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Lissa Price – Starters (Starters 1)

_Die |Starters|-Dilogie_:

01 _“Starters“_
02 „Enders“ (Herbst 2012)

_Die Handlung:_

Nach dem Ausbruch eines tödlichen Virus gibt es nur noch sehr alte und junge Menschen. Mittellos kämpfen die 16-jährige Callie und ihr kleiner Bruder auf der Straße ums Überleben. Callie entschließt sich daher zu dem Undenkbaren: Sie verleiht ihren Körper an einen alten Menschen, dessen Bewusstsein übernimmt ihren Körper und kann so wieder jung sein. Doch alles verläuft anders als geplant … (Verlagsinfo)

_Mein Eindruck:_

Seit Jugend-Dystopien hoch im Kurs stehen, wird jeder neue Roman, der auch nur annähernd in diese Richtung schaut, mit den „Hunger Games“ verglichen. Das ist eine Art „Herr der Ringe“-Phänomen. Wenn man aber das Genre mal zur Seite schiebt und auf die Idee schaut, die hinter dem Roman steckt, dann gibts doch so einige erhebliche Unterschiede und das macht „Starters“ interessant. Die Weichen für die aktuellen gesellschaftlichen Probleme bereitete ein dem Roman vorangegangener Krieg, der offenbar ohne Rücksicht auf Verluste geführt wurde, bei dem es keine Sieger gab und der die USA isoliert zurückgelassen hat. Dabei starben alle Menschen, die nicht schnell genug gegen die eingesetzten Sporen geimpft wurden … und die Geimpften waren die Jungen (die Starters) und die Alten (die Enders).

Ein wenig unlogisch erschien mir aber die Tatsache, dass die Enders reich wurden, durch den Verkauf von Dingen, die aufgrund der vielen Tode in der produzierenden Altersschicht keiner mehr produzieren oder reparieren konnte und daher immer neu gekauft werden müssen … wer aber stellt die denn dann her, wenn die Enders alle so alt sind, dass sie sich junge Körper mieten müssen, um wieder ein wenig Action im Leben zu haben?

Nehmen wirs halt mal so hin und schauen auf die Situation. Die Enders, werden also immer reicher und viele der Starters, die keine Familie mehr haben, immer ärmer … das sorgt schon mal grundsätzlich für Spannung, in die man seine Protagonisten werfen und um die man eine interessante Story wickeln kann. In die wird der Hörer auch sofort hineingezogen, denn sowohl die Autorin als auch die Sprecherin tun dazu ihr Übriges.

Zusammen mit Callie erfahren wir gleich zu Anfang, was es mit der ominösen und bestimmt nicht ganz legalen „Body Bank“ des Unternehmens Prime Destinations auf sich hat und welch verlockenden Angebote sie Teenagern in Not machen. Und schnell fragt sich der Hörer, was er an ihrer Stelle tun würde, um für die zu sorgen, die ihm noch geblieben sind … würde er nicht alles tun? Selbst wenn dies bedeutet, seinen Körper anderen zur Verfügung zu stellen … Menschen, die man nicht mag und denen man nicht mal vertraut? Das klingt nach einer Kreuzung aus moderner Prostitution und Sklaverei.

In dieses Setting baut die Autorin noch einen interessanten Twist ein, denn es geht nicht alles glatt bei der finalen Körper-Ausleihe von Callie. Und aus einem anfänglich grinsenden „Oh, cool!“ im Kopf des Hörers wird schnell ein „Oh, oh!“ und schließlich ein „Oh mein Gott!“, wenn Callie und ihm die Hintergründe bewusst werden und sich die Ereignisse abzeichnen, die es nun zu verhindern gilt. Aber auch dieser Twist birgt noch einen weiteren Twist und die Intensität steigert sich immer weiter, denn in „Starters“ ist nichts so, wie es auf den ersten Blick erscheint und auch bei den Menschen kann man sich da nie so sicher sein. Und immer, wenn der Hörer sich an eine neue Situation gewöhnt hat, setzt die Autorin noch einen drauf und zieht die Spannungsdaumenschrauben weiter an. Und das geht bis zur letzten Minute so weiter … sogar bis zur letzten Sekunde!

