Schlagwort-Archive: Dmitry Glukhovsky

[NEWS] Dmitry Glukhovsky – Sumerki

Merkwürdige Dinge geschehen in Moskau. Der Übersetzer Dmitrij Alexejewitsch wird von einem anonymen Auftraggeber gebeten, einen Bericht spanischer Konquistadoren aus dem Jahre 1562 ins Russische zu übertragen. Reine Routine, denkt Dmitrij, doch plötzlich werden die in diesem Text geschilderten Ereignisse Teil seiner Realität: Er hört den Schrei eines Jaguars, findet rätselhafte Kratzspuren an seiner Tür, und ihm nahestehende Menschen kommen auf groteske Weise zu Tode. Verliert er den Verstand – oder kündet sich mit dem Bericht der Konquistadoren womöglich das Ende der Welt an? Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt … (Verlagsinfo)


Taschenbuch: 512 Seiten
Heyne

[NEWS] Dmitry Glukhovsky – Metro 2035 (Metro 3)

Ein verheerender Atomkrieg hat die Erde vor zwanzig Jahren verwüstet hat. Seitdem haben die Menschen in den Tiefen der Metro eine neue Zivilisation errichtet. Doch die vermeintliche Sicherheit der U-Bahn-Schächte trügt: Zwei Jahre, nachdem Artjom die Bewohner der Moskauer Metro gerettet hat, gefährden Seuchen die Nahrungsmittelversorgung und ideologische Konflikte drohen zu eskalieren. Die einzige Rettung scheint in einer Rückkehr an die Oberfläche zu liegen. Aber ist das überhaupt noch möglich? Wider alle Vernunft begibt sich Artjom auf eine lebensbedrohliche Reise durch eine Welt, deren mysteriöses Schweigen ein furchtbares Geheimnis birgt … (Verlagsinfo)

Taschenbuch: 800 Seiten
Heyne

[NEWS] Dmitry Glukhovsky – Future

Europa, in der Zukunft: Seit die Sterblichkeit überwunden wurde, ist der gesamte Kontinent zu einer einzigen Megapolis aus gigantischen Wohntürmen zusammengewachsen. Nur die Reichen und Mächtigen können sich in den obersten Etagen noch ein unbeschwertes Leben leisten, während die Mehrheit der Bevölkerung auf den niederen Ebenen ein beengtes Dasein fristet. Als der Polizist Nr. 717 auf den Anführer einer Terrorgruppe angesetzt wird, gerät er in ein Komplott, das bis in die höchsten Etagen der Gesellschaft reicht – und das die brutale Ordnung ins Wanken bringen wird. (Verlagsinfo)

Taschenbuch: 928 Seiten
Heyne

[NEWS] Dmitry Glukhovsky – Metro 2034

Stalker Hunter muss sich seiner bisher größten Herausforderung stellen

Wir schreiben das Jahr 2034. Nach einem verheerenden Krieg liegen weite Teile der Welt in Schutt und Asche. Auch Moskau ist eine Geisterstadt. Die Überlebenden haben sich in die Tiefen des U-Bahn-Netzes zurückgezogen und dort eine neue Zivilisation errichtet. Eine Zivilisation, wie es sie noch nie zuvor gegeben hat …
An der Station Sewastopolskaja, die seit Tagen von der Verbindung zur Großen Metro abgeschnitten ist, taucht der geheimnisvolle Brigadier Hunter auf. Er nimmt den einsamen Kampf gegen die dunkle Bedrohung auf, der sich die Bewohner der Metro gegenübersehen, und bricht zu einer gefährlichen Expedition in die Tiefen des Tunnelsystems auf. An seiner Seite steht Homer, ein alter, erfahrener Stationsbewohner, der die Metro und ihre Legenden kennt wie kein anderer – und der seine Lebensaufgabe darin sieht, ihre Geschichte aufzuschreiben. Als die beiden auf die 17-jährige Sascha treffen, glaubt Homer, er habe in dem gebrochenen Helden und dem Mädchen das perfekte Paar für sein Epos gefunden – aber er darf sie in der Gefahr keine Sekunde aus den Augen lassen.
Dies sind die Abenteuer von Hunter, ehemaliger Soldat und nun einsamer Kämpfer gegen die dunkle Bedrohung, der sich die Bewohner der Metro gegenübersehen. (Verlagsinfo)

Taschenbuch: 544 Seiten
Originaltitel: Метро 2034
Heyne

Dmitry Glukhovsky – Futu.re

Der russische Autor Dmitry Glukhovsky hat nach seinem Bestseller „Metro 2033“ und dem Nachfolgeband „Metro 2034“ wieder eine dystopische Zukunft für die Menschheit entworfen. Dabei zeigt er auch in seinem neuen Roman „Futu.re“, dass er die Klassiker aufmerksam gelesen hat. Wie in Samjatins „Wir“ haben die Protagonisten Nummern statt Namen. Wie in Orwells „1984“ werden alle Menschen überwacht und kontrolliert und wie in Huxleys „Schöne neue Welt“ betäuben die Menschen sich mit Drogen, um ihr Leben erträglich zu machen, denn – und das ist dieses Mal neu – das ewige Leben, das der Menschheit so verheißungsvoll erschien und erscheint, wurde endlich erreicht. Doch es wird bezahlt mit Künstlichkeit, Einsamkeit und innerer Leere.

