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Karel Capek – R.U.R. – Rossums Universal Robots

Humanistische Satire: die Abschaffung des Menschen

Die amerikanische Firma R.U.R. will die Menschheit mit humanoiden Maschinen vom Zwang der Arbeit befreien. Mit Gefühlen ausgestattet, rebellieren die Roboter jedoch gegen ihre Ausbeutung. Capeks „utopisches Kollektivdrama“ ist eine Warnung vor der Verselbständigung der Technik – inzwischen ein Klassiker der SF über den künstlichen Menschen, die Technologie in menschlicher Form.

Der Autor

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Bradbury, Ray – Leviathan \’99 (Hörspiel)

Ahabs Begegnung mit dem Monster der Leere

Ismael fliegt 2099 mit einer bizarren Mannschaft im Raumschiff „Cetus 7“ den Sternen entgegen. Dem Kapitän raubte vor 30 Jahren der Komet Leviathan das Augenlicht. Seitdem ist er – wie einst Ahab vom weißen Wal Moby Dick – besessen, sich mit dem Riesenkometen zu messen. Ob das wohl gut geht?

Der Autor

Raymond Bradbury, geboren 1920 (und immer noch quicklebendig!) in Waukegan, Illinois, ist einer der bekanntesten Erzähler der USA, und zwar nicht nur in der Science-Fiction, sondern auch im sogenannten Mainstream. Als Ray vierzehn Jahre alt war, übersiedelte seine Familie nach Kalifornien, wo er 1938 seinen Highschool-Abschluss machte. Diesen Verlust der Heimat hat er immer wieder verklärend thematisiert.

1937 kam er erstmals mit der Science-Fiction-Szene Kaliforniens in Kontakt, als er Ray Harryhausen (Film), Forrest Ackerman (Fandom) und Henry Kuttner (Autor) traf. Zum Teil konnte er seine Träume mit ihnen erfüllen. Harryhausen wurde zu einem der größten Trick- und Special-Effects-Könner auf dem Gebiet des phantastischen Films („Kampf der Titanen“ u.v.a.), während Bradbury später als Autor weit über die Grenzen des Genres hinaus bekannt wurde.

Die Schriftstellerin und Drehbuchautorin („Star Wars Episode V“) Leigh Brackett beeinflusste ihn wesentlich in seiner Entwicklung. 1943 wurde sein Stil poetischer, nostalgisch und zeigte einen Hang zum Makabren. Die damals großen Magazine wie die „Saturday Evening Post“ sollen sich angeblich um seine Storys gerissen haben. Er schrieb für John Huston 1955/56 das Drehbuch zu „Moby Dick“.

In letzter Zeit ist es still um Bradbury geworden, aber von ihm erscheinen immer noch aufwändig gemachte Novellen- und Storybände. Ridley Scott hat in seinem Film „Blade Runner“ eine Hommage eingebaut: Das Hotel, in dem der Showdown stattfindet, heißt „The Bradbury“. Und der Regen fällt wie in Bradburys Story „The Day It Rained Forever“ unablässig.

Seine wichtigsten Werke:

[Fahrenheit 451]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=400 (1953, verfilmt 1966 von F. Truffaut)
Der illustrierte Mann (1951, verfilmt 1968 mit Rod Steiger, dt. Titel: „Der Tätowierte“)
[Die Mars-Chroniken]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1294 (1946-50, verfilmt 1980 mit Rock Hudson)

Die Sprecher und ihre Rollen

Ismael: Jürgen Goslar
Kapitän: Wolfgang Büttner
Quell: Günther Stutz
Redleigh: Heinz Stoewer
Rogers: Olaf Bison
Ellery Colworth: Anfried Krämer
Der Warner: Max Noack
Der Kleine: Yodok Seidl

Das Hörspiel hat Regisseur H. B. Fortuin 1969 für den Hessischen Rundfunk eingerichtet. Die Musik besorgte Tristram Cary.

Handlung

„Nennt mich Ismael.“ Man schreibt das Jahr 2099, und Ismael Jones, unser Erzähler, berichtet, dass er als erstes Kind im Weltraum geboren wurde und seine Eltern Ex-Marsianer waren. Sein Vater nannte ihn Ismael nach dem wandernden Gottessucher aus der Bibel. Und tatsächlich versteht sich Ismael als ein Wanderer, über Gras- und andere Meere, wie etwa die des unendlichen Kosmos, des Sternenmeers.

Eines Tages wird er im Raumfahrer-Wohnheim einem Zimmergenossen namens Quell zugewiesen. Quell ist drei Meter hoch und ein Telepath, er stammt von einer Inselwelt im Andromedanebel, wo Tiermenschen aufwachsen. Ismael fragt uns: „Was ist menschlich?“ Statt zu streiten, beschließen sie, lieber Freunde zu werden. Sie suchen eine neue Heuer, und ihre Wahl fällt auf die „Cetus 7“ (cetus = Wal), denn sie ist das größte jemals gebaute Raumschiff.

Hätten sie doch nur ein anderes Schiff gewählt! Ein „Warner“ namens Elias tut genau das: Er warnt sie vor dem Kapitän der Cetus 7, einem verrückten Albino, dem ein Unfall mit einem Kometen namens Leviathan die Augen ausgebrannt habe. Doch sie hören nicht auf ihn und helfen, das Schiff auszurüsten. Es ist eine seltsame Crew: zumeist Gnome und Zwerge, gezüchtete Genies, die allzu gerne spielen. Nur wenige Menschen sind an Bord, und der Käptn ist nirgends zu sehen. Vor dem Ablegen besuchen sie einen Gottesdienst und lauschen der Predigt des robotischen Pater Ellery Colworth, der schon seit hundert Jahren tot ist. Seine Botschaft: Alles ist Gottes Schöpfung, deshalb gilt es, alles Leben zu achten.

Am 2. August ’99 geht’s los. Vom Käptn hat Ismael nur ein seltsames Geräusch gehört: sein Körperradar, das der Blinde benötige, heißt es. Nach fünfzig Tagen nähert sich die Cetus 7, gesteuert vom Ersten Offizier Redleigh, einem Planeten im Sternbild Schwan. Doch statt ihn zu erkunden, befiehlt der Käptn eine Inspektion. Erstmals bekommt Ismael ihn zu Gesicht, den Albino mit dem Wärmesensor vor den Augen. Er kommt ihm unheimlich vor, wie „der Geist von Hamlets Vater, der neue Gespenster ausbrütet“.

Wer den Kometen Leviathan als Erster sichtet, bekommt eine Belohnung. Alle dreißig Jahre kommt das Ungetüm in diese Raumgegend, wo es einst dem Käptn das Augenlicht raubte. Dafür will er sich rächen und das Monster, diese „Lawine des Nichts“, für immer zerstören. Das ist der heilige Auftrag der Besatzung der Cetus 7. Und der Kapitän schwört sie gnadenlos darauf ein: den Kometen zerstören oder beim Versuch sterben. Es ist Wahnsinn.

Doch wo bleibt dabei die Achtung vor allen Geschöpfen Gottes, die Pater Colworth predigte, fragt der Erste Offizier. Das sei doch Gotteslästerung. Nichts da, bügelt der Kapitän die Kritik Redleighs nieder. Der Leviathan beging vielmehr als Erster eine Gotteslästerung an des Käptns Fleisch! Und für seine Rache sei er bereit, sich selbst zu opfern.

Die Monomanie des Kapitäns manifestiert sich immer wieder. Sie lassen einen Mond mit wundervollen toten Städten ebenso links liegen wie zwei irdische Raumschiffe. Nichts darf von der Jagd auf das Ungeheuer ablenken. Ismaels telepathischer Freund Quell ist von einer düsteren Vorahnung erfüllt; er „hört“ Stimmen von Toten und lässt sich eine Totenrüstung anfertigen (keinen Sarg).

