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Kerley, Jack (J. A.) – Buried Alive

_Jagdszenen in Kentucky: Ein Folterknecht geht um_

Carson Ryder, Alabama-Polizist mit Psychologieausbildung, nimmt Urlaub in Kentucky – und findet sich alsbald in eine Ermittlung von grausen Serienmorden verwickelt. Nicht genug damit, dass sein halbseidener Bruder nebenan wohnt, so verliebt sich Ryder auch noch in die Lokalpolizistin Donna Cherry. Kein Wunder, dass sie schon bald in höchster Lebensgefahr schwebt und er sein Leben einsetzen muss, um sie vor dem Rachefeldzug des Psychopathen zu bewahren.

_Der Autor_

J. A. Kerley ist ein ehemaliger Werbeautor und stammt aus Newport, Ohio, hat aber eine Zeitlang an der Küste von Alabama gelebt. Dort kennt er sich ebenso gut aus wie in Ohio und Kentucky. Kerley ist verheiratet und hat zwei Kinder. Mehr Info findet man auf [seiner Webseite]http://www.jackkerley.com/aboutjack.html .

Romane aus der |Carson Ryder|-Reihe:

1) „The Hundredth Man (dt. Titel: „Einer von Hundert“ bei Ullstein)
2) „The Death Collectors“ (dt. Titel: [„Der letzte Moment“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2124 bei Ullstein)
3) „The Broken Souls“
4) „Blood Brother“ (dt. Titel „Bestialisch“, bei Ullstein)
5) „In the Blood“
6) „Little Girls Lost“
7) „Buried Alive“

_Handlung_

Carson Ryder ist Spezialermittler in Mobile, der Hauptstadt von Alabama. Weil er dazu beigetragen, ein paar böse Jungs hinter Gitter zu bringen, die psychisch höchst labil waren, ruft ihn die Leiterin des Institutes für die Behandlung geist gestörter Gewaltverbrecher an, um ihr zu helfen. Ein Anwalt aus Memphis, Tennessee, will unbedingt einen ihrer Patienten hypnotisieren, um Informationen über frühere Verbrechen aus ihm herauszuholen. Carson soll wie sie sein Veto einlegen. Als er den Namen des Kandidaten hört, zögert er nicht lange, sondern rast gleich los: Bobby Lee Crayline.

Crayline betritt das Behandlungszimmer, denn Ryder und die Leiterin haben es nicht geschafft, den Anwalt zu stoppen. Dieser Lackaffe mit dem sauteuren Anzug droht vielmehr damit, das Institut dichtzumachen, indem er ihm das Grundstück entziehen lässt. Crayline ist ein Muskelprotz, der in der XFL-Schaukämpfe absolviert hat: Die XFL ist die Extreme Fighting League – sie ist wesentlich härter als Kickboxen und Wrestling zusammen. Er schüchtert sogar den Bodyguard des Anwalts ein, bevor man ihn ankettet. Ryder und die Leiterin müssen draußen warten.

Als aus dem Raum Schreie dringen, dringt Ryder ein, um das Schlimmste zu verhüten. Zu spät! In einer übermenschlichen Kraftanstrengung reißt sich der XFL-Champion mitsamt Kette los, verdrischt den Leibwächter und stürmt aus dem Raum, dabei Ryder aus dem Weg fegend. In Nullkommanix legen den Hünen jedoch Lähmgewehre flach. Auf dem Rücktransport ins Gefängnis kommt es jedoch zu einem folgenschweren Unfall. Ryder sieht bloß die Rauchwolke, folgt ihr und entdeckt einen brennenden Transporter. Von Crayline keine Spur! Die Cops lassen alle Straßen sperren – doch Crayline scheint wie vom Erdboden verschluckt …

|Sechs Monate später|

Ryder nimmt den empfohlenen Urlaub und geht in Ost-Kentucky klettern. Dort erstreckt sich die malerische Felsenschlucht des Red River in den Appalachen. Man kann hier auch fabelhaft wandern, findet er, und einen Gefährten hat er auch: Seine Promenadenmischung Mix-up. Perfekt, findet Ryder. Er glaubt, er hat diese Ferien von der Vermieterin in einer Art Losziehung gewonnen und ließ sich nicht zweimal bitten. Doch es steckt jemand ganz anderes dahinter.

Er wandert gerade arglos durch den Bergwald, als sein Handy einen dringenden Notruf an ihn auffängt. Es ist definitiv eine Frauenstimme, doch der schlechte Empfang verstümmelt die Sätze. Er versteht nur „Donna Cherry“, eine Polizistin und eine GPS-Koordinate. Er eilt sofort hin – und macht sich dadurch unverhofft an einem Tatort verdächtigt. In einer verfallenden Hütte liegt ein gefesselter Mann, dem eine Lötlampe im Anus steckt. Dampfwolken steigen wie Geister aus den Nasenlöchern in seinem demolierten Gesicht. Vor Entsetzen gelähmt, wehrt sich Ryder nicht, als der Sheriff und sein Team wie eine Ladung Ziegelsteine über ihn kommen und ihn zusammenschlagen.

