Schlagwort-Archive: Heyne

Licia Troisi – Der Fluch der Assassinen (Die Schattenkämpferin 3)

Die Schattenkämpferin-Trilogie:

Band 1: „Das Erbe der Drachen“
Band 2: „Das Siegel des Todes“
Band 3: „Der Fluch der Assassinen“

Story:

Nach der teils triumphalen Rückkehr der einzelnen Gefährten beschließt der Rat des Wassers, die Gilde der Assassinen endgültig zu vernichten und die Schreckensherrschaft Dohors‘ parallel hierzu zu einem friedlichen Ende zu führen. Auch Dubhe fühlt sich inzwischen ihrer Aufgabe verpflichtet und reist mit der ungleichen Magierin Thena nach Makrat, um die Herkunft ihres Siegels zu ergründen und es durch den Tod des kriegstreibenden Königs endgültig zu verbannen. Als Mägde verkleidet fallen die beiden jedoch schnell in die Hand von Sklavenhändlern und werden auf dem Markt als neue Hilfskräfte feilgeboten. Ausgerechnet Learco, Dohors Sohn, verpflichtet Thena und Dubhe für seine Dienste, nicht wissend, wen er künftig mit sich führt. Während ihrer treuen Dienste am Hofe von Dohor erforschen Dubhe und Thena die Bibliothek des Königs und werden für ihre Hartnäckigkeit belohnt. Gleichzeitig nähern sich auch Learco und Dubhe immer weiter an – eine Begebenheit, die in der Schattenkämpferin Gefühle weckt, die ihr bislang in dieser Intensität immer fremd waren. Dubhe offenbart sich schließlich dem ungeliebten Königssohn und überredet ihn zur Verschwörung gegen den finsteren Herrscher. Doch bevor ihr Attentat umgesetzt werden kann, wird der Hochverrat bekannt.

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Wolfgang Jeschke (Hg.) – Science Fiction Jubiläumsband. Das Lesebuch

Top-Auswahl aus 25 Jahren erstklassiger Phantastik

Zum 25-jährigen Jubiläum der „Heyne Science-Fiction & Fantasy“-Reihe präsentiert Herausgeber Wolfgang Jeschke achthundert Seiten mit den besten Erzählungen des SF-Genres. Fantasy ist hier nicht vertreten. Jede Story wird von Jeschke mit einer Vorbemerkung eingeleitet, die die Entwicklung des Heyne-SF-Programms betrifft. Beispielsweise charakterisiert er den ersten Herausgeber und SF-Experten Günther Schelwokat, vermerkt den Eintritt der ersten Übersetzer und welche Romane zu Dauersellern wurden – nämlich die hier aufgeführten.

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A. E. W. Mason – Das Geheimnis der Sänfte

Ein schäbiger Erpresser deckt unabsichtlich einen beinahe perfekten Mord auf, den ein kluger Polizist listenreich klären kann … – Der Autor legt nicht nur einen glasklar geplotteten Krimi vor, sondern konstruiert ein packendes Psycho-Duell, dessen Beteiligte keine Schachfiguren in einem Rätselspiel sind, sondern vielschichtige Charaktere bieten: ein zeitloses Lektüre-Vergnügen.
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Alan Dean Foster – Das Ding aus einer anderen Welt

Ein außerirdischer Gestaltwandler infiltriert eine isolierte Antarktis-Station. Er kann die Gestalt seiner Opfer fast perfekt annehmen, sodass niemand weiß, ob sein Gegenüber noch Mensch oder schon ein „Ding“ ist … – Daraus entwickelt sich die übliche Story aus verhängnisvoll falschen Verdachtsmomenten und Verfolgungsjagden, die hier jedoch angemessen simpel, spannend und temporeich erzählt wird: ein lesenswürdiges Buch zu einem klassischen B-Movie.
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Elspeth Cooper – „Die Lieder der Erde“ (Die wilde Jagd 1)

Die wilde Jagd:

Band 1: „Die Lieder der Erde“
Band 2: „Trinity Moon“ (19.04.2012, noch ohne dt. Titel)
Band 3: „The Dragon House“ (angekündigt, noch ohne dt. Titel)

Gair besitzt magische Fähigkeiten, was in seiner Heimat einem Todesurteil gleichkommt. Nur durch ein Wunder, wie es scheint, ist er dem Scheiterhaufen entgangen und hat in dem alten Alderan auch noch einen freundlichen Helfer gefunden. Nun ist er auf dem Weg nach Westen, denn Alderan hat ihm einen Platz an seiner Akademie angeboten, und Gair mag Bücher. Doch seine Alpträume lassen ihn nicht los. Und auch die Kirche scheint sich nicht damit abfinden zu wollen, dass er dem Tod entronnen ist, denn sie hat ihm einen Hexenjäger hinterhergeschickt …

Laut Klappentext ist Elspeth Coopers Buch „einer der größten Fantasy-Romane“ unserer Zeit. Ein ziemlich vollmundiges Lob! Zu Beginn der Lektüre kamen mir da allerdings gelinde Zweifel.

Der Anfang der Geschichte liest sich irgendwie holperig und zusammenhanglos. Die Erzählsicht wechselt innerhalb der ersten Kapitel ziemlich häufig, nicht nur zwischen unterschiedlichen Personen, sondern auch zwischen verschiedenen Zeitebenen. Diese Wechsel sind bestenfalls durch eine Leerzeile und einen neuen Absatz gekennzeichnet, die sich aber auch an Stellen finden, an denen die Erzählsicht nicht wechselt. Das führt dazu, dass der Leser sich immer wieder mal überraschend in einem völlig anderen Zusammenhang wiederfindet. Nachdem Gair den Einflussbereich der Stadt Dremen verlassen hatte, wurde es etwas besser, aber auch in den späteren Kapiteln war die Handlung ab und an immer noch gut für einen überraschenden Sprung.

Nach dem holperigen Einstieg verläuft die Handlung grob gesagt in drei Strängen. Einer dreht sich um einen Mann namens Masen, einer zeigt die Ereignisse in Dremen nach Gairs Flucht, und der Hauptstrang erzählt natürlich von Gair.

Der Strang um Masen dient vorwiegend der Erklärung der Welt. Hier erfährt der Leser Details über den Schleier und seine Funktion sowie über die Wesen in der Welt auf der anderen Seite des Schleiers. Nicht unbedingt ausführlich und erschöpfend, aber die Skizze ist deutlich genug, um eine spürbare Bedrohung aufzubauen und gleichzeitig eine Differenzierung zu ermöglichen. Nicht alle Geschöpfe der anderen Seite sind bösartig.

Die Ereignisse in Dremen bestehen hauptsächlich aus Politik. Anfangs störte mich die Darstellung der Kirche. Ihre Lehren sind dogmatisch und intolerant, ihre Methoden grausam. Gleichzeitig stammt ein Großteil der Begriffe aus dem christlichen Bereich: das Gebet, das Gair so oft wiederholt, klingt extrem nach Rosenkranz, es gibt ein heiliges Buch, dessen Zitate teilweise aus der Bergpredigt stammen könnten, es gibt eine Inquisition und ein Sakrament, das nahezu völlig dem Abendmahl der katholischen Messe entspricht. Dass die Gottheit dieser Kirche eine Göttin ist, macht da auch keinen großen Unterschied mehr. Falls die Autorin die Absicht hatte, hier ihre eigene persönliche Kirchenkritik zu formulieren, hat sie meiner Meinung nach das falsche Medium gewählt. Und falls sie diese Absicht nicht hatte, hätte sie sich vielleicht ein wenig mehr Mühe geben können, um sich eine eigene Art von Kirche auszudenken.
Dieser erste Eindruck mildert sich zum Glück mit fortschreitender Handlung. Und letztlich bietet dieser Strang die meisten Facetten, nicht nur, weil hier die meisten Personen aktiv sind, sondern auch, weil zusätzlich zur Politik auch noch Geschichtsforschung betrieben wird. Worum es bei all dem genau geht, hat die Autorin noch nicht verraten, aber das macht die Sache eigentlich nur interessanter.

Auch der Hauptstrang hatte seine Mankos. Der Weg zu den westlichen Inseln wirkt noch immer ein wenig holprig, weil zwischen den einzelnen Etappen, die gelegentlich mit ein wenig Action aufgepeppt wurden, jedes Mal größere Zeitsprünge liegen. Die treten auch nach Gairs Ankunft an der Akademie noch gelegentlich auf, wirken aber nicht mehr so störend, weil ab diesem Punkt wenigstens der Ort immer derselbe ist. Dafür focussiert sich die Handlung – nach einer eher kurzen und letztlich geradezu unbedeutend wirkenden Schwertkampfepisode mit einem Mitschüler, der Gair nicht mag – bald ziemlich stark auf Gairs Beziehung zu Aysha. Die Entstehung und Entwicklung dieser Beziehung wird sehr ausführlich dargestellt. Das störte mich aus mehreren Gründen: Zum einen war diese Beziehung absehbar ab dem Augenblick, in dem die beiden sich das erste Mal trafen, selbst, wenn Aysha nicht bereits im Klappentext als Gairs erste große Liebe bezeichnet worden wäre. Zum anderen entwickelt sich die Liebe zwischen den beiden zu einem ziemlich großen Teil, während sie in Tiergestalt unterwegs sind, was nicht unbedingt gesprächsfördernd wirkt, da Gair zu diesem Zeitpunkt die Telepathie noch nicht beherrscht. Vor allem aber drängt sie fast alles andere in den Hintergrund, auch die Sache mit Darrins Kristall, die für den Verlauf der Handlung eigentlich viel wichtiger war als spielende Wölfe im Schnee.

Ein wenig hatte es vielleicht auch mit den Charakteren zu tun: Gair ist ja ganz nett. Ein wenig naiv, da er in einem klösterlichen Ritterorden aufgewachsen ist, und auch unsicher, weil er als Findelkind seine Herkunft nicht kennt, weil er sein Leben lang gelernt hat, dass seine Fähigkeiten Sünde seien, und weil er ein Brandmal trägt, das ihn zum Ausgestoßenen macht. Aber er ist mutig, freundlich und hat einen ziemlich sicheren Instinkt für Gefahr. Aysha dagegen mochte ich nicht besonders. Sie ist charismatisch, schön und stolz, aber auch ziemlich egoistisch, zum Beispiel wenn sie Gair von anderen Unterrichtsstunden wegholt, um ihn selbst zu unterrichten. Nicht, dass ich die Gründe nicht verstehen könnte, selbstsüchtig fand ich sie trotzdem. Auch sonst ist sie ziemlich rücksichtslos, wenn es darum geht, ihre eigenen Interessen durchzusetzen, wenngleich sie damit niemandem schadet. Tanith fand ich viel sympathischer. Sie ist genauso stark und mutig und genauso schön, aber sanftmütiger und nicht so selbstbezogen. Eigentlich würde sie viel besser zu Gair passen.