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Dmitry Glukhovsky – Sumerki – Dämmerung

_Das geschieht:_

Dimitri Alexejewitsch fristet in Moskau als freiberuflicher Übersetzer ein kärgliches aber zufriedenes Dasein. Die Kenntnis der spanischen Sprache bringt ihm aktuell einen lukrativen Auftrag: Ein unbekannt bleibender Auftraggeber lässt einen obskuren Text übersetzen. Er erzählt von einer mysteriösen Expedition, die spanische Soldaten und Missionare im April des Jahres 1562 in den Dschungel der mittelamerikanischen Halbinsel Yukatan führte. Im Auftrag des Franziskanerordens sollte sie Schriftstücke, Idole und andere ‚heidnische‘ Heiligtümer des einst herrschenden Maya-Volkes beschlagnahmen. Besonders begehrlich wartete Franziskanermönch Diego de Landa auf die mysteriöse „Chronik des Künftigen“, die verlässliche Angaben über das Ende der Welt enthalten sollte.

Zunehmend fasziniert verfolgt Dimitri, wie die Konquistadoren auf eine Mission ohne Wiederkehr gehen. Attacken feindlicher Indios, Sumpffieber und Strapazen lassen die Gruppe zusammenschmelzen. Die einheimischen Führer murmeln düster von einem Fluch. Unruhe breitet sich aus, Meuterei liegt in der Luft, während die Männer sich durch die Wildnis zum Tempel von Calakmul vorkämpfen.

Während er Kapitel für Kapitel übersetzt, wird Dimitri von Albträumen heimgesucht. Immer wieder endet er als Menschenopfer auf einem Altar der Maya-Priester. Eine unmenschliche Kreatur verfolgt ihn. Das Übersetzungsbüro wird nach der grausigen Ermordung des Leiters von der Miliz geschlossen. Zudem fallen dem weltfremden Dimitri endlich die aktuellen Schlagzeilen auf, die von gewaltigen Naturkatastrophen aus der ganzen Welt berichten. Als er die Zusammenhänge erkennt, ist es zu spät: Die Lektüre des Expeditionsberichts machte keineswegs ihn zum Mitwisser eines uralten Geheimnisses. Was tatsächlich geschieht, hätte er sich in seinen kühnsten – oder schrecklichsten – Träumen nicht ausmalen können …

_Die Realität als Illusion_

Einleitend eine gute Nachricht – sie wird nicht die einzige bleiben: Dmitry Glukhovsky gesellt sich nicht zu jenen Sensations-Schreibern, die ideenarm auf die jeweils aktuelle und publikumswirksame Mystery-Torheit setzen. In unserem Fall wäre dies die Munkel-Mär vom ‚geheimen‘ Maya-Kalender, der angeblich das Ende der Welt für den 21. Dezember 2012 ansetzt. Was dann geschehen soll, hat bereits Roland Emmerich für eines seiner krawallbunten & dummen Kino-Spektakel ausgeschlachtet. Eine Flut dem qualitativ entsprechender ‚Bestseller‘ ergießt sich zeitgleich über unruhige Leser, die indes am Stichtag die gleiche Erfahrung erwarten wird, der sich ihre Vorfahren bereits im Jahre 1000 (oder sie selbst anno 2000) ausgesetzt sahen: Diese Welt wird sich weiterdrehen.

Zwar spielt besagter Kalender auch in „Sumerki“ eine Rolle, aber es läuft eben nicht auf eine Apokalypse der plumpen Art hinaus. Lange sieht es zwar so aus, aber im Finale schwenkt Glukhovsky um – dies nicht unbedingt originell aber überraschend und einfallsreich. An dieser Stelle kann darauf nur andeutungsweise eingegangen werden; schließlich will dieser Rezensent kein Spielverderber sein. Ohnehin beantwortet auch der Verfasser nicht jede Frage.

