Schlagwort-Archive: Rowohlt

Todd Ritter – Totennacht

Das geschieht:

Perry Hollow ist eine Kleinstadt im Hinterland des US-amerikanischen Staates Pennsylvania. Hier dient Kat Campbell als Polizeichefin, ein Posten, den vor ihr bereits Vater Jim innehatte. Unter den Fällen, die Campbell Senior nie hatte lösen können, gehört das spurlose Verschwinden des 10-jährigen Charlie Olmstedt in der Nacht des 20. Juli 1969 – der Nacht der ersten Landung von Menschen auf dem Mond.

Die Familie Olmstead hat den Verlust nie verkraftet; die Eltern trennten sich, Sohn Eric wurde ein bekannter Kriminalschriftsteller, der auf diese Weise mit den Geschehnissen fertigzuwerden versucht. Um die totkranke Mutter zu pflegen, kehrte Eric nach Perry Hollow zurück. Als sie gestorben ist, will er ihren letzten Wunsch erfüllen und Charlies Schicksal klären.

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Philip Kerr – Der Tag X

Das geschieht:

1960 geht der Wahlkampf der beiden US-Präsidentschaftskandidaten John F. Kennedy und Richard Nixon seinem Höhepunkt entgegen. Tom Jefferson interessiert sich wenig für Politik. Zwar arbeitet Mary, seine Ehefrau, als Wahlhelferin im Kennedy-Tross, doch das lässt ihn kalt. Das ist sein üblicher Gemütszustand, denn Tom ist ein Auftragskiller. Mary weiß von seinem Job und billigt ihn; die Eheleute konnten in Fernost (Mary ist Asiatin, Tom war im Koreakrieg) vom russischen Geheimdienst KGB rekrutiert werden und tragen jeder auf seine Weise dazu bei, den Kapitalisten möglichst viel Schaden zuzufügen.

Tom wird für den „Hit“ seines Lebens angeheuert: ein Attentat auf Fidel Castro, der auf der Insel Kuba die Macht an sich gerissen hat. Seither ist Kuba sozialistisch und Castro, „der Bart“, in den USA der Staatsfeind Nr. 1. Noch stärker hassen ihn jene, die lange Jahre gutes Geld in den Casinos und Lasterhöhlen der Insel gescheffelt haben, die nun verstaatlicht wurden: Die Mafia hat ein Vermögen verloren, und sie fackelt nicht lange: Der Bart muss weg, und Tom soll ihn abrasieren. Sam Giancana, der gefürchtete Boss der Mafia, setzt sich höchstpersönlich mit dem misstrauischen Attentäter in Kontakt: CIA und FBI arbeiten mit der Mafia und kubanischen Rebellen zusammen. Darüber hinaus ist die Mafia einen Deal mit dem Kennedy-Clan eingegangen: Sie wird JFK zum Wahlsieg verhelfen, und er wird im Gegenzug den Mob zukünftig in Ruhe lassen. Philip Kerr – Der Tag X weiterlesen

Lincoln Child – Nullpunkt

Das geschieht:

Mount Fear, ein längst erloschener Vulkan im unwirtlichen Norden des US-Staates Alaska, war bisher nur Namensgeber für eine Militärstation, die hier vor einem halben Jahrhundert erbaut wurde, um möglichst früh heimlich anfliegende Atombomber aus der Sowjetunion orten zu können. Der Kalte Krieg wurde von der globalen Erwärmung abgelöst, weshalb die alte Station nun von einem Team der „Northern Massachusetts University“ als Basis für ihre Forschungsarbeit genutzt wird. Finanziert wird diese Expedition vom Fernsehsender „Terra Prime“, denn im Zeitalter des Reality-TVs findet sogar die Alltagsarbeit von Wissenschaftlern Zuschauer.

Eine Sensation bahnt sich an, als im Inneren einer Lavaröhre der tief ins Eis gefrorene Körper eines urzeitlichen Wesens gefunden wird. Die Forscher tippen auf einen vor vielen Jahrtausenden umgekommenen Säbelzahntiger. Der Kadaver soll sorgfältig geborgen werden, aber die Wissenschaftler haben den Vertrag mit dem Sender nicht sorgfältig genug gelesen: Was sie fanden, gehört nunmehr dem Fernsehen und soll im Verlauf einer sorgfältig inszenierten Livesendung und noch vor Ort aus dem Eis geschmolzen werden. Lincoln Child – Nullpunkt weiterlesen

Jojo Moyes – Weit weg und ganz nah

Worum gehts?

