Schlagwort-Archive: Patricia Briggs

[NEWS] Patricia Briggs – Stille der Nacht (Mercy Thompson 10)

Mercy Thompson hat ihren Platz und ihre Stimme im Wolfsrudel der Tri-Cities gefunden. Doch eines nachts wird die Gestaltwandlerin von Vampiren entführt: Sie soll als Waffe gegen ihr Rudel und ihren Gefährten Adam eingesetzt werden. Mercy gelingt die Flucht. Und plötzlich findet sie sich allein, ohne Geld und ohne Kleidung mitten in Prag wieder. Sie muss neue Verbündete finden und alte Feinde abwehren, und vor allem muss Mercy Adam warnen. Denn im Herzen der uralten Stadt regt sich ein dunkler Geist. Mit dem Ziel, Krieg zwischen allen magischen Völkern zu stiften … (Verlagsinfo)

Taschenbuch: 480 Seiten
Originaltitel: Silence Fallen – Mercy Thompson Book 10
Heyne

[NEWS] Patricia Briggs – Gefährtin der Dunkelheit (Mercy Thompson 8)

Als Christy, die Exfrau ihres Gefährten Adam, plötzlich in ihrem Leben auftaucht, schrillen bei Mercy sämtliche Alarmglocken – und das zu Recht, denn Christy führt nichts Gutes im Schilde: Sie will Adam zurück und ist sogar bereit, Mercys eigenes Rudel gegen sie aufzustacheln. Doch eine Mercy Thompson gibt niemals kampflos auf – schon gar nicht in der Liebe! Noch ahnt Mercy nicht, dass Christy ihr geringstes Problem ist: Ihr droht weitaus größere Gefahr von einem Gegner, der die ganze Welt zerstören kann … (Verlagsinfo)

Taschenbuch: 464 Seiten
Originaltitel: Night Broken
Heyne

[NEWS] Patricia Briggs – Im Bann der Wölfe (Alpha & Omega 4)

Ihr neuestes Abenteuer führt Anna und Charles, das gefährlichste Werwolfpärchen der USA, nach Arizona. Eigentlich wollen die beiden dort nur einen Freund besuchen, doch was als harmloser Urlaubstrip beginnt, wird schon bald zu Annas und Charles’ nächstem Spezialauftrag: Eine Fae, ein tückisches und kaltblütiges Geschöpf, stiehlt Menschenkinder und ersetzt sie durch Trugbilder. Wenn es Anna und Charles nicht gelingt, die Entführerin aufzuhalten, ist ein Krieg zwischen Fae und Menschen unausweichlich. Ein Krieg, der auch für die Werwölfe fatale Folgen hätte. (Verlagsinfo)

Taschenbuch: 448 Seiten
Originaltitel: Dead Heat
Heyne

[NEWS] Patricia Briggs – Tanz der Wölfe (Mercy Thompson 7)

Mercy Thompson ist zurück – ein neues Abenteuer für die coolste Gestaltwandlerin aller Zeiten

Mercy Thompson ist ohne Zweifel die heißeste Automechanikerin in den ganzen Tri- Cities, und sie hat die außergewöhnliche Gabe, sich in eine Kojotin zu verwandeln. Doch Mercys Leben gerät aus den Fugen, als ihr Gefährte Adam, der Alpha des mächtigsten Werwolfrudels der Stadt, entführt wird – zusammen mit seinem ganzen Rudel, den Wölfen, die inzwischen zu Mercys Familie geworden sind. Mercy setzt alles daran, ihre große Liebe und das Rudel zu retten, und kommt dabei einer gewaltigen Verschwörung auf die Spur. Einer Verschwörung, die das Leben aller Gestaltwandler in Nordamerika bedrohen könnte. (Verlagsinfo)

Taschenbuch: 448 Seiten
Originaltitel: Frost Burned – Mercy Thompson 7
Heyne

[NEWS] Patricia Briggs – Shamera: Die Diebin

Die junge Shamera schlägt sich als Diebin durch und stiehlt von den Wohlhabenden, um zu überleben. Dabei setzt sie ihre magische Begabung ein, die sie jedoch noch nicht vollends beherrscht. Als Shameras Mentor und Freund, ein mächtiger Magier, brutal ermordet wird, ist sie am Boden zerstört. Doch dann bekommt sie einen interessanten Auftrag: Sie soll nach einem Mörder suchen und der Vorgehensweise nach zu urteilen, scheint es derjenige zu sein, der ihren geliebten Mentor tötete … (Verlagsinfo)

