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Feist, Raymond / Wurts, Janny – Tag der Entscheidung (Kelewan-Saga 6)

Lady Mara hat die Machtkämpfe zwischen den kelewanischen Adelshäusern erfolgreich gemeistert. Doch der magische Orden der Schwarzen Roben sieht seine uralte Macht bedroht. Seine Intrigen und Mordanschläge fordern schreckliche Opfer – auch in Maras Familie und der ihres Mannes Hokanu. Als die Gute Dienerin des Reiches Verbündete jenseits der Grenzen findet, rückt der Tag der alles entscheidenden Schlacht näher. Mara kämpft um um ihr Leben, ihre Heimat, um das Schicksal des gesamten Reiches – aber als Mutter vor allem auch um ihre beiden Kinder, die unmittelbar von ihrem Widersacher bedroht sind. (Verlagsinformation, abgewandelt und erweitert)

_Die Autoren_

Raymond Feist, geboren 1945 in Los Angeles, studierte an der Universität San Diego und war Fotograf und Spielerfinder, ehe er mit dem Schreiben begann. Fast alle seine Romane spielen auf der erfundenen Welt Midkemia, die zu Anfang ein regelrechter Mittelerde-Klon war, mit Elfen und Zwergen, die sich dann aber rasch weiterentwickelte und auch gewisse Science-Fiction-Elemente enthält. Dazu gehört der „Spalt“, den ich immer als Dimensionstor aufgefasst habe und der das „magische“ Tor zur Welt Kelewan bildet – in beide Richtungen. Die Midkemia-Romane sowie die Krondor-Saga wurden auch zu Rollenspielen verarbeitet; sie dürften mehr als zwei Dutzend Bände umfassen, speziell in den gesplitteten deutschen Ausgaben bei Goldmann/Blanvalet.

Janny Wurts, geboren 1953, eine amerikanische Autorin und Künstlerin, ist mit dem bekannten Illustrator Don Maitz verheiratet. Nach Verlagsangaben lebt sie in Florida. Ihr erster Roman „Sorcerer’s Legacy“ erschien 1982 und bediente sämtliche Klischees und Gesetze des Fantasygenres. Ihr „Feuer“-Zyklus (1984-88) hingegen mischt bereits Science-Fiction mit Magie. Die Kelewan-Trilogie, die sie 1987-1992 zusammen mit Raymond Feist schrieb, spielt in einem fantastisch überhöhten byzantinischen Kaiserreich. Ihre am besten ausgearbeitete Trilogie ist wohl „The Wars of Light and Shadows“, die 1993 bis 1995 erschien, aber erst vor wenigen Jahren bei Bastei Lübbe veröffentlicht wurde („Der Fluch des Nebelgeistes“, „Die Schiffe von Merior“ usw.).

Die Kelewan-Saga – eigentlich eine Trilogie – besteht aus folgenden Bänden:

Kelewan I = 1+2: Die Auserwählte; Die Stunde der Wahrheit (beide zusammen: Daughter of the Empire);

Kelewan II = 3+4: Der Sklave von Midkemia; Zeit des Aufbruchs (beide zusammen: Servant of the Empire);

Kelewan III = 5+6: Die schwarzen Roben; Tag der Entscheidung (beide zusammen: Mistress of the Empire).

„Die Kelewan-Saga I“ erschien im November 2004, Kelewan II soll im Juni 2005 veröffentlicht werden. Der Schluss liegt nahe, dass Kelewan III im November 2005 auf den Markt kommt.

_Hintergrund_

Kelewan ist eine mit Midkemia durch den „Spalt“ verbundene Parallelwelt, die es zu erobern gilt, um Rohstoffe zu beschaffen, vor allem Metall, das auf Kelewan selten ist. Während Midkemia stark angelsächsisch beeinflusst ist, trägt Kelewan ganz andere Züge. Diese Kultur erinnert in ihrer Stagnation und Starrheit an altchinesische Dynastien, aber auch an das alte Byzanz, erfüllt von Machtkämpfen und Intrigen.

Die kleinen Adelshäuser konkurrieren um den Aufstieg in den Hohen Rat, der von den fünf Großen Häusern gestellt wird. Erst dort können sie Einfluss auf die Politik des Kaiserreiches nehmen, so etwa auf die Partei, die den langjährigen Spaltkrieg befürwortet. Daher wählt der Rat auch den Kriegsherrn. Über allem thront der gottgleiche, jedoch politisch machtlose Kaiser, eine Marionette des Rates. Jedenfalls normalerweise.

Außerhalb dieser Hierarchie, jeglicher Gerichtsbarkeit und Weisungsbefugnis entzogen, stehen die Magier der „Schwarzen Roben“. Mit diesen Gestalten bekommt es unsere Heldin erst im dritten Band zu tun. Im ersten Band tauchen Zauberer als eine Art Theaterattraktion auf, ähnlich wie Gandalf im Auenland für das Feuerwerk zuständig ist. Die Schwarzen Roben sind einzig der unveränderten Erhaltung des Reiches verpflichtet, was sie zu einer Art Kardinalskurie mit Polizeivollmachten macht.

Die Auseinandersetzungen um die Macht im Reich, das so genannte „Spiel des Rates“, folgt strengen, von der Geschichte scheinbar unabänderlich vorgegebenen Regeln. Die mächtigen Adelshäuser tragen ihre Differenzen mittels Intrigen, gedungenen Meuchelmördern und Verrat aus. Das erinnert stark an das Byzanz, das beispielsweise Guy Gavriel Kay in seinem [Sarantium-Zyklus]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=242 schildert.

_Vorgeschichte_

Mara ist siebzehn Jahre alt, als ihre Kindheit und Jugend abrupt enden. Jahrelang hat sie als Klosterschülerin gelebt und wurde in der Philosophie der Göttin Lashima ausgebildet. Gegen den Willen ihres Vaters, Lord Sezu Acoma, hat sie sich für ein Leben fern von der Welt entschieden. Doch gerade als sie endgültig das Gelübde als Nonne ablegen soll, unterbrechen sehr männlich klingende Stiefel die feierliche Zeremonie: Es sind die letzten überlebenden Soldaten des vernichteten Heeres ihres Vaters. In einer verheerenden Niederlage auf der Welt Midkemia hat sie neben dem Vater auch ihren geliebten Bruder Lano sowie zweitausend Krieger verloren. Sie ist jetzt die unumschränkte Herrscherin des Hauses Acoma, die Letzte ihres Geschlechts.

Schuld an dem Gemetzel auf Midkemia, so erfährt sie von ihrem Truppenkommandeur Keyoke, ist der Verrat des Hauses Minwanabi. Lord Jingu sollte eigentlich der Acoma-Armee zu Hilfe eilen, um den Feind an der Flanke anzugreifen. Als die Hilfe ausblieb beziehungsweise zu spät gewährt wurde, war von den Acoma nichts mehr übrig außer einem kleinen Häuflein, das sofort zur Heimatwelt zurückkehrte, um die letzte Angehörige der Herrscherfamilie zu ihren Pflichten zu rufen.

Mara ist zunächst von Trauer und Schmerz überwältigt. Sie begehrt als Erstes, die Trauerfeier abzuhalten. Dazu geht sie in den heiligen Hain des Anwesens und ehrt den Heimstein ihres Geschlechts, das auf eine weitaus längere Geschichte als das der Minwanabi zurückblicken kann. Prompt wird sie in diesem unbewachten Augenblick Opfer eines Mordanschlags. Nur die Gesetzesübertretung ihres getreuen Kämpfers Papeweio bewahrt sie vor dem frühzeitigen Tod. Sie schickt den Minwanabi das Zeichen der Blutfehde …

Durch kluge und vor allem unkonventionelle Taktiken gelingt es Mara, ihr Haus vor dem Untergang zu bewahren. Sie gewinnt mächtige Verbündete, baut den Handel aus, ihre Ranch gedeiht, und sie heiratet. Allerdings ist Buntokapi aus dem Hause Anasati ein grobschlächtiger, wenn auch schlauer Mann, der seine Frau prügelt. Sobald Mara ein Kind erwartet, nimmt er sich eine Konkubine, doch diese Teani entpuppt sich als eine Spionin der Minwanabi …

_Handlung von Band 3_

Nach dem rituellen Selbstmord von Lord Jingu, dem Oberhaupt des Hauses Minwanabi, übernimmt dessen Sohn Desio die Geschäfte. Sein Hass auf die „Acoma-Hexe“ Mara, die aus unbegreiflichen Gründen seinen Vater besiegen konnte, ist unermesslich. Sein Kanzler Incomo hat jedoch durch logisches Denken den Grund gefunden: Es müssen Spione der Acoma am Hofe sein. Zu dem gleichen Schluss ist auch schon Desios Cousin Tasaio gekommen, den man hat rufen lassen.

Tasaio ist ein ganz anderes Kaliber als der genusssüchtige, fette Desio – er ist der stellvertretende Kriegsherr Kelewans auf der Welt Midkemia. Sein militärisches Genie steht außer Frage. In kürzester Zeit hat er die Spione der Acoma ausfindig gemacht. Doch er lässt sie entgegen Desios Wunsch keineswegs hinrichten, sondern missbraucht sie für seine eigenen Zwecke. Nachdem er ihnen falsche Informationen untergeschoben hat, lockt er die beiden fähigsten Truppenführer Maras in eine ausgetüftelte Falle. Keyoke und Lujan ahnen ebenso wenig wie Mara, was sie erwartet …

Doch zum Glück für Mara hat sie einen neuen Lover namens Kevin, der in der Welt Midkemia gefangen genommen und versklavt wurde. Sie hat ihn mit seinen Gefährten gekauft, um Weiden zu roden. Mit seinem unkonventionellen Denken vermag er sie ebenso zu verblüffen wie zu brüskieren. Weil Kevin fürchtet, wie alle anderen midkemischen Offiziere getötet zu werden, verheimlicht er ihr, dass er als Baron Truppen gegen Tasaio angeführt hat. Er kennt Tasaios durchtriebene Taktik …

_Handlung von Band 4_

Um ein Haar hätte Tasaio alle seine Ziele erreicht. Wenn Kevin nicht gewesen wäre, würde das Haus Acoma nicht mehr existieren. Während der Fehden und Kriege sind zehn Jahre ins Land gegangen, Maras Sohn Ayaki entwickelt sich zu einem kleinen Krieger, denn er soll eines Tages die Truppen der Acoma anführen. Allerdings muss sie ständig um seine Sicherheit bangen. Werden die Minwanabi einen weiteren Anschlag verüben? Man darf wohl davon ausgehen …

_Handlung von Band 5_

Mara verliert ihren älteren Sohn Ayaki durch ein Attentat, das im Auftrag von Unbekannten begangen wurde. Steckt ihr neuer Widersacher Lord Jiro, das Oberhaupt des Hauses Anasati, dahinter? Oder verüben die Assassinen der Hamoi Tong nun Anschläge auf eigene Rechnung? Jedenfalls untersagen die Magier Mara, Krieg gegen Jiro zu führen. Sie muss die Schande auf sich beruhen lassen. Doch sie ahnt, dass Jiro plant, nach der Macht im Kaiserreich zu greifen. Sie muss dringend etwas unternehmen.

_Handlung von Band 6_

Mara hat sich mit ihrem Truppenkommandeur Lujan und ihrem Ersten Berater Saric auf eine gefahrvolle Reise in den wilden Osten Kelewans begeben. Weil die Magier des Reichs vermuten, dass sie etwas unternimmt, das gegen das Kriegsverbot verstößt, sind sie ihr dicht auf den Fersen. Doch Mara ist ja auch nicht blöd: Sie lässt sich einige Tricks einfallen, um die Magier zu täuschen.

Es gelingt ihr, jenseits der östlichen Grenzen des Kaiserreichs zu den Bergstämmen der Konförderation von Thuril vorzustoßen. Sie kann mit ihrem kleinen Erkundungstrupp, zu dem auch eine weitere Frau namens Kamlio gehört, bis weit auf Thurilgebiet vordringen, bevor sie gestoppt und gefangen genommen wird.

Die Thuril kann man sich gut als schottische Highlander vor der Zivilisierung vorstellen, also reichlich wilde Burschen, wie man sie zuweilen noch in „Braveheart“ sieht. Und sie sind auf Tsuranis wie Mara überhaupt nicht gut zu sprechen. Sie haben zehn Jahre zuvor einen Eroberungsfeldzug des Kaiserreichs erfolgreich abgewehrt, allerdings unter hohen Verlusten. Und für Frauen haben sie nur eine Verwendung: im Bett und am Herd. Als Mara dagegen aufbegehrt, führt dies zu einigen komischen Szenen, denn die Thurilfrauen sind auf ihrer Seite.

|Bei den Thuril-Magiern|

Doch deswegen ist Mara nicht hergekommen. Sie findet, was sie sucht: eine Magierin der Thuril, die Sprecherin des Magierrates. Diese Kalian berichtet ihr, wie Tausende von tsuranischen Mädchen von den Erhabenen ermordet wurden, weil nur Männer das Recht zur Magie haben sollen. Die Thuril haben eine verborgene Stadt voller Wunder hervorgebracht –und eine Magierkultur, die auch Frauen zulässt.

