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Näter, Thorsten – Doppelter Einsatz: Gefährliche Liebschaft

_Amnesie: Schusswechsel mit Folgen_

Der Kronzeuge gegen einen Unterwelt-Boss wird umgebracht, Sabrinas neue Kollegin Caro kennt zwar alle Einzelheiten aus den Verhören, doch die Gegenseite hat bereits einen bitterbösen Plan, Caro als Zeugin unglaubwürdig zu machen.

Die TV-Reihe „Doppelter Einsatz“ wurde laut Verlag mehrfach mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. Dass dies völlig gerechtfertigt ist, stellt auch diese Episode unter Beweis.

Episode Nr.1: [„Mord auf dem Stundenplan“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2311
Episode Nr.2: „Gefährliche Liebschaft“
Episode Nr.3: „Der Fluch des Feuers“

_Die Macher und Sprecher_

Es sprechen die Originalschauspieler der gleichnamigen RTL-Verfilmung, allerdings mit zusätzlichen Erzählertexten, gesprochen von Despina Pajanou, die im Film die Polizistin Sabrina Nikolaidou spielt. Es gibt noch einen zusätzlichen Erzähler, den Frank Gustavus (|Ripper Records|) spricht. Diese Texte stammen alle aus seiner Feder.

Die ziemlich wichtige Musik und die Hörbuch-Postproduction übernahmen Horst-Günter Hank und Dennis Kassel. Zusätzliche Aufnahmen, Schnitt und Mastering erfolgten durch die d.c. Tonstudios in Breckerfeld/Berlin.

Zu den zu hörenden Darstellern gehören: Despina Pajanou, Eva Herzig, Gerhard Garbers, Jürgen Janza, Jockel Tschiersch, Konstantin Graudus, Tim Wilde, Burkhart Klaußner, Peter von Strombeck u.v.a.

Das Drehbuch schrieb Thorsten Näter, der auch Regie führte.

_Handlung_

In seiner Schreinerei in St. Pauli erhält der Mann, der sich jetzt Viktor Grolek nennt, einen Ruf. Er begibt sich nach Santa Fu, wo der Gangsterboss Pjotr Nesic inhaftiert ist, aber immer noch jede Menge Strippen zieht. Weil Nesic ihm die Schreinerei finanziert hat, schuldet er ihm was. Nesic bittet ihn, den Kronzeugen Horst Meinert zu töten, der im kommenden Prozess gegen ihn, Nesic, aussagen würde. Nesic soll seinen Geschäftsführer getötet haben. Viktor muss den Mordauftrag annehmen.

Caro Behrends und Sabrina Nikolaidou vom Kriminalkommissariat (KK) 15 in Hamburg sollen die Bewacher des Kronzeugen ablösen. Aber wo ist Meinert selbst? Es heißt, er sei ins Seaworld-Aquarium gegangen, mit Dilber, seinem Bewacher. Sabrina ist sofort auf 180, denn sie wittert Unrat. Was fällt Meinert ein? Und Dilber hat offensichtlich Mist gebaut.

Vor Ort können sie Meinert abfangen, der im Aquarium seine Familie wiederzusehen erwartet. Doch der Anruf war fingiert. Obwohl Sabrina noch rechtzeitig einen unbekannten Mitarbeiter des Aquariums ausmachen kann, feuert dieser – es ist natürlich Grolek – tödliche Schüsse auf Meinert ab. Im folgenden Feuergefecht, das die ganze Anlage in Panik versetzt, werden Caro und ein anderer Beamter durch Schüsse verletzt. Sie kommt ins Krankenhaus.