Schon vor dem Finale hat er unsere Erwartungen mehrfach unterlaufen. So soll es sein, denn dies ist die Definition für eine gute, d. h. spannende Geschichte, der man gern die Zeit widmet, die es braucht, eine 500-seitige Lektüre hinter sich zu bringen. (Eifrig hilft dabei der Heyne-Verlag, dem wir die eingedeutschte Fassung verdanken. Sie wird zum Paperback aufgeblasen, was literarischen Mehrwert suggeriert und die Augen der Leserschaft schont, die weder mit Klein-Buchstaben noch Engdruck-Zeilen behelligt wird.)

|Glukhovskys Dämmerung = Borges light|

Der Autor nennt ihn selbst beim Namen: Jorge Luis Borges (1899-1986), den zu Recht verehrten argentinischen Großmeister der Phantastik, der so geschickt wie kaum ein anderer Schriftsteller die Realität mit der Fiktion zu verweben wusste und auf diese Weise belegte, wie brüchig die Grenze zwischen beiden Sphären ist, falls sie überhaupt voneinander zu trennen sind. Borges‘ Weltbild basierte nicht auf einer einzigen Realität, sondern ging von unterschiedlichen Realitätsebenen aus.

An diesem Prinzip richtet Glukhovsky die Handlung von „Sumerki“ aus: Die Realität ist nicht unbedingt eine Täuschung, sondern in erster Linie so komplex, dass der menschliche Verstand sie nicht wirklich in ihrer Gesamtheit zu erfassen vermag. Angebliche Fakten symbolisieren komplizierte Wahrheiten, die durch den Filter des Gehirns nur ansatzweise erkannt oder höchstens interpretiert werden können.

Dass „Sumerki“ keine simple Weltuntergangs- oder Horrorgeschichte erzählt, deutet Glukhovsky schon früh an. „Dimitri Alexejewitsch“ nennt er seinen Ich-Erzähler. Dies ist sein Alter Ego; Dmitry Alexejewitsch Glukhovsky macht sich selbst zur Hauptfigur seines Romans. Die Welt des Übersetzers Dimitri unterscheidet sich freilich von der Welt des Schriftstellers Glukhovsky. Scheinen diese Differenzen zunächst nur auf unabsichtliche Flüchtigkeitsfehler zurückzugehen, werden sie allmählich so offensichtlich, dass die Irritation des Lesers wächst. Genau dies ist der Effekt, den Glukhovsky anstrebt. Gemeinsam mit Dimitri Alexejewitsch soll er den Boden unter den Füßen verlieren.

|Mystery als Mittel zum Zweck|

Ein Bücherwurm ist Protagonist einer spannenden Geschichte: Was zunächst paradox wirkt, kann Glukhovsky mit Leben füllen. Die Mühen und vor allem den Zeitaufwand, den die Entzifferung eines alten Manuskriptes erfordert, rafft oder unterschlägt er. Übrig bleibt, was den Leser wirklich interessiert: Die Geschichte einer historischen Expedition, die der eigentlichen Handlung als Subtext dient. Scheinbar trennen viele Jahrhunderte und ein Ozean Dimitri Alexejewitsch und den Konquistadoren Luis del Lagarto. Tatsächlich überschneiden sich ihre Leben auf eine Weise, die der Autor bis zur Enthüllung geschickt zu verbergen weiß, was die Neugier des Lesers mächtig schürt.

Wieder orientiert sich Glukhovsky an Borges. Figuren wie der Mönch und Wissenschaftler Diego de Landa (1524-1579) oder der Historiker und Maya-Spezialist Juri Knorosow (1922-1999) haben tatsächlich gelebt. (Daniels Drevs, der sehr engagierte Übersetzer, liefert diese u. a. interessante Hintergrundinformationen in einem ausführlichen Nachwort.) Der Verfasser bedient sich ihrer Personen und Viten, die er mit den bereits erwähnten Verfremdungen anreichert und in den Dienst seiner Geschichte stellt. Man verlasse sich daher nicht darauf, dass sie sich so verhalten, wie es in den Geschichtsbüchern fixiert ist.

Dies schließt das Maya-Rätsel ein. Es scheint lange das Geschehen zu dominieren. Doch erneut dreht Glukhovsky seinem Publikum mit dem finalen Twist eine lange Nase. Die Täuschung gelingt ebenso wie die Aufklärung. Dennoch sei die Frage gestattet, ob Glukhovsky das Maya-Rätsel nicht allzu kräftig strapaziert.

|Russische Gegenwart auf sowjetischen Fundamenten|

Während er seine ostentativ naive Hauptfigur durch Mysterien und Martyrien taumeln lässt, nimmt sich Glukhovsky immer wieder Zeit für Blicke auf ein postsowjetisches Russland, das nicht wirklich im 21. Jahrhundert angekommen ist. Kritisch äußert sich der Verfasser über zaristoide Regierungsbonzen und neureiche ‚Geschäftsleute‘, über schmucke Fassaden, hinter denen sich seit dem Untergang der UdSSR nicht wirklich Fortschrittliches ereignet hat, über vordergründigen Pomp und verdrängtes Alltags-Elend. Der nicht wirklich mit den Verhältnissen vor Ort vertraute Leser muss entscheiden, ob er dies für kluge Wahrheiten oder altkluge Phrasen hält. Der sonst stringent wirkenden Geschichte werden diese Passagen jedenfalls aufgepfropft.

