Schlagwort-Archive: Jules Verne

Jules Verne – Paris im 20. Jahrhundert. Zukunftsroman

Zeitflaschenpost: Jules Vernes erster und letzter Roman

Vielen von uns ist Jules Verne als der Autor zahlreicher Jugendbücher vertraut. Dass er dies nicht von Anfang an war, beweist dieser lange verschollene Roman von 1863, Vernes erstes größeres Werk. Nachdem das Manuskript von Vernes Verleger abgelehnt worden war, lagerte es rund 85 Jahre in einem verschlossenen Tresor ohne Schlüssel. Zur Zeit wird es jedoch in zahlreiche Sprachen übersetzt, denn das Interesse an Verne ist weiterhin ungebrochen.

„Die Erzählung handelt von einem jungen Mann, Michel, der in einer Welt aus gläsernen Wolkenkratzern, Hochgeschwindigkeitszügen, gasbetriebenen Automobilen, Taschenrechnern und einem weltweiten Kommunikationsnetz lebt. Im Gegensatz zum Siegeszug von Naturwissenschaft und Technik werden Literatur, Musik und Bildende Kunst allerdings verachtet. Michel, Träger eines Preises für lateinische Literatur, wird in dieser Welt nicht glücklich und nimmt ein tragisches Ende.“ (Wikipedia.de)

Jules Verne – Paris im 20. Jahrhundert. Zukunftsroman weiterlesen

Jules Verne – Die Jagd nach dem Meteor (Lesung)

Satirisch: der Fang des Goldmeteors

Ein Meteor, aus reinem Gold nähert sich der Erde. Ein Wettrennen aller Staaten und Mächte nach diesem Wertobjekt setzt ein. Der geniale Privatmann Xirdal aber hält den Trumpf in der Hand: Er konstruiert einen Apparat, mit dem er den Meteor lenken kann. Und er lenkt ihn auf ein zuvor gekauftes Stückchen Land. Truppen rücken an, gesteuert von der Macht und Goldgier ihrer Befehlshaber. Ob das wohl gut geht?

Der Autor

Jules-Gabriel Verne, in Deutschland anfänglich Julius Verne (* 8. Februar 1828 in Nantes; † 24. März 1905 in Amiens), war ein französischer Schriftsteller. Er wurde vor allem durch seine Romane „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ (1864), „20.000 Meilen unter dem Meer“ (1869–1870) sowie „Reise um die Erde in 80 Tagen“ (1873) bekannt. Neben Hugo Gernsback, Kurd Laßwitz und H. G. Wells gilt Jules Verne als einer der Begründer der Science-Fiction-Literatur. (Wikipedia.de)

Mit „Die Eissphinx“ schrieb er eine Fortsetzung von E. A. Poes Horrorerzählung „The Narrative of Arthur Gordon Pym„. Sein erster Zukunftsroman „Paris im 20. Jahrhundert“ lag lange Zeit verschollen in einem Tresor und wurde erst 1994 veröffentlicht. Die Lektüre lohnt sich, auch wegen der erhellenden Erläuterungen der Herausgeberin. „Die Jagd nach dem Meteor“ erschien ebenfalls erst nach Vernes Tod (siehe unten).

Der Sprecher

Rufus Beck, geboren 1957, spielte im Ensemble und als Gast auf deutschsprachigen Bühnen, wurde durch Sönke Wortmanns Film „Der bewegte Mann“ populär und gilt seit seinen einmaligen Interpretationen aller Harry-Potter-Romane als einer der besten, engagiertesten Hörbuchsprecher („-leser“ kann man wohl nicht mehr sagen).

Auffällig ist sein Engagement für Werke, in denen Jungs und Mädchen auf ungewöhnlichen Wegen ihre Identität suchen und finden. Dazu gehören „Der Fliegenfänger“ von Willy Russell sowie [„Die Mitte der Welt“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=804 von Andreas Steinhöfel, um nur zwei neuere Beispiele zu nennen. Auch Eoin Colfers jugendlichen Helden Artemis Fowl sowie die beinahe ebenbürtige Meg Finn hat er uns bereits zu Gehör gebracht.

Rufus Beck liest die ungekürzte Fassung, die dennoch lediglich drei Stunden lang ist.

Handlung

Die meiste Zeit spielt die Handlung in der braven Stadt Weston im US-Bundesstaat Virginia. Das genaue Jahr ist unbestimmt, doch es gibt einen kleinen Hinweis: Die US-Flagge hat zu diesem Zeitpunkt nur 43 Sterne statt der heutigen 50. Und es ist Frühling. März, um genau zu sein.

Prolog

Obwohl es wenig zur Haupthandlung beiträgt, sei doch erwähnt, dass die Geschichte mit einer Blitztrauung beginnt. Miss Arcadia Walker, 24 und ebenso schön wie wohlhabend, heiratet Seth Stanford, einen Globetrotter, und zwar vor dem Haus des ehrenwerten Friedensrichters John Proth – zu Pferde. Will heißen, keiner der beiden Brautleute fühlt sich bemüßigt, vom Ross zu steigen. Im Pferdeland Virginia werden diese Dinge eben pragmatisch erledigt. Es kann aber auch ganz anders laufen. Im späteren Verlauf der Handlung begegnen wir den beiden wieder, so etwa bei ihrer – ebenso rasch erledigten – Scheidung. Richter John Proth fällt eine wichtige Rolle im nun folgenden Drama zu.

Die Entdeckung des Meteors

Das bis dato noch friedliche Weston beherbergt zwei Hobbyastronomen: Dean Forsyte, 45, und Dr. Sidney Huddleson. Forsytes Neffe Francis Gordon gedenkt am 18. Mai die hübsche Jenny, Huddlesons Tochter, zur Frau zu nehmen. Durch die Ereignisse an und nach diesem 16. März scheint sich dieses freudige Ereignis jedoch in ernster Gefahr zu befinden, niemals stattfinden zu können. Morgens um sieben beobachten die beiden Astronomen unabhängig voneinander einen Meteor, der die Erde umkreist.

Nach dieser epochalen Beobachtung gehen dem Direktor der Sternwarte von Pittsburgh am 24. März zwei Briefe beinahe identischen Inhalts zu: Sowohl Forsyte als auch Huddleson beanspruchen das Recht, den Meteor entdeckt zu haben, jeweils für sich. Diese Tatsache ist auch umgehend Gegenstand eines Artikels in der Lokalzeitung Westons. Noch bleibt alles friedlich, wenn sich auch die beiden Entdecker nicht mehr grün sind. Schon bald macht sich die Satirezeitschrift „Punch“ über ihren Ruhmeseifer lustig.

Goldrausch

Die Lage ändert sich, als die Sternwarte von Paris in alle Welt hinausposaunt, der gesichtete Meteor bestehe aus purem Gold. Natürlich nicht in geschmolzener Form, sondern durchsetzt mit Löchern und Rissen. Zunächst schätzen die Amateure einen falschen Durchmesser, doch dann entscheidet Pittsburgh: Wenn die Masse des Himmelskörpers 1,867 Mio. Tonnen beträgt, so liegt sein Goldwert bei nicht weniger als 5,8 Trillionen Dollar!

Milliardäre

Sofort erklären sich Forsythe und Huddleson zum Besitzer des Meteors und zu Multimilliardären. Wäre die Bevölkerung von Weston nicht schon längst in zwei Parteien zerfallen, spätestens jetzt gingen der Streit und die Schlägereien los. Wenigstens kommt keiner der beiden an das Gold heran, sonst wäre alles noch viel schlimmer. Aber jeder fragt sich jetzt: Wo wird der Meteor abstürzen? Der eine sagt: Japan, der andere sagt: Patagonien. Die Sternwarte Boston mischt sich ein und sagt: Alles Blödsinn! Für die Besitzansprüche der Astronomen auf noch nicht abgestürzte Flugkörper erklärt sich das Westoner Gericht unter dem wackeren Richter John Proth nicht zuständig.

Unerhörte Tricks

In Paris gibt es einen wohlhabenden jungen Erfinder namens Zehyrine Xirdal, der nicht nur ein Genie ist, sondern auch beste Beziehungen zur Bank seines „Onkels“ Monsieur Lecoeur unterhält, welchselbiger die Ehre hat, sein Geld verwalten zu dürfen. Nachdem er aus der Zeitung vom Meteor erfahren hat, fordert Xirdal vom Onkel 10.000 Francs und ein Grundstück. Und wo, bitteschön? Dort, wo der Meteor abstürzen wird. Woher er diesen Punkt bereits kenne? Xirdal antwortet: Ich werde es so einrichten.

Gesagt, getan. Xirdal baut ein mysteröses Maschinchen, das der Banker nicht versteht, aber das dennoch seinen Zweck erfüllt: Durch bis dato unbekannte Gravitationsstrahlen gelingt es Xirdal, die Bahn des Meteors nach seinen Wünschen abzulenken. Dadurch gerät der Leiter der Sternwarte Boston, der ansonsten so reputierliche Mr. J.B.R. Loewenthal, schwer in die Bredouille, denn alle seine Berechnungen und Voraussagen erweisen sich plötzlich als Makulatur.

Huddleson und Forsyte sehen sich veranlasst, ihre angebrochenen Reisen nach Japan und Patagonien abzubrechen und heimzukehren. An die Hochzeit von Francis und Jenny ist natürlich nicht mehr zu denken: König Chaos regiert. Aber noch lassen die Verlobten die Hoffnung nicht fahren, denn irgendwann MUSS der Meteor doch fallen, oder?

Der Tag des Absturzes

Unterdessen ist eine internationale Konferenz einberufen worden, die entscheiden soll, wie mit dem zu erwartenden Goldsegen zu verfahren sei. Xirdal schickt den Diplomaten zwar ein Telegramm, er sei der Besitzer des Meteor, doch vergesslich, wie er ist, unterlässt er es, seinen Namen darunterzusetzen. Es wird nicht weiter beachtet. Da verkündet Boston, der Meteor werden etwa am 19. August bei Uppernarvik in Westgrönland niedergehen. Dänemark, die Kolonialmacht Grönlands, jubelt und entsendet als Bevollmächtigten Erich von Schnack ins Polargebiet.

Innerhalb weniger Wochen findet sich trotz schneidender Kälte rund 3000 Ausländer in dem kleinen Städtchen ein. Sie erleben eine Überraschung: Uppernarvik liegt auf einer Insel und ist ringsum von Meer umgeben, das bis in eine Tiefe von 2000 bis 3000 Metern reicht. Was, wenn der himmlische Goldklumpen ins Wasser fiele? Huddleson, Forsyte und alle Abenteurer, die sich hier eingefunden haben, beginnen nervös und trotz der Kälte zu schwitzen.

Doch sie bleiben nicht lange allein. Nach dem Absturz des Meteors um exakt 6:57:35 Uhr am 19.8. finden sich unvermittelt mehrere Kriegsschiffe aller wichtigen Nationen des Erdballs ein. Da wird Herr von Schnack viel protestieren müssen. Doch man stelle sich seine Überraschung vor, als er mit einer Horde von 3000 Neugierigen (darunter den Erstentdeckern) durch Eis, Wind und Schnee zur Absturzstelle eilt – und von einem Drahtzaun gestoppt wird, auf dem ein Schild prangt: „Privatgrundstück! Zutritt verboten!“

Mein Eindruck

„Am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles!“ Mit diesem Goethevers ließe sich die Handlung, die Verne in einem seiner letzten Romane ausgearbeitet hat, im Groben umschreiben. Es ist nicht nur eine Kritik an der verbreiteten Gier nach materialistischer Werten. Verne starb 1905, als sich die Nationalstaaten nicht nur Westeuropas so ziemlich den ganzen Rest der Welt angeeignet hatten. Nur noch neun Jahre bis zum großen Knall, dem Ersten Weltkrieg. Der Roman lässt sich als Warnung auffassen.

