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P. D. Baccalario – Cyboria: Die geheime Stadt

Reise mit Roboter: Das Geheimnis der Vergangenheit der Zukunft

Europa, 1910. Endzeitstimmung. Drei brillante Köpfe haben eine grandiose Idee: Sie wollen eine „ideale“ Stadt bauen, in der sie und einige Auserwählte den Untergang der bekannten Welt überleben können: Cyboria.

Pisa, heute: Der 13-jährige Otto ist ein Nachfahre des berühmten Atamante Folgore Perrotti, Mathematikgenie und Physiker, außerdem Anwärter auf einen Platz in der geheimen Stadt. Atamante hatte den Platz um der Liebe willen abgelehnt, sein Wissen um Cyboria jedoch verschlüsselt weitergereicht. Und nun erbt Otto die geheimnisvolle Schachtel mit dem Rätsel, dass sein Großvater nie lösen konnte … (Verlagsinfo)

 

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Eschbach, Andreas – Herr aller Dinge (Lesung)

_Der Fluch der Allmacht: philosophischer SF-Roman_

Als Kinder begegnen sie sich zum ersten Mal: Charlotte, die Tochter des französischen Botschafters und Hiroshi, der Sohn einer Hausangestellten. Von Anfang an steht der soziale Unterschied spürbar zwischen ihnen. Doch Hiroshi hat eine Idee. Eine Idee, wie er den Unterschied zwischen Arm und Reich aus der Welt schaffen könnte. Um Charlottes Liebe zu gewinnen, tritt er an, seine Idee in die Tat umzusetzen – und die Welt damit in einem nie gekannten Ausmaß zu verändern. Was mit einer bahnbrechenden Erfindung beginnt, führt ihn allerdings bald auf die Spur eines uralten Geheimnisses – und des schrecklichsten aller Verbrechen … (Verlagsinfo)

_Der Autor_

Andreas Eschbach, Jahrgang 1959, studierte in Stuttgart Luft- und Raumfahrttechnik, bevor er als Software-Entwickler und Berater arbeitete. Schon als Junge schrieb er seine eigenen Perry-Rhodan-Storys, bevor er mit „Die Haarteppichknüpfer“ 1984 seine erste Zeitschriftenveröffentlichung landen konnte.

Danach dauerte es noch elf Jahre bis zur Romanfassung von „Die Haarteppichknüpfer“, danach folgten der Actionthriller „Solarstation“ und der Megaseller „Das Jesus Video“, der mit dem renommierten Kurd-Laßwitz-Preis für den besten deutschsprachigen Science Fiction-Roman des Jahres 1998 ausgezeichnet und fürs Fernsehen verfilmt wurde.

Seitdem sind die Romane „Eine Billion Dollar“, „Perfect Copy“, „Exponentialdrift“, „Die seltene Gabe“, „Das Marsprojekt 1-5“ sowie „Der Letzte seiner Art“ erschienen, einige davon zudem als Hörbuch. Auch das Sachbuch „Das Buch der Zukunft“ gehört zu seinen Publikationen. Eschbach hat mehrere Anthologien herausgegeben und eine Reihe von literarischen Auszeichnungen erhalten. Heute lebt als freier Schriftsteller in der Bretagne.

_Der Sprecher_

Matthias Koeberlin, geboren 1974, absolvierte die Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam. Im Jahr 2000 erhielt er den Günter-Strack-Fernsehpreis. Er spielte den Stephen Foxx in der ProSieben-Verfilmung des Bestsellers „Das Jesus-Video“. Für seine Interpretation der Hörbuchfassung von Eschbachs Bestseller wurde er für den Deutschen Hörbuchpreis des WDR (2003) nominiert. 2007 gewann er gegen renommierte Konkurrenz als „Bester Schauspieler“ den „Deutschen Fernsehpreis“. Er lebt mit seiner Familie in Köln.

Regie in den L.A. Tonstudios Köln führte Kerstin Kaiser, aber die Nachbearbeitung erfolgte in den d.c. Studios NRW. Die Musik trug Andy Matern bei. Die Textfassung stammt von Klaus Prangenberg.

_Der Komponist_

Andy Matern wurde 1974 in Tirschenreuth, Bayern geboren. Nach seiner klassischen Klavier-Ausbildung arbeitete er einige Jahre als DJ in Clubs. Seit 1996 ist er als freiberuflicher Keyboarder, Produzent, Remixer, Songwriter und Arrangeur tätig. Er kann trotz seiner jungen Jahre bereits mehr als 120 kommerzielle CD-Veröffentlichungen vorweisen. Darunter finden sich nationale und internationale Chart-Platzierungen mit diversen Gold- und Platin-Auszeichnungen.

Bereits Andy Materns erste Hörbuch-Rhythmen erreichten schnell Kultstatus bei den Fans und der Fachpresse. Durch seine musikalische Mitarbeit wurde „Der Cthulhu Mythos“ zum besten Hörbuch des Jahres gewählt (Deutscher Phantastik Preis 2003). Andy Matern lebt und arbeitet in München. (Verlagsinfos)

_Handlung_

Hiroshi Kato ist der Sohn einer Wäscherin, die an der Tokioter Botschaft Frankreichs arbeitet. Charlotte Malroux ist die Tochter des an dieser Botschaft arbeitenden französischen Botschafters. Zusammen verbringen sie einige Zeit miteinander. Rückblickend erkennt Hiroshi, dass es die Zeit war, in dem ihm die beste Idee seines Lebens kam: Wie man alle Menschen auf der Erde reich machen könnte.

Er hat eine Begabung, um neue Dinge zu bauen. Doch Charlottes Gabe ist völlig andersartig. Wenn sie Gegenstände berührt, kann sie deren Geschichte und die Gefühle sowie Gedanken ihrer Benutzer erspüren. So was hat Hiroshi noch nie gehört, aber es erweist sich als folgenreich. Als Charlotte sie das Messer von Hiroshis verschwundenem Vater „liest“, erfährt er, dass der Vater aus einer superreichen Familie in Texas lebt, doch seine Mutter nach Japan zurückgekehrt ist.

Eines Tages besuchen sie zusammen mit einer Aufpasserin die Tokioter „Insel der Heiligen“, einen nur einmal im Jahr geöffneten Shinto-Schrein. Darin liegt, auf der gleichnamigen Insel, ein schwarzes Messer aus Obsidian. Es soll 3000 Jahre alt sein und dem ersten Kaiser Japans gehört haben. Als es Charlotte mit Hiroshis Hilfe gelingt, das Messer zu berühren und zu „lesen“, stößt sie einen markerschütternden Schrei aus und fällt in Ohnmacht. Am nächsten Tag sind die Malroux‘ abgereist.

Als Hiroshis Vater zu Besuch kommt, bietet er dem mittlerweile 14 Jahre alten Jungen einen Studienplatz an den besten Unis der USA an. Wenige Jahre später ist aus Hiroshi am berühmten Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston ein brillanter Querdenker geworden, der nur noch nebenher büffelt, um seine Scheine in Informatik und Kybernetik zu machen. Er hat ein Gerät patentiert und lizenziert, mit dem Innendekorateure, Bauleiter und Architekten einen Raum dreidimensional ausmessen können – den „Zauberstab“. Mit den Lizenzgebühren finanziert er sein Studium.

Doch dann ereignen sich zwei Wendepunkte in seinem Leben. Auf einer Einweihungsparty sieht er Charlotte wieder: Sie ist mit einem Milliardenerben verlobt und sieht aus wie ein Model. Dennoch kann er mit ihr problemlos über alte Zeiten reden, als wäre sie seine Schwester. Und ja: Sie hat ihre „seltene Gabe“ immer noch, allerdings viel schwächer als seinerzeit. Sie studiert Anthropologie und will in die Archäologie – kein Wunder bei ihrem Interesse für uralte Objekte, die sie „lesen“ kann. Ein paar Tage später unternimmt sie mit ihm eine „Expedition“ in die Vergangenheit der Menschheit und der Erde: Die 32 Kilometer, die sie quer durch Boston gehen, entsprechen 3,2 Mio. Jahren – so alt sind die ältesten Funde von menschlichen Fossilien. Aber was geschah einst in den riesigen zeitlichen Lücken zwischen den Funden?