Ein Debakel auf der ganzen Linie. Jetzt ist Nesic ja fein raus. Und Caro kann sich wegen ihres Schädeltraumas nicht mal an das Gesicht des Schützen erinnern. Aber sie bietet wenige Tage später an, anstelle von Meinert gegen Nesic auszusagen, denn Meinert habe ihr fast alles, was er über den Gangster wusste, mitgeteilt. Staatsanwalt Gallwitz hat damit offenbar ein Problem, das sagt er aber nicht den Polizisten, sondern Nesic persönlich! Von Nesic erpresst, befiehlt Gallwitz Grolek, Caro auszuschalten, sie notfalls umzulegen.

Zunächst weigert sich Grolek, Gallwitz‘ Befehl auszuführen. Doch als er erfährt, dass Nesic seine Frau und seinen Sohn hat entführen lassen, muss er klein beigeben. Er macht sich als Seelentröster an die etwas geknickte Caro heran und führt einen perfiden Plan aus, in dessen Verlauf Caro nicht nur beinahe ums Leben kommt, sondern auch noch ihre Glaubwürdigkeit völlig einbüßt. Die Abteilung für interne Angelegenheiten ermittelt gegen sie wegen Fahrerflucht und unterlassener Hilfeleistung.

Das Schlimmste für die in der Tinte sitzende Caro ist jedoch der Umstand, dass sie sich an das, was nach dem Kneipenbesuch passiert ist, ums Verrecken nicht erinnern kann. Viktor Grolek hat ihr offenbar Rohypnol, also KO-Tropfen gegeben, die eine teilweise Amnesie auslösen. Nun muss Sabrina alles aufbieten, um ihr aus der Patsche herauszuhelfen.

_Mein Eindruck_

Die Episode wirft ein Schlaglicht auf verschiedene Probleme, die im Zusammenhang mit moderner Kriminalität auftreten. Der Gangster Nesic sitzt zwar in U-Haft, verfügt aber über ein eingeschmuggeltes Handy und einen korrupten Gefängnisbeamten über beste Kontakte nach draußen. Er hat wichtige Leute an der Hand. Grolek ist sein Mann fürs Grobe, der Auftragskiller. Und Staatsanwalt Gallwitz ist sein Mann auf der Seite des Gesetzes. Daher dauert es eine ganze Weile, bis Sabrina endlich checkt, welches Sicherheitsleck in ihrem eigenen Kommissariat existiert. Zum Glück verrät sich Gallwitz durch eine unbedachte Äußerung.

Der Mittelteil ist an einer Stelle nicht ganz durchschaubar. Der Grund: Es gibt zwei Pärchen in der Handlung, und der Hörer fragt sich, welches davon denn nun Viktor und Caro sind? Im Nachhinein löst sich die Verwirrung auf, die dem aktuellen Geisteszustand von Caro entspricht. Der Hörer weiß also nicht (wesentlich) mehr als Caro auch. Das ist vom Drehbuchautor ganz schön riskant eingefädelt und geschildert, zahlt sich aber durch erhöhte Spannung aus. Wir lernen, dass auch Polizistinnen nicht gegen fiese Machenschaften gefeit sind, sondern jeden Tag ihr Leben aufs Spiel setzen. (Der Stoff Rohypnol wird übrigens nie genannt, vermutlich, um keine Amateure auf dumme Gedanken zu bringen.)

Ich hätte nicht gedacht, jemals in einem modernen Krimi Hypnose angewendet zu „sehen“, aber diesmal ist es der Fall: Caro findet ihre Erinnerung wieder, so schmerzhaft dies für sie persönlich auch ist. Nach diesem Durchbruch kann es endlich richtig losgehen. Gallwitz wird enttarnt und packt aus. Der Showdown ist jedoch keineswegs eine Formsache, sondern eine trickreiche und knifflige Angelegenheit, denn Grolek ist ja auch nicht auf den Kopf gefallen. Mehrmals wird erwähnt, er sei bei der „Legion“ gewesen. Damit könnte die Fremdenlegion gemeint sein. Was das Umlegen von Menschen angeht, so kennt er keinerlei Skrupel. Sabrina, Caro & Co. bekommen dies am eigenen Leib zu spüren.

