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Doyle, Arthur Conan – Bund der Rothaarigen, Der (und anderes)

_Die Täter kommen davon: Holmes auf Abwegen?_

Dieses Hörbuch stützt sich auf die Übersetzung der deutschen Erstausgabe der Holmes-Geschichten. Insgesamt sind hier vier Erzählungen gesammelt. In „Der Bund der Rothaarigen“ bekommt der Pfandleiher Jabez Wilson von der mysteriösen Liga der Rothaarigen Geld dafür, die Encyclopedia Britannica abzuschreiben. Als die Zahlungen plötzlich eingestellt werden, wendet er sich an Sherlock Holmes. „Ein Drei-Pfeifen-Problem“ sagt dieser ganz cool und kommt aus seinem Sessel heraus dem viertschlauesten Mann Londons auf die Schliche.

Dies ist der erste Teil der Gesamtausgabe der Sherlock-Holmes-Serie, die Prof. Volker Neuhaus bei |Delta Music| herausgibt. Auf dem Titel ist als Autor ein gewisser „C. Doyle“ angegeben, nicht Arthur Conan Doyle. Das spricht nicht gerade für editorische Sorgfalt.

_Der Autor_

Sir Arthur Conan Doyle lebte von 1859 bis 1930 und gelangte mit seinen Erzählungen um den Meisterdetektiv Sherlock Holmes zu Weltruhm. Dabei begann der Mediziner, der eine eigene Praxis hatte, erst 1882 mit dem Schreiben, um sein Einkommen aufzubessern. Neben mystischen und parapsychologischen Themen griff er 1912 auch die Idee einer verschollenen Region (mit Dinosauriern und Urzeitmenschen) auf, die von der modernen Welt abgeschnitten ist: [„The Lost World“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1780 erwies sich als enorm einflussreich und wurde schon 13 Jahre später von einem Trickspezialisten verfilmt. Schon 1913 ließ Doyle eine Fortsetzung unter dem Titel „The Poison Belt“ (dt. als „Im Giftstrom“, 1924) folgen.

_Der Sprecher_

Der Schauspieler Peter Lieck hatte an verschiedenen Theaterbühnen Deutschlands Engagements. Seit vielen Jahren ist er für den Rundfunk tätig: mit Romanlesungen, Gedichten, Hörspielen wie etwa Goethes „Dichtung und Wahrheit“, Flauberts „Erziehung des Herzens“ und Romanen von Saul Bellow. Er tritt in Köln auf der Bühne auf, macht noch szenische Lesungen von Saint-Exupérys „Der kleine Prinz“. Auf der Rückseite des Hörbuchalbums ist sein Foto abgedruckt.

Zu Regie und Tonmeister liefert das Hörbuch keine Angaben.

_Handlung von „Der Bund der Rothaarigen“_

Mr Jabez Wilson hat sich an Holmes gewandt, weil er sich betrogen fühlt. Und das kam so: Der Londoner Pfandleiher hat einen Assistenten namens Vincent Spaulding, der gerne fotografiert und dafür öfters im Keller arbeitet. Vince las Wilson am 27. April 1890 die Annonce des „Bundes der Rothaarigen“ vor. Und weil Wilson selbst der stolze Besitzer eines feuerroten Schopfes ist, meinte Vince, er könne doch mal auf die Anzeige hin vorstellig werden. Ein reicher Ami habe in seinem Testament verfügt, nur männliche Londoner Rothaarige dürften von seinem Bund der Rothaarigen profitieren. Sie bekämen nämlich die königliche Summe von vier Pfund Sterling im Monat.

Als Wilson sich für die vakante Stelle im Bund bewirbt, wird er von einem Mann gemustert, der sich Duncan Ross nennt. Obwohl Massen von rothaarigen Bewerbern das Haus des Bundes belagern, wird Wilson – nach einer kleinen, aber schmerzhaften Prüfung der Echtheit seines Schopfes – angenommen. Für seine 4 Pfund muss er lediglich zwischen 10 und 14 Uhr persönlich in diesem Haus anwesend sein und die „Encyclopedia Britannica“ abschreiben. Das sieht nach einer Lebensstellung aus, denn bekanntlich ist die „Britannica“ ziemlich umfangreich.

