Schlagwort-Archive: Fantasy

[NEWS] MICHAEL G. MANNING – Dunkle Götter (Der Bund 2)

Bei Piper erscheint der zweite Band von „Der Bund“ von Michael G. Manning: „Dunkle Götter“.

Michael G. Mannings High-Fantasy-Trilogie um den jungen Magier Mordecai und dessen Kampf gegen die »Dunklen Götter« findet seine spannende Fortsetzung: Nach dem Sieg über Lord Devon tritt Mordecai das Erbe seiner Väter an – nicht ahnend, welche Mächte er damit herausfordert! Magie ist eine Gabe und eine Bürde zugleich. Ihr Erbe birgt schillernde Macht und dunkelsten Wahnsinn. Dies muss auch der junge Mordecai erfahren, der sich plötzlich im Zentrum der Geschicke des Reiches befindet. Ein Reich, das droht, der Finsternis anheimzufallen. Könige wie Götter möchten ihn gerne auf ihrer Seite wissen, doch Mordecai merkt schnell, dass er niemandem trauen kann. Nicht einmal seinen Freunden. Und auch nicht sich selbst … Düsterer, gewaltiger, komplexer: Michael G. Manning setzt nicht nur sich selbst neue Maßstäbe – es gelingt ihm, dem Genre der traditionellen Fantasy neue Magie einzuhauchen!
(Verlagsinfo)

Broschiert, 480 Seiten
Originaltitel: The Line of Illeniel

Der Verlag bietet unter dieser Adresse eine Leseprobe an.

[NEWS] SIRI LINDBERG – Nachtlilien

„Nachtlilien“ von Siri Lindberg gibt es bei Piper jetzt auch als Taschenbuch.

Für Jerusha liegen Liebe und Tod nahe beieinander: Denn ein Fluch zwingt sie dazu, jeden zu verraten, in den sie sich verliebt. Doch als sie auf Kiéran trifft, fällt sie die Entscheidung, den Bann zu brechen. Auch wenn es sie das Leben kosten könnte … Seit Generationen lastet auf der Familie der jungen Jerusha ein schrecklicher Fluch: Alle Frauen sind dazu verdammt, den Menschen zu verraten, den sie am meisten lieben. Jerusha droht das gleiche Schicksal, als sie Kiéran begegnet, einem Krieger, der nach einer schweren Schlacht erblindet ist. Jerusha verliebt sich in ihn, doch sie will ihn auf keinen Fall ins Unglück stürzen. Aber ist es richtig, der wahren Liebe für immer zu entsagen? Oder ist es Zeit, eine Entscheidung zu treffen, auch wenn es die mutigste und gefährlichste ihres Lebens sein wird? Siri Lindbergs Debüt »Nachtlilien« lässt einen nicht mehr los – romantisch, spannend und fesselnd wie ein gefährlicher Liebesbann.
(Verlagsinfo)

Taschenbuch, 592 Seiten

Der Verlag bietet unter dieser Adresse eine Leseprobe an.

[NEWS] RICHARD SCHWARTZ – Die Festung der Titanen (Die Götterkriege 4)

Bei Piper erscheint der vierte Band der Reihe „Die Götterkriege“ von Richard Schwartz: „Die Festung der Titanen“.

Endlich setzt Richard Schwartz seine hochgelobte Saga »Die Götterkriege« fort – diesmal sieht sich Havald, der Engel des Todes, seiner dunkelsten Bedrohung gegenüber: Der Feind hat einen raffinierten Plan entworfen, um den vernichtenden Angriff Thalaks auf die sieben Reiche vorzubereiten. An der Festung der Titanen soll ein Wettkampf entscheiden, wer die Krone der Vergessenen gewinnt und damit die Barbaren der Ostmark anführt. Bis dahin herrscht Waffenstillstand, doch während der Nekromantenkaiser nach einem alten Artefakt gräbt und Havalds Verbündete sich gefährlichen Intrigen aussetzen müssen, steht die wahre Bedrohung noch bevor. Denn Havald ahnt nicht, welch schreckliches Verhängnis der letzte Gegner des Wettkampfes für ihn bereithält – und dass ein tiefes Dunkel in seiner eigenen Seele auf den Moment wartet, um auszubrechen …
(Verlagsinfo)

Taschenbuch, 400 Seiten

Der Verlag bietet unter dieser Adresse eine Leseprobe an.

Garth Nix – Goldener Sonntag (Die Schlüssel zum Königreich 7)

Tag Nr. 7: Das Finale ist erreicht!

Eigentlich ist Arthur Penhaligon kein Held. Genau genommen, ist ihm sogar ein früher Tod vorherbestimmt. Doch dann rettet ihm ein geheimnisvoller Gegenstand das Leben: Er sieht aus wie ein Uhrzeiger und wird von seltsam gekleideten Männern als „Schlüssel zum Königreich“ bezeichnet.

Doch zugleich mit dem Schlüssel erscheinen bizarre Wesen aus einer anderen Dimension, die ihn um jeden Preis zurückgewinnen wollen. In seiner Verzweiflung wagt es Arthur, ein geheimnisvolles Haus zu betreten – ein Haus, das nur er sehen kann und das in andere Dimensionen führt. Dort will er nicht nur sein wahres Schicksal erkennen, sondern auch sieben Schlüssel besorgen …

Sechs Schlüssel hat Arthur bisher aus den magischen Reichen erobert. Doch als er in seine eigene Welt zurückkehren will, stellt er fest, dass die Macht von Lord Sonntag seine eigene übertrifft – er landet in dessen Unvergleichlichen Gärten in Gefangenschaft…

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[NEWS] DANIEL LOY – Das Schwert des Sehers

Der Schwertkämpfer Dauras hat eine schwierige Aufgabe zu erfüllen: „Das Schwert des Sehers“ von Daniel Loy erscheint bei Bastei Lübbe.

Dauras ist eine Legende unter den Schwertkämpfern. Er führt die Klinge mit übermenschlicher Schnelligkeit. Aber Dauras ist auch von Geburt an blind. Allein die magische Gabe des „Sehens“ ermöglicht ihm, ohne Nachteile zu kämpfen. Jahrelang lebte er von illegalen Beutezügen, doch nun hat das Schicksal ihn für eine höchst ehrenvolle Aufgabe ausersehen: Er soll die neue Thronerbin wohlbehalten zu ihrem Thron bringen. Quer durch ein Land, das von Todfeinden der Prinzessin nur so wimmelt.
(Verlagsinfo)

Taschenbuch, 496 Seiten
Ab 12 Jahren

Der Verlag bietet unter dieser Adresse eine Leseprobe an.

Anstiftung zum Selberdenken. Interview mit Ralf Isau

Ralf Isau (c) Isabelle Grubert
Ralf Isau (c) Isabelle Grubert

Buchwurm.info: Lieber Ralf, wie geht es Dir? Wo bist Du?

Ralf Isau: Danke, mir geht es gut. Ich bin gerade überall und nirgendwo. Kürzlich hat mich das „Haus der Technik“ in Essen zum Botschafter für den Deutschen Weiterbildungspreis ernannt. Mitte März ging es zur Buchmesse nach Leipzig. Und im Mai fliege ich nach Südkorea. Ich darf am Changwon International Children’s Literature Festival 2013 teilnehmen. An der Uni von Changwong halte ich eine Vorlesung zur deutschen Kinder- und Jugendliteratur im Allgemeinen sowie der Phantastik von Michael Ende und Ralf Isau im Besonderen. Anschließend geht es zum Goethe-Institut nach Seoul. Du siehst, ich bin ein Globetrotter in Sachen Literatur.

Manche Leser kennen Dich und Deine zahlreichen Werke noch nicht. Stell Dich doch bitte ein wenig selbst vor.

Ich bin Baujahr 1956, in Berlin geboren. Seit 30 Jahren lebe ich mit meiner Frau Karin in der Nähe von Stuttgart. (Eine ausführliche, mit Fotos dokumentierte Biografie findet sich unter der URL http://www.isau.de/vita.html.) Bücher der Phantastischen Literatur veröffentliche ich seit 1994. Alles begann mit dem „Drachen Gertrud“, einem Kinderbuch, das ich Michael Ende schenkte. Es hat ihm gefallen und er empfahl mich seinem Verlag. Seitdem sind fast 40 Bücher entstanden, fast alle im Genre der Phantastik. Viele davon wurden ins Ausland verkauft, in 14 verschiedene Länder. Mein neuer All-age-Roman „Die Masken des Morpheus“ erscheint am 18. März beim Verlag CBJ. (Mehr zum Roman ist unter http://www.isau.de/werk/masken.html nachzulesen.)

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Michael Scott – Der dunkle Magier (Die Geheimnisse des Nicholas Flamel 2)

Die abenteuerliche Jagd nach dem magischen Buch, mit dem allein Nicholas Flamel sich seine Unsterblichkeit erhalten kann, geht weiter! Flamel und die Zwillinge Josh und Sophie sind nun in Paris gelandet, der Geburtsstadt Flamels. Nur ist Nicholas´ Heimkehr alles andere als friedlich, denn Dr. John Dee – der dunkelste aller dunklen Magier – hat in Paris in dem skrupellosen Niccolò Machiavelli einen gefährlichen Verbündeten. Dee und Machiavelli beschwören nicht nur alle Mächte der Unterwelt, es gelingt ihnen auch noch, Josh auf ihre Seite zu ziehen und Zwietracht zwischen den Zwillingen zu säen. Höchste Zeit, dass Sophie in der zweiten magischen Kraft ausgebildet wird: der Feuermagie. Und es gibt nur einen in Paris, der sie darin ausbilden kann: der Graf von Saint-Germain – Alchemist, Abenteurer und Geheimagent! (Verlagsinfo)

Das Buch eignet sich für jugendliche Leser ab 14 oder 15 Jahren, aber mein zwölfjähriger Neffe hat damit ebenfalls keine Schwierigkeiten.

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[NEWS] WOLFGANG HOHLBEIN: Pestmond

Neues von Wolfgang Hohlbein: „Pestmond“ erscheint bei Egmont LYX.

In Ägypten verliert sich die Grenze zwischen Leben und Tod, und Andrej muss sich einem neuen Feind stellen: Abu Dun! Wie ein Dämon fährt der Nubier in die Reihen des Sultans und seiner Gegner. Erst als Unschuldige sterben, kann Andrej ihn von der dunklen Seite zurückholen, und gemeinsam verfolgen sie die zwischen den Fronten stehende Murida, die inzwischen das Land verlassen hat und nach Norden flieht. Als ihr Andrej und Abu Dun folgen, ahnen sie nicht, dass Murida nicht Rettung, sondern Verderben bringt – und dass nicht nur für sie selbst, sondern auch für die Kinder einer ganzen Stadt …
(Verlagsinfo)

Gebundene Ausgabe, 500 Seiten

Der Verlag bietet unter dieser Adresse eine Leseprobe an.

John Norman – The Totems of Abydos

Entdeckungen im Urwald: Totems, Monster, Wandlungen

In der fernen Zukunft besuchen zwei Anthropologen den abgelegenen Planeten Abydos. Die zwei sind sehr verschieden: Was dem älteren Rodriguez selbstverständlich erscheint, schockiert den jungen Brenner zutiefst. Beispielsweise menschliche Frauen, die sexuelle Bedürfnisse haben und quasi in Leibeigenschaft gehalten werden.

Aber die zwei Forscher sind hier, um die einheimische Spezies der Pons zu untersuchen. Diese hat sie eingeladen, sie in den tiefen Wäldern von Abydos zu besuchen. Was die Forscher vorfinden, ist eigentlich schon vordekretiert worden, doch als sich die Ereignisse bei den Pons überstürzen, erhalten die beiden Forscher eine Erkenntnis, die die Heimatwelt des menschlichen Sternenimperiums erschüttern würde …
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[NEWS] STEFANIE SIMON: Feuer der Götter

Fantasy bei Knaur: „Feuer der Götter“ von Stefanie Simon.

Als der jungen Naave eines Tages ein waschechter Feuerdämon gegenübersteht, gefriert ihr buchstäblich das Blut in den Adern. Denn Feuerdämonen sind die gefährlichsten Geschöpfe der Welt, das weiß Naave aus schmerzlicher Erfahrung – schließlich tötete eines dieser Wesen ihre Mutter. Allerdings scheint dieser spezielle Feuerdämon verletzt zu sein, denn er bricht vor ihren Augen bewusstlos zusammen. Äußerst widerwillig hilft sie dem Fremden, nicht ahnend, dass sie damit Ereignisse auslösen wird, die ihre Welt von Grund auf verändern werden.
(Verlagsinfo)

Taschenbuch, 432 Seiten

Der Verlag bietet unter dieser Adresse eine Leseprobe an.

