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[NEWS] BRANDON SANDERSON & ROBERT JORDAN: Die Schlacht der Schatten (Das Rad der Zeit 36)

Brandon Sanderson führt bei Piper Robert Jordans Saga „Das Rad der Zeit“ mit dem 36. Band fort: „Die Schlacht der Schatten“.

Ein wahrlich grandioses Finale erwartet alle Robert-Jordan-Fans: Nach »Die Türme der Mitternacht« steht endlich die Letzte Schlacht vor ihrem Ausbruch, und schon fordern die ersten Kämpfe dramatische Opfer. Denn die Kräfte des Lichts beginnen sich gegen seitig zu misstrauen und stehen vor einer verheerenden Spaltung. Wird die Welt des »Rads der Zeit« zerbrechen, oder kann der Sieg doch noch errungen werden? Bestsellerautor Brandon Sanderson führt die phantastische High-Fantasy-Saga zu dem aufregenden Höhepunkt, den Robert Jordan vor seinem Tod für sie erdacht hat.

Robert Jordan, geboren 1948 in Charleston im US-Bundesstaat South Carolina, schrieb zunächst »Conan«-Romane und begann in den Neunzigerjahren seinen weltberühmten Zyklus »Das Rad der Zeit«, ein in der Fantasy einzigartiges Werk epischer Breite, das weltweit unzählige Fans gefunden hat. 2007 verstarb Robert Jordan an einer seltenen Blutkrankheit. Weiteres zum Autor unter: www.radderzeit.de Brandon Sanderson, geboren 1975 in Nebraska, lebt als freier Autor und Lektor in Utah. Nach seinem Debütroman »Elantris« widmet er sich seit 2007 der Vollendung von Robert Jordans »Das Rad der Zeit«.
(Verlagsinfos)

Originaltitel: A Memory of Light (Teil 1)
Übersetzung: Andreas Decker
Taschenbuch, 624 Seiten, kartoniert
ISBN-13: 978-3492268257

Band 37, „Das Gedächtnis des Lichts“, ist für Juli 2013 angekündigt und beendet die Saga.

Jonas Wolf – Alles über Hobbits

Bitte ein Bild: Hoffnungsvoller Ansatz für eine Hobbit-Enzyklopädie

In Tolkiens Land Mittelerde wimmelt es von Elben, Zwergen und Orks, doch seine wahren Helden sind die Hobbits. Zum Fantasy-Film-Ereignis des Jahres präsentiert Genrekenner Jonas Wolf das ultimative Buch über das »kleine Volk«. Umfassend, tiefgründig und humorvoll widmet sich der Autor den Ursprüngen der Hobbits, ihrer Rolle in Tolkiens Welt und ihren größten Abenteuern. Dabei werden nicht nur die wichtigsten Filme, Bücher und Spiele vorgestellt, sondern auch die letzten Geheimnisse der scheinbar friedvollen Gesellen gelüftet – denn in einem Hobbit steckt mehr, als wir ahnen … »Alles über Hobbits« bietet das gesammelte Hobbit-Wissen in einem Band  (Verlagsinfo)

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Melissa Marr – Graveminder

Melissa Marr ist bislang eher für ihre Jugendbücher bekannt, die von meistens netten und nicht ganz so netten Elfen handeln. Mit „Graveminder“ legt sie nun ihren ersten Roman für Erwachsene vor – ganz ohne Elfen.

Das amerikanische Städtchen Claysville ist ein komischer Ort. Noch komischer, als Rebekkah glaubt, als sie zum Begräbnis ihrer Großmutter Maylene dorthin zurückkehrt. Maylene ist nicht eines natürlichen Todes gestorben. Sie wurde umgebracht. Doch wer ihr Mörder ist, scheint die örtliche Polizei nicht wirklich zu interessieren.

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Friedman, Celia – Seelenkriegerin, Die (Magister-Trilogie 3)

Die Magister-Trilogie:

Band 1: „Die Seelenjägerin“
Band 2: „Die Seelenzauberin“
Band 3: „Die Seelenkriegerin“

Siderea Aminestas ist mit ihrer Konjunkta so weit nach Süden geflohen, dass sie quasi komplett von der Landkarte verschwunden ist. In einer kleinen Wüstenstadt hat sie sich eine neue Basis geschaffen, und sinnt nun auf Rache an den Magistern. Der Erste, den ihre Rache treffen soll, ist Colivar.

Colivar ist sich dieser Tatsache durchaus bewusst. Doch trotz all seiner Bemühungen und der seiner Magister-Kollegen ist die Hexenkönigin unauffindbar. In Colivar keimt ein Verdacht, und so bittet er Kamala um Hilfe.

Kamalas Suche scheint tatsächlich Erfolg zu haben. Allerdings ist Siderea währenddessen nicht untätig geblieben …

Neue Charaktere tauchen in diesem dritten Band kaum noch auf. Der einzig nennenswerte ist Nasaan, ein Wüstenkrieger. Zwar ist er gut und lebendig gezeichnet, nach seiner Rolle zu Beginn des Buches rückt er jedoch ziemlich an den Rand des Geschehens.

Wesentlich interessanter ist dagegen die Entwicklung Colivars, der sich im Laufe des Buches, je mehr seine Geheimnisse aufgedeckt werden, vom kalten, arroganten Unmenschen zu einem zerrissenen, verzweifelten Mann entwickelt. Sehr gelungen.

Nyuku dagegen gehörte zu denjenigen Charaktere, die nicht vertieft oder weiterentwickelt wurden, was ich fast ein wenig schade fand.

Die Handlung lässt sich diesmal wieder etwas mehr Zeit als in Band zwei. Bis Colivar Kamala um Hilfe gebeten hat und ihre Bemühungen erste Erfolge zeigen, vergehen fast zweihundert Seiten, und dann besteht der Erfolg zunächst in einem eher kleineren Scharmützel. Auch die Ereignisse in Tefilat könnte man mit diesem Begriff beschreiben. Und im Gegensatz zum zweiten Band verläuft die Spannungskurve hier nicht insgesamt stetig nach oben.

Was den Leser dennoch bei der Stange hält, sind die kleinen Überraschungen, die mit den einzelnen Scharmützeln verbunden sind. Celia Friedman versteht es immer wieder, ihre Erzählung in unerwartete Richtungen umzulenken, oder den Leser für die nachlassende Spannung mit kleinen interessanten Informationsbröckchen zu entschädigen.

Auf diese Weise baut die Autorin im Verlauf der Geschichte immer mehr Hintergrundaspekte weiter aus. Das gilt für die Historie der Welt ebenso wie für ihren Entwurf der Magie und der Ikati. Dabei wirken die Erweiterungen zu keiner Zeit bemüht oder gekünstelt, sondern fügen sich wie selbstverständlich in die bereits bekannten Teile ein. Das gilt auch für die Präsentation der Informationen. Jede Aufdeckung eines neuen Details hat eine glaubhafte und logische Ursache. Ich musste mich niemals fragen, warum eine Information gerade zu diesem Zeitpunkt auftauchte. Vor allem aber war jede Neuigkeit eine faszinierende Facette in einem interessanten, gut durchdachten Gesamtzusammenhang. Ebenfalls sehr gelungen.

Nach einer Menge unvorhersehbarer Wendungen, enthüllter Geheimnisse und neuer Erkenntnisse ist es etwa hundert Seiten vor Schluss dann doch so weit: der Showdown beginnt. Und auch hier ist es der Autorin wieder gelungen, mich zu überraschen. Dass nicht alles so läuft wie geplant, hatte ich erwartet. Aber nicht das, was letztlich geschieht. Das war einerseits erfrischend, andererseits kann ich nicht sagen, dass ich genauso feuchte Hände gehabt hätte wie bei der „Seelenzauberin“. Trotz der Komplikationen verlief die Auflösung der Situation dann doch recht glatt, auf ebenso unvorhergesehene Weise, wie sich die Komplikation eingestellt hat. Und obwohl ich nicht hätte vorhersagen können, zu welchem Ende die Bemühungen der Beteiligten letztlich führen würden, wollte echte Spannung nicht so recht aufkommen. Ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl, die Situation könnte in eine Katastrophe führen, weder in Bezug auf den Gesamtzusammenhang, noch im Hinblick auf einzelne Charaktere wie Salvator oder Colivar.

So war der dritte Band zwar spürbar anders gewichtet als der Zweite, er gefiel mir aber genauso gut.

