, um die Nachfolge ihres sterbenden Vaters zu kämpfen …

Kurz zuvor wird auch Maati nach Machi geschickt. Offiziell soll er die dortige Bibliothek nach einer besonderen Grammatik durchsuchen. Der wahre Auftrag des Dai-kvo aber lautet, Otah zu finden. Denn da Otah sich als Junge der Laufbahn als Dichter ebenso wie der Brandmarkung entzogen hat, könnte er möglicherweise den Entschluss fassen, Ansprüche auf den Thron des Khai Machi zu erheben …

Dabei ist Otah gar nicht die wirkliche Bedrohung. Jemand anderer greift nach der Macht, unmittelbar vor der Nase aller Beteiligten, und wird aufgrund des Geschlechtes einfach übersehen: Idaan, die Tochter des Khai Machi, ist der Überzeugung, dieselben Rechte zu haben wie ihre Brüder, und fest entschlossen, diese auch gegen alle gesellschaftlichen Regeln durchzusetzen, koste es, was es wolle!

Auch diesmal wird die Handlung durch eine Hand voll Personen getragen. Drei davon sind neu:

Idaan ist eine äußerst rebellische Person. Schon als Kind hat sie sich die unmöglichsten Streiche geleistet, aus Trotz gegen die Beschränkungen ihrer Geburt: Als Mädchen durfte sie nicht zur Schule gehen, und als erwachsene Frau darf sie nicht arbeiten und hat auch sonst keinerlei Möglichkeiten, selbst über ihr Leben zu bestimmen. Idaans Auflehnung wird immer drastischer und überschreitet schließlich nicht nur die Grenzen des Gesetzes. Dabei ist Idaan bei aller zornigen Entschlossenheit und allem Ehrgeiz nicht wirklich skrupellos, im Gegenteil. Am Ende empfindet sie sich selbst als so unerträglich, dass sie daran zu zerbrechen droht.

Adrah ist nicht nur ihr Bräutigam und Verbündeter, er liebt Idaan auch über alle Maßen. Obwohl er zunächst vor dem Ausufern ihrer Pläne wie ein verschreckter kleiner Junge zurückweicht, verhärtet Idaans Untreue ihn so sehr, dass am Ende er derjenige ist, der die Angelegenheit weiter vorantreibt.

Cehmai, der Dichter von Machi, ist ein umgänglicher junger Mann mit einem Hang zur Neugierde. Als er sich in Idaan verliebt, fällt ihm die Beherrschung des Andaten Steinerweicher allmählich immer schwerer. Denn obwohl Steinerweicher im Vergleich zu Samenlos von schlichtem Gemüt und eher ruhigem Naturell ist, wehrt auch er sich vehement gegen die Bindung an Cehmai, auf seine eigene, fast gutmütige Art.

Otah, der in Saraykeht unter dem Namen Itani gelebt hat, ist ziemlich der Alte geblieben. Noch immer ist er ein freundlicher, umgänglicher Kerl, der leicht Kameradschaft schließt, noch immer ist er anspruchslos und frei von jeglichem Ehrgeiz. Und noch immer hat er sein Leben nicht so auf die Reihe bekommen, wie er sich das wünscht. Es scheint, als wäre es ihm unmöglich, sich endgültig von seiner Herkunft zu befreien, und als er den Umständen schließlich nachgibt, geschieht es fast widerwillig.

Maati dagegen hat sich sehr verändert. Seine Naivität ist großteils einer Mischung aus Enttäuschung und Schuldgefühlen gewichen. Der Dai-kvo hat ihn geradezu degradiert, weil Maati Liat und ihr Kind nicht aufgeben wollte, was letztlich dazu führte, dass Liat sich von Maati getrennt hat. Maati betrachtet sich sowohl in weltlicher als auch in dichterischer Hinsicht als Versager, dabei ist er weder dumm noch unfähig. Es ist nur so, dass Maati ein freundliches Herz und einen stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn besitzt, was ihn immer wieder in Konfrontation mit den Forderungen des Dai-kvo bringt.

Die Charakterzeichnung ist wieder sehr gut ausgefallen. Auch in diesem Band hat der Autor jegliche Schwarz-Weiß-Malerei vermieden. Das zeigt sich vor allem in der Person von Idaan, die zur Abwechslung mal nicht zur emanzipierten Powerfrau geraten ist, sondern an ihrem inneren Konflikt zwischen Freiheitsdrang und Gewissen scheitert.