Doch die Thuril wollen Mara nicht helfen, die tsuranischen Magier zu bekämpfen, und so geben sie ihr – nach einer harten Prüfung – den Rat, die Cho-ja aufzusuchen, die noch weiter im Osten, jenseits des Gebirges, leben. Mara ist überrascht zu hören, dass auch die Cho-ja, insektenähnliche Schwarmwesen, über Magier verfügen. Alle Cho-ja-Schwärme im Kaiserreich haben jeweils nur eine Königin, aber keine Magier. Wie erstaunt ist sie, als die Thurilführerin sie zu einem grünen, tropisch blühenden Tal führt, aus dem sich Kristalltürme erheben und über dem riesige Cho-ja-Magier fliegen!

|Bei den Cho-ja-Magiern|

Allerdings haben auch hier vor Jahrtausenden die Tsuranimagier maximalen kulturellen Flurschaden angerichtet. Daher sind Mara und Lujan, die als Einzige das Tal betreten, gar nicht willkommen, sondern werden stante pede gefangen genommen. Als Mara ihre Bitte um eine Allianz sowie um Beistand gegen die Erhabenen vorbringen will, ist ihr das zwar gestattet, doch sie wird ohne Anhörung zum Tode verurteilt.

Zu ihrem Erstaunen und dem der Cho-ja ist es Lujan, der die Wendung herbeiführt …

Unterdessen hat sich im Kaiserreich während der sechs Monate von Maras Abwesenheit der Stand der Dinge rapide verschlechtert.

_Mein Eindruck_

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen, hieß es so schön im Volksmund, als der noch nicht durch die Massenmedien ersetzt war. Mara kann nicht nur etwas erzählen, sie wird sogar total verwandelt, was ihre Grundüberzeugungen anbelangt. Schon Kevin, der „barbarische“ Sklave aus Midkemia, hatte ja fast alle ihre Vorstellungen, die ihr die Jahrtausende alte „Tradition“ eingetrichtert hatte, systematisch in Frage gestellt. Das Einzige, was durch ihre Revolution des Staatswesens ausgenommen blieb, waren die Magier der Versammlung der Erhabenen.

Nun ist sie schockiert zu erfahren, dass es nicht nur außerhalb des Reiches Magier gibt, sondern die Reichsmagier systematisch alle weiblichen Wesen mit der Gabe getötet haben. Dies ist ein derart explosives Staatsgeheimnis, dass sie es nur im entscheidenden Augenblick der Konfrontation mit den Magiern preisgeben darf, um die maximale Wirkung zu erzielen. Das klappt dann auch wunderbar.

Nun darf man aber nicht meinen, unter den Magiern der Versammlung herrsche eitel Eintracht und Freundschaft. Ganz im Gegenteil: Auch die Versammlung ist in Reformer, also Mara-Freunde, und Traditionalisten gespalten. Zu den Letzteren gehört der jähzornige junge Tapek, der es ganz besonders auf Mara abgesehen hat. Das kann man gut verstehen, denn bislang sonnten sich die Magier in einer Ausübung absoluter Macht ohne jede Verantwortung. Ausgenommen von ihrem Wirkungskreis sind lediglich die Tempel der Götter. Und nun kommt eine dahergelaufene Herrscherin, die die Machtbefugnis der Magier an sich in Frage stellt. Das begreift Tapek als Hochverrat, wie nicht anders zu erwarten.

Allerdings verrennt sich Tapek derart in seinen Verfolgungswahn, dass er in Maras Falle läuft. Zu spät wird ihm klar, dass er mit seiner Zerstörungswut genau das beseitigt hat, was er retten wollte: die moralische Berechtigung der Magier, über die Geschicke der Menschen zu verfügen. Er hat sich als unverantwortliches Kind gezeigt und somit die Versammlung als eine Art Kindergarten für Zauberer entwürdigt.

Der angerichtete Imageschaden hindert die Gemeinschaft aber keineswegs daran, das letzte Privileg ihrer Macht zu verteidigen: Magie auszuüben. Als es darum geht, Mara für ihren Hochverrat zur Rechenschaft zu ziehen, sehen sich die verdutzten Zauberer jedoch einem enorm starken Verteidigungsbann gegenüber, der um das kaiserliche Viertel errichtet worden ist. Von wem nur? Wer kann so stark sein, dass nicht einmal die andauernde und gebündelte Angriffsmacht der Gemeinschaft in der Lage ist, den Bann zu brechen?

|Die Übersetzung|

Ich habe diesmal nicht mehr darauf geachtet, ob nun Tipp- und Druckfehler auftauchen; mir fielen keine auf. Aber über die stilistischen Schwächen lässt sich trefflich streiten, die die Übersetzerin an den Tag legt. Heißt es nun richtig „Thronbesteigung“ oder „Aufstieg“ des Kaisers? Gerold schreibt „Aufstieg“, was nicht völlig falsch ist, aber doch reichlich allgemein im Vergleich zu „Thronbesteigung“, wie ich geschrieben hätte. Es gäbe noch etliche weitere solche Streitpunkte.

_Unterm Strich_

Der letzte Band der Kelewan-Trilogie, die vom deutschen Verlag in doppelt so vielen Halbbänden veröffentlicht wurde (ist das schon höhere Mathematik?), erfüllt nach dem enttäuschenden Band Nummer 5 wieder alle Erwartungen an ein actiongeladenes, spannendes Abenteuer, das eine ganze Welt erfasst und für alle Zeiten verändert. Zu mehr als zwei Dritteln ist Band 6 also Fantasy-Drama vom Feinsten.

Sicherlich sind all diese schier endlosen Zeremonien um die Inthronisierung des neuen Kaisers nicht der Geschmack jeden Lesers – und gewiss nicht meiner – , aber man wird doch durch Action und Drama dafür entschädigt. So gelingt es der Heldin erst in letzter Sekunde, das Leben ihrer Kinder zu bewahren. Allerdings sieht das schmähliche Ende ihres schärfsten Widersachers, Lord Jiro, doch sehr nach einer Laune der Autoren aus als nach einer plausiblen Begebenheit. Im Namen der dramatischen Wirkung lasse ich das mal gelten.

Auch dass zum Schluss in Maras Privatleben das Prinzip der Achterbahn gilt, ist sicherlich nicht irgendeinem Bemühen um Plausibilität zu verdanken, sondern das Bemühen der Autoren um maximale romantische Wirkung – und um eine mögliche Fortsetzung … Da darf ordentlich geschluchzt und gejuchzt werden – bitte eine Großpackung Taschentücher bereit halten! Ich konnte mir das jedoch verkneifen, denn endlich, nach fast 3000 Seiten, wollte ich endlich mal zum Schluss kommen. Finish, finito, basta! Kelewan, adieu!

|Originaltitel: Mistress of the Empire, Kap. 18-33, 1992
Aus dem US-Englischen übertragen von Susanne Gerold|

Feist, Raymond / Wurts, Janny – schwarzen Roben, Die (Kelewan-Saga 5)

Da Lady Mara nun quasi die Nummer zwei auf Kelewan ist, hat sie zwar viel Ehr‘, aber auch viel Feind‘. Gleich auf den ersten Seiten muss ihr Sohn Ayaki sterben, als er einem Anschlag zum Opfer fällt, der eigentlich ihr galt. Wieder ist Mara die Letzte ihres Geschlechts.

Der Krieg, den sie gegen die vermeintlichen Auftraggeber, die Anasati, führen will, wird jedoch von den Schwarzen Roben, den allmächtigen Magiern Kelewans, untersagt. Die Auseinandersetzungen verlagern sich deshalb auf eine andere Ebene, und Attentäter und Agenten spielen nun die wichtigste Rolle. Drei Männer sind nun in dieser Schattenwelt von tragender Bedeutung. Doch der nächste Anschlag folgt bestimmt.

_Die Autoren_

Raymond Feist, geboren 1945 in Los Angeles, studierte an der Universität San Diego und war Fotograf und Spielerfinder, ehe er mit dem Schreiben begann. Fast alle seine Romane spielen auf der erfundenen Welt Midkemia, die zu Anfang ein regelrechter Mittelerde-Klon war, mit Elfen und Zwergen, die sich dann aber rasch weiterentwickelte und auch gewisse Science-Fiction-Elemente enthält. Dazu gehört der „Spalt“, den ich immer als Dimensionstor aufgefasst habe und der das „magische“ Tor zur Welt Kelewan bildet – in beide Richtungen. Die Midkemia-Romane sowie die Krondor-Saga wurden auch zu Rollenspielen verarbeitet; sie dürften mehr als zwei Dutzend Bände umfassen, speziell in den gesplitteten deutschen Ausgaben bei Goldmann/Blanvalet.

Janny Wurts, geboren 1953, eine amerikanische Autorin und Künstlerin, ist mit dem bekannten Illustrator Don Maitz verheiratet. Nach Verlagsangaben lebt sie in Florida. Ihr erster Roman „Sorcerer’s Legacy“ erschien 1982 und bediente sämtliche Klischees und Gesetze des Fantasygenres. Ihr „Feuer“-Zyklus (1984-88) hingegen mischt bereits Science-Fiction mit Magie. Die Kelewan-Trilogie, die sie 1987-1992 zusammen mit Raymond Feist schrieb, spielt in einem fantastisch überhöhten byzantinischen Kaiserreich. Ihre am besten ausgearbeitete Trilogie ist wohl „The Wars of Light and Shadows“, die 1993 bis 1995 erschien, aber erst vor wenigen Jahren bei Bastei Lübbe veröffentlicht wurde („Der Fluch des Nebelgeistes“, „Die Schiffe von Merior“ usw.).

Die Kelewan-Saga – eigentlich eine Trilogie – besteht aus folgenden Bänden:

Kelewan I = 1+2: Die Auserwählte; Die Stunde der Wahrheit (beide zusammen: Daughter of the Empire);

Kelewan II = 3+4: Der Sklave von Midkemia; Zeit des Aufbruchs (beide zusammen: Servant of the Empire);

Kelewan III = 5+6: Die schwarzen Roben; Tag der Entscheidung (beide zusammen: Mistress of the Empire).

„Die Kelewan-Saga I“ erschien im November 2004, Kelewan II soll im Juni 2005 veröffentlicht werden. Der Schluss liegt nahe, dass Kelewan III im November 2005 auf den Markt kommt.

_Hintergrund_

Kelewan ist eine mit Midkemia durch den „Spalt“ verbundene Parallelwelt, die es zu erobern gilt, um Rohstoffe zu beschaffen, vor allem Metall, das auf Kelewan selten ist. Während Midkemia stark angelsächsisch beeinflusst ist, trägt Kelewan ganz andere Züge. Diese Kultur erinnert in ihrer Stagnation und Starrheit an altchinesische Dynastien, aber auch an das alte Byzanz, erfüllt von Machtkämpfen und Intrigen.

Die kleinen Adelshäuser konkurrieren um den Aufstieg in den Hohen Rat, der von den fünf Großen Häusern gestellt wird. Erst dort können sie Einfluss auf die Politik des Kaiserreiches nehmen, so etwa auf die Partei, die den langjährigen Spaltkrieg befürwortet. Daher wählt der Rat auch den Kriegsherrn. Über allem thront der gottgleiche, jedoch politisch machtlose Kaiser, eine Marionette des Rates.

Außerhalb dieser Hierarchie, jeglicher Gerichtsbarkeit und Weisungsbefugnis entzogen, stehen die Magier der „Schwarzen Roben“. Mit diesen Gestalten bekommt es unsere Heldin erst im dritten Band zu tun. Im ersten Band tauchen Zauberer als eine Art Theaterattraktion auf, ähnlich wie Gandalf im Auenland für das Feuerwerk zuständig ist. Die Schwarzen Roben sind einzig der unveränderten Erhaltung des Reiches verpflichtet, was sie zu einer Art Kardinalsliga macht, nur wesentlich agiler: Sie tauchen überall auf, wo es ihnen passt.

Die Auseinandersetzungen um die Macht im Reich, das so genannte „Spiel des Rates“, folgt strengen, von der Geschichte scheinbar unabänderlich vorgegebenen Regeln. Die mächtigen Adelshäuser tragen ihre Differenzen mittels Intrigen, gedungenen Meuchelmördern und Verrat aus. Das erinnert stark an das Byzanz, das beispielsweise Guy Gavriel Kay in seinem [Sarantium-Zyklus]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=242 schildert.