Insgesamt fand ich den gesamten Zyklus lesenswert. Man braucht ein wenig Geduld, bis die Geschichte in Fahrt kommt, sie bietet aber durchaus einiges an Spannung, und außerdem so viele Geheimnisse und Rätsel, eine so interessante und sauber abgestimmte Basis und so viele verschiedene, faszinierende und lebendige Charaktere, dass es auch in den spannungsärmeren Passagen niemals langweilig wird.

Celia Friedman hat lange als Kostümbildnerin gearbeitet, ehe sie sich gänzlich dem Schreiben zuwandte. Zunächst schrieb sie Science-Fiction, später auch Fantasy. Aus ihrer Feder stammen neben der Magister-Trilogie der Coldfire-Zyklus sowie der Zweiteiler Alien Shores und weitere Einzelromane. Allerdings wurden nicht alle ihre Bücher ins Deutsche übersetzt.

Taschenbuch: 553 Seiten
Originaltitel: |Legacy of Kings|
Deutsch von Irene Holicki
ISBN-13: 978-3492268998

//www.csfriedman.com
http://www.piper-verlag.de

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Robert Jackson Bennett – Silenus

Eigentlich sucht George seinen Vater. Als er ihn findet, wird er in dessen Theatergruppe aufgenommen, die nach Feierabend die Apokalypse verhindert; es schließen sich gefährliche Abenteuer im Diesseits und anderen Welten an … – Es gibt sie also noch: Autoren für „Urban Fantasy“, die ein fantasiereiches Garn nicht ohne Längen und Klischees aber ohne kussfeste Vampire oder rollige Werwölfe spannend über die volle Seitendistanz bringen.
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Schwartz, Richard – Falke von Aryn, Der

Lorentha ist nicht glücklich über ihre Rückkehr nach Aryn, und das liegt nicht nur daran, dass ihr Vertrag bei der Garde wohl nicht verlängert werden wird. Ihre Erinnerungen an diese Stadt sind nicht gerade positiv, und ihr Vorhaben, den Mord an ihrer Mutter aufzuklären, rührt genau an diesen Erinnerungen.

Als wäre das noch nicht schlimm genug, wird sie, kaum dass sie das Schiff verlassen hat, zum Gouverneur zitiert, der ihr eröffnet, sie müsse zusammen mit einem manvarischen Adligen den Diebstahl des wertvollsten Artefakts der Stadt, des Falken der Göttin Isaeth, aufklären und dafür zunächst einmal einen dieser verhaßten Adelsbälle besuchen …!

Die Geschichte wird hauptsächlich von zwei Figuren getragen:

Lorentha ist eine starke, eigenwillige und unabhängige Frau, die nicht gerade für ihre Geduld bekannt ist und auf ihren Ruf pfeift. Für den Adel und seine Ballparkettintrigen hat sie nichts als Verachtung übrig, einer der Gründe, warum sie sich mit ihrem Vater zerstritten hat und zur Garde gegangen ist.

Raphanael ist zwar ein Adliger, außerdem aber auch noch Mitglied des magischen Ordens der Hüter, und er hat nicht nur Humor, sondern auch Verantwortungsbewusstsein. Im Gegensatz zu Lorentha legt er allerdings eine Menge Wert auf seinen Ruf, denn für ihn ist dieser ein Mittel der Politik.

Als tiefschürfend kann man die Charakterzeichnung nicht bezeichnen, trotzdem zeugt die Darstellung von Fingerspitzengefühl. Das gilt vor allem für Raphanaels wachsende Zuneigung zu Lorentha. Auch die Nebenfiguren sind, wenn auch wenig intensiv, so doch lebendig und glaubhaft geraten. Vor allem Mort mit seiner trockenen Art war eine Bereicherung.

Ähnliches lässt sich auch über die Handlung sagen. Der Plot war interessant angelegt und sauber aufgebaut. Die Ermittlungen der beiden Protagonisten und die Entwicklung ihrer Beziehung halten sich gekonnt die Waage. Erläuterungen zur Historie der Welt und zur Magie sind dagegen eher eine Randerscheinung. Wenn Mort nicht wäre, würde ich das Buch eher als Krimi denn als Fantasy bezeichnen.

All dieses Rätselraten war durchaus unterhaltsam, zum Ende hin, wo sich die Lage zuspitzen sollte, fehlte mir jedoch ein wenig der Spannungsbogen. Zu offensichtlich war das Manöver des Antagonisten im Zusammenhang mit der Entführung. Und zu leicht und zu schnell löste sich der Showdown in Wohlgefallen auf. Außerdem wartet am Ende des Buches ein dicker Logikfehler.

Vorsicht Spoiler!

Lorentha verzichtet auf ihren Anspruch mit der Begründung, sie wäre nicht in der Lage, ihn gegen das Kaiserreich und Manvare durchzusetzen. Statt dessen schiebt sie Raphanael vor, der nicht einen Fingernagel mehr Unterstützung vorweisen kann als Lorentha – vielleicht abgesehen von seinem guten Ruf. Seltsamerweise hat Raphanael letztlich weder mit dem Kaiserreich noch mit Manvare irgendwelche Schwierigkeiten.

Noch viel mehr störte mich, dass die Bruderschaft Aragons überhaupt nichts gegen Raphanael unternimmt. Nach Lorenthas Täuschungsmanöver müsste sie eigentlich Raphanael für den rechtmäßigen Erben sowohl des Kaiserreiches als auch des Herzogtums Aryn halten. Der gesamte Plot basiert darauf, dass die Bruderschaft einen solchen Erben Jahrhunderte lang mit allen Mitteln verhindern wollte. Und jetzt lässt sie Raphanael einfach gewähren?

Spoiler Ende

Gestört habe ich mich, vorwiegend zu Anfang, auch am etwas ungewöhnlichen Satzbau. Manche Sätze waren etwas zu sehr mit Nebensächlichkeiten beladen, in Schachtelbauweise, sodass ich gelegentlich zum Satzanfang zurückkehren musste, um herauszufinden, worum es ursprünglich ging. Trotzdem war die Sprache insgesamt eher schnörkellos und geradlinig und hinterließ eher den Eindruck einer trockenen denn einer stimmungsvollen Erzählweise.

Unterm Strich war das Buch ganz gut zu lesen. Abgesehen vom etwas unpassenden Ende bot es einen interessanten Plot, sympathische Charaktere, eine Prise Humor und einige abwechslungsreiche Wendungen, dafür aber eher wenig Flair und nicht allzu viel Spannung. Alles in allem hat es mich recht gut unterhalten, gefesselt oder mitgerissen hat es mich jedoch nicht.

Richard Schwartz ist ein Pseudonym. Der Autor ist gelernter Flugzeugmechaniker und studierter Elektrotechniker und Informatiker. Gearbeitet hat er in mehreren Berufen, vom Tankwart bis zum Systemprogrammierer, außerdem repariert er Autos und Motorräder. Da bleibt zum Schreiben nur noch die Nacht, trotzdem stammen aus seiner Feder außer dem „Falken von Aryn“ gleich zwei mehrbändige Zyklen, Das Geheimnis von Askir und Die Götterkriege, sowie die Lytar-Reihe unter dem Pseudonym Carl A. deWitt.

Broschiert 464 Seiten
ISBN-13: 978-3-492-70279-9

http://www.piper-verlag.de

Der Autor vergibt: (3.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Thomas Elbel – Asylon

Thomas Elbel ist ein bisher in Genrekreisen völlig unbekannter Name, und auch sein Romanerstling Asylon blieb einige Zeit unbemerkt. Bekommt man das Buch dann in die Hände, reizt erstmal weder Titel noch Cover noch Klappentext übermäßig zum Lesen, denn offenbar handelt es sich um ein abgeschlossenes System, eine Stadt als Asyl für die letzten Menschen nach einer dramatischen Katastrophe – ein nicht gerade innovativer Plot. Nimmt man es dennoch zur Hand, bemerkt man schnell, dass sich Elbel von einer attraktiven Idee leiten lässt und das Buch mehr Charisma und Spannung und Grusel enthält, als man vermuten mochte.

Masterleveller Torn entdeckt eine Leiche in den besonderen Sperrzonen der Stadt Asylon, im Minenfeld, das die Stadt gegen das feindliche Umfeld und die sie belagernden Horden verseuchter Menschen schützt – so heißt es. Und so nimmt Torn auch vorerst an, die Leiche gehöre zu einem Eindringling. Seinem munteren Assistenten allerdings fällt auf, dass die Leiche derart ausgerichtet liegt, wie es nur bei der Bewegung nach außen, also weg von der Stadt, vorkommen kann. Bevor er seine Entdeckung allerdings mitteilen kann, wird er von Torns heftigstem Widersacher unterbrochen, dem Polizisten Rygor, der sich von Torn in seiner Kompetenz bedroht sieht und den Fall des vermeintlichen Eindringlings übernimmt. Und ab da überschlagen sich die Ereignisse, sodass die Entdeckung vorerst unbeachtet bleibt.

