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Interview mit Renate Grubert, cbj-Verlag

_Buchwurm.info:_
Ich wünsche Ihnen ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr, Frau Grubert! Wie geht es Ihnen?

_Renate Grubert:_
Ausgezeichnet, lieber Herr Matzer!

_Buchwurm.info:_
Unsere Leser kennen Sie ja meist noch nicht. Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen, zum Beispiel Ihren beruflichen Werdegang bis zur Position bei [|cbj|?]http://www.cbj-verlag.de

_Renate Grubert:_
Sehr gern. Ich bin eine Art Quereinsteiger – sowohl in Sachen Jugendbuch wie auch Pressearbeit. Denn ich habe zuerst ein Geografie-Studium mit Diplom abgeschlossen, dann als Kartografin promoviert und zuletzt ein weiteres Studium „Kinder- und Jugendliteratur“ an der Studien- und Beratungsstelle, Wien, mit Zertifikat beendet (übrigens mit einer Arbeit über Sciencefiction in der Kinder- und Jugendliteratur!). Nach kurzen Jahren in einer kartografischen Redaktion machte ich mich als Fachjournalistin für Kinder- und Jugendliteratur selbstständig und wechselte im Jahr 2000 als Presseleitung in den |Arena|-Verlag. Seit 2002 leite ich nun die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Kinder- und Jugendbuchverlage |cbj| und |cbt| in der |Random House|-Gruppe.

_Buchwurm.info:_
Haben Sie Kinder, und wenn ja, wie viele? Ich finde diese Frage für die Leiterin eines Kinderbuchprogramms relevant. Ich nehme aber nicht an, dass Ihre Kinder das Programm mitgestalten …

_Renate Grubert:_
Meine drei schon erwachsenen Kinder lesen nach wie vor gern Kinder- und Jugendbücher! Sie sind zu echten All-Age-Lesern herangewachsen und sparen nicht mit Kommentaren, wenn es um unsere Bücher geht.

_Buchwurm.info:_
Womit beschäftigen Sie selbst sich in Ihrer Freizeit?

_Renate Grubert:_
Zeit mit der Familie und mit Freunden verbringen, Musik hören, Filme schauen und, wie könnte es anders sein: lesen!

_Buchwurm.info:_
Wann wurde denn das Kinder- und Jugendbuchprogramm von |Bertelsmann|/|Random House| aus der Taufe gehoben? Das dürfte schon fast zehn Jahre her sein, oder?

_Renate Grubert:_
Ihre Fragestellung ist unabsichtlich ein bisschen komplex. Kinder- und Jugendbücher gibt es nämlich bei Bertelsmann seit Verlagsgründung im Jahr 1835. In der wechselvollen Geschichte gilt als nächste Etappe das Jahr 1968, die Gründung des C. Bertelsmann Kinder- und Jugendbuchverlags. Dann ist 2001 wichtig: das Dach von |Random House|, unter dem wir seither firmieren. |cbj| gibt es in der jetzigen Form seit 2004, |cbt| seit 2008. Sie sehen, wir haben viele und tiefe Wurzeln!

_Buchwurm.info:_
Zu den größten Erfolgen zählt vermutlich die [|Eragon|-Trilogie.]http://www.eragon.de Können Sie eine Zwischenbilanz ziehen?

_Renate Grubert:_
Ja, |Eragon| ist ein prachtvolles Beispiel für Erfolg im Jugendbuchbereich. Wir sind stolz darauf, diese tolle Fantasy-Reihe bei |cbj| anbieten zu können. Ich weiß noch, was für ein Gefühl das war, als wir die erste und zweite Auflage von |Eragon 3|, „Die Weisheit des Feuers“, bereits über den Vorverkauf, also die im Buchhandel bestellten Exemplare, abgesetzt hatten. Und dann kam der 25. Oktober 2008, der Erstverkaufstag, an dem auf einen Schlag 133.274 Exemplare an unsere Leserinnen und Leser verkauft wurden – genial! Bestsellerplatzierung!

Zusammen mit Band 1 und Band 2 liegen die Verkäufe von |Eragon| bei etwa 2,5 Millionen deutschsprachigen Exemplaren.

_Buchwurm.info:_
Was ist zurzeit am meisten gefragt? Haben Sie Zahlen?

_Renate Grubert:_
Lassen Sie mich bei |cbj| und |cbt| bleiben. Im Jugendbereich laufen spitzenwertig: Thriller (Monika Feth „Teufelsengel“, Jay Asher „Tote Mädchen lügen nicht“) und Fantasy (Jenny-Mai Nuyen „Feenlicht“, Chiara Strazzulla „Dardamen“, auch der Frühjahrstitel von Alison Goodman „Eona“ ist schon bestens in Startposition), dazu weitere All-Age- und familiengängige Titel wie das „Dangerous Book for Boys“ (G. Iggulden), das „Secret Book for Girls“ (M.Pescowitz) und Lucy & Stephen Hawkings „Die unglaubliche Reise ins Universum“. Im Kinderbereich sind zu nennen: „Der kleine Drache Kokosnuss“ (Ingo Siegner) und vor allem unsere Sachbuch-Reihe „Frag doch mal die Maus“.

