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Henning Mankell – Tea-Bag

Erfolgloser Poet bietet Schreibtechnikseminar

Jesper Humlin veröffentlicht genau ein Buch pro Jahr und zwar eine Gedichtsammlung, die sich im Schnitt etwa tausendmal verkauft, doch seinem Verleger ist das nicht mehr genug, er möchte Jesper davon überzeugen, endlich einen Kriminalroman zu schreiben. Dabei ist Jesper doch erfolgreich auf seinem Gebiet, seine Gedichte sind anerkannt und gerade erst ist er von einer monatelangen Südseereise zurückgekommen, die er sich nur durch ein Stipendium finanzieren konnte. Sein wichtigstes Anliegen ist ihm nun eigentlich seine Sommerbräune, die er so lange wie möglich aufrecht erhalten möchte, doch neben seinem unzufriedenen Verleger stellt auch seine Freundin Andrea immer mehr Ansprüche. Sie möchte endlich ein Kind mit ihm und droht mit der Trennung und der Veröffentlichung ihres Privatlebens in Romanform. Es ist nicht so sehr die Angst vor der Trennung, die ihm schwer im Magen liegt, sondern die Möglichkeit, dass Andreas Buch sich besser verkaufen könnte als seine Gedichtsammlung.

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Richard Panek – Das Auge Gottes. Das Teleskop und die lange Entdeckung der Unendlichkeit

Panek Auge Gottes Cover 2004 kleinDas Teleskop sorgte ab 1609 nicht nur für den Blick in die Ferne, sondern setzte auch eine durch Wissen untermauerte und nicht mehr einzudämmernde Entwicklung in Gang, die ein durch die Religion verkrustetes Weltbild durch wissenschaftliche Realität ersetzte … – Dieser dramatische Prozess wird ebenso knapp wie kundig von einem Wissenschaftsjournalisten geschildert. Das scheinbar trockene Thema wird zu einem lebendigen Panorama realer Geschichte: ein Sachbuch mit Vorbildcharakter!

Kleines Rohr mit großer Wirkung

Früher war zwar keineswegs alles besser. Trotzdem ging es in jenen Momenten, in denen Weltgeschichte geschrieben wurde, ein wenig geruhsamer zu. In einer zwar kalten aber klaren Novembernacht des Jahres 1609 war es keine atomspaltende Hightech-Höllenmaschine, die das Universum aus den Angeln hob, sondern eine scheinbar simple Röhre aus Metall, in der zwei Stückchen Glas steckten. Nachdem man diese durch sorgfältiges Schleifen in Linsenform gebracht und in einem gewissen Abstand voneinander innerhalb besagter Röhre befestigt hatte, war ein Instrument entstanden, für das sich alsbald die Bezeichnung „Teleskop“ einbürgerte. „Fern-Sehen” im buchstäblichen Sinne war es, das dem Menschen plötzlich möglich wurde – der Blick auf weit Entferntes, das bisher verborgen und Objekt der Spekulation und des Rätselratens geblieben war.

Dabei galt es zu unterscheiden zwischen dem ‚gewöhnlichen‘ Fernrohr und dem Teleskop. Während ersteres in der Seefahrt oder im Krieg als nützliches Werkzeug sogleich begeistert angenommen und eingesetzt wurde, erschloss sich der Sinn des Teleskops lange Zeit nur einem kleinen Kreis wissenschaftlich interessierter und ausgebildeter Spezialisten. So stark vergrößerten nämlich schon die ersten Teleskope, dass sie für den einfachen Blick in die irdische Nachbarschaft eigentlich unbrauchbar waren. Da der Mensch von Natur neugierig bzw. an seiner Umwelt interessiert ist, war es nur eine Frage der Zeit, bis ein Forscher auf den Gedanken kam, sein Teleskop gen Himmel zu richten.