Es dauert eine ganze Weile, bis Donna Cherry ihre Abneigung gegen diesen verdächtigen Eindringling in ihrem Revier ablegen kann. Wenigstens kann sich Ryder als Polizist aus Mobile ausweisen, das ist ja schon mal was. Aber als die nächste Leiche gefunden wird, ist es ausgerechnet der Auswärtige, der die entscheidende Spur findet: Die Frau wurde vor ihrem Tod ebenfalls ausgiebig gefoltert – durch wiederholtes Ertränken in einem Stauweiher. Welche Irre kann es auf die ehemalige Lehrerin abgesehen und sie wie eine Hure aufgetakelt haben?

Doch dies ist nicht die letzte Leiche: Der fahrende Sandwichverkäufer Sonny Burton wurde, wie Ryder herausfindet, wiederholt von seinem eigenen Laster zerquetscht, bis ihm das Lebenslicht endgültig ausging. Die drei Leichen verbindet, dass ihre Fundkoordinaten auf einer Webseite zu finden sind, die mit einem merkwürdigen Symbol markiert ist: =(8)=. Dieses sagt niemandem etwas, auch nicht Ryder.

Nachdem die Leiche eines weiteren Toten auf dem Transport jedoch entführt worden ist, wissen Ryder und Cherry, dass ein extrem gewiefter und besessener Killer in der Gegend sein Unwesen treibt. Das FBI ist bereits im Anmarsch, um die Ermittlung aus den hilflosen Händen von Sheriff Beale zu übernehmen. Dessen Teamleiterin ist eine Eiskönigin namens Krenkler, die ihre Männern wie Laufburschen behandelt. Na prost, denken Ryder und die zur Wasserträgerin degradierte Ermittlerin Cherry. Sie gehen fortan heimlich eigene Wege.

|Entdeckungen|

Ryder macht zwei bestürzende Entdeckungen. Im Nachbarhaus wohnt nicht etwa der kanadische Professor Charpentier, wie alle glauben, sondern Ryders eigener Bruder, der psychopathische Exknacki Jeremy Ridgecliff. Weil Ryder weiß, dass Jeremy ein Meister der Verstellung ist, ahnt er bereits, wer jenen Notruf an sein Handy abgesetzt und ihn in diese Sache hineingezogen hat. Und vielleicht hat Bruderherz sogar den Beginn und die Verlängerung seines Bergaufenthaltes arrangiert. Ryder soll ihm die Cops vom Hals halten. Aber was hat sein Bruderherz in diese Waldeinsamkeit getrieben – doch wohl nicht eine kreative Pause, um an der Börse zu spekulieren, oder?

Die zweite Entdeckung macht Ryder, der seinen verschwundenen Hund sucht, auf einem der zahlreichen Campingplätze des Naturschutzgebiets: einen Wohnwagen mit allen Schikanen – und einer schweren Kawasaki, die nur ein Schwergewichtler auf eine so hoch angebrachte Halterung heben könnte. Sollte Crayline etwa hierher gekommen sein, hunderte Meilen von Alabama entfernt? Hat er mit den Serienmorden zu tun? Aber worin liegt sein Motiv?

Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten: Crayline macht Jagd auf seinen Lieblingspolizisten. Schon bald muss Carson Ryder zeigen, was er an Kletterkünsten gelernt hat …

_Mein Eindruck_

Ich habe diesen Autor noch nicht gekannt, aber er wurde mir von amazon.de empfohlen, als ich mal wieder Stuart MacBride kaufte. Ich muss sagen, dass ich keinen Fehlgriff getan habe und froh bin, einen so kompetenten und einfallsreichen Autor wie J. A. Kerley kennengelernt zu haben.

Fernab von den abgegrasten Gefilden an der Ostküste – von Maine bis Florida (Patricia Cornwell) – oder in Los Angeles (Michael Connelly) lässt der Autor seinen Helden im unerforschten Hinterland aktiv werden. Im hintersten Kentucky und Alabama, also im Bibelgürtel, gibt es ebenfalls jede Menge böse Buben und Mädels, denen es auf die Finger zu klopfen gilt. Aber es gibt überall auch die Guten mit den weißen Hüten; man muss sie nur finden und sich mit ihnen anfreunden.

|Schatten der Vergangenheit |

Die obige Handlungsskizze lässt (hoffentlich) nicht vermuten, worum es im Grunde geht. Im Hinterland gibt es nicht allzu viele illegale Vergnügungsattraktionen, sieht man mal von Prostitution und Glückspiel ab. Hunde- und Hahnenkämpfe sind schon eher was Interessantes, die Extreme Fighting League (XFL) ist sogar noch besser – aber ebenso extrem teuer. 50 Dollar pro Ticket sind kein Pappenstiel.

Deshalb zogen vor 20 Jahren ein findiger Prediger und eine ebenso findige Exlehrerin die Vorstufe zur XFL auf: Sie bildeten Jungs dazu aus, vor Publikum superharte Kämpfe auszutragen, in einer Abart des Kickboxens. Allerdings ohne Handschuhe und nur mit einem Hodenschutz. Crayline war offenbar eine Zeitling Mitglied dieser knallharten Truppe. Und wie alle Jungs wurde auch er laufend sexuell missbraucht.

|Faktor X|

Kein Wunder also, dass jemand wie Crayline sich an seinen Peinigern von damals rächen will. Dumm nur für Ryder und Cherry, dass die Gleichung nicht ganz aufgeht. Es fehlen unbekannte Faktoren, so etwa die Frage, wer mit der Bezeichnung „Der Colonel“ gemeint war und wer nach Craylines Abgang die Serienmorde in Kentucky fortsetzt. Um die Antworten auf diese Fragen zu erhalten, müssen sich Ryder und Cherry in Lebensgefahr begeben. Sie landen im alten Ausbildungslager. Und wie vor 20 Jahren die Jungs werden auch sie jetzt den Hunden vorgeworfen …