Torn ist ein Leveller, besser der Masterleveller Asylons, das heißt, er sorgt für ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen den Gangstercliquen, um Stabilität zu garantieren. Seine drastischen, oft tödlichen Maßnahmen werden dabei von allen Seiten toleriert und als Notwendigkeit erkannt – bis Torn, noch aufgewühlt von seiner Konfrontation mit Rygor, in einen menschenverachtenden Konflikt einer Bande verwickelt wird und einen der Mächtigen, ein Stabilitätsfaktum, umbringt. Das führt dazu, dass er seiner Pflichten enthoben und geächtet wird, sodass er nun mittellos ein gejagter Gesetzloser wird. Und dass, wo doch seine Frau schwanger in der Klinik liegt.

Als das Neugeborene unter undurchsichtigen Umständen verschwindet und Torns Frau für verrückt erklärt wird, brechen alle Schranken und Torn begibt sich in einen Kampf zwischen die herrschenden Clans und die geduldete Regierung. Was er entdeckt bei der Suche nach seinem Kind, wirft sein gesamtes Weltbild und das Konstrukt der Realität, mit dem jeder Asylonier lebt, über den Haufen. Hier werden geheime Geschäfte abgewickelt, Kinder auf genetische Prädispositionen untersucht, Gerüchte vom freien Leben außerhalb der Stadt greifen um sich und die dubiosen Machenschaften der Machthaber lassen ihn an seinem Verstand zweifeln.

Thomas Elbel entwirft mal wieder ein dystopisches Zukunftsbild, so scheint es dem Leser anfangs. Doch was sich dahinter verbirgt, ist weit mehr als das. Es ist ein Betrug, der nicht nur die Menschen in der Stadt halten, sondern noch weit größere Verbrechen vertuschen soll. Dabei führt er uns häppchenweise in die Hintergründe ein, aber auf eine spannende, fließend in die Handlung integrierte Art; anders als oft in Ermanglung des nötigen Spielraums trocken aufgetischter Informationen bekommt man hier düstere, teils unglaubliche Verbrechen von bizarrer Brutalität serviert, die in sich den Hintergrund der Story tragen.

Der Betrug, der auf dramatische Weise für einen Teil der Verantwortlichen eine tragische Wendung nahm, ist schließlich der Punkt, der die Geschichte von ähnlichen Romanen um unwissende Gefangene abhebt. Hier geht es nicht darum, dass der Protagonist irgendwann eine Tür durchtritt und feststellt, die Apokalypse draußen hatte nie stattgefunden – das ist nur ein Teil der Lösung, die Elbel hier anbietet. Viel tiefer verschachtelt in mehrere Rätsel ist die Erkenntnis.

Trotz dieser Qualität des Entwurfs bleiben in der Ausführung Mängel, die den Leser in leider zu vielen Momenten verärgern. Die Bilder und Strukturen wirken verwaschen, wie schon oft gehörte Klischees solcher Endzeitstimmungen. Darüber sieht man manchmal hinweg im Bewusstsein, dies ist der Romanerstling des Autors. Doch man erwartet schließlich, dass ein ordentliches Lektorat solche Missstände aufdecken und wegarbeiten müsste, doch leider zieht sich dieses Bild durch den gesamten Roman.

Zum Glück spiegelt der Autor diese Probleme mit seiner besonderen Stärke, nämlich der Beschwörung horroriger Szenen, wie sie nicht besser zu diesem Buch hätten passen können. Die perverse Brutalität des Gegenspielers, sein Doppelbild für die Romanöffentlichkeit, die klaustrophobischen Szenen in der Leichenkammer … Das hält den Leser bei der Stange und bleibt glücklicherweise deutlicher in Erinnerung als der Ärger über stilistische Mängel.

Insgesamt ein durchaus beachtenswerter Romanerstling, der vor allem durch die Idee und die düsteren, perversen Szenarien besticht. Die erzählerische Leistung während füllender Handlungszeiten bleibt dabei ausbaufähig, sodass man auf weitere Geschichten Elbels warten darf mit Vertrauen in die Entwicklungsfähigkeit des Autors.

Taschenbuch, 438 Seiten
ISBN-13 978-3-492-26792-2
ORIGINALAUSGABE

Der Autor vergibt: (3/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Robert Jackson Bennett: Mr. Shivers

In den 1930er Jahren verfolgt eine Gruppe verzweifelter Landstreicher einen Serienkiller; Hunger, Unwetter und das korrupte Gesetz erschweren die Jagd auf „Mr. Shivers“, der womöglich dämonischer Herkunft ist … – Vor historischem Hintergrund zeichnet der Autor das Bild einer US-Nation im Untergang, in das sich übernatürliche Elemente unheilvoll harmonisch einfügen. Land und Leute werden einprägsam geschildert; die Intensität eines Joe Lansdale oder Jack Ketchum geht Robert J. Bennett freilich (noch) ab.
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Friedman, Celia – Seelenzauberin, Die (Magister-Trilogie 2)

Die Magister-Trilogie:

Band 1: „Die Seelenjägerin“
Band 2: „Die Seelenzauberin“
Band 3: „Legacy of Kings“ (im Original: Mai 2011)

Kamala hatte Glück im Unglück. Obwohl sie mitten im Kampf mit dem Ikata von der Tanslatio überrascht wurde, hat sie überlebt. Ein Nordländer hat die Bestie getötet und Kamala konnte verschwinden. Jetzt will sie Antworten auf ihre Fragen haben. Und so hängt sie sich in der Gestalt eines Habichts an die Fersen jenes Nordländers, der den Ikata getötet hat …

Rhys, der Bruder der Großkönigin Gwynofar, wurde nach seinem Sieg über den Ikata nach Norden geschickt, um einen Blick auf die Speere im Gebiet der Alkalier zu werfen, denn von dort sind seit Monaten keine Berichte mehr eingetroffen. Doch nichts und niemand hätte ihn auf das vorbereiten können, was er in Alkal schließlich vorfindet!

Gwynofar hat unterdessen ihren zweitältesten Sohn Salvator aus dem Kloster zurück gerufen, damit er seinem Vater auf den Thron folgt. Aber kann ein Mann mit den Überzeugungen und dem Lebenswandel der Büßermönche überhaupt ein guter König sein?

Siderea, die Hexenkönigin von Sankara, jedenfalls beabsichtigt, genau diese mönchischen Eigenschaften zu fördern. Ihr unbändiger Lebenswille hat die Frau mit dem erlöschenden Athra dazu gebracht, ein Bündnis mit einem geheimnisvollen Fremden einzugehen, ohne zu versuchen, seine wahren Absichten zu ergründen, oder sich die Mühe zu machen, Erkundigungen über ihn einzuziehen.

Im Großen und Ganzen agieren in diesem zweiten Band des Zyklus‘ noch nahezu dieselben Charaktere wie im ersten Band. Allerdings hat sich das Augenmerk ein wenig verschoben:

Statt Gwynofar steht nun Rhys mehr im Mittelpunkt des Geschehens. Der mutige Mann ist der Bastardsohn des Erzprotektors von Kierdwyn und damit ein Halb-Lyr. Besonders glücklich ist er über keinen der beiden Umstände, scheint doch die Tatsache, dass er als Halb-Lyr besondere Fähigkeiten im Kampf mit den Ikati besitzt, seinen Sieg über das Ungeheuer zu schmälern. Außerdem fürchtet er – völlig ohne Grund – stets die Ablehnung seiner Stiefmutter. Halt scheint ihm nur sein Glaube an seine Götter und die alten Mythen zu geben. Als er auch diesen verliert, ist er ein gebrochener Mann.

Am anderen Ende der Welt hat sich die Gewichtung von Colivar hin zu Siderea verschoben. Sidereas Verzweiflung angesichts ihres erlöschenden Athras ist so groß, dass sie in der Überzeugung, nichts zu verlieren zu haben, jegliche Vorsicht über Bord wirft. Gleichzeitig entwickelt sie einen ungeheuren Hass auf die Magister, von denen sie sich im Stich gelassen fühlt. Am Ende des Bandes ist diese Frau einer der gefährlichsten Charaktere des gesamten Buches.

