Schlagwort-Archive: Ken Follett

[NEWS] Ken Follett – Der Morgen einer neuen Zeit (Kingsbridge 4)


England im Jahr 997. Im Morgengrauen wartet der junge Bootsbauer Edgar auf seine Geliebte. Deshalb ist er der Erste, der die Gefahr am Horizont entdeckt: Drachenboote. Jeder weiß: Die Wikinger bringen Tod und Verderben über Land und Leute.

Edgar versucht alles, um die Bürger von Combe zu warnen. Doch er kommt zu spät. Die Stadt wird beinahe völlig zerstört. Viele Menschen sterben, auch Edgars Familie bleibt nicht verschont. Die Werft der Bootsbauer brennt nieder. Edgar bleibt nur ein Ausweg: ein verlassener Bauernhof in einem Weiler fern der Küste.

Während Edgar ums Überleben kämpft, streiten andere um Reichtum und Macht in England. Unter ihnen: der gleichermaßen ehrgeizige wie skrupellose Bischof Wynstan, der idealistische Mönch Alfred und Ragna, die Tochter eines normannischen Grafen …
(Verlagsinfo)


Gebundene Ausgabe: 1024 Seiten
Bastei Lübbe

Ken Follett – Die Nadel

Anno 1944: Ein deutscher Spion in der Liebesfalle

April 1944. Vor der schottischen Küste wartet ein deutsches U-Boot auf einen Spion. Man nennt ihn „Die Nadel“. Er hat bereits vier Mal getötet. Zwischen ihm und seinem Erfolg steht nur noch Lucy Rose, eine junge Engländerin. Doch wie soll eine einsame Frau, hin- und hergerissen zwischen Pflicht und lange verdrängter Leidenschaft, einem Mann widerstehen, der zu allem bereit ist, um sein Ziel zu erreichen? (korrigierte Verlagsinfo)
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[NEWS] Ken Follett – Auf den Schwingen des Adlers

Teheran, 1978: Streiks und antiamerikanische Ausschreitungen künden den bevorstehenden Zusammenbruch des Schah-Regimes an. Ohne Angabe von Gründen werden zwei Spitzenmanager eines texanischen Computerkonzerns verhaftet. Alle Bemühungen, sie auf diplomatischem Wege wieder freizubekommen, scheitern. Kurzerhand entschließt sich der Konzernchef zu einem ungewöhnlichen Schritt: Er heuert auf eigene Faust ein Rettungskommando an. Auftrag der „Adler“: die beiden Gefangenen zu befreien. Um jeden Preis …
(Verlagsinfo)


Taschenbuch: 584 Seiten
Bastei Lübbe

Follett, Ken – Nacht über den Wassern (Lesung)

Im September 1939 startet das luxuriös ausgestattete Flugboot der |Pan American Airline| zu einem letzten Flug über den Atlantik. Doch nur einer der Reisenden weiß um die tödliche Gefahr, die auf sie lauert, wenn es Nacht wird über den Wassern…

_Der Autor_

Ken Follett, geboren im walisischen Cardiff, wurde durch die Verfilmung seines Spionagethrillers „Die Nadel“ mit Donald Sutherland bekannt. Den internationalen Durchbruch erzielte er laut Verlag mit dem historischen Roman „Die Säulen der Erde“ (1990). Auch sein Roman „Der dritte Zwilling“ wurde verfilmt. Sein neuester Roman ist 2003 bei uns erschienen: „Mitternachtsfalken“ spielt mal wieder im 2. Weltkrieg.

_Der Sprecher_

Udo Schenk wurde 1954 geboren und lebt zurzeit in Berlin. Er hat bereits zahlreiche Film- und Fernsehrollen gespielt und ist ein gefragter Synchronsprecher: Schenk ist die deutsche Stimme von Kevin Spacey („American Beauty“), Kevin Bacon („Echoes“) oder auch Ralph Fiennes in „Der englische Patient“.

_Handlung_

Am Tag nach Beginn des Zweiten Weltkriegs, also am 2.9.39, schwimmt in der Bucht des südenglischen Hafens Southampton das größte Flugboot der Welt. Der „Wal“ ist ein luxuriös ausgesttatter Clipper der |PanAm|-Fluglinie, der immerhin 41 Tonnen wiegt, aber nur 29 Stunden für die Atlantiküberquerung braucht – schneller als jedes Schiff. Dafür sind die Ticketpreise aber auch gesalzen: 675 Dollar bis New York City hin und zurück, also mehrere Monatslöhne. Es sei denn, man ist privilegiert.

Für den nächsten Flug steigen mehrere, sehr unterschiedliche Passagiere an Bord, die der Auor liebevoll in allen Einzelheiten und jeden mit einer individuellen Story vorstellt. Ihr Aufeinandertreffen macht den Flug zu einer ereignisreichen Angelegenheit.

Da ist einmal Tom Luther, ein amerikanischer Wollfabrikant und Antikommunist, der von einem ungenannten, sehr mächtigen Mann den Auftrag erhalten hat, einen der Passagiere zu töten. Eddie Deacon, der Wartungstechniker, wird dazu erpresst, bestimmte Passagiere an Bord zu lassen. Als werdender Vater hat er schlechte Karten: Die Erpresser haben seine Frau als Geisel genommen.

Die junge, anfangs naive Lady Margaret Oxenforde hat feministische und sozialistische Ideen, darf aber in ihrem adeligen Elternhaus mit ihren 19 Jahren nicht aufmucken. Ihr Vater, Lord Oxenforde, hegt unverständlicherweise Sympathien für die Nazis – nichts Ungewöhnliches im britischen Adel. Dennoch wird der Lord praktisch des Landes verwiesen.

Maggie hat bei einem nächtlichen Abenteuer in London Harry Marks auf der Polizeistation kennengelernt. Doch Harry ist ein Dieb und Hochstapler und könnte sich als höchst riskante Bekanntschaft herausstellen. Oder als ihr Lebensretter. Harry muss den Clipper erwischen, um einer Haftstrafe zu entgehen.

Mark Elder ist Amerikaner und hat Diane Lovesey kennengelernt, eine verheiratete Britin, die ihren Mann Mervyn verlassen hat. Mervyn fliegt ihr nach Irland nach, wo der Clipper eine Zwischenlandung einlegen soll. Dort wird er von der sitzengelassenen Amerikanerin Nancy Lannahn bekniet, sie mitzunehmen. Es wird ein spannender Flug in seinem Flieger.

Zu guter Letzt befinden sich ein paar Randfiguren an Bord: zwei Flüchtlinge aus Nazi-Deutschland sowie Ollis Field, der wohl für das FBI arbeitet: Er bringt Frankie Giardino, einen Mafiakiller, in die Staaten, wo der Verbrecher verurteilt werden soll. Doch dessen Kumpane haben einen Notfallplan in Gang gesetzt, um dafür zu sorgen, dass Giardino rechtzeitig abgefangen wird. In diesem Plan spielt Eddie Deacon eine tragende Rolle…

_Mein Eindruck_

Alles in allem ergibt diese umfangreiche Passagierliste genügend sozialen Sprengstoff, um für fünf Kriegsabenteuer zu reichen. Follett packt alles in ein einziges Buch. Daher ist für Drama, Action und romantische Abenteuer bis zum letzten Augenblick gesorgt.

Allerdings braucht dieser literarische Vogel ebenso lange zum Abheben wie sein fliegendes Gegenstück in der Handlung. Ellenlang breitet der Autor die Hintergrundgeschichten zu den einzelnen Figuren aus, was mindestens die halbe Handlung lang andauert. Dabei ragen vor allem das ungleiche Paar Harry Marks und Maggie Oxenforde heraus, mit denen der Zuhörer bangt, ob sie a) überleben und b) sich kriegen werden. Dabei ist auch für humorvolle Situationen gesorgt. Der Ausgleich liegt in der Handlung, die sich um Eddie Deacon zu einem Drama unter Verbrechern entwickelt.

Follett erweist sich als vielseitiger Erzähler, der mehrere Tonlagen beherrscht; dramatisch, humorvoll, actionreich. Doch seine Charaktere sind keine Pappfiguren, sondern wurden genau recherchiert – ebenso wie das Vehikel, das alle diese Schicksale zusammenführt: Den „Wal“ gab es wirklich bis 1939. (Wenn ich mich recht erinnere, wurde das Flugboot von Dornier gebaut.)

Natürlich kann man, wenn man strenge Maßstäbe anlegt, dem Plot vorwerfen, dass hier allzu sehr romantisiert würde. Aber was wäre ein gutes Kriegsabenteuer ohne etwas Romantik?

|Der Sprecher|

Udo Schenk versucht, sich ehrenhaft seiner Aufgabe zu entledigen. Aber er macht drei Aussprachefehler bei den englischen Namen Berkshire, Textiles und Grumman, und das steht einem professionellen Vorleser nicht gut an.

Immerhin gelingt es ihm, die einzelnen Figuren etwas unterscheidbar zu machen, indem er seine Stimmhöhe ein wenig variiert oder die Härte der Aussprache. Doch auch dieser Erfolg ist begrenzt.

_Unterm Strich_

Ich habe schon bessere Hörbücher kennen gelernt. „Nacht über den Wassern“ ist keine Glanzleistung, weder von Seiten der Produktion noch von Seiten des Sprechers. Vielleicht ist es für den Follettfan doch besser, sich den dicken Schmöker selbst durchzulesen. Eilige Reisende können ja mit dem Hörbuch vorlieb nehmen.

Umfang: 391 Minuten auf 6 CDs

_Michael Matzer_ © 2004ff

Ken Follett – Mitternachtsfalken (Lesung)

War in „Die Leopardin“ Frankreich der Schauplatz der Ereignisse, so ist es diesmal das von Nazis besetzte Dänemark des Jahres 1941, in dem sich das Schicksal so mancher Agentin und manches Agenten erfüllt. Und ein unscheinbarer Oberschüler beginnt eine kriegswichtige Rolle zu spielen.

_Der Autor_

Ken Follett, geboren im walisischen Cardiff, wurde durch die Verfilmung seines Spionagethrillers „Die Nadel“ mit Donald Sutherland bekannt. Den internationalen Durchbruch erzielte er laut Verlag mit dem historischen Roman „Die Säulen der Erde“ (1990). Auch sein Roman „Der dritte Zwilling“ wurde verfilmt. Sein aktueller Roman „Mitternachtsfalken“ spielt mal wieder im 2. Weltkrieg.

_Die Sprecher_

Anja Moll studierte an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin/Rostock. Sie machte sich auf den verschiedensten Theaterbühnen, als Sprecherin beim Rundfunk sowie als Synchronsprecherin einen Namen. Sie verfügt über eine ähnlich tiefe Stimme wie Franziska Pigulla.

Philipp Schepmann erhielt nach seiner Schauspielausbildung zahlreiche Theaterengagements, ist seit vielen Jahren Sprecher in Rundfunk und Fernsehen und blickt auf viele Hörbuchproduktionen wie etwa „Der König von Narnia“ (Brendow, Moers) zurück. Die Wandlungsfähigkeit seiner Stimme erinnert an Rufus Beck.

