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Daniel Abraham – Frühling der Vergeltung (Die magischen Städte 4)

Die magischen Städte:

Band 1: Das Drachenschwert“
Band 2: Winter des Verrats“
Band 3: Herbst der Kriege“
Band 4: „Frühling der Vergeltung“

Fünfzehn Jahre sind seit den Ereignissen in „Herbst der Kriege“ vergangen. Die Städte der Khai, die den Überfall der Galten überlebt haben, stehen vor dem Zusammenbruch, denn seit fünfzehn Jahren wurden im Reich nur eine Handvoll Kinder geboren, Kinder, deren Mütter aus anderen Ländern stammen. Otah, inzwischen Kaiser, sieht nur eine Möglichkeit, den Niedergang seines Volkes zu verhindern: Heiraten zwischen seinem Volk und den verfeindeten Galten, die auf Seiten der Männer dasselbe Problem haben. Der Plan stößt auf wenig Gegenliebe, und das nicht nur in Galtland.

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Brent Weeks – Am Rande der Schatten (Schatten-Trilogie 2)

Letztes Jahr erschien im Blanvalet-Verlag das Erstlingswerk von Brent Weeks – „Der Weg in die Schatten“ – und entführte den Leser in eine faszinierende neue Region der phantastischen Literatur. Der Auftaktband der Schatten-Trilogie war mehr als überzeugend, und mit dem Erscheinen des zweiten Teiles ist der Autor durch die Erwartungshaltung des Lesers gefordert, die ohnehin schon dichte Atmosphäre und den Spannungsbogen weiter auszubauen.

Inhalt

Kylar Stern – oder Azoth, wie er früher, in einem ganz anderen Leben hieß – sieht sich gezwungen, sein Leben und das seiner kleinen Familie zu überdenken. Nach der Invasion durch den brutalen und kalten Gottkaiser befindet sich Kylars frühere Heimat in den Händen der Invasoren, die mit Willkür und Opferungen, die eher sorgsam organisierten Hinrichtungen gleichen, das Volk einschüchtern. Kylar und seine alte Liebe, das ehemalige Puppenmädchen Elene und die Tochter seines ehemaligen Meisters, der auch für Kylar so etwas wie eine Vaterfigur gewesen ist, fliehen aus der Stadt. Elene, die um Kylars Vergangenheit und seine Tätigkeit als gedungener Mörder, als „Blutjunge“ weiß, möchte, dass ihr Liebster nicht mehr zu seinem Schwert „Vergeltung“ greift und dem Töten abschwört.

Angekommen in seiner neuen Umgebung, wird Kylar aber nicht glücklich. Auch wenn er mit Elene ein Herzensziel erreicht hat, überkommt ihn eine stetige innere Unruhe. Kylar wurde zum Töten ausgebildet, von einem Meister, dessen tödliches Talent einmalig war, und doch war Durzo Blint kein schlechter Mensch, und vieles, was seinen Meister innerlich bewegte, versteht Kylar erst jetzt. Doch Kylar musste seinen Meister in einem Zweikampf töten, und nun, auf sich allein gestellt, kann er sich nicht wirklich mit jemanden austauschen. Elene würde ihn ohnehin nicht verstehen, denn seinen Wunsch zu töten und seine erworbenen Fähigkeiten zu trainieren, kann er nicht ausleben, und so wird Kylar zunehmend gereizter.

Nach einer Zwiesprache mit sich selbst öffnet er dann doch seine Kiste, in der seine Blutjungenkleidung und seine Waffen schlummern, und geht nachts auf die Jagd. Verbrecher, Diebe und Räuber werden zu Zielen Kylars – auch wenn er sie anfangs nur erschreckt, ist es lediglich eine Frage der Zeit, bis sein Schwert „Vergeltung“ wieder Blut fließen lassen wird.

Inzwischen wird das Blutmädchen Vi vom Gottkaiser beauftragt, seinen alten Freund Jarl zu ermorden, der inzwischen das Oberhaupt der organisierten Kriminalität geworden ist. Gefangen zwischen den Optionen des Versagens, der Loyalität zu Jarl und dem Zorn des Gottkaisers, ist Vi der Verzweiflung nahe, doch wie unter einem Zwang weiß sie auch, was ihre nächsten Schritte sein werden.

Kylar, der ja vermutet, dass sein Freund und nun König Logan Gyre den Tod gefunden hat, täuscht sich indessen. Logan Gyre lebt, ist aber in dem dunkelsten Gefängnis der Stadt gelandet, das auch als „Das Arschloch der Hölle“ bekannt und berüchtigt ist. Hier haben nur jene Menschen eine Chance zu überleben, die skrupellos sind gegenüber ihrem eigenen Gewissen und jeder Ethik. Im Loch kann man nur überleben, wenn man bereit ist, seine Menschlichkeit abzulegen, wobei Mord hier noch eher eine Bagatelle darstellt.

Als Kylar von seinem alten Freund Jarl um Hilfe gebeten wird, den Gottkaiser umzubringen, um für die Rebellion gegen die Besatzer ein Zeichen zu setzen, muss er sich entscheiden, ob er seiner Familie und dem Versprechen, das er Elena gab, treu bleibt oder aber seine Bestimmung und sein Schicksal herausfordern soll.

Kritik

„Am Rande der Schatten“ von Brent Weeks wird den Leser erneut begeistern. Kylar ist erwachsen geworden; er ist ein Blutjunge, er ist der Nachtengel und damit eine Legende. Sein Talent ist tödlich, doch noch bewahrt er seine Menschlichkeit und sein Mitgefühl für andere. Zwischen Verantwortung und Bestimmung wird Kylar hin- und hergerissen. Fast zu spät entdeckt er, dass sein Schicksal nicht immer in seinen Händen liegt und dass Verantwortung ein sehr scharfes zweischneidiges Schwert sein kann.

Die Handlung baut sich auf, indem die Protagonisten immer wieder in persönliche Konflikte getrieben und so gelenkt werden, dass ihre Entscheidungen die der anderen bis aufs Äußerste beeinflussen. Hier geht es nicht um eindimensionale Beweggründe. Die Grenzen zwischen Freund und Feind, zwischen Verantwortung und Bestimmung sind fließend und oft genug müssen sich Kylar und auch Logan eingestehen, dass man gezwungen wird, sich nicht nur am Rande der Schatten zu bewegen, sondern auch tief in sie einzutauchen.

Dass Kylar wieder zum Schwert greift, ist natürlich schon der Tatsache geschuldet, dass es sich hier um eine Trilogie handelt, also absolut vorhersehbar, doch Kylars Dilemma mit seiner Familie und dem Drang, die Konfrontation mit dem Bösen zu suchen, zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Handlung. Spannend bleibt die ganze Thematik auf jeden Fall, und auch für Action wird gesorgt, wenn auch ein bisschen weniger als im ersten Teil. Deutlich zugenommen hat hier die Einbeziehung der magischen Elemente, und das finde ich diesmal, gemessen an den übrigen Szenarien, überproportioniert.

Kylar wirkt im zweiten Teil deutlich überfordert. Dadurch, dass er immer versucht, allem und jedem gerecht zu werden, vergisst er sich selbst und handelt fast zu spät für sich und andere. Der zweite Handlungsstrang beschäftigt sich primär mit Logan, der gezwungen ist, mit dem Bösen zu paktieren, denn im „Loch“ gibt es keine Zivilisation, hier herrscht Primitivität und keine Moral, und erst recht kennt man hier kein Gewissen. Um zu überleben, muss er sich mit Mördern und Vergewaltigern verbünden, die unverzeihliche Verbrechen verübt haben. Logan verändert ich zwangsläufig und wird niemals mehr die gleiche Person sein.

Das Blutmädchen Vi ist der verlorenste Charakter in diesem zweiten Band. Weder weiß sie, was sie möchte, noch kann sie einschätzen, welche Folgen ihre Handlungen haben werden. Zwischen Gefühl und Verstand verloren, fühlt sie sich isoliert und unverstanden. Noch schlimmer wird es für sie, als sie den Auftrag bekommt, Jarl zu töten, ihren alten Freund, und als sie später Kylar kennenlernt, ist sie fasziniert von seinen Fähigkeiten und seinem Charakter.