_Vorgeschichte_

Mara ist siebzehn Jahre alt, als ihre Kindheit und Jugend abrupt enden. Jahrelang hat sie als Klosterschülerin gelebt und wurde in der Philosophie der Göttin Lashima ausgebildet. Gegen den Willen ihres Vaters, Lord Sezu Acoma, hat sie sich für ein Leben fern von der Welt entschieden. Doch gerade als sie endgültig das Gelübde als Nonne ablegen soll, unterbrechen sehr männlich klingende Stiefel die feierliche Zeremonie: Es sind die letzten überlebenden Soldaten des vernichteten Heeres ihres Vaters. In einer verheerenden Niederlage auf der Welt Midkemia hat sie neben dem Vater auch ihren geliebten Bruder Lano sowie zweitausend Krieger verloren. Sie ist jetzt die unumschränkte Herrscherin des Hauses Acoma, die Letzte ihres Geschlechts.

Schuld an dem Gemetzel auf Midkemia, so erfährt sie von ihrem Truppenkommandeur Keyoke, ist der Verrat des Hauses Minwanabi. Lord Jingu sollte eigentlich der Acoma-Armee zu Hilfe eilen, um den Feind an der Flanke anzugreifen. Als die Hilfe ausblieb beziehungsweise zu spät gewährt wurde, war von den Acoma nichts mehr übrig außer einem kleinen Häuflein, das sofort zur Heimatwelt zurückkehrte, um die letzte Angehörige der Herrscherfamilie zu ihren Pflichten zu rufen.

Mara ist zunächst von Trauer und Schmerz überwältigt. Sie begehrt als Erstes, die Trauerfeier abzuhalten. Dazu geht sie in den heiligen Hain des Anwesens und ehrt den Heimstein ihres Geschlechts, das auf eine weitaus längere Geschichte als das der Minwanabi zurückblicken kann. Prompt wird sie in diesem unbewachten Augenblick Opfer eines Mordanschlags. Nur die Gesetzesübertretung ihres getreuen Kämpfers Papeweio bewahrt sie vor dem frühzeitigen Tod. Sie schickt den Minwanabi das Zeichen der Blutfehde …

Durch kluge und vor allem unkonventionelle Taktiken gelingt es Mara, ihr Haus vor dem Untergang zu bewahren. Sie gewinnt mächtige Verbündete, baut den Handel aus, ihre Ranch gedeiht, und sie heiratet. Allerdings ist Buntokapi aus dem Hause Anasati ein grobschlächtiger, wenn auch schlauer Mann, der seine Frau prügelt. Sobald Mara ein Kind erwartet, nimmt er sich eine Konkubine, doch diese Teani entpuppt sich als eine Spionin der Minwanabi …

_Handlung von Band 3_

Nach dem rituellen Selbstmord von Lord Jingu, dem Oberhaupt des Hauses Minwanabi, übernimmt dessen Sohn Desio die Geschäfte. Sein Hass auf die „Acoma-Hexe“ Mara, die aus unbegreiflichen Gründen seinen Vater besiegen konnte, ist unermesslich. Sein Kanzler Incomo hat jedoch durch logisches Denken den Grund gefunden: Es müssen Spione der Acoma am Hofe sein. Zu dem gleichen Schluss ist auch schon Desios Cousin Tasaio gekommen, den man hat rufen lassen.

Tasaio ist ein ganz anderes Kaliber als der genusssüchtige, fette Desio – er ist der stellvertretende Kriegsherr Kelewans auf der Welt Midkemia. Sein militärisches Genie steht außer Frage. In kürzester Zeit hat er die Spione der Acoma ausfindig gemacht. Doch er lässt sie entgegen Desios Wunsch keineswegs hinrichten, sondern missbraucht sie für seine eigenen Zwecke. Nachdem er ihnen falsche Informationen untergeschoben hat, lockt er die beiden fähigsten Truppenführer Maras in eine ausgetüftelte Falle. Keyoke und Lujan ahnen ebenso wenig wie Mara, was sie erwartet …

Doch zum Glück für Mara hat sie einen neuen Lover namens Kevin, der in der Welt Midkemia gefangen genommen und versklavt wurde. Sie hat ihn mit seinen Gefährten gekauft, um Weiden zu roden. Mit seinem unkonventionellen Denken vermag er sie ebenso zu verblüffen wie zu brüskieren. Weil Kevin fürchtet, wie alle anderen midkemischen Offiziere getötet zu werden, verheimlicht er ihr, dass er als Baron Truppen gegen Tasaio angeführt hat. Er kennt Tasaios durchtriebene Taktik …

_Handlung von Band 4_

Um ein Haar hätte Tasaio alle seine Ziele erreicht. Wenn Kevin nicht gewesen wäre, würde das Haus Acoma nicht mehr existieren. Während der Fehden und Kriege sind zehn Jahre ins Land gegangen, Maras Sohn Ayaki entwickelt sich zu einem kleinen Krieger, denn er soll eines Tages die Truppen der Acoma anführen. Allerdings muss sie ständig um seine Sicherheit bangen. Werden die Minwanabi einen weiteren Anschlag verüben? Man darf wohl davon ausgehen …

_Handlung von Band 5_

Die Handlung von Band 5 beginnt mit einem Paukenschlag. Drei Jahre sind seit Maras Triumph am Hofe des Kaisers vergangen, als sie zur Guten Dienerin des Kaiserreichs ernannt und von der Familie des Kaisers adoptiert wurde. Allerdings hat diese Erhebung ihr ebenso viele Feinde eingebracht wie die Neue Ordnung, die sie und der Kaiser eingeführt haben. Der Anführer der reaktionären Traditionalisten ist Lord Jiro von den Anasati, der Onkel ihres älteren Sohnes Ayaki.

An Ayakis zwölftem Geburtstag bekommt er von seinen Eltern ein Lebewesen aus der Welt Midkemia geschenkt. Lord Honaku nennt es ein „Pferd“, und selbst als Wallach ist es weitaus temperamentvoller als das andere Vieh, von Reittieren ganz zu schweigen. Vor den Augen der erstaunten Eltern wird das Tier von einem vergifteten Pfeil getroffen und verfällt in Panik. Weil Ayaki nicht absteigt, wird er unter dem stürzenden Tier zerquetscht. Während Mara vor Entsetzen wie erstarrt ist, ergreift Honaku Maßnahmen, um wenigstens sie vor dem nächsten Angriff zu schützen.

Bei der Feuerbestattung ihres Sohnes kommt es zum Eklat, als die vor Trauer halb wahnsinnige Mara Lord Jiro tätlich angreift und ihn einen Mörder nennt. Weil in den Händen von Ayakis Attentäter ein Zahlungsmittel der Anasati gefunden wurde, hält Mara die Anasati für die Auftraggeber des Anschlags, der eigentlich ihr galt. Voller Genugtuung über ihren Angriff posaunt Jiro hinaus, dass die bisherigen Bande zwischen Acoma und Anasati null und nichtig seien, dass vielmehr eine Ehrenschuld bestehe. Hasserfüllt erklärt Mara Jiro den Krieg.

Beide Seiten haben die beistandspflichtigen Häuser ihres jeweiligen Clans auf einer Ebene versammelt, wo sich die Armeen angriffsbereit gegenüberstehen. Als der Augenblick gekommen ist, den beide Seiten für den Beginn der Schlacht ausgemacht haben, dröhnt jedoch unvermittelt ein Donnerschlag über die Ebene. Drei der Erhabenen aus der Magierkaste verbieten den Krieg zwischen Anasati und Acoma, weil er die Gesellschaft Kelewans zu stark schwächen würde. Schließlich kämpfen die Magier gegen feindliche Kräfte außerhalb Kelewans (vgl. den ersten Midkemia-Zyklus bis „Dunkel über Sethanon“).

Da Kampfhandlungen unmöglich gemacht worden sind – Zuwiderhandlung wäre glatter Selbstmord -, verlegen sich Mara und Jiro auf die Spionage und das gute alte Intrigenspiel. Jiro Meisterspion ist sein Erster Berater Chumaka, ein Experte im Schachspiel. Er hat das Spionagenetzwerk seines Gegners entdeckt und begonnen, es zu unterwandern. Er weiß nur noch nicht, wer dessen Kopf ist.

Es handelt sich um Arakasi, einen Mann, der in tausend Gestalten unterwegs ist. Als Agenten Chumakas ihn um ein Haar bei einem seiner Agenten entdecken und töten, merkt er spätestens jetzt, dass sein Netzwerk in höchster Gefahr schwebt und er es mit einem ebenbürtigen Gegenspieler zu tun hat. Dadurch sieht er seine Herrin Mara, der er treu dient, in Gefahr. Und in der Tat: Der nächste Anschlag wird bereits vorbereitet.

Zu dumm, dass sie Arakasi gerade weit weg, in die Umgebung der Burg der Magier, geschickt hat. Sie will deren unliebsamen Einmischungen ein für alle Mal ein Ende bereiten. Einen schrecklicheren Gegner kann sich selbst Arakasi nicht vorstellen.

_Mein Eindruck_

Rund 130 Seiten nimmt die Vorgeschichte ein, bevor so etwas wie Schwung in die Geschichte kommt. Für einen Einzelband wäre diese lange Anlaufstrecke ziemlich viel, doch ursprünglich bildete dies im Gesamtband nur einen kleinen Prolog. Durch die Aufsplittung in zwei Einzelbände erhält der „Prolog“ jedoch ein höheres Gewicht. Durch die Handlungsarmut in dieser Passage – es wird argumentiert, diskutiert und lamentiert – fand ich den Anfang des Romans sehr ermüdend. Gottseidank geht auch das vorbei.

Die Stimmungslage ändert sich um Seite 130 herum schlagartig. Meisterspion Arakasi befindet sich plötzlich in der Klemme und es geht um sein Leben. Dies ist endlich eine deutlich herausgearbeitete Szene, die geradezu filmische Qualitäten hat, enorme Spannung aufweist und die Probleme, die Agenten haben können, deutlich aufzeigt. Ich weiß nicht, wer diese Kapitel geschrieben hat. Aber obwohl die Lieblingstiere der Pferdenärrin Janny Wurts darin auftreten, würde ich doch eher auf Feist als Autor tippen. Der anschauliche Erzählstil ist ebenso seine Handschrift wie der einfachere Satzbau. Für den Prolog brauchte ich Tage, für die nächsten 200 Seiten nur Stunden.

Wir folgen Arakasis Ermittlungen bei der Burg der Magier und in der heiligen Stadt Kentosani mit Spannung und Neugier, werden auch keineswegs enttäuscht. Dieser Bursche unternimmt nicht nur viele gewagte Aktionen, sondern hat auch mächtig was in der Birne. Die Schlussfolgerungen, zu denen er über seinen Gegenspieler (Chumaka) gelangt, lassen uns ebenso frösteln wie ihn.

Richtig lustig wird es dann, als Arakasi sich mit Lord Hokanu, Maras Göttergatte, auf den Weg macht, die Gassen und Gossen von Kentosani zu durchstreifen. Sie suchen den Apotheker, der das Gift für den neuesten Anschlag auf Mara mischte. Der Lord der Shinzawai lernt dabei erstmals die dunkle Unterseite einer Stadt kennen, und er kann nicht behaupten, dass sie ihm besonders gefällt. Diese dynamische Passage endet in einer furiosen Actionsequenz auf Seite 300. Und Arakasi weiß jetzt, wer der wahre Verantwortliche für den Tod an Ayaki ist. Sein Frösteln will gar nicht mehr aufhören.

Im Schlussdrittel von Band 5 erhält Mara deutliche Hinweise – unter anderem von Pug, dem Magier von Midkemia – darauf, dass die Mittel, die sie gegen die Erhabenen zu finden hofft, nur außerhalb des Kaiserreiches zu finden sind. Allerdings haben die Erhabenen durch Zensur und Urkundenfälschung dafür gesorgt, dass die Menschen im Kaiserreich kaum noch eine Ahnung davon haben, wie es vor Jahrtausenden zu dem gegenwärtigen Zeitalter der Stagnation kam. Und wenn die Versammlung der Erhabenen so konservativ eingestellt ist, dann kann dies nur eines bedeuten: Nur Maras Tod dient ihren Zwecken. Mara macht sich auf eine gefahrvolle Erkundungsreise ins Unbekannte auf.

_Unterm Strich_

Wie so häufig sind die ersten Hälften von Romanen wenig befriedigend für den Leser, fehlt ihnen doch das Finale, in dem alle Fäden zusammenlaufen. In den bisherigen ersten Romanhälften ist es dem Autorengespann stets gelungen, sie mit einem Höhepunkt abzuschließen. Nicht so diesmal, in Band 5. Viele Vorgänge werden nicht abgeschlossen und nur ein einziger zu Ende gebracht. Daher ist der Handlungsstrang um Arakasi wesentlich zufriedenstellender als der, in dessen Mittelpunkt Mara steht.