Und auch wenn dies der erste Teil einer Dilogie ist, so hat es die Autorin geschafft, sowohl ein befriedigendes Ende zu schaffen, als auch die Lust darauf zu wecken, sofort den nächsten Teil in den CD-Player zu werfen … wenn er denn nur schon erschienen wäre.

|Das Hörerlebnis|

Annina Braunmiller gelingt es von der ersten Minute an, das Gefühlsleben von Callie eindrucksvoll zu vermitteln. Ihre ganze Wut, Verwirrung, Liebe, die Verzweiflung und das Misstrauen den „alten Säcken“ gegenüber kommen so lebendig im Ohr des Hörers an, als würde die Sprecherin selbst diese Gefühle teilen. Und schon kurz darauf hat man das Gefühl, Callie erzählt ihre Geschichte selbst, so authentisch wirkt der Erzähltstil von Annina Braunmiller. Ihre Stimmlage und Stimmfarbe passen perfekt zur Protagonistin und sie kann auch auch prima damit spielen. Hier macht sich bemerkbar, dass sie ihr Talent als Synchronsprecherin auch in dieser Lesung einzusetzen weiß, was dem Hörer ein fesselndes Kopfkinoerlebnis bietet.

_Die Autorin und die Sprecherin_

|Lissa Price| ist Drehbuchautorin und lebt nach mehreren Aufenthalten in Japan und Indien heute mit ihrem Mann und gelegentlichen Rehen im Süden Kaliforniens. Ihr Roman »Starters« ist das höchstgehandelte Debüt der letzten Jahre. (Erweiterte Verlagsinfo)

|Annina Braunmiller|, Jahrgang 1985, ist die Synchronsprecherin von Kristen Stewart, der Bella Swan aus den „Twilight“-Verfilmungen. Sie absolvierte an der Stage School Hamburg eine Ausbildung zur Bühnendarstellerin für Gesang, Tanz und Schauspiel. Als Sprecherin ist sie u. a. auch die deutsche Stimme von „Camp Rock“-Star Demi Lovato. Sie lebt und arbeitet in München. (Verlagsinfo)

_Mein Fazit:_

„Starters“ ist eine Jugend-Dystopie, die sich durch die spannende Grundidee von den anderen Romanen des Genres abhebt. Der Hörer erlebt mithilfe der genialen Annina Braunmiller Callies Gefühle hautnah mit und sitzt in einem Kopfkino, das auf eine Gefühlsachterbahn montiert wurde. Die Spannung steigt kontinuierlich an und ein Twist folgt dem Nächsten. Bis zur letzten Sekunde gibts hier fesselnde Unterhaltung, die mit zum besten gehört, was das Genre derzeit zu bieten hat.

Marketingtaktisch klug geplant, dass der Roman in Deutschland genau zum Kinostart der HUNGER GAMES erscheint.

|6 Audio-CDs
Laufzeit: 7:29 Minuten
Originaltitel: Starters
ISBN-13: 978-3492702638|
[www.osterwold.de]http://www.osterwold.de
[www.lissaprice.com]http://www.lissaprice.com

Wolfgang Hohlbein – Infinity: Der Turm

Die Handlung:

Der Turm, ein gewaltiges, äonenaltes Bauwerk, ist die letzte Bastion auf einer sterbenden Welt. Niemand kann mehr sagen, wer den Turm erbaut hat und welches Schicksal er für seine Bewohner bereithält. Der Turm ist allwissend, übermächtig und bedrohlich – auch für Prinzessin Arion, die Herrscherin über die Menschen und seltsamen Geschöpfe, die im Turm Zuflucht gefunden haben. Doch von außen droht Gefahr. Denn die Rebellen um den ungestümen Anführer Craiden, die abseits des Turms in einer archaischen Welt ihr Dasein fristen müssen, sind im Besitz einer Superwaffe. Mit deren Hilfe könnte nicht nur Arions Herrschaft gestürzt werden, sondern auch der Turm fallen. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Laut Verlag trug Wolfgang Hohlbein diese Geschichte 30 Jahre im Kopf mit sich herum, bis er endlich damit anfing, sie aufzuschreiben. Klingt episch, wenn er den Roman als „sein Schlüsselwerk“ ansieht und dramatisch, wenn er sagt, dass er „im Zentrum seines Schaffens stehen wird“. Wenn ich mir den Titel, das Cover und all diese Aussagen betrachte, werde ich irgendwie an Stephen King erinnert, dessen Dark Tower-Romane ja auch eine sehr lange Zeit in der Mache gewesen sind und für King einen ähnlichen Stellenwert haben.