_Handlung_

In Europa tobt im Jahr 1941 der Zweite Weltkrieg. In England, das von deutschen Bomberangriffen heimgesucht wird, fragt sich Hermia Mount, eine Agentin im Innenministerium, woher die hohen Verluste der britischen Bomberstaffeln rühren, wenn sie die deutsche oder dänische Küsten anfliegen. Haben die Deutschen vielleicht eine ähnliche Radartechnik wie die Briten entwickelt, obwohl die Auslandsagenten das Gegenteil behaupten?

Hermia Mount ist als Tochter eines Diplomaten in Skandinavien aufgewachsen. Aufgrund ihrer ausgezeichneten Sprachkenntnisse wurde ihr die Leitung der Auslandsgruppe Dänemark im Nachrichtendienst übertragen. Ihr Verlobter lebt im deutschbesetzten Königreich Dänemark: ein junger Pilot namens Arne Olufsen aus Jütland.

Aber Hermias Position in dem von Männern dominierten Geheimdienst ist keineswegs einfach. Als sie von dem Bruder eines britischen Piloten, Digby Hoare, erfährt, dass die deutschen Funksprüche eine Informationsquelle namens „Freya“ erwähnen, nimmt keiner ihren Hinweis ernst, das heißt: keiner außer Winston Churchill, dem Premierminister. Digby Hoare und Hermia sollen herausfinden, was „Freya“ ist. Doch Arne Olufsen lebt in Dänemark und alle Nachrichten an ihn oder von ihm werden von der deutschen Zensur durchgesehen. Hermia fliegt ins neutrale Schweden, in der Hoffnung, ihn treffen zu können: ein konspiratives Treffen, das für beide den Tod bedeuten kann.

Etwa zur gleichen Zeit, im Frühjahr 1941, stößt Arnes Bruder Harald, ein 18-jähriger Oberschüler, nahe seinem dänischen Elternhaus auf dem deutschen Militärgelände, an dessen Errichtung er selbst mitgearbeitet hat, auf ein neues unbekanntes Gerät: Es ist „Freya“, die neuartige, dreiteilige Radarantenne, mit der die deutsche Luftabwehr die anfliegenden Bomber der Briten frühzeitig entdeckt und den Gegenangriff koordinieren und lenken kann. Das weiß Harald natürlich zu diesem Zeitpunkt nicht.

Erst als er seinen Bruder Arne besucht, um Flugstunden zu nehmen, nimmt ihn Arnes Kollege Poul Kirke beiseite, um ihn über diese Radarstation auszufragen. Harald fertigt eine Positionskarte und eine Gerätezeichnung an. Er verfügt über großes technisches Verständnis. Doch Kirke gehört der Widerstandsgruppe der „Mitternachtsfalken“ an, die Hermia Mount in Dänemark aufgebaut hat. Kirke versteckt das Papier in seinen Bürounterlagen auf dem Fliegerhorst.

Doch leider hat die Pastorenfamilie Olufsen einen Feind, der sie befehdet: die Familie Flemming, die auf der gleichen jütischen Insel wohnt und wesentlich besser gestellt ist. Und Peter Flemming ist gar nicht gut auf Arne und Harald Olufsen zu sprechen. Eigentlich arbeitet er ja für die Verkehrspolizei in Kopenhagen, doch er wurde kürzlich von dem Nazi-General Braun und dem dänischen Polizeichef Juel der Sicherheitsabteilung zugewiesen.

Es dauert nicht lange und mehrere Hinweise führen ihn auf die Spur von Poul Kirke. Bevor er diesen festnehmen kann, riecht Kirke, was er vorhat und will im Flugzeug abhauen. Kaltblütig schießt Flemming den Flüchtigen mitsamt Flieger ab, so dass er brennend in den Boden donnert. Als Flemming kurz darauf in Kirkes Büro auf die Zeichnung der Radarstation stößt, fällt sein Verdacht auch auf Arne Olufsen, Kirkes Kollegen. Und über Arne führt Flemmings Weg, auf dem er eine blutige Spur von Leichen zurücklässt, zu Hermia Mount…

Werden die Briten jemals die Informationen über „Freya“ erhalten, um Hitler stoppen zu können, der gerade Russland überfallen hat?

_Mein Eindruck_

Dieser kurze Handlungsabriss kann lediglich andeuten, wieviel Action, menschliches Heldentum und spannende Agentenunternehmungen noch in diesem Buch stecken. Ich habe nur das erste Drittel skizzieren können. Die dreisträngige Handlung konzentriert sich besonders auf drei Paare: Hermia und Arne, Harald und dessen Freundin Karen Duchwitz sowie Peter Flemming und dessen „Kollegin“ Tilde Jespersen. Um jedes dieser Paare ist ein Kreis von Nebenfiguren angeordnet. So tauchen unter anderem die jeweiligen Familienmitglieder, aber auch Winston Churchill und – nur im Buch! – der König von Dänemark auf.

In einem fein gesponnenen Geflecht von Aktion und Gegenaktion, Spionage und Abwehr, Wiedersehen und Wiederverlieren bewegen sich die Figuren auf einen furiosen Höhepunkt auf dem Schloss derer von Duchwitz zu. Nicht jeder erreicht lebend diesen Handlungspunkt. Doch wenn Harald Olufsen es schaffen sollte, den alten klapprigen Doppeldecker der Familie Duchwitz flottzukriegen, dann haben er und Karen eine winzige Chance, die Freya-Informationen nach England zu Churchill zu schaffen. Leider sind ihnen die Nazis und Peter Flemming dicht auf den Fersen. Und falls sie den Start schaffen sollten, gibt es immer noch die deutsche Flak und Luftwaffe…

Mit „Mitternachtsfalken“ ist Follett wieder ein Volltreffer gelungen, der an seine großen Erfolge wie „Die Nadel“, „Nacht über den Wassern“ sowie „Die Leopardin“ erinnert. Die Zeit der Mittelalterschmöker à la „Säulen der Erde“ ist wohl endgültig vorbei, denn die Mode der „Name der Rose“-Kopien ist längst passé.

_Unterschiede zum Buch_

Es gibt einige gravierende Unterschiede zwischen dem Buch und der gekürzten Hörbuchfassung. Ich konnte zum Glück vergleichen. Wie bereits gesagt, taucht im Hörbuch der König von Dänemark nicht auf. Sein Auftritt im Theater von Kopenhagen, um sich nach der im Ballett gestürzten Karen Duchwitz zu erkundigen, trägt auch wirklich nichts zur zentralen Handlung bei, die zur diesem Zeitpunkt unter enormem zeitlichem Druck steht. Also flog der König raus – sorry, Majestät, aber wir haben’s eilig!

Follett geizt wirklich nicht mit erotischen Szenen. Wie schon in „Die Kinder von Eden“ schreckt er keineswegs vor der Erwähnung von Brüsten, Busen, Schenkeln und sogar heißen Liebesszenen zurück. Freunde solch deftigen Stoffes sollten beim Buch bleiben, denn im Hörbuch ist davon kaum noch etwas übriggeblieben. Ich dachte schon, es sei auf FSK 12 heruntergekürzt worden, da verblüffte mich eine Liebesszene zwischen Hermia und Arne, bei der es wirklich zur Sache geht.

Ansonsten ist wie so oft festzustellen, dass die Geschichte des Hörbuchs viel stärker auf die zentrale Handlung um Harald, Hermia und Flemming konzentriert ist als das Buch. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Ausdruck tiefer inniger Gefühle unmöglich oder unplausibel wirkt. Wenn der Pastor trotz seines christlichen Glaubens das erste Mal in seinem Leben lügt, um seinen einzigen überlebenden Sohn vor den Deutschen zu retten, so geht dies wirklich zu Herzen und wirkt nicht nebensächlich oder aufgesetzt.

_Die Sprecher_

Anne Moll spricht die Passagen von Hermia und Peter Flemming, Schepmann die Passagen, in denen Harald Olufsen und Karen Duchwitz im Mittelpunkt stehen. Beide Sprecher machen ihre Arbeit hervorragend. Besonders zeigt sich dies in der korrekten Aussprache der dänischen Eigennamen. So wird aus „Hansen“ ein gesprochenes „hensen“, aus „Peter“ ein „peddar“ und aus „Amalienborg“ ein „amalienbor“ (sic!). Lediglich die Städtenamen bleiben eingedeutscht, so etwa Kopenhagen (statt „Kobnhavn“). Interessant wirkt auch die Änderung der Tonhöhe, wenn der jeweilige Sprecher einer Figur des jeweils anderen Geschlechts die Stimme leihen muss. Da klingt Anna Moll beim Sprechen von Pastor Olufsen durchaus mal wie ein alter Preuße – da kommt die Stimme „aus dem Keller“.

_Unterm Strich_

Wie schon „Die Nadel“ und „Die Leopardin“ ist „Mitternachtsfalken“, der Name einer dänischen Widerstandsorganisation, ein spannendes Agenten- und Kriegsabenteuer, das jeden Leser, der etwas für diese Zeit übrig hat, mitreißen wird. Ich habe versucht, nach drei CDs eine Pause einzulegen, musste aber feststellen, dass eine Pause unmöglich war: Die Story ist viel zu spannend dafür. Man will einfach wissen, wie sie ausgeht. Ein deutliches Zeichen, dass dies ein gut geschriebenes Buch ist – hier stimmen auch die kleinen, scheinbar unwichtigen Details, die aber die Glaubwürdigkeit der Story perfekt machen. Und einige der geschilderten Ereignisse haben sich laut Autor wirklich zugetragen. So wird hier beispielsweise eine Erklärung für die englischen „Bomberströme“ geliefert: Sie hängen eng mit „Freya“, dem deutschen Radar, zusammen.

Das Hörbuch ist noch spannender als das Buch selbst, weil es mehr Wert auf den Fortgang der zentralen Handlung legt. Die Sprecher sind kompetent, besonders in der Aussprache dänischer Eigennamen. Ein Vergleich mit der Schreibweise im Buch führt zu einigen Überraschungen.

Umfang: 390 Minuten auf 5 CDs

_Michael Matzer_ © 2003ff

Ken Follett – Das zweite Gedächtnis (Lesung)

In den Pioniertagen der amerikanischen Weltraumfahrt sucht ein Raketenwissenschaftler sein verlorenes Gedächtnis. Welche seiner Kenntnisse war so wichtig, dass man ihm die Vergangenheit raubte, um ihn zum Schweigen zu bringen?

_Der Autor_

Ken Follett, geboren im walisischen Cardiff, wurde durch die Verfilmung seines Spionagethrillers „Die Nadel“ mit Donald Sutherland bekannt. Den internationalen Durchbruch erzielte er laut Verlag mit dem historischen Roman „Die Säulen der Erde“ (1990). Auch sein Roman „Der dritte Zwilling“ wurde verfilmt. Sein aktueller Roman ist 2003 bei uns erschienen: „Mitternachtsfalken“ spielt mal wieder im 2. Weltkrieg.

_Der Sprecher _

Der Synchronsprecher Frank Glaubrecht ist die deutsche Stimme von so bekannten Schauspielern wie Al Pacino, Richard Gere oder Jeremy Irons.
Er liest eine gekürzte Romanfassung mit seiner bekannten markanten Stimme. Den Kürzungen fielen die technischen Beschreibungen der Rakete zum Opfer, doch um diese ist es wahrlich nicht schade. Sie würden den Fluss der Handlung erheblich hemmen.