Maras Leben ist das der langweiligen politischen Handlungsweise, doch Arakasi sorgt für Ermittlungen, Spannung und Action. Tatsächlich ist seine Action an einem Punkt derart verwegen, dass wir um sein Überleben bangen müssen. Dieses Kapitel ist eindeutig der Höhepunkt dieses Bandes. Aber beileibe nicht sein Finale. Vielmehr muss auch Mara noch ein Ziel bekommen. Sobald sie es gefunden hat, ist sie nicht mehr aufzuhalten. Obwohl also das Ende dieses Bandes offen ist, besteht doch genau dadurch noch eine gewisse Spannung.

Unter allen fünf Bänden, die ich bislang gelesen habe, ist Band 5 der mit Abstand der langweiligste. Ich war um jedes Kapitel froh, in dem Arakasi auftrat. Das sind die allzu seltenen Lichtblicke des Buches. Schnell eile ich daher zum nächsten, abschließenden Band.

Auch, um die Textfehler zu vergessen. Auf Seite 144 heißt es zum Beispiel in einer Zeile: „Arakasi tat wie beholfen …“ Richtig müsste es heißen: „Arakasi tat wie befohlen …“ Die Anzahl der Druckfehler ist doch ganz erheblich. Schwamm drüber!

|Originaltitel: Mistress of the Empire, Kap. 1-17, 1992
Aus dem US-Englischen übertragen von Susanne Gerold|

Feist, Raymond / Wurts, Janny – Zeit des Aufbruchs (Kelewan-Saga 4)

„Nur wenige Gongschläge trennen die junge Mara von einem Leben hinter Klostermauern, da erfährt sie, dass ihr Vater und ihr Bruder auf der barbarischen Welt Midkemia im Kampf getötet wurden und dass sie jetzt das neue Oberhaupt des Hauses Acoma ist. Unterstützt von einer Handvoll treuer Soldaten und Bediensteter muss sie sich einer Aufgabe stellen, die schwieriger kaum sein könnte. Doch Mara ist entschlossen, die Acoma zu alter Größe zurückzuführen. Sie fasst einen waghalsigen Plan …“ So weit also der Klappentext; den kann man so stehen lassen.

_Die Autoren_

Raymond Feist, geboren 1945 in Los Angeles, studierte an der Universität San Diego und war Fotograf und Spielerfinder, ehe er mit dem Schreiben begann. Fast alle seine Romane spielen auf der erfundenen Welt Midkemia, die zu Anfang ein regelrechter Mittelerde-Klon war, mit Elfen und Zwergen, die sich dann aber rasch weiterentwickelte und auch gewisse Science-Fiction-Elemente enthält. Dazu gehört der „Spalt“, den ich immer als Dimensionstor aufgefasst habe und der das „magische“ Tor zur Welt Kelewan bildet – in beide Richtungen. Die Midkemia-Romane sowie die Krondor-Saga wurden auch zu Rollenspielen verarbeitet; sie dürften mehr als zwei Dutzend Bände umfassen, speziell in den gesplitteten deutschen Ausgaben bei Goldmann/Blanvalet.

Janny Wurts, geboren 1953, eine amerikanische Autorin und Künstlerin, ist mit dem bekannten Illustrator Don Maitz verheiratet. Nach Verlagsangaben lebt sie in Florida. Ihr erster Roman „Sorcerer’s Legacy“ erschien 1982 und bediente sämtliche Klischees und Gesetze des Fantasygenres. Ihr „Feuer“-Zyklus (1984-88) hingegen mischt bereits Science-Fiction mit Magie. Die Kelewan-Trilogie, die sie 1987-1992 zusammen mit Raymond Feist schrieb, spielt in einem fantastisch überhöhten byzantinischen Kaiserreich. Ihre am besten ausgearbeitete Trilogie ist wohl „The Wars of Light and Shadows“, die 1993 bis 1995 erschien, aber erst vor wenigen Jahren bei Bastei Lübbe veröffentlicht wurde („Der Fluch des Nebelgeistes“, „Die Schiffe von Merior“ usw.).

Die Kelewan-Saga – eigentlich eine Trilogie – besteht aus folgenden Bänden:

Kelewan I = 1+2: Die Auserwählte; Die Stunde der Wahrheit (beide zusammen: Daughter of the Empire);

Kelewan II = 3+4: Der Sklave von Midkemia; Zeit des Aufbruchs (beide zusammen: Servant of the Empire);

Kelewan III = 5+6: Die schwarzen Roben; Tag der Entscheidung (beide zusammen: Mistress of the Empire).

[„Die Kelewan-Saga I“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=861 erschien im November 2004, Kelewan II soll im Juni 2005 veröffentlicht werden. Der Schluss liegt nahe, dass Kelewan III im November 2005 auf den Markt kommt.

_Hintergrund_

Kelewan ist eine mit Midkemia durch den „Spalt“ verbundene Parallelwelt, die es zu erobern gilt, um Rohstoffe zu beschaffen, vor allem Metall, das auf Kelewan selten ist. Während Midkemia stark angelsächsisch beeinflusst ist, trägt Kelewan ganz andere Züge. Diese Kultur erinnert in ihrer Stagnation und Starrheit an altchinesische Dynastien, aber auch an das alte Byzanz, erfüllt von Machtkämpfen und Intrigen.

Die kleinen Adelshäuser konkurrieren um den Aufstieg in den Hohen Rat, der von den fünf Großen Häusern gestellt wird. Erst dort können sie Einfluss auf die Politik des Kaiserreiches nehmen, so etwa auf die Partei, die den langjährigen Spaltkrieg befürwortet. Daher wählt der Rat auch den Kriegsherrn. Über allem thront der gottgleiche, jedoch politisch machtlose Kaiser, eine Marionette des Rates.

Außerhalb dieser Hierarchie, jeglicher Gerichtsbarkeit und Weisungsbefugnis entzogen, stehen die Magier der „Schwarzen Roben“. Mit diesen Gestalten bekommt es unsere Heldin erst im dritten Band zu tun. Im ersten Band tauchen Zauberer als eine Art Theaterattraktion auf, ähnlich wie Gandalf im Auenland für das Feuerwerk zuständig ist. Die Schwarzen Roben sind einzig der unveränderten Erhaltung des Reiches verpflichtet, was sie zu einer Art Kardinalsliga macht.

Die Auseinandersetzungen um die Macht im Reich, das so genannte „Spiel des Rates“, folgt strengen, von der Geschichte scheinbar unabänderlich vorgegebenen Regeln. Die mächtigen Adelshäuser tragen ihre Differenzen mittels Intrigen, gedungenen Meuchelmördern und Verrat aus. Das erinnert stark an das Byzanz, das beispielsweise Guy Gavriel Kay in seinem [Sarantium-Zyklus]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=242 schildert.

_Vorgeschichte_

Mara ist siebzehn Jahre alt, als ihre Kindheit und Jugend abrupt enden. Jahrelang hat sie als Klosterschülerin gelebt und wurde in der Philosophie der Göttin Lashima ausgebildet. Gegen den Willen ihres Vaters, Lord Sezu Acoma, hat sie sich für ein Leben fern von der Welt entschieden. Doch gerade als sie endgültig das Gelübde als Nonne ablegen soll, unterbrechen sehr männlich klingende Stiefel die feierliche Zeremonie: Es sind die letzten überlebenden Soldaten des vernichteten Heeres ihres Vaters. In einer verheerenden Niederlage auf der Welt Midkemia hat sie neben dem Vater auch ihren geliebten Bruder Lano sowie zweitausend Krieger verloren. Sie ist jetzt die unumschränkte Herrscherin des Hauses Acoma, die Letzte ihres Geschlechts.

Schuld an dem Gemetzel auf Midkemia, so erfährt sie von ihrem Truppenkommandeur Keyoke, ist der Verrat des Hauses Minwanabi. Lord Jingu sollte eigentlich der Acoma-Armee zu Hilfe eilen, um den Feind an der Flanke anzugreifen. Als die Hilfe ausblieb beziehungsweise zu spät gewährt wurde, war von den Acoma nichts mehr übrig außer einem kleinen Häuflein, das sofort zur Heimatwelt zurückkehrte, um die letzte Angehörige der Herrscherfamilie zu ihren Pflichten zu rufen.

Mara ist zunächst von Trauer und Schmerz überwältigt. Sie begehrt als Erstes, die Trauerfeier abzuhalten. Dazu geht sie in den heiligen Hain des Anwesens und ehrt den Heimstein ihres Geschlechts, das auf eine weitaus längere Geschichte als das der Minwanabi zurückblicken kann. Prompt wird sie in diesem unbewachten Augenblick Opfer eines Mordanschlags. Nur die Gesetzesübertretung ihres getreuen Kämpfers Papeweio bewahrt sie vor dem frühzeitigen Tod. Sie schickt den Minwanabi das Zeichen der Blutfehde …

Durch kluge und vor allem unkonventionelle Taktiken gelingt es Mara, ihr Haus vor dem Untergang zu bewahren. Sie gewinnt mächtige Verbündete, baut den Handel aus, ihre Ranch gedeiht, und sie heiratet. Allerdings ist Buntokapi aus dem Hause Anasati ein grobschlächtiger, wenn auch schlauer Mann, der seine Frau prügelt. Sobald Mara ein Kind erwartet, nimmt er sich eine Konkubine, doch diese Teani entpuppt sich als eine Spionin der Minwanabi …

_Handlung von Band 3_

Nach dem rituellen Selbstmord von Lord Jingu, dem Oberhaupt des Hauses Minwanabi, übernimmt dessen Sohn Desio die Geschäfte. Sein Hass auf die „Acoma-Hexe“ Mara, die aus unbegreiflichen Gründen seinen Vater besiegen konnte, ist unermesslich. Sein Kanzler Incomo hat jedoch durch logisches Denken den Grund gefunden: Es müssen Spione der Acoma am Hofe sein. Zu dem gleichen Schluss ist auch schon Desios Cousin Tasaio gekommen, den man hat rufen lassen.

Tasaio ist ein ganz anderes Kaliber als der genusssüchtige, fette Desio – er ist der stellvertretende Kriegsherr Kelewans auf der Welt Midkemia. Sein militärisches Genie steht außer Frage. In kürzester Zeit hat er die Spione der Acoma ausfindig gemacht. Doch er lässt sie entgegen Desios Wunsch keineswegs hinrichten, sondern missbraucht sie für seine eigenen Zwecke. Nachdem er ihnen falsche Informationen untergeschoben hat, lockt er die beiden fähigsten Truppenführer Maras in eine ausgetüftelte Falle. Keyoke und Lujan ahnen ebenso wenig wie Mara, was sie erwartet …

Doch zum Glück für Mara hat sie einen neuen Lover namens Kevin, der in der Welt Midkemia gefangen genommen und versklavt wurde. Sie hat ihn mit seinen Gefährten gekauft, um Weiden zu roden. Mit seinem unkonventionellen Denken vermag er sie ebenso zu verblüffen wie zu brüskieren. Weil Kevin fürchtet, wie alle anderen midkemischen Offiziere getötet zu werden, verheimlicht er ihr, dass er als Baron Truppen gegen Tasaio angeführt hat. Er kennt Tasaios durchtriebene Taktik …

_Handlung von Band 4_

Um ein Haar hätte Tasaio alle seine Ziele erreicht. Wenn Kevin nicht gewesen wäre, würde das Haus Acoma nicht mehr existieren. Während der Fehden und Kriege sind zehn Jahre ins Land gegangen, Maras Sohn Ayaki entwickelt sich zu einem kleinen Krieger, denn er soll eines Tages die Truppen der Acoma anführen. Allerdings muss sie ständig um seine Sicherheit bangen. Werden die Minwanabi einen weiteren Anschlag verüben?

Maras Blick richtet sich nun auf eine höhere Ebene: auf ihren Clan Hadama. In ihm sind mehrere Häuser, die untereinander blutsverwandt sind, zusammengeschlossen. Sie sind im Hohen Rat repäsentiert, intrigieren aber meist gegeneinander. Mara plant, dies radikal zu ändern, denn manche der ketzerischen Ideen ihres Geliebten leuchten ihr unter dem Eindruck der Geschehnisse durchaus ein.

