Schlagwort-Archive: Gespensterkrimi

DeLorca, Frank / May, Martin / Döring, Oliver – Turm des Grauens, Der (Gespenster-Krimi 03)

Seit 150 Jahren erzählt man sich auf Rona Island die blutige Geschichte des missgestalteten Jack Finnegan, der einst auf der Insel mehrere schreckliche Morde begangen hat. Nicht-Insulaner belächeln die Angst vor dem längst verstorbenen Unhold. Doch dann verschwinden wieder Menschen spurlos – und eine Touristin wird brutal überfallen.

Schon bald wissen nicht nur die Einwohner Ronas, dass etwas Schreckliches im Moor umgeht. Als der rational denkende Inspektor Joe Burger die Teile des unheimlichen Puzzles zusammenfügt, stößt er auf ein schreckliches Geheimnis, das ihn selbst an den Rand des Wahnsinns treiben wird. (Verlagsinfo)

|Die Sprecher & die Inszenierung|

Erzähler: Lutz Riedel
Sheila Martin: Marie Bierstedt
Robert Norden: Martin May
Inspektor Joe Burger: Till Hagen
Polizist Earl Bumper: Nicolas Böll
Prof. Stalicki: Jürgen Thormann
Und 13 weitere Sprecher.

Die Gespensterkrimi-Hörbücher produzierten Alex Stelkens von |WortArt| und Marc Siper von |Lübbe Audio| sowie Pe Simon. Regie führt stets Oliver Döhring, der auch für die John-Sinclair-Hörspiele verantwortlich zeichnet.

_Handlung_

VORGESCHICHTE.

Schauplatz ist die schottische Hebrideninsel Rona im Jahr 1855. Die Dorfbewohner des Hafens verfolgen den wahnsinnigen Jack Finnegan durchs Moor, verlieren aber seine Spur. In der Nacht kehrt er zurück, um im Wirtshaus einzubrechen und frische Beute zu machen. Sheila Martin, 21, wird sein wehrloses Opfer, und Sean Jones und Dick Fisher können ihn nicht davon abhalten, sie davonzuschleppen. Sie werden selbst schwer verletzt. Sheilas sterbliche Überreste werden erst vier Tage später in einer Berghöhle gefunden. Jack wird geschnappt, verurteilt und hingerichtet. Sein Gehirn wird von einem Arzt im Kriminalmuseum von Edinburgh in Formalin eingelagert. Das erweist sich als schwerer Fehler …

HAUPTHANDLUNG. 150 Jahre später.

Der Schriftsteller Robert Norden stammt aus London und recherchiert auf der entlegenen Hebrideninsel für sein nächstes Buch. Die blonde Sheila Martin, 25, die mit ihm spazierengeht, ist ebenso wie er im Dorfgasthaus untergebracht. Sie recherchiert ebenfalls: ihren Familienstammbaum, zu dem auch jene so grausam gemeuchelte Sheila Martin gehört. Ned Butcher ist der aktuelle Wirt, der den Gasthof mit seiner Frau Mary betreibt. Diese ist ebenfalls blond. Butchers schleimige, anzügliche Begrüßung stößt Sheila ab.

Neds Verhalten gründet sich auf Vor- und Schadenfreude. Er erinnert sich sehr gut an die Ereignisse vor 150 Jahren und will sie wiederholen. Nachts wird Sheila von einem Klopfen an ihrem Fenster geweckt. Als ein Ungeheuer in Menschengestalt in ihr Zimmer einbricht, setzt sie das Wesen mit einem gezielten Hieb für einen Moment außer Gefecht und flüchtet auf den Flur.