Was Verne voraussah, waren der Zank um den Besitz fremder Menschen, Völker oder Länder, der sich im Zuge des Kolonialismus über die ganze Welt ausgebreitet hatte. Überall sah er Zwist statt Einigkeit, sogar auf den internationalen Konferenzen, von denen er eine in seinem Roman stattfinden lässt und die ergebnislos im Sande verläuft, da die Teilnehmer hoffnungslos zerstritten sind.

Die Parabel

Er braucht für seine warnende Parabel nur noch zwei Faktoren: ein Ding von ungeheurem Wert und jemanden, der es sich zu beschaffen weiß. Schon geht das schönste Wettrennen los, wie es die Welt anlässlich des Goldrausches in Alaska anno 1890 erlebt hatte. Und was, wenn sich jemand diesen Reichtum mit Hilfe einer genialen Erfindung unter den Nagel reißen könnte? Würde er mit seinem Fang glücklich werden?

Es lebe der Kapitalismus!

Na ja, wenn nicht Xirdal selbst, so doch zumindest sein findiger Onkel, der Bankier, der die Aktienmärkte zu manipulieren weiß wie kein zweiter. Schon damals also sah Verne die virtuellen Werte, die die Aktien darstellen, beziehungsweise die entsprechenden Insiderinformationen als eine Gefahr für die Weltwirtschaft an. 24 Jahre nach seinem Tod kam der große Börsenkrach an der Wall Street und ließ seine schlimmsten Befürchtungen wahr werden.

Untergang des Mikrokosmos

Dies ist der Makrokosmos, doch der Mikrokosmos eines Gemeinwesens wie Weston kann ebenso in Mitleidenschaft gezogen werden. Der Astronomenstreit spaltet die Stadt ebenso wie die Familien und lässt Francis‘ und Jennys Vermählung zunehmend unwahrscheinlich erscheinen. Auf einmal ist die private Zukunft unmittelbar gefährdet: Es ist eine andere Art von Krieg, die hier stattfindet, die aber dennoch eine klare Folge hat: Zwar nicht den Tod von Menschen (noch ist niemand bei den Schlägereien zu Tode gekommen), aber zumindest das Ausbleiben von Nachwuchs. Und was wird dann aus den Alten?

Die Figuren

Sprachlich ist der Text recht einfach gehalten, er weicht auch in Sachen Charakterisierung nicht von Vernes Methode ab, seine Figuren kurz und knapp zu definieren (es fehlen nur noch die Playmate-Maße von Jenny Huddleson und Arcadia Walker). Aber durchweg ist Vernes geradezu sarkastischer Humor zu spüren, wenn er die Figuren einem Wechselbad von Gefühlen aussetzt. Jenny und ihre Schwester weinen „Wasserfälle“, und selbstredend raufen sich die Entdecker die ergrauenden Haare. Es geht sehr emotional zu, besonders als sich die Entdecker dem Objekt ihrer Begierden und Träume selbst gegenübersehen und ob der glühenden Hitze des Meteoriten schier verzweifeln.

Im völligen Kontrast dazu steht der verantwortungslose junge Erfinder Xirdal. Schon sein säuselnder Vorname Zephyrine erinnert an den antiken Südwind Zephyr und beschreibt den moralischen Ernst seiner Lebensauffassung genau. Als ihn ein Kumpel zu einem Strandurlaub einlädt, überlegt Xirdal nicht lange und sagt zu. Er macht sich einen faulen Lenz, während sich die restliche Welt im freien Fall Richtung Chaos befindet. Dass er obendrein vergesslich ist, überrascht uns nicht.

Kritisiert Verne in Xirdals Figur die Fin-de-siècle-Stimmung seiner Zeit: das Dandytum, die Sorglosigkeit, den Tanz auf dem Vulkan? Es erscheint nicht unwahrscheinlich. Leider gibt es keine moralische Instanz, die Xirdal in die Hand fällt. Denn Richter Proth weilt fern von Grönland und Paris.

Der Sprecher

Rufus Beck macht sich mal wieder einen Spaß daraus, die Figuren durch ihre Sprechweise zu charakterisieren – je kurioser sie sich ausdrücken, desto schöner. Denn dies ist immer noch ein Jugendbuch, wohlgemerkt, und so sollen auch Jugendliche ab zwölf Jahren ihre Freude daran haben. Der Vortrag darf nicht monoton und dröge sein, sondern muss ihre Aufmerksamkeit fesseln.

Denn wenn man’s recht bedenkt, so passiert in der Tat nicht allzu viel Action. Die Zusammenhänge und Reaktionen sind daher deutlich darzustellen, um ihre Signifikanz hervorzuheben: Wieso sollten Zeitungsberichte oder Bulletins von irgendwelchen Sternwarten wichtig sein? Game-Junkies wissen mit so etwas wohl nur wenig anzufangen, wohl aber hoffentlich Leute, die etwas für Bücher übrig haben, und nicht nur für Bücher: für das gedruckte Wort überhaupt.

Diesen jungen Bücherfreunden kommt Becks Vortrag entgegen. Und wenn es sich um Fans der Geschichten des Jules Verne handelt – umso besser. Man vermag sich anhand Becks Darstellung plastisch vorzustellen, wie flatterhaft das Wesen von Z. Xirdal ist, wie ernsthaft und jähzornig der Charakter von Dean Forsyte, wie hochnäsig die ehrenwerte Miss Arcadia Walker dahergeritten kommt und wie charmant ihr Noch-Ehemann, der unstete Tausendsassa Seth Stanford. Da loben wir uns doch den standhaften Richter John Proth, der für Recht und Ordnung sorgt, nicht nur in Weston, sondern auch in seinem Garten.

Unterm Strich

Auch eine warnende Parabel wie „Die Jagd nach dem Meteor“ kann Spaß machen, wenn sie richtig erzählt und dargeboten wird. Für Vernes Oevre ist dieser Roman ja nicht gerade der erste Versuch, einen Weltherrscher in spe zu porträtieren. Neu ist hingegen, dass dieser potentielle Weltherrscher, nämlich Z. Xirdal, ein verspielter, vergesslicher junger Mann ist, dem jegliches Verantwortungsbewusstsein abgeht.

Auch der Grund, warum er den Zankapfel, nach dem alle Welt giert, aus eben dieser Welt schafft, passt genau zu ihm: Es ist ihm zu viel Stress und davon hat er bald die Nase voll. Er lebt nach dem Lustprinzip und kennt keine Pflicht. Das Gold ist ihm schnuppe, denn er braucht es nicht, lebt er doch vom Erbe seiner Vorfahren. Er wollte nur zeigen, dass er ein Genie ist. Dumm nur, dass genau dieser Punkt niemanden zu interessieren scheint. Die Welt, sie ist nun mal undankbar.

Rufus Becks Vortrag charakterisiert nicht nur Xirdal genau, sondern auch viele andere Figuren, allen voran die beiden Streithähne Forsyte und Huddleson. Obwohl die Action sich stark in Grenzen hält, macht das Hörbuch dank seiner Vortragskunst Spaß. Der einzige Punkt, der mich erheblich stört, ist der hohe Preis für 180 Minuten Hörbuch. Bei anderen Verlagen bekommt man für 24 Euronen doppelt so viel Sprechzeit.

Werksverzeichnis: Romane

Joyeuses Misères de trois voyageurs en Scandinavie (Romanfragment). 1861
Die fröhlichen Leiden dreier Reisender in Skandinavien. 2020
Cinq Semaines en ballon. 1863
Fünf Wochen im Ballon. 1875
Voyage au centre de la Terre. 1864
Die Reise zum Mittelpunkt der Erde. 1873
De la Terre à la Lune, trajet direct en 97 heures 20 minutes. 1865
Von der Erde zum Mond. 1873
Voyages et Aventures du capitaine Hatteras. 1866
Abenteuer des Kapitän Hatteras. 1875
Les Enfants du capitaine Grant. 1867 und 1868
Die Kinder des Kapitän Grant. 1875
Vingt mille lieues sous les mers. 1869 und 1870
Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer. 1874
Autour de la Lune. 1870
Reise um den Mond. 1873
Une ville flottante. 1871
Eine schwimmende Stadt. 1875
Aventures de trois Russes et de trois Anglais dans l’Afrique australe. 1872
Abenteuer von drei Russen und drei Engländern in Südafrika. 1875
Le Pays des fourrures. 1873
Das Land der Pelze. 1875
Le Tour du monde en quatre-vingts jours. 1873
Reise um die Erde in 80 Tagen. 1873
L’Île mystérieuse. 1874 und 1875
Die geheimnisvolle Insel. 1875 und 1876
Le Chancellor. 1875
Der Chancellor. 1875
Michel Strogoff. 1876
Der Kurier des Zaren. 1876
Hector Servadac. 1877
Reise durch die Sonnenwelt. 1878
Les Indes noires. 1877
Die Stadt unter der Erde. 1878
Un capitaine de quinze ans. 1878
Ein Kapitän von 15 Jahren. 1879
Les Cinq Cents Millions de la Bégum. 1879
Die 500 Millionen der Begum. 1880
Les Tribulations d’un Chinois en Chine. 1879
Die Leiden eines Chinesen in China. 1880
La Maison à vapeur. 1880
Das Dampfhaus. 1881
La Jangada. Huit cents lieues sur l’Amazone. 1881
Die „Jangada“. 1882
L’École des Robinsons. 1882
Die Schule der Robinsons. 1885
Le Rayon-vert. 1882
Der grüne Strahl. 1885
Kéraban-le-têtu. 1883
Keraban der Starrkopf. 1885
L’Étoile du sud. 1884
Der Südstern oder Das Land der Diamanten. 1886
L’Archipel en feu. 1884
Der Archipel in Flammen. 1886
Mathias Sandorf. 1885
Mathias Sandorf. 1887
Un billet de loterie. 1886
Ein Lotterie-Los. 1887
Robur-le-conquérant. 1886
Robur der Sieger. 1887
Le Chemin de France. 1887
Der Weg nach Frankreich. 2012
Nord contre Sud. 1887
Nord gegen Süd. 1888
Deux ans de vacances. 1888
Zwei Jahre Ferien. 1889
Famille-sans-nom. 1889
Die Familie ohne Namen. 1891
Sans dessus-dessous. 1889
Kein Durcheinander – auch bekannt unter: Alles in Ordnung und Der Schuss am Kilimandscharo. 1891
César Cascabel. 1890
Cäsar Cascabel. 1891
Mistress Branican. 1891
Mistress Branican. 1891
Le Château des Carpathes. 1892
Das Karpatenschloss. 1893
Claudius Bombarnac. 1892
Claudius Bombarnac. 1893
P’tit-bonhomme. 1893
Der Findling. 1894
Mirifiques Aventures de Maître Antifer. 1894
Meister Antifers wunderbare Abenteuer. 1894
L’Île à hélice. 1895
Die Propellerinsel. 1895
Face au drapeau. 1896
Vor der Flagge des Vaterlandes. 1896
bekannter unter dem Titel Die Erfindung des Verderbens.
Clovis Dardentor. 1896
Clovis Dardentor. 1896
Le Sphinx des glaces. 1897
Die Eissphinx. 1897
Le Superbe Orénoque. 1898
Der stolze Orinoco. 1898
Le Testament d’un excentrique. 1899
Das Testament eines Exzentrischen. 1899
Seconde Patrie. 1900
Das zweite Vaterland. 1901
als Fortsetzung der Robinsonade Der Schweizerische Robinson von Johann David Wyss geschrieben.
Le Village aérien. 1901
Das Dorf in den Lüften. 1901
Les Histoires de Jean-Marie Cabidoulin. 1901
Die Historien von Jean-Marie Cabidoulin. 1901
Les Frères Kip. 1902
Die Gebrüder Kip 1903
Bourses de voyage. 1903
Reisestipendien. 1903
Un drame en Livonie. 1904
Ein Drama in Livland. 1904
Maître-du-monde. 1904
Der Herr der Welt. 1904
L’Invasion de la mer. 1905
Der Einbruch des Meeres. 1905

