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Wakonigg, Daniela – Mythos & Wahrheit: Frankenstein. Eine Spurensuche mit Musik und Geräuschen

_Parallele Schicksale: das Monster & seine Autorin_

Frankensteins Ungeheuer ist der Inbegriff des Horrors: riesenhaft und hässlich, eine tödliche Maschine, erschaffen aus den Körperteilen Verstorbener und zum Leben erweckt durch den ungezügelten Forscherdrang eines Wissenschaftlers. Im Innern dieses Monsters jedoch schlägt ein empfindsames Herz – vielleicht ein Erbteil seiner literarischen Mutter Mary Wollstonecraft Shelley, die diese Figur mit nur 19 Jahren erschuf?

Wie genau kam es zu der Entstehung von Frankensteins Ungeheuer? Und was ist die wahre Geschichte seines Lebens? (abgewandelte Verlagsinfo)

„Eine Spurensuche mit Musik und Geräuschen“ nennt der Verlag seine Produktion. Es handelt sich also um ein Sach-Hörbuch.

_Die Autorin_

Mary Wollstonecraft Shelley (1797-1851) war 19 Jahre alt, als sie das Manuskript zu ihrem berühmtesten Roman „Frankenstein“ schrieb. Sie war die Tochter eines Philosophen und einer Feministin, welche bei ihrer Geburt starb. Mit 17 brannte sie mit dem Dichter Percy B. Shelley (1792-1822) durch, dessen Frau Selbstmord beging, und heiratete ihn.

1816 verbrachte das Paar den Sommer mit Lord Byron und dessen Leibarzt Dr. John Polidori am Genfer See in der Villa Diodati. Nach dem Vorlesen deutscher Geistergeschichten schlug jemand vor, selbst Geistergeschichten zu schreiben. Daraus entstand „Frankenstein“, doch Byrons Geschichte [„Der Vampyr“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=525 wurde erst 1819 von Polidori vollendet. Mary verwässerte ihren 1818 veröffentlichten Roman durch das Polieren in der Fassung von 1831.

Mary W. Shelley schrieb neben mehreren Erzählungen auch den Roman „The Last Man“ (1826), in dem eine Epidemie die Menschheit dezimiert: Als die Amerikaner England übernehmen, bleibt nach den Auseinandersetzungen ein letzter Mann übrig (der viel Ähnlichkeit mit Percy Shelley hat), der jedoch mit seinem Boot aufs offene Meer hinaussegelt. Dieses Motiv eines letzten weltlichen Überlebenden hat ebenfalls viele Autoren inspiriert.

Unsere Rezensionen zur Hörspielfassung von „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ im |Gruselkabinett| von |Titania Medien|:
[Teil 1]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2960
[Teil 2]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2965

Außerdem von Shelley auf |Buchwurm.info|: [„Die Verwandlung“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4660

_Die Inszenierung_

|Die Sprecher:|

Bodo Primus: Erzähler
Matthias Haase: Dr. Frankenstein
Fritz Stavenhagen: das Ungeheuer
Daniela Wakonigg: Mary Shelley

Regie führte die Übersetzerin und Redakteurin Daniela Wakonigg. Die Musik trug Peter Harrsch bei, der auch die Tontechnik steuerte, und beide sorgten fürs Sounddesign.

_Inhalte_

„Kreisch!“, macht die Frau im Film, als sie des Monsters ansichtig wird. Die Filmzuschauer meinen, das Monster hieße „Frankenstein“, doch in Wahrheit ist es selbst namenlos, während Frankenstein der Name seines Schöpfers ist. Das Monster ist eine Verkörperung menschlicher Urängste, ein moderner Mythos und natürlich der Klassiker auf jeder Horrorparty zu Halloween.
Die wenigsten wissen, dass im Innern dieses 240 Zentimeter großen Wesens, das aus Leichenteilen erschaffen wurde, ein empfindsames Herz schlägt, dass es hochintelligent und sogar gebildet ist. Noch weniger Leute wissen, dass es die Erfindung eines 19-jährigen schüchternen Mädchens aus England ist: Mary Wollstonecraft Shelley (1797-1851). Sie schrieb „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ in einem verregneten Urlaub am Genfer See im Sommer 1816. Lord Byron, Dr. John Polidori und ihr Mann Percy B. Shelley sind dabei und schreiben Geschichten. Doch nur Marys Buch, das sie auf Drängen ihres Mannes niederschreibt und zu einem Roman ausbaut, wird ein Bestseller, nachdem sie diesen 1818 an einen englischen Verlag hat verkaufen können.

Das Buch erscheint anonym, denn wer würde schon einem so jungen Autor ein solches Buch zutrauen, noch dazu einer Frau! Doch der Erfolg „Frankensteins“ ist riesig, schon bald gibt es ein Theaterstück und kurze Zeit nach Erfindung der Kinematografie die ersten Verfilmungen: ein moderner Mythos ist geboren. Er wird zu Marys Schicksal und Verhängnis.

|Marys Leben|

Mary hatte berühmte Eltern, als sie am 30. August 1797 geboren wurde. Ihre Mutter ist eine Frauenrechtlerin, ihr Vater William Godwin ein Kritiker der Gesellschaft, der marxistische Ideen vorwegnimmt. Die amerikanische und die französische Revolution sind nicht ohne Einfluss auf das englische Geistesleben geblieben. Weil ihre Mutter bei ihrer Geburt gestorben ist, heiratet Godwin 1801 erneut. Doch Mary ist ihrer Stiefmutter Mary Jane Clermont ein Dorn im Auge: aufmüpfig, selbständig und neugierig, weshalb sie häufig nach Schottland reist.

Sie verliebt sich in den Dichter Percy Bysshe Shelley, einen romantischen Revolutionär, der ihren Vater verehrt und für seine Rebellion von zwei Unis geflogen ist. Dumm nur, dass Shelley verheiratet ist. Zusammen brennen sie auf den Kontinent durch, unter anderem nach Deutschland. Als ihnen das Geld ausgeht, kehren sie zu ihrem Vater zurück. Die 1815 geborene Tochter stirbt, doch ein zweites Kind wird im Januar 1816 geboren. Im Sommer reisen sie mit Marys Stiefschwester Claire, die Byron und Polidori mitbringt, zum Genfer See. In ihrem Creative-Writing-Kurs entsteht „Frankenstein“. Mary hat über Erasmus Darwins und Galvanis Versuche mit Elektrizität und Zellen gelesen. In einem Traum hat sie die geniale Idee für die Geschichte.

Die Buch-Story von „Frankenstein“ setze ich als bekannt voraus. Das Ungeheuer wird von seinem Schöpfer mehrmals verleugnet, woraufhin es ihm Rache schwört und diese auch an seinen eigenen Lieben ausführt. Der Kampf der beiden verhängnisvoll verbundenen Wesen führt über die Alpengipfel bis zum Nordpol, wo Dr. Viktor Frankenstein auf einem Expeditionsschiff seinen letzten Atemzug tut, erfüllt von Reue über seine Vermessenheit und deren schreckliche Folgen.

Marys Leben verläuft ähnlich unglücklich. Alle ihre Kinder außer Percy Florence sterben, ebenso ihr Mann, der 1822 bei einem Bootsunglück vor der italienischen Küste ertrinkt. Polidori bringt sich 1822 um, Byron stirbt 1824 in Missolonghi am Fieber. Jetzt ist Mary fast völlig arm, am Buch verdient sie nichts mehr, sie bekommt auch keine Alimente von den Verwandten, die kriegt nur ihr Sohn.

