Schlagwort-Archive: Gruselkabinett

Matthew Gregory Lewis – Der Mönch [Teil 1 und 2] (Gruselkabinett 80 + 81)

Grusel-Klassiker: Sündige Mönche, teuflische Pläne, edle Retter

Um die flammend vorgetragenen Predigten des charismatischen Mönchs Ambrosio in der Kirche des Kapuzinerklosters in Madrid zu hören, strömen die Gläubigen – besonders weibliche Gläubige – von weither herbei. Doch der vermeintlichen Lichtgestalt, die man allerorten schon „der Heilige“ nennt, sind auch die dunklen Seiten und Abgründe des menschlichen Charakters keinesfalls fremd, ganz im Gegenteil… (Verlagsinfo)

Zu Teil 2:

Um das durch Schlangengift gefährdete Leben Matildas zu retten, lässt sich der Mönch Ambrosio auf das Wagnis ein, sich mit ihr zu mitternächtlicher Stunde in das Grabgewölbe des Nonnenklosters Santa Clara zu schleichen. Was dort in den feuchten Katakomben geschieht, bleibt zunächst – auch wenn Ambrosio eine schlimme Ahnung beschleicht – das düstere Geheimnis der mysteriösen jungen Frau … (Verlagsinfo)

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Theodor Hildebrand – Lodoiska (Gruselkabinett 79)

Bedingungslose Nemesis: Blut um Blut, Frau um Frau

Alfred Lobenthal verlässt mit seiner Familie Hals über Kopf Berlin. Es verschlägt sie in einen einsamen Landstrich, hier bezieht die Familie ein Schloss. Nach einem Jahr begibt sich Alfred auf Reisen. Wer ist die mysteriöse Frau in Trauerkleidung, die mit ihrem furchteinflößenden Diener in das nahegelegene, verfallene Haus im Wald gezogen ist und es stets nur tief verschleiert und mit Handschuhen verlässt? Weder Alfreds Frau noch seine Kinder können sich dem Bann der Unbekannten entziehen … (erweiterte Verlagsinfo)

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H. P. Lovecraft: Das Ding auf der Schwelle (Gruselkabinett 78)

Der unschuldige Mörder: eine Horror-Beichte

„Es ist wahr, dass ich meinem besten Freund in jener regnerischen Nacht Anfang Februar des Jahres 1933 sechs Kugeln durch den Kopf gejagt habe, und dennoch hoffe ich mit dieser Aussage zu beweisen, dass nicht ich sein Mörder bin. Sicherlich werden manche denken, dass ich bloß ein Verrückter bin – sogar noch verrückter als der Mann, den ich in seiner Zelle im Arkham Sanatorium erschossen habe. Andere hingegen werden, wenn sie meinen Bericht gehört haben, anerkennen, dass ich gar keine andere Wahl hatte, nachdem ich das grauenhafte Beweisstück gesehen hatte… dieses Ding auf der Schwelle.“ (abgewandelte Verlagsinfo)

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Robert E. Howard – Das Feuer von Asshurbanipal (Gruselkabinett 77)

Echtes INDY-Feeling: Showdown mit dem Dämon

Steve Clarney, ein unerschrockener, verwegener amerikanischer Schatzjäger, durchforstet mit seinem Diener Yar Ali bereits seit Langem den asiatischen Kontinent, um endlich eines sagenumwobenen Juwels habhaft zu werden: des größten Rubins der Welt, bekannt als „Das Feuer von Asshurbanipal“. Doch wo befindet sich bloß die im „Necronomicon“ des verrückten Arabers Abu al-Hazred erwähnte vergessene Stadt, die übersetzt „Stadt der Teufel“ heißt? (korrigierte und ergänzte Verlagsinfo)

Bei der Erwähnung des Necronomicons“ müssen jedem Lovecraft-Fan die Ohren zucken: Und tatsächlich passt diese Erzählung des langjährigen Lovecraft-Freundes Howard genau in den Cthulhu-Mythos von den Großen Alten.

Der Autor

Der Texaner Robert E(rvin) Howard (1906-36) ist am besten bekannt als Schöpfer der Figur des mächtigen Kriegers Conan. Der Brieffreund von Howard Philips Lovecraft schuf aber in der Zeit der Großen Depression noch viele weitere Gestalten, allesamt Abenteurer und Outlaws, so etwa Bran Mak Morn, Solomon Kane (ein Pirat des 16. Jahrhunderts) und King Kull. Seine rund 160 Erzählungen für „Weird Tales“, die er ab 1925 veröffentlichte, umfassen neben Western, Piratengeschichten und dergleichen auch exzellente, vielfach abgedruckte Horrorgeschichten.

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Edith Nesbit – Die Macht der Dunkelheit (Gruselkabinett 74)

Untote Vergangenheit: Die Nemesis aus dem Dunkel

In einer ländlich gelegenen Kirche befinden sich die prunkvollen Grabstellen zweier grausamer und bösartiger Ritter. Die Einheimischen fürchten die mit lebensgroßen Marmorstatuen versehenen Sarkophage und meiden das Gotteshaus. Dies weckt die Neugier eines jungen Paars von außerhalb. Sie ahnen nicht, dass sie mit dem Feuer spielen … (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörspiel ab 14 Jahren.

Die Autorin

Edith Nesbit (1858-1924) war eine englische Autorin, deren Werke für Kinder im englischen Original unter dem „geschlechtslosen“ Namen E. Nesbit veröffentlicht wurden. Sie verfasste über 40 Kinderbücher. Einige davon wurden später verfilmt. (Wikipedia) Das Hörspiel setzt ihre Erzählungen „The Power of Darkness“ (VÖ 2006) und „Man-Size in Marble“ um.

