Schlagwort-Archive: Hanser

Wilhelm Genazino – Außer uns spricht niemand über uns

Der Ich-Erzähler ist Schauspieler, allerdings derzeit ohne Engagement und beruflich offenbar gescheitert. Mal spricht er Hörbücher ein, mal soll er Veranstaltungen organisieren, aber nicht immer gegen Honorar. Und so fristet der nicht namentlich Genannte, von dem wir auch das Alter nur erahnen können – offenbar mitten in der Midlife Crisis – ein ziemlich trostloses Dasein. Auch seine Freundin Carola ist dort nur manchmal ein Lichtblick. So ganz genau mit der Treue nimmt sie es nicht, und so ist gar nicht klar, ob der Erzähler nun der Vater des Kindes ist, das seine Freundin zu bekommen scheint – ohne dass diese offensichtliche Schwangerschaft aber jemals zwischen den beiden thematisiert wird.

Und so kommt es, wie es kommen muss: Erst verliert Carola das Kind, danach der Ich-Erzähler seine Freundin und schlussendlich sie gar ihr Leben.

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Antonie Rietzschel – Dreamland Deutschland?

Dreamland Deutschland? Das erste Jahr nach der Flucht. Zwei Brüder aus Syrien erzählen

Deutschland zwischen „Wir schaffen das“ und „Wir sind das Volk“
Die Ankunft von mehr als einer Million Flüchtlingen hat Deutschland verändert – und Deutschland hat die Menschen, die hierhergekommen sind, verändert. Die syrischen Brüder Yousef und Mohanad leben seit Ende 2014 in Oelde. Sie sind aus Syrien vor Terror und Krieg geflohen, haben große Gefahren überwunden, um sich ein neues Leben aufzubauen. Dies ist ihre berührende Geschichte und zugleich das packende Porträt des Einwanderungslandes Deutschland im Jahr 2016 – zwischen Pegida und Willkommenskultur. (Verlagsinfo)

Inhalt und Eindrücke

Mehr als ein Jahr hat die Journalistin Antonie Rietzschel es sich zur Aufgabe gemacht, zwei junge Brüder aus Syrien zu begleiten. In Mailand lernt Rietzschel Mohanad und Yousef kennen, als diese versuchen, ihre Flucht nach Deutschland fortzusetzen. Dreamland Deutschland(?) – zum Titel des Buches geworden, sagt doch eine Menge über die Erwartungen und Träume der beiden jungen Männer aus, die vor Krieg und Terror in der eigenen Heimat Syrien zuvor geflohen waren.

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Richard Stark – Verbrechen ist Vertrauenssache

Das geschieht:

Die Gangster Ed Mackey und George Liss haben einen lukrativen Coup ausbaldowert. Da sie noch einen dritten Mann benötigen, holen sie Parker ins Boot. Ziel ist ein Stadion, in dem ‚Reverend‘ William Archibald eine seiner gut besuchten Prediger-Shows im Rahmen des „Kreuzzugs für Christus“ aufführen wird. Mit 400.000 Dollar Einnahmen ist zu rechnen – Bargeld, das im Zeitalter des digitalen Geldverkehrs die drei Räuber magnetisch anzieht.

Kontaktmann ist Tom Carmody, ein unzufriedener ‚Jünger‘, der Archibalds Gier und Heuchelei nicht mehr erträgt, sich aber nicht ohne ein Stück des Kuchens aus dem Staub machen will. Der Überfall gelingt, niemand wird verletzt, die Summe stimmt. Für eine Weile wollen Parker, Mackey und Liss gemeinsam untertauchen und warten, bis die Polizei die landesweite Fahndung abbläst. Stattdessen will Liss seine Spießgesellen umbringen. Der misstrauische Parker hat ihn jedoch im Auge behalten. Liss kann flüchten, wird aber die Beute nicht aufgeben, sondern auf seine Gelegenheit lauern.

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Richard Stark – Fragen Sie den Papagei

Das geschieht:

Nach einem gescheiterten Bankraub findet sich Berufsverbrecher Parker ohne Auto, Papiere und Geld irgendwo in der Provinz des US-Staats New York wieder. Die Polizei ist ihm hart auf den Fersen aber er hat Glück: Der arbeitslose Tom Lindahl hat die Nachrichten verfolgt und von der Verfolgungsjagd gehört. Die Anwesenheit eines erfahrenen Kriminellen sieht er als Wink des Himmels: Seit Jahren plant er die Rennbahn, für die er einst gearbeitet hat, bis man ihn feuerte, zu berauben. Da er den Mut nicht aufbringt, sucht Lindahl einen Komplizen. Diese Rolle übernimmt wohl oder übel Parker, der Geld für die Fortsetzung seiner Flucht benötigt.

Die Rennbahn wird ausgekundschaftet, der Coup geplant. Doch Schwierigkeiten stellen sich ein: Lindahl ist ein wankelmütiger Charakter, der bald bereut, sich mit einem eiskalten Verbrecher wie Parker zusammengetan zu haben. Die Polizei durchkämmt unerbittlich die Gegend und nagelt Parker fest. Dann tauchen auch noch die tumben Brüder Cal und Cory Dennison auf, die Parker nach seinem Phantombild als einen der flüchtigen Bankräuber erkannt haben und hartnäckig ihren Anteil an der längst verlorenen Beute fordern.

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Anna Gavalda – Zusammen ist man weniger allein

Ich habe geweint. Ganz ehrlich. Als die Geschichte zu Ende war, kullerten mir Tränen die Wangen hinunter. Das war mir noch nie passiert. Im Kino ja. Man kommt nicht umhin, hier und da mal auf die Tricks des Hollywoodkinos hereinzufallen und in die Gefühlsfalle zu tappen. Aber bei einem Buch? Nein, bei einem Buch war mir das noch nie passiert. Nur bei Anna Gavaldas neuem Roman „Zusammen ist man weniger allein“. Dabei drückt sie doch gar nicht auf die Tränendrüse, hebt keine hinterhältigen Gefühlsfallen in einem kitschbehangenen Plot aus und winselt nicht um Mitleid für ihre schicksalsgebeutelten Figuren. Warum also gleich anfangen zu heulen? Eine schwierige Frage, also verliere ich vielleicht lieber erst einmal ein paar Worte zur Handlung.

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