_Handlung_

Ende Januar 1958 am Cape Canaveral: Die Amerikaner möchten endlich ihre erste Sonde in die Erdumlaufbahn schießen. Sie sind stinkesauer, dass ihnen die Russen mit Sputnik und Sputnik 2 (mit einem Hund an Bord) zuvorgekommen sind. Nachdem ihre erste Satellitenrakete kurz nach dem Start explodiert ist, hängt nun alles von „Explorer“ ab. Wenn dieser erneute Versuch wie schon die vorigen scheitert, dann wird die Eroberung des Weltraums eine Sache der verhassten Kommunisten aus Russland sein. Allein schon die Vorstellung macht Eisenhower krank.

Denn wenn die Sowjetunion die besseren Wissenschaftler zu haben scheint, dann ist wohl auch ihr konkurrierendes Gesellschaftssystem dem des kapitalistischen Westens vorzuziehen – das zumindest dürften sich die Staaten der 3. Welt denken. Schon ist Ägypten 1956 unter Oberst Nasser zum Feind übergelaufen, und in Indochina haben die Franzosen 1954 eine schwere Niederlage gegen das künftige Nordvietnam hinnehmen müssen (daraus entsteht der Vietnamkrieg). Dieser Raketenstart muss also klappen – die Augen der Welt sind auf Cape Canaveral gerichtet.

Im Washingtoner Bahnhof der Union Station kommt der Raketenwissenschaftler Dr. Claude Lucas, genannt „Luke“, zu sich – und kann sich zu seinem Schrecken an nichts aus seiner Biografie erinnern: Er weiß nicht, wer er ist, ob er verheiratet ist, wo sein Zuhause ist.

In seinen Pennerklamotten fällt es ihm schwer, sich das Vertrauen der Passanten zu erwerben, um etwas über sich herauszufinden. Nur ein Kumpel, der sich Pete nennt, hilft ihm ein wenig weiter. Er ahnt nicht, dass „Pete“ für die CIA arbeitet.

Erst bei einer Armenspeisung in einer Kirche merkt Luke, wie gebildet er ist: Er löst ein Kreuzworträtsel im Handumdrehen. Wenig später merkt er, dass er von mehreren Männern beschattet wird. ein spannendes Katz-und-Maus-Spiel folgt, in dem Luke merkt, dass er über die Ausbildung eines Polizisten, wenn nicht sogar eines Agenten verfügt. Er entkommt seinen Beschattern und sucht in der Hauptstadt Hinweise auf sich selbst. Er findet heraus, dass sein Gedächtnis partiell gelöscht wurde – offensichtlich mit voller Absicht.

17 Jahre zuvor, im Dezember 1941, am Harvard College in Boston, Neuengland. Luke lernt an der Uni die rothaarige Schönheit Elspeth kennen und mag sie einigermaßen. Doch dieses Gefühl ist nichts im Vergleich zu der Leidenschaft, die die temperamentvolle Billie Josephson in ihm auslöst. Eigentlich ist sie ja die Freundin von Anthony Carroll, doch der wurde mit ihr gesehen. So streng sind die Sitten bei der Geschlechtertrennung anno 1941, dass Anthony der Verweis von der Uni droht.

Wenn Luke sich nicht geopfert hätte, um Billie zu Verwandten zu fahren, wäre auch sie in die Bredouille gekommen. So aber geht alles noch glimpflich ab: Luke, der Ehrenmann zwischen zwei Frauen. In der Folge verliebt sich Luke in Billie, allerdings auf Kosten seiner gesellschaftlichen Anerkennung: Als Jüdin wird Billie eine Karriere in den USA verwehrt. Um seinerseits einem Uni-Verweis zu entgehen, meldet sich Luke sofort freiwillig zur Armee, um gegen die Japaner zu kämpfen, die gerade Pearl Harbour überfallen haben.

Während die Haupthandlung fortschreitet und Luke immer mehr von seinem Leben entdeckt, erfolgen mehrere Rückblenden, die die Weiterentwicklung der Hauptfiguren von 1941 über 1943 bis 1954 zeigen: Luke, Elspeth, Anthony, Billie und Billies Ex-Mann Bern Rothstein. Am Tag nach Pearl Harbor meldet sich Luke, wie gesagt, zur Armee. Auch drei der anderen treten den Streitkräften bei, allerdings im Geheimdienst. Einzige Ausnahme ist Bern, der zunächst als regulärer Soldat kämpft und danach als Journalist arbeitet. Als Drehbuchautor in Hollywood setzt ihn Senator McCarthy auf die Schwarze Liste. Bern muss sich als Kinderbuchautor durchschlagen.

Auf seiner Selbstentdeckungstour durch Washington, Alabama und Florida begegnet Luke sämtlichen Freunden von früher, doch allmählich geht ihm auf, dass unter ihnen ein Verräter sein muss, der den Start der „Explorer“ verhindern will. Und dieser Doppelagent hat wohl auch sein biografisches Gedächtnis gelöscht. Aber wo steht denn geschrieben, dass es nur einen Verräter geben muss?

_Mein Eindruck_

„Das zweite Gedächtnis“ ist ein kunstvoll konstruierter Unterhaltungsroman: ein spannender Agententhriller, der die psychologische und berufliche Entwicklung der Kriegs- und Nachkriegsgeneration nachzeichnet.

Ich kann mir das Hörbuch sehr gut als historischen Thriller à la „Das Haus in der Carroll Street“ vorstellen, in dem aufgedeckt wird, wie deutsche Wissenschaftler das Raketenprogramm der Amerikaner erst ermöglichten – jedoch auf Kosten der unterdrückten Sühne für ihre Verbrechen. Auch in Folletts Roman tauchen eine Reihe von Wissenschaftlern mit deutschen Namen (v.a. in Huntsville/Alabama) auf, aber mehr noch amerikanische Ingenieure und CIA-Angehörige.

Alle Figuren in Folletts Roman haben in ihrem Leben Fehler gemacht, die meisten sogar einen oder mehrere Menschen getötet: beim US-Geheimdienst, in der französischen Résistance, an der Front. Es sind Erwachsene mit einer belasteten Vergangenheit und entsprechend vielen Selbstzweifeln. Die einzigen, die nicht in einem Netz von Lügen leben, scheinen Luke – und dessen Gedächtnis wird gelöscht – und Bern zu sein, dessen Karriere von der CIA zerstört wurde und der sich nun als Kinderbuchautor durchschlägt.

Doch auch Luke muss erfahren, dass er mehrmals hintergangen wurde: zuerst von der geliebten Billie (die sein Kind abtreiben ließ), dann auch noch von seiner Ehefrau (die sich sterilisieren ließ) und sogar von seinem vermeintlichen besten Freund, Anthony Caroll, der bei der CIA arbeitet.

Obwohl ich das Hörbuch sehr schnell angehört habe, so vermisste ich doch hin und wieder eine tiefergehende Betrachtung von Situationen und Personen, auch eingehendere Beschreibungen des Umfelds und der Zeit – das wird weitgehend als bekannt vorausgesetzt. Gut möglich, dass dann aber so Riesenwerke wie „Die Enden der Parabel“ von Thomas Pynchon oder Neal Stephensons „Cryptonomicon“ entstanden wäre. Auch in diesen zwei Romanen wird der Zweite Weltkrieg als entscheidende Generationerfahrung geschildert.

_Der Sprecher_

Frank Glaubrecht legt eine sehr dynamische Lesung hin. Seine tiefe Stimme vermittelt den Ernst der Lage, in der sich nicht nur Luke, sondern das gesamte US-Raketenprogramm befinden. Die Zeit drängt: Die ganze Handlung passiert binnen 48 Stunden und geschlafen wird nur ein paar wenige Stündchen. Die Stimme des Sprechers kommt aber nicht nur den Männern zugute, die fast allesamt Agenten oder Militärs sind, sondern auch den Frauen: Elspeth ist ebenfalls Agentin und spielt im gleichen Spiel wie die Männer mit. Nur Billie, die Neurologieforscherin, fällt ein klein wenig aus dem Rahmen, aber auch sie hat an der Klinik einen harten Kampf auszufechten und steht Luke zur Seite.

Die Fehler, die auch sehr guten deutschen Sprechern unterlaufen können, halten sich bei Glaubrecht sehr in Grenzen. Er spricht beispielsweise das englische Wort „strategic“ falsch aus, mit einem „e:“ statt einem langen „i:“ in der Mitte.

_Unterm Strich_

„Das zweite Gedächtnis“ ist in der gekürzten Hörbuch-Fassung noch spannender als in der Buchform. Natürlich bleibt die Haupthandlung (es gibt noch einen kurzen Epilog) auch hier bis zur allerletzten Sekunde extrem spannend. Aber der Handlungsverlauf selbst wird noch klarer herausgearbeitet, so dass man ihm mühelos folgen kann. Selbst wenn die Schilderung einer Verfolgungsjagd in einem Hotel etwas räumliches Vorstellungsvermögen verlangt, so bleibt dies einer der wenigen anstrengenden Momente beim Zuhören. (Wer’s nicht sofort kapiert, kann ja zurück-„spulen“.) Ansonsten kann man sich zurücklehnen, angespannt vorbeugen oder was auch immer – nur: Weghören, das geht leider gar nicht.

In seiner ruhigen, sehr kompetent lesenden Art hat Frank Glaubrecht den Text jederzeit im Griff. Mit 99,99 Prozent aller englischen Wörter – und der deutschen sowieso – hat er keinerlei Problem. Der Rest ist vernachlässigbar und fällt nur sehr geübten Englischsprechern auf.

_Der günstige Preis_ (ist nicht selbstverständlich)

Das Hörbuch „Das zweite Gedächtnis“ ist eines der ersten, das vom Verlag zu einem herabgesetzten Preis von rund 15 Euro angeboten wurde und nun sogar für lediglich 12 Euro erhältlich ist. Üblich sind leider immer noch Preise zwischen 22 und 30 Euro für Mehrfach-CD-Hörbücher. Aber je beliebter Hörbücher selbst werden und je mehr Menschen das Prinzip ihrer Ästhetik verstehen und belohnen, desto mehr Exemplare werden gekauft, was wiederum das Senken der Preise erlaubt.

Tolkien-Hörbücher wie „Der Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“ sind nun schon ab 15 bis 20 Euro zu bekommen (neu, wohlgemerkt). Der Hörverlag gibt die Verkaufserfolge und hohen Stückzahlen an den Verbraucher weiter. Dieses Beispiel sollte Schule machen, etwa bei Ullstein und Bertelsmann.

Umfang: 348 Minuten auf 5 CDs

_Michael Matzer_ © 2003ff

Ken Follett – Der dritte Zwilling (Lesung)

Ein klassischer Thriller um das Thema Klonen von künstlich erzeugten Menschen – spannend und psychologisch halbwegs glaubwürdig erzählt. Allerdings kein Stoff, der sich für Minderjährige unter 16 Jahren eignet.