In ihrem Leben gab es nicht viel Licht. Sie selbst kannte nur die undurchdringliche Dunkelheit, lebte eher jenseits der Schatten und bewegt sich nun langsam an die verheißungsvolle lichte Oberfläche, die so vielversprechend ist, so menschlich sein kann, dabei aber auch so verletzend. Doch sie ist bereit, für ihre Menschlichkeit zu kämpfen und notfalls auch alles zu opfern. Hier kann der Leser wirklich gespannt sein, denn ähnlich wie bei Kylar trägt sie eine Unmenge an Potenzial in sich und im dritten Teil der Serie kann sie zur Schlüsselfigur werden.

„Am Rande der Schatten“ besteht aus drei Handlungssträngen, die an die drei Protagonisten gekoppelt sind. Zum letzten Drittel des Buches hin verfolgen diese drei ein gemeinsames Ziel, nur der Weg dahin ist ein jeweils eigenständiger.

Interessant zu betrachten ist die Wirkung der Invasoren auf die Bevölkerung. „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“ trifft in diesem Falle zu, denn auch die Gilde der Kriminellen ist wenig angetan von der brutalen totalitären Herrschaft und rebelliert offen zusammen mit Bürgern und dem Adel, was in einer „Blutnacht“ eskaliert.

Fazit

„Am Rande der Schatten“ von Brent Weeks setzt die Schatten-Trilogie gelungen fort und überzeugt durch die facettenreichen und vielschichtigen Charaktere. Mit viel Spannung und Action bietet auch dieser Roman ein überaus hohes Lesevergnügen, das den Leser packen und nicht mehr loslassen wird.

Als Negativkritik gibt es nur wenig anzumerken: Die magischen Komponenten sind gerade in der Mitte der Geschichte meiner Meinung nach übermäßig präsent im Vergleich zu den menschlichen Wesenszügen der Charaktere.

Auf der Bühne präsentieren sich Dramatik und Tragik, Liebe und Tod, und selbst in kleineren Nebenschauplätzen zeigt sich das Talent des Autors und somit ein Roman, der mit seinen Figuren hundertfünfzigprozentig zu überzeugen weiß. Phantastisches Lesevergnügen ist hier garantiert, und Brent Weeks hat damit Zauberhaftes für die Leserschaft geleistet.

Der Autor

Brent Weeks wollte schon als Junge Schriftsteller werden und hat sich deshalb nach dem Collage nicht mit dem Erlernen eines anderen Berufes aufgehalten, sondern gleich mit dem Schreiben begonnen. Bis jemand bereit war, ihm etwas dafür zu bezahlen, hielt er sich als Barkeeper über Wasser. „Der Weg in die Schatten“ war seine erste Veröffentlichung und der Auftakt zur |Nachtengel|-Trilogie, gefolgt von „Am Rande der Schatten“. Band drei, „Jenseits der Schatten“, ist für den November 2010 angekündigt. Der Autor schreibt derweil an seiner nächsten Serie, deren erster Band unter dem Titel „The Black Prism“ im August dieses Jahres auf Englisch erschien.

Originaltitel: Night Angel 02. Shadow’s Edge
Übersetzung: Hans Link
704 Seiten, Klappenbroschur
ISBN-13: 978-3442266296

www.brentweeks.com
www.randomhouse.de/blanvalet

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (2 Stimmen, Durchschnitt: 5,00 von 5)

Weeks, Brent – Weg in die Schatten, Der (Schatten-Trilogie 1)

Azoth ist elf und gehört damit zu den Kleinen in der Gilde des schwarzen Drachen. Und wie alle Kleinen hat er entsetzlich unter dem sadistischen sechzehnjährigen Ratte zu leiden. Kein Wunder, dass der Junge davon träumt, von Durzo Blint als Lehrling angenommen zu werden. Doch Durzo Blint ist eine lebende Legende und hat noch nie einen Lehrling angenommen. Als Durzo Azoth die Bedingung nennt, unter der er eine Ausnahme zu machen bereit wäre, muss Azoth feststellen, dass das, was seinen Traumberuf ausmacht, ihm gar nicht so leicht fällt wie er gedacht hatte …

Eigentlich ist Azoth ein freundlicher, mitfühlender Kerl. Er teilt sein bisschen Essen nicht nur mit seinem Freund Jarl, sondern auch mit der stummen Kleinen, die alle nur Puppenmädchen nennen. Der einzige Mensch, den er wirklich hasst, ist Ratte. Er hat entsetzliche Angst vor dem viel stärkeren Jungen; dass er es trotzdem wagt, sich zu widersetzen, zeigt seinen Mut. Doch als der Konflikt sich immer mehr zuspitzt, zögert Azoth, die Sache konsequent zu Ende zu bringen.

Ratte dagegen ist ein skrupelloses Scheusal. Das Einzige, was ihn davon abhält sich wie ein wildes Tier zu verhalten, ist der Plan, an den er sich halten muss um das Ziel zu erreichen, das er sich gesteckt hat. Denn Ratte hat durchaus nicht vor, sich mit der Anführerschaft einer Kinderdiebesgilde zufrieden zu geben. Ratte will mehr, viel mehr …

Auch Durzo Blint scheint so etwas wie Skrupel nicht zu kennen. Schließlich kann ein gedungener Attentäter es sich generell nicht leisten, seine Aufträge in Frage zu stellen, doch Blint hat auch kein Problem damit, in einem solchen Zusammenhang noch weiteren Menschen das Leben zu nehmen, wenn er es für nötig hält, auch wenn für ihn das Eintreten einer solchen Notwendigkeit ein Zeichen für Pfusch bei der Arbeit ist. Im Laufe der Zeit stellt sich allerdings heraus, dass Durzo Blint nicht ganz so abgebrüht ist, wie er gern möchte, dass die Welt es von ihm glaubt.

Und dann ist da noch Logan Gyre. Der zwölfjährige Junge ist der Sohn eines der mächtigsten und beliebtesten Adligen des Reiches und nur deshalb nicht der Kronprinz, weil sein Vater einst, um einen Bürgerkrieg zu vermeiden, auf seinen Anspruch auf den Thron verzichtet hat. Und Logan schlägt ganz nach seinem Vater: Er ist ausgesprochen loyal dem Reich und seinen Freunden gegenüber, absolut frei von jeglichem Ehrgeiz, stark wie ein Ochse, aber gutmütig, ehrlich und durchaus nicht dumm.

Brent Weeks hat hier eine respektable Charakterzeichnung abgeliefert. Seine Charaktere haben vielleicht nicht ganz dieselbe Tiefe wie bei Jenny-Mai Nuyen oder Anne Bishop, aber es ist ihm gelungen, sie sehr lebendig und fassbar zu zeichnen und dabei jedes Klischee zu vermeiden, und das bis hinein in die Nebencharaktere. Besonders Durzo Blint ist in seiner Zerrissenheit sehr gut gelungen.

Die Welt, in der seine Geschichte spielt, ist dagegen nur grob skizziert. Cenaria ist ein Land, das bisher kaum auf bemerkenswerte Eigenleistungen zurückgreifen kann. Seine Kultur ist ein Mosaik aus kulturellen Bruchstücken, die es von den Nachbarländern kopiert hat, seine Armee ist kaum vorhanden und so schwach wie ihr unfähiger König. Die wenigen Magier des Landes sind Blutjungen und ihre Magie das Einzige, was sie von anderen käuflichen Mördern unterscheidet. Fast alle stehen sie im Dienste einer Gruppe von Unterweltbossen, genannt der Sa’kagé. Die Macht des Sa’kagé ist größer als die des Königs, doch die Unterwelt kümmert sich nur um ihre eigenen Interessen und da gehört Außenpolitik nicht unbedingt dazu.

Das nördliche Nachbarland Khalidor dagegen wird von einem Gottkönig regiert, der zwar alt ist, aber dennoch die Absicht hat, zu seinen Lebzeiten noch den gesamten Kontinent zu erobern. Außerdem hat er es auf einen Ka’kari abgesehen, das sich in Cenaria befinden soll. Die Ka’kari sind mächtige, magische Artefakte, die sich an ihren Besitzer binden und ihm besondere Fähigkeiten verleihen.

Und im südlichen Nachbarland Modai gibt es scharenweise Magier, von denen drei beschlossen haben, sich in den Lauf der Geschichte einzumischen. Auch sie besitzen ein magisches Artefakt, das Schwert Curoch.

Damit hat sich die Ausarbeitung des Hintergrundes auch schon erschöpft. Zumindest vorerst. Wahrscheinlich hat der Autor sich die Details über das magische Schwert, den Verbleib der übrigen Ka’kari sowie die Vin, die die Magier Khalidors an ihren Armen tragen, für den nächsten Band aufgehoben.