Alles in allem ist diese Episode also völlig anders aufgezogen als Episode Nr. 1 „Mord auf dem Stundenplan“. Nach einem furiosen Auftakt folgt ein kniffliges „Mittelspiel“, das nach dem genannten Durchbruch in einen ebenso furiosen Showdown mündet. Doch Polizisten sind – so unglaublich es klingen mag – auch Menschen, und deshalb kommt auch das Privatleben von Caro nicht zu kurz (Sabrina scheint diesmal keines zu haben). Auf diese Weise ist für den human touch gesorgt, der diese Serie so herausragend macht.

Der Humor in dieser Serie ist ziemlich grimmig. In einer Szene wollen die KK-Beamten Grolek hochnehmen und dringen in sein Haus ein. Doch was sie nicht wissen: Die Abteilung für innere Angelegenheit ist schon da, um ihren wichtigsten Belastungszeugen gegen Caro zu beschützen. Die Internen gucken aber ebenso in die Röhre wie die KK-Beamten: Der Vogel Viktor ist ausgeflogen.

_Die Sprecher / Die Inszenierung_

Am besten wirken die Stimmen der Schauspielerinnen, die ja direkt vom TV-Band stammen, wenn sie sehr emotional sind. Das fällt Despina Pajanou, die zudem Ich-Erzählerin ist, nicht schwer. Man sieht es als Hörer natürlich zwar nicht, aber wenn Sabrina wütend wird, kann sie schon mal handgreiflich werden, und das bekommt Pjotr Nesic am eigenen Leib zu spüren.

Caro kommt in ihrer Rolle weniger gut weg als Sabrina, folglich muss Caros Darstellerin Eva Herzig (siehe Titelfoto, links) etwas härter darauf hinarbeiten, Eindruck zu machen. Dies gelingt ihr allerdings nur bedingt, ob als Mutter, Polizistin oder als geknickte Kneipengängerin: Sie bleibt eben immer nur die Nummer zwei hinter Sabrina / Pajanou. Immerhin bietet Caros Rolle Eva Herzig Gelegenheit, eine gewisse Vielseitigkeit zu entfalten.

Die männliche Darsteller bleiben mit einer Ausnahme ziemlich farblos, obwohl sie natürliche alle recht kernige Stimmen vorzuweisen haben. Die eine Ausnahme ist Viktor Grolek, der heimliche Held der Episode. Ich stelle ihn mir mit Stellan Skarsgard („Ronin“) am besten besetzt vor: eine Tiefe der Empfindung, kombiniert mit einer Entschlossenheit im Handeln. Einmal führt er wie Shakespeares Hamlet einen inneren Monolog, dann wieder tröstet er seine Frau, die ihm nicht mehr vertrauen kann. Besonders dann nicht, als sie merkt, dass er eine Pistole trägt.

_Musik und Geräusche_

Da es sich hier um die O-Tonspur der Filmepisode handelt, entsprechen die Geräusche denen im Film, und der Zuhörer kann sich ohne weiteres die zugehörige Umgebung vorstellen. Absolut genial fand ich als Actionfan das Feuergefecht, das am Anfang zwischen dem Attentäter und den Polizisten stattfindet, die ihren Kronzeugen schützen wollen. Absolut echt klingende Schüsse, ziemlich viele Schreie der Aquariumsbesucher, schließlich ein Aufschrei, der im Off verhallt – das ist saubere Arbeit.

Für diese Szene ist keine Musik nötig, schon klar. Aber ansonsten bildet die Musik recht eindrucksvoll und passend den Hintergrund. Jede Szene hat ja ihre eigene Stimmung und erfordert die entsprechende Instrumentierung. Nach dem rockigen Intro rückt die Musik in den Hintergrund, bis sie sich in Gestalt einer melancholischen Ballade wieder in den Vordergrund drängt. Das Piano illustriert Caros Verwirrung über ihren Gedächtnisverlust überdeutlich.