Auf einen Schlag wurde alles anders. Seit vielen Jahrtausenden beschäftigt sich der Mensch mit den seltsamen Lichtern, die er besonders des Nachts hoch droben am Firmament stehen sieht. Weil er schon immer Ungewissheit hasst und das Spekulieren liebt, bemüht er sich sehr jeher, den Himmel in sein Weltbild zu integrieren. Im christlichen Abendland der frühen Neuzeit war man zufrieden mit dem, was man schon seit der Antike ‚wusste‘: Das Universum war die von Gott als Höhepunkt der Schöpfung geschaffene Erde im und als Zentrum, umkreist von der Sonne, dem Mond und vielen Sternen, von denen man nur wusste, dass sie offenbar klein, kalt und weit entfernt ihre Bahnen zogen und des Nachts dem Reisenden zur Orientierung dienen konnten. So hatte der HERR es eingerichtet, so stand es in der Bibel vermerkt. Kirche, Könige & wer sonst das Sagen hatte auf Erden, war damit zufrieden und achtete darauf, dass diese Welt geozentrisch blieb. Dem Skeptiker musste genügen, dass sich das Establishment inzwischen immerhin dazu bequemt hatte, die Kugelgestalt der Erde als Tatsache anzunehmen.

Jenseits beruhigend überschaubarer Grenzen

Buchstäblich über Nacht war es vorbei mit dem Frieden. Zwar hatte Galileo Galilei (1564-1642), Naturwissenschaftler in der italienischen Universitätsstadt Padua, das Teleskop nicht erfunden. Auch war er nicht der Erste, der damit den Himmel betrachtete. Aber er gehörte zu jenen raren Menschen, denen es in die Wiege gelegt wird, Grenzen zu sprengen und hinter die Kulissen zu blicken. In der eingangs erwähnten Novembernacht schaute deshalb ein Mensch in die Sterne, der nicht nur das Teleskop unter Berücksichtigung bisher wenig bekannter physikalischer Prinzipien entscheidend verbessert hatte, der nicht nur sah und staunte, sondern begriff, was sich in unglaublicher Ferne abspielte. Er war der richtige Mann am richtigen Ort zur richtigen Zeit. In kürzester Zeit entdeckte, erkannte und beschrieb Galilei neue und fremde Welten, schied Planeten von Sternen, identifizierte Monde und begriff die Milchstraße als Ansammlung unendlich vieler Sterne.

Immer neue Sterne fanden Galilei und jene, die es ihm in der nächtlichen Himmelsbeobachtung nachtaten. Das alte Weltbild stürzte ein, als die Erde als Planet und die Sonne als Stern unter Sternen erkannt wurde. Die Einmaligkeit des geozentrischen Sonnensystems konnte nicht länger gehalten werden. Die neuen Erkenntnisse ließen sich nicht in Einklang mit dem biblischen Weltbild bringen. Das war fatal für die Forscher einer Zeit, in der Naturwissenschaftler immer auch Philosophen waren, die ihr Wissen als Teil der von Gott gegebenen Weltordnung betrachteten. Auch Galilei war kein Rebell im Namen der Wissenschaft. Lange Zeit bemühte er sich, seine Beobachtungen ins Gebäude der traditionellen Lehre zu integrieren. Allerdings war dies irgendwann einfach nicht mehr möglich: Was Galilei sah, sprach eine andere Sprache als das, was er zu sehen erwartete und auch sehen sollte. Dies war endgültig der Startschuss zur wissenschaftlichen Revolution, in der er wider Willen eine so prominente Rolle einnehmen würde.

Wissen ist Macht. Kein Wunder, dass es die Diktatoren und selbst ernannten Führer der Geschichte stets sorgfältig unter Verschluss ge- und dem Volk vorenthalten haben. Das Teleskop hat das politische und geistliche Establishment jedoch schlicht überrascht. Es schien nur eine Spielerei zu sein, aber es war tatsächlich das Auge Gottes: Der Mensch konnte ins All blicken, begriff dessen unendliche Weite und wurde sich der eigenen Nichtigkeit bewusst. Vorbei war es mit der eigenen Größe; nicht einmal im eigenen Planetensystem war man mehr Herr im Haus, denn das Teleskop brachte es bald an den Tag, dass sich die Sonne beileibe nicht um die Erde drehte. Stattdessen war es umgekehrt und der Mensch abermals eine Stufe des universellen Throns hinabgepurzelt.

Zäher Kampf um wahre Erkenntnisse

Diese Revolution verlief bekanntlich nicht friedlich. Galileis Schicksal dokumentiert nur eines von vielen Gefechten in diesem Krieg der Weltanschauungen, den die Wahrheit schließlich für sich entscheiden konnte. Wieder trug das Teleskop seinen Teil dazu bei. Wer Augen hatte zu sehen, konnte sich selbst davon überzeugen, dass die ketzerischen Astronomen in der Tat Recht hatten, während die von ihren Gegnern düster prophezeite Anarchie ausblieb. So trugen sie schließlich den Sieg davon und stiegen sogar in eine eigene Forscher-Elite auf: Der nächtliche Sternengucker an seinem Teleskop wurde zum Idol der Massen, die begierig auf neue Sensationen aus dem nahen und fernen All warteten.