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Mary Fortune – Weiß (Gruselkabinett 75)

Spannend & erotisch: Das Geheimnis des weißen Hauses

Ein junger Arzt, der sich gerade in einem Vorort Londons niedergelassen hat, wird auf seinem Nachhauseritt auf ein gerade bezogenes, einsam gelegenes Landhaus aufmerksam. Es lässt ihn die Frage nicht mehr los, weshalb die neuen Besitzer sämtliche Fensterscheiben von innen weiß gestrichen haben … (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 14 Jahren.

Die Autorin

Mary Fortune (1833-1909) hatte ein überaus interessantes Leben. Geboren 1833 in Belfast, Nordirland, wanderte sie mit ihrem Vater nach Kanada aus und heiratete dort 1851 Joseph Fortune, mit den sie einen Sohn hatte. Doch statt bei ihm zu bleiben, folgte sie ihrem Vater bei dessen Auswanderung nach Australien. Dort traf sie am 3.10.1855 ein und bekam im November 1856 einen zweiten Sohn. Im Januar 1858 starb der ältere Sohn, und im Oktober heiratete sie Percy Rollo Brett (möglicherweise bigamistisch).

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Washington Irving – Die Legende von Sleepy Hollow (Gruselkabinett 68)

_Der kopflose Reiter: eine Dreiecksgeschichte _

An den Ufern des Hudson Rivers befindet sich ein von den Einwohnern des beschaulichen Städtchens Tarrytown gemiedenes Tal, welches Sleepy Hollow genannt wird. Dort ist es, zumindest der Meinung der niederländischen Siedler nach, nicht geheuer, denn der Geist eines hessischen Söldners wurde schon einige Male als grauenvoll anzuschauender kopfloser Reiter dort gesichtet. Auch der neue Dorfschullehrer Ichabod Crane hört schon bald nach seiner Ankunft von diesen Spuk-Geschichten … (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörspiel ab 14. Jahren.

_Der Autor_

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Arthur Conan Doyle – Ring des Thot, Der (Gruselkabinett 61)

Für die Ewigkeit: eine Liebe und ein Fluch

John Vansittart Smith war eine merkwürdige Gestalt – sicherlich wäre er der Welt noch heute, so viele Jahre nach seiner Forschungstätigkeit am Ende des 19. Jahrhunderts, ein Begriff, wenn er sich nicht durch unvorsichtige Reden über das, was er an einem trüben Oktobertag in der ägyptischen Sammlung des Louvre in Paris erlebt haben will, für alle Zeiten unmöglich gemacht hätte … (Verlagsinfo)

_Der Autor_

Sir Arthur Conan Doyle lebte von 1859 bis 1930 und gelangte mit seinen fast 50 Erzählungen und Romanen um den Meisterdetektiv Sherlock Holmes zu Weltruhm. Dabei begann der Mediziner, der eine eigene Praxis hatte, erst 1882 mit dem Schreiben, um seinen Einkommen aufzubessern.

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Edith Nesbit – Das violette Automobil (Gruselkabinett 59)

_Eine Detektivin des Herzens: Der Tod kommt auf vier Rädern_

Georgia Kane, eine freischaffend tätige Krankenschwester, verlässt 1923 das neblige London, um die Betreuung eines Kranken in den Hügeln an der südenglischen Steilküste zu übernehmen. In dem einsam gelegenen Farmhaus ihrer Auftraggeber findet sie eine angespannte Atmosphäre vor, die durch merkwürdige Heimlichkeiten und ein seltsames Ritual geprägt ist. (erweiterte Verlagsinfo)

_Die Autorin_

Edith Nesbit (1858-1924) war eine englische Autorin, deren Werke für Kinder im englischen Original unter dem „geschlechtslosen“ Namen E. Nesbit veröffentlicht wurden. Sie verfasste über 40 Kinderbücher. Einige davon wurden später verfilmt. (Wikipedia)

Werkverzeichnis auf Wikipedia:
• Die Schatzsucher (The Story of the Treasure Seekers; Bastable-Trilogie 1; 1899)
• Der Club der guten Taten (The Would-Be-Goods; Bastable-Trilogie 2; 1901)
• Das rote Haus / Die lustige Ehe (The Red House; 1902)
• Fünf Kinder und zehn Wünsche / Der Sandelf (Five Children and It, Psamead-Trilogie 1; 1902)
• Der Phönix und der Teppich / Feuervogel und Zauberteppich (The Phoenix and the Carpet; Psamead-Trilogie 2; 1904)
• New Treasure Seekers (Bastable-Trilogie 3; 1904)
• Die Eisenbahnkinder ( The Railway Children; 1905)
• The Story of the Amulet (Psamead-Trilogie 3; 1906)
• Das verzauberte Schloß (Enchanted Castle; 1907)
• Die Kinder von Arden (House of Arden; 1908)
• Der Traum von Arden (Harding’s Luck; 1909)
• Die verzauberte Stadt (Magic City; 1910)
• Meereszauber (Wet Magic; 1913)

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

|Die Rollen und ihre Sprecher|

Georgia Kane: Solveig Duda
Marian Eldrige: Doris Gallart
Robert Eldrige: Eckart Dux
Mr. Dawson: Roland Hemmo
Amanda Dawson: Monika Barth
Milly Dawson: Sophia Abtahi
Chauffeur: Michael Schwarzmaier

Regie führten die Produzenten Marc Gruppe und Stephan Bosenius. Die Aufnahmen fanden in den Planet Earth Studios und im Fluxx Studio statt. Die Illustrationen trug Firuz Askin bei.