In den weiteren Szenen werden diese Hand voll Musikmotive variiert oder auch nur einfach wiederholt, zum Teil sind sie auch als Kneipenmusik zu hören. Sie alle stammen aus dem Hause Horst-Günter Hank und Dennis Kassel, das neuerdings auch für die Produktion von Hohlbeins Hörbuch-Serie „Raven“ herangezogen wurde.

_Unterm Strich_

Bis auf den psychologisch kniffligen Mittelteil hat mich auch diese Episode wieder voll von der Qualität der TV-Serie überzeugt. Nach einem furiosen Auftakt folgt ein „Mittelspiel“ mit human touch, das nach dem erinnerungstechnischen Durchbruch in einen ebenso furiosen Showdown mündet. Wir merken also, dass für die Leute vom KK 15 nicht immer alles nach Plan läuft, sondern dass in ihren eigenen Reihen kräftig quergeschossen wird. Interessant, dass auch ein Staatsanwalt ein fauler Zahn sein kann. Lediglich die Szene nach Caros Kneipenbesuch ruft beim Hörer Verwirrung hervor. Das kann aber Absicht sein – siehe meine Erläuterungen oben.

Dass die TV-Serie professionell produziert worden ist, bedarf wohl kaum der Erwähnung. Die Musik ist mitreißend bis anrührend, mit allen Nuancen dazwischen. Nun bin ich auf Episode Nr. 3 gespannt: „Der Fluch des Feuers“.

|89 Minuten auf 2 CDs|

Näter, Thorsten / Zahavi, Dror – Doppelter Einsatz: Mord auf dem Stundenplan

_Harter Realismus vs. romantische Finessen_

Eigentlich sollte sich Sabrina Nikolaidou auf ihren Undercover-Einsatz an einer Hamburger Gesamtschule konzentrieren. Hier wurde eine junge Lehrerin brutal ermordet. Doch einerseits muss sie versuchen, den plötzlichen Tod ihrer Partnerin Ellen zu verarbeiten und sich andererseits auch mit einer neuen Kollegin arrangieren: Caro kommt als Ellens Nachfolgerin ins Team. Für das Ermittlerteam werden Fall und Leben zu einer wahren Zerreißprobe. (abgewandelte Verlagsinfo)

Die TV-Reihe „Doppelter Einsatz“ wurde laut Verlag mehrfach mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. Dass dies völlig gerechtfertigt ist, stellt auch diese Episode unter Beweis.

_Die Macher und Sprecher_

Es sprechen die Originalschauspieler der gleichnamigen RTL-Verfilmung, allerdings mit zusätzlichen Erzählertexten, gesprochen von Despina Pajanou, die im Film die Polizistin Sabrina Nikolaidou spielt. Es gibt noch einen zusätzlichen Erzähler, den Frank Gustavus (|Ripper Records|) spricht. Diese Texte stammen alle aus der Feder von Marc Sieper.

Die ziemlich wichtige Musik und die Hörbuch-Postproduction übernahmen Horst-Günter Hank und Dennis Kassel. Zusätzliche Aufnahmen, Schnitt und Mastering erfolgten durch die d.c. Tonstudios in Breckerfeld/Berlin.

Zu den zu hörenden Darstellern gehören: Despina Pajanou, Eva Herzig, Gerhard Garbers, Jürgen Janza, Jockel Tschiersch, Konstantin Graudus, Martin Goeres, Omar El-Saeidi, Sylta Fee Wegmann, Werner Daehn, Max Herbrechter u.v.a.

Das Drehbuch schrieb Thorsten Näter, Regie führte Dror Zahavi und Producer war Peter Otto.