Doch nach acht Wochen erhält er die fristlose Kündigung und auf Anfrage ist kein Duncan Ross aufzutreiben. Eine Postkarte teilt ihm mit, der „Bund der Rothaarigen“ sei aufgelöst. Wie sich zeigt, ist Ross ein Anwalt, der gesucht wird. Und als Wilson auch Vincent Spaulding beschreibt, ist Holmes’ Interesse geweckt: Es handelt sich offenbar um keinen anderen als John Clay, einen gesuchten Verbrecher.

Mit dem Polizisten Jones und dem Bankdirektor Merriweather legt sich Holmes mit dem erstaunten Wilson und Dr. Watson auf die Lauer. Aber nicht in Wilsons Haus, sondern im Keller der Bankfiliale daneben!

|Mein Eindruck:|

Die Lösung dieses Falles ist recht ausgefallen, wenn man bedenkt, dass es zunächst um eine Haarfarbe geht. Aber der Ausgang der Geschichte ist durchaus packend, als Holmes’ Falle für John Clay zuschnappt. Ironie und Humor kommen ebenfalls nicht zu kurz.

_Handlung von „Eine Skandalgeschichte im Herrscherhause O.“_

Man schreibt den 20. März des Jahres 1888, und als Watson sich bei Holmes einfindet, bekommt er wieder einmal eine eindrucksvolle Kostprobe von Holmes’ außergewöhnlicher Beobachtungsgabe und dessen Deduktionsvermögen. Doch in diesem neuesten Fall stößt der Meisterdetektiv selbst auf eine Meisterin ihres Faches, die ihm fortan Respekt vor dem weiblichen Geschlecht einflößt.

Ein veritabler Fürst wendet sich Holmes. Er habe in jungen Jahren die Dummheit begangen, sich in Warschau mit der Schauspielerin Irene Adler einzulassen, doch ihre Wege trennten sich. Nun wolle er eine sittenstrenge Dame des besten Kreise heiraten. Die 1858 geborene Abenteurerin besitzt jedoch Briefe von ihm – die man als Fälschung hinstellen könnte – und auch ein Bild – o weh! – welches sie zusammen zeigt. Dieses Bild würde sie, so droht die Adler, an die Braut schicken, um jede Heirat zu sabotieren.

Ob Holmes wohl behilflich sein könnte, dieses kompromittierende Bild zu beschaffen? Die Dame lebe ja schließlich hier in London. Mehrere Versuche, das Bild zu finden und illegal zu beschaffen, seien bereits gescheitert. Das Bild muss aber in Irene Adlers nächster Nähe sein, damit sie es bei jeder Gelegenheit gleich zur Hand hat. Wo kann es nur sein?

Holmes ist bereit, den Auftrag zu übernehmen, aber das gut bezahlte Unternehmen erfordert alle seine Verkleidungskünste. Und auch Watson muss seine Rolle spielen. So erfahren sie, dass die gute Miss Adler klammheimlich einen Juristen geheiratet hat und nun eine Frau Norton ist. Und ausgerechnet den verkleideten Holmes, der sie beschattet, nehmen sie als ihren Trauzeugen in Dienst. Welch ein Spaß, findet Holmes. Und er hat sogar eine beachtliche Geldsumme dafür bekommen! Aber noch hat er das Bild nicht …

|Mein Eindruck:|

In der Tat findet der Meisterdetektiv in Irene Adler eine ebenbürtige Gegnerin. Und so lässt er sich nach einem actionreichen Manöver und einem zu des Fürsten Zufriedenheit erledigten Auftrag das Bild der Dame übergeben – es ist ihm kostbarer als alle Diamanten, die der Fürst zu bieten hat.