Nicht genug mit diesen spannenden Fragen, so tritt auch noch ein weiterer Faktor hinzu: Ryders Bruder. Welche finstere Rolle hat er in diesem ganzen verzwickten Szenario zu spielen? Warum hat er Ryder überhaupt erst nach East Kentucky gelotst und ihn in die Polizeiarbeit vor Ort verwickelt? Nach allem, was Ryder über sein Bruderherz weiß, kann es nichts allzu Gutes sein. Umgekehrt gilt aber das Gleiche: Was weiß Jeremy über Carson so Unappetitliches, dass dieser ihn nicht sofort enttarnt und den Cops übergibt? Wie sich erweist, hat dies sehr viel mit ihrer eigenen Familie zu tun.

Ich fand es sehr spannend, eine Handlung mit mehreren doppelten Böden vorgelegt zu bekommen. Kaum war das erste Rätsel gelöst, tat sich bereits das nächste auf. Nicht genug damit, erreichten die Actionszenen einen hohen Grad von Spannung und Tempo. Die Action wechselte sich in wohltuendem Rhythmus mit Phasen der Erholung (Liebe mit Cherry) und des Nachdenkens (Cherry, Jeremy) ab. Um auch das Nachdenken nicht zu lässig werden zu lassen, sorgt das FBI für ständigen Druck auf der Ermittlung.

|Fehler oder nicht?|

Auf Seite 178 stieß ich auf einen unerklärlichen Fehler des Autors. Gleich in der dritten Zeile des 26. Kapitels (alle 56 Kapitel sind ziemlich kurz) wird der Name „Crayline“ als Täter genannt. Dabei suchen doch Ryder und Cherry immer noch den Urheber jener Folterszenen. Die Nennung kann nur ein Fehler sein, denn sie führt dazu, dass der Leser zu früh Bescheid weiß. Der Fehler ist ein Hinweis auf ein schlechtes Lektorat.

_Unterm Strich_

Dieser Krimi erschloss mir nicht nur einen mir bis dato unbekannten Autor, sondern auch eine reizvolle Geographie, nämlich die Schluchtenlandschaft von Ost-Kentucky. Ich war sofort an die alten Trapper-Romane von James Fenimore Cooper erinnert, aber auch McCarthys Endzeitroman „Die Straße“ spielt streckenweise hier in den Appalachen.

Mit Carson Ryder tritt ein interessanter Ermittler auf, der selbst einiges aus seiner Vergangenheit zu verbergen hat – nicht zuletzt auch die Exustenz eines Bruders, der nicht gerade zu den Lämmern mit der weißen Weste zählt. Diese Elemente machen auch die vorliegende Ermittlung recht knifflig, obwohl doch bereits Faktoren wie die Affäre mit einer Polizistin und der Auftritt von FBI-Agentin Krenkler, der Eiskönigin, nicht gerade einfache Hindernisse sind.

Die Ermittlung führt Ryder & Co. zwanzig Jahre in die Vergangenheit von Kentucky und Alabama, als Jungen ihren Familien weggenommen wurden und in einer Kämpfertruppe für illegale Schaukämpfe auf dem Lande ausgebildet wurden. Für die erlittenen Peinigungen rächt sich nun jemand wieder an den Übeltätern und Verantwortlichen. Abgründe der Perversion tun sich auf.

Doch das Ziel der Kritik ist nicht nur die Perversion, sondern deren moderne Fortsetzung mit den Mitteln von Fernsehen und Internet: Die XFL gibt es offenbar immer noch, von der Wrestling-Liga ganz zu schweigen. Aber warum? Welcher Trieb des Menschen wird mit der brutalen Gewalt befriedigt? Die Antwort wird keinem Leser gefallen: Es ist immer noch der uralte Adam, der Blut sehen und seinen Gegner im Dreck verenden sehen will. Was noch beunruhigender ist: Den Frauen am Ring gefällt dieses Geschehen auch.

|Taschenbuch: 390 Seiten
ISBN-13: 978-0007328130|
http://www.harpercollins.com

Kerley, Jack – Einer von hundert

_Explosiver Showdown in Mobile, Alabama_

Man muss ein Dieb sein, um einen Dieb zu überführen. Und wie fasst man einen Serienmörder? Detective Carson Ryder hat auch hierfür gute Voraussetzungen: Sein Bruder sitzt als Frauenkiller hinter Gittern und versorgt ihn immer wieder mit wertvollem Insiderwissen. Doch diesmal scheint der Mörder schneller zu sein … (Verlagsinfo)

_Der Autor_

Jack A. Kerley lebt in Newport, Kentucky, seine Hauptfigur Carson Ryder arbeitet jedoch bei der Polizei von Mobile, Alabama. Der frühere Werbetexter ist verheiratet und hat mehrere Kinder.