_Handlung_

|PROLOG 1.|

Wieder einmal geht den Kripo-Fahndern der Drogendealer Frank Lipinski aus Hamburg durch die Lappen. Sabrina Nikolaidou (Pajanou) und ihre Kollegen haben das Nachsehen.

|PROLOG 2.|

An der Carl-von-Ossietzky-Gesamtschule in Hamburg St. Georg übt die Theaterarbeitsgruppe Shakespeares gruseliges Stück „Macbeth“. Dafür haben sich alle verkleidet, mit Gewändern und Masken. Als die Leiterin der AG, Isa Gerke, zur Toilette geht, folgt ihr der 18-jährige Schüler Jens Wahlmann – und findet sie in ihrem Blut liegen. Ist sie tot? Offenbar schon. Zu blöd, irgendwie.

Neben ihr findet Jens einen kleinen silbernen Ohrring, den er sofort wiedererkennt und deshalb an sich nimmt: Er gehört der von ihm geliebten Schülerin Oana Domenikou. Wenig später entledigt sich Manfred Gerke, Isas Mann und Rektor der Schule, seiner Verkleidung …

|Haupthandlung.|

Auf dem Kriminalkommissariat KK 15 bekommt Sabrina eine neue Kollegin: Caroline Behrens, kurz Caro genannt. Sie ist die Urlaubsvertretung für Sabrinas Einsatzpartnerin und Freundin Ellen Ludwig. Sabrina ist nicht bereit, sie zu akzeptieren, aber Caro braucht diesen Job unbedingt, um als alleinstehende Mutter ihre Tochter durchzubringen. Als sich bei dem Mord in der Gesamtschule herausstellt, dass man dort unter Schülern und Lehrern ermitteln muss, bietet Caro an, undercover zu ermitteln, da niemand dort ihr Gesicht kenne.

Als die Nachricht eintrifft, dass Ellen Ludwig mit ihrem Urlaubsflieger abgestürzt und samt Familie ums Leben gekommen sei, erleidet Sabrina fast einen Nervenzusammenbruch. Sie giftet Caro noch schärfer an, aber zu trauern bringt nichts, und deshalb bittet sie ihren Chef Weber, ebenfalls undercover ermitteln zu dürfen. Gemeinsam bekommen sie sicher mehr heraus als alleine.

An der Schule geht es schlimmer zu als im alten Rom. Die Schüler, fein säuberlich in Gruppen von „Deutschen“ und „Ausländern“ getrennt, dealen mit Stoff, Software und teuren Computerspielen. Dreimal darf man raten, wer der Dealer / Hehler des harten Kerns ist: Frank Lipinski. Als Caro die verwaiste Theater-AG übernimmt und Sabrina die Fächer Sport und Politik, lernen sie diese harten Burschen von ihrer unangenehmsten Seite kennen. Aber Sabrina macht den Wortführer Ralf fertig, woraufhin seine Clique beschließt, ihr einen Denkzettel zu verpassen, um sie zu vertreiben. Noch wissen sie nicht, dass sie es mit einem Bullen zu tun haben – aber sie bleiben nicht mehr lange unwissend.

Caro Behrens rührt mit ihrer Taktik die weichherzigeren Schüler zu Tränen, insbesondere Oana Domenikou und Murat Güzmal. Wie sich herausstellt, hatte Murat mit Isa Gerke ein Verhältnis, und sie erwartete ein Kind von ihm. Aber warum weint auch Oana um die getötete Lehrerin?

Also hatte offenbar Rektor Gerke ein handfestes Motiv, Isa zu töten, oder? Hoffentlich hat er auch ein gutes Alibi. Leider ist er nicht der Einzige, der eines braucht.

_Mein Eindruck_

In St. Georg herrscht offenbar der soziale Notstand (das braucht man den Leuten vor Ort sicher nicht zu sagen). Nicht mal erwachsen, dealen, kiffen und klauen die Schüler – „Ausländer“ wie „Deutsche“ – ohne Scheu mitten auf dem Schulhof oder in der Stadt, ohne dass jemand einzuschreiten wagt. Die Lehrer an dieser Schule schon gleich gar nicht. Sie scheinen entweder eingeschüchtert zu sein (Isa Gerke war’s sicher nicht) oder sie lügen sich selbst in die Tasche, dass sie dafür nicht zuständig seien.

