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Isaac Asimov & Martin Greenberg (Hg.) – Die besten Stories von 1940

SF-Stories aus dem Goldenen Zeitalter: Grüße von Klaatu

Dieser Auswahlband der „Great SF Stories“ enthält zwölf Erzählungen. Sie stammen von einigen bekanntesten SF-Klassikern, darunter A.E van Vogt, Fritz Leiber, Theodore Sturgeon und Isaac Asimov, aber auch von etlichen Autoren, die heute völlig (zu Unrecht!) vergessen sind, darunter ein gewisser Willard Hawkins und Harry Bates. Der „Astounding“-Herausgeber Bates jedoch lieferte die Vorlage zu dem zweimal verfilmten SF-Klassiker „Der Tag, an dem die Erde stillstand“. Die erste Verfilmung stammt aus dem Jahr 1951.

Jede Erzählung wird mit einer Anmerkung von Greenberg zum Autor und seinem Werk eingeleitet. Asimov steuert lediglich eine persönliche, gewöhnlich ironische Anekdote bei, wie er den Autor kennengelernt hat – oder auch nicht.
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Isaac Asimov/Greenberg/Olander (Hrsg.) – Sternenpost. 2. Zustellung


Entwürfe für die nächste Stufe des Menschen

Isaac Asimov und seine Mitarbeiter stellen Sternenbriefe und kosmische Tagebücher vor. Dies ist die zweite Zustellung der Sternenpost. Die Briefeschreiber und Tagebuchverfasser sind diesmal Howard Fast, Daniel Keyes und George R.R. Martin. Die Beiträge:

1) „Gefangen“ von Howard Fast: Die Story von der Heranzüchtung einer Gruppe von Supermenschen;
2) „Blumen for Algernon“ von Keyes: Die Story von dem geistig minderbemittelten Jungen, der vorübergehend höchste geistige Fähigkeiten erlangt – und sie dann allmählich wieder verliert;
3) „Die zweite Stufe der Einsamkeit“ von Martin: Das Tagebuch eines sehr einsamen Mannes, der am Rande des Sonnensystems arbeitet – und dennoch die Hoffnung nicht verliert.
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Kate Wilhelm (Hrsg.) – Liebe ist der Plan, der Plan ist Tod (NEBULA Award Stories 9)

Der Innenraum der Science Fiction: Schlachtfelder der Zukunft

Dieser Auswahlband enthält drei preisgekrönte Nebula-Stories aus dem Jahr 1973 sowie sechs für den Preis nominierte Erzählungen von bekannten AutorInnen wie Harlan Ellison, Norman Spinrad, Gene Wolfe, James Tiptree jr. (= Alice Sheldon), Carol Emshwiller, Ben Bova, Vonda McIntyre, George R.R. Martin und Edward Bryant.
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George O. Smith – Relaisstation Venus

Im Vorfeld der Sonne sorgt die „Relaisstation Venus“ dafür, dass die von Menschen besiedelten Planeten miteinander Kontakt halten können. Fern der Erde muss die Besatzung immer wieder improvisieren, wenn gefährliche Zwischenfälle für Funkstelle sorgen oder die Station selbst in Raumnot gerät … – Fünf Storys aus der „Goldenen Ära“ der Science Fiction, in der dank Fortschritt und Technik alles möglich schien und der einfallsreiche Naturwissenschaftler über den Politiker oder den Geldsack triumphierte: Abenteuer und Technobabble in heute so nicht mehr möglicher Verknüpfung und SF-Nostalgie für hartgesottene Genre-Fans. George O. Smith – Relaisstation Venus weiterlesen

William Jon Watkins – Gegner des Systems

In den zur Diktator entarteten USA nutzen Rebellen eine Erfindung, die sie auf Ameisenformat schrumpfen und die Verteidigung des bisher übermächtigen Gegners unterwandern lässt. Der schlägt brutal zurück, was den Einfallsreichtum der Freiheitskämpfer erst recht herausfordert … – Autor Watkins kombiniert Orwells „1984“ mit einer typischen Science-Fiction-Idee: der Miniaturisierung des Menschen, der sich den Überraschungen des Mikrokosmos‘ stellen muss. Die simple Handlung leidet unter (zu) vielen, detailfroh geschilderten Kampf- und Metzel-Szenen, bleibt aber – auch aufgrund ihrer Kürze – in der Spur und ist spannend. William Jon Watkins – Gegner des Systems weiterlesen

Hans Joachim Alpers (Hrsg.) – Kopernikus 15. SF-Erzählungen

Cyberpunk und mehr: phantastische Erzählungen

Wie auch die vorangegangenen Ausgaben bietet der um zehn Monate verspätete 15. Story-Band eine bunte Mischung von Texten aus amerikanischer und deutscher Produktion.

Die Autoren und ihre Themen sind:

Steve Resnic Tem mit der Story über einen Mann, dem eines Nachts zwei Aliens begegnen…

Lewis Shiner mit dem Bericht über einen Waffennarren, der den Vietnam.Krieg zu Hause fortsetzt…

Greg Bear erzählt von einem Jungen, der für die Bewohner der 4. Dimension Musik macht…

Florian F. Marzin gibt ein beklemmendes Bild von dem Tag, an dem alles gesagt war…

Walter Jon Williams Erzählung handelt von einem Mädchen, das bereit ist, alles für ein Leben im Orbit zu tun…

Myra Cakan berichtet von einer Raumsonde, die für eine Delikatesse gehalten wird, sowie von dem Schriftwechsel mit
SF-Redakteuren…

C.J.Cherryh beschreibt in ihrem Kurzroman die Situation eines Mannes und eines Roboters, die auf einer paradiesischen Welt übrig bleiben…

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Gordon R. Dickson – Herren von Everon

Denk wie ein Maolot: Kognitive Reise in die Ökologie

Die Siedler auf der erdähnlichen Welt Everon halten sich für ihre Herren, doch als ein Junge von der Erde zusammen mit seinem Everon-Tier, einem Maolot, eintrifft und beginnt, nach seinem verschwundenen Bruder, einem Chef-Ökologen, zu suchen, zeigt sich, dass die Umwelt des Planeten keineswegs unterworfen wurde. Für die Menschen, die sich „Herren von Everon“ nennen, stellt sich die Frage, ob sie sich mit den wahren Herrschern arrangieren oder untergehen werden.
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Jo Clayton – Die Fallen von Ibex (Diadem-Zyklus 8)

Aleytys‘ spannende Suche nach ihrer Mutter

Aleytys, die junge Frau mit dem Diadem und den ihm innewohnenden Psi-Kräften, gelangt auf ihrer Suche nach der Superrasse der Vryhh, der ihre Mutter angehört, auf den Planeten Ibex. Diese Welt ist für Fremde verboten – und tödlich. (erweiterte Verlagsinfo)
Die Autorin

Patricia Jo Clayton (* 15. Februar 1939 in Modesto, Kalifornien; † 13. Februar 1998 in Portland) war eine US-amerikanische Autorin von Science-Fiction und Fantasy.

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Ronald M. Hahn (Hg.) – Gemischte Gefühle. Deutsche SF-Erzählungen

Unterhaltung kann tödlich sein, hier wie überall

Diese Anthologie mit deutschen SF-Storys versammelt – mit einer Ausnahme – Erstveröffentlichungen von bekannten Autoren wie Herbert W. Franke, Horst Pukallus und Ronald M. Hahn. Auch die Newcomer des Jahres 1981 Karl Michael Armer, Thomas Ziegler, Karl-Ulrich Burgdorf und Joachim Körber (der vor allem als Übersetzer von Stephen King bekannt ist) sind hier vertreten. Fast alle dieser Autoren haben sich in den folgenden Jahren, zum Teil bis heute, einen guten Namen gemacht und die Entwicklung der deutschen Science Fiction-Landschaft geprägt.
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Richard Matheson – Der dritte Planet

Matheson Dritter Planet Cover kleinZwölfmal sorgt der Verfasser dafür, dass sich im irdischen Leben „Twilight Zones“ öffnen, die den Protagonisten erschreckende und den Lesern unterhaltsame Erlebnisse bescheren, die den alltäglichen Wahnsinn extrapolieren, übertreiben oder auf die Spitze treiben: Trotz ihres beträchtlichen Alters lesen sich diese Geschichten weiterhin erstaunlich spannend, da die aufgegriffenen Themen zeitlos sind.

Inhalt:

Das Ungeheuer (Born of Man and Woman, 1950): Dieses Kind sperren seine entsetzten Eltern im Keller ein, was ihm missfällt, sodass es buchstäblich unmenschliche Rachepläne schmiedet.

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Gordon, Rex – Mars-Robinson, Der (TERRA 79)

Gordon Mars-Robinson Cover kleinDas geschieht:

„Projekt M 76“ bezeichnet den Versuch Großbritanniens, den Nachbarplaneten Mars zu erreichen. Weder die US-amerikanischen Verbündeten noch die bösen Sowjets ahnen etwas von dem Raumschiff, das mit sieben Astronauten an Bord sein Ziel ansteuert. So wird es auch bleiben, denn ein Unfall im All kostet fast die gesamte Besatzung das Leben. Es überlebt nur Ingenieur Gordon Holder, der ohne Pilotenausbildung eine Bruchlandung auf dem Mars hinlegt.

Dort ist er nun gestrandet und gilt als tot. (Funk gab es seltsamerweise nicht an Bord.) Auf dem öden Mars ist die Luft dünn, das Wasser knapp und die Luft schneidend kalt. Es existieren nur seltsame, halbwegs essbare Pflanzen und phlegmatische Insekten. Aber Holder entdeckt den Robinson Crusoe in sich und beginnt, sich mit seinen beschränkten Hilfsmitteln aber viel Hirnschmalz ein Refugium zu schaffen. Er errichtet eine Wasser-Destille, stellt Sauerstoff her und baut sich einen Raupenbuggy, mit dem er die nähere und weitere Entfernung erkundet.

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Clifford D. Simak – Planet zu verkaufen

simak-planet-cover-tt-113-kleinDiese außerirdische Invasion ist besonders tückisch, weil sie sich einer US-amerikanischen Ur-Tugend – der Gier nach dem schnellen Geld – bedient: Die Aliens kaufen den Planeten Erde und seine Bewohner buchstäblich auf. Als ihnen ein Journalist auf die Spur kommt, reagieren sie ungemütlich … – SF-Großmeister Simak variiert die bekannte Geschichte von der Invasion aus dem All ebenso einfallsreich wie witzig; sympathische Figuren und eine nostalgisch verklärte Handlungs-‚Gegenwart‘ runden diese gewaltarme und trotzdem spannende Geschichte unterhaltsam ab.
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Charles L. Harness – Die in der Tiefe

Harness Tiefe Cover klein3000 Jahre nach dem III. Weltkrieg sieht sich die neu entstandene Zivilisation durch mutierte Nachkommen der alten Herrscherkaste aus dem Untergrund bedroht … – Die inhaltlich bekannte Geschichte vom bedrohlichen Erbe einer gewaltreichen Vergangenheit wird als spannendes Abenteuer erzählt und angenehm kurz gehalten: kurzweilige „Post-Doomsday“-SF schon älteren Datums, die auf politisch korrektes Moralisieren gänzlich verzichtet.
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James White – Das Raumschiff der Rätsel

Der erste Kontakt zwischen Menschen und Außerirdischen gestaltet sich erst schwierig und dann katastrophal, bis die zahlreichen Probleme mit Verstand und Mut gemeistert sind … – Die beliebte Story vom Treffen mit dem Unbekannten wird klug durchdacht und ohne vordergründiges Actiongetümmel, sondern spannend und mit vielen Überraschungen durchgespielt: ein kleiner aber ganz feiner SF-Klassiker.
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Asimov, Isaac / Greenberg, Martin / Olander, Joseph (Hgg.) – Fragezeichen Zukunft

_Ewige Fragen, bis ans Ende aller Dinge_

Dies ist wieder mal eine jener Anthologien, denen Isaac Asimov, einer der bekanntesten SF-Autoren, nur seinen Namen, das Vorwort und eine Story geliehen hat. Die Kärrnerarbeit hatten Marty und Joe zu erledigen, d. h. die Herausgeber Martin Greenberg und Joseph Olander. Und entgegen der Ankündigung des Rückseitentextes sind weder Arthur C. Clarke noch Alfred Bester noch James Blish mit Beiträgen vertreten.