Nach einem Hinweis von einem anderen Kapitän kommt es endlich zur finalen Konfrontation. Doch sie verläuft viel schrecklicher, als Ismael sich das hätte ausmalen können. Denn Leviathans furchtbare Kraft liegt nicht so sehr in seiner „körperlichen“ Erscheinung, sondern vielmehr in seiner Beeinflussung der Zeit …

Mein Eindruck

Die Zeit ist das zugrunde liegende Hauptthema der Erzählung, die 1968 zuerst veröffentlicht wurde. Das Universum wird hier endlich als das begriffen, was zu begreifen am schwersten fällt: Dass relativistische Zeit nicht immer die gleiche Rolle spielt und stets relativ zum Ort und zum Betrachter existiert.

Der Leviathan, der alle dreißig Jahre in die Nähe der Erde fliegt, ist wie ein Pendel der Regelmäßigkeit, während alles andere vergeht und verschwindet. Ganz besonders natürlich der Mensch. Deshalb muss der Kapitän aufbegehren. Allein schon der Flug mit Lichtgeschwindigkeit, den die Cetus unternimmt, entfernt die Besatzungsmitglieder mit relativistischer Geschwindigkeit von allen ihren momentanen Zeitgenossen. Sie stranden in ihrer eigenen Zeit, die sie wie in einer Kapsel mit sich nehmen: eine zusammengeschweißte Gruppe.

Sie begegnen auf ihrem Flug durch die Sternenmeere den „verlorenen Kindern der Zeit“: Radio- und Fernsehbotschaften aus dem Jahr 1939. Wir hören Reden des „Führers“, eine Ansprache von Chamberlain aus dem Jahr 1938, dann das Lied „Lili Marleen“ und dergleichen mehr. Doch für den Kapitän hat dies natürlich keine Bedeutung. Sollte es aber, ist er doch ebenfalls ein Rattenfänger, der seine Anhänger in den Untergang führt und den Rest der Welt mitreißt.

Und dann die erste Begegnung mit Leviathan. Seine unheimliche Weiße setzt Strahlen frei, die gemäß der Phantasie des Autors die Zeit krümmen. Die Cetus 7 gerät in ein Sargassomeer der Zeit, dümpelt in einer Flaute irgendwo im Abseits dahin, bevor sie sich aus eigener Kraft wieder befreit. Erneuter Angriff auf den Kometen, das große weiße Ungeheuer, zu dem der Kapitän es hochstilisiert.

Und als Ergebnis versprengt das große weiße Geheimnis die kleinen Menschlein in alle Zeiten, sei es in die Zeit Shakespeares oder in die Lincolns. Nur Quell in seiner Totenrüstung und Ismael, obwohl gestrandet in der Zeit, können hoffen, jemals wieder von einem Raumschiff gefunden zu werden. Und da Ismael uns Bericht erstattet, gelingt ihm das wohl auch. Er ist nicht nachtragend. Leviathan ist eben nur ein Geschöpf Gottes, nicht etwa Shiva selbst, der Gott der Zerstörung. Wer immer wieder vergeblich versucht, gegen das Universum aufzubegehren wie einst Faust und viele Heroen mehr, das sind gebrochene und wütende Menschen wie der Kapitän. Und dabei werden sie eins mit ihrem Ziel, das sie aufnimmt.

Besonders interessant ist vielleicht in diesem Zusammenhang, nun, da die Anklänge an „Moby Dick“ unübersehbar sind, dass es der Autor selbst war, der zusammen mit Regisseur John Huston das Drehbuch zur famosen Verfilmung von 1956 ablieferte. Diese Arbeit, die er 1955/56 in London verrichtete, hinterließ sicherlich einen bleibenden Eindruck bei Bradbury. Und nur ein Dutzend Jahre später wurde daraus die vorliegende Erzählung. Diese hat der Hessische Rundfunk in ein Hörspiel umgesetzt.

Die Sprecher

Es gibt drei oder vier Kategorien von Sprechern. Sie lassen sich gemäß ihrer Einstellung zum numinosen Leviathan einteilen. Da sind einmal die romantischen Träumer wie Ismael und Quell. Sie achten den Kometen als Gottes Schöpfung, bewundern auf eine passive Weise die Wunder des Weltraum. Ihnen diametral gegenüber steht der Kapitän, ein reiner Tatmensch, der keinen Zweifel an der Notwendigkeit zur Vernichtung des Kometen aufkommen lässt.

Und doch gibt es Zweifler. Zu ihnen gehört der Erste Offizier, der sogar an Meuterei denkt und den Kapitän, den er für offensichtlich wahnsinnig hält, mit der Pistole bedroht. In die gleiche Kategorie gehört der Warner Elias, dessen Worte Ismael und Quell in den Wind schlagen. Als letzte Kategorie könnte man diejenigen Crewmitglieder zählen, die kaum zu Wort kommen und einfach nur Mitläufer sind.

Der wichtigste Sprecher in diesem Reigen ist natürlich derjenige, der die Handlung am meisten bewegt: der Kapitän. Selbst wenn er nicht körperlich anwesend ist, so beherrscht sein Geist doch sein Schiff und die gesamte Besatzung. Durch die Weißheit seiner Haut, seine Blindheit, die Kyborg-Gerätschaften ist er als Über-Mensch ausgewiesen, und seine angeblichen Visionen heben ihn sowieso in den Status eines religiösen Führers empor. Einem solchen Mann zu trotzen, grenzt schon an Frevel.

Wolfgang Büttner füllt diese faustische Ahab-Figur mit einem enormen Stimme aus, die zum schmeichelnden Raunen ebenso fähig ist wie zum tobenden Brüllen. Das klingt dann sehr theatralisch. Und zudem kann er hier einen ellenlangen Monolog halten, als sei er Hamlet, der seines Vaters Tod kontempliert. Aber so wird „Ahab“ als ein gequälter Mensch sicht- und hörbar, der in der Vernichtung seines Zerstörers endlich Erlösung aus seiner Qual finden will. Untergang ist Befreiung. Galt das auch für Hitler? Diese Radiozitate aus den Jahren 1938/39 wurden nicht zufällig ausgewählt.

Jürgen Goslar als Ismael hingegen ist der genaue Gegensatz. Er hat stets etwas Heiteres, Insichruhendes in seiner Stimme, und wir können uns auf ihn verlassen, denn offensichtlich hat ihn „Ahabs“ Wahnsinn nicht angesteckt. Beim Angriff bleibt er als Einziger auf der Cetus 7 zurück. Er ist der außenstehende Beobachter, der nur berichtet, aber nicht wertet. Quell trägt ihm zu, was zwischen dem Kapitän und seinem Ersten Offizier vor sich geht. Wir müssen uns selbst einen Reim darauf machen, was passiert.

Musik und Geräusche

Die Musik wurde vollständig auf einem elektronischen Instrument erzeugt, das ich als Laie für einen Synthesizer halte. Für eine Orgel wären diese Töne und Klangfarben jedenfalls sehr ungewöhnlich, klassische Instrumente kommen überhaupt nicht vor. Da Synthis heutzutage völlig out sind, klingt diese Klanguntermalung ebenfalls antiquiert, und zwar so sehr, dass sie an „Raumpatrouille Orion“ erinnert und, wie die Kultserie, einen gewissen Retro-Charme ausübt. Die wenigen Geräusche, die vorkommen, sind nicht der Rede wert.

Unterm Strich

Obwohl das Hörspiel in der Art seiner Darstellungstechniken seine Entstehungszeit nicht verleugnen kann, so bietet es doch eine recht interessante Geschichte, die im Grunde von überzeitlicher Bedeutung ist: Der tätige Mensch muss es mit den Kräften des Kosmos aufnehmen, will er es wagen, dorthin vorzudringen. Und so ist das Scheitern immer ganz nahe im Bereich des Möglichen. Dass eine Raumreise aber auch die Begegnung mit dem Göttlichen sein kann, will jedoch dem Kapitän der „Cetus 7“ nicht in den Sinn: Er hält den Kometen Leviathan für eine Ausgeburt der Hölle.