Sie fühlen sich wahrscheinlich auch nicht dafür zuständig, wenn eine ihrer Schülerinnen zur Prostitution gezwungen wird, um ihre Schulden abzuarbeiten. So passiert es Oana mit Frank Lipinski. Als Jens Wahrmann dies herausbekommt, wird es richtig spannend. Denn da er Oana liebt, hat er natürlich einen Hass auf einen Typen wie Lipinski, der jeden ausbeutet, wo und wie er nur kann. Es kommt zu einem dramatischen Showdown in der Wohnung, wo Oana versteckt gehalten wird.

Doch inzwischen haben Caro und Sabrina spitzgekriegt, wer hier die Fäden zieht. Nachdem Sabrina mit Caros Hilfe dem Anschlag der kriminellen Clique entgangen ist, heften sie sich an Murats und Jens Wahrmanns Fährte. Dabei müssen sie allerdings das Misstrauen von Murats Bruder Teflik überwinden. Offensichtlich herrschen nämlich seitens der „Ausländer“ ebenso große Vorbehalte gegenüber „Deutschen“, Behörden zumal, wie umgekehrt gegenüber „Ausländern“. Jeder will eben für sich bleiben. Dazu braucht es nicht einmal islamistische Hetzprediger (die hier nicht auftreten).

Auf diesem mühseligen Weg kommen jedenfalls Caro und Sabrina dem Hintermann doch noch auf die Spur. Und da sie gerade noch rechtzeitig kommen, als Jens und Oana in die Enge getrieben sind, können sie offenbar auch Leben retten. So ein Showdown hat etwas für sich, aber der Drehbuchautor macht es sich und seinen Polizistinnen einfach: Sie brauchen gar nicht auf Lipinski zu schießen. Den Rest erledigt eine morsche Regenrinne. Auf diese Weise braucht später niemand eine moralische Schuld an Lipinskis Tod mit sich sich herumzuschleppen.

Auch die Spannung vor dem Anschlag auf Sabrina ist an den Haaren herbeigezogen: Sabrina ist verliebt und hat ihr Handy abgeschaltet – oder vergessen, es einzuschalten. Man fasst es kaum! Dadurch kann Caro sie nicht vor der drohenden Gefahr warnen.

Auch die Tatsache, dass die beiden Kolleginnen eigenmächtig die Aussage des Mörders von Isa Gerke „verschwinden“ lassen, will so gar nicht in die Realität passen, deren Bild uns täglich in der Zeitung entgegenspringt. Sie haben zwar das moralische Recht auf ihrer Seite, um die Zukunft des Mörders zu schützen, doch das Gesetz ganz sicher nicht. Es ist eben doch Fernsehen, was wir hier vorgesetzt bekommen. Wer das mit der Wirklichkeit verwechselt, ist selber schuld.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Am besten wirken die Stimmen der Schauspielerinnen, die ja direkt vom TV-Band stammen, wenn sie sehr emotional sind. Das fällt Despina Pajanou, die zudem Ich-Erzählerin ist, nicht schwer. Sie trauert einerseits um Ellen Ludwig, bis die Niedergeschlagenheit der Wut weicht. Und diese Wut entlädt sich nicht zuletzt an der völlig unschuldigen Caro, die sie am liebsten zur Sau machen möchte. Dass Caro dann auch noch Ellens Nachfolgerin wird, gibt Sabrina den Rest.

Caro kommt in ihrer Rolle weniger gut weg als Sabrina, folglich muss Caros Darstellerin Eva Herzig (siehe Titelfoto) etwas härter daraufhin arbeiten, Eindruck zu machen. Dies gelingt ihr allerdings nur bedingt, ob als Mutter, Polizistin oder als engagierte Lehrerin: Sie bleibt eben immer nur die Nummer 2 hinter Sabrina / Pajanou. (Immerhin bietet die Rolle eine gewisse Vielfalt.)