Die folgenden Werke aus dem Nachlass Jules Vernes wurden von seinem Sohn Michel Verne mehr oder weniger stark überarbeitet und veröffentlicht:

Le Phare du bout du monde. 1906
Der Leuchtturm am Ende der Welt. 1906
Le Volcan d’or. 1906
Der Goldvulkan. 1906
L’Agence Thompson and Co. 1907
Das Reisebüro Thompson & Co. 1907
La Chasse au météore. 1908
Die Jagd nach dem Meteor. 1908
Le Pilote du Danube. 1908
Der Pilot von der Donau. 1908
Les Naufragés du Jonathan. 1909
Die Schiffbrüchigen der „Jonathan“. 1909
Le Secret de Wilhelm Storitz. 1910
Wilhelm Storitz’ Geheimnis. 1910
Hier et demain. 1910
Gestern und morgen. 1910
Ein Sammelband, der mehrere der Kurzgeschichten enthält.
L’Etonnante Aventure de la mission Barsac. 1919, geschrieben von Michel Verne
Das erstaunliche Abenteuer der Expedition Barsac. 1978

Ebenfalls aus dem Nachlass Jules Vernes stammen folgende Werke:

Voyage à reculons en Angleterre et Écosse. 1859 bis 1860 geschrieben, 1989 veröffentlicht
Reise mit Hindernissen nach England und Schottland, 1997
L’Oncle Robinson. etwa um 1870 bis 1871 geschrieben, 1991 als Fragment veröffentlicht
Onkel Robinson
Paris au 20e siècle. 1863 geschrieben, 1994
Paris im 20. Jahrhundert. 1996

(Quelle: Wikipedia.de; zu fast allen diesen Titel bitet die Wikipedia eine Inhaltsangabe!)

|181 Minuten auf 3 CDs
übersetzt von Stefan Reisner|

Verne, Jules – Reise um den Mond (Lesung)

_Von der Mondrepublik und ihren flüchtigen Bewohnern_

Die Eroberung des Erdtrabanten war in der Literatur schon seit der Antike – etwa bei Lukian – ein gängiges Motiv. Die meisten Autoren ließen sich irgendwelche fantastischen Tricks einfallen, um von A nach B zu gelangen, was ihre Geschichte denn auch als Fabel auswies. Doch erst Verne strengte sich an, eine plausible technische Lösung für das Problem der Personenbeförderung zum Erdmond zu suchen. Und er fand sie in Gestalt einer 300 Meter langen Superkanone. Sie funktioniert allerdings auch nur in seiner Geschichte. Das Projektil trägt die drei Insassen bis zum Mond und noch darüber hinaus …

_Der Autor_

Jules Verne wurde 1828 in Nantes geboren und starb 1905 in Amiens. Bereits während seines Jurastudiums schrieb er nebenher, manchmal mit einem Freund, Theaterstücke und Erzählungen. Sein erster Erfolgsroman „Fünf Wochen im Ballon“ erschien 1863. Seine großen Romane waren in der Folge Bestseller. Heute wird er neben H. G. Wells als einer der Begründer der modernen Science-Fiction-Literatur angesehen.

Mit „Die Eissphinx“ schrieb er eine Fortsetzung von E. A. Poes Horrorerzählung „The Narrative of Arthur Gordon Pym“. Sein erster Zukunftsroman „Paris im 20. Jahrhundert“ lag lange Zeit verschollen in einem Tresor und wurde erst vor ca. 20 Jahren veröffentlicht. Die Lektüre lohnt sich, auch wegen der erhellenden Erläuterungen der Herausgeberin.

_Das Hörbuch_

|Der Sprecher: Rufus Beck|

Rufus Beck, geboren 1957, ist Bühnen-, Film- und Fernsehschauspieler und hat als deutsche Stimme der „Harry Potter“-Hörbücher mit seiner vollendeten Sprechkunst die Herzen zahlreicher HP-Fans erobert. Er hat aber auch alle Bücher des Iren Eoin Colfer als Hörbücher aufgenommen, insbesondere die über „Artemis Fowl“.

|Der Komponist und Musiker: Parviz Mir-Ali|

Parviz Mir-Ali, geboren 1967, lebt in Frankfurt/M., wo er als Komponist arbeitet. Er hat unter anderem mit André Heller an „Yume“, mit Matthias Hartmann am Schauspielhaus Bochum und mit Gerhard Mortier an „Deutschland deine Lieder“ (Ruhrtriennale 2002) zusammengearbeitet.

_Handlung_

Den Abschuss aus der Riesenkanone in Florida haben die Mondreisenden mit heilen Knochen überstanden, nur Barbicane hat sich leicht verletzt. Aber wo befinden sie sich? Sind sie noch am Boden, oder am Boden des Ozeans, oder doch im All? Sie haben keinen Knall gehört – wie seltsam. Als sie die Luke öffnen, erkennen sie, sie fliegen im All. Klarer Fall: Wieder einmal muss Captain Nicholl blechen. Er hat eine weitere Wette verloren.

Doch es ist keine Zeit, sich in Sicherheit zu wiegen, denn das All ist alles andere als leer. Bug voraus fliegt ein weiterer Erdtrabant vorbei und eine Kollision droht. Dessen Existenz hat ein Franzose errechnet, und tatsächlich saust er in einer Distanz von 8140 km an der Kapsel vorbei. Endlich wird Barbicane der Grund klar, warum sie keinen Abschussknall gehört haben: Sie sind schneller als der Schall geflogen!

Zu ihrer Verblüffung reicht diese Geschwindigkeit nicht aus. Barbicanes Berechnungen führen Nicholl und Ardan die entsetzliche Wahrheit vor Augen: Sie werden den Mond nicht treffen. Schuld daran sind wieder einmal die trotteligen Astronomen der Sternwarte Cambridge, die – abgehobene Geister, die sie sind – einfach den Luftwiderstand in der Erdatmosphäre außer Acht gelassen haben. Daher ist die Kapsel jetzt 6000 Meter pro Sekunde zu langsam.

Doch wenn sie den Mond verfehlen, wo werden sie dann landen? Werden sie ewig weiterschweben, bis ein glücklicher Zufall sie auf die Jupitermonde verschlägt oder ein Komet ihr kleines Gefährt zerschmettert?

_Mein Eindruck_

|Eine Mondfahrt, die ist lustig|

Nun, so weit kommt es bekanntlich nicht. Der Autor hat das Motto ausgegeben „Eine Mondfahrt, die ist lustig“. Weil der schwärmerische Franzmann nicht darauf geachtet hat, dass nicht zu viel Sauerstoff in die Atemluft gerät (sie haben dafür einen Gasaustauschapparat), geraten unsere drei Lunatiker in einen lustigen Gasrausch, der sie von allerlei Luftschlössern auf dem Erdtrabanten fabulieren lässt, darunter natürlich auch von einer Mondrepublik. Wie könnte es auch bei Republikanern wie Franzosen und Amis anders sein, haben doch die meisten anderen Staaten immer noch diese drögen, völlig überholten Monarchien.

|Der Trabantentrabant|

Auch das regelmäßige Frühstücken lässt sich Ardan nicht vermiesen, und lediglich die Tatsache, dass einer seiner zwei Hunde das Zeitliche segnet, stimmt ihn etwas traurig. Zu seiner Verblüffung begleitet der aus hygienischen Gründen im Weltraum bestattete Hundekörper das Projektil wie ein eigener Trabant. Richtig lustig wird auch dies, als die Kapsel zum Trabanten des Erdtrabanten wird, und dabei selbst von einem Trabant umflogen wird. Selbstredend hieß der Hund von Anfang auch so: „Trabant“. (Der andere Hund heißt „Diana“, nach der römischen Mondgöttin.) Wer will, kann sich mit infantilen Sprachspielen austoben.

|Die Kardinalfrage|

Die Kardinalfrage ist jedoch: Ist der Mond bewohnt und wenn nicht, ist er wenigstens bewohnbar? Bei ihrer Umrundung finden die drei Forscher so manches Phänomen, das den irdischen Wissenschaftlern und Mondguckern Kopfzerbrechen bereitet, so etwa Rillen und womöglich Kanäle. Ardan vermeint auch einmal, Ruinen zu erblicken. Während ihm die Mondoberfläche wie eine Märchenlandschaft erscheint, hegen die beiden Amis eine weitaus prosaischere Betrachtungsweise. Sie frönen dem „verdammten Positivismus“, wie Ardan klagt. Der Einschlag eines Meteoriten, der zum Glück von einer direkten Kollision mit der Kapsel absieht, erhellt die Mondoberfläche wie ein Feuerwerk. Doch als der „Lichtspuk“ vorüber ist, meinen sie, einen Traum gesehen zu haben …

Die Euphorie wird vom prosaischen Barbicane im Handumdrehen wieder vertrieben. Er erklärt, dass der Mond zugleich älter als die Erdoberfläche sei, aber auch die Zukunft der Erde darstelle. Sie werde in, äh, ungefähr 400.000 Jahren den absoluten Kältetod sterben. Na, dann ist ja noch ein wenig Zeit für ein Frühstück, seufzt der Franzose erleichtert.

Natürlich wird allmählich die verdrängte Frage, wo bzw. ob sie landen werden, ein wenig relevant. Um so mehr, als sie den Himmelskörper komplett umrundet haben und nun vor der Wahl stehen, entweder zu landen, bis in die Unendlichkeit zu segeln oder zurück zur Erde zu fallen. Leider würde der Aufprall auf der Erde sie auf jeden Fall umbringen. Oder?

Der Autor gibt mit diesem Roman schon den Rahmen vor, wie künftig die Annäherungen an fremde Welten beschrieben werden: entweder ganz nüchtern nach Art amerikanischer Militärs und Ingenieure – oder so romantisch verklärend und vermenschlichend wie der Franzose es tut. Erst Frank Herbert wird 1965 mit seinem Roman „Der Wüstenplanet“ eine weitere Herangehensweise einführen: die wissenschaftlich fundierte Space-Opera, wobei die relevante Wissenschaft in diesem Fall die Ökologie ist.

Welche Tücken die physikalischen Gesetze für den damit unvertrauten Menschen bereit halten, müssen auch die Kameraden Barbicanes erfahren, die zur Bergung der Kapsel herbeigeeilt sind, sie aber tagelang vergeblich suchen. Sie haben einfach simpelste Fakten außer Acht gelassen. Dieser Umstand aber sorgt für gehörige Spannung, bangt das Publikum – egal ob Leser oder Hörer – um den Verbleib der Mondfahrer. Nur wer genauso schlau ist wie der Autor, wird von diesem Finale angeödet sein, da er ja schon alles weiß.