[NEWS] JACKSON PEARCE: Drei Wünsche hast du frei

„Drei Wünsche hast du frei von Jackson Pearce gibt es bei Knaur jetzt auch als Taschenbuch.

Als Viola von ihrem Freund verlassen wird, bricht für sie eine Welt zusammen. Sie wünscht sich nichts mehr, als wieder glücklich zu werden – und beschwört so ver­sehentlich einen Dschinn herbei. Er ist jung, er sieht gut aus … und er ist furchtbar schlecht gelaunt, denn er hält Menschen für ungemein nervtötend. Aber bevor er in seine Heimat zurückkehren kann, muss er Viola drei Wünsche erfüllen. Und das ist nicht so einfach, wie es sich anhört …
(Verlagsinfo)

Taschenbuch, 288 Seiten

Unsere Rezension zum Buch findet sich HIER!

Der Verlag bietet unter dieser dieser Adresse eine Leseprobe an.

Weitere Bücher von Jackson Pearce bei buchwurm.info:
„Blutrote Schwestern

[NEWS] DAVID BARNETT: Angelglass

Mysteriöse Vorkommnisse in Prag – heute und damals: „Angelglass“ von David Barnett erscheint bei Ueberreuter.

Im Prag der Gegenwart wird ein junger Mann aufgefunden, der offenbar sein Gedächtnis verloren hat. Aufgenommen wird er von Globalisierungsgegnern, die sich auf eine große Protestkampagne zum Weltwirtschaftsgipfel vorbereiten. Im Prag des ausgehenden 16. Jahrhunderts wird ebenfalls ein Mann ohne Gedächtnis aufgefunden und an den Hof König Rudolfs II. gebracht. Der Mann ohne Gedächtnis heißt Poutnik der Wanderer. Wer ist Poutnik? Es stellt sich heraus, dass in beiden Zeiten nicht weniger als der gesellschaftliche Frieden von ihm abhängt.
(Verlagsinfo)

Broschiert, 363 Seiten

Der Verlag bietet unter dieser Adresse eine Leseprobe an.

Scott, Michael – mächtige Zauberin, Die ( Die Geheimnisse des Nicholas Flamel 3)

_|Die Geheimnisse des Nicholas Flamel|_

Band 1. [„Der unsterbliche Alchemyst“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7702
Band 2. „Der dunkle Magier“
Band 3. _“Die mächtige Zauberin“_
Band 4. „Der unheimliche Geisterrufer“
Band 5: „Der schwarze Hexenmeister“
Band 6: „Die silberne Magierin“ (25.02.2013)

_Flamel Nr. 3: Showdown in Stonehenge_

Der berühmte Alchemist Nicholas Flamel und die Zwillinge Josh und Sophie sind in London gelandet, in der Stadt ihrer erbittertsten Feinde. Alles hängt nun davon ab, ob Josh und Sophie in der dritten magischen Kraft – der Wassermagie – ausgebildet werden können. Der Einzige, der sie darin schulen kann, lebt zwar in London, ist aber völlig unberechenbar: Es ist Gilgamesch, der uralte König, zerrissen vom Wahnsinn. Und die Freunde müssen versuchen, ihre Kräfte wieder mit der Macht der Zauberin zu vereinen – mit den Zauberkräften von Flamels geliebter Perenelle! (Verlagsinfo)

_Der Autor_

Michael Scott ist einer der profiliertesten und erfolgreichsten Autoren Irland und ein international anerkannter Fachmann für mythen- und kulturgeschichtliche Themen. Seine zahlreichen Fantasy- und Science-Fiction-Romane für Jugendliche wie für Erwachsene veröffentlichte er in mehr als zwanzig Ländern. Scott lebt und schreibt in Dublin.

_Was bisher geschah_

Juni 2007. Eigentlich wollten die Zwillinge Sophie und Josh Newman in den Sommermonaten nur ein bisschen Geld verdienen. Josh arbeitet in einer kleinen Buchhandlung und Sophie im gegenüberliegenden Coffee Shop. Als sie bei einem Überfall auf die Buchhandlung dem Besitzer Nick Fleming zur Seite eilen, ahnen sie noch nicht, in welches Abenteuer sie sich begeben. Nick Fleming entpuppt sich als der unsterbliche Alchemyst. Und nun hat jemand den CODEX gestohlen, das er für seine Unsterblichkeit braucht: sein alter Widersacher Dr. John Dee.

Doch Dee handelt im Auftrag der Dunklen Älteren, der Erstgewesenen, die vor Jahrtausenden die Erde beherrschten. Sie wollen sie zurückhaben und die Menschen unterjochen. Was sie brauchen, um Erfolg zu haben, sind die letzten beiden Seiten des CODEX. Die Jagd danach führt nach Paris, wo Nicoló Machiavelli Dr. Dees Verbündeter wird.

Doch Josh und Sophie, die Flamel begleiten, sind Kinder der Prophezeiung, die über schlummernde magische Kräfte verfügen. In Kalifornien wurde Sophies Magie erweckt, in Paris die von Josh. In einem Kampf bei Notre Dame verlieren sie ihre Mitstreiterin Scathach und treten den Rückzug an.

Im dritten Band flüchtet das magische Trio ausgerechnet nach London, die Heimat von Dr. Dee. In England gibt es zahlreiche Dunkle Ältere, Erstgewesene und ihre Diener. Schon in den ersten Stunden ihrer Ankunft müssen sie sich zur Wehr setzen. Doch in London sollen sie das dritte Element der Magie lernen: Nach Luft und Erde ist nun Wasser an der Reihe.

Um die Hintergründe hinsichtlich der Unsterblichen, Erstgewesenen und Dunklen Ältesten zu verstehen, verweise ich auf meinen Bericht zu Band 1.

_Handlung_

Kaum sind Nicholas Flamel, Sophie und Josh Newman in einem Bahnhof von London eingetroffen, als sie auch schon erblickt und beschattet werden. Sophie entdeckt die drei Späher des Feindes zuerst: Sie stinken nach verfaultem Fleisch. „Sie sind Genii Cucullati“, informiert Nicholas und eilt von dannen. Unweit Euston Station gerät das Trio in eine Sackgasse, wo die Genii sie stellen.

Die Verfolger verwandeln sich in Bärenmarder bzw. Vielfraße, bereit, sich auf ihre Beute zu stürzen. Doch sowohl Nicholas als auch Josh verfügen über überraschend wirksame Waffen. Josh hat das Steinschwert Clarenet aus Paris mitgebracht. Eine Berührung damit verwandelt den Getroffenen zu Stein. Doch Nicholas‘ Zauber ist wesentlich raffinierter …

|Unterdessen in Paris|

Dr. John Dee und Niccoló Machiavelli „telefonieren“ mit den Erstgewesenen und Dunklen Ältesten. Jeder der beiden hat einen anderen Gebieter, und die zwei Gebieter sind einander nicht grün. Darin sieht Niccoló, der Intrigant, eine Chance, einen Keil zwischen seine Herren zu treiben und sich selbst einen Vorteil herauszuschlagen. Er soll nach Kalifornien gehen, um dort Perenelle zu erledigen, die sich aus dem Gefängnis von Alcatraz befreien konnte, in das Dee sie steckte.

Dee hingegen soll sich um Nicholas und die beiden Zwillinge kümmern. Die Dunklen Ältesten beginnen, ihre Truppen aus den Schattenreichen und Anderwelten zusammenzuziehen, um für die Invasion der Welt der Sterblichen bereit zu sein: pünktlich zur Sommersonnenwende, also in drei Wochen. Sobald Dee und Machiavelli Erfolg gehabt haben, was sicherlich nur eine Frage von Tagen sein kann. Doch sie sollen sich irren.

|In San Francisco|

Perenelle, Flamels Frau, ist eine mächtige Zauberin. Sie befindet sich immer noch auf dem Eiland von Alcatraz bei San Francisco, in das sie John Dees Schergen verschleppt haben. Doch sie hat sich längst befreien können. Mit einer Erstgewesenen, die als riesige Spinne verkörpert ist, gebietet sie über alle Spinnentiere der Insel. Doch nach all den Angriffen der Gegner ist die Riesenspinne geschwächt. Als der Nächste folgt, vorgetragen von dem Unsterblichen Billy the Kid, spinnt sie daher Perenelle erst einmal in einen Kokon ein …

|London|

Ein dunkelhäutiger Taxifahrer holt das Trio ab. Es handelt sich um den sarazenischen Ritter Palamedes, wie er in den Artus-Epen beschrieben wird. Seine Burg ist als Autofriedhof und Schrottplatz getarnt, der inmitten eines aufgekauften Fabrikareals liegt, das seit 40 Jahren verfällt.

Doch auf welcher Seite steht Palamedes eigentlich, fragen ihn Flamel und Josh. Der einstige Ritter stellt sehr kritische Fragen und klagt Flamel, Joshs Mentor, praktisch des jahrhundertelangen Massenmords an, unter anderem auch an den Schattenreichen. Dabei war es doch Dee, der Hekates Reich zerstörte, indem er das Elementarschwert Excalibur in die Weltenesche Yggrasill stieß.

Wolfshunde mit roten Augen schleichen um das Eingangsportal herum und sehen dabei nicht sonderlich vertrauenerweckend aus. Josh, der vom Gott Mars, der seine Magie erweckte, eine bis dato unerprobte Gabe erhalten hat, berechnet die Vektoren von Geschossen. Ganz automatisch, als wäre er wirklich ein Stratege. Doch Sophie, die die Erinnerungen der Hexe von Endor geerbt hat, hält wenig von solchem Wissen.

Als eine stinkende menschliche Kreatur auf den Vorplatz krabbelt und Flamel anruft, als wäre er ein lange verschollener Freund, löst dies eine Kettenreaktion aus. Palamedes drückt Flamel nieder, der seine Aura aktiviert und das verborgen mitgebrachte Schwert Clarent zückt. „Lauft!“ ruft Nicholas, „es ist eine Falle!“ Josh zwingt Sophie zu ihrem Erstaunen, ihre Aura zu unterdrücken. Auf welcher Seite steht er eigentlich?

Doch Josh hat einen guten Grund für seine Reaktion …

_Mein Eindruck_

Von Palamedes erfahren Josh und Sophie, dass sie zwar die auserwählten Zwillinge aus der Prophezeiung sind – aber keineswegs die Ersten. Nicholas und seine Frau Perenelle haben über die Jahrhunderte schon viele Zwillingspaare gefunden, ausgebildet und in den Kampf gegen die Dunklen Ältesten geschickt. Warum hat man nie etwas von diesen Zwillingen gehört, fragen sich Josh und Sophie.

Palamedes‘ düstere Auskunft lautet, dass sie entweder starben oder wahnsinnig wurden, als die Flamels versuchten, ihre jeweils fünf Mächte zu erwecken. Und ausgerechnet jetzt will Flamel sie zu einem verrückten König namens Gilgamesch bringen, der in ihnen die Macht des Wassers erwecken soll! Man kann sich vorstellen, dass die Zwillinge erhebliche Zweifel hegen, was die Fähigkeiten Gilgameschs angeht.

Doch wie so häufig in diesem Zyklus sorgen äußere Ereignisse dafür, dass ein erheblicher Druck aufgebaut wird, der die Guten dazu zwingt, sich auf solche Risiken einzulassen. Unter dem Druck seiner übernatürlichen Auftraggeber sorgt Dr. Dee dafür, dass mächtige Verbündete der Dunklen Ältesten auftreten, um Flamel und seine Schützlinge in Bedrängnis zu bringen.

In der Mitte kommt es zum ersten Actionhöhepunkt, als einer der ältesten keltischen Götter auftritt: Cernunnos ist der Geweih tragende Gott des Urwaldes – und er hat seine Wilde Jagd mitgebracht. Dies sind die in Wölfe etc. verwandelten Opfer der Wälder, angefangen von den Moorvölkern über die ersten Britonen und Pikten bis zu den Römern und Schotten. Allerdings sind diese Untoten leicht verwundbar: Man muss sie nur mit kaltem Eisen, Stahl oder heiligem Stein berühren, und schon zerfallen sie zu schwarzem Staub.

Auch der Einsatz einer Aura-Kraft kann helfen, besonders gegen Cernunnos. Doch wenn das geschieht, zieht dies nur weitere aura-hungrige Kreaturen an. Man sieht also, dass keiner der Guten seine Aura verschwenden darf. Wenn er oder sie das tut, gerät in Gefahr, sich selbst in Brand zu setzen. Spontane Selbstentzündung ist ja in der menschlichen Geschichte kein unbekanntes Phänomen. Es gibt ein Gleichgewicht der Kräfte, denn jedem Einsatz wohnt das Risiko der Selbstzerstörung inne. Das schiebt allen Allmachtsgelüsten einen Riegel vor.