Damit steht Eva Herzig fast auf einer Stufe mit allen männlichen Darstellern. Unter Letzteren ragt lediglich der Sprecher von Teflik Güzmal heraus. Teflik wird gemimt und gesprochen von Oktay Özdemir. Man könnte ihn ohne weiteres als Interpreten eines Lexikons von „Kanak-Sprak“ engagieren. Den Akzent hat er jedenfalls voll drauf.

|Musik und Geräusche|

Die Geräusche entsprechen denen im Film und der Zuhörer kann sich ohne weiteres die zugehörige Umgebung vorstellen. Nur an einer Stelle habe ich gerätselt, was das soll. Die Theater-AG übt wieder einmal „Macbeth“. Während im Vordergrund ein Dialog abläuft, ist im Hintergrund undeutlich ein skandierter Sprechgesang zu hören, der zu keiner mir bekannten Stelle in Shakespeares Stück gehört.

Dafür ist die Musik recht eindrucksvoll und passend. Jede Szene hat ja ihre eigene Stimmung und erfordert die entsprechende Instrumentierung. Nach dem rockigen Intro rückt die Musik in den Hintergrund, bis sie sich in Gestalt einer melancholischen Ballade wieder in den Vordergrund drängt. Die akustische Gitarre illustriert Sabrina Trauer überdeutlich. Als Caro bei ihrer Mutter und ihrer Tochter hereinschaut, deutet ein Piano zerbrechliche Emotionen an.

Gleich danach ein harter Kontrast: Auf dem Schulhof feiert das Verbrechen weitere Erfolge. Ein dynamischer Synthesizer sowie eine darauf folgende drum machine evozieren den Adrenalinschub, den das Rauben, Dealen und Zudröhnen den Jugendlichen verschafft. In den weiteren Szenen werden diese Hand voll Musikmotive variiert oder auch nur einfach wiederholt. Sie alle stammen aus dem Hause Horst-Günter Hank und Dennis Kassel, das neuerdings auch für die Produktion von Hohlbeins Hörbuch-Serie „Raven“ herangezogen wurde.

_Unterm Strich_

Diese Hörbuchproduktion hinterlässt bei mir einen zwiespältigen Eindruck. Das Hörbuch an sich ist ausgezeichnet produziert, wozu nicht zuletzt auch die Fernsehvorlage einen wesentlichen Anteil beträgt. Auch der ungeschminkte Realismus hinsichtlich der Darstellung der kriminellen Zustände an der Schule ist zu begrüßen und hat wohl auch die Preisjurys überzeugt.

Was mich jedoch stört, sind eben jene Aspekte an der Handlung, die auf die Genrekonventionen zurückgehen: Da schaltet die Polizistin ihr Handy ab, um sodann ahnungslos in die Falle zu tappen. Und dass das Geständnis des Mörders plötzlich „verschwindet“, ist der romantischen Ansicht geschuldet, Polizisten könnten vor Ort selber Richter spielen, wenn die moralische „Gerechtigkeit“ danach verlangt.

Ansonsten funktionieren einige Spannungseffekte und überraschende Wendungen ausgezeichnet. Dass sich Jens Wahlmann als Mörder outet, nehmen wir ihm natürlich keine Sekunde ab. Aber können wir wirklich sicher sein? Er ist zumindest der Strafvereitelung schuldig, aber auch dafür wird er nicht verknackt. Einen gespaltenen „Helden“ wie ihn muss man einfach lieb haben, gell?

Fortsetzung folgt:

– Doppelter Einsatz Nr. 2: Gefährliche Liebschaften;

– Doppelter Einsatz Nr. 3: Der Fluch des Feuers.

|92 Minuten auf 2 CDs|