Mara reist in die kaiserliche Hauptstadt Kentosani, die zum Glück nicht allzu weit entfernt liegt. Hier erlebt sie mehrere böse Überraschungen. Sie lernt zwar ihren Clan näher kennen, gerät aber während einer Kampfdarbietung zu Ehren des kelewanischen Sieges über Midkemia in eine Katastrophe. Der midkemische Magier Milamber – der auf seiner Heimatwelt als Pug bekannt ist – wurde in die Gilde der Erhabenen aufgenommenen. Als midkemische Kriegsgefangene kelewanischen Bestien vorgeworfen werden, rastet er irgendwie aus und entfesselt ein magisches Inferno. Die vier Elemente der Natur setzt er für seine Zwecke ein, doch es ist vor allem ein Erdbeben, das die Zuschauermenge in der riesigen Arena in panischen Schrecken versetzt. Mit knapper Not gelingt es Kevin, Mara in Sicherheit zu bringen.

Dieser Zwischenfall beschämt den amitierenden Kriegsherrn derart, dass er sich durch rituellen Selbstmord töten muss, um die Ehre seines Hauses und seines Kaisers zu rehabilitieren. Sofort wird ein Nachfolger gewählt: Axantucar. Dieser ist bemüht, seine Macht und Stellung durch gezielte Attentate zu festigen und auszubauen. Endlich sieht auch Tasaio die Gelegenheit gekommen, seine Erzfeindin Mara zu vernichten.

In dem labyrinthisch angelegten Kaiserpalast haben sich die wenigen Leibgardisten der Acoma verschanzt. Zwei Lords verstärken mit ihren Männern Maras mickrige Truppe. Nachdem in den benachbarten Gemächern einer der Lords nach dem anderen abgemurkst wird, wartet Mara bang auf den endgültigen Angriff. Er erfolgt erst nach drei Tagen, dann aber in mehreren Wellen so massiv und lang anhaltend, dass ihrem kleinen Häuflein die vollständige Auslöschung droht. Es sind von Tasaio angeheuerte Attentäter, aber auch reguläre Truppen ohne Abzeichen, die von allen Seiten auf ihre Soldaten einstürmen.

Kevin schlägt sich wie ein Tiger für seine geliebte Herrscherin, sobald er ein richtiges Metallschwert in der Hand hält. Weil Metall auf Kelewan sehr selten ist, sind Schwerter normalerweise aus speziell gefertigtem Leder, das durch Harz verstärkt wird. Dem von den Ninjas geklauten Metallschwert (nur Tasaio kann sich so ein Ding leisten) haben die anderen nur wenig entgegenzusetzen. Aber es sind zu viele. Der Moment ist abzusehen, da zwischen Mara und einem Angreifer kein Verteidiger mehr steht. Ihr Gewand ist bereits rot vom vergossenen Blut anderer, als eine überraschende Wendung eintritt …

_Mein Eindruck_

Um das, was sie vorhaben, zu erreichen, jagen die beiden Autoren ihre Heldin Mara durch allerlei überraschende Wendungen und sogar Entscheidungen, die sie fast um den Verstand bringen. Als Herrscherin hat man’s eben nicht leicht. Und wenn es um die Revolution geht, sind Opfer vonnöten.

Die Handlung lässt sich auf zwei Ebenen darstellen, die ich als Inside- und als Outside-Story bezeichne. In der OUTSIDE-Story finden sich äußerliche Aktivitäten wie etwa die oben beschriebene „Nacht der blutigen Schwerter“ wieder. Es gibt noch ein paar weitere Actionszenen, die wirklich lesenswert und spannend sind. Dazu kommen aber auch Nachrichten, die Mara von ihrem Geheimdienstchef Arakasi erhält. So hat etwa ein Ereignis auf der Welt Midkemia erhebliche Konsequenzen für Kelewan und Mara: Bei einem Verrat der Midkemier werden etliche Lords der Tsurani getötet, darunter auch Lord Desio, der amtierende Minwanabi-Lord. Dadurch wird automatisch sein Cousin Tasaio Nachfolger auf dem Minwanabi-Thron und Mara muss sich nun wirklich in Acht nehmen.

Fast noch wichtiger ist die Nachricht, dass sämtliche Dimensionstore nach Midkemia geschlossen wurden, von wem auch immer. Deshalb erscheint Maras Besuch beim kaiserlichen Lordsiegelbewahrer, also dem Chef der Bürokratie, zunächst ziemlich witzlos. Erst im grandiosen Finale stellt sich heraus, dass sie mit ihrem Antrag auf Handelsbeziehungen mit Midkemia ein Monopol erlangt hat, das ihre Stellung im Hohen Rat erheblich stärkt.

Ihr gelingt es dadurch, den eigenen Clan Hadama auf sich einzuschwören, wodurch alle folgenden Auseinandersetzungen zu Clan-Konflikten werden. Kein Einzellord kann mehr ungestraft seinen Nachbarn angreifen, ohne dass es Sanktionen von Seiten dessen Clans gibt. Das trägt einerseits zur Befriedung Kelewans bei, vergrößert aber gleichzeitig die Dimension der Konflikte: Am Ende steht eine Schlacht zwischen Maras Hadama-Clan und Tasaios Shonshoni-Clan kurz bevor, wobei hunderttausende von Kriegern beteiligt sind. Kann Mara das Ruder herumreißen?

Die INSIDE-Story ist wesentlich weniger wichtig, wenn es um Politik geht, doch für Mara und Kevin hat sie die gleiche Bedeutung. Und weibliche Leser dürften sie mit weitaus größerem Interesse verfolgen als irgendwelche Schlachten.

Maras Problem mit Kevin ist folgendes: Sie kann keinen Sklaven heiraten. Ganz einfach deshalb, weil vor dem tsuranischen Gesetz Sklaven keine Personen, sondern lebende Gegenstände wie Haustiere sind. Uns würde es ja auch nicht einfallen, einen Hund zu heiraten, oder? Na also. Nichtsdestotrotz liebt Mara ihren Leibsklaven Kevin, auch wenn andere das anstößig finden. Aber zumindest keiner aus ihrem Hofstaat, der ihn mal kämpfen gesehen hat.

Doch Mara wird ja auch nicht jünger und muss standesgemäß heiraten. Das hat auch politische Gründe, wie alles auf Kelewan. Prinz Hokanu von den Shinzawai ist weder blöd noch hässlich, sondern ziemlich verständig und ansehnlich – und sein Haus ziemlich mächtig. Der ideale Heiratskandidat! Wenn da nur Kevin nicht wäre. Während sie schon vor Gewissensbissen ihm gegenüber schlaflose Nächte hat, kommt ihr der kaiserliche Befehl, alle midkemischen Sklaven auf ihre Heimatwelt zurückzubringen, irgendwie auch zupass. Auch wenn es ihr fast das Herz im Leib zerreißen will, nimmt Mara Abschied von ihrem nichts Böses ahnenden Liebling, der in ihrem Schoß ein Erinnerungsstück zurückgelassen hat …

Diese kaiserlichen Befehle tauchen im vierten Band auffällig häufig auf, um drastische Wendungen einzuleiten, und sie werden häufig nicht erklärt. (Den Autoren liefert das natürlich ein wohlfeiles Instrument, um ihren Plot in die richtige Richtung zu steuern – oder ist es vielmehr andersrum?) Der Kaiser ist nun nicht mehr das geistige Oberhaupt, sondern eine politische Macht, mit der zu rechnen ist. Und Mara kapiert dies früher und klarer als alle anderen …

|Die Übersetzung|

Ich bin an drei Stellen auf merkwürdige Ungereimtheiten gestoßen. Man muss sie nicht unbedingt als Fehler auffassen, aber man könnte darüber streiten.

Auf Seite 164 heißt es: „Man wird dich wegen untsuranischer Ansichten in Bausch und Bogen aus dem Rat jagen.“ Man kann eine Sache „in Bausch und Bogen“ ablehnen, also in ihrer Gesamtheit, aber auf Menschen wird diese Redewendung normalerweise nicht angewandt. Wesentlich logischer erscheint die Redewendung „mit Schimpf und Schande“. Und es alliteriert sich ebenfalls.

Auf Seite 275 wird ebenfalls ein bekanntes Wort falsch verwendet. „Es war ein fassungsloser Vorgang, der mit jeder Tradition, jeder Vorrangstellung brach.“ Weil aber nur Menschen fassungslos sein, also die Fassung verlieren können, ist das Wort „fassungslos“ im Zusammenhang mit einem abstrakten Vorgang fehl am Platze. Korrekt müsste es „unfassbar“ heißen.

„Um das Wohl des Kaiserreiches Willen rufe ich den Lord der Tonmargu“, heißt es auf Seite 446. Der arme Genitiv, das hat er nicht verdient. Wenigstens macht ihm diesmal nicht der Dativ, sondern der Nominativ den Garaus. Weil „Willen“ hier den Genitiv verlangt (wie in „um Gottes Willen“) müsste es richtig heißen: „Um des Wohles des Kaiserreiches Willen …“

_Unterm Strich_

Von der Klosterschülerin zur First Lady – nun ja, beinahe – in nur zehn Jahren. Eine beachtliche Leistung für eine Siebzehnjährige, die schon mit der Welt abgeschlossen hatte. Dieses wahre Wunderkind hat das allerdings nur geschafft, weil sie die bedingungslose Loyalität und Liebe ihres Hofstaates besitzt. Gepriesen sei Lashima, die Göttin der Weisheit, der Mara ihr Leben weihen wollte! Glückliches Kelewan, das von einer solchen Frau von Grund auf umgekrempelt wird!

Der Kelewan-Band Nummer vier wartet mit der bereits gewohnten Mischung aus Actionszenen, Meisterstücken der Diplomatie und herzzerreißenden Szenen menschlichen Dramas auf, so dass eigentlich jeder Leser und jede Leserin zufrieden sein sollte. Nur ich mal wieder nicht. Zu offensichtlich sind die plumpen dramaturgischen Eingriffe der Autoren, so dass es im Getriebe der Handlung mächtig knirscht.

Auch Maras Beziehung zu ihrem lieben Kevin wollte mir gar nicht gefallen – wahrscheinlich kann ich solchen Schoßhündchen wenig abgewinnen. Wenn am Schluss Mara (wie in jedem Band) triumphiert – natürlich in aller Bescheidenheit -, so hat dies doch einen bitteren Beigeschmack angesichts der Opfer, die sie hinter sich zurücklässt. Der erste Gesamtroman gefiel mir besser. Mal sehen, wie der dritte Gesamtroman (die deutschen Bände 5+6) wird.

|Originaltitel: Servant of the Empire, Kap. 15-27, 1990
Aus dem US-Englischen übertragen von Susanne Gerold|

Feist, Raymond / Wurts, Janny – Sklave von Midkemia, Der (Kelewan-Saga 3)

Nachdem die Acoma-Herrscherin Mara die ersten Anschläge auf ihr Leben überlebt hat, trachtet die nächste Generation ihres Erzfeindes, des Hauses Minwanabi, nach ihrem Leben. Doch diesmal soll eine zweistufige Strategie den totalen Erfolg bringen.

_Die Autoren_

Raymond Feist, geboren 1945 in Los Angeles, studierte an der Universität San Diego und war Fotograf und Spielerfinder, ehe er mit dem Schreiben begann. Fast alle seine Romane spielen auf der erfundenen Welt Midkemia, die zu Anfang ein regelrechter Mittelerde-Klon war, mit Elfen und Zwergen, die sich dann aber rasch weiterentwickelte und auch gewisse Science-Fiction-Elemente enthält. Dazu gehört der „Spalt“, den ich immer als Dimensionstor aufgefasst habe und der das „magische“ Tor zur Welt Kelewan bildet – in beide Richtungen. Die Midkemia-Romane sowie die Krondor-Saga wurden auch zu Rollenspielen verarbeitet; sie dürften mehr als zwei Dutzend Bände umfassen, speziell in den gesplitteten deutschen Ausgaben bei |Goldmann/Blanvalet|.

Janny Wurts, geboren 1953, eine amerikanische Autorin und Künstlerin, ist mit dem bekannten Illustrator Don Maitz verheiratet. Nach Verlagsangaben lebt sie in Florida. Ihr erster Roman „Sorcerer’s Legacy“ erschien 1982 und bediente sämtliche Klischees und Gesetze des Fantasygenres. Ihr „Feuer“-Zyklus (1984-88) hingegen mischt bereits Science-Fiction mit Magie. Die Kelewan-Trilogie, die sie 1987-1992 zusammen mit Raymond Feist schrieb, spielt in einem fantastisch überhöhten byzantinischen Kaiserreich. Ihre am besten ausgearbeitete Trilogie ist wohl „The Wars of Light and Shadows“, die 1993 bis 1995 erschien, aber erst vor wenigen Jahren bei |Bastei Lübbe| veröffentlicht wurde („Der Fluch des Nebelgeistes“, „Die Schiffe von Merior“ usw.).