Der Handlung hat das nicht geschadet, sie ist ohnehin voll gepackt bis zum Rand. Brent Weeks erzählt recht zügig. Nachdem Azoth erst geschafft hat, von Durzo als Lehrling angenommen zu werden, dreht der Autor an der Zeitschraube. Azoths Lehre wird großteils lediglich gestreift und fast fragt sich der Leser, warum der Autor manche Szenen überhaupt einflicht, sie scheinen keine wirklichen Auswirkungen auf die spätere Handlung zu haben. Tatsächlich dienen sie der Charakterzeichnung, der Gegenüberstellung von Azoth und Durzo, die zunächst grundverschieden scheinen.

Aber kaum ist Azoths Lehre so gut wie beendet, kommt der bis dahin nur angedeutete Plot in die Gänge und erstaunlich schnell zieht sich die Schlinge zu. Der Spannungsbogen strafft sich kontinuierlich Seite für Seite immer weiter, während der Leser Zeuge wird, wie Cenaria unaufhaltsam in die Katastrophe schlittert. Dabei hat Brent Weeks seine Geschichte so dicht geschrieben, dass sie sich kaum in einzelne Handlungsstränge unterteilen lässt, obwohl sie mal von Azoth, mal von Durzo, mal von den Magiern berichtet. Und genauso wenig lässt sich Azoths innere Entwicklung von den äußeren Ereignissen trennen, in die er hineingezogen wird.

Unterm Strich kommt ein Roman mit einer recht düsteren Grundstimmung heraus, der genauso durch seine gebeutelten, ums Überleben kämpfenden Charaktere getragen wird wie durch die massive Bedrohung von außerhalb; mit einem viel versprechenden Entwurf der Magie und einer ganzen Menge Rätsel, die noch zu lösen sind – wie zum Beispiel das um die Herkunft des Magiers Dorian -; mit einer Menge temporeicher Kampfszenen, aber auch mit einer Menge Brutalität und Blutvergießen. Wer es finster, actionreich und kämpferisch mag, ist hier auf jeden Fall richtig. Freunde weniger blutiger Spannung sollten sich die Lektüre vielleicht noch einmal überlegen.

Brent Weeks wollte schon als Junge Schriftsteller werden und hat sich deshalb nach dem Collage nicht mit dem Erlernen eines anderen Berufes aufgehalten, sondern gleich mit dem Schreiben begonnen. Bis jemand bereit war, ihm etwas dafür zu bezahlen, hielt er sich als Barkeeper über Wasser. „Der Weg in die Schatten“ ist seine erste Veröffentlichung und der Auftakt zur Schatten-Trilogie, deren zweiter Band unter dem Titel „Am Rande der Schatten“ im Juli 2010 in die Buchläden kommt. Der Autor schreibt derweil an seiner nächsten Serie, deren erster Band unter dem Titel „The Black Prism“ im August dieses Jahres auf Englisch erscheint.

Taschenbuch: 704 Seiten
Originaltitel: Night Angel 01. The Way of Shadows
Deutsch von Hans Link
ISBN-13: 978-3442266289

www.brentweeks.com
www.randomhouse.de/blanvalet

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (1 Stimmen, Durchschnitt: 5,00 von 5)

Abraham, Daniel – Herbst der Kriege (Die magischen Städte 3)

Die magischen Städte:

Band 1: Das Drachenschwert“
Band 2: Winter des Verrats“
Band 3: „Herbst der Kriege“

Wie sein Vorgängerband beginnt auch „Herbst der Kriege“ mit einem großen Zeitsprung.

Vor vierzehn Jahren ist Otah eher widerwillig zum Khai seiner Heimatstadt Machi erkoren worden, wobei der Widerwille beide Seiten betrifft: Otah hat noch immer nicht das Geringste für Macht übrig, zumal die Arbeit eines Khai größtenteils in eher unwichtig erscheinendem Kleinkram besteht und mit Etikette überfrachtet ist. Die Utkhais dagegen misstrauen einem Herrscher, der ihre alten Traditionen ablehnt, sie legen ihm das als Schwäche aus.

Doch eines Tages taucht Liat in Machi auf. Eben jene Liat, die in jenem verhängnisvollen Sommer in Sarayketh erst mit Otah, später mit Maati ein Verhältnis hatte. Und sie hat ausgesprochen unangenehme Neuigkeiten im Gepäck …

In der Charakterzeichnung hat sich diesmal eine ganze Menge getan:

Liat, das ehrgeizige aber unsichere junge Mädchen aus dem ersten Band, ist zu einer selbstbewussten Frau und fähigen Leiterin eines Handelskontors geworden, die ihren eigenen Wert nicht mehr hauptsächlich danach beurteilt, ob sie einen Mann hat oder nicht.

Maati hat sich zwar ebenfalls einen Platz in der Stadt Machi erobert und sich mit dem Dichter Cehmai angefreundet, leidet aber noch immer unter Schuldgefühlen, vor allem Nayiit gegenüber, dem er gern ein Vater gewesen wäre.

Nayiit, Liats Sohn, ist einer der Neuzugänge, gutmütig, charmant und freundlich und mit der besten Absicht, ein guter Mann zu sein. Aber er scheint bisher keinen Schimmer davon zu haben, was er sich für seine eigene Zukunft vorstellt. Andererseits hat er bereits Tatsachen geschaffen, er hat geheiratet und ein Kind gezeugt. Ganz offensichtlich hat er sein Leben nicht wirklich im Griff, ist ziellos und unreif.

Der wichtigste Charakter – neben Otah und Maati natürlich – ist Balasar Gice, ein galtischer General, der es sich zu Aufgabe gemacht hat, die Welt ein für alle Mal von den Andaten zu befreien. Er tut dies mit Gründlichkeit, Entschlossenheit und durchaus auch einer gewissen Gnadenlosigkeit, vor allem aber ausgesprochen nüchtern und sachlich, ohne jeden Fanatismus, Ehrgeiz oder Hass, nur aus der reinen Überzeugung heraus, dass das, was er tut, unumgänglich notwendig ist.

Daniel Abraham hat erneut bewiesen, dass er ein Händchen für Charakterzeichnung hat. Er hat diejenigen Personen, die von Anfang an dabei waren, weiterentwickelt, ohne dabei ihren ursprünglichen Entwurf so zu verändern, dass sie nicht mehr sie selbst sind. Alle seine Figuren, von den Neben- bis zu den Hauptrollen, sind frei von Klischees und wirken durch ihre Unsicherheiten, Gewissensbisse und Ängste jederzeit lebensecht und menschlich. Vor allem der General war ein großer Gewinn.

Faszinierend ist auch, dass Abrahams Geschichte noch immer völlig ohne echten Bösewicht auskommt. Die Galten mögen Gegner der magischen Städte sein, das sind sie aber hauptsächlich deshalb, weil sie sich durch die Macht der Andaten bedroht fühlen. Dafür gibt es gute Gründe, wie die Erinnerungen des Generals zeigen. Seltsamerweise gilt das umgekehrt genauso: Die Galten sind ein kriegerisches Volk mit einem schlagkräftigen Heer, das seit Jahrzehnten immer wieder mit seinen Nachbarn Krieg führt, und die magischen Städte fürchten, ohne den Schutz der Andaten von den Galten überrannt zu werden, was auch nicht so ganz von der Hand zu weisen ist. Diesen Konflikt, der letzten Endes in einen Krieg führt, hat Daniel Abraham gekonnt in Szene gesetzt. Die Kampfszenen hielten sich dabei eher in Grenzen, blutige Details und andere Grausamkeiten fehlen fast vollständig. Das Gewicht liegt eher darauf, wie die Menschen mit der Bedrohung oder mit dem Erlebten umgehen.

Das klingt jetzt vielleicht etwas fad, und tatsächlich kann ich nicht behaupten, dass ich beim Lesen feuchte Hände bekommen hätte. Aber dem Autor ist es gelungen, die Tatsache, dass der Gegenspieler des Helden eigentlich ein ganz patenter Mann ist, für sich zu nutzen. Denn am Ende geraten beide Seiten unter Druck, und der Leser weiß nicht so recht, ob er überhaupt jemandem, und wenn ja, wem nun den Sieg wünschen soll. Außerdem wäre da noch der Söldner Sinja, der auf seine Weise dafür sorgt, dass die Sache zunehmen spannend wird.