Wenn sie etwas veröffentlicht, dann darf dies nach dem Willen ihres Schwiegervaters nicht unter dem Namen „Shelley“ erfolgen, einerseits um den Namen seines Sohnes nicht zu verwenden, zum anderen, um ihren Sohn zu schützen. Sie publiziert also unter dem Pseudonym „Vom Autor von ‚Frankenstein'“.

Kein Wunder, dass sie von ihren eigenen Schriften wenig hielt, so etwa von ihrem zweiten Roman über „Verney, den letzten Menschen“ und „Die Rechtfertigung der Rechte der Frau“. Als ihr Schwiegervater 1844 stirbt, hört sie auf zu schreiben. Ihr Sohn Percy ist inzwischen fett geworden, doch er sichert ihren Lebensunterhalt, bis sie 1851 an einem Gehirntumor stirbt. Nur ihre namenlose Kreatur, die alle für Frankenstein halten, die lebt fort …

_Mein Eindruck_

|Der Schauerroman|

„Frankenstein“ war beileibe nicht der erste Schauerroman der englischen Romantik. Diese Gothic Novels begannen schon 1764 mit „The Castle of Otranto“ von einem Horace Walpole und „The Mysteries of Udolpho“ von Ann Radcliffe. William Beckford schickte 20 Jahre später seinen „Vathek“ (1786) ins Orientalische, und William Godwin (ja, Mary Shelleys Vater) verlagerte die Schrecken in seinem „Caleb Williams“ (1794) ins Psychologische.

Die Requisiten wurden aufeinandergestapelt, die Klischees des Schreckens häuften sich, bis M. G. Lewis in seinem „Der Mönch“ (1795) ein wahres Lagerhaus des Schreckens vorführte, dem E.T.A. Hoffmanns [„Die Elixiere des Teufels“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=519 kaum nachstand. Nach „Frankenstein“ (1818) und Maturins „Melmoth der Wanderer“ (1820) klang der „gotische“ Roman aus, und schon 1818 spottete die sonst so brave Jane Austen mit ihrem Roman „Northanger Abbey“ aufs Ätzendste über diese überlebte Modeerscheinung und ihre verstiegenen Auswüchse.

|Science Fiction|

„Frankenstein“ hat zwar im Original auch viele Sentimentalitäten und die Erzählweise ist dem Briefroman des frühen 19. Jahrhunderts geschuldet, doch Mary Shelley geht darin viel weiter in Richtung Wissenschaft als alle ihre Vorgänger. Dieser Aspekt macht sie für Science-Fiction-Kritiker und -Autoren wie Brian W. Aldiss („Der Milliarden-Jahre-Traum“) zur Urgroßmutter der europäischen Science-Fiction. Mit der Technik des Galvanisierens, die schon zuvor in Italien Froschschenkel zum Zucken brachte, gelingt Frankenstein die Schaffung neuen Lebens. Allerdings nicht aus DNS wie heute, sondern damals aus Leichenteilen. Leben durch Technik: Der „Species“-Zyklus schildert die Folgen erneut im sexy Horrorgewand.

Shelleys Roman ist weit mehr als das literarische Heben des moralischen Zeigefingers mit der Botschaft: „Du sollst dir nicht die Macht eines Gottes anmaßen!“ Das bekommt der arme Victor zwar immer wieder zu hören (von Elisabeth, von Henry, von Prof. Waldmann), und letzten Endes hört er sogar auf die Warner, aber darauf kommt es nicht an. Das wirklich Neue an Shelleys Roman ist das Geschöpf, das keineswegs die triebgesteuerte Dumpfbacke wie in James Whales Film von 1931 ist.

|Die Kreatur|

Das Geschöpf, das nie einen Namen erhält, hat John Miltons Versepos „Das verlorene Paradies“ ebenso gelesen wie Goethes „Die Leiden des jungen Werther“. Es betrachtet sich daher wie Lucifer (= „Lichtbringer“) als einen gefallenen Engel, der verdammt wurde; als einen neuen Adam, der von einem Gott geschaffen wurde, der ihn verstieß, als einen einsamen Unglücklichen, dem eine Gefährtin fehlt, so wie Lotte ihrem Werther fehlt. Folglich fordert es von seinem Schöpfer, ihm eine Gefährtin zu erschaffen. Frankenstein jedoch verrät ihn abermals.

Das sind alles keine Trivialitäten, sondern spiegeln allgemein menschliche Bedingungen wider. Alles, was das Geschöpf sich wünscht und worauf es ein Naturrecht hat, ist die Liebe seines Schöpfers. Jenes vermessenen Prometheus, der von seiner Gesellschaft für seinen so genannten „Frevel“ mit Verstoßung bestraft worden ist. Das wirkliche Perfide ist aber, dass nicht Victor für seinen „Frevel“ leidet, sondern jene Menschen, die ihm das Liebste auf Erden sind. Wo er keine Liebe geben konnte, wird sie ihm nun von seiner Kreatur genommen, auf dass er erkenne, was Liebe bedeutet.

Dass das Geschöpf ihn durchaus liebt, zeigt sich am Schluss der Rahmenhandlung des Briefromans. Der hässliche Riese nimmt die Leiche Frankensteins von Robert Walton in Empfang, damit er sie am Nordpol auf einem Scheiterhaufen verbrennen könne. Wo sein Schöpfer moralisch und menschlich versagte, da besteht es die Prüfung. Es scheint von beiden der bessere Mensch zu sein. Die Ironie dabei: Es hat einige Menschen auf dem Gewissen. Schuldig und zugleich unschuldig zu sein, dieser Widerspruch konfrontiert den heutigen Menschen als Beherrscher der Erde mit seiner eigenen Verantwortung gegenüber der Natur. Sei diese nun ohne ihn geschaffen oder künstlich.

|Der Schöpfer|

So mancher Hörer könnte sich fragen, mit welcher Absicht Victor Frankenstein in der Rahmengeschichte seinem Retter Walton von seinem gescheiterten Leben erzählt. Am Schluss wird deutlich, was er im Sinn hat. Er warnt den jungen Arktisforscher vor allzu großer Neugier, denn das Vordringen in unbekannte Regionen des Wissens – hier wörtlich zu verstehen – berge zu große Gefahren. Der Forscher habe nicht nur für sich selbst die Verantwortung zu tragen, sondern auch für seine Angehörigen, Schutzbefohlenen und Freunde. Und dies nicht nur direkt durch sein Tun und Lassen, sondern auch indirekt durch das, was aus seiner Arbeit entstehe. Bei Victor ist es sein Geschöpf. Es tötete alle Menschen, die Victor etwas bedeuteten, und nun ist es Victor Aufgabe, es aus der Welt zu schaffen. Dieser Erfolg ist ihm allerdings nicht vergönnt.

Nun ist es an Robert Walton, Victors Warnung und Lehre zu akzeptieren oder abzulehnen. Die Entscheidung ist, genau wie Victor sagte, eine über Leben und Tod. Denn wenn Walton weitersegeln lässt, dann wird sein Schiff garantiert ein Opfer des Packeises und einfach wie eine Nussschale zerquetscht. Kapitän und Steuermann warnen ihn eindringlich vor dieser Gefahr. Walton willigt ein umzukehren.