An dieser Story hat mich besonders die offensichtliche Ähnlichkeit mit Edgar Allan Poes berühmter Erzählung „Der entwendete Brief“ geärgert. Dort wird besagter Brief von einem Mann (einem Minister) vor der Nase der Suchenden versteckt, und es ist eine Dame der besten Gesellschaft, die den kompromittierenden Brief durch den berühmten Pariser Detektiv Auguste Dupin suchen lässt. Die Geschlechter sind also umgekehrt verteilt wie in Doyles Story. Auch der Ausgang ist anders, aber sonst ist das zentrale Motiv dasselbe. Hier hat der Lehrling vom Meister gelernt.

_Handlung von „Ein Fall geschickter Täuschung“_

Der nächste Fall bietet ein Beispiel unglaublicher Niedertracht, finden Holmes und Watson. Eine Miss Mary Sutherland wendet sich um Hilfe an den Detektiv. Sie ist offensichtlich eine Tippse, die sich ein Zubrot verdient. Eigentlich hat sie ja von ihrem verstorbenen Vater Aktien geerbt und könnte gut von der Dividende in Höhe von 100 Pfund im Jahr leben. Doch leider wird diese Summe von ihrem Stiefvater James Windybank einbehalten. Dieser ist Weinhändler und häufig auf Reisen in den kontinentalen Weinanbaugebieten.

Sie beauftragt ihn, nach einem Mr. Housma Angel zu suchen, der seit einigen Tagen spurlos verschwunden sei. Sie habe sich nach einem Ball, bei dem sie ihn kennen lernte, in ihn verliebt und wollte ihn – allerdings ohne Erlaubnis des Stiefvaters – zum Traualtar führen, als die Hochzeitskutsche eintraf – ohne den Bräutigam! Bestimmt ist ihm ein Unglück zugestoßen, nicht wahr?

Doch Holmes lässt sich Housma beschreiben. Er habe stets geflüstert und eine dunkle Brille getragen. Ach ja, und treffen durfte sie ihn stets nur am Abend, aber niemals am Tage, und seine Briefe waren stets mit der Schreibmaschine geschrieben, sogar die Unterschrift. Diese Beschreibung stimmt Holmes sehr bedenklich. Und wenn er daran denkt, wer von der Verhinderung der Hochzeit profitieren würde, so drängt sich ihm ein übler Verdacht auf. Die Überprüfung der Housma-Briefe bestätigt diesen Verdacht nur noch …

|Mein Eindruck:|

Die Story steht und fällt mit der Bedeutung von maschinengeschriebenen Briefen, die verglichen werden. Holmes könnte glatt wieder eines seiner kriminologischen Bücher darüber schreiben: die Bedeutung der Schreibmaschine für das moderne Verbrechen und dessen Aufklärung. Schade, dass heute kaum noch jemand mit der Maschine schreibt, so dass man vergleichende Analysen wie Holmes anstellen könnte. Aber diese Story dürfte eine der ersten sein, in der solche Analysen vorgenommen werden.

Bemerkenswert ist auch die außerordentliche Rücksichtnahme, die der Detektiv gegenüber der geschädigten Miss Sutherland an den Tag legt. Er sagt ihr nicht, wer ihr Schaden zufügen wollte und ihre weiblichen Gefühle schamlos ausnutzte. Sie mag weiterhin glauben, dass Housma Angel einem Unglück zum Opfer fiel.

Was aber noch mehr erstaunt, ist der hohe Grad, in dem Holmes wütend werden kann, wenn das Gesetz den Bösewicht nicht belangen kann. Ja, er würde am liebsten zur Hetzpeitsche greifen, wenn das etwas hülfe. Diese Emotionalität hätte ich bei dem kühlen Denker Holmes niemals erwartet.

_Handlung von „Der geheimnisvolle Mord im Tal von Boscombe“_

Holmes lädt den sehr verheirateten Dr. Watson auf eine Zugfahrt ins idyllische Herefordshire ein. Dort habe sich ein interessanter Mord ereignet, um dessen Aufklärung er von einer sehr charmanten jungen Dame er gebeten worden sei. Watson erhält die Erlaubnis seines Ehegespons, Holmes zu begleiten. In der Tat wird sein medizinisches Fachwissen gefragt sein. Aufgrund seiner militärischen Ausbildung in Afghanistan ist er sofort reisefertig.