Die recht geschickt und nah am Vorbild erzählte Geschichte ähnelt Herman Melvilles „Moby Dick“ bis ins Detail, denn Bradbury schrieb schließlich das Drehbuch für John Hustons famose Verfilmung des Romans. Wer sich jedoch ebenso deftige Action erhofft wie im Film, der wird vom Hörspiel ziemlich enttäuscht sein. Das Vergnügen ist eher intellektueller Natur, wenn auch die Regie versuchte, die Konfrontationen zur Erzeugung von Spannung zu nutzen. Der Erfolg dieser Bemühung hält sich in Grenzen.

Für Science-Fiction-Freunde ist das Hörspiel eine Gelegenheit, mal wieder eine Story aus dem Storyband „I sing the body electric!“ zu genießen. Doch schon 1968 war Bradburys Erzählkunst nicht mehr ganz taufrisch – kein Wunder, nach 30 Jahren ständiger Produktion (und der Mann schreibt heute noch!). Die große Erleuchtung oder Entdeckung sucht man deshalb in der Story vergeblich.

Originaltitel: Leviathan, 1968
Übersetzung von Hanns A. Hammelmann
80 Minuten auf 1 CD

William Gibson – Neuromancer (Lesung)

„Case ist 24 und seine Karriere am Ende. Das Nervensystem des abgehalfterten Daten-Cowboys ist zerstört, er hat keinen Zugang mehr zur Matrix des Cyberspace. Bis er Molly kennen lernt, eine durch Implantate getunte Kämpferin. Ein unerwarteter Auftrag führt sie in die gefährliche Auseinandersetzung zwischen den künstlichen Zwillings-Intelligenzen Neuromancer und Wintermute …“ (Klappentext)

Der Autor

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Kolarz, Henry – Gentlemen bitten zur Kasse, Die (Hörspiel)

_Rasanter Räuber-Krimi, genau wie im Film_

Es war der spektakulärste Postraub der britischen Kriminalgeschichte. Europa hielt den Atem an, als eine maskierte Gangsterbande Anfang der 60er Jahre beim Überfall auf einen englischen Postzug 2,5 Millionen Pfund erbeutete. Von Drahtziehern und Diebesgut fehlte jahrzehntelang jede Spur. Nicht nur der listige Plan, sondern vor allem der ausgeprägt galante Stil des Überfalls machte die Gangstergeschichte zum Kult. Die erste Verfilmung des Coups von 1966 brachte das Gentlemen-Flair in Millionen deutscher Wohnzimmer.

Der Norddeutsche Rundfunk produzierte den Film 1966 und lieferte so die Vorlage fürs Hörspiel.

Die Wikipedia bietet ausführliche, deutschsprachige Informationen unter [dieser Adresse]http://de.wikipedia.org/wiki/Postzugraub an.

_Die Sprecher/Die Mitwirkenden_

Erzähler: Hans-Günter Martens und Peter Weis
Michael Donegan: Horst Tappert
Patrick Kinsey: Hans Cossy
Archibald Arrow: Günther Neutze
Geoffrey Black: Karl-Heinz Hess
Dennis McLeod: Siegfried Lowitz
Jennifer Donegan: Grit Boettcher
Und viele weitere.

Regie führten beim Film John Olden & Claus Peter Witt, beim Hörspiel Günter Merlau. Das Drehbuch stammt von Henry Kolarz.

_Handlung_

Am 7. August 1963 fuhr der Postzug von Glasgow um 18:50 Uhr ab und sollte wie stets um 3:40 Uhr in London eintreffen. Doch in der Nacht zum 8. August wurde er bei der Bridego-Eisenbahnbrücke in Ledburn nahe Mentmore in der Grafschaft Buckinghamshire in England ausgeraubt.

Die Beute von exakt 2.631.684 Pfund war damals 29,5 Millionen D-Mark wert – eine gigantische Summe für westdeutsche Nachkriegsverhältnisse. Das entspricht heute einem Wert von etwa 39 Millionen Pfund oder 46 Millionen Euro, also nicht gerade Peanuts. Im Laufe der Ermittlung und der Festnahmen tauchte nur ein Achtel der Beute wieder auf (rund 330.000). Wo ist der Rest?

|Der Tipp|

Archibald Arrow, ein stilvoll gekleideter Betreiber eines Friseursalons, den seine Frau Susie Frost führt, erhält im Klub von gerald Williams einen heißen Tipp. Der abgehalfterte Gauner Twinkie gibt ihm den Tipp für den Postzug von Glasgow nach London. Der Zug karre jede Nacht gebrauchte Banknoten in Millionenwert von A nach B. Archie ist skeptisch, doch wenn was draus werden sollte, kriegt Twinkie die üblichen zehn Prozent.

|Der Major|

Archie braucht einen Mann, der so ein Riesending beurteilen und im Ernstfall auch organisieren kann. Der Mann dafür ist Michael Donegan, ein ehemaliger Major der Armee, der anno 1944 in Südfrankreich mit dem Widerstand gegen die Nazis kämpfte, um die Invasion vorzubereiten. Seine Spezialität: Eisenbahntunnel. Mit einem Trick stoppte er einen Nachschubzug der Nazis nach dem anderen, immer in Tunneln und Unterführungen. Der Major: Das Ding kann gemacht werden. Wenn man es richtig vorbereitet und finanziert.

|Probelauf|

Donegan ist klar, dass er für die Vorfinanzierung eines Stabes von über einem Dutzend Helfern mindestens 50.000 Pfund braucht (über 5 Mio. D-Mark). Woher nehmen und nicht stehlen? Eben. Wenig später stürmen vier maskierte Gentlemen in das Büro der Fluggesellschaft BOAC auf dem Londoner Flughafen und greifen bei einer Geldübergabe zu. Die Beute von 62.000 Pfund reicht, um die Vorbereitungen voranzutreiben.

Aber der Überfall ruft auch Kriminalkommissar Dennis McLeod auf den Plan, der von seinen Kollegen nur „Mister Mac“ genannt wird, weil er so eine sanfte und ruhige Art hat, dass der Normalbürger ihn für einen von ihnen hält. Weit gefehlt! Wenig später steht McLeod vor Archies Haus auf der Matte. Archies Neffe hat sich verplappert: Er führ den Fluchtwagen. Doch Archie bleibt kühl wie stets, und McLeod muss wieder abziehen. Man wird sich wiedersehen.

|Die Farm|

Archie kauft mit Hilfe des Anwalts Peter Masterson und dessen deutscher Frau Inge eine abgelegene Farm auf dem Lande. Der einzige Vorteil des leerstehenden Gemäuers: Es ist nur 30 Meilen vom geplanten Tatort entfernt. Nach und nach treffen hier die Männer ein, die das Ding ihres Lebens drehen wollen. Rennfahrer, Elektriker, Lokführer, Maler und vieles mehr. Der wichtigste Mann für Donegan ist der Elektriker, der das Stoppsignal manipulieren soll: Walter Lloyd. Eigentlich eine ehrliche Haut, gehört er aber doch zu den Fulham Boys, Londoner Gauner. Er holt zwei davon mit ins Boot, was den Major verärgert.