Ein ziemlich interessanter Charakter ist Ansel, das Oberhaupt der Kirche. Bevor er Präzeptor wurde, war er Kirchenritter und hat Krieg gegen die Wüstenstämme geführt, dementsprechend sind seine Umgangsformen. Von den Dogmatikern innerhalb des Rats von Kirchenmännern hält er gar nichts. Außerdem scheint er wesentlich weitsichtiger zu sein als die meisten Räte, denn während die sich mit kleinlichen Intrigen beschäftigen, versucht er, die Lösung für ein Problem zu finden, von dessen Existenz die anderen offenbar noch gar nichts gemerkt haben. Dadurch trägt Ansel ganz massiv dazu bei, den ersten Eindruck von der Kirche als Gesamtheit zu differenzieren.

Und dann ist da noch Savin. Er taucht zu Beginn einmal kurz auf und ist dann fast das gesamte Buch über verschwunden, nur um zum Showdown überraschend wieder aufzutauchen. Sein Verhalten ist allerdings ziemlich unlogisch. Warum sollte jemand versuchen, seinen Gegenüber erst zu umgarnen, dann, ihn umzubringen, und zuletzt, ihn zu benutzen? Falls es dafür einen triftigen Grund gibt, erfährt der Leser ihn erst in den Folgebänden.

Immerhin ist Savin durchaus für eine Überraschung gut. Und nachdem er wieder aufgetaucht ist, zieht auch die Spannung an, und zwar ganz gehörig. An dieser Stelle kommt zum ersten Mal richtig Bewegung und Dramatik in die Handlung. Nicht, dass es vorher langweilig gewesen wäre. Wirklich uninteressant fand ich eigentlich nur das ausgiebige Geplänkel zwischen Gair und Aysha. Ein echter Sog entwickelte sich aber erst auf den letzten hundert Seiten, dafür dann aber gleich richtig.

Unterm Strich war der Eindruck ein wenig durchwachsen. Nachdem ich das Geholper der ersten paar Kapitel hinter mich gebracht hatte, las sich das Buch zunehmend flüssig und interessant. Die Charaktere waren zwar nicht allzu intensiv gezeichnet, aber immerhin sympathisch, und Alderans Geheimniskrämerei sorgte dafür, dass ich neugierig blieb. Die kleinen Actionszenen auf Gairs Reise reichten zwar nicht aus für einen echten Spannungsbogen, hielten die Handlung aber immerhin abwechslungsreich. Über den späteren Durchhänger, den Gairs Liebesbeziehung für mich bedeutete, rettete mich Ansel hinweg. Und der Showdown war wirklich gelungen, und das nicht nur, weil der Angriff aus einer völlig unerwarteten Richtung kam.

Zu den „größten Fantasy-Romanen unserer Zeit“ würde ich es also nicht zählen. Aber ich denke, ich werde dem nächsten Band eine Chance geben. Da Aysha nicht mehr da ist, dürfte das störende Gebalze als stärkstes Gegenargument wohl wegfallen. Ansels Geschichtsforschungen und sonstigen Maßnahmen klingen interessant und vielversprechend. Und der Hexenjäger und Savin sind bisher so wenig zum Zug gekommen, dass ihr Potenzial noch nahezu unverbraucht ist. Falls die Autorin tatsächlich die Romantik zu deren Gunsten etwas drosselt, könnte die Fortsetzung des Zyklus so spannend werden wie das Ende des ersten Bandes.

Elspeth Cooper stammt aus dem Nordosten Englands und ist vernarrt in Bücher, seit sie allein lesen kann. Vor allem Epen haben es ihr angetan. Nach der Schule arbeitete sie zunächst für eine Softwarefirma, bis die Diagnose Multiple Sclerose ihre Bewegungsfähigkeit einschränkte, woraufhin sie sich dem Schreiben widmete. „Die Lieder der Erde“ ist ihr erster Roman und der erste Band ihrer Trilogie |Die wilde Jagd|. Ein deutsches Veröffentlichungsdatum für die Folgebände „Trinity Moon“ und „The Dragon House“ steht noch nicht fest.

Taschenbuch 557 Seiten
Originaltitel: Songs of the Earth – The Wild Hunt 1
aus dem Englischen von Michael Siefener
ISBN-13: 978-3-453-26713-8

http://elspethcooper.com/blog
http://www.heyne.de

Der Autor vergibt: (3.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Freeman Wills Crofts – Das Verbrechen von Guildford

crofts-verbrechen-guildford-cover-heyne-kleinEin Buchprüfer stirbt, und Diamanten im Wert einer halben Million Pfund werden gestohlen: Inspektor French steht vor fünf Verdächtigen mit lückenlosen Alibis, die er dort, wo es darauf ankommt, durch makellose Ermittlungsarbeit erschüttert … – Lupenreinere „Whodunits“ als Freeman W. Crofts konstruierte und schrieb wohl niemand; auch dieser ist als Krimi makellos, zumal der Verfasser auf jegliche Seifenoper-Zusätze ersatzlos verzichtet: ein wunderbar gereifter Klassiker.
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John Scalzi – Der wilde Planet

Ein abseits gelegener Planet wird von einem Großkonzern ausgebeutet; als unvermittelt intelligente Ureinwohner auftauchen, versucht die Gesellschaft die Wesen heimlich auszurotten. Einige Menschen stellen sich an die Seite der „Fuzzys“ und beginnen einen Freiheitskampf … – Der Reboot eines klassischen SF-Romans erzählt die Geschichte nicht neu, sondern nach und peppt sie dabei zeitgemäß auf; das Ergebnis ist ein überflüssiges Buch, das sich sehr flüssig liest.
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Wolfgang Jeschke, Frederik Pohl (Hrsg.) – Titan-2

Klassische SF-Storys: Die Apotheose von Poopy-Panda

In der vorliegenden ersten Ausgabe des Auswahlbandes Nr. 2 von „Titan“, der deutschen Ausgabe von „Star Science Fiction 3+4“, sind viele amerikanische Kurzgeschichten gesammelt, von bekannten und weniger bekannten Autoren. Diese Auswahlbände gab ursprünglich Frederik Pohl heraus. Er machte den Autoren 1953 zur Bedingung, dass es sich um Erstveröffentlichungen handeln musste. Das heißt, dass diese Storys keine Wiederverwertung darstellten, sondern Originale.

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Licia Troisi – Das Siegel des Todes (Die Schattenkämpferin 2)

Die Schattenkämpferin-Trilogie:

Band 1: „Das Erbe der Drachen“
Band 2: „Das Siegel des Todes“
Band 3: „Der Fluch der Assassinen“

Story:

Nach ihrer Flucht aus dem Verlies der Gilde reisen der Magier Lonerin und die von einem bösartigen Fluch gezeichnete Dubhe über die Grenzen der Aufgetauchten Welt, um den verschollenen und schon für tot erklärten Magier Sennar aufzuspüren. Der Gatte der legendären Drachenkämpferin Nihal soll einerseits dabei unterstützen, die finsteren Pläne des tyrannischen Königs Dohor zu durchkreuzen, andererseits aber auch das Siegel brechen, welches Dubhe von Zeit zu Zeit in eine Bestie verwandelt und sie in einen unkontrollierten Blutrausch treibt. Doch die Reise des ungleichen Duos ist nicht nur von den natürlichen Hindernissen der fremden Welt beeinträchtigt; auch die Ausgesandten der Assassinen sind stets im Nacken der Flüchtigen und wollen Dubhe, ihr Wissen und ihr Geheimnis vor dem Rat schützen. Unter der Führung der kompromisslosen Rekla reist ein ausgewählter Trupp der Meuchelmörder hinter Lonerin und Dubhe – und bringt das Duo immer näher an den Rand des Todes.

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Karl Schroeder – Segel der Zeit (Das Buch von Virga 3)

Virga – eine künstliche Welt im Wega-System, eine Sphäre, geschaffen mit Hilfe unvorstellbarer Technik mit dem Ziel, innerhalb der eigenen Grenzen eben solche Technik zu unterbinden – zum Schutz der eigenen Freiheit vor der „Künstlichen Natur“. Die alles vereinnahmt, umpolt, beschleunigt und gleichschaltet. Den Menschen bevormundet. Das Leben verneint.

Karl Schroeder, junger amerikanischer Autor, der in Deutschland mit seinem phantastischen Ideenreichtum um Virga bekannt wird, setzte im ersten Roman der Reihe „Planet der Sonnen“ eine rasante Entwicklung in Gang, die unbedingt nach weiteren Romanen aus diesem Kosmos verlangte. „Segel der Zeit“ ist nun der dritte Band, in dem der Fokus auf den patriotischen und menschlichen Admiral Chaison Fanning gerichtet ist. Fanning, im ersten Band durch heldenhaften Einsatz Retter seiner Nation Slipstream, wurde von der gegnerischen Partei, der Falkenformation, gefangen genommen und eingekerkert. Dies ist die Geschichte seiner Befreiung, seiner abenteuerlichen Reise mit der geheimnisvollen Heimatschutzagentin durch Feindesland und schließlich seiner Rückkehr nach Slipstream, wo er als Staatsverräter gebrandmarkt gefangen gesetzt wird und erst eine unheimliche Bedrohung für ganz Virga den Auslöser seiner erneuten Befreiung gibt. Dabei werden die Hintergründe der Weltensphäre Virga häppchenweise aufgedeckt und die Gefahr, die von der ausgesperrten Künstlichen Natur ausgeht, anschaulich formuliert.

Die Flucht Fannings hat mehrere erzählerische Gründe. So werden zum einen weitere abenteuerliche Aspekte der künstlichen, auf mittelalterlichem Niveau gestrandeten Zivilisation dargestellt und lassen den Leser teilhaben an Schroeders faszinierendem Ideenreichtum. Es werden politische Auseinandersetzungen thematisiert, in die allzeit Völker involviert werden, die oftmals weder Interesse noch Nutzen daran haben und trotzdem in vielfältiger Weise mit ihrem Leben bezahlen. Virgas Abwehrsysteme und ihre zerbrechliche Sicherheit werden eingeführt und werfen ihre Schatten voraus. Und nebenbei wird Fannings Charakter und Motivation erprobt, gefestigt und weiter entwickelt. Zu guter Letzt läuft natürlich alles auf ein Happy End heraus, zumindest was das Wiedersehen der beiden so unterschiedlichen Fannings (Venera und Chaison) betrifft. An wichtigen Charakteren aus dem ersten Band bleiben hiernach also nur noch Aubry Malhallan und Hayden Griffin. Erste fällt wohl aus, da sie ihr Ende bereits in der ersten Sonne fand, doch Hayden Griffin ist mittlerweile (aus Andeutungen gewonnene Erkenntnis) auf einem guten Weg, seiner Nation Aerie zu neuer Unabhängigkeit zu verhelfen. Hier ist das letzte Wort hoffentlich noch nicht geschrieben.