Doch vor der Rückkehr in die Zivilisation übergibt er Frankensteins Leichnam dessen Geschöpf, das schon darauf wartet, um ihn zu bestatten. Mir gehen die letzten Worte des Geschöpfes nicht mehr aus dem Sinn: „Auch ich habe eine Seele! Einst war sie unschuldig und voller Hoffnung.“ Genau wie die eines jeden Kindes …

_Der Inszenierung_

Es ist ein genialer Schachzug der Dramaturgie, die Entstehung und den Werdegang der Kreatur und ihres Schöpfers mit der Biografie Mary Shelleys parallel zu führen. Gott wird zwar nie genannt, aber ist als Schicksalsmacht in Marys Leben stets präsent. Es ist ein höchst unglückliches Leben, will uns scheinen, doch wer hätte das Recht, dies auch von ihren ersten 21 Jahren zu behaupten? Sie ist mit dem Mann, den sie liebt, durchgebrannt, hat Kinder geboren und obendrein auch noch einen Bestseller verkauft, von dem andere Frauen nur träumen dürfen.

Sie hätte nach Shelleys Tod jedes Recht, mit Gott zu hadern, als dessen Geschöpf sie sich betrachten muss. Sie ist fast völlig allein, mit einem enormen Wissen ausgestattet und doch verachtet: als Frau, als Autorin, als Frauenrechtlerin. Aufgeteilt auf vier große Blöcke, werden Marys Leben und das der Kreatur als anrührende und nachvollziehbare Schicksale nachvollziehbar. Es gibt eine sehr anrührende Szene, die die Übergabe von Frankensteins Leiche an die Kreatur schildert, die die Leiche verbrennen will, und ebenso sich selbst.

Hier wird spätestens deutlich, dass Mary mit der Kreatur nicht nur sich selbst meint (als Gottes Geschöpf), sondern auch ihren Seelengefährten Percy Shelley, der ja selbst auch von der Gesellschaft geächtet und verstoßen wurde. Zu guter Letzt stellt auch Marys Kopfgeburt, der Roman an sich, eine Kreatur dar. Und dies hat in jeder Epoche ein jeweils ganz eigenes Schicksal.

|Musik|

Man kann sich leicht vorstellen, dass ein Stoff wie „Frankenstein“ und die Biografie seiner Schöpferin zu dramatischer und düsterer Musik geradezu einladen. Daher kommt es für eine faktenorientierte Präsentation wie diese Lesung mit Musik darauf an, es nicht zu übertreiben. Es gelingt nicht immer.

Ein romantisches Piano, eine Harfe und eine Oboe begleiten den Hörer durch eine faszinierende Zeit und die Frankenstein-Handlung. Düster untermalt ein Cello die unheimlicheren Szenen. Doch immer, wenn Doktor Frankenstein auftritt, erklingt eine dramatisch dröhnende Orgel, die auch dem letzten Hörer klarmacht, welchen Frevel er in seiner Vermessenheit begeht. Die Orgel assoziiert die Kirche, das Haus Gottes. Tritt die Kreatur auf, wird die Orgel verzerrt. Den Ausklang mit dem Lebensende Marys begleiten wieder das Cello und die Harfe.

|Geräusche|

Die Idee zum Buch wurde in einer Sturmnacht 1816 geboren. Regenprasseln und Donnergrollen begleiten dieses folgenreiche Ereignis. Und stets, wenn die Kreatur ihrem Schöpfer gegenübersteht, grollt Donner durch die akustische Kulisse, begleitet von heulendem Wind. Auf der Schiffsreise zum Nordpol hören wir den sterbenden Doktor Frankenstein zum Kapitän flüstern, umringt vom Poltern des Eises, dem Knarren der dünnen Schiffsplanken und dem Heulen des Sturms.

|Die Stimme des Monsters|

Eine interessante Frage betrifft natürlich die Stimme des Ungeheuers. Wie mag wohl ein aus Leichenteilen erschaffener, künstlicher Mensch sprechen? Nun, die Kreatur in diesem Beinahe-Hörspiel redet langsam und in einer tiefen Stimmlage, beinahe feierlich. Doch sie kann auch jammern wie ein Kind, das entdeckt, dass seine Eltern es verraten haben.

|Das Booklet|

Die CD enthält ein kleines vierseitiges Booklet, das alle notwendigen Infos zur Produktion enthält. In einem kurzen Essay schreibt Daniela Wakonigg ihre Gedanken zu dem Buch und zu seiner Autorin. Es ist die Essenz der Argumentation des Sach-Hörbuchs.

_Unterm Strich_

Ich kannte ja bereits das (schwer zu lesende) Buch und das |Gruselkabinett|-Hörspiel, wusste also über die Story Bescheid. Über Mary Shelleys Leben wusste ich sehr viel weniger und war deshalb sehr an weiteren Details interessiert. Über die Sturmnacht der Geschichtenerzähler vom Sommer 1816 liefern die „Vampyr“-Hörspiele ausgezeichnete Auskünfte, die zudem unterhaltsam präsentiert werden.

Die wirkliche Leistung des vorliegenden „Stimmbuchs“ liegt deshalb in der Parallelführung von Marys Leben mit dem der Kreatur. Es ist, als wäre das Monster nur eine andere Version der Frau, ausgestoßen, ungeliebt und verraten, dabei jedoch empfindsam, intelligent und gebildet.

Die Parallelen schlagen die nötige Brücke zwischen dem Mythos beziehungsweise dem Buch und dem Leben seiner Autorin. Immer wieder wurde mir anhand der Kreatur anrührend deutlich aufgezeigt, wie es Mary Shelley ergangen sein muss. Das hat mich von der Qualität dieses Hörbuchs überzeugt. Ich kann es jedem empfehlen, der sich mit dem Werk und seiner Autorin näher beschäftigen will. Allerdings genügt es nicht wissenschaftlichen Ansprüchen (will es auch gar nicht), sondern bildet eine gute, unterhaltsame Einführung.

Fazit: ein Volltreffer.

|75 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-939932-07-9|
http://www.stimmbuch.de
http://www.maritim-produktionen.de

Shelley, Mary / Gruppe, Marc – Frankenstein. Teil 2 von 2 (Gruselkabinett 13)

_Frankenstein: der zweite Sündenfall_

Unterhalb des Montblanc 1815: Die Suche nach Vergeltung für das Leid, das über seine Familie kam, treibt Victor Frankenstein ins Hochgebirge. Schöpfer und Geschöpf treffen erstmals wieder aufeinander. Frankenstein wird sich allmählich der erdrückenden Verantwortung bewusst, die er durch seinen unüberlegten Schöpfungsakt auf sich genommen hat. Sein Geschöpf verspricht, ihn und die Seinen zukünftig unter einer einzigen schrecklichen Bedingung zu verschonen …

Vom Verlag wird das Hörbuch empfohlen für Hörer ab 14 Jahren.

_Die Autorin_

Mary Wollstonecraft Shelley (1797-1851) war 19 Jahre alt, als sie das Manuskript zu ihrem berühmtesten Roman „Frankenstein“ schrieb. Sie war die Tochter eines Philosophen und einer Feministin, welche bei ihrer Geburt starb. Mit 17 brannte sie mit dem Dichter Percy B. Shelley (1792-1822) durch, dessen Frau Selbstmord beging, und heiratete ihn.