Jess ist alleinerziehende Mutter einer Tochter. Ihr Mann hat sie sitzengelassen und ihr nebenbei auch noch seinen Sohn aus erster Ehe überlassen. Sie schafft es kaum, ihre Familie über Wasser zu halten, geschweige denn ihrer hochbegabten Tochter eine einmalige Zukunftschance zu ermöglichen. Plötzlich findet sie ein Geldbündel und steht vor der großen Frage, ob sie es schlechten Gewissens einfach nehmen soll, um ihrer Tochter diesen großen Traum zu erfüllen, oder ob ihre Ehrlichkeit siegt.

Als sie am späten Abend mitsamt ihren beiden Kindern und Hund durch einen Autoschaden am Straßenrand liegenbleibt, bekommt sie von genau dem Mann, dem das Geldbündel gehört, Hilfe angeboten. Wieder einmal weiß sie nicht was sie tun soll? Soll sie einsteigen? Soll sie ihm sagen, was sie getan hat? Wird sie sich gar in ihn verlieben? Jojo Moyes – Weit weg und ganz nah weiterlesen

Jojo Moyes – Eine Handvoll Worte


Worum gehts?

1960. Jennifer Stirling ist die Frau eines wohlhabenden Mannes, ihr fehlt es an nichts und sie sollte eigentlich glücklich sein. Doch ihr Herz gehört nicht ihrem Ehemann Laurence, sondern einem anderen Mann, ihrem Geliebten. Eines Tages bittet dieser sie, alles für ihn aufzugeben und mit ihm zu verschwinden.

2003. Ellie Haworth führt ein bodenständiges Leben als Journalistin und auch sie sollte eigentlich glücklich sein, wäre sie nicht verliebt in einen verheirateten Mann. Aufgrund eines neuen Auftrags, verbringt sie viel Zeit im Zeitungsarchiv, wo ihr einige, rührselige Liebesbriefe in die Hände fallen. Der Schreiber bittet in einem dieser Briefe seine Geliebte, ihr altes Leben inklusive Ehemann zu verlassen und mit ihm ein neues Leben zu beginnen. Jennifer ist fasziniert von diesen Briefen und die Ungewissheit, was aus diesem Liebespaar geworden ist, veranlasst sie dazu, der Sache weiter auf den Grund zu gehen. Jojo Moyes – Eine Handvoll Worte weiterlesen

Roald Dahl – Hexen hexen

Der Darth Vader aller Hexen

«Im Märchen haben Hexen immer alberne schwarze Hüte auf, tragen schwarze Umhänge und reiten auf dem Besen. Diese Geschichte ist jedoch kein Märchen. Sie handelt von echten Hexen … echte Hexen tragen ganz normale Kleider und sehen auch wie ganz normale Frauen aus. Sie wohnen in normalen Häusern, und sie üben ganz normale Berufe aus. Deshalb ist es so schwer, sie zu erwischen.» (Verlagsinfo)

Zu empfehlen ab acht oder elf Jahren, je nachdem, wie gruselig die Eltern oder Kinder das Buch empfinden.

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Roald Dahl – Matilda

Geniale Mädels schlagen zurück

Matilda ist ein Wunderkind, verständig und blitzgescheit. Ihr Verstand ist so hell und scharf, dass es selbst den beschränktesten Eltern auffallen müsste. Aber weder sie noch die Lehrer sehen das Außergewöhnliche an ihr. Für die Schmach in Schule und Elternhaus sinnt die kluge Kleine auf Rache. Sie entdeckt, dass sie übersinnliche Kräfte hat, und macht von ihnen Gebrauch … (Verlagsinfo)

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Laurie R. King – Das Moor von Baskerville [Mary Russell/Sherlock Holmes 4]

Unterstützt von Mary, seiner jungen Gattin, kehrt Meisterdetektiv i. R. Sherlock Holmes ins Dartmoor zurück, wo erneut ein Geisterhund sein Unwesen treibt … – Stimmungsvolle aber arg in die Länge gezogene und als Kriminalroman schlecht funktionierende Neuauflage der um Klassen besseren Originalgeschichte, der die Verfremdung der männlichen Hauptfigur erst recht nicht bekommt.
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Colin Dexter – Mord am Oxford-Kanal

Chefinspektor Morse liegt im Krankenhaus und langweilt sich. Ein altes Buch führt ihn auf die Spur eines seit 150 Jahren ungeklärten Mordes, dem sich der Polizist als Ablenkung und mit überraschenden Folgen widmet … – Der 8. Morse-Krimi ist einer der schönsten der Serie und ein großartiger Rätselkrimi überhaupt, weil spannend, witzig, berührend aber unsentimental, kurz: ein Lesegenuss! Colin Dexter – Mord am Oxford-Kanal weiterlesen

Stephen King/Stewart O‘Nan – Ein Gesicht in der Menge

Das geschieht:

Da er mit seiner Firma erfolgreich war, kann sich Dean Evers im Alter komfortabel im US-Sonnenstaat Florida einrichten. Den Ruhestand wollte er eigentlich gemeinsam mit Gattin Ellie verbringen, doch diese erlag überraschend einem Schlaganfall. Nun ist Evers allein und einsam. Der Sohn ist ihm entfremdet, die meisten Freunde sind tot. Deshalb trinkt Evers viel und schaut fern, wobei er gern die Spiele der hiesigen Baseball-Mannschaft „Devil Rays“ verfolgt.