Das Auftreten der Künstlichen Natur ist relativ kurz und stroboskopisch, sodass sich das undeutliche Bild der Zusammenhänge durch eigene Fantasie des Lesers zusammensetzen muss; umso intensiver ist das Gefühl, das diese Vorstellung hervor ruft. Schroeder schafft hier ordentliches Potenzial zu mehr, denn obwohl er Venera den Schlüssel zu Candesce zerstören lässt, wird es sicherlich noch andere Wege für die Künstliche Natur oder für weitere dumme Menschen wie die Splittergruppe des Heimatschutzes geben. Veneras Tat ist überhaupt erst durch ihre Entwicklung im zweiten Band „Säule der Welten“ glaubwürdig, denn der ursprünglichen Venera hätte die Macht dieses Schlüssels mehr bedeutet als die damit verbundene Gefahr für die Sphäre.

Inzwischen macht die Ausführung und die Auflösung dieses Romans eine Fortsetzung unwahrscheinlich, denn es ist ein Höhepunkt und ein Abschluss erreicht, der an Intensität und Informationsflut genug für den Leser hinterlässt und durch weitere Ausformulierungen wohl nicht besser zu vollenden ist – es sei denn, Schroeder hätte noch bahnbrechende andere Optionen in der Hinterhand. Natürlich ließe sich in diesem Kosmos noch einiges an spannenden Abenteuern erzählen, doch würde das der Geschichte Virgas dienen? Es müsste zu ihrer Auflösung oder Integration durch und in die Künstliche Natur führen, oder der Status quo müsste Bestand behalten – denn anders herum, eine Eroberungswelle der unveränderten Menschen aus Virgas Schutzbereich in die Sphäre der KN, lässt sich nicht logisch entwickeln.

Ich wünsche Schroeder noch viele geniale Einfälle für seine Geschichten, aber mit Virga hat er sich bereits ein Denkmal gesetzt. Es ist auch immer etwas Wehmut im Spiel, wenn so eine gute Geschichte zu Ende geht.

Taschenbuch: 432 Seiten
ISBN-13: 978-3453528055
Originaltitel:
Pirate Sun – The book of Virga 3
Deutsch von Irene Holicki

Der Autor vergibt: (5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Kim Harrison – Blutdämon (Rachel Morgan 09)

Rachel Morgan:

Band 1: „Blutspur“
Band 2: „Blutspiel“
Band 3: „Blutjagd“
Band 4: „Blutpakt“
Band 5: „Blutlied“
Band 6: „Blutnacht“
Band 7: „Blutkind“
Band 8: „Bluteid“
Band 9: Blutdämon

Rachel Morgan und kein Ende in Sicht. Mit „Blutdämon“ veröffentlicht Kim Harrison bereits den neunten Band ihrer Serie um die chaotische Erdhexe und auch dieses Mal hat die Autorin nicht mit Seiten gegeizt. Über 700 hat die Geschichte, die Rachel einmal quer durch Amerika führt.

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Brandon Sanderson – Der Pfad der Winde (Die Sturmlicht-Chroniken 1, Teil 2)

Die Sturmlicht-Chroniken:

Band 1 (Teil 1): „Der Weg der Könige“
Band 1 (Teil 2): „Der Pfad der Winde“
Band 2: – angekündigt für Ende 2012 / Anfang 2013 –
Band 3: – angekündigt für „ein Jahr nach Band 2“ –

In einem Augenblick des Zornes auf Jasnah hat Shallan nun doch noch den Seelengießer der Prinzessin gestohlen. Eigentlich könnte sie nun nach Hause zurückkehren, doch sie kann sich von ihren Studien nicht recht losreißen. Bis es zu spät ist …

Kaladin hat den Großsturm überlebt. Die Erkenntnis, dass die Brückenmänner als Köder benutzt werden, hat ihm allerdings jede Hoffnung genommen, er könnte das Los seiner Männer innerhalb der Armee verbessern. Also fängt er an, an einem Fluchtplan zu basteln …

Dalinar hat sich eigentlich schon dazu durchgerungen, zugunsten Adolins abzudanken. Als jedoch die Königinmutter Navani ihm und seinen verblüfften Söhnen nach einer seiner Visionen beweisen kann, dass diese echt sein müssen, überdenkt er seine Situation völlig neu …

„Der Pfad der Winde“ ist genauso dick wie sein Vorgänger. So richtig in Bewegung geraten ist die Sache zwar noch nicht, aber allmählich tut sich was. So einfach lassen sich die Fortschritte im Einzelnen jedoch gar nicht aufzudröseln, weil Brandon Sanderson alles extrem dicht miteinander verknüpft hat. Charaktere und Handlung lassen sich da kaum noch trennen.

Kaladin gelingt es nach einem Gespräch mit dem Narren des Königs, sich endlich von seinen Selbstzweifeln zu verabschieden, was ein echter Gewinn ist. Gleichzeitig machen sich immer deutlicher besondere Fähigkeiten bei dem jungen Mann bemerkbar, die denen Szeths verblüffend ähneln, was ein ganze Menge neuer Fragen aufwirft.

Auch Shallan macht einige wichtige Entdeckungen, sowohl in Bezug auf den Seelengießer als auch im Hinblick auf ihre eigenen Fähigkeiten. Das führt zu einer massiven Veränderung ihrer Position.

Dalinar wiederum ist sich nun zwar sicher, dass er nicht verrückt wird, weiß aber noch immer nicht, woher seine Visionen stammen und ob er ihnen trauen kann. Auch sein schwieriges Verhältnis zu Navani macht ihm zu schaffen. Bis Sadeas ihm – eher unfreiwillig – zu Hilfe kommt.

Letzten Endes haben sämtliche Charaktere am Ende an Selbstsicherheit gewonnen, sie sind alle an ihren Probleme ein Stückchen gewachsen. Diese Weiterentwicklung hat der Geschichte sehr gut getan und darf sich im nächsten Band ruhig noch weiter fortsetzen.

Gewonnen hat die Geschichte auch durch die Rückblenden in Kaladins Vergangenheit. Die gab es zwar auch schon im ersten Band, dort unterstrichen sie jedoch eher den depressiven Zustand Kaladins, während sie diesmal auch Antworten auf viele Andeutungen und Fragen liefern, zum Beispiel, wie Kaladin zum Sklaven geworden ist. Dadurch sind viele Zusammenhänge deutlich geworden, was die Handlung insgesamt kompakter und einheitlicher wirken lässt.

Der Aspekt der Magie wurde ebenfalls ausgebaut, und das in zwei verschiedene Richtungen, die zumindest bisher nichts miteinander zu tun zu haben scheinen.
Aufgrund all dieser neuen Entwicklungen stört es auch nicht allzu sehr, dass Shallan sich noch immer fast ausschließlich im Bibliothekskomplex aufhält, und dass die Alethi noch immer in ihrem festgefahrenen Krieg mit den Parschendi festhängen, zumal durch die neue Taktik, für die Dalinar endlich einen Partner gefunden hat, auch hier das monotone Muster der bisherigen Kriegsführung aufgebrochen wurde. Und zu guter Letzt wartet Brandon Sanderson am Ende des Buches noch mit einer saftigen Überraschung auf.

Mit anderen Worten, jetzt, wo die Angelegenheit langsam Fahrt aufnimmt, wird es zunehmend spannend und interessant. Die Längen, die der erste Band teilweise noch aufwies, fehlen hier. Die Charaktere haben sich durch ihre Entwicklung ein wenig vertieft, und die Verwirrung, die der Leser im ersten Band angesichts vieler Andeutungen und fehlender Zusammenhänge noch empfand, löst sich allmählich auf. Trotzdem bleiben immer noch genug Fragen offen, um die Neugier auf den dritten Band wachzuhalten. Romantikfreunde setzt dieser Zyklus ziemlich auf Diät, aber wer es episch, geheimnisvoll und rätselhaft mag, ist hier auf jeden Fall richtig, zumal die diversen Kampf- und Schlachtszenen dafür sorgen, dass auch Actionfans nicht zu kurz kommen. Die Geduld, die es braucht, um sich einzulesen, lohnt sich spätestens ab dem zweiten Band.

Brandon Sanderson gehört zu denjenigen, die bereits als Kinder phantastische Geschichten schrieben. Sein Debütroman „Elantris“ erschien 2005, seither war er ungemein fleißig. Neben den |Sturmlicht-Chroniken| schreibt er an seinem Jugendbuchzyklus |Alcatraz|, der inzwischen bis Band vier gediehen ist, sowie an den beiden Serien |Warbraker| und |Dragonsteel|. Außerdem hat er das Angebot angenommen, nach Robert Jordans Tod dessen Zyklus |Das Rad der Zeit| zu Ende zu bringen. Auch dafür sind drei Bände veranschlagt, von denen zwei bereits erschienen sind. In der deutschen Übersetzung wurden die Bände offenbar geteilt, zusätzlich zu den beiden, im letzten Jahr erschienen Büchern wurden für Oktober zwei weitere angekündigt. Gleiches scheint auch für die |Sturmlicht-Chroniken| zu gelten, denn im englischen Original existiert bisher nur ein Band, während die deutsche Übersetzung mit „Der Pfad der Winde“ bereits bei Band zwei angekommen ist.

Hardcover: 784 Seiten
Originaltitel: The Way of Kings – The Stormlight Archive 1 (Teil 2)
Aus dem Amerikanischen von Michael Siefener
 ISBN: 978-3-453-26768-8
 http://www.randomhouse.de/heyne
 http://www.brandonsanderson.com

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (7 Stimmen, Durchschnitt: 4,86 von 5)

Algis Budrys – Projekt Luna

Auf dem Mond tötet ein außerirdisches Artefakt seine Erforscher. Es kann nur von einem Mann bezwungen werden, der als Kopie nach jedem grausigen Ende erneut in das Objekt zurückkehrt … – Das Rätsel auf dem Mond ist Vorwand für das Ausloten der Frage nach der Identität des Menschen. Aus heutiger Sicht wirkt „Projekt Luna“ didaktisch, doch faktisch ist der Roman ein wichtiger Vorreiter für die „New-Wave“-SF der 1960er Jahre: sperrig aber interessant und von nachhaltiger Wirkung, zumal dem Verfasser im letzten Drittel gleich mehrfach immer noch schockierende Twists gelingen.
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Sanderson, Brandon – Weg der Könige, Der (Die Sturmlicht-Choniken 1, Teil 1)

Die Sturmlicht-Chroniken:

Band 1: „Der Weg der Könige“
Band 1 (Teil 2): „Der Pfad der Winde“ (08.08.2011)
Band 2: – angekündigt für Ende 2012 / Anfang 2013 –
Band 3: – angekündigt für „ein Jahr nach Band 2“ –

Kaladin ist der Sohn eines Chirurgen und wurde von seinem Vater dazu ausgebildet, ebenfalls Chirurg zu werden. Inzwischen ist er allerdings ein Sklave, der täglich ums Überleben kämpfen muss. Sein Wunsch, anderen Menschen zu helfen, scheint jedoch unverwüstlich zu sein …

Shallan ist eine junge Adlige, deren Familie in ziemlichen Schwierigkeiten steckt. Deshalb will sie unbedingt von Prinzessin Jasnah als Mündel angenommen werden. Diese Position würde sie in die Lage versetzen, einen kniffligen Plan in die Tat umzusetzen. Doch je besser Shallan ihre Mentorin kennen lernt, desto größer werden ihre Skrupel …

Szeth ist eine Waffe. Und diejenigen, die über den Einsatz dieser Waffe entscheiden, haben ihm einen extrem unangenehmen Auftrag erteilt: Töte den König von Alethkar!

