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Meirose, Astrid / Pruß, Volker / Sieper, Marc / Ihrens, Oliver – Schattenreich 6: Echnatons Vermächtnis

_Erleuchtung im Rotlichtviertel_

Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt – er war fünf Jahre im Ausland – wird der junge Kulturwissenschaftler Christian Wagner in mysteriöse Todesfälle verwickelt. Als ihn eine unsichtbare Macht ins Schattenreich entführt, enthüllen sich ihm die Nachtseiten der menschlichen Natur. Hinter den Masken bürgerlicher Wohlanständigkeit treibt ein skrupelloses Netzwerk ein größenwahnsinniges Spiel.

Der Äygptologe Prof. Jan Erik Walberg, der Christian anrief und treffen wollte, ist unauffindbar: Wurde er entführt? Oder hat er sich absetzen müssen, weil seine Forschungen an Mumien alle moralischen Grenzen überschritten haben? Ein grausiger Fund, den Christian Wagner in Walbergs Labor macht, lässt Schreckliches erahnen.

In einem unterirdischen Archiv entdeckt Wagner eine alte Inventarliste über die Öffnung eines Pharaonengrabs, signiert mit dem Zeichen der Nephilim, dem Auge des Horus. Wagner erkennt, dass die Vergangenheit die Gegenwart auf grausame Weise einholen wird. Oder ist er selbst Akteur in einem Spiel, welches das Leben nur simuliert? Eine Sternenkarte könnte ihm den Weg weisen.

Die Karte zeigt eine Planeten- und Mondkonstellation, die nur an einem bestimmten Tag stattfindet und auf eine Kultstätte verweist, die er finden muss – auf einer Nordseeeinsel. Dort findet ein ungeheuerliches Ritual statt, vorgenommen von seinem Mentor Dr. Bruno Schwab. Doch plötzlich tritt eine feindliche Gruppe auf. Ist die finale Auseinandersetzung der Nephilim mit den Titanen gekommen?

Was geschah vor fast 100 Jahren, das zwei befreundete Familien zu Feinden werden ließ? Des Rätsels Lösung scheint in den Tiefen der Villa Scholl zu ruhen. Wagner bemerkt zu spät, dass er selbst der Hüter des Geheimnisses ist. Er gerät unter den Einfluss einer Geheimgesellschaft. Deren Mitglieder sind Anhänger eines genialen Herrscherpaares, dessen Wirken die Kultur fast für immer aus dem Gedächtnis gelöscht hätte. Nun scheint ihre Zeit des Handelns gekommen zu sein. Doch wohin wird ihr Weg sie führen?

_Die Autoren_

Als Autoren zeichnen Astrid Meirose und Volker Pruß verantwortlich. Mehr über die Serie findet man unter http://www.schattenreich.net.

Folge 1: Die Nephilim
Folge 2: Finstere Fluten
Folge 3: Spur in die Tiefe
Folge 4: Nachthauch
Folge 5: Das Grab des Ketzers
Folge 6: Echnatons Vermächtnis

_Die Inszenierung_

|Die Rollen und ihre Sprecher:|

Christian Wagner – Alexander Scheer
Alexa Voss – Anne Moll
Dr. Bruno Schwab – Volker Brandt (dt. Stimme von Michael Douglas)
Adrian Bloch – Norman Matt (Cillian Murphy, Jonathan Rhys-Meyers)
Moritz Goldmund – Dietmar Wunder (Cuba Gooding jr., Adam Sandler, Don Cheadle)
Walther Zürn – Stefan Krause (Billy ‚Pippin‘ Boyd)
Geheimnisvolle Frau/Billie Scholl – Daniela Hoffmann (dt. Stimme von Julia Roberts)
Hagerer, bleichgesichtiger Typ – Dero („Oomph!“)
Tina Müller – Anna Thalbach

sowie Sascha Rotermund u. a.

ANNA THALBACH steht seit ihrem sechsten Lebensjahr vor der Kamera, dabei war der Weg zur Schauspielerei nicht so gerade, wie man es bei der Tochter von Katharina Thalbach annehmen könnte. Sie beginnt nach dem Abschluss der Mittleren Reife zunächst eine Hospitanz als Kostümbildnerin am Schillertheater. Doch der Hang zum Schauspiel überwiegt, und bald schon feierte sie selbst große Bühnenerfolge, so auch an der Seite ihrer Mutter in „Mutter Courage“.

DERO wurde am 16. April 1970 in Wolfsburg geboren. In der Band |Oomph!|, die 1989 gegründet wurde, ist er der Mann für den Gesang, die Texte, Drums und Kompositionen. Der Weg zur Musik sah laut eigener Aussage für Dero so aus: |“Auf diversen Familienfeiern in den 70ern wurde ich ‚gezwungen‘ mit meinem Vater (Gitarrist, Sänger) alle nur erdenklichen Elvis-Songs in grauenhaftem Englisch rauf und runter zu schmettern.“|

|Die Musik:|

Secret Discovery: „Follow Me“
b.o.s.c.h – Mehr
Nik Page – Herzschlag
Lola Angst – Am I dead?
Suicide Commando – Second death
Diva Destruction – Rewriting history
Berliner Filmorchester und Kammerchor

Regisseur Simon Bertling und Tonmeister Christian Hagitte von |STIL| sorgten für die gute Produktion, die Musik und die Sounds; ihnen half Cornelia Schilling. Die Produzenten sind Marc Sieper von |Lübbe Audio| sowie Oliver Ihrens von Radar Media, Bochum. Das interessante Booklet-Design stammt von Kai Hoffmann.

_Vorgeschichte_

Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt – er war fünf Jahre im Ausland – wird der junge Kulturwissenschaftler Christian Wagner in mysteriöse Todesfälle verwickelt. Christian ist einer von neun Spezialschülern, den „Titanen“. So nannten sich vor 15 Jahren die Mitglieder einer Gruppe von jungen Hochbegabten, die von der Scholl-Stiftung gefördert und von ihrem Lehrmeister Dr. Volker Brandt ausgebildet wurden. Die Titanen, so