Friedrich Wilhelm Herschel (1738-1822), geboren in Hannover aber schon in jungen Jahren nach England emigriert, erntete die Früchte, die Galilei und andere Pioniere gesät hatten. Ihm gelang eine Bilderbuch-Karriere, er wurde in den Adelsstand erhoben und mit Ehren überhäuft. Das Wissen an sich stand nun im Vordergrund; Streit und Kämpfe fanden höchstens in den eigenen Reihen statt, denn auch Forscher sind nur Menschen, die um des Ruhms, der Eitelkeit und des Geldes willen raufen. Das Fundament für das Haus des astronomischen Wissens aber war gelegt, und unter seinem Dach stand das Teleskop, das in den Jahrhunderten nach Galilei imposante Ausmaße angenommen hatte und entsprechend tiefere Einblicke ermöglichte.

Herschel steht für die nächste Stufe der Himmelsforschung: Neben die Suche nach dem Neuen trat die quantitative Auswertung des inzwischen Bekannten. Herschels systematische, sich über Jahrzehnte hinziehende Kartierung des Sternenhimmels ließ einen Sternenkatalog oder Atlas entstehen, der Ordnung in das galaktische Chaos brachte. Der Mensch konnte den Weltraum zwar noch immer nicht bereisen, aber er verirrte sich nunmehr nicht mehr darin, wenn er ihn von der Erde aus musterte – bis sich herausstellte, dass er nur einen mikroskopisch kleinen Teil des Gesamtgefüges kannte. Aktuelle Schätzungen gehen von einem Universum mit 100 Milliarden Galaxien aus, die ihrerseits aus vielen Milliarden Sternen bestehen, um die wiederum Planeten, Monde u. a. Himmelskörper kreisen.

Rekonstruktion des nur scheinbar Selbstverständlichen

Galilei, Herschel, Isaac Newton und anderen Helden der Forschungsgeschichte setzt Richard Panek, Wissenschaftsjournalist für das „New York Times Magazine“ u. a. Zeitschriften ein Denkmal. Der wahre ‚Held‘ ist allerdings jenes Gebilde aus Metall und gläsernen Linsen (später Spiegeln, Parabol- und Deflektor-Antennen etc.), das den Quantensprung des menschlichen Geistes ermöglichte. Eine „Ode an das Teleskop“ nannte die „Berliner Morgenpost“ Paneks Werk (in der Ausgabe vom 11. Oktober 2001).

Wer meint, Sachbücher über ein recht dröges Thema müssten zwangsläufig trocken und langweilig zu lesen sein, wird hier eindrucksvoll eines Besseren belehrt. Panek weiß genau, wie er sein Publikum ködern muss. Virtuos verquirlt er vorzüglich recherchiertes Wissen mit klug ausgewählten historischen Anekdoten zu einem fabelhaft geschriebenen (und übersetzten) Sachbuch. „Gegen den Frost rieb er [F. W. Herschel] sich mit rohen Zwiebeln ein, während sein Atem am Teleskop und die Tinte im Faß gefror …“: Das waren noch Zeiten! Bemerkenswert ist auch die Geschichte des Teleskop-Veteranen George Ellery Hale, der sich in Zeiten übergroßen Forscherstresses von einer Elfe beraten ließ.

Da ist kein Wort zu viel, wird nie der gefürchtete pädagogische Zeigefinger sichtbar, fehlt völlig die erbauliche Verklärung einsam-entschlossener Heroen der Wissenschaft, mit der hierzulande die lesende Jugend gar zu vieler Jahrzehnte für dumm verkauft wurde. Galilei war eben nicht der Cary Cooper der Forschung, der von der bösen Kirche 12 Uhr mittags in die Kerker der Inquisition geworfen werden sollte. Die geistige Revolution der frühen Neuzeit fand auf einem ganz anderen Niveau statt. Sie zu veranschaulichen ist keine leichte Aufgabe, denn die Prozesse, die dabei abliefen, waren höchst komplex, Aber Panek schafft es mit Leichtigkeit und bereichert das gar nicht so breite Spektrum von Sachbüchern, die man gern liest, weil sie ebenso kompetent wie leicht verständlich – den echten Fachmann erkennt man daran, dass er sich nicht hinter Fachausdrücken & Zitaten verstecken muss – die Welt als Wundertüte der Natur schildern und jene, die wissen wollen, wie sie denn tickt, in ihren Bann ziehen.