Das ist letzten Endes der Grund, warum Flamel und seine Getreuen und Schützlinge vor Dee, Cernunnos und ihren Gefolgschaften in Sicherheit bringen müssen. Der Fluchtpunkt heißt Stonehenge, ein uralter Steinkreis auf der Ebene von Salisburg, der – wie der Autor im Nachwort erläutert – in drei Phasen errichtet wurde, denn hier gab es Jahrtausende lang einen heiligen Ort. Flamel muss hier ein Ritual ausführen, um das Fluchtportal zu öffnen. Werden die Kräfte der Zwillinge dafür ausreichen?

|Perenelle|

Dieser Band würde den Titel „Die mächtige Zauberin“ nicht verdienen, wenn die andere Hälfte der Handlung nicht von Perenelle bestritten würde. Auch sie ist ins Visier der Erstgewesenen und Dunklen Ältesten geraten. Diese haben Niccoló Machiavelli in Marsch gesetzt, einen Unsterblichen mit Kräften wie Dr. Dee. Schon 1669 bezwang Perenelle ihn in einem Duell am Fuße des Ätna, der durch die freigesetzten Energien prompt ausbrach. Machiavelli nimmt sich vor, sofort zuzuschlagen, sobald er die Zauberin zu Gesicht bekommt. Doch sie schlägt ihm ein Schnippchen …

_Die Übersetzung _

Bertelsmann alias Random House alias CBJ hat sich bei der Ausstattung der sechs FLAMEL-Bände nicht lumpen lassen. Jede gebundene Ausgabe weist einen Schutzumschlag im Prägedruck auf, der mit Goldfarbe geschmückt ist. Diese Goldfarbe wird für die vier Symbole in den Ecken des Titelmotivs benötigt.

Die Symbolik zieht sich durch bis ins Innere des Buches: Jedes Kapitel ist mit einer von zwei Reihen astrologischer und alchemistischer Symbole geschmückt. Da finden sich die Symbole für Frau/Venus ebenso wie für Mann/Mars oder auch Gold und so weiter. Ich musste an die Elbenschriften in Tolkiens Werken denken.

_Unterm Strich_

Diesmal habe ich wesentlich länger als für den ersten Band gebraucht. Ich habe den 2. Band, der mir zunächst nicht vorlag, übersprungen, und das hat sich als verhängnisvoll erwiesen: Ich war erheblich verwirrt und irritiert. Man muss nämlich die Handlung der Einzelbände wie einen einzigen zusammenhängenden Roman lesen. Diese fünf Kräfte, die in den Zwillingen erweckt werden müssen, geben die Reihenfolge, der man folgen sollte, ebenso vor wie die Ereignisse der Vorgängerbände, auf die nachher ständig verwiesen wird. Kurzum: Man sollte die Bände in der richtigen Reihenfolge lesen.

Dass sich das Handlungsprinzip des ersten Bandes wiederholt, hat nicht gerade zur Spannung beigetragen. Es war klar, dass Dee wieder Verbündete aufbieten würde, um die Zwillinge, Flamel und das Schwert Clarent in die Hände zu bekommen. Ebenso war durch die Fortsetzung klar, dass ihm dies kaum gelingen dürfte. Das gleiche Prinzip gilt auch für Perenelle. Dass ihre jeweiligen Kämpfe für Unterhaltung und Action sorgen würden, ist klar. Aber reicht das als Grund aus, um aus diesen und alle weiteren Bände lesen zu wollen?

Die Dunklen Ältesten werden zunehmend ungeduldig, je näher der 22. Juni, der Zeitpunkt ihrer Rückkehr zur Erde, näherrückt. Dass ihr Diener ständig versagt, die Widersacher, zu beseitigen, macht sie nicht geduldiger, ganz im Gegenteil. Die ständigen Misserfolge zwingen sie zu überstürztem Handeln. Dies wiederum lässt ihre Ängste und Motive sichtbarer werden. Ihre Diener sind ja nicht auf den Kopf gefallen, sondern suchen nach Schlupflöchern, um sich aus der Knechtschaft zu befreien. Die spannende Frage lautet also für alle Beteiligten: Warum haben die Dunklen Ältesten so große Angst vor den Zwillingen und den beiden Flamels?

Um herauszufinden, wie die Antwort auf diese Frage lautet, muss der Leser wohl oder übel die nächsten Bände lesen. Das Finale des gesamten Zyklus kann praktisch nur in einer gigantischen Schlacht gegen die gesammelte Macht der Dunklen Ältesten bestehen. Noch zweifelt der Leser, dass die prophezeiten Zwillinge in der Lage sein werden, diese Schlacht zugunsten der Humani zu entscheiden. Doch je mehr Kräfte in den Zwillinge geweckt werden und je mehr Verbündete sie erhalten, desto besser sieht die Lage für sie aus. Aber was passiert, wenn es Dees geheimnisvollem Oberherrn, der sich bislang verborgen gehalten hat, einfallen sollte, vorher zur Erde niederzusteigen, um die Schlacht vorzubereiten?

Letzten Endes bleibt der Zyklus also doch recht spannend, denn wir wissen nie, welche Widersacher sich vier Zentralfiguren noch entgegenstellen. Sie habe n es geschafft, beinahe Paris in Schutt und Asche zu legen, und auch von Nord-London ließen sie nicht viel übrig. Wir können nur für die nächste Stadt die Daumen drücken, in denen sie Unterschlupf suchen.

|Taschenbuch: 528 Seiten
Originaltitel: The Secrets of the immortal Nicholas Flamel – The Sorceress (2009)
Aus dem Englischen von Ursula Höfker
ISBN-13: 978-3570401040|
http://www.randomhouse.de/cbjugendbuch

_Michael Scott bei |Buchwurm.info|_
[„Der unsterbliche Alchemyst“(Lesung)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4760

Nix, Garth – Mächtiger Samstag (Die Schlüssel zum Königreich 6) (Hörbuch)

_|Die Schlüssel zum Königreich|:_

01 [„Schwarzer Montag“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3719
01 [„Schwarzer Montag“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3172 (Hörbuch)
02 [„Grimmiger Dienstag“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3725
02 [„Grimmiger Dienstag“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4528 (Hörbuch)
03 [„Kalter Mittwoch“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4242
03 [„Kalter Mittwoch“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5101 (Hörbuch)
04 [„Rauer Donnerstag“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4831
04 [„Rauer Donnerstag“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5051 (Hörbuch)
05 [„Listiger Freitag“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5626
06 _“Mächtiger Samstag“_
07 „Goldener Sonntag“

_Die Erstürmung des Himmels: Arthurs sechste Station_

Arthur Penhaligon war eigentlich dem Tod geweiht. Doch man ließ ihn nicht sterben, sondern erlegte ihm eine schier unlösbare Aufgabe auf: Er muss sieben Schlüssel zum Königreich von sieben Erzfeinden besorgen. Arthur Penhaligon, Held wider Willen, hat Großes geleistet: Fünf Gegner sind besiegt und mussten ihre Schlüssel an ihn abgeben.

Nun ist nach fünf Abenteuern die Jagd auf den Schlüssel der mächtigen Lady Samstag dran. Sie ist die älteste Bewohnerin und größte Zauberin des HAUSes, und sie befehligt unzählige Magier. Ehe Arthur sich’s versieht, muss er an allen Fronten kämpfen: Das Nichts droht, das HAUS aufzulösen, Arthurs Mutter ist verschwunden. Seine Heimatstadt wird angegriffen. Er kann nicht einmal in das anscheinend uneinnehmbare Ober-HAUS gelangen – und selbst wenn: Den sechsten Schlüssel zu erobern ist vielleicht nicht ausreichend, um die zaubernden Horden von Lady Samstag und ihr Streben nach der absoluten Macht aufzuhalten … (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab zehn Jahren.

_Der Autor_

Garth Nix wurde 1963 in Melbourne / Australien geboren. Nach seinem Studium arbeitete er in einer Buchhandlung, später als Verleger, Buchhandelsvertreter, Zeitungsredakteur und Marketingberater. Seit 2002 bestreitet er seinen Lebensunterhalt ausschließlich als Autor. Er lebt heute mit seiner Frau, einer Verlegerin, und seinem Sohn in einem Vorort von Sydney. Zu seinen bekanntesten Büchern gehört die „Abhorsen“-Trilogie, die komplett bei Carlsen und Lübbe erschienen ist („Sabriel“, „Lirael“, „Abhorsen“).

_Der Sprecher_

Oliver Rohrbeck, geboren 1965 in Berlin, ist Schauspieler und Synchronsprecher. Er ist bekannt für seine Sprechrolle als Justus Jonas in der Hörspielserie „Die drei Fragezeichen“. Als Sprecher synchronisierte er Hauptrollen in vielen Filmen und ist die deutsche Stimmbandvertretung von Ben Stiller.

Rohrbeck liest eine von Frank Gustavus gekürzte Fassung. Regie führte Kerstin Kaiser, die Aufnahmeleitung hatte Christian Päschk. Die Musik steuerte Andy Matern bei.

_Der Komponist_

Andy Matern wurde 1974 in Tirschenreuth, Bayern geboren. Nach seiner klassischen Klavier-Ausbildung arbeitete er einige Jahre als DJ in Clubs. Seit 1996 ist er als freiberuflicher Keyboarder, Produzent, Remixer, Songwriter und Arrangeur tätig. Er kann trotz seiner jungen Jahre bereits mehr als 120 kommerzielle CD-Veröffentlichungen vorweisen. Darunter finden sich nationale und internationale Chart-Platzierungen mit diversen Gold- und Platin-Auszeichnungen.

Bereits Andy Materns erste Hörbuch-Rhythmen erreichten schnell Kultstatus bei den Fans und der Fachpresse. Durch seine musikalische Mitarbeit wurde „Der Cthulhu Mythos“ zum besten Hörbuch des Jahres gewählt (Deutscher Phantastik Preis 2003). Andy Matern lebt und arbeitet in München. (Verlagsinfos)

_Der Hintergrund _

Gepriesen sei die Architektin! Sie schuf die wahre Welt, das HAUS. Dies ist der Mittelpunkt aller Schöpfung, das Königreich aller Realität. Es ist eingeteilt in die sieben Wochentage von Montag bis Sonntag, und diese wiederum sind in jeweils zwölf Stunden eingeteilt. Minuten- und Stundenzeiger sind die Insignien eines jeden Tages – und mächtige Instrumente.

Rundherum liegen die sekundären Reiche, zu denen auch unsere bescheidene Welt zählt. Und SIE ließ alles darin archivieren. Als SIE sah, dass es gut war, verabschiedete SIE sich, hinter ließ jedoch das VERMÄCHTNIS, in dem sie bestimmte, dass nur Sterbliche das Königreich erben können. Das VERMÄCHTNIS besteht vollständig aus Text, wie sich denken lässt. Doch die sieben Treuhänder vollstreckten das VERMÄCHTNIS nicht, sondern teilten sich die Macht in ihren sieben Herrschaftsbereichen. Das VERMÄCHTNIS teilten sie in sieben Stücke, von denen jedes woanders versteckt wurde.

Eines Tages begab es sich, dass das Bruchstück von MONTAG, ein auf einem toten Stern in Glas versiegelter Kristall, der von metallischen Wächtern bewacht wurde, von einem Inspektor des ARCHIVs begutachtet wurde. Die Wächter, nach Äonen des Wachens müde geworden, meldeten dem Inspektor keinerlei besondere Vorkommnisse. Doch als er sich die Nase putzte, bemerkte er aus dem Augenwinkel ein kleines flinkes Etwas vorbeihuschen. Nein, dachte er, ich muss mich getäuscht haben.

Doch er hatte sich nicht getäuscht: Ein kleines Stück VERMÄCHTNIS-Text bemächtigt sich jedoch der Transferplatte, mit der er vom ARCHIV gekommen ist, und verschwindet damit. Oh-oh, denkt der Inspektor. Damit hat er Recht. Wenig später kommen zwei großmächtige Herren, die Silberstöcke tragen. Sie sagen, sie kämen von einem, der sogar noch höher stehe als MONTAG. Oh-oh, denkt der Inspektor. Das gibt großen Ärger.