Im Stadion ist nie besonders viel los, weshalb Evers eines Abends einen der Zuschauer erkennt, als die Kamera müßig ins Publikum schwenkt: Dr. Young war vor vielen Jahren sein Zahnarzt. Evers hatte ihn längst vergessen und eigentlich für tot gehalten. Auf seinen ehemaligen Geschäftspartner Leonard Wheeler trifft dies ganz sicher zu, denn Evers hat an der Beerdigung teilgenommen. Trotzdem sitzt auch Wheeler im Stadion. Stephen King/Stewart O‘Nan – Ein Gesicht in der Menge weiterlesen

[NEWS] JENNIFER ESTEP – Spinnenkuss (Elemental Assassin)

Jennifer Estep, Autorin der „Mythos Academy“, bringt bei Piper ihre neue Reihe „Elemental Assassin“ heraus. Der erste Band heißt „Spinnenkuss“und verspricht Hochspannung…

Jennifer Estep hat sich mit der Reihe »Mythos Academy« in die Herzen ihrer deutschen All-Age-Leserinnen geschrieben. Jetzt beginnt die von Fans sehnsüchtig erwartete Erwachsenen-Serie um die Antiheldin Gin Blanco: »Elemental Assassin«. Gin Blanco ist eine Auftragsmörderin, bekannt unter dem Namen »Die Spinne«. Geduldig liegt sie auf der Lauer, nähert sich ihren ahnungslosen Opfern und schlägt im richtigen Augenblick zu. Gnadenlos. Doch als sich ihr neuester Auftrag als Falle entpuppt, stürzt Gins Welt ins Chaos. Welcher ihrer unzähligen Feinde kennt ihre wahre Identität? Um ihren Gegner zu enttarnen, muss die Spinne ihr Netz verlassen und die Seite wechseln. Doch das Letzte, was man im Kampf gegen übermächtige Elementarmagie braucht, ist Ablenkung – besonders in Form des sexy Detectivs Donovan Caine … Die New-York-Times-Bestsellerreihe endlich auf Deutsch!
(Verlagsinfo)

Taschenbuch, 448 Seiten
Originaltitel: Spider’s Bite

Der Verlag bietet unter dieser Adresse eine Leseprobe an.

Patrick Lee – Dystopia

Das geschieht:

1978 öffnete sich unter der Erde des US-Staates Wyoming das „Portal“. Es führt in eine fremde, womöglich außerirdische Welt und entlässt in regelmäßigen Abständen seltsame Artefakte, die nur zum Teil verstanden oder genutzt werden können. Um das Portal (für die USA) zu schützen, entstand die ultrageheime „Tangent“-Organisation.

Aktuell hat das Portal zwei Geräte ausgespuckt, mit deren Hilfe es nicht nur möglich ist, genau 73 Jahre in die Zukunft zu blicken, sondern diese Zukunft sogar zu betreten. Was „Tangent“-Mitarbeiterin Paige Campbell dabei entdeckt, lässt sie umgehend beim US-Präsidenten Alarm schlagen: 2084 sind die Vereinigten Staaten menschenleer, die Städte zerfallen. Hinweise deuten eine globale Katastrophe im Jahre 2011 an. In der Gegenwart wird sie sich in vier Monate ereignen.

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Eugen Ruge – Cabo de Gata

Die Stadt der Katzen. Hierher, ins Nirgendwo an der spanischen Küste, verschlägt es den Icherzähler während der kalten Jahreszeit. Wo die Reiseführer von brummendem Tourismus und urtümlicher Idylle reden, findet er kaum eine Menschenseele.

Eigentlich ist er auf der Suche nach sich selbst, auch wenn er seine Auszeit als künstlerische Klausur darstellt. Er ist Schriftsteller und in einer Schaffens- und Lebenskrise, aus der ihn die Einsamkeit und das täglich sich wiederholende Schema in dem heruntergekommenen Örtchen reißen sollen. So kennt man das von berühmten Schriftstellern, und so möchte auch er zu seinem Erfolg finden. Er entwickelt einen gleichgültigen, sich aber in ständiger Wiederholung abspielenden Tagesablauf mit dem Ziel, seinen Geist soweit zu leeren, bis er von der Eingebung erfüllt werden kann. Jeden Morgen beginnt er mit einem leeren Blatt Papier, beschreibt es und verwirft das Ergebnis.