Taschenbuch: 197 Seiten
Originaltitel: Seeing and Believing – How the Telescope Opened Our Eyes and Mind to the Heavens (London : Penguin 1998)
Übersetzung: Dieter Zimmer
http://www.dtv.de

Der Autor vergibt: (5.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Herbie Brennan – Das Elfenportal (Faerie Wars 1)

Henry glaubt nicht an Elfen. Er ist schließlich schon vierzehn! Früher, vor unendlich langer Zeit, als er noch ein Kind war – damals glaubte er die Geschichten über kleine, geflügelte Wesen, die guten Menschen drei Wünsche gewährten. Heute glaubt er nicht mehr an sie. Doch was, wenn ihm ein Elf begegnet?

Der Autor

Herbie Brennan hat zahlreiche Bücher für Kinder und Erwachsene geschrieben, die in mehr als fünfzig Ländern und in einer Gesamtauflage von über 7,5 Millionen Exemplaren erschienen sind. Nebenbei entwickelt er Spiele und Software und arbeitet fürs Radio. Er lebt in County Carlow in Irland.

Der Inhalt

Der Purpurkaiser herrscht gerecht über das Volk der Elfen. Die Lichtelfen sind zufriedene Untertanen, doch die Nachtelfen scheinen Übles zu planen. Das allein bereitet dem Kaiser schon genug Kopfschmerzen, doch zu allem Überfluss ist sein Sohn Pyrgus, der Kronprinz, verschwunden.

Pyrgus ist ein Tiernarr. Er kann es nicht ausstehen, wenn Tiere gequält werden. So entwendete er den Phönix aus dem Haus Lord Hairstreaks, wobei er unglücklicherweise ertappt wurde. Auf seiner Flucht gelangt er in die Leimfabrik Chalkhill & Brimstone, wo er das nächste erschütternde Erlebnis hat: Die Zauber-Klebe-Formel besteht in einem lebenden Kätzchen, das täglich dem Leim geopfert werden muss! Hier ist also wieder eine Rettungsaktion gefragt – doch diesmal wird Pyrgus prompt von den Wächtern der Fabrik festgenommen, fast zu Tode geprügelt und dem Geschäftsführer – Brimstone – vorgeführt, der gerade einen teuflischen Pakt mit Beleth, dem Fürsten der Dämonen, abgeschlossen hat. Zufälligerweise ist es Pyrgus, den der Dämon als Opfer verlangt, und so kommt Brimstone die Gefangennahme sehr gelegen.

Kurz vor dem Opfergang kommt es zu einem Zwischenfall, der Pyrgus aus dem Dämonenkreis befreit. Bevor Brimstone eingreifen kann, erscheint die Palastwache des Purpurkaisers und eskortiert Pyrgus zum Palast.

Politische Verwicklungen zwischen Licht- und Nachtelfen verlangen höchste Sicherheit für den Kronprinzen, und so soll Pyrgus durch das Elfenportal, das sich im Besitz der Kaiserfamilie befindet, in die Gegenwelt transportiert werden, um dort das Ende der Streitigkeiten zu erwarten. Eine einsame Insel in der Karibik ist das Ziel, doch als man nach gelungenem Transfer überprüfen möchte, ob es dem Prinzen gut geht, ist er nicht auffindbar. Offensichtlich wurde er durch Sabotage an einen anderen Ort befördert …

In der Gegenwelt: Henrys Eltern liegen im Streit. Die Mutter hat eine Affäre mit der Sekretärin ihres Mannes (!), und der soll darum aus dem Familienleben treten. Ob all dieser Ungerechtigkeiten bleibt dem vierzehnjährigen Jungen nur die zeitweilige Flucht. Er geht zu Mr. Fogarty, um dem alten Mann beim Aufräumen seines Hauses oder Gartens zu helfen. Kaum steht er vor dem bruchfälligen Schuppen, als Fogartys Kater einen Schmetterling einfängt. Henry, der sehr tierlieb ist, verbietet dem Kater seine Beute und fördert – keinen Schmetterling zu Tage, sondern ein geflügeltes kleines Menschlein, offenbar ein Elf! Henry glaubt nicht an Elfen, aber er weiß, dass Mr. Fogarty an sie wie auch an Außerirdische und dergleichen glaubt. Also bringt er seinen Fund in die Küche, und mit Hilfe des alten Mannes bringen sie ein Verstärkergerät zustande, das die Stimme des kleinen Wesens hörbar macht.