Die Handlung dreht sich erneut vor allem um Intrigen. Wie in Saraykeht sind auch hier die Galten mit im Spiel; sie wollen ein Manuskript aus der Bibliothek und versprechen dafür im Gegenzug Idaan und Adrah Unterstützung im Kampf um den Thron des Khai. Insgesamt gesehen verbleiben die Galten aber eher am Rande, und um was für ein Manuskript es da geht, wird nicht verraten. Offenbar hat der Autor sich dieses Detail für den nächsten Band aufgehoben.

Im Mittelpunkt stehen vor allem Idaan und ihre komplizierten Beziehungen zu Adrah und Cehmai, sowie Maati, der zu beweisen versucht, dass nicht Otah hinter all den Intrigen in Machi steckt, und das selbst entgegen der Anweisung des Dai-kvo. Dass sich in diese Angelegenheit auch noch eine Partei eingemischt hat, von der er gar nichts weiß, macht es für ihn nicht einfacher.

Mit anderen Worten, es ist alles genauso verwickelt wie beim ersten Band, nur wird es diesmal ein gutes Stück spannender, denn der Autor setzt die Lösung der ganzen Angelegenheit zeitlich unter Druck. Die Verzahnung der verschiedenen Beziehungen und Zusammenhänge war geschickt gemacht, sodass das Buch insgesamt eine wirklich runde Sache geworden ist, eine Einheit ohne Brüche und Knicke.

Der magische Aspekt wurde allerdings immer noch ein wenig stiefmütterlich behandelt. Vielleicht ändert sich das ja, wenn sich im nächsten Band herausstellen sollte, was an dem Manuskript so interessant war, dass die Galten solche Anstrengungen unternommen haben, um es in die Finger zu bekommen.

Bleibt zu sagen, dass mir der zweite Band besser gefallen hat als der erste. Er hatte zwar nicht mehr magischen Zauber als der erste zu bieten, dafür hat sich der Spannungsbogen tatsächlich gestrafft und auch das Erzähltempo hat sich, zumindest gegen Ende, ein Stück gesteigert. Dennoch bleiben die Charakterzeichnung und die Verwicklungen der Intrige die Hauptträger der Geschichte, was ja nicht unbedingt schlecht ist. Wer sich dagegen mehr fürs Monumentale begeistert oder Wert auf fantastische Ausschmückung legt, der sollte besser zu einer anderen Lektüre greifen.

Daniel Abraham lebt mit Frau und Tochter in New Mexico. Bevor er seinen ersten Roman „Sommer der Zwietracht“ verfasste, hat er eine Vielzahl von Kurzgeschichten in Magazinen und Anthologien veröffentlicht, sowie den Kurzroman „Shadow Twin“ in Zusammenarbeit mit Gardner Dozois und George R. R. Martin. Seine Kurzgeschichte „Flat Diane“ wurde für den Nebula Award nominiert. Die Fortsetzung des Zyklus Die magischen Städte, „An Autumn War“, wurde für Juli 2008 angekündigt, der deutsche Erscheinungstermin steht noch nicht fest.

Paperback, 448 Seiten
Originaltitel: The Long Price Quartet 2. A Betrayal in Winter
Aus dem Amerikanischen von Andreas Heckmann
ISBN-13: 978-3-442-24447-8

http://www.danielabraham.com/
www.randomhouse.de/blanvalet

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

David Anthony Durham – Macht und Verrat (Acacia 1)

Acacia

Band 1: „Macht und Verrat“

Seit Jahrhunderten lebt nahezu die gesamte bekannte Welt unter der Vorherrschaft des acacischen Reiches. Doch mindestens ebenso lange widersetzt sich das zähe und kriegerische Volk der Mein aus dem nördlichen Hochland Acacias Herrschaftsanspruch. Jetzt hat es einen Attentäter nach Acacia geschickt, der König Leodan töten soll, der Auftakt zu einem lange vorbereiteten Umsturzplan.