Die Kelewan-Saga – eigentlich eine Trilogie – besteht aus folgenden Bänden:

Kelewan I = 1+2: Die Auserwählte; Die Stunde der Wahrheit (beide zusammen: Daughter of the Empire);

Kelewan II = 3+4: Der Sklave von Midkemia; Zeit des Aufbruchs (beide zusammen: Servant of the Empire);

Kelewan III = 5+6: Die schwarzen Roben; Tag der Entscheidung (beide zusammen: Mistress of the Empire).

Der Doppelband [„Die Kelewan-Saga I“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=861 erschien im November 2004, Kelewan II soll im Juni 2005 veröffentlicht werden. Der Schluss liegt nahe, dass Kelewan III im November 2005 auf den Markt kommt.

_Hintergrund_

Kelewan ist eine mit Midkemia durch den „Spalt“ verbundene Parallelwelt, die es zu erobern gilt, um Rohstoffe zu beschaffen, vor allem Metall, das auf Kelewan selten ist. Während Midkemia stark angelsächsisch beeinflusst ist, trägt Kelewan ganz andere Züge. Diese Kultur erinnert in ihrer Stagnation und Starrheit an altchinesische Dynastien, aber auch an das alte Byzanz, erfüllt von Machtkämpfen und Intrigen.

Die kleinen Adelshäuser konkurrieren um den Aufstieg in den Hohen Rat, der von den fünf Großen Häusern gestellt wird. Erst dort können sie Einfluss auf die Politik des Kaiserreiches nehmen, so etwa auf die Partei, die den langjährigen Spaltkrieg befürwortet. Daher wählt der Rat auch den Kriegsherrn. Über allem thront der gottgleiche, jedoch politisch machtlose Kaiser, eine Marionette des Rates.

Außerhalb dieser Hierarchie, jeglicher Gerichtsbarkeit und Weisungsbefugnis entzogen, stehen die Magier der „Schwarzen Roben“. Mit diesen Gestalten bekommt es unsere Heldin erst im dritten Band zu tun. Im ersten Band tauchen Zauberer als eine Art Theaterattraktion auf, ähnlich wie Gandalf im Auenland für das Feuerwerk zuständig ist. Die Schwarzen Roben sind einzig der unveränderten Erhaltung des Reiches verpflichtet, was sie zu einer Art Kardinalsliga macht.

Die Auseinandersetzungen um die Macht im Reich, das so genannte „Spiel des Rates“, folgt strengen, von der Geschichte scheinbar unabänderlich vorgegebenen Regeln. Die mächtigen Adelshäuser tragen ihre Differenzen mittels Intrigen, gedungenen Meuchelmördern und Verrat aus. Das erinnert stark an das Byzanz, das beispielsweise Guy Gavriel Kay in seinem [Sarantium-Zyklus]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=242 schildert.

_Vorgeschichte_

Mara ist siebzehn Jahre alt, als ihre Kindheit und Jugend abrupt enden. Jahrelang hat sie als Klosterschülerin gelebt und wurde in der Philosophie der Göttin Lashima ausgebildet. Gegen den Willen ihres Vaters, Lord Sezu Acoma, hat sie sich für ein Leben fern von der Welt entschieden. Doch gerade als sie endgültig das Gelübde als Nonne ablegen soll, unterbrechen sehr männlich klingende Stiefel die feierliche Zeremonie: Es sind die letzten überlebenden Soldaten des vernichteten Heeres ihres Vaters. In einer verheerenden Niederlage auf der Welt Midkemia hat sie neben dem Vater auch ihren geliebten Bruder Lano sowie zweitausend Krieger verloren. Sie ist jetzt die unumschränkte Herrscherin des Hauses Acoma, die Letzte ihres Geschlechts.

Schuld an dem Gemetzel auf Midkemia, so erfährt sie von ihrem Truppenkommandeur Keyoke, ist der Verrat des Hauses Minwanabi. Lord Jingu sollte eigentlich der Acoma-Armee zu Hilfe eilen, um den Feind an der Flanke anzugreifen. Als die Hilfe ausblieb beziehungsweise zu spät gewährt wurde, war von den Acoma nichts mehr übrig außer einem kleinen Häuflein, das sofort zur Heimatwelt zurückkehrte, um die letzte Angehörige der Herrscherfamilie zu ihren Pflichten zu rufen.

Mara ist zunächst von Trauer und Schmerz überwältigt. Sie begehrt als Erstes, die Trauerfeier abzuhalten. Dazu geht sie in den heiligen Hain des Anwesens und ehrt den Heimstein ihres Geschlechts, das auf eine weitaus längere Geschichte als das der Minwanabi zurückblicken kann. Prompt wird sie in diesem unbewachten Augenblick Opfer eines Mordanschlags. Nur die Gesetzesübertretung ihres getreuen Kämpfers Papeweio bewahrt sie vor dem frühzeitigen Tod. Sie schickt den Minwanabi das Zeichen der Blutfehde …

_Handlung von Band 3_

Nach dem rituellen Selbstmord von Lord Jingu, dem Oberhaupt des Hauses Minwanabi, übernimmt dessen Sohn Desio die Geschäfte. Sein Hass auf die „Acoma-Hexe“ Mara, die aus unbegreiflichen Gründen seinen Vater besiegen konnte, ist unermesslich. Sein Kanzler Incomo hat jedoch durch logisches Denken den Grund gefunden: Es müssen Spione der Acoma am Hofe sein. Zu dem gleichen Schluss ist auch schon Desios Cousin Tasaio gekommen, den man hat rufen lassen.

Tasaio ist ein ganz anderes Kaliber als der genusssüchtige, fette Desio – er ist der stellvertretende Kriegsherr Kelewans auf der Welt Midkemia. Sein militärisches Genie steht außer Frage. In kürzester Zeit hat er die Spione der Acoma ausfindig gemacht. Doch er lässt sie entgegen Desios Wunsch keineswegs hinrichten, sondern missbraucht sie für seine eigenen Zwecke. Nachdem er ihnen falsche Informationen untergeschoben hat, lockt er die beiden fähigsten Truppenführer Maras in eine ausgetüftelte Falle. Keyoke und Lujan ahnen ebenso wenig wie Mara, was sie erwartet.

Parallel dazu fädelt Tasaio einen langfristigen Plan ein, um Maras Truppen abzuziehen und ihr Land zu entblößen. Dazu versieht er Wüstenkrieger mit Waffen und lässt sie Länder des Hauses Xacateca angreifen. Der Xacateca-Lord Chipino wiederum ruft via kaiserlichen Boten Mara zu Hilfe. Sie kann das Ersuchen nicht ablehnen, ohne an „Ehre“ einzubüßen. Mit drei Kompanien Menschen und einer Kompanie Cho-ja-Soldaten setzt sie auf den Südkontinent über, ein mulmiges Gefühl im Magen. Das haben bestimmt die Minwanabi eingefädelt. Sie soll Recht behalten.

Doch zum Glück für Mara hat sie einen neuen Lover namens Kevin, der in der Welt Midkemia gefangen genommen und versklavt wurde. Sie hat ihn mit seinen Gefährten gekauft, um Weiden zu roden. Mit seinem unkonventionellen Denken vermag er sie ebenso zu verblüffen wie zu brüskieren. Weil Kevin fürchtet, wie alle anderen midkemischen Offiziere getötet zu werden, verheimlicht er ihr, dass er als Baron Truppen gegen Tasaio angeführt hat. Er kennt Tasaios durchtriebene Taktik.

Als die Entscheidungsschlacht – übrigens fachmännisch inszeniert – gekommen ist, sieht sich Kevin in der Klemme: Will er Mara und ihre Truppen vor dem Untergang bewahren, muss er ihr endlich enthüllen, dass er als ein Offizier über militärisches Wissen verfügt. Sein Leben oder ihres, das ist die Frage. Er entscheidet sich aus Liebe.

_Mein Eindruck_

Endlich kommt auch die Liebe in Maras Leben zu ihrem Recht. Doch was ist das für eine Liebe? Sie, die Herrscherin, nimmt sich unter den Sklaven aus der fremden Welt einen Geliebten, den sie jederzeit wieder ersetzen lassen kann, sollte er einmal ungehorsam sein – der Traum einer jeden dominanten Frau.

|Fallstricke der Liebe|

Allerdings hat Mara nicht damit gerechnet, dass der hochgewachsene und adelige Kevin nicht nur ihr Herz umgarnt, sondern auch ihre fest gefügten Auffassungen von kelewanischer Ehre durcheinander wirbelt. Mehr als einmal zahlt sich dies zu Maras Vorteil aus – sie ist in der Lage, flexibel und innovativer zu agieren als ihre konservativen Konkurrenten im Großen Spiel des Rates. Mit seinem militärischen Sachverständnis hilft Kevin auch der Streitmacht Maras und der Xacatecas, als er erkennt, welche ausgeklügelt eingefädelte Falle die Minwanabis aufgestellt haben.

|Widersprüche|

Würde man allerdings die Psychologie dieser Beziehung, die den gesamten zweiten Roman bestimmt, analysieren, stieße man auf einige Brüche und Widersprüche, die nur zugunsten von positivem Zusammenhalt übergangen oder gekittet werden. Warum ist beispielsweise Kevin emotional so abhängig von Mara, dass er bald wieder auf ihren Ruf hin zurückkehrt, nachdem sie ihn monatelang verbannt hat? Er findet bei ihr und ihrem Sohn eine Ersatzfamilie, könnte man sich sagen. Doch er sollte eigentlich wissen, dass er nie Teil der Erbfolge sein kann.

Und warum bestraft sie ihn nicht für seine ständigen Tabubrüche? Weil sie „im Grunde ihres Herzens“, wie man so schön sagt, einen starken Liebhaber braucht? Das ließe sie schwächer erscheinen, als Mara wirklich ist. Dass Kevin auch Qualitäten als Leibwächter und Ratgeber besitzt, beweist er noch stärker im vierten Band der Saga „Zeit des Aufbruchs“. Er selbst zahlt ebenfalls einen hohen Preis: Seine eigenen Leute, die als Sklaven auf dem Land der Lady Mara schuften, entfremden sich zunehmend von ihm. Man fragt sich, ob er überhaupt noch in seine Heimat zurückwill.

|Ein zweiter „Shogun“-Blackthorne?|

Es wäre ein schiefer Vergleich, wenn man Kevin mit Captain Blackthorne aus James Clavells Roman „Shogun“ in eine Reihe stellte. Blackthorne ist zu keinem Zeitpunkt Sklave, und seine Beziehung zu Lady Mariko ist die Liebe zu einer geächteten Außenseiterin (Marikos Vater ist ein Verräter). Außerdem genießt Blackthorne schon früh das Wohlwollen des Fürsten Toranaga, des späteren Shogun, des kaiserlichen Kriegsherrn.

_Unterm Strich_

Der dritte Band ist als Auftakt des zweiten Romans natürlich weniger stark auf Action ausgerichtet als ein Band, der ein Finale enthält. Dennoch finden hier zwei recht ansehnlich ausgebaute Schlachten statt. In ihrer fachmännischen Inszenierung meine ich den Sachverstand eines männlichen Autoren erkennen zu können, nämlich von Raymond Feist.

Ein Fan von Action-Fantasy kann sich kaum befriedigendere Kampfszenen wünschen. Frauen hingegen dürften die oben betrachtete romantische Seite der Handlung anziehender finden. Daher liefert auch Band 3 eine optimale Mischung an Elementen. Alles, was noch fehlt, sind Magier. Es sei nur so viel gesagt, dass Band 4 mit mehr als genug Magiern aufwartet, und zwar gleich im ersten Kapitel. Und da die Minwanabi und ihre Vasallen weiterhin Intrigen spinnen, ist auch für genügend Spannung gesorgt.

|Originaltitel: Servant of the Empire, Kap. 1-14, 1990
Aus dem US-Englischen übertragen von Susanne Gerold|

Feist, Raymond – verwaiste Thron, Der (Die Midkemia-Saga 2)

Dies ist der zweite Band in Feists äußerst erfolgreicher Midkemia-Saga, eine direkte Fortsetzung der Geschehnisse im Startband [„Der Lehrling des Magiers“.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=864

_Der Autor_

Raymond Feist, geboren 1945 in Los Angeles, studierte an der Universität San Diego und war Fotograf und Spielerfinder, ehe er mit dem Schreiben begann. Fast alle seine Romane spielen auf der erfundenen Welt Midkemia, die zu Anfang ein regelrechter Mittlerde-Klon war, mit Elfen und Zwergen, die sich dann aber rasch weiterentwickelte und auch gewisse Science-Fiction-Elemente enthält. Dazu gehört der „Spalt“, den ich immer als Dimensionstor aufgefasst habe, und der das „magische“ Tor zur Welt Kelewan bildet – in beide Richtungen. Die Midkemia-Romane sowie die Krondor-Saga wurden auch zu Rollenspielen verarbeitet; sie dürften mehr als zwei Dutzend Bände umfassen, speziell in den gesplitteten deutschen Ausgaben bei Goldmann/Blanvalet.