Überhaupt mag Glukhovsky |“der neue russische Kultautor“| sein, wie der „Stern“ dröhnend auf dem rückwärtigen Cover zitiert wird. Dies setzt freilich eine eher ökonomisch geprägte Definition von „Kult“ voraus. „Sumerki“ ist kein besonders anspruchsvoller oder gar origineller Roman. Der Verfasser erzählt primär eine spannende Geschichte. Dies gelingt ihm, aber die Handlung weist Längen auf und verzichtet nicht auf Klischees. Als die Katze aus dem Sack ist, vermittelt die |“düster phantastische Weltenschöpfung“|, von der im Klappentext schwadroniert wird, höchstens Dramatik aus zweiter Hand. Das Finale sorgt für die zufriedenstellende Auflösung der meisten Rätsel. Einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt es nicht. Allerdings spürt der Leser nie jenen schwärenden Ärger, den die Machwerke der eingangs erwähnten Mystery-Munkler erzeugen.

_Autor_

Dmitri Alexejewitsch Gluchowski wurde 1979 in Moskau geboren. Der ehemalige TV-Reporter wurde durch den (inzwischen fortgesetzten) Science-Fiction-Roman „Metro 2033“ bekannt, der nach einem Atomkrieg und in den Trümmern der Untergrundbahn von Moskau spielt, in deren Alltag der Autor satirisch verfremdet reale russische Missstände einfließen lässt.

|Paperback: 512 Seiten
Originalausgabe: Sumerki (2007)
Übersetzung: David Drevs
ISBN-13: 978-3-453-53302-8|
[www.randomhouse.de/heyne]http://www.randomhouse.de/heyne

Dmitry Glukhovsky – Metro 2034 (Hörbuch)

In der ewigen Dunkelheit der postapokalyptischen Metro Moskaus leben die letzten Menschen in den Stationen, haben Gänge, alte Bahnen und Dienstzimmer zu Wohnorten umfunktioniert und sind stets bedroht durch die Mutationen, welche die Strahlung hervor gerufen hat und die auf verschiedenste Weisen versuchen, auch diesen letzten Zufluchtsort zu überrennen. Einzig unterirdische Wasserläufe ermöglichen einen geringen Gewinn an lichterzeugenden Strömen, die von peripheren Stationen wie der Sewastopolskaja an die inneren, sichereren und reicheren Stationen verkauft werden. Hier, in der Peripherie, sind die Menschen den größten Gefahren ausgesetzt und müssen sich jederzeit vor Übergriffen der Ungeheuer schützen.

Die Sewastopolskaja ist seit Tagen von den nächsten Stationen abgeschnitten. Mehrere trotz akuter Kämpferknappheit ausgeschickte Erkundungstrupps verbleiben ohne Meldungen in den Tiefen der Metro. Ein alter Kämpe, der sich seit der Katastrophe als Homer bezeichnet, begleitet den geheimnisvollen und unheimlichen Kämpfer Hunter, der endlich für eine Klärung der Lage sorgen will und die Station nach einem Jahr der Unnahbarkeit verlässt.

Die Geschichte ist gut konzipiert und folgt einem verbreiteten, oft erfolgreich angewandten Modell: Aus der Abgeschiedenheit bricht eine kleine Gruppe auf, verschiedenen Aufgaben zu erledigen, Abenteuer zu bestehen, Antworten zu finden und das große Ganze zu retten, um der abgeschieden lebenden Heimat zu helfen. Hier ist nur die Motivation eine andere und erst sehr spät erklärte. Hunter treibt es nicht voran, um der Sewastopolskaja und ihren Bewohnern zu helfen, schließlich stieß er erst vor einem Jahr zu dieser Station; mehr, um sich zu verkriechen. Ihn treibt ein zwiespältiges Gewissen den letzten Menschen insgesamt gegenüber, denn zwar scheint er für die Station unterwegs zu sein, doch ihm liegt nur daran, eine große Gefahr, die auf die gesamte Metro übergreifen könnte, auszuschalten.