Überrascht hat mich, dass das Dokument, das im zweiten Band des Zyklus noch so wichtig zu sein schien, diesmal überhaupt nicht vorkam. Der Krieg des General Balasar Gice war offenbar eine ausgesprochen persönliche Angelegenheit, die zwar auf sein Betreiben hin vom galtischen Rat gebilligt und unterstützt wurde – irgendwoher musste er ja seine Soldaten nehmen – von den übrigen galtischen Intrigen aber unabhängig war. Das zeigt sich auch in der Durchführung, die Dimensionen von dem entfernt ist, was die Galten bisher an Unternehmungen auf die Beine gestellt haben.

Fragt sich nur, ob der galtische Rat mit dem Ergebnis zufrieden ist. Immerhin hatte er etwas andere Vorstellungen von der Zielsetzung dieses Feldzuges als sein General. Und da die phantastischen Elemente in diesem Zyklus bisher völlig auf die Andaten beschränkt waren, stellt sich auch die Frage, wie diese im letzten Band des Zyklus aussehen werden. Ich bin wirklich neugierig, wie die Sache ausgeht.

Daniel Abraham lebt mit Frau und Tochter in New Mexico. Bevor er seinen ersten Roman „Sommer der Zwietracht“ verfasste, hat er eine Vielzahl von Kurzgeschichten in Magazinen und Anthologien sowie den Kurzroman „Shadow Twin“ in Zusammenarbeit mit Gardner Dozois und George R. R. Martin veröffentlicht. Seine Kurzgeschichte „Flat Diane“ wurde für den Nebula Award nominiert. Der letzte Band des Zyklus Die magischen Städte, „The Price of Spring“, kommt im Juli 2009 in die amerikanischen Buchläden. Der Erscheinungstermin für die deutsche Übersetzung ist noch nicht bekannt.

509 Seiten, kartoniert
Originaltitel: An Autumn War (The Long Price Quartet 3)
Übersetzung: Andreas Heckmann
ISBN-13: 978-3-442-24448-5

http://www.danielabraham.com/
www.randomhouse.de/blanvalet

Der Autor vergibt: (4.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Jim Butcher – Die Elementare von Calderon (Codex Alera 1)

Alera ist ein wunderschönes Land, weise regiert vom Ersten Fürsten Gaius Sextus. An den Grenzen wachen die Legionen des Reichs, man hat die Eismenschen, die räuberischen Canim und die wilden Marat-Horden zurückgetrieben. Es herrscht Frieden an den Grenzen, doch nicht im Inneren. Gaius Sextus ist alt und krank, es scheint wenig Liebe zwischen ihm und seiner jüngeren Gemahlin zu herrschen, die erhoffte Geburt eines Sohns und Nachfolgers erscheint nach langen Jahren unwahrscheinlich. Viele Fürsten bereiten sich schon im Stillen auf seine Nachfolge vor, doch einige sägen bereits ungeduldig am Thron des Princeps.

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Lee Child – Sniper (Jack Reacher 9)

Ein scheinbarer Massenmord durch einen übergeschnappten Ex-Scharfschützen entpuppt sich als raffiniert eingefädelte Verschwörung, die zu entwirren es wieder einmal der unkonventionellen und selten legalen Methoden des ehemaligen Militärpolizisten Jack Reacher bedarf … – Ein klassischer „Whodunit?“ als moderner Action-Thriller: Die beiden scheinbar nicht kompatiblen Genres nahtlos miteinander zu einem ungemein spannenden und temporeichen Roman verschmolzen zu haben, ist ein neues Meisterstück des Verfassers; das neunte Reacher-Abenteuer belegt nachdrücklich, dass diese Reihe noch längst nicht ausgeschrieben ist!
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Terry Brooks- Die Elfen von Cintra (Die Großen Kriege 2)

Terry Brooks gehört zu jener Riege amerikanischer Autoren, welche die Fantasy der letzten Jahrzehnte geprägt haben. Seit rund 30 Jahren erweitert er seine |Shannara|-Reihe um neue Episoden, baut mal den einen, mal den anderen Handlungsstrang aus und hat mit der Dämonenreihe auch deutlich düsterere Romane geschrieben, die sich nicht so recht in den Gesamtzyklus einordnen ließen.

Dies ist nun passé, denn |Die Großen Kriege|, die neueste Trilogie aus der Feder des Schriftstellers, verknüpft nicht nur die Dämonen- mit der (klassischen) Fantasy-Welt, sondern nimmt sich in einer apokalyptischen Vorgeschichte auch der Ereignisse an, die vor der Entstehung Shannaras eingetreten sind. Schon oft hat Brooks in seinen Romanen die Hauptfiguren über die Vergangenheit nachdenken lassen. Er beließ es bei Gerüchten darüber, dass eine gewaltige Katastrophe das Wissen der Welt zerstört und um Jahrhunderte zurückgeworfen habe: in eben jenes archaische, mittelalterlich geprägte Fantasysetting mit Elfen, Zwergen und Co., wie sie der Leser aus den Shannara-Bänden kennen gelernt hat.

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Clive Cussler/Dirk Cussler – Geheimcode Makaze [Dirk Pitt 18]

Durch die Verbreitung einer Super-Seuche will der Schurkenstaat Nordkorea die US-amerikanische Schutzmacht in die Knie zwingen, doch da seien Dirk Pitt, seine Kinder und die Unterwasser-Fexe der NUMA vor … – Rasanter Thriller (= Band 18 der Dirk-Pitt-Serie), der seine „America-first!“-Plattitüden so naiv präsentiert, dass sie sich kaum störend in die Ablauf dieses nach Schema F zusammengerührten, aber unterhaltsamen Rettet-die-Welt-Spektakels fügen: altmodischer Action-Spaß, der recht gut funktioniert.
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Jim Kelly – Kalt wie Blut

Während einer Kältewelle sterben zwei Männer auf bizarre Weise. Ein misstrauischer Reporter glaubt nicht an Zufall und enthüllt nicht nur eine mörderische Intrige, sondern muss auch noch feststellen, dass er selbst darin verwickelt ist … – Sehr britischer Krimi der modernen Art, d. h. unter Einsatz diverser ablenkender „red herrings“ geplottet, mit gesellschaftskritischen Untertönen ausgestattet und mit zwar intensiven Seifenoper-Elementen versehen, die aber durch trockenen Humor und einen gesunden Sinn fürs Absurde angenehm gemildert werden; anders ausgedrückt: Lektürevergnügen für den leicht gehobenen aber nie behaupteten Anspruch.
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James Patterson – Blood (Alex Cross, Band 12)

Harter Killerthriller

Trotz aller überragenden Erfolge lässt den Spitzen-Profiler Alex Cross eines niemals los: Der Heckenschütze, der 1993 seine Frau Maria tötete, wurde niemals gefasst. Jetzt, 2005, treibt ein Serienvergewaltiger sein Unwesen in Washington, D.C., und seine Spur führt Alex direkt zu Marias Tod. Unerbittlich und vor Wut fast wahnsinnig, setzt sich Cross mit seinem Freund John Sampson auf die Fährte des Täters. Noch nie war es Cross so wichtig, Erfolg zu haben – und wenn er dafür durch die Hölle muss. Denn diesmal zielt der Mörder mitten in sein Herz … (abgewandelte Verlagsinfo)

Der Autor

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Abraham, Daniel – Winter des Verrats (Die magischen Städte 2)

Die magischen Städte:

Band 1: Das Drachenschwert“
Band 2: „Winter des Verrats“

Zwölf Jahre sind seit den Ereignissen in „Sommer der Zwietracht“ vergangen. Otah hat nach einigen Jahren auf See und auf den Inseln beim Haus Siyanti in Udun als Kurier angefangen und kommt so quasi in der ganzen Welt herum. So landet er unvermeidlich eines Tages auch in seiner Geburtsstadt Machi, und das ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als seine drei ältesten Brüder beginnen, um die Nachfolge ihres sterbenden Vaters zu kämpfen …

Kurz zuvor wird auch Maati nach Machi geschickt. Offiziell soll er die dortige Bibliothek nach einer besonderen Grammatik durchsuchen. Der wahre Auftrag des Dai-kvo aber lautet, Otah zu finden. Denn da Otah sich als Junge der Laufbahn als Dichter ebenso wie der Brandmarkung entzogen hat, könnte er möglicherweise den Entschluss fassen, Ansprüche auf den Thron des Khai Machi zu erheben …

Dabei ist Otah gar nicht die wirkliche Bedrohung. Jemand anderer greift nach der Macht, unmittelbar vor der Nase aller Beteiligten, und wird aufgrund des Geschlechtes einfach übersehen: Idaan, die Tochter des Khai Machi, ist der Überzeugung, dieselben Rechte zu haben wie ihre Brüder, und fest entschlossen, diese auch gegen alle gesellschaftlichen Regeln durchzusetzen, koste es, was es wolle!