_Handlung_

|Lady Samstag|

Lady Erhabener Samstag überblickt ihre Domäne. Sie steht in ihrem gläsernen Büro auf der Spitze eines sechs Kilometer hohen Turmes auf Bürozellen. An diesem Turm wird seit rund zehntausend Jahren gebaut, und sein Ziel ist unübersehbar: der Boden der Domäne von Lord Sonntag. Dessen unvergleichliche Gärten, gestützt von vier riesigen Bäumen, haben an ihrer Unterseite eine Schwachstelle, durch die Lady Samstag mit einem Sturmbock stoßen will, um seine Domäne zu erobern. Denn diese, so behauptet sie, stehe rechtmäßig ihr zu.

Ihr Verwalter, Abenddämmerung, tritt vor, um Bericht zu erstatten. Das vorrückende Nichts habe bereits die Fernen Weiten und das Untere HAUS verschlungen, es schicke sich nun an, das Mittlere HAUS anzugreifen. Lady Samstag ist sich der Präsenz des Thronanwärters namens Arthur Penhaligon wohl bewusst, und auch der Pfeifer, der Thron Sohn der ARCHITEKTIN, hat Absichten auf ihre Herrschaft. Doch Arthur befindet sich noch in den Sekundären Reichen der Sterblichen. Die Herrscherin befiehlt die Beseitigung der Kinder des Pfeifers und den Angriff auf Sonntags Domäne in vierzig Minuten, also exakt um Mitternacht.

|Arthur|

In den Sekundären Reichen, die unserer bekannten Welt entsprechen, stehen die Dinge nicht zum Besten. Arthur hat zwar Dr. Freitag besiegt und zahlreiche Schläfer aus ihrem HAUS befreit. Doch wohin mit 2000 Schlafenden? Seine Freundin Blatt und er sind ratlos. Martine, die Assistentin von Lady Freitag, hilft ihnen.

Da ruft Erasmus, Arthurs ältester Bruder, an: Alle sollten spätestens in zehn Minuten in einen Bunker oder tiefen Keller. Der Grund: Das militärische Oberkommando hat beschlossen, den „Seuchenherd“ zu beseitigen und will dann vier Atombomben auf das östliche Krankenhaus abwerfen! Arthur befindet sich davon nur einen Kilometer entfernt. Was soll er tun? Er nimmt seinen fünften Schlüssel und verhängt einen Zeitstopp über seiner Stadt, der sie wie eine Blase schützt. Die Uhrzeiger bleiben bei 23:57 Minuten stehen. Aber für wie lange?

|Im HAUS|

Er öffnet ein Portal zum Haus und begibt sich in Lord Montags Thronsaal. Doch auch dorthin ist das Nichts bereits vorgedrungen. Er gebietet ihm Einhalt, und die Nichts-Woge bleibt stehen. Er braucht einen Ratgeber: Dr. Skamandros. Er transferiert dorthin und findet ihn im Kohlenkeller, während hinter ihm das Nichts das Untere HAUS verschlingt. Dr. Skamandros rät ihm zu einem Besuch beim ALTEN, der an eine riesige Uhr gekettet sei. Doch der ALTE fragt ihn nur, was Arthur eigentlich wolle, wenn er das Erbe der ARCHITEKTIN antrete. Eines ist klar: Arthur ist bereits zu sechs Zehnteln ein unsterblicher Bürger des HAUSes.

Er transferiert mit Skamandros zur Zitadelle in der vierten Domäne. Hier hält DAME PRIMUS die Stellung für ihn, besitzt sie doch die anderen vier Schlüssel. Die große Machtfülle macht sie hochnäsig. Sie verplappert sich sogar: Die Vernichtung des HAUSes, so hoffe, sie, werde verzögert. Arthur beharrt auf dem Aufhalten der Zerstörung. Nach einigen Debatten einigen sie sich darauf, dass sie sich teilt, um andere Aufgaben zu erledigen, während er sich zu Samstags Domäne aufmacht, um der Lady ihren Schlüssel und den sechsten Teil des Vermächtnisses abzunehmen. Lord Sonntag hat sich in einem Brief an Arthur für neutral erklärt.

|Die Domäne von SAMSTAG|

Das Pfeiferkind Susi Blau begleitet ihn, und mit ihr und einer zur Intelligenz erhobenen Ratte namens Stachelborste gelangen sie unentdeckt in die untersten Tiefen der sechsten Domäne. Dr. Skamandros hat ihm ein Schutz-Etui für den fünften Schlüssel gegeben. Überall lauern hier Wachtzauberer darüber, dass kein Unbefugter Magie einsetzt.

Mit Stachelborstes Hilfe verkleiden sich Arthur und Susi in Pfeiferkinder, die als „Schmieraffen“ für alle technischen Arbeiten am hohen Turm von Lady Samstag zuständig sind. Eine Transportkette bringt sie aus dem Untergrund an die Erdoberfläche der Domäne. Hier trifft ihn der Regen, der ständig fällt, zum ersten Mal, und erstmals hört er die Stimme des Vermächtnisses in seinem Kopf. Es ruft ihn, damit er es findet. Aber noch stellt er keinen Zusammenhang zwischen der Stimme und dem Regen her, das wäre ja auch zu unwahrscheinlich. Doch nach dem dritten Ruf ist die Schlussfolgerung unausweichlich: Er muss das Becken finden, wo sich der unablässige Regen sammelt.

Dem schiebt Alice, die Truppführerin der Schmieraffen, entschieden einen Riegel vor. Sie will ihr Leben noch eine ganze Weile behalten und kann mit Verrätern oder Spionen rein gar nichts anfangen. In letzter Sekunde entdeckt er Alices Verrat. Doch die Wachtzauberer werden auf ihn aufmerksam, als er den fünften Schlüssel einsetzt …

|Zeitstopp|

Unterdessen bemerkt Blatt im Krankenhaus, dass der Minutenzeiger der Uhr im Krankenhaus um eine Minute vorgerückt ist. Martine ist aus Angst vor dem Ende geflohen. Wie soll sie, Blatt, alleine 2000 Schläfer in eine atombombensichere Unterkunft bringen? Da erschüttert ein Beben das Krankenhaus. War das die Bombe – oder etwas aus dem HAUS?

_Mein Eindruck_

Die Story braucht diesmal einen langen Anlauf, um so richtig in die Gänge zu kommen. Arthur braucht beine Weile, um die wahre Lage der Dinge herauszubekommen, sowohl im HAUS, dessen Bürger er wird, aber auch in seiner Heimat. Ob der Zeitstopp, den er als Magier dort bewirkt, wirklich hält? Wir wagen es zu bezweifeln. Und als verlautet, dass der Pfeifer im HAUS eine Nichts-Bombe gezündet habe, kommt der Verdacht auf, dass es einen Zusammenhang geben könnte. Doch Arthurs Showdown mit dem Pfeifer lässt bis Band 7 auf sich warten.

Spannender ist da schon Arthurs Vordringen in Samstags Herrschaftsbereich. Die Domäne wird von einem babylonischen Turm beherrscht, der nichts weniger als die Eroberung des Himmels zum Ziel hat, nämlich die Domäne von Lord Sonntag. Die Parallele zum Alten Testament ist unübersehbar. Doch hier herrscht kein „babylonisches Sprachengewirr“, sondern eine streng überwachte Hierarchie: Die Bürger-Magier auf der einen Seite, die Pfeiferkinder auf der anderen.

Eine Sache, die Arthur und Susi beträchtlich hilft, ist der Umstand, dass den Pfeiferkindern von den Bürgern regelmäßig das Gedächtnis „geschrubbt“ wird. Wenn sie also keine Ahnung von ihrem neuen Job haben, lässt sich das ganz leicht entschuldigen. Doch sobald er seinen fünften Schlüssel einsetzt, um sich eines misstrauisch gewordenen Bürgers zu erwehren, ergreift die Bürokratie Gegenmaßnahmen. Zu seinem Glück verkündet Lady Samstag in dieser brenzligen Lage die Endphase des Angriffs auf Sonntags Domäne.

Dass sich der sechste Teil des Vermächtnisses im Regen verbirgt, der à la „Blade Runner“ fortwährend fällt, habe ich schon erwähnt. Doch welche Endform das Vermächtnis besitzt und wie es ihm helfen kann, soll hier nicht verraten werden. Richtig gut wie das Finale: Der „Sturmbock“ schlägt ein, und die Eroberungsschlacht um Lord Sonntags Domäne ist schnell in vollem Gang. Dessen Verteidiger sind ungewöhnlich: Insekten und Würmer. Arthur ist nun scharf auf Lady Samstags Schlüssel …

_Der Sprecher_

Oliver Rohrbeck ist ja schon ein alter Hase im Synchronsprechergeschäft und in Sachen Hörspielserie (s. o.). Seine „normale“ Stimme eignet sich gut für Kinderstoffe, also Märchen, Fantasy und ähnliches, denn sie erklingt nicht besonders tief oder autoritär, ist also sympathisch. Jedenfalls alles andere als furchteinflößend, schon gar nicht, wenn er mit der hohen Stimme einer weiblichen Figur spricht, oder sich gestelzt und hochnäsig ausdrückt, etwa als Dame Primus. Vielfach erklingen im Turm Meldungen, Berichte und Befehle, die alle sehr autoritär und streng daherkommen. Diesmal ist für zwischenmenschliche Gefühle kaum Platz.

Doch da es in der Geschichte einige bedrohliche Situationen darzustellen gilt, muss Rohrbeck zu ein paar Hilfsmitteln greifen. Er kann ohne Weiteres seine Stimmlage absenken, um autoritär zu wirken, er kann sie aber auch verzerren, denn mehrfach wird durchs Telefon gesprochen. Und wenn die Figuren denken, so spricht er mit einem deutlichen Halleffekt und mit doppelter Stimme. Das sollte jedem jungen Zuhörer klarmachen, dass im Augenblick nicht laut geredet wird.

|Geräusche|

Die Tonregie hat diesmal eine Unmenge von Geräuschen hinzugemischt. Dazu gehören vielfach metallische Sounds und das Zischen von Dampf – Samstags Domäne ist vollmechanisiert. Im Finale sind vielfach Knalle, Kampfgeräusche und ein Donnern zu hören. Sind dies Kanonen – oder Atombombenexplosionen aus den Sekundären Reichen?

|Die Musik|

Die Hintergrundmusik von Andy Matern wird meist recht dezent und vielfältig eingesetzt. Sie drängt sich niemals in den Vordergrund, sondern bildet einen Klangteppich, der unterbewusst die Emotionen des Zuhörers steuert, die der jeweiligen Szene angemessen sind. Das kann sowohl bedrohlich als auch fröhlich, dynamisch oder entspannt wirken. Wer genau hinhört, kann hören, wie die einzelnen Motive wiederholt werden. Eines davon erinnerte mich stark an den Soundtrack von „Inception“: ein von Bläsern getragener Teppich von tiefen Akkorden.

Die Instrumente sind in der Regel elektronisch, nur bei einem wiederkehrenden Leitmotiv – eine kurze Abfolge von elegischen Tönen – wird ein elektrisches Piano eingesetzt. Ich fand die Musik, die überraschend häufig zu hören ist, sehr passend. Ihre vielfältige Dynamik ist ernstgemeint und kein Kasperletheater, genau richtig für das Thema des Kampfes und der Eroberung des HAUSes.

_Unterm Strich_

Auch dieses sechste Hörbuch des siebenteiligen Zyklus „Die Schlüssel zum Königreich“ wartet mit zahlreichen Rätseln, Wundern, Gefahren und Kämpfen auf. Der junge Zuhörer bangt mit Lord Arthur ebenso mit wie mit der jungen Blatt, die auf ihre eigene Art ums Überleben kämpfen muss.

Nachdem er bereits fünf Schlüssel erobert hat, tritt Arthur recht autoritär auf. Dazu steht seine immer noch zaghafte, jungenhafte Stimme, die der Sprecher ihm verleiht, in einem gewissen Widerspruch, der mich verwirrt hat. Arthur erscheint schwach, wo er eigentlich stark ist. Zusammen mit Susi und dem Vermächtnis setzt er sich gegen zahlreiche Widersacher durch, bis er sich schließlich dem finalen Angriff von 5000 Bürgern und Lady Samstag auf Sonntags Domäne anschließt.

Würde man dieses Finale als Anime realisieren, wäre ein gewaltiges Panorama vonnöten, denn die Ausmaße von Trum, Rakete und Sturmbock sind gigantisch – die Apotheose der Maschinerie. Die Viktorianer hätten dies geliebt, und das steht völlig in Einklang mit der grundlegend viktorianischen Kultur und Umgebung des HAUSes. Warum der Autor ausgerechnet diese vergangene Epoche gewählt hat, bleibt sein Geheimnis. Aber es distanziert das HAUS von Arthurs eigener Gegenwart und erlaubt dem Leser bzw. Hörer dadurch einen eigenen Standpunkt, der Kritik erlaubt.