Mit der Zeit nimmt er als neuer Bestandteil des Dorfes einfache, ferne Kontakte mit den Einwohnern auf, die sich auf repetitive Geplänkel oder wortkarge Gespräche beschränken. Hin und wieder wird er von einzeln auftauchenden tatsächlichen Touristen als Gesell für den Abend genutzt und hat dabei ein einschneidendes Erlebnis, das seine Routine für die kommende Zeit etwas abwandelt.
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Peter May – Die Katakomben von Paris [Enzo Mackay 1]

Der zufällige Fund des Schädels eines mysteriös verschollenen Genies führt einen schottischen Kriminalexperten, einen Journalisten und einige Familienmitglieder auf eine aufregende Schnitzeljagd durch Frankreich, bis endlich die Mörder aufhorchen … – Einer der zahllosen Dan-Brown-Klone, der nie vorgibt, mehr als unterhalten zu wollen; die Handlung ist spannend, die Figuren sind sympathisch: solides Mittelmaß.
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Anonymus – Sinnliche Südsee

Liebeslektionen bei den Maori

Stella, behütete Ehefrau eines englischen Offiziers, viktorianisch erzogen, wird von den Maori verschleppt und erfährt am eigenen Leib sexuelle Praktiken, von deren Existenz sie nichts ahnte. Eine Hölle, so glaubt sie anfangs, – die sich aber bald verwandelt in ein Paradies der Lust, ein Paradies ohne Tabus und Prüderie, in dem Stellas verdrängte Sexualität erwacht. Und sie hofft nur eines: aus diesem Paradies nie vertrieben zu werden … (Verlagsinfo)

Der Autor oder die Autorin ist unbekannt. Ihr oder sein Buch erschien 1978 unter dem seltsam schelmischen Titel „Cruelle Zélande“, also „Grausames Neuseeland“.

Handlung

Stella McLeod folgt ihrem Mann, einem quasi strafversetzten Offizier der britischen Armee, nach Neuseeland. Die junge Frau ist unter typisch viktorianischen Umständen aufgewachsen, ohne jemals so etwas wie Lust beim Sex zu erfahren, nicht mal bei ihrer Entjungferung durch Frank. Als sie bei den Kämpfen mit den rebellischen Maori in Gefangenschaft gerät, ändert sich ihr Leben jedoch radikal.
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Hjorth & Rosenfeldt – Die Frauen, die er kannte

Die Fälle des Sebastian Bergmanns:
„Der Mann, der kein Mörder war“ (November 2011)
Die Frauen, die er kannte
„Die Toten, die niemand vermisst“ (erscheint im Juli 2013)

 

Worum gehts?

Innerhalb von kurzer Zeit wurde bereits das dritte Opfer in Stockholm bekannt. Abermals eine junge Frau in einem hellblauen Nachthemd, die zunächst brutal vergewaltigt und anschließend durch einen Kehlenschnitt getötet wurde. Alles deutet auf einen nicht unbekannten Serienmörder hin, Edward Hinde. Seltsamerweise sitzt dieser jedoch seit Jahren im Hochsicherheitstrakt eines schwedischen Gefängnisses.

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Nuyen, Jenny-May – Noir

Schon seit seinem achten Lebensjahr weiß Nino, dass er nicht älter werden wird als vierundzwanzig. Aber obwohl er bereits seit siebzehn Jahren mit dieser Erkenntnis lebt, packt ihn jetzt, wo sein vierundzwanzigster Geburtstag naht, allmählich die Panik! Auf der Suche nach einem Ausweg trifft er den mysteriösen Monsieur Samedi, der tatsächlich verspricht, ihm helfen zu können. Aber zur selben Zeit ist Nino auch der geheimnisvollen Noir begegnet …

Jenny-May Nuyens Bücher zeichneten sich von Anfang an dadurch aus, dass das Ende nie ein echtes Happy End war, immer blieb zumindest der Hauch eines Schattens. Aber keines von ihnen war so düster wie ihr neuestes Werk.