Auch diesmal wird die Handlung durch eine Hand voll Personen getragen. Drei davon sind neu:

Idaan ist eine äußerst rebellische Person. Schon als Kind hat sie sich die unmöglichsten Streiche geleistet, aus Trotz gegen die Beschränkungen ihrer Geburt: Als Mädchen durfte sie nicht zur Schule gehen, und als erwachsene Frau darf sie nicht arbeiten und hat auch sonst keinerlei Möglichkeiten, selbst über ihr Leben zu bestimmen. Idaans Auflehnung wird immer drastischer und überschreitet schließlich nicht nur die Grenzen des Gesetzes. Dabei ist Idaan bei aller zornigen Entschlossenheit und allem Ehrgeiz nicht wirklich skrupellos, im Gegenteil. Am Ende empfindet sie sich selbst als so unerträglich, dass sie daran zu zerbrechen droht.

Adrah ist nicht nur ihr Bräutigam und Verbündeter, er liebt Idaan auch über alle Maßen. Obwohl er zunächst vor dem Ausufern ihrer Pläne wie ein verschreckter kleiner Junge zurückweicht, verhärtet Idaans Untreue ihn so sehr, dass am Ende er derjenige ist, der die Angelegenheit weiter vorantreibt.

Cehmai, der Dichter von Machi, ist ein umgänglicher junger Mann mit einem Hang zur Neugierde. Als er sich in Idaan verliebt, fällt ihm die Beherrschung des Andaten Steinerweicher allmählich immer schwerer. Denn obwohl Steinerweicher im Vergleich zu Samenlos von schlichtem Gemüt und eher ruhigem Naturell ist, wehrt auch er sich vehement gegen die Bindung an Cehmai, auf seine eigene, fast gutmütige Art.

Otah, der in Saraykeht unter dem Namen Itani gelebt hat, ist ziemlich der Alte geblieben. Noch immer ist er ein freundlicher, umgänglicher Kerl, der leicht Kameradschaft schließt, noch immer ist er anspruchslos und frei von jeglichem Ehrgeiz. Und noch immer hat er sein Leben nicht so auf die Reihe bekommen, wie er sich das wünscht. Es scheint, als wäre es ihm unmöglich, sich endgültig von seiner Herkunft zu befreien, und als er den Umständen schließlich nachgibt, geschieht es fast widerwillig.

Maati dagegen hat sich sehr verändert. Seine Naivität ist großteils einer Mischung aus Enttäuschung und Schuldgefühlen gewichen. Der Dai-kvo hat ihn geradezu degradiert, weil Maati Liat und ihr Kind nicht aufgeben wollte, was letztlich dazu führte, dass Liat sich von Maati getrennt hat. Maati betrachtet sich sowohl in weltlicher als auch in dichterischer Hinsicht als Versager, dabei ist er weder dumm noch unfähig. Es ist nur so, dass Maati ein freundliches Herz und einen stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn besitzt, was ihn immer wieder in Konfrontation mit den Forderungen des Dai-kvo bringt.

Die Charakterzeichnung ist wieder sehr gut ausgefallen. Auch in diesem Band hat der Autor jegliche Schwarz-Weiß-Malerei vermieden. Das zeigt sich vor allem in der Person von Idaan, die zur Abwechslung mal nicht zur emanzipierten Powerfrau geraten ist, sondern an ihrem inneren Konflikt zwischen Freiheitsdrang und Gewissen scheitert.

Die Handlung dreht sich erneut vor allem um Intrigen. Wie in Saraykeht sind auch hier die Galten mit im Spiel; sie wollen ein Manuskript aus der Bibliothek und versprechen dafür im Gegenzug Idaan und Adrah Unterstützung im Kampf um den Thron des Khai. Insgesamt gesehen verbleiben die Galten aber eher am Rande, und um was für ein Manuskript es da geht, wird nicht verraten. Offenbar hat der Autor sich dieses Detail für den nächsten Band aufgehoben.

Im Mittelpunkt stehen vor allem Idaan und ihre komplizierten Beziehungen zu Adrah und Cehmai, sowie Maati, der zu beweisen versucht, dass nicht Otah hinter all den Intrigen in Machi steckt, und das selbst entgegen der Anweisung des Dai-kvo. Dass sich in diese Angelegenheit auch noch eine Partei eingemischt hat, von der er gar nichts weiß, macht es für ihn nicht einfacher.

Mit anderen Worten, es ist alles genauso verwickelt wie beim ersten Band, nur wird es diesmal ein gutes Stück spannender, denn der Autor setzt die Lösung der ganzen Angelegenheit zeitlich unter Druck. Die Verzahnung der verschiedenen Beziehungen und Zusammenhänge war geschickt gemacht, sodass das Buch insgesamt eine wirklich runde Sache geworden ist, eine Einheit ohne Brüche und Knicke.

Der magische Aspekt wurde allerdings immer noch ein wenig stiefmütterlich behandelt. Vielleicht ändert sich das ja, wenn sich im nächsten Band herausstellen sollte, was an dem Manuskript so interessant war, dass die Galten solche Anstrengungen unternommen haben, um es in die Finger zu bekommen.

Bleibt zu sagen, dass mir der zweite Band besser gefallen hat als der erste. Er hatte zwar nicht mehr magischen Zauber als der erste zu bieten, dafür hat sich der Spannungsbogen tatsächlich gestrafft und auch das Erzähltempo hat sich, zumindest gegen Ende, ein Stück gesteigert. Dennoch bleiben die Charakterzeichnung und die Verwicklungen der Intrige die Hauptträger der Geschichte, was ja nicht unbedingt schlecht ist. Wer sich dagegen mehr fürs Monumentale begeistert oder Wert auf fantastische Ausschmückung legt, der sollte besser zu einer anderen Lektüre greifen.

Daniel Abraham lebt mit Frau und Tochter in New Mexico. Bevor er seinen ersten Roman „Sommer der Zwietracht“ verfasste, hat er eine Vielzahl von Kurzgeschichten in Magazinen und Anthologien veröffentlicht, sowie den Kurzroman „Shadow Twin“ in Zusammenarbeit mit Gardner Dozois und George R. R. Martin. Seine Kurzgeschichte „Flat Diane“ wurde für den Nebula Award nominiert. Die Fortsetzung des Zyklus Die magischen Städte, „An Autumn War“, wurde für Juli 2008 angekündigt, der deutsche Erscheinungstermin steht noch nicht fest.

Paperback, 448 Seiten
Originaltitel: The Long Price Quartet 2. A Betrayal in Winter
Aus dem Amerikanischen von Andreas Heckmann
ISBN-13: 978-3-442-24447-8

http://www.danielabraham.com/
www.randomhouse.de/blanvalet

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

David Anthony Durham – Macht und Verrat (Acacia 1)

Acacia

Band 1: „Macht und Verrat“

Seit Jahrhunderten lebt nahezu die gesamte bekannte Welt unter der Vorherrschaft des acacischen Reiches. Doch mindestens ebenso lange widersetzt sich das zähe und kriegerische Volk der Mein aus dem nördlichen Hochland Acacias Herrschaftsanspruch. Jetzt hat es einen Attentäter nach Acacia geschickt, der König Leodan töten soll, der Auftakt zu einem lange vorbereiteten Umsturzplan.

In Acacia ahnt niemand etwas davon. Als der König bei einem Bankett niedergestochen wird, fällt die acacische Herrscherschicht aus allen Wolken! Der Kanzler des Königs, Thaddeus Clegg, lässt rasch die vier Kinder des Königs in Sicherheit bringen, jedes an einen anderen Ort. Doch die Rettungsaktion läuft bei weitem nicht so, wie sie sollte …

Um es gleich vorweg zu sagen: Dieses Buch ist ein vielschichtiger und äußerst interessanter Roman. Das fängt schon bei den Charakteren an:

Leodan aus der Familie der Akaran ist ein freundlicher und gütiger Mann, aber ohne Durchsetzungsvermögen. Er leidet unter den dunklen Geheimnissen seines Reiches, hat jedoch nicht die Kraft, das System zu verändern. Dafür ist er ein liebevoller Vater, der sich für einen König erstaunlich viel mit seinen Kindern beschäftigt. Seit dem Tod seiner Frau sind sie sein Ein und Alles, und sein wichtigstes Ziel ist es, sie so lange wie möglich glücklich zu sehen. Er behütet sie vor wirklich allem, was nicht unbedingt zu ihrem Besten ist, immerhin sind zwei von ihnen schon fast erwachsen.