1816 verbrachte das Paar den Sommer mit Lord Byron und dessen Leibarzt Dr. John Polidori am Genfer See in der Villa Diodati. Nach dem Vorlesen deutscher Geistergeschichten schlug jemand vor, selbst Geistergeschichten zu schreiben. Daraus entstand „Frankenstein“, doch Byrons Geschichte „Der Vampyr“ wurde erst 1819 von Polidori vollendet (siehe dazu meine [Rezension]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=525 zum Hörspiel von |Ripper Records|). Mary verwässerte ihren 1818 veröffentlichten Roman durch das Polieren in der Fassung von 1831.

Mary W. Shelley schrieb neben mehreren Erzählungen auch den Roman „The Last Man“ (1826), in dem eine Epidemie die Menschheit dezimiert. Als die Amerikaner England übernehmen, bleibt nach den Auseinandersetzungen ein letzter Mann übrig (der viel Ähnlichkeit mit Percy Shelley hat), der jedoch mit seinem Boot aufs offene Meer hinaussegelt. Dieses Motiv eines letzten weltlichen Überlebenden hat ebenfalls viele Autoren inspiriert.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Robert Walton: Norman Matt (Jonathan Rhys-Meyers, „Seraph“ in „Matrix“)
Kapitän: Heinz Ostermann
Steuermann: Andreas Mannkopff (John Candy)
Victor Frankenstein: Peter Flechtner (Ben Affleck, „Riley“ in „Buffy“)
Alphonse Frankenstein: Christian Rode (Christopher Plummer, Michael Caine, „Spock“ in „Star Trek“)
Caroline Frankenstein: Rita Engelmann („Dr. Beverly Crusher“ in „Star Trek“)
Elisabeth Lavenza: Melanie Pukaß (Helena Bonham Carter, Halle Berry)
William Frankenstein: Lucas Mertens
Justine Moritz: Petra Barthel (Uma Thurman, Nicole Kidman)
Henry Clerval: Nicola Devico Mamone (Jake Gyllenhall)
Das Geschöpf: Klaus-Dieter Klebsch (Alec Baldwin, Gabriel Byrne)
Blinder: Jürgen Thormann (Michael Caine, Max von Sydow)
Felix: Marius Clarén (Tobey Maguire)
Agatha: Luise Helm (Scarlett Johansson)

Marc Gruppe schrieb wie stets das Buch und gemeinsam mit Stephan Bosenius setzte er es um. Die Aufnahme fand im Studio AudioCue, Rotor Musikproduktion, Scenario Studio und bei Kazuya statt. Die Illustration stammt von Firuz Askin.

_Handlung_

Die Geschichte setzt am 5. August 1816 an Bord eines Forschungsschiffes ein, das sich ins Eismeer vorwagt. Es gehört dem Forscher Robert Walton, 28, doch natürlich wird es vom Kapitän und seinem Steuermann gesegelt. Da das Schiff im Treibeis steckt, können alle drei verfolgen, wie ein Riese mit einem Hundeschlitten vorüberrast, als wären ihm die Höllenhunde auf den Fersen. Am nächsten Tag taucht ein zweiter Mann auf, doch er treibt auf einer Eisscholle. Walton besteht darauf, ihn an Bord zu holen. Er stellt sich als Dr. Victor Frankenstein vor und gibt an, den Riesen vom Vortag, diesen „Dämon“, zu verfolgen. Als er erfährt, was Walton vorhat, warnt er ihn eindringlich vor zu viel Wissensdurst und erzählt ihm als Beleg für seine Warnung seine dramatische Lebensgeschichte. Diese macht den Löwenanteil der Geschichte aus.

|Frankensteins Erzählung, Teil 2|

Nach seinem Nervenfieber muss Victor erst in der Obhut seines Freundes Henry Clerval genesen, bevor er die weite Reise nach Genf antreten kann. Nach elf Monaten erst trifft er im Herbst 1814 dort ein. Sein Vater ist inzwischen herzkrank, denn die Ermordung seines Sohnes William hat ihn schwer getroffen und Elisabeth Lavenza, seine Adoptivtochter, pflegt ihn liebevoll.

Kaum ist Victor nach Hause zurückgekehrt, gibt es eine neue Überraschung: Seine Quasi-Kusine Justine ist als Mörderin Williams angeklagt worden und hat sogar gestanden! Viktor sieht sich als Urheber dieser Katastrophen, denn offenbar hat sein Geschöpf seine Finger in diesem Unglück. Doch als er es auf dem Gletscher des Montblanc stellt, erzählt es ihm erst einmal, was mit ihm passiert ist.

Vertrieben von seinem angeekelten Schöpfer, schlug es sich in Ingolstadt und dessen Umgebung durch. In einer Scheune fand es Zuflucht, las drei Bücher, die es gefunden hatte – und Victor Frankensteins persönliches Tagebuch! Als es dort einer nahbei lebenden Familie zusah, merkte es, was ihm vorenthalten wurde. Es betätigte sich als guter Geist der Familie und eines Tages, als die Jungen fort sind, besucht es den Alten, der blind ist. Weil er das Geschöpf nicht sehen kann, kommt es ihm ganz normal vor, und erstmals fühlt sich das Geschöpf als menschliches Wesen anerkannt. Doch die Rückkehr der Jungen wird zur Katastrophe: Es wird vertrieben. Da beschloss es, zu seinem Schöpfer zurückzukehren.

Nun verlangt es von ihm eine Wiederholung des Verbrechens Frankensteins. Es will nicht mehr alleine sein und verlangt eine Gefährtin. Dann werde es Frankenstein in Ruhe lassen und mit ihr weit fort zurückgezogen leben. Doch falls nicht, werde er seinen Schöpfer und dessen ganze Familie auslöschen.

Viktor Frankenstein hat die Wahl: Sein Verbrechen zu wiederholen oder alles zu verlieren, was ihm lieb und teuer ist, allen voran Elisabeth. Doch Victor zerstört sein beinahe vollendetes Werk und pfeift auf die Drohungen der Kreatur. Er heiratet Elisabeth und trifft Vorkehrungen, die Kreatur zu töten, sollte sie sich blicken lassen. Doch es ist bereits später, als er denkt. Ein Schrei gellt aus dem Schlafzimmer der Braut …

_Mein Eindruck_

Meinen Ausführungen und Eindrücken, die ich zum 1. Teil formulierte, habe ich im Grunde nur wenig hinzuzufügen. Alles andere könnte als Zeilenschinderei aufgefasst werden. Daher wird dies ein ziemlich kurzer Abschnitt. Wer mehr wissen will, lese bitte die [Rezension zum 1. Teil.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2960

So mancher Hörer könnte sich fragen, mit welcher Absicht Victor Frankenstein in der Rahmengeschichte seinem Retter Walton von seinem gescheiterten Leben erzählt. Am Schluss wird deutlich, was er im Sinn hat. Er warnt den jungen Arktisforscher vor allzu großer Neugier, denn das Vordringen in unbekannte Regionen des Wissens – hier wörtlich zu verstehen – berge zu große Gefahren. Denn der Forscher habe nicht nur für sich selbst die Verantwortung zu tragen, sondern auch für seine Angehörigen, Schutzbefohlenen und Freunde. Und dies nicht nur direkt durch sein Tun und Lassen, sondern auch indirekt durch das, was aus seiner Arbeit entstehe. Bei Victor ist es sein Geschöpf. Es tötete alle Menschen, die Victor etwas bedeuteten, und nun ist es Victor Aufgabe, es aus der Welt zu schaffen. Dieser Erfolg gelingt ihm allerdings nicht.

