Schlagwort-Archive: Kindler

[NEWS] Jan Seghers – Menschenfischer (Kommissar Marthaler 6)

1998: Man hatte dem Jungen die Kehle durchschnitten, ein Stück Fleisch aus dem Oberschenkel entnommen, die Hoden abgetrennt. Spielende Kinder entdecken die Leiche. Der Mord an Tobias Brüning löst eine der größten Polizeiaktionen der Nachkriegsgeschichte aus. Obwohl es ein Phantombild gibt, wird der Täter nie gefasst.
2013: Kommissar Marthaler erreicht aus der französischen Kleinstadt Marseillan der Hilferuf eines alten Kollegen. Touristen haben den Mörder angeblich gesehen. Als Marthaler ans Mittelmeer fährt, um die Akten zu übernehmen, gibt es einen neuen Hinweis. Und endlich auch einen Namen.
Die Spur führt in ein finsteres Tal am Rhein, nicht weit von der Loreley. Dort sind gerade zwei Roma-Jungen spurlos verschwunden. Kommissarin Kizzy Winterstein, selbst eine Romni, ist nicht glücklich über die Ermittlungen des Frankfurter Kollegen auf ihrem Gebiet. Während die beiden noch Zuständigkeiten diskutieren, werden die Kinder gefunden. Tot.
Da begreifen die Polizisten, dass sie am selben Fall arbeiten. Und es mit einer Bande brutaler Menschenhändler zu tun haben. (Verlagsinfo)

Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Kindler

David Safier – Traumprinz

Als kleines Mädchen hat mir meine Mutter häufig versprochen, sie würde mir meinen Traummann später einmal backen. Und so sehr ich doch auf die Backkünste meiner Mutter schwöre, so skeptisch war ich schon als Kind angesichts dieses Versprechens. In David Safiers neuestem Roman wird etwas Ähnliches nun Wirklichkeit: Nachdem sie sich bei ihrem Freund Bendix im Badewasser verstecken musste, weil unverhofft dessen vorher niemals erwähnte Verlobte auftaucht, gerät Comiczeichnerin Nellie in den Besitz eines mysteriösen Buches, in das sie ihren Traumprinzen zeichnet. Und es dauert nicht lange, bis dieser in Form eines beeindruckend lebendigen Exemplars vor ihr steht: Retro von Amanpour!

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David Safier – Mieses Karma Hoch 2

Seit seinem Bestseller „Mieses Karma“ erobert David Safier mit jedem neuen Buch erneut die Bestsellerlisten – was lag da näher, als das allerwitzigste Buch, mit dem damals alles begann, mit einer Fortsetztung zu krönen? Die da heißt „Mieses Karma Hoch 2“.

Dieses Mal begegnen wir der erfolglosen Schauspielerin Daisy, der eine Nebenrolle in einem Film mit dem Hollywoodstar Marc Barton in Aussicht gestellt wird, wenn sie denn nur rechtzeitig im Filmstudio Babelsberg auftaucht. Das wird allerdings zum Problem, denn unterwegs nimmt ein Polizist ihr den Führerschein ab, weil ihr Auto kein TÜV mehr hat – S-Bahn wäre nicht schnell genug, also steigt Daisy – ohne Geld natürlich – in ein Taxi und düst zum Filmgelände. Und dort sorgt Marc Barton – was für ein Ekel, wenn auch gutaussehend – kurzerhand dafür, dass ihre Rolle aus dem Drehbuch geschrieben wird.

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Eowyn Ivey – Das Schneemädchen

Worum gehts?

Dem älteren Ehepaar, Mabel und Jack, wurden eigene Kinder vorenthalten. Um dem Alltag und den Kindern aus der Familie zu entfliehen, machen sie sich auf den Weg in die Wildnis von Alaska. Dort wollen sie als Siedler ein neues Leben beginnen. Doch die Härte der Winter und die teils karge Natur setzen den beiden immens zu. Doch eines Winters, der erste Schnee des Jahres fällt in samtweichen Flocken herab, überkommt Mabel ein längst verloren geglaubter, kindlicher Übermut. Gemeinsam mit Jack macht sie eine Schneeballschlacht und anschließend kommt ihnen der Gedanke, ein Schneemädchen zu bauen. Nach Stunden der Ausgelassenheit entfliehen sie schließlich der Kälte und kehren in ihr Blockhaus zurück. Am nächsten Tag entdecken die beiden zum ersten Mal ein elfenhaftes, blondes Mädchen. Was macht dieses hilflose Kind alleine in der Kälte draußen? Und wo kommt es plötzlich her?