Allein schon das Setting strahlt Kälte und Anonymität aus. Keine Fantasywelt, sondern eine Großstadt: graue Häuser, teilweise verfallen und mit Graffitti besprüht. Immer wieder U-Bahnen voller Leute, die einander ignorieren. Zigaretten, Alkohol, harte Drogen. Diskotheken mit ohrenbetäubendem Lärm, grellem Licht, und voller haltloser Menschen auf der Suche, ohne zu wissen, wonach sie überhaupt suchen. Eine Szenerie fast schon wie in einem Film Noir. Der einzige Ort, der Ruhe und Wärme ausstrahlt, ist die Wohnung, die Nino sich mit seiner Schwester teilt. Und auch hier wird mit fortschreitender Handlung die Distanz, die Fremdheit immer größer, bis die letzte Zuflucht endgültig verloren geht.

Ninos Person verstärkt diesen Eindruck von Isoliertheit noch. Denn seine unheimliche Gabe, den Todeszeitpunkt eines Menschen zu erkennen, trennt ihn zusätzlich von allen anderen. Gerade über diese eine Sache, die ihn am meisten beschäftigt, kann er mit niemandem reden, weil er sonst für einen Psychopathen gehalten wird. Und er kann mit niemandem seine wachsende Angst und Verzweiflung teilen, als er schließlich vierundzwanzig wird.

So taumelt er zunehmend orientierungslos durch seine letzten Tage und Nächte, bis er Monsieur Samedi und gleichzeitig Noir trifft. Während er dem sanftmütig wirkenden, stets lächelnden Monsieur Samedi nicht so recht traut, berührt Noir ihn an einem Punkt, den bisher kein anderer Mensch erreichen konnte, nicht einmal seine Schwester Katja. Und im Gegensatz zu allem, was mit dem Sterben zusammenhängt, hinterfragt er seine Gefühle zu Noir nicht. Statt dessen akzeptiert er sie so bedingungslos, dass selbst sein eigener Tod, den er so angestrengt abzuwenden versuchte, ihn nicht mehr schreckt.
Allerdings bringt er sich damit in größte Schwierigkeiten. Denn ein anderer erhebt bereits Ansprüche auf Noir, und er ist nicht bereit, diese fallenzulassen. Im Gegenteil hat er vor, auch Ansprüche auf Nino und seine ungewöhnlichen Fähigkeiten zu erheben. Und damit ist er nicht der Einzige. Nino bleibt nichts übrig, als um Noirs Willen mit ihr zu fliehen. Aber wie flieht man vor dem Tod?

Jenny-May Nuyen erzählt ihre Geschichte in zwei Strängen: Der Hauptstrang erzählt Ninos Geschichte. Die kurzen, mit JETZT überschriebenen Sequenzen ebenfalls. Wobei nicht so einfach zu definieren ist, worin sich das JETZT vom restlichen Geschehen unterscheidet. Einerseits ist es natürlich die Zeit. Das JETZT spielt jetzt, während der Rest erzählt, wie es dazu kam. Nur erreicht die Erzählung, wie es dazu kam, irgendwann das JETZT … und ist doch nicht dasselbe.
Das JETZT ist stark verfremdet, von Träumen durchzogen und aus zwei verschiedenen Perspektiven erzählt, die dennoch irgendwie zur selben Identität gehören. Die Erzählung verschmilzt irgendwann mit dem JETZT, wird von ihr überlagert, und spätestens an diesem Punkt geht dem Leser die Realität verloren. Zugegeben, der Begriff Realität ist hier von Anfang an relativ angesichts Ninos Gabe, erfolgreichen Gläserrückens und angewandter Telepathie. Auf jeden Fall ist es nicht leicht zu lesen. Denn das meiste im JETZT ergibt erst gegen Ende, als die Zusammenhänge klar werden, einen Sinn.

_Auf jeden Fall_ ist dieses Buch das bisher anspruchsvollste der Autorin. Die Thematik des Plots war einfallsreich und ungewöhnlich, der Aufbau der Geschichte ein wenig anstrengend, aber interessant, und das Setting ausgesprochen stimmungsvoll. Trotzdem kann ich nicht sagen, dass es mich „Noir“ genauso gefangen genommen hätte wie ihre anderen Werke.

Was mir diesmal vor allem fehlte, war ein Sympathieträger. Allein schon vom Umfang der Rolle her war Nino der Einzige, der dafür in Frage kam, doch ich konnte mit ihm nicht so recht warm werden. Nicht, dass er kein netter Kerl wäre. Aber sein Verhalten angesichts seines nahen Todes, so nachvollziehbar es auch dargestellt war, war mir einfach zu fremd. Auch die übrigen Figuren – Julia, Philip, selbst Katja – waren in ihrem Wesen derart weit von mir entfernt, dass es kaum noch weiter geht. Damit ist etwas wirkungslos an mir verpufft, was zu den größten Stärken Jenny-May Nuyens gehört, nämlich die Charakterzeichnung.