Nun ist es an Robert Walton, Victors Warnung und Lehre zu akzeptieren oder abzulehnen. Die Entscheidung ist, genau wie Victor sagte, eine über Leben und Tod. Denn wenn Walton weitersegeln lässt, dann wird sein Schiff garantiert ein Opfer des Packeises und einfach wie eine Nussschale zerquetscht. Kapitän und Steuermann warnen ihn eindringlich vor dieser Gefahr. Walton willigt ein umzukehren.

Doch vor der Rückkehr in die Zivilisation übergibt er Frankensteins Leichnam dessen Geschöpf, das schon darauf wartet, um ihn zu bestatten. Mir gehen die letzten Worte des Geschöpfes nicht mehr aus dem Sinn: „Auch ich habe eine Seele! Einst war sie unschuldig und voller Hoffnung.“ Genau wie die eines jeden Kindes …

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Dies ist nicht nur Kino für die Ohren, sondern auch noch Hollywoodkino. Denn hier sprechen nicht irgendwelche Sprecher, sondern die deutschen Stimmen bekannter Stars aus der amerikanischen, englischen und französischen Filmgeschichte. Dass diese Profis eine solide Performance abliefern, versteht sich fast von selbst, und der Hörer kann entsprechend zufrieden sein.

Solche geübten und prestigeträchtigen Sprecher und Sprecherinnen einzusetzen, gehört zum Marketing von Marc Gruppe bzw. |Titania Medien|. Hinzu kommen jeweils traditionsreiche Schauergeschichten, die den nötigen emotionalen Rahmen für die Entfaltung solcher Stimmtalente liefern. Zu Anfang waren es eher unbekannte Geschichte wie etwa Launs „Totenbraut“, doch mittlerweile wagt sich Marc Gruppe an die Klassiker heran. Nach den Weihnachtsstandards von Charles Dickens’ Scrooge und Burnetts „kleinem Lord“ nimmt sich der Produzent zentraler Stoffe an. „Frankenstein“ macht den Anfang, dann folgt im April 2007 „Dracula“.

Dramaturgische Schwächen gibt es in diesem zweiten Teilen eigentlich nicht, wenn man davon absieht, dass es meist doch recht ruhig zugeht. Aber die Ruhe täuscht: Drei der Figuren finden hier einen vorzeitigen Tod, und bekanntlich geht es Victor selbst auch nicht so gut. Mit ihm kehrt die Rahmenhandlung zurück und findet ein mehr oder weniger befriedigendes Ende. Anders als in vielen Verfilmungen ist es nicht das „Monster“, das hier den Tod findet, sondern sein Schöpfer.

|Musik und Geräusche|

Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde, allerdings ist die Geräuschkulisse im zweiten Teil eine ganz andere als im ersten Teil. Auf dem Gletscher, wo Victor sein Geschöpf trifft, pfeift ein eisiger Wind um Eis und Höhle, und am Schluss herrscht ebenfalls wieder Kälte. Dazwischen nur wenige Momente der Unbeschwertheit, nämlich an Victor Hochzeitsabend. Recht eindrucksvoll gestaltet ist Victors Besuch bei der unschuldig verurteilten Jugendfreundin Justine Moritz: Das Wasser tropft von den Wänden ihrer Kerkerzelle, und ihre Stimme hallt von den kahlen Wänden wider. Am nächsten Morgen erleben wir ihre Hinrichtung durch das Henkersbeil nur indirekt mit: in der klassischen Mauerschau der antiken Bühnenstücke.

Die Musik gibt sehr genau die vorherrschende Stimmung einer Szene wieder. So ist etwa die Auferstehungsszene höchst dramatisch inszeniert, so dass sie an die beekannten B-Movies der dreißiger, als der erste „Frankenstein“-Film entstand, und sechziger Jahre erinnert, als Roger Corman die Stoffe Edgar Allan Poes so trefflich in Szene zu setzen wusste. Musik, Geräusche und Stimmen wurden so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann.

|Das Booklet|

… enthält im Innenteil lediglich Werbung für das Programm von |Titania Medien|. Auf der letzten Seite finden sich die Informationen, die ich oben aufgeführt habe, also über die Sprecher und die Macher.

_Unterm Strich_

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und Stimmen von Hollywoodstars einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Lesern, die sich nie für das Original des „Frankenstein“ interessiert haben, könnten hier endlich einen Zugang finden, der sie unterhält statt sie schulmeisterlich zu langweilen. Der Verlag empfiehlt sein Werk ab 14 Jahren.

|Originaltitel: Frankenstein or The Modern Prometheus, 1818
75 Minuten auf 1 CD|
http://www.titania-medien.de
http://www.luebbe-audio.de

_Das |Gruselkabinett| auf |Buchwurm.info|:_

[„Carmilla, der Vampir“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=993 (Gruselkabinett 1)
[„Das Amulett der Mumie“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1148 (Gruselkabinett 2)
[„Die Familie des Vampirs“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1026 (Gruselkabinett 3)
[„Das Phantom der Oper“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1798 (Gruselkabinett 4)
[„Die Unschuldsengel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1383 (Gruselkabinett 5)
[„Das verfluchte Haus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1810 (Gruselkabinett 6)
[„Die Totenbraut“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1854 (Gruselkabinett 7)
[„Spuk in Hill House“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1866 (Gruselkabinett 8 & 9)
[„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2349 (Gruselkabinett 10)
[„Untergang des Hauses Usher“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2347 (Gruselkabinett 11)
[„Frankenstein. Teil 1 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2960 (Gruselkabinett 12)
[„Frankenstein. Teil 2 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2965 (Gruselkabinett 13)
[„Frankenstein. Teil 1 und 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3132 (Gruselkabinett 12 & 13)
[„Die Blutbaronin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3032 (Gruselkabinett 14)
[„Der Freischütz“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3038 (Gruselkabinett 15)
[„Dracula“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3489 (Gruselkabinett 16-19)
[„Der Werwolf“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4316 (Gruselkabinett 20)
[„Der Hexenfluch“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4332 (Gruselkabinett 21)
[„Der fliegende Holländer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4358 (Gruselkabinett 22)
[„Die Bilder der Ahnen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4366 (Gruselkabinett 23)
[„Der Fall Charles Dexter Ward“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4851 (Gruselkabinett 24/25)
[„Die liebende Tote“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5021 (Gruselkabinett 26)
[„Der Leichendieb“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5166 (Gruselkabinett 27)

Shelley, Mary / Gruppe, Marc – Frankenstein. Teil 1 von 2 (Gruselkabinett 12)

_Eindrucksvoll: Schauerroman mit Hollywoodstimmen_

Ingolstadt 1811: Dem jungen Studenten Victor Frankenstein genügen die Erkenntnisse der herkömmlichen Wissenschaft nicht mehr. Er wagt sich an vermessene Forschungen über das Geheimnis der Schöpfung. Aus Leichenteilen flickt er in seinem Laboratorium ein Geschöpf von beträchtlicher Größe und abstoßender Hässlichkeit zusammen. In einer düsteren Novembernacht gelingt es Frankenstein schließlich, dem Wesen Leben einzuhauchen …

Vom Verlag wird das Hörbuch empfohlen für Hörer ab 14 Jahren.