Die andere Begegnung bringt Hiroshi in Berührung mit dem Investor Jens Rasmussen. Der amerikanische Unternehmer ist das genaue Gegenteil einer „Heuschrecke“ und findet, dass Hiroshi angemessen für seine geniale Erfindung, den „Zauberstab“, bezahlt werden müsse. Genauer gesagt: mit 3 Mio. Dollar. Das ist zwar viel, aber zu wenig, um Hiroshis nächstes Projekt finanzieren zu können. Rasmussen erkennt beim zweimaligen Durchlesen der Projektbeschreibung, was dies bedeutet: eine Zeitenwende …

_Mein Eindruck_

Wir verfolgen die sehr unterschiedlichen Lebensläufe eines nahezu geschwisterlichen Paares und erleben mit ihnen einschneidende Geschehnisse in der Menschheitsgeschichte mit. Charlotte liefert uns den Einblick in größte ZEITLICHE Tiefen, führt uns aber auch zu einem dramatischen Ereignis im russischen Eismeer. Hiroshi hingegen nimmt uns mit auf eine Reise in tiefste RÄUMLICHE Dimensionen, denn er befasst sich mit den kleinsten Bausteinen des natürlichen (Atome) und künstlichen (Naniten) Lebens. Auf diese Weise können wir uns ein vierdimensionales Bild von der Menschheitsgeschichte machen, von den frühesten Anfängen bis zur jüngsten transhumanen Verwandlung.

Obwohl Charlotte eine übernatürliche Fähigkeit besitzt, die schon fast Fantasy-mäßige Möglichkeit weckt, ist es doch für den Durchschnittsleser, der, sagen wir, nur Krimis oder historische Romane kennt, viel leichter, ihre Schilderungen nachzuvollziehen. Bei Hiroshis Szenen sind eindeutig solche Leser / Hörer im Vorteil, die sich mit Science-Fiction und den jüngsten technischen Entwicklungen wie der Nanotechnologie befasst haben. Nanos gehören zwar mittlerweile zum Alltag, etwa Schutzbelägen für Autokarosserien oder Fenster. Aber dennoch haben die wenigsten Leute eine Vorstellung davon, worum es sich eigentlich handelt: winzige Maschinen, die bis in die Blutbahn und die Lunge gelangen können.

Das ganze Buch wird folglich von der Entwicklung dieser beiden Hauptfiguren und ihrer sich vertiefenden Beziehung zusammengehalten. Die Frage, die sich jeder Leser / Hörer stellt, ist jedoch, ob sie endlich ihre tiefe, einzigartige Liebe erkennen und in die Tat umsetzen können. Dies gelingt Hiroshi am Schluss auf eine unnachahmliche Weise, die nicht nur Charlotte die Tränen in die Augen treibt.

|Das Generalthema|

Soweit, so schön, doch worum geht es überhaupt? Ohne zuviel vom Plot verraten zu wollen, so lässt sich doch schnell erkennen, dass es im Grunde um die Beherrschung einer neuen revolutionären Technologie geht. Hiroshi will ja die Welt verbessern. So möchte er etwa mit seinen ersten Kleinrobotern (die selbständig Kopien von sich erstellen können) die unzähligen Deponien von Müll wieder in Wertstoffe umwandeln. Ein hehres Unterfangen, das nur leider an einem Geburtsfehler scheitert: am Kopiervorgang selbst. Schon die dritte Generation ist unfähig, die gegebenen Befehle korrekt auszuführen und baut Mist. Hiroshi muss von vorne anfangen.

Aber auch die Nanotechnologie hat ihre Tücken. Hiroshi überwindet in deren Entwicklung unvorstellbare Hürden. Die Details würden zu weit führen. Aber wieder einmal bauen seine „Kreaturen“ Mist: Sie entnehmen allen Fischen im Meer einen bestimmten Giftstoff – auf einmal mehren sich Meldungen von Fischsterben an allen Küsten. Bloß gut, dass alle Nanos einen Kill-Befehl verstehen.

Die folgerichtige Konsequenz aus diesen Fehlern lautet, dass sich der Schöpfer mit seinen Kreaturen vereinigen muss. Andere Menschen würden ihn nun nicht mehr als Menschen definieren, da er nun auf einer anderen Ebene existiert und anderen Parametern gehorcht. Diese Entfremdung hat verheerende Folgen für Hiroshi und seine Schöpfung. Die Menschheit wendet sich gegen ihn. Das ist höchst ironisch: Aus dem Möchtegern-Wohltäter ist ein Feind geworden, den es zu vernichten, zumindest aber auszubeuten gilt.

|Action|

Das zweifellos unterhaltsamste Kapitel gehört Charlotte. Im russischen Eismeer will sie mit ihrer Expedition ja eigentlich menschliche Fossilien suchen und insgeheim dem Ursprung einer lokalen Sage von einem schwarzen Teufel nachgehen, der einst auf die Erde gefallen sein und im „ewigen“ Eis gefangen sein soll. Nun, sie findet definitiv mehr als einen Teufel, nämlich eine verborgene Kolonie von Naniten. Als diese unerwartet ein Festmahl an Nähr- und Rohstoffen in Gestalt von Menschenkörpern geboten bekommen, entwickeln sie ein unheimliches Eigenleben …

|Jargon|

An einigen Stellen merkt man deutlich, dass Eschbach ein Software-Entwickler gewesen ist. Selbst im gekürzten Hörbuchtext wird noch Jargon verwendet, der Hörer, die nicht das Geringste von Software verstehen, vor erhebliche Verständnisprobleme stellen kann. Das ist von Supercomputern, Routinen und Prozeduren, von Programmcode und Kill-Befehlen die Rede – alles ganz gewöhnlicher Krempel für einen Entwickler, aber eine Hürde für Laien.

_Der Sprecher_

Als ausgebildeter Schauspieler weiß Koeberlin seine Stimme wirkungsvoll einzusetzen und die Sätze deutlich und richtig betont zu lesen. Er verleiht den beiden Hauptfiguren minimal unterschiedlichen Stimmlagen zu, lässt sie kichern und flüstern, besorgt klingen und schluchzen.

Koeberlin lässt aber insbesondere „Ausländer“ anders sprechen. Das funktioniert am besten mit den rauen Akzenten der Russen und der argentinischen Militärs. Aber auch die Amis kann man leicht heraushören. Vielfach werden die Stimmen der Militärs und Forscher durch Effektfilter verfremdet, so dass es einigermaßen realistisch klingt, wenn sie sich mit Hilfe von Sprechfunk usw. verständigen. Dann ist die jeweilige Stimme entsprechend verzerrt. Funksprüche klingen oft abgehackt.

Aber es gibt auch Zustände der Figuren, die sich nicht immer „normal“ klingen lassen. So hat etwa Charlottes Expeditionskamerad Morley schwere Probleme, das auf der Insel Gesehene und Erlebte zu verarbeiten. Er ist erst der Panik nahe, dann deliriert er. Der Sprecher könnte an dieser Stelle leicht albern klingen, kann es aber gerade noch vermeiden.

Zu meiner Freude hat sich Koeberlin in den letzten Jahren einige Sprachen angeeignet. Ganz besonders seine Aussprache des Spanischen ist makellos. Daher kann ich ihm sowohl eine unterhaltsame als auch kompetente Vortragsweise bescheinigen. Doch die Figuren zum Leben zu erwecken, gelingt ihm im Grunde nur bei den beiden Hauptfiguren. Das liegt aber daran, dass wir uns emotional mit ihnen identifizieren können, während die Kürzungen des Hörbuchs keine weiteren wichtigen Nebenfiguren zulassen.

|Musik|

Andy Materns musikalische Beiträge zeigen sich vor allem in den Intros und Outros, die auch am Ende jeder CD erklingen. Percussion, Synthigeiger und ein Bass bekommen einen dynamischen Klangteppich zustande, der immer wieder im Hintergrund für Spannung sorgen kann. Andere Instrumentalisierungen, etwa mit Flöte und Harfe, sorgen für Entspannung. Es ist dieser Wechsel, der die Dramaturgie des Plots unterhaltsam macht. Denn zuviel des einen wie des einen wäre ja langweilig.

Geräusche gibt es keine, daher brauche ich darüber keine Worte zu verlieren.