Das hatte außerdem zur Folge, dass ich auch ein wenig brauchte, um mit der Handlung warm zu werden, denn sie entwickelt sich nur langsam. Ninos Denken und Fühlen nimmt doch einiges an Raum ein – was kein Problem gewesen wäre, hätte ich einen besseren Zugang zu ihm gehabt – , und bis das Erzähltempo und damit die Spannung allmählich anziehen, sind fast drei Viertel der Geschichte vorbei.

So bleibt „Noir“ für mich persönlich unterm Strich ein Buch, das vor allem den Kopf ausgelastet hat, der Rest von mir blieb eher unbeteiligt.

Jenny-Mai Nuyen stammt aus München und schrieb ihre erste Geschichte mit fünf Jahren. Mit dreizehn wusste sie, dass sie Schriftstellerin werden wollte. „Nijura“, ihr Debüt, begann sie im Alter von sechzehn Jahren. Inzwischen ist eine ganze Reihe von Büchern aus ihrer Feder erschienen. Nach einem abgebrochenen Filmstudium lebt sie heute in Berlin, um sich ganz dem Schreiben zu widmen.

Taschenbuch 384 Seiten
ISBN-13: 978-3-862-52028-2

www.jenny-mai-nuyen.de/
http://www.rowohlt.de/verlag/rowohlt-polaris

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Kurt Vonnegut – Katzenwiege

Weltuntergang 2.0: Frieren wir die Welt ein!

Kurt Vonnegut ist kein Spaßmacher, oder doch? Jedenfalls ist nicht einfach zu sagen, worum es in seinem Roman „Katzenwiege“ aus dem Jahr 1963 geht. Ist es ein „Märchen aus dem atomaren Zeitalter, eine Satire auf den Fortschrittsglauben“, wie der Verlag schreibt?

Der Autor

Der amerikanische Autor Kurt Vonnegut jr. wurde 1922 am Tag des Waffenstillstands, dem 11.11., geboren. Wie man seinem Namen schon entnehmen kann, ist er deutscher Abstammung. Seine Eltern lebten in Germantown, einem Ortsteil von Indianapolis, und entsprechend war auch sein Umfeld von deutschen Traditionen geprägt.

Wenn es nach Familientradition gegangen wäre, dann hätte auch Kurt Architekt werden müssen. Doch da die Branchenaussichten schlecht waren, zog er zunächst den Militärdienst vor. Allerdings wurde er erst 1944 in den Einsatz geschickt. Er wurde mit seinem Bomber abgeschossen und kam in Kriegsgefangenschaft nach Dresden. Doch erlebte er im Februar 1945 den alliierten Bomberangriff, der die Stadt in Schutt und Asche legte. Dies erzählt er eindrucksvoll in seinem verfilmten Roman „Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug“ sowie in „Mutter Nacht“.

Nach seiner Rückkehr in die USA heiratet Kurt am 1.9.1945 seine Jugendliebe Jane Marie Cox, zieht mit ihr nach Chicago, um Anthropologie zu studieren, beginnt als Reporter zu arbeiten und zieht 1947 nach Schenectady an der Ostküste, um als Public-Relations-Mann für den Konzern General Electric zu arbeiten. Das ist eine ganz neue, ganz andere Welt für ihn. Dass sein Bruder Bernard in der Forschungsabteilung arbeitet, hält Kurt nicht davon ab, die Atomwaffenproduktion des Rüstungskonzerns aus tiefstem Herzen abzulehnen. Ab 1949 betrachtet er sich als Schriftsteller und verkauft die ersten Storys und Artikel. Er kündigt den GE-Job 1951 und zieht nach Cape Cod, Massachusetts.

Bis heute hat Vonnegut über ein Dutzend Romane geschrieben, Dutzende von Kurzgeschichten veröffentlicht sowie einige Theaterstücke produziert. Einiges davon wurde aufgeführt, verfilmt, in eine Oper (Schlachthof 5) umgearbeitet und vieles mehr. In den neunziger Jahren erklärte Vonnegut, er wolle nicht mehr schreiben. Zuletzt erschien auf Deutsch im Jahr 2006 jedoch das Erinnerungsbuch „Mann ohne Land“ (Pendo-Verlag), er starb am 11. April 2007.

Handlung

Unser Chronist ist ein amerikanischer Journalist, der auf die Karibikinsel San Lorenzo eingeladen worden ist, und zwar von den drei Kindern eines gewissen Dr. Hoenikker. Dr. Felix Hoenikker, der „Vater der Atombombe“, hat Eis-9 erfunden, ein kristallines Mittel, das amerikanischen Soldaten helfen soll, sich aus einem Sumpf zu retten, indem es Wasser gefrieren lässt.