In Acacia ahnt niemand etwas davon. Als der König bei einem Bankett niedergestochen wird, fällt die acacische Herrscherschicht aus allen Wolken! Der Kanzler des Königs, Thaddeus Clegg, lässt rasch die vier Kinder des Königs in Sicherheit bringen, jedes an einen anderen Ort. Doch die Rettungsaktion läuft bei weitem nicht so, wie sie sollte …

Um es gleich vorweg zu sagen: Dieses Buch ist ein vielschichtiger und äußerst interessanter Roman. Das fängt schon bei den Charakteren an:

Leodan aus der Familie der Akaran ist ein freundlicher und gütiger Mann, aber ohne Durchsetzungsvermögen. Er leidet unter den dunklen Geheimnissen seines Reiches, hat jedoch nicht die Kraft, das System zu verändern. Dafür ist er ein liebevoller Vater, der sich für einen König erstaunlich viel mit seinen Kindern beschäftigt. Seit dem Tod seiner Frau sind sie sein Ein und Alles, und sein wichtigstes Ziel ist es, sie so lange wie möglich glücklich zu sehen. Er behütet sie vor wirklich allem, was nicht unbedingt zu ihrem Besten ist, immerhin sind zwei von ihnen schon fast erwachsen.

Aliver ist mit seinen sechzehn Jahren der Älteste und Thronfolger. Allerdings ist er ungewöhnlich schlecht auf diese Aufgabe vorbereitet. Trotz seines Alters ist er in keiner Weise in die aktuellen Regierungsgeschäfte eingebunden, und selbst der Geschichtsunterricht und die Ausbildung im Schwertkampf wirken irgendwie schwammig. Aliver scheint das selbst zu ahnen, denn er ist ziemlich unsicher, und, wie sich nach dem Attentat zeigt, einer echten Krise nicht gewachsen.

Die vierzehnjährige Corinn ist ein ziemlich oberflächliches Geschöpf. Sie mag Schmuck und schöne Kleider. Und sie legt viel Wert auf ihre Stellung, was einen der Gründe dafür darstellt, warum sie so mit dem Prinzen Igguldan von Aushenia liebäugelt. Politik an sich interessiert sie allerdings nicht, all die typischen kleinen Palastintrigen üben einen weit größeren Reiz auf sie aus. Das Attentat hebt auch ihre Welt aus den Angeln, aber mit weit weniger positivem Ergebnis.

Mena war schon mit zwölf erwachsener als ihre beiden großen Geschwister. Sie besitzt eine für ihr Alter ungewöhnlich ausgeprägte Menschenkenntnis, und obwohl ihr Vater natürlich auch von ihr alles Unangenehme fernhält, ist sie längst nicht so naiv wie Aliver oder Corinn. Sie besitzt einen selbstständigen Geist, der sich nicht mit den Erklärungen anderer abfindet, sondern nach der Wahrheit hinter den Fassaden sucht, und der letztlich dazu führt, dass Mena schließlich ihr Exil aus freien Stücken verlässt, um ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

Dariel ist mit neun der jüngste der vier, ein sonniger, stets fröhlicher Junge mit ausgeprägter Neugierde. Die Entdeckung alter unbenutzter Gänge innerhalb der heimatlichen Festung führt ihn bis in die Dienstbotenquartiere, wo er sich unter anderem mit dem ehemaligen Seeräuber Val anfreundet. Sein Glück, denn auch seine Flucht ging nicht ganz glatt vonstatten, und hätte Val ihn nicht zufällig unterwegs aufgegabelt …

Gegenspieler der Acacier scheint zunächst der Häuptling Hanish Mein zu sein. Wie alle Mein hasst er die Herrscherfamilie der Akaran zutiefst und will ihre Herrschaft vollständig vom Antlitz der Welt tilgen. Schon bald zeigt sich jedoch, dass mit seinem Schlag gegen die Akaran nicht die Herrschaft gewechselt hat, sondern lediglich der Herrscher. Hanish findet sich in derselben Falle wieder wie Leodan. Und er verheddert sich zunehmend in dem Widerspruch zwischen den Forderungen seiner Ahnen und seiner wachsenden Zuneigung zu Corinn.