Henrys Weltanschauung ist über den Haufen geworfen. Es ist tatsächlich ein Elf, und zwar Pyrgus, der Sohn vom Purpurkaiser des Elfenreichs! Ärgerlich für Pyrgus ist, dass der Filter des Portals versagt haben muss und er nun in der lächerlichen Gestalt eines kleinen fliegenden Würmchens in der Gegenwelt ist. Auf jeden Fall ist allen klar, dass Pyrgus so schnell wie möglich in seine Welt zurückkehren muss. Dort steht mittlerweile eine große Konfrontation zwischen Nacht- und Lichtelfen bevor, und auch die Dämonen scheinen einen Plan zu haben …

Kritik

„Das Elfenportal“ mutet erstmal wie ein Jugendroman an – Vierzehnjährige, die in Abenteuer verstrickt werden und das Schicksal der Welt in den Händen halten. Doch Brennan verstrickt in dieser Geschichte Abenteuer gekonnt mit Fantasy, Ironie und Humor, zeigt auf diese Art nicht nur Ausschnitte aus dem – unheimlich vertrauten – Elfenreich, sondern auch Aspekte unserer Gesellschaft, des Familienlebens und des Klischees, dass scheinbar immer die Ehemänner Affären mit ihren Sekretärinnen haben, wenn eine Ehe zu Bruch geht.

Interessant ist auch die Verknüpfung der Elfengeschichte – klein, geflügelt, drei Wünsche – mit dem Außerirdischen-Mythos – dürre, graue, großköpfige Wesen mit riesigen Augen, die Unmengen Amerikaner entführen. Nach diesem Buch wissen wir, woher diese Außerirdischen kommen und was es mit unseren kleinen, niedlichen Elfchen auf sich hat. Und wir haben einen spannenden Einblick in das Leben der echten Elfen bekommen, das sich von dem unsrigen gar nicht so sehr zu unterscheiden scheint. Natürlich gibt es im Elfenreich andere Technik – dort als Magie bezeichnet – und andere Mythen, aber die Wesen scheinen zu fühlen wie Menschen, unabhängig davon, dass sie sich Elfen nennen.

Es hat auf jeden Fall nichts mit den Elben aus Tolkiens „Herrn der Ringe“ zu tun und steht also Abseits der Diskussion, ob die weit verbreiteten Fantasy-Elfen mit Tolkiens Elben identisch sind. Hier handelt es sich tatsächlich um diese kleinen, geflügelten Geschöpfe unserer Märchen, die – wie wir nun wissen – eigentlich gar nicht so klein und schon gar nicht geflügelt sind.

Der Konflikt zwischen Lichtelfen und Nachtelfen sowie den Dämonen ist facettenreich geschildert, und ein Lösungsansatz führt genauso in die Irre wie der nächste. Jede Partei ist überzeugt, die anderen zu durchschauen und hintergehen zu können oder ihnen überlegen zu sein, bis es im Finale zu einer überraschenden Wendung kommt, bei der auch der mysteriöse Mr. Fogarty eine Rolle spielt. Die Geheimnisse, die dieser Mann mit sich herumträgt, tragen allerdings nur noch zu Henrys Verwirrung bei. Ist ihm irgendwann aber auch egal, denn er trifft ja auf Holly Blue, die Schwester von Pyrgus.

Wo wir grad bei den Geschwistern sind: Comma, der Dritte im Bunde, steht nach Pyrgus in der Thronfolge. Und hier sieht man wieder einen Aspekt, der – da nicht eindeutig erwähnt – eventuell aus diesem Buch mehr macht als nur ein Jugendbuch. Mit Ironie wird deutlich, dass Comma zwar auch hintergangen wird, aber als einer der wenigen vom Verschwinden Pyrgus‘ profitiert hätte.