In Boscombe leben der Gutsherr John Turner mit seiner Tochter Alice – der Auftraggeberin. Turners Land grenzt an das Pachtgut von McCarthy, in dessen Sohn James die gute Alice verliebt ist. Denn sie kennen sich schon seit Jahren, als McCarthy hier auftauchte. Am 3. Juni ging McCarthy zum Boscombe-Teich, der von Wald umgeben ist. Zeugen sahen auch James, seinen Sohn, dorthin gehen, allerdings bewaffnet mit einer Flinte. Wenig später rannte James zum Haus des Verwalters und meldete den Tod seines Vaters. Man habe ihm den Schädel eingeschlagen.

Leider sprechen alle Indizien gegen den jungen Mann, wenn auch Alice ihn für unschuldig hält. Sofort wird er verhaftet und dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Aus Holmes’ Akten geht hervor, erkennt Watson, dass die Weigerung des jungen Mannes, über den Anlass des Streites, den er mit seinem Vater hatte, Auskunft zu geben, gegen ihn ausgelegt wird. Es wird zu einem Prozess kommen. Das möchte Holmes verhindern, denn erhält zu Watsons Erstaunen James McCarthy ebenfalls für unschuldig.

Der Londoner Detektiv Lestrade empfängt sie am Bahnhof. Er ist ebenfalls skeptisch, was Holmes’ Erfolgsaussichten, James vor dem Galgen zu bewahren, angeht. Durch Alice Turner ist zu erfahren, dass ihr Vater strikt gegen ihre Heirat mit James ist, dass aber McCarthy diese Heirat befürwortete. Die beiden Väter hätten sich in Australien kennen gelernt, wo Turner eine Goldmine hatte. Merkwürdig, dass McCarthy keinen Penny Pacht zahlen muss, findet Watson. Und noch merkwürdiger kommt es ihm vor, als Lestrade ihnen – natürlich nicht im Beisein von Alice – verrät, dass James McCarthy bereits mit einer Kellnerin aus Bristol verheiratet sei!

Doch es kommt noch schlimmer, als Holmes und Watson endlich den Tatort persönlich in Augenschein nehmen können und sie auf zahlreiche verräterische Indizien stoßen. Der Meisterdetektiv fragt Watson anschließend ratlos: „Lieber Freund, was sollen wir jetzt nur tun?“

|Mein Eindruck:|

Denn offensichtlich ist es mit Beobachtung und Schlussfolgerung nicht getan. Der Ermittler in der Position des Detektivs muss auch eine moralische Entscheidung fällen. Denn ein rigoroses Vorgehen nach dem Buchstaben des Gesetzes würde lediglich den Fluch der Vergangenheit, der auf Turner und McCarthy liegt, auf die nächste Generation, auf Alice und James, übertragen. Was also ist zu tun?

Wie schon in „Die fünf Orangenkerne“ und anderen Erzählungen sind die Hauptfiguren aus den Kolonien (dazu zählen für nationalistische Briten auch die USA) nach Merry Old England geflohen, um sich in Sicherheit zu bringen und zur Ruhe zu setzen, während die junge Generation aufwächst. Doch in der Regel holt sie der lange Arm der Vergangenheit wieder wie ein Fluch ein und zieht sie zur Rechenschaft. In „Das Tal der Furcht“ wird sogar Holmes’ Erzfeind Professor Moriarty für diesen Zweck eingespannt.

Dies ist auch in dem Boscombe-Fall so. Und die Geschichte, die John Turner zu erzählen hat, ist dazu angetan, tiefes Mitleid zu wecken. Hinzu kommt, dass Turner von der Zuckerkrankheit schwer gezeichnet ist und nicht mehr lange zu leben hat. Holmes’ Reaktion ist wohlüberlegt und voll Respekt für seine Auftraggeberin und ihren Vater. Sein Ziel ist eine Art Gerechtigkeit, die nicht pedantisch, buchstabengetreu und blind ist, sondern die Zukunft zu bewahren wünscht. Es ist die Frage, ob heute noch jemand so handeln könnte – oder es sich auch nur traut.