_Unterm Strich_

„Herr aller Dinge“ – ja, dies zu werden gelingt Hiroshi Kato in vollem Umfang. Dummerweise hat der Rest der Menschheit etwas dagegen, hat sie doch schon Schwierigkeiten, sich auf nur einen Gott zu einigen. Leider erweist sich Hiroshis Wohltäterschaft als zwar gut gemeint, aber schlecht gekonnt. Die Wirklichkeit hat entschieden etwas dagegen, sich verbessern zu lassen.

Folglich kann er seinen größten Erfolg nur im zwischenmenschlichen Bereich erzielen: Mit seinen gottähnlichen Kräften gelingt es ihm, einen Menschen von einer tödlichen Krankheit zu heilen (und dreimal darf man raten, um wen es sich handelt). Merke: Der einzige Preis, den die Menschen von einem Gott einfordern und akzeptieren, ist ein Opfer. Damit kennen sie sich selbst aus, und künftige „Götter“ sollten sich das hinter die Ohren schreiben.

Ich fand die ganze Geschichte faszinierend entworfen und stellenweise spannend geschildert, so etwa auf der russischen Eismeerinsel. Allerdings nimmt sich der Autor dort selbst auf die Schippe oder stellt sich ein Bein, weil er Anklänge an „Star Wars“ und „Superman“ zur Sprache bringt. Die „Festung der Einsamkeit“ ((http://de.wikipedia.org/wiki/Festung__der__Einsamkeit)) ist die Heimstatt von Supie himself, und wer sie zitiert, evoziert entsprechende Erlebnisse des Lesers / Hörers. Diese wirken jedoch ein wenig deplatziert. Ich mochte eben „Superman“ noch nie.

|SF-Vorbilder|

Dafür gibt es jedoch jede Menge Vorbilder in der Science-Fiction. Die wichtigsten sind wohl der Roman „Blutmusik“ von Greg Bear, in dem sich der Forscher-Schöpfer mit seinen Kreaturen vereint und ein transzendentes Wesen (sprich: Gott) wird; zum anderen die Maschinenwesen in Gregory Benfords CONTACT-Zyklus. Auf diese feindliche Zivilisation stoßen die menschlichen Expeditionen, die ihr Vorspiel in „Meer der Nacht“ erleben.

|John von Neumann|

Die Maschinenwesen können sich ebenso wie die Kleinroboter und Naniten, die Hiroshis erschafft, kopieren und vermehren. „Die Von-Neumann-Sonde ist ein hypothetisches Konzept für selbstreplizierende Raumschiffe, das auf der Idee der selbstreproduzierenden Automaten des Mathematikers John von Neumann beruht“, schreibt die Wikipedia korrekt. Solche Automaten können jede Form und Größe annehmen, versteht sich, ganz kleine ebenso wie ganz große. Hiroshi, der geniale Alleskönner, baut sie alle. (Wer mehr über Eschbachs Ansichten über Nanotechnologie wissen will, lese sein „Buch von der Zukunft“, das 2004 bei Rowohlt veröffentlicht wurde.)

|Die Aliens|

Größte Mühe hatte ich jedoch mit der Frage, warum Hiroshi Raketen ins All schießt. Im gekürzten Hörbuchtext wird dies nur minimal begründet. Welche Außerirdischen sollen die Raketen erreichen, wenn die Aliens keine bekannten Spuren hinterlassen haben? Genau diesen Punkt widerlegt die Handlung: Die Aliens waren – und sind! – schon da, nämlich auf der russischen Eismeerinsel.

Und von da ab werden die Dinge so verwickelt, dass ich auf das Buch beziehungsweise die vollständige Audio-Lesung in MP3-Format verweise. Jedenfalls bleibt einem die Spucke weg, wenn der Autor seine eigene galaktische Vision entwirft, die sich durchaus mit Entwürfen bei „Perry Rhodan“ messen kann. Eschbach hat ja mehrfach sowohl für diese größte deutsche SF-Reihe geschrieben als auch für sein Universum der „Haarteppichknüpfer“ groß dimensionierte Entwürfe geliefert. Mit seinem Entwurf begründet er, warum wir bzw. unsere Sonden und Teleskope bislang auf kein einziges Anzeichen von Leben gestoßen sind. Es wirkt wie leergefegt …

|Das Hörbuch|

Der Sprecher liest gewohnt gekonnt vor und erweckt zumindest die beiden Hauptfiguren zum Leben. Die Musik sorgt für Spannung und Entspannung. An einigen Stellen merkt man, dass der Autor mal Softwareentwickler war und sich mit vielen modernen Technologien bestens auskennt – siehe sein „Buch von der Zukunft“.

|8 Audio-CDs
Spieldauer: 574 Minuten
ISBN: 978-3-7857-4515-1|
http://www.luebbe.de

_Andreas Eschbach beim |Buchwurm|:_
[Ein König für Deutschland]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5856
[Der Nobelpreis]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2060
[Ausgebrannt]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3487
[Ausgebrannt – Hörbuch]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4942
[Black*Out]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6579
[Quest]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1459
[Quest (Lesung)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7931
[Die Haarteppichknüpfer]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1556
[Das Jesus-Video – Hörbuch]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=267
[Der letzte seiner Art]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1250
[Der letzte seiner Art – Hörbuch]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=317
[Eine Billion Dollar]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=653
[Solarstation (Lesung)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7803
[Exponentialdrift]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=187
[Das Marsprojekt – Das ferne Leuchten (Bd. 1)]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1102
[Das Marsprojekt – Die blauen Türme (Bd. 2)]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1165
[Das Marsprojekt – Die gläsernen Höhlen (Bd. 3)]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2484
[Das Marsprojekt – Die steinernen Schatten (Bd. 4)]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4301
[Das Marsprojekt – Die schlafenden Hüter (Bd. 5)]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5266
[Die seltene Gabe]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1161
[Perfect Copy]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1458
[Herr aller Dinge]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=8005

Isaac Asimov – Das galaktische Imperium (Foundation-Zyklus 4)

Isaac Asimov bemühte sich gegen Ende seiner Schaffenszeit, seine beiden großen Steckenpferde, die Robotergeschichten mit ihren Gesetzen der Robotik und die Geschichte der Menschheit mit der Foundation-Trilogie, zu einer zusammenhängenden, umfassenden Erzählung zu verknüpfen. »Das galaktische Imperium« wurde so zum vierten Band des erweiterten Foundation-Zyklus und bildet den endgültigen Übergang von den Robotergeschichten zur galaktischen Menschheitsentwicklung mit Hilfe der Psychohistorik.

Zweihundert Jahre nach Elijah Baleys letztem Fall auf Aurora, in dessen Verlauf er den Erdenmenschen einen neuen Anlauf für die Besiedlung der Galaxis ermöglichte, droht eine neue Krise: Die Spacer, die in ihrer von Robotern behüteten Zivilisation verharren, sehen ihre Macht über die Erdenmenschen durch die neuen Siedler bedroht, die allein durch ihre Masse zur Gefahr werden könnten. Der oberste Robotiker macht den hinterhältigen Plan eines seiner Kollegen zu dem seinen, der darauf abzielt, die Erde als Zentrum der Siedlerbewegung zu vernichten.

Inzwischen scheinen die Bewohner des letzten von Spacern besiedelten Planeten, die Solarianer, einen eigenen Plan zu verfolgen. Ihre Bevölkerung war schon immer die niedrigste aller Spacerwelten, und in dieser Krisenzeit haben sie ihren Planeten plötzlich verlassen.

Die bekannten Roboter Daneel und Giskard sehen sich vor die schwierige Aufgabe gestellt, nach den Gesetzen der Robotik zu handeln und die Menschen zu beschützen und gleichzeitig die Vernichtung der Erde durch Menschen zu verhindern. Sie als intelligenteste Roboter machen sich Gedanken um die Zukunft der gesamten Menschheit, was ursprünglich die Kapazität von Positronengehirnen übersteigt.