Fazit

Ein schnelllesiges Buch, wenn ich diesen Ausdruck mal kreieren darf. Und wirklich kurzweilig. Wie Mr. Colfer auf dem Umschlag bemerkt, ist dieser Plot durchaus der einen oder anderen Erweiterung fähig. Ein schönes Lesevergnügen, bei dem man nicht selten zum Schmunzeln, aber auch zum Nachdenken angeregt wird. Empfehlenswert – mal wieder für jedermann!

Ein wenig Kritik am Einband: Es prangt das Symbol „dtv premium“ darauf. Aber bezieht sich das nur auf den Inhalt und nicht auf die Verarbeitung? Die Verklebung der Seiten lässt – zumindest bei meiner Ausgabe – doch sehr zu wünschen übrig.

Peter James / Nick Thorpe – Halley, Hünen, Hinkelsteine. Die großen Rätsel der Menschheit

Inhalt:

Ein sechsteiliger Schlag gegen (allzu) lieb gewonnene Rätsel der (Erd-) Geschichte, unterteilt in diverse Unterkapitel, die sich auf bestimmte Favoriten (= Dauerbrenner der Boulevard-Medien in der sommerlichen Saure-Gurken-Zeit) konzentrieren. Sie dienen als repräsentative Beispiele für die jeweiligen Gesamtphänomene, die da wären:

„Versunkene Kontinente und Katastrophen“: Hier lesen wir u. a. über Atlantis, das ‚historische‘ Vermächtnis des Griechen Plato, der sich auf Wolke Nr. Sieben vermutlich totlacht über die monströse Lawine haltloser Spekulationen, die den ‚verlorenen‘ Kontinent der Urzeit völlig ‚logisch‘ an praktisch jedem Ort unseres Globus‘ orten. Dabei ist nie (und für die Atlantis-Jünger glücklicherweise) ein handfester, wirklich glaubhafter Hinweis auf seine Existenz aufgetaucht wäre. James und Thorpe legen sachlich und plausibel dar, wieso dies so ist – so sein muss.

Weiterhin scheuen sie sich nicht, den Kopf in den Rachen gewisser ‚Forscher‘ zu legen, welche die Bibel in den Rang eines Geschichtsbuchs erheben. Die damit verbundenen Schwierigkeiten und haarsträubenden Verbiegungen historischer Tatsachen belegen sie am Beispiel der Suche nach Sodom und Gomorrha. Auch Noahs Arche wurde inzwischen mehrfach erspäht … Wer’s lieber ein wenig sachlicher mag, wird durch die Vorstellung der Polverschiebungstheorie eines Schlechteren belehrt.

„Himmelsbeobachtungen“: Nachdem sich in den vergangenen Jahren immer deutlicher herausstellt, dass die Menschen der Vorzeit keine grunzenden, in Höhlen hausenden Wilde waren, sondern sich bereits die Köpfe über erstaunlich transzendente Themen zerbrachen, sammeln sich die Anhänger jener Theorie, nach der es überall auf dieser Erde ‚Priestergelehrte‘ prähistorischer, hoch zivilisierter, leider fundlos verschwundener Kulturen gab, die ihre Schäfchen schwere Steine zu komplizierten Mustern wuchten ließen, um auf diese Weise den Sternen- und Planetenhimmel abzubilden. Diese Steinzeit und Bibel Astronomie ist geradezu ein Steckenpferd für ‚Historiker‘ geworden, die an eine Vergangenheit glauben möchten, in der die Magie der Natur noch stark war in der Welt.

„Architektonische Wunderwerke“: Hier treffen wir u. a. krypto-historische Dauerbrenner wie Stonehenge, die ägyptischen Pyramiden oder die Steinfiguren der Osterinseln – und jene selbst ernannten Bilderstürmer, die frischen Wind in die etablierte und damit zwangsläufig verkrustete und langweilige Wissenschaft – wozu studieren, wenn man auch spinnen & Fakten klittern kann? – bringen möchten, indem sie beispielsweise „Götter aus dem All“ den Urzeit-Menschen hilfreich zur Hand gehen und prähistorische „Computer aus Stein“ errichten lassen.