_Der Autor_

Ken Follett ist der Autor des Wissenschaftsthrillers „Der dritte Zwilling“, der verfilmt wurde, und von „Die Kinder von Eden“, das nicht mehr so gut ankam. „Die Säulen der Erde“ ist neben „Nacht über den Wassern“ sein bekanntester Roman. Seine neuesten übersetzten Werke heißen „Die Leopardin“ und „Mitternachtsfalken“.

_Die Sprecher_

Verlagsinfo: Mareike Carrière ging nach ihrer Schauspielausbildung nach Paris und begann dort 1977 ihre Arbeit für das Kino. Sie drehte u.a. mit Peter Fonda und Liv Ullmann. Popularität erlangte sie durch ihre Rolle als erste deutsche Streifenpolizistin in der TV-Serie „Großstadtrevier“. Zuletzt war die Schauspielerin in „Die Schule am See“ (ARD) zu sehen.

Jörg Schüttauf, Jahrgang 1961, absolvierte die Theaterhochschule zu Leipzig. Für die Titelrolle in Egon Günthers „Lenz“ (nach Büchner) erhielt er 1993 den Adolf-Grimme-Preis. Im Jahr 1995 wurde er mit dem Fernsehspielpreis der Akademie für Darstellende Künste ausgezeichnet. 1996 begeisterte er in der Titelrolle der ARD-Serie „Der Fahnder“. (Info Ende)

_Handlung_

An der Jones Falls Universität wird im Keller während eines Brandes eine junge Studentin, Lisa Hoxton, vergewaltigt. In dem Studienanwärter Steve Logan erkennt sie ihren Vergewaltiger wieder. Doch ihre Vorgesetzte, die Psychologie- und Biochemieprofessorin Jeannie Ferrami, widerspricht dem heftig. Gemäß den psychologischen Untersuchungen, die Ferrami im Rahmen ihres Zwillings-Forschungsprogramms an Logan vorgenommen habe, sei er psychisch nicht in der Lage, jemandem Gewalt anzutun. Logan wird dennoch verhaftet.

Lisa Hoxton ist völlig von den Socken, als sie Ferrami hilft, einen weiteren Probanden des Forschungsprogramms zu befragen: den Häftling Dennis Pinker. Er ist der eineiige Zwilling von Steve Logan. Doch die beiden kennen einander nicht und haben sich nie gesehen. Wie ist so etwas möglich?

Da es ausgeschlossen ist, dass Pinker ausbrach und Lisa vergewaltigte, muss Logan im Knast bleiben. Nun wittert Ferrami Unrat. Es muss in der jeweiligen Geburtsklinik der beiden etwas vorgefallen sein, das nicht in Ordnung war. Es stellt sich heraus, dass beide in Armeekliniken zur Welt kamen, mit denen die Genetico Corporation Geschäfte machte.

Genetico gehört Jeannies Arbeitgeber, Professor Barrington Jones, und seinen Partnern, darunter einem Senator, der Ambitionen auf die Präsidentschaft hat. Sie wollen ihr Unternehmen demnächst an einen deutschen Pharmakonzern verkaufen. Da käme ihnen ein Skandal höchst ungelegen. Sie schalten die Presse ein und verpassen Jeannie einen Maulkorb.

Doch wenn weder Steve noch Dennis Pinker Lisa vergewaltigt haben, wer kommt dann in Frage? Jeannies Entdeckung dessen, was hinter Geneticos Machenschaften steckt, ist ungeheuerlich und könnte sie das Leben kosten.

_Mein Eindruck_

Das Maß, um das der Roman gekürzt worden sein muss – ich habe ihn nicht gelesen -, muss schon recht beträchtlich gewesen sein: Übrig geblieben sind gerade mal die grundlegende Story sowie der eine oder andere intime Augenblick, den Jeannie und Steve genießen können. Jedenfalls bereitet es keine Schwierigkeiten, dem Verlauf der Handlung zu folgen, so einfach ist sie gestrickt.

Das Interessanteste an der Geschichte ist die Frage der Identität. Ähnlich wie in „Being John Malkovich“ haben es die Hauptfiguren zwar immer mit der gleichen körperlichen Ausstattung zu tun, doch das Innenleben ist vollkommen anders. Man könnte fast meinen, der Autor wolle demonstrieren, dass die Gene nicht unser Schicksal sind.

Wohin die Diskrepanz zwischen identischem Äußeren, aber unterschiedlichem Innenleben führt, erweist sich für die Professorin Jeannie Ferrami höchst hautnah, als sie von jenem Vergewaltiger Lisa Hoxtons ebenfalls angefallen wird. Dabei wollte sie sich doch Steve Logan intim nähern. Doch wo Worte sie täuschen können, so ermöglicht doch die Körpersprache eine eindeutigere Identifikation. Der Vergewaltiger ahmt die typische Geste seines Onkels nach, sich mit dem Zeigefinger über die Augenbraue zu fahren.

_Shibboleth_

Auf analoge Weise macht Steve Logan die gleiche Erfahrung, als er zwar wie der Vergewaltiger aussieht, aber nicht in der Lage ist, einen flapsigen Spruch, den die beiden gewohnheitsmäßig austauschen, korrekt zu ergänzen. Aufgeflogen!

Dieses wortbasierte Spiel erinnert an die Gewohnheit früher hebräischer Stämme, ihre Gegner, die sich bei ihnen als Spione einschleichen wollten, zum Aussprechen des Wortes „shibboleth“ zu verleiten. Die Spione konnten dieses Wort nie einwandfrei aussprechen und flogen daher auf. Seitdem ist „shibboleth“ zum geflügelten Wort geworden, das eine Erkennungsparole bezeichnet, bei einem Stamm, aber auch bei jeder Art von In-group oder Clique.

_Wissenschaftsthriller_

Ken Follett griff in diesem Buch ein von Ängsten besetztes Thema auf, das so alt ist wie Mary Shelleys „Frankenstein“, der 1818 erschien: Die künstliche Erschaffung des Menschen, zu dem nun auch noch die Optimierung und beliebige Vervielfältigung kommen. Daher auch die Befruchtung und Geburt in Armeekliniken…

„Der dritte Zwilling“ war 1997 Teil einer Flut von Thrillern, die sich u.a. um das Thema Klonen drehten, angeregt sicher auch vom Klonschaf Dolly (Friede seiner Asche). Auch Arnold Schwarzeneggers Film „The 6th Day“ haut in die gleiche Kerbe. Doch kein Autor hat wahrscheinlich das Thema künstlicher Mensch/Klon tiefgründiger behandelt als Philip K. Dick in „Blade Runner“. Follett kann diesem Vorgänger nicht das Wasser reichen.

_Die Sprecher_

Mareike Carrière, obwohl sicher schon über 45, klingt dennoch zu jung für ihre Rolle der Professorin Jeannie Ferrami. Das erscheint sicherlich merkwürdig. Doch es ist weniger ihre Stimmhöhe, als vielmehr ihre Intonation, die zu diesem Eindruck führt. Im Gegensatz zu souveränen SprecherInnen wie Franziska Pigulla, Joachim Kerzel oder Ulrich Pleitgen klingt ihre Intonation naiv wie die einer Anfängerin, die sich gerade an einen schwierigen Roman wagt, nachdem sie jahrelang „Hanni und Nanni“ gelesen hat. Sie hält ihre Pausen ein und liest nicht zu schnell, aber das ist schon alles, wofür man sie loben kann.

Jörg Schüttauf, der die Männer um den Schurken, Prof. Barrington Jones, spricht, klingt genau richtig. Er moduliert die Stimme, dass sie genau zu dem gewünschten Eindruck passt. Die Stimme als Instrument gehorcht ihm vollkommen. Es ist sehr schade, dass ein so ausgezeichneter Sprecher erstens so wenig Text zu lesen hat und zweitens auch noch die Nebenfiguren zum Leben zu erwecken hat. Dementsprechend bleiben Jones & Co. deutlicher im Gedächtnis als die Gutmenschen Logan und Ferrami. Verdrehte Welt.

_Unterm Strich_

„Der dritte Zwilling“ ist ein geradlinig erzählter Klon-Thriller, der schnörkellos auf ein Happy-End zusteuert. Die Spannung ist durchaus vorhanden und wird weniger durch Action, als vielmehr psychologisch erzeugt (Frage der Identität, s.o.).

Das Hörbuch würde ich erst ab 16 Jahren empfehlen. Der Grund dafür sind zwei oder sogar drei relativ brutale Vergewaltigungsszenen, die man einem unerfahrenen Zuhörer nicht zumuten sollte. Auch eine Reihe von erotischen Szenen zwischen Logan und Ferrami sind wohl eher für Erwachsene gedacht als für Kinder.

_Michael Matzer_ (c) 2003ff

Follett, Ken – Brücken der Freiheit, Die

„Vom alten England bis in die Neue Welt spannt sich der große Bogen des abenteuerlichen Lebens zweier Menschen auf der Suche nach der Freiheit. In den schottischen Kohlengruben herrscht das Gesetz der Sklaverei. Doch Mack McAsh, ein junger Bergmann, träumt davon, frei zu sein. Er flieht nach London – und gerät in eine andere Form von Knechtschaft: Als Aufrührer verurteilt, wird er in Ketten nach Virginia verschifft. Dort trifft er auf Lizzie Jamisson, die Frau, die ihm einst in Schottland zur Flucht verholfen hat und dabei ihr eigenes Glück als Preis bezahlt.“ (Verlagsinfo)

|Der Autor|

Ken Follett, geboren im walisischen Cardiff, wurde durch die Verfilmung seines Spionagethrillers „Die Nadel“ mit Donald Sutherland bekannt. Den internationalen Durchbruch erzielte er laut Verlag mit dem historischen Roman „Die Säulen der Erde“ (1990). Auch sein Roman „Der dritte Zwilling“ wurde verfilmt. Zuletzt ist bei uns erschienen: [„Mitternachtsfalken“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=147 spielt mal wieder im 2. Weltkrieg. In den USA und GB ist sein neuester Roman „Whiteout“ erschienen.

Autorenhomepage: http://www.ken-follett.com/de/index.html

|Der Sprecher|

Philipp Schepmann, Jahrgang 1966, erhielt seine Ausbildung als Schauspieler an der renommierten Folkwang-Schule in Essen. Er ist nach Verlagsangaben verheiratet, Vater von drei Kindern und lebt in Bergisch Gladbach bei Köln. Schepmann arbeitet als Sprecher und Schauspieler für Film, Funk und Theater.

|Das Titelbild|

Die Vorderseite zeigt vier Bildelemente: 1) eine Landkarte der Britischen Inseln (bes. Schottlands), die deren Erzeugnisse wie etwa Weizen oder Fisch aufzeigt – leider ist die Schrift zu klein, um zu erkennen, was in den schottischen Lowlands erzeugt wird, vermutlich Kohle. Links oben ist die Stahlbrücke über den Firth of Forth bei Edinburgh zu sehen. 2) eine alte Dampflokomotive auf einem zeitgenössischen Foto. 3) ein Gemälde von einem schottischen Flusstal, das von einer steinernen Brücke überspannt überspannt wird – eine prä-industrielle Idylle. 4) Allen Bildern sind zwei Goldmünzen überlagert. Diese sehen so alt aus, dass sie nicht recht zu den Bildern passen wollen. Aber sie deuten natürlich das Thema des wirtschaftlichen Erfolgs und des finanziellen Einflusses an.

|Die Rückseite|

… hat mich ziemlich verwirrt. Sie zeigt das Plastikmodell einer mittelalterlichen Palastanlage – inklusive Randmauern, Zinnen, Bogengängen, Erkern und Türmchen. Ein großes romanisches Tor ist darunter angedeutet. Die Epoche, die diese Modell andeutet, liegt leider viel früher als die der Handlung. Vielleicht soll das Modell den Palast der Jamissons symbolisieren.