Bei der Wahl der Mittel ist er nicht zimperlich und schreckt auch nicht vor dem Opfer Unbeteiligter zurück, wenn sie ihm nur aus Unwissenheit oder Befehlsausübung im Wege stehen. So ändert sich auch im Laufe der Geschichte der Schwerpunkt bei den Gegnern und Problemen, die zu überwinden sind. Anfangs vor allem Mutanten und unbegreifliche Kreaturen aus den Tiefen der Metro, werden es verstärkt Wachtposten, politisch orientierte Schreibtischtäter und schließlich das eigene Selbst, angestachelt von innen, aus der kleinen Gruppe heraus.

Homer, der auf der Suche nach dem ultimativen Stoff für seinen unsterblichen Ruhm ist, sieht in Hunter seinen Protagonisten und hängt an ihm, um ihn und seine Handlungen zu beobachten. Dass er dabei die Gefahr bis in die Polis, das Zentrum der Metro, bringt, wird von ihm bewusst ignoriert, in der Hoffnung, später eine Lösung dieses Problems zu finden. Als sie die junge Frau Sacha finden, wacht Homer eifersüchtig über sie als seine Romanpartnerin für Hunter, auf den sie einen erstaunlichen Einfluss hat. Homer ist weniger an der erfolgreichen Queste interessiert als vielmehr an der Erlangung philosophischer Klarheit über den Sinn des Lebens. Immer wieder fragt er sich: Was bleibt von einem Menschen, wenn er tot und vergessen ist?

Hunter ist der undurchsichtigste Charakter der Geschichte. Seine Motivation ist die Triebfeder der Handlung, denn obwohl sie lange unklar bleibt, da meist aus Homers Sicht erzählt wird, ist es der Brigadier, der immer weiter vorwärts drängt und so auf ein Ziel zusteuert. Man erfährt wenig über diesen gezeichneten Kämpfer, und als endlich seine Motivation offenbart wird, erscheint es etwas aufgepfropft und nur als Entschuldigung für die Geschichte schnell eingefügt zu sein. Im Endeffekt treibt ihn eine unbändige Angst; auch wenn er im Kampf völlig emotionslos zu sein scheint, erklärt der Autor seine Handlungen mit verschiedenen Ängsten, die sich im Laufe seiner harten Laufbahn angestaut haben. Angst vor dem Killer in ihm, Angst vor den unheimlichen „Schwarzen“, die er nicht bekämpfen konnte und für deren Ende er durch seine Meldungen an den „Orden“ verantwortlich ist, Angst vor der Zukunft, da er schließlich erkannt zu haben glaubt, dass die „Schwarzen“ Gottes letzte Chance für die Menschheit darstellten und sie durch ihn zum Scheitern kam, noch ehe man sie näher kennen lernen konnte. Angst vor einem weiteren Versagen und Angst vor der selbst auferlegten Verantwortung für die Menschen, denen er die letzte echte Chance nahm.

Sacha ist ein in der Metro aufgewachsenes Mädchen, eine junge Frau, für die die Metro das Zuhause ist, auch wenn sie die längste Zeit ihres Lebens mit ihrem Vater in der Verbannung, also völlig allein in einer abgelegenen Station, verbracht hat. Sie erkennt in Hunter einen mächtigen Verbündeten der Menschen, der aber den falschen Weg beschreitet. Sie erkennt in sich die Fähigkeit, Einfluss auf Hunter auszuüben, und hegt nur noch den Wunsch, bei ihm zu sein und ihm zu helfen, zu sich selbst zu finden und mit ihm die Menschen zu beschützen. Sie denkt und handelt sehr naiv und selbstlos, was aber durch die langen Jahre an der Seite ihres dahinsiechenden Vaters erklärt werden kann. In ihrer Selbstlosigkeit und ihrem Unverständnis wird ihr die Metro schließlich zum Verhängnis.

Im Laufe der Erzählung führt uns der Autor von den peripheren Bereichen der Metro bis in ihr Zentrum, konfrontiert uns mit den verschiedenen Gefahren und Lebensanschauungen ihrer Bewohner, ihren Legenden und Geheimnissen. Sind es außen vor allem die Wesen, die in ihrer Vielzahl und Widerstandsfähigkeit tödlich sind und die Menschen vor echte Probleme stellen, werden sie immer weniger greifbar, je weiter man nach innen kommt. Manche Stationen erhalten einen verwunschenen Charakter; dort erliegt man geistiger Beeinflussung oder der willkürlichen Gier von unbekannten Wesen. Im Zentrum schließlich denkt niemand auch nur an Mutanten; hier dreht sich alles um uns bekannte Probleme, die beherrscht werden durch Konflikte zwischen verschiedenen Lebensanschauungen.