„Erdmuster“: Aber ganz ohne eigene seltsame Kraft waren unsere Vorfahren auch nicht. Ohne böse Zivilisation (oder Wissenschaft) hatten sie noch Mutter Naturs Ohr. Ihre prähistorischen Sternwarten, Raumschiffhäfen und Kultstätten (Glastonbury, Somerset, Nazca) vernetzten sie durch „Erdmuster“ (Ley Linien), durch die nicht selten eine Art ätherische Erdstrahlung floss – gleichzeitig eine Art Telefonleitung, über die Geistwesen und/oder Außerirdische den weiter oben genannten Priestergelehrten ihre Anweisungen durchgaben. („Heute nur fünf Jungfrauen opfern.“)

„Original oder Fälschung“ erzählt vom Hang des Menschen, der Wahrheit manchmal etwas nachzuhelfen bzw. sie in eine Gestalt zu zwingen, die der erwünschten Realität (König Artus‘ Grab – endlich gefunden!) oder wenigstens dem eigenen Ruhm zu Gute kommt (Heinrich Schliemann und ‚sein‘ Troja Schatz). Dieses Kapitel verdeutlicht aber auch, dass die Vergangenheit echte Überraschungen birgt (Ötzi, die Mumie, die aus der Steinzeit kam, oder die Schriftrollen vom Toten Meer), die als solche zunächst nicht erkannt werden oder die als ‚unmöglich‘ abgelehnt werden: Die etablierte Forschung kann irren, aber im Gegensatz zur „Voodoo Science“ verfügt sie über Mechanismen der Korrektur, auch wenn‘s manchmal ein wenig dauert.

„Übersinnliches und Archäologie“: Hier wird es endgültig wundersam und wunderlich. Tutanchamuns Fluch kennt sicherlich jede/r, den Fall Omm Seti weniger. Faszinierend auch die Story des „Bundes von Avalon“, der einen Geschichtsforscher quasi exklusiv aus dem Jenseits beriet.

Wie es sich gehört, stehen am Ende unseres Werkes eine Bibliografie (die notgedrungen mit den Jahren an Wert verliert) sowie ein Namens und Sachregister – immer ein Qualitätsmerkmal für ein Sachbuch, mit dem man arbeiten kann. Da ist es fast schon selbstverständlich, dass „Halley, Hünen, Hinkelsteine“ das im Text Gesagte durch zahlreiche Grafiken und (schwarz weiße) Fotos verdeutlicht.

Der Mensch will (Unsinn) glauben

Die einen mögen sie Spielverderber und/oder Knechte der weltumspannenden Verschwörung skrupelloser Politiker, Großkonzerne & Wissenschaftler schimpfen, die uns Bürger dumm und ahnungslos und dadurch leicht regierbar halten sollen, die anderen begrüßen sie als Stimme der Vernunft. Auf jeden Fall gleiten Peter James und Nick Thorpe aufrecht über das Glatteis, auf das sie sich freiwillig begeben haben. In der (guten, alten) gar nicht so lange verstrichenen Zeit nannte man das „Aufklärung“: die sachliche Beschäftigung mit strittigen Fragen der Natur- und Geisteswissenschaft, das Abwägen von Für- und Wider-Argumenten, die Formulierung einer (vorläufigen) Schlussfolgerung auf der Basis der gesammelten und ausgewerteten Fakten.

Dass solche Aufklärung alles andere als langweilig oder gar überholt ist, beweist unser Autorenduo eindrucksvoll. (Vor und frühgeschichtliche) Rätsel verlieren keineswegs ihre Faszination, nur weil keine Besucher aus dem All, Geister oder sonstige esoterische Lichtgestalten hinter ihnen stecken. James und Thorpe beeindrucken durch eine gar nicht selbstverständliche Gabe: Sie können komplexe, oft recht schwer verständliche Themenkomplexe allgemeinverständlich präsentieren.

So reagieren sie auf den oft und mit Recht der Wissenschaft gemachten Vorwurf, bei der Vermittlung des Entdeckten zu knausern bzw. sich in einen Nebel hochgeistiger Formulierungen zu hüllen, der vor allem den Kollegen Wissen und Seriosität suggerieren soll. Gute Sachbücher vermitteln erfolgreich zwischen dem Forscher-Olymp und den akademischen Bergtälern, in denen durchaus interessierte Laien hausen – und sie leuchten in die düsteren Höhlen, welche die Scharlatane beherbergen.