_Handlung_

Zur Erinnerung: Der Planet Midkemia und im besonderen „Das Königreich“ erleidet durch eine Dimensionsbrücke, den „Spalt“, eine Invasion durch die kriegerischen Völker der Tsurani, die in erster Linie an den Erzen aus den Minen Midkemias interessiert sind. Magier beschützen die Tsurani-Truppe, so dass sich das Kriegsglück immer mehr zu Ungunsten der Verteidiger neigt. Es ist abzusehen, dass sie der nächsten Frühjahrsoffensive nicht standhalten können.

Der junge Zauberer Pug ist durch den Spalt auf die Tsurani-Welt Kelewan verschlagen worden. Zunächst als Sklave in den Sümpfen schuftend, wird schließlich seine Klugheit und seine Zauberkraft erkannt. Er erhält eine Ausbildung im magischen Zirkel und steigt gar zum Erhabenen auf, der nicht einmal dem Kaiser gehorchen muss. Leider muss er zuerst seine unterdrückte Erinnerung an seine Heimatwelt wiederfinden, bevor er zurückkehren kann. Auf Kelewan führt er einige Neuerungen ein, überhaupt macht er sich in der auf Bewahrung des Erreichten bedachten Gesellschaft und besonders bei der Kriegspartei unbeliebt.

Am Schluss gerät sein Weltenwechsel zu einer wilden Flucht. Doch gerade zur rechten Zeit, den der Frühjahrsfeldzug steht bevor.

Unterdessen auf Midkemia: Pugs Jugendfreund Tomas hat die Rüstung eines der längst vergangenen Drachenlords gefunden und angelegt. Nun plagen ihn Tag und Nacht Phantasien von Gewalt und Macht, die sogar seine neue Gemahlin, die Elbenkönigin, in Furcht versetzen. Doch als schließlich der mächtige Zauberer Macros auftaucht, erwacht auch Tomas aus seinem Albtraum und erkennt seine Pflicht. In einem schicksalhaften Zusammentreffen von Pug, Tomas, Macros, Midkemia- und Tsurani-Truppen findet schließlich eine Entscheidungsschlacht statt, die eigentlich als Friedensschluss zwischen König und Kaiser geplant war.

Dumm gelaufen oder von Macros arrangiert?

_Kurzes Fazit_

Die Erzählung ist in mehreren Strängen kunstvoll aufgebaut, und der Leser sollte stellenweise ein wenig Geduld aufbringen, bis mal wieder ein entscheidender Punkt in der Handlung erreicht ist. Dieser Szenen sind dann umso effektvoller. Feist versteht es immer wieder, den Leser zu fesseln. Dennoch ragt seine Saga zwar über die Masse der Genreproduktion hinaus, erreicht aber sicherlich nicht Tolkiens Niveau.

|Originaltitel: Magician: Master, 1982
Aus dem US-Englischen übertragen von Dagmar Hartmann|

Feist, Raymond / Wurts, Janny – Kelewan-Saga I, Die

„Nur wenige Gongschläge trennen die junge Mara von einem Leben hinter Klostermauern, da erfährt sie, dass ihr Vater und ihr Bruder auf der barbarischen Welt Midkemia im Kampf getötet wurden und dass sie jetzt das neue Oberhaupt des Hauses Acoma ist. Unterstützt von einer Handvoll treuer Soldaten und Bediensteter muss sie sich einer Aufgabe stellen, die schwieriger kaum sein könnte. Doch Mara ist entschlossen, die Acoma zu alter Größe zurückzuführen. Sie fasst einen waghalsigen Plan …“ So weit also der Klappentext; den kann man so stehen lassen.

_Die Autoren_

Raymond Feist, geboren 1945 in Los Angeles, studierte an der Universität San Diego und war Fotograf und Spielerfinder, ehe er mit dem Schreiben begann. Fast alle seine Romane spielen auf der erfundenen Welt Midkemia, die zu Anfang ein regelrechter Mittelerde-Klon war, mit Elfen und Zwergen, die sich dann aber rasch weiterentwickelte und auch gewisse Science-Fiction-Elemente enthält. Dazu gehört der „Spalt“, den ich immer als Dimensionstor aufgefasst habe und der das „magische“ Tor zur Welt Kelewan bildet – in beide Richtungen. Die Midkemia-Romane sowie die Krondor-Saga wurden auch zu Rollenspielen verarbeitet; sie dürften mehr als zwei Dutzend Bände umfassen, speziell in den gesplitteten deutschen Ausgaben bei Goldmann/Blanvalet.

Janny Wurts, geboren 1953, eine amerikanische Autorin und Künstlerin, ist mit dem bekannten Illustrator Don Maitz verheiratet. Nach Verlagsangaben lebt sie in Florida. Ihr erster Roman „Sorcerer’s Legacy“ erschien 1982 und bediente sämtliche Klischees und Gesetze des Fantasygenres. Ihr „Feuer“-Zyklus (1984-88) hingegen mischt bereits Science-Fiction mit Magie. Die Kelewan-Trilogie, die sie 1987-1992 zusammen mit Raymond Feist schrieb, spielt in einem fantastisch überhöhten byzantinischen Kaiserreich. Ihre am besten ausgearbeitete Trilogie ist wohl „The Wars of Light and Shadows“, die 1993 bis 1995 erschien, aber erst vor wenigen Jahren bei |Bastei Lübbe| veröffentlicht wurde („Der Fluch des Nebelgeistes“, „Die Schiffe von Merior“ usw.).

Die Kelewan-Saga – eigentlich eine Trilogie – besteht aus folgenden Bänden:

Kelewan I = 1+2: Die Auserwählte; Die Stunde der Wahrheit (beide zusammen: Daughter of the Empire);

Kelewan II = 3+4: Der Sklave von Midkemia; Zeit des Aufbruchs (beide zusammen: Servant of the Empire);

Kelewan III = 5+6: Die schwarzen Roben; Tag der Entscheidung (beide zusammen: Mistress of the Empire).

Der Doppelband „Die Kelewan-Saga I“ erschien im November 2004, Kelewan II soll im Juni 2005 veröffentlicht werden. Der Schluss liegt nahe, dass Kelewan III im November 2005 auf den Markt kommt.

_Hintergrund_

Kelewan ist eine mit Midkemia durch den „Spalt“ verbundene Parallelwelt, die es zu erobern gilt, um Rohstoffe zu beschaffen, vor allem Metall, das auf Kelewan selten ist. Während Midkemia stark angelsächsisch beeinflusst ist, trägt Kelewan ganz andere Züge. Diese Kultur erinnert in ihrer Stagnation und Starrheit an altchinesische Dynastien, aber auch an das alte Byzanz, erfüllt von Machtkämpfen und Intrigen.

Die kleinen Adelshäuser konkurrieren um den Aufstieg in den Hohen Rat, der von den fünf Großen Häusern gestellt wird. Erst dort können sie Einfluss auf die Politik des Kaiserreiches nehmen, so etwa auf die Partei, die den langjährigen Spaltkrieg befürwortet. Daher wählt der Rat auch den Kriegsherrn. Über allem thront der gottgleiche, jedoch politisch machtlose Kaiser, eine Marionette des Rates. Zumindest normalerweise …

Außerhalb dieser Hierarchie, jeglicher Gerichtsbarkeit und Weisungsbefugnis entzogen, stehen die Magier der „Schwarzen Roben“. Mit diesen Gestalten bekommt es unsere Heldin erst im dritten Band zu tun. Im ersten Band tauchen Zauberer als eine Art Theaterattraktion auf, ähnlich wie Gandalf im Auenland für das Feuerwerk zuständig ist. Die Schwarzen Roben sind einzig der unveränderten Erhaltung des Reiches verpflichtet, was sie zu einer Art Kardinalsliga macht.

Die Auseinandersetzungen um die Macht im Reich, das so genannte „Spiel des Rates“, folgt strengen, von der Geschichte scheinbar unabänderlich vorgegebenen Regeln. Die mächtigen Adelshäuser tragen ihre Differenzen mittels Intrigen, gedungenen Meuchelmördern und Verrat aus. Das erinnert stark an das Byzanz, das beispielsweise Guy Gavriel Kay in seinem [Sarantium-Zyklus]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=242 schildert.

_Handlung_

Mara ist siebzehn Jahre alt, als ihre Kindheit und Jugend abrupt enden. Jahrelang hat sie als Klosterschülerin gelebt und wurde in der Philosophie der Göttin Lashima ausgebildet. Gegen den Willen ihres Vaters, Lord Sezu Acoma, hat sie sich für ein Leben fern von der Welt entschieden. Doch gerade als sie endgültig das Gelübde als Nonne ablegen soll, unterbrechen sehr männlich klingende Stiefel die feierliche Zeremonie: Es sind die letzten überlebenden Soldaten des vernichteten Heeres ihres Vaters. In einer verheerenden Niederlage auf der Welt Midkemia hat sie neben dem Vater auch ihren geliebten Bruder Lano sowie zweitausend Krieger verloren. Sie ist jetzt die unumschränkte Herrscherin des Hauses Acoma, die Letzte ihres Geschlechts.

Schuld an dem Gemetzel auf Midkemia, so erfährt sie von ihrem Truppenkommandeur Keyoke, ist der Verrat des Hauses Minwanabi. Lord Jingu sollte eigentlich der Acoma-Armee zu Hilfe eilen, um den Feind an der Flanke anzugreifen. Als die Hilfe ausblieb beziehungsweise zu spät gewährt wurde, war von den Acoma nichts mehr übrig außer einem kleinen Häuflein, das sofort zur Heimatwelt zurückkehrte, um die letzte Angehörige der Herrscherfamilie zu ihren Pflichten zu rufen.

Mara ist zunächst von Trauer und Schmerz überwältigt. Sie begehrt als Erstes, die Trauerfeier abzuhalten. Dazu geht sie in den heiligen Hain des Anwesens und ehrt den Heimstein ihres Geschlechts, das auf eine weitaus längere Geschichte als das der Minwanabi zurückblicken kann. Prompt wird sie in diesem unbewachten Augenblick Opfer eines Mordanschlags. Nur die Gesetzesübertretung ihres getreuen Kämpfers Papeweio bewahrt sie vor dem frühzeitigen Tod. Sie schickt den Minwanabi das Zeichen der Blutfehde.

Angesichts der geringen Zahl ihrer Soldaten muss sie rasch etwas unternehmen, bevor der Angriff der Feinde – die Minwanabi sind nicht die einzigen – erfolgt. Ihre Amme und Beraterin Nacoya, die sie an Mutter statt aufgezogen hat, drängt sie dazu, möglichst bald zu heiraten. Sie wählt ein mächtiges Haus: die Anasati, eigentlich Feinde der Acoma. Sie hofft, ihren Gemahl kontrollieren zu können, sobald sie ihm einen Erben geschenkt hat. Sie wird bitter enttäuscht.

In den zweiten Hälfte (bisher „Stunde der Wahrheit“ betitelt) führt Mara nach der Geburt des Erben unmerklich, aber stetig den Untergang ihres treulosen und unfähigen Gatten Buntokapi herbei. Er hat in der nahen Stadt Sulan-Qu ein Haus bezogen, um dort mit seiner Mätresse Teani zusammen zu sein, ein Liebesnest. Zu ihrem Schrecken erfährt Mara, dass Teani eine Spionin der Minwanabi ist. Sie muss etwas unternehmen, bevor die Feinde entscheidende Vorteile erlangen …

Doch die richtige Prüfung ihres Könnens folgt erst noch. Das gesamte letzte Drittel des Romans ist dem Besuch der Burg ihrer Todfeinde gewidmet. Dorthin wurde sie zur Geburtstagsfeier des Kriegsherrn Almecho eingeladen (aber die Anasati nicht). Es ist klar, was Lord Jingu von den Minwanabi beabsichtigt: das Haus Acoma ein für alle Mal auszulöschen. Mara nimmt ihren Leibwächter Papewaio mit, doch sie hat nicht mit den Intrigen Teanis gerechnet.

_Mein Eindruck des Gesamtbandes_

In einer Gesellschaft, die Frauen als Menschen zweiter Klasse und Eigentum ihres jeweiligen Ehemanns – der sie verstoßen kann – ansieht, und ohne mächtige Verbündete muss sich Mara durch ihre Intelligenz, ihr Einfühlungsvermögen, ihren Ideenreichtum, aber auch durch ihr Durchsetzungsvermögen behaupten. Viele Ratgeber wollen sie in unterschiedliche Richtungen lenken. Ihre zunächst wichtigste Tat, um das Haus Acoma vor dem Untergang zu bewahren, ist jedoch etwas sehr Unkonventionelles.