Taschenbuch: 368 Seiten
Originaltitel: When Demons Walk
Bastei Lübbe

Patricia Briggs – Rialla, die Sklavin (Sianim 1)

Sianim-Reihe

Band 1: „Rialla, die Sklavin“
Band 2: „Shamera, die Diebin“

Rialla ist Pferdeausbilderin im Söldnerstadtstaat Sianim. Das war sie allerdings nicht immer. Ehe ihr die Flucht gelang, war sie eine Tänzerin. Und eine Sklavin. Da lässt sie der Meisterspion der Söldner zu sich rufen. Er braucht jemanden, der für ihn nach Darran geht und herausfindet, wer hinter den Mordanschlägen auf Lord Karsten verantwortlich ist. Dafür hat er sich ausgerechnet Rialla ausgesucht. Aber will Rialla wirklich zurück an den Ort, der ihr noch immer Alpträume beschert?

Es ist schon eine Weile her, dass ich etwas aus Patricia Briggs‘ Feder gelesen habe. Damals gefielen mir ihre Bücher wirklich gut. Deshalb hat mich die Lektüre dieses Buches ziemlich überrascht. Patricia Briggs – Rialla, die Sklavin (Sianim 1) weiterlesen

[NEWS] PATRICIA BRIGGS – Rialla – Die Sklavin

EINST WAR SIE WEHRLOS ╬ JETZT IST IHRE ZEIT GEKOMMEN …

Rialla war jahrelang eine Sklavin und musste ihrem Meister in allen Dingen gehorchen. Doch dann gelang ihr die Flucht, und heute lebt sie frei in der unabhängigen Söldnernation Sianim. Dort bietet ihr ein Auftrag plötzlich die Möglichkeit, sich an allen Sklavenhaltern zu rächen: Sie soll unter Tarnung einen Lord beschützen, der die Sklaverei abschaffen will. Rialla ergreift diese Chance. Sie schlüpft erneut in die Rolle der Sklavin und kehrt zurück in eine Welt, in der alte Feinde lauern und ihre Freiheit auf dem Spiel steht … (Verlagsinfo)

Taschenbuch: 368 Seiten
Originaltitel: Steal the Dragon
Bastei Lübbe

Briggs, Patricia – Rabenzauber

Tieragan kommt aus dem Krieg. Er hat einen weiten Weg hinter sich, das Wetter ist mies, und der junge Mann freut sich auf ein trockenes Gasthaus und eine warme Mahlzeit. Stattdessen platzt er mitten in eine prekäre Situation: Auf dem Marktplatz brennt ein Scheiterhaufen, und im Wirtshaus ist der Wirt gerade dabei, die Schwester des Hingerichteten zu verkaufen, weil sie die überhöhte Rechnung nicht begleichen kann.

Spontan kauft Tieragan das junge Mädchen und macht sich mit ihm aus dem Staub. Dass der andere Interessent ihnen folgt und versucht, Tieragan zu töten und das Mädchen in seine Gewalt zu bringen, dem misst der junge Soldat zunächst keine Bedeutung bei. Erst viel später wird er sich daran erinnern, als es fast schon zu spät zu sein scheint …

Patricia Briggs hat mit den meisten Figuren in diesem Roman keine reine Charakterzeichnung abgeliefert. Der Großteil der Personen besitzt dafür besondere magische Begabungen, die so stark ausgeprägt sind, dass sie die eigentliche Persönlichkeit massiv beeinflussen.

Bei Seraph, dem Mädchen aus dem Wirtshaus, hält es sich noch am ehesten in Grenzen. Der Rabe ist das Symbol für den Zauberer und seine Gabe mehr mit Fähigkeiten gleichzusetzen als mit Eigenschaften. So kann Seraph – neben allgemeinen Kleinigkeiten wie einen Bann weben, mit Magie Feuer anzünden und Ähnliches – in einer Art Vision die Vergangenheit von Dingen sehen, die sie berührt. Allerdings ist für die Ausübung dieser Gabe Selbstbeherrschung notwendig, die Seraph sich immer wieder neu erarbeiten muss, denn eigentlich ist sie sehr gefühlsbetont, und ihre Gefühle, vor allem Trauer und Angst, neigen dazu, in Zorn umzuschlagen.