_Handlung_

Der Roman ist in drei zeitliche Abschnitte aufgeteilt, die an drei verschiedenen Orten spielen. Die erzählte Zeit sind die Jahre 1767 bis 1769. Es ist die Geschichte dreier Familien.

|Teil 1: Schottland|

Die eigentliche Hauptfigur des Romans ist Malachi McAsh, kurz Mack genannt. Wie seine Zwillingsschwester Esther schuftet er weit mehr als zwölf Stunden pro Tag in der neue Kohlegrube, die der adlige Großgrundbesitzer George Jamisson eröffnet hat und ausbeutet. Kohle ist der Treibstoff für das nun angebrochene Zeitalter der Industrialisierung, das die westliche Gesellschaft total umkrempeln wird. Jamisson hofft, auch bald auf dem Grund und Boden der Nachbarin Lady Hallam eine Grube eröffnen zu können. Und mit seinem ersten Sohn Robert arbeitet er auf den Ruin Lady Hallams hin.

Die Arbeitsbedingungen unter Tage sind nach heutigen Begriffen unmenschlich und äußerst gefährlich. Malachi beispielsweise arbeitet als „Feuermann“. Wie Lady Hallams patente Tochter Lizzie bei einer Führung durch Sir Georges zweiten Sohn Jay herausfindet, besteht die Aufgabe des „Feuermanns“ darin, austretendes Grubengas (Methan) aufzuspüren und zu beseitigen. Dies erfolgt dadurch, dass nach der Räumung des Flözes das Gas abgefackelt wird. Bei der Explosion verlässt der „Feuermann“ keineswegs den Flöz oder gar die Grube selbst, sondern legt sich unter eine feuerfeste Plane, während das Gas abbrennt. Wenn er Pech hat, versengt er sich etwas mehr als seine Bartstoppeln …

Auch die Besitzverhältnisse sind ultrabrutal und geradezu mittelalterlich. Das ist schottisches Sonderrecht. Nach einem Jahr und einem Tag in Arbeit beim Grubenbesitzer wird der Arbeiter dessen Eigentum. Kinder werden dem Besitzer bereits bei der Taufe versprochen, für zehn Pfund. Leibeigenschaft ist hier kein Fremdwort. Schon neunjährige Kinder malochen in den Gruben, indem sie schwere Körbe schleppen. Die Jamissons haben ihr Vermögen mit dem Transport straffällig gewordener britischer Untertanen verdient: Für jeden in die amerikanischen Kolonien verschifften „Sklaven“ erhalten sie ein Kopfgeld von der Krone.

Mack hat sich bei einem Londoner Rechtsanwalt namens Gordonson aufgeklärt: Die Verhältnisse in der Grube sind rechtswidrig. Als er in aller Öffentlichkeit rebelliert und anschließend ein Grubenunglück passiert, will ihn Jamisson verhaften lassen. Mit Lizzies Hilfe kann er über die Berge entkommen, doch er muss seine Schwester ebenso zurücklassen wie seine Freundin Annie. Seinen Sklavenhalsring nimmt er als Andenken mit. Er soll ihn daran erinnern, dass er um seine Freiheit kämpfen muss.

|Teil 2: London|

Als er in London sein Auskommen sucht, gerät er ins Box-Business. Von dem verdienten Geld will er Esther und Annie nachkommen lassen. Die Metropole ist gekennzeichnet von sozialem Aufruhr wie etwa wilden Streiks. Die Jamissons haben hier natürlich ihr Stadthaus und ihre politischen Verbindungen. Jay Jamisson ist Captain (Hauptmann) in der Armee. Inzwischen ist Lizzie Hallam seine Frau geworden. Sie freut sich auf eine gedeihliche Ehe, doch sie soll bitter enttäuscht werden. Jay ist ein Bruder Leichtfuß und häuft schon bald hohe Schulden bei einem Gastwirt namens Lennox an. Der weiß ihn in die gewünschte Richtung zu lenken, um seinen Zwecken zu dienen. Jay hofft, dass Lizzies Kohle – im doppelten Sinne – ihn sanieren wird.

Lizzie bekommt schnell mit, dass Mack in der Stadt ist: Sie lässt ihn nach einem Boxkampf verarzten. Nach einer der öffentlichen Hinrichtungen, die stets die Schaulust des Pöbels befriedigen, wird sie um ein Haar von Dieben ausgeraubt und vergewaltigt. Mack ist mal wieder rechtzeitig zur Stelle. Doch Mack lebt mit einem Frauenzimmer zusammen, dessen Stand weit unterhalb von Lizzie liegt: Sie ist eine Straßenhure und arbeitet mit einem dreizehnjährigen Mädchen namens Peg zusammen, die den jeweiligen Freier beklaut. Die Beute kriegt der Hehler.

Cora gibt Mack den Tipp, es mal als Kohlenlöscher im Hafen zu versuchen. Die Männer, die die Kohlensäcke von den Dampfern holen, sind in Gangs organisiert und werden von ihren Vermittlern, den Gastwirten, mit einem Hungerlohn abgespeist. Lennox ist einer dieser betrügerischen Gastwirte am Hafen. Auch hier rebelliert Mack gegen die Verhältnisse und schafft sich in Lennox einen Todfeind.

Durch seine Verbindung zu Jay Jamisson sorgt Lennox dafür, dass die neu organisierten Kohlenlöscher, die zu ordentlichem Lohn ordentliche Leistung erbringen, von den meisten Schiffseignern boykottiert werden, selbst wenn die Kapitäne die Löschergangs nicht ablehnen. Folglich gehen die Löscher in Streik – ein willkommener Anlass für Jamisson und seine Parteigänger, Mack, seinem Rivalen um Lizzie, endgültig eins auszuwischen. Er muss es nur richtig anstellen …

|Teil 3: Virginia|

In der Neuen Welt ist es das gleiche Lied wie im Mutterland der Kolonie: Für mehrere Jahre müssen die Sträflinge sich für einen Hungerlohn an einen der Farmer verkaufen. Mack stellt zu seinem Entsetzen fest, dass er von Jay Jamisson gekauft wurde, damit er auf dessen Tabakpflanzung schuftet. Und Lennox hat den achtwöchigen Schiffstrip über den Atlantik ebenfalls überlebt. Er ist auf der Jamisson-Plantage durch Machenschaften schon bald der Vormann und schikaniert Mack, wo er nur kann. Sein Plan geht dahin, auch hier Jay Jamisson so zu ruinieren, dass diesem nichts anderes übrig bleibt, als ihm die Plantage für’n Appel und ’n Ei zu verkaufen.

Dass sein Plan aufgeht, liegt zum Großteil an Jay selbst. Er engagiert sich lieber in der Politik, wo er aber als königstreuer Tory bald aufläuft und gemieden wird. (Es vergehen nur noch acht Jahre bis zur Unabhängigkeitserklärung.) Jay lebt auf großem Fuß, leiht sich bei einem windigen Makler eine Menge Geld und verjubelt es am Spieltisch. Sein Gottvertrauen, dass die nächste Ernte ihn solvent machen werde, zerschlägt sich dank der Bemühungen eines gewissen Mr. Lennox. Seine Schulden kann er nicht zurückzahlen.

Lizzie sieht sich an allen Fronten enttäuscht, privat wie geschäftlich. Die einzige Perspektive bietet ihr nur noch Mack, der sogar als Geburtshelfer fungiert. Mack hoffte die meiste Zeit, dass Cora ihn aus der Sklaverei befreit, sieht sich aber ebenfalls enttäuscht: Sie hat einen Farmer geheiratet und sich saniert. Zur Krise kommt es, als Peg auf die Jamisson-Plantage kommt. Sie wird steckbrieflich gesucht, nachdem sie ihren Herrn bei einem Vergewaltigungsversuch getötet hat.

Lizzie und Mack verstecken sie vor dem Sheriff, doch sie wissen: Lange werden sie das Spiel nicht mehr mitmachen können. Sie beschließen daher einen riskanten Plan: Mit Peg wollen sie zusammen über einen der Bergpässe im Westen in die unberührte Wildnis dahinter fliehen, wo nur Indianer und Fallensteller leben. Doch sie haben nicht mit dem Hass und der Hartnäckigkeit von Jay und Lennox gerechnet …

_Mein Eindruck_

„Die Brücken der Freiheit“ ist nicht gerade das bekannteste Buch von Follett, und das will bei einem solchen Bestsellerautor schon etwas heißen. „Die Säulen der Erde“ ist neben „Das zweite Gedächtnis“ und „Der dritte Zwilling“ (verfilmt) wohl sein meistverkaufter Roman. Mit „Säulen der Erde“ und „Mitternachtsfalken“ hat „Brücken der Freiheit“ sein Hauptthema gemeinsam: den Kampf um die persönliche Freiheit in Frieden und Selbstbestimmung.

Nicht die Epoche der Industrialisierung im 18. Jahrhundert unterscheidet den Roman von diesen Geschichten, die im Mittelalter beziehungsweise im 2. Weltkrieg angesiedelt sind. Auch die Art der Unterdrückung ist eine andere. Während Dänemark im 2. Weltkrieg unter der deutschen Okkupation und der damit verbundenen Verfolgung von Juden und Widerstandskämpfern leidet, sehen sich die Protagonisten von „Säulen der Erde“ sowohl um ihr Geburtsrecht betrogen als auch einem Leben in Freiheit von adeliger und bischöflicher Gewalt verpflichtet.

Die Unterdrückung, die Mack McAsh am eigenen Leib erfährt, ist zunächst wirtschaftlicher Natur. Seine Arbeitskraft wird ausgebeutet, ja, sogar sein Leben aufs Spiel gesetzt. Für die Adeligen, denen die Kohlegruben gehören, ist er lediglich Verfügungsmasse, nicht so sehr ein Mensch als vielmehr ein Faktor in ihren Kalkulationen. Und wer nicht spurt, wird in Ketten gelegt, also aller Bürgerrechte beraubt. Der Autor schildert an allen drei Schauplätzen das Wirtschaftssystem in genauen und plausiblen Details.

Das Besondere an „Brücken der Freiheit“ scheint mir darin zu liegen, dass es hier keine idyllischen Rückzugsgebiete gibt. Nicht einmal auf der Jagd im Hochland Schottlands herrscht Frieden. Jay Jamisson legt sogar auf seinen eigenen Bruder an, um sich seine Zukunft zu sichern. Auch die einzige Frau auf dieser Jagdpartie, Lizzie Hallam, schaut nicht bewundernd zu, sondern weiß gut mit der Knarre umzugehen. Ohne Vater aufgewachsen, hat sie viele männliche Züge angenommen.