Dalinar, der Bruder des Königs, war einst ein viel bewunderter, starker Krieger. In letzter Zeit aber hat er regelmäßig Anfälle und Visionen, die er nicht deuten kann. Dalinar ist überzeugt davon, dass diese Visionen wichtig sind, doch im Heer machen bereits Gerüchte über Schwäche und Wahnsinn die Runde …

„Der Weg der Könige“ ist ein richtig dicker Schinken, und das liegt nicht unbedingt an der Tiefe der Charakterzeichnung. Tatsächlich erfährt man über die Charaktere nicht allzu viel. Kaladin war schon als Junge hin- und hergerissen zwischen Heilen und Kämpfen, denn obwohl er Letzteres gar nicht gelernt hat, beherrscht er es ziemlich perfekt. Seine Überzeugung, auch durch Kämpfen andere Menschen retten zu können, wird allerdings schon bald über den Haufen geworfen. Wer – oder besser, was genau – Kaladin tatsächlich ist, erfährt der Leser jedoch nicht. – Schallan liebt vor allem die Naturwissenschaften, und wäre ihre Familie nicht in Gefahr, würde sie das Studium bei Prinzessin Jasnah in vollen Zügen genießen. Wie genau es aber gekommen ist, dass ausgerechnet sie die Familie retten muss, obwohl sie doch noch eine Menge Brüder hat, ist bisher nicht klar geworden. – Von Szeth erfährt man nur, dass ihm das Töten nicht gefällt. Was dazu geführt hat, dass er eine solche Aufgabe auferlegt bekam, ist nirgendwo erwähnt. – Und auch Dalinar ist zumindest bisher noch auf den inneren Kampf beschränkt, der sich in ihm abspielt, seine Unsicherheit im Hinblick auf seine Visionen und seine Bemühungen, das Reich zusammenzuhalten.

Ich fand es ein wenig schade, dass die Figuren so stark auf einige wenige Punkte ihrer Persönlichkeit beschränkt waren. Bei Dalinar störte es mich noch am wenigsten, Shallan dagegen wirkt schon ein wenig flach, und auch Kaladin darf sich durchaus noch entwickeln.

Ähnliches gilt für den Entwurf der Welt. Es ist eine kahle, abweisende Welt. Regelmäßig toben tödliche Stürme über das Land hinweg, was dazu geführt hat, dass selbst die Vegetation mit Stein gepanzert ist oder sich beim geringsten Anzeichen von Gefahr versteckt. Der Großteil der Handlung spielt auf einer Ebene, die in zahllose Stücke unterschiedlicher Größe zerbrochen ist. Die Spalten zwischen den Stücken sind schroff, tief und werden bei jedem Sturm von tödlichen Wassermassen geflutet. Ein wenig wohnlicher wirkt die Stadt, in der Schallan sich aufhält, allerdings beschränkt die Beschreibung sich hier großteils auf die Bibliothek, in der Shallan ihren Studien nachgeht.
Auch die Darstellung der Magie ist lückenhaft. Sie beruht bisher hauptsächlich auf Sturmlicht, einer Art Energie. Diese Energie wird gewonnen, indem Edelsteine dem Sturm ausgesetzt und dabei sozusagen aufgeladen werden. Diese Energie kann aber nicht nur für Magie, sondern auch für Maschinen benutzt werden. Edelsteine sind deshalb von immenser Bedeutung und werden auch als Zahlungsmittel benutzt. Szeth allerdings scheint die Energie direkt in sich aufzunehmen, wie er das schafft, ist unklar.

Dabei wäre genug Raum gewesen, um diesbezüglich etwas mehr ins Detail zu gehen. Zumindest hätte man die Handlung zugunsten dieser Details problemlos ein wenig kürzen können, denn stellenweise zieht sie sich schon ziemlich. Vor allem der Teil in den Kriegslagern hätte Straffung vertragen. Nicht, dass es uninteressant gewesen wäre, wie Kaladin sein persönliches Tief überwindet und erneut den Kampf ums Überleben auf für seine Leidensgenossen aufnimmt, oder wie die Situation für Dalinar immer schwieriger wird. Was stört, ist die Tatsache, dass sonst nichts geschieht. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so was mal sagen würde, aber hier wurde schon ein wenig zu viel Augenmerk auf die Entwicklung von Personen gelegt, vor allem, weil sich diese Entwicklung nur auf einen einzigen Punkt bezog.

Vielleicht hätte Brandon Sanderson diesen Eindruck ein wenig abmildern können, wenn er seine Handlungsstränge etwas mehr gemischt hätte. Statt dessen hat er sich stets über längere Zeit auf höchstens zwei dieser Stränge konzentriert und die anderen währenddessen komplett ruhen lassen. Im Falle von Szetz ist es sogar so, dass er fast nur in den Zwischenspielen vorkommt und kaum als eigener Handlungsstrang bezeichnet werden kann.

Insgesamt blieb ein durchwachsener Eindruck zurück. Es braucht Zeit, bis man sich eingelesen hat, da der Autor von Anfang an ziemlich gnadenlos mit spezifischen Begriffen um sich wirft, deren Bedeutung der Leser sich erst erschließen muss. Die Ideen im Zusammenhang mit der Magie, der Kultur und der Historie der Welt klingen aber sehr vielversprechend, die Figuren sind sympathisch und nachvollziehbar. Ein Plot ist bisher allerdings kaum auszumachen, da die Handlung trotz diverser Kämpfe gegen Feinde und Ungeheuer großteils auf der Stelle tritt. Da es sich um einen Mehrteiler handelt, ist davon auszugehen, dass Figuren, Magie und Historie noch weiter ausgebaut werden, schließlich gibt es eine ganze Menge Fragen zu beantworten, und darauf bin ich ziemlich neugierig. Ich hoffe allerdings, dass sich die Handlung im nächsten Band etwas zügiger entwickelt, als sie es bisher getan hat.

_Brandon Sanderson gehört_ zu denjenigen, die bereits als Kinder phantastische Geschichten schrieben. Sein Debütroman „Elantris“ erschien 2005, seither war er ungemein fleißig. Neben den Sturmlicht-Chroniken schreibt er an seinem Jugendbuchzyklus Alcatraz, der inzwischen bis Band vier gediehen ist sowie an den beiden Serien Warbraker und Dragonsteel. Außerdem hat er das Angebot angenommen, nach Robert Jordans Tod dessen Zyklus Das Rad der Zeit zu Ende zu bringen. Auch dafür sind drei Bände veranschlagt, von denen zwei bereits erschienen sind. In der deutschen Übersetzung wurden die Bände geteilt, zusätzlich zu den beiden, im letzten Jahr erschienen Büchern wurden für Oktober zwei weitere angekündigt. Gleiches gilt auch für die Sturmlicht-Chroniken, denn im englischen Original existiert bisher nur ein Band, trotzdem kommt im August eine Fortsetzung unter dem Titel „Der Pfad der Winde“ in die deutschen Buchläden.

Hardcover: 896 Seiten
Originaltitel: The Way of Kings – The Stormlight Archive 1 (Teil 1)
Aus dem Amerikanischen von Michael Siefener
 Mit zehn Schwarzweiß-Abbildungen
 ISBN: 978-3-453-26717-6
http://www.randomhouse.de/heyne
 http://www.brandonsanderson.com

Der Autor vergibt: (4.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (2 Stimmen, Durchschnitt: 5,00 von 5)

Stephen Baxter – Die letzte Arche

Als die Erde in einer globalen Dauerflut ertrinkt, soll ein gigantisches Raumschiff gebaut und ein ferner Planet besiedelt werden … – Was Autor Baxter mit „Flut“ episch begann, setzt er hier ebenso ausführlich fort: Episodisch rafft er die Geschichte von Jahrzehnten und tritt dennoch immer wieder auf der Stelle. Die quasi-dokumentarische Handlung ist gut recherchiert, ereignisreich und spannend, ächzt aber auch unter Klischees und ist weitschweifig: trotzdem sehr nahrhaftes Lesefutter.
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Lynch, Scott – Die Lügen des Locke Lamora (Gentleman Bastards 1)

Locke Lamora:

Band 1: „Die Lügen des Locke Lamora“
Band 2: „Sturm über roten Wassern“
Band 3: „Die Republik der Diebe“ (11.10.2011)
Band 4: „The Thorn of Emberlain“ (noch ohne dt. Titel)
Band 5: „The Ministry of Necessity“ (noch ohne dt. Titel)
Band 6: „The Mage and the Master Spy“ (noch ohne dt. Titel)
Band 7: „Inherit the Night“ (noch ohne dt. Titel)

Locke Lamora ist eine Waise, was auf viele Kinder in der Stadt Camorr zutrifft. Was Locke von seinen Altersgenossen in derselben Situation unterscheidet, ist seine Eigeninitiative. Und so kommt es, dass Locke als eines von fünf Kindern eine ganz und gar ungewöhnliche Ausbildung genießt …

Scott Lynch lässt seine Geschichte langsam angehen. Er erzählt abwechselnd von der Gegenwart und der Vergangenheit und zeichnet so zunächst den Werdegang seines Protagonisten nach:

Der junge Locke Lamora ist schmächtig, mager und nicht besonders ansehnlich. Aber er hat Köpfchen, und er weiß es. Das führt dazu, dass er oft und weit über die Stränge schlägt. Seine Ideen verraten mindestens so viel Witz wie Dreistigkeit und neigen meist dazu, nicht vollständig durchdacht zu sein, was ihm regelmäßig Ärger einhandelt.
Der erwachsene Locke ist immer noch mager, schmächtig, unansehnlich und übermütig. Als Kämpfer ist er miserabel, als Schauspieler dafür brillant. Allerdings betrügt er nicht aus Habgier oder Ehrgeiz, sondern aus purer Lust am Spiel. Und seine Bande ist keine zufällige Ansammlung von Kriminellen, sondern eine verschworene Gemeinschaft von engen Freunden.

Als wahrhaft tiefschürfend kann man die Charakterzeichnung nicht bezeichnen. Von Lockes Gedanken erfährt man kaum etwas, seine Vergangenheit blitzt nur ausschnittweise auf. Trotzdem ist Scott Lynch eine Figur gelungen, die über reine Nachvollziehbarkeit hinausgeht. Sie entwickelt sich zusammen mit dem Plot, weg von geradezu unbeschwertem Übermut hin zu Trauer und verbissenem Zorn, und das sehr glaubwürdig und lebensecht.

Wie die Charakterzeichnung so kommt auch der Plot nur allmählich in die Gänge. Es dauert über hundert Seiten, bis endlich deutlich wird, was Locke mit seiner Scharade in der Gasse neben dem Tempel der Glück verheißenden Wasser bezweckt, und dieses Gaunerstück ist nur ein kleiner Bestandteil des gesamten Buches. Zum Teil liegt die Trägheit darin begründet, dass hier Adlige über den Tisch gezogen werden. Es dauert einfach eine Weile, bis all der Höflichkeiten genüge getan wurde, die unter zivilisierten Leuten üblich sind. Darunter leiden zeitweise auch die Ereignisse Rabennest.