_Das Hörbuch_

Rufus Beck ist ja am bekanntesten dafür, über mindestens 125 Stimmen zu verfügen. (Wahrscheinlich eine Untertreibung.) Anders als in seinen Lesungen von Harry-Potter- und Artemis-Fowl-Büchern hält er sich bei Jules Verne etwas zurück. Das heißt aber nicht, dass all die Sprecher nicht mehr voneinander zu unterscheiden wären – im Gegenteil. Der pingelige Nicholl ist ebenso gut herauszuhören wie der beflissene Maston und der würdevolle Barbicane. Alle jedoch beherrscht die Stimme Michel Ardans. Er „schbrischd“ stets mit französischem Akzent, und zwar nicht nur in der Aussprache der Wörter, sondern auch im Tonfall. Da kann die Stimme schon mal ziemlich in die Höhe schnellen. Es ist ein Vergnügen, ihm zuzuhören. Wenn man kein Ingenieur ist.

_Die Musik_

Ich weiß ja nicht, auf welchem vielseitigen Instrument der Komponist Parviz Mir-Ali seine Musik produziert hat, aber sie passt genau in die damalige Zeit: Es klingt wie eine Dampforgel oder, wie man damals sagte, ein Orchestrion. Wir hören verschiedene Kombinationen aus Bläsern (viel Tuba), Marschtrommeln und Flöten. Laut Booklet handelt es sich dabei um Kompositionen des bekannten amerikanischen Musikers John Philip Sousa, der auch von einigen Autoren der Science-Fiction-Szene geschätzt wird.

Was hier aber so martialisch klingt, das tönt doch mitunter eher verspielt, so als befände sich der Hörer auf einem Jahrmarkt statt bei einem Truppendefilee. Aber in Amerika ist der Übergang fließend, wie man in vielen Hollywoodfilmen sehen kann. Diese Musik ist stets in den Pausen, aber auch als Auftakt und Ausklang zu hören.

Dies gilt jedoch nur für die Szenen, die am Anfang und im letzten Drittel auf der Erdoberfläche stattfinden. Alle anderen Szenen weisen eine ruhige Sphärenmusik auf, die es durchaus mit den ruhigsten Kompositionen von Pink Floyd aufnehmen kann – oder mit Gustav Holsts Planeten-Suite, wenn man Klassik lieber mag.

_Unterm Strich_

Nicht nur, weil das Hörbuch mit gut drei Stunden wesentlich kürzer ist als sein Vorgänger „Von der Erde zum Mond“, vergeht die Zeit beim Anhören wie im, ähem, Flug. Auch die zahlreichen Wechselfälle des Schicksals sorgen für Abwechslung und Spannung. Die Entdeckungen über die Irrtümer bei den Berechnungen, die Sprachspielereien, der Gasrausch und schließlich der Meteoriteneinschlag mit seinem Feuerwerk – für die Unterhaltung der Lunatiker und ihres Publikums ist jedenfalls bestens gesorgt.

Was nun die Voraussagen über die Bewohnbarkeit des Mondes angeht, so hält sich der Autor immer ein Hintertürchen offen. Haben oder haben sie nicht Wälder und Ozeane gesehen, als das „Feuerwerk“ explodierte? Vermutlich war’s nur ein Traum – oder nicht? Spätere Autorengenerationen werden sich alles Mögliche in dieser Hinsicht einfallen lassen. Bei H. G. Wells leben die „Seleniten“ natürlich nicht auf der gefährdeten Oberfläche, sondern in Höhlen und Tunneln unter der Oberfläche. Daher heißt sein Roman ja auch „First Men in the Moon“, und nicht „on the Moon“.

Und was das Vorhandensein von Wasser als Voraussetzung für Leben anbelangt, so fabuliert Wells‘ literarischer Nachfolger Stephen Baxter in seinem rasanten Roman „Anti-Eis“ von der Existenz von Wassereis – allerdings nur auf der Rückseite des Erdtrabanten, wo man’s bekanntlich nicht sieht. Ansonsten ließen sich Autoren wie Heinlein, Asimov, Clarke und Jack Vance etliche Möglichkeiten einfallen, um die kahle Oberfläche interessant zu machen. Bei Niven schließlich zerbricht der Erdtrabant daran, dass er seinem Muttergestirn zu nahe kommt: „Inconstant Moon“. Die Gravitationskräfte lassen eben nicht mit sich spaßen. Das müssen – zu ihrem Vorteil – auch Vernes Mondfahrer anerkennen.

Die inszenatorische Leistung ist bei Sprecher Rufus Beck und Komponist Parviz Mir-Ali ebenso gut gelungen wie im Vorgänger „Von der Erde zum Mond“, so dass der Hörer durchaus zufrieden sein kann. Lediglich der hohe Preis von 23,90 Euronen für drei CDs trübt die Freude etwas.

|Umfang: 221 Minuten auf 3 CDs|

Verne, Jules – Jagd auf den Meteor; Die. Originalfassung

_Originalgetreu: eine langwierige Jagd_

Ein Meteor aus reinem Gold nähert sich der Erde. Zwei Hobbyastronomen entdecken ihn zur gleichen Stunde und beanspruchen die Ehre jeweils für sich selbst, so lange, bis ihre Familien entzweit sind. Als endlich klar wird, wo der Meteor abstürzen wird, setzt ein Wettrennen vieler Staaten und Mächte nach dem 4000 Milliarden Francs teuren Klunker ein – im hohen Norden geht die Jagd zu Ende.

_Der Autor_

Jules Verne wurde 1828 in Nantes geboren und starb 1905 in Amiens. Bereits während seines Jurastudiums schrieb er nebenher, manchmal mit einem Freund, Theaterstücke und Erzählungen. Sein erster Erfolgsroman „Fünf Wochen im Ballon“ erschien 1863. Seine großen Romane waren in der Folge Bestseller. Heute wird er neben H. G. Wells als einer der Begründer der modernen Science-Fiction-Literatur angesehen.

Mit „Die Eissphinx“ schrieb er eine Fortsetzung von E. A. Poes Horrorerzählung [„The Narrative of Arthur Gordon Pym“.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=781 Sein erster Zukunftsroman „Paris im 20. Jahrhundert“ lag lange Zeit verschollen in einem Tresor und wurde erst vor ca. 20 Jahren veröffentlicht. Die Lektüre lohnt sich, auch wegen der erhellenden Erläuterungen der Herausgeberin.

|Zur Ausgabe|

„Die Jagd nach dem Meteor“, geschrieben 1901, erschien erst nach Vernes Tod im Jahr 1908, allerdings in einer verstümmelten Fassung. Erst 1986 erschien die vollständige Fassung auf französisch. Mit der |Piper|-Ausgabe liegt die erste und einzige vollständige deutsche Ausgabe vor, noch dazu mit Kommentaren. Das Vorwort von Andreas Eschbach erhellt die Zusammenhänge auf leicht verständliche Weise.

_Handlung_

Die meiste Zeit spielt die Handlung in der braven Stadt Whaston im US-Bundesstaat Virginia. Das genaue Jahr ist unbestimmt, doch es gibt einen kleinen Hinweis: Die US-Flagge hat zu diesem Zeitpunkt nur 45 Sterne statt der heutigen 50. Und es ist Frühling. März, um genau zu sein.

|Prolog|

Obwohl es wenig zur Haupthandlung beiträgt, sei doch erwähnt, dass die Geschichte mit einer Blitztrauung am 27. März in Whaston beginnt. Miss Arcadia Walker, 24 und ebenso schön wie wohlhabend, heiratet Seth Stanfort, einen ebenso gutbetuchten Globetrotter, und zwar vor dem Haus des ehrenwerten Friedensrichters John Proth – zu Pferde. Will heißen, keiner der beiden Brautleute fühlt sich bemüßigt, vom Ross zu steigen. Im Pferdeland Virginia werden diese Dinge eben pragmatisch erledigt. Es kann aber auch ganz anders laufen. Im späteren Verlauf der Handlung begegnen wir den beiden wieder, so etwa bei ihrer – ebenso rasch erledigten – Scheidung. Richter John Proth fällt eine wichtige Rolle im nun folgenden Drama zu.

|Die Entdeckung des Meteors|

Das bis dato noch friedliche Whaston beherbergt zwei Hobbyastronomen: Dean Forsyte, 45, und Dr. Stanley (an wenigen Stellen auch „Sidney“ genannt) Huddleson, 47. Forsytes Neffe Francis Gordon, 23, gedenkt am 31. Mai die hübsche Jenny, Huddlesons Tochter, zur Frau zu nehmen. Durch die Ereignisse an und nach diesem 2. April scheint sich dieses freudige Ereignis jedoch in ernster Gefahr zu befinden, niemals stattfinden zu können. Morgens um sieben beobachten die beiden Astronomen unabhängig voneinander einen Meteor, der die Erde umkreist.

Nach dieser epochalen Beobachtung gehen dem Direktor der Sternwarte von Pittsburgh am 9. April zwei Briefe beinahe identischen Inhalts zu: Sowohl Forsyte als auch Huddleson beanspruchen das Recht, den Meteor entdeckt zu haben, jeweils für sich. Diese Tatsache ist auch umgehend Gegenstand eines Artikels in der Lokalzeitung Whastons. Noch bleibt alles friedlich, wenn sich auch die beiden Entdecker und ihre wachsende Schar von Anhängern bald nicht mehr grün sind. Schon bald macht sich die Satirezeitschrift „Punch“ über ihren Ruhmeseifer lustig, und das heizt die Gemüter noch stärker an.

|Goldrausch|

Die Lage ändert sich, als die Sternwarte von Boston in alle Welt hinausposaunt, der gesichtete Meteor bestehe aus purem Gold. Natürlich nicht in geschmolzener Form, sondern durchsetzt mit Löchern und Rissen. Zunächst schätzen die Amateure einen falschen Durchmesser, doch dann entscheidet Boston: Wenn die Masse des Himmelskörpers bei einem Durchmesser von 50 m 126.436 Tonnen beträgt, so liegt sein Goldwert bei nicht weniger als 3907 Milliarden Francs!

|Milliardäre|

Sofort erklären sich Forsythe und Huddleson zum Besitzer des Meteors und zu Multimilliardären. Wäre die Bevölkerung von Whaston nicht schon längst in zwei Parteien zerfallen, spätestens jetzt gingen der Streit und die Schlägereien los. Wenigstens kommt keiner der beiden an das Gold heran, sonst wäre alles noch viel schlimmer. Aber jeder fragt sich jetzt: Wo wird der Meteor abstürzen? Der eine sagt: Japan, der andere sagt: Patagonien. Die Sternwarte Boston mischt sich ein und sagt: Alles Blödsinn!

Für die Besitzansprüche der Astronomen auf noch nicht abgestürzte Flugkörper erklärt sich das Whastoner Gericht unter dem wackeren Richter John Proth nicht zuständig, ganz einfach deswegen, weil es sich um einen Himmels- und nicht um einen Erdkörper handle. Und wer wisse zu sagen, wem der Grund und Boden der Absturzstelle gehöre? Dessen Nation werde wohl auch Besitzansprüche erheben.

Huddleson und Forsyte sehen sich veranlasst, alle Beziehungen ihrer Familien abzubrechen. An die Hochzeit von Francis und Jenny am 31. Mai ist somit – vorerst? – nicht mehr zu denken: König Chaos regiert. Aber noch lassen die Verlobten die Hoffnung nicht fahren, denn irgendwann MUSS der Meteor doch fallen, oder?

|Der Tag des Absturzes|

Unterdessen ist eine internationale Konferenz einberufen worden, die entscheiden soll, wie mit dem zu erwartenden Goldsegen zu verfahren sei. Da verkündet Boston, der Meteor werden etwa am 19. August bei Uppernarvik in Westgrönland niedergehen. Dänemark, die Kolonialmacht Grönlands, jubelt und entsendet als Bevollmächtigten Erich von Schnack ins Polargebiet.