Aliver ist mit seinen sechzehn Jahren der Älteste und Thronfolger. Allerdings ist er ungewöhnlich schlecht auf diese Aufgabe vorbereitet. Trotz seines Alters ist er in keiner Weise in die aktuellen Regierungsgeschäfte eingebunden, und selbst der Geschichtsunterricht und die Ausbildung im Schwertkampf wirken irgendwie schwammig. Aliver scheint das selbst zu ahnen, denn er ist ziemlich unsicher, und, wie sich nach dem Attentat zeigt, einer echten Krise nicht gewachsen.

Die vierzehnjährige Corinn ist ein ziemlich oberflächliches Geschöpf. Sie mag Schmuck und schöne Kleider. Und sie legt viel Wert auf ihre Stellung, was einen der Gründe dafür darstellt, warum sie so mit dem Prinzen Igguldan von Aushenia liebäugelt. Politik an sich interessiert sie allerdings nicht, all die typischen kleinen Palastintrigen üben einen weit größeren Reiz auf sie aus. Das Attentat hebt auch ihre Welt aus den Angeln, aber mit weit weniger positivem Ergebnis.

Mena war schon mit zwölf erwachsener als ihre beiden großen Geschwister. Sie besitzt eine für ihr Alter ungewöhnlich ausgeprägte Menschenkenntnis, und obwohl ihr Vater natürlich auch von ihr alles Unangenehme fernhält, ist sie längst nicht so naiv wie Aliver oder Corinn. Sie besitzt einen selbstständigen Geist, der sich nicht mit den Erklärungen anderer abfindet, sondern nach der Wahrheit hinter den Fassaden sucht, und der letztlich dazu führt, dass Mena schließlich ihr Exil aus freien Stücken verlässt, um ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

Dariel ist mit neun der jüngste der vier, ein sonniger, stets fröhlicher Junge mit ausgeprägter Neugierde. Die Entdeckung alter unbenutzter Gänge innerhalb der heimatlichen Festung führt ihn bis in die Dienstbotenquartiere, wo er sich unter anderem mit dem ehemaligen Seeräuber Val anfreundet. Sein Glück, denn auch seine Flucht ging nicht ganz glatt vonstatten, und hätte Val ihn nicht zufällig unterwegs aufgegabelt …

Gegenspieler der Acacier scheint zunächst der Häuptling Hanish Mein zu sein. Wie alle Mein hasst er die Herrscherfamilie der Akaran zutiefst und will ihre Herrschaft vollständig vom Antlitz der Welt tilgen. Schon bald zeigt sich jedoch, dass mit seinem Schlag gegen die Akaran nicht die Herrschaft gewechselt hat, sondern lediglich der Herrscher. Hanish findet sich in derselben Falle wieder wie Leodan. Und er verheddert sich zunehmend in dem Widerspruch zwischen den Forderungen seiner Ahnen und seiner wachsenden Zuneigung zu Corinn.

Alle diese Figuren – vielleicht mit Ausnahme von Leodan – durchlaufen eine Entwicklung. Das gilt natürlich vor allem für die vier Kinder, die im Laufe der Erzählung erwachsen werden. Während bei den beiden Jungen eher der Unterschied zwischen Kind und jungem Mann im Vordergrund steht, kann man bei den beiden Mädchen tatsächlich die Entwicklung als solche mitverfolgen. Der Konflikt, in den Hanish hineinschlittert, ist nicht ganz so hautnah ausgefallen, doch immer noch sehr lebendig und glaubwürdig. Das erstreckt sich ebenso auf Nebenfiguren wie Theseus Clegg, Hanishs blutrünstigen Bruder Maeander oder Rialus Neptos. Angenehm ist auch, dass Aliver, obwohl er letztlich zur Heldenfigur wird, nicht ins Klischee abrutscht. Sehr gelungen!

Der eigentliche Feind bleibt auch hier vorerst noch gesichtslos, da sein Reich außerhalb der bekannten Welt liegt. Er ist derjenige, der durch alle Widrigkeiten hindurch immer Oberwasser hat. ‚Vertreten‘ wird er durch die Gilde, die trotz aller Wechselfälle ununterbrochen ihren Geschäften nachgeht und dabei reicher und reicher wird. Eine Vereinigung mit ungeheurer wirtschaftlicher Macht und uneingeschränktem Opportunismus, absolut untauglich als Verbündeter, und doch im Kampf um die politische Macht immer wieder umworben. Die Mitglieder der Gilde legen eine skrupellose Kaltschnäuzigkeit an den Tag, die Ihresgleichen sucht. Spätestens nach dem Angriff der Piraten auf die Plattform der Gilde im westlichen Meer wird deutlich, dass die Gilde der wahre Herrscher über die bekannte Welt ist. Wer allerdings die ungeheure Macht jenseits der Gilde ist, das bleibt vorerst eher vage und besitzt gerade genug Substanz, um eine ungeheure Bedrohung anzudeuten.

Diese Macht ist es auch, die das Land mit Nebel versorgt, einer Droge, die dem Menschen seine Willenskraft nimmt. Die Gründer des acacischen Reiches, Edifus und Tinhadin, nahmen diese Droge nur zu gern, um damit den Widerstand in den unterworfenen Gebieten zu lähmen. Seither bezahlt Acacia für regelmäßige Nebellieferungen ebenso regelmäßig mit einer bestimmten Anzahl Kinder, von denen keines weiß, was aus ihnen wird. Diese Vereinbarung, die Quote genannt, war nicht nur schändlich, sie war auch ausgesprochen dumm, denn für die Sicherung ihrer Herrschaft über die bekannte Welt haben die Akaran mit einer dauerhaften Schwächung ihres neu geschaffenen Reiches gegenüber der Anderen Welt bezahlt!

Auch der Entwurf der verschiedenen Völker und Kulturen hat mir gut gefallen.

Die Santoth fallen ein wenig aus dem Rahmen, denn sie sind eigentlich keine Kultur. Sie sind Zauberer, und ihre Magie beruht auf der Sprache des Schöpfers, der einst durch seinen Gesang die Welt erschuf. In Durhams Weltentwurf ist diese Magie eine zweischneidige Angelegenheit, denn sie wurde einem Gott gestohlen und kann von Menschen nicht wirklich beherrscht werden. Selbst bei den besten Absichten und größter Sorgfalt entwickelt ihr Gebrauch unangenehme Nebenwirkungen. Und nicht nur das: Die Sprache des Schöpfers besitzt eine unwiderstehliche Anziehungskraft. Die Anziehungskraft der Macht.

Die Mein, die ihren Angriff auf Acacia unter anderem mit der Grausamkeit der Quote begründeten, scheuen ihrerseits nicht davor zurück, Waffen aus Anderwelt gegen ihre Gegner einzusetzen, ob es sich dabei nun um Krankheiten oder wilde Tiere handelt. Weder gegen den Handel der Gilde noch gegen die übrigen Unmenschlichkeiten des alten Regimes wie die Zwangsarbeit in den Bergwerken ergreift Hanish irgendwelche Maßnahmen. Und dieselben Krieger, die so stolz waren auf ihre Härte und ihre Fähigkeit, im grausamen Klima des Hochlandes zu überleben, und für den Luxus und die Verweichlichung der Acacier stets nur Hohn und Spott übrig hatten, können es kaum erwarten, ihr karges Leben zugunsten eben dieses Luxus aufzugeben. Die Ehrenhaftigkeit der Mein, die man Hanishs Onkel Haleven noch abnimmt, wird immer fadenscheiniger. Und letzten Endes bleibt nicht viel mehr übrig als die Unterwerfung der lebenden Mein unter den Willen der Tunishni, der Seelen ihrer verstorbenen Ahnen, die ausschließlich nach Rache gieren.

Die Vumu dagegen scheinen ein äußerst friedliebendes Volk zu sein. Sie neigen dazu, das Leben zu genießen, was auf den fruchtbaren Inseln im östlichen Meer nicht allzu schwierig wäre. Allerdings haben sie eine höchst rachsüchtige Göttin in der Gestalt eines Seeadlers, die einst von einem besonders stattlichen Vumu zurückgewiesen wurde. Seither sind die Vumu ständig ängstlich damit beschäftigt, ihre Göttin milde zu stimmen, selbst wenn der Seeadler ihre kleinen Kinder raubt. Bis eines Tages Mena – die Akaran-Prinzessin mit der selbstständigen Denkweise – dagegen aufbegehrt, zum maßlosen Zorn der Priester! Und wieder bleibt am Ende nichts übrig als der Wunsch einiger Weniger nach Macht über ihre Mitmenschen.