Sowohl die Schilderung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ausbeutungssysteme als auch das Fehlen von Rückzugsgebieten für empfindsame, liebende Seelen scheinen das Buch nicht gerade für unterhaltungssüchtige Leser zu prädestinieren. Deshalb ist die jahrelange Romanze zwischen Lizzie und Mack so wichtig. Aber reicht sie aus, um den Leser oder vielmehr die Leserin emotional bei der Stange zu halten?

Um dies zu erreichen, fährt der Autor schweres Geschütz auf. Nicht die Szenen, in denen Mack Sex – mit Cora oder sonstwem – hat, sondern nur die Sexszenen, in denen Lizzie die Hauptperson ist, werden ausführlich und in sinnlichster Form geschildert. Ob nun Jay ihr Bettgefährte ist oder Mack sie auf dem Teppich nimmt, immer stehen ihre Empfindungen im Vordergrund, nicht so sehr die des Partners. Das ist natürlich sowohl angemessen als auch für ein weibliches Publikum interessanter. Liebe und Drama, das ist alles schön und gut, aber die Erfüllung weiblicher Träume darf auch nicht fehlen.

Ganz toll finden es die Leserinnen wahrscheinlich, dass sich beim Finale die beiden Rivalen Mack und Jay bis aufs Blut bekämpfen, um herauszufinden, wer schließlich die Frau, Lizzie, bekommt. Lizzie kann zu ihrer Genugtuung sicher sein, dass der Bessere gewinnt und ihre Nachkommen optimal für den Daseinskampf in der Wildnis gerüstet sein werden.

Wenn der Roman zur Hälfte in Schottland und zur Hälfte im wilden Virginia spielen würde, wäre dies zwar kein Follett mehr, aber die Leserinnen würden ihm das Buch aus den Händen reißen. Eine Ahnung vom realisierbaren Erfolg liefert Diana Gabaldons Highlander-Saga, die weder mit Schottland noch dem Drama in den Neuen Kolonien geizt und so optimale Suchtbefriedigung für frustrierte und/oder gestresste Leserinnen liefert. Mit selbst ist Folletts – auch literarischer – Realismus lieber. Er nimmt auf seine Weise zeitlich Emile Zolas naturalistische Romane vorweg bzw. eifert ihnen literarisch ein wenig nach.

_Der Sprecher_

Philip Schepmann verfügt über eine ähnlich große Fähigkeit, seine Stimme zu verstellen, wie Rufus Beck. Jede Figur erhält so ihre eigene charakteristische Stimmfärbung, um sie kenntlich zu machen. Außerdem kommt dem Sprecher die moderne Technik zu Hilfe. Doch die Effekte halten sich auf dieser Aufnahme sehr in Grenzen. Der Sprecher setzt vor allem die Stimmlage ein, um eine Figur zu charakterisieren. Dies sind zum Glück nur sehr wenige, im Schnitt nur drei bis vier.

Was mir als Anglist aber ein wenig Verdruss bereitete, sind die Aussprachefehler, die Schepmann an den Tag legt. Der Name Macks lautet Malachi, ausgesprochen [mäläkai]*, doch Schepmann sagt [mälächi].
*nach: Oxford Advanced Learner’s Dictionary of Current English: Books of the Bible, Old Testament.

Selbst so einfache Wörter wie Chapel Street spricht er nicht korrekt aus (tschejpl statt tschäpl) . Zugegeben, bei dem Adelstitel „Viscount“ [vaikaunt, mit der Betonung auf der ersten Silbe, nicht viskaunt] hätte ich als Laie auch meine Probleme, doch ich bin keiner und Schepmann ebenfalls nicht.

|Musik|

Als Intro und Ausklang ist ein kurzes Musikstück zu hören, das wie eine Mischung aus Tanz und Hymne klingt, jedenfalls ziemlich amerikanisch-patriotisch. Es ist beschwingt und dynamisch, und man könnte glatt meinen, nun werde gleich als erstes die Unabhängigkeit Schottlands ausgerufen. Dem ist dann aber doch nicht so. 😉

_Unterm Strich_

„Brücken der Freiheit“ bietet auch in der gekürzten Hörbuchfassung eine Menge Romantik, Spannung, Drama und Action. Zahlreiche filmische Szenen wurden herausgearbeitet, so dass langweilige Beschreibungen von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zuständen oder von Landschaften praktisch völlig fehlen. Diese Dramaturgie hält die Aufmerksamkeit des Hörers wach und macht ihn oder sie gespannt darauf, wie es wohl zwischen Jay, Mack und Lizzie weitergeht. Das Finale lässt an Action und Dramatik nichts zu wünschen übrig. Ob es für Mack und Lizzie ein Happyend gibt, verrate ich nicht.

Der Sprecher Philip Schepmann macht seine seine Sache recht gut, und man kann seinem Vortrag mühelos folgen. Mich als Anglisten haben lediglich ein paar Aussprachefehler (s. o.) gestört. Nette, beschwingte Musik stimmt den Hörer ein und entlässt ihn wieder in die Wirklichkeit. Insgesamt lässt sich diese Produktion als kompetent bezeichnen, aber so richtig vom Hocker haute mich keine Szene.

Das Action-Finale à la „Lederstrumpf“ erforderte meine ganze Aufmerksamkeit, um alles richtig mitzubekommen. Hier würde sich ein zweites Anhören lohnen, um auch etwas von der Spannung und Dramatik der Szene einzufangen, die zweifellos vorhanden ist.

|Umfang: 358 Minuten auf 5 CDs
Originaltitel: A place called freedom, 1995
Aus dem Englischen von Till Lohmeyer und Christel Rost|

[NEWS] Ken Follett – Die Säulen der Erde. Illustrierte Ausgabe

England 1123. Noch herrscht keine Kathedrale über Kingsbridge. Doch inmitten der blutigen Auseinandersetzungen zwischen Adel, Klerus und einfachem Volk hat Philip, der junge Prior von Kingsbridge, einen Traum: zu Gottes Ehre und Ruhm seines Namens eine Kathedrale zu errichten, wie die Welt sie noch nicht gesehen hat. Bald finden er, der Baumeister Tom Builder, dessen Stiefsohn Jack und die kluge Grafentochter Aliena sich in einem Kampf auf Leben und Tod wieder. Ihn gilt es zu bestehen, bevor die Säulen der Erde in den Himmel wachsen können … (Verlagsinfo)

Gebundene Ausgabe: 1376 Seiten
Originaltitel: The Pillars of the Earth
Bastei Lübbe

[NEWS] Ken Follett – Der Modigliani-Skandal

Die junge Engländerin Dee und ihr amerikanischer Freund Mike stoßen in Paris auf die Spur eines verschwundenen Meisterwerkes – ein Bild des berühmten Malers Amedeo Modigliani. Sein Wert: unschätzbar. Aber es machen noch andere Jagd auf die kostbare Beute, und sie schrecken vor nichts zurück. Diebstahl, Betrug und vielleicht Mord sind im Spiel. Und keiner weiß: Gibt es den Modigliani wirklich? Und wenn ja, ist er echt? (Verlagsinfo)

Taschenbuch: 304 Seiten
Neuauflage mit anderem Cover
Bastei Lübbe

Ken Follett – Kinder der Freiheit (Die Jahrhundert-Saga 3)

„Die Jahrhundert-Saga“-Trilogie:

Band 1: „Sturz der Titanen“
Band 2: Winter der Welt“
Band 3: „Kinder der Freiheit“

Nach dem fulminanten Auftakt „Sturz der Titanen“ und dem spannend dramatischen „Winter der Welt“ liefert der Meister historisch akkurat recherchierter und zugleich hochspannender und ergreifender Literatur Ken Follett den letzten Band seiner Jahrhundert-Trilogie „Kinder der Freiheit“. Nachdem die ersten Bände jeweils zu Zeiten des Ersten und Zweiten Weltkriegs spielten, handelt der Abschlussband nun von der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, vom Bau der Berliner Mauer bis zur Wiedervereinigung Deutschlands, von Martin Luther King und der Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung in den USA sowie den politischen Spannungen zwischen den USA und der Sowjetunion.

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[NEWS] Ken Follett – Die Brücken der Freiheit

Schottland im 18. Jahrhundert: In den Kohlegruben herrscht das Gesetz der Sklaverei. Schon bei ihrer Taufe werden die Neugeborenen den Herren der Zechen versprochen. Mack McAsh, ein junger Bergmann, träumt davon, frei zu sein. Er flieht nach London – und gerät prompt in eine andere Form von Knechtschaft. Als Aufrührer verurteilt, wird er in Ketten gelegt und als Sklave nach Virginia verschifft. Dort trifft er auf Lizzie Jamisson, die Frau, die ihm einst zur Flucht verhalf und dafür mit ihrem eigenen Glück bezahlte – Ein großer Auswandererroman aus der Feder von Großmeister Ken Follett (Verlagsinfo)

Taschenbuch: 544 Seiten
Originaltitel: A Place called Freedom
Bastei Lübbe

[NEWS] Ken Follett – Die Pfeiler der Macht

Das Haus Pilaster, eine der angesehensten Bankiersfamilien Londons, wird insgeheim von der schönen Augusta beherrscht. Hinter einer Fassade der Wohlanständigkeit treibt sie rücksichtslos ihre ehrgeizigen Pläne voran, die schon bald das Fundament des Finanzimperiums erschüttern und die Pfeiler seiner Macht ins Wanken bringen. Wird es ihrem begabten Neffen Hugh Pilaster gelingen, den drohenden Ruin des Bankhauses abzuwenden und damit sein eigenes Lebensglück und das vieler anderer Menschen zu retten? (Verlagsinfo)

Taschenbuch: 624 Seiten
Originaltitel: A Dangerous Fortune
Bastei Lübbe

Ken Follett – Kinder der Freiheit (Die Jahrhundert-Saga 3)

„Die Jahrhundert-Saga“-Trilogie:

Band 1: „Sturz der Titanen“
Band 2: „Winter der Welt“
Band 3: „Kinder der Freiheit“

Handlung:

Berlin, 1961. Rebecca Hoffmann erfährt durch Zufall, dass ihr Mann bei der STASI arbeitet, und damit bricht ihre ganze Welt zusammen. Ihr Schicksal – und das eines ganzen Volkes – scheint besiegelt, als die Regierung eine Mauer erbauen lässt, die jede Flucht unmöglich machen soll. Doch weder Rebecca, noch ihre Kinder geben auf! Und sie bleiben nicht alleine … Boston, 1961. George Jake und Verena Marquand, zwei junge Schwarze, erfahren am eigenen Leib, was Rassendiskriminierung bedeutet – und wie falsch angebliche Freunde sein können. Wem kann man in einer von Misstrauen und Vorurteilen beherrschten Gesellschaft trauen, wem nicht? Und kann der Baptistenpastor Martin Luther King tatsächlich Hoffnung bringen? Ken Follett spannt mit seiner spannenden Familiensaga gekonnt einen Bogen zwischen den großen Freiheitsbewegungen in den USA, in Russland und vor allem in Deutschland, die schließlich 1989 im FALL DER MAUER gipfeln. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Mit dem Titel KINDER DER FREIHEIT hat sich der Verlag für eine positiver in die Zukunft blickende Variante entschieden, als den Originaltitel EDGE OF ETERNITY zu übersetzen. Nach dem Ersten Weltkrieg in Band eins und dem Zweiten Weltkrieg in Band zwei gibts in diesem Band nicht den Dritten Weltkrieg zu erleben, weil es den zum Glück nicht gegeben hat und hoffentlich auch nicht geben wird. Da sich aber die Menschheit dennoch nie wirklich friedlich einigen zu können scheint, gab es auch nach dem schrecklichen Leid des Zweiten Weltkriegs weitere Kriege … als ob niemals jemand irgendetwas aus der Geschichte lernen würde. Ein Krieg hat halt keine Sieger.