Die Fenster sind verhängt, die Fahrzeuge geklaut und umgespritzt, die Alibis etabliert, die Gattinnen eingeweiht. Es kann losgehen. Doch am 6.8. ruft Twinkie an: Der Postzug heute Nacht ist nur halb voll, das lohnt sich nicht. Morgen wird dafür doppelt so viel Geld Transport. Also alles zurück auf Anfang auf der Farm. Donegan ist das Saufen, Spieln und Feiern der Arbeitertypen zuwider. Auf Wache wimmelt er einen neugierigen Nachbarn ab, der ein Feld pachten will. Dieser Mann wird sich später genau an die Farm erinnern.

|D-Day|

Die Nacht der Tat ist da! Rund 14 Mann brechen um Mitternacht, um rechtzeitig an der Unterführung Sears Crossing bei Lindsdale zu sein. Doch sie müssen den schwerbewachten Zug schon fast einen Kilometer davor an einem Haltesignal stoppen. Dieses manipuliert Walter Lloyd wie vorgesehen. Der Zug aus Glasgow hält mit kreischenden Bremsen an. Sofort überwältigen die Räuber die beiden Lokführer. Trotz des strikten Befehls des Majors, keine Gewalt anzuwenden – keine einzige Pistole ist im Spiel – , wird einer der Lokführer schwer am Kopf verwundet. Gleich hinter der Lok ist der Waggon mit dem Geld. Beide werden abgekoppelt und zur Unterführung gefahren. Die Wachmannschaft in den anderen Waggons kriegt nichts davon mit.

Bei der Unterführung stehen die Lieferwagen bereit, die Geldsäcke aufzunehmen. Doch zuerst müssen die Wachen im Geldwaggon überwältigt werden. Auch das geht ruckzuck. Keiner der Beamten riskiert Gesundheit oder Leben für ein paar alte Scheine. Nach weniger als einer Stunde ist der Spuk vorbei. Als die Wachmannschaften in den abgekoppelten Waggons auf einer Farm Alarm geben können, sind die Posträuber bereits zurück auf ihrem Stützpunkt. Wird man sie entdecken?

|Die Ermittlung|

Die Nachricht vom Postzugraub versetzt nicht nur die Britischen Inseln in helle Aufregung, sondern auch den rest der westlichen Welt. Die Beute ist einfach zu gigantisch: Die größte in der gesamten Kriminalgeschichte! Für die Presse ein gefundenes Fressen. Und Kommissar Dennis McLeod hat mit seinen zwei Leuten einen schweren Stand gegen die peinlichen Fragen der Reporter. Es hilft ihm auch wenig, dass die Bevölkerung gegenüber den Gentlemanräubern eine positive Haltung einnimmt. „Wow, das war generalstabsmäßige Arbeit, Hut ab! Es gibt noch Hoffnung für England, wenn es solche Männer hat!“

Aber es gibt reichlich Spuren am Tatort, die sorgfältig katalogisiert werden. Die Räuber halten sich drei Tage versteckt, bevor sie im Radio hören, dass die Polizei den Radius der Durchsuchungen auf 30 Meilen (ca. 48 km) ausgeweitet hat: Das betrifft auch ihre Farm. Sie müssen weg. Die Luft wird dünn.

|Die Trennung|

Jetzt kommt es zum Bruch zwischen Donegan und Arrow, den zwei Anführern. Archie will das geld nehmen und sofort aufteilen, natürlich mit der Maßgabe, es nicht gleich zu verjubeln – das würde auffallen und Verdacht auf die Täter lenken. Donegan ist strikt dagegen, denn er weiß, wozu Gauner neigen: Sie leben für den Tag und wollen ihren plötzlichen Reichtum genießen. In einer Abstimmung werden der Major und seine Getreuen überstimmt. Archie übernimmt das Kommando.

Schon machen sich die Fulham Boys auf Fahrrädern aus dem Staub, als Archie und seine Leute aufbrechen. Erst jetzt können der Major und seine Leute die Spuren beseitigen und ihren beträchtlichen Anteil begraben. Wer würde schon auf dem Friedhof nachsehen? „Ruhe in Frieden“ – wohl wahr. Danach versteckt sich Donegan, während die beiden anderen, Black und Kinsey, das Unschuldslamm spielen.

|Der Anfang vom Ende? |

McLeod braucht nicht lange zu warten, bis die ersten Zeugenmeldungen eintreffen und die Spurensicherung auf der verlassenen Farm reiche Beute einfährt: Finderabdrücke, Farbspritzer, Stoffreste. Wunderbar. Doch wo sind die beiden Anführer Archie Arrow und Michael Donegan, fragt er sich. Und wie sich herausstellt, muss seine Truppe hart arbeiten, um wenigstens einen der beiden zu schnappen …

_Mein Eindruck_

„Die Gentlemen bitten zur Kasse“ wurde nach dem Drehbuch von Henry Kolarz, der den „Tatsachenbericht“ schrieb, fürs Fernsehen und als Hörspiel inszeniert. Die drei Teile der Filmserie waren in der tristen, von Schwarzweißsendungen geprägten TV-Landschaft Westdeutschlands ein echter Knaller. Ein ähnlicher Straßenfeger wie später die Durbridge-Krimis und die Edgar-Wallace-Verfilmungen.

Ich weiß noch genau, dass die drei Filme mehrfach wiederholt wurden. Damals sah ich erstmals das Gesicht von Horst Tappert (Donegan), Günter Neutze (Arrow) und Siegfried Lowitz (McLeod). Ich hätte aber nicht gedacht, dass auch die TV-Hörspiele eine ähnlich spannende Wirkung entfalten könnten wie die Fernsehfassung.

Die Story entfaltet aber gemäß der Aufbereitung durch Kolarz ihre unvermeidliche Wucht. Die Vorbereitung, die Durchführung, die Ermittlung, die Trennung, der Untergang – alles wie in einem klassischen Drama. Der Witz bei der Geschichte ist jedoch nicht die gigantische Beute oder die ausgefuchste Ermittlung McLeods, sondern die überraschende Sympathie, die den Gentlemen-Räubern bis heute entgegengebracht wird.

Es waren eben keine gewöhnlichen Ganoven, die den Coup ausbaldowerten, sondern ein ehemaliger Offizier, Michael Donegan. Seine Figur wirkt auf uns zwiespältig: Wir können zwar seine Beherrschtheit und Coolness bewundern, müssen aber mit Bedauern hinnehmen, dass er nicht gerade dem Lustprinzip frönt – dafür ist er in seiner Pedanterie viel zu uncool. Die Vorstellung davon, was „cool“ ist, hat sich eben im Lauf der knapp fünfzig Jahre grundlegend gewandelt.

Da ist uns Nachgeborenen doch Archie Arrow, der stilvolle Lebemann, viel sympathischer. Sicher, er lebt für den Tag, aber tun wird das nicht auch? Und wer würde wirklich auf 30 Millionen hocken, als wärs ein Gelege von goldenen Eiern, während sich die anderen einen schönen Lenz machen? Eben! Dumme Sache also, dass Archie dennoch geschnappt wird – und Donegan nicht.

Zum Erstaunen des Zuhörers geht die Story nämlich nach der Gerichtsverhandlung eine ganze Zeitlang weiter – mit zwei Updates auf „den neuesten Stand der Ermittlungen“ bis 1965. Es ist nicht Archie, sondern Donegan, der einen der Verurteilten nach dem anderen aus dem Knast befreit, zuerst natürlich seinen getreuen Kinsey. Er verliert seine Frau, die den Stress des Versteckens nicht mehr aushält und mit den Kindern auf die Bahamas zieht, macht aber dennoch weiter. Ein moderner Held?

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

|Die Erzähler und Sprecher|

Es gibt erstaunlicherweise zwei Erzähler, einen aus dem Original-Hörspiel bzw. -Film und einen aus der aktuellen Produktion. Der Erste ist für die Fakten zum Kriminalfall zuständig, der Zweite für Hintergrundinformationen und Übergänge zwischen Szenen.

Die Sprecher sind selbstredend jene aus den Filmen. Tappert spielt den Ex-Militär Donegan, der überstimmt wird, Neutze den Lebemann Archie Arrow und Siegfried Lowitz den täuschend sanften Kommissar (den er dann auch später in „Der Alte“ verkörperte). Es gibt für einen Kriminalfilm erstaunlich viele Frauenfiguren, so etwa Susie Frost, Arrows Frau, gesprochen von Grit Boettcher, die damals recht bekannt war.