Tatsächlich ist es so, dass nahezu jede Wendung, welche die Ereignisse nehmen, einen Schleier zur Seite zieht, und dahinter wird offenbar, worum es wirklich geht: Macht! Ob Hanish, die Gilde, die Priester der Vumu-Göttin oder Rialus Neptos – sie alle kennen kein einziges anderes Ziel, mit welchen Mäntelchen auch immer sie es verbrämen. Die Gewinner mögen ihre Helfershelfer danach schlecht behandeln, nur um dann von ihnen verraten zu werden, sie mögen sie belohnen, indem sie allen ihren Forderungen nachgeben, und trotzdem verraten werden. Ganz gleich, was sie tun, sie müssen nur zu bald erfahren, dass jeder, der nicht aus eigener Kraft die Oberhand gewonnen hat, sie nicht behalten kann! Kurz und gut: Kaum ein übersetztes Buch hat jemals einen so treffenden deutschen Titel getragen wie dieses.

Um es in wenigen Worten zusammenzufassen: David Anthony Durham hat ein vielschichtiges und scharfsichtiges Buch über Macht und Politik geschrieben, ausstaffiert mit sehr glaubwürdigen und stets menschlichen Charakteren und eingebettet in den eher schlichten, aber präzisen Entwurf einer interessanten Welt. Fantasy-Elemente wie die Magie der Santoth oder die Tunishni spielen eher Nebenrollen. Der Spannungsbogen ist dabei eher schwach gespannt.

Wer es also unbedingt üppig und ausgeschmückt haben möchte oder Wert auf rasante Aktionen oder nie dagewesene Spezialideen legt, wird hier nicht ganz auf seine Kosten kommen. Alle anderen aber erwartet unter einem dünnen Schleier des Fantastischen ein Blick in die realistischen Abgründe der menschlichen Herrsch- und Selbstsucht.

David Anthony Durham wurde 1969 in New York geboren, war aber viel in Europa unterwegs. Unter anderem hat er mehrere Jahre in Schottland verbracht. Neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller hat er an verschiedenen Universitäten gelehrt. Zu seinen Werken gehören außer einigen Kurzgeschichten die Romane „Gabriel’s Story“ und „Walk through Darkness“ sowie der Historienroman „Pride of Karthage“ über den zweiten punischen Krieg, von denen bisher jedoch keines ins Deutsche übersetzt wurde. „Macht und Verrat“ ist sein erstes Fantasy-Buch und der vielversprechende Auftakt zur Trilogie Acacia.

Paperback, 796 Seiten
Originaltitel: Acacia 1: The War with the Mein
Aus dem Amerikanischen von Norbert Stöbe
ISBN-13 978-3442244942

http://www.davidanthonydurham.com/index.html
http://www.randomhouse.de/blanvalet/index.jsp

Der Autor vergibt: (5.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Tess Gerritsen – In der Schwebe

Als in einer um die Erde kreisenden Raumstation versehentlich Mikroorganismen freikommen, erweisen sie sich als mutiert und lebensgefährlich. Während an Bord fieberhaft nach einem Gegenmittel gesucht wird, werden ‚unten‘ schon Raketen in Stellung gebracht … – Schwammige Mischung aus (Medizin-) Thriller und Science Fiction, wobei ersterer unter zu vielen zwischenmenschlichen Problemchen und letzte unter sichtlicher Genre-Unsicherheiten leidet: wohl eher ein Werk für die Leser/innen von „Lady-Thrillern“.
Tess Gerritsen – In der Schwebe weiterlesen

Ann Benson – Die siebte Geißel [Plague Tales 1]

1348 erforscht ein spanischer Arzt die Pest und gerät dabei ins Visier der stets misstrauischen Inquisition. Sechseinhalb Jahrhunderte später stößt eine Forscherin auf seine Präparate und entfesselt ahnungslos eine neue, dieses Mal globale Pestwelle … – Interessante, gut recherchierte Mischung aus Historienroman und Wissenschaftsthriller, die aber unter Klischees leidet und sich in einer „Against-All-Odds“-Lovestory vertändelt, ohne deshalb jedoch zu Boden zu gehen. Ann Benson – Die siebte Geißel [Plague Tales 1] weiterlesen

Daniel Abraham – Sommer der Zwietracht (Die magischen Städte 1)

Die magischen Städte:

Band 1: „Sommer der Zwietracht“

Das Reich ist vor langer Zeit untergegangen. Heute ist das Land ein Sammelsurium von mehreren mächtigen Großstädten, die jede von einem Khai regiert werden. Doch obwohl das Land zersplittert ist, leben die Menschen seit langem in Frieden. Denn so lange jede Stadt ihren Dichter hat, sind sie unangreifbar. Die Dichter beherrschen die Andaten, mächtige Wesen, die die Städte schützen.

Otah hat die Chance, einer dieser Dichter zu werden. In seiner derzeitigen Situation erscheint ihm diese Möglichkeit allerdings wie ein ferner Traum, den er sich nicht erlauben kann. Der Schulalltag ist schier unerträglich hart und Otah hauptsächlich damit beschäftigt, die Torturen zu überstehen. Bis sich ihm eines Tages der eigentliche Zweck der Schule erschließt. Otah rebelliert …

Im Grunde ist Otah ein recht durchschnittlicher Junge. Er ist zwar von vornehmer Herkunft, aber weder besonders mutig noch besonders klug. Außergewöhnlich ist lediglich die Tatsache, dass er sich dem System verweigert. Ihm fehlt jeglicher Wille zur Macht, ja nicht einmal Reichtum bedeutet ihm etwas. Sein freundliches Wesen macht es ihm leicht, Kontakte zu knüpfen, wirklich einen Platz im Leben zu finden, fällt ihm jedoch schwer.

Seine Geliebte Liat dagegen besitzt eine gehörige Portion Ehrgeiz, zu Otahs Leidwesen nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihn. Gleichzeitig aber fühlt sie sich ihren eigenen Anforderungen nicht gewachsen, und sie ist nicht besonders krisenfest. Liat kann nicht allein sein, sie braucht ständig jemanden zum Anlehnen.

Maati ist der Lehrling des Dichters von Saraykhet, ein gutherziger Junge, der zwar die Schule und die Ausbildung beim Dai, dem Obersten der Dichter, erfolgreich durchlaufen hat, dem allerdings noch die Praxis im Umgang mit Andaten fehlt. Abgesehen davon hat er auch noch keinerlei Lebenserfahrung. Als er in Saraykhet zum ersten Mal selbstständig echte Schwierigkeiten meistern muss, reagiert er hilflos und verunsichert.

Denn sein Lehrer Heshai, im Grunde gutmütig und freundlich, scheint leider nicht nur an Maatis Ausbildung völlig desinteressiert, er ist auch selbst hoffnungslos überfordert. Geschlagen mit einem unansehnlichen Äußeren, einer trübseligen, unverwundenen Vergangenheit und einem ausgeprägten Mangel an Selbstbewusstsein, hat er sich rettungslos dem Alkohol ergeben. Nicht einmal seinen Andaten kann er mehr ordentlich im Zaum halten. Falls er das überhaupt je gekonnt hat …

Samenlos, sein Andat, ist nämlich ein ausgesprochen widerspenstiges Exemplar, das nicht nur den für Andaten typischen Drang hat, aus der Kontrolle des Dichters auszubrechen, sondern außerdem einen ganz persönlichen Hass gegen seinen Meister hegt. Um die Sache komplett zu machen, ist Samenlos auch noch äußerst intelligent und durchtrieben, und so etwas wie Skrupel scheint er nicht zu kennen.

Die Charakterzeichnung hat mir wirklich gut gefallen. Keine der Figuren ist frei von Fehlern, und keine von ihnen lässt sich in ein Schema pressen. Es gibt keinen eindeutigen Helden oder Bösewicht, keinerlei Schwarzweiß-Effekt. Der Autor hat sich nicht auf einen Protagonisten konzentriert, sondern auf eine gute Handvoll. Dadurch ist die Ausarbeitung nicht ganz so detailliert ausgefallen, trotzdem wirken alle seine Hauptcharaktere plastisch und lebendig. Sehr gelungen.