Die Eule dagegen, Symbol für den Barden, verleiht die Macht der Musik. Ein Barde kann durch seine Magie dem Inhalt seiner Lieder zusätzliche Substanz verleihen in Bildern, Geräuschen, ja sogar Gerüchen. Er kann die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer an sich binden, sie beeinflussen und im Extremfall sogar seinem Willen unterwerfen. Niemand kann einen Barden anlügen, ohne dass dieser es merkt. Bei einer solchen Macht stellt sich schon die Frage, ob Tieragans ausgeprägte Menschenkenntnis und seine überdurchschnittlichen diplomatischen Fähigkeiten zu seiner Person gehören oder zu seiner magischen Gabe.

Noch extremer ist es beim Adler. Der Adler ist der Beschützer und gegen Magie von außen nahezu unempfindlich. Seine eigene Magie jedoch, die Gabe des Hüters, ist zornig, aufbrausend und kann ziemlich mörderisch werden. Gleichzeitig sind alle Adler Empathen, also Menschen, die andere, vor allem deren Gefühle, spüren und verstehen können. So kann der Leser nie ganz sicher sein, ob das Einfühlungsvermögen von Jes Tieraganssohn oder seine Reizbarkeit in der Nähe von Menschenmengen oder bei Streit Aspekte seines eigenen Wesens sind oder eine Folge der Tatsache, dass er Adler ist.

Die Personen ohne Gabe, wie Tieragans zänkische Schwester, sein gutmütiger Schwager oder der freundliche Prister seines Heimatdorfes, sind eher Randfiguren. Nur einer davon ist wirklich wichtig: Phoran, der Kaiser des Reichs. Ein noch junger Mann, durchaus intelligent, aber einsam, ohne jedes Selbstbewusstsein und seit einiger Zeit schier erstarrt in Angst vor einem Geist, der ihn jede Nacht heimsucht. Er vertut seine Tage mit Gelagen und Huren, bis ihm irgendwann der Verdacht kommt, dass der einzige Mann, den er seinen Freund nennt, ihn womöglich ebenso verachtet wie der Rest seiner Umgebung.

Mir haben eigentlich alle Figuren in dieser Geschichte gut gefallen. Selbst die Nebenrollen besitzen ziemlich viel Persönlichkeit und wirken lebendig. Und auch die enge Verbindung zwischen Gabe und Charakter bei den Protagonisten empfand ich eher als Vorteil. Dadurch, dass die Übergänge fließend sind, wird die Magie mehr zu einem Teil der Person, was vor allem im Falle von Tieragan und Jes zu sehr exotischen und faszinierenden Ergebnissen geführt hat.

Dem Entwurf ihrer Welt hat die Autorin zunächst scheinbar wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Ein Kaiserreich, ein beendeter Krieg, Fürsten, denen das Land gehört, Dörfer, Städte, der Palast in der Hauptstadt Taela … nichts Ungewöhnliches. Außerhalb dieses Gefüges aber gibt es noch die Reisenden, die von der übrigen Bevölkerung beargwöhnt, abgelehnt, ja oft genug sogar gehasst werden. Die Reisenden sind nicht etwa vergleichbar mit fahrendem Volk, sie sind kein Jahrmarkt oder Zirkus. Die Reisenden sind nur deshalb unterwegs, weil sie vor Jahrhunderten ihre Heimat verloren. Eine riesige Dummheit hatte grausame Konsequenzen, und nun versuchen die Reisenden, mit Hilfe ihrer magischen Gaben die angeschlagene Balance der Schöpfung zu erhalten. Nur ganz allmählich entwickelt die Autorin diese fantastische Seite ihrer Welt, weitet sie aus über Legenden und altes Wissen der Reisenden, bis sie irgendwann bei der Historie angekommen ist und schließlich den Kern der Geschichte stellt.

