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Alan Garner – Elidor

Das vergessene Britannien: Kinder helfen in der Not

„Stadtpläne können Wegweiser in ungeahnte Dimensionen sein. Warum ist Rolands Blick ausgerechnet auf die Thursday Street gefallen? Eigentlich nur zum Zeitvertreib machen er und seine drei Geschwister sich auf die Suche nach dieser ominösen Straße und geraten in ein Abbruchviertel von Manchester. Jemand lockt und drängt sie, die Schwelle in das einstmals lichthelle Land Elidor zu überschreiten, zu dessen Erlösung sie durch die Kraft ihrer Vorstellung ausersehen sind. Und von da an lassen ihnen die magischen Mächte aus Elidor auch in der Alltagswirklichkeit im Schutz ihres Elternhauses keine Ruhe mehr.“ (dt. Verlagsinfo)

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Rosemary Sutcliff – Das Hexenkind

Elternlos und arm arbeitet der Junge Lovel in einem abgelegenen Dorf als Schafhirt. Niemand macht sich die Mühe, in seinem Gesicht nach Intelligenz zu suchen, denn sein Körper ist verunstaltet durch eine verkrümmte Schulter und ein hinkendes Bein. Lovel lebt mit seiner Großmutter zusammen in einer Hütte am Rand des Dorfes und erlebt die Fürsorge dieser Frau, die eine heilkundige Kräuterfrau ist, bis zu ihrem Tode.

Plötzlich vergessen die Dorfbewohner die wundersamen Heilkünste und sehen in Lovel nur noch den missgestalten Waisen, ein Hexenkind, bewerfen ihn mit Steinen und jagen ihn davon. Er sucht völlig verwirrt und orientierungslos das Weite und läuft täglich weiter der Sonne entgegen, bis ihn seine Kräfte endgültig verlassen. Ein Schweinehirt findet ihn und bringt ihn in das nahe gelegene Kloster „New Minster“, wo er gepflegt und aufgepäppelt wird. Da der Lehnsherr des fernen Dorfes keine Verwendung für ihn hat, bleibt er im Kloster und erledigt allerlei Aufgaben für die Mönche und anderen Klosterbewohner.

Bis eines Tages Rahere, des Königs Hofnarr, im Kloster erscheint und in Lovel die Heilkünste seiner Großmutter erkennt …

Sutcliff versteht es wie keine zweite, Geschichte leben und vor dem Auge des Lesers entstehen zu lassen. Stets aus dem Blickwinkel eines Jugendlichen erzählt, lässt sie den jungen Leser mit dem Protagonisten zusammen erleben, was die jeweiligen Zeiten und Gegebenheiten für die Menschen bedeuteten.

„Das Hexenkind“ spielt im England des 12. Jahrhunderts, eine Zeit, in der alles Andersartige verteufelt und gefürchtet wurde. Wenn die Furcht zu groß wurde, schlossen sich die Menschen zusammen und suchten Zuflucht in der Brutalität, die sich oft auf Unschuldige entlud. Die Furcht, welche die Menschen dieser Erzählung vor Lovels Großmutter verspüren, hindert sie zu deren Lebzeiten daran, ihren verkrüppelten Enkel zu belangen, denn Krüppel galten in der Zeit als unnütze Esser und wurden gerne wenigstens vertrieben, wenn sie überlebten. Nach ihrem Tod ist Lovel sofort der Ableiter ihrer aufgestauten Furcht und verstärkt ihre Vorurteile durch seine Krankheit.

Während seiner Zeit im Kloster beschreibt Sutcliff, wie ein religiöser Orden, der zwar die Hilfebedürftigen aufnimmt, Lovel als Krüppel allerdings auch eher missachtet, durch sein heilerisches Talent langsam umgestimmt wird und ihn als Mensch akzeptiert. Aber erst das Auftauchen des Hofnarren, einer gleichfalls von der Norm abweichenden Erscheinung, führt zu seiner Anerkennung. Sutcliff zeigt so in einer ergreifenden Geschichte, wie ein missachteter Mensch seinen Platz findet, auch wenn er ihn sich oft erkämpfen muss und es durch oft gesellschaftliche Umstände schwerer hat als andere, die durch ihre Konformität ganz andere Ausgangsmöglichkeiten erhalten.

Dies ist eine Erzählung, die zeigt, dass auch der Mut, etwas Außergewöhnliches zu wagen und sich gegen Vorurteile seinen eigenen Weg zu suchen, belohnt werden kann. Und dass jemand, der sich seinen Erfolg auf diese Art verdient hat, selbst die Möglichkeit erhält, anderen Menschen in ähnlicher Situation zu helfen, ihren Weg zu finden. Sutcliff transportiert über Lovel einen Optimismus, der den jugendlichen Leser (vielleicht auch in eigenen Krisen) bestärken kann.