Zum Teil lag es aber auch daran, dass Scott Lynch seiner Welt einiges an Aufmerksamkeit widmet. So wurde die Entwicklung von Lockes neuestem Coup zusätzlich durch eingestreute Beschreibungen adliger Freizeitkultur unterbrochen, durch Volksbelustigung, das Rezept eines besonders harten Drinks und Ähnlichem. Das bremst den Anfang doch ziemlich aus. Andererseits entstand so ein sehr bildhaftes, plastisches, lebhaftes Bild der Stadt, in der Locke lebt. Den Namen Camorr darf man wohl als Anspielung verstehen, auch wenn die Darstellung von Inseln und Kanälen eher an Venedig erinnert als an Neapel. Türme und Brücken aus Elderglas rücken das Ganze wieder etwas mehr in den Bereich der Fantasy, letztlich spielt Magie aber eine eher untergeordnete Rolle. Hier geht es um Gauner, nicht um Zauberer. Insgesamt ist die Bühne des Dramas also keine neue Erfindung, aber sie ist zumindest stimmungsvoll und passend in die Geschichte integriert.

Und die Geschichte hat es – nach Überwindung des etwas zähen Anfangs – durchaus in sich. Tatsächlich tritt der Betrug, der zu Beginn so ausführlich beschrieben wird, bald in den Hintergrund, während eine Bedrohung, die zunächst nur am Rande erwähnt wurde, immer mehr an Bedeutung gewinnt und schließlich die gesamte Handlung bestimmt. Und das ist nicht das einzige, was Lockes Leben plötzlich zunehmend verkompliziert. Denn Locke ist ins Visier einer ganzen Reihe von unangenehmen Leuten geraten.

Mit der Zeit werden die Ereignisse nicht nur immer komplizierter, sie schlagen auch immer wieder Haken. Mehrmals ist es dem Autor gelungen, mich völlig zu überraschen. Dazu trug natürlich Lockes Einfallsreichtum eine Menge bei, vor allem, weil er die meiste Zeit auf Improvisation beruhte. Und während der eine Gegner uns wissen lässt, was er zu unternehmen gedenkt, und dadurch für steigende Spannung sorgt, lässt der andere uns völlig über seine Pläne im Dunkeln bis zu dem Moment, in dem er sie umsetzt, und verpasst uns so immer wieder mal eine kalte Dusche.

Immer größer, immer unberechenbarer werden die Schwierigkeiten, mit denen Locke und seine Bande sich konfrontiert sehen, und jedes Mal, wenn Locke sich mit Müh und Not und Hilfe seiner Freunde aus einer ausweglosen Situation gerettet hat, sieht die Lage noch schlimmer aus. Die Probleme ufern regelrecht aus, die Spannungskurve zieht sich zu.

Also um ehrlich zu sein: Obwohl es ein paar Szenen gab, die für meinen Geschmack eigentlich zu brutal waren, wie die Folter im Schwimmenden Grab, fand ich das Buch klasse. Für den Anfang braucht man ein starkes Interesse für Details von Kultur und Gesellschaft oder einfach nur ein wenig Geduld. Aber dann wird man mit einer spannenden, abwechslungsreichen und wenig vorhersehbaren Handlung belohnt. Locke Lamora ist ein sehr sympathischer Held, der am Anfang zwar durch das kräftige Herauskehren seiner Stärken wie ein unfehlbarer Übermensch wirkt, aber nur zu bald so auf die Nase fällt, dass dieser Eindruck schnell schwindet. Was ich aber vor allem gut fand, war, dass die Handlung als solche abgeschlossen ist, ohne lose Enden oder offene Fragen zu hinterlassen. Ich war ziemlich zufrieden, als ich das Buch zuklappte, und trotzdem neugierig auf die Fortsetzung, die nun frei ist, eine völlig neue Geschichte aufzubauen.

Scott Lynchs beruflichen Werdegang, bevor er seinen ersten Roman veröffentlichte, könnte man salopp mit über-Wasser-halten umschreiben, als Tellerwäscher, Kellner und dergleichen. Inzwischen sind die Abenteuer von Locke Lamora bis Band drei gediehen, der im Februar auf Englisch erschien und im Oktober unter dem Titel „Die Republik der Diebe“ auf Deutsch erscheinen wird.

Taschenbuch 845 Seiten
Originaltitel: The Lies of Locke Lamora
Ins Deutsche übertragen von Ingrid Herrmann-Nytko
ISBN-13: 978-3453530911

http://www.scottlynch.us/
http://www.lockelamora.co.uk/
http://www.heyne.de

Der Autor vergibt: (5.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Trevanian – Shibumi

_Nummer 5 lebt – und wird gejagt_

Nach dem PLO-Anschlag auf die Olympischen Spiele 1972 schicken die Israelis fünf Agenten aus, um die Attentäter des Schwarzen September zu töten. Zwei von ihnen werden getötet, zwei weitere sterben bei einem Feuerüberfall in Rom, den die CIA so inszeniert, dass der Verdacht auf japanische Revoluzzer fällt. Doch der fünfte Agent wird einfach übersehen: Die 24-jährige Amerikanerin Hannah Stern.

Sie wendet sich an Terroristenjäger Nicholai Hel, halb Deutscher, halb Russe, aber von einem japanischen General erzogen und zu einem Kämpfer ausgebildet. Der Mann, der bei der CIA das Sagen hat, Mr. Diamond, bläst zur Jagd auf Hannah Stern. Und er hat noch eine Rechnung mit Mr. Hel zu begleichen. Die Spur führt ins Baskenland …

_Der Autor_

„Trevanian“ war das Pseudonym von Rodney Whitaker, der am 12.6.1931 (nach Angaben des „Who’s Who“ aber am 12.1.1925) in Granville, New York, geboren wurde und am 14.12.2005 in Großbritannien starb. Er veröffentlichte auch unter den Namen Nicholas Seare und Beñat Le Cagot (einer Figur aus „Shibumi“). Sein Kriminalroman „The Main“ sollte ursprünglich unter dem Namen Jean-Paul Morin erscheinen. Den Verdacht, er sei „Robert Ludlum“ wies er jedoch von sich.

Er errang seinen Doktorgrad in Kommunikations- und Filmwissenschaft, arbeitete an Unis in Nebraska und Texas, kämpfte im Korea-Krieg und erhielt ein Fulbright-Stipedium für ein Studium in England. Whitaker lebte viele Jahre im Baskenland und schrieb mehrere Erzählungen über die Basken und ihren Charakter. Er war mit Diane Brandon verheiratet und hatte vier Kinder: die Söhne Lance und Christian sowie die Töchter Alexandra und Tomasin.

Kritiker vergleichen Whitaker mit Autoren wie Balzac, Simenon, Somerset Maugham and J.D.Salinger. „The Eiger Sanction“, verfilmt 1975 mit Client Eastwood, ist eine Agententhriller-Parodie, doch manche Kritiker kapierten nicht, worin der Witz lag. Deshalb verschärfte Whitaker den Parodiecharakter in „The Loo Sanction“ über einen genialen Kunstraub. Leider kopierten Kunsträuber in Turin die beschriebene Methode. Deshalb sah sich der Autor in „Shibumi“, wie er dort in einer Fußnote anmerkt, genötigt, nichts Näheres über die Tötungskunst seines Anti-Helden Nicholai Hel zu verraten, auf dass niemand in Versuchung gerate, sie nachzumachen.

„The Main“ ist ein gewöhnlicher Kriminalroman, „Shibumi“ (1979) transzendiert die Form des Agententhriller durch Lebensphilosophie, und „The Summer of Katya“ (1983) ist ein üpsychologischer Horror-Roman. Nach 15 Jahren Abstinenz erschien 1998 mit „Incident at Twenty-Mile” ein Western, anno 2000 mit „Hot Night in the City” ein Erzählband und mit „The Crazyladies of Pearl Street“ (2006) einen Bildungsroman, der im Albany vor dem und während des 2. Weltkriegs spielt.

„1339 or So: Being an Apology for a Pedlar” (1975) and „Rude Tales and Glorious: The Account of Diverse Feats of Brawn and Bawd Performed by King Arthur and His Knights of the Table Round“ (1983) sind zwei ironische Mittelalterromane. Das Manuskript des Romans „Street of the Four Winds“ über Pariser Künstler während der Revolution von 1848 ist bis heute nur in Auszügen auf der Trevanian-Webseite veröffentlicht worden.

2005 schrieb die New York Times im Nachruf, dass Whitakers Bücher eine Auflage von mindestens fünf Mio. Exemplaren erreicht hätten und in mindestens 14 Sprachen übersetzt worden seien. Das ist ein erstaunlicher Erfolg für einen Autor, der nur selten Interviews gab (daher der Vergleich mit John D. Salinger) und in mehreren Genres schrieb.

|Weitere Titel als Trevanian: |

„The Eiger Sanction“ (1972)
„The Loo Sanction“ (1973)
„The Main“ (1976)
„The Summer of Katya“ (1983)
„Incident at Twenty-Mile“ (1998)
„Hot Night in the City“ (2000, Stories)
„The Crazyladies of Pearl Street“ (2006)

Als Nicholas Seare:

– „1339 or So … Being An Apology for A Pedlar“ (1975) („1339 or So …“ war in der Urform ein Bühnenstück mit dem Titel „Eve of the Bursting“)
– „Rude Tales And Glorious“ (1983)

Als Rod Whitaker:

– „The Language of Film“ (1970), und andere Fachliteratur.

_Handlung_

Wir wissen es aus Steven Spielbergs Film „München“. Nach dem blutigen PLO-Anschlag auf die Olympischen Spiele 1972 von München schicken die Israelis fünf Agenten aus, um die palästinensischen Attentäter des Schwarzen September zu töten. Zwei dieser Agenten werden selbst vom Gegner getötet. Doch auf dem internationalen Flughafen von Rom geraten die restlichen drei in einen Hinterhalt. Die zwei jungen Avrim und Chaim Männer sterben im Kugelhagel von japanischen RAF-Untergrundkämpfern, die die CIA über Mittelsmänner angeheuert hat. Die Mörder werden jedoch ebenfalls getötet – von der Flughafenpolizei sowie von CIA-Feldagent Darryl Starr selbst. Fünf Unschuldige sterben bei diesem Massaker.

Die ganze Aktion wird dem derzeitigen Überwacher der Geheimdienste, Mr. Diamond, zur Prüfung vorgelegt. Mr. Diamond leitet das Washingtoner Büro der Mother Company. Diese ist ein Industriekonsortium, das vor allem die energie- und Öl lproduzierenden Staaten gebildet haben, um den Vereinigten Staaten und anderen westlichen Nationen ihre Meinung aufzuzwingen. Denn nachdem die OPEC 1973 den Ölhahn zudrehte, müssen die Wessis nach ihrer Pfeife tanzen. Und weil die Ölproduzenten in Arabien die Palästinenser gegen die Israelis unterstützen, müssen Israelis sterben, egal wie.