Dennoch ist die Storysammlung kein kompletter Reinfall, sondern bietet mit Novellen von John W. Campbell (Vorlage zu Nybys & Hawks‘ sowie Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“) und Theodore Sturgeon (über das Paradies der freien Liebe) zwei herausragende Beiträge, die man als SF-Fan kennen sollte.

_Die Herausgeber_

Isaac Asimov, geboren 1920 in Russland, wuchs in New York City auf, studierte Biochemie und machte seinen Doktor. Deshalb nennen seine Fans ihn neckisch den „guten Doktor“. Viel bekannter wurde er jedoch im Bereich der Literatur. Schon früh schloss er sich dem Zirkel der „Futurians“ an, zu denen auch der SF-Autor Frederik Pohl gehörte. Seine erste Story will Asimov, der sehr viel über sich veröffentlicht hat, jedoch an den bekanntesten SF-Herausgeber verkauft haben: an John W. Campbell. Dessen SF-Magazin „Astounding Stories“, später „Analog“, setzte Maßstäbe in der Qualität und den Honoraren für gute SF-Storys. Unter seiner Ägide schrieb Asimov nicht nur seine bekannten Robotergeschichten, sondern auch seine bekannteste SF-Trilogie: „Foundation“. Neben SF schrieb Asimov, der an die 300 Bücher veröffentlichte, auch jede Menge Sachbücher, wurde Herausgeber eines SF-Magazins und von zahllosen SF-Anthologien.

Übrigens ist in den biobliografischen Daten auch Martin H. Greenberg als Herausgeber ausgewiesen. Er gibt wahrscheinlich noch heute Anthologien zu einfallsreichen Themen heraus. Auch Joseph Olander ist ein Anthologist, denn Anthos sind in den USA ein einträgliches Geschäft für Verlage, um ihr Copyright mehrmals zu verwerten.

_Die Erzählungen_

_1) Brian W. Aldiss: Wer kann einen Menschen ersetzen? (1959)_

Nach dem Atomkrieg sind die Menschen fast vollständig ausgestorben. Das kapieren die Robotmaschinen aber erst nach und nach. Sie können nicht arbeiten, weil ihnen niemand mehr Anweisungen gibt, und weil das Klasse-eins-Zentralgehirn in der Hauptstadt sich im Krieg mit zwei Klasse-zwei-Gehirnen befindet, kommt es als Befehlsgeber auch nicht in Frage. Die verwaisten Maschinen machen sich auf nach Süden, weil es dort noch eine winzige Kolonie überlebender Menschen geben soll. Als sie einen zerlumpten, halbnackten, verletzten und ungeniert pinkelnden Mann treffen, sind sie glücklich, endlich ihren Meister gefunden zu haben.

|Mein Eindruck|

Teils eine traurige Post-Holocaust-Satire, teils eine Lewis-Carroll-Fantasie, liest sich die Story kurzweilig und wie ein Märchen. Sie wäre lustig, wenn der Anlass dafür nur nicht so ernst wäre.

_2) Mark Clifton: Was habe ich getan? (1958)_

Der Erzähler ist ein Stellenvermittler (so wie der Autor jahrelang Personaldirektor war) und kann von Berufs wegen einen Menschen im Handumdrehen einschätzen und beurteilen. Aber nicht diesen Typen, den er eines Tages am Imbissstand sieht. Der ist völlig ohne Ausdruck. Wenig später sitzt der Typ in seinem Büro, um sich vermitteln zu lassen. Aber obwohl der Fremde Astronomie studiert haben will, sagt er, seine Mathekenntnisse seien bescheiden – und er verspricht sich, als er angibt, das Sonnensystem haben zehn Planeten.

Spätestens jetzt ist unserem Chronisten klar, dass er es mit einem Fremdweltler zu tun hat, und sagt dies auch. Dessen Augen werden auf einmal völlig schwarz. Ja, das Ganze war ein Selbsttest. Dann verschwindet er. Doch unser Mann verfolgt ihn unauffällig. Allerdings wohnt in dem Häuschen, worin der Fremde verschwunden ist, nur ein altes Ehepaar, das äußerst misstrauisch ist. Wochen später ist der Fremde wieder im Stellenmaklerbüro, diesmal verkleidet als eine Art Romeo mit umwerfendem Charme. Die totale Übertreibung, aber das sagt unser Mann nicht.

Der Fremdweltler stellt ihn vor eine entscheidende Wahl, ein Dilemma: Entweder hilft er den Arkturianern bei ihrer Invasion der Erde, indem er ihnen beibringt, völlig glaubwürdig menschlich aufzutreten – oder die Menschheit wird ausgerottet. Der Arkturplanet hat ein Übervölkerungsproblem und braucht Lebensraum – auf der Erde. Das Dilemma: Die Menschheit wird entweder schnell oder langsam vernichtet. Protest fruchtet nichts. Also entschließt sich unser Mann zu einem hinterlistigen Plan.

Natürlich haben sich die Arkturianer in Beverly Hills niedergelassen. Unter der Hollywood-Bande fallen sie kaum auf mit ihrem marionettenhaften Auftreten. Es sind dreißig, die Vorhut, alle mit menschlichen Körpern versehen. Unser Mann lehrt sie, woraus Menschen bestehen: Körper, Geist, Seele. Und dann lehrt er sie Dinge über den Menschen, die ihnen zum Verhängnis werden, sobald sie sie anwenden …

|Mein Eindruck|

Das ist mal eine Invasionsstory der ungewöhnlichen Art. Die Kenntnisse, die unser Chronist – und mit ihm der Autor – einbringt, sind sehr interessant, denn man findet sie kaum jemals in der SF: gewöhnliche menschliche Eigenschaften aus dem Alltag. Was uns aber völlig normal erscheint, unterscheidet sich radikal von unseren Idealen, wie sie in der Literatur zu finden sind, etwa in frommen Büchern und romantischen Dramen.

Der Autor erweist sich als völlig desillusioniert, was die Besserungsfähigkeit der menschlichen Natur anbelangt. Und so fällt es dem Stellenvermittler leicht, den Aliens alle Ideale anzutrainieren, welche die Menschen ersehen – und aufs Heftigste ablehnen, sobald sie ihnen begegnen … Das sagt schon viel über diese Ideale aus. Und dass der Erzähler dazu gezwungen ist, sie zu lehren und zugleich zu verraten, veranlasst ihn zu der Frage im Titel der Story.

_3) Robert Silverberg: Warum? (1957)_

Wozu Raumfahrt, warum? – Brock und Hammond sind zwei Weltraumerforscher, die inzwischen schon elf Jahre unterwegs sind und 146 (oder 164) Welten besucht haben. Nirgends fanden sie intelligentes Leben, und allmählich hat Brock die Nase voll. Er stellt Hammond die unausweichliche Frage: „Warum? Warum machen wir das noch?“ Sie fingen an, als sie beide dreiundzwanzig Jahre alt waren und von der kleinen, engen, schmutzigen Erde genug hatten. Sie waren beileibe nicht die ersten Raumerkunder und werden nicht die letzten sein. Aber ihr Tun erscheint Brock allmählich sinnlos.

In der Nacht hat Hammond auf der Welt Alphecca II einen seltsamen Traum. Er träumt, er habe Wurzeln und würde wie eine Pflanzen wachsen. Doch gleichzeitig wünscht er sich, über den nächsten Hügel wandern zu können. Bevor er Brock davon erzählen kann, zeigt dieser ihm am Morgen, dass ihr Raumfahrzeug von Ranken überwuchert ist. Als sie die Gegend erkunden, wird Brock von einer dieser Ranken gepackt und um ein Haar entzwei gerissen. Natürlich gelingt die Befreiung, und sie ziehen sich ins Schiff zurück.

Endlich findet Hammond die Antwort auf die Frage seines Freundes …

|Mein Eindruck|

Silverberg ist ein Meister darin, sich einer vielfach vernachlässigten und missachteten Empfindung des Menschen anzunehmen: Langeweile, |ennui|. Wenn man schon alles gesehen, erlebt und besessen hat, wenn man unsterblich ist und ewig lebt, welche Werte gibt es dann noch, die einen Menschen veranlassen könnten, weiterleben zu wollen? Es ist eine der Fragen, die sich die SF stellt: Was bedeutet es, menschlich zu sein?

In dieser Story findet sich durch die Erfahrung des Gegenteils die Antwort auf die Frage, warum Menschen den Raum befahren. Weil sie eben Menschen sind und sich fortbewegen können. Pflanzen, selbst wenn sie intelligent sind, können dies nicht. Und wenn die Ranken einen Raumfahrer umschlingen, dann nicht, um zu fressen, sondern aus Neid und Eifersucht! Es ist das Privileg des Menschen, mobil zu sein, erkennt Hammond. Fortan nutzen die beiden Erkunder dieses Vorrecht weidlich aus und fliegen weiter in Regionen, die noch nie zuvor ein Mensch sah.

_4) Ron Goulart: Was ist aus Schraubenlocker geworden? (1970)_

Der Privatdetektiv Tom ist auf der Suche nach der kalifornischen Millionenerbin Mary Redland. Sie ist aus einer psychiatrischen Klinik verschwunden. Als er ihr Strandhaus betritt, wird er von einer intelligenten Spülmaschine attackiert, doch er kann sie überlisten, so dass sie über die Klippe ins Meer fällt. Mary Redlands Vater, der Erfinder, scheint eine ganze Reihe solcher Roboter gebaut zu haben – manche davon zu dem Zweck, Menschen zu töten.

Nach einigen Recherchen stößt er auf das mondäne Herrenhaus der Redlands. Im „Spielhaus“ hat sich Mary versteckt. Sie scheint ganz allein zu sein, als er sie findet. Tom scheint ein alter Freund der Familie zu sein, denn sie schüttet ihm sogleich ihr Herz aus. Der Grund, warum sie in der Psychiatrie war, scheint eine Gehirnwäsche gewesen zu sein. Die hatte ihr ihr Vater verpasst, um einen Mordplan zu vertuschen, den sie mitangehört hatte. Sowohl beim Mord als auch bei der Vertuschung half ihm dabei der Roboter Schraubenlocker. Dieser war als Marys Privatlehrer angestellt und sollte sie beschützen. Doch warum tat er ihr die Gehirnwäsche an?