Innerhalb weniger Wochen finden sich trotz schneidender Kälte rund 3000 Ausländer in dem kleinen Städtchen ein. In Boston steigt auch Seth Stanfort zu, um sich die Zeit zu vertreiben. Er freut sich, Miss Arcadia Walker wiederzutreffen. Alle erleben eine Überraschung: Uppernarvik liegt auf einer Insel und ist ringsum von Meer umgeben, das bis in eine Tiefe von über 1000 Metern reicht. Was, wenn der himmlische Goldklumpen von dieser winzigen Insel ins Wasser fiele? Huddleson, Forsyte und alle Abenteurer, die sich hier eingefunden haben, beginnen nervös und trotz der Kälte zu schwitzen.

Doch sie bleiben nicht lange allein. Nach dem Absturz des Meteors um exakt 6:57:35 Uhr am 4.8. finden sich unvermittelt mehrere Kriegsschiffe aller wichtigen Nationen des Erdballs ein. Da wird Herr von Schack viel protestieren müssen. Doch man stelle sich seine Überraschung vor, als er mit einer Horde von 3000 Neugierigen (darunter den Erstentdeckern) durch Eis, Wind und Schnee zur Absturzstelle eilt – und von einer Hitzewelle gestoppt wird, die die Annäherung an den glühenden Goldklumpen unmöglich macht …

_Mein Eindruck_

„Am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles!“ Mit diesem Goethevers ließe sich die Handlung, die Verne in einem seiner letzten Romane ausgearbeitet hat, im Groben umschreiben. Es ist nicht nur eine Kritik an der verbreiteten Gier nach materialistischer Werten. Verne starb 1905, als sich die Nationalstaaten nicht nur Westeuropas so ziemlich den ganzen Rest der Welt angeeignet hatten. Nur noch neun Jahre bis zum großen Knall, dem Ersten Weltkrieg. Der Roman lässt sich als Warnung auffassen.

Was Verne voraussah, waren der Zank um den Besitz fremder Menschen, Völker oder Länder, der sich im Zuge des Kolonialismus über die ganze Welt ausgebreitet hatte. Überall sah er Zwist statt Einigkeit, sogar auf den internationalen Konferenzen, von denen er eine in seinem Roman stattfinden lässt und die ergebnislos im Sande verläuft, da die Teilnehmer hoffnungslos zerstritten sind.

|Die Parabel|

Er braucht für seine warnende Parabel nur noch zwei Faktoren: ein Ding von ungeheurem Wert und jemanden, der es sich zu beschaffen weiß. Schon geht das schönste Wettrennen los, wie es die Welt anlässlich des Goldrausches in Alaska anno 1890 erlebt hatte. Und was, wenn sich jemand diesen Reichtum mit Hilfe einer genialen Erfindung unter den Nagel reißen könnte? Würde er mit seinem Fang glücklich werden? Kaum ist der Goldmeteor abgestürzt, fällt nämlich der Goldpreis um drei Viertel!

Dies ist der Makrokosmos, doch der Mikrokosmos eines Gemeinwesens wie Whaston kann ebenso in Mitleidenschaft gezogen werden. Der Astronomenstreit spaltet die Stadt ebenso wie die Familien und lässt Francis‘ und Jennys Vermählung zunehmend unwahrscheinlich erscheinen. Auf einmal ist die private Zukunft unmittelbar gefährdet: Es ist eine andere Art von Krieg, die hier stattfindet, die aber dennoch eine klare Folge hat: Zwar nicht den Tod von Menschen (noch ist niemand bei den Schlägereien zu Tode gekommen), aber zumindest das Ausbleiben von Nachwuchs. Und was wird dann aus den Alten?

|Die Figuren|

Sprachlich ist der Text recht einfach gehalten, er weicht auch in Sachen Charakterisierung nicht von Vernes Methode ab, seine Figuren kurz und knapp zu definieren (es fehlen nur noch die Playmate-Maße von Jenny Huddleson und Arcadia Walker). Aber durchweg ist Vernes geradezu sarkastischer Humor zu spüren, wenn er die Figuren einem Wechselbad von Gefühlen aussetzt. Jenny und ihre Schwester weinen „Wasserfälle“, und selbstredend raufen sich die Entdecker die ergrauenden Haare. Es geht sehr emotional zu, besonders als sich die Entdecker dem Objekt ihrer Begierden und Träume selbst gegenübersehen und ob der glühenden Hitze des Meteoriten schier verzweifeln.

|Die Urfassung|

Doch in dieser echten, unbearbeiteten Fassung fehlt von dem dandyhaften Erfinder Zephyrin Xirdal jede Spur. Diese Figur hatte Vernes Sohn Michel auf Wunsch des Verlegers Hetzel hineinmontiert. Doch Xirdal ist kein Wissenschaftler, sondern ein Magier, allerdings ohne irgendwelche Legitimation oder Autorität – einfach lächerlich und ärgerlich. Bei der Gelegenheit des „Überarbeitens“ strich Michel Verne auch viele philosophische und charakterisierende Passagen, die das menschliche Drama zwischen den Familien Huddleson und Forsyth beleuchten. Dadurch verlagerte Verne junior das Schwergewicht von der menschlichen Komödie zu einer letztlich sinnlosen Actionjagd.

|Das Vorwort|

Andreas Eschbach beleuchtet diesen Krimi von Entstehung (1904), Verstümmelung (1908) und Wiederentdeckung (1978) bzw. Wiederveröffentlichung (1986) mit lebendigen Bildern und anschaulichen Sätzen, so dass wir beurteilen können, wie dieser Vorgang zu bewerten ist. Er erklärt auch, warum es für den |Piper|-Verlag nötig war, zwei Seiten mit Anmerkungen anzuhängen. Die Diskrepanzen, die im unfertigen Manuskript des Romans vorhanden waren, werden erst dadurch erklärlich. Damit muss der Leser der Originalfassung zurechtkommen, ob er nun will oder nicht.

Dass Eschbach ein paar sachliche Fehler in seinem Vorwort unterlaufen, verzeihe ich ihm gern, denn hier handelt es sich um Details, über die sich nur Experten streiten. Die drei Details finden sich allesamt auf Seite 7 des Buches.

Es ist richtig, dass Mary Shelley ihren Roman [„Frankenstein oder Der moderne Prometheus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2960 bereits 1816 verfasste, aber veröffentlichen konnte sie ihn erst 1818. Es ist aber unzutreffend, dass „sie es bei diesem Ausflug dahin [in die SF] belassen“ habe. Die Dame veröffentlichte 1826 einen klassischen Post-Holocaust-Roman mit dem Titel „The last man“, der auch ins Deutsche übersetzt wurde (als Taschenbuch bei |Bastei Lübbe|).

Dass der Begriff der Science-Fiction erst „über drei Jahrzehnte“ nach Vernes Tod anno 1905 erfunden worden sein soll, nehme ich Eschbach nicht ab. Standardwerke wie die „Encyclopedia of Science Fiction“ und John Clutes „Science Fiction – Die illustrierte Enzyklopädie” (Heyne) sind sich einig, dass 1926 mit „Amazing Stories” das erste SF-Magazin erschien, und schon 1925 gab es den Begriff „Scientifiction”, ebenfalls erfunden vom Verleger Hugo Gernsbach bzw. Gernsback, einem Luxemburger Einwanderer, der schon 1911 einen ersten SF-Roman veröffentlicht hatte. Ich empfehle Andreas Eschbach wärmstens die Lektüre dieser Standardwerke, zusätzlich auch die von Brian W. Aldiss‘ SF-Historie „The Trillion Year Spree“ (deutsch bei |Bastei Lübbe|).

_Unterm Strich_

Verne fragt ganz einfach: „Was würde die Menschheit tun, wenn sie wie Sterntaler einen Goldsegen empfinge und könnte alle Armut und Elend verbannen?“ Die Antwort fällt pessimistisch aus: Die Gier wird immer siegen und dieses Utopia verhindern, denn die Besitzgier ist stärker als der schönste Altruismus. Die Dänen möchten lieber ihre 1866 an Deutschland verlorene Provinz Schleswig-Holstein zurückkaufen, als ihren Reichtum verschenken – so ihr Plan. Er geht natürlich nicht auf, wie auch kein anderer.

Auch eine warnende Satire wie „Die Jagd nach dem Meteor“ kann Spaß machen, wenn sie richtig erzählt und dargeboten wird. Ob dies nun auch wirklich der Fall ist, wie uns Andreas Eschbach versichert, wage ich zu bezweifeln. Denn die zu erwartende Freude darüber, den Roman vollständig und restauriert vorliegen zu haben, hielt sich mit meiner von Ärgernissen getrübten Leseerfahrung die Waage.

Nicht einmal die vielen, bereits erwähnten Abweichungen in Namensgebung, Daten, Entfernungsabgaben usw. fallen so sehr ins Gewicht – sie werden alle durch die Anmerkungen erklärlich. Es sind vielmehr die behäbig erzählten häuslichen und zwischenmenschlichen Szenen, die engstirnigen Auseinandersetzungen zwischen den grob gezeichneten Astronomen und ihren Familien, die mich zunehmend gelangweilt und genervt haben.

Der Humor in ihnen ist sehr zeitspezifisch (oho, die Bediensteten begehren gegen den allmächtigen Hausherrn auf!), und wenn der Leser kein Gespür für jene versunkene Epoche mitbringt, so bedeuten sie ihm rein gar nichts, vielmehr scheinen sie ihnen nur davon abzuhalten, zu erfahren, was denn als nächstes geschieht. Das halbe Buch ist schon vorbei, als wir erfahren, der Meteor sei aus Gold und Unsummen wert.

Auch an der Absturzstelle droht keineswegs der Weltkrieg auszubrechen, sondern alles geht sehr friedlich und gesittet zu. Ja, sogar die beiden frisch Geschiedenen Miss Walker und Mr. Stanfort finden wieder zueinander. So endet das Buch zwar mit einer Antiklimax auf der Actionseite, aber mit einem dicken Plus auf der Seite menschlichen Miteinanders: Es gibt nicht nur eine, lange geplante Hochzeit, sondern gleich zwei.

Ich habe immer wieder Seiten überschlagen, so etwa die Beschreibungen der Eskimos oder die Kalkulationen über das Gewicht des Himmelskörpers. Ich kann durchaus nachvollziehen, welche Gründe den Verleger bewogen, die Handlung zu entschlacken und zu beschleunigen. Doch die Mittel dafür lagen in den falschen Händen, denn Michel Verne war ein literarischer Stümper. In dieser Einschätzung hat Andreas Eschbach völlig Recht. Aber auch die Originalfassung konnte mich nicht begeistern. Wollte ich wirklich wissen, dass ein literarischer Pionier wie Jules Verne auch nur mit Wasser kochte und etliche Fehler beging, wie die Endnoten belegen? Eigentlich nicht. Beide Fassungen lassen mich unzufrieden zurück.