Der Lärm hat Robert Norden geweckt. Als er Sheila zu Hilfe, haut ihn das Monster aus den Pantinen. Doch diesmal flieht Sheila aus dem Haus und ins angrenzende Moor. Dort stürzt sie in ein Sumpfloch, das Ungeheuer ist ihr dicht auf den Fersen …

Inspektor Joe Burger von Scotland Yard ermittelt in Sachen Sheila Martin und dem, was die Einheimischen den „Moormenschen“ zu bezeichnen belieben. Als Joe Ned Butcher erblickt, erkennt er in ihm sofort den vorbestraften Einbrecher. Ned erzählt, dass er, bevor er die Wirtin Mary heiratete, für den alten Professor Stalicki gearbeitet habe, drüben im alten Leuchtturm.

Diesem Professor statt Joe einen Besuch ab. Der Privatforscher gibt sich freundlich, aber was heißt das schon? Dieser selbstverliebte alte Sack führt ihm sein Labor vor und erzählt ihm, was er mit seinen Experimenten erreichen will: Die Übertragung von Erfahrungen auf biochemischem Wege.

Was der Professor dem Inspektor verheimlicht: Er hat Ned Butcher das Gehirn von Jack Finnegan stehlen und durch eine Attrappe ersetzen lassen. Und für allzu neugierige Polizisten hat er ganz spezielle Pläne …

_Mein Eindruck_

Der Plot ist so klischeebeladen, dass er sich leicht in die paranoiden fünfziger Jahre des 20. Jahrhundert einordnen ließe, gäbe es nicht ein paar Gerätschaften – wie Helikopter, Fax, Handy und Digitaluhr – die sich der Gegenwart zuordnen ließen. Da ist zum einen der verrückte Wissenschaftler: bis hin zum irren Gelächter stimmt alles. Die Experimente, die Professor Stalicki in der Manier eines Dr. Viktor Frankenstein (erfunden 1816) vornimmt, sind selbstverständlich ebenso verrückt wie verboten. Aber dort endet der Wahnsinn natürlich nicht, sondern wird auch in frevlerischer Weise an aufrechten Vertretern des Gesetzes – vulgo: Scotland-Yard-Inspektoren – ausgelassen.

Des Wissenschaftlers Kreatur ähnelt Frankensteins Monster in allem bis auf das Aussehen und den Appetit auf frisches Menschenfleisch. Dass dieses Menschenfleisch am leckersten ist, wenn es die Gestalt unschuldiger junger (vorzugsweise halb nackter) Frauen besitzt, lässt sich leicht einsehen, wenn man entweder selbst ein Kannibale ist oder schon sämtliche Streifen gesehen hat, die je über Frankenstein-Monster gedreht wurden. Und das sind ja bekanntlich nicht wenige.

Und die Jungfer in Not zu retten, sind natürlich nur Männer gefragt. Da wäre zum einen besagter aufrechter Vertreter des Gesetzes und zum anderen der brave Schriftsteller aus London: Ritter des Schwertes und der Feder. Es steht zu hoffen, dass den Schreiberling die Vorfälle um den mysteriösen Moormenschen in ausreichendem Maße zum nächsten Horrorroman inspieren.

Und wie schon bei der ersten „Frankenstein“-Verfilmung aus dem Jahr 1931 endet das Grauen in Explosion und Feuer.

_Die Inszenierung_

Die Inszenierung mag noch so wirkungsvoll gelungen sein, es bleibt dem kundigen Hörer doch nur ein müdes Lächeln. Dieser Abklatsch von Mary Shelleys wunderbarer Vorlage aus dem Jahr 1818 (Die Story wurde 1816 erfunden, das Buch erst zwei Jahre später anonym veröffentlicht) hätte eine originellere Umsetzung verdient. Für den Regisseur Oliver Döring blieb also nur, aus dem Vorhandenen das Beste zu machen. Das zumindest ist ihm gelungen.

Die Geräusche sind realistisch und effizient eingesetzt. Ich habe bereits Helikopter, Faxgerät und die allseits beliebte piepsende Digitaluhr erwähnt. Hinzukommen Geräusche der Natur: Wellenrauschen und Möwengeschrei. Ich könnte dieser Meereskulisse stundenlang zuhören. Die Musik erzeugt oder unterstreicht die nötigen Emotionen.