Der Sprecher Oliver Rohrbeck bietet dem Hörer, vor allem dem kindlichen Zuhörer ab 12 bis 13 Jahren, eine breite Palette von stimmlichen Tonlagen und Klang-Effekten, die zu einer Charakterisierung verschiedenster Wesen beitragen. Mit ein wenig Phantasie kann sich der Zuhörer daher die fremde Welt des HAUSes viel besser vorstellen. Die Geräusche tragen noch mehr zum Realismus bei, überlagern aber nie den Vortrag.

Dennoch fragte ich mich zu Anfang und in der Mitte, wann die Handlung denn endlich spannend werden würde. Die Action lässt bis zur vierten CD auf sich warten. Und dann fällt der Showdown mit der Zauberin auch noch aus. Ich war ein wenig enttäuscht, aber vielleicht wird Samstag noch für Band 7 gebraucht.

Ein Vergleich mit dem Buch deckt zahlreiche Kürzungen auf. Außerdem entgehen dem Hörer so die schönen Zeichnungen, die Daniel Ernle beigesteuert hat.

|4 Audio-CDs mit 269 Minuten Spieldauer
Originaltitel: Superior Saturday (2008)
Aus dem Australischen Englisch von Axel Franken
ISBN-13: 9783785738474|
http://www.luebbe.de

_Garth Nix bei |Buchwurm.info|:_

[„Sabriel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1109 (Das alte Königreich 1)
[„Lirael“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1140 (Das alte Königreich 2)
[„Abhorsen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1157 (Das alte Königreich 3)

Nix, Garth – Mächtiger Samstag (Die Schlüssel zum Königreich / Keys to the Kingdom 6))

_|Die Schlüssel zum Königreich|:_

01 [„Schwarzer Montag“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3719
01 [„Schwarzer Montag“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3172 (Hörbuch)
02 [„Grimmiger Dienstag“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3725
02 [„Grimmiger Dienstag“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4528 (Hörbuch)
03 [„Kalter Mittwoch“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4242
03 [„Kalter Mittwoch“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5101 (Hörbuch)
04 [„Rauer Donnerstag“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4831
04 [„Rauer Donnerstag“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5051 (Hörbuch)
05 [„Listiger Freitag“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5626
06 _“Mächtiger Samstag“_
07 „Goldener Sonntag“

_Arthurs sechste Station: Die Erstürmung des Himmels_

Arthur Penhaligon war eigentlich dem Tod geweiht. Doch man ließ ihn nicht sterben, sondern erlegte ihm eine schier unlösbare Aufgabe auf: Er muss sieben Schlüssel besorgen von sieben Erzfeinden. Arthur Penhaligon, Held wider Willen, hat Großes geleistet: Fünf Gegner sind besiegt und mussten ihre Schlüssel an ihn abgeben.

Nun ist nach fünf Abenteuern die Jagd auf den Schlüssel der mächtigen Lady Samstag dran. Sie ist die älteste Bewohnerin und größte Zauberin des HAUSes, und sie befehligt unzählige Magier. Ehe Arthur sich’s versieht, muss er an allen Fronten kämpfen: Das Nicht droht, das HAUS aufzulösen, Arthurs Mutter ist verschwunden. Seine Heimatstadt wird angegriffen. Er kann nicht einmal in das anscheinend uneinnehmbare Ober-HAUS gelangen – und selbst wenn: Den sechsten Schlüssel zu erobern ist vielleicht nicht ausreichend, um die zaubernden Horden von Lady Samstag und ihr Streben nach der absoluten macht aufzuhalten … (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Buch ab zehn Jahren.

_Der Autor_

Garth Nix wurde 1963 in Melbourne / Australien geboren. Nach seinem Studium arbeitete er in einer Buchhandlung, später als Verleger, Buchhandelsvertreter, Zeitungsredakteur und Marketingberater. Seit 2002 bestreitet er seinen Lebensunterhalte ausschließlich als Autor. Er lebt heute mit seiner Frau, einer Verlegerin, und seinem Sohn in einem Vorort von Sydney. Zu seinen bekanntesten Büchern gehört die „Abhorsen“-Trilogie, die komplett bei Carlsen und Lübbe erschienen ist („Sabriel“, „Lirael“, „Abhorsen“).

_Der Hintergrund _

Gepriesen sei die Architektin! Sie schuf die wahre Welt, das HAUS. Dies ist der Mittelpunkt aller Schöpfung, das Königreich aller Realität. Es ist eingeteilt in die sieben Wochentage von Montag bis Sonntag, und diese wiederum sind in jeweils zwölf Stunden eingeteilt. Minuten- und Stundenzeiger sind die Insignien eines jeden Tages – und mächtige Instrumente.

Rundherum liegen die sekundären Reiche, zu denen auch unsere bescheidene Welt zählt. Und SIE ließ alles darin archivieren. Als SIE sah, dass es gut war, verabschiedete SIE sich, hinter ließ jedoch das VERMÄCHTNIS, in dem sie bestimmte, dass nur Sterbliche das Königreich erben können. Das VERMÄCHTNIS besteht vollständig aus Text, wie sich denken lässt. Doch die sieben Treuhänder vollstreckten das VERMÄCHTNIS nicht, sondern teilten sich die Macht in ihren sieben Herrschaftsbereichen. Das VERMÄCHTNIS teilten sie in sieben Stücke, von denen jedes woanders versteckt wurde.

Eines Tages begab es sich, dass das Bruchstück von MONTAG, ein auf einem toten Stern in Glas versiegelter Kristall, der von metallischen Wächtern bewacht wurde, von einem Inspektor des ARCHIVs begutachtet wurde. Die Wächter, nach Äonen des Wachens müde geworden, meldeten dem Inspektor keinerlei besondere Vorkommnisse. Doch als er sich die Nase putzte, bemerkte er aus dem Augenwinkel ein kleines flinkes Etwas vorbeihuschen. Nein, dachte er, ich muss mich getäuscht haben.

Doch er hatte sich nicht getäuscht: Ein kleines Stück VERMÄCHTNIS-Text bemächtigt sich jedoch der Transferplatte, mit der er vom ARCHIV gekommen ist, und verschwindet damit. Oh-oh, denkt der Inspektor. Damit hat er Recht. Wenig später kommen zwei großmächtige Herren, die Silberstöcke tragen. Sie sagen, sie kämen von einem, der sogar noch höher stehe als MONTAG. Oh-oh, denkt der Inspektor. Das gibt großen Ärger.

_Handlung_

|Lady Samstag|

Lady Erhabener Samstag überblickt ihre Domäne. Sie steht in ihrem gläsernen Büro auf der Spitze eines sechs Kilometer hohen Turmes auf Bürozellen. An diesem Turm wird seit rund zehntausend Jahren gebaut, und sein Ziel ist unübersehbar: der Boden der Domäne von Lord Sonntag. Dessen unvergleichliche Gärten, gestützt von vier riesigen Bäumen, haben an ihrer Unterseite eine Schwachstelle, durch die Lady Samstag mit einem Sturmbock stoßen will, um seine Domäne zu erobern. Denn diese, so behauptet sie, stehe rechtmäßig ihr zu.

Ihr Verwalter, Abenddämmerung, tritt vor, um Bericht zu erstatten. Das vorrückende Nichts habe bereits die Fernen Weiten und das Untere HAUS verschlungen, es schicke sich nun an, das Mittlere HAUS anzugreifen. Lady Samstag ist sich der Präsenz des Thronanwärters namens Arthur Penhaligon wohl bewusst, und auch der Pfeifer, der Thron Sohn der ARCHITEKTIN, hat Absichten auf ihre Herrschaft. Doch Arthur befindet sich noch in den Sekundären Reichen der Sterblichen. Die Herrscherin befiehlt die Beseitigung der Kinder des Pfeifers und den Angriff auf Sonntags Domäne in vierzig Minuten, also exakt um Mitternacht.

|Arthur|

In den Sekundären Reichen, die unserer bekannten Welt entsprechen, stehen die Dinge nicht zum Besten. Arthur hat zwar Dr. Freitag besiegt und zahlreiche Schläfer aus ihrem HAUS befreit. Doch wohin mit 2000 Schlafenden? Seine Freundin Blatt und er sind ratlos. Martine, die Assistentin von Lady Freitag, hilft ihnen.

Da ruft Erasmus, Arthurs ältester Bruder, an: Alle sollten spätestens in zehn Minuten in einen Bunker oder tiefen Keller. Der Grund: Das militärische Oberkommando hat beschlossen, den „Seuchenherd“ zu beseitigen und will dann vier Atombomben auf das östliche Krankenhaus abwerfen! Arthur befindet sich davon nur einen Kilometer entfernt. Was soll er tun? Er nimmt seinen fünften Schlüssel und verhängt einen Zeitstopp über seiner Stadt, der sie wie eine Blase schützt. Die Uhrzeiger bleiben bei 23:57 Minuten stehen. Aber für wie lange?

|Im HAUS|

Er öffnet ein Portal zum Haus und begibt sich in Lord Montags Thronsaal. Doch auch dorthin ist das Nichts bereits vorgedrungen. Er gebietet ihm Einhalt, und die Nichts-Woge bleibt stehen. Er braucht einen Ratgeber: Dr. Scamandros. Er transferiert dorthin und findet ihn im Kohlenkeller, während hinter ihm das Nichts das Untere HAUS verschlingt. Dr. Scamandros rät ihm zu einem Besuch beim ALTEN, der an eine riesige Uhr gekettet sei. Doch der ALTE fragt ihn nur, was Arthur eigentlich wolle, wenn er das Erbe der ARCHITEKTIN antrete. Eines ist klar: Arthur ist bereits zu sechs Zehnteln ein unsterblicher Bürger des HAUSes.

Er transferiert mit Scamandros zur Zitadelle in der vierten Domäne. Hier hält DAME PRIMUS die Stellung für ihn, besitzt sie doch die anderen vier Schlüssel. Die große Machtfülle macht sie hochnäsig. Sie verplappert sich sogar: Die Vernichtung des HAUSes, so hoffe, sie, werde verzögert. Arthur beharrt auf dem Aufhalten der Zerstörung. Nach einigen Debatten einigen sie sich darauf, dass sie sich teilt, um andere Aufgaben zu erledigen, während er sich zu Samstags Domäne aufmacht, um der Lady ihren Schlüssel und den sechsten Teil des Vermächtnisses abzunehmen. Lord Sonntag hat sich in einem Brief an Arthur für neutral erklärt.

|Die Domäne von SAMSTAG|

Das Pfeiferkind Susi Blau begleitet ihn, und mit ihr und einer zur Intelligenz erhobenen Ratte namens Stachelborste gelangen sie unentdeckt in die untersten Tiefen der sechsten Domäne. Dr. Scamandros hat ihm ein Schutz-Etui für den fünften Schlüssel gegeben. Überall lauern hier Wachtzauberer darüber, dass kein Unbefugter Magie einsetzt.

Mit Stachelborstes Hilfe verkleiden sich Arthur und Susi in Pfeiferkinder, die als „Schmieraffen“ für alle technischen Arbeiten am hohen Turm von Lady Samstag zuständig sind. Eine Transportkette bringt sie aus dem Untergrund an die Erdoberfläche der Domäne. Hier trifft ihn der Regen, der ständig fällt, zum ersten Mal, und erstmals hört er die Stimme des Vermächtnisses in seinem Kopf. Es ruft ihn, damit er es findet. Aber noch stellt er keinen Zusammenhang zwischen der Stimme und dem Regen her, das wäre ja auch zu unwahrscheinlich. Doch nach dem dritten Ruf ist die Schlussfolgerung unausweichlich: Er muss das Becken finden, wo sich der unablässige Regen sammelt.

Dem schiebt Alice, die Truppführerin der Schmieraffen, entschieden einen Riegel vor. Sie will ihr Leben noch eine ganze Weile behalten und kann mit Verrätern oder Spionen rein gar nichts anfangen. In letzter Sekunde entdeckt er Alices Verrat. Doch die Wachtzauberer werden auf ihn aufmerksam, als er den fünften Schlüssel einsetzt…

|Zeitstopp|

Unterdessen bemerkt Blatt im Krankenhaus, dass der Minutenzeiger der Uhr im Krankenhaus um eine Minute vorgerückt ist. Martine ist aus Angst vor dem Ende geflohen. Wie soll sie, Blatt, alleine 2000 Schläfer in eine atombombensichere Unterkunft bringen? Da erschüttert ein Beben das Krankenhaus. War das die Bombe – oder etwas aus dem HAUS?