Daneben tauchen noch weitere Gattinnen und Liebchen auf. Archie betrügt seine Frau nämlich – McLeod schreckt nicht davor zurück, Arrow in flagranti delicto, nämlich beim Ehebruch, zu ertappen und zu verhaften. Auch Donegan scheint mit Ehebruch beschäftigt – doch das ist alles nur gespielt, um die Cops, die einen Einbrecher suchen, zu täuschen. Wer hätte gedacht, dass in diesem Kriminalstück so viel witzige Würze steckt!

|Geräusche|

Die Geräusche sind allesamt die eines realistischen Films. Wir holen also jede Menge Motoren, Schritte, Sirenen, Radionachrichten, Durchsagen, Rufe, sogar Gesang. Doch das Einzige, was wir nicht hören, ist das, was wir von jedem Krimi erwarten würden: Schüsse.

|Musik|

Die Musik stammt von der damals für einen Krimi standardmäßigen Jazz-Combo, was ja bekanntlich nicht jedermanns Geschmack ist. Aber der Jazz-Rhythmus ist so flott und eingängig, dass man gleich fasziniert ist. Obendrein wird dieses Motiv an jedem Ende und jedem Angang einer CD wiederholt.

|Booklet|

Von einem Booklet kann keine Rede sein. Alle Infos über die Sprecher und die Macher sind auf der Innenseite des Hörbuchs abgedruckt.

_Unterm Strich_

Ich habe jede Minute dieses über drei CDs verteilten Hörspiels genossen. (Zumindest da, wo die jeweils einleitenden Recaps nicht die Namen und Handlungsabläufe wiederholen.) Die Story ist straff erzählt, folgerichtig aufgebaut und in manchen Szenen spannend geschildert, manchmal sogar amüsant. Etwas ironisch sind die beiden Aktualisierungen auf den „neuesten Stand der Ermittlungen“ bis zum Jahr 1965.

|Der Fall Ronald Biggs|

Was mich etwas verblüfft hat: An keiner einzigen Stelle wird Ronald Biggs erwähnt, jener „Posträuber“, der nach Brasilien flüchtete und sich dort einen schönen Lenz machte. Er wird im [Wikipedia-Artikel]http://de.wikipedia.org/wiki/Postzugraub erwähnt, einer der Ausbrecher, der nach nur 15 Monaten Haft nach Rio entkam. „1991 nahm Biggs mit der Deutschen Punk- und Rockband Die Toten Hosen die Single „Carnival In Rio (Punk Was)“ für deren Album „Learning English – Lesson One“ auf und feierte mit ihnen seinen 62. Geburtstag.“

|Das Hörbuch|

Die größte Herausforderung an den Audio-Verlag bestand sicherlich in der Sicherstellung einer hohen Tonqualität. Dieser Transfer von der Filmtonspur ist erstaunlich gut gelungen. Es gibt keine Mängel. Die CDs sind in einem Stapel untergebracht, der zwar etwas wirkt, aber funktioniert, wenn man vorsichtig ist.

|3 Audio-CDs mit 178 Minuten Spieldauer
ISBN-13: 978-3862310166|

_Henry Kolarz bei |Buchwurm.info|:_
[„Nachts um 4 wird nicht geklingelt“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id_book=2235

Bradley, Rebecca / Sloan, Stewart – Temutma

„Ein Mörder wütet in Hongkong, Nacht für Nacht. Die Leichen tragen den Biss einer Fledermaus, das Blut bis auf den letzten Tropfen ausgesaugt. Racheakte der Triaden, satanische Rituale oder gar ein Vampir? Langsam nur und mit wachsendem Grauen begreift Superintendent Michael Scott, womit er es zu tun hat. Die Spuren führen in die Ummauerte Stadt von Kowloon, in deren Kellern Temutma schlummert, ein uraltes Wesen, blutdürstig und unsterblich. Nur der weise Wong weiß, wie man es bezwingen kann. Temutmas Macht wächst, und sie richtet sich auf ein ganz besonderes Opfer: die junge Julia.“ (Verlagsinfo)

_Die Autoren_

Die Kanadierin Rebecca Bradley, geboren 1952, ist von Haus aus Archäologin, arbeitete dann als technische Redakteurin, bevor sie Anfang der neunziger Jahre mit dem Schreiben anfing. Eine Fantasy-Trilogie ist auch bei uns erschienen. In Hongkong schrieb sie zwei Horrorromane: „Kong Kong Macabre“ und „Hong Kong Grotesque“. 1997 kehrte sie nach Kanada zurück, wo sie heute in Calgary Archäologie lehrt. Sie schreibt weiterhin.

Stewart Sloan lebt als Nachfahre europäischer Einwanderer in der dritten Generation in Hongkong. Schon früh von der Horrorliteratur fasziniert, veröffentlicht er seit 1988 Storys. Er lernte Bradley kennen, sie wurden Freunde und Nachbarn. 1994 gründeten sie den Verlag |Hong Kong Horror Publishing|, in dem er den Roman „The Sorceress“ und die Novelle „The Isle of Rat“ herausgab, beides Geschichten, die in Hongkong spielen. Im Hauptberuf ist er Privatdetektiv.

_Die Sprecher & die Produktion_

Der WDR hat das Hörspiel 2002 produziert. Und weil der WDR eine Menge Geld hat, konnte er auch relativ hochkarätige Schauspieler anheuern, um die Rollen zu sprechen. Andrea Sawatzki etwa kennt man aus „Das Experiment“, Dietmar Mues (geb. 1945) aus unzähligen Theateraufführungen und dem „Herr der Ringe“-Hörspiel sowie Axel Milberg aus Film und Fernsehen. Sascha Icks, die „Julia“ des Hörspiels, nimmt sich dagegen mit ihren 35 Jahren richtig jung aus.

Jünger ist aber noch der Regisseur Leonhard Koppelmann, geboren 1970 in Aachen. Zwischen 1995 und 1998 führte er Regie am Hamburger Thalia-Theater. Inzwischen arbeitet er als Regisseur und Autor an Hörspielen mit, darunter an sämtlichen Camilleri-Bearbeitungen und dem Houellebecq-Hörspiel „Elementarteilchen“.

_Handlung_

Die Zeit des Geschehens: Anfang der neunziger Jahre. Kowloon ist der chinesische Teil der britischen Kronkolonie Hongkong. „Die Ummauerte Stadt“ Kowloons steht nun ganz im Zeichen von Unruhe und Veränderung. Denn dieses praktisch rechtsfreie Boowntown-Viertel soll abgerissen und durch ein Parkgelände ersetzt werden. Das Gängegewirr zwischen und unter den Wohnböcken bietet einen Nährboden für Kriminalität aller Art, den Justizbehörden ein Dorn im Auge.

Die Regierung der Kronkolonie entmietet die „Ummauerte Stadt“, indem sie die Mieter mit geringen Entschädigungen aus ihren Wohnungen vertreibt. In einem Kellergewölbe, das auf keinem Plan von Kowloon verzeichnet ist, stößt ein Kanalarbeiter auf ein seltsames Lebewesen. Er ahnt nicht, dass er beim Betreten des Raumes einen Schutzzauber außer Kraft gesetzt hat. Schon bald macht sich ein namenloser Schrecken über ihn und seinen Kollegen her.

Die junge Julia Ralston kehrt nach einem Abendessen mit ihrem Verehrer Simon nach Hause zurück. Was sie dort vorfindet, führt zu einem Nervenzusammenbruch: ihre Eltern, ein junger Mann und das Hausmädchen liegen tot in der Wohnung, aber keineswegs in ihrem Blut, wie man erwarten würde. Vielmehr entsetzt Julia besonders, dass ihre teilweise entblößten Körper so „fischbauchweiß“ sind. Etwas hat ihnen den letzten Blutstropfen ausgesaugt.