Alle diese Figuren – vielleicht mit Ausnahme von Leodan – durchlaufen eine Entwicklung. Das gilt natürlich vor allem für die vier Kinder, die im Laufe der Erzählung erwachsen werden. Während bei den beiden Jungen eher der Unterschied zwischen Kind und jungem Mann im Vordergrund steht, kann man bei den beiden Mädchen tatsächlich die Entwicklung als solche mitverfolgen. Der Konflikt, in den Hanish hineinschlittert, ist nicht ganz so hautnah ausgefallen, doch immer noch sehr lebendig und glaubwürdig. Das erstreckt sich ebenso auf Nebenfiguren wie Theseus Clegg, Hanishs blutrünstigen Bruder Maeander oder Rialus Neptos. Angenehm ist auch, dass Aliver, obwohl er letztlich zur Heldenfigur wird, nicht ins Klischee abrutscht. Sehr gelungen!

Der eigentliche Feind bleibt auch hier vorerst noch gesichtslos, da sein Reich außerhalb der bekannten Welt liegt. Er ist derjenige, der durch alle Widrigkeiten hindurch immer Oberwasser hat. ‚Vertreten‘ wird er durch die Gilde, die trotz aller Wechselfälle ununterbrochen ihren Geschäften nachgeht und dabei reicher und reicher wird. Eine Vereinigung mit ungeheurer wirtschaftlicher Macht und uneingeschränktem Opportunismus, absolut untauglich als Verbündeter, und doch im Kampf um die politische Macht immer wieder umworben. Die Mitglieder der Gilde legen eine skrupellose Kaltschnäuzigkeit an den Tag, die Ihresgleichen sucht. Spätestens nach dem Angriff der Piraten auf die Plattform der Gilde im westlichen Meer wird deutlich, dass die Gilde der wahre Herrscher über die bekannte Welt ist. Wer allerdings die ungeheure Macht jenseits der Gilde ist, das bleibt vorerst eher vage und besitzt gerade genug Substanz, um eine ungeheure Bedrohung anzudeuten.

Diese Macht ist es auch, die das Land mit Nebel versorgt, einer Droge, die dem Menschen seine Willenskraft nimmt. Die Gründer des acacischen Reiches, Edifus und Tinhadin, nahmen diese Droge nur zu gern, um damit den Widerstand in den unterworfenen Gebieten zu lähmen. Seither bezahlt Acacia für regelmäßige Nebellieferungen ebenso regelmäßig mit einer bestimmten Anzahl Kinder, von denen keines weiß, was aus ihnen wird. Diese Vereinbarung, die Quote genannt, war nicht nur schändlich, sie war auch ausgesprochen dumm, denn für die Sicherung ihrer Herrschaft über die bekannte Welt haben die Akaran mit einer dauerhaften Schwächung ihres neu geschaffenen Reiches gegenüber der Anderen Welt bezahlt!

Auch der Entwurf der verschiedenen Völker und Kulturen hat mir gut gefallen.

Die Santoth fallen ein wenig aus dem Rahmen, denn sie sind eigentlich keine Kultur. Sie sind Zauberer, und ihre Magie beruht auf der Sprache des Schöpfers, der einst durch seinen Gesang die Welt erschuf. In Durhams Weltentwurf ist diese Magie eine zweischneidige Angelegenheit, denn sie wurde einem Gott gestohlen und kann von Menschen nicht wirklich beherrscht werden. Selbst bei den besten Absichten und größter Sorgfalt entwickelt ihr Gebrauch unangenehme Nebenwirkungen. Und nicht nur das: Die Sprache des Schöpfers besitzt eine unwiderstehliche Anziehungskraft. Die Anziehungskraft der Macht.

Die Mein, die ihren Angriff auf Acacia unter anderem mit der Grausamkeit der Quote begründeten, scheuen ihrerseits nicht davor zurück, Waffen aus Anderwelt gegen ihre Gegner einzusetzen, ob es sich dabei nun um Krankheiten oder wilde Tiere handelt. Weder gegen den Handel der Gilde noch gegen die übrigen Unmenschlichkeiten des alten Regimes wie die Zwangsarbeit in den Bergwerken ergreift Hanish irgendwelche Maßnahmen. Und dieselben Krieger, die so stolz waren auf ihre Härte und ihre Fähigkeit, im grausamen Klima des Hochlandes zu überleben, und für den Luxus und die Verweichlichung der Acacier stets nur Hohn und Spott übrig hatten, können es kaum erwarten, ihr karges Leben zugunsten eben dieses Luxus aufzugeben. Die Ehrenhaftigkeit der Mein, die man Hanishs Onkel Haleven noch abnimmt, wird immer fadenscheiniger. Und letzten Endes bleibt nicht viel mehr übrig als die Unterwerfung der lebenden Mein unter den Willen der Tunishni, der Seelen ihrer verstorbenen Ahnen, die ausschließlich nach Rache gieren.