Romane aus der |Carson Ryder|-Reihe:

1) „Einer von hundert“ (The Hundredth Man, 2004)
2) „Der letzte Moment“ (The Death Collectors, 2005)
3) [„Den Wölfen zum Fraß“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7064 (A Garden of Vipers, 2006)
4) [„Bestialisch“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7063 (Blood Brother, 2008)
5) [„Buried Alive“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6817 (2010)
6) „Little Girls Lost“
7) „In the Blood“
8) „The Broken Souls“

_Handlung_

Als der obduzierende Gerichtsmediziner Alexander Caulfield im Dickdarm einer männlichen Leiche eine Bombe, ist er zu überrascht, um schnell genug zu reagieren. Die Explosion reißt ihm die Finger ab. Seine Laufbahn, kaum begonnen, ist schon wieder zu Ende. Aber seine Chefin Clair Peltier, die ihn kurz zuvor eingestellt hat, sieht eine günstige Gelegenheit, das Institut für Rechtsmedizin von Mobile, Alabama, einmal gründlich renovieren zu lassen. Doch es warten bereits weitere unangenehme Entdeckungen auf sie …

Als Carson Ryder und sein Partner bei der PSET-Arbeitsgruppe, Harry Nautilus, zu der Leiche im Park von Mobile gerufen werden, bemerken sie erst einmal den Menschenauflauf. Und das mitten in der Nacht. Was die Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist der Umstand, dass die Leiche des Mannes geköpft wurde. Aber wo ist das edle Haupt? Der frühere Polizeisprecher jetzige Ermittlungsleiter Captain Squill und sein schleimender Schatten Brewley haben schnell eine Theorie bei der Hand: ein Racheakt. Ryder kauft ihm dieses lächerliche Ermittlungsvorgehen nicht ab und sucht ein wenig: Schnell wird man im Gebüsch fündig. Squill schäumt ob dieser Bloßstellung und schwört seinerseits Rache. Es soll nicht bei diesem Zusammenstoß bleiben. Squill will die PSET demontieren, das psychopathologische und soziopathologische Ermittlungsteam.

Allerdings bleibt es nicht bei dieser ersten geköpften Leiche. Nachdem es sich bei der Ersten um einen jungen Tunichtgut handelte, ist diesmal ein Grafikdesigner an der Reihe. Nichts scheint die beiden Männer zu verbinden. Doch beide verfügen über einen auffallend guten Körperbau und makellose Haut. Eine ganze Weile tappen Carson und Harry im Dunkeln und klopfen den Hintergrund der beiden Opfer ab. Wie sich herausstellt, haben beide Bekanntschaftsanzeigen in einem bestimmten Magazin der alternativen Szene von Mobile geschaltet oder beantwortet. Ist es wirklich reiner Zufall, dass das Gebäude genau dieser Redaktion wenig später bis auf die Grundmauern niederbrennt?

Ryder verbirgt ein schlimmes Geheimnis vor den Behörden und seinem Arbeitgeber. Sein Bruder Jeremy Ridgefield sitzt als psychopathischer Frauenmörder in einer psychiatrischen Anstalt mit Hochsicherheitstrakt ein. Aber Jeremy Hat seinem Bruderherz schon einmal im Fall eines Pyromanen und Serienmörders geholfen, was Carson den Aufstieg in die PSET-Spezialeinheit einbrachte. Nun besucht er ihn wieder. Doch Jeremy macht ihm schnell klar, dass es keine Leistung ohne Gegenleistung gibt …

Der unglückselige Alexander Caulfield hat in der Gerichtsmedizin eine Nachfolgerin: Ava Davanelle. Carson interessiert sich für die am Operationstisch so strenge Frau. Doch als er zufällig ihr Gespräch mit Dr. Peltier, ihrer Chefin, belauscht, macht Davanelle einen ganz anderen Eindruck: niedergeschlagen, wütend, kurzum: völlig außer Fassung. Carson hat dieses Syndrom schon einmal beobachtet: bei einem Alkoholiker. Als es ihm gelingt, Ava zu einem Abendessen einzuladen, bestätigt sich sein Verdacht. Ihr Alkoholkonsum kennt keine Grenzen. Wenige Tage sieht er sich vor der Aufgabe, der haltlos gewordenen Geliebten unter die Arme greifen zu müssen, bevor sie in die Hände von Vergewaltigern und Mädchenhändlern fällt. Doch plötzlich verschwindet sie spurlos.

Zusammen mit Harry und der Mordkommission durchkämmt Carson ein immer größeres Gebiet. Darin stößt er auf den einsam lebenden Alexander Caulfield. Steckt er etwa hinter Avas Entführung?

_Mein Eindruck_

Wie schon in dem phänomenal konstruierten „Buried Alive“ (siehe meinen Bericht) gelingt Kerley in seinem Romandebüt ein spannendes Garn, das mich mit zahlreichen herausragenden Eigenheiten nicht nur überzeugt, sondern mit seinem actionreichen Finale auch völlig begeistert hat.

Zunächst fängt die Ermittlung ebenso verwirrend an, wie es für die Emittler sein muss. Carson Ryder ist jedoch ein ehemaliger Psychologiestudent, der von Nautilus zur Polizeiarbeit gebracht wurde. Er verfügt nicht nur über Einfühlungsvermögen, sondern auch über Einfallsreichtum und Kombinationsgabe. Allerdings ist er kein zweiter Sherlock Holmes, denn er lässt sich von seinem verbrecherischen Bruder helfen, wenn es um das Finden ausgefallener psychologischer Zusammenhänge geht. Mit dem Bruderherz Jeremy verbindet ihn eine leidvolle Familiengeschichte. Sie spielt auch in späteren Bänden immer wieder eine Rolle, denn psychisch sind die beiden Brüder aneinandergekettet.