Das Problem mit diesem Wunderstoff ist allerdings, dass bereits ein kleiner Splitter davon das gesamte Wasser der Welt gefrieren ließe, für immer. Also steht wieder einmal das Ende der Welt bevor. Hoenikker ist der perfekte amoralische „Dr. Seltsam“, der absolut nichts für menschliche Wesen übrig hat und nur für seine intellektuellen Spielchen lebt. Zu Beginn des Romans ist er bereits tot.

Der heilige Bokonon

Aber es geht auch um Bokonon, dessen wirklicher Name Lyonel Boyd Johnson lautet. Er ist der Gründer der ersten Calypso-Religion, ein richtiger Guru aus Westindien, wie er im Buche steht. Wie er freimütig gesteht, besteht seine Religion aus Lügen, doch wer immer an glaubt, wird mit „foma“ genannten „glücklichen Unwahrheiten“ wieder seines Lebens froh.

Der Bokononismus hat seine Heimat in der karibischen Republik von San Lorenzo. In diesem Armenhaus wird Frank, der „wertlose“ Sohn von Hoenikker, zum Minister für Wissenschaft und Fortschritt ernannt. Der Ich-Erzähler – „nennt mich Jonas“ – will Frank und andere Leute interviewen, doch eines Tages sieht er sich zum Präsidenten der Republik ernannt.

Mona Aamons Monzano ist die wunderhübsche Tochter des finnischen Architekten von San Lorenzos einzigem Krankenhaus. Sie ist eine gelehrige Schülerin in der Ausübung des „Bokomaru“, der erotischen gegenseitigen Massage der Füße, welche zum ekstatischen Vermischen der Seelen durch die Sohlen führt (Achtung: Wortspiel!). Auf diese Weise bekehrt sie unseren Chronisten zum Bokononismus, der einzigen Lehre, die in einer verrückten Welt einen Sinn ergibt. Sie lehrt, alle zu lieben.

Aber den Weltuntergang kann auch sie nicht aufhalten …

Unterm Strich

„Katzenwiege“ ist neben „Schlachthof 5“ und „Die Sirenen des Titan“ (1959) einer der einfallsreichsten Romane Vonneguts. Er macht sich über Religion, Wissenschaft, Patriotismus und Sex lustig und warnt gleichzeitig vor der Atombombe und dem Fortschrittsglauben der westlichen Welt. Indem er die fiktive Karibikinsel als Hinterhof der übermächtigen USA porträtiert, weist er auch ganz dezent daraufhin, warum es zum Beispiel auf der Karibikinsel Kuba, die ja bis 1959 quasi eine amerikanische Kolonie war, eine Revolution geben musste.

Natürlich endet das Buch mit dem Ende der Welt, was sonst? Jemand wirft etwas Eis-9 ins Meer vor San Lorenzos, alles gefriert, Tornados spielen die Begleitmusik. Der Erzähler überlebt immerhin sechs Monate, um diese Geschichte aufzuschreiben. Aber mit dem Bokononismus hat er auch verschmitzt eine Heilsbotschaft vermittelt, die dem Eis-9 entgegenwirken kann – dazu gehört ein gewisser Gleichmut, eine Bekehrung und ganz viel Liebe.

Kurt Vonnegut ist in seinem Herzen ein romantischer Moralist, sicher aber ein satirischer Spaßvogel und ein Weiser. Vor allem aber ist er ein origineller Kopf, der das Herz auf dem rechten Fleck hat. Mir hat die rhapsodische Erzählweise durchaus gefallen, aber wer hier eine linear erzählte Story erwartet, wird seine liebe Mühe habe. Die Erzählweise ist assoziativ, so dass man sich schon bald fragt, wohin die vielen Facetten der Geschichten führen sollen.

Am witzigsten sind sicher Bokonons Calypso-Lieder sowie der bekannte Kinderreim über die Katzenwiege:

„Das Kätzchen wiegt sich hoch oben im Baum,
Wenn der Wind bläst, wiegt es sich nie im Traum,
Bricht der Ast dann ab,
Stürzt die Wiege herab,
Und weg sind Kätzchen, Wiege und Baum.“

Taschenbuch: 255 Seiten
Originaltitel: Info: Cat’s Cradle (1963)
Aus dem US-Englischen übertragen von Michael Schulte
ISBN-13: 978-3499124495
www.rowohlt.de