_Der Sprecher_

Man merkt es dem Sprecher Peter Lieck deutlich an, dass er sowohl Bühnen- als auch Rundfunkerfahrung hat: Er spricht sehr deutlich, macht Pausen zwischen und in den Sätzen, so dass Bedeutungseinheiten klar hervorgehoben werden. Über weniger wichtigen Text wie etwa einen Zeitungsartikel fliegt er schnell hinweg, eben genau so, wie man den Text selber lesen würde.

Dies ist aber nur die eine Seite seiner Kunst. Natürlich sind auch die zahlreich auftretenden Figuren auf eine Weise zu charakterisieren, dass sie der Hörer unterscheiden kann, und zwar jederzeit. Das geht am besten anhand ihrer Stimmhöhe und Sprechweise. Dr. Watson, der Ich-Erzähler, nimmt die Stelle des zweifelnden gesunden Menschenverstandes gegenüber Holmes ein, welcher ein getriebener Junkie der Vernunftarbeit zu sein scheint.

Die Frauenfiguren sind durch eine höhere Stimmlage gekennzeichnet, aber es sind vor allem die Männerfiguren, die zu charakterisieren sind. Nicht alle reden so hochnäsig wie Detektiv Lestrade und der arrogante John Clay, sondern meistens sind es ältere Kerle wie Wilson, die eine tiefe, ja sogar brummige Stimmlage aufweisen.

_Unterm Strich_

Die Sammlung bietet vier Holmes-Erzählungen, die man nicht oft zu sehen bekommt. „Der Bund der Rothaarigen“ ist noch am konventionellsten und bietet handfeste Action, ebenso die „Skandalgeschichte“. Doch in drei der vier Storys kommt der Täter davon, ohne dass er bestraft wird. Hier trifft Holmes zweimal eine moralische Entscheidung, die zum Nachdenken oder Erstaunen Anlass gibt. Im Fall der Irene Adler jedoch entzieht sich ihm die Gesuchte ganz einfach: durch die Flucht.

Wer also den Meisterdetektiv auf weniger ausgetretenen Pfaden begleiten möchte, ist hier an der richtigen Adresse. Ich würde aber den Machern mehr Sorgfalt bei der Produktion wünschen. Fehlende Angaben zu Autor, Produktion und Regie sind keineswegs ein Pluspunkt für ein Hörbuch. Und die Sprache des 19. Jahrhunderts ist wohl nicht für jedermann ohne Weiteres verständlich und goutierbar.

|ca. 225 Minuten auf 3 CDs|

Connelly, Michael – zweite Herz, Das (Hörbuch)

_Der Mörder lauert um die Ecke_

Endlich hat der frühere FBI-Agent Terry McCaleb seine Herz-OP hinter sich. Von Erholung kann aber keine Rede sein, denn eine junge Frau braucht seine Hilfe: Ihre Schwester wurde ermordet. Als McCaleb erfährt, dass in seiner Brust das Herz der Toten schlägt, sucht er ihren Mörder. Doch jemand spielt Katz und Maus mit ihm. McCaleb schwebt in tödlicher Gefahr.

Der |ADAC| hat hier die von |Delta Music| 2007 produzierte Ausgabe lizenziert und bringt sie über |Audio Media| erheblich preisgünstiger auf den Markt: für 12,90 statt 24,90 €uronen.

_Der Autor_

Michael Connelly war jahrelang Polizeireporter in Los Angeles und lernte das Polizeigewerbe von außen kennen. Bekannt wurde er mit seinen Romanen um die Gesetzeshüter Harry Bosch und Terry McCaleb, besonders aufgrund der Verfilmung von „Das zweite Herz / Blood Work“ durch Clint Eastwood. Zuletzt erschienen „Der Mandant“, „Vergessene Stimmen“ und „L.A. Crime Report“ auf Deutsch.