Sie wird ins Hospital eingeliefert. Dort liegt bereits ein uralter Mann von 152 Jahren mit einer Krankheit darnieder. Der weise Wang erzählt uns von sich, seinem überlangen Leben und seiner Funktion: Er ist der Wächter des Schreckens, der Julias Familie getötet hat. Und der Name des Schreckens lautet |Temutma|. Wangs Aufgabe ist es auch, den Vampir zu „füttern“. Er findet Julia Ralston äußerst interessant. Als Empath hat er Verbindung zu Temutma und erfährt, was dieser mit Julia vorhat: spielen.

Nach diesem Horror-Intro kommt endlich auch die Kriminalhandlung zu ihrem Recht. In Gestalt des Ermittlungsführers (Superintendent) Michael Scott und des Spurensicherungsspezialisten Albert Masters – Al und Mike also – treten zwei klassische Figuren auf. Als die beiden auch Julia befragen wollen, erleidet sie einen weiteren emotionalen Zusammenbruch, der sehr realistisch inszeniert ist.

Da Temutma inzwischen geistig mit Julia verbunden ist, erfährt er auch von den beiden Bullen. Er besucht Scotts Freundin in der Badewanne… Scott hört ihren Todesschrei leider zu spät, doch kann er Temutmas „Essenz“ verletzen. Immer noch weigert er sich, die Theorie Alberts zu akzeptieren, dass der Serienmörder ein Wesen mit Fledermausflügeln und extrem scharfen Zähnen sei.

Nachdem Mr. Wang aus dem Krankenhaus entlassen wurde und in die Ummauerte Stadt zurückgekehrt ist, statten die beiden Cops ihm und seiner Bibliothek einen Besuch ab. Zu ihrer nicht geringen Verblüffung zeigt er ihnen sein Tagebuch – aus dem Jahr 1894! Nicht genug damit, dürfen sie auch 4000 bis 5000 Jahre alte Papyri und ähnlich ausgefallene Dokumente begutachten. Allmählich lässt sich auch Scott überzeugen – womit sie es hier zu tun haben, ist ein sogenanntes |Kuang-shi|, ein Seuchendämon mit der Gestalt eines gelben Affen. Und Mr. Wang ist sein Wächter.

Endlich darf Julia Ralston wieder nach hause zurückkehren. Ihre Wohnung wird von mehreren Polizisten gut bewacht. Denkt sie. Doch schon bald erhält sie ungebetenen Besuch. Erst ein gelber Nebel, dann ein schwebendes Gesicht mit spitzen Zähnen.

_Mein Eindruck_

Anders als das Buch beginnt „Temutma“ wie eine klassische Horrorstory, die von King oder Koontz stammen könnte. Nach dem ersten Drittel taucht das klassische Ermittlerduo Scott und Masters auf, um den seltsamen Dingen auf den Grund zu gehen. Dem irrationalen Horror rückt die Vernunft zu Leibe, doch leider nur mit kläglichen Ergebnissen. Weitere Opfer folgen. Erst die Begegnung mit der Mythologie Kowloons in Gestalt des Wächters Wang Sen-bo bringt die Wende.

Das klingt fast wie ein Akte-X-Abenteuer, könnte man meinen. Auch wenn keine glotzäugigen Aliens auftauchen und der weibliche Ermittlerpart fehlt, so vereint „Temutma“ doch klassische Kriminalistik mit der fernöstlichen Variante des Vampirmythos. Das klingt vielleicht nicht sonderlich originell, doch auf die Umsetzung kommt es an.

|Die Inszenierung|

Das Hörspiel hat im Unterschied zum Hörbuch weitaus mehr Mittel zur Verfügung. Was 1926 als deutsches Radiospiel begann, hat sich mittlerweile zu einem Gesamtkunstwerk des akustischen Mediums gemausert. Lediglich das Bild fehlt noch, damit sich der Zuhörer in einem Film wähnt.

Eine ganz wichtige Rolle spielen die Musik von Henrik Albrecht sowie die dramaturgisch wichtigen Geräusche, wie etwa Schüsse oder das leise, nervende Ticken einer Uhr. Die Musik wirkt direkt auf die Gefühle des Zuschauers ein. Lediglich eine lieblich-romantische Pausenmusik im chinesischen Stil bringt Entspannung.

Nachdem der Erzähler mit Mr. Wangs Stimme (Hermann Lause) uns in die Geschichte eingeführt hat, hören wir bereits das Ungeheuer (Mues) raunen, als es geweckt wird. Der Schrecken, den es Julia (Icks) in geistigen Besuchen bereitet, entlädt sich erst in Schreien und Weinen, dann aber packt es Julias Seele, bis sich die junge Frau wollüstig dem Eroberer ergeben will. Sascha Icks legt derart viel Emotion in Julias unterschiedliche Äußerungen, dass ein rein rational orientierter Zuhörer damit ein Problem haben könnte. Eine Steigerung dieses Niveaus ist jedoch noch möglich: Die Szene in der Badewanne, als Temutma die Freundin von Michael Scott „besucht“, ist enorm erotisch.

Zum Glück gibt es hin und wieder Momente klarer Vernunft, in denen vor allem die beiden Ermittler ((Wolfram Koch und Jan-Gregor Kremp) als Ergründer des Rätsels hervortreten. Auch Andrea Sawatzki als Krankenschwester funkt Temutma dazwischen, allerdings auf pflichtbewusste statt intelligente Weise. Daraus entsteht eine ironische Spannung: Sie hat keinen Schimmer von Wesen wie einem Kuang-shi. Fröhlich trällert sie Mr. Wang das Geburtstagslied vor: zu seinem Neunzigsten, wie sie meint, doch in Wahrheit zu seinem 152. Jahrestag.

Es lohnt sich wirklich, das Hörspiel mehrmals hinterinander zu hören, die Augen zu schließen und sich in die Szenen hineinzuversetzen. In ihrer Vielschichtigkeit lassen sie immer weitere Entdeckungen zu, auch zu ihren – mitunter ironischen – Wechselwirkungen.

|Die Ausstattung von Booklet und Verpackung|

… ist vorbildlich. Man erfährt sehr viel über die Autoren, die Mitwirkenden und die Story. Außerdem gibt es eine ziemlich genaue Beschreibung des Ungeheuers: sein Alter, sein Name, seine Fähigkeit zur Telepathie, sein geistiges wie körperliches Eindringen in vorzugsweise weibliche Opfer, die es |lilitaks| nennt. Da könnte sich der gute alte Dracula noch eine Scheibe von abschneiden. Nur Coppolas Verfilmung lässt etwas von dieser immateriellen Zaubermacht ahnen.

Doch im Gegensatz zu dem lüsternen Langzahn aus Transsylvanien steht das Kuang-shi direkt für zwei weltweit verbreitete Phänomene: Es ist die Verkörperung von Verbrechen und Seuchen. Daher gibt es das Wesen bereits von alters her. Weit schlimmer: Es kann wie diese Phänomene nicht vernichtet werden, wie auch? Lediglich ein Blutzauber, erzeugt vom jeweiligen Wächter, vermag es in Schlaf zu versetzen und mit einem Bann zu belegen. Bis der nächste stolpernde Idiot es wieder aufweckt.

_Unterm Strich_

„Temutma“ funktioniert sowohl als Horrorstory wie auch als Krimi. Es hat mir ausnehmend gut gefallen, und beim zweiten Anhören sogar noch besser. Da gibt es viel Emotion, spannende Ermittlungen in unbekanntes Terrain, eine in sich geschlossene und konsequent zu Ende gedachte Logik der Mythologie des Kuang-shi. Und schließlich mündet dies in ein Action-Finale, dem eine wiederum plausibel erscheinende, von Anfang vorbereitete Entscheidung seitens Julias folgen muss. Mehr ist nicht nötig. Die schwarze Romantik, wie Meyrinks „Golem“ sie für das alte Prager Ghetto verkörperte, hätte nichts Besseres und Zeitgemäßeres hervorbringen können.