Während sich Carson und Nautilus auf den üblichen Krümelpfad von Hinweisen begeben, gibt es zwei folgenreiche Entwicklungen. Captain Squill hat Ryder weiterhin auf dem Kieker, denn er will zum stellvertretenden Polizeipräsidenten gewählt werden. Und Squill unternimmt zusammen mit Brewley alles, um dieses Ziel zu erreichen. Zum Glück ahnen wir bereits, dass er dabei gegen Ryder den Kürzeren ziehen wird.

Die andere Entwicklung ist Carsons wachsende Zuneigung zu der alkoholkranken Ava Davanelle. Diese tiefer werdende Beziehung dient nicht etwa bloß der Vermenschlichung des Junggesellen Ryder, sondern führt später auch direkt zum Serientäter; denn dieser hat es auf Ava abgesehen. Abgesehen davon zeigt sich im Umgang mit der Frau nicht nur Carsons humanes Engagement, sondern auch sein Humor.

Der Serientäter entfernt den Opfern nicht nur den Kopf, er hinterlässt auch Botschaften. Die Botschaften, die er in die Haut eintätowiert, muten Ryder zunächst völlig rätselhaft an. Doch sobald er einen Schlüssel hat, ergeben auch diese Inschriften einen – nicht wenig perversen – Sinn. Leider ist ihm der Mörder immer einen Schritt voraus, und Ryder fragt sich nach dem Grund. Dann endlich schaut er sich die Installationen der Gerichtsmedizin mal genauer an …

Wie gesagt, hat mich am meisten jedoch das Finale überzeugt. In einem Regensturm suchen Carson und Harry den Fluss ab, der nach Mobile fließt, um nach dem Versteck von Avas Entführer zu suchen. Einfacher gesagt als getan. Erst kentert das Boot, dann müssen sie auch noch den reißenden Fluss überqueren. Carson entkleidet sich bis auf die Haut – und wo steckt er jetzt sein Messer, seine einzige Waffe, hin? Da kommt guter Rat teuer, aber wir kennen Ryder nicht: Er steckt das Messer unter die eigene Haut (autsch!), um beide Hände freizuhaben. Wie sich bald zeigt, wird er das Ding noch dringend nötig haben …

Der Showdown ist nicht nur packend und voller Überraschungen, sondern auch, wie es sich für Amis gehört, höchst explosiv. Da kann man nur hoffen, dass Ryder und Nautilus diesmal den Richtigen erwischt haben.

_Die Übersetzung _

Andree Hesse übertrug nicht nur in den meisten Fällen genau in der Bedeutung, sondern auch im Jargon und Tonfall. So etwas findet man selten. Deshalb merkt man beim Lesen auch schnell, dass sich die Ermittler immer etwas sarkastisch und schnoddrig ausdrücken. Kann man ihnen ja angesichts ihrer meist blutigen Arbeit nicht verdenken. Leider wurde Hesse schon im nächsten Kerley-Roman abgelöst.

Seite 96: „Gesicht …, das an der Decke prankte“. Richtig heißt es „prangte“.

Seite 276 und 288: Zunächst kann sich der Leser nichts unter einer „lividen Verfärbung“ der Haut einer Leiche vorstellen. „Livid“ kommt in unserem täglichen Wortschatz einfach nicht vor, wenn man kein Mediziner ist. Nur aus dem Kontext können wir allmählich erschließen, dass es „bläulich“ bedeutet. Der Übersetzer wollte den Fachjargon offenbar beibehalten.

Seite 297: Was hat sich der Leser denn unter „Diätsodawasser“ vorzustellen? Ganz einfach: eine kalorienarme Limo. Das hätte man aber auch so ausdrücken können, oder? Möglicherweise ist diese umständliche Ausdrucksweise auf das Redigieren des Textes zurückzuführen, so dass eine zusätzliche Zeile vor einem Absatz gewonnen wurde. Sprache geht manchmal seltsame Wege.

_Unterm Strich_

Die Ermittlung selbst ist nicht gerade eine Offenbarung für den Krimikenner, und selbstverständlich führt sie erst einmal in die Irre. Dass die Vorgesetzten die Ermittlung sabotieren, um sich selbst zu profilieren, kennt man ja schon von anderen Krimiautoren, so etwa Michael Connelly. Auch die obligatorische Romanze des Detektivs gehört zum Standardrepertoire.

Ungewöhnlich ist hingegen die Beziehung Ryders zu seinem Bruder, dem Frauenmörder: Kann er ihm wirklich trauen? (Natürlich nicht.) Etwas verblüffender ist da schon die Psychologie des Serientäters, über die hier leider nichts verraten werden darf. Einigermaßen umwerfend fand ich hingegen die Auflösung des Falls und das explosive Finale. Lediglich die Klischees und die Druckfehler hindern mich daran, diesem Thrillerdebüt die volle Punktzahl zuzusprechen.