_Handlung_

Georgia Kane sehnt sich nach den Downs an der englischen Südküste zurück. Und dort soll sie heute ihre neue Stelle als Krankenpflegerin antreten. Als sie im nebligen November 1923 am Londoner Bahnhof steht. Findet sie Gelegenheit, der kleinen Tochter von Amanda Dawson zu helfen, die, wie sich herausstellt, eine Nachbarin von Georgias neuen Arbeitgebern ist. Zusammen fahren sie im Zug und als niemand Georgia abholt, nimmt Amanda sie einfach mit. Amanda ist Witwe und lässt sich chauffieren. Als sie aber den Namen des Anwesens „Charlestown“ hört, wird ihre Freundlichkeit zurückhaltend.

Über den Grund wundert sich Georgia noch, als sie dort an die Haustür der Eldridges klopft, bei denen sie jetzt arbeiten soll. Es dauert ewig, bis jemand öffnet, und bis dahin ist Georgia vom Regen pitschnass. Eine alte Frau öffnet, um sie einzulassen, dann kommt ein alter Mann hinzu. Es handelt sich um Marian und Robert Eldridge. Als Erstes gibts natürlich wärmenden Tee, schließlich ist man ja in England.

In Einzelgesprächen wird Georgia allerdings zunehmend verwirrt: Wen sie denn nun pflegen – Marian oder Robert? Jeder meint, es müsse sich um den anderen handeln. Marian meint, Robert phantasiere, weil er Erscheinungen wahrnehme, die gar nicht da seien. Und als Georgia en passant erwähnt, sie habe Amanda Dawson kennengelernt, lässt er tatsächlich vor Schreck die Tasse fallen. Etwas stimmt hier nicht. Doch Fragen weicht das Ehepaar aus.

Als Georgia m nächsten Morgen meint, dass sie sie gar nicht benötigten, widerspricht Marian. Sie hätten ihre Tochter Bessie verloren, die sie sehr liebten. Sie wurde von einem violetten Automobil auf der Landstraße überfahren. Nun sei ihr Leben sinnentleert, und Georgia würde ihnen helfen, es zu bewältigen.

Jeden Tag führt das Ehepaar eine Art Ritual aus, zu dem Georgia nicht eingeladen ist. Sie gehen stets um die gleiche Uhrzeit Richtung Klippen spazieren und kehren stets verstört und aufgewühlt zurück. Eines Tages kehrt Georgia aus dem Dorf zurück und kann die beiden belauschen. Er sagt zu ihr, sie solle ausweichen, er höre, wie es komme, doch sie streitet dies ab. Dann gibt sie nach und weicht aus. Aber vor was? Robert prophezeit, dass bald etwas geschehen werde …

_Mein Eindruck_

Edith Nesbitt ist eigentliche für ihre vielen Kinder- und Jugendbücher bekannt, doch die vorliegende Geschichte spielt unter Erwachsenen. So wie die Autorin im Kinderbuchbereich „erwachsene“ Themen einführte, so schreckt sie auch hier nicht vor dem Thema Sterben, Schuld und Erlösung zurück.

Die beiden Eldridges wirken zunächst wie Goethes harmonisches altes Ehepaar Philemon und Baucis aus „Faust II“. Doch je mehr Georgia Kane sie kennenlernt, desto mehr wird der fundamentale Unterschied sichtbar: Robert sieht ein Auto, das für Marian nicht existiert. Sein Problem: Er fühlt sich als Mörder. Und das Auto ist sein Schicksal. Erst wenn er dieses Schicksal besiegelt und seine Schuld beglichen hat, kann seine Seele Ruhe finden. Doch warum und wie?

|ACHTUNG, SPOILER|

Roberts Tochter Bessie wurde seinerzeit vom violetten Automobil auf der Landstraße angefahren. Dessen Besitzer war als Mr. Dawson bekannt, der immer zu schnell fuhr, weil er nicht aus der Gegend kam. Hier geht es gemächlich zu, keiner hat es eilig, schon gar nicht im Nebel. Bis er und die Automobile kamen.

Robert fand seine verletzte Tochter, so dass sie ihm noch sagen konnte, wer der Fahrer war: Dawson. Als ihn Dawson einmal im Nebel nach dem rechten Weg fragte, rächte sich Robert und nannte ihm die falsche Richtung: immer geradeaus, direkt über die Klippen ins Meer. Dawson starb, und seitdem hält sich Robert für einen Mörder.

Tag für Tag stellt er sich an die Landstraße, um auf ein Auto zu warten, das nur er sehen kann. Wirklich? Eines Tages muss Georgia Marians Stelle einnehmen, weil sich die alte Frau den Fuß verstaucht hat. Wird auch sie das Auto sehen können? Und wenn ja, was wird dann passieren?

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

|Die Sprecher|

Im Zentrum des Stückes stehen im Grunde nur drei Figuren, nämlich die beiden Eldridges und Georgia, die ihre Ersatztochter und Erbin wird. Sie bilden eine gestörte Idylle, die in Ordnung sein könnte, wenn da nur nicht das violette Automobil wäre, das nur Robert sehen kann. Es ist lediglich ein Symbol für sein Schuldbewusstsein – und für den Tod.

Doris Gallart als Marian Eldrige und Eckart Dux als Robert Eldrige harmonieren ausgezeichnet. Man nimmt ihnen ab, dass sie eigenständige Persönlichkeiten sind, aber bereits so weit aufeinander eingespielt, dass sie sich praktisch wortlos verständigen können. Natürlich haben sie auch ihre Differenzen, gerade in der Sache mit dem Auto.

Solveig Ducha als Georgia Kane hat eine angenehme Stimme in Mittellage, die sie weder als naives Dummchen noch als herrische Gouvernante erscheinen lässt, sondern genau dazwischen: vernünftig, aber gefühlvoll und einfühlsam. Georgia ist schwer von Amanda Dawson (Monika Barth) zu unterscheiden, die vor allem durch ihre Mutterrolle charakterisiert ist. Sophia Abtahi spricht die kleine Milly Dawson ganz natürlich, als hätte sie ihren lebtag nichts anderes getan.

|Geräusche|

Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Szenen dicht und realistisch aufgebaut. Das geht schon bei der Bahnhofsszene los, wo die Dampflok im Hintergrund schnauft und Stimmengewirr herrscht. Georgia in einem donnernden Gewitter mit plätscherndem Platzregen an und bibbert zum Gotterbarmen.