Die Vumu dagegen scheinen ein äußerst friedliebendes Volk zu sein. Sie neigen dazu, das Leben zu genießen, was auf den fruchtbaren Inseln im östlichen Meer nicht allzu schwierig wäre. Allerdings haben sie eine höchst rachsüchtige Göttin in der Gestalt eines Seeadlers, die einst von einem besonders stattlichen Vumu zurückgewiesen wurde. Seither sind die Vumu ständig ängstlich damit beschäftigt, ihre Göttin milde zu stimmen, selbst wenn der Seeadler ihre kleinen Kinder raubt. Bis eines Tages Mena – die Akaran-Prinzessin mit der selbstständigen Denkweise – dagegen aufbegehrt, zum maßlosen Zorn der Priester! Und wieder bleibt am Ende nichts übrig als der Wunsch einiger Weniger nach Macht über ihre Mitmenschen.

Tatsächlich ist es so, dass nahezu jede Wendung, welche die Ereignisse nehmen, einen Schleier zur Seite zieht, und dahinter wird offenbar, worum es wirklich geht: Macht! Ob Hanish, die Gilde, die Priester der Vumu-Göttin oder Rialus Neptos – sie alle kennen kein einziges anderes Ziel, mit welchen Mäntelchen auch immer sie es verbrämen. Die Gewinner mögen ihre Helfershelfer danach schlecht behandeln, nur um dann von ihnen verraten zu werden, sie mögen sie belohnen, indem sie allen ihren Forderungen nachgeben, und trotzdem verraten werden. Ganz gleich, was sie tun, sie müssen nur zu bald erfahren, dass jeder, der nicht aus eigener Kraft die Oberhand gewonnen hat, sie nicht behalten kann! Kurz und gut: Kaum ein übersetztes Buch hat jemals einen so treffenden deutschen Titel getragen wie dieses.

Um es in wenigen Worten zusammenzufassen: David Anthony Durham hat ein vielschichtiges und scharfsichtiges Buch über Macht und Politik geschrieben, ausstaffiert mit sehr glaubwürdigen und stets menschlichen Charakteren und eingebettet in den eher schlichten, aber präzisen Entwurf einer interessanten Welt. Fantasy-Elemente wie die Magie der Santoth oder die Tunishni spielen eher Nebenrollen. Der Spannungsbogen ist dabei eher schwach gespannt.

Wer es also unbedingt üppig und ausgeschmückt haben möchte oder Wert auf rasante Aktionen oder nie dagewesene Spezialideen legt, wird hier nicht ganz auf seine Kosten kommen. Alle anderen aber erwartet unter einem dünnen Schleier des Fantastischen ein Blick in die realistischen Abgründe der menschlichen Herrsch- und Selbstsucht.

David Anthony Durham wurde 1969 in New York geboren, war aber viel in Europa unterwegs. Unter anderem hat er mehrere Jahre in Schottland verbracht. Neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller hat er an verschiedenen Universitäten gelehrt. Zu seinen Werken gehören außer einigen Kurzgeschichten die Romane „Gabriel’s Story“ und „Walk through Darkness“ sowie der Historienroman „Pride of Karthage“ über den zweiten punischen Krieg, von denen bisher jedoch keines ins Deutsche übersetzt wurde. „Macht und Verrat“ ist sein erstes Fantasy-Buch und der vielversprechende Auftakt zur Trilogie Acacia.