Der gestrenge Mr. Diamond ist keineswegs amüsiert über das, was er in den Unterlagen entdeckt, die ihm CIA-Agent T. Darryl Starr gegeben hat. Er setzt seinen Computerspezialisten Llewellyn darauf an. Dieser Hacker versteht es, aus der gigantischen Datenbank des Supercomputers „Fat Boy“ die relevanten Details über die München-Fünf herauszukitzeln. Und da steht es ganz klar: Nummer 5 lebt!

Ihr Name lautet Hannah Stern, sie ist die Nichte des zuvor an Krebs gestorbenen Teamleiters Asa Stern, dessen Sohn in München ermordet wurde. Sie konnte als Einzige dem Massaker auf dem römischen Flughafen lebendig entkommen. T. Darryl Starr schiebt die Schuld hinsichtlich dieses Versehens auf seine arabischen Quellen. Aber damit lässt sich Mr Diamond nicht abspeisen. Er und seine Vorgesetzten befehlen die alsbaldige Liquidierung von Hannah Stern. Die Tickets, die Chaim und Avrim bei sich tragen, weisen den Weg ins Baskenland. „Ausgerechnet!“, stöhnt Mr. Diamond.

|Nicholai Hel|

Denn im Baskenland lebt kein anderer als Nicholai Alexandrowitsch Hel, ein Terroristenjäger, der sich zur Ruhe gesetzt hat. Natürlich kennt ihn Mr. Diamond gut, und zwar nicht nur durch Fat Boys Datenbanken, sondern weil Hel kurz nach dem Zweiten Weltkrieg Diamonds Bruder getötet hat. Dieser Bruder gehörte zu dem Trio von Beamten der amerikanischen Besatzungsstreitkräfte, die Nicholai Hel folterten und zusammenschlugen, bevor sie ihn ins Gefängnis warfen. Der Grund: Er hatte nach seiner Ermordung eines japanischen Kriegsgefangenen, des Generals Takashi, die Zusammenarbeit verweigert.

Was Mr. Diamond jetzt aus den Datenbanken erfährt, gibt ihm zu denken. Nicholai Hel, geboren um 1925 in Shanghai, lebte nach der Besetzung Shanghais durch Japan und dem Tod seiner Mutter in der Obhut seines Mentors, des Generals Takashi. Weil der General ein vielbeschäftigter Mann war, brachte er den geistig aufgeweckten Jungen bei seinem besten Freund auf dem Lande unter, bei Mr. Otake. Otake war ein Großmeister des Go-Spiels, und so kam es, dass Nicholai seine bereits beachtlichen Fähigkeiten in diesem Strategiespiel mit einem wirklichen Meister messen konnte.

Er verliebte sich in eine junge Verwandte Otakes, Mariko, doch Mariko starb am 6. August 1945 in Hiroshima. Eine Welt, ein Zeitalter versank, und Nicholai musste für die Amerikaner als Übersetzer und Verschlüsseler arbeiten. Bis die Russen General Takashi, seinen Ziehvater, als Kriegsverbrecher vor Gericht in Tokio stellen wollten. Diese letzte Demütigung seines Ziehvaters vereitelte Nicholai durch eine Tötung ohne Waffen – mit Takashis Einverständnis. Unter den wütenden Amerikanern und Russen befand sich auch der bedauernswerte Diamond-Bruder, der Nicholai drei Jahre Einzelhaft verpasste. Bis die CIA sich Nicholais Fähigkeiten wieder erinnerte …

|Baskenland|

Hannah Stern trifft in Nicholai Hels Chateau auf dem Lande ein. Dort darf sie sich erholen, wird von Hels Konkubine Hana (Hannah glaubt, sich verhört zu haben – „Konkubine“??) verköstigt, bis sie Hel ihre grausige Story vom Massaker in Rom erzählen kann. Das Ambiente, in dem sie diese Horrorstory vorträgt, könnte friedfertiger nicht sein. Hel hat es geschafft, in jahrelanger Arbeit einen japanischen Garten anzulegen.

Nicholai, der Terroristenjäger im Ruhestand, ist Hannahs Onkel Asa einen Gefallen schuldig, denn Asa rettete ihm einst in Kairo das Leben. Doch wenn er Hannah hilft, hinter der bestimmt bereits die Hintermänner des Massakers her sind, dann zieht er die Gefahr, die sie bedroht, auch auf sich. Er bringt Hannah erst einmal davon ab, sich weiter dem Terrorismus zu verschreiben: Sie solle nach Hause zurückkehren, in die amerikanische Provinzsstadt Skokie.

Doch für eine Flucht Hannahs ist es bereits zu spät. Mr. Diamond trifft ein, abgeholt von Hels Gärtner Pierre, und speist mit Hel, Hana, Hannah, Darryl Starr, einem palästinensischen Killer und Hels bestem Freund Le Cagot zu Abend. In einem Vieraugengespräch macht Mr. Diamond unmissverständlich seine Forderungen klar, die Hel zurückweist. Hannah will er nicht aufgeben. Und er ahnt, dass die Mother Company nicht nachlassen wird, sie töten zu wollen – schon aus Prinzip und natürlich, um die Palästinenser bei Laune zu halten. Und weil Mr. Diamond ebenfalls noch ein Hühnchen mit ihm zu rupfen hat, wird auch er wiederkommen.

Hels ergreift im Mittelspiel dieser Go-Partie auf Leben und Tod die Initiative, aber es ist nicht genug. Die Mother Company und Mr. Diamond schlagen mit aller Härte zu. Zeit für das Endspiel …

_Mein Eindruck_

Zunächst hatte ich erwartet, es mit einem ähnlichen Fernost-Thriller wie denen von Eric Lustbader zu tun zu haben, nur eben in Prototyp-Form: Trevanians Roman erschien 1979, also ein Jahr vor „The Ninja“. Diese Erwartung stellte sich als Irrtum heraus.

„Shibumi“ ist noch in weiten Teilen den althergebrachten Thrillern und Spionageromanen der Marke „Der Spion, der aus der Kälte kam“ eines John Le Carré verpflichtet. Wie sich zeigte, ist dies aber auch in Ordnung. Denn in vielerlei Hinsicht geht es in diesem Buch darum, dass diverse Phänomene ihr Ende finden und abgelöst werden. Das spiegelt sich auch in der Art, wie seit 1980 Thriller über den Fernen Osten geschrieben werden.

Das Buch ist in sechs Teile unterteilt, die den sechs Phasen eines Go-Spiels entsprechen, von der Eröffnung über Gambits und Sturmangriff bis zur endgültigen Niederlage des Verlierers. In einem der Vorsatzblätter behauptet der Autor von seiner Unterteilung des Buches, dies entspreche der SPIELFORM des Begriffs „Shibumi“. Dieser – inzwischen veraltete – japanische Begriff bezeichnet eine verborgene Wahrheit, die man nur entdecken, aber nicht vermitteln und lehren könne: eine innere Qualität der eleganten Zurückhaltung und der Wahrhaftigkeit und Handeln und Leben. Nicholai Hel strebt nach Shibumi, gespiegelt in seinem japanischen Garten.

|Der Killer|

Der ganze Mittelteil stellt uns, vermittelt durch Fat Boy und Mr. Diamond, den einzigartigen Charakter dieses Mannes Nicholai Hel vor. Könnte es möglich sein, dass Hel der geflüchteten Hannah Stern wirklich Schutz vor Mother Companys Schergen bietet? Kann sich ein Einzelner wirklich dem langen Arm der Energie-Multis entgegenstellen, wenn diese ganze Regierungen und deren Geheimdienste gegen ihn aufbieten können?

Es ist klar, dass Hel erstens alle unsere Sympathien hat, wenn auch nicht die von Hannah Stern. Er ist viel zu streng zu dem naiven Mädchen, das eigentlich ihr „Jüdischsein“ entdecken wollte und gerne Revolutionärin wäre. Vor so viel Naivität auf einem Haufen hat Hel einen verständlichen Abscheu. Den er aber als Mann von Shibumi-Qualitäten nicht zeigt. Als sie seine Waffen begutachtet, merkt sie nicht mal, dass sie eine Bombe mit Nervengas in der Hand hält.

Hel seufzt und erträgt die Amerikanerin mit Fassung. Seine Stärke ist es, mit bloßen Händen und primitivsten Mitteln zu töten, mit allem, was gerade zur Hand ist. Auch mit einem Trinkstrohhalm. Seinen Ziehvater erlöste er mit einem Bleistift von der Schmach durch die Gefangenschaft. Sollen wir erwarten, dass er die Mother Company und Mr. Diamond mit so etwas in die Flucht schlägt? Natürlich nicht.

|Nachrichtenbomben|

Nein, Mr. Hels wichtigste Waffe sind Informationen. Brisante Informationen über Regierungsaffären, sexuelle Peinlichkeiten, aber auch über den Hintergrund der Ermordung John F. Kennedys (Lee Harvey Oswald war nicht der einzige Schütze). An die richtigen Stellen der Geheimdienste gerichtet, bildet die Drohung, solche Kenntnisse in westdeutschen Nachrichtenmagazinen zu veröffentlichen, einen wirksamen Schutz vor Verfolgung. Meistens, aber nicht immer.

Hels Quelle für solche pikanten Details ist der Gnom, ein zwergenwüchsiger Privatier im Baskenland. Leider neigt sich das Leben des Gnoms seinem Ende zu, wie so viele Dinge in dieser Geschichte. Hel selbst ist ein letzter Ritter des japanischen Mittelalters. Doch er will partout kein Held sein. Das wäre nicht mit Shibumi zu vereinbaren.

|Höhlenforscher|

Um den Nicholai Hel der Gegenwart vollständig zu verstehen, führt uns der Autor fünfzig Seiten lang auf ein Abenteuer mit: auf die Erkundung einer unerforschten Höhle. Hel ist unterwegs mit seinem besten Freund, dem bereits erwähnten Le Cagot. Dieser baskische Poet ist ein lebenslustiger Mann vom Falstaff-Typ, ein Miles Gloriosus, der sich selbst für den Größten hält, und dem niemand deswegen böse sein kann. Außer natürlich Krämerseelen wie Mr. Diamond und Konsorten.

Obwohl Nicholai als Erster in die Tiefe steigt, ist es natürlich Le Cagot, nach dem die erste Höhlenkammer benannt wird. Ebenso die Zweite und die Dritte. Nur die schwierigen Stellen werden nach Nicholai benannt. (Die entsprechende Karte des Höhlenkomplexes findet sich im Original auf Seite 214, sodass sich der Leser jederzeit orientieren kann. Im Finale erweist sich diese Karte noch einmal als notwendig.)