Es scheint, als diene die Geschichte einzig dazu, das Horrorszenario eines apokalyptischen Weltuntergangs, das vor Glukhovskys Augen herumzuirren scheint, vor dem Leser auszubreiten und in verschiedensten Blickwinkeln zu beleuchten. Die Geschichte selbst bleibt unbefriedigend, ihr Hintergrund, nämlich der Ausbruch einer tödlichen Krankheit, ist nur ein weiteres Detail des düsteren Bildes. Die Protagonisten wirken wie eine Ballung menschlicher Eigenschaften und Motivationen, die stellvertretend für die letzten paar tausend Menschen der Metro handeln – und sich, von diesen weitgehend unbeachtet, zwischen ihnen bewegen. Es ist eine kleine, enge, dreckige und düstere Welt dort unten, deren Entwurf durchaus interessant ist. Die Handlung ist leider unwichtig und führt zu keinem befriedigenden Ergebnis.

Bei der Inszenierung gibt es nichts zu meckern. Detlef Bierstedt nutzt seine rauhe, modulationsfähige Stimme mit einer großartigen Bandbreite aus und verleiht den Protagonisten wiedererkennbare Stimmen mit sehr gutem Eigenleben. Man hätte sich für diesen Roman keines besseren Lesers bedienen können, denn neben seiner wirklich guten Leistung ist auch die Stimme selbst perfekt auf das Thema zugeschnitten. Ihr großer Vorteil: Irgendwie klingt sie „typisch russisch“.

Insgesamt ein durchaus unterhaltsamer postapokalyptischer Roman ohne Längen und große Schnitzer, allerdings auch ohne die echt interessante Handlung als roten Faden durch einen Plot voll abartiger und unheimlicher Wesen, Träume, Menschen. Gute Unterhaltung in einer weit und detailiert gedachten Welt, die eine echte Handlung verdient hätte.

6 Audio-CDs
ISBN-13: 978-3898138864
Gelesen von Detlef Bierstedt

http://www.der-audio-verlag.de

Dmitry Glukhovsky – Metro 2033

Die Welt, wie wir sie heute kennen, gibt es nicht mehr in Dmitry Glukhovskys Roman „Metro 2033“, denn die Errungenschaften des letzten Jahrhunderts sind ganz in der Tradition der negativen Utopie nicht zur Verbesserung des menschlichen Lebens genutzt worden. Sie haben im Gegenteil zu Kriegen und der kompletten Vernichtung der Erde geführt. Wie im Laufe des Romans deutlich wird, hat ein Atomschlag alles bekannte Leben auf der Erde ausgelöscht. Zurückgeblieben sind zerstörte Geisterstädte, in denen sich in den vergangen Jahrzehnten Lebensformen entwickelt haben, die den vormaligen Herrscher über die Erde trotz nachlassender Strahlung in die U-Bahnnetze zwingen und selbst dort noch seine Existenz bedrohen.

Auch in der Moskauer Metro haben Menschen überlebt; unter ihnen der zwanzigjährige Artjom. Dieser wohnt mit seinem Ziehvater Suchoj in der Station WDNCh. Man hat sich in dem neuen Leben eingerichtet und es so organisiert, dass das Überleben gesichert ist und ein Mindestmaß an menschlicher Kultur bewahrt werden kann. Artjom ist zwischen seinen Freunden, alten Büchern, Schweinezucht und Pilztee aus dem Samowar behütet aufgewachsen. Abgesehen von einem verbotenen Ausflug an die Oberfläche nahe seiner Metrostation, hat er die WDNCh nie verlassen. An die Außenwelt hat er nur noch vage Erinnerungen, und auch die Dimensionen der Moskauer U-Bahn-Anlage haben sich ihm längst nicht erschlossen, obwohl über Reisende (vornehmlich Händler) Nachrichten aus anderen Stationen und deren Beschreibungen bis in die eher als abgelegen geltende Heimat des jungen Mannes gelangen.

Als jedoch eine ganze U-Bahn-Station von den so genannten Schwarzen massakriert wird und diese sich auch in der Nähe der WDNCh zeigen, wird schnell klar, dass nicht nur diese Station, sondern die gesamte Metro bedroht ist. Plötzlich ist es an Artjom, die Metro zu durchqueren und Hilfe zu holen. Aber neben der Tatsache, dass er die gesamte Strecke auf sich allein gestellt zu Fuß bewältigen muss, kommt erschwerend hinzu, dass sich die Menschen selbst nach der atomaren Katastrophe nicht zu einer Einheit zusammengeschlossen haben, sondern die Kriege unter der Erde fortgeführt wurden, bis sich verschiedene Macht- und Einflussgebiete herauskristallisierten, welche nun mit Hilfe von Abkommen, Kontrolle und notfalls auch nackter Gewalt gehalten werden. In den finsteren Tunneln zwischen den Stationen verschwinden oder sterben Menschen auf unerklärliche Weise. In den Stationen selbst regieren Angst, Hass und Grausamkeiten, die jedoch nicht weniger beängstigend wirken als die aufgesetzte Liebenswürdigkeit der Zeugen Jehovas, welche Artjom zu bekehren versuchen, oder das nur für einige Menschen Bildung verheißende Kastenwesen der Polis.