Da tritt ein Mann ein, der eine Pistole auf Tom und Mary richtet. Es ist Schraubenlocker selbst. Er beschützt Mary immer noch vor der Wahrheit, warum dies alles damals geschah, als sie ein kleines Mädchen war, und besuchte sie sogar in der Klinik. Das löste ihre Flucht aus. Doch was hat er als Entschuldigung vorzubringen?

|Mein Eindruck|

Die Story ist eine hübsche kleine Detektivgeschichte. Das Besondere daran: Die Übeltäter scheinen Roboter zu sein. Was zunächst recht lustig wirkt, wird zunehmend ernst, bis es auf einer tragischen Note endet. Diese Roboter scheinen nicht den Asimov’schen Gesetzen der Robotik zu gehorchen, und doch ist es so. Bekanntlich dienen die Gesetze dazu, den Menschen ebenso wie den Roboter vor Schaden zu bewahren. Aber wie bewahrt man ein kleines Mädchen davor, einen dauerhaften seelischen Schaden davonzutragen?

_5) Kate Wilhelm: Wo bist du gewesen, Billy Boy, Billy Boy? (1971)_

Als Billy Gordon erst acht ist oder so, erlebt er, wie sein Vater, ein Professor (vermutlich der Soziologie oder Ökonomie), dem Senat vorschlägt, den drohenden Untergang der Welt durch eine radikale Lösung aufzuhalten. Die Überbevölkerung, die zu einer tödlichen Umweltverschmutzung führt, könne nur noch durch ein Mittel aufgehalten werden: Die Hälfte der Bevölkerung muss sterben, damit die andere überleben kann. Man erklärt Prof. Gordon für wahnsinnig.

Nichtsdestotrotz führt allein schon die Drohung und Überlegung über die Maßnahme zu Demonstrationen, die just, als Billy mit seiner Mutter Weihnachtsgeschenke kaufen will, zu gewalttätigen Ausschreitungen führen, in deren Verlauf seine Mutter ums Leben kommt. Doch Billy überlebt. Verfügt er über eine besondere Gabe?

Als er erwachsen ist, hat die Regierung einen Orwell’schen Überwachungsstaat errichtet, der gegen seine rebellischen Gegner brutal vorgeht. In seiner Marketingfirma sind keine Mitarbeiter mehr, er ist der letzte. In seiner Drei-Mann-Band verfasst er einen melancholischen Song, und als er am Abend mit ihnen nach Hause geht, fasst er mit Rhonda den verrückten Plan, sich mit einem Panzerwagen zum platten Land durchzuschlagen, raus aus der umkämpften Stadt.

|Mein Eindruck|

Diese Story, die völlig unchronologisch und nonlinear erzählt wird, muss man wahrscheinlich mehrmals lesen, um sie vollständig zu verstehen. Allerdings hat sie mich so deprimiert, dass ich dazu keinerlei Lust verspüre. Auf jeden Fall geht es um das Eintreffen der von Prof. Gordon vorhergesagten Katastrophe, aber auch um die Lösung, die er vorschlug: Die andere Hälfte der Bevölkerung verschwindet – und das in nur etwa 15 bis 20 Jahren, die Billy braucht, um erwachsen zu werden und einen führenden Job in seiner Firma zu erringen. Die beunruhigende Frage ist allerdings: Wie kam es zu diesem massenhaften Verschwinden? Könnte Billy etwas damit zu tun haben?

_6) Theodore Sturgeon: Wenn alle Menschen Brüder wären, würdest du einen davon deine Schwester heiraten lassen? (1967)_

Eigentlich ist Charli Bux nur ein Sesselfurzer und Rechnungsprüfer, aber er arbeitet im zentralen galaktischen Archiv und stolpert dabei über merkwürdig billige Rohstoffangebote. Hartnäckig, wie Charli nun mal ist, versucht er mehr darüber herauszufinden, außerdem mag er Jamaica Blue Mountain Kaffee und würde ihn selbst gerne so günstig kaufen. Auf der Welt Lethe jedoch kommt er nicht weiter, denn allen seinen Bemühungen, nach Vexvelt weiterzukommen, scheinen „unglückliche Umstände“ einen Riegel vorzuschieben. Dass es im Zentralarchiv keine Aufzeichnungen über diesen Planeten gibt, findet Charli ebenfalls ziemlich verdächtig.

Nun ist jedoch der Raumhafen von Lethe ein übles Pflaster, und so kommt es, dass Charli Gelegenheit hat, einem echten Vexveltianer im Kampf gegen nächtliche Räuber beizustehen. Zum Dank nimmt ihn der Mann namens Vorhidin an Bord seines Raumschiffs mit zu seiner verbotenen und versteckten Heimatwelt. An Bord lernt Charli die bezaubernde Tamba kennen, eine freigebige Schönheit mit rabenschwarzem Haar, die Charli gerne in die Mysterien der vexveltianischen freien Liebe einführt. Vorhidin hat absolut nichts dagegen, ganz im Gegenteil. Charli, das ist klar, verliebt sich auf der Stelle in Tamba. Klar, dass er neugierig ist auf die Welt, von der Tamba stammt.

Kurz gesagt, ist Vexvelt ein ökologisches Utopia mit dem besonderen Flair von Kalifornien. Die Gesellschaft gedeiht und alle sind happy. Doch schon in der ersten Nacht erleidet Charli einen Schock: Tamba will nicht mit ihm schlafen, sondern mit ihrem Bruder Stren. Sie habe es diesem versprochen. Charli braucht Wochen, bis er darüber hinwegkommt, und verantwortlich ist dafür vor allem die Fürsorglichkeit von Tambas rothaariger Schwester Tyng. Doch als er diese eines Morgens im Bett ihres Vaters Vorhidin vorfindet, bricht Charli vollkommen zusammen. Wieder dauert es Wochen, bis Vorhidin Charli so weit hat, dass Charli bereitet ist, die Besonderheit von Vexvelt zu verstehen und zu akzeptieren.

Doch eine Sache hat Charli immer noch nicht begriffen: Warum die anderen Welten eher bereit wären, Vexvelt auszuradieren, als mit den Verfemten Handel zu treiben, und sei er noch so lukrativ. Ja, die Vexvelter können sogar Krebs heilen. Erst als er mit seinem Boss, dem Archivmeister, gesprochen hat, muss er resignierend anerkennen, dass es nun mal so ist, das niemand etwas mit dieser Kultur zu tun haben will. Wenn er auf Vexvelt umsiedeln will, muss er allem entsagen, was er gekannt und geliebt hat. Eine schwere Wahl.

|Mein Eindruck|

Diese Novelle wurde 1967 als Beitrag für Harlan Ellisons berühmte Anthologie „Dangerous Visions“ veröffentlicht. Alle Beiträge sollten eingefahrene Vorstellungen in Frage stellen und den Leser provozieren. Und tatsächlich ist diese Geschichte auch heute noch – und solange es das Inzest-Tabu geben wird – dazu angetan, Aversionen und Diskussionen auszulösen. Denn keineswegs wird hier Inzest mit Eltern und Geschwistern als negativ dargestellt, sondern vielmehr als positiver kultureller und biologischer (!) Faktor.

Die Geschichte braucht sehr lange, bis dem Leser die Wahrheit enthüllt wird, warum die Außenwelt diesen Planeten so schrecklich findet und geächtet hat. Das ganze Drumherum wird in dem langen Dialog durchgekaut, den Charli mit seinem Archivmeister führt. Charlie erzählt nicht alles, und deshalb erfahren wir seine zurückgehaltenen Erinnerungen in Kursivschrift. Erst das letzte Drittel ist praktisch Charlis Erlebnis aus erster Hand und besteht wiederum in der Hauptsache aus einem langen Dialog, wobei Vorhidin alle Punkte vorbringt, die für Inzest und gegen dessen Ächtung sprechen. Warum aber Charli so disponiert ist, am Ende zu den Vexveltianern überzulaufen, wird aus der Geschichte nicht ersichtlich. Das ist eine weitere Schwäche.

All diese Quasselei fand ich jedenfalls sehr ermüdend. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Leser von „Dangerous Visions“ zusätzlich zu dieser Story auch noch das obligatorische, ausführliche Vorwort von Herausgeber Harlan Ellison ertragen konnten.

Jedenfalls würde ich dem Leser, der Sturgeon als einen der wichtigsten und besten Story-Erzähler kennenlernen will, die neuen Storysammlungen empfehlen, die der |Shayol|-Verlag veranstaltet. Michael Iwoleit hat Sturgeon in seinem Essay im „Heyne SF Jahr 2007“ ausführlich vorgestellt (ab. S. 285).

_7) John W. Campbell: Wer geht dort? (1938)_

Dies ist die literarische Vorlage für Howard Hawks‘ & Christian Nybys SF-Film „Das Ding aus einer anderen Welt“ – und natürlich auch für dessen Remake von John Carpenter!

Die Besatzung der amerikanischen Südpol-Station ist im ewigen Eis auf ein außerirdisches Raumschiff gestoßen, das seit zwanzig Millionen Jahre hier liegen muss – es hat einen zweiten magnetischen Südpol verursacht. Um eindringen zu können, sprengen sie das U-Boot-förmige Vehikel mit Thermit – und setzen es dabei in Brand, weil sie zu spät merkten, dass es vor allem aus Magnesium bestand. Doch ein Insasse ist entkommen, nur um jedoch sogleich zu Eis zu gefrieren. Und diesen Eisblock haben sie nun auf einem Tisch in ihrer Basis liegen.

Was ist damit zu tun, lautet nun die Frage, die die Wissenschaftler zu entscheiden haben. Bringt der Außerirdische Mikroben mit, die Menschen schaden könnten? Nachdem man sich entschieden hat, den Block aufzutauen, ist schließlich zu erkennen, dass das Fremdwesen drei rote Augen in einem blauen Fell hat und sich Tentakel am „Kopf“ bewegen – es lebt! Doch keiner hat daran gedacht, dass es Gedanken lesen oder beeinflussen könnte. Noch ahnt auch keiner, dass es die Gestalt von organischen Lebensformen annehmen könnte.

Als das Alien auf einmal verschwunden ist und es nicht gefunden werden kann, dämmert Kommandant Garry und seinem Vize McReady die schreckliche Wahrheit: Das Alien kann sich in jeden der Männer verwandelt haben, indem es dessen Zellsubstanz imitiert. Und ebenso schnell kann es sich mit der zusätzlichen Zellmasse vermehren und andere Lebewesen, etwa Schlittenhunde, übernehmen und imitieren.

Die Frage ist nun: Gibt es einen endgültigen Test, der beweist, dass ein menschlich aussehender Proband mit absoluter Sicherheit kein Alien ist?

|Mein Eindruck|

Anfang und Ende des Textes sind der Action gewidmet, und Hawks dürfte wohl alles bis Seite 30 verwendet haben. Doch dann kommt eine Zäsur, die einen ruhigen Mittelteil einleitet, in dem fast nur geredet wird. Das ist ziemlich ermüdend, wenn auch notwendig, um die Lage zu begreifen, in der sich die Leute nach dem Verschwinden des Alien befinden (man denke an den Alien-Film von Ridley Scott). Sie haben zudem nicht viel Zeit, denn das Alien wird versuchen, die ganze Erde zu erobern und mit seiner Art zu bevölkern.

Mir hat das Lesen nicht viel Spaß gemacht, denn die Szenen sind wie gesagt nicht sonderlich anschaulich, bis auf das Finale, und die Erzählmethode derartig antiquiert, dass ich nur den Kopf schütteln konnte. Am Anfang berichtet McReady seitenlang in einem ununterbrochenen Monolog von den Ereignissen beim Raumschiff der Aliens. Dann treten die einzelnen Wissenschaftler auf, und allein schon die Aufgabe, sich deren Namen zu merken, ist anspruchsvoll.