Der Buchtitel bezieht sich auf das Bewerbungsverfahren, bei dem „einer von hundert“ zum Zuge kommt. Denn wenn nicht Caulfield von Peltier ausgewählt worden wäre, dann wäre Ava Davanelle die Kandidatin mit den hundert Punkten gewesen – und mit der Bombe …

|Taschenbuch: 458 Seiten
Originaltitel: The Hundredth Man (2004)
Aus dem US-Englischen von Andree Hesse
ISBN-13: 978-3548259499|
[www.ullsteinbuchverlage.de/ullsteinhc]http://www.ullsteinbuchverlage.de/ullsteinhc

_Jack Kerley bei |Buchwurm.info|:_
[„Der letzte Moment“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2124
[„Buried Alive“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6817
[„Bestialisch“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7063
[„Den Wölfen zum Fraß“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7064

Kerley, Jack A. – Krank

_Ein Detektiv im Bündnis mit dem Teufel_

Eine Frau wird in einem Teich ertränkt, ein Pfarrer qualvoll ertränkt, ein LKW-Fahrer unter seinem Truck zermalmt. Detective Carson Ryder jagt einen Serienmörder, dessen bizarre Mordlust keine Grenzen kennt. Er sieht nur einen Ausweg und bittet heimlich seinen psychopathischen Bruder Jeremy, ein Profil des Mörders zu erstellen. Doch als dieser ihm den entscheidenden Tipp gibt, ist es scheinbar zu spät – Carson wird selbst zum Gejagten … (Verlagsinfo)

_Der Autor_

Jack A. Kerley lebt in Newport, Kentucky, seine Hauptfigur Carson Ryder arbeitet jedoch bei der Polizei von Mobile, Alabama.

Romane aus der Carson-Ryder-Reihe:

1) [Einer von hundert]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7466 (The Hundredth Man, 2004)
2) [Der letzte Moment]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2124 (The Death Collectors, 2005)
3) [Den Wölfen zum Fraß]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7064 (A garden of vipers / The Broken Souls, 2006)
4) [Bestialisch]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7063 (Blood Brother, 2008)
5) In the Blood
6) Little Girls Lost
7) Krank (Buried Alive, 2010)
8) Her last scream

_Handlung_

Carson Ryder ist Spezialermittler in Mobile, der Hauptstadt von Alabama. Weil er dazu beigetragen hat, ein paar böse Jungs hinter Gitter zu bringen, die psychisch höchst labil waren, ruft ihn die Leiterin des Institutes für die Behandlung geistig gestörter Gewaltverbrecher an, um ihr zu helfen. Ein Anwalt aus Memphis, Tennessee, will unbedingt einen ihrer Patienten hypnotisieren, um Informationen über frühere Verbrechen aus ihm herauszuholen. Carson soll wie sie sein Veto dagegen einlegen. Als er den Namen des Kandidaten hört, zögert er nicht lange, sondern rast gleich los: Bobby Lee Crayline ist ein skrupelloser Killer.

Crayline betritt das Behandlungszimmer, denn Ryder und die Leiterin haben es nicht geschafft, den Anwalt zu stoppen. Dieser Lackaffe mit dem sauteuren Anzug droht vielmehr damit, das Institut dichtzumachen, indem er ihm das Grundstück entziehen lässt. Crayline ist ein Muskelprotz, der in der XFL Schaukämpfe absolviert hat: Die XFL ist die Extreme Fighting League – sie ist wesentlich härter als Kickboxen und Wrestling zusammen. Er schüchtert sogar den Bodyguard des Anwalts ein, bevor man ihn ankettet. Ryder und die Leiterin müssen draußen warten.

Als aus dem Raum Schreie dringen, dringt Ryder ein, um das Schlimmste zu verhüten. Zu spät! In einer übermenschlichen Kraftanstrengung reißt sich der XFL-Champion mitsamt Kette los, verdrischt den Leibwächter und stürmt aus dem Raum, dabei Ryder beiseite fegend. In Nullkommanix legen den Hünen jedoch Lähmgewehre flach. Auf dem Rücktransport ins Gefängnis kommt es jedoch zu einem folgenschweren Unfall. Ryder sieht bloß die Rauchwolke, folgt ihr und entdeckt einen brennenden Transporter. Von Crayline keine Spur! Die Cops lassen alle Straßen sperren – doch Crayline scheint wie vom Erdboden verschluckt …

|Sechs Monate später|

Ryder nimmt endlich den empfohlenen Urlaub und geht in Ost-Kentucky klettern. Dort erstreckt sich die malerische Felsenschlucht des Red River in den Appalachen. Man kann hier auch fabelhaft wandern, findet er, und einen Gefährten hat er auch: seine Promenadenmischung Mix-up. Perfekt, findet Ryder. Er glaubt, er hat diese Ferien von der Hütten-Vermieterin in einer Art Losziehung gewonnen und ließ sich nicht zweimal bitten. Doch es steckt jemand ganz anderes dahinter.

Er wandert gerade arglos durch den Bergwald, als sein Handy einen dringenden Notruf an ihn auffängt. Es ist definitiv eine Frauenstimme, doch der schlechte Empfang verstümmelt die Sätze. Er versteht nur „Donna Cherry“, eine Polizistin, und eine GPS-Koordinate. Er eilt sofort hin – und macht sich dadurch unverhofft an einem Tatort verdächtig. In einer verfallenden Hütte liegt ein gefesselter Mann, dem eine Lötlampe im Anus steckt. Dampfwolken steigen wie Geister aus den Nasenlöchern in seinem demolierten Gesicht. Vor Entsetzen gelähmt, wehrt sich Ryder nicht, als der Sheriff und sein Team wie eine Ladung Ziegelsteine über ihn kommen und ihn zusammenschlagen.