In typischer Weise entwickelt Asimov die Geschichte um seine Protagonisten, wobei diesmal ein deutlicher Schwerpunkt auf Daneel und Giskard und ihren inneren Konflikt zwischen ihren Erkenntnissen bezüglich der Menschheit und der Robotikgesetze gelegt wird. Es ist erstaunlich, über welchen Zeitraum (seiner Lebenszeit) und welchen Umfang (zehn, ursprünglich noch mehr, inzwischen zusammengelegte, Bände) er den großen Bogen spannt. Dass dem Leser dabei nicht langweilig wird, da er (in dieser Ausgabe nicht zuletzt wegen der wirren Veröffentlichungsstrategie des Verlags) die Romane wahrscheinlich nicht in chronologischer Reihenfolge gelesen hat und somit Details der Zukunft, auf die Asimov hinarbeitet, bereits kennt, ist ein Merkmal des Unterhaltungswerts der Geschichte und Asimovs Fähigkeit, spannende und verstrickte Abenteuer zu schreiben.

Ein wichtiger Punkt des Stils sind die langen Unterhaltungen, die einen Großteil der Geschichte ausmachen. Hier wird Stellung bezogen, Handlungen werden rückblickend dargestellt, neue Rätsel ausgestreut oder alte gelöst, und der Leser denkt mitunter zusammen mit den Protagonisten in die völlig falsche Richtung oder meint, Hintergründe noch vor ihnen durchschaut zu haben.

Geschickt flicht Asimov Fäden ein, die bereits in späteren Romanen gelöst wurden, und erklärt zum Beispiel, wie Daneel und Giskard zu ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten kommen. Bereits in vorangehenden Bänden wird angedeutet, dass nicht der geniale Hari Seldon (siehe Foundation Bände 7, 8) auf die Idee mit der Psychohistorik kam, sondern diese ein wichtiges Anliegen ursprünglich Giskards und ausgefeilter Daneels ist, wozu auch im vorliegenden Roman deutliche Grundsteine gelegt werden. Daneel, der durch Elijah Baley noch an dessen Sterbebett in Richtung Menschheit beeinflusst wurde (»ein einzelner Faden ist nichts im Gegensatz zum ganzen Gewebe«), schafft es sogar, sich selbst endgültig das Nullte Gesetz der Robotik einzuprogrammieren und es den ursprünglichen drei Gesetzen voranzustellen: Ein Roboter darf der Menschheit nicht schaden oder durch Untätigkeit zulassen, dass ihr Schaden widerfährt. Demzufolge wird die Unverletzbarkeit von Individuen der Abstraktion der Menschheit untergeordnet, was für den Einzelnen durchaus zur Gefahr werden könnte.

Es ist schwierig, darüber zu urteilen, aber ging Asimov vielleicht etwas zu weit, als er den Robotern die Macht zusprach, sich über die zum Schutz der Menschen eingesetzten Drei Gesetze hinwegzusetzen? Sollte es einem Roboter, und sei er noch so intelligent, zustehen, über die Zukunft der Menschheit zu entscheiden und damit vielleicht Einzelne zu gefährden? In dem Zusammenhang lässt er seine Roboter eine brisante Idee fassen:

[…] Wir müssen eine wünschenswerte Spezies formen und sie dann schützen, damit wir uns nicht wieder gezwungen sehen, zwischen zwei oder mehr unerwünschten Alternativen wählen (d.h. welcher unerwünschten Menschengruppe ihr Schutz gelten soll!) zu müssen. […] (Seite 492f)

Bei diesem Satz kann den Leser Unbehagen befallen, denn was wäre das für eine Menschheit, die nach den Wünschen von Robotern geformt ist? Ähnliches Unbehagen beschleicht einen ganz zum Ende des Zyklus, doch es soll nicht zu viel vorweggenommen werden.

Was den Roman gegenüber seinen Vorgängern so besonders macht, ist die gewisse Überlegenheit der Roboter gegen die Menschen; so spielte Daneel in den Bänden Foundation 2 und 3 zwar eine wichtige Rolle, dominiert wurden die Geschichten aber von Elijah Baley. Jetzt, nach Baleys Tod, bemüht sich Daneel um die Denkweise der Menschen allgemein und der Baleys im Besonderen, um der Menschheit möglichst perfekt dienen und sie schützen zu können. Dabei wird er in seinen Gedanken, Gefühlen und seiner Handlungsweise immer menschlicher, und darum wirkt es auch menschlich tragisch, als er sich seiner Aufgabe endgültig allein gegenübergestellt sieht.
Ein den anderen Bänden ebenbürtiger Beitrag zum großen Foundationuniversum.

Der Foundation-Zyklus im Überblick

1. Meine Freunde, die Roboter
2. Die Stahlhöhlen
3. Der Aufbruch zu den Sternen
4. Das galaktische Imperium
5. Die frühe Foundation-Trilogie
6. Die Rettung des Imperiums
7. Das Foundation-Projekt
8. Die Foundation-Trilogie
9. Die Suche nach der Erde
10. Die Rückkehr zur Erde

Isaac Asimov – Der Aufbruch zu den Sternen (Foundation-Zyklus 3)

„Der Aufbruch zu den Sternen“ ist die direkte Fortsetzung der Ermittlungsromane um Elijah Baley und R. Daneel Oliwav, mit denen Asimovs „Foundationzyklus“ seinen Anfang nimmt, lässt man die Robotergeschichten ein bisschen außen vor. In diesen Romanen wird der Grundstein zur Foundation-Trilogie gelegt, die weltweite Berühmtheit erlangte. Im vorliegenden Roman findet erstmals das Konzept der „Psychohistorik“ Erwähnung, überraschend ist allerdings der Ursprung dieser Idee.

Aufbruch oder nicht?

Auf der Erde trainieren mutige Menschen unter Baleys Leitung den Aufenthalt im Draußen, unter freiem Himmel, fern der überkuppelten Stahlhöhlen. Baley selbst, der durch seine Ermittlungserfolge bei den Spacern große Sprünge auf der Karriereleiter machte (s. „Die Stahlhöhlen“) und dessen Taten durch hollywoodartig übertriebene Vorführungen berühmt wurden, muss eine weitere Ermittlung aufnehmen. Diesmal verschlägt es ihn nach Aurora, der ersten durch Menschen besiedelten Welt, auf der Dr. Fastolfe (Konstrukteur und Entwickler des humaniformen Roboters Daneel) in politische und gesellschaftliche Bedrängnis geriet.

Er ist Befürworter eines Plans, nach dem die weitere Besiedlung der Galaxis durch Erdenmenschen mit Hilfe der Spacertechnik erfolgen soll, da sie weitgehend unabhängig von Robotern sein können, im Gegensatz zu den Spacern selbst, die die Galaxis durch Roboter erschließen lassen wollen, um sich ins gemachte Nest zu setzen. Jetzt wird ihm zur Last gelegt, einen zweiten humaniformen Roboter zerstört zu haben, um damit die Bestrebungen seiner politischen Gegner zu sabotieren.

Mit seinem politischen Ende wäre der Traum der Menschen um Baley, die Erde zu verlassen, ausgeträumt. Es liegt also alles an ihm, durch geschickte Ermittlung die Unschuld Fastolfes zu beweisen.

Isaac Asimov ist zweifellos einer der bedeutendsten Science-Fiction-Schriftsteller aller Zeiten, wird oft sogar als der bedeutendste bezeichnet. Seine wichtigsten Hinterlassenschaften finden sich in den Drei Gesetzen der Robotik und in der Foundation-Saga, in deren Verlauf er den Weg der Menschheit ins All und ihr dortiges Bestehen schildert. Asimov wurde 1920 in der Sowjetunion geboren und verstarb im April 1992 in den Vereinigten Staaten.


Das Zwei-Wege-Rätsel

Der typische Stil Asimovs führt in diesem Roman, so man bereits etwas von Asimov gelesen und sich mit seinem Stil bekannt gemacht hat, schon auf der Anreise auf Aurora zur Ahnung einer Erkenntnis, die entscheidend für die Geschichte ist. Wie ist es möglich, dass der offensichtlich alte und überholte Roboter Giskard, der trotzdem ein Favorit des Robotikers Fastolfe ist, und der zusammen mit dem überragenden humaniformen Roboter Daneel zur Erde reist, um Baley abzuholen, eine konkrete Gefahr für den Geist Baleys vor Daneel bemerkt und eingreift, obwohl er sich im Gegensatz zu Daneel nicht mit Baley in einem Raum befindet? Es ist nicht nur diese Situation, die auf eine besondere Fähigkeit Giskards schließen lässt. Schrittweise führt Asimov den Leser an die offensichtliche Erkenntnis heran, die bereits in den ersten Kapiteln möglich ist – aber nur, da dem erfahrenen Leser klar ist, dass Asimov keine für die Geschichte irrelevanten Details einbringt, sondern sich so klar wie kaum jemand sonst an der Linie seiner Erzählung hält. Natürlich umfasst das auch Verwirrungsstrategien, denen der Leser wie auch der Protagonist erliegt und auf falsche Fährten gelockt wird.