_Mein Eindruck_

Die Story braucht diesmal einen langen Anlauf, um so richtig in die Gänge zu kommen. Arthur braucht beine Weile, um die wahre Lage der Dinge herauszubekommen, sowohl im HAUS, dessen Bürger er wird, aber auch in seiner Heimat. Ob der Zeitstopp, den er als Magier dort bewirkt, wirklich hält? Wir wagen es zu bezweifeln. Und als verlautet, dass der Pfeifer im HAUS eine Nichts-Bombe gezündet habe, kommt der Verdacht auf, dass es einen Zusammenhang geben könnte. Doch Arthurs Showdown mit dem Pfeifer lässt bis Band 7 auf sich warten.

Spannender ist da schon Arthurs Vordringen in Samatgs Herrschaftsbereich. Die Domäne wird von einem babylonischen Turm beherrscht, der nichts weniger als die Eroberung des Himmels zum Ziel hat, nämlich die Domäne von Lord Sonntag. Die Parallele zum Alten Testament ist unübersehbar. Doch hier herrscht kein „babylonisches Sprachengewirr“, sondern eine streng überwachte Hierarchie: Die Bürger-Magier auf der einen Seite, die Pfeiferkinder auf der anderen.

Eine Sache, die Arthur und Susi beträchtlich hilft, ist der Umstand, dass den Pfeiferkindern von den Bürgern regelmäßig das Gedächtnis „geschrubbt“ wird. Wenn sie also keine Ahnung von ihrem neuen Job haben, lässt sich das ganz leicht entschuldigen. Doch sobald er seinen fünften Schlüssel einsetzt, um sich eines misstrauisch gewordenen Bürgers zu erwehren, ergreift die Bürokratie Gegenmaßnahmen. Zu seinem Glück verkündet Lady Samstag in dieser brenzligen Lage die Endphase des Angriffs auf Sonntags Domäne.

Dass sich der sechste Teil des Vermächtnisses im Regen verbirgt, der à la „Blade Runner“ fortwährend fällt, habe ich schon erwähnt. Doch welche Endform das Vermächtnis besitzt und wie es ihm helfen kann, soll hier nicht verraten werden. Richtig gut wie das Finale: Der „Sturmbock“ schlägt ein, und die Eroberungsschlacht um Lord Sonntags Domäne ist schnell in vollem Gang. Dessen Verteidiger sind ungewöhnlich: Insekten und Würmer. Arthur ist nun scharf auf Lady Samstags Schlüssel …

_Die Illustrationen_

Etliche Zeichnungen von Daniel Ernle schmücken die deutsche Ausgabe – auch die des Taschenbuchs – und werten sie deutlich auf. So kann man sich die Vorgänge und Szenen viel besser vorstellen. Besonders interessant fand ich die Darstellung der Titelfigur: Sie sieht in ihrer Rüstung und den großen Flügeln wie ein geharnischter Erzengel Gabriel aus, in ihrer Hand der sechste Schlüssel. Die Symbolik ist unübersehbar: Mit Wort und Text greift dieser aufmüpfig gewordene Engel den Herrn des Himmels an. Wer dies ist, muss sich noch herausstellen.

_Unterm Strich_

Auch dieses sechste Buch des siebenteiligen Zyklus „Die Schlüssel zum Königreich“ wartet mit zahlreichen Rätseln, Wundern, Gefahren und Kämpfen auf. Der junge Zuhörer Leser mit Lord Arthur ebenso mit wie mit der jungen Blatt, die auf ihre eigene Art ums Überleben kämpfen muss.

Nachdem er bereits fünf Schlüssel erobert hat, tritt Arthur recht autoritär auf. Zusammen mit Susi und dem Vermächtnis setzt er sich gegen zahlreiche Widersacher durch, bis er sich schließlich dem finalen Angriff von 5000 Bürgern und Lady Samstag auf Sonntags Domäne anschließt.

Würde man dieses Finale als Anime realisieren, wäre ein gewaltiges Panorama vonnöten, denn die Ausmaße von Trum, Rakete und Sturmbock sind gigantisch – die Apotheose der Maschinerie. Die Viktorianer hätten dies geliebt, und das steht völlig in Einklang mit der grundlegend viktorianischen Kultur und Umgebung des HAUSes.

Warum der Autor ausgerechnet diese vergangene Epoche gewählt hat, bleibt sein Geheimnis. Vielleicht wollte er die englischen Leser besonders ansprechen. Aber es distanziert das HAUS von Arthurs eigener Gegenwart und erlaubt dem Leser bzw. Hörer dadurch einen eigenen Standpunkt, der Kritik erlaubt.

Dennoch fragte ich mich zu Anfang und in der Mitte, wann die Handlung denn endlich spannend werden würde. Die Action lässt bis zur vierten CD auf sich warten. Und dann fällt der Showdown mit der Zauberin auch noch aus. Ich war ein wenig enttäuscht, aber vielleicht wird Samstag noch für Band 7 gebraucht.

Diesmal bekommt Arthur am Schluss keine Einladung von einem weiteren Herrscher, sondern einen Notruf von Blatt: Die Erde ist in großer Gefahr! Es heißt also weiterlesen!

|Gebunden mit Schutzumschlag: 269 Seiten
Originaltitel: Superior Saturday
Aus dem Englischen von Axel Franken
Illustrationen von Daniel Ernle
Empfohlen ab 10 Jahren
ISBN-13: 978-3-431-03776-0|
http://www.ehrenwirth.de

_Garth Nix bei |Buchwurm.info|:_

[„Sabriel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1109 (Das alte Königreich 1)
[„Lirael“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1140 (Das alte Königreich 2)
[„Abhorsen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1157 (Das alte Königreich 3)

Rick Riordan (Autor) / Stefan Kaminski (Sprecher) / Lotte Ohm (Sprecherin) – Die rote Pyramide (Die Kane-Chroniken 1) (Lesung)

Abenteuer- und lehrreiche Kopie nach Percy-Jackson-Vorbild

Die Kane-Chroniken-Trilogie:

01 „Die rote Pyramide“
02 „Der Feuerthron“
03 „Der Schatten der Schlange“

Ein Besuch im Museum? An Heiligabend? Eine bescheuerte Idee, finden Sadie und Carter. Aber ihr Vater, der berühmte Ägyptologe Dr. Julius Kane, will ihnen gar keine verstaubten Sarkophage zeigen – er plant nichts weniger, als den ägyptischen Gott Osiris zu beschwören. Doch das geht schief, und er wird von einem unheimlichen glutroten Kerl entführt. Um ihn zu befreien, müssen die Geschwister es mit der gesamten ägyptischen Götterwelt aufnehmen. (Verlagsinfo)
Rick Riordan (Autor) / Stefan Kaminski (Sprecher) / Lotte Ohm (Sprecherin) – Die rote Pyramide (Die Kane-Chroniken 1) (Lesung) weiterlesen

Terry Pratchett – Hohle Köpfe (Lesung)

Hohle Köpfe sind sie fürwahr, die Bewohner der Stadt Ankh Morpork. Und das ist gerade ein Teil des Charmes, der Pratchetts Bücher so lesenswert macht. Denn trotz all ihrer Hohlheit entwickeln die Charaktere immer wieder ungeahnte Gedanken und Ideen, laufen strahlend vor Dummheit genau in die verzwicktesten Geheimnisse und retten sich selbst, sich selbst, sich selbst und neben bei auch immer allen anderen das Leben und die Freiheit. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Unerklärliche Morde suchen die unbescholtenen Bürger Ankh Morporks heim, und so wird ein alter Priester, ein Museumswärter und der Patrizier der Stadt tot aufgefunden – wobei Letzterer sich immer wieder aufrappelt und erst im Laufe seiner täglichen Arbeit wieder dahinsiecht. Das ruft die gesamte Mannschaft der Stadtwache auf den Plan, deren Hauptarbeitgeber der Patrizier ist. Zwischen Arsen unter den Fingernägeln des Priesters, Brennöfen für Zwergenkampfbrot, ungeheuerlichen Vorgängen unter den Golems der Stadt und Geschlechtskonflikten bei der Stadtwache ermittelt der Inspektor Mum intelligent, sein Hauptmann Karotte ehrlich und mit unerschütterlichem Glauben an die Liebe, der Rest der Wache mit sympathischer Hohlheit und erstaunlichen Zufallserfolgen. Doch es ahnt niemand, dass hier mehr auf dem Spiel steht als nur die rätselhafte Mordserie, dass es um eine gravierende Umwälzung der Gesellschaft geht …

Während sich eine amüsante Handlung in einem verstrickten Netz ausbreitet und die Wachen mehr stolpernd als zielstrebig an die Puzzlestücke gelangen, offenbart Pratchett so ganz nebenbei mal wieder kleine Einzelheiten, die seine grandiose Schöpfung schmücken, reicher machen und bunt und lebendig in ihr Umfeld betten. Die Worte in den „Hohlen Köpfen“ der Golems, die ihr Gewissen, ihre Programmierung darstellen – und sie an ihre Herren binden. War das bei dem Rabbi auch so? Neu ist jedenfalls die Idee, einen Golem zu befreien, indem man ihm seine Kaufquittung statt der Worte in den Kopf legt. Die Zwergin, die nicht über Gold und Schlachten singen will, sondern sich mit Make-up und Kleidern ausstaffiert und dadurch bei ihren Kollegen bei der Stadtwache grandiose Verwirrung stiftet. Die grandiose Verhörtechnik des trollischen Korporals, der dumpf und stur, aber konsequent, den Verdächtigen mit den Wörtern bombardiert „Du es sein gewesen? Ich wissen du es sein gewesen! Gib zu! Du es sein gewesen!“, bis die richtige Antwort fällt, die lautet „Ja ja ja, ich war es! Ich weiß zwar nicht mal, was mir vorgeworfen wird, aber ich war es, und bitte halt den Mund!“

Hohl im wörtlichen Sinne sind also die Köpfe der Golems, während sie im übertragenen Sinne mehr, wenn nicht sogar mindestens genauso viel darin haben wie ihre hohlen menschlichen (oder trollischen, zwergischen, …) Herrn. Davon heben sich ein paar Personen ab, wie Hauptmann Karotte, der zwar etwas weltfremd und naiv durch die Geschichte läuft, aber gerade dadurch in der Achtung der Städter ganz oben steht. Oder Kommandeur Mum, der die wirkliche Ermittlungsarbeit leistet, wenn er auch auf die unbeabsichtigten Treffer seiner Untergebenen angewiesen ist. Und der Patrizier belächelt sein Volk und bleibt an der Spitze, weil er der ruhende Pol, der Garant für Stabilität in der Politik der Stadt ist.

Die Zauberer der Unsichtbaren Universität bleiben diesmal außen vor, denn noch mehr Hohlheit hätte der Geschichte sicherlich mehr geschadet als genutzt …

Der Vorleser, kein geringerer als Rufus Beck, der sich nicht zuletzt über die Harry-Potter-Vertonung im Hörbuchsektor etabliert hat, zeigt bei seinen Arbeiten für die Terry-Pratchett-Romane ein besonderes und sicheres Gespür für die Charaktereigenschaften der Protagonisten. Inzwischen ist seine enorm wandelbare Stimme keine Überraschung mehr, wenn es auch bemerkenswert bleibt, wie er den Figuren Leben einhaucht – sogar den Golems. So zeigt er sich auch diesmal wieder als Pfeiler, und natürlich steht und fällt ein Hörbuch mit seinem Interpreten. Beck ist nicht nur eine sichere Wahl, sondern auch eine ausgesprochen sympathische.

Diese Geschichte hebt sich nicht erkennbar aus der Masse der Pratchetts heraus, die Qualität und der Einfallsreichtum des Autors machen es immer schwerer, eine qualitative Einordnung seiner Romane unter ihresgleichen vorzunehmen. Außerhalb seiner eigenen Schöpfung fehlt es Pratchett an vergleichbarer Konkurrenz, zu einzigartig ist und bleibt die Scheibenwelt.

6 Audio CDs, 420 Minuten Spieldauer
Gelesen von Rufus Beck
ISBN-13: 978-3837107876

Der Autor vergibt: (5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Terry Pratchett – Ruhig Blut! (Lesung)

Neues von der vielseitigen Scheibenwelt: Vampire bedrohen das Königreich! Unbemerkt von allen, außer einigen Hexen, beeinflussen die Vampire König und Hofstaat, um sich ein modernes Volk von Vasallen und „Nahrung“ zu schaffen. Modern, das ist die Devise des amtierenden Grafen: Jahrelange Konfrontation mit den vampirschreckenden Mitteln wie Knoblauch, Zitronen, heiligen Symbolen, Licht und normaler Nahrung haben tatsächlich für eine gewisse Toleranz gegenüber dieser Dinge geschaffen – ausgenommen bleiben natürlich die Pflöcke, die man einem Vampir ins Herz rammen soll …

Agnes, eine Hexe von fülliger Gestalt, beherbergt eine zweite Persönlichkeit in ihrem Innern. Die stets mit nervenden Kommentaren bezüglich Agnes‘ Figur stichelnde „Perdita“ erweist sich jedoch als Vorteil, als die Vampirfamilie aus Überwald zur Geburt des königlichen Kindes eingeladen wird und diesen Vorwand nutzt, die geistige Herrschaft im Schloss von Lancre zu übernehmen – den doppelten Geist Agnes‘ bekommen sie nicht zu fassen.