Dennoch hat das Buch als erste deutsche Veröffentlichung der Originalfassung seine Berechtigung. Aber es scheint mir eher ein Kandidat für Universitätsbibliotheken und Literaturseminare zu sein als für die Unterhaltung von Durchschnittslesern. Die fühlen sich bei Eschbach und Crichton sicher besser aufgehoben.

|Originaltitel: La chasse au météore, 1908 u. 1986
280 Seiten
Aus dem Französischen von Gaby Wurster|
http://www.piper.de

Jules Verne – Von der Erde zum Mond (Hörspiel, 1967)

Die Eroberung des Erdtrabanten war in der Literatur schon seit der Antike – etwa bei Lukian – ein gängiges Motiv. Die meisten Autoren ließen sich irgendwelche fantastischen Tricks einfallen, um von A nach B zu gelangen, was ihre Geschichte denn auch als Fabel auswies. Doch erst Verne strengte sich an, eine technische Lösung für das Problem der Personenbeförderung zum Erdmond zu suchen. Und er fand sie in Gestalt einer 300 Meter langen Superkanone. Sie funktioniert allerdings auch nur in seiner Geschichte …

Der Autor

Jules Verne – Von der Erde zum Mond (Hörspiel, 1967) weiterlesen

Jules Verne / Leonhard Koppelmann – Reise zum Mittelpunkt der Erde (inszenierte Lesung)

Mit Kino-Feeling: Begegnung mit dem Meeresmonster

Professor Otto Lidenbrock, ein kauziger Experte in Sache Steine und Mineralien, findet in einem alten isländischen Buch eine Wegbeschreibung ins Erdinnere. Mit seinem Neffen Axel und dem einheimischen Führer Hans steigt er durch einen isländischen Vulkankrater hinab und entdeckt eine atemberaubende unterirdische Welt voll faszinierender Landschaften und Lebewesen. (ergänzte Verlagsinfo)

Der Autor

Jules Verne / Leonhard Koppelmann – Reise zum Mittelpunkt der Erde (inszenierte Lesung) weiterlesen

Verne, Jules – Von der Erde zum Mond (Hörbuch, 2005)

_Mondschuss zwischen Drama und Technofetischismus_

Die Eroberung des Erdtrabanten war in der Literatur schon seit der Antike – etwa bei Lukian – ein gängiges Motiv. Die meisten Autoren ließen sich irgendwelche fantastischen Tricks einfallen, um von A nach B zu gelangen, was ihre Geschichte denn auch als Fabel auswies. Doch erst Verne strengte sich an, eine technische Lösung für das Problem der Personenbeförderung zum Erdmond zu suchen. Und er fand sie in Gestalt einer 300 Meter langen Superkanone. Sie funktioniert allerdings auch nur in seiner Geschichte …

_Der Autor_

Jules Verne wurde 1828 in Nantes geboren und starb 1905 in Amiens. Bereits während seines Jurastudiums schrieb er nebenher, manchmal mit einem Freund, Theaterstücke und Erzählungen. Sein erster Erfolgsroman „Fünf Wochen im Ballon“ erschien 1863. Seine großen Romane waren in der Folge Bestseller. Heute wird er neben H. G. Wells als einer der Begründer der modernen Science-Fiction-Literatur angesehen.

Mit „Die Eissphinx“ schrieb er eine Fortsetzung von E. A. Poes Horrorerzählung [„The Narrative of Arthur Gordon Pym“.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=781 Sein erster Zukunftsroman „Paris im 20. Jahrhundert“ lag lange Zeit verschollen in einem Tresor und wurde erst vor ca. 20 Jahren veröffentlicht. Die Lektüre lohnt sich, auch wegen der erhellenden Erläuterungen der Herausgeberin.

_Das Hörbuch_

|Der Sprecher: Rufus Beck|

Rufus Beck, geboren 1957, ist Bühnen-, Film- und Fernsehschauspieler und hat als deutsche Stimme der „Harry Potter“-Hörbücher mit seiner vollendeten Sprechkunst die Herzen zahlreicher HP-Fans erobert. Er hat aber auch alle Bücher des Iren Eoin Colfer als Hörbücher aufgenommen, insbesondere die über „Artemis Fowl“.

|Der Komponist und Musiker: Parviz Mir-Ali|

Parviz Mir-Ali, geboren 1967, lebt in Frankfurt/M., wo er als Komponist arbeitet. Er hat unter anderem mit André Heller an „Yume“, mit Matthias Hartmann am Schauspielhaus Bochum und mit Gerhard Mortier an „Deutschland deine Lieder“ (Ruhrtriennale 2002) zusammengearbeitet.

_Handlung_

„Die Eroberung des Mondes“, das ist für den Baltimorer „Gun Club“ keineswegs eine leere Phrase, sondern eine ganz konkrete Zielsetzung. Luna soll amerikanisches Territorium werden und niemandem sonst gehören. Und falls es Mondbewohner, die so genannten „Seleniten“, geben sollte, so werden sie dann eben „zivilisiert“ und eingemeindet. Nur damit klar ist, worum es bei diesem Abenteuer geht.

|Krieg vs. Frieden|

Natürlich interessieren sich die amerikanischen Massenmedien des Jahres 1865 stark für das, was die „verrückten“ Kriegsveteranen des Clubs vorhaben. Das Vorhaben wird zunächst freudig begrüßt. Wir jedoch wissen ein wenig mehr über die Mitglieder des Klubs. James T. Maston, des Schriftführer des Klubs, ist wirklich kriegsbegeistert und sieht in jedem Affront einen „casus belli“. Dies steht in ironischem Gegensatz zu dem Haken, den er statt einer Hand hat, und zu der Tatsache, dass seine Schädeldecke zum Großteil aus Guttapercha (eine Art Kautschuk, also Gummi) besteht.

Die Mitglieder des Klubs sind allesamt von der Teilnahme am blutigen Sezessionskrieg mehr oder weniger leicht lädiert. Einzige Ausnahme scheint M. P. Barbicane zu sein, seines Zeichens der Präsident des Klubs, der Herr über mehr als 5000 Mitglieder. Der Mann hat einen Plan.

Ach, wie den Veteranen der Krieg fehlt! Will man sich als Waffennarr nicht in diverse europäische Kriege stürzen (1866: Preußen vs. Österreich-Ungarn), so bleibt dem Gun Club nur eines, verkündet M. P. Barbicane: Man brauche stattdessen eine große Forschungstat. Er schlägt die erwähnte Eroberung des Mondes vor, der quasi zum 37. Staat der Union gemacht werden soll. (Alaska wurde erst 1867 gekauft.) Tausende von Mitgliedern schreien „Hurra!“

Barbicane lässt sogleich Astronomen der Sternwarte Cambridge sowie amerikanische Ingenieure die technischen und geografischen Details klären. Mittendrin erklärt uns der Autor bzw. mehrere seiner Sprachrohre, wie die diversen Monde des Sonnensystems heißen und was die Astronomie aus historischer Sicht zu Luna zu sagen hatte. Von Poesie und Mystik keine Spur: Der Mond ist eine „nackerte Kugel“, wie der Bayer sagt. Ja, es gibt sogar die Theorie, dass der Mond ein Ei sei, auf dessen Spitze wir blicken, wohingegen sich seine Hauptmasse unserem Blick entziehe.

Sobald feststeht, dass eine 270 m lange Kanone eine 10 Tonnen schwere Aluminiumkugel zum Mond mit einer Geschwindigkeit von 11.000 m/s ins All schießen müsste, um Erfolg zu haben, werden auch die wirtschaftlichen Dimensionen deutlich. Die ganze Welt wird von Barbicane & Co. um Spenden gebeten, um das gigantische Unternehmen zu finanzieren. Seltsamerweise zahlen die Briten keinen roten Heller: Sie wollen sich nicht einmischen.

|Nicholl vs. Barbicane|

Das lässt sich ganz gut an, bis Barbicane schließlich von unerwarteter Seite einen Schuss vor den Bug erhält. Ein gewisser Captain Nicholl aus den USA wettet, dass die einzelnen Phasen des irren Vorhabens nicht gelingen werden. Nicholl ist Plattenschmied, wohingegen Barbicane ein Geschützgießer ist. Aus dem ewigen Wettlauf zwischen Geschoss und Panzerung hat sich eine persönliche Feindschaft entwickelt – bis sich nach dem Kriegsende Barbicane weigerte, eine von Nicholl geschmiedete Platte zu testen. Nicholl nannte ihn daraufhin einen Feigling. Nun fordert er ihn erneut heraus. Am 18.10. nimmt Barbicane diese Wette an: Es werde weder gelingen, das nötige Geld zusammenzukratzen noch den Schuss zu realisieren, geschweige denn ein Projektil weiter als 15 km zu schießen. Nicholl setzt nicht unbeträchtliche Summen. Er wird alles verlieren …

|Texas vs. Florida|

Doch wo soll der Abschuss erfolgen, wo ist die Riesenkanonen, die „Kolumbiade“, zu errichten? Fest steht, dass nur die südlichsten Bundesstaaten in Frage kommen. Bei der Auswahl bleiben Texas und Florida übrig. Diese Frage spaltet rasch die Nation, und die Gazetten in New York führen einen Kleinkrieg für und wider Texas vs. Florida. In Baltimore, der Heimat des Gun Clubs, müssen Texaner und Floridianer in Schutzhaft genommen werden.

Als sich Präsident Barbicane in seiner Weisheit für Florida entscheidet, müssen die wilden Texaner sogar in einen Zug verfachtet und nach Hause expediert werden. Sie hätten sonst wohl Baltimore in Brand gesteckt. Unweit der Stadt Tampa Town, auf dem Stones Hill, errichtet der Gun Club eine Arbeiterstadt namens Moon City, die von der Armee gegen allfällige Angriffe der Seminolen-Indianer geschützt werden muss. Die riesige Kanone namens „Kolumbiade“ wird nach langen Vorbereitungen in einem unteridischen Schacht gegossen, der 270 m tief und 18 m breit ist. Chefingenieur Murcheson rechnet mit acht Monaten bis zur Fertigstellung. Am 10.6. des folgenden Jahres meldet er Vollzug. Nicholl muss blechen.

|Barbicane vs. Ardan|

Nach dem langwierigen Abkühlen der Gussform der Riesenkanone trifft Barbicane ein erneuter Schicksalsschlag. Ein schlichtes, öffentliches Telegramm setzt ihn von der im Oktober zu erwartenden Ankunft eines Franzosen in Kenntnis, der in dem Projektil zum Mond fliegen will. Versucht der Franzmann, ihm den Ruhm streitig zu machen?

Michel Ardan besteht auf einer granatenförmigen Form des Geschosses (möglichst mit Verzierungen), obwohl ein Tierexperiment mit einer Kugelform, das James T. Maston mit einem seiner geliebten Mörser veranstaltete, erfolgreich verlaufen ist. Maston verwirrte lediglich, dass das Eichhörnchen verschwunden war, während der Kater überlebte …

Ardan bereitet es auch kein Kopfzerbrechen, dass Luna keine Atmosphäre besitzt und sein Luftgehalt gegen null tendiert. Ihm geht es um die Ehre. Seine Antworten gegenüber dem kritischen Nicholl sind von ausgesuchter Höflichkeit und zeichnen sich durch Sachkenntnis aus.

|Nicholl vs. Barbicane, die zweite|

Darum geht es auch Captain Nicholl und Club-Präsident Barbicane: Die ehrenwerten Gentlemen duellieren sich in einem dichten Gehölz vor den Toren Tampas. Bevor sie jedoch durch Unheil den Erfolg des Unternehmens gefährden können, versöhnt Michel Ardan, den Maston geholt hat, die beiden Kontrahenten. Damit auch sichergestellt ist, dass keiner schummelt, sollen beide mit zum Mond fliegen. Nicholl hat beim Verlust seiner Wetten schon mehrere tausend Dollar verloren und will wenigstens nicht das Ticket zahlen müssen.

Am Abend des Abschusses, dem 1. Dezember, hat sich eine riesige Menschenmenge um die „Kolumbiade“ versammelt, praktisch alle Einwohner der 5-Millionenstadt Moon City. Reden werden geschwungen, als ginge es darum, ein Schiff wie die „Titanic“ zu Wasser zu lassen.