Natürlich hat auch Le Cagot, der Narr und Lebemann, eine tragische Geschichte zu erzählen, doch sie tut hier nichts zur Sache. Sie illustriert als weiterer Aspekt die Bedeutung des Baskenlandes als ein Land der Widerstandskämpfer. Sie kämpfen auf beiden Seiten der Grenze gegen das System: Das spanische und das französische. In Nicholais Kampf gegen das System „Mother Company“, sind sie seine idealen Verbündeten.

Beim Lesen dieses langen Höhlenkapitels habe ich mich gefragt, was das soll. So etwas habe ich noch nie in einem Thriller gelesen. Doch die Seiten flogen vorüber, weil es erstens zahlreiche Gefahren zu bestehen gilt und weil zweitens der Charakter Nicholais deutlich zum Vorschein kommt. Und drittens war ich froh, dadurch auf Nicholais Gefangenschaft in der Höhle vorbereitet zu sein, nachdem Mr Diamond zurückgekehrt ist. Mehr soll nicht verraten werden, aber von nun an wird es ganz schön eng für Nicholai. Und ohne das vorherige Höhlenkapitel wäre die zweite Durchquerung des Höhlensystems kaum zu verstehen und nur halb so spannend. Wird Nicholai es schaffen, im Alleingang dessen Ende zu erreichen und das Tageslicht zu erreichen?

|Erotik|

Shibumi umfasst auch den Bereich der Sexualität – wie könnte es anders sein, wenn Shibumi eine umfassende Lebens- und Geisteshaltung ist? Schon in früher Jugend kommt Nicholai mit Erotik in Berührung, denn seine Mutter, eine Gräfin, sein Vater, ein deutscher Adeliger, und sein Ziehvater, der Geliebte seiner Mutter, enthalten sich keineswegs der Bettfreuden. Und Nicholai lernt auf den Straßen von Shanghai, was Männer und Frauen zueinander hinzieht bzw. was sich in den Bordellen abspielt.

Auf seiner Flucht vor den Amerikanern, Russen und sonstigen Geheimdiensten macht er Station in Ceylon und Madagaskar, erlernt von Prostituierten die Liebeskunst und bringt es zum vierten Grad der Sexualität. Für ihn Sex ein Grundbedürfnis wie Essen und Trinken, aber auch ein Spiel, das er zusammen mit seiner Konkubine verfeinert hat, bis er es stundenlang hinziehen kann. Das Spiel bietet dem Leser einige der schönsten und sinnlichsten Szenen. Auch die Amerikanerin Hannah Stern kommt in den Genuss von Nicholais Fähigkeiten, und er scheint ihr Fleisch zum Schmelzen zu bringen. Prompt verliebt sich das naive Provinzblümchen in ihn. Er seufzt: Das war bei einer westlichen Frau vorauszusehen.

|Humor|

Man kann solche Notlagen des Helden aber auch ironisch als eine Variante des Humors auffassen. Nicholai ist der Außenseiter aus der Kultur Vergangenheit, der sich nun mit den Auswüchsen der Moderne herumschlagen muss, seien dies nun erotischer Natur, gewalttätiger oder technischer. Er liebt es beispielsweise, seine alten, behäbigen, aber leider unzerstörbaren Volvo zu treten, zu schlagen oder anderweitig zu traktieren. Es dauert nicht lange, und andere machen es ihm nach. Angeblich soll es inzwischen zum Volvo-Kult gehören, dass Besitzer ihr Schwedenauto regelmäßig treten und mit Schlägen traktieren. Das ist ein Seitenhieb auf die Entstehung von Kulten und Moden.

Eine der herrlichsten Szenen ist die Fahrt von Nicholais permanent angetrunkenem Gärtner Pierre in seinem Volvo. Er fährt nachts – ohne Licht, im ersten Gang und immer in der Straßenmitte, denn Pierre ist nicht nur angetrunken, sondern auch kurzsichtig. Wunderbar, wie die anderen Fahrer in den Graben fahren oder Fußgänger über die Grenzmauern hechten! Pierre wundert sich, dass sich die anderen Verkehrsteilnehmer einer unflätigen Sprache befleißigen und obszöne Gesten machen. Was ist nur aus der Kultur geworden!

|Autorenkommentare|

Der Autor, vertreten durch seinen Protagonisten Hel, lässt kaum ein gutes Haar an den Amerikanern. Diese Ablehnung wird des öfteren erörtert und von Nicholai Hel präzisiert. Er hat nichts gegen das Land Amerika, nur gegen seine Krämerkultur, die Mittelmäßigkeit fördert und nur in Dollars rechnet. Er findet amerikanische Snacks toll, aber französische Restaurants in New York City lächerlich überteuert. Und über einen gewissen Andy Warhol zieht er ebenfalls her, auch wenn dessen Name nicht fällt.

Wegen der Amerikanisierung der japanischen Kultur ist Nicholai letzten Endes auch von Japan, seiner zweiten Heimat, weggegangen, und hat im Baskenland, eine dritte Heimat gefunden. Die obige Liste lässt sich schier endlos verlängern, und wer irgendwelche Munition gegen den „Amerikanismus“ sucht, der findet sie hier garantiert.

Das bildet aber auch ein Problem. Denn die „Predigten“ über Phänomene wie den „Amerikanismus“ treten wiederholt auf und bilden mitunter eine ganze Seite von abfälligen Äußerungen. Sicher, sie mögen die Ansichten des Helden sein. Aber dennoch hätte der Autor sie ja auch kürzer halten können. So mancher Leser könnte sie zudem heute gar nicht mehr für politisch korrekt, geschweige denn, sie als den Tatsachen entsprechend bewerten – es sind doch immerhin schon fast 30 Jahre seit dem Erscheinen des Buches vergangen und über 60 Jahre seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, als Nicholai mit Amis und Russen in Kontakt kommt und seine Urteile über sie bildet. Jeder Leser kann anhand dieser Kommentare aber gut seine eigenen Vorurteile gegen Amerikaner überprüfen.

_Unterm Strich_

Es gibt etliche Titelbilder für diesen Thriller, darunter ein Go-Spielbrett, aber auch die Kombination aus Bonsai-Baum und japanischem Samuraischwert. Beide haben eine gewisse Berechtigung, aber ein Samuraischwert ist eine Waffe, die Nicholai Hel, niemals anrühren würde. Er tötet mit Alltagsgegenständen wie Bleistiften und dergleichen: quasi mit leeren Händen. Das unterscheidet ihn erheblich von James-Bond-Typen, die einen Revolver für die Verlängerung ihres Penis‘ halten.

Mein Vergnügen beim Lesen dieses frühen Fernost-Thrillers bestand vor allem in der Schilderung von Nicholais Leben und vor allem in seinem Umgang mit den Basken. Dieses ungewöhnliche und sehr alte Völkchen am Rande Europas erscheint quasi als die alten Japaner vor 1945, die sich dem Zugriff der Amerikaner und der Moderne haben entziehen können. Leider wird ihnen sowohl von Spanien als auch Frankreich das kulturelle und wirtschaftliche Wasser abgegraben. Die Dörfer sterben aus. Aber Charaktere wie der Poet und Aufschneider Le Cagot sind ein wunderbares, an Falstaff erinnerndes Phänomen. Eine der besten Erfindungen des Autors. Le Cagot hat sein Gegengewicht in dem schweigsamen Nicholai.

|Showdown|

Es ist kein Zufall, dass der Showdown alle drei Faktoren zusammenbringt: Hel, Le Cagot, das Baskenland und seine Wetterphänomene. Diesen urtümlichen Wesen und Dingen stehen die Fremdlinge aus der modernen Welt gegenüber, die die Mother Company geschickt hat. Kein Wunder, dass Mr Diamond und seine Leute völlig verunsichert sind, wie kleine Kinder, die sich im tiefen Wald verirrt haben und nun vom bösen Wolf angegriffen werden.

Hier treffen Zeiten und Kulturen aufeinander – das ist der eine Sinn dieses Romans, aber andere liegt in der Frage: Wie man heute als Individuum noch Frieden für sich finden kann. Nichloai Hel dient als Prüfstein, der unser Zeitalter der Computer und Flughäfen auf die Probe stellt. Wie sich zeigt, versagt unser Zeitalter auf der ganzen Linie, was nichts Gutes verheißt: Rundum kontrollierte Massenmenschen, die sich fernlenken lassen.

Aber auch Hel und Shibumi, soviel wird klar, sind dem langsamen Untergang geweiht. Hels japanischer Garten, das Sinnbild für Shibumi, ist ein Opfer von Diamonds Flammenwerfern geworden, aber in Hanas Erinnerung existiert er fort. Und wenn sich genügend Leute an die Bedeutung von Shibumi erinnern, dann wird vielleicht auch die Moderne eine menschenfreundlichere Zeit.

Hinweis: In der aktuellen Heyne-Ausgabe ist die Karte vom Höhlenlabyrinth, die sich im Original als so nützlich erweist, nicht abgedruckt.

|Taschenbuch: 576 Seiten
Originaltitel: Shibumi (1979)
Aus dem Amerikanischen von Gisela Stege
ISBN-13: 978-3453408098|
[www.heyne.de]http://www.heyne.de

Mark Lawrence – Prinz der Dunkelheit (The Broken Empire 1)

The Broken Empire:
Band 1: „Prinz der Dunkelheit“
Band 2: „King of Thornes“ (noch ohne dt. Titel)

Jorg war einst ein Prinz. Bis zu dem Tag, an dem er erkennen musste, dass sein Vater für den Mord an Mutter und Bruder keine Rache nehmen würde. Jetzt ist Jorg ein Straßenräuber übelster Sorte, geplagt von Alpträumen aus Schuldgefühlen und Hass. Und er ist auf dem Weg zu seines Vaters Burg, um ihn herauszufordern …

Die Mitglieder von Jorgs Räuberbande sind größtenteils Nebenfiguren. Selbst über die beiden, die einigermaßen wichtig sind, gibt es im Grunde nichts zu sagen, zumal der eine das Ende des Buches nicht erlebt.

Bleibt die Hauptfigur, Jorg. Der Junge ist vor allen Dingen stur, er neigt dazu, stets das Gegenteil von dem zu tun, was man ihm sagt. Außerdem ist er für sein Alter ungewöhnlich brutal und skrupellos, gleichzeitig ist er aber immer noch ein Kind, das sich mit Selbstvorwürfen quält und sich nach Anerkennung durch seinen Vater sehnt.

Jorg erzählt seine Geschichte selbst, nicht nur, was passiert, sondern auch, was er denkt und fühlt. Er bleibt dabei in der Regel ziemlich nüchtern, weitschweifige Beschreibungen fehlen. Nur wenige Details werden knapp und präzise ausgedrückt. Dennoch gelingt es dem Autor auf diese Weise hervorragend, nicht nur Jorgs Persönlichkeit selbst lebendig und plastisch darzustellen, sondern auch die Beziehungen zu den Personen um ihn herum.

Genauere Beschreibungen der Welt fehlen ebenfalls. Was den Ort des Geschehens interessant macht, sind die Andeutungen, die immer wieder eingestreut sind und dem Leser ziemlich vertraut vorkommen. Gleichzeitig gibt es Magie, Vampire und Geister. Eine recht ungewohnte Mischung.