Der einzige wichtige Neuzugang, Nyuku, bleibt dagegen fast ein wenig blass. Aus seinem Werdegang werden lediglich einige kurze Ausschnitte erzählt, die aber außer einer wilden Entschlossenheit und einem rücksichtslosen Drang nach Wärme und Licht keine weiteren Eigenschaften verraten. Zumindest vorerst …

Ich fand diese neue Gewichtung innerhalb der Charakterzeichnung sehr gelungen. Es hat bereits interessante Charaktere noch weiter vertieft, ohne dabei die bisherigen zu vernachlässigen. Der einzige, der in dieser Beziehung bisher ausgespart wurde, ist Colivar, was allerdings kein Manko ist, denn schließlich ist seine Figur eines der zentralen Rätsel des Plots.

Der Plot wurde in diesem Band zusätzlich zu den lokalen Handlungssträngen noch um einen zeitlichen erweitert. Nyukus Geschichte wird in Rückblenden erzählt, was sich allerdings erst im Laufe des Buches bemerkbar macht. Eine zusätzliche Kapriole in diesem Strang wurde dann zum endgültigen Stolperstrick: Eine kurze Szene aus der Sicht eines hochrangigen Alkaliers, der sonst nur in der chronologischen Abfolge auftaucht, wird ebenfalls rückblickend erzählt, und der Leser muss erst einmal überlegen, in welchen Zusammenhang dieser Abschnitt gehört.

Ansonsten aber hat die Autorin ihren zweiten Band mit wesentlich mehr Tempo erzählt als den ersten. Das Ende des ersten Bandes wurde ohne überflüssige Weitschweifigkeit noch einmal in den Anfang eingebaut, sodass der Leser sofort wieder direkt im Geschehen ist, ohne sich erst ganze Passagen langweiliger Wiederholungen zu Gemüte führen zu müssen. Und die Spannungskurve wirkt wie eine Börsennotierung: Sie steigt und fällt, verläuft insgesamt aber stetig aufwärts, bis der Leser auf den letzten fünfzig Seiten nicht mehr weiß, woran er seine feuchten Hände noch trocken wischen soll.

Dazu kommen einige beiläufige Anmerkungen, die den aufmerksamen Leser interessiert aufhorchen lassen – zum Beispiel fällt das Wort „Konjunkt“ in diesem Band auch noch in einem ganz anderen Zusammenhang als bisher -, und überraschende Wendungen wie die im Zusammenhang mit der jungen Adligen Petrana, die selbst in den ruhigeren Passagen das Interesse des Lesers jederzeit wach und gespannt halten.

Die Karte, die in der Originalausgabe enthalten ist, hat Piper leider weggelassen.

Um es kurz zu machen: „Die Seelenzauberin“ hat mir, trotz der kleinen Stolperfalle innerhalb des rückblickenden Handlungsstrangs, noch besser gefallen als ihr Vorgänger. Das zügigere Erzähltempo ging weder auf Kosten der Charaktere noch auf die des Weltentwurfs, der Handlungsverlauf war abwechslungsreich und kaum vorhersehbar, die Erweiterung der Grundidee um den Rückblick bot eine weitere Perspektive. Und die kleinen Andeutungen von Colivar versprechen ausgesprochen interessante Aussichten für den Schluss der Trilogie. Die kommt aber leider erst im Mai nächsten Jahres unter dem Titel „Legacy of Kings“ in die amerikanischen Buchläden, da Celia Friedman während der letzten Monate an einem weiteren Band zu ihrer Coldfire-Trilogie saß.

Celia Friedman hat lange als Kostümbildnerin gearbeitet, ehe sie sich gänzlich dem Schreiben zuwandte. Zunächst schrieb sie Science Fiction, später auch Fantasy, allerdings wurden nicht alle ihre Bücher ins Deutsche übersetzt.

Taschenbuch: 504 Seiten
Originaltitel: Wings of Wrath
Deutsch von Irene Holicki
ISBN-13: 978-3492267823

//www.csfriedman.com
http://www.piper-verlag.de

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (1 Stimmen, Durchschnitt: 5,00 von 5)

Friedman, Celia – Seelenjägerin, Die (Magister-Trilogie 1)

Die Magister-Trilogie:

Band 1: „Die Seelenjägerin“
Band 2: „Wings of Wrath“ (noch ohne dt. Titel)

Vor der Tür des Einsiedlers Aethanus steht ein junges Mädchen namens Kamala. Sie besteht darauf, von ihm zum Magister ausgebildet zu werden. Der Blick aus ihren grünen Augen ist so diamanthart, dass Aethanus sich überreden lässt. Tatsächlich gelingt ihr, was noch keiner Frau je gelungen ist. Doch das heißt noch lange nicht, dass sie sich auch unter all ihren männlichen Kollegen durchsetzen kann. Eine Einsiedelei ist nur eine unvollkommene Vorbereitung auf die Welt, und so verläuft gleich ihr erstes Zusammentreffen mit anderen Vertretern ihrer Zunft katastrophal …

Während am einen Ende des Kontinents die erste Magisterin der Geschichte ihre ersten Schritte tut, erleidet am anderen Ende Prinz Andovan, dritter Sohn des Großkönigs Danton, plötzlich Schwächeanfälle, ohne dass einer der vielen Ärzte eine körperliche Ursache dafür finden könnte. Ramirus, der Magister des Großkönigs dagegen weiß ziemlich genau, worum es sich handelt, und genau das ist sein Problem. Denn es handelt sich dabei um eines der bestgehütetsten Geheimnisse der Magie überhaupt, was die Angelegenheit zu einer ziemlichen Zwickmühle macht. Doch noch ehe Ramirus eine Lösung für das Dilemma finden kann, nimmt der kranke Prinz die Sache selbst in die Hand, mit ungeahnten Folgen …

Der Titel lässt vermuten, dass das Buch Kamalas Geschichte erzählt. Das stimmt nur bedingt. Bei genauer Betrachtung stellt sich heraus, dass der Originaltitel – falls überhaupt – miserabel übersetzt wurde. Wörtlich übersetzt müsste er „Seelenschmaus“ lauten, was wohl nicht als verkaufsfördernd eingestuft wurde, den Inhalt aber wesentlich besser beschreibt.

Denn hier geht es um eine Art von Magie, die genau das tut: Sie verschlingt Seelen. Magie kann nur mit Hilfe von Athra gewirkt werden. Athra ist ein hübsches Wort für Lebensenergie oder auch für Seele. Die einfachen Hexen und Hexer verbrauchen ihre eigene Lebensenergie, wenn sie zaubern, deshalb altern sie alle vor ihrer Zeit und sterben früh. Die Magister haben sich damit offenbar nicht zufrieden gegeben, sie sind einen Schritt weiter gegangen und haben sich, nachdem sie ihre eigene Lebenskraft vollständig verbraucht haben, die Kraft einer fremden Seele unter den Nagel gerissen. Wobei es das nicht ganz trifft, denn die Magister saugen ihre Opfer nicht auf einmal aus wie ein Vampir. Man könnte sie eher mit Parasiten vergleichen. Wie ein Blutegel hängen sie sich an ihren Konjunkten und bedienen sich an seinem Athra. Dazu muss der Konjunkt nicht einmal in der Nähe sein. Tatsächlich weiß ein Magister in der Regel gar nicht, wer sein Konjunkt ist, und der Konjunkt weiß es erst recht nicht. Die wachsende Schwäche, die ihn mit der Zeit befällt, je nachdem, wie verschwenderisch der Magister Magie einsetzt, wird im Volk als unheilbare Krankheit betrachtet, die Schwundsucht genannt wird. Stirbt der Konjunkt, muss der Magister sich einen neuen suchen.

Das klingt nach Unsterblichkeit und tatsächlich sind einige Magister mehrere Jahrhunderte alt. Doch unverwundbar sind sie nicht, auch nicht außerhalb der Translatio, wie man den Wechsel eines Konjunkten nennt. Ein äußerst angenehmer Umstand, der dafür sorgt, dass die Magister weder allmächtig noch unbesiegbar sind.

Die Magister sind allerdings nicht die einzigen, die von der Seelenkraft ihrer Mitmenschen leben. Ikati, Ungeheuer mit hypnotischen Kräften, die wie überdimensionierte Libellen aussehen, nähren sich ebenfalls davon. Und obwohl man die Magister bezüglich der Ausbeutung ihrer Opfer wahrhaftig nicht als rücksichtsvoll bezeichnen kann, sind sie im Vergleich zu den Ikati geradezu fürsorglich. Ein Mensch, der einem Magister als Konjunkt dient, kann noch Jahre leben. Ein Mensch, der einem Ikata begegnet, ist so gut wie tot.