Paperback, 796 Seiten
Originaltitel: Acacia 1: The War with the Mein
Aus dem Amerikanischen von Norbert Stöbe
ISBN-13 978-3442244942

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Der Autor vergibt: (5.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Tess Gerritsen – In der Schwebe

Als in einer um die Erde kreisenden Raumstation versehentlich Mikroorganismen freikommen, erweisen sie sich als mutiert und lebensgefährlich. Während an Bord fieberhaft nach einem Gegenmittel gesucht wird, werden ‚unten‘ schon Raketen in Stellung gebracht … – Schwammige Mischung aus (Medizin-) Thriller und Science Fiction, wobei ersterer unter zu vielen zwischenmenschlichen Problemchen und letzte unter sichtlicher Genre-Unsicherheiten leidet: wohl eher ein Werk für die Leser/innen von „Lady-Thrillern“.
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Ann Benson – Die siebte Geißel

Spanien im Jahre 1348: Der Arzt und Wissenschaftler Alejandro Canches ist ein wissbegieriger Mann, dem eine Frage nicht mehr aus dem Kopf gehen will: Ist es möglich, mehr über Krankheiten und damit über Möglichkeiten ihrer Bekämpfung, zu erfahren, indem man die Körper jener, die ihnen zum Opfer gefallen sind, öffnet und studiert? Mit dieser Theorie ist Canches seinen Zeitgenossen geistig etwas zu weit voraus. Die Freuden des Alltags sind wie die Plagen gottgegeben und müssen genommen werden, wie sie kommen; das ist die Sicht derer, die in der Welt des Mittelalters das Sagen haben.

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Daniel Abraham – Sommer der Zwietracht (Die magischen Städte 1)

Die magischen Städte:

Band 1: „Sommer der Zwietracht“

Das Reich ist vor langer Zeit untergegangen. Heute ist das Land ein Sammelsurium von mehreren mächtigen Großstädten, die jede von einem Khai regiert werden. Doch obwohl das Land zersplittert ist, leben die Menschen seit langem in Frieden. Denn so lange jede Stadt ihren Dichter hat, sind sie unangreifbar. Die Dichter beherrschen die Andaten, mächtige Wesen, die die Städte schützen.

Otah hat die Chance, einer dieser Dichter zu werden. In seiner derzeitigen Situation erscheint ihm diese Möglichkeit allerdings wie ein ferner Traum, den er sich nicht erlauben kann. Der Schulalltag ist schier unerträglich hart und Otah hauptsächlich damit beschäftigt, die Torturen zu überstehen. Bis sich ihm eines Tages der eigentliche Zweck der Schule erschließt. Otah rebelliert …

Im Grunde ist Otah ein recht durchschnittlicher Junge. Er ist zwar von vornehmer Herkunft, aber weder besonders mutig noch besonders klug. Außergewöhnlich ist lediglich die Tatsache, dass er sich dem System verweigert. Ihm fehlt jeglicher Wille zur Macht, ja nicht einmal Reichtum bedeutet ihm etwas. Sein freundliches Wesen macht es ihm leicht, Kontakte zu knüpfen, wirklich einen Platz im Leben zu finden, fällt ihm jedoch schwer.

Seine Geliebte Liat dagegen besitzt eine gehörige Portion Ehrgeiz, zu Otahs Leidwesen nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihn. Gleichzeitig aber fühlt sie sich ihren eigenen Anforderungen nicht gewachsen, und sie ist nicht besonders krisenfest. Liat kann nicht allein sein, sie braucht ständig jemanden zum Anlehnen.

Maati ist der Lehrling des Dichters von Saraykhet, ein gutherziger Junge, der zwar die Schule und die Ausbildung beim Dai, dem Obersten der Dichter, erfolgreich durchlaufen hat, dem allerdings noch die Praxis im Umgang mit Andaten fehlt. Abgesehen davon hat er auch noch keinerlei Lebenserfahrung. Als er in Saraykhet zum ersten Mal selbstständig echte Schwierigkeiten meistern muss, reagiert er hilflos und verunsichert.

Denn sein Lehrer Heshai, im Grunde gutmütig und freundlich, scheint leider nicht nur an Maatis Ausbildung völlig desinteressiert, er ist auch selbst hoffnungslos überfordert. Geschlagen mit einem unansehnlichen Äußeren, einer trübseligen, unverwundenen Vergangenheit und einem ausgeprägten Mangel an Selbstbewusstsein, hat er sich rettungslos dem Alkohol ergeben. Nicht einmal seinen Andaten kann er mehr ordentlich im Zaum halten. Falls er das überhaupt je gekonnt hat …

Samenlos, sein Andat, ist nämlich ein ausgesprochen widerspenstiges Exemplar, das nicht nur den für Andaten typischen Drang hat, aus der Kontrolle des Dichters auszubrechen, sondern außerdem einen ganz persönlichen Hass gegen seinen Meister hegt. Um die Sache komplett zu machen, ist Samenlos auch noch äußerst intelligent und durchtrieben, und so etwas wie Skrupel scheint er nicht zu kennen.