Die Lösung des Rätsels gelingt Baley schließlich auf eine Art, die nicht vorhersehbar ist, und damit gelingt Asimov wieder eine Wendung, die selbst jene Leser überrascht, die den oben angesprochenen Aspekt der Geschichte früh durchschaut haben, oder zu haben glaubten. Bei der Lösung lässt Asimov nämlich die Frage, wer den zweiten humaniformen Roboter zerstört hat, in den Hintergrund treten und hangelt sich stattdessen an den eigentümlichen gesellschaftlichen Eigenschaften der Auroraner im Gegensatz zu jenen der Erdenmenschen entlang, bis es Baley gelingt, Fastolfe auf diese Art zu entlasten. Hier könnte man enttäuscht sein, würde das doch bedeuten, dass es zu einem Stilbruch gekommen wäre und der mitdenkende Leser seinen Erfolg nicht zu greifen bekommt. Aber selbstverständlich gibt sich Baley nicht nur mit der Lösung des Falls zufrieden, sondern sucht nach eben jener Erkenntnis, die Asimov tröpfchenweise in die Geschichte träufelte und die so wichtig ist für den Zusammenhang mit der Foundation-Trilogie und der Psychohistorik.

Hier wirft sich nämlich eine weitere interessante Frage auf, die keine direkte Beziehung zur Lösung des Falles Fastolfe hat: Wie kommt es zur Entstehung des Begriffs „Psychohistorik“ Jahrtausende vor dem genialen Hari Seldon, der die psychohistorische Mathematik entwickeln und den Begriff prägen wird? Es ist erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit Asimov dieser Brückenschlag zu fallen scheint, ein in unserer realen Zeit Jahrzehnte umfassender Brückenschlag zwischen diesen wichtigen Werken, die er erst später zu einem zusammenhängenden Zyklus zusammenstellte und kleine Lücken mit mehr oder weniger großem Geschick füllte (siehe „Das Foundation-Projekt“).

Fazit

Die beiden wichtigsten Aspekte des Romans (im Gesamtbild des Foundation-Zyklus) stehen nur bedingt mit der Lösung in Zusammenhang, aber direkt im Interesse Baleys, so dass es Asimov trickreich gelungen ist, eine spannende und sehr unterhaltsame Geschichte zum Träger einer wichtigen Idee zu machen. Was fast alle seiner Geschichten mit sich bringen, kommt in dieser sehr stark zum Tragen: die Möglichkeit für den Leser, seinen eigenen Gehirnschmalz mit einzusetzen und die Lösungsschritte Baleys entweder nachzuvollziehen oder vorwegzunehmen. Dieser Roman macht richtig Spaß!

Der Foundation-Zyklus

Meine Freunde, die Roboter
Die Stahlhöhlen
Der Aufbruch zu den Sternen
Das galaktische Imperium
Die frühe Foundation-Trilogie
Die Rettung des Imperiums
Das Foundation-Projekt
Die Foundation-Trilogie
Die Suche nach der Erde
Die Rückkehr zur Erde

Isaac Asimov – Das Foundation-Projekt (Foundation-Zyklus 7)

Aus Isaac Asimovs großem Foundation-Zyklus liegt uns mit „Das Foundation-Projekt“ der siebente Band vor. Es ist der direkte Vorgänger der berühmten „Foundation-Trilogie“, die gleichsam Ursprung und wichtigstes Werk des Zyklus‘ ist. Im Foundation-Projekt lässt Asimov uns den Weg des großartigen Mathematikers Hari Seldon verfolgen, seinen Lebensweg und seine Entwicklung der Psychohistorik, durch die er der Menschheit den Weg aus dem Chaos nach dem Fall des Trantorschen Imperiums ebnen will.

Isaac Asimov wurde in der Sowjetunion geboren und emigrierte mit seinen Eltern in die USA, wo er neben seinem Studium der Chemie bereits Science-Fiction-Erzählungen schrieb und veröffentlichte. Besondere Steckenpferde waren ihm seine Erzählungen um die Roboter und ihre Psychologie sowie der große Entwicklungsbogen um die Zukunft der Menschheit; beide verband er schlussendlich in dem zehnbändigen „Foundation-Zyklus“, der somit als sein großes Werk angesehen werden kann. Asimov starb im April 1992.
Weitere Infos: http://www.asimovonline.com.

DER FOUNDATION-ZYKLUS
1. Meine Freunde die Roboter
2. Die Stahlhöhlen
3. Der Aufbruch zu den Sternen
4. Das galaktische Imperium
5. Die frühe Foundation-Trilogie
6. Die Rettung des Imperiums
7. Das Foundation-Projekt
8. Die Foundation-Trilogie
9. Die Suche nach der Erde
10. Die Rückkehr zur Erde

Hari Seldon arbeitet als Mathematikprofessor an einer Universität auf und in Trantor, der Hauptwelt und –stadt des Imperiums. Vor einigen Jahren hielt er einen übereifrigen Vortrag über seine Idee der Psychohistorik – einem mathematischen Modell zur Berechnung menschlicher Handlungen, nur anwendbar auf sehr große Gruppen, vergleichbar mit den physikalischen Gesetzen der Thermodynamik. Er wurde verlacht, nur Kaiser Cleon I. und sein Kanzler Demerzel (hinter dem sich der Roboter Daneel Oliwav verbirgt – was für eine Überraschung!) interessieren sich vorerst für seine Ansätze, könnte damit doch die Zukunft vorhergesagt und das bereits zerfallende Imperium gerettet werden!

Entgegen vielerlei Gefahren und politischen Attentaten, treibt Seldon seine Forschungen voran und entwickelt dabei mit Hilfe eines Teams die Geräte und die Mathematik, die später von der Zweiten Foundation benutzt werden würden. Gerade seine Enkeltochter entpuppt sich als erste Kandidatin für die zweite Foundation, die mit geistigen Kräften über die erste Foundation wachen soll. Das Projekt steht in den Startlöchern, Seldon ist mittlerweile uralt und hat alle seine Freunde und Verwandten überlebt, abgesehen von seiner Enkelin und ihrem Partner, Stettin Palver.

Dieser siebente Band des Zyklus stellt den Auftakt zur Foundation-Trilogie dar, die viele Jahrzehnte früher geschrieben wurde. Das Foundation-Projekt erschien erstmals im Jahre 1991, wohl als letzter Baustein des großen Zyklus. Man merkt ihm leider auch an, dass er eine Lücke füllt und das Geheimnis um den mysteriösen Entwickler der Psychohistorik lüftet. Die Handlung ist durchdacht und in Asimov-typischem Stil geschrieben, aber gewisse Details (wie die Anwesenheit von Daneel und anderer Roboter) lassen den Roman überladen wirken.

Stettin Palver ist tatsächlich ein Urahn von Preem Palver, der im Laufe der Trilogie eine wichtige Tat zur Rettung des Projekts vollbringt. Somit konnte es Asimov auch hier nicht lassen, Anspielungen auf seine „früheren“ Romane (die zeitlich später spielen) anzubringen. Daneel Oliwav, der Roboter, der bereits in den ersten Agentenromanen um die Entwicklung der Menschheit auftritt (siehe: Die Stahlhöhlen), hat ein kurzes Gastspiel und offenbart schon Fähigkeiten, die erst im zehnten Band ihre Erklärung finden (siehe: Die Rückkehr zur Erde). Insgesamt wirkt der Roman deutlich konstruiert, und mit seiner Entmystifizierung von Seldon hat Asimov dem großen Ganzen keinen Gefallen getan. Die einzelnen Romane bleiben für sich spannend, aber schließlich bleiben so gut wie keine Fragen mehr offen, die zu jenem universellen Gefühl führen könnten, das man allgemein als „sense of wonder“ bezeichnet (und das leider viel zu oft auch sinnentfremdet Verwendung findet).