Die heimeligen Geräusche des Eldridge-Heims werden von den Küstenlauten kontrastiert, als da wären Möwengeschrei, Windblasen und Brandungsrauschen. In dieser harmonischen Polarität wirkt das violette Automobil wie der Fremdkörper, der es von Anfang ist.

|Musik|

Die Musik entspricht der eines Scores für ein klassischen Spielfilm, also nicht zwangsläufig für einen Horrorstreifen. Klassische Instrumente wie Violine, Cello und Kontrabass werden manchmal von elektronisch erzeugten Effekten ergänzt. Schnelle Musik deutet Dynamik und Dringlichkeit an, langsame Musik entspannt und manchmal endet eine Szene in einem dramatischen Crescendo. Das ist aber hier weniger der Fall, außer im Finale. Insgesamt ist dieses Hörspiel sehr stimmungsbetont.

Musik, Geräusche und Stimmen wurde so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt.

|Das Booklet|

Im Booklet sind die Titel des GRUSELKABINETTS verzeichnet sowie Werbung für Firu Askin zu finden. Die letzte Seite zählt sämtliche Mitwirkenden auf. Ein zweites Booklet listet sämtliche Titel von Titania Medien auf, und zwar auch alle Neuerscheinungen bis Mai 2012.

Hinweise auf die nächsten Hörspiele:

Nr. 59: Edith Nesbit: Das violette Automobil (November 2011)
Nr. 60: Robert E. Howard: Der Grabhügel (ab März 2012)
Nr. 61: Arthur Conan Doyle: Der Ring des Thot (ab März)
Nr. 62: Nathaniel Hawthorne: Rappaccinis Tochter (April)
Nr. 63: Robert E. Howard: Besessen (April)
Nr. 64: Francis Marion Crawford: Der schreiende Schädel (Mai)
Nr. 65: Mary Elizabeth Braddon: Gesellschafterin gesucht (Mai)

_Unterm Strich_

Mir hat das atmosphärisch dichte Hörspiel gut gefallen, denn es baut eine durchgehend wehmütige Stimmung auf, die von einem vergangenen und einem kommenden Unglück etwas überschattet wird. Georgia Kane findet heraus, um was es geht, wie eine Detektivin des Herzens. Das erzeugt sowohl Spannung als auch Mitgefühl für die beiden Hauptfiguren.

Das Problem des Stücks ist natürlich, dass praktisch nichts passiert, sich aber einiges entwickelt. Daher lebt es von der gespannten Erwartung, die dem ansteigenden Schuldgefühl Roberts entspricht. Eines nahen Tages muss sich diese Anspannung entladen und hoffentlich lösen. Ob Robert wirklich Mr. Dawson auf dem Gewissen hat, muss jeder Zuhörer selbst beurteilen. Doch wer eigentlich dieses verhängnisvolle violette Automobil STEUERT, das soll hier nicht verraten werden.

|Das Hörspiel|

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und bekannte Stimmen von Synchronsprechern und Theaterschauspielern einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Besonders gut gefielen mir die beiden zentralen Figuren, die sich wirklich Zeit lassen, das richtige und wichtige Wort genau zu platzieren.

Auch jungen Menschen, die sich einfach nur für gruselige Audiokost interessieren, die gut gemacht ist, lässt sich das Hörspiel empfehlen. Es ist leicht verständlich, wirkungsvoll inszeniert, und die Stimmen der Hollywoodstars vermitteln das richtige Kino-Feeling.

Wer jedoch mit Dramatik und Romantik absolut nichts am Hut hat, sich aber trotzdem zünftig gruseln will, der sollte zu härterer Kost greifen. Die Hörbücher der „Necroscope“-Reihe von Brian Lumley dürften dem Hörer eine ausreichend starke Dosis verabreichen. Leider hat LPL diese Reihe schon längst endgültig eingestellt.

Audio-CD mit 69 Minuten Spielzeit
ISBN-13: 978-3-7857-4530-4
www.titania-medien.de

 

Edith Nesbi – Das violette Automobil (Gruselkabinett 59)

England, 1923: Die junge Krankenschwester Georgia Kane erhält ein Angebot, auf dem Anwesen Charlestown in den englischen Downs zu arbeiten. Da sie diese Küstengegend noch aus Kindertagen kennt und liebt, freut sie sich schon auf die neue Arbeitsstelle. Am Bahnhof wird sie jedoch nicht abgeholt. Ihre Zufallsbekanntschaft, die verwitwete Mrs. Dawson und deren Tochter Milly, fahren sie mit dem Auto zum Anwesen. Dabei fällt Georgia auf, dass Mrs. Dawson erschrocken auf die Erwähnung der Farm Charlestown reagiert, obwohl sie es herunterspielt.

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Alice & Claude Askew – Aylmer Vance – Abenteuer eines Geistersehers – Teil 2 (Gruselkabinett 55)

Kunst und Nach-Leben: zwei unheimliche Variationen

Der englische Geisterseher Aylmer Vance und sein treuer Freund Dexter sind in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg so etwas wie das Detektivgespann Sherlock Holmes und Dr. Watson für das Übersinnliche. Ob es sich um ruhelose Geister, geheimnisvolle Erscheinungen, unerklärliche Begegnungen oder unbewohnbare Häuser und Schlösser handelt – Aylmer Vance scheut vor nichts zurück, um seine gruselig-spannenden Fälle aufzuklären. (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörspiel ab 14 Jahren.