_Die Autorin_

Mary Wollstonecraft Shelley (1797-1851) war 19 Jahre alt, als sie das Manuskript zu ihrem berühmtesten Roman „Frankenstein“ schrieb. Sie war die Tochter eines Philosophen und einer Feministin, welche bei ihrer Geburt starb. Mit 17 brannte sie mit dem Dichter Percy B. Shelley (1792-1822) durch, dessen Frau Selbstmord beging, und heiratete ihn.

1816 verbrachte das Paar den Sommer mit Lord Byron und dessen Leibarzt Dr. John Polidori am Genfer See in der Villa Diodati. Nach dem Vorlesen deutscher Geistergeschichten schlug jemand vor, selbst Geistergeschichten zu schreiben. Daraus entstand „Frankenstein“, doch Byrons Geschichte „Der Vampyr“ wurde erst 1819 von Polidori vollendet (siehe dazu meine [Rezension]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=525 zum Hörspiel von |Ripper Records|). Mary verwässerte ihren 1818 veröffentlichten Roman durch das Polieren in der Fassung von 1831.

Mary W. Shelley schrieb neben mehreren Erzählungen auch den Roman „The Last Man“ (1826), in dem eine Epidemie die Menschheit dezimiert. Als die Amerikaner England übernehmen, bleibt nach den Auseinandersetzungen ein letzter Mann übrig (der viel Ähnlichkeit mit Percy Shelley hat), der jedoch mit seinem Boot aufs offene Meer hinaussegelt. Dieses Motiv eines letzten weltlichen Überlebenden hat ebenfalls viele Autoren inspiriert.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Chronist: Jochen Schröder (dt. Stimme von James Cromwell, „John Walton, Sr.“)
Mary Shelley: Monica Bielenstein (Emma Thompson, Diane Keaton)
Robert Walton: Norman Matt (Jonathan Rhys-Meyers, „Seraph“ in „Matrix“)
Kapitän: Heinz Ostermann
Steuermann: Andreas Mannkopff (John Candy)
Victor Frankenstein: Peter Flechtner (Ben Affleck, „Riley“ in „Buffy“)
Alphonse Frankenstein: Christian Rode (Christopher Plummer, Michael Caine, „Spock“ in „Star Trek“)
Caroline Frankenstein: Rita Engelmann („Dr. Beverly Crusher“ in „Star Trek“)
Elisabeth Lavenza: Melanie Pukaß (Helena Bonham Carter, Halle Berry)
William Frankenstein: Lucas Mertens
Justine Moritz: Petra Barthel (Uma Thurman, Nicole Kidman)
Henry Clerval: Nicola Devico Mamone (Jake Gyllenhall)
Das Geschöpf: Klaus-Dieter Klebsch (Alec Baldwin, Gabriel Byrne)
Prof. Waldmann: Hartmut Neugebauer (Gene Hackman)
Prof. Krempe: Lutz Mackensy (Al Pacino, Christopher Lloyd, David Caruso)
Totengräber: Tobias Kluckert („Michael Vaughn“ in „Alias“)
Zimmerwirtin: Ingeborg Lapsien („Dorothy Halligan“ in „Alf“)

Marc Gruppe schrieb wie stets das Buch und gemeinsam mit Stephan Bosenius setzte er es um. Die Aufnahme fand im Studio AudioCue, Rotor Musikproduktion, Scenario Studio und bei Kazuya statt. Die Illustration stammt von Firuz Askin.

_Handlung_

Wie die Romanvorlage ist auch das Hörspiel relativ verschachtelt und der Hörer sollte aufpassen, auf welcher Ebene er sich gerade befindet.

Erst einmal macht uns ein Erzähler klar, dass wir uns im Jahr 1816 befinden, dasjenige, welches keine Sommer hatte: Die Aschewolken eines Vulkanausbruchs verdüsterten weltweit die Atmosphäre, und es regnete offenbar ständig. Auch über der Villa Diodati am Genfer See, wo sich eine Gruppe Engländer eingefunden hat. Eigentlich sind nur Lord Byron und Percy Shelley Dichter, aber nach der Lektüre deutscher Schauergeschichten will man etwas Besseres produzieren. Mary Shelley beginnt das Manuskript von „Frankenstein“. Davon erzählt sie selbst.

Die Geschichte beginnt am 5. August 1816 an Bord eines Forschungsschiffes, das sich ins Eismeer vorwagt. Es gehört dem Forscher Robert Walton, 28, doch natürlich wird es vom Kapitän und seinem Steuermann gesegelt. Da das Schiff im Treibeis steckt, können ale drei verfolgen, wie ein Riese mit einem Hundeschlitten vorüberrast, als wären ihm die Höllenhunde auf den Fersen. Am nächsten Tag taucht ein zweiter Mann auf, doch er treibt auf einer Eisscholle. Walton besteht darauf, ihn an Bord zu holen. Er stellt sich als Victor Frankenstein vor und gibt an, den Riesen vom Vortag, diesen „Dämon“, zu verfolgen. Als er erfährt, was Walton vorhat, warnt er ihn eindringlich vor zu viel Wissensdurst und erzählt ihm als Beleg für seine Warnung seine dramatische Lebensgeschichte. Diese macht den Löwenanteil der Geschichte aus.

|Frankensteins Erzählung|

Er wurde in Genf geboren, als Sohn des Anwalts Alphonse Frankenstein. Seine Frau Caroline adoptierte, als Victor fünf war, ein Mädchen namens Elisabeth von einer italienischen Familie. Die beiden Kinder betrachten sich bald als Cousin und Kusine. Als Victor sieben ist, wird William geboren, und mit Justine Moritz, der Tochter einer Bediensteten, wird der Haushalt komplett. Henri Clerval ist Victors bester Freund, doch ein Schöngeist, der lieber dichtet, als Experimente anzustellen, wie Victor es gerne tut. Angeregt durch die Lektüre von Alchimisten und Isaac Newton, beschließt Victor, in den Naturwissenschaften unsterblichen Ruhm zu erringen, ja, sogar den Tod zu überwinden.

Bei einem Gewitter in den nahen Bergen bewundert Victor die ungeheure Energie, die im Blitzstrahl steckt. Wie wäre es, diese Vernichtungs- in Schöpfungskraft umzuwandeln und neues Leben zu schaffen? Das wäre Frevel und eine Sünde, sagt Elisabeth und Henri gibt den Fall Prometheus‘ zu bedenken: Der Titan erschuf nach der Sage Menschen und brachte ihnen das Feuer, wurde dafür aber von Zeus grausam bestraft. Victor wischt die Warnung beiseite. Auf ihren Sterbebett verspricht er seiner Mutter, ein großer Wissenschaftler zu werden und nach seinem Studium Elisabeth zu heiraten. Beides wird wahr, auf eine gewisse Weise.

An der Uni Ingolstadt begeistert Victor die Art, wie Prof. Waldmann die Alchimisten verteidigt, und Waldmann ist vom Eifer des Studenten sehr angetan. Victor darf Waldmanns Labor benutzen und erfindet bald eigene Apparate, die durchaus Anklang finden. Doch er richtet sich auf dem Dachboden ein eigenes Labor ein, und was er dort treibt, treibt den Professor auf die Palme: Totes zum Leben erwecken?! Was für ein Frevel! Und obwohl es Victor vor seinen Augen gelingt, ein fünf Tage totes Ferkel wiederzubeleben, flieht Waldmann unter Drohungen von dannen. Er werde Frankenstein der Universität verweisen lassen.