Es dauert eine ganze Weile, bis Donna Cherry ihre Abneigung gegen diesen verdächtigen Eindringling in ihrem Revier ablegen kann. Wenigstens kann sich Ryder als Polizist aus Mobile ausweisen, das ist ja schon mal was. Aber als die nächste Leiche gefunden wird, ist es ausgerechnet der Auswärtige, der die entscheidende Spur findet: Die Frau wurde vor ihrem Tod ebenfalls ausgiebig gefoltert – durch wiederholtes Ertränken in einem Stauweiher. Welcher Irre kann es auf die ehemalige Lehrerin abgesehen und sie wie eine Hure aufgetakelt haben?

Doch dies ist nicht die letzte Leiche: Der fahrende Sandwichverkäufer Sonny Burton wurde, wie Ryder herausfindet, wiederholt von seinem eigenen Laster zerquetscht, bis ihm das Lebenslicht endgültig ausging. Die drei Leichen verbindet, dass ihre Fundkoordinaten auf einer Webseite zu finden sind, die mit einem merkwürdigen Symbol markiert ist: =(8)=. Dieses sagt niemandem etwas, auch nicht Ryder.

Nachdem die Leiche eines weiteren Toten auf dem Transport entführt worden ist, wissen Ryder und Cherry, dass ein extrem gewiefter und besessener Killer in der Gegend sein Unwesen treibt. Das FBI ist bereits im Anmarsch, um die Ermittlung aus den hilflosen Händen von Sheriff Beale zu übernehmen. Die FBI-Teamleiterin ist eine Eiskönigin namens Krenkler, die ihre Männern wie Laufburschen behandelt. Na prost, denken Ryder und die unvermittelt zur Wasserträgerin degradierte Ermittlerin Cherry. Sie gehen fortan heimlich eigene Wege.

Ryder macht dabei zwei bestürzende Entdeckungen. Im Nachbarhaus wohnt nicht etwa der kanadische Professor Charpentier, wie alle glauben, sondern Ryders eigener Bruder, der psychopathische Exknacki Jeremy Ridgecliff. Weil Ryder weiß, dass Jeremy ein Meister der Verstellung ist, ahnt er bereits, wer jenen Notruf an sein Handy abgesetzt und ihn in diese Sache hineingezogen hat. Und womöglich hat sein Bruderherz sogar den Beginn und die Verlängerung seines Bergaufenthaltes arrangiert. Ryder soll ihm die Cops vom Hals halten, verlangt Jeremy. Aber was hat sein Bruderherz in diese Waldeinsamkeit getrieben – doch wohl nicht eine kreative Pause, um an der Börse zu spekulieren, oder?

Die zweite Entdeckung macht Ryder, der seinen verschwundenen Hund sucht, auf einem der zahlreichen Campingplätze des Naturschutzgebiets: einen Wohnwagen mit allen Schikanen – und einer schweren Kawasaki, die nur ein Schwergewichtler auf eine so hoch angebrachte Halterung heben könnte. Sollte Crayline etwa hierher gekommen sein, hunderte Meilen von Alabama entfernt? Hat er mit den Serienmorden zu tun? Aber worin liegt sein Motiv?

Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten: Crayline macht Jagd auf seinen Lieblingspolizisten. Schon bald muss Carson Ryder zeigen, was er an Kletterkünsten gelernt hat …

_Mein Eindruck_

Fernab von den abgegrasten Gefilden an der Ostküste – von Maine (Stephen King) bis Florida (Patricia Cornwell) – oder in Los Angeles (Michael Connelly) lässt der Autor seinen Helden im unerforschten Hinterland aktiv werden. Im hintersten Kentucky und Alabama, also im Bibelgürtel, gibt es ebenfalls jede Menge böse Buben und Mädels, denen es auf die Finger zu klopfen gilt. Aber es gibt überall auch die Guten mit den weißen Hüten; man muss sie nur finden und sich mit ihnen anfreunden.

|Schatten der Vergangenheit |

Die obige Handlungsskizze lässt (hoffentlich) nicht vermuten, worum es im Grunde geht. Im Hinterland gibt es nicht allzu viele illegale Vergnügungsattraktionen, sieht man mal von Prostitution und Glücksspiel ab. Hunde- und Hahnenkämpfe sind schon eher was Interessantes, die Extreme Fighting League (XFL) ist sogar noch besser – aber ebenso extrem teuer. 50 Dollar pro Ticket sind kein Pappenstiel.