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Ken Follett – Kinder der Freiheit (Die Jahrhundert-Saga 3)

„Die Jahrhundert-Saga“-Trilogie:

Band 1: „Sturz der Titanen“
Band 2: „Winter der Welt“
Band 3: „Kinder der Freiheit“

Handlung:

Berlin, 1961. Rebecca Hoffmann erfährt durch Zufall, dass ihr Mann bei der STASI arbeitet, und damit bricht ihre ganze Welt zusammen. Ihr Schicksal – und das eines ganzen Volkes – scheint besiegelt, als die Regierung eine Mauer erbauen lässt, die jede Flucht unmöglich machen soll. Doch weder Rebecca, noch ihre Kinder geben auf! Und sie bleiben nicht alleine … Boston, 1961. George Jake und Verena Marquand, zwei junge Schwarze, erfahren am eigenen Leib, was Rassendiskriminierung bedeutet – und wie falsch angebliche Freunde sein können. Wem kann man in einer von Misstrauen und Vorurteilen beherrschten Gesellschaft trauen, wem nicht? Und kann der Baptistenpastor Martin Luther King tatsächlich Hoffnung bringen? Ken Follett spannt mit seiner spannenden Familiensaga gekonnt einen Bogen zwischen den großen Freiheitsbewegungen in den USA, in Russland und vor allem in Deutschland, die schließlich 1989 im FALL DER MAUER gipfeln. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Mit dem Titel KINDER DER FREIHEIT hat sich der Verlag für eine positiver in die Zukunft blickende Variante entschieden, als den Originaltitel EDGE OF ETERNITY zu übersetzen. Nach dem Ersten Weltkrieg in Band eins und dem Zweiten Weltkrieg in Band zwei gibts in diesem Band nicht den Dritten Weltkrieg zu erleben, weil es den zum Glück nicht gegeben hat und hoffentlich auch nicht geben wird. Da sich aber die Menschheit dennoch nie wirklich friedlich einigen zu können scheint, gab es auch nach dem schrecklichen Leid des Zweiten Weltkriegs weitere Kriege … als ob niemals jemand irgendetwas aus der Geschichte lernen würde. Ein Krieg hat halt keine Sieger.

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[NEWS] Ken Follett – Kinder der Freiheit

VOM BAU DER MAUER BIS ZU IHREM FALL – Die große Familiensaga vom Autor der Bestseller DIE SÄULEN DER ERDE und DIE TORE DER WELT. Deutschland nach dem Mauerbau: Rebecca Hoffmanns Welt in Ostberlin scheint in Ordnung zu sein – bis sie durch Zufall erfährt, dass der eigene Mann sie seit Jahren im Auftrag der Stasi bespitzelt. Als sie ihn zur Rede stellt, begeht sie einen verhängnisvollen Fehler, den sie und ihre Familie ihr Leben lang bereuen sollen. – In den USA erlebt George Jakes als Vertrauter von Justizminister Robert Kennedy hautnah den Kampf der Bürgerrechtsbewegung gegen Rassismus, Intoleranz und Ungerechtigkeit – und bekommt am eigenen Leib zu spüren, was es heißt, ein Farbiger zu sein. – Cameron Dewar ist Republikaner, aber auch er kämpft unbeirrt für seine Überzeugungen. Als CIA-Agent muss er sich in einer Welt aus Täuschung, Lügen und Intrigen zurechtfinden.

Ähnlich geht es Dimka Dworkin, dem jungen Berater von Nikita Chruschtschow, als sich Sowjetunion und USA in einen Konflikt stürzen, der die Welt an den Rand des Atomkriegs führt. Seine Schwester Tanja begibt sich als Journalistin an die Brennpunkte des Geschehens, von Moskau über Kuba bis nach Prag und Warschau – dorthin, wo Weltgeschichte geschrieben wird. Der in sich abgeschlossene Roman erzählt die miteinander verbundenen Schicksale von Menschen aus Ost und West vor dem Hintergrund der politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen vom Anfang der Sechziger- bis zum Ende der Achtzigerjahre. – 100 Jahre nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs – 75 Jahre nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs – 50 Jahre nach der Aufhebung der Rassentrennung in den USA – 25 Jahre nach dem Fall der Mauer bringt Ken Follett, seine Jahrhundert-Trilogie, die mit STURZ DER TITANEN und WINTER DER WELT begann, zu einem packenden und furiosen Finale. (Verlagsinfo)

Gebundene Ausgabe: 1216 Seiten
Originaltitel: Edge of Eternity
Bastei Lübbe

Ken Follett – Die Tore der Welt

Höhen und Tiefen des Schicksals: Mittelalter-Seifenoper

England im Jahre 1327. Es ist der Tag nach Allerheiligen. In der Stadt Kingsbridge trifft sich im Schatten der Kathedrale das Volk. Vier Kinder flüchten vor dem Trubel in den nahe gelegenen Wald. Dort werden sie Zeugen eines Kampfes – und eines tödlichen Geheimnisses. Merthin, ein Nachfahre von Jack Builder, dem Erbauer der Kathedrale, hat dessen Genie und rebellische Natur geerbt. Sein starker Bruder Ralph strebt den Aufstieg in die Ritterschaft an. Caris, Tochter eines Wollhändlers, hat den Traum, Arzt zu werden. Gwenda, Kind eines Taglöhners, will nur ihrer Liebe folgen.

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Ken Follett – Die Tore der Welt

Höhen und Tiefen des Schicksals: Mittelalter-Seifenoper in guter Lesung

England im Jahre 1327. Es ist der Tag nach Allerheiligen. In der Stadt Kingsbridge trifft sich im Schatten der Kathedrale das Volk. Vier Kinder flüchten vor dem Trubel in den nahe gelegenen Wald. Dort werden sie Zeugen eines Kampfes – und eines tödlichen Geheimnisses. Merthin, ein Nachfahre von Jack Builder, dem Erbauer der Kathedrale, hat dessen Genie und rebellische Natur geerbt. Sein starker Bruder Ralph strebt den Aufstieg in die Ritterschaft an. Caris, Tochter eines Wollhändlers, hat den Traum, Arzt zu werden. Gwenda, Kind eines Taglöhners, will nur ihrer Liebe folgen.

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Ken Follett – Winter der Welt (Die Jahrhundert-Saga 2)

Die Jahrhundert-Saga-Trilogie:

Band 1: „Sturz der Titanen“
Band 2: „Winter der Welt“
Band 3: „Edge of Eternity“ (angekündigt)

Die Handlung:

Der Krieg ist vorbei. Doch der Friede ist trügerisch. In Deutschland verspricht der Führer dem Volk eine große Zukunft. In den USA kämpft der Präsident gegen die Folgen der Weltwirtschaftskrise. Und in Russland zerbricht die Hoffnung der Revolution unter dem Terror der Bolschewisten. Der zweite Teil von Folletts großer Jahrhundert-Saga erzählt eine Geschichte von Heldentum und Tragödie, Anpassung und Widerstand, Liebe und Hass. Während sich die einen in Verblendung und Schuld verstricken, werden den anderen die Augen geöffnet für das Unmenschliche, das im Namen der Ideologie geschieht. (Verlagsinfo)

Meine Meinung:

Nachdem im ersten Teil die Titanen gestürzt sind, beginnt für viele Menschen der „Winter der Welt“, die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Nicht nur in Deutschland passiert Schreckliches, auch in Russland und Japan schwingen sich Diktatoren auf, die Menschen zu unterdrücken.

In diesem Roman begleiten wir fünf Familien durch diese schlimme Zeit und erfahren, wie diese Menschen die stärker werdende Arbeitslosigkeit, die Große Depression, die Verfolgungen und den Krieg in den 1930er und 1940er Jahren erfahren. Und diese Familien sind ganz unterschiedlich: Ein russischer Spion mit seinen Eltern, ein deutsches Mädchen, das sich dem Widerstand gegen Hitler angeschlossen hat, eine Gruppe junger Amerikaner, die sich mit Politik und Militär auseinandersetzen und zwei britische Familien.

Zwar sind die Charaktere in dem Roman frei erfunden, aber die Fakten und die Umstände, in denen sie leben mussten, die sind leider wahr. Und so lebt, liebt und leidet der Hörer mit diesen Familien, wenn ihre Leben durch die internationalen Kriegskonflikte komplett auf den Kopf gestellt werden.

Wieder gelingt es Ken Follett, dem Hörer seine Figuren so nahezubringen, dass er berührt und erschrocken an ihren Schicksalen teilhaben kann. Dabei ist es egal, welcher Nationalität sie angehören und welche Hintergrundgeschichte sie haben, es ist für alle eine harte Zeit und alle versuchen sie so gut es geht zu überleben. Der Autor verwebt die Lebenslinien seiner Protagonisten so gekonnt und detailliert recherchiert mit den tatsächlich stattgefundenen Ereignissen, dass der Hörer ihm auch glauben würde, wenn er am Ende erzählte, dass auch sie historisch verbürgte Menschen gewesen seien. Die packt Follett dann zur rechten Zeit an den rechten Ort, dass es sicher schon etwas arg zufällig erscheint … dennoch, möglich ist alles, denn „die Welt ist klein“.

Ken Follett schildert auch den spanischen Bürgerkrieg, der vielleicht manchem Leser nicht so recht hier hineinpasst, aber die Lehre daraus, dass die Kommunisten auch nicht viel besser seien als die Nazis und genauso bekämpft werden müssten, die zieht ein Waliser. Und auch der Krieg im Pazifik wird vom Autor nicht ausgelassen, den wir durch die Augen von Chuck erleben, der bei der US-Navi seinen Dienst verrichtet. Der größte Horror dieser Zeit geht aber natürlich von den Deutschen aus und der ist allgegenwärtig.

Wie und ob die nächste Generation der Familien, die wir im ersten Band kennengelernt haben, diesen überlebt, das fesselt, bewegt und lässt den Hörer nicht mehr los. Die Nachkommen, die hier die Handelnden sind, werden wir auch im letzten Band der Jahrhundert-Trilogie wiedersehen, wenn es um den Kalten Krieg geht. Dann werden wir unter anderem um die Kuba-Krise erleben und die Angst der Menschen, dass jede Minute der Atomschlag von der einen oder anderen Seite ausgelöst wird.