Verwirrt und verwundert war ich … eigentlich von Anfang bis Ende. „Infinity – Der Turm“, von wegen. Infinity ist nicht der Name des Turms. Es ist der Name der Prinzessin, die in dem Turm wohnt, aber eigentlich heißt sie Arion, vielleicht aber auch Gea, denn darauf deutet einer der Handlungsfäden irgendwie hin, ohne das aber aufzulösen. Und der Turm heißt R’Achernon und ist eigentlich kein echter Turm, sondern ein großer Compter, der telepathisch begabt ist … unter anderem. Ist das nun Fantasy, Sciencefiction oder Belletristik?

Erst freute ich mich darüber, dass es ohne viel Gerede direkt zur Sache geht und ich mitten in die Handlung geworfen werde. Aber irgendwie fühlte es sich an, als hätte jemand gleich zu Anfang ein Foto gemacht und würde dann Kapitel für Kapitel die einzelnen auf dem Bild gezeigten Personen erklären. Das bremst die Handlung ungemein, denn, bis endlich mal alle durcherzählt waren und der Fokus endlich wieder auf jemanden zurückkommt, an den man sich noch erinnert, hat man die Hälfte schon fast wieder vergessen … wenn man die Geschichte nicht am Stück hört … was bei einer Länge von über 23 Stunden wohl nur die wenigsten tun werden.

Bei einem Buch kann man Seiten querlesen, wenn die Geschichte nicht genug Dampf hat, bei einem Hörbuch ist man in diesem Fall dem Tempo des Sprechers ausgeliefert. Und wenn der nicht viel Spannendes zu berichten hat und ständig die Perspektive wechselt, dann kämpft man verwirrt mit dem Schlaf. Schlecht, wenn man dann beim Hören grad im Auto auf dem Weg zur Arbeit sitzt.

Ganze 17 Personen und Wesen werden im beiliegenden Booklet kurz vorgestellt, das gibt einen Hinweis darauf, wie das Verhältnis zwischen Charakteren und Handlung ist. Nach dem großen Atombombenangriff, mit dem Craiden am Anfang Infinitys/Arions/Geas? Turm eigentlich vernichten wollte, passiert erstmal zu lange nicht mehr umwerfend viel. Und das wird auch noch sehr stark in die Länge gezogen. Davon ab, dass der Autor die Charaktere wirklich viel reden und nicht wirklich viel handeln lässt.

Leider wird man am Ende des Buches auch nicht mit der großen Erleuchtung und Auflösung aller angehäuften Fragen beschenkt, sondern mit einem ungläubigen „Wie jetzt? Das wars?“ zurückgelassen. Ob es eine Fortsetzung geben wird, ist nicht bekannt, wie viele Leser eine solche lesen würden, auch nicht. Wenn Hohlbein den „Stephen King“ machen möchte mit diesem „zentralen Werk seines Schaffens“, dann werden sicher noch so einige Bücher folgen. Hätte der Autor im Vorfeld angekündigt, dass dies der Auftakt einer Serie ist, so hätte der Leser/Hörer das Ende verzeihen können, aber so … werden nicht wenige verärgert sein.

Das Hör-Erlebnis

Eine ungekürzte Lesung bekommt der geneigte Käufer selten angeboten, es sei denn, es handelt sich um exklusive Lesungen eines bekannten Downloadportals, „Harry Potter“ oder „Perry Rhodan“. Hier muss der Osterwold Audio Verlag von Sprecher, Autor und Geschichte schon sehr überzeugt gewesen sein, um das Risiko einer ungekürzten Lesung auf CD einzugehen.