Auf knapp 800 Seiten beschreibt der russische Autor Dmitri Glukhovsky solchermaßen nicht nur Artjoms Weg durch die Tunnel und die verschiedenen Metrostationen, sondern auch Begegnungen mit Menschen aus unterschiedlichsten Gesellschaftsformen sowie mit verschiedensten Lebensentwürfen. Die Formen gesellschaftlichen Zusammenlebens werden überwiegend von Strömungen, die noch im 20. Jahrhundert existierten, abgeleitet: Kommunismus, Nationalsozialismus oder religionsbegründete Gemeinschaften. Außerdem hat man tief im Inneren der Metro die neue Religion um den „großen Wurm“ erschaffen.

Somit entwirft der Autor neben einer spannenden Handlung ein komplexes Bild der in Grüppchen zerfallenen Gesellschaft, welche sich nach der Katastrophe in den Stationen der Metro geformt hat. Ein solches räumlich abgeriegeltes System zur Darstellung einer möglichen zukünftigen Gesellschaft, in welcher Ursachen und Wirkungen vom Autor genau berechnet werden können, kennt die Literatur seit Thomas Morus‘ Insel [„Utopia“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1841 (1516). Glukhovskys Metro-Universum funktioniert als ebensolche Insel, auf der sich das alte Leben zu erhalten versucht, während ringsum die Bedrohung durch Mutanten und neue Lebensformen verhindert, dass die Menschen aus ihrem selbst gewählten Exil ausbrechen können. Alle übergeordneten Energien werden dazu verwendet, dieses Universum zu schützen, während die Stations-„Kleinstaaten“ auch individuell gegen Eindringlinge und Veränderung vorgehen.

Erst zum Schluss wird offensichtlich, dass die alten Fehler der Menschheit wiederholt werden und in erneuter Vernichtung gipfeln. Es bleibt außen vor, ob eine Kooperation mit den auf noch wenig erklärliche Weise kommunizierenden neuen Lebewesen vielleicht hilfreicher als ihre Vernichtung gewesen wäre, denn immerhin ist es ihnen vergönnt, auf der Erdoberfläche existieren zu können. Doch mit dem Tod der weiterentwickelten Spezies wird es auch in dieser negativen Utopie keine Entwicklung geben können. Es besteht wenig Hoffnung auf Veränderung oder gar eine Verbesserung der Lebensumstände der Menschen, selbst wenn eine Figur namens Kahn dem Helden versichert, dass wer kühn und beharrlich genug sei, ein Leben lang in die Finsternis zu blicken, darin als Erster einen Silberstreif erkennen würde.

Den Menschen in Glukhovskys Metro-Universum steht Technik nur noch in Form von Relikten aus der Vergangenheit zur Verfügung; ausgehend vom weit entwickelten technischen Verständnis unserer Tage, sind sie damit auf die Stufe der Produktion von Nahrungsmitteln zurückgeworfen worden. Der kulturellen Entwicklung ist es nicht anders ergangen. Alte Bücher sind wertvolles Handelsgut, und selbst die erbärmlichste Schwarte wird gehegt und gepflegt, denn auch sie ist zum vergänglichen Bewahrer des Wissens der Menschheit und des Wissens um eine vormalige bessere Zeit geworden, welche in der Erinnerung bereits märchenhafte Züge annimmt. Sie sind ein Symbol der Errungenschaften des menschlichen Geistes, in denen sich die gegenwärtige menschliche Existenz der sich unter die Erde verkrochen habenden Würmer auf groteske Art spiegelt.