Wie im alten Japan verlieren die Soldaten und Samurai ihre Ehre, sobald ihr Herrscher, durch ihr Verschulden oder nicht, getötet worden ist. Sie werden zu Grauen Kriegern (oder Ronin), die von den Herrscherfamilien als umherstreifende Banditen ohne Ehre und Loyalität betrachtet werden. Dies trifft auch für Maras ersten Gatten Buntokapi Anasati zu. Sie benötigt jedoch dringend Soldaten, Bauern, Handwerker als Ersatz für die verlorenen Krieger. Mit einer genial inszenierten Überraschungstaktik gelingt es ihr jedoch, eine Bande von über dreihundert Grauen Kriegern für sich zu gewinnen, vor allem durch Einfühlungsvermögen, Überredungskunst – und ein wenig Glück. Buntokapi hätte diese Ronin einfach abgeschlachtet.

Diese Aufgeschlossenheit und unkonventionelle Verhaltensweise führt dazu, dass sich weitere Ronin bei ihr melden, um durch den Eintritt in ihr „Haus“ wieder Ehre zu erlangen – und natürlich um ein Dach überm Kopf und eine warme Mahlzeit zu erhalten. Unter den Ronin befindet sich zu Maras Erstaunen auch der Geheimdienstchef eines eroberten und untergegangen Adelshauses. Seine Verbindungen erweisen sich als unschätzbar wertvoll. Anakasi ist es auch, der sie mit den Aliens, den Cho-ja, auf Kelewan bekannt macht.

|Starker Anfang|

Ich habe die erste Hälfte des Romans, die unter dem Titel „Die Auserwählte“ veröffentlichten wurde, in nur einem Tag gelesen, und in der gleichen Zeit die restlichen Kapitel, die als „Die Stunde der Wahrheit“ veröffentlicht wurden.

Die Handlung ist ebenso mitreißend wie die interessanten Figuren, mit denen uns das Autorengespann bekannt macht. Allerdings muss ich zugeben, dass ich die ersten zwei Drittel – bis etwa Seite 230 – wesentlich actionreicher und interessanter fand als den ganzen Rest des ersten Bandes. Vor allem die darauffolgende Hochzeit mit dem stiernackigen Kämpfer Buntokapi fand ich ziemlich öde. Diese Dumpfbacke dient hauptsächlich dazu, unserer lieben und tapferen Mara blaue Flecken zu verpassen und ein Kind zu machen. Mara dürfte nicht die Einzige sein, die Mordgedanken hegt.

|Starkes Finale|

Das letzte Drittel des zweiten Bandes ist ein Meisterstück von kalkulierter Handlungsführung, die ein Maximum an Spannung erzeugt. Mara sieht sich dem bevorstehenden sicheren Tod gegenüber, und die listig-verführerische Teani tut das Ihre, um für einen baldigen Tod der „Acoma-Hexe“ zu sorgen. Der Plan hätte auch Erfolg gehabt und der gastgebende Lord Jingu wäre mit einem blauen Auge davongekommen, wenn es nicht einen Joker im Spiel gäbe: zwei Magier, die der Kriegsherr Almecho vom kaiserlichen Hof mitgebracht hat. Dieses Finale ist nicht gut für die Fingernägel, die unweigerlich dran glauben müssen. Ich konnte diesmal auch keine Übersetzungsfehler feststellen, im Gegensatz zum ersten Band.

|Alter Fehler|

In diesem letzten Drittel des ersten Halbromans stieß ich frustiert auf einen alten Fehler, den Autoren machen, um die Handlung zu beschleunigen: Sie berichten statt zu erzählen. Das Buch liest sich dann wie eine langweilige Chronik der laufenden Ereignisse statt wie ein Roman, der aus einer Folge von Szenen gebildet wird. Chroniken sind jedoch sterbenslangweilig, weil im Grunde nichts passiert. Zum Glück hält sich diese Passage in Grenzen und endet mit der Geburt des ersten männlichen Erben der Acoma.

|Die Übersetzung …|

… von Susanne Gerold ist zu 99,9 Prozent gelungen. Doch auf Seite 203 stetht ein dicker Fehler, den man zunächst vielleicht überliest. Hier heißt es: „[…] Ihr seht alle so fremd aus – beängstigend.“ Sie [die Alienkönigin] wandte sich an Mara. „Allerdings seht Ihr weniger beängstigend als auch die Männchen.“ Was gemerkt? Es müsste heißen: „… weniger beängstigend aus als die Männchen.“

Ein weiterer Fehler entging auf Seite 265 der Qualitätskontrolle. Es geht darum, dass die Klosterschülerin Mara bislang keine Erfahrung mit Männern im horizontalen Nahkampf gesammlt hat. Nacoya hatte ihr vorgeschlagen, einen sanften Mann zwecks Unterweisung kommen zu lassen, doch Mara hatte das Angebot abgelehnt. „[…] daß Mara ihren Rat abgeschlagen und sich geweigert hatte, sich durch eine sanfte (Achtung!) Bewegung mit einem Mann aus der Ried-Welt [= Gigolo] Kenntnisse über Männer zu verschaffen.“ Statt „Bewegung“ müsste es eigentlich „Begegnung“ heißen. Das dürfte wohl mehr Sinn ergeben.

_Unterm Strich_

Die Kelewan-Saga ist erstklassiges Fantasyfutter für Leser, die Abenteuer, Action, große gesellschaftliche Szenerien und eine sehr lange Handlung mögen. Das Buch liest sich recht schnell, unter anderem deswegen, weil die Handlung flott voranschreitet, die Spannung nur selten – außer bei Hochzeiten – nachlässt, ständig neue Figuren eingeführt werden und die Leseabschnitte kurz sind. Hier bewährt sich die Erzählkunst des routinierten Raymond Feist. Das Finale des zweiten Bandes – also des ersten Romans – sucht in punkto Komplexität und Spannung seinesgleichen.

Während Feist offensichtlich für die klar und übersichtlich gestalteten Auseinandersetzungen zuständig war, widmete sich seine Ko-Autorin offenbar den weiblicheren Themen in Maras Leben, nämlich Haushalt, Kloster, Wirtschaft und vor allem die Hochzeit sowie alles, was damit verbunden ist.

Insgesamt kommt auch der Humor nicht zu kurz, und zwar vor allem in Form von leiser Ironie. Maras unkonventionelles Verhalten überrascht doch etliche Leutchen in der Hierarchie der Tsurani. Andererseits bringt es ihr ungewöhnliche Freunde wie etwa die neue Königin der Cho-ja-Aliens ein.

Wer farbige Abenteuer mit einem Touch Sozialkritik und einer tapferen, intelligenten Frauenfigur im Mittelpunkt mag, liegt bei der Kelewan-Saga genau richtig. Angeblich ist der letzte Band der beste.

|Originaltitel: Daughter of the Empire, 1987
Aus dem US-Englischen übertragen von Susanne Gerold|

Feist, Raymond – Lehrling des Magiers, Der (Die Midkemia-Saga 1)

Mit diesem Buch eröffnete Feist seinen Zyklus um die Fantasy-Welt Midkemia und schuf sogleich einen Klassiker: ein umfassendes Universum verschiedener Welten.

Allerdings macht sich hier der Einfluss von Tolkien noch sehr stark bemerkbar: Es gibt unterschiedliche Elbenvölker, desweiteren Drachen, Kobolde, Zwerge und natürlich Zauberer und Recken. Immerhin sind die Frauenfiguren weitaus lebensechter und realitätsnaher gezeichnet als beim alten Meister (sogar die Elfenkönigin!).

_Der Autor_

Raymond Feist, geboren 1945 in Los Angeles, studierte an der Universität San Diego und war Fotograf und Spielerfinder, ehe er mit dem Schreiben begann. Fast alle seine Romane spielen auf der erfundenen Welt Midkemia, die zu Anfang ein regelrechter Mittlerde-Klon war, mit Elfen und Zwergen, die sich dann aber rasch weiterentwickelte und auch gewisse Science-Fiction-Elemente enthält. Dazu gehört der „Spalt“, den ich immer als Dimensionstor aufgefasst habe, und der das „magische“ Tor zur Welt Kelewan bildet – in beide Richtungen. Die Midkemia-Romane sowie die Krondor-Saga wurden auch zu Rollenspielen verarbeitet; sie dürften mehr als zwei Dutzend Bände umfassen, speziell in den gesplitteten deutschen Ausgaben bei Goldmann/Blanvalet.

_Handlung_

Pug ist ein Waisenkind und hat kaum Chancen im Leben. Sein einziger Freund ist der Halbelf Tomas. Da nimmt ihn der Magier Kulgan in die Lehre, und es zeigt sich, dass Pug – er rettet damit Carline, der Tochter des Herzogs, das Leben – über eine neuartige Methode verfügt, Magie anzuwenden. Pug ist ein Held, Tomas hingegen lediglich ein unscheinbarer Schwertkämpfer – vorerst.

Beide können zeigen, was in ihnen steckt, als Soldaten von einer anderen Welt in den Westen des Königreichs einfallen. Die Armeen überfallen alles in der Nähe der Berge, deren Minen sie ausbeuten wollen. Pug, nunmehr in den herzoglichen Hofstaat aufgenommen, reist mit Kulgan und Herzog Borric über die Berge nach Osten, um den jungen König Rodric von der Gefahr zu unterrichten. Leider fallen den Angriffen von Dunkelelben viele Begleiter zum Opfer, und Tomas verschwindet in den Minen.

Herog Borric wird zum Befehlshaber der Armeen des Westens ernannt, und auch Pug kann nicht zurück in die Heimat reisen, um Borrics Tochter Carline seine Liebe zu beweisen. Der verschollene Tomas findet in der Höhle eines sterbenden Drachen eine wundersame Rüstung und ein erstklassiges Schwert: Die Rüstung wird nie schmutzig und das Schwert nie schartig. Nachdem er gehört hat, dass Pug bei einem Angriff auf die Eroberer gefangen genommen wurde, kämpft Tomas noch härter gegen die Tsurani. Mit knapper Not entkommen er und seine Zwergenfreunde zu den guten Elben und zu Königin Aglaranna.

Der Rest des Buches ist ausgefüllt mit dem Kampf um die Burg von Herzog Borric, Crydee. Hier beweist sich Prinz Arutha als genialer Soldatenführer. Die Tsurani ziehen sich geschlagen zurück.

_Kurzes Fazit_

„Der Lehrling des Magiers“ ist also nur die erste Hälfte der Geschichten um Pug und Tomas. Die Fortsetzung heißt „Der verwaiste Thron“. Dies ist bunte Fantasy der unterhaltsamsten Art und lässt sich jedem jung gebliebenen Fantasy-Anhänger guten Gewissens empfehlen. Wer jedoch etwas anderes als Tolkien-Imitatoren mag, der suche woanders.

|Originaltitel: Magician: Apprentice, 1982
Aus dem US-Englischen übertragen von Dagmar Hartmann|

[NEWS] Raymond Feist – Die zersplitterte Krone (Schlangenkrieg-Saga 4)

Der Klassiker der heroischen Fantasy komplett überarbeitet und in edler Neuausstattung.

Die übernatürlichen Gefahren, die Midkemia bedrohen, scheinen nach langem Kampf besiegt zu sein. Doch noch immer ziehen Söldnertrupps plündernd und brandschatzend durch das Königreich. Zwar gelingt es Prinz Patrick, die Hauptstadt Krondor zu befreien. Doch auch damit ist der Krieg in Midkemia noch lange nicht zu Ende. Der selbst ernannte König des Bitteren Meeres, General Fadawah, sammelt seine Kräfte. Er will Krondor um jeden Preis zurückerobern … (Verlagsinfo)

Taschenbuch: 704 Seiten
Originaltitel: Shards of a Broken Crown
Blanvalet

[NEWS] Raymond Feist – Dämonenkönig (Schlangenkrieg 3)

Ein Klassiker der heroischen Fantasy – komplett überarbeitet in edler Neuaustattung.

Die Smaragdkönigin ist zurück und bedroht den Frieden in Midkemia. Eine brutale Invasion der Schlangenmenschen von Novindus unter dem Befehl der mächtigen Königin steht kurz bevor. Die Angreifer sind auf der Suche nach dem magischen Stein des Lebens und wollen ihn um jeden Preis in ihre Gewalt bringen. Am Vorabend des Krieges entdeckt der Magier Pug zusammen mit dem befreundeten Krieger Tomas, dass weit mehr als nur der Frieden Midkemias auf dem Spiel steht … (Verlagsinfo)

Taschenbuch: 848 Seiten
Originaltitel: Rage of a Demon King
Blanvalet