Es ist ein Leichtes, sich Leichen und Leichenteile zu verschaffen, denn Victor sei beleibe nicht der erste, der das will, sagt der Totengräber. Über den Preis könne man sich doch einigen, oder? Und ob: In kurzer Zeit setzt Victor einen Riesen aus Leichenteilen zusammen. Mit der Elektrizität eines Blitzes erweckt er ihn zum Leben. Die Kreatur flößt Frankenstein jedoch sowohl Ekel als auch Furcht ein, und so wirft er das unschuldige Geschöpf hinaus auf die Straße. Doch der Riese hat von Victors Zimmerwirtin den Namen „Frankenstein“ vernommen und sich gut gemerkt.

Victor erleidet einen Nervenzusammenbruch, als ihm die Bedeutung seines Tuns klar wird. Erst muss er genesen, und dann an der Seite Henris darauf warten, dass die Straßen frei werden. Als es Herbst 1815 ist, will er nach Hause reisen, als ihn eine Hiobsbotschaft erreicht: Sein Bruder William wurde heimtückisch ermordet! Und kaum ist Victor in Genf angekommen, erblickt er am Tatort eine riesige Gestalt, die davoneilt. Ist es seine Kreatur, die nun zu seiner Nemesis geworden ist?

_Mein Eindruck_

„Frankenstein“ war beileibe nicht der erste Schauerroman der englischen Romantik. Diese Gothic Novels begannen schon 1764 mit „The Castle of Otranto“ von einem Horace Walpole und „The Mysteries of Udolpho“ von Ann Radcliffe. William Beckford schickte 20 Jahre später seinen „Vathek“ (1786) ins Orientalische, und William Godwin (ja, Mary Shelleys Vater) verlagerte die Schrecken in seinem „Caleb Williams“ (1794) ins Psychologische.

Die Requisiten wurden aufeinandergestapelt, die Klischees des Schreckens häuften sich, bis M. G. Lewis in seinem „Der Mönch“ (1795) ein wahres Lagerhaus des Schreckens vorführte, dem E.T.A. Hoffmanns „Die Elixiere des Teufels“ kaum nachstand. Nach „Frankenstein“ (1818) und Maturins „Melmoth der Wanderer“ (1820) klang der „gotische“ Roman aus, und schon 1818 spottete Jane Austen mit ihrer Roman „Northanger Abbey“ aufs Ätzendste über diese überlebte Modeerscheinung und ihre verstiegenen Auswüchse.

„Frankenstein“ hat zwar im Original auch viele Sentimentalitäten und die Erzählweise ist dem Briefroman des frühen 19. Jahrhunderts geschuldet, doch Mary Shelley geht darin viel weiter in Richtung Wissenschaft als alle ihre Vorgänger. Dieser Aspekt macht sie für SF-Kritiker und –Autoren wie Brian W. Aldiss („Der Milliarden-Jahre-Traum“) zur Urgroßmutter der europäischen Science-Fiction. Mit der Technik des Galvanisierens, die schon zuvor in Italien Froschschenkel zum Zucken brachte, gelingt Frankenstein die Schaffung neuen Lebens. Allerdings nicht aus DNS wie heute, sondern damals aus Leichenteilen.

Shelleys Roman ist weit mehr als das literarische Heben des moralischen Zeigefingers mit der Botschaft: „Du sollst dir nicht die Macht eines Gottes anmaßen!“ Das bekommt der arme Victor zwar immer wieder zu hören (von Elisabeth, von Henry, von Prof. Waldmann), und letzten Endes hört er sogar auf die Warner, aber darauf kommt es nicht an. Das wirklich Neue an Shelleys Roman ist das Geschöpf, das keineswegs die triebgesteuerte Dumpfbacke wie in James Whales Film von 1933 ist. Das Geschöpf, das nie einen Namen erhält, hat John Miltons Versepos „Das verlorene Paradies“ ebenso gelesen wie Goethes „Die Leiden des jungen Werther“. Es betrachtet sich daher wie Lucifer (= „Lichtbringer“) als einen gefallenen Engel, der verdammt wurde, als einen neuen Adam, der von einem Gott geschaffen wurde, der ihn verstieß, als einen einsamen Unglücklichen, dem eine Gefährtin fehlt, so wie Lotte ihrem Werther fehlt.

Das sind alles keine Trivialitäten, sondern spiegeln allgemein menschliche Bedingungen wider. Alles, was das Geschöpf sich wünscht und worauf es ein Naturrecht hat, ist die Liebe seines Schöpfers. Jenes vermessenen Prometheus, der von seiner Gesellschaft für seinen so genannten „Frevel“ mit Verstoßung bestraft worden ist. Das wirkliche Perfide ist aber, dass nicht Victor für seinen „Frevel“ leidet, sondern jene Menschen, die ihm das Liebste auf Erden sind. Wo er keine Liebe geben konnte, wird sie ihm nun genommen, auf dass er erkenne, was Liebe bedeutet.

Dass das Geschöpf ihn durchaus liebt, zeigt sich am Schluss der Rahmenhandlung. Der hässliche Riese nimmt die Leiche Frankensteins von Robert Walton in Empfang, damit er sie am Nordpol auf einem Scheiterhaufen verbrennen könne. Wo sein Schöpfer moralisch und menschlich versagte, dan besteht es die Prüfung. Es scheint von beiden der bessere Mensch zu sein. Die Ironie dabei: Es hat einige Menschen auf dem Gewissen. Schuldig und zugleich unschuldig zu sein, dieser Widerspruch konfrontiert den heutigen Menschen als Beherrscher der Erde mit seiner eigenen Verantwortung gegenüber der Natur. Sei diese nun ohne ihn geschaffen oder künstlich.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Dies ist nicht nur Kino für die Ohren, sondern auch noch Hollywoodkino. Denn hier sprechen nicht irgendwelche Sprecher, sondern die deutschen Stimmen bekannter Stars aus der amerikanischen, englischen und französischen Filmgeschichte. Dass diese Profis eine solide Performance abliefern, versteht sich fast von selbst, und der Hörer kann entsprechend zufrieden sein.

Solche geübten und prestigeträchtigen Sprecher und Sprecherinnen einzusetzen, gehört zum Marketing von Marc Gruppe bzw. |Titania Medien|. Hinzu kommen jeweils traditionsreiche Schauergeschichten, die den nötigen emotionalen Rahmen für die Entfaltung solcher Stimmtalente liefern. Zu Anfang waren es eher unbekannte Geschichte wie etwa Launs „Totenbraut“, doch mittlerweile wagt sich Marc Gruppe an die Klassiker heran. Nach den Weihnachtsstandards von Charles Dickens’ Scrooge und Burnetts „kleinem Lord“ nimmt sich der Produzent zentraler Stoffe an. „Frankenstein“ macht den Anfang, dann folgt im April 2007 „Dracula“.