Empfehlenswert ist, die Foundation-Trilogie und die beiden Folgeromane in Reihenfolge zu lesen und zu genießen, außerdem bieten die ersten Bände um die Roboter und die Agentengeschichten bis mindestens zur „Frühen Foundation-Trilogie“ hervorragende Unterhaltung. Band 6 „Die Rettung des Imperiums“ kann ich nicht beurteilen, da es leider vergriffen ist, aber den vorliegenden Band 7 sollte man nur lesen, wenn man nicht von Asimov lassen kann und der künstlich zusammengestellten Reihe vollständig folgen will. „Das Foundation-Projekt“ ist zweifellos ein unterhaltsames Buch, aber durch Asimovs zwanghafte Versuche, sein Werk in eine Form zu pressen, verliert es durch seine künstliche Konstruktion und die Überladung mit Anspielungen ein nicht unerhebliches Maß an Reiz.

Isaac Asimov – Die frühe Foundation-Trilogie

Isaac Asimov ist zweifellos einer der bedeutendsten Science-Fiction-Schriftsteller aller Zeiten, wird oft sogar als der bedeutenste bezeichnet. Seine wichtigsten Hinterlassenschaften finden sich in den Drei Gesetzen der Robotik und in der Foundation-Saga, in deren Verlauf er den Weg der Menschheit ins All und ihr dortiges Bestehen schildert. Asimov wurde 1920 in der Sowjetunion geboren und verstarb im April 1992 in den Vereinigten Staaten.

Der Sammelband „Die frühe Foundation-Trilogie“ umfasst die drei eigenständigen Romane Ein Sandkorn am Himmel (OT: Pebble in the sky), Sterne wie Staub (OT: The stars, like dust) und Ströme im All (OT: The currents of space), die thematisch nur grob über die Entwicklung der galaktischen Zivilisation der Menschheit zusammenhängen. Der damit verbundenen Entwicklung speziell der Erde als Ursprungsplaneten widmet Asimov über den gesamten Zyklus ein besonderes Augenmerk; interessant zu verfolgen ist gerade in dem vorliegenden Band, wie sie sich vom Außenseiter zur anerkannten Mutterwelt verwandelt und schließlich weitgehend in Vergessenheit gerät.

„Ein Sandkorn am Himmel“ beschreibt den ersten Teil dieser Entwicklung: Die Erde ist der unbeliebteste Posten für die Statthalter des galaktischen Imperiums, da die Welt radioaktiv verseucht ist, bis auf wenige Zonen. Der Ursprung dieser Radioaktivität ist unbekannt, man rätselt schon lange, wie sich die Siedler auf dieser Welt behaupten können und warum sie überhaupt besiedelt wurde, im Gegensatz zu einigen anderen bekannten strahlenden Planeten der Galaxis, die völlig uninteressant, da zu gefährlich für potenzielle Siedler und das gesamte Imperium sind.

Die Geschichte beginnt mit der unerklärlichen Versetzung eines Mannes unseren Zeitalters in die Zukunft, hervorgerufen anscheinend durch ein überraschend fehlgeschlagenes Experiment mit Uran, in dessen Verlauf ein merkwürdiger Lichtstrahl das Labor durchlöchert und den Mann erfasst. Er erwacht in einer Zukunft, deren Sprache nur noch rudimentär mit dem Englisch verwandt ist. Die kleine Bevölkerung der Erde wird lokal diktatorisch regiert; der imperiale Statthalter hat zwar das letzte Wort, aber er hält sich normalerweise aus den internen Angelegenheiten heraus. Hier wird der Zeitreisende von einer Rebellenpartei einer Gehirnaktivierung unterzogen, die seine Lernfähigkeit enorm steigert, aber auch andere, unbekannte Regionen seines Geistes erweckt. Er wird zu einem Gejagten aller Parteien.

Zeitgleich landet ein imperialer Archäologe auf der Erde, der die Theorie vertritt, die Erde sei die Ursprungswelt der Menschheit. Gegen alle Widerstände sucht er hier nach Beweisen, doch seine rein wissenschaftliche Suche verwickelt sich bald mit der emotionalen Jagd nach dem Fremden und einer Liebe mit einer Einheimischen, einer ‚Primitiven‘, was die Erdenmenschen (allein das ist ein galaktisches Schimpfwort!) in den Augen der Galaktiker sind.

Strukturierte Erzählstränge

Asimov ist bekannt für seinen absoluten Logikanspruch in seinen Geschichten. Wenn man also einen seiner Romane liest, kann man sicher sein, dass kein Detail überflüssig ist, sondern alles einen erzählerischen Zweck erfüllt. Der Zeitreisende und seine Gehirnaktivierung führen zu einer neuen geistigen Fähigkeit, die später im Foundationzyklus noch eine große Rolle spielt – eine Art von Empathie, die sich zumindest in diesem frühen Roman noch weiterentwickelt, so dass der Betreffende nicht nur Stimmungen und Gefühle seiner Mitmenschen wahrnehmen kann, sondern ihre echten Gedanken erkennt. Außerdem entwickelt er die Möglichkeit, geistige Kontrolle über mindestens einen Gegner ausüben zu können – für den Handlungsverlauf eine unverzichtbare Fähigkeit.

Der imperiale Archäologe bereitet mit seiner selbst attestierten Vorurteilslosigkeit den Weg für die Zusammenführung der Geschichte, so dass sich alle Protagonisten treffen und gemeinsam in die Hände des Gegners fallen. In der typischen kriminalistischen Gegenüberstellung von ‚Guten‘ und ‚Bösen‘, in der viele von Asimovs Geschichten münden, behält überraschend der Gegner die Oberhand – aber es wäre ja kein Asimov ohne eine rettende Tat mit folgender logischer Überführung des Antagonisten.

Ungereimtheiten und ihre Erklärung

Asimov entschuldigt sich in der ihm eigenen selbstbewussten Art und Weise in einem Nachwort beim Leser für die überholte und widerlegte Vorstellung von Radioaktivität, auf der sein Roman aufbaut. Die Radioaktivität verursacht auf der Erde ein bläuliches Leuchten, das man nachts erkennen kann. Dabei sind die hier lebenden Menschen nicht gefährdet (im Gegensatz zur gängigen Meinung des Imperiums dazu), da die Radioaktivität ‚zu gering‘ ist. Ohne diese Darstellung (also mit unserem heutigen Allgemeinwissen) funktioniert die Geschichte nicht mehr, also lässt Asimov uns die Wahl: Lesen und Genießen oder es lassen.

Die Versetzung des Menschen aus der Vergangenheit in die aktuelle Romangegenwart ist ein wichtiges Detail für die Handlungsauflösung und daher unverzichtbar. Asimovs chemische Erklärungsversuche verleihen dem Ganzen einen mystischen Beigeschmack, eigentlich ganz entgegen seiner sonstigen Erzählweise. Auch hier steht die Unkenntniss der Wirkung von Radioaktivität als Entschuldigung.

Ein letzter Punkt: Wie wir im übernächsten Teil (Ströme im All) sehen werden, existiert das Galaktische Imperium zu dieser Handlungszeit noch gar nicht. Drücken wir ein Auge zu und ersetzen ‚galaktisch‘ durch ‚trantoranisch‘, wie das aufstrebende Imperium der Hauptwelt Trantor später genannt wird.

Das Ziel

Für die irdische Bevölkerung rückt das hohe Ziel, in der galaktischen Gesellschaft als Urspung der Menschheit anerkannt zu werden, in greifbare Nähe. Das Imperium verspricht, durch Mutterbodenlieferungen und Transportmöglichkeiten die Erde von ihrem radioaktiven Mantel zu befreien und langsam wieder eine normale Welt zu schaffen. Der erste Schritt scheint getan, und damit kommen wir zum zweiten Abschnitt:

„Sterne wie Staub“

Biron ist der Protagonist, ein 23-jähriger Student, der auf der Erde studiert (die immer noch radioaktiv ist). In der Nacht überlebt er einen Anschlag auf sein Leben, in den folgenden verwirrten Stunden lässt er sich von einem Mann, den er gar nicht richtig kennt, auf eine merkwürdige Mission schicken. Sein Vater, ein wichtiger Planetengutsherr in einem kleinen, von den Tyranni (Bewohner des Planeten Tyrann) beherrschten Sternenreich, wurde von eben jenen Tyranni hingerichtet, da er in Verbindung mit einer rebellischen Untergrundorganisation gebracht wurde. Biron soll sich von einem schwächlichen Fürsten, der völlig unter dem Einfluss der Tyranni steht, seinen Erbtitel bestätigen lassen.