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David Belbin – Der Hochstapler

Wenn man die Inhaltsangabe zu David Belbins Roman „Der Hochstapler“ liest, könnte man schnell auf die Idee kommen, die Geschichte drehe sich um einen gewieften und erfolgreichen Fälscher literarischer Manuskripte. Jemand, der ein seltenes Talent besitzt und in der obskuren Ecke seiner Begabung Millionen scheffelt, schnelle Autos fährt und an jedem Finger eine Blondine hat. Dem ist jedoch mitnichten so, und dass Belbins Protagonist Mark Trace – trotz des Namens, der wie aus einem Spionagethriller gegriffen klingt – kein solcher Held ist, wird schon nach den ersten Seiten klar.

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David Safier – Plötzlich Shakespeare

Rosa macht ihrem Namen nicht gerade alle Ehre, denn in ihrem Leben läuft es alles andere als rosarot. Statt dessen ist sie seit Jahren Single, immer noch unglücklich in ihren Exfreund verliebt und ihre biologische Uhr tickt immer lauter. Als sie dann auch noch zur Hochzeit ihrer großen Liebe Jan eingeladen wird, ist Rosa der Verzweiflung nahe. Selbst ihr schwuler bester Freund Holgi kann sie nicht mehr trösten, denn wo kein Selbstbewusstsein vorhanden ist, kann man auch keins aufbauen. Daher rät er ihr zu einem One-Night-Stand. Doch der gemeinsame Abend mit ihrem Kollegen Axel endet nicht im Bett, sondern bereits nach dem Besuch einer Zirkusvorstellung, in der Hypnotiseur Prospero einen Zuschauer in ein früheres Leben versetzt hat. Diesen Ausweg will nun auch Rosa gehen und begibt sich mutig zu Prospero. Tatsächlich versetzt der Hypnotiseur Rosa in ein früheres Leben – nicht ohne ihr mit auf den Weg zu geben, dass sie erst dann zurückkehren kann, wenn sie heraus gefunden hat, was die wahre Liebe ist.

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David Safier – Jesus liebt mich

„Wenn es einen Gott gibt, warum gibt es dann so Dinge wie Nazis, Kriege oder Modern Talking?“

Jesus lebt! Dank David Safier weiß ich es nun genau, und Jesus wandelt direkt unter uns – als Zimmermann! Dass das zu einigen Komplikationen führen kann, ist klar, zumal Jesus nach jahrhundertelanger Abstinenz Sehnsucht nach einer Frau hat und sich in Marie verliebt – die zwar fast genau den gleichen Namen wie Maria Magdalena hat, aber dennoch herrlich kompliziert ist…

Nein, ich will nicht

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Safier, Daniel – Mieses Karma

Das Leben nach dem Tod birgt schon seit Urzeiten eine Faszination, der sich kaum jemand entziehen kann. Die Anhänger der unterschiedlichen Religionen haben verschiedene Vorstellungen vom Leben nach dem Tod – aber dass die Möglichkeit besteht, als Ameise wiedergeboren zu werden, um genug Karma für das Nirwana zu sammeln, das kann man sich wohl nur schwer vorstellen; umso größer ist Kim Langes Überraschung, als ihr genau das widerfährt.

Kim ist eine berühmte Talkshowmoderatorin, die auf dem Gipfel ihrer Karriere steht, als sie zum Deutschen Fernsehpreis fährt. Auch wenn sie durch die Verleihung den fünften Geburtstag ihrer Tochter Lilly verpasst und Kim sich endgültig eingestehen muss, dass ihre Ehe zu Alex gescheitert ist, und auch wenn sie von Versace versehentlich das falsche Kleid für die Preisverleihung zugeschickt bekommt (und dann einen hochnotpeinlichen Moment überstehen muss), so hat dieser denkwürdige Tag doch immerhin (im wahrsten Sinne des Wortes) einen Höhepunkt, nämlich den großartigen Sex mit ihrem gutaussehenden Kollegen Daniel Kohn.

Doch als Kim nach dem Sex auf das Dach des Hotels steigt, um dort frische Luft zu schnappen, passiert das Undenkbare: Das Waschbecken einer russischen Raumstation fällt ihr auf den Kopf und Kim stirbt bei diesem Unfall.

Doch damit ist die Geschichte noch lange nicht vorbei, denn nachdem ihr Leben an ihr vorbeigezogen ist und sie ein helles Licht gesehen hat, von dem sie zurückgestoßen wurde, steht sie Buddha gegenüber, der ihr in Form einer Ameise erscheint und ihr eröffnet, dass nun ihr Leben nach dem Tod begonnen hat – als Ameise. Denn Kim war zu Lebzeiten alles andere als nett zu ihren Mitmenschen, und so bleibt ihr das Nirwana verschlossen, bis sie genug gutes Karma gesammelt hat, um schlussendlich ins Nirwana aufsteigen zu können.