_Unterm Strich_

„Turm des Grauens“ ist der schwächste Beitrag zur Serie der „Gespenster-Krimis“. Der Frankenstein-Plot ist so abgedroschen, dass der kundige Hörer das Ende schon meilenweit vorausahnt. Dass das Finale mit Action und Feuerzauber zu übertünchen versucht, dass allenthalben originelle Ideen fehlen, verwundert nicht: Irgendetwas soll der Konsument ja schon davon haben.

Fazit: Ein Hörspiel, auf das die Welt nicht gewartet hat, aber immer noch solides Handwerk.

|57:26 Minuten auf 1 CD
Mehr Infos unter: http://www.gespensterkrimi-hoerspiele.de |

Elliot, Brian / Streberg, Gerry / Döring, Oliver – Im Verlies der blutigen Träume (Gespenster-Krimi 01)

Das Schloss gilt als verflucht. Schreckliche Dinge haben sich einst in dem alten Gemäuer abgespielt. Selbst heute noch warnen Eltern ihre Kinder davor, in der Nähe des verlassenen Gemäuers zu spielen.

Besser hätte es der findige Geschäftsmann Larry Landon kaum antreffen können. Er wandelt das Schloss in eines seiner „Horror-Hotels“ um: Aufwändige Kulissen, klassische Hollywood-Monster aus Wachs, Sound-Effekte, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen und jede Menge schockierender Überraschungen erwarten den zahlenden Gast.

Doch Larry ahnt nicht, dass der Schrecken in seinem Hotel größer sein wird, als er geplant hat. Viel größer … (Verlagsinfo)

|Die Sprecher & die Inszenierung|

Nana Spier spricht: Claire Carpenter
Andreas Fröhlich: Bruce Barrymore
Franziska Pigulla: Sophie Patin
Lutz Mackensy: Eric
Udo Schenk: Larry Landon
Und sieben weitere Sprecher.

Die Gespensterkrimi-Hörbücher produzierten Alex Stelkens von |WortArt| und Marc Siper von |Lübbe Audio| sowie Pe Simon. Regie führt stets Oliver Döhring, der auch für die John-Sinclair-Hörspiele verantwortlich zeichnet.

_Handlung_

Claire Carpenter, eine gefürchtete US-Journalistin, und ihr Fotoreporter Bruce Barrymore sind nach Frankreich gekommen, um dort das neueste Horror-Hotel des amerikanischen Millionenerben Larry Landon in Augenschein zu nehmen. Das Hotel liegt auf einer Insel in einem See und ist nur per Fähre zu erreichen. Kurz bevor die beiden zur Anlegestelle gelangen, meint Claire, im Scheinwerferlicht zwei Mädchen am Straßenrand zu sehen, doch es muss wohl Einbildung gewesen sein, denn die Suche verläuft ergebnislos.

Im Hotel begrüßt Eric die beiden Gäste. Er stellt sich als Landons Assistent vor und entschuldigt sich für die andauernden Bauarbeiten, denn das Hotel soll erst in zwei Tagen eröffnet werden. Eine weitere Journalistin trifft ein: Sophie Patin (oder Petain), eine „Lokalreporterin“ aus Paris. Bruce ist Feuer und Flamme für die „Monsters‘ Hall of Fame“, die das Hotel beherbergen soll, ein Wachsfigurenkabinett der berühmtesten Horrorgestalten aller Zeiten. Als Zimmer bekommt er die „Dschungel-Suite“ zugeteilt, und Claire kommt in „Die Gruft“. Im Lift ertönt ein markerschütternder Schrei – passend aus Minilautsprechern ausgestoßen.