Mit der Tochter des Fürsten und dessen geistesschwachen Bruder gelingt Biron nach seiner Festnahme durch die Tyranni die Flucht. Er sucht jetzt nach dem geheimen Stützpunkt der Rebellen, um sich ihnen anzuschließen.

Täuschungen

Nicht nur den Gegner täuscht Biron mit seinen Handlungen, sondern auch den Leser, und zwar ganz gewaltig. Aber er ist nicht der einzige, denn jeder der Protagonisten hat entweder etwas zu verheimlichen oder versucht, sein Leben bestmöglich zu gestalten, indem er jedem Mit- oder Gegenspieler etwas vorspielt. Die Vorwürfe Birons gegen jenen Mann, der ihn von der Erde in die Hände der Tyranni schickte, wirken zu offensichtlich, als dass sie in dieser Intrigengeschichte wahr sein könnten. Trotzdem bleiben die Zweifel.

Biron ist natürlich der starke, große, schöne Protagonist (die einzige Schwäche in Asimovs Geschichten), der schlau und logisch zum Ziel vordringt. Dass er dabei sogar seine neue Geliebte vor den Kopf stößt, sie sogar in die Arme des Feindes treibt, um diesen zu einem Fehler zu veranlassen, macht ihn ein bisschen unsympathisch, aber im Endeffekt findet auch die Liebe ihren Platz.

Die größte Täuschung gelingt Asimov in Bezug auf ein ‚wichtiges Dokument‘, das von der Erde entwendet wurde und von dem anscheinend niemand mehr weiß, als dass es der Tyranniherrschaft ein Ende setzen könnte. Nun denkt jeder an irgendein geheimes Wissen, an eine Waffe oder eine Schwachstelle der Tyranni. Aber wie sollte die alte Erde (also unsere Welt in unserer Zeit!), völlig rückständig in ihren technischen Möglichkeiten, den Tyranni gefährlich werden können? Asimov entwarf mit dem Foundationzyklus eine Zukunft, in der nur Menschen die Galaxis bevölkern, eine Zukunft, die nur auf einem uns völlig utopisch erscheinenden technologischen Niveau basieren kann, die aber trotzdem von den allzu menschlichen Machtbestrebungen jeglicher Regierungen gezeichnet ist. Uns, oder zumindest die Amerikaner, hebt er soziologisch über die Menschen seines Galaktischen Imperiums, die demnach in dieser Hinsicht äußerst rückständig sind.

Das geheimnisvolle Schriftstück soll den Keim einer neuen Freiheit für die Unterdrückten der Tyranni und womöglich auch für die gesamte Galaxis bergen. Es handelt sich um die Verfassung der Vereinigten Staaten.

„Ströme im All“

Eine unabhängige Gesellschaft widmet sich der Erforschung der Materieströmungen im All. Einer ihrer eigenbrötlerischen Forscher entdeckt eine Gefahr für einen wichtigen Planeten und dessen Bewohner, wird jedoch bei seiner Warnung nicht für voll genommen, sondern ‚psychosondiert‘ (eine Psychosonde zerstört bestimmte, einstellbare geistige Ströme und ermöglicht dem Einsetzenden die Kontrolle über den Sondierten). Dabei verliert er mehr als erwartet, wird zu einem lallenden Idioten, dessen beschädigte Hirnregionen sich nur langsam erholen.

Der bedrohte Planet ist der einzige Ort in der Galaxis, wo eine bestimmte, sehr wertvolle und wichtige Naturfaser für alle Bereiche des Lebens und der Technik geerntet werden kann. Seine Bevölkerung wird von einem anderen Planeten unterdrückt und ausgebeutet, der damit die Preise dieser Naturfaser auf dem galaktischen Markt bestimmen kann. Die Gesellschaft, der jener Forscher angehört, vermisst natürlich ihren Mann und gewinnt das Interesse des trantoranischen Botschafters, der sich naturgemäß für diese wichtige Rohstoffquelle interessieren muss. Sie kommen einem Komplott auf die Spur, das nicht nur den Planeten bedroht. Darüber aber schwebt die Nachricht, der Planet stünde vor der Vernichtung.

Theorien

Die Geschichte fußt auf Asimovs Theorie, die Kohlenstoffströme im All würden in einer bestimmten Situation bei Sonnen Supernovae auslösen. Ein wenig Enttäuschung klingt aus seiner Entschuldigung im Nachwort, als wieder einmal eine seiner Theorien widerlegt wurde, die aber Grundlage für eine seiner Geschichten ist.

Der arme Psychosondierte ist in der Hand eines einzelnen Rebellen, der nichts für seine Theorie (der Planetenzerstörung) übrig hat, mit ihrer Hilfe aber versuchen will, sein Volk von der Unterdrückung zu befreien, indem er über diese Theorie Panik verbreiten und für einen Produktionsabfall sorgen will, um den ‚Herrschern‘ Bedingungen stellen zu können oder Trantors Aufmerksamkeit zu erregen.

Auch hier kommt es wieder zu einem ‚Showdown‘ der Worte, der in einem unerwarteten Ergebnis mündet.

Hier haben wir mal einige etwas Asimov-untypische Protagonisten: Den geistig verwirrten Forscher, der auch vorher schon etwas gestört war, da er auf der gefährlichen, radioaktiv verseuchten Erde geboren wurde und nun vor allen Planetenoberflächen Angst hat, sich also nur noch in einem Raumschiff wohl fühlt – übrigens kennt niemand der anderen eine Welt im Sirius-Sektor mit Namen Erde, nur der trantoranische Botschafter erinnert sich schwach an eine dortige radioaktive Welt. Von ‚Ursprungsplanet‘ ist schon lange keine Rede mehr, zumindest nicht unter den außerirdischen Galaktikern. Die Erde selbst kapselt sich immer weiter ab -; die grobe, bäuerliche Freundin, die den Forscher aufnimmt und pflegt; der Sitzriese mit den kurzen Beinen, oberster Herrscher und Unterdrücker des ertragsreichen Planeten, den nur seine engsten Diener (psychosondiert) und seine Tochter ohne Schreibtisch als Schutz zu Gesicht bekommen. Dadurch wird der Geschichte mehr Farbe verliehen, es irritiert aber auch etwas, wenn man gewohnt ist, den Protagonisten schon an seiner Beschreibung zu erkennen. Tatsächlich gibt es hier keinen überlegenen Helden, sondern die Menschen handeln einigermaßen gleichberechtigt.

Im Ganzen

„Die frühe Foundation-Trilogie“ ist sehr lesenwert. Der große Zusammenhang, in den Asimov seine Geschichte der Menschheit auf ihrem Weg zur galaktischen Menschheit schließlich stellen wird, zeichnet sich bereits ab (ist natürlich eigentlich schon völlig klar, wenn man die Foundation-Trilogie und die beiden Folgebände „Auf der Suche nach der Erde“ und „Die Rückkehr zur Erde“ kennt, aber über Asimovs Erzählungen vermittelt, gewinnt die große Geschichte ein kribbelndes Format).

Besonders schön ist die garantierte spannende Unterhaltung in diesen Bänden des großen Foundation-Zyklus, besonders zu kritisieren ist nichts. Seine kleine Schwäche in der Beschreibung seiner Protagonisten ist ihm leicht zu verzeihen, zumal es für die meisten Lösungen auch einer besonderen Kombinationsgabe bedarf, die diesen Menschen zu Eigen ist. Natürlich müssten sie dazu nicht besonders groß, besonders stark, besonders sexy sein, aber schaden tut das auch nicht, da sie dadurch guten Zugang zu Menschen haben, deren Verhaltensweisen oftmals Ansatzpunkte zur Lösung bieten.