|Michael Connelly auf Buchwurm.info (in Veröffentlichungsreihenfolge):|

|Harry Bosch:|
[„Schwarzes Echo“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=958
[„Schwarzes Eis“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2572
[„Die Frau im Beton“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3950
[„Das Comeback“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2637
[„Schwarze Engel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1192
[„Dunkler als die Nacht“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4086
[„Kein Engel so rein“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=334
[„Die Rückkehr des Poeten“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1703
[„Vergessene Stimmen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2897

[„Der Poet“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2642
[„Im Schatten des Mondes“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1448
[„Unbekannt verzogen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=803
[„Der Mandant“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4068
[„L.A. Crime Report“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4418

_Sprecher & Regisseur_

Engelbert von Nordhausen wurde 1948 in Schmölln, Thüringen, geboren; seine Kindheit verbrachte er in West-Berlin. Ab 1966 nahm er Schauspielunterricht, bekam 1969 sein erstes Engagement an der Landesbühne Iserlohn, es folgten das Theater Saarbrücken, die Freie Volksbühne Berlin und das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg. 1988 begann seine Zeit als Dialogregisseur und Dialogbuchautor für die Synchronbranche, die bis heute währt.

Nordhausen ist die deutsche Stimmbandvertretung für die Hollywoodschauspieler Gene Hackman, Samuel L. Jackson und Bill Cosby.

Regie führte wie stets Stefan Hackenberg. Er studierte Jura, Anglistik und Germanistik in Köln. Ab 1986 war er Literaturdozent und Autor, ab 2000 arbeitete redaktionell und journalistisch für Fachmagazine, Hörfunksendungen wie die „Ohrenweide“ (WDR) und wurde Regisseur für Computerspiele (!) und bei künstlerischen Hör-Produktionen. Er bearbeitet Drehbücher, Hörbücher und Hörspiele. Lebt seit Jahren „bewusst“ in der Eifel. (Verlagsinfo)

_Handlung_

Das Unheil naht sich Terry MacCaleb in Gestalt einer wunderschönen Frau, die auf Stöckelschuhen seine Bootsanlegestelle betritt: Graciela Rivers bittet den ehemaligen Serienkillerjäger des FBI darum, den Mörder ihrer Schwester Gloria Torres zu finden. Das könne sie sich gleich aus dem Kopf schlagen, entgegnet er. Er müsse sein geerbtes Boot auf Vordermann bringen!

Aber sie hat noch einen Trumpf im Ärmel. Er habe vor kurzem ein neues Herz eingepflanzt bekommen, habe sie in der Zeitung gelesen, und natürlich dürfe er sich nicht überanstrengen. Aber dieses Herz stamme von Gloria, und nur dank ihres Todes sei er am Leben. Terry kann weder diesem Argument noch Gracielas wunderschönen Augen widerstehen. Für ihn ist nun alles zu spät: Die Jagd nach Glorias kaltblütigem Mörder führt ihn in die Hölle – aber auch wieder hinaus.

Da Gloria in einem Minimarkt beim Einkaufen erschossen wurde, hielten die Polizisten vom LAPD den Mord für einen Raubüberfall. Auch der Ladenbesitzer wurde offenbar nur wegen des Geldes erschossen. Die Polizisten sind nicht begeistert, dass ihnen ein Privatschnüffler zeigen will, was eine Harke ist. Doch McCaleb bekommt Schützenhilfe von Jaye Winston. Sie arbeitet beim Sheriff des County von Los Angeles und verfügt über die gleichen Unterlagen und Videos wie die abblockenden Polizisten.

|SPOILER!|

Schon bald kommt McCaleb durch trickreiche Methoden, zu denen neben Hypnose auch Videobearbeitung und Datenbankabfrage gehören, darauf, dass Gloria nur ein Opfer in einer ganzen Serie ist: Stets wurden Träger einer ganz bestimmten seltenen Blutgruppe getötet, damit ihre Organe für die Transplantation entnommen würden. Es handelte sich also keineswegs um Raubüberfälle. Und da das erste Opfer ein Observationsobjekt des FBI gewesen war, übernehmen nun bornierte Bundesagenten die Ermittlungsarbeit, für die Winston und McCaleb so viel geopfert hatten.