Gert Heidenreich macht seinen Job ordentlich. Dass die Story ziemlich gestreckt und durch die ständigen Wechsel der handelnden Charaktere im Kopf nicht leicht aktuell zu halten ist, ist nicht seine Schuld. Heidenreich gibt jedem Charakter, so gut es eben bei der Masse an Figuren geht, einen Wiedererkennungswert, was ihm auch gut gelingt. Ob er nun den Turm selbst spricht, die Prinzessin oder ihren Berater in Mausform, immer spielt er mit seiner Stimmfarbe, sodass der Unterschied klar zu hören, aber nie nervig ist.

Auch die Stimmungen und Gefühle der Charaktere transportiert er gut ins Ohr des Hörers, wobei er hier manchmal zwischen zu ruhig erzählendem Märchenonkel und engagiertem Synchronsprecher hin- und herwechselt. Nie aber kommt das Gefühl auf, dass er hier nur seinen Job macht, weil er dafür bezahlt wird und ihm die Geschichte eigentlich egal ist.

Einer ungekürzten Lesung kann man am besten folgen, wenn es wenige Charaktere gibt, die viel erleben. Hier ist es leider genau andersrum. Wer also nicht viele Stunden am Stück hören kann oder möchte, der hat es jedes Mal wieder schwer, in die eigentliche Story zurückzufinden. Mit einem Blick ins Booklet weiß der Hörer zwar schnell wieder, wer hier wer ist, aber wo er ist und was er grad macht …

Da nützt auch die gute Leistung des Sprechers nichts, eine gekürzte Lesung hätte hier eine Menge Gutes tun können. Für die Spannung und Straffung der Handlung und die Entspannung und das Interesse des Hörers.

Der Sprecher

Gert Heidenreich ist ein deutscher Schriftsteller, Journalist und Radiosprecher. Im Fantasy-Bereich ist bereits als Sprecher der „Herr der Ringe“-Trilogie aufgetreten. Auch den „Hobbit“ hat er komplett eingelesen. Des Weiteren hat er „Die Tränen der Wüste“, „Die Hexe von Portobello“ und „Handbuch des Kriegers des Lichts“ von Paulo Coelho gesprochen.

Die Ausstattung

Die 19 CDs stecken einzeln in weißen handelsüblichen Papierhüllen mit Sichtfenster, sind mit schlichtem Schwarz bedruckt und mit weißem Titel beschriftet. Eingeschweißt sind sie in einer Pappdeckel-Klappbox. Auf CD Nummer 2 meiner Ausgabe waren Fingerabdrücke und auch die Papierhülle dieser CD war leicht eingerissen.

Auch ein Booklet liegt der Box bei. Sechsseitig zum Auseinanderklappen bekommt der Hörer hier Kurzbeschreibungen zu wichtigen Personen und Wesen des Romans sowie Infos zu Autor und Sprecher.

Jeder der im Schnitt 19 Tracks pro CD ist etwa vier Minuten lang und als Bonus ist als letzter Track auf der letzten CD das Lied „Geas Traum“ der Gruppe SCHANDMAUL enthalten. Der Sänger der Band ist nach eigener Aussage ein langjähriger Fan von Wolfgang Hohlbein und hat sich bei seinen Texten schon öfter von ihm inspirieren lassen. Dieser Song soll nicht die letzte Zusammenarbeit der Band und Hohlbein sein.

Zusätzlich liegt der Box ein kurzes Verlagsprogramm bei.

Mein Fazit:

Episch ist dieses Hörbuch allemal, allein von der Länge her. Gert Heidenreich liest gut und bindet den Hörer über viele Stunden. Leider ist es nicht einfach, beim Hören den Überblick zu behalten, wenn so viel hin- und hergesprungen und ständig auf die Handlungsbremse getreten wird.

Für Freunde von Hohlbeins ausschweifendem Stil, die wissen, was auf sie zukommen kann, sicher empfehlenswert. Unbedarfte Hörer, die spannende und kurzweilige 23 Stunden verbringen möchten, könnten hier oftmals verwirrt werden und am Ende verärgert sein.

Ungekürzte Lesung auf 19 Audio-CDs
Gesamtspielzeit: ca. 23:14 h
Aufgeteilt auf 354 Tracks
Gelesen von Gert Heidenreich
ISBN-13: 978-3869520797

www.osterwold-audio.de

Der Autor vergibt: (3/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (2 Stimmen, Durchschnitt: 3,50 von 5)