Noch seltsamer ist jedoch die Methode der Charakterisierung. Das war wohl der damalige Groschenheftstil, aber so holzschnittartig trieben es selbst Asimov und Heinlein nicht. McReady ist ein bronzener Riese und ein anderer Mann scheint nur aus Stahl zu bestehen. Klar, dass wir diesen Typen trauen sollten. Aber nur weil das behauptet und mehrmals wiederholt wird, muss es noch lange nicht glaubhaft klingen. Wahrscheinlich hielt der Autor seine (meist jugendlichen) Leser für begriffsstutzig.

In der Übersetzung durch Rosemarie Hundertmarck, die hier vorliegt, wurden alle Kapitel säuberlich nach Sinn- und Zeiteinheiten getrennt.

_8) Damon Knight: Auge um Auge – aber wie? (1957)_

Die Vorhut der irdischen Flotte unter dem Kommando von Commander Carver versucht auf der erdähnlichen Welt eines Sterns vom Sol-Typ einen Stützpunkt zu errichten und Handelsbeziehungen zu etablieren. Während eine Delegation auf dem Planeten Kontakt mit dem Ältestenrat der intelligenten Gorgoner aufnimmt, nimmt das Raumschiff einen Vertreter der Gorgoner an Bord. Die Forscher für Fremdwesen, die Xenologen, taufen ihn auf den Namen George. Nach einer Weile können sie sich gut mit ihm verständigen, doch der Begriff „panga“ ist ihnen ein Rätsel. Ist es eine Verwandtschaftsbezeichnung? Aber warum ist sie dann so verwirrend?

Da kommt es zum einem peinlichen Zwischenfall bei einem Bankett im Kapitänszimmer. Während George sich bislang immer zurückgehalten hat, reißt er beim Dessert der Gattin des Kapitäns das Dessert weg und verzehrt es selbst! Die werte Dame kippt hintenüber und bekommt einen hysterischen Anfall. Klar, dass George erst einmal in Sicherheit gebracht wird. Die Xenologen wollen keinen diplomatischen Zwischenfall riskieren, wenn ihre Delegation auf dem Planeten als Geisel genommen werden könnte. Erst einmal die Gorgoner fragen.

Der Ältestenrat urteilt, dass George von den Geschädigten, also den Menschen, bestraft werden müsse. Und zwar muss diese Strafe so angemessen ausfallen, als wenn sie von einem Gorgoner vollstreckt worden wäre. Falls die Bestrafung nicht angemessen und rechtzeitig bis Ablauf einer Frist erfolgt ist, werde die Delegation stattdessen bestraft. Nun ist guter Rat teuer: Wie bestraft man ein Wesen, das kugelrund ist, sich beliebig strecken und unter Wasser atmen kann? Wie sich herausstellt, spielt „panga“ eine Schlüsselrolle – in letzter Sekunde …

|Mein Eindruck|

Nach Bewältigung dieser Krise beim Erstkontakt hat der Kapitän jedoch keinerlei Interesse mehr an der Welt dieser Gorgoner und zieht mit seiner Flotte weiter. Die Logik dahinter erschließt sich dem Leser bei genauerem Nachdenken durchaus, allerdings wird sie ihm nicht auf dem Silbertablett serviert.

Die Story ist wunderbar anschaulich erzählt, und eine ganze Reihe von komisch-drastischen Szenen sorgen ebenso für Unterhaltung wie die überraschenden Wendungen am Schluss. Auf jeden Fall weiß man am Ende auch, was unter „panga“ zu verstehen ist.

_9) Frederik Pohl: Ich Plinglot, wer du? (1958)_

Vor dem US-Senat sagt ein Mr. Robert S. Smith aus, er habe einen Aktenordner gefunden, in dem stehe, dass die Russen Kontakt zu den Außerirdischen vom Aldebaran hätte und sie demnächst erwarten würden. Wenig später trifft Mr. Smith (der sich nun anders nennt) den kommunistischen Parteisekretär in Moskau und verrät ihm bzw. seinen Unterlingen, die Amis würden demnächst Besuch vom Aldebaran bekommen. Wenig später taucht Mr. Smith in Paris auf, um einem Monsieur Duplessin vom Liebesleben der edlen Aldebaran vorzuflunkern. Enthusiastisch bietet M. Duplessin den Aldebaranern seinen Schutz vor den schurkischen Amis und Russkis an.

Da nun der Boden für seine Mission bereitet ist, verschnauft Mr. Smith für einen Moment, bevor er in der Mojave-Wüste seine Rakete auf Kurs zum Mars schickt. Doch kurz vor ihrem Start entdeckt er einen Aldebaraner an Bord, einen blinden Passagier. Das etwa dreißig Zentimeter große Wesen beschwert sich bitterlich darüber, was Mr. Smith mit seinem Volk auf dem schönen aldebaranischen Planeten angerichtet hat. Er habe alle Völker, die seit hundert Jahren friedlich kooperiert hätten, aufeinander gehetzt, bis der Atomkrieg ausbrach und dabei die Meere verdampften.

Mr. Smith – oder Plinglot von Tau Ceti – schickt den letzten Mohikaner mitsamt seiner Rakete zum Mars, damit diese von dort zur Erde zurückkehre und die Menschen gehörig in Aufruhr versetze – oder sogar mehr. Dann begibt er sich nach Washington zum Senat. Durch den Aldebaraner abgelenkt, hat Plinglot jedoch vergessen, wieder eine menschliche Gestalt anzunehmen. Ups, er erlebt eine Überraschung nach der anderen …

|Mein Eindruck|

Mr. Smith ist offensichtlich ein |agent provocateur|, der einen Kriegsausbruch hervorrufen will. Wie sich zeigt, ist er für unseren galaktischen Sektor zuständig und handelt im Auftrag seiner Mutter. Und wie könnte man eine Rasse, die gerade die Raumfahrt entdeckt, besser kurzhalten, indem man einen Krieg provoziert, der diese Rasse um Jahrhunderte zurückwirft oder gar völlig vernichtet?

Geschickt und anschaulich erzählt, warnt diese Story aus dem Kalten Krieg ebenso wie William Tenns (folgende) Story vor dem Atomkrieg und dem Holocaust. Sie ist zugleich ein Aufruf zu Frieden und Versöhnung, aber auch zu Wachsamkeit gegenüber Kriegstreibern wie Mr. Smith.

_10) William Tenn: Wollt ihr nicht ein bisschen schneller gehen? (1951)_

Der SF-Autor, der den Ich-Erzähler darstellt, wird eines Tages von einer Art Gartenzwerg in einer Fliegenden Untertasse entführt und zum Mutterschiff geflogen. Dort befinden sich andere Vertreter der menschlichen Rasse. Sie fragen sich alle, was sie hier sollen und wer die Kobolde sind.

Der Oberkobold hält per Live-Übertragung eine Ansprache an die Menschen. Er stellt sie vor eine Wahl. Da sie eine selbstmörderische Spezies sind und da die Kobolde gerne diesen schönen blauen Planeten als neue Heimstatt übernehmen würden, sollten die Menschen doch bitteschön die ultimative Waffe wählen, die ihnen die Kobolde anbieten, und sich gefälligst selbst eliminieren.

Das Problem der Kobolde ist nämlich: a) Sie haben wenig Zeit und b) die Menschheit hat sich mit den Atombomben (noch) nicht in die Luft gejagt und c) ein Krieg mit H-Bomben würde den Planeten Erde auf Jahrmillionen unbewohnbar machen. Höchste Zeit daher, dass sich die Menschen gegenseitig umbringen. Also, wie wär’s?

Als der Erzähler wieder nach Hause gebracht worden ist, fragt er sich, welcher Vertreter der Menschheit so verrückt sein könnte, den Kobolden ihre Wahl positiv zu beantworten. Ein einfaches Signal würde schon genügen. Man stellt eine Schüssel Milch vor die Tür …

|Mein Eindruck|

Diese kurze Story wurde 1951 veröffentlicht, und sicherlich unter dem überwältigenden Eindruck der ersten H-Bomben-Versuche der USA und – wenig später – der Sowjetunion. Das Wettrüsten im Kalten Krieg begann, der Weltuntergang schien in greifbare Nähe gerückt zu sein. Und dann kommen die Außerirdischen in ihrer Gartenzwergverkleidung und stellen die Menschheit vor eine verhängnisvolle Wahl.

Auf diese Weise macht der Autor klar: Wenn schon die Menschen nichts Vernünftiges mit diesem Planeten anfangen können, so gibt es doch eine Reihe anderer Interessenten, die dieses nette Weltraumgrundstück haben wollen. Möglichst ohne lästige Mitbewohner. Dummerweise haben die Menschen bloß diese eine Welt. Aber wie lange wird der Frieden dauern, bis es einem Selbstmörder einfällt, das letzte Signal zu geben?

Wie man sieht: eine Geschichte mit einem grimmigen Hintergrund und einer ernsten Botschaft, aber lustig vorgetragen.

_11) Isaac Asimov: Die letzte Frage (1956)_

In den 1950er Jahren (als diese Story entstand) stellen zwei angesäuselte Computertechniker zum ersten Mal jene Frage an das leistungsfähigste Elektronengehirn. Die Frage, die Multivac beantworten soll, lautet: „Gibt es eine Möglichkeit, die Entropie umzukehren?“ Die Entropie ist bekanntlich die allgemeine Bewegung des Universums zu allgemeinem Chaos, Energieverlust und Wärmetod. „Ließe sich beispielsweise eine neue Sonne schaffen, um die Entropie umzukehren?“ Diese Frage wird den jeweiligen Superhirnen ihrer Zeit immer wieder gestellt, heißen sie nun Mikrovac, Galaktischer AC, Universaler AC oder gar Kosmischer AC. Noch in Milliarden Jahren wird sie gestellt.

Und immer lautet die Antwort gleich: „Bisher reichen die Daten für eine sinnvolle Antwort noch nicht aus.“ Bis auf das letzte Mal, als der Kosmische AC, der vollständig im Hyperraum existiert, auf eine geniale Antwort verfällt. Schließlich verfügt er nach dem Ende des Universums über genügend Daten …

|Mein Eindruck|

Die letzte Frage gilt, wie zu erwarten, den letzten Dingen. Eines dieser letzten Dinge ist das Ende von allem. Lässt es sich aufhalten oder gar – verwegener Gedanke – umkehren? Bemerkenswert ist an der Story, dass die Frage nicht dem Papst oder dem Dalai Lama gestellt wird, sondern dem leistungsfähigsten künstlichen Gehirn. Denn die Frage gilt ja nicht einem Glaubenssatz – wo ist Gott? -, sondern einem wissenschaftlichen Faktum: Die Entropie nimmt unendlich zu. Das ist einfach einer der Hauptsätze der Thermodynamik. Er gilt schon seit Jahrhunderten unangefochten. Warum sollte ihn also ein wissenschaftlich errichtetes Gerät nicht beantworten können?

Da die Frage nie beantwortet wird – „unzureichende Daten“ -, begleitet sie die Menschheit bei ihrer Ausbreitung über das Sonnensystem, die Galaxis und alles darum herum. Denn die Menschen sind nicht nur überall, sondern auch unsterblich geworden. Trotz dieser annähernden Allmacht können sie den Hauptsatz der Thermodynamik nicht beugen, sondern werden vielmehr dessen Opfer. Auch sie können der Entropie nur auf dem Wege des Hyperraums entgehen, wo der Kosmische AC weiterexistiert. Und nur von dort aus lässt sich ein Neuanfang wagen: „Es werde Licht …“

Der Biochemieprofessor Asimov vermittelt in seiner Geschichte einige wertvolle Einsichten über die Begrenztheit menschlichen Wollens und Erkennens angesichts der Gesetze der Physik. Und ob Computer nun wirklich aus Molekülen gebaut werden oder nicht, spielt eigentlich nur eine untergeordnete Rolle. Heute wird jedenfalls schon daran geforscht.