Leonhard Koppelmanns Regie, Henrik Albrechts Musik und alle Sprecher in ihrer Gesamtheit machen „Temutma“ zu einem akustischen Erlebnis, das vergessen lässt, dass es sich hier um die einfache Kombination von klassischem Krimi und fernöstlichem Vampirmythos handelt.

Umfang: 72 Minuten auf 1 CD

_Michael Matzer_ © 2004ff

Douglas Adams & Terry Jones – Raumschiff Titanic (Hörspiel)

Warnung vor dem Spontanen Massiven Existenz-Fehlschlag!

An alle Passagiere: „Herzlich willkommen an Bord der Titanic, des größten Luxusraumschiffs aller Äonen. Während Sie bisher per Anhalter durch die Galaxis reisen mußten, lassen Sie sich nun im kybernautischen Meisterwerk des genialen Leovinus verwöhnen. Eventuelle Gerüchte über Sabotageakte vor der feierlichen Schiffstaufe sind als Propaganda feindlich gesinnter Planentenvölker zurückzuweisen.

Der Fehlstart vor den Augen von fünfzig Millionen grünlippigen Blerotinern, der höchstentwickelten Spezies diesseits und jenseits der Milchstraße, wird binnen Sekunden korrigiert. Und die Zwischenlandung im Wintergarten eines alten Pfarrhauses auf einem bisher als unbewohnbar geltenden Provinzplaneten namens Erde ist ohne Bedeutung. Auch die drei Erdlinge, die uns seither als blinde Passagiere begleiten, werden vom unvergleichbaren Flair der Titanic bezaubert sein …“ (Verlagsinfo)

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Dmitry Glukhovsky – Metro 2034 (Hörbuch)

In der ewigen Dunkelheit der postapokalyptischen Metro Moskaus leben die letzten Menschen in den Stationen, haben Gänge, alte Bahnen und Dienstzimmer zu Wohnorten umfunktioniert und sind stets bedroht durch die Mutationen, welche die Strahlung hervor gerufen hat und die auf verschiedenste Weisen versuchen, auch diesen letzten Zufluchtsort zu überrennen. Einzig unterirdische Wasserläufe ermöglichen einen geringen Gewinn an lichterzeugenden Strömen, die von peripheren Stationen wie der Sewastopolskaja an die inneren, sichereren und reicheren Stationen verkauft werden. Hier, in der Peripherie, sind die Menschen den größten Gefahren ausgesetzt und müssen sich jederzeit vor Übergriffen der Ungeheuer schützen.

Die Sewastopolskaja ist seit Tagen von den nächsten Stationen abgeschnitten. Mehrere trotz akuter Kämpferknappheit ausgeschickte Erkundungstrupps verbleiben ohne Meldungen in den Tiefen der Metro. Ein alter Kämpe, der sich seit der Katastrophe als Homer bezeichnet, begleitet den geheimnisvollen und unheimlichen Kämpfer Hunter, der endlich für eine Klärung der Lage sorgen will und die Station nach einem Jahr der Unnahbarkeit verlässt.

Die Geschichte ist gut konzipiert und folgt einem verbreiteten, oft erfolgreich angewandten Modell: Aus der Abgeschiedenheit bricht eine kleine Gruppe auf, verschiedenen Aufgaben zu erledigen, Abenteuer zu bestehen, Antworten zu finden und das große Ganze zu retten, um der abgeschieden lebenden Heimat zu helfen. Hier ist nur die Motivation eine andere und erst sehr spät erklärte. Hunter treibt es nicht voran, um der Sewastopolskaja und ihren Bewohnern zu helfen, schließlich stieß er erst vor einem Jahr zu dieser Station; mehr, um sich zu verkriechen. Ihn treibt ein zwiespältiges Gewissen den letzten Menschen insgesamt gegenüber, denn zwar scheint er für die Station unterwegs zu sein, doch ihm liegt nur daran, eine große Gefahr, die auf die gesamte Metro übergreifen könnte, auszuschalten.

Bei der Wahl der Mittel ist er nicht zimperlich und schreckt auch nicht vor dem Opfer Unbeteiligter zurück, wenn sie ihm nur aus Unwissenheit oder Befehlsausübung im Wege stehen. So ändert sich auch im Laufe der Geschichte der Schwerpunkt bei den Gegnern und Problemen, die zu überwinden sind. Anfangs vor allem Mutanten und unbegreifliche Kreaturen aus den Tiefen der Metro, werden es verstärkt Wachtposten, politisch orientierte Schreibtischtäter und schließlich das eigene Selbst, angestachelt von innen, aus der kleinen Gruppe heraus.

Homer, der auf der Suche nach dem ultimativen Stoff für seinen unsterblichen Ruhm ist, sieht in Hunter seinen Protagonisten und hängt an ihm, um ihn und seine Handlungen zu beobachten. Dass er dabei die Gefahr bis in die Polis, das Zentrum der Metro, bringt, wird von ihm bewusst ignoriert, in der Hoffnung, später eine Lösung dieses Problems zu finden. Als sie die junge Frau Sacha finden, wacht Homer eifersüchtig über sie als seine Romanpartnerin für Hunter, auf den sie einen erstaunlichen Einfluss hat. Homer ist weniger an der erfolgreichen Queste interessiert als vielmehr an der Erlangung philosophischer Klarheit über den Sinn des Lebens. Immer wieder fragt er sich: Was bleibt von einem Menschen, wenn er tot und vergessen ist?

Hunter ist der undurchsichtigste Charakter der Geschichte. Seine Motivation ist die Triebfeder der Handlung, denn obwohl sie lange unklar bleibt, da meist aus Homers Sicht erzählt wird, ist es der Brigadier, der immer weiter vorwärts drängt und so auf ein Ziel zusteuert. Man erfährt wenig über diesen gezeichneten Kämpfer, und als endlich seine Motivation offenbart wird, erscheint es etwas aufgepfropft und nur als Entschuldigung für die Geschichte schnell eingefügt zu sein. Im Endeffekt treibt ihn eine unbändige Angst; auch wenn er im Kampf völlig emotionslos zu sein scheint, erklärt der Autor seine Handlungen mit verschiedenen Ängsten, die sich im Laufe seiner harten Laufbahn angestaut haben. Angst vor dem Killer in ihm, Angst vor den unheimlichen „Schwarzen“, die er nicht bekämpfen konnte und für deren Ende er durch seine Meldungen an den „Orden“ verantwortlich ist, Angst vor der Zukunft, da er schließlich erkannt zu haben glaubt, dass die „Schwarzen“ Gottes letzte Chance für die Menschheit darstellten und sie durch ihn zum Scheitern kam, noch ehe man sie näher kennen lernen konnte. Angst vor einem weiteren Versagen und Angst vor der selbst auferlegten Verantwortung für die Menschen, denen er die letzte echte Chance nahm.

Sacha ist ein in der Metro aufgewachsenes Mädchen, eine junge Frau, für die die Metro das Zuhause ist, auch wenn sie die längste Zeit ihres Lebens mit ihrem Vater in der Verbannung, also völlig allein in einer abgelegenen Station, verbracht hat. Sie erkennt in Hunter einen mächtigen Verbündeten der Menschen, der aber den falschen Weg beschreitet. Sie erkennt in sich die Fähigkeit, Einfluss auf Hunter auszuüben, und hegt nur noch den Wunsch, bei ihm zu sein und ihm zu helfen, zu sich selbst zu finden und mit ihm die Menschen zu beschützen. Sie denkt und handelt sehr naiv und selbstlos, was aber durch die langen Jahre an der Seite ihres dahinsiechenden Vaters erklärt werden kann. In ihrer Selbstlosigkeit und ihrem Unverständnis wird ihr die Metro schließlich zum Verhängnis.