Mein Hör-Eindruck:

Ken Follett gelingt es von der ersten Szene an, den Hörer in seinen Bann zu ziehen … oder liegt es Johannes Steck und seiner sehr lebendigen Art, die Vorlage zu interpretieren? Ich denke, die beiden Männer sind ein perfektes Team. Follett liefert die spannende Geschichte und Steck erzählt sie uns, als wäre er selbst dabei gewesen.

Noch während die Anfangsmusik läuft, beginnt Steck mit den ersten Schilderungen und schon ist man mitten in der Story. Das geht selten so schnell. Vielleicht liegt es aber auch an dem, was er gleich zu Anfang erzählt, wenn es um „den Herrn Hitler“ und die Nazis in Deutschland geht. Über deren Ungerechtigkeiten und Verbrechen kann sich der Hörer sofort aufregen.

Steck bringt alle Facetten des menschlichen Gefühlsspektrums erschreckend gut ins Ohr des Hörers. Ob er Frauen oder Männer spricht, Verfolger oder Verfolgte, Unterdrücker oder Unterdrückte, Liebe, Hass, Lust, Demütigung, Wut, Angst … stets fühlt der Hörer genau das, was die Charaktere spüren und ist immer mitten in der Story. Und die beschreibt Johannes Steck genauso authentisch, wie er sich bei den Dialogen vor dem Mikro ins Zeug legt. Einzig sein Hitler war mir nicht böse genug, da wäre noch mehr gegangen … fies und unsympathisch genug klingt er dennoch, genau wie seine Jünger und Schergen.

Unterstützt wird der Sprecher hier auch immer mal wieder durch eine dramatische Musikuntermalung, die die zumeist düstere Stimmung, noch mal eine Idee grauer färbt. Nach etwa drei Hörstunden ändert sich plötzlich die Aufnahmequalität und es hört sich fast so an, als hätte man den Sprecher ausgetauscht.

Die Aufmachung

Die Aufmachung dieser Lesung ist wirklich ansprechend gemacht. Komplett auf Plastik verzichtend, kommt das Hörbuch in einem Pappschuber daher, in dem zwei Pappeinschübe stecken, die jeweils sechs CDs enthalten.

Bei den Einschüben hat man sich eine intelligente Aufbewahrungsart einfallen lassen. So stecken die einzelnen CDs jeweils bis zur Hälfte in einer Art Einschubtasche. Sie sind zwar leicht zu entnehmen, sitzen aber fest genug, um nicht herauszufallen. Hinter den CDs und auf den Einschubtaschen sind weitere Informationen zum Buch, Bilder von Autor und Sprecher, Auszüge aus „Winter der Welt“, eine Aufstellung der beschriebenen Charaktere, und das sind eine Menge Personen, Schwarz/Weiß-Zeichnungen und bei CD 7 – 12, Werbung für weitere Ken-Follett-Lesungen aufgedruckt. So stört es nicht weiter, dass es kein Booklet gibt.

Der Sprecher

Johannes Steck, Jahrgang 1966, ist Schauspieler und Sprecher. Nach einer Ausbildung zum Theatermaler am Staatstheater Braunschweig, studierte er an der Schauspielschule Prof. Krauss in Wien. Verschiedene Engagement an deutschen Bühnen folgten, zum Beispiel am Schauspielhaus Chemnitz, am Stadttheater Würzburg und am Staatstheater Darmstadt. Danach zog es ihn verstärkt zum Fernsehen. Er war über vier Jahre in einer Hauptrolle in der ARD-Fernsehserie In aller Freundschaft zu sehen, spielte aber auch in Forsthaus Falkenau, Soko Leipzig und Die Wache. Seit 2004 widmet sich Johannes Steck verstärkt seiner Leidenschaft – den Hörbüchern. (Verlagsinfo)

Mein Fazit:

Den „Winter der Welt“ kann auch der erleben, der beim „Sturz der Titanen“ nicht dabei war. Für Fans des Vorgängers gibt es ein Wiedersehen mit bekannten und inzwischen neugeborenen Charakteren, die jetzt die Bühne betreten und die Handlung übernehmen. Und wir bekommen einen Blick darauf, wie es ihren Familien in der Zeit zwischen 1933 und 1949 ergeht. Alle Schicksale werden wieder so gut und einfühlsam erschreckend geschildert, als wäre der Autor dabei gewesen.

Johannes Steck dient als Vermittler zwischen Autor, Protagonist und Hörer und er macht seine Sache rundum gut. Sehr lebendig berichtet er von den historischen Schauplätzen der Welt und den nicht-historischen Personen und führt uns durch Schrecken und Lieb in den Zeiten des Zweiten Weltkriegs. Die Stunden mit Autor, Sprecher und Geschichte fliegen tatsächlich nur so dahin und man hat Schwierigkeiten, an einer Stelle mal eine Pause einzulegen. Ganz großes Kopfkino!

12 Audio-CDs mit 14:27 Std. Spieldauer
Aufgeteilt auf 219 Tracks
Originaltitel: Winter of the World
Gesprochen von Johannes Steck
ISBN-13: 978-3-7857-4687-5
www.luebbe-audio.de

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Ken Follett – Winter der Welt (Die Jahrhundert-Saga 2)

_|Die Jahrhundert-Saga|-Trilogie:_

Band 1: [„Sturz der Titanen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6623
Band 2: _“Winter der Welt“_
Band 3: „Edge of Eternity“ (angekündigt)

_Die Handlung:_

Der Krieg ist vorbei. Doch der Friede ist trügerisch. In Deutschland verspricht der Führer dem Volk eine große Zukunft. In den USA kämpft der Präsident gegen die Folgen der Weltwirtschaftskrise. Und in Russland zerbricht die Hoffnung der Revolution unter dem Terror der Bolschewisten. Der zweite Teil von Folletts großer Jahrhundert-Saga erzählt eine Geschichte von Heldentum und Tragödie, Anpassung und Widerstand, Liebe und Hass. Während sich die einen in Verblendung und Schuld verstricken, werden den anderen die Augen geöffnet für das Unmenschliche, das im Namen der Ideologie geschieht. (Verlagsinfo)

_Meine Meinung:_

Nachdem im ersten Teil die Titanen gestürzt sind, beginnt für viele Menschen der „Winter der Welt“, die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Nicht nur in Deutschland passiert Schreckliches, auch in Russland und Japan schwingen sich Diktatoren auf, die Menschen zu unterdrücken.

In diesem Roman begleiten wir fünf Familien durch diese schlimme Zeit und erfahren, wie diese Menschen die stärker werdende Arbeitslosigkeit, die Große Depression, die Verfolgungen und den Krieg in den 1930er und 1940er Jahren erfahren. Und diese Familien sind ganz unterschiedlich: Ein russischer Spion mit seinen Eltern, ein deutsches Mädchen, das sich dem Widerstand gegen Hitler angeschlossen hat, eine Gruppe junger Amerikaner, die sich mit Politik und Militär auseinandersetzen und zwei britische Familien.

Zwar sind die Charaktere in dem Roman frei erfunden, aber die Fakten und die Umstände, in denen sie leben mussten, die sind leider wahr. Und so lebt, liebt und leidet der Leser mit diesen Familien, wenn ihre Leben durch die internationalen Kriegskonflikte komplett auf den Kopf gestellt werden.

Wieder gelingt es Ken Follett, dem Leser seine Figuren so nahezubringen, dass er berührt und erschrocken an ihren Schicksalen teilhaben kann. Dabei ist es egal, welcher Nationalität sie angehören und welche Hintergrundgeschichte sie haben, es ist für alle eine harte Zeit und alle versuchen sie so gut es geht zu überleben. Der Autor verwebt die Lebenslinien seiner Protagonisten so gekonnt und detailliert recherchiert mit den tatsächlich stattgefundenen Ereignissen, dass der Leser ihm auch glauben würde, wenn er am Ende erzählte, dass auch sie historisch verbürgte Menschen gewesen seien. Die packt Follett dann zur rechten Zeit an den rechten Ort, dass es sicher schon etwas arg zufällig erscheint … dennoch, möglich ist alles, denn „die Welt ist klein“.

Ken Follett schildert auch den spanischen Bürgerkrieg, der vielleicht manchem Leser nicht so recht hier hineinpasst, aber die Lehre daraus, dass die Kommunisten auch nicht viel besser seien als die Nazis und genauso bekämpft werden müssten, die zieht ein Waliser. Und auch der Krieg im Pazifik wird vom Autor nicht ausgelassen, den wir durch die Augen von Chuck erleben, der bei der US-Navi seinen Dienst verrichtet. Der größte Horror dieser Zeit geht aber natürlich von den Deutschen aus und der ist allgegenwärtig.

Wie und ob die nächste Generation der Familien, die wir im ersten Band kennengelernt haben, diesen überlebt, das fesselt, bewegt und lässt den Leser nicht mehr los. Die Nachkommen, die hier die Handelnden sind, werden wir auch im letzten Band der Jahrhundert-Trilogie wiedersehen, wenn es um den Kalten Krieg geht. Dann werden wir unter anderem um die Kuba-Krise erleben und die Angst der Menschen, dass jede Minute der Atomschlag von der einen oder anderen Seite ausgelöst wird.

_Mein Fazit:_

Den „Winter der Welt“ kann auch der erleben, der beim „Sturz der Titanen“ nicht dabei war. Für Fans des Vorgängers gibt es ein Wiedersehen mit bekannten und inzwischen neugeborenen Charakteren, die jetzt die Bühne betreten und die Handlung übernehmen. Und wir bekommen einen Blick darauf, wie es ihren Familien in der Zeit zwischen 1933 und 1949 ergeht. Alle Schicksale werden wieder so gut und einfühlsam erschreckend geschildert, als wäre der Autor dabei gewesen.

Sehr, fast zu lebendig berichtet der Autor von den historischen Schauplätzen der Welt und den nicht-historischen Personen und führt uns durch Schrecken und Liebe in den Zeiten des Zweiten Weltkriegs. Die Lesestunden mit Ken Folletts Charakteren und ihren Geschichten fliegen tatsächlich nur so dahin und man hat Schwierigkeiten, an einer Stelle mal eine Pause einzulegen und sich von der Story zu lösen. Ganz großes Kopfkino!

|Gebunden: 1024 Seiten
Originaltitel: Winter of the World
Mit Illustrationen von Tina Dreher
Übersetzt von Dietmar Schmidt, Rainer Schumacher
ISBN-13: 978-3785724651|
http://www.luebbe.de

_Ken Follett auf |Buchwurm.info|:_
[„Die Leopardin“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=111
[„Mitternachtsfalken“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=147
[„Das zweite Gedächtnis“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=150
[„Der Schlüssel zu Rebecca“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=168
[„Die Kinder von Eden (Lesung)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=268
[„Das zweite Gedächtnis (Lesung)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=270
[„Der dritte Zwilling (Lesung)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=271
[„Mitternachtsfalken (Lesung)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=272
[„Nacht über den Wassern (Lesung)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=326
[„Die Brücken der Freiheit (Lesung)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=887
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[„Die Tore der Welt“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4703
[„Der Schlüssel zu Rebecca“ (Lesung)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7252
[„Sturz der Titanen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7923