Deshalb zogen vor 20 Jahren ein findiger Prediger und eine ebenso findige Exlehrerin die Vorstufe zur XFL auf: Sie bildeten Jungs dazu aus, vor Publikum superharte Kämpfe auszutragen, in einer Abart des Kickboxens. Allerdings ohne Handschuhe und nur mit einem Hodenschutz. Bobby Crayline war offenbar eine Zeit lang Mitglied dieser knallharten Truppe. Und wie alle Jungs wurde auch er laufend sexuell missbraucht.

|Faktor X|

Kein Wunder also, dass jemand wie Crayline sich an seinen Peinigern von damals rächen will. Dumm nur für Ryder und Cherry, dass die Gleichung nicht ganz aufgeht. Es fehlen unbekannte Faktoren, so etwa die Frage, wer mit der Bezeichnung „Der Colonel“ gemeint war und wer nach Craylines Abgang die Serienmorde in Kentucky fortsetzt. Um die Antworten auf diese Fragen zu erhalten, müssen sich Ryder und Cherry in Lebensgefahr begeben. Sie landen im alten Ausbildungslager. Und wie vor 20 Jahren die Jungs werden auch sie jetzt den Hunden vorgeworfen …

Nicht genug mit diesen spannenden Fragen, so tritt auch noch ein weiterer Faktor hinzu: Ryders Bruder. Welche finstere Rolle hat er in diesem ganzen verzwickten Szenario zu spielen? Warum hat er Ryder überhaupt erst nach East Kentucky gelotst und ihn in die Polizeiarbeit vor Ort verwickelt? Nach allem, was Ryder über sein Bruderherz weiß, kann es nichts allzu Gutes sein. Umgekehrt gilt aber das Gleiche: Was weiß Jeremy über Carson so Unappetitliches, dass dieser ihn nicht sofort enttarnt und den Cops übergibt? Wie sich erweist, hat dies sehr viel mit ihrer eigenen Familie zu tun.

Ich fand es sehr spannend, eine Handlung mit mehreren doppelten Böden vorgelegt zu bekommen. Kaum war das erste Rätsel gelöst, tat sich bereits das nächste auf. Nicht genug damit, erreichten die Actionszenen einen hohen Grad von Spannung und Tempo. Die Action wechselte sich in wohltuendem Rhythmus mit Phasen der Erholung (Liebe mit Cherry) und des Nachdenkens (Cherry, Jeremy) ab. Um auch das Nachdenken nicht zu lässig werden zu lassen, sorgt das FBI für ständigen Druck auf der Ermittlung.

_Die Übersetzung _

Auf Seite 178 der Originalausgabe stieß ich auf einen unerklärlichen Fehler des Autors. Gleich in der dritten Zeile des 26. Kapitels (alle 56 Kapitel sind ziemlich kurz) wird der Name „Crayline“ als Täter genannt. Dabei suchen doch Ryder und Cherry immer noch den Urheber jener Folterszenen. Die Nennung kann nur ein Fehler sein, denn sie führt dazu, dass der Leser zu früh Bescheid weiß. In der Übersetzung ist dieser Fehler dank der sauberen Arbeit der Übersetzerin Bettina Zeller nicht mehr zu finden.

_Unterm Strich_

Dieser Krimi erschloss mir nicht nur einen mir bis dato unbekannten Autor, sondern auch eine reizvolle Geographie, nämlich die Schluchtenlandschaft von Ost-Kentucky. Ich war sofort an die alten Trapper-Romane von James Fenimore Cooper erinnert, aber auch Cormac McCarthys Endzeitroman [„Die Straße“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3648 spielt streckenweise hier in den Appalachen.

Mit Carson Ryder tritt ein interessanter Ermittler auf, der selbst einiges aus seiner Vergangenheit zu verbergen hat – nicht zuletzt auch die Existenz eines Bruders, der nicht gerade zu den Lämmern mit der weißen Weste zählt. Diese Elemente machen auch die vorliegende Ermittlung recht knifflig, obwohl doch bereits Faktoren wie die Affäre mit einer Polizistin und der Auftritt von FBI-Agentin Krenkler, der Eiskönigin, nicht gerade einfache Hindernisse sind.

Die Ermittlung führt Ryder & Co. zwanzig Jahre in die Vergangenheit von Kentucky und Alabama, als Jungen ihren Familien weggenommen wurden und in einer Kämpfertruppe für illegale Schaukämpfe auf dem Lande ausgebildet wurden. Für die erlittenen Peinigungen rächt sich nun jemand an den damaligen Übeltätern und Verantwortlichen. Abgründe der Perversion tun sich auf.

Doch das Ziel der Kritik ist nicht nur die Perversion, sondern deren moderne Fortsetzung mit den Mitteln von Fernsehen und Internet: Die XFL gibt es offenbar immer noch, von der Wrestling-Liga ganz zu schweigen. Aber warum? Welcher Trieb des Menschen wird mit der brutalen Gewalt befriedigt? Die Antwort wird keinem Leser gefallen: Es ist immer noch der uralte Adam, der Blut und seinen Gegner im Dreck verenden sehen will. Was noch beunruhigender ist: Den Frauen am Ring gefällt dieses Geschehen auch.

|Originaltitel: Buried Alive, 2010
Übersetzung: Bettina Zeller
378 Seiten, Broschur
ISBN-13: 978-3548284132|
http://www.ullsteinbuchverlage.de
http://www.jackkerley.com

Jack Kerley – Den Wölfen zum Fraß

_Bittere Erkenntnis: Die eine Hand gibt, die andere nimmt_

Carson Ryder, Alabama-Polizist mit Psychologieausbildung, und sein Partner Harry Nautilus werden zum Schauplatz eines grausigen Verbrechens gerufen. Eine junge Reporterin wurde auf brutale Weise ermordet. Der Mann, dessen Fall sie untersuchte, stirbt im Gefängnis an Gift. Bei einem Hochhausbrand kommt eine Prostituierte ums Leben. Ryder und Nautilus kombinieren messerscharf – und glauben nicht an das Werk eines einzelnen Psychopathen. (Verlagsinfo)

_Der Autor_

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