_Unterm Strich_

Anthologieherausgeber haben sich schon die abgelegensten Themen einfallen lassen – von Katzen und Einhörner über den Götter-Olymp bis hin zu Nanotechnologie. Warum nicht auch zu Fragen, um mal eine überflüssige zu stellen? Aufgrund des Alters dieses Buches – es erschien 1980 – sind die Storys zwar nicht gerade die neuesten (die modernste erschien 1971), aber dafür sind ein paar gute Namen unter den Autoren, und es sind nicht, wie so oft, alles Männer.

Das Niveau bewegt sich meist im guten Mittelmaß, wie mir scheint, und nur ein oder zwei Ausreißer nach oben sind zu verzeichnen. Einer davon könnte als „Wer geht da?“ angesehen werden, doch ich bin kein Fan von John W. Campbell. Aber auch Theodore Sturgeon, von dem ich ansonsten viel halte, hat mich diesmal etwas enttäuscht. Die restlichen Storys sind ganz nett, aber sicherlich nicht weltbewegend. Nur bei Kate Wilhelms „Billy“-Story könnte man ins Grübeln verfallen, denn sie liefert keine fixe Lösung, sondern nur ein Puzzle, das man selbst zusammensetzen muss.

Am lustigsten und hintersinnigsten ist wohl Damon Kinights Geschichte über die Gorgorianer. Sie erfordert, nach etlichen überraschenden Wendungen, ein wenig Nachdenken über den Schluss der Story. Aber die Lösung sollte kein Problem sein. Alles in allem bietet der Band also eine Menge Antworten – und stets auch Informationen über den jeweiligen Autor, ideal für Einsteiger.

Taschenbuch: 303 Seiten
Originaltitel: The Future in Question, 1980
Aus dem US-Englischen von Rosemarie Hundertmarck

Asimov, Isaac (Hg.) – besten Stories von 1939, Die

_Gemischte Qualität: Klassiker neben Talmi_

1939 war im Gegensatz zur „Welt da draußen“ ein großartiges Jahr für die amerikanische Science-Fiction. Beim Magazin „Astounding Stories“ war nämlich John W. Campbell sein erstes volles Jahr am Ruder, und er zog eine neue Generation von Autoren heran, die fortan Garanten für SF-Klassiker wurden: Heinlein, Asimov, van Vogt, Sturgeon und viele andere.

Sie wurden unter anderem deswegen zu Klassikern, die bis heute in hohen Auflagen verlegt werden (zumindest Heinlein und Asimov), weil sie der neuen Ideologie des Herausgeber genauestens folgten. Storys sollten eine nachvollziehbare (halbwegs) wissenschaftliche Grundlage besitzen und in einer spannenden Handlung die logischen Konsequenzen daraus aufzeigen. Außerdem durften die Aliens niemals siegen oder schlauer als wir sein, und es gab immer eine Lösung.

Der Fantasy wurde damit ebenso endgültig der Garaus gemacht wie dem Skeptizismus (der „Schwarzseherei“) von H. G. Wells. Doch die Ideologie hatte innerhalb der SF bis Anfang der fünfziger Jahre Bestand und wurde und wird innerhalb von „Astounding“ und seinem Nachfolger „Analog“ bis heute weiterverfolgt. Dass Campbell selbst auf Pseudowissenschaft wie Hubbards Scientology hereinfiel (wie auch van Vogt eine Zeit lang) tat seinem Ansehen keinen großen Abbruch.

Aber Autoren wie Philip K. Dick demontierten ab 1952 Campbells Maximen systematisch eine nach der anderen – und wurden auf diese Weise für uns Heutige weitaus einflussreicher als die erste Generation unter Campbell.

_Der Herausgeber_

Isaac Asimov, geboren 1920 in Russland, wuchs in New York City auf, studierte Biochemie und machte seinen Doktor. Deshalb nennen seine Fans ihn neckisch den „guten Doktor“. Viel bekannter wurde er jedoch im Bereich der Literatur. Schon früh schloss er sich dem Zirkel der „Futurians“ an, zu denen auch der SF-Autor Frederik Pohl gehörte. Seine erste Story will Asimov, der sehr viel über sich veröffentlicht hat, jedoch an den bekanntesten SF-Herausgeber verkauft haben: an John W. Campbell. Dessen SF-Magazin „Astounding Stories“, später „Analog“, setzte Maßstäbe in der Qualität und den Honoraren für gute SF-Storys. Unter seiner Ägide schrieb Asimov nicht nur seine bekannten Robotergeschichten, sondern auch seine bekannteste SF-Trilogie: „Foundation“. Neben SF schrieb Asimov, der an die 300 Bücher veröffentlichte, auch jede Menge Sachbücher, wurde Herausgeber eines SF-Magazins und von zahllosen SF-Anthologien.

Übrigens ist in den biobliografischen Daten auch Martin H. Greenberg als Herausgeber ausgewiesen. Er gibt wahrscheinlich noch heute Anthologien zu einfallsreichen Themen heraus. Einmal ist eine Anmerkung von ihm zu Th. Sturgeon zu lesen.

Jede Erzählung wird mit einer Anmerkung von Greenberg zum Autor und seinem Werk eingeleitet. Asimov steuert lediglich eine persönliche Anekdote bei, wie er den Autor kennen gelernt hat – oder auch nicht.

_Die Erzählungen_

1) |Eando Binder: Ich, der Robot| (I, Robot)

Asimov war nicht der erste SF-Autor, der über Roboter schrieb. Die künstlichen „Arbeiter“ – so die Übersetzung von „robot“ – traten erstmals in Karel Capeks Theaterstück „R.U.R. – Rossums Universalroboter“ auf. Das war im Jahre 1920.

Der Metallmann Adam ist die Schöpfung des Erfinders Dr. Link. Adam bekommt eine Schulung und Ausbildung, die sich in erster Linie auf seine Beweglichkeit und Denkfähigkeit bezieht. Auf Interaktion mit Menschen legt Dr. Link nur geringen Wert und das soll sich bitter rächen. Die Haushälterin hält Adam für den Leibhaftigen und kommt nicht wieder, auch der Gärtner Charlie wirkt plötzlich sehr nervös. Es ist eben eine ländliche Gegend, in der sich Dr. Links Labor befindet. Als er durch einen Unfall stirbt, lässt er Adam Link als Waisenknaben zurück. Die neue Haushälterin erblickt Adam über den toten Körper Links gebeugt, mit blutigen Fingern – natürlich muss er der Mörder sein!

Erst am Ende der folgenden Treibjagd auf ihn bekommt Adam das einzige Buch in die Hände, das ihm Dr. Link nicht zu lesen gegeben hat: „Frankenstein“ von Mary Shelley (1818). Nun wird ihm einiges klar. Aber für ihn ist das Buch von A bis Z sinnlos: Denn wie könnte sich eine Schöpfung wie Adam jemals gegen ihren Schöpfer erheben? Das erscheint ihm unmöglich. Bevor man ihn demontiert, schaltet sich Adam lieber selbst ab. Er weiß, dass diese Welt nicht auf seinesgleichen vorbereitet ist.

2) |Robert Bloch: Richard Claytons seltsame Reise| (The strange flight of Richard Clayton)

30 Jahre lang hat Richard Clayton auf diesen Tag hingearbeitet. Nun, 1957, kann er endlich seine Reise zum Mars antreten. Seine atomgetriebene Rakete „Future“ soll ihn zehn Jahre lang zum Roten Planeten tragen und zehn Jahre wieder zurück, automatisch gesteuert, versteht sich. Doch kurz nach dem Start ereignet sich ein Missgeschick, und die Steuerinstrumente fallen aus. Nun ist Clayton ganz der Gnade der Automatik ausgeliefert. Zu allem Überfluss beginnen der Boden und die Wände auf unerträgliche Weise zu vibrieren. Das Rütteln und Schütteln will ihn schier um den Verstand bringen. Und was noch schlimmer ist: Er verliert jedes Gefühl für das Verstreichen der Zeit.

Als nach „zehn Jahren“ die Triebwerke endlich selbst abschalten, entsteigt der Kapsel ein Tattergreis, den die Bedienmannschaft zunächst überhaupt nicht erkennt. Als der Mann fragt, wie viel Zeit in der Wirklichkeit verstrichen sei, bringt ihn die Antwort buchstäblich um: eine Woche! Denn er hatte einen wahren Horrortrip erlebt …

Tjaja, die gute alte Zeit: Sie spielt jedem ihre Streiche, der nicht über die die Relativitätstheorie Bescheid weiß. Normalerweise ist es ja nach Einstein umgekehrt: Für den beinahe lichtschnell fliegenden Astronauten verstreicht die Zeit wesentlich langsamer als für den Freund, den er auf der Erde zurückgelassen hat. Stanislaw Lems „Astronauten“ kehren daher zu einer Erde zurück, in der sie sich kaum zurechtfinden können.

Was Bloch sagen möchte, ist wohl dies: Der Trip, den wir in unserem Verstand unternehmen können, kann mindestens ebenso, wenn nicht sogar unendlich viel wundersamer und fürchterlicher sein als jede Wirklichkeit, der wir dort draußen begegnen könnten. Dem würde Philip K. Dick voll zustimmen. Nicht umsonst nimmt Clayton ständig diese kleinen Pillen. Wer weiß, wozu sie alles gut sind …

3) |Horace L. Gold: Der Ärger mit dem Wasser| (Trouble with Water)

Herman Greenberg ist ein braver Würstchenbudenbetreiber auf Long Island, der Vater einer erwachsenen Tochter und Gatte von Esther, die Herman unterm Pantoffel hat und Rosie unbedingt unter die Haube bringen will. Wer könnte es Herman verdenken, dass er einmal seine Ruhe haben und angeln gehen will? Den Streit mit der keifenden Esther hat die Angelrute allerdings nicht heil überstanden, was Hermans Laune nicht gerade hebt.

Als er einen grünen Hut als einzige Beute ins Boot zieht, wundert er sich noch, aber als ein grünhäutiger Wassergnom seinen Hut höflich zurückhaben möchte, da platzt Herman der Kragen. Er zerfetzt den Hut in kleine Stücke. Das hätte er wirklich nicht tun sollen, denn der Gnom ist für den Fischbestand und die Regenfälle entlang der Ostküste zuständig. Er belegt den Menschen mit einem Fluch, um ihn Respekt vor dem Kleinen Volk zu lehren.

Anfangs ist Herman noch ungläubig, doch schon bald muss er die bittere Wahrheit anerkennen: Das Wasser scheut vor ihm zurück. Ja, es explodiert geradezu aus dem Glas, wenn er dieses in die Hand nimmt. Das wirkt sich besonders verheerend aus, als Rosies Verehrer zum Abendessen kommt … Niemand versteht Herman, natürlich. Und der Arzt will ihn sogar einweisen lassen. Nur Mike, der irische Polizist, versteht den Ärger, den man mit dem Kleinen Volk haben kann. Aber er hat einen Tipp: Herman kann zumindest Bier trinken – es funktioniert! Und wenn der nun dauerbesoffene Jude es nun auch noch schafft, dem Wassergnom Zucker zum Zeichen seiner ehrlichen Reue zu schenken, dann wäre er erlöst. Doch wie bekommt man a) Zucker unaufgelöst hinaus auf den See und b) wie rudert man ein Boot durch die Luft?