Manchmal verloren auf einem Meer der Dummheit

Dabei trennen James und Thorpe Fakten und Spekulationen voneinander. Ganz so streng geht es trotzdem nicht zu. Zwar behaupten die Autoren u. a., sie wollen in Sachen Rätsel einen Schlussstrich im Jahre 1492 ziehen – Columbus segelt nach Amerika und läutet dadurch quasi die Neuzeit ein -, halten sich aber nicht durchweg daran. Andererseits gehört die Diskussion um das berühmte „Marsgesicht“ durchaus zum Thema, denn gibt es ein besseres Beispiel für die Kapriolen der Selbsttäuschung, die dem menschlichen Geist manchmal unterlaufen?

Die Fülle des vorgestellten Materials bedingt manche Vereinfachung oder Verkürzung – davor warnen die Autoren einleitend selbst -, die hier und da Fehlinterpretationen durch den Leser begünstigt. Troja und seine Geschichte ist ein komplexes Thema, das gerade in den letzten Jahren auf der Basis neuer bzw. neu bewerteter Funde in der wissenschaftlichen Diskussion steht. Diese Autoren legen das Schwergewicht ein wenig zu stark auf den ‚Kriminalfall‘ Schliemann und den mysteriösen, womöglich frisierten Schatz des Priamos.

Den eigenen Prinzipien eindeutig untreu werden James und Thorpe, wenn sie ihrer Begeisterung für Kometen & Meteoriten als Katalysatoren aller möglichen (und unmöglichen) irdischen Umwälzungen ein wenig zu blauäugig nachgehen. Das ist aber der einzige gravierende Vorwurf, den man den Verfassern machen kann, deren Ausführungen man ansonsten mit Vergnügen und Gewinn folgt.

Autoren

Peter James studierte in Birmingham und London Alte Geschichte und Archäologie. Dabei spezialisierte er sich auf den Nahen Osten und den Mittelmeerraum und hier wiederum auf die Bereiche Technik- und Wissenschaftsgeschichte.

Nick Thorpe studierte Archäologie sowie Vor- und Frühgeschichte in Reading und London. Er lehrt am King Alfred’s College in Winchester. Darüber hinaus leitete er mehrere Forschungsprojekte in Großbritannien und Dänemark und verfasste Aufsätze und Bücher über Landwirtschaft, Handwerk, frühgeschichtliche Gesellschaftsformen und Astronomie.

Taschenbuch: 492 Seiten
Originaltitel: Ancient Mysteries (New York : Ballantine Books, a division of Random House, Inc. 1999)
Übersetzung: Annette von Heinz u. Susanne Hornfeck
http://www.dtv.de

Der Autor vergibt: (4.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Joachim Bumke – Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im Hohen Mittelalter

Der zuletzt in Köln Literaturgeschichte des Mittelalters lehrende Professor Joachim Bumke ist jedem Studenten der älteren Germanistik ein Begriff: Seine in der „Sammlung Metzler“ erschienene Einführung in die Epen des Wolfram von Eschenbach („Parzival“) gehört zum unverzichtbaren Standardrepertoire des Studierenden. Dadurch neugierig geworden, habe ich mich auf dieses Buch gestürzt, als die Gelegenheit da war, es zu rezensieren.

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Ulrich Michels – dtv-Atlas Musik (Band 2)

Band 2: Musikgeschichte vom Barock bis zur Gegenwart

Aus Gründen der Zweckmäßigkeit ist nachfolgend die gleiche Textbeschreibung zu finden wie bereits zu Band 1.

Aus der Reihe der beliebten dtv-Atlanten zählt das zweibändige Werk „Musik“ nun bereits seit 25 Jahren zu den festen Größen der musiktheoretischen Veröffentlichungen (Band 1 seit 1977, Band 2 seit 1985; in 14 Sprachen erschienen). Auf insgesamt 600 klein gedruckten Seiten in vom dtv gewohnter ausgezeichneter Papier- und Druckqualität wird ein zwar komprimierter und knapp gefasster, aber gerade dadurch sehr umfassender Rundumschlag mit Überblicken zum systematischen / musiktheoretischen und musikgeschichtlichen Wissen geboten. Jede Themenseite gliedert sich in den eigentlichen, stets gut lesbar strukturierten Sachtext zur rechten und durchgehend mehrfarbige begleitende und gut veranschaulichende Grafiken – mit viel Sorgfalt erstellt und von hohem didaktischen Nutzwert – zur linken Buchseite.

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