Im Laufe der Erzählung führt uns der Autor von den peripheren Bereichen der Metro bis in ihr Zentrum, konfrontiert uns mit den verschiedenen Gefahren und Lebensanschauungen ihrer Bewohner, ihren Legenden und Geheimnissen. Sind es außen vor allem die Wesen, die in ihrer Vielzahl und Widerstandsfähigkeit tödlich sind und die Menschen vor echte Probleme stellen, werden sie immer weniger greifbar, je weiter man nach innen kommt. Manche Stationen erhalten einen verwunschenen Charakter; dort erliegt man geistiger Beeinflussung oder der willkürlichen Gier von unbekannten Wesen. Im Zentrum schließlich denkt niemand auch nur an Mutanten; hier dreht sich alles um uns bekannte Probleme, die beherrscht werden durch Konflikte zwischen verschiedenen Lebensanschauungen.

Es scheint, als diene die Geschichte einzig dazu, das Horrorszenario eines apokalyptischen Weltuntergangs, das vor Glukhovskys Augen herumzuirren scheint, vor dem Leser auszubreiten und in verschiedensten Blickwinkeln zu beleuchten. Die Geschichte selbst bleibt unbefriedigend, ihr Hintergrund, nämlich der Ausbruch einer tödlichen Krankheit, ist nur ein weiteres Detail des düsteren Bildes. Die Protagonisten wirken wie eine Ballung menschlicher Eigenschaften und Motivationen, die stellvertretend für die letzten paar tausend Menschen der Metro handeln – und sich, von diesen weitgehend unbeachtet, zwischen ihnen bewegen. Es ist eine kleine, enge, dreckige und düstere Welt dort unten, deren Entwurf durchaus interessant ist. Die Handlung ist leider unwichtig und führt zu keinem befriedigenden Ergebnis.

Bei der Inszenierung gibt es nichts zu meckern. Detlef Bierstedt nutzt seine rauhe, modulationsfähige Stimme mit einer großartigen Bandbreite aus und verleiht den Protagonisten wiedererkennbare Stimmen mit sehr gutem Eigenleben. Man hätte sich für diesen Roman keines besseren Lesers bedienen können, denn neben seiner wirklich guten Leistung ist auch die Stimme selbst perfekt auf das Thema zugeschnitten. Ihr großer Vorteil: Irgendwie klingt sie „typisch russisch“.

Insgesamt ein durchaus unterhaltsamer postapokalyptischer Roman ohne Längen und große Schnitzer, allerdings auch ohne die echt interessante Handlung als roten Faden durch einen Plot voll abartiger und unheimlicher Wesen, Träume, Menschen. Gute Unterhaltung in einer weit und detailiert gedachten Welt, die eine echte Handlung verdient hätte.

6 Audio-CDs
ISBN-13: 978-3898138864
Gelesen von Detlef Bierstedt

http://www.der-audio-verlag.de

Daphne du Maurier / Regina Ahrem – Wenn die Gondeln Trauer tragen

Unheimlicher Thriller: Vorausgesagter Tod in Venedig

Nach dem tragischen Unfalltod ihrer kleinen Tochter fahren John und Laura Morrison nach Venedig, um etwas Abstand zu gewinnen. Kaum angelangt, deuten jedoch mysteriöse Vorfälle und Zeichen darauf hin, dass der Albtraum noch nicht zu Ende ist. Ein psychopathischer Mörder versetzt die Stadt in Angst und Schrecken …

Die Autorin

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Wolfgang Menge / Jürgen Roland – Stahlnetz 1: Das 12. Messer

Zeitreise in die Urzeit der deutschen Krimi-TV-Serien

Die Frau eines Zechenbruders (= Bergarbeiter) wird in ihrem Schlafzimmer brutal ermordet. Die beiden Kommissare Kardorf und Kerkan aus dem Ruhrgebiet konzentrieren ihre Ermittlungen auf die Tatwaffe: ein spitz geschliffenes Tafelmesser. Die Spurensuche nimmt ihren Lauf und entführt in die Welt der Steinkohlereviere (als es diese noch gab).

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Kurt Vonnegut – Schlachthof 5

So geht das: schwarze Komödie über den Krieg

Billy Pilgrim, amerikanischer Veteran des 2. Weltkriegs, überlebte 1945 den „Feuersturm“ in Dresden als Kriegsgefangener im „Schlachthof 5“. Nach dem Krieg lebt er mit seiner Frau und seinen zwei Kindern als wohlhabender Optiker in Ilium, New York. Doch dann geht sein Sohn mit den „Green Berets“ nach Vietnam – und Pilgrim selbst wird auf überraschende Weise zum „Pilger zwischen den Zeiten“. Kurt Vonnegut hat den alliierten Bombenangriff auf Dresden selbst miterlebt. Sein Roman wurde zu einem Kultbuch der Anti-Vietnam-Bewegung und nicht nur verfilmt, sondern auch zu einer Oper verarbeitet (siehe unten).

Der Autor

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Gustave Flaubert – Salambo

Vor den Toren des antiken Karthago entbrennt der Streit zwischen der Seerepublik und rebellierenden Söldnertruppen. Im Mittelpunkt des Konflikts steht die tragische Liebe zwischen der Priesterin Salambo, Tochter des umstrittenen Staatsmanns Hamilkar, und dem Söldnerführer Matho.

In der Verbindung von politischen und religiösen Themen schildert der französische Schriftsteller Gustave Flaubert in seinem historischen Roman die Grausamkeit der Vernichtung, die bis in intimste Bereiche vordringt. „Emma Bovary noch einmal, nur in barbarische Vorzeiten versetzt.“ Die FAZ.

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Jules Verne – Von der Erde zum Mond (Hörspiel, 1967)

Die Eroberung des Erdtrabanten war in der Literatur schon seit der Antike – etwa bei Lukian – ein gängiges Motiv. Die meisten Autoren ließen sich irgendwelche fantastischen Tricks einfallen, um von A nach B zu gelangen, was ihre Geschichte denn auch als Fabel auswies. Doch erst Verne strengte sich an, eine technische Lösung für das Problem der Personenbeförderung zum Erdmond zu suchen. Und er fand sie in Gestalt einer 300 Meter langen Superkanone. Sie funktioniert allerdings auch nur in seiner Geschichte …

Der Autor

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Isaac Asimov – Falsch korrigiert

Wer den Film „I, Robot“ mit Will Smith in der Hauptrolle gesehen hat, bemerkte vielleicht an der Seite des Detektivs die Roboterentwicklerin Dr. Susan Calvin. Diese von Isaac Asimov erfundene kluge Wissenschaftlerin spielt in mehreren Robot-Storys eine wichtige Rolle. Ihr fällt die Aufgabe zu, die bekannten drei Gesetze der Robotik in Form positronischer Schaltkreise umzusetzen. So auch im vorliegenden Hörspiel: Dr. Calvin steht vor Gericht.

Der Autor

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Stanislaw Lem – Die lymphatersche Formel

„Die lymphatersche Formel“ behandelt ein Thema, das seit E. A. Poe und Meyrinks „Der Golem“ zu großen Visionen in Literatur und Film geführt hat: den Wahnsinn eines genialen Wissenschaftlers, der fatale Konsequenzen hat.

Der Autor

Stanislaw Lem, geboren am 12. September 1921 in Lwòw, dem galizischen Lemberg, lebt heute in Krakow. Er studierte Medizin und war nach dem Staatsexamen als Assistent für Probleme der angewandten Psychologie tätig. Privat beschäftigte er sich mit Problemen der Kybernetik, der Mathematik und übersetzte wissenschaftliche Publikationen. 1985 wurde Lem mit dem Großen Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur ausgezeichnet und 1987 mit dem Literaturpreis der Alfred Jurzykowski Foundation. Am bekanntesten wurde er für die literarische Vorlage für zwei Filme: „Solaris“, das 1961 veröffentlicht wurde.

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