Die Autoren

Alice & Claude Askew – Aylmer Vance – Abenteuer eines Geistersehers – Teil 2 (Gruselkabinett 55) weiterlesen

Bram Stoker – Die Squaw (Gruselkabinett 48)

Vom Marterpfahl in die Eiserne Jungfrau

Frankfurt/Main um 1883: Amelia und George Price, ein junges Paar in den Flitterwochen, macht während seiner Reise durch das romantische Deutschland die Bekanntschaft von Elias P. Hutcheson, einem verwegenen Abenteurer aus Nebraska. Die drei planen eine gemeinsame Besichtigung der Burg zu Nürnberg, in der die berühmte „Eiserne Jungfrau“, eines der grauenvollsten je erdachten Folterwerkzeuge, ausgestellt wird …

Der Verlag empfiehlt das Hörspiel ab 14 Jahren.

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H. P. Lovecraft – Berge des Wahnsinns (Teil 2) (Gruselkabinett 45)

Aufbruch zu verhängnisvollen Antarktis-Expedition

New England 1930: Der Geologe William Dyer, ein Professor an der Miskatonic University, ist der Kopf einer großangelegten Expedition in die Antarktis. Gemeinsam mit seinem Assistenten Larry Danforth, seiner Kollegin Dr. Leni Lake, deren Assistentin Leslie Carroll, dem Ingenieur Prof. Frank Pabodie, dem Physiker und Meteorologen Prof. Atwood und diversen Hilfskräften bricht Dyer auf, den unwirtlichsten Kontinent der Erde zu erkunden. Ein sehr gefahrvolles Unterfangen, wie sich herausstellt.

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Edith Wharton – Verhext. (Gruselkabinett 47)

Subtil und stimmungsvoll: Hexenjagd in Neu-England

Amerika um 1890: Das ländliche New England liegt tief verschneit. Prudence Rutledge bittet einige ihrer Nachbarn trotz des gefahrvollen Wetters zu sich in ihr Farmhaus. Weder sie, noch ihren Mann Saul Rutledge hat man seit Längerem in Hemlock County gesehen. Was kann die als eigenbrötlerisch bekannte Frau bloß von ihren Nachbarn wollen …? (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörspiel ab 14 Jahren.

Edith Wharton – Verhext. (Gruselkabinett 47) weiterlesen

Hambly, Barbara / Gruppe, Marc / Bosenius, Stephan – Jagd der Vampire. Teil 2 von 2 (Gruselkabinett 33)

Actionreich: Showdown mit dem Monstervampir

London 1907. Seit Jahrhunderten treiben die Vampire in den dunklen Gassen unbehelligt ihr Unwesen. Nun jedoch sehen sie sich einer ernstzunehmenden Gefahr gegenüber. Ein Unbekannter öffnet am Tag ihre Särge und setzt sie dem todbringenden Sonnenlicht aus. Nur einer kann den Blutsaugern noch helfen: der ehemalige Meisterspion James Asher.

Die Jagd auf den Killer führt Asher quer durch London bis nach Paris. Immer wahrscheinlicher wird dabei die These, dass der Mörder selbst ein Vampir ist. Doch wenn auch er unter dem Sonnenlicht leidet, wie kann er dann die Morde begehen? Wer ist der Mörder? Und schließlich muss Asher die Frage aller Fragen beantworten: Aus welchem Grund mordet er seine Artgenossen?

Teil 2:

Paris 1907. James Asher und der Vampir Simon Ysidro sind nach Paris aufgebrochen, um dort nach dem ältesten Vampir Europas zu suchen. Ihre Nachforschungen versetzen die machtgierige französische Meistervampirin Elysée de Montadour und ihre Gespielin nicht gerade in Euphorie. Asher und Ysidro wagen dennoch den Abstieg in die Katakomben unter der Kirche Saint Innocents … (Verlagsinfo)

Vom Verlag wird das Hörbuch empfohlen für Hörer ab 14 Jahren.

Die Autorin

Die Amerikanerin Barbara Hambly, geboren 1951, erzielte mit ihrer frühen Darwath-Trilogie – es gibt auch eine später geschriebene – den literarischen und kommerziellen Durchbruch im Fantasy-Genre. Inzwischen zählen die unter dem Titel „Gefährtin des Lichts“ zusammengefassten Romane zu den Klassikern der Fantasy-Literatur. Hambly wurde auch für ihre Vampirromane („Gefährten der Nacht“ und „Die Jagd der Vampire“) und zahlreichen Fantasy-Bücher bekannt, wie etwa den Wenshar- und den Sonnenwolf-Zyklus.

Die Inszenierung

Die Rollen und ihre Sprecher:

Prof. James Asher: Wolfgang Pampel (dt. Stimme von Harrison Ford, Larry Hagman)
Lydia Asher: Claudia Urbschat-Mingues (Angelina Jolie)
Simon Ysidro: Nicola Devico Mamone (Gael García Bernal, Diego Luna)
Elysee de Montadour: Katja Nottke (Michelle Pfeiffer, Demi Moore)
Hyacinthe: Melanie Hinze (Brittany Murphy, Holly Mary Combs)
Bruder Antonius: Hasso Zorn (David Kelly)
Lionel Grippen: Uli Krohm (David ‚Oirot‘ Suchet, Randy Quaid, Scott Glenn)
Chloé: Anja Stadlober (Paris Hilton, Jennifer Hudson)
Dr. Horace Blaydon: Jürgen Thormann (Michael Caine, Max von Sydow, Peter O’Toole)
Dennis Blaydon: David Nathan (Johnny Depp, Christian Bale)
Pensionswirtin: Philine Peters-Arnolds

Marc Gruppe schrieb wie stets das Buch und gemeinsam mit Stephan Bosenius setzte er es um. Die Aufnahme fand in den Planet Earth Studios statt und wurde bei Kazuya abgemischt. Die Illustration stammt von Firuz Askin.