Der Abschuss selbst gleicht dem gewaltigen Ausbruch eines Vulkans, das Erdbeben ist noch bis nach Westafrika zu spüren. Tausende von Menschen wurden am Abschussgelände getötet oder verletzt, viele sind erblindet oder ertaubt oder beides. Tagelang ist die Atmosphäre über Tampa bedeckt von Wolken, die sich nach der Explosion von Milliarden Liter Gas unter dem Projektil entwickelt haben. Bang warten die Observateure selbst im fernen Colorado, ob sie die Kapsel in den Lufträumen erspähen können – oder ob sie in tausend Stücke zersprengt wurde. Wird Captain Nicholl eine weitere Wette verlieren?

_Mein Eindruck_

Es waren Erzählungen wie diese, die Jules Verne, diesem Pionier der Zukunftsliteratur, den undankbaren Ruf eintrugen, allzu sehr auf die technische Machbarkeit von Visionen zu vertrauen, ohne zu hinterfragen, ob das Vorhaben denn auch so sinnvoll sei. Dieser Ruf hängt ihm heute noch an, man hat ihn so zum Gegenspieler des skeptischen H. G. Wells stilisieren können. Dass diese pauschale Verurteilung ungerechtfertigt ist, haben jüngere Untersuchungen nachgewiesen.

Dennoch stilisiert nicht nur das Hörspiel von 1967, sondern auch Rufus Becks Hörbuch von 2005 Vernes Vision des Mondschusses zu einer technischen Meisterleistung empor. (Die zahlreichen Fehler, die dabei unterliefen, werden erst in der Fortsetzung „Reise um den Mond“ deutlich.) Das damit verbundene Wirtschaftsunternehmen bei Tampa ist ja auch nicht von schlechten Eltern und verdeutlicht die globale Bedeutung des Unternehmens.

Allerdings habe ich mich gefragt, wie zurechnungsfähig diese Leutchen vom Baltimorer Gun Club denn sein können. Sie duellieren sich, wetten gegeneinander und würden nicht davor zurückschrecken, sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen, genau wie im Bürgerkrieg. Vermutlich gehörte dies zum ganz normalen Machismo und Nationalismus des 19. Jahrhunderts.

2005, zum 100. Todesjahr des Autors, kann man diese Erzählungen nicht ohne Weiteres unbedarften Jungs vorsetzen, die das noch vor 40 Jahren sicher total aufregend fanden. Auch ein Großliterat wie Arno Schmidt war damals begeistert: „Mehr als hundert Jahre vor dem ersten [bemannten] Mondflug [von 1969] hat Jules Verne seine Helden zum Mond geschossen, ganz aktuell raketisch.“ Ob „raketisch“ ein reguläres Wort ist, sei mal dahingestellt. Und es ist natürlich zutreffend, dass nur zwei Jahre später die Amis drei Leutchen auf die Mondoberfläche schafften (oder war’s ein Betrug, wie manche behaupten?).

|Boys just wann have fun!|

Dass die großen Jungs, die sich „Ingenieur“ nennen, auch mal Spaß haben wollen, versteht sich von selbst. Das bekommen zwei Tierchen bei einem wichtigen Experiment zu spüren. Leider haben die Jungs (Frauen kommen überhaupt nicht vor) nicht bedacht, dass sich eine Katze und ein Eichhörnchen, die man auf engstem Raum in einer Kanonenkugel einsperrt, nicht unbedingt bestens vertragen. Als Taucher das Geschoss wieder bergen, finden sie vom Eichhörnchen keine Spur mehr vor. Die Katze hingegen erfreut sich bester Gesundheit – kein Wunder! Dem Eichhörnchen errichtet man ein Denkmal als einem „Märtyrer der Wissenschaft“.

Dass auch die wilden, wilden Seminolen auftreten, als Barbicane den Abschussort in Florida auswählt, dürfte besonders Karl-May-Fans ansprechen. Man wünscht sich direkt den Frieden stiftenden Auftritt von Winnetous Blutsbruder Old Shatterhand.

_Das Hörbuch_

Eines der auffälligsten Merkmale der vorliegenden Hörbuchfassung, die ja ebenfalls gekürzt ist, besteht in den schier endlosen Debatten über die Bedingungen der technischen Realisierung des Mondschusses. Dabei lässt der Franzose Jules Verne, Angehöriger der Grande Nation, keine Gelegenheit aus, seinen französischen Lesern klarzumachen, wie energisch diese amerikanischen Ingenieure selbst die verrücktesten Ideen in Angriff nehmen, wenn man sie nur lässt. Eine Szene wie die im Sitzungssaal des Baltimorer Gun Club ist zugleich bizarr und ironisch: Der ganze Saal ist mit Waffen und Kanonenutensilien ausgeschmückt, ja, besteht eigentlich daraus. Außen ist innen, innen ist außen.

Geradezu wie ein Paradiesvogel kommt diesen nüchternen Ingenieuren und Waffennarren der Franzose Michel Ardant vor. Dieser Freigeist lässt seine Gedanken in Dimensionen schweifen, von denen sich die Kleingeister der USA noch keine Vorstellung gemacht haben. Er blickt nicht nur bis an die Grenzen der „Sonnenwelt“ (= Sonnensystem), sondern bis in die weitesten Galaxien.

Und Ardan ist unglaublich schlau. Er markiert zwar den Unwissenden, sticht aber den kritischen Frager Nicholl erstens durch Sachkenntnis und zweitens durch eine Gewandtheit des Geistes aus, als er die Frage, ob der Mond bewohnt sei, umgeht und daraus die Frage macht, ob der Mond bewohnBAR sei. Sorge bereitet lediglich seine Einstellung des Sehen-wir-mal und Sich-durchwurstelns, die den planenden Ingenieuren überhaupt nicht behagt. Dennoch wird er Barbicanes Freund.

|Der Sprecher|

Rufus Beck ist ja am bekanntesten dafür, über mindestens 125 Stimmen zu verfügen. (Wahrscheinlich eine Untertreibung.) Anders als in seinen Lesungen von Harry-Potter- und Artemis-Fowl-Büchern hält er sich bei Jules Verne etwas zurück. Das heißt aber natürlich nicht, dass alle Sprecher nicht mehr voneinander zu unterscheiden wären – im Gegenteil. Der pingelige Nicholl ist ebenso gut herauszuhören wie der beflissene Maston und der würdevolle Barbicane. Alle jedoch beherrscht die Stimme Michel Ardans. Er „schbrischd“ stets mit französischem Akzent, und zwar nicht nur in der Aussprache der Wörter, sondern auch im Tonfall. Da kann die Stimme schon mal ziemlich in die Höhe schnellen. Es ist ein Vergnügen, ihm zuzuhören. Wenn man kein Ingenieur ist.

|Die Musik|

Ich weiß ja nicht, auf welchem vielseitigen Instrument der Komponist Parviz Mir-Ali seine Musik produziert hat, aber sie passt genau in die damalige Zeit. Wir hören verschiedene Kombinationen aus Bläsern (viel Tuba), Marschtrommeln und Flöten. Laut Booklet handelt es sich dabei um Kompositionen des bekannten amerikanischen Musikers John Philip Sousa, der auch von einigen Autoren der Science-Fiction-Szene geschätzt wird.

Was hier aber so martialisch klingt, das tönt doch mitunter eher verspielt, so als befände sich der Hörer auf einem Jahrmarkt statt bei einem Truppendefilee. Aber in Amerika ist der Übergang fließend, wie man in vielen Hollywoodfilmen sehen kann. Diese Musik ist stets in den Pausen, aber auch als Auftakt und Ausklang zu hören. Überraschend war jedoch das Intermezzo mit einem Glockenspiel, das am Ende der ersten CD erklingt: recht besinnlich. Nach dem Abschuss am 1.12. übernimmt die Musik erstmals die Funktion der akustischen Untermalung, denn so etwas wie Sounds gibt es auf dem Hörbuch nicht.

_Unterm Strich_

Die bekannte Geschichte ist im Hörbuch von Rufus Beck recht ausführlich, wenn auch nicht ungekürzt erzählt. Das ist aber gut so, weil nämlich die ausführlichen Debatten über die technische Umsetzung des Mondschusses manchem Hörer etwas zu lang erscheinen können – besonders dann, wenn man selbst über nur geringe Kenntnisse über die erforderlichen technischen Voraussetzungen mitbringt. Dann klingt das ziemlich belanglos. Das war es aber für das technikbegeisterte 19. Jahrhundert keineswegs.

Fortschritt |war| Technik, auch wenn dabei die sozialen Errungenschaften keineswegs mithielten. Allenthalben tauchen deshalb bei Verne Geräte wie Telegraf, Eisenbahn, Teleskop und Fernrohr auf. Er breitet die Geschichte wichtiger Disziplinen wie Astronomie, Mondkartografie, Tiefenbohrungen, Kanonenballistik und vieles mehr detailliert aus. Das alles muss der Hörer ertragen. Becks Vortrag macht es erträglich.

Neben all der Begeisterung für die technische Meisterleistung und den ironisch dargestellten menschlichen Aspekten kommt auch die Komik nicht zu kurz: „Märtyrer der Wissenschaft“ – Eichhörnchen, du wirst verewigt! Diese und weitere Aspekte machen das Hörbuch zu einem netten Audio-Erlebnis, das man sich immer wieder gerne anhört, um neue Details zu entdecken. Spätestens 2067, zum 200. Geburtstag dieses Buches.

|Umfang: 282 Minuten auf 4 CDs|

Jules Verne – Die Kinder des Kapitäns Grant

Ein nur teilweise erhaltener Hilferuf führt eine Gruppe wagemutiger Retter auf eine Expedition, die stur dem 37. Breitengrad südlicher Breite folgt und in ein ganz großes Abenteuer gerät … – Dieser Klassiker der Reise- und Abenteuerliteratur gehört zu Jules Vernes Glanzleistungen; die Handlung ist spannend, die Figuren sind einprägsam, und das Tempo zieht trotz der eindrucksvollen Seitenzahl stetig an: Dieses Buch wird noch viele weitere Lesergenerationen fesseln!
Jules Verne – Die Kinder des Kapitäns Grant weiterlesen

Jules Verne – 20.000 Meilen unter dem Meer (Teil 2 von 2, Gruselkabinett 119)

Action und Grusel unter und über den Wellen

(Teil 2) Die Fahrt in Kapitän Nemos Unterseeboot „Nautilus“ begeistert nicht alle Schiffbrüchigen gleichermaßen. Während Prof. Aronnax und sein Diener Conseil durchaus Gefallen an den Wundern des Meeres finden, die sie unterwegs zu sehen bekommen, wartet Ned Land düster brütend nur auf den richtigen Moment, die „Nautilus“ und ihren mysteriösen Kapitän zu verlassen… (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt sein Hörspiel ab 14 Jahren.

Der Autor

Jules Verne – 20.000 Meilen unter dem Meer (Teil 2 von 2, Gruselkabinett 119) weiterlesen

Jules Verne – 20.000 Meilen unter dem Meer (Teil 1 von 2, Gruselkabinett 118)

Männer-Action: Die Jagd auf das Seeungeheuer

Nachdem 1866-67 monatelang Berichte über ein angeblich gesichtetes Seeungeheuer, das auch für Schiffsuntergänge verantwortlich sein soll, die Spalten der Gazetten gefüllt haben, wird der französische Meeresbiologe Prof. Pierre Aronnax von der amerikanischen Regierung gebeten, an einer Expeditionsreise auf dem Schiff „Abraham Lincoln“ teilzunehmen. Sein ihm äußerst ergebener junger Diener Conseil begleitet den Professor auf dieser Reise ins Ungewisse…

Der Verlag empfiehlt sein Hörspiel ab 14 Jahren.