_Buchwurm.info:_
Wir sind besonders an phantastischer Literatur interessiert, also Fantasy, Unheimliches, Übernatürliches usw. Was halten Sie vom aktuellen Vampir-Hype?

_Renate Grubert:_
Hm. Vampire sind „in“, so viel ist sicher. Auch bei |cbt|, unserem Jugendbuchverlag, tummeln sich die Blutsauger (Smith, Wallner, Schweikert, um nur einige zu nennen). „Hype“ bedeutet immer, dass es einen Auslöser (hier: Stephenie Meyer) gab, der absolut faszinierend gewirkt hat, sodass große Nachfrage nach neuem Lesefutter besteht. Der Markt trägt der Nachfrage Rechnung – so ist der Ablauf.

_Buchwurm.info:_
Ich habe gehört, dass es dieses Jahr einen Einbruch im Bereich Fantasy geben soll – können Sie das bestätigen?

_Renate Grubert:_
Einbruch im Bereich der Fantasy? Nur wer Fantasy eng definiert, kann ein Zurückschrumpfen auf „normalen Produktionsumfang“ feststellen. Wer das fantastische Genre insgesamt anschaut, stellt eine Verlagerung fest: weg von den losgelösten Welten hin zu unseren real verankerten Erfahrungsgebieten. Auch das Thema „Vampire“ gehört da ein Stück weit mit hinein (sofern man es nicht gesamthaft dem Horror-Genre zuschlägt). Und natürlich auch die neue, kommende Welle, die „Mystery“ heißt. Wer so definiert, wird keinen Einbruch bei der Fantasy verzeichnen können.

_Buchwurm.info:_
Der Jugendbuchmarkt ist bekanntermaßen hart umkämpft. Um Ihrem Programm im Vergleich zu den Programmen anderer Verlage mehr Profil zu verleihen, haben Sie Kinder- und Jugendbuchreihen deutlich im Aussehen und im Händlerprospekt unterschiedlich gestaltet und positioniert. Nach welchen Gesichtspunkten erfolgt diese Profilierung und mit welchen Zielen?

_Renate Grubert:_
Der Jugendbuchmarkt stellt sich nach wie vor als Wachstumssegment dar. Profilierung ist das A und O, denn sowohl der Buchhändler wie der Käufer will doch wissen, wo er was finden kann und wie das für ihn passende Novitäten-Angebot aussieht. Wir bemühen uns in jedem Programm neu, treffsicher klar zu machen, welches Buch, welches Produkt, für wen wichtig, ja unverzichtbar, ist. Darum auch der neuerliche Umbau unserer Kinder- und Jugendbuchverlage. |cbj| steht heute eindeutig fürs klassische Kinder- und Jugendbuch, und zwar im HC- (= Hardcover) und TB-Bereich (TB = Taschenbuch).

Mit |cbt| haben wir einen innovativen Jugendbuchverlag geschaffen, der in Richtung All Age geht (ebenfalls HC- und TB-Angebot). Und mit |cbj AVANTI| bauen wir in diesem Frühjahr 2010 einen Lesefutter-Verlag an, der unsere Reihen strukturiert und Viellesern ein eindeutiges Signal gibt.

_Buchwurm.info:_
In der aktuellen Händleraussendung für das Frühjahrs- und Sommerprogramm 2010 habe ich eine neue Reihe mit Romanen über Mädchen und Pferde gesehen („Bella Sara“). Kommen Hanni und Nanni wieder zurück?

_Renate Grubert:_
Hanni und Nanni hatten und haben begeisterte LeserInnen. Zu Recht, denn die Welt, die hier beschrieben wird, ist in einem bestimmten Alter prägend: Kinder lernen da fürs Leben. Mit „Bella Sara“, entwickelt von der dänischen Sozialpädagogin Gitte Odder Braendgaard, verhält es sich ähnlich. Hier lesen Mädchen Geschichten, die für sie wichtig sind, die Themen und Inhalte anbieten, die sie mögen, wie z. B. Freundschaft, Abenteuer mit Pferden, Zauberwelten, den Kampf Gut gegen Böse. Hier können sich Mädchen einerseits „wegträumen“, andrerseits werden Rollen angeboten, die sehr ausdifferenziert sind und gerade Mädchen vielerlei Anregung geben.