Diese Story ist zwar sehr altmodisch in ihrem kulturellen Setting anno 1929, aber immer noch eine der humorvollsten Geschichten, die jemals in Fantasy und SF geschrieben wurden.

4) |Lester del Rey: Feierabend| (The day is done)

Hwugh ist der letzte Neandertaler auf Erden. Seit die Cro-Magnon gekommen sind, ist das Wild immer weniger geworden, so dass für die langsamen Tschokanga kaum noch etwas übrig geblieben ist. Sein Bruder legte sich einfach hin und hauchte seinen letzten Atem aus. Hwugh ist alt geworden, und selbst die Gesellschaft einer verstoßenen Cro-Magnon-Frau kann ihn nicht mehr aufmuntern. Der Medizinmann des Stammes der „Schwätzer“ würde Hwugh als lebendes Mahnmal gerne bei sich aufnehmen, doch die Lausejungen des Zeltdorfes haben es auf „Affengesicht“ abgesehen. Sie werfen ihn in den Bach, und mit knapper Not kann sich der Alte aus seinen Fesseln befreien und auftauchen. Doch der nachfolgende Husten will ihn nicht verlassen …

Die wunderbar einfühlsame und anschauliche Geschichte illustriert die Unausweichlichkeit der Evolution. Die flinken und anders gebauten, mit modernen Waffen wie Pfeil und Bogen ausgestatteten Cro-Magnon haben die Neandertaler komplett verdrängt. Dass sich deren Niederlage nicht nur auf materielle Not bezieht, sondern auch eine Sache der mentalen Einstellung sein kann, belegt das Schicksal Hwughs. Obwohl er angeboten bekommt, von den Almosen des Schamanen seinen Lebensabend zu fristen, zieht er es vor, den Zeitpunkt seines Todes selbst zu wählen: mit dem letzten Rest an Selbstbestimmung, der ihm geblieben ist. Und in den Ewigen Jagdgründen wartet ja bereits sein Volk auf ihn.

5) |Alfred Elton van Vogt: Der schwarze Zerstörer| (Black Destroyer; Juli 1939: Urknall des „Goldenen Zeitalters der SF“)

„Diese Story traf die Leser von Astounding wie ein Hammerschlag“, meint Asimov. Recht hat er. Sie ist einfach unvergesslich. – Coeurl ist ein intelligentes tigerartiges Raubtier, das auf seiner Welt bereits sämtliche Beutetiere ausgerottet hat – Beutetiere, die Coeurl das kostbare „Id“ liefern. Wie sich später herausstellt, handelt es bei Id um Phosphor. Coeurl lebt auf einer abgelegenen Welt, wo vor Äonen ein Krieg sämtliche Städte zerstört und die Bevölkerung getötet hat.

Deshalb ist die Landung eines Forschungsschiffes von der Erde gleichsam ein Geschenk des Himmels für den Räuber: hundert ahnungslose Wesen mit ungeheuren Mengen an Id! Es sind zumeist harmlose Wissenschaftler und unter ihnen ist nur der misstrauische Chemiker Kent bewaffnet. Die Biologen sind hingerissen von der fremdartigen Anatomie – ein Tiger mit Tentakeln – und Körperchemie Coeurls und bringen ihn an Bord ihres Schiffes.

Doch als in den Ruinen der Stadt ein Besatzungsmitglied tot aufgefunden wird, kommt ein böser Verdacht auf. Der Kollege wurde regelrecht zerfetzt, sein Fleisch jedoch nicht angerührt. Alles, was fehlt, ist Phosphor. Es kommt zu einem heftigen Streit, wie man sich gegenüber einer solchen Bedrohung zu verhalten hat. Der Archäologe Korita hat eine seltsame Theorie, auf welcher Zivilisationsstufe sich Coeurl befinden könnte.

Commander Morton lässt den schwarzen Tiger mit den erstaunlichen Fähigkeiten nun doch lieber in einen Käfig einsperren und verlässt den Planeten. Doch die Gefahr durch Coeurl ist keineswegs gebannt. Ganz im Gegenteil …

Die Story funktioniert auf mehreren Ebenen und ist deshalb immer noch interessant. Obwohl die Erdenmenschen über fortschrittliche Atomtechnik verfügen, gelingt es ihnen nicht, Coeurl zu besiegen. Denn der schwarze Tiger beherrscht etwas, was sie nicht können: Energiemanipulation. Er ist ein lebender Energieumwandler, der auf diese Weise auch die Kräfte zerstören kann, die härtesten Stahl zusammenhalten. Natürlich ist er auch rasend schnell. Hinzukommt, dass Coeurl Frequenzen wahrnimmt, zu denen Menschen nicht fähig sind, wohl aber Maschinen. Daher kann er auch Maschinen manipulieren. Zum Glück gibt es wenigstens eine Technik, die Coeurl nicht kennt: Antibeschleunigung …

Wie erwähnt, hat der Archäologe eine Theorie, auf welcher Zivilisationsstufe sich Coeurl befinden könnte. Es ist die des Barbaren, der eine hochentwickelte Zivilisation wie Rom, Ägypten oder China angreift und dabei unweigerlich scheitert – es sei denn, diese Zivilisation wäre wie das alte Rom des 5. Jahrhunderts bereits so dekadent und marode, dass es nur noch eines kleinen Stupsers bedarf, um sie zu Fall zu bringen. Als Verkörperung der Hochkultur müssen die Forscher nun zeigen, dass sie dieser Stellung würdig sind. Gelingt ihnen dies nicht, so wird Coeurl seine Artgenossen zusammenrufen und sie gegen die Erde führen, deren Position er nun kennt.

Die dritte Frage ist natürlich: Lässt sich ein Coeurl mit H. R. Gigers Alien-Kreatur vergleichen? Bei näherem Hinsehen zeigt sich allerdings, dass es nur sehr geringe Gemeinsamkeiten gib: die Eroberung eines fremden Menschenschiffes, die Auslöschung fast aller seiner Insassen, ein unersättlicher Hunger, ein ebenso tiefer Hass und eine gewisse Intelligenz, die das Wesen so gefährlich macht. Der wichtigste Unterschied ist der, dass Gigers Aliens eine staatenbildende Quasi-Insektenrasse sind, die von einer Königin geführt und verbreitet wird. Demgegenüber ist Coeurl ein Einzelgänger, der von Staaten – zumindest in seiner aktuellen Entwicklungsstufe – keine Ahnung hat.

6) |Catherine L. Moore: Mächtiger als die Götter| (Greater than Gods)

Am 7.7.2240 steht der Biochemiker und Genetiker William Cory vor einer schicksalsschweren Entscheidung: Welche von zwei Frauen soll er heiraten: die fähige Wissenschaftlerin Marta Mayhew oder die lebenslustige Sallie Carlisle? Der Telepathieforscher Ashley, ein guter Kumpel, erzählt ihm etwas von der Wahrscheinlichkeitsebene. Demzufolge beeinflusst Corys Entscheidung, in welche Richtung sich die Weggabelung der Ereignisse verzweigen wird. Das macht die Wahl nicht leichter, sondern schwieriger.

Auf Corys Tisch stehen zwei Holowürfel mit den Porträts der Kandidatinnen. Cory ist verblüfft, als sich zuerst im Würfel Sallies ein neues Gesicht zeigt: Sue meldet sich aus einer Zukunft im 30. Jahrhundert. Sie stammt von Sallie ab und zeigt Bill ein friedliches Eden, das von einem Matriarchat beherrscht wird, welches allem Krieg abgeschworen hat. Doch leider ist Eden in Trägheit erstarrt, die Menschheit hat es nicht zu den Sternen geschafft. Was, wenn Cory sein aktuelles Projekt der pränatalen Geschlechterbestimmung zu Ende geführt hätte statt sich seiner Familie zu widmen?

Genau diese Zukunft zeigt ihm das Gesicht im anderen Würfel, ebenfalls aus dem 30. Jahrhundert. Die Menschheit hat das Sonnensystem erobert und schickt sich an, nach Mars und Venus auch die Jupitermonde zu besiedeln. Fantastisch! Hingerissen ist Cory auch vom Antlitz des blonden und blauäugigen Jungen, der gute Chancen hat, der nächste Führer der Vereinigten Menschheit zu werden – sein entfernter Sohn! Stolz schwellt Cory Brust.

Doch der Mann hinter dem Jungen ist Dunn, der aktuelle Präsident. Der grüßt Cory mit dem römischen Gruß, den nicht nur Cäsaren entgegennahmen, sondern auch italienische und deutsche Faschisten. Dunn bedankt sich bei Cory für das System der Geschlechtsbestimmung, das zu einem enormen Überschuss an Jungen in der Weltbevölkerung geführt haben – Jungen, denen jede Initiative fehlte. Nur die Corys selbst unterwarfen nicht der Selektion. Und siehe da: Sie sind die geborenen Führer der nach Unterwerfung strebenden Massen. Cory beschleicht ein übler Verdacht, der sich bestätigt: Die Gesellschaft des 30. Jahrhunderts ist in faschistischem Totalitarismus erstarrt. Kaum noch sind Individualismus und Kreativität zu finden, Paranoia beäugt solche Menschen mit Misstrauen.

Doch wie soll sich Cory zwischen diesen beiden widerstreitenden Polen der möglichen Entwicklung entscheiden? Da fällt ihm ein dritter Weg ein. –

Die Story weist zwar Logiklöcher auf, durch die ein Zeppelin passen würde, und die Technik grenzt an Zauberei, aber dennoch ist die Geschichte ein repräsentativer Spiegel ihrer Zeit. Die Faschisten beunruhigen die Schriftstellerin offensichtlich, aber sie traut auch dem Matriarchat nicht zu, dem Menschen das größte Heil zu bringen. Lächerlich, aber zeittypisch sind die Aussagen, dass Frauen nicht zu Architekten, Ingenieuren usw. taugen würden. Putzig ist die Erwähnung von Siedlungen auf der „supertropischen“ Venus und dem warmen Mars, wo die „dekadenten Eingeborenen“ besiegt werden konnten. Man fühlt sich gleich in Edgar Burroughs’ Mars-Abenteuer zurückversetzt. Und schließlich verbeugt sich Moore noch vor der Kirche, indem sie den Großen Plan, den Kosmischen Planer postuliert; man fasst sich heute an den Kopf, aber damals war das nötig. – Ein langer Essay hätte es auch getan, aber eine Story ließ sich einfach besser verkaufen. Moore hat Besseres geschrieben, besonders „Shambleau“.

7) |Isaac Asimov: Tendenzen| (Trends)

Am 14. Juli 1973 sieht es schlecht aus für den ersten Raketenflug in der Geschichte der Menschheit. John Harman, der als erster den Mond umfliegen will, wird von seinem Mitarbeiter Clifford McKenny (dem Ich-Erzähler) ebenso gewarnt wie von seinem Institutsdirektor Winfield. Religiöse Führer wie der Prediger Otis Eldredge haben Raumfahrt und Raketenforschung zu Gotteslästerung erklärt. Harman schmettert alle Einwände ab und startet am nächsten Tag von New Jersey aus. Allerdings explodiert sein von einem anderen Mitarbeiter sabotiertes Raumschiff und es gibt viele Tote und Verletzte unter den protestierenden Zuschauern. Eldredge, der Harman verflucht hat, bricht sich beide Beine. Harman selbst stürzt mit seiner Bugkapsel sicher in ein Waldstück.