Gegen diese Ungeheuer hat die Menschheit bereits einen grausamen Krieg hinter sich, der nur durch die Selbstaufopferung zahlloser Hexen und Hexer gewonnen werden konnte. Wobei gewonnen relativ ist, denn die Ikati wurden nie vollständig ausgelöscht, sondern nur vertrieben, in die eisigen Gefilde des äußersten Nordens, wo seither die Protektoren und die Heiligen Hüter darüber wachen, dass keines jemals den Heiligen Zorn überschreitet, eine magische Grenze, die der Legende nach die Götter selbst errichtet haben. Doch dieselbe Legende besagt, dass die Ikati einst zurückkehren werden …

Die meisten Menschen glauben nicht mehr an diese Dinge. Königin Gwynofar jedoch ist in dem Glauben an die Wahrheit der alten Legenden erzogen worden und hat die Macht in den bizarren Felsnadeln, die man den Heiligen Zorn nennt, selbst gespürt. Die starke, aufrechte Frau ist überzeugt davon, dass die Legenden Recht haben, vorerst jedoch scheint alles in Ordnung. Bis ihr Sohn Andovan erkrankt und plötzlich alles aus dem Ruder läuft …

Andovan ist ein freundlicher junger Mann mit einem starken Drang zur Unabhängigkeit, der darauf besteht, sich ohne die Hilfe von Dienern anzuziehen und dem die Jagd wesentlich lieber ist als ein Thron. So froh er ist, dass er letzteren wohl niemals besteigen muss, da er ja noch zwei ältere Brüder hat, so unerträglich ist ihm der Gedanke, langsam dahin zu siechen und irgendwann hilflos im Bett zu verenden. Lieber will er gleich sterben.

Colivar hegt durchaus Sympathien für den jungen Prinzen, was ungewöhnlich ist, denn die meisten Magister blicken recht überheblich auf die Sterblichen herab. Auch im Gebrauch seiner Magie ist er bescheidener als manche anderen, die sie auch dazu benutzen, um möglichst eindrucksvoll zu wirken und ähnliches. Letztlich ist ihm aber nach einer Jahrhunderte umfassenden Lebensspanne genauso langweilig wie allen anderen Magistern. Wirklich reizen kann ihn außer dem rivalisierenden Gerangel mit Seinesgleichen nur noch das bisher nie Dagewesene … wie zum Beispiel ein weiblicher Magister! Und so entspringt seine Unterstützung für das Vorhaben Andovans eher egoistischen Motiven als echter Menschenfreundlichkeit, so wie er auch für Siderea Sympathie empfindet, sie aber im entscheidenden Augenblick im Stich lässt.

Siderea, die Hexenkönigin von Sankara, hat ihre Fähigkeiten kaum genutzt. Die verführerische Frau und gewiefte Politikerin hat panische Angst vor dem Tod, weshalb sie sich alles, was großen, magischen Kraftaufwand erfordert hätte, von Magistern hat abnehmen lassen, im Austausch gegen Informationen, an die sie Dank der strategischen Lage ihrer Stadt als dem Handelszentrum der Welt problemlos und in großem Umfang herankommt. Doch irgendwann geht auch einer Hexe, die ihre Kräfte nicht eingesetzt hat, das Athra aus …

Und dann ist da natürlich noch Kamala. Seit sie mit erlebt hat, wie eine Hexe für die Heilung von Kamalas kleinem Bruder mit dem Leben bezahlt hat, ist sie von dem Gedanken besessen, Magister zu werden und ihre Macht einsetzen zu können, ohne dafür mit dem Leben zu bezahlen. Die grausame Kindheit, die sie erlebt hat, hat sie auf eine Weise gehärtet, die sie tatsächlich zur Magisterin befähigt. Aber sie hat sich nicht durch die Wandlung zum Magister ablegen lassen und beeinflusst noch immer ihre Gefühle, Gedanken und Handlungen.

Bei so vielen zentralen Charakteren kann sich die Handlung natürlich unmöglich auf einen einzigen Strang konzentrieren. Flüchtig betrachtet sind es fünf, für jeden der genannten Charaktere einen. Bei genauerem Hinsehen stellt sich jedoch heraus, dass die Handlung nicht ganz so stark gesplittet ist.

Dass die Stränge von Kamala und Andovan miteinander verbunden sind, ist schon von Anfang an klar. Seltsamerweise allerdings kommt der Verbindung zwischen diesen beiden keine allzu große Bedeutung zu. Im Grunde spielt Kamala Andovan voll an die Wand. Was ihr widerfährt, ist wesentlich ausführlicher dargestellt als Andovans Erlebnisse. Letzten Endes zeigen aber auch sie lediglich, dass Kamala durch ihr Dasein als weiblicher Magister in jeder Hinsicht eine Außenseiterin geworden ist.

Viel bedeutsamer sind die Vorgänge, die durch Andovans Weigerung, sein Schicksal zu akzeptieren, ausgelöst wurden. Diese spielen sich allerdings unabhängig von dem ab, was um Kamala und Andovan herum geschieht. Aus der Sicht von Gwynofar erlebt der Leser mit, wie sich das Verhängnis im Schloss einschleicht, sich einnistet und immer weiter ausbreitet. Gwynofar scheint trotz ihrer inneren Stärke dagegen völlig hilflos.

Die Handlung um Colivar und Siderea ergänzt die Geschehnisse im Schloss durch die in der Außenwelt, die eine ebenso bedrohliche Entwicklung nehmen.

Celia Friedman hat ihren Plot langsam entwickelt. So langsam, dass ich mich anfangs etwas schwer tat, bei der Sache zu bleiben. Erst nach Kamalas erstem Zusammentreffen mit anderen Magistern nimmt die Handlung etwas mehr Fahrt auf. Von da an steigert sich die Spannung kontinuierlich. Die Bedrohung bleibt dabei vorerst noch gänzlich gesichtslos, denn der Antagonist besitzt keinerlei eigene Persönlichkeit und reicht deshalb nicht über seine Funktion als Bösewicht hinaus. Bis zum Ende des Bandes hat der Leser gerade mal erfahren, womit er es überhaupt zu tun hat, ja selbst das nur teilweise. Absichten und Motive des Gegners bleiben im Dunkeln. Das Ende selbst ist dann so dramatisch, dass ich mich an griechische Tragödien erinnert fühlte. Und der kurze Anflug von Triumph angesichts des besiegten Gegners, den der Leser vielleicht dabei empfunden haben mag, wird auf den letzten Seiten komplett zunichte gemacht.

Bleibt zu sagen, dass die Autorin nach einer längeren Anlaufzeit regelrecht zur Hochform aufgelaufen ist. Die Ausarbeitung der Charaktere fand ich sehr gelungen, selbst Nebenfiguren wie Kamalas Mentor und Ramirus waren gut getroffen und frei von Klischees. Die Handlung ist sauber aufgebaut und trotz der häufigen Sprünge nie unübersichtlich oder verwirrend. Der Plot ist vielschichtig und wenig vorhersehbar.

Allein der Entwurf der Magie hat, so interessant die Grundidee ist, einen logischen Haken: Denn wenn das Athra eines Menschen verbraucht ist, stirbt er. Das heißt, ein Magister, der diesen Zustand ja bewusst herbeigeführt hat, braucht das Athra seines Konjunkten nicht nur, um Magie zu wirken, sondern auch für ganz grundlegende Körperfunktionen wie Herzschlag und Atmung. Wenn also das Athra eines Konjunkten nicht mehr nur einen, sondern zwei Körper am Leben erhalten muss, dann ist es nicht möglich, daß Aethanus die Leben seiner Konjunkten durch sein Einsiedlerleben nur um wenige Wochen verkürzt. Eigentlich müsste es sich halbieren. Und auch das nur, wenn er gar nicht zaubert, ansonsten würde es noch kürzer.

Trotzdem bin ich neugierig auf den nächsten Band. Schließlich will ich wissen, wer wirklich hinter dem erneuten Auftauchen der Ikati steckt. Und ich will wissen, wie alt genau Colivar ist, der so erstaunlich viel über eine Vergangenheit weiß, an die selbst er sich eigentlich nicht erinnern können sollte.

Celia Friedman hat lange als Kostümbildnerin gearbeitet, ehe sie sich gänzlich dem Schreiben zu wandte. Zunächst schrieb sie Science Fiction, später auch Fantasy, darunter die Coldfire-Trilogie, die in der deutschen Übersetzung wieder mal zerpflückt und auf sieben Bände aufgeteilt wurde. Derzeit schreibt sie an einem weiteren Band zu diesem Zyklus. Der Magister-Zyklus soll ebenfalls drei Bände umfassen, der zweite erschien im November 2009 auf Englisch unter dem Titel „Wings of Wrath“.