Doch allein schon wegen des heraufgezogenen Gewitters kann Claire nicht schlafen – nicht nur wegen der Schreie, des Stöhnens und Wimmerns. Sie beginnt, durch die nächtlichen Flure zu wandern und steigt in den Keller hinab. Schließlich sind dort immer die besten Geheimnisse zu entdecken. So auch diesmal. Sie hört, wie zwei Männer etwas Schweres schleppen. Doch auf einmal ruft Leroy, einer der beiden, etwas zu einer Frau, die Claire nicht sehen kann. Leroys Boss Eric befiehlt ihm, etwas gegen die ungebetene Besucherin zu unternehmen. Leider gehen seine Pistolenkugeln mitten durch sie hindurch! Sekunden später reißt ihm das Gespenst das Herz aus dem Leib …

Sophie ist inzwischen an Claires Seite aufgetaucht. Rasch entfernen sich die beiden aus der Gefahrenzone. Dabei zerreißt Claires Kleid und sie verliert einen Ärmel. Eric ist nicht dumm, findet den Ärmel, erschnuppert Claires Parfüm („Silk“) und zieht den einzigen vernünftigen Schluss: Claire hat Leroy umgebracht. Aus welchem Grund, ist natürlich eine ganz andere Frage.

Nun hebt eine fröhliche Verfolgungsjagd durch ein von einem blutrünstigen Gespenst bewohntes Schloss an, das ein ebenso gruseliges wie blutiges Geheimnis birgt.

_Mein Eindruck_

Alte französische Schlösser und ihre blutige Vergangenheit – der ideale Stoff für eine Horrorstory. Diese Vergangenheit reicht diesmal zurück ins Jahr 1745, und der entscheidende Tag des Unheils jährt sich wieder einmal. Die zwei Mädchen, die Claire gesehen hat, gab es damals wirklich, und sie wurden Opfer eine grausigen Tat.

|Hexen brennen|

Dass Sophie Patin hier ist, hat natürlich auch etwas mit den schicksalhaften Vorgängen jener Zeit zu tun. Es war ihre Vorfahrin, die damals als Hexe hingerichtet wurde. Nun endlich sieht sie sich in der Lage, das Verlies zu suchen, in dem jene beiden Grafentöchter zu Tode kamen. Doch durch wen? War ihre Ahnin doch nicht unschuldig? Diese Backstory ist ziemlich verwickelt. Ich habe sie beim ersten Hören nicht verstanden. Beim zweiten Hören setzen sich die Puzzleteile aber zusammen. Sophie ist hier, um einen Fluch, der auf ihrer Familie lastet, aufzuheben.

|Ganoven|

Larry Landon und Eric ist diese unheimlich Vergangenheit natürlich völlig schnuppe. Sie sorgen sich vielmehr um ihre unmittelbare Zukunft, die sehr viel mit Kunsthehlerei und anderem zu tun hat. Dass sich die beiden nicht vertragen, verwundert nicht besonders, denn in Sachen krimineller Energie kann Larry seinem „Partner“ nicht das Wasser reichen.

|Groteske|

Der Superfotograf Bruce Barrymore (wunderbar überdreht und naiv: Andreas Fröhlich) hingegen ist ganz den irdischen Freuden zugetan. Er schläft wie ein Stein, und als man ihn weckt, erwartet er, dass die Show beginnt! In der Tat: Die Show beginnt damit, dass ihm Eric einen Revolver unter die Nase hält und ihn nach Claires Verbleib fragt.

Aber auf einen Besuch im Wachsfigurenkabinett „Monsters‘ Hall of Fame“ muss er trotzdem nicht verzichten. Schade, dass dort eine Leiche die gestellten Szenen um Dracula und Frankenstein verunziert. Und auf deren achtlos herumliegendem Herzen rutscht natürlich prompt jemand aus, als wäre es eine Bananenschale. Bruce sorgt für Slapstick und Comedy makaberster Tonart.