Bis dahin haben Tieragan, Seraph und ihre Kinder einige Turbulenzen zu überstehen. Denn ein Geheimbund versucht nicht nur, die Macht des Kaisertums auszuhöhlen, sondern auch, die Gaben der Reisenden an sich zu bringen – durch Entführung, Magie und Mord. Gleichermaßen durchtrieben und hinterlistig wie auch mit roher, rücksichtsloser Gewalt strebt irgendwo jemand nach unbeschränkter Macht. Die Familie macht sich auf die Suche, und tatsächlich begegnen ihr genügend Leute, die in die geheimen Machenschaften des Geheimbunds verwickelt sind. Doch keiner dieser Solsenti-Zauberer – der Unbegabten, die Magie nur mit Hilfe von Formeln und Ritualen beherrschen können – scheint der Anführer zu sein …

Tatsächlich hält die Autorin ihren obersten Bösewicht lange Zeit geheim. Auf ziemlich gemeine, höchst gelungene Art streut sie erst einen Verdacht, um ihn dann gleich wieder zu entkräften, und das macht sie so oft, dass der Leser den einen, entscheidenden, aber ziemlich unauffälligen darunter irgendwann zu übersehen droht. Das macht den Bösewicht nur umso interessanter, denn erst beim Showdown zeigt er das wahre Ausmaß seiner Boshaftigkeit. Es ist, als säße die ganze Zeit eine lauernde Spinne im Raum. Aber man sieht sie nicht. Nicht etwa deshalb, weil sie sich versteckt oder sich nicht rührt, sondern weil sie keinerlei sichtbare Ähnlichkeit mit einer Spinne hat.

Dieser Spannungsbogen trägt allerdings vor allem den zweiten Teil. Der erste Teil lebt von den diversen kleinen Scharmützeln gegen größere und kleinere Bedrohungen, die nicht mal alle dem Geheimbund angehören. Sie alle bieten Spannung, die nach dem Duell zwar schnell wieder abebbt, aber jedes Mal weitere und natürlich schwierigere Kämpfe in Aussicht stellt. Und wenn tatsächlich mal kein Kampf in Sicht ist, dann widmet sich die Autorin den Konflikten zwischen Reisenden und dem Rest der Bevölkerung oder zwischenmenschlichen Beziehungen innerhalb der Gruppe, was aufgrund der ungewöhnlichen Persönlichkeiten niemals langweilig ist.

Alle diese Bestandteile – die faszinierenden Charaktere, die Details ihrer Welt, die Spannungsbögen der Handlung – hat die Autorin lückenlos zusammengefügt. Alles ist überall miteinander verbunden, alles hängt miteinander zusammen, ohne dass es irgendwo knirscht oder knackt. Eine runde Sache, die ich sehr gerne gelesen habe.

Als sehr positiv empfand ich auch, dass Heyne, anstatt Bücher auseinanderzureißen, wie andernorts zur Zeit Mode, lieber zwei Teile zusammengefasst hat. Wie „Drachenzauber“ ist auch „Rabenzauber“ im englischen Original ein Zweiteiler. Und obwohl die Autorin zu Beginn des zweiten Teils noch gelegentlich Hinweise auf den ersten gibt, um das Verständnis zu erleichtern, war sie damit nicht allzu großzügig. Das Wegfallen einer größeren Veröffentlichungspause kommt dem Leser hier zusätzlich entgegen. Und auch das Lektorat war diesmal ausgesprochen gut.

Patricia Briggs schreibt bereits seit fünfzehn Jahren. Neben den Zweiteilern „Drachenzauber“ und „Rabenzauber“ schrieb sie einige Einzelromane wie „When Demons Walk“ oder „The Hob’s Bargain“ und wirkte in Anthologien mit, darunter „Silver Birch, Blood Moon“ und „On The Prowl“. Einige ihrer Bücher sind bereits wieder out of print. Außerdem schreibt sie derzeit an ihrer Mercedes-Thompson-Serie, die im englischen Original inzwischen bis Band vier gediehen ist. Der erste Band ist auf Deutsch bereits erschienen unter dem Titel „Ruf des Mondes“. „Bann des Blutes“ soll im Juli dieses Jahres, „Spur der Nacht“ im Februar 2009 in die Buchläden kommen.