Broschiert: 555 Seiten
ISBN-13: 978-3492701341
Originaltitel: Feast of Souls
Deutsch von Irene Holicki

//www.csfriedman.com
http://www.piper-verlag.de

Der Autor vergibt: (4.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Victor Gischler – Die Go-Go-Girls der Apokalypse

Was wäre, wenn man sich für ein paar Jahre in die Wildnis zurückzieht und bei seiner Wiederkehr feststellen muss, dass die Welt untergegangen ist? Keine für uns noch alltägliche Technik, keine immer verfügbaren Informationen, das Gesetz ohne Bedeutung – eine Art „Wilder Westen“, in den es Mortimer Tate, den Protagonisten des vorliegenden Buches, verschlägt, nachdem er in der Einsiedelei den Weltuntergang verpasst hat …

Neun Jahre sind vergangen, seit Mortimer seine Frau hat sitzenlassen und sich in die Berge zurückzog, um erstens vor den Problemen einer Scheidung und zweitens vor dem bevorstehenden Armageddon zu fliehen. Jetzt macht er sich auf, seine Frau zu finden und zu sehen, ob es ihr gut geht, denn so viel Verantwortungsgefühl stellt sich doch plötzlich bei ihm ein. Dabei machen ihn seine gehorteten Vorräte an Whiskey zu einem der reichen Männer der neuen Weltordnung, in der die einzige Währung in den so genannten „Joey Armageddon’s Go-Go-Club“s etwas zu zählen scheint.

Mortimer findet sich nach anfänglichen Schwierigkeiten gut in der Gegenwart zurecht und wird alsbald in einen Konflikt zwischen den beiden die Gegend beherrschenden Geschäftsmännern verwickelt: Joey, der mit seinen Clubs eine neue Art von Zivilisation aufzubauen hofft und nebenbei einen lukrativen neuen Markt erschließt, und Franky, der mit seinen billigen Alkoholverschnitten den Markt überschwemmt und beherrscht, denn der Bedarf ist in dieser Zeit höher denn je.

Und obwohl Mortimer sich keine Rückkehr in eine Ehe mit seiner (bald als Exfrau bezeichneten) Frau vorstellen kann und unterwegs auch nichts anbrennen lässt, ist sein Antrieb vor allem der Wunsch, sie zu finden. An zweiter Stelle steht Kaffee, ein Luxusgut, für das Mortimer beinahe alles tut …

Zwischen Whiskey und Kaffee – sieht so die Währung der Zukunft aus? Nach Kriegsberichten gehören dazu noch Zigaretten, Konserven und Streichhölzer. Und bei Mad Max, der in diesem Buch mehrfach zitiert wird, ist natürlich das Benzin das teuerste Gut. Gischler schiebt noch eine Veränderung in den Vordergrund, die manchmal auch als radikaler Rückschritt erscheint: Frauen. Sie dienen in dieser postapokalyptischen Welt vor allem der Erbauung und Befriedigung von Männern – und sehen es auch noch als höchste Ehre an, in einem der Go-Go-Clubs zu arbeiten. Diese Arbeit umfasst neben der üblichen Tanzerei auch die leichtbekleidete Bedienung bei Tische, über Streicheleinheiten und Flirts bis hin zur horizontalen Vergesellschaftung mit ihrer Kundschaft. Im Mann dieser Zukunft erwacht das Tier zu schamloser Offenheit, Sex ist anerkanntes Zahlungsmittel und Kapital der Frauen, Monogamie praktisch ausgestorben. Eine optimale Situation also für Mortimer, der neun lange Jahre mutterseelenallein in einer Höhle hauste …

Mortimer, der selbst ein etwas blasser, weil jeder Situation gewachsen erscheinender und seltsam innenlebenloser Charakter ist, trifft auf seiner Konfrontation mit der bewohnten Welt auf einige schräge Typen; zumindest versucht Gischler eine abgefahrene, schräge Atmosphäre zu schaffen. Dabei wirken auch die anderen Agonisten der Geschichte entweder überzeichnet oder einseitig blass, so dass sich keine erzählerische Dichte einstellt.

Trotzdem sind einige Ideen durchaus interessant: Der Muskelexpress, eine von drogenabhängigen Muskelprotzen angetriebene Draisine als Gütertransport, wird von einer harten, einäugigen Piratin der Schienen kommandiert, und Gischler versucht tatsächlich eine Anlehnung an die Seefahrt früherer Zeiten, wenn er die Reise Mortimers mit diesem Gefährt beschreibt. Die Legende um den roten Zaren, der drei Meter groß sein und Zähne wie ein Haifisch haben soll, das ausgestorbene Atlanta, in dem der Zar vom CNN-Center aus regiert, die vom knappen Benzin angetriebene Heeresmacht der Minicooper mit Fahrer und MP-Schütze als Besatzung, das von einer rasenmäherähnlichen Finne angetriebene Luftschiff und schließlich der Möchtegern-Cowboy Buffalo Bill, der in der freien Welt der starken Männer irgendwie seinen Platz als Helfer der Schwachen zu suchen vorgibt – all das sind Details, die normalerweise für ein bizarres Charisma hätten sorgen müssen.

Insgesamt schafft es der Roman nur, flüssig und teilweise interessant, aber ziemlich trashig zu unterhalten. Das Attribut des „definitiven Endzeitromans“ wird ihm leider ungerechtfertigt verpasst. Was den Autor schließlich zu dieser Titelvergabe bewogen hat, mag höchstens noch die alte Weisheit „Sex sells“ gewesen sein, denn obwohl es im Roman von allerlei nackter Haut wimmelt, spielen die Go-Go-Girls eher keine Rolle. In Erinnerung bleiben einige wenige interessante Ideen und der Eindruck von erzählerischer Fläche ohne große Höhen und Senken, und so eignet sich der Roman zwar zur mühelosen Einschlaflektüre, doch nicht zum Abtauchen in fantastische Welten oder auch nur zu guter Unterhaltung.

Broschiert: 390 Seiten
ISBN-13: 978-3492291941
Originaltitel: Go-Go Girls of the Apocalypse
Deutsch von Andreas Brandhorst

Der Autor vergibt: (2/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Guy Gavriel Kay – Die Fürsten des Nordens

Ein Wanderer durch die Kulturen

So könnte man Guy Gavriel Kay bezeichnen, der sich während seiner Schreibkarriere seit 1984 stets an anderen Kulturen angelehnt hat, um seinen Fantasy-Zyklen ein lebendiges Universum zu bieten. Wo sich sein „Sarantium“-Zyklus an der Spätantike orientierte, widmete er sich mit „Die Herren von Fionavar“ dem europäischen Mittelalter, um im „Tigana“-Zyklus die Renaissance zu behandeln. Nicht überraschend also, dass sich Kay mit dem abgeschlossenen Roman „Die Fürsten des Nordens“ wiederum einer anderen Kultur zuwandte, nämlich, wie der Name schon sagt, der des Nordens, um aus der Welt der Wikinger, der Angelsachsen und Kelten Spannendes zu erzählen.

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Moorcock, Michael – I.N.R.I. oder Die Reise mit der Zeitmaschine

_Provokativ: das Jesus-Double_

War Jesus von Nazareth ein masochistischer Schwachsinniger? Und ein Psychopath obendrein? Nein, es ist nicht ganz so schlimm, wie es klingen mag. Aber Michael Moorcock hat mit „INRI oder Die Reise mit der Zeitmaschine“ eine engagierte Parodie auf den Mythos jenes jüdischen Märtyrers geschrieben. Ein umstrittenes Buch, das selbst heute noch, rund 40 Jahre nach seiner Veröffentlichung, zu erschüttern und Anstoß zu erregen vermag.

_Der Autor_

Der Brite Michael Moorcock, geboren 1939 in London, ist mit seinen diversen Fantasyzyklen um den Ewigen Helden (Elric, Corum, Hawkmoon und andere) zu einer zentralen Figur in der Phantastik seines Heimatlandes geworden. Er ist ein entschiedener Gegner von Autoren wie Tolkien und C. S. Lewis.