Die notwendigen Kürzungen des Stoffes machen auch vor der psychologischen Motivation mancher Figuren nicht halt. So fiel mir deutlich auf, dass sich Victor nur aufgrund von Henrys Besuch und Vorhaltungen von einem triumphierenden Experimentator à la Prometheus in ein schuldbewusstes Häuflein Elend verwandelt, das flugs einem Nervenfieber zum Opfer fällt. Das wirkt keineswegs glaubwürdig, auch nicht, wenn Victor etwas von Dämonen und Frevel fantasiert. Aber es ist dramaturgisch notwendig, um zu erklären, warum er erst knapp ein Jahr später nach Genf heimkehrt. Dann beginnt der zweite Teil dieses Hörspiels.

|Musik und Geräusche|

Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde. Da klappern die Hufe der Kutschpferde, und im Labor blubbern die Glaskolben eines chemischen Experiments vor sich hin. Der Höhepunkt ist jedoch stets der Donnerschlag, der jenen Blitzen folgt, die Victors Wahnwitz inspirieren, einen toten Menschen zum Leben erwecken zu wollen. Und es ist natürlich solch ein Blitz, der der Kreatur Leben einhaucht. (Ein Starkstromelektriker würde sich sicherlich mit Grausen abwenden.) Das Geschöpf heucht, ächzt und stöhnt denn auch sehr realistisch, und die Spannung steigt, ob es wohl eine Art Bewusstsein erlangen wird.

Die Musik gibt sehr genau die vorherrschende Stimmung einer Szene wieder. So ist etwa diese Auferstehungsszene höchst dramatisch inszeniert, so dass sie an die beekannten B-Movies der Dreißiger, als der erste „Frankenstein“-Film entstand, und sechziger Jahre erinnert, als Roger Corman die Stoffe Edgar Allan Poes so trefflich in Szene zu setzen wusste. Musik, Geräusche und Stimmen wurde so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann.

|Das Booklet|

… enthält im Innenteil lediglich Werbung für das Programm von |Titania Medien|. Auf der letzten Seite finden sich die Informationen, die ich oben aufgeführt habe, also über die Sprecher und die Macher.

_Unterm Strich_

Mehrmals erinnerte mich dieses Hörspiel an jene wundervoll schaerlich.fantasiereichen Frankenstein-Filme der Londoner Hammer Studios, in denen Peter Cushing den skrupellosen Experimentator mimte. Die gleichen Geräusche aus dessen Labor finden sich auch hier: Es knistert, blubbert und brizzelt wie in einer vollautomatisierten Hexenküche, der allfällige Donnerschlag beim Blitzstrahl setzt dem Ganzen die Krone auf.

Dem akustischen Drama entspricht das menschliche, wie ich oben ausgeführt habe. Dieser erste Teil endet mit dem vollbrachten Frevel und der Vorahnung kommenden Unheils. Der zweite Teil übertrifft dann sämtliche Befürchtungen, doch liefert er auch die Rechtfertigung des „Monstrums“, das Frankenstein geschaffen hat. Alles wird zu einem tragischen Ende gebracht, und die mitunter verschachtelt erscheinende Erzählung wieder zu einer Einheit.

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und Stimmen von Hollywoodstars einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Allerdings gab es an einer Stelle einen unglaubwürdigen, weil allzu raschen Wandel der Hauptfigur vom Prometheus zum schuldbewussten Verbrecher. Hier ist die Kürzung etwas zu weit gegangen, finde ich. Dennoch ist der Hörer gespannt auf die Fortsetzung im zweiten Teil.

|Originaltitel: Frankenstein or The Modern Prometheus, 1818
55 Minuten auf 1 CD|
http://www.titania-medien.de
http://www.luebbe-audio.de

_Das |Gruselkabinett| auf |Buchwurm.info|:_

[„Carmilla, der Vampir“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=993 (Gruselkabinett 1)
[„Das Amulett der Mumie“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1148 (Gruselkabinett 2)
[„Die Familie des Vampirs“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1026 (Gruselkabinett 3)
[„Das Phantom der Oper“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1798 (Gruselkabinett 4)
[„Die Unschuldsengel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1383 (Gruselkabinett 5)
[„Das verfluchte Haus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1810 (Gruselkabinett 6)
[„Die Totenbraut“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1854 (Gruselkabinett 7)
[„Spuk in Hill House“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1866 (Gruselkabinett 8 & 9)
[„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2349 (Gruselkabinett 10)
[„Untergang des Hauses Usher“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2347 (Gruselkabinett 11)
[„Frankenstein. Teil 1 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2960 (Gruselkabinett 12)
[„Frankenstein. Teil 2 von 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2965 (Gruselkabinett 13)
[„Frankenstein. Teil 1 und 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3132 (Gruselkabinett 12 & 13)
[„Die Blutbaronin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3032 (Gruselkabinett 14)
[„Der Freischütz“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3038 (Gruselkabinett 15)
[„Dracula“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3489 (Gruselkabinett 16-19)
[„Der Werwolf“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4316 (Gruselkabinett 20)
[„Der Hexenfluch“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4332 (Gruselkabinett 21)
[„Der fliegende Holländer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4358 (Gruselkabinett 22)
[„Die Bilder der Ahnen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4366 (Gruselkabinett 23)
[„Der Fall Charles Dexter Ward“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4851 (Gruselkabinett 24/25)
[„Die liebende Tote“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5021 (Gruselkabinett 26)
[„Der Leichendieb“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5166 (Gruselkabinett 27)

H. G. Wells – Die Insel des Dr. Moreau (Gruselkabinett 122)

Frankensteins Schöpfungen laufen Amok

Im Jahr 1887 wird der schiffbrüchige Engländer Edward Prendick von einem Schiff aufgenommen, das einen gewissen Montgomery mit seinem grotesken Diener M’ling und eine Ladung verschiedener Tiere auf die geheimnisvolle Insel von Dr. Moreau bringen soll. Moreau ist für Edward Prendick beileibe kein Unbekannter, immerhin hat auch er einen wissenschaftlichen Hintergrund… (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt sein Hörspiel ab 14 Jahren.

Der Autor

H. G. Wells – Die Insel des Dr. Moreau (Gruselkabinett 122) weiterlesen

[NEWS] DEAN KOONTZ: Frankenstein: Die tote Stadt

Dean Koontz‘ Frankenstein-Saga geht bei Heyne in die fünfte Runde: „Die tote Stadt“.

Der Kampf gegen die Menschheit ist voll entbrannt. Im kleinen Ort Rainbow Falls, Montana, rotten sich die wenigen Überlebenden zusammen, um Frankensteins Kreaturen aufzuhalten. Doch selbst dessen erstes Monster und mutigster Widersacher Deucalion scheint ihnen nicht mehr helfen zu können. Das Überleben der Menschheit hängt am seidenen Faden.

Dean Koontz wurde 1945 in Pennsylvania geboren und lebt heute mit seiner Frau in Kalifornien. Seine zahlreichen Romane – Thriller und Horrorromane – wurden in 38 Sprachen übersetzt und sämtlich zu internationalen Bestsellern. Weltweit wurden bislang 400 Millionen Exemplare seiner Bücher verkauft.

(Verlagsinfos)

Originaltitel: Frankenstein 5 – The Dead Town
Originalverlag: Bantam
Aus dem Amerikanischen von Ursula Gnade
Deutsche Erstausgabe
Taschenbuch, Broschur, 400 Seiten
ISBN: 978-3-453-43644-2

Der Verlag bietet unter dieser Adresse eine Leseprobe an.