Die Charakterzeichnung hat mir wirklich gut gefallen. Keine der Figuren ist frei von Fehlern, und keine von ihnen lässt sich in ein Schema pressen. Es gibt keinen eindeutigen Helden oder Bösewicht, keinerlei Schwarzweiß-Effekt. Der Autor hat sich nicht auf einen Protagonisten konzentriert, sondern auf eine gute Handvoll. Dadurch ist die Ausarbeitung nicht ganz so detailliert ausgefallen, trotzdem wirken alle seine Hauptcharaktere plastisch und lebendig. Sehr gelungen.

Ebenso gelungen fand ich die Idee der Andaten. Obwohl sich gelegentlich der Ausruf „Ihr Götter!“ findet, spielen Götter im herkömmlichen Sinne bisher keine Rolle. Im Vordergrund stehen die Andaten, gottähnliche, mächtige Wesen, welche die Menschen sich dienstbar gemacht haben. Eigentlich ist selbst der Begriff „Wesen“ schon nicht ganz korrekt, denn Andaten sind keine Wesenheiten, sondern Ideen. Durch die Beschwörung der Dichter wird ihnen eine Gestalt aufgezwungen, die sie in die Lage versetzt, die Realität unmittelbar zu beeinflussen. Die Andaten allerdings empfinden den Körper, in den sie gezwängt sind, als Gefängnis, ihre Bindung an den Dichter als Versklavung.

Die Dichter sind sich dieser Tatsache durchaus bewusst. Ohne die Andaten auskommen will aber niemand. Denn die Andaten sichern ihnen nicht nur militärische, sondern auch wirtschaftliche Vorteile. Und wo besondere Vorteile sind, ist auch besonderer Neid zu finden. Dieser Neid und der Freiheitsdrang der Andaten bilden zusammen ein Pulverfass, das die Städte langfristig gesehen in ziemliche Schwierigkeiten bringen dürfte, zumal das Konkurrenzdenken auch innerhalb der Führungsebene extrem ausgeprägt ist. Kein Sohn eines Khai oder Utkhai kann seinen Vater beerben, solange er noch lebende Brüder hat!

Abgesehen von den Andaten finden sich in diesem Roman allerdings keine weiteren Fantasy-Elemente, was ich dann doch ein wenig schade fand. Die Welt als solche ist zwar nicht uninteressant, lebt aber hauptsächlich von geographischen und kulturellen Kontrasten, die größtenteils nur angedeutet sind. Das lässt den Hintergrund der Geschichte schon fast realistisch wirken. Dem Buch fehlt es an Magie.

Die Handlung steht zunächst hinter dem Entwurf von Welt und Charakteren ein wenig zurück, da der Autor die Bedrohung sehr latent angelegt hat. Alles entwickelt sich schrittweise, ohne Hast oder dramatische Paukenschläge. Der Rahmen, in dem sich die Intrige abspielt, wirkt geradezu alltäglich. Wie es sich für eine Intrige gehört, passiert alles heimlich, leise und sehr indirekt. Schließlich soll ja niemand wissen, worum es wirklich geht. So gelingt es dem Autor, das wahre Ausmaß der Ereignisse bis fast ganz zum Schluss aufzuheben.

Die Kehrseite der Medaille ist, dass sich die Spannung dadurch stark in Grenzen hält. Nicht einmal gegen Ende zieht der Spannungsbogen an, da der Autor die Ausweitung der Bedrohung offenbar ganz auf den nächsten Band verlegt hat. So ist „Sommer der Zwietracht“ ein Buch, das hauptsächlich von seinen gelungenen Charakteren und deren Beziehungen zueinander lebt. Für dieses Mal hat das – zusammen mit dem allmählichen Aufbau der Intrige – gereicht, um nicht langweilig zu werden. Vom nächsten Band erhoffe ich mir allerdings etwas mehr Flair, ein höheres Erzähltempo und einen strafferen Spannungsbogen.