Agnes geling es, ihre Hexenkolleginnen (Frau Ogg und die Königin Magrat Knoblauch) aus dem Bann zu befreien und mit ihnen auf die Suche nach Oma Wetterwachs, der ältesten und mächtigsten Hexe des Reiches, zu gehen, die allein eine Chance hätte, gegen den Grafen zu bestehen.

Zwar finden sie Oma, die aber keine Anstalten macht, sich an dem Kampf zu beteiligen. Da tauchen kleine blaue Männchen auf, die für Unruhe sorgen und König Verence befreien könnten. Und obwohl die Vampire gegen übliche Abwehrmittel immun zu sein scheinen und Oma Wetterwachs außer Gefecht setzen, gewinnen die Hexen an Boden. Da erweckt Igor, der persönliche Diener des Grafen, den alten Grafen in seiner Gruft zu neuem Leben …

Die Scheibenwelt bietet in ihrem Wahnsinn unendliche Spielwiesen für die absurden Ideen ihres Schöpfers. Vampire, die eine Art Hyposensibilisierung durchziehen, um sich gegen religiöse Symbole, Zitronen, Knoblauch und Silber immun zu machen (nur der Pflock ins Herz zeigt weiterhin Erfolg); eine neue Betrachtung des Phönix als natürlichen Bewohner der Scheibenwelt mit interessanten pseudowissenschaftlichen Ansätzen. Schizophrene Hexen und ein unter Drogen wütender König mit blauen Gnomen, die zu viert eine Kuh entführen können (je einer unter einem Huf) – Pratchett verbreitert seine Sammlung neuer Ansätze bei bekannten Figuren des Genres und erzählt dabei ein Abenteuer voller Spannung und humorvoller Unterhaltung.

Katharina Thalbach als Sprecherin erfüllt mit ihrer kratzigen Stimme gerade die Hexen mit charaktervollem Leben, beherrscht aber auch die Kunst, männliche Stimmen glaubhaft zu erzeugen. Ihre Leistung erzielt die Qualität, mit der das Hörbuch gesehen werden muss.

Agnes ist als Charakter etwas schwach ausgebildet, doch Nanny Ogg und Oma Wetterwachs erhalten mit wenigen Strichen eine eindrucksvolle Persönlichkeit, ebenso wie der junge Vampir Vlad und der Diener Igor ihr glaubhaftes Eigenleben entwickeln.

Die Gnome sind mehr als Kuriosität zu sehen, sie tragen wenig zur eigentlichen Geschichte bei. Aber der Priester von Ohm wirkt kräftig mit und macht eine konsequente Entwicklung durch, an deren Ende er sogar die Axt in ein religiöses Symbol verwandelt, um die Vampire anzugreifen.

Insgesamt ein buntes Spektakel mit sehr anspruchsvoller Umsetzung durch die Erzählerin. Weit weniger verworren als andere Romane Pratchetts, aber ein sehr unterhaltsamer voller Überraschungen.

6 Audio-CDs mit ca. 420 Minuten Spieldauer
ISBN-13: 978-3837103137

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Terry Pratchett – Heiße Hüpfer (inszenierte Lesung)

Seit dem ersten Roman von Terry Pratchetts „Scheibenwelt“ mit dem Titel „Die Farben der Magie“, sind etliche Jahre vergangen. Und noch immer arbeitet der Parodist an seiner skurrilen (ein Wort, das in diesem Text noch mehrfach fallen wird, da es den Charakter am ehesten trifft) Welt, die von vier Elefanten auf dem Rücken einer Schildkröte getragen wird und so ihren Weg durch das Universum nimmt.

Schon der erste Absatz, die Einführung in den vorliegenden Roman, verdeutlicht, dass es eine von Pratchetts Prämissen ist, absurde Streitfragen aufzugreifen und zu parodieren, denn auf seiner Welt ist wahrlich alles möglich. Konkret spricht er von einer das Universum erklärenden Legende, nach der ein alter Mann es in einem Lederbeutel am Gürtel trägt. Kritiker bemängeln dies, da der Beutel also auch den Mann und den Beutel enthalten müsse, da er das Universum enthalte und somit auch den Mann und den Beutel, der ja bereits den Mann und den Beutel enthalte. Als Antwort verkündet Pratchetts Erzählstimme: „Na und?“

Auf diese Weise sammeln sich in seinen Romanen wissenschaftliche Themen wie die Evolution, das Universum, Lichtgeschwindigkeiten und ihre jeweils eigene Masse, um auf unmöglichste Art keine Erklärung zu erfahren. Das macht eigentlich neben den genauso undenkbaren Geschöpfen und Handlungen einen großen Teil des charakteristischen Tonfalls aus, der Pratchetts Romane auszeichnet. Und mit Rufus Beck hat die Vorlesung eine Stimme gewonnen, die der Skurrilität des Romans in höchstem Maße gerecht wird.

In „Heiße Hüpfer“ findet man nicht einen einzigen als Person bezeichenbaren Charakter, der in irgend einer Weise normal wäre. Der schon im ersten Roman eingeführte „Zaubberer“ Rincewind mit seiner Truhe „Truhe“ oder auch „Truhi“, die auf unzähligen Füßen läuft, nimmt hier die eine Handlungsebene ein, während eine Gruppe richtiger Zauberer von der Unsichtbaren Universität auf der Suche nach Rincewind die andere Ebene beschlagnahmen. Sie wollen ihrem einem krankhaften Magiefeld ausgesetzten Bibliothekar helfen, können dies aber ohne Rincewinds Hilfe nicht tun. Da sie Rincewind allerdings an einen unbekannten Ort verbannt haben, können sie ihn auch nicht so ohne Weiteres finden. So erleben beide Seiten ihre Abenteuer und fügen dabei dem unerklärlichen Charakter der Scheibenwelt neue Facetten hinzu, bis sie sich schließlich treffen und in einem schöpferischen Akt alles zum Guten wenden.

Dabei ist die Hintergrundhandlung der Geschichte so verzwickt, dass es das Hörbuch schwer hat, die ganzen Zusammenhänge verständlich darzustellen. Hier hat der geschriebene Text den Vorteil, dass man bei Nichtverständnis die betreffende Stelle mehrmals lesen kann, bzw. auch zurückblättern kann. Im Hörbuch einen Knotenpunkt wieder ausfindig zu machen ist ungleich schwerer, auch kann man hier die Stelle nicht einfach kurz überfliegen. So bleiben beim ersten Hören einige Punkte ungeklärt. Sie schmälern den Hörgenuss aber wenig, denn sie dienen mehr als Mittel zum Zweck, das heißt, sie schaffen Voraussetzungen für die Handlung, auch das Überleben des nicht gerade fähigen Rincewinds, bis schließlich für die Möglichkeit des Zusammenführens beider Stränge.

Mehrmals kommen auch höhere Mächte ins Spiel, so stranden zum Beispiel die Zauberer auf einer Insel in jahrtausendealter Vergangenheit und stören einen zurückgezogenen Gott bei der Erfindung der Evolution, während Rincewind von einer unsichtbaren Macht überwacht und als Held der Geschichte gelenkt/beeinflusst wird.

Wenn sich Hörbücher dadurch auszeichnen, dass der Leser den betreffenden Text vorliest und dabei zur Untermalung von Stimmungen, verschiedenen Sprechern oder Spannungen nur die Modulationsfähigkeit seiner eigenen Stimme verwendet, trifft dies auch auf eine inszenierte Lesung zu, mit einem Unterschied: technische Klangeffekte erzeugen den passenden Hintergrund, zum Beispiel wird im vorliegenden Band Rincewind in einen Kampf verwickelt, bei dem man im Hintergrund Menschen schreien hört, Waffen klappern, Gaukler dudeln … Auch wird jede Handlungsebene mit einer passenden Erkennungsmelodie eingeführt, so dass die oft plötzlichen Sprünge auch beim Hören erkennbar bleiben. Für das Hörerleben sind diese zusätzlich eingefügten Klangspiele manchmal hilfreich, manchmal vertiefen sie die Bilder vor dem geistigen Auge, außerdem sind gerade auch die Melodien so gut erstellt, dass man sich an typische Heldenklänge aus dem Fernsehen erinnert fühlt. Das passt hervorragend zu Pratchetts parodistischem Stil, indem es die Schippe noch vergrößert.

Insgesamt scheint die auf drei CDs gekürzte Fassung etwas der erklärenden Zusammenhänge zu verlieren, doch für die Geschichte selbst reicht dieser Umfang und bietet ein interessantes Hörerlebnis bei ständiger undenkbarer, verrückter Ausuferung von parodierten gesellschaftlichen Themen, Tabuthemen, Theorien, … Pratchetts Genie findet kein Ende.

3 Audio CDs, 235 Minuten
Gelesen von Rufus Beck
Originaltitel: The Last Continent
ISBN-13: 978-3837100396

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Jonathan Stroud / Catrin Lucht / Astrid Roth – Die Spur ins Schattenland (Lesung)

Bewegend: Gelingt die Überwindung des Todes?

Charlotte und Max sind unzertrennliche Freunde, bis eines Tages ein Unglück geschieht und Max in einem See ertrinkt. Charlie ist untröstlich und begibt sich in ein Schattenreich, um ihren verlorenen Freund zu suchen. Sie ist davon überzeugt, dass etwas Mysteriöses geschehen ist und sie Max wiederfinden kann. Ihr Bruder James glaubt das allerdings nicht und beginn zu ahnen, in welcher Gefahr Charlie schwebt.

Der Autor

Jonathan Stroud wurde im englischen Bedford geboren. Laut Verlag schreibt er bereits seit seinem siebenten Lebensjahr Geschichten. Während er als Lektor für Kindersachbücher arbeitete, verfasste er seine ersten eigenen Kinderbücher. Nach der Publikation seiner ersten beiden Jugendbücher widmete er sich ganz dem Schreiben. Er wohnt mit seiner Frau Gina, einer Grafikerin und Kinderbuchillustratorin, und der gemeinsamen Tochter Isabelle in St. Albans nördlich von London.

Er schrieb neben der Bartimäus-Trilogie noch andere Fantasyromane für Kinder und Jugendliche.

Jonathan Stroud auf |Buchwurm.info|:

[„Bartimäus – Das Amulett von Samarkand“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=353
[„Bartimäus – Das Auge des Golem“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1861 (Lesung)
[„Drachenglut“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3381
[„Die Eisfestung“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3513
[„Die Spur ins Schattenland“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4635 (Buch)

Der Sprecher

Gerd Köster, 1957 in Köln geboren, war mal Kopf der angeblich legendären Musikgruppe „Schröder Roadshow“. Zu seinen Großtaten gehört laut Verlag die Übertragung von Tom Waits („The piano has been drinking“) ins Deutsche – nein, pardon! Natürlich ins Kölsche (ganz was anderes). In den letzten Jahren fand er als Theaterschauspieler und Sprecher Beachtung.

Die Lesefassung stammt von Catrin Lucht. Astrid Roth führte Regie und für die Aufnahmeleitung war Bernd Schönhofen im Tonstudio Köln zuständig.

Handlung

Charlotte Fletcher erwacht im Krankenhaus. Schon sechs Nächte hat sie seit jenem schrecklichen Tag hier verbracht. Immer noch spürt sie den Kratzer an ihrem Bein. Es war ein schöner Spätsommertag im September, als sie mit ihrem Freund Max aufs Land hinaus radelte. Sie fuhren zur Mühle am Bach und betrachteten das wilde Wasser des Bachs, das in den Mühlteich schoss und das große Rad drehte …

Max

Max hat kein Glück beim Angeln und klettert auf einen nahen Pflaumenbaum, um sich und Charlie etwas zu essen zu geben. Er schlägt sich regelrecht den Bauch voll, bemerkt sie. Doch dann starrt er unverwandt ins Wasser, als gäbe es dort etwas zu sehen. Und er scheint davor Angst zu haben. Sie ruft ihm zu, doch statt ihr zu antworten, springt er von seinem Ast direkt ins Wasser, als wäre er gerufen worden. Es gibt keine Luftblasen. Sofort springt ihm Charlie nach und taucht in die Tiefe, doch er taucht noch tiefer. Da sieht Charlie die Frauen ebenfalls, die Max umarmen. Sie lächeln und wollen auch Charlie umarmen, doch in letzter Sekunde erinnert sie sich an die Schönheit der Erde und stößt sich ab. Eine der Frauen greift nach ihr und kratzt sie am Bein. Sie erreicht die Oberfläche und holt tief Luft. Max ist fort.