Natürlich wird er in einem Krankenhaus weggesperrt, denn Eldredge hat den Mob auf ihn gehetzt, und nur die Nationalgarde kann verhindern, dass Harman gelyncht wird. Nach Wochen der Ruhe holt McKenny Harman raus und versteckt sich mit ihm in Minnesota. In den kommenden vier Jahren breitet sich der religiös dominierte Neoviktorianismus über die ganze westliche Welt aus und eine US-Bundesagentur erhält die Oberhoheit über sämtliche naturwissenschaftliche Forschung. Raketenforschung wird unter Todesstrafe gestellt, aber dennoch baut Harman mit McKenny und Freunden heimlich an der „Prometheus II“. 1976 ist er soweit, erneut zu starten. Ob das mal gut geht?

Die titelgebenden „Tendenzen“ dienen Asimov dazu, mal zu illustrieren, wie abhängig von aktueller Politik die Förderung der Naturwissenschaften in Wahrheit ist. Raketenforschung, der Heilige Gral der Science (= Naturwissenschaft!) Fiction, ist Ketzerei, wenn nicht ganz bestimmte Voraussetzungen gegeben sind. 500 Jahre sind seit der kopernikanischen Wende vergangen und viele glauben, der nachfolgende Fortschritt in Wissenschaft und Technik sei unaufhaltsam. Asimov belegt, dass es auch ganz anders aussehen könnte. Der Story-Schluss jedoch ist versöhnlich und irgendwie unplausibel.

8) |Lyon Sprague de Camp: Die blaue Giraffe| (The blue giraffe)

Athelstan Cuff ist ein Beamter seiner britischen Majestät und begibt sich im September 1976 ins koloniale Betschuanaland. Das Okawango-Delta liegt zwischen Botswana und Namibia. In dieser Sumpflandschaft wollen die Wächter des Nationalparks seltsame Wesen gesehen haben, und Athelstan, ein Viktorianer von altem Schrot und Korn, soll mal nachsehen, ob das stimmt. Und möglichst „etwas dagegen unternehmen“. Und bei der Gelegenheit könne er ja mal nachsehen, was aus diesem Abenteurer namens Hickey geworden sei, der irgendwo in Namibia verschollen sein muss.

Der Wächter George Mtengeni zeigt ihm schon bald, was Sache ist. So, so, eine völlig blau gefärbte Giraffe. Aha, ein Nashorn mit zwei Köpfen namens Twiedeldum und Twiedeldie sowie ein grünes Flusspferd mit rosa Punkten. Interessante Sache. Aber das ist noch gar nichts gegen das Wesen, dem Athelstan in der Nacht hilft. Ein Kaffernbüffel hat es auf einen Baum getrieben. Cuff schießt den Büffel, und weil er den Rückweg nicht findet, lässt er sich von dem Wesen in das Lager seines Volkes führen. Im ersten Schein der Morgensonne erst erkennt Cuff, womit er es zu tun: eine sprechende Pavianfrau. Vor Schreck schießt er sich in den Fuß. Das Leben wird von da ab für ihn sehr „interessant“.

Was wie eine schnurrige Fantasygeschichte über das hinterste Afrika klingt, stellt sich als eine Story über die Angst vor der Radioaktivität heraus. Denn Athelstan Cuff erzählt sie seinem Sohn Peter, der behauptet, Athelstan sei nicht sein richtiger Vater. Da hat er Recht. Athelstan hat nämlich krebsrote Haut und Peter nicht. Cuff ist auf die Spur Hickeys gestoßen: eine Strahlen erzeugende Maschine, die zu Mutationen führt: blaue Giraffen, rote Briten usw. Spannender und amüsanter ist selten über Strahlenangst fabuliert worden.

9) |Henry Kuttner: Der fehlgeleitete Heiligenschein| (The Misguided Halo)

Der jüngste der Engel hat bei seinem ersten Auftrag leider einen Heiligenschein dem Falschen gegeben. Statt einem tibetanischen Mönch, der gerade sündigt, als der Engel ankommt, gibt er den Halo lieber K. Young aus Tibbett. Schließlich wird Youngs Name genauso ausgesprochen wie der des Lamas. Andererseits: Der Heiligenschein passt zu Kenneth Young, Werbemanager, denn er hat seines Wissens nie eine Sünde begangen. Der Halo jedoch ändert die Spielregeln.

Youngs Frau findet es ungerecht: Nur Engel sollten Heiligenscheine haben. Youngs Hund findet den Halo zum Fressen. Young reißt aus, den Halo mit dem seltsamsten Hut bedeckend, den er finden kann. Als der Engel in seinem Büro erscheint und ihm sagt, dass er den Heiligenschein nicht mehr zurücknehmen könne, kapiert Young, dass die einzige Methode, das Ding, das ihn lächerlich macht, loszuwerden, darin bestehen kann, eine Sünde zu begehen. Aber welche? Ihm fallen kaum welche ein.

Da erhält er den Auftrag, den potenziellen Kunden Devlin (= devil?!) in der Stadt herumzuführen. Young, nicht blöd, ergreift die Gelegenheit beim Schopf, mit Devlin zu sündigen, was das Zeug hält. Er lädt ihn zu einem Saufgelage ein. An das, was er später anstellt, kann er sich später nicht mehr erinnern. Leider entspricht der Erfolg all des Sündigens nicht ganz seinen Erwartungen.-

Eigentlich gehört die Story ins Reich der Fantasy – Engel usw. Aber die Folgen des Heiligenscheinbesitzes werden nicht in religiöser oder theologischer Hinsicht bewältigt, sondern auf die praktische Yankee-Art. Probieren geht über Studieren! Die Tour de sin ist jedoch recht harmlos verglichen mit dem, was Horace Gold in seiner Story „Ärger mit dem Wasser“ aus dem Thema herausholt. Ich hätte Kuttner mehr zugetraut.

10) |Milton A. Rothman: Schwerwelt| (Heavy Planet)

Auf einem riesigen Planeten, der einen Atmosphärendruck von mehreren tausend Erdatmosphären hat, beobachtet der Kundschafter Ennis, dass ein Raumschiff abstürzt, das offenbar außerplanetarischer Herkunft ist. An Bord des auf dem Wasser schwimmenden Wrack befindet sich kein Lebewesen mehr, nur Gallertpfützen zeugen von nichtmetallischen „Installationen“. Was Ennis dann aber findet, übertrifft seine kühnsten Träume: ein Atomantrieb! Damit könnte sein Volk endlich diese Welt verlassen. Sofort ruft er den Chefwissenschaftler Shadden herbei.

Doch auch Angehörige der kriegerischen Marak haben das Wrack gesichtet und wollen es sich unter den Nagel reißen. Ein gnadenloser Kampf entbrennt …

Längst nicht so gut wie „Schwere Welten“ von Hal Clement, ist „Schwerwelt“ dennoch ein annehmbarer Amateur-Beitrag aus der Ecke der echten Physik. Der Kampf um den Besitz des Atomantriebs der Menschen – und somit der Raumfahrt – ist ein ziemlich actionreiches Gekloppe. Dabei zeigt sich allerdings auch die verheerende Wirkung einer Atom-Waffe. Atombesitz = Vormachtstellung – die Maraks werden es zu spüren bekommen. Typisch für die Zeit um 1939 ist die Überschätzung der Leistung der Atomkraft und die Unterschätzung der Risiken bei ihrem Einsatz.

11) |Robert Anson Heinlein: Die Lebenslinie| (Life-line)

Als Dr. Pinero behauptet, er sei mit seiner neuen Maschine in der Lage, sowohl den Zeitpunkt der Geburt eines Menschen wie auch den genauen Zeitpunkt seines Todes abzulesen und vorherzusagen, schlägt ihm eine Welle des Unglaubens, der Ablehnung und schließlich auch der Missgunst entgegen. Denn als immer mehr Menschen merken, dass seine Methode hundertprozentig funktioniert, kapieren sie auch, dass sie keine Lebensversicherung mehr brauchen. Das finden die Lebensversicherer reichlich geschäftsschädigend und einer davon, Amalgamateds Chef Bidwell, belässt es nicht bei Worten, sondern greift zu Maßnahmen. Dr. Pinero Tage sind leider gezählt. Vermutlich hat er es gewusst.

Ähnlich wie in Asimovs Story „Tendenzen“ muss das Neue eine Menge Widerstand überwinden, bevor es sich durchsetzen kann. Doch es geht um mehr. Für den Erfinder selbst hat seine Fähigkeit tragische Aspekte. So versucht er etwa den ihm bekannten Sterbezeitpunkt eines frischgebackenen, jungen Elternpaares hinauszuzögern – vergeblich. Die Reaktion der Menschen, die erfahren können, wann sie sterben würden, ist typisch: Sie weigern sich, das bereits aufgeschriebene Datum zu veröffentlichen, wollen lieber unbeschwert von diesem Wissen weiterleben. Die Bibel verspricht: „Die Wahrheit macht euch frei“, aber es gibt offenbar eine Wahrheit, die niemand wissen will. Nicht wirklich.

12) |Theodore Sturgeon: Ärger im Äther| (Ether Breather)

Als der Schriftsteller Hamilton endlich sein Drehbuch „Die Muschel“ verfilmt sieht, ist er happy: Es ist Bestandteil der ersten Sendung des Farbfernsehens, das nun von Associated Television eingeführt werden soll. Also eine besondere Auszeichnung. Doch dann passiert etwas Schreckliches. Nach einer halben Stunde kommt wie üblich die erste Werbeunterbrechung, und darin sagt der Mann zu der Frau, die Berbelot-Parfum anpreisen soll: „Es stinkt zum Himmel.“ Und damit ist nicht nur das Parfum, sondern auch Hamiltons Werk gemeint. Doch das dicke Ende kommt erst noch: In der finalen Liebesszene sagt der Held zu seinem Schatz: „Ich kann dich ums Verrecken nicht ausstehen, du blöde Kuh!“ Hamilton erleidet fast einen Herzkasper.

Anrufe beim Cheflektor von Associated TV sind zwecklos, er muss selbst hinfahren. Auf dem Weg gesellt sich der Chef von Berbrelot Parfums zu ihm, und zusammen machen sie den armen Mr. Griff fertig. Doch der hat unerwartet gute Karten, als er ihnen seine eigene Aufzeichnung der Sendung „Die Muschel“ zeigt. Von unflätigen Bezeichnungen ist darauf nichts zu sehen noch zu hören. Wie kann das sein? Doch die Bundesbehörde für die Telekommunikation fragt nicht lange, sondern macht Associated TV dicht.

Auch der Konkurrenz Cineradio und XZM ergeht es nicht besser. Als der Außenminister einen unanständigen Witz über den Äther jagt, bedeutet dies das Ende des Farbfernsehens. Aber warum hat dieser Fehler dann das Schwarzweiß-Fernsehen nicht betroffen? Der Fehler tritt nicht auf, wenn die Sendung über Kabel gesendet und gespeichert wird. Also muss es entweder an den TV-Geräten oder am Übertragungsweg, dem Äther sozusagen, liegen. Hamilton und Berbelot benutzen die hypermoderne Sendeanlage des Industriemagnaten und machen eine erstaunliche Entdeckung …

Die Komödie um das Farbfernsehen hat einen sehr sympathischen Schluss. Der SF-Autor illustriert, wie sich mancher Technikfehler, der die Gesellschaft direkt beeinflusst, auch humorvoll einsetzen und erklären lässt. Dabei spielt er natürlich ein wenig den Advocatus diaboli: Diese drögen TV-Sendungen für Bildungsbürger könnten ein wenig mehr Pepp und Modernität vertragen.