Handlung

James Asher reist ohne seine Frau Lydia nach Paris, aber an der Seite des Vampirs Don Simon Ysidro. Hier wollen sie der französischen Meistervampirin Elysee de Montadour ihre Aufwartung machen, denn man platzt nicht unangemeldet in den Hinterhof eines Vampirs, wenn einem sein Leben lieb ist. Calvert, das erste Opfer in London, war ihr Zögling, doch er war ein Prahlhans und spielte sich auf, weil er mehr wollte: eigene Zöglinge. Die konnte er aber nur in London bekommen. Es gelten zwei strenge Gesetze unter Vampiren: 1) Kein Vampir darf einen anderen töten. Und 2) Kein Vampir darf andere Vampire in Gefahr bringen. In London wurden beide Gesetze gebrochen. Ysidro vermutet, dass Elysee Angst vor dem Mörder hat, es aber niemals zugeben würde.

Nachdem sie einem Nachwächter Baupläne und Schlüssel gestohlen haben, steigen sie hinab in die Katakomben von Paris. Unter der Kirche von St. Innocents wollen sie einer Legende auf den Grund gehen, die zu einem der ältesten Vampire überhaupt führen soll. Zwischen Bergen von fein säuberlich sortierten Knochen stoßen sie vor einem Altar aus Knochen auf Bruder Antonius. Der einstige Franziskaner ist ein Vampir, der zu seiner Zeit zwar Menschen tötete (er nennt Namen, die Ysidro bestätigt), doch niemals einen Vampir. Als Asher ihm versichert, für ihn vor dem Jüngsten Gericht zu bitten, beantwortet er ihm drei Fragen. Dass er bei Sonnenlicht wandeln könne, verneint er, doch das erweist sich später als Lüge.

Am nächsten Tag liest Asher in einer englischen Zeitung von einer Mordserie unter Prostituierten in Londons verrufensten Vierteln. Alle wurden ausgesaugt. James hat Angst um Lydia und beschließt, Antonius um Hilfe in London zu bitten. Er findet den Mönchsvampir zwar nicht, doch er stellt fest, dass er ihm folgt. Kaum hat er die Katakomben verlassen, stellen sich ihm Elysee de Montadour, ihre Geliebte Hyacinthe sowie Chloé Dubois in den Weg. Und Lionel Grippen, den er in London schwer verletzt hat.

Doch diesmal ist Asher auf Geheiß von Ysidro schutzlos, und als Grippen und Elysee de Montadour blutdürstend den Angriff auf ihn freigeben, verfügt Asher über keinerlei Schutz. Doch er erhält Beistand von unerwarteter Seite …

Mein Eindruck

Anders als in der traditionellen, meist europäischen Vampirliteratur (Stoker, Le Fanu usw.) geht es diesmal nicht primär um die faszinierende Subkultur der Vampire, sondern um die Untersuchung der Verbrechen an den Vampiren, die Ermittlung des Täters. Es handelt sich also um einen klassischen Detektivroman. Es liegt der Verdacht nahe, dass Sherlock Holmes das Vorbild für James Asher geliefert haben dürfte. Auch die kühle deduktive Kombinationsmethode James Ashers legt dies nahe.

Aber Asher ist verheiratet und braucht keinen Dr. John Watson, Doktor der Medizin, um ihm zur Seite zu stehen. Denn er kann sich auf die Hilfe seiner klugen und gebildeten Lydia verlassen, einer der ersten Pathologinnen überhaupt. Dass Lydia eine Pathologin ist, war in der damaligen Zeit ein revolutionärer Einbruch in die rein männliche dominierte Domäne der Medizin.

Lydia ist es auch, die die wissenschaftliche Theorie aufbringt, dass es sich beim Vampirismus um die Wirkung eines Virus handelt. Viren waren erst ein Jahr zuvor, anno 1906, entdeckt worden. Was, wenn jemand versuchen würde, mit Hilfe von Viren bestimmte Vampirmerkmale zu übertragen oder gar zu verändern? Dann könnte vielleicht sogar Sonnenlichtverträglichkeit erzeugt werden!

Bis zum Beweis dieser Theorie gelangte die Geschichte im ersten Teil noch nicht, doch jetzt bekommen es Asher und Lydia mit dem Urheber der virologischen Experimente zu tun. Zunächst verdächtigte Asher Lionel Grippen, den Meistervampir Londons. Immerhin war Grippen mal ein Arzt und hat demzufolge Ahnung von Viren, was ihn in Ashers Augen doppelt verdächtig macht. Doch im zweiten Teil wird er eines Besseren belehrt, und zwar auf die drastischste Weise.

Der Mörder ist tatsächlich einer aus Ysidros eigener Sippe. Er wurde so verändert, dass ihm das Sonnenlicht nichts mehr ausmacht. Doch als Lydia spurlos verschwindet, muss Asher das Schlimmste befürchten. In zwei Häusern kommt es zu heftigen Kämpfen mit dem Mörder und seinem Schöpfer. Natürlich geht es beim Showdown auch um Lydias Leben, und das ist James Asher nun wirklich lieb und teuer.

Die Inszenierung

Die Sprecher

Die Sprecher könnten direkt aus einem viktorianischen Stück stammen, so stilecht werden sie präsentiert und so gepflegt wissen sich die meisten auszudrücken. Besonders Wolfgang Pampels Asher tritt souverän auf und hat stets eine schlagfertige, unerschrockene Erwiderung auf den Lippen. Diese Vampire jagen ihm keine Angst ein, und wenn sie noch so seltsame Fähigkeiten haben, beispielsweise telepathische Hypnose, mit der sie ihre Opfer unter ihren Willen zwingen. Pampel vermittelt mit Harrison Fords deutscher Stimme das nötige Maß an Autorität und Tatkraft – eine exzellente Sprecherwahl. (Pampel las auch die Hörbücher zu „Illuminati“ und „Sakrileg“.)