Ullrich, Allyssa / Ullrich, Hortense – Last Girl Standing: Die Wette

Diese Rezension stammt von Nadine Stifft

_Inhalt_

Charly ist ziemlich tollpatschig. Erst recht, wenn ein Mann in ihrer Nähe ist. Dann blamiert sie sich auch schon mal kräftig. Auch als sie Felix begegnet, ist es nicht anders und sie möchte im Boden versinken, denn sie hat sich ein wenig in Felix verguckt und berichtet dies später ihren vier Freundinnen Lavender, Emmy, Leonie und Sofia bei ihrem nächsten Treffen. Die fünf Damen verbringen jeden Freitagabend miteinander, um das Thema „Männer“ zu diskutieren. Und eigentlich haben sie auch gedacht, dass sie so schnell kein Mann auseinanderbringen kann. Bis Felix ihnen wegen einer Wette mit seinem besten Kumpel Tim einen Strich durch die Rechnung macht. Denn in der Wette geht es darum, an einem Abend drei Dates gleichzeitig zu haben und dabei nicht aufzufliegen. Blöderweise sucht sich Felix nun drei von den besten Freundinnen aus …

_Kritik_

„Last Girl Standing“ von Allyssa und Hortense Ullrich ist ein frischer und spritziger Frauenroman, bei dem der Humor nicht auf der Strecke bleibt. Allein auf den ersten Seiten musste ich wegen der süßen Tollpatschigkeit von Charly schon viel schmunzeln. Die Geschichte ist aus der Sicht eines Beobachters geschrieben, die Sätze sind nicht allzu lang und flüssig zu lesen. Es gibt viele und auch lustige Dialoge. Die Kapitel sind meist kurz, so dass man sich auch zwischendurch mal eine Pause gönnen kann.

Es ist sehr amüsant zu lesen, wie sich die verzwickte Geschichte entwickelt. Denn irgendwie weiß ja keiner von den Mädels, dass sie den gleichen Typen kennen gelernt haben. Und auch Felix und Tim tappen erst mal im Dunkeln. So nach und nach dämmert es den beiden aber doch. Weil Felix aber seine Wette nicht verlieren will, datet er dann trotzdem alle drei, was in einem kleinen Spektakel endet. Danach sinnen die Freundinnen auf eine kleine Rache.

Besonders gelungen finde ich, dass die Kapitel jeweils nach einem Cocktail benannt sind, dessen Rezept am Ende des Kapitels immer abgedruckt ist. Viele hören sich recht lecker an.

Negativ finde ich, dass so ein Namenswirrwarr herrscht. Bei so vielen Protagonisten bleibt es wahrscheinlich nicht aus, aber nach einer Weile blickt man doch ganz gut durch und man kann die Geschichte genießen. Leider ist es generell ein Buch, welches ein absehbares Ende hat. Also ist es meines Erachtens nicht allzu spannend.

_Autorinnen_

Hortense Ullrich ist im Saarland geboren und in Bad Homburg aufgewachsen. Nach ihrem Design-Studium in Wiesbaden arbeitete sie in einer Werbe- und PR-Agentur in Frankfurt. Nachdem sie bei verschiedenen Fachzeitschriften Redakteurin, Ressortleiterin und Chefredakteurin war, entschloss sie sich, Drehbuchautorin zu werden. Inzwischen lebt sie als erfolgreiche Autorin zahlreicher Kinder- und Jugendbücher mit ihrer Familie in Bremen.

Allyssa Ullrich lebt seit knapp zwei Jahren in Hamburg, studiert Media Management und hat nun ihren zweiten Roman geschrieben. (Verlagsinfo)

_Fazit_

„Last Girl Standing“ von Allyssa und Hortense Ullrich ist eine tolle kleine Lektüre für zwischendurch, wenn man mal Lust auf etwas Humor hat oder sich den Tag ein wenig versüßen möchte. Die Geschichte an sich ist nicht sehr lang und somit gut zu lesen. Ich kann das Buch demnach mit gutem Gewissen weiterempfehlen.

|Taschenbuch: 256 Seiten
ISBN-13: 978-3499216053|
[www.rowohlt.de]http://www.rowohlt.de

 

Ronald A. Knox – Die drei Gashähne

knox-gashaehne-cover-1962-kleinHat sich Mr. Mottram selbst mit Gas umgebracht oder wurde er auf geschickte Art ermordet? Ein Versicherungsdetektiv und ein Polizist ermitteln manchmal gemeinsam, manchmal getrennt und decken einen gänzlichen unerwarteten Tathintergrund auf … – Einer der ganz großen Klassiker des britischen „Whodunit“-Krimis hat als ebenso intelligentes wie witziges Spiel mit den Regeln des Genres seinen Unterhaltungswert ungemildert bewahren können.
Ronald A. Knox – Die drei Gashähne weiterlesen