In den sechziger Jahren machte er sich mit seinem SF-Magazin „New Worlds“ zum Sprecher einer neuen Strömung innerhalb der SF, die Errungenschaften der modernen Hochliteratur verarbeitete – sehr zum Ärger der amerikanischen Traditionalisten. Mit manchen dieser Werke erregte er derart Anstoß, dass ihm Parlamentarier die Zuschüsse streichen wollten. Norman Spinrads „Champion Jack Barron“ gehört dazu, aber auch einer der Kurzromane von James Graham Ballard.

Moorcock selbst schrieb Popromane um seinen Helden Jerry Cornelius, aber auch durchschnittliches Fantasyfutter, das durch seine Verkäufe die anderen Romane finanzierte. In den letzten Jahren hat er mehrere Zyklen in umgeschriebener Form zusammengefasst – darunter auch den Elric- und den Von-Bek-Zyklus – und sich dem Schreiben exzellenter Mainstream-Romane („Mother London“) zugewandt. In den Biografien wird seine Mitwirkung an der Rockband „Hawkwind“ niemals vergessen. Seine Homepage ist sehr umfangreich und weist sogar ein Forum auf, über das sich seine Fans austauschen können: http://www.multiverse.org.

_Handlung_

Karl Glogauer ist ein ganz normal neurotischer jüdischer Intellektueller aus dem England der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Neben seinem Hobby-Beruf als Pfleger in der Psychiatrie interessiert er sich für religiöse Requisiten wie etwa Kreuze. Schon als kleiner Junge wurde von seinen Schulkameraden an einem Zaun gekreuzigt. Sowas prägt. Auch eine seiner ersten Freundinnen war nur deshalb für ihn begehrenswert, weil sie ein silbernes Kreuz zwischen ihren Brüsten trug. Und jetzt interessiert ihn vor allem der Wahrheitsgehalt des Christusmythos. Seine Freundin Monica erklärt ihm, dass er einen Jesus-Komplex habe, der nur auf den Schriften des spinnerten Carl Gustav Jung beruhe. Der mit seinem „kollektiven Unterbewussten“!

Als Karl durch einen reichen Erfinder eine Möglichkeit sieht, mit einer Zeitreise à la H. G. Wells in die Lebenszeit Jesu zu reisen, packt er die Gelegenheit beim Schopfe, aber auch deshalb, weil Monica ihn mit einem anderen betrügt. Doch was er zunächst in der Wüste bei Johannes dem Täufer und später in Nazareth vorfindet, ist etwas völlig anderes, als es uns aus der Bibel überliefert wird: Die Frau des Zimmermanns Joseph (es gibt eine Menge Zimmerleute und Josephs in Nazareth) etwa ist eine fette Schlampe, und ihr Sohn Jesus seit seiner Geburt ein debiler Kretin.

Armer Karl! Was soll nun aus seinem geliebten Christusmythos werden, wenn es nicht mal einen geistig präsenten Jesus gibt, fragt er sich zu Recht. In seiner Verwirrung begibt er sich in der lokalen Synagoge in die Obhut der Rabbiner. Die verstehen schon mit solchen sonderbaren Heiligen wie ihm umzugehen – ihnen laufen ständig welche über den Weg, ganz Judäa ist voll davon. Aber nur wenige von ihnen setzen den notwendigen Widerstand gegen die verhassten römischen Besatzer auch in die Tat um. Der Prophet Jesaja hat den Messias angekündigt. Doch welcher ist es?

Für Glogauer gerät seine Pilgerreise zunehmend zum Alptraum, als er – etwas verspätet – mit Entsetzen bemerkt, dass er immer mehr in die Rolle hineingerät, die ihn zeit seines Lebens fasziniert hat: Er erfährt die den Christen aufgetragene „Imitatio Christi“ wortwörtlich am eigenen Leibe. Und wo man einmal angefangen hat, muss man so gut es geht weitermachen – das weiß doch jeder Schauspieler …

_Mein Eindruck_

Der Autor demontiert nicht den originalen Jesus von Nazareth, der von Römern und Juden gleichermaßen zum Tode verurteilt wurde, also die historische Figur. Er greift vielmehr den Mythos an, den die Kirche als Religionsgebäude darauf aufgebaut hat. Ein „christos“, also „Herr“ oder „Gesalbter“, kann demnach heutzutage jeder werden. Ja, die Kirche fordert sogar die „Imitatio Christi“, die Nachfolge, wohl in dem Wissen, dass man dem Mythos zwar nacheifern (= imitatio), ihn nicht aber erreichen könne. (Und sollte es jemandem gelingen, so kann ihn der Vatikan immer noch zum Ketzer erklären.)

Das kluge Nachwort von Carsten Polzin erhellt diese Zusammenhänge ebenso intelligent wie die Absicht Michael Moorcocks beim Schreiben dieses Romans – letzten Endes Kirchen- und Religionskritik. Das Nachwort ersetzt dasjenige von Florian Marzin in der |Heyne|-Ausgabe von 1987. Marzin ging aber in seiner Interpretationsfähigkeit noch wesentlich weiter als Polzin. Ich empfehle seinen Text mit Nachdruck.

Es geht einerseits um den Mythos von Jesus, aber auch um den Werdegang des Mannes namens Karl Glogauer. In zahlreichen Rückblenden erfahren wir von Kindheit und Jugend, gescheiterter Rebellion und den ständigen Frauengeschichten Karls. Dadurch wird seine Geschichte zu einem Bildungsroman à la „Anton Reiser“ einerseits, andererseits auch zu einem menschlichen Drama, an dem der Leser Anteil nehmen kann.

Sehr ironisch wird dieser Erzählstrang eingesetzt, wenn sich die stets vernünftige Freundin Monica als der „Geist, der stets verneint“ entpuppt und Karl ihr in seinem Ausflug in Wüste und Wahnsinn sein vehementes „Nein!“ entgegenschreit. Nein, es muss einen Mythos namens Christus geben, es muss einen Jesus geben usw. In seinen Augen übernimmt sie die Rolle des Versuchers, der Jesus laut Bibel in der Wüste 40 Tage und Nächte lang auf seine Seite ziehen wollte.

Aber nicht nur heterosexuelle Erotik wird thematisiert, sondern auch Homosexualität. Karl wird zweimal von männlichen Bekannten – darunter von dem Zeitmaschinenkonstrukteur – ein eindeutiges Angebot gemacht, das er beide Male ablehnt. Als wäre das noch nicht genug, tritt auch noch ein Sadist auf, der den sehr jungen Karl den Stock spüren lässt. Einen Vater, der Karl hätte trösten oder bestrafen können, gibt es nicht, denn er ist schon früh über alle Berge. Inwieweit alle diese Faktoren zur Psychopathologie des Karl Glogauer beitragen, muss jeder Leser selbst entscheiden. Zumindest aber zeichnen sie ein sehr kritisches Bild von der Psychopathologie Großbritanniens in jener Zeit.

Sprachlich und stilistisch arbeitet Moorcock mit den Mitteln der damaligen New Wave in der Science-Fiction, die mit aller Kraft gegen die Borniertheit der Zeit ankämpfte. Das bedeutet, dass der Leser harte Schnitte und Szenenwechsel, innere Monologe (Stream of consciousness), moderne Sprache (Flüche etc.), verschiedene Textsorten (Erzählung, Bibelzitate) und bittere Ironie ertragen muss. Das kann man durchaus überleben, auch wenn es heutzutage ungewohnt erscheint. Mir hat der Roman sehr gut gefallen.

|Die neue Übersetzung …|

… durch Jürgen Langowski ist der |Heyne|-Übersetzung, die noch aus dem Jahr 1972 stammt, bei weitem vorzuziehen. Erstens wird der Text endlich in modernem Deutsch erzählt und zweitens sind auch die zahlreichen Bibelzitate im zweiten und dritten Teil des Romans in einem Deutsch geschrieben, das sich nicht mehr nach Luthers Übersetzung richtet. Luthers grammatikalische Konstruktionen sind für heutige Leser erstens unvertraut und zweitens kaum noch nachzuvollziehen.

Es gibt erfreulich wenige Druckfehler. Ich hätte mir aber gewünscht, dass Langowski auch den Ausdruck „Blimey!“ auf Seite 11 übersetzt hätte. „Blimey!“ ist keineswegs ein Eigenname, sondern ein Ausruf des Erstaunens, der in der |Heyne|-Übersetzung korrekt mit „Ich werd‘ verrückt“ (Seite 8) übertragen wird.

_Unterm Strich_

Wer unter „Science-Fiction“ lediglich Abenteuer von Pappnasen auf fremden Welten aus Pappmaschee à la „Star Trek“ und „Star Wars“ versteht, ist hier auf der völlig falschen Baustelle. Hier geht es um den inneren Erlebnisraum und um die Grundfragen menschlichen Daseins: Wozu lebe ich? Was habe ich hier zu tun? Und wie, zum Teufel, bin ich hierher gekommen?