Die Klassiker bilden dabei den größten Schatz, denn sie tragen moralische Werte und nähren den Wunsch nach Veränderung. Sie können jedoch nur die Keime anlegen, welche in Menschen wie Artjom, Khan oder Melnik, den Artjom zur Hilfe holen soll, zur Entfaltung kommen. Es gibt nur wenige Menschen wie sie, die nicht ihren gesamten Antrieb und ihre Struktur aus einer der gesellschaftlichen Strömungen angepassten Lebensweise erhalten. Diese Menschen werden zu Helden, denn so verführerisch der Halt oder die Orientierung der angebotenen Lebensweisen auch erscheinen mögen, ist es ihnen vergönnt, darüber hinauszuwachsen. Dazu trägt die Tatsache maßgeblich bei, dass sie sich sowohl in der gesamten Metro als auch außerhalb bewegen. Die so gewonnenen Erfahrungen erlauben ihnen einen kritischen Außenblick auf das gesamte Metro-Universum. Kommen sie dabei der Frage nach der Wahrheit auch nicht wesentlich näher, so können sie dennoch erkennen, dass alles Dargebotene nicht der Wahrheit entsprechen kann.

Besonders interessant gestaltet Glukhovsky die unbekannte Kultur, welche sich in Nebentunneln der U-Bahn formiert hat. Dort haben die veränderten Lebensbedingungen der Menschen eine an die Situation unter der Erde angepasste Religion hervorgebracht. Diese basiert auf dem Mythos des „Großen Wurms“ als sich durch die Erde bohrendem Schöpfer. Er gilt als Vater, der alle Anhänger der Religion erschaffen haben soll. Diese fürchten ihren Gott und suchen durch seine Anbetung doch gleichzeitig seinen Schutz. In der archaischen Erscheinung des „Großen Wurms“ erkennt der Leser sofort, dass es sich um die ‚Personifizierung‘ eines U-Bahn-Zuges handeln muss. Die Erfinder hatten sicherlich noch lebhafte Erinnerungen an Züge, deren geöffnete Türen die Fahrgäste ausspeien. Diese zunächst lächerlich-zwanghaft anmutende Religion bildet traurigerweise die einzige Innovation unter Tage und wurde auch nur dazu erfunden, die geistig und körperlich degenerierten Menschenwesen, welche in einem von der Strahlung stark betroffen Bereich der Metro leben und sich fortpflanzen, unter Kontrolle zu halten und ihnen einen Lebenssinn zu geben, damit ihre charismatischen Anführer ihre Version einer besseren Menschheit verwirklichen können. Doch outet der von Artjoms Truppe gefangene Priester sich und seine Religion alsbald als vom Hass auf alle anderen überlebenden Menschen zerfressene und ebenso große Bedrohung für die restliche Metro wie die Schwarzen, die es jedoch zunächst zu bekämpfen gilt.

Leider wirken alle Geschehnisse ab der Bekanntschaft mit dem „Großen Wurm“ auf eine Fortsetzung ausgelegt, denn zu vieles wird nur noch angedeutet. Die Reise durch die Metro erscheint plötzlich als eine lange Einführung in die „neue Welt“. Werden sich die Menschen weiterhin gegenseitig aufreiben? Gibt es den „Großen Wurm“ vielleicht tatsächlich? Existiert er als etwas völlig anderes in der Metro – zum Beispiel als großer Bohrer, der dazu benutzt wird, neuen Lebensraum anzulegen? Da man nicht weiß, was alles möglich sein könnte, ist nichts unmöglich – selbst ein riesiges Tier oder ein noch fahrtüchtiger Metro-Zug.

Die Vernichtung der Schwarzen wirkt im doppelten Sinne unbefriedigend. Abgesehen von der moralischen Komponente (alles Fremde wird wie immer ausgelöscht), hat Artjom seine „Auserwähltheit“ als Vermittler zu spät begriffen. Doch ebenso gut könnte die Auslöschung der Fremden nur auf der Erdoberfläche erfolgt sein. Da man von den Wesen so gut wie nichts erfährt, können sie durchaus in einem Zusammenhang mit den Bohr- oder Zuggeräuschen stehen, welche Artjom in einem der Nebentunnel gehört haben will. Außerdem hat sich ein aus einer wabernden Masse bestehendes Wesen im Kreml eingenistet, das die Menschen hypnotisch anzieht und verschlingt.

Und nicht zuletzt heißt es auf der letzten Seite vor einem umfassenden Anhang mit Begriffserklärungen: |“Die Reise geht weiter“|. Hoffen wir es, und hoffen wir auch, dass die mögliche Fortsetzung ebenso fesselnd und originell wird wie „Metro 2033“. Der Roman hat jedenfalls so stark eingeschlagen, dass ein auf ihn basierendes Computerspiel in Planung ist, und denkt man an die „Wächter“-Trilogie des auf dem Umschlag des recht robusten |Heyne|-Paperbacks zitierten Sergej Lukianenko, dann kann man eine Verfilmung wohl ebenso wenig ausschließen.

|Originaltitel: Metro 2033
Aus dem Russischen von M. David Drevs
783 Seiten, kartoniert
ISBN-13: 978-3-453-53298-4|
http://www.metro2033.org
http://www.heyne.de