Die Handlung ist zweigeteilt. Parallel wird erzählt, wie es kam, dass Jorg die heimatliche Burg verlassen hat, und wie er wieder zurückkehrt, wobei die Rückblenden die Motive und Erklärungen für den Hauptstrang liefern. Der zeitliche Ablauf ist dabei geschickt aufeinander abgestimmt. Und auch die einzelnen Aspekte der Haupthandlung – Jorgs Charakterentwicklung, sein gespanntes Verhältnis zum Vater, die Entwicklung des eigentlichen Plots – sind gekonnt ausbalanciert.

Ich kann nicht sagen, dass es Spaß gemacht hat, dieses Buch zu lesen. Auch würde ich es nicht unbedingt als spannend bezeichnen. Der Begriff, der am ehesten darauf passt, ist fesselnd. Der Autor hat es verstanden, seine Geschichte so zu gestalten, dass sie in jeder Hinsicht Interesse weckt. Die Erwähnung von aus flüssigem Stein gegossenen Mauern und Büchern mit Seiten aus „Plastick“ verleihen dem Entwurf der Welt nicht nur eine gewisse Würze, sie machen den Leser auch neugierig darauf, was in der Vergangenheit dort geschehen sein mag. Der Plot entwickelt sich in einem eleganten Bogen, der weit genug ist, um nicht eckig zu wirken, aber dennoch verhindert, dass der Leser bereits zu Beginn des Buches das Ende sehen kann. Vor allem aber fasziniert die Figur des Jorg, denn je weiter die Geschichte fortschreitet, desto deutlicher steht die Frage im Raum, wer dieser Junge eigentlich wirklich ist.

Auch sprachlich fand ich das Buch sehr gelungen. Die eher nüchterne Erzählweise verhinderte blutgetränkte Ekelexzesse, wie sie in der Fantasy leider nur zu häufig vorkommen, brachte aber trotzdem die Brutalität der Räuber immer noch deutlich genug zum Ausdruck, ebenso wie Jorgs Zerissenheit oder Katherines Interesse an dem jungen Prinzen. Tatsächlich erzeugte das Fehlen nahezu jeglicher Ausschmückung hier seine ganz eigene Stimmung und wirkte im Hinblick auf die Hauptperson und die Ich-Form der Erzählung weit authentischer als episch ausgeschmückte Prosa.

Mit anderen Worten, ein gelungener Einstieg in einen vielversprechenden Zyklus. Einziger Wermutstropfen: Der Originaltitel „Prince of Thorns“ wurde – aus welchem Grund auch immer – mit „Prinz der Dunkelheit“ übersetzt. Wahrscheinlich, weil alles, was mit Dunkelheit zu tun hat, gerade modern ist!

Mark Lawrence arbeitet hauptberuflich als Wissenschaftler an der Entwicklung künstlicher Intelligenz. „Prinz der Dunkelheit“ ist sein erster Roman, außerdem hat er einige Kurzgeschichten und Gedichte geschrieben. Er lebt mit seiner Familie in England.

Taschenbuch: 380 Seiten
Originaltitel: Prince of Thornes
Ins Deutsche übertragen von Andreas Brandhorst
ISBN 978-3453528253

www.princeofthorns.com/index.html
http://www.heyne.de

Der Autor vergibt: (5.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Brandon Sanderson – Der Weg der Könige (Die Sturmlicht-Choniken 1, Teil 1)

Die Sturmlicht-Chroniken:

Band 1: „Der Weg der Könige“
Band 1 (Teil 2): „Der Pfad der Winde“
Band 2: „Die Worte des Lichts“
Band 3: „Die Stürme des Zorns“

Die Handlung:

Dies ist die Geschichte von Dalinar, Heerführer von Alethkar und Bruder des ermordeten Königs. Seit dem Tod des Königs sind die Fürsten des mächtigsten Reiches von Roschar zerstritten, und der Krieg mit dem Barbarenvolk im Osten zieht sich länger hin als erwartet. Dabei trägt Fürst Dalinar nicht nur schwer an dem Vermächtnis seines toten Bruders, sondern auch an den unheimlichen Visionen, die ihn des Nachts überfallen: Visionen aus einem vergangenen Zeitalter, als die Völker von Roschar vereint waren, als die Menschen noch Seite an Seite mit den Göttern kämpften und die magischen Schwerter dem Schutz des Lebens dienten. Visionen, die in Fürst Dalinar nicht nur eine neue Hoffnung auf Einheit unter den Menschen wecken, sondern auch eine tiefe Furcht. Denn noch weiß keiner, welches Schicksal die Zukunft von Roschar für all jene bereithält, die das Rätsel der Vergangenheit lösen können … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Verlage halten sich ungern zurück, wenn es um das Bewerben eines neuen Titels geht. Gern wird auch mal ein Fantasy-Roman aus dem eigenen Programm als neuer „Herr der Ringe“ vorab gefeiert. Einige Romane können dem standhalten, einige nicht. „Der Weg der Könige“ von Brandon Sanderson scheint ein Weg zu werden, den einige sicher gern mitgehen werden. Ich schreibe „werden“, da dieses Buch der Auftakt einer geplant zehnbändigen Reihe und noch nicht abzusehen ist, womit der Autor noch aufwartet.

In diesem Buch wartet er auf jeden Fall mit sehr vielen Erklärungen auf, um seine neue Welt zu erklären. Auf knapp 900 Seiten wird der Leser überwiegend in die Welt eingeführt, statt mit abenteuerlicher Handlung konfrontiert. Es wird sicher nicht wenige Leser geben, die sich gute 500 Seiten dieses Buch hätten schenken wollen, um dem interessanten Ende schneller näher zu kommen oder um einfach wieder ein wenig neuer Action zu begegnen. Gegen Ende nimmt der Roman dann aber endgültig Fahrt auf und hinterlässt auch den allseits bekannten leicht faden Beigeschmack eines ersten Teils einer Reihe.

Freunde der epischen Fantasy werden allerdings durch die ausführliche, einbändige Einführung in alles rund um Roschar belohnt. Wie sieht die Tier- und Pflanzenwelt aus? Warum bauen die Bewohner ihre Unterkünfte in Höhlen oder aus Stein und alle zeigen in die gleiche Richtung? Was kann man mit den Edelsteinen noch so alles anstellen, außer sie als Währung zu gebrauchen? Geschichte, Religion, Mythologie, alles wird vom Autor erklärt, der sich offenbar richtig lange und richtig viele Gedanken darüber gemacht hat. Nach eigener Aussage seit Mitte der 1990er und teilweise noch weit davor.

Welcher der vielen Charaktere, die im Buch auftreten, wird später noch eine wichtige Rolle spielen? Kaladin, Schallan, Dalinar oder einer der anderen? Jasnah oder Szeth vielleicht? Wer ist hier eigentlich der Hauptgegner und was haben die Könige mit den magischen Schwertern vom Prolog mit allem zu tun? Was sagen die Visionen aus, die Dalinar quälen? Es sind eine Menge Infos und Fragen, die der Leser zu verarbeiten hat. Einige Fragen werden beantwortet, einige nicht. Fortsetzung folgt, wie das oftmals so ist.

Und so werden sich bei diesem Buch sicher die Lager teilen. Den einen wird zu viel erklärt und beschrieben anstatt eine Handlung voranzutreiben, so sie denn eine erkennen konnten und den anderen hat genau diese langsame und ausführliche Einführung in die neue Welt gefallen.

Die zum Teil farbigen Illustrationen und Karten im Buch sind wirklich schön anzusehen und das „Ars Arcanum“ am Ende gibt einen tabellarischen Überblick über die zehn Essenzen und ihre Eigenschaften.

Die Teilung von Romanen für den deutschen Sprachraum

Leider hat der Verlag nicht auf eine Teilung des Romans verzichtet und so ist der Roman zwar ein Brocken, dennoch aber nur die Hälfte von dem, was er hätte sein können. Leider wird dieses Vorgehen im Fantasy-Bereich gerne praktiziert, um den geneigten Fan mehrfach zur Kasse zu bitten. Beim „Rad der Zeit“ zum Beispiel hatte man sogar zum Teil drei Bücher aus einem gemacht.

Wo ich gerade beim „Rad der Zeit“ bin, einer von vielen Fantasy-Fans geliebten Reihe, kann ich direkt die Verbindung zu Brandon Sanderson herstellen. Denn nach dem Tod des Schöpfers Robert Jordan hat Brandon Sanderson den Auftrag bekommen, dessen vorgeschriebene Manuskripte aufzuarbeiten, um die Reihe so zum Abschluss zu bringen. Und das Material ist so umfangreich, dass es für drei Bücher reicht. Auf Englisch wohlgemerkt, denn auf Deutsch werden sie jeweils wie gehabt geteilt.

Und da Sanderson erstmal das letzte „Rad der Zeit“-Buch fertigstellen will, dauert es noch mindestens anderthalb Jahre, bis in den USA der zweite Band dieser Reihe erscheinen wird. Schade, aber, das Warten lohnt sich auf jeden Fall für alle, die eine lange Lese-Reise nicht scheuen oder bevorzugen.

Der Autor

Brandon Sanderson, 1975 in Nebraska geboren, schreibt seit seiner Schulzeit phantastische Geschichten. Er studierte Englische Literatur und unterrichtet Kreatives Schreiben. Sein Debütroman „Elantris“ avancierte in Amerika auf Anhieb zum Bestseller. Seit seinen Jugendbüchern um den jungen Helden Alcatraz und seiner großen Saga um die „Kinder des Nebels“ gilt der junge Autor auch in Deutschland als einer der neuen Stars der Fantasy. Er wurde auserwählt, Robert Jordans großen Fantasy-Zyklus „Das Rad der Zeit“ fortzuschreiben. Brandon Sanderson lebt mit seiner Familie in Provo, Utah. (Verlagsinfo)

Mein Fazit:

Der Auftakt zu einer epischen Fantasy-Reihe, die sich eine Menge Zeit lässt, so gut wie alles und jeden ausführlich vorzustellen. Wer nicht von einer Schlacht zur nächsten hetzen muss, kann hier eine schöne und interessante Zeit verbringen und richtig tief abtauchen. Und Roschar ist absolut eine Reise wert.

Hardcover: 896 Seiten
Originaltitel: The Way of Kings – The Stormlight Archive 1 (Teil 1)
Aus dem Amerikanischen von Michael Siefener
Mit zehn Schwarzweiß-Abbildungen
ISBN: 978-3-453-26717-6
www.randomhouse.de/heyne
www.brandonsanderson.com

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Brian Keene – Die Verschollenen

Auf einer pazifischen Tropeninsel treiben Teilnehmer einer billigen TV-Reality-Show ihre dümmlichen Spielchen, bis die heimlichen Herrscher des Eilands zornig, hungrig und geil über sie kommen … – Trash-Horror der besonders grobgestrickten Art, dessen Verfasser zwei entscheidende Fehler begeht: Die Story ist trotz aller Drastik nicht nur langweilig, sondern wird auch noch überraschungslos erzählt.
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