_Die Inszenierung_

Die zentralen Sprecher hängen sich bei der Darbietung der Handlungen ihrer jeweiligen Figuren voll rein. Das gilt zumindest für Claire und Bruce, gesprochen von Andreas Fröhlich und Nana Spier. Franziska Pigulla als Sophie hält sich ziemlich zurück – schließlich hat Sophie quasi einen Geheimauftrag und will nicht gleich alles verraten. Die Schurken im Schloss sind jedoch allesamt entbehrlich – und führen sich dementsprechend albern und grotesk auf.

|Sounds|

Die Geräusche sind stilecht: Schreie, Stöhnen, Wimmern, Türenschlagen. Fehlen eigentlich nur das Schlagen einer Großvateruhr und das Klirren von Ketten. Doch die Standuhr ist mittlerweile durch das Piepsen einer Digitaluhr ersetzt worden, und das Kettenklirren wurde komplett abgeschafft. Immerhin darf noch der obligate Donner grollen.

|Die Musik|

Die Musik unterstützt dieses Geschehen derart subtil, dass ich sie fast nicht bemerkt habe. Und das ist das Beste, das man über Hintergrundmusik sagen kann. Denn dann ist sie so in den Klangteppich eines Hörspiels verwoben, dass man sie nicht bewusst wahrnimmt, aber ihrer Wirkung dennoch unterworfen ist. Ihre Aufgabe ist es, die Emotionen des Hörers zu steuern: Spannung und Entspannung, Ruhe oder Action usw. Diesmal stammt sie von zwei Komponisten: Christian Hagitte und Simon Bertling.

_Unterm Strich_

„Im Verlies der blutigen Träume“ – ein reißerischer Titel, der nur zur Hälfte zutrifft – lässt einen Jahrhunderte alten Fluch auf die Moderne treffen. Dass dies in einem so genannten „Horror-Hotel“ stattfindet, gibt Gelegenheit zu zahlreichen makaber-ironischen Effekten in der Mitte der Handlung. Dass es um die Aufhebung dieses Fluches geht, erschließt sich erst aus der verwickelt enthüllten Hintergrundstory, die uns Sophie präsentiert. Das muss man sich wahrscheinlich mehrmals anhören, um es richtig zu kapieren.

|Zwei Schwestern|

An mehreren Stellen habe ich mich über das allzu vertraute Zusammenspiel der Figuren Claire und Sophie gewundert. Und in der Pointe wird auch klar, was die beiden zueinander treibt. Sie wollen mehr als flüchtige Bekannte sein. Viel mehr … Sie stellen eine erlöste Variante der ermordeten Grafentöchter dar, in einem späten Echo. Auch in dieser Hinsicht handelt es sich also um eine Erzählung aus der emanzipierten Gegenwart. Sisters are doing it for themselves.

|49:16 Minuten auf 1 CD
Mehr Infos unter: http://www.gespensterkrimi-hoerspiele.de |

deLorca, Frank / Streberg, Gerry – Dämonenhaus, Das (Gespenster-Krimi 04)

Das Hood-Anwesen unweit des schottischen Glasgow verströmt eine morbide Faszination. Die Verlobten Peter und Janet wollen hier einziehen, doch die Vorzeichen für einen Daueraufenthalt stehen schlecht. Vor hundert Jahren soll der Erbauer des ausgedehnten Gebäudes, das an einem düsteren Moor steht, sich in einen Werwolf verwandelt und von den Dorfbewohnern geköpft worden sein. Kein Wunder, dass der Dorfwirt dem Vorhaben der Städter äußerst ablehnend gegenübersteht. Er wirft sie kurzerhand hinaus. Sie hätten auf ihn hören sollen …

|Die Sprecher & die Inszenierung|

Philip Schepmann spricht: Peter Newton
Katrin Fröhlich: Janet Culver
Dascha Lehmann: Lynne
Boris Tessmann: Ron
Und 14 weitere Sprecher.

Die Gespensterkrimi-Hörbücher produzierten Alex Stelkens von |WortArt| und Marc Siper von |Lübbe Audio| sowie Pe Simon. Regie führt stets Oliver Döhring, der auch für die John-Sinclair-Hörspiele verantwortlich zeichnet.