Don Simon Ysidro, spanischer Edelmann von annähernd 400 Jährchen, flößte mir ein leises Grauen ein, denn sein zischelnder spanischer Akzent gemahnte mich an eine Schlange, die jederzeit zustoßen könnte. Nicola Devico Mamone, die deutsche Stimme des Spaniers Gael García Bernal, ist für diese Figur eine sehr passende Wahl. Unheimlich ist seine Fähigkeit, niemals die Contenance zu verlieren und stets cool zu bleiben.

Ein weiteres Highlight, obwohl seltener gehört, ist Claudia Urbschat-Mingues, die deutsche Stimme von Angelina Jolie. Ihre Lydia Asher vermittelt Tatkraft, Intelligenz, aber auch Weiblichkeit und Emotionalität. Die restlichen Figuren sind alle nebensächlich, doch die Sprecher verleihen ihnen durch ihren Einsatz nichtsdestoweniger große Glaubwürdigkeit. Dazu gehört etwa der junge Vampir Bully Joe Davis. Dass er einen Akzent aus dem Stadtteil Holborn haben soll, hört man ihm allerdings nicht an.

Musik

Jede Auseinandersetzung mit einem der Vampire wird fein säuberlich durch musikalische Motive vorbereitet, denn schließlich handelt es sich dabei um die wichtigsten Höhepunkte der Handlung. Immer wieder ist vorher dramatische Musik von den Streichern zu hören, die sich manchmal bis zu einem Crescendo steigert.

Zwischen und nach diesen dramatischen Auseinandersetzungen darf sich der Hörer ab und zu entspannen, meist bei einem romantischen Piano-Motiv oder einer Harfe. Einmal wird sogar elegante Tanzmusik der Belle Epoque angestimmt – Lydia ist auf einem Ball der oberen Zehntausend und quetscht Evelyn Westmoreland nach der Todesursache seines Bruders Bertie aus, der Lotta Harshaws Geliebter war.

Die Musik gibt sehr genau die vorherrschende Stimmung einer Szene wieder und ist mit klassischem Instrumentarium produziert – keine Synthesizer für klassische Stoffe! Die Musik steuert nicht nur die Emotionen des Publikums auf subtile Weise, sondern bestreitet auch die Pausen zwischen den einzelnen Akten. Dann stimmt sie das Publikum auf die „Tonart“ des nächsten Aktes ein.

Geräusche

Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Szenen dicht und realistisch aufgebaut, meist aber reichen Andeutungen aus. Zugpfeifen deuten so einen Bahnhof an, knarrende Türen einen Durchgang und das Rumpeln einer Droschke eine entsprechende Fahrt von A nach B.

Sounds

Doch manchmal reichen Musik und Geräusche nicht aus. In der aktuellen Frühjahrs-Staffel der drei Gruselkabinett-Hörspiele „Die obere Koje“, „Die Jagd der Vampire“ und „Das Schloss des weißen Lindwurms“ spielen Sounds erstmals eine auffallend bedeutende Rolle, um die Atmosphäre einer Szene zu verstärken. Musik allein reicht einfach nicht mehr, um den Horror zu evozieren und zu veranschaulichen.

Nun ist die Beschreibung von Sounds stets auf Analogien angewiesen, und auch ich muss mich damit behelfen. Das erste Mal, dass Sounds eingesetzt werden, ist die Friedhofszene auf Highgate Hill. Begleitet von Hintergrundmusik ertönen unheimliche Sounds, die nicht von den üblichen Instrumenten erzeugen werden – die Klagelaute der Toten und das Heulen des Windes.

Musik, Geräusche und Stimmen wurde so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt.

Das Booklet

… enthält im Innenteil lediglich Werbung für das Programm von Titania Medien. Auf der letzten Seite finden sich die Informationen, die ich oben aufgeführt habe, also über die Sprecher und die Macher. Die Titelillustration von Firuz Akin fand ich wieder einmal sehr passend und suggestiv.

Diesmal sind wieder in einem zusätzlichen Katalog Hinweise auf die nächsten Hörspiele zu finden:

Nr. 34: F. M. Crawford: Die obere Koje (April 2009)
Nr. 35: Bram Stoker: Das Schloss des weißen Lindwurms (April 2009)
Nr. 36+37: Oscar Wilde: Das Bildnis des Dorian Gray (erscheint im Oktober 2009)
Nr. 38: Hanns Heinz Ewers: Die Spinne (erscheint im November 2009)
Nr. 39: H. P. Lovecraft: Der Tempel (erscheint im November 2009)

Unterm Strich

Hamblys Buch wurde mit dem Leserpreis des LOCUS-Magazins als bester Horrorroman des Jahres ausgezeichnet. Mir schien dies bereits in der Buchform (es erschien bei Bastei Lübbe) einer der unterhaltsamsten und sehr flüssig verfassten Romane zum Thema Vampirismus zu sein. In der Zwischenzeit sind rund 20 Jahre vergangen, und die Flut der Vampirromane ist kaum noch zu überblicken. Die Untoten sind überall, wo „Gothic“ draufsteht.

Im Vordergrund steht bei Hambly nicht die Darstellung der sattsam bekannten Traditionen und Historie der Vampire, sondern die Untersuchung der Verbrechen, die Ermittlung des Täters. Es handelt sich also um einen klassischen Detektivroman. Es liegt der Verdacht nahe, dass Sherlock Holmes das Vorbild für James Asher geliefert haben dürfte. Auch die nostalgisch verklärt wirkende Zeit- und Ortswahl dürfte den Leser nicht aus ihrem Bann lassen.