Isaac Asimov – Die Rückkehr zur Erde (Foundation-Zyklus 10)

Golan Trevize wurde von Gaia, dem komplexen Planetenorganismus mit starken mentalistischen Fähigkeiten, dazu ausersehen, das Schicksal der Galaxis zu bestimmen. Gaia erkannte in Trevize die Fähigkeit, ohne ausreichende Daten die richtigen Schlüsse zu ziehen, was ihn geradezu prädestiniert, intuitiv zwischen den verschiedenen Möglichkeiten zu entscheiden: Dem zweiten Imperium nach Vorstellung der Foundation oder der zweiten Foundation, die im Hintergrund die Fäden ziehen würde, oder einem galaxisweiten Superorganismus nach Gaias Vorbild, ein Galaxia, ein allumfassendes Wesen, in dem der Mensch als Individuum keine Rolle mehr spielen wird, sondern jedes Wesen Teil des Ganzen wäre.

Trevize entschied sich für Galaxia, doch vertraut er selbst nicht auf seine von Gaia erkannte Fähigkeit, sondern will wahrhaftig wissen, warum er sich so und nicht anders entschied, da ihm persönlich die Vorstellung, alle Individualität aufgeben zu müssen, nicht erstrebenswert erscheint. Doch mit der gleichen Intuition, die ihn zu dieser Entscheidung trieb, weiß er, dass er die Gewissheit nur auf der Erde, dem vergessenen Ursprungsplaneten der Menschheit, erhalten wird. Also setzt er seine Suche nach der Erde mit dem gravitischen Raumschiff der ersten Foundation fort, begleitet weiterhin von Dr. Pelorat, dem Mythologen und Historiker, und Wonne, einem menschlichen Teil Gaias, die mit ihren durch Gaia vermittelten Fähigkeiten für Trevizes Sicherheit sorgen soll. Da sie immer mit Gaia in Verbindung steht, erfährt Gaia gleichzeitig den Fortschritt der Suche.

Trevize ist der Überzeugung, irgendwo in den gigantischen Bibliotheken der galaktischen Menschheit müssten sich Hinweise auf die Erde finden, da fast jeder Planet mit Mythen und Legenden um diese Welt aufwarten kann. Durch Gendibal, den Sprecher der zweiten Foundation, erfuhr er, dass selbst auf der Hauptwelt des ersten Imperiums alle Informationen über die Erde entfernt wurden, und das unter den Augen der Mentalisten von der zweiten Foundation, was auf eine größere Macht hindeutet. Die Hinweise der Mythen über die Erde, die in allerlei Variationen von einer unerreichbaren, radioaktiven Erde erzählen, überzeugen den ehemaligen Ratsherr Trevize endgültig: Jemand oder etwas von der Erde versucht, ihre Existenz zu verheimlichen – mit mächtigen Mitteln.

Nur auf den verbotenen Welten der ersten Siedlungswelle, den fünfzig Planeten der so genannten Spacers, finden sich vergessene oder übersehene Informationen, die Trevize und seinen Begleitern einen mühseligen Weg in Richtung Erde zeigen. Unterstützt durch den fortschrittlichen Computer des Raumschiffs scheint das Ziel endlich erreichbar zu sein …

Mit dem vorliegenden Roman bringt Asimov seinen Zyklus um die Foundation zu einem fulminanten Abschluss. Schon im vorhergehenden Band „Die Suche nach der Erde“ versuchte er einen Ringschluss mit einigen seiner früheren Werke, indem er die bisher im Foundation-Universum gänzlich fehlenden Roboter behutsam erwähnte. Diese Maschinenintelligenzen und eine großartig angelegte Geschichte der galaktischen Menschheit bilden einen wichtigen Punkt im Hintergrund des Abschlussromans. Mit den zwei Siedlungswellen der Spacers und Settlers wirft er einen Blick zurück und bindet weitere Ideen in das Universum ein, wie auch die Ansatzpunkte der Stahlhöhlen (hier noch in Mythen und Legenden verankert) oder die Radioaktivität der Erde. Auch der Lenker im Hintergrund, der Überroboter Daneel Olivav, stellt eine Anekdote der Vergangenheit und ein Verbindungsglied zu früheren Werken dar, so dass Asimov tatsächlich ein geschlossenes Werk seiner Eroberung des Weltraums schafft.

Asimov ist bekannt für sein Bestreben, jede Geschichte in absoluter Logik zu entwickeln. In Golan Trevize fand er einen herrlich passenden Protagonisten für diese seine Leidenschaft, über ihn konnte er die verschiedenen losen Enden des großen Zyklus’ verknüpfen und die angelegten Rätsel befriedigend entwirren. Obwohl Trevize dadurch manchmal wie ein Übermensch oder antiker Held wirkt, ist er nicht ohne menschliche Schwächen und dadurch durchaus sympathisch. Vielleicht merkte Asimov erst nach dem Ende des Vorgängerromans, welche Probleme ein Galaxia für die Individualität bedeuten würde, vielleicht war aber die Lösung durch die Rückkehr bereits geplant. Jedenfalls greift er genau diesen Punkt mit den ersten Worten des Romans auf und widmet die Geschichte einer befriedigenden Lösung. Ob die Lösung, die er ansteuerte, wirklich befriedigend ist, mag jeder für sich entscheiden, logisch ist sie allemal.

Mit dem 0. Gesetz der Robotik schiebt Asimov einen Punkt nach, der einige Probleme in der Robotpsychologie hervorruft oder auch eindeutiger löst. Hier hätte seine Psychologin Susan Calvin sicherlich ihre Freude gehabt: Ein Roboter darf der Menschheit keinen Schaden zufügen oder durch Untätigkeit zulassen, dass ihr Schaden widerfährt. Die drei anderen Gesetze müssen entsprechend abgestuft werden. Ist das wirklich wünschenswert? Mit diesem Gesetz, das die Roboter selbst entwickelten, können sie sich zur Unabhängigkeit von einzelnen Menschen entwickeln, je nach Auslegung. Daneel geht sogar so weit, sein Jahrtausende altes Gehirn mit dem eines Menschen zu verschmelzen, der unabhängig von den Robotergesetzen ist, um eben diese Gesetze umgehen zu können (natürlich zum Wohl der ganzen Menschheit!).

Gaia ist eine durch Roboter entwickelte Entität, das Ausbreiten dieses Wesens auf die Galaxis würde auch durch Roboter gefördert werden. Demnach wäre Galaxia eine künstliche Entwicklung nach Vorstellung der Roboter, die für die Sicherheit der Menschheit handeln und dabei die Individualität des Einzelnen hintanstellen. Trotzdem hat sich Trevize für diese Variante entschieden, und in diesem Buch gibt Asimov Antwort, warum.

Ganz in Asimovs typischem Stil gehalten, dominieren lange Dialoge den Roman. Mag er manchem Leser anstrengend oder gestelzt erscheinen, fasziniert mich diese Art der Erzählung und bietet mir Asimovs Gedanken und Ideen in Form wunderbarer Unterhaltung dar, die spannender nicht sein könnte. Die Geschichte um die Foundation kommt endgültig zu einem Abschluss, und mit den Anspielungen auf frühere Werke (die hinten im Buch als erweiterter Foundation-Zyklus aufgelistet sind) macht Asimov Lust auf mehr. Wer eintauchen möchte in die Welt der Psychohistorik und asimovschen Erzählweise, dem möchte ich die Foundation wirklich ans Herz legen. Allerdings muss erwähnt werden, dass „Die Rückkehr zur Erde“ nicht für sich allein steht, sondern den direkten Anschluss an „Die Suche nach der Erde“ bildet. Empfehlenswert ist der Einstieg mit der Foundation-Trilogie oder nach Asimovs Zusammenstellung mit dem Sammelband „Meine Freunde, die Roboter“.

Isaac Asimov ist einer der bekanntesten, erfolgreichsten und besten Science-Fiction-Schriftsteller, die je gelebt haben. Neben ihm werden oft Robert A. Heinlein und Arthur C. Clarke genannt. Asimov wurde 1920 in der Sowjetunion geboren und wanderte 1923 mit seinen Eltern nach New York aus. Seine erste Story erschien 1939. Zwischenzeitlich arbeitete er als Chemie-Professor in den USA, er schrieb neben seinen weltbekannten Romanen auch zahlreiche Sachbücher. 1992 verstarb er.

Zum Foundation-Zyklus

Meine Freunde, die Roboter
Die Stahlhöhlen
Der Aufbruch zu den Sternen
Das galaktische Imperium
Die frühe Foundation-Trilogie
Die Rettung des Imperiums
Das Foundation-Projekt
Die Foundation-Trilogie
Die Suche nach der Erde
Die Rückkehr zur Erde