_Buchwurm.info:_
Sie haben auch Ihr Programm mit Wissensbüchern gut ausgebaut, so etwa mit Bänden über Dinosaurier und Astronomie. Diese Bücher sind sehr schön gestaltet, aber dennoch preisgünstig. Wie kommt diese preiswerte Leistung zustande, und nach welchen Aspekten wird die Reihe gestaltet?

_Renate Grubert:_
Ganz allgemein: Kindersachbücher dürfen einen gewissen Preis nicht übersteigen, wenn sie gut verkäuflich sein wollen. Der Markt funktioniert anders als beim Sachbuch für erwachsene Leser. Im Kinderbuch werden auch heute noch die meisten Titel als internationale Lizenzen eingekauft – entsprechend austauschbar sind die Bücher.

Dagegen hat |cbj| die Reihe [„Frag doch mal die Maus“]http://www.cbj-verlag.de/diemaus gesetzt, wo unverwechselbare Titel entwickelt werden. Wichtig sind der Charakter der Maus und das Prinzip der einfachen Maus-Fragen und –Antworten. Das kennt der Leser, dem vertraut er. Die Reihe ist außerordentlich beliebt und gut verkäuflich. Darum können wir – obwohl die Maus-Reihe eine kostspielige Eigenentwicklung ist – die Bücher tatsächlich günstig abgeben. Das Buchkonzept wurde übrigens in enger Zusammenarbeit mit dem WDR entwickelt, mit dem wir auch jeden einzelnen Titel abstimmen.

_Buchwurm.info:_
Jeder achte Deutsche (12 %) wird im Jahr 2014 noch Computer-Analphabet sein, besagt eine Befragung von IDC bei 1000 europäischen Personalentscheidern vom November 2009. Wider Erwarten ist besonders auch die junge Generation davon betroffen. Hat |cbj| Pläne, etwas dagegen zu unternehmen?

_Renate Grubert:_
Wir wissen um die sich öffnende Schere von Mediennutzern und solchen, die keine Medien nutzen. Als Verlag bieten wir immer die Hand und unterstützen die Kulturtechnik des Lesenlernens – vor allem durch entsprechende Programme und Bücher.

|Random House| gehört zudem zu den größten und aktivsten Leseförderern in Deutschland: Der Welttag des Buches wird seit zwölf Jahren vom Verschenkbuch „Ich schenk dir eine Geschichte“ geprägt, das bei |cbj| herausgegeben wird und das im letzten Jahr an 1,1 Millionen Kinder verschenkt wurde.

_Buchwurm.info:_
Welche Erfahrungen haben Sie in Ihrer Zusammenarbeit mit der Presse im deutschsprachigen Raum gemacht?

_Renate Grubert:_
Über die Jahre habe ich im D–A–CH-Raum fast durchgehend gute Erfahrungen gemacht. Das Kinder- und Jugendbuch ist beliebt, man schätzt die Szenarien, die hier entwickelt werden. Allerdings verändern sich die Möglichkeiten der Präsentation von Büchern ganz allgemein. Schrumpfende Flächen im Printbereich, dafür attraktive Angebote im Internet.

_Buchwurm.info:_
Wagen wir einen Ausblick. Wo steht das Programm von |cbj| in 24 Monaten? Vielleicht gibt es ja schon Highlights, die Sie unseren Lesern ankündigen können.

_Renate Grubert:_
In 24 Monaten haben wir Januar 2012. Da blicken wir gerade auf Christopher Paolinis Abschluss der Eragon-Saga zurück, die wir für den Herbst 2011 erwarten …

http://www.cbj-verlag.de
http://www.randomhouse.de

Monika Felten – Die Hüterin des Schattenberges

Handlung:

Die junge Eleve Jemina macht sich zusammen mit ihrer Mentorin Efta auf dem Weg zum Nebelsee, um dort die Prüfung zur Novizin abzulegen – denn Jemina wird Efta als Hüterin des Schattenberges nachfolgen. Noch vor ihrer Prüfung trifft sie auf die anderen Hüter sowie deren Eleven. Während ihrer Prüfung auf Doh-Jamal, der Insel der Nerbuks, die von dem vor acht Generationen verstorbenen Meistermagier Orekh, der auch den Schattenzauber erschuf, auf die Insel verbannt wurden, zeigen ihr die jedoch nicht böswilligen Nebelgeister einen Traum, in dem Jemina den Tod der Hüter sieht.

Als sie am nächsten Tag vergeblich darauf wartet, dass die Hüter kommen, um sie abzuholen, vermutet sie, dass ihr Traum doch eine Vision war. Gegen Abend begibt sich der Elev Rik auf die Suche nach den Hütern und Jemina. Wieder vereint beschließen die Eleven, den Meistermagier Corneus um Rat zu fragen. Dieser schickt sie, das Buch des Lebens zu suchen. Doch gibt es überhaupt noch Hoffnung für Selketien?

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