Doch allmählich wird die Lage für den Schnüffler selbst brenzlig: Denn da er selbst ein Herz mit dieser seltenen Blutgruppe eingepflanzt bekommen hatte, steht er nun plötzlich ganz oben auf der Liste der Verdächtigen: der Schnüffler als Organjäger? Als das FBI sein Boot untersucht und die ihm vom wahren Killer untergeschobenen Besitztümer der drei Opfer findet, beginnt eine Menschenjagd auf ihn. Ihm bleibt nur ein Ausweg: den Killer so schnell wie möglich zu überführen und zu schnappen.

Zu seinem Entsetzen findet er heraus, dass ihm genau dieser Mörder selbst das Leben gerettet hat.

_Mein Eindruck_

Dieser Thriller ist zweifellos ein Meisterwerk. Hier geht es der Hauptfigur, einem ehemaligen Killerjäger, nicht nur darum, einen Verbrecher zur Strecke zu bringen. Terry McCaleb weiß: Dies ist „Blutarbeit“. Und da er sein neues Herz von einem Mordopfer erhalten hat, in dessen Schwester er sich verliebt, hat der Begriff „Blutarbeit“ eine weitaus tiefergehende Bedeutung für ihn.

Diese Bedeutung lässt sich in Connellys Roman am besten in religiösen Begriffen umschreiben: McCaleb lebt in der Finsternis der Verzweiflung eines vom Glauben Abgefallenen. Er glaubt nicht mehr daran, dass alle Ereignisse einen guten Grund haben. Es gibt keine Engel mehr für ihn. Er lebt am Rande der Welt, am Meer, auf einem Boot, ein Einsamer, der von geliehener Zeit und von Medikamenten lebt.

Erst Graciela verspricht ihm durch ihre Liebe so etwas wie Erlösung. Diese aber muss er sich durch die Aufklärung des Mordes an ihrer Schwester erst zu einem hohen Preis erkaufen. Er kann froh sein, dass sie ihm überhaupt weiterhin vertraut. Für diese Liebe muss er auch bereit sein, alles zu geben. Die Belohnung ist eine neue Familie, eine neue Zukunft.

|Der Sprecher|

Die tiefe, charismatische Stimme von Samuel L. Jackson und Gene Hackman erklingt in der deutschen Synchronfassung von Engelbert von Nordhausen. Dieser ungewöhnliche Name, der an alte Ritterburgen denken lässt, soll nicht dazu verleiten, den Sprecher zu unterschätzen. Man wird schnell eines Besseren belehrt, wenn man Zeuge der Flexibilität wird, mit welcher der Sprecher sein Sprechinstrumentarium handhabt.

Eindeutig meine Favoriten unter den vom Sprecher gestalteten Rollen sind der mürrische Detective Aranjo vom LAPD und Terry McCaleb. Man merkt einfach, dass im unter(st)en Tonbereich die Stärke von Nordhausen liegt. Seine Fähigkeiten werten das Hörbuch gegenüber dem Printmedium eindeutig auf. Viele Frauengestalten – beileibe nicht alle – sprechen so sanft wie Graciela Rivas, die McCalebs Auftraggeberin ist. Ihre Stimmlage ist unerheblich höher, wie auch von Buddy Lockridge, dem Tunichtgut, den McCaleb als Chauffeur engagiert. (Er selbst darf wegen der Herz-OP nicht fahren.)

Was ich ebenfalls gut fand, waren die Pausen, die Nordhausen machte, um anzuzeigen, dass nun ein neues Kapitel anfängt. Es gibt weder Musik noch Geräusche, und lediglich vor dem Beginn der Erzählung hören wir eine Ansage vom Hersteller. Diese unterscheidet sich natürlich von der ursprünglichen, die von |Delta Music| 2007 erstellt wurde. Dies ist ja die Lizenzausgabe.

_Unterm Strich_

Es gibt nicht viele solcher tiefgehender Thriller. „Das Schweigen der Lämmer“ kommt einem in den Sinn – die Erlösung der Clarice Starling von ihren Alpträumen. Michael Connelly ist definitiv einer der besten Autoren seines Genres.