So findet sich Kim plötzlich inmitten einer Horde fleißiger Ameisen wieder, die gerade dabei sind, ein klebriges Gummibärchen zu transportieren. Doch ganz so leicht ist das Leben als Ameise nicht, denn Kim stirbt einige Tode als Ameise, wird aber immer wieder neugeboren. Langsam gewöhnt sie sich fast an das ständige Sterben und Wiedergeborenwerden, zumal sie im berühmten Casanova einen Leidgenossen gefunden hat, der ebenfalls seine Sünden als Ameise abarbeiten muss. Gemeinsam beschließen sie, gutes Karma zu sammeln, um die Reinkarnationsleiter aufzusteigen.

Und tatsächlich, bald werden sie wiedergeboren – als Meerschweinchen. Passenderweise leben die beiden als Meerschweinchen bei Kims Familie, die noch in tiefer Trauer wegen Kims Tode ist. Doch muss Kim erkennen, dass ihre ehemals beste Freundin Nina, die schon immer ein Auge auf Alex geworfen hatte, bereits in den Startlöchern steht, um Kims Platz einzunehmen. Die Zeit eilt also, denn Kim möchte auf jeden Fall verhindern, dass Nina sich in ihre Familie einschleicht. Ein guter Plan muss also her, was aber gar nicht so einfach ist als Meerschweinchen …

Daniel Safier erzählt eine Geschichte, wie sie schräger und absurder kaum sein könnte. Wir lernen die rücksichtslose Kim Lange kennen, die für ihre Karriere über Leichen geht und diese Sünden im Tode büßen muss. Besonders herzerfrischend ist allerdings die Figur des Casanova, der inzwischen seit etwa 200 Jahren sein Nach-Leben als Ameise fristet und gar nicht daran denkt, gutes Karma zu sammeln. Doch als er Kim kennen lernt, wird sein Ehrgeiz plötzlich angestachelt und die beiden schließen sich als grandioses Karma-Sammel-Team zusammen, auch wenn sie noch gar nicht wissen, was am Ende der Reinkarnationsleiter auf sie warten wird, denn Buddha hält sich mit seinen Informationen sehr bedeckt, wenn er nach erneutem Ableben bei den beiden auftaucht und ihnen einen guten Spruch für den weiteren Weg mitgibt.

So ganz kann Casanova sich an die merkwürdigen Zeiten ohne Kutsche nicht gewöhnen, vieles ist ihm fremd, aber als er sich dann in Kims Widersacherin Nina verliebt, ist er wieder ganz in seinem Element und unterstützt Kim bei ihren Racheplänen mit voller Kraft. Allerdings sind Rachepläne natürlich schwer vereinbar mit dem Sammeln von gutem Karma, und so sterben die beiden einen Tod nach dem anderen und müssen sich immer spitzfindigere Pläne ausdenken, um ihr zwischendurch gewonnenes Karma nicht wieder zu verlieren.

Safiers Geschichte wird immer abgedrehter, immer witziger und immer erfrischender, denn obwohl Kim und Casanova meist aus ziemlich eigennützigen Motiven handeln, so wünscht man ihnen doch von ganzem Herzen Erfolg bei ihrer Mission. Denn obwohl Nina merkwürdigerweise – wie Kim zähneknirschend eingestehen muss – ihrer Familie offensichtlich besser tut als sie selbst, sammelt sie beim Leser doch kaum Sympathiepunkte, weil Casanova und Kim absolut im Mittelpunkt der gesamten Romanhandlung stehen.

Mit großem Tempo, viel Wortwitz und ohne Atempause erzählt Safier die Geschichte von Kim Lange und Casanova, die sich beherzt auf den Weg die Reinkarnationsleiter hinaufmachen und dabei die kuriosesten Abenteuer zu überstehen haben. Denn wer hätte sich vorher wohl ausmalen können, dass sie als Versuchsmeerschweinchen in einem Tierlabor landen und dort einen Affenaufstand anzetteln würden, oder dass Kim als Kuh dafür sorgt, dass alle ihre „Mit-Kälber“ eingeschläfert werden und sie dadurch wieder einiges Karma verliert. Am abgefahrensten wird die Geschichte aber, wenn Kim und Casanova als tierisches Duo Infernale versuchen, die Hochzeit zwischen Alex und Nina zu verhindern.

Selten habe ich bei einem Roman so sehr geschmunzelt, gelacht und mich königlich amüsiert wie bei diesem. Daniel Safier beweist unglaublich viel Einfallsreichtum, Wortwitz, Ironie, Humor und Sprachgefühl, dass es ein absolutes Vergnügen ist, „Mieses Karma“ zu verschlingen. Und auch wenn manche Szenen vielleicht etwas weichgespült sind, so bin ich schon jetzt sehr gespannt auf den nächsten Roman von Daniel Safier, den ich mit Sicherheit wieder lesen und dann hoffentlich genauso gut unterhalten werde wie dieses Mal.

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