Ebenso gelungen fand ich die Idee der Andaten. Obwohl sich gelegentlich der Ausruf „Ihr Götter!“ findet, spielen Götter im herkömmlichen Sinne bisher keine Rolle. Im Vordergrund stehen die Andaten, gottähnliche, mächtige Wesen, welche die Menschen sich dienstbar gemacht haben. Eigentlich ist selbst der Begriff „Wesen“ schon nicht ganz korrekt, denn Andaten sind keine Wesenheiten, sondern Ideen. Durch die Beschwörung der Dichter wird ihnen eine Gestalt aufgezwungen, die sie in die Lage versetzt, die Realität unmittelbar zu beeinflussen. Die Andaten allerdings empfinden den Körper, in den sie gezwängt sind, als Gefängnis, ihre Bindung an den Dichter als Versklavung.

Die Dichter sind sich dieser Tatsache durchaus bewusst. Ohne die Andaten auskommen will aber niemand. Denn die Andaten sichern ihnen nicht nur militärische, sondern auch wirtschaftliche Vorteile. Und wo besondere Vorteile sind, ist auch besonderer Neid zu finden. Dieser Neid und der Freiheitsdrang der Andaten bilden zusammen ein Pulverfass, das die Städte langfristig gesehen in ziemliche Schwierigkeiten bringen dürfte, zumal das Konkurrenzdenken auch innerhalb der Führungsebene extrem ausgeprägt ist. Kein Sohn eines Khai oder Utkhai kann seinen Vater beerben, solange er noch lebende Brüder hat!

Abgesehen von den Andaten finden sich in diesem Roman allerdings keine weiteren Fantasy-Elemente, was ich dann doch ein wenig schade fand. Die Welt als solche ist zwar nicht uninteressant, lebt aber hauptsächlich von geographischen und kulturellen Kontrasten, die größtenteils nur angedeutet sind. Das lässt den Hintergrund der Geschichte schon fast realistisch wirken. Dem Buch fehlt es an Magie.

Die Handlung steht zunächst hinter dem Entwurf von Welt und Charakteren ein wenig zurück, da der Autor die Bedrohung sehr latent angelegt hat. Alles entwickelt sich schrittweise, ohne Hast oder dramatische Paukenschläge. Der Rahmen, in dem sich die Intrige abspielt, wirkt geradezu alltäglich. Wie es sich für eine Intrige gehört, passiert alles heimlich, leise und sehr indirekt. Schließlich soll ja niemand wissen, worum es wirklich geht. So gelingt es dem Autor, das wahre Ausmaß der Ereignisse bis fast ganz zum Schluss aufzuheben.

Die Kehrseite der Medaille ist, dass sich die Spannung dadurch stark in Grenzen hält. Nicht einmal gegen Ende zieht der Spannungsbogen an, da der Autor die Ausweitung der Bedrohung offenbar ganz auf den nächsten Band verlegt hat. So ist „Sommer der Zwietracht“ ein Buch, das hauptsächlich von seinen gelungenen Charakteren und deren Beziehungen zueinander lebt. Für dieses Mal hat das – zusammen mit dem allmählichen Aufbau der Intrige – gereicht, um nicht langweilig zu werden. Vom nächsten Band erhoffe ich mir allerdings etwas mehr Flair, ein höheres Erzähltempo und einen strafferen Spannungsbogen.

Daniel Abraham lebt mit Frau und Tochter in New Mexico. Bevor er seinen ersten Roman „Sommer der Zwietracht“ verfasste, hat er eine Vielzahl von Kurzgeschichten in Magazinen und Anthologien veröffentlicht, sowie den Kurzroman „Shadow Twin“ in Zusammenarbeit mit Gardner Dozois und George R. R. Martin. Seine Kurzgeschichte „Flat Diane“ wurde für den Nebula Award nominiert. Die Fortsetzung des Zyklus Die magischen Städte, „Winter des Verrats“, soll im März nächsten Jahres erscheinen.

Paperback 444 Seiten
Originaltitel: A Shadow in Summer (The Long Price Quartett 1)
Übersetzung: Andreas Heckmann
ISBN-13: 978-3-442-24446-1

http://www.danielabraham.com/
www.randomhouse.de/blanvalet

Der Autor vergibt: (4.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Stephen Hunter – Die Gejagten

Hunter Gejagte Cover 2000 kleinAus einem Hochsicherheitsknast brechen drei Schwerverbrecher aus, die nichts mehr zu verlieren haben und sich erbarmungslos ihren Fluchtweg durch spärlich besiedelte Landstriche bahnen. Die Polizei setzt sich auf ihre blutige Spur, und bald stellt sich die Frage, wer bei dieser Jagd mehr Schaden anrichtet … Kompromisslos harter und gewaltreicher, aber ungemein spannender Thriller mit erstaunlicher Figurenzeichnung und zynischem Blick auf „Gesetz“ und „Verbrechen“, die hier zunehmend in einer Grauzone verschmelzen.
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Carol Berg – Tor der Verwandlung (Rai-Kirah-Saga 1)

Seyonne ist seit sechzehn Jahren Sklave im derzhischen Kaiserreich. Nach all diesen Jahren des Elends und der Erniedrigung ist er ein gebrochener Mann, dessen einziges Ziel es ist, weitere Misshandlungen so gut wie möglich zu vermeiden. Doch dann wird er an den Kronprinzen verkauft, und schlagartig ändert sich alles! Nicht nur, dass dieser Fremdling das Feadnach in sich trägt, eine Art helles Licht und Zeichen dafür, dass er zu Großem bestimmt ist; Seyonne entdeckt, dass der Botschafter des benachbarten Volkes der Khelid von einem Dämon besessen ist. Und Seyonne ist der Einzige, der fähig ist, die Gefahr zu erkennen. Aber welcher adlige Derzhi hört schon auf einen Sklaven?

Die Handlungsträger

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George R. R. Martin – Die Herren von Winterfell (Das Lied von Eis und Feuer 1)

Einer der besten Fantasyzyklen

„Das Lied von Eis und Feuer“, so heißt das ambitionierte Großprojekt von George R. R. Martin auf dem Gebiet der epischen Fantasy. Die acht ersten Bände davon sind bereits auf Deutsch erschienen und lassen sich zum Besten einordnen, was diese Literaturgattung bisher hervorgebracht hat.

Mehrere Handlungsstränge aufgreifend, bietet Martin einen Blick auf eine farbenprächtige Welt voller Gegensätze, ein buntes Gewimmel verschiedenster Schicksale, verstreut vom kargen, frostklirrende Norden bis zu den orientalisch prächtigen Ländern des Sommers. Eine Welt, in der die Jahreszeiten sich über Jahre erstrecken können und auf einen milden langen Sommer ein umso härterer Winter folgt. In diesen Wintern erwachen im Norden dunkle Mächte. Und der jetzige Sommer währte bereits die Rekordzeit von zehn Jahren … Doch noch ist die Witterung ihnen wohlgesonnen und die Menschen sind mit ihrem eigenen Streit beschäftigt.

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Lee Child – Der Janusmann

Das geschieht:

Vor zehn Jahren hat Jack Reacher, damals noch Militärpolizist, den Landesverräter Quint erschossen, nachdem der eine Kollegin sadistisch zu Tode gemartert hatte. Nun muss Reacher erfahren, dass Quint nicht nur überlebt hat, sondern Anführer einer weltweit operierenden Bande von Waffenschmugglern geworden ist, während der einstige Polizist längst entlassen wurde und sich auf eine ruhe- und ziellose Wanderschaft durch Nordamerika begeben hat.

Reacher will Quint endgültig ausschalten. Deshalb ist er bereit, mit der Justizbeamtin Susan Duffy zusammenzuarbeiten. Vor zwei Wochen hat sie einen weiblichen Spitzel in das festungsartig gesicherte Hauptquartier des ‚Teppichhändlers‘ Beck eingeschleust, der mit Quint zusammenarbeitet. Die Agentin meldet sich nicht mehr und ist offensichtlich entdeckt worden. Duffy will sie mit Reachers Unterstützung retten. Lee Child – Der Janusmann weiterlesen

Peter May – Das rote Zeichen

Ein Serienmörder betäubt und köpft in Chinas Hauptstadt Peking nur scheinbar unschuldige Zeitgenossen; ein ehrgeiziger Kommissar und eine amerikanische Pathologin werden in die Ereignisse verwickelt und kommen einem Verbrechen aus der Zeit der chinesischen Kulturrevolution auf die Spur … – Nicht wirklich inspirierter, immerhin sorgfältig recherchierter, solider Thriller, der von seiner exotischen Kulisse als von der Story oder den Figuren profitiert.
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