Taschenbuch 990 Seiten

Originaltitel: „Raven’s Shadow“ und „Raven’s Strike“

Deutsch von Regina Winter

ISBN-13: 978-3453523159

http://www.heyne.de
http://www.hurog.com
http://www.patriciabriggs.com

 

Briggs, Patricia – Drachenzauber

Ein Unglück kommt selten allein, sagt man. Das scheint auch für Ereignisse zu gelten, die auf harmlosere Art bemerkenswert sind. Auf jeden Fall lässt sich nicht leugnen, dass Wardwicks jüngere Schwester Ciarra gerade an jenem Tag in den Abwasserkanal von Burg Hurog geflüchtet und Wardwick auf der Suche nach ihr auf die Höhle mit den Drachenknochen und den jungen Oreg gestoßen ist, an dem sein Vater Fenwick den tödlichen Reitunfall hatte.

Nun ist Wardwick also Hurogmeten, der Herr von Burg Hurog, das heißt, er wird es sein, sobald er volljährig ist. Aber er hat kaum Zeit, das Erbe seines Vaters anzutreten. Nur wenige Tage nach der Beerdigung taucht eine entflohene Sklavin in Hurog auf, und natürlich dauert es nicht lange, bis auch ihre Verfolger vor der Tür stehen und sie zurückfordern. Als Wardwick sich weigert, die Frau herauszugeben, kommt es zum Eklat …

Charaktere

Wardwick, genannt Ward, ist idealistisch, ehrenhaft, stur und eine ausgeprägte Beschützernatur. Das macht ihn für nahezu alle, die sich um ihn sorgen, geradezu unerträglich. Er ist aber auch einfühlsam und intelligent, was zu zeigen er bisher mit großem Erfolg vermieden hat, um nicht von seinem Vater als Rivale empfunden und umgebracht zu werden. Seine hervorragend vorgetäuschte Dummheit bringt ihn allerdings auch in gehörige Schwierigkeiten, denn der Hochkönig hat eine Neigung, unliebsame Personen ins Asyl, eine Art Irrenanstalt, sperren zu lassen, und Wards Scharade bietet den dafür denkbar besten Vorwand.

Vorerst ist allerdings nicht der Hochkönig Jakoven sein Problem, sondern Kariarn, der König von Volsag. Er sammelt magische Artefakte, um seine Macht zu vergrößern, und giert deshalb nach den Drachenknochen in der Höhle unter Burg Hurog. Kariarn ist nicht unbedingt größenwahnsinnig. Wenn man sich ihm nicht widersetzt, kann er geradezu kumpelhaft sein. Das ändert aber nichts daran, dass er absolut skrupellos ist.

Jakoven dagegen ist nicht nur skrupellos und machthungrig, er ist auch grausam und tückisch. Während Kariarns Anhänger ihm aus freiem Willen folgen, benutzt Jakoven Magie, Folter und Erpressung, um sich die Menschen gefügig zu machen, wobei seine Erpressung nicht die geradlinige Art Kariarns hat, der seine Gegenüber vor die einfache Wahl stellt: Gehorsam oder Tod. Jakovens Angriff kommt immer von hinten!

Angenehm an Patricia Briggs Charakterbeschreibung ist, dass alle ihre Figuren relativ durchschnittlich geblieben sind. Beide Bösewichte sind menschlichen Grenzen unterworfen. Sie können ihre Gegner nicht durch schiere Übermacht niederwalzen, wie es die bösen, machtgierigen Zauberer in der High Fantasy gerne tun, und sind deshalb gezwungen zu taktieren und sich gewissen politischen Gegebenheiten zu beugen.

Wardwick ist zwar der vollkommene Typus eines Helden, aber auch er ist ein gewöhnlicher Mensch und beschützt die Seinen nicht, weil ein Held prinzipiell die Welt vor dem Untergang rettet, sondern weil er an den Leuten hängt, eine persönliche Bindung zu ihnen hat. Dies und die Tatsache, dass die Autorin den Hinweis auf Wards Heldentum selbst immer wieder augenzwinkernd anbringt, schüttelt jeden Gedanken an Klischee ab.