Leider stolpert der heutige Leser über jede Menge Anachronismen. So sind etwa TV-Geräte grundsätzlich atomgetrieben! Und das schon seit 200 Jahren. Und jetzt erst wird das Farbfernsehen erfunden???! Okay, das war Sturgeons erste verkaufte Story, aber wenigstens der Herausgeber hätte die Fehler ausbügeln müssen.

13) |Joseph E. Kelleam: Rost| (Rust)

In einer Post-Holocaust-Welt ist die Erde wüst und leer, und nur drei Roboter trotten noch über die grauen Trümmer. Doch auch ihre Tage sind gezählt, denn der titelgebende Rost zerfrisst ihre Gelenkscharniere und anderen Einzelteile. Schließlich ist von allen Kampfrobotern nur noch X-120 übrig. Frustriert fragt er sich, was die Menschen, seine Schöpfer, damit bezweckten, als sie ihn und die anderen Kampfroboter schufen.

Erst sollten sie bloß Menschen in gelber Uniform töten, doch dann fiel dieses Kriterium irgendwie weg, und sie mussten alle Menschen töten. X-120 und Co. können aber kein eigenen Roboter erschaffen – ihre Greifwerkzeuge sind dafür nicht ausgelegt. Er hat immer die Statue eines spielenden Kindes auf einem Springbrunnen bewundert. Leider kann er selbst nicht einmal aus Lehm eine solche Statue schaffen – er kann nur zerstören. Nun ist seine Wut über die Erbauer zu groß geworden: Er zerschlägt die Statue. Auf dem Weg in die Stadt bringt ihn der Rost zu einem knirschenden Stillstand. Er stürzt, und langsam beginnt der rieselnde Schnee den Rest zu besorgen, ein weißes Leichentuch zu weben.

Die Story ist sehr traurig und von Frustration erfüllt. Aber sie ist folgerichtig aufgebaut und zeigt wichtige Aspekte. So könnte es mit den Robotern ausgehen, wenn nicht Asimovs drei Robotergesetze strikt angewendet würden. Und vor allem ist die Geschichte eine Warnung vor dem bevorstehenden Zweiten Weltkrieg, dessen Schrecken alles in der Schatten stellen sollen, was die Welt je gesehen hat.

14) |William F. Temple: Das vierseitige Dreieck| (The four-sided triangle)

Bill und Will sind Wissenschaftler und lieben beide Joan. Sie alle sind erfolgreich in Duplizierungsgeschäft tätig, indem sie Kunstgegenstände kopiert und verkauft haben. Doch nun ändert sich die Lage: Der ruhige Will heiratet Joan. Das versetzt dem launischen, genialischen Bill ein Stich ins Herz. Er hat seine Liebe zu Joan nie bekannt gegeben, und da beide seine Freunde sind, kann er sie nicht tadeln. Schweren Herzens beglückwünscht er sie. Doch während sie ihre Flitterwochen genießen, grübelt er – und verfällt auf eine wahnwitzige Idee: Warum nicht eine Kopie von Joan schaffen?

Doch das ist leichter gedacht als getan. Erst nach zahllosen geopferten Kaninchen gelingt es ihm, eines am Leben zu erhalten. Er bittet Will, eine Kopie von Joan anfertigen zu dürfen, denn er liebe sie genauso, wie Will dies tue. Will sagt okay und beide wissen, dass Joan zustimmen wird. Bill nennt die Kopie Doll. Aber das ist etwas ungerecht, denn die „Puppe“ sieht nicht nur aus wie Joan, sondern empfindet auch so wie diese. Daher erfüllt Doll das gleiche Unbehagen an dem vierseitigen Dreieck wie ihr Original. Was die Männer nicht ahnen, aber beide Frauen seelisch krank macht: Natürlich liebt Doll auch Will von ganzem Herzen. Das führt letzten Endes zu einer Katastrophe.

Wie schon Goethes „Wahlverwandtschaften“ beginnt auch diese Story mit einer psychologischen Versuchsanordnung. Allerdings wird sie um das Motiv des Pygmalion-Frankenstein-Komplexes erweitert. Das Ergebnis ist durchaus eindrucksvoll, doch mich beschleicht der Verdacht, dass ein Logikfehler vorliegt. Wenn beide Frauen aufgrund ihrer Identität den gleichen Plan fassten, um die verfahrene Situation zu retten, warum dachte dann die eine nicht daran, dass die andere genau den gleichen Plan fassen würde? Das hätte die Katastrophe verhindern können. Aber dann wäre der Autor um den Clou der Geschichte gebracht worden.

15) |Jack Williamson: Die Sternschnuppe| (Star Bright)

Jason Peabody ist ein etwa fünfzigjähriger Buchhalter, dessen kleiner Lohn hinten und vorne nicht ausreicht, seine Frau, die volljährige Tochter Beth und den faulen Sohn Bill zu ernähren. Da kommt ihm ein echtes Wunder zu Hilfe. Als er eine Sternschnuppe sieht – es macht nichts, dass sie grün ist –, wünscht er sich, er könne Wunder wirken. Die Sternschnuppe dringt in seinen Kopf ein, wo ein Splitter steckenbleibt.

Als er aus seiner Bewusstlosigkeit erwacht, stellt sich Peabody unwillkürlich ein Glas kühlen, erfrischenden Wassers vor. Es materialisiert sich vor seinen Augen, doch es erstaunt ihn erst, als er schon daraus getrunken hat. Wow, er kann Dinge aus dem Nichts erschaffen! Dass diese Fähigkeit einen Haken hat und sich nicht auf Lebewesen anwenden lässt, merkt er durch weitere Experimente. Die Anstrengung lässt seinen Schädel zwar dröhnen, aber er ist happy, seiner Familie endlich helfen zu können.

Doch sein Banknotenkopien werden als Falschgeld entlarvt, sein Goldbarren besteht innen aus Blei und alle Lebewesen, an denen er sich versucht, gehen drauf. Weil ihn inzwischen seine Familie für verrückt hält (zumindest alle außer Beth) und ihm die Polizei auf den Hals hetzt, flieht er zu Beths Verlobtem, dem Chirurgen Rex Brant. Der teilt ihm mit, was Peabody gar nicht wissen wollte. Der Splitter in seinem Kopf ist radioaktiv. Wunder oder Leben? Kein gute Wahlmöglichkeit, denkt Peabody. Aber dann kommt alles doch noch in Ordnung.

Die märchenhafte Erzählung nach dem Vorbild vom „Fischer un sine Fru“ enthält eine ernste Warnung vor dem Glauben an die Allmacht der Atomkraft – und wahrscheinlich sogar an die Segnungen der Technik. Dass Atomkraft auch tödliche Radioaktivität bedeutet, macht Peabodys Verfall deutlich. Dass die Waren, die er zaubert, nur Talmi sind, wird ebenfalls klar. Was Peabody letzten Endes rettet, ist die Liebe seiner Tochter und ihr Glaube an ihn. Ergo sind menschliche Beziehungen letzten Endes sehr viel wichtiger als aller Klimbim, der auf unehrliche Weise erworben wird. (Diese Story befindet sich nicht in der Sammlung „Die besten Stories von Jack Williamson“, die bei |Moewig| in der PLAYBOY-SF-Reihe erschien.)

_Die Übersetzung_

Manchmal hatte ich das Gefühl, dass nicht bloß Klaus Mahn, sondern ganze Kohorten von Übersetzern an diesem Buch gearbeitet haben. Mal ist nämlich die Diktion so altmodisch, wie sie wohl im Jahr 1939 gewesen könnte, dann wieder recht modern, als wäre sie wirklich im Jahr 1981/82 entstanden. Die Stilunsicherheiten sind Legion und würden zu weit führen. So schreibt Mahn beispielsweise „Programm“ statt „Sendung“ im Zusammenhang mit dem Fernsehen in „Ärger im Äther“.

An einer Stelle in Heinleins Story „Lebenslinie“ gibt es ein Absatzende, das mit dem Ende der Seite zusammenfällt. Auf der nächsten Seite weiß der Leser daher nicht, woher der Wechsel der Szene rührt, oder ob es sich um die Fortsetzung der vorhergehenden Szene handelt, nur mit dem Gefühl, dass etwas fehlt (es ist Pinero). Die Platzierung von drei Sternen am Abschnittsende/Seitenende hätte die Verwirrung beseitigt. Ich habe die Stele mit dem Abdruck in „Methusalems Kinder“, der Future History Heinleins, verglichen und konnte die Sachlage klären. Die Übersetzung dort ist übrigens eindeutiger und ausführlicher als die von Klaus Mahn.

_Unterm Strich_

Die Vielfalt dieser Geschichten ist ist beeindruckend, aber im Rückblick fällt doch auf, dass nur wenige Themen variiert werden: die Warnung vor den Möglichkeiten der Atomkraft, Technikgläubigkeit à la Pygmalion und Frankenstein, mehr („Ärger im Äther“) oder weniger („Schwarzer Zerstörer“) freundliche Aliens, Roboter und eine Reihe humorvoller Späße, die ihre warnende Botschaft geschickt verbergen.

Natürlich fragt man sich, warum Fantasygeschichten wie „Ärger mit dem Wasser“ und „Der fehlgeleitete Heiligenschein“ in eine SF-Sammlung aufgenommen wurden. Es liegt wohl teils am Respekt vor dem Autor, andererseits heißt aber die Sammlung nicht „Die besten SF-Stories von 1939“, sondern lediglich „Die besten Stories von 1939“, was natürlich auch Fantasy umfassen kann. Nur die |Moewig|-Reihe selbst behauptet, SF zu bringen. Ein Starautor wie Asimov braucht dies nicht zu berücksichtigen.

Mir hat die Anthologie mal ein Schmunzeln entlockt, mich aber manchmal den Kopf schütteln lassen. Vieles ist sehr zeitgebunden und wirkt heute völlig überholt. Aber es gibt ein paar Storys, die immer noch ihren Zauber entfalten, und „Schwarzer Zerstörer“ ist eine davon, „Lebenslinie“ eine andere. Sie werden Bestand haben. Daher werden sie immer wieder in Anthologien zu finden sein. Die dann hoffentlich besser übersetzt sind als diese Ausgabe.

|Originaltitel: The Great SF Stories 1 (1939), 1979
Aus dem US-Englischen übersetzt von Klaus Mahn|

Philip K. Dick – Die besten Stories von Philip K. Dick

Über diesem himmelblau gefärbten Titelbild steht in breiten Lettern PLAYBOY. Was soll uns das sagen? Handelt es sich um erotische Storys, in Hugh Hefners Auftrag geschrieben? Oder wurden hier nur PLAYBOY-Autoren beauftragt, Einschlägiges über Häschen und damit verbundene Freuden zu Papier zu bringen?

Leider wird auch der Häschen-Liebhaber enttäuscht, denn die Storys dieses Bandes stammen aus der Schreibfabrik eines einzigen, wenn auch bekannten Science-Fiction-Autors. Und der schrieb zwar ab und zu mal für Hefners Häschen-Blatt (denn es zahlte gut), aber leider in den seltensten Fällen über Einschlägiges. Vielmehr waren die zwei Fragen „Was ist menschlich?“ und „Was ist die Wirklichkeit?“ seine Hauptanliegen.

Das Vorwort schrieb 1976 John Brunner. Er war zu dieser Zeit selbst einer der renommiertesten britischen Science-Fiction-Autoren.

_Der Autor_

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