Der Autor

Jules Verne – 20.000 Meilen unter dem Meer (Teil 1 von 2, Gruselkabinett 118) weiterlesen

Jules Verne – Entführung auf hoher See (Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg 1)

Die Handlung:

Eine Weltreise in 80 Tagen hat dem Abenteurer Phileas Fogg Ruhm und Anerkennung eingebracht. Doch zum Ausruhen bleibt ihm keine Zeit: Als der bekannte Meeresforscher Professor Aronnax auf hoher See vermisst wird, macht sich Fogg auf die Suche. Gemeinsam mit seiner Frau Aouda und seinem treuen Freund und Diener Passepartout besteigt er die ‚Abraham Lincoln‘ – just jenes Schiff, von dem der Professor verschwand. Doch während sich an Bord die Anzeichen für ein Verbrechen verdichten, taucht plötzlich ein ehrfurchtgebietender Gegner auf: das Unterseeboot Nautilus und sein enigmatischer Kapitän Nemo. Sind sie der Schlüssel zum Verschwinden des Professors? Und welche dunklen Geheimnisse bringen sie aus der Tiefe der Meere ans Licht? (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Jules Verne – Entführung auf hoher See (Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg 1) weiterlesen

Jules Verne – Die große Jules-Verne-Box (Rufus Beck)

Die Handlung:

Der Schauspieler Rufus Beck gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Hörbuchsprechern Deutschlands. In dieser Hörbuch-Box liest er die berühmten Jugend-Klassiker von Jules Verne, „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“, „Robur der Sieger“ und „In 80 Tagen um die Welt“. Kein anderer Autor versteht es, Wissenschaft und Abenteuer auf so spannende Weise zu kombinieren. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Diese drei Lesungen zusammen als „große Jules-Verne-Box“ zu bezeichnen, halte ich für ein wenig überzogen … außer sie misst 2m x 2m … was sie gottlob nicht tut. Hat der Autor doch über 100 Geschichten geschrieben und hier werden davon gerade mal drei erzählt, wovon zwei der breiten Masse bekannt sein dürften und die Abenteuer des Erfinders Robur eher nur den Verne-Fans geläufig sind. Wobei mir da gleich ein weiterer Kritikpunkt einfällt … Wieso hat der Verlag bei dieser „großen Jules-Verne-Box“ denn das zweite Robur-Abenteuer, „Der Herr der Welt“, nicht auch vertont? Aber, fürs Erste genug gemeckert, denn ich finds eigentlich prima, dass hier nicht nur die immer gleichen „Standards“ vertreten sind, sondern auch eine Story, die eben nicht jeder kennt.

Jules Verne – Die große Jules-Verne-Box (Rufus Beck) weiterlesen

Jules Verne – Reise zum Mittelpunkt der Erde

Die Handlung:

Der herrische und jähzornige Professor Lidenbrock aus Hamburg findet in einem alten isländischen Buch ein geheimnisvolles Papier. Zusammen mit seinem Neffen Axel macht er sich an dessen Entzifferung. Nachdem Axel auf die Lösung gekommen ist, kann der Text, der aus alten Runen besteht, entschlüsselt werden. Es stellt sich heraus, dass der Zettel eine Notiz des vor einigen hundert Jahren verstorbenen Forschers Arne Saknussemm ist. Er beschreibt, wie man durch einen Krater in Island zum Mittelpunkt der Erde kommt. Der mögliche Einstieg wird Ende Juni durch einen Schatten, ähnlich einer Sonnenuhr, angezeigt.

Lidenbrock zeigt sich sofort begeistert und zwangsverpflichtet seinen Neffen, mit ihm dieselbe Reise zu unternehmen. Die beiden brechen schnell auf, da die Zeit drängt. In Reykjavik engagiert Lidenbrock den phlegmatischen Hans, der als Führer dienen soll.

Die drei steigen hinab ins Erdinnere, verlaufen sich, verdursten fast, finden ein riesiges Meer und gelangen am Ende durch einen zuvor verschlossenen Gang mit einem Floß wieder zur Erdoberfläche zurück. Hier stellen sie fest, dass ihre Reise sie auf die Insel Stromboli im Mittelmeer geführt hat. Der Ausbruch des Vulkans der Insel brachte das Floß wieder an die Oberfläche.

Mein Eindruck:

Diese Ausgabe von „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ kann auf zwei Arten gelesen werden:

1. Auf die herkömmliche Art und unter Ignorierung der 305 Anmerkungssternchen.

2. Unter Einbeziehung der 305 Anmerkungssternchen, die auf 24 Seiten im Anhang und in kleiner Schrift so ziemlich jedes ungewöhnliche Wort in dem Roman erklären. Das ist in etwa das gleiche Erlebnis, als würde man eine Film-DVD mit Audio-Kommentar gucken, nur mit ständigem Blättern.

Erzähler des Buches ist Axel, der Neffe der treibenden Kraft des Romans – Professor Lidenbrock-, der die oftmals sehr unsympathisch rohe Art seines Onkels gut zu nehmen weiß und sie offenbar schon gewohnt ist. Eigentlich will Axel auch nicht wirklich mit auf die Reise, sondern lieber bei seiner Verlobten Graüben bleiben, deshalb sträubt er sich zuerst noch, seinem Onkel den entscheidenden Tipp zur Übersetzung des Zettels zu geben.

Interessant ist, dass die Notiz zu keiner Zeit vom Professor infrage gestellt wird, und wenn Saknussemm schreibt, dass er selber schon den Mittelpunkt der Erde besucht hat, dann wird das wohl so sein.

Auch der gescheiterte Versuch, sich auf dem Weg zum besagten Vulkan mit Literatur vom isländischen Forscher zu versorgen, lässt die beiden Reisenden nicht zweifeln. Saknussemm war nämlich als Ketzer verfolgt und seine Bücher von seinem Henker 1573 verbrannt worden.

Danach folgt ein Bombardement von Anmerkungssternchen auf jeder Seite, neben Begriffen, die die verschiedenen Erdzeitalter beschreiben, während die Gruppe immer weiter hinab steigt. Oftmals ist deshalb nicht klar, ob Verne hier eine Geschichte erzählen oder einfach nur den Stand der Wissenschaft wiedergeben wollte.

Der Plagiatsvorwurf:

Interessanterweise wurde Verne von René de Pont-Jest wegen gerade dieser Geschichte verklagt. Zwölf Jahre nach dem Erscheinen des Buches warf dieser ihm vor, aus seinem Buch „La Tête de Mimer“ abgeschrieben zu haben. Als Beweis führte er diese vier Punkte an:

1. Auch sein Held ist Deutscher.
2. Auch sein Held findet eine Wegbeschreibung in einem Buch.
3. Auch diese Wegbeschreibung ist in Runen geschrieben.
4. Auch sein Held findet den entscheidenden Hinweis durch einen Schatten.

Verne räumte bei Punkt 4 eine Vergleichbarkeit ein, wies aber die Plagiatsvorwürfe zurück. Das Gericht wies die Klage ab. Es hält sich das Gerücht, dass Pont-Jest nur geklagt hatte, weil Verne ihm keine Eintrittskarten für eine Aufführung von „In 80 Tagen um die Welt“ hatte zukommen lassen.

Wenn überhaupt, dann hat Verne bei sich selber abgeschrieben, denn die Story ähnelt seinem eigenen Roman „Fünf Wochen im Ballon“, der kurz vorher erschienen war, sehr.

Fazit:

In diesem kurzweiligen Abenteuer wird es nie langweilig, und auch der Professor zeigt sich auf der Reise öfter mal von seiner fürsorglich menschlichen Seite. Hans hat ständig die Ruhe weg und bleibt in jeder Situation gelassen. Zusammen mit dem teilweise aufgedrehten, teilweise vor Erschöpfung schlafenden Axel sorgen diese drei unterschiedlichen Charaktere für Belebung und bereiten dem Leser eine Menge Spaß – ob dieser nun den Anmerkungssternchen folgt oder sie ignoriert.

Taschenbuch: 432 Seiten
Original: „Voyage au centre de la Terre“ (Paris 1864)
Aus dem Französischen von Volker Dehs
Mit sämtlichen Illustrationen der französischen Originalausgabe, Anmerkungen, Nachwort, Zeittafel und Briefen zum Plagiatsvorwurf
ISBN-13: 978-3423138826
www.dtv.de

Dieses Buch gehört zur Reihe „Klassiker der Abenteuerliteratur“ von dtv:

Daniel Defoe: „Robinson Crusoe“
Jules Verne: „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ (Juni 2010)
Mark Twain: „Tom Sawyers Abenteuer“ (Juli 2010)
Robert L. Stevenson: „Die Schatzinsel“ (August 2010)
Karl May: „Der Schatz im Silbersee“ (September 2010)
Jack London: „Lockruf des Goldes“ (Oktober 2010)

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (3 Stimmen, Durchschnitt: 3,33 von 5)

Jules Verne – Die geheimnisvolle Insel

Fünf Männer stranden auf einer einsamen Pazifikinsel. Sie kämpfen gegen die Elemente und hungrige Tiere. Später machen ihnen Piraten zu schaffen, und zu allem Überfluss ist die Insel Sitz einer geheimnisvollen Macht mit überirdischen Kräften … – Abenteuer, Triumphe des menschlichen Geistes & Mysterien: Dies ist ein Jules Verne in Hochform, der seine (dem heutigen Leser vermutlich zu ausschweifende) Geschichte über die gesamte Distanz fesselnd und mit immer neuen Überraschungen erzählt. Der zeitlose, oft verfilmte Klassiker ist endlich wieder greifbar, auch wenn es sich nur um eine „überarbeitete“ Uralt-Übersetzung handelt.
Jules Verne – Die geheimnisvolle Insel weiterlesen

Volker Dehs – Jules Verne. Biographie

Zum 100. Todesjahr erschien diese Biografie des Schriftstellers Jules Verne (1828-1905) Volker Dehs stellt Verne nie als isoliertes Individuum, sondern als Bürger Frankreichs dar, das während des 19. Jahrhunderts gewaltigen Veränderungen und Entwicklungen unterworfen war. Nur vor diesem Hintergrund lässt sich Vernes Leben und Werk wirklich deuten. Das geschieht in diesem Buch überzeugend; es darf daher mit Fug und Recht als Standardwerk bezeichnet werden (das sich manchmal ein wenig anstrengend liest, weil der Verfasser auf kein biografisches Detail verzichten mag). Mehr als 35 s/w-Abbildungen und umfangreiche Anhänge runden das Werk ab.
Volker Dehs – Jules Verne. Biographie weiterlesen

Jules Verne – Reise zum Mittelpunkt der Erde

Das Manuskript eines kühnen Forschers weist dem Hamburger Geologen Otto Lidenbrock, seinem Neffen Axel und dem Isländer Hans den Weg zum Mittelpunkt der Erde. Er beginnt im Krater eines erloschenen Vulkans auf Island und führt steil hinab in eine bizarre, keineswegs tote, sondern von durchaus gefährlichen Kreaturen bewohnte Unterwelt, die unseren Reisenden stets neue, aufregende Abenteuer beschert – Nostalgischer Klassiker der Phantastik von einem der Urväter des Genres; nach mehr als einem Jahrhundert frisch und faszinierend: Lesefutter für alle Fans verlorener Welten.
Jules Verne – Reise zum Mittelpunkt der Erde weiterlesen