Gebundene Ausgabe: 125 Seiten
Nachdruck (3. Februar 2009)
ISBN-13: 978-3772518720
Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 11 Jahren
Illustrationen: Robert Micklewright
Aus dem Englischen: Elisabeth Epple

http://www.geistesleben.de

Der Autor vergibt: (3.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (4 Stimmen, Durchschnitt: 1,75 von 5)

Bettina Stietencron und Marianne Garff – Hans Stoffelchen

Gedichte für Kinder sollen niedlich und auf kindliche Art spannend sein, dazu ist es von Vorteil, wenn sie kurz und reich illustriert sind. Der Verlag |Freies Geistesleben| veröffentlicht kindgerechte kompakte Bilderbücher mit Geschichten/Gedichten über Zwerge, Trolle, Bären, Kobolde und andere Themen, die in kindlicher Fantasie eine große Rolle spielen können. Dabei geht es vor allem um die Bilder, in diesem Fall von der Künstlerin Bettina Stietencron, die für diese Gedichte den feinfühligen Hintergrund liefern.

Das Gedicht

Entnommen dem Band „Es plaudert der Bach. Gedichte für Kinder“ von Marianne Garff trägt es den Originaltitel „Es war einmal ein kleiner Tropf“. Dabei geht es um ein kleines Männlein, das in einer Scheune unter dem Dach wohnt und sich auf den Balken sitzend die Beine schaukelt, bis es eines Tages seine Pantoffeln auf diese Weise verliert. Der Erzähler des Gedichts schnitzt ihm darauf hin neue und freut sich über das Glück, das er dem Männchen beschert – und ist genau so überrascht von der Wirkung seines Geschenks …

Die Illustrationen

Die ganzseitigen Bilder überdecken meist die Doppelseite und zeigen das zu den Versen passende Bild mit liebevollen Details. So veranschaulichen zum Beispiel zwei Mäuse, die dem armen Tropf beim Pantoffeln anziehen zusehen, die Größenverhältnisse in friedlicher Atmosphäre.

Überhaupt schaffen die Farben und ruhigen Formen eine sehr harmonische Atmosphäre, so dass für Kinder nicht die Gefahr besteht, diese spannende Geschichte als Angst einflößend zu betrachten. Das Männchen hat einen bequem aussehendes rot kariertes Hemd an und eine gelbe Zipfelmütze über grau-weißen Haaren und einem struppigen Bart.

Vor dem gleichmäßigen Hintergrund der Bilder, die alle in warmen Farbtönen gehalten sind, fällt nur die Kleidung des kleinen Mädchens auf, das offenbar die Tochter des Erzählers ist und mit ihm gebannt verfolgt, wie Hans Stoffelchen auf die neuen Pantoffeln reagiert. Das Mädchen trägt einen strahlend blauen Rock über einem kontrastierten gelb leuchtenden T-Shirt. Dieses Mädchen ist die eigentliche Hauptfigur des Bilderbuchs, denn ihm gilt die erzählte Geschichte, in der ihr Vater sie auf Stoffelchen aufmerksam macht und wahrscheinlich auch für ihre Freude die winzigen neuen Pantoffeln schnitzt.

Das ist die Interpretation, die das Gedicht allein nicht hervorrufen kann, sondern die nur bei Betrachtung des Bilderbuches möglich ist. Damit gewinnt die Illustration für dieses Buch den Charakter des Schwerpunktes, denn sie vereinfacht die Interpretation nicht nur, sondern bringt das Gedicht den Kindern / der Zielgruppe erst richtig nahe.

Die Aussage, die das Gedicht abgesehen von seiner Spannung für Kinder interessant macht, nämlich die Aufwertung von der Uneigennützigkeit mancher Handlungen und was sich Positives daraus ergeben kann, indem man sich gegenseitig Freude bereiten will, ist natürlich direkt auf kleine Kinder zugeschnitten, die noch nicht alle Illusionen von Nächstenliebe an die egoistische Realität verloren haben.

Fazit

„Hans Stoffelchen“ ist ein wunderschönes kleines Bilderbuch, gut geeignet zum abendlichen Vorlesen und Träumen für die Kinder. Stietencrons Malerei erfasst mit sicherer Hand die Stimmung und verleiht dem Gedicht ein ganz neues Charisma.

Gebundene Ausgabe: 30 Seiten
ISBN-13: 978-3772518348

Für Kinder ab 3 Jahre
http://www.geistesleben.com/

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)