Das hat auch kein Geringerer als Clint Eastwood bemerkt. In einer unscheinbaren Liste der Danksagungen wird der Schauspieler und Regisseur beiläufig aufgeführt. Eastwood, der auch Autoren wie Andrew Klavan („Ein wahres Verbrechen“), Dennis Lehane („Mystic River“) und David Baldacci („Absolute Power“) verfilmt hat, brachte die Verfilmung zum Buch 2002 auf die Leinwand und spielte an der Seite von Jeff Daniels und Anjelica Huston.

|Das Hörbuch|

Mir hat das Hörbuch ausnehmend gefallen, weil es diese verschlungenen Handlungsfäden durch diverse Kürzungen sauber herausarbeitet und dem Hörer so leichter verständlich macht. Der zweite dicke Pluspunkt ist der Sprecher, wie McCaleb ein alter Hase im Geschäft.

Engelbert von Nordhausen gelingt es, die Figuren zum Leben zu erwecken und ihre Darstellung zudem situationsbedingt anpassen. Dabei hilft ihm seine Schauspielerausbildung, und als Dialogregisseur war er vielleicht sogar an der Bearbeitung des Textes der gelesenen Fassung beteiligt. Doch ohne Geräusche und Musik gerät selbst dieser spannende Text nach heutigen Maßstäben ein wenig fade. Man muss Geduld aufbringen, um genau zuhören zu können.

|Originaltitel: Blood Work, 1997
Aus dem US-Englischen übersetzt von Sepp Leeb
473 Minuten auf 6 CDs|
http://www.audiomedia.de
http://www.deltamusic.de/fileadmin/hoerbuecher/index.html
http://www.michaelconnelly.com

Michael Connelly – Die Frau im Beton

Solide Wertarbeit für spannende Unterhaltung

Vor vier Jahren hat Detective Harry Bosch einen vermeintlichen Serienmörder erschossen: den „Puppenmacher“. Nun bringt ihn die Witwe wegen Mordes vor Gericht. Kaum hat der Prozess begonnen, wird die Polizei mit einem anonymen Brief im Stil des „Puppenmachers“ auf eine einbetonierte Frauenleiche aufmerksam gemacht. Dieser Fund lässt es zweifelhaft erscheinen, dass der als „Puppenmacher“ Erschossene tatsächlich der Mörder gewesen sind.

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Philip K. Dick – Irrgarten des Todes (Lesung)

Der Mörder-Club von Delmak-O

Vierzehn Menschen haben sich freiwillig nach Delmak-O gemeldet, einen unbesiedelten Planeten. Sie sind zivilisationsmüde, sehen sich danach, eine jungfräuliche Welt zu erschließen. Dort angekommen, bricht die Verbindung mit der Außenwelt ab. Sabotage?

Die Verunsicherung wächst, als mechanische Insekten entdeckt werden, die mit winzigen Kameras ausgerüstet sind. Befinden sich die Gestrandeten in einem gnadenlosen psychologischen Experiment, in einem Irrgarten des Todes? Als es den Überlebenden gelingt, die Phantomwelt zu zerschlagen, kommt eine Wirklichkeit zum Vorschein, die noch weit schrecklicher ist. (Verlagsinfo von Heyne)
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Alina Reyes – Labyrinth des Eros

Sinnlich: Kaleidoskop erotischer Phantasien

Ein Mann und eine Frau betreten hintereinander einen kleinen Wanderzirkus. Dies ist das Königreich des Eros: ein Labyrinth aus dunklen Fluren. Hinter jeder Tür erwartet die beiden ein neues erotisches und sexuelles Abenteuer. Das Buch ist zweigeteilt: denn Mann und Frau öffnen ihre jeweils eigenen Türen. Werden sie den Partner fürs Leben finden? (Verlagsinfo)

Die Autorin

Die Französin Alina Reyes schrieb mit „Labyrinth des Eros“ einen Klassiker der modernen erotischen Literatur. Sie wurde bekannt mit ihrem Debütroman „Der Schlachter“, übersetzt in 25 Sprachen, und vor allem durch den internationalen Bestseller „Die siebte Nacht“.

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