Dass die heilige Maria als Dorfprostituierte vorgestellt wird, könnte zudem einige Gemüter in Wallung bringen, sicherlich aber strenggläubige Katholiken (von denen man im protestantischen England eh nicht sonderlich viel hält). Obendrein sollte man sich in der modernen Erzählweise des Autors zurechtfinden (siehe oben), die einige Ansprüche an das Verständnis, die Toleranz und die Urteilsfähigkeit des Lesers stellt.

Die 1967 veröffentlichte Erzählung „Behold the man“, auf der dieser Roman beruht, wurde 1968 mit dem |Nebula Award| der Science-Fiction-Kritiker und -Autoren ausgezeichnet – ein Gütesiegel. Die Fortsetzung erschien 1971 unter dem Titel „Breakfast in the Ruins“, wie uns der Autor des Nachworts erklärt, und bietet unter anderem eine Erklärung für die Frage an, ob Glogauer wirklich mit einer Zeitmaschine in die Vergangenheit reiste oder dies alles nur eine Halluzination war.

|Originaltitel: Behold the Man, 1970 (deutsch 1972 von Alfred Scholz)
192 Seiten
Aus dem Englischen übertragen von Jürgen Langowski (Neuübersetzung)|
http://www.piper.de

Jodi Picoult – Bis ans Ende aller Tage

Jodi Picoult, eine wahre Meisterin des Spannungsromans, hat mit „Bis ans Ende aller Tage“ ein Buch vorgelegt, das zwar sehr umfangreich ist und auf der Inhaltsebene gar nicht allzu viel zu erzählen hat, aber dennoch von der ersten Seite an fesselt und das man von Anfang an kaum aus der Hand legen kann. In ein Genre lässt sich dieses Buch nur schwerlich einordnen, hier muss (und sollte) sich jeder sein eigenes Bild machen.

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Lisa Tuttle – Das geheime Land

Was passiert mit Menschen, die von einem Augenblick zum nächsten spurlos verschwinden? Lisa Tuttle nimmt sich all der verschwundenen Menschen an und schickt den in London lebenden amerikanischen Detektiv Ian Kennedy auf Spurensuche.

Ian Kennedy ist seit jeher vom rätselhaften Verschwinden besessen. Einst verschwand sein Vater spurlos von einem Tag auf den anderen. Für Ian absolut unbegreiflich und unerklärlich. Ebenso unerklärlich scheint die junge Peri Lensky verschwunden zu sein. Ian Kennedy, Spezialist für auf rätselhafte Weise verschwundene Menschen, wird von Peris Mutter Laura beauftragt, das Mädchen zu suchen. Seit zwei Jahren fehlt von ihr jede Spur und sie verschwand auf so sonderbare Weise, dass es fast nach einem Märchen klingt.

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Walter Moers – Adolf: Der Bonker

Das geschieht:

Berlin, Ende April 1945. Der Krieg ist für das Deutsche Reich an allen Fronten längst verloren, der Feind steht bereits hinter den Toren der Hauptstadt Berlin. Dort sitzt in seinem „Bonker“ Adolf, die Nazi-Sau, einst „Größter Feldherr aller Zeiten“, nun ein geschlagener Diktator, der partout nicht einsehen will, dass seine Herrschaft zu Ende ist.

Keiner nimmt Adolf mehr Ernst. Der britische Premierminister Winston Churchill spielt ihm fiese Telefonstreiche, auf die der humorlose Tyrann stets hereinfällt. Freundin Eva Braun schläft mit jedem außer ihm, für den nur maulige Vorwürfe abfallen, wann der lästige Krieg endlich vorüber sei. Ehemalige Kampfgefährten wie Hermann Göring, Benito Mussolini oder der japanische Kaiser versuchen den störrischen Diktator zur Kapitulation zu bewegen. Aber sowohl sie als auch der Tod, Gott oder Michael Jackson, die in ähnlicher Mission im „Bonker“ auftauchen, bleiben erfolglos. Walter Moers – Adolf: Der Bonker weiterlesen

Fergus Fleming – Neunzig Grad Nord. Der Traum vom Pol

Die vielen Versuche, den Nordpol zu erreichen, werden vom Verfasser zu einer „Entdeckungsgeschichte“ gebündelt, ein ehrgeiziges aber geglücktes Unterfangen, das unter Wahrung der historischen Tatsachen die absurden Aspekte eines an sich sinnlosen Wettlaufs betont. Als Sachbuch ebenso informativ wie spannend und witzig, wobei der Autor freilich manchmal literarisch etwas nachhilft, um für die gewünschten Humoreffekte zu sorgen.  Fergus Fleming – Neunzig Grad Nord. Der Traum vom Pol weiterlesen

Thomas Finn – Der Funke des Chronos

Handlung

1842 in Hamburg: Polizeiaktuar Kettenburg arbeitet daran, eine grauenerregende Mordserie zu lösen, die schon sieben Menschen das Leben gekostet hat. Das Perverse daran ist, dass den Opfern voher bei lebendigem Leibe der Schädel aufgesägt wurde. Die letzte Leiche wurde auf einem Leiterwagen gefunden. Der Mörder scheint wohl bei der Beseitigung der Leiche gestört worden zu sein …

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Paul Chambers – Die Archaeopteryx-Saga. Das Rätsel des Urvogels

Kleiner Vogel – große Wirkung

In 15 Kapiteln informiert Verfasser Paul Chambers populärwissenschaftlich über die Stammesgeschichte der Vögel. Als ‚Aufhänger‘ dient ihm dabei der Archaeopterix, der als erster „Urzeitvogel“ 1861 im bayrischen Solnhofen als Versteinerung gefunden (Kap. 1: „Der Glücksfund des Doktors“) und zum ‚Leitfossil‘ für die Rekonstruktion des Vogel-Stammbaums wurde. Der Archaeopterix stellte für die Zeitgenossen vor ein Rätsel, da er die Merkmale eines Reptils und eines Vogels vereint.

Er tauchte in einem Augenblick auf, als die Forscherwelt sich in einem religiös begründeten Streit zusätzlich entzweite. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Theorie einer Evolution der Arten nicht nur neu, sie widersprach auch der kirchlichen Lehre, wonach Gott Tiere (und Pflanzen) wie in der Bibel beschrieben geschaffen habe und diese unveränderlich seien. Das ‚Mischwesen‘ Archaeopterix verkörperte jenen Widerspruch, den die Anhänger der Evolution erwartet und deren Gegner gefürchtet hatten (Kap. 2: „Das fehlende Glied“; Kap. 3: „Der gefiederte Rätsel“). Paul Chambers – Die Archaeopteryx-Saga. Das Rätsel des Urvogels weiterlesen

Sara Paretsky – Die verschwundene Frau

Paretsky Verschwundene Frau Cover TB 2002 kleinDas geschieht:

Auf dem Heimfahrtüberrollt Privatdetektivin Vic Warshawski zu später Stunde in einem verrufenen Viertel ihrer Heimatstadt Chicago beinahe den leblosen Körper einer jungen Frau, die mitten auf der Straße liegt. Die Polizei scheint mit Warshawskis Schilderung zunächst zufrieden zu sein. Doch am nächsten Tag wirft man ihr plötzlich vor, den Tod verschuldet zu haben. Ganz offensichtlich sucht die Polizei einen Sündenbock. Die Leiche verschwindet, der Unfallbericht wird gefälscht. Der korrupte Detective Lemour wird Warshawski auf den Hals gehetzt, um sie einzuschüchtern.

Aus purer Not beginnt die Detektivin in eigener Sache zu ermitteln. Trotz der Verschleierungstaktik bringt sie in Erfahrung, dass es sich bei der Frau um die junge Immigrantin Nicola Aguinaldo handelt, die man fast tot geprügelt hatte, bevor man sie ihr vor das Auto legte. Nicola arbeitete als Kindermädchen für Robert Baladine, den Eigentümer von „Carnifice“, eines Sicherheitsdienst-Imperiums mit 3000 Beschäftigten, zu dem sogar eine eigene Haftanstalt vor den Toren der Stadt gehört. Hier saß Nicola als Gefangene ein, nachdem sie Eleanor, Baladines Gattin, ein wertvolles Schmuckstück gestohlen hatte. Auf mysteriöse Weise gelang es ihr später scheinbar zu fliehen. Sara Paretsky – Die verschwundene Frau weiterlesen