Daniel Abraham lebt mit Frau und Tochter in New Mexico. Bevor er seinen ersten Roman „Sommer der Zwietracht“ verfasste, hat er eine Vielzahl von Kurzgeschichten in Magazinen und Anthologien veröffentlicht, sowie den Kurzroman „Shadow Twin“ in Zusammenarbeit mit Gardner Dozois und George R. R. Martin. Seine Kurzgeschichte „Flat Diane“ wurde für den Nebula Award nominiert. Die Fortsetzung des Zyklus Die magischen Städte, „Winter des Verrats“, soll im März nächsten Jahres erscheinen.

Paperback 444 Seiten
Originaltitel: A Shadow in Summer (The Long Price Quartett 1)
Übersetzung: Andreas Heckmann
ISBN-13: 978-3-442-24446-1

http://www.danielabraham.com/
www.randomhouse.de/blanvalet

Der Autor vergibt: (4.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Stephen Hunter – Die Gejagten

Hunter Gejagte Cover 2000 kleinAus einem Hochsicherheitsknast brechen drei Schwerverbrecher aus, die nichts mehr zu verlieren haben und sich erbarmungslos ihren Fluchtweg durch spärlich besiedelte Landstriche bahnen. Die Polizei setzt sich auf ihre blutige Spur, und bald stellt sich die Frage, wer bei dieser Jagd mehr Schaden anrichtet … Kompromisslos harter und gewaltreicher, aber ungemein spannender Thriller mit erstaunlicher Figurenzeichnung und zynischem Blick auf „Gesetz“ und „Verbrechen“, die hier zunehmend in einer Grauzone verschmelzen.
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George R. R. Martin – Die Herren von Winterfell (Das Lied von Eis und Feuer 1)

Einer der besten Fantasyzyklen

„Das Lied von Eis und Feuer“, so heißt das ambitionierte Großprojekt von George R. R. Martin auf dem Gebiet der epischen Fantasy. Die acht ersten Bände davon sind bereits auf Deutsch erschienen und lassen sich zum Besten einordnen, was diese Literaturgattung bisher hervorgebracht hat.

Mehrere Handlungsstränge aufgreifend, bietet Martin einen Blick auf eine farbenprächtige Welt voller Gegensätze, ein buntes Gewimmel verschiedenster Schicksale, verstreut vom kargen, frostklirrende Norden bis zu den orientalisch prächtigen Ländern des Sommers. Eine Welt, in der die Jahreszeiten sich über Jahre erstrecken können und auf einen milden langen Sommer ein umso härterer Winter folgt. In diesen Wintern erwachen im Norden dunkle Mächte. Und der jetzige Sommer währte bereits die Rekordzeit von zehn Jahren … Doch noch ist die Witterung ihnen wohlgesonnen und die Menschen sind mit ihrem eigenen Streit beschäftigt.

George R. R. Martin – Die Herren von Winterfell (Das Lied von Eis und Feuer 1) weiterlesen

Lee Child – Der Janusmann

Das geschieht:

Vor zehn Jahren hat Jack Reacher, damals noch Militärpolizist, den Landesverräter Quint erschossen, nachdem der eine Kollegin sadistisch zu Tode gemartert hatte. Nun muss Reacher erfahren, dass Quint nicht nur überlebt hat, sondern Anführer einer weltweit operierenden Bande von Waffenschmugglern geworden ist, während der einstige Polizist längst entlassen wurde und sich auf eine ruhe- und ziellose Wanderschaft durch Nordamerika begeben hat.

Reacher will Quint endgültig ausschalten. Deshalb ist er bereit, mit der Justizbeamtin Susan Duffy zusammenzuarbeiten. Vor zwei Wochen hat sie einen weiblichen Spitzel in das festungsartig gesicherte Hauptquartier des ‚Teppichhändlers‘ Beck eingeschleust, der mit Quint zusammenarbeitet. Die Agentin meldet sich nicht mehr und ist offensichtlich entdeckt worden. Duffy will sie mit Reachers Unterstützung retten. Lee Child – Der Janusmann weiterlesen