Das gilt auch für die Handlung. Der Eindruck vom Tsunami-Effekt, von der nur durch ein Wunder aufzuhaltenden, absoluten, alles vernichtenden Katastrophe, die das Gros der Fantasy so gern bemüht, fehlt hier völlig. Es sind kleinere Widrigkeiten, mit denen Ward sich herumschlagen muss, aber deshalb nicht weniger folgenreich für die Bevölkerung. Auch hier werden zwei Tyrannen gestürzt, allerdings nicht durch einen Akt überbordender Selbstaufopferung. Zugegeben, Zähigkeit gehörte durchaus zu den Eigenschaften, die nötig waren, um mit den beiden Antagonisten fertig zu werden, doch es hielt sich innerhalb der Grenzen dessen, was ein Mensch leisten kann.

Die Handlung bleibt dadurch näher am Leser. Ward ist niemand, zu dem man mit offenem Munde aufsieht, seine Geschichte keine, der man mit weit aufgerissenen Augen folgt. Diese Geschichte könnte auch einem von uns passieren. Vorausgesetzt natürlich, es gäbe ein paar nette Zutaten in unserer Welt.

Eine davon sind Drachen. Zu meiner Überraschung hielten sich diese mythischen Wesen allerdings sehr im Hintergrund. Der hauptsächlich vorkommende Drache ist Oreg, Wards Zauberer. Da Oreg aber hauptsächlich in menschlicher Gestalt unterwegs ist, neigt der Leser dazu, in ihm weniger den Drachen als den Zauberer zu sehen. Was der Faszination dieser Figur allerdings keinen Abbruch tut.

Eine weitere sind die Zwerge, die allerdings auch eher selten auftauchen. Der Hauptvertreter dieses Volkes ist Axiel, der aber wie Oreg ein Mischling ist und deshalb so menschlich wirkt, dass man seine Herkunft die meiste Zeit über vergisst.

Und dann ist da natürlich noch die Magie als solche. Angenehm ist auch hier wieder, dass selbst Oreg, mit dem kaum ein anderer Zauberer mithalten kann, nicht über unbegrenzte Fähigkeiten verfügt, sowohl im Hinblick auf die Menge der magischen Kraft, die ihm zur Verfügung steht, als auch bezüglich dessen, was er damit bewirken kann.

Mit anderen Worten, Patricia Briggs hat hier einen Roman abgeliefert, dem zwar das bombastische Weltuntergangspanorama fehlt, der aber genug Geheimnisse, Ränke, Verrat, List und Gegenlist bietet, um zu keiner Zeit Langeweile aufkommen zu lassen, dessen Charakterzeichnung wohltuend frei von Übersteigerung und Klischee bleibt, und der trotz dieser vornehmen Zurückhaltung dennoch genug Ideen bietet, um den Hauch von märchenhaftem Zauber zu entfalten, der Fantasy auszeichnet. Es hat Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen.

Noch eine positive Überraschung jenseits der Erzählkunst der Autorin bescherte dem Leser der Verlag. Zur Abwechslung wurde hier mal nicht zerstückelt – wobei man der Gerechtigkeit halber feststellen muss, dass |Heyne| nicht zu dieser Unart neigt -, sondern es wurden zwei Romane in einem Buch zusammengefasst. Die Leistungen des Lektorats waren dafür nicht ganz von der gewohnt hohen Qualität. Gelegentlich stolperte ich doch über Fehler, die nicht immer nur als einfache Tippfehler durchgehen.

Patricia Briggs schreibt bereits seit fünfzehn Jahren Bücher. Neben Einzelromanen wie „When Demons Walk“ oder „The Hob’s Bargain“ schrieb sie eine Reihe von Mehrteilern – wie die |Sianim|-Serie oder die |Raven|-Duologie – und wirkte in Anthologien mit, darunter „Silver Birch, Blood Moon“ und „On The Prowl“, das im August dieses Jahres auf Englisch erscheint. Einige ihrer Bücher sind bereits wieder |out of print|. Auf Deutsch ist bisher nur „Drachenzauber“, das die beiden Hurog-Bände beinhaltet, erhältlich. Der erste Band der Mercedes-Thompson-Serie „Ruf des Mondes“ soll im November dieses Jahres in die Buchläden kommen.

Taschenbuch 800 Seiten

Originaltitel: „Dragonblood“ und „Dragonbones“

Deutsch von Regina Winter

ISBN-13: 978-3453523098

http://www.heyne.de
http://www.hurog.com/