Jim

James Fletcher, Charlottes älterer Bruder, erhält von seiner alleinerziehenden Mutter die Anweisung, auf die heimkehrende Charlie aufzupassen. Doch genau nach dem, was er am dringendsten wissen will, soll er das Mädchen nicht fragen: Was am Teich passiert ist. Inzwischen hat Charlie nämlich ihre Version der Wahrheit geändert, sobald sie gemerkt hat, dass die erste bei ihrer Mutter nur Misstrauen hervorgerufen hat. Und auch ihrem Therapeuten Dr. Tillbrook erzählt sie nur, was sie auch der Polizei gesagt hat: Auf einmal war Max verschwunden.

Das Notizbuch

Von Dr. Tillbrook hat Charlie ein Notizheft bekommen, damit sie ihre Gedanken und Träume aufschreiben kann. Beizeiten könnte sie dann mit ihm darüber sprechen. Sie wehrt die fürsorgliche Zudringlichkeit ihres Bruders ab und denkt immer an Max zurück. Sie akzeptiert nicht, dass er für immer von ihr gegangen sein könnte. Nein, er ist noch irgendwo, dort, im Schattenland ihrer Träume. Doch der Teich selbst ist abgedeckt, es gibt keinen Zugang hier. Sie erinnert sich an das alte verlassene Stahlwerk, wohin sie mit Max immer ging. Und tatsächlich erwacht sie in ihrem Traum an einem anderen Ort als dem Teich. Sie liegt an einem Meeresstrand, völlig von Salz verkrustet.

Als sie den Fußspuren auf dem Sand folgt, merkt sie, dass diese in eine Schlucht führen, die in ein Felsmassiv geschnitten ist. Mühsam kletternd folgt sie den Spuren, bis sie auf den Gipfel eines Berges gelangt. Der Überblick offenbart ihr einen riesigen Wald, in dem es nur eine kleine Schneise gibt. Dort geht eine kleine Gestalt nordwärts – Max! Sie beginnt zu laufen …

James‘ Ablenkungsversuche funktionieren nicht, und nach einem Streit über den Tod von Max trennt sie sich von ihm. Aber da er für ihr Wohlbefinden zuständig ist, wacht er weiterhin über Charlies Schlaf. Er hört ihre Schreie, die sie in den Albträumen ausstößt. Sobald er in ihr Zimmer tritt, sieht er, wie bleich und schweißüberströmt sie ist. Einmal bemerkt er ein halb vollgeschriebenes Heft auf ihrem Nachttisch. Doch später gelingt es ihm nicht, es wiederzufinden. Sie hat es versteckt.

Der Schattenwald

Charlies Schattenwald ist tief, und der Weg ist lang. Sie rückt Max kein Stückchen näher, als sie ihm folgt. Eine unheimliche Gestalt mit einem Totenkopf veranlasst sie, sich zu verstecken. Als sie stolpert und Angst hat, beugt sich ein anderer Mann über sie. Aber er ist so sanft und freundlich, dass sie Vertrauen zu ihm fasst und ihm ihre Geschichte erzählt. Er ist schon lange hier im Schattenland und weiß, wohin Max unterwegs ist. Er will zur großen Kirmes, die nur einmal im Jahr an wechselnden Orten stattfindet. Dort will er am großen Tanz teilnehmen. Doch sobald er das tut, sei er für Charlie verloren, denn er vergesse dann sein früheres Leben und somit auch Charlie.

Da wird es Charlie wird angst und bange. Sie will Max auf keinen Fall verlieren. Doch wie kommt sie nur zum großen Jahrmarkt? Da erzählt ihr Kit, ihr freundlicher Führer, vom Baum, dessen Frucht das sehnlichste Begehren wahr werden lässt …

Mein Eindruck

Vordergründig geht es um die Verarbeitung eines rätselhaften Todes. Das ist schon mal ein ziemlich ernstes Thema für ein Jugendbuch, aber Stroud hat schon bewiesen, wozu er in dieser Hinsicht fähig ist. Überraschend ist eher, dass die Fantasy-Elemente, die man seit der „Bartimäus“-Trilogie von ihm erwartet, fast völlig fehlen. Man muss aber beachten, dass „Die Spur ins Schattenland“ zwei Jahre vor der Trilogie erschien und der Stil sich entsprechend unterscheidet.

Was mir an dieser Geschichte am besten gefallen hat, ist die einfühlsame psychologische Darstellung der beiden Hauptfiguren Charlie und James. Ihre beiden Sichtweisen ergänzen sich. Charlie liefert die subjektive, James die eher objektive Sicht. Sie erlebt das Schattenland direkt, er erlebt es nur mittelbar, indem er ihr Traumtagebuch liest.

Bis zum Beginn des letzten Drittels ist auch Charlie noch in der Lage, die zwei Realitätsebenen auseinanderzuhalten. Doch dann beginnen erst die Wölfe, schließlich auch die Bäume des Traumlandwaldes in ihrer Umgebung zu erscheinen. Sie sieht genau, wie die Bäume die realen Dinge wie etwa Häuser und Autos durchdringen. Dies ist der gleiche Vorgang wie in Lord Dunsanys Klassiker „Die Königstochter aus Elfenland“, als das Elfenland seine Grenzen über die Felder der gewöhnlichen Welt ausstreckt.

Die Folgen für Charlie sind dramatisch. Wo sich die beiden Welten oder Realitätsebenen überlagern, ist es schwierig, mit wachem Verstand hindurchzugehen. James entdeckt zu seinem Entsetzen, dass Charlie schlafwandelt. Mit den Füßen auf der realen Straße, wandelt ihr Bewusstsein auf der Ebene des Traumlandes. Denn dort kann sie der Spur zur Kirmes folgen, auf der sie Max wiederzusehen hofft.

Schizophrenie

Diese Bewusstseinsspaltung entspricht dem pathologischen Zustand der Schizophrenie. Aber eine klinische Betrachtung Charlies würde den ganzen Zauber zerstören – und auch die Hoffnung, die wir mit James zusammen hegen, dass es ihm gelingt, Charlie vor dem völligen Absturz in den Wahn zu bewahren. Das Finale spitzt den Konflikt auf spannende Weise zu. Ich will nicht verraten, was passiert, aber wer ahnt, dass mit James etwas Schlimmes geschehen könnte, der liegt völlig richtig.

Bemerkenswert ist noch, wie die Außenwelt auf Charlies Verwandlung reagiert. Ihre Mutter ist auf Ablenkung und Beschwichtigung bedacht, Dr. Tillbrook, der Therapeut, auf verständnisvolles Reden mit seiner Patientin (die ihn hinhält), und Max‘ Eltern sind verärgert, als Charlie vor ihrem Haus aufkreuzt. Sie wollen nicht an ihren toten Sohn erinnert werden.

Trauer

All dies sind legitime, gesellschaftlich sanktionierte Methoden, mit dem Todesfall Max umzugehen, doch nur Charlie will nicht loslassen und Max vergessen. Denn natürlich gibt sie sich die Schuld an seinem Tod. Warum hat sie ihn nicht retten können – oder wollen? Der einzige Weg für ihr von Gewissensbissen und Albträumen geplagtes Herz besteht darin, Max wiederzusehen und entweder Auskunft über sein Schicksal oder Absolution zu erhalten. Nur James bemerkt, auf welchem gefährlichen Pfad Charlie wandelt. Sie transformiert die Realität, sieht Wölfe statt streunender Hunde, und die Gefahren, denen er sich stellen kann, nehmen für sie unüberwindliche Dimensionen an. Der Weg, auf dem sie wandelt, kann durchaus nicht nur Wahn bedeuten, sondern ein sehr reales Ende.

Schattenland

Dies ist umso wahrscheinlicher, weil sie sich einem verständnisvollen Führer im Schattenland anvertraut hat. Kit spricht sanft und freundlich, weiß viel mehr als sie über das Traumland und bietet ihr die Hoffnung, das zu finden, was sie am meisten begehrt. Doch am Ende zeigt sich, dass er seine eigenen Ziele verfolgt. Die Frucht des Begehrens ist ein erster Hinweis darauf, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Die Frucht erinnert an diejenige vom Baum der Erkenntnis, die Verderben über Eva und Adam brachte. Er verspricht, ihr das zu geben, was sie am meisten begehrt, doch wenn sie ein klein wenig überlegt hätte, so würde sie über die Bedeutung dieses Satzes nachdenken. Denn wenn Max wirklich tot ist, dann hat der Satz eine schreckliche Konsequenz …

Der Sprecher

Gerd Köster hat wahrscheinlich selbst Kinder. Wie sonst könnte er Charlie und James eine so natürliche Ausdrucksweise verleihen? Charlie klingt mürrisch, trotzig, schläfrig, ängstlich und vieles mehr. Und sie hat eine deutlich höhere Stimmlage als ihr Bruder. Das ist wichtig, weil die beiden abwechselnd in der Ich-Person erzählen, und dieser Wechsel erfolgt am Schluss der Geschichte ziemlich schnell. Ohne die unterscheidbare Stimmlage würde im Zuhörer nur Verwirrung entstehen, aber so klappt das reibungslos.

Männliche Stimmen wie die von James, Kit oder Mr. Tillbrook sind generell „tiefer gelegt“, aber doch ganz unterschiedlich. Wo James bestimmt und besorgt klingt, wirkt Dr. Tillbrook von einer beruhigend sein sollenden, aber im Grunde hilflosen Betulichkeit. James lässt sich von seinen Sätzen, die Mom trösten sollen, nicht täuschen. Ganz anders hingegen Kit, der Charlie freundlich, langsam und sanft zuredet, doch von der Frucht des Begehrens zu kosten.

Besonders im spannenden Finale muss Köster die Szene vor dem geistigen Auge des Hörers erstehen lassen. Er setzt Flüstern, Rufen und undeutliches Nuscheln ein, um die Szene auf der Kirmes und im Steinbruch authentischer wirken zu lassen, denn eine Unterstützung durch Musik oder Geräusche hat er ja nicht. Die Schwierigkeit besteht darin, dass sich Charlie und James, der ihr folgt, auf zwei verschiedenen Realitätsebenen befinden. Charlies Realität ist der wahr gewordene Traum: Sie hat Max gefunden. Doch James ist mit der harschen Wirklichkeit der Dinge konfrontiert: Charlie steht an der Kante eines Abgrunds.

Ein Booklet gibt es nicht, aber in der Verpackung des Einsteckkartons sind Informationen über Autor und Sprecher abgedruckt. Recht interessant ist das Design des Titelbildes: eine Art Scherenschnitt, wie man sie aus alten Märchen der Kinofrühzeit kennt, zum Beispiel über Prinz Aladin.

Unterm Strich

Strouds Buch behandelt das wichtige und ernste Thema der psychologischen Überwindung eines Todesfalls, des Verlustes eines geliebten Menschen. Und er zeigt die Gefahr auf, die darin besteht, nicht loszulassen, sondern dem Toten auf einer gefährlichen Traumstraße nachzufolgen, ganz so, als wäre sie Orpheus, der seiner Eurydike ins Totenreich folgt, um sie zurückzuholen.

Mehrmals musste ich an die Sümpfe der Toten in „Der Herr der Ringe“ denken, deren Anblick Frodo so in Trance versetzt, dass er zu ihnen hinabstürzt. Wie Sam Gamdschie muss auch Charlies Bruder James sie ins einzige Leben zurückbringen, in dem ihr Körper überleben kann. Das macht die Erzählung nicht so sehr zu Fantasy, sondern zu einem psychologischen Drama mit phantastischen Elementen.

Das Hörbuch

Mit knapp viereinhalb Stunden ist das Hörbuch keinesfalls lang zu nennen, und es kommt auch nie Langeweile auf. Schnell zieht die Geschichte den Hörer in ihren Bann und lässt ihn bis zur spannenden Auflösung nicht mehr los.

CD: 265 Minuten auf 4 CDs.
Originaltitel: The Leap, 2001
Aus dem Englischen übersetzt von Bernadette Ott
Empfohlen ab 11 Jahren
ISBN-13: 9783866048249
https://www.randomhouse.de/Verlag/Random-House-Audio/21000.rhd

Der Autor vergibt: (5.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)