Der Mystery-Actionkrimi lebt vom Kontrast zwischen der Kultur der Lebenden und der der Untoten. Ganz nebenbei wird sehr schön über die Existenzbedingungen der jeweiligen Art philosophiert. Die Autorin führt einige neue Elemente ein, wie etwa die Rolle von Medizin und Wissenschaft, die zu einer Sonnenlichtverträglichkeit der Untoten führen könnte. Hier spielt die Ideenwelt von Mary Shelleys Roman „Frankenstein oder Der neue Prometheus“ hinein. Auch das Verhältnis von Meister und Zögling wird intensiv ausgeleuchtet – es ist eine besondere Art seelischer Vereinigung und nachfolgender Abstoßung.

Das Hörspiel

Das Team von Titania Medien hat sich mal wieder ins Zeug gelegt, um ein stimmungsvolles Hörspiel zu inszenieren, das zugleich schaurig-schön und actionreich wie ein Mystery-Krimi ist. Mit Wolfgang Pampel als James Asher, dem Sprecher des Simon Ysidro und Claudia Urschat-Mingues ist eine hervorragende Besetzung gelungen. Die Nebenfiguren stimmen ebenfalls und überzeugen durch Kompetenz.

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und Stimmen von Hollywoodstars einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Augen- bzw. Ohrenmerk sollte man auf die verstärkt eingesetzten Sounds richten. Die Action kommt in diesem Teil voll zum Zuge, so dass man sich über spannende Auseinandersetzungen nicht zu beklagen braucht.

Fazit: ein Volltreffer.

Originaltitel: Those who hunt the night, 1989
148 Minuten auf 2 CDs
ISBN-13 der Doppel-CD-Ausgabe: 978-3785738238
www.titania-medien.de
www.luebbe-audio.de

Der Hexenfluch (Gruselkabinett 21)

Fluch oder nicht Fluch, das ist die Frage

Rhode Island, USA, 1962.

Der Rachedurst des Geistes der auf dem Scheiterhaufen verbrannten Hexe Katrina van Kampen ist auch nahezu dreihundert Jahre später noch nicht gestillt. In einer schaurigen Halloween-Nacht sehen sich die beiden letzten Nachkommen des damaligen Hexenjägers, zwei pensionierte Lehrerinnen, im beschaulichen Städtchen Newport einer tödlichen Gefahr gegenüber …

Der Autor

Über den Autor Per McGraup liefert auch sas Booklet keine Angaben. Aber es könnte sich um ein Pseudonym von Marc Gruppe handeln. McGraup ist demnach ein Anagramm.

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Joseph Thomas Sheridan Le Fanu – Carmilla, der Vampir (Gruselkabinett 1)

Miau! Dieser Vampir ist eine Katze

1868 in einer einsamen Gegend der Steiermark: Vor dem Schloss eines pensionierten Generals verunglückt eine Kutsche. War es wirklich nur ein Unfall? Die mysteriöse Insassin ist gezwungen, ihre junge Tochter in der Obhut der Schlossbewohner zurückzulassen. Die ätherisch schöne Carmilla übt auf alle, aber besonders auf Laura, die gleichaltrige Tochter des Generals, eine starke Anziehungskraft aus. Ein undefinierbarer Zauber umgibt das Mädchen. Noch ahnt niemand, dass Carmilla ein dunkles Geheimnis hütet.

_Der Autor_

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Bram Stoker – Dracula (Gruselkabinett 16-19)

Die wackeren Vampirjäger in Transsylvanien

Im Jahr 1893 befindet sich das britische Weltreich auf dem Höhepunkt seiner Blüte. Doch Graf Dracula, der Fürst der Dunkelheit, verlegt seinen Wohnsitz nach London, um seine unstillbare Gier nach Blut zu befriedigen. Wird er das Imperium mit seiner untoten Brut zu Fall bringen? Doch nein. In einer dramatischen Jagd verfolgen der junge Dr. Seward und sein Lehrmeister Prof. van Helsing gemeinsam mit dem Anwalt Jonathan Harker und dessen Frau Mina den „Jäger der Nacht“ bis nach Transsylvanien, um seinem unheiligen Leben ein Ende zu bereiten.

Der Autor

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Frankenstein. Teil 1 und 2 (Gruselkabinett 12 & 13)

Das Jahr ohne Sommer.

1816 schleuderte ein Vulkanausbruch seine Asche in die Atmosphäre und kühlte das Klima deutlich ab, weshalb, so verrät uns der Prolog dieses nostalgischen Zweiteilers, bis in den Hochsommer hinein Schnee fiel. Während dieser finstren Zeit saßen unter anderem Lord Byron und die 19-jährige Mary Shelley beisammen und gruselten sich zu einem Band alter deutscher Geistergeschichten. Es wurde der Beschluss gefasst, Ähnliches zu vollbringen, aber nur Mary Shelley brachte ihr Werk zu Ende: „Frankenstein oder: Der moderne Prometheus“.

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Bram Stoker / Marc Gruppe – Das Amulett der Mumie (Gruselkabinett 2)

Abel Trelawny ist Mumienforscher. Sein gesamter Haushalt ist mit Fundstücken aus dem alten Ägypten vollgestellt und das ganze Haus durchweht der (recht stickige) Dunst der Geschichte. Doch eines Nachts, als er wie immer an seinen Forschungen arbeitet, findet ihn seine Tochter Margaret aus tiefen Schnittwunden an den Handgelenken blutend in seinem Arbeitszimmer vor. Der hinzugezogene Arzt versorgt zwar die Wunden, doch Trelawny will einfach nicht aus seinem unnatürlichen Schlaf erwachen.

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