_Handlung_

Peter Newton und Janet Culver sind frisch verlobt und wollen aus dem verrußten Glasgow hinaus aufs Land ziehen. Peter hat auch schon eine Überraschung parat: das Hood-Anwesen, das außerhalb eines Dörfchens am Rande eines Moors liegt. Die beiden reagieren ziemlich pikiert, als sie deswegen aus dem Dorfwirtshaus geworfen werden. Offenbar ist man im Dorf nicht gut auf dieses Haus zu sprechen.

Als Janet das Gebäude sieht, meint sie, es sehe aus wie „Frankensteins Ferienhaus“. Wie wahr! Sie stapfen erst einmal durchs Moor, bevor sie eintreten können. Bei der ersten Erkundung finden sie im stromlosen Keller eine Tür, die hinter einem Regal verborgen ist, und in einer Kiste, die Peter zertrümmert, einen menschlichen Schädel – mit Reißzähnen …

Nach einer unruhigen Nacht voller Geräusche und einer Vogelattacke (Achtung: ein Rabe!) erwacht Peter gerade noch rechtzeitig, um die schlafwandelnde Janet vor einem Sturz ins Moor zu bewahren. Sie kann sich nicht erinnern, wie sie auf die Veranda kam. Auf einem Gemälde, das das Haus zeigt, ist die Figur einer Frau im ersten Stock auszumachen. War sie gestern schon da?

Der alte Säufer Henry Rollins erzählt Peter ein wenig über die Vergangenheit des Hauses. Es wurde 1895 von Tom Hood erbaut, der nur zwei Jahre selbst darin lebte. Er stopfte dort selbst erlegte Jagdtiere aus und gehörte angeblich der Sekte „Die Söhne des Wolfes“ an. Als zwei Frauen aus dem Dorf verschwanden und man ihre abgenagten Knochen in den Bergen fand, töteten die Dörfler Tom Hood mit einem geweihten Schwert, denn sie hielten ihn für einen Werwolf. Und im Augenblick seiner Enthauptung soll er sich in der Verwandlung befunden haben. Peter verschweigt diesen Unsinn seiner Verlobten.

Der Ärger beginnt erst so richtig, als das befreundete Ehepaar Ron und Lynn aus Glasgow auftaucht. Ron ist ein unternehmungslustiger Bursche und erkundet den stromlosen Keller von vorne bis hinten. Ganz hinten findet er eine mit zwei Riegeln verbarrikadierte Tür, die er mit brachialer Gewalt öffnet. Die Überraschung ist beträchtlich: Hier stopfte Tom Hood vor hundert Jahren seine Tiere aus. Was aber wichtiger ist: In einem Sarg liegt ein kopfloses Skelett. „Wetten, dass der Schädel genau auf dieses Gerippe passt?“ Und ob der passt! Und er beißt mit seinen Reißzähnen auch gleich zu. Ron muss zum Arzt.

Die hereinbrechende Gewitternacht sollen die vier Freunde nicht vergessen. Das heißt: diejenigen, die überleben.

_Mein Eindruck_

Werwolfmonster haben mich schon immer fasziniert. Das liegt wahrscheinlich an ihrer Fähigkeit, sich zu verwandeln. Das zivilisierte Lamm zeigt quasi seine wahre, seine tierische Natur: das Raubtier. Es ist bezeichnend, dass es – bis vor wenigen Jahren – kaum Erzählungen über weibliche Werwölfe gab: Der Mensch-Wolf ist seit seinen antiken Anfängen, als er noch Lykanthropus hieß, immer männlichen Geschlechts gewesen. Dass die Bestie auch heute, vielleicht mehr denn je zuvor, eine morbide Faszination ausübt, belegen Erfolge von Filmen wie „Der Pakt der Wölfe“. Die beste Parodie ist und bleibt aber immer noch „American Werewolf“.

Die düsteren Moore der schottischen Lowlands eignen sich natürlich hervorragend als Schauplatz einer unheimlichen Werwolfgeschichte. Der lange Arm der Vergangenheit streckt sich nach den ahnungslosen Städtern aus, die sich hier niederlassen wollen. Die Frau hat natürlich gleich ein ganz schlechtes Gefühl dabei – Recht hat sie. Wär sie nur in der Stadt geblieben. Doch die Story hält noch viele weitere Überraschungen bereit. Bis zur letzten Sekunde.

_Die Inszenierung_

Philip Schepmann und Karin Fröhlich spielen die beiden Verlobten, während Dascha Lehmann und Boris Tessmann ihre Freunde darstellen. Nun darf man sich das Quartett aber nicht so vorstellen, als ob es brav im Studio säße und in ins jeweilige Mikro spräche. Das, was der Zuhörer vernehmen kann, ist viel mehr als vier Sprecher. Es ist auch ein Gefühl für Bewegung, Situation und vor allem Raum. Jeder der Räume in Hood Manor hat seinen eigenen Hall, ganz besonders natürlich der unheimliche Keller. Das Wirtshaus hingegen ist im Vergleich dazu richtig heimelig, mit Gläserklirren und vielen Hintergrundstimmen.

Auch die modernen Geräte wie Autos, Digitaluhren und Handys gehören zur Umgebung der Sprecher. Auch ihre „Stimmen“ hören wir ganz genau. Sie dienen dazu, das Geschehen in der Gegenwart zu verorten und so glaubwürdiger zu machen. Wenn via Telefonleitung gesprochen wird, dann also stets verzerrt, denn das ist das, was wir täglich wahrnehmen, aber leider nur noch unterbewusst.

Richtig gefordert ist der Tonmeister, pardon: Soundmixer – an jenen Stellen, an denen das Untier an sich akustisch in Szene zu setzen ist. So ein Werwolf könnte theoretisch auch „Miau!“ sagen, aber das wäre wohl seiner Wirkung und Erscheinungsweise nicht besonders angemessen. Nein, die Natur seines Erscheinens ist die des plötzlichen Angriffs, wobei Schreie, Durcheinander, Brüllen und Krachen eine chaotische Verbindung eingehen, die in ihrer Wucht die Wirkung auf den Hörer nie verfehlt. Ganz wunderbar ist die atemlose Stille vor dem Angriff, in der man die entsetzte Anspannung der Figuren fast körperlich spüren kann. Im Vergleich dazu wirkt das Knurren eines sich anpirschenden Werwolfs schon fast wieder gemütlich.

Die Musik unterstützt dieses Geschehen derart subtil, dass ich sie fast nicht bemerkt habe. Und das ist das Beste, das man über Hintergrundmusik sagen kann. Denn dann ist sie so in den Klangteppich eines Hörspiels verwoben, dass man sie nicht bewusst wahrnimmt, aber ihrer Wirkung dennoch unterworfen ist. Ihre Aufgabe ist es, die Emotionen des Hörers zu steuern: Spannung und Entspannung, Ruhe oder Action usw. Diesmal stammt sie von nicht weniger als drei Komponisten: Christian Hagitte, Simon Bertling und Florian Göbels. Prima Arbeit, meine Herrn!

_Unterm Strich_

Innerhalb der Reihe der bislang vier „Gespenster-Krimi“-Hörspiele hat mir persönlich diese CD am besten gefallen, aber das ist natürlich Geschmackssache. Ich habe eben etwas für Werwölfe übrig. Aber daran liegt es nicht allein. Auch der geschickte Aufbau der Story in mehreren Schichten ist für den positiven Eindruck verantwortlich. Dadurch bleibt es nicht bei der einfachen und etwas abgedroschenen „Wir-gegen-das-Monster“-Variation, sondern eine weitere Wendung sorgt für eine böse Überraschung in der letzten Sekunde. No-one here gets out alive.

|55:36 Minuten auf 1 CD
Mehr Infos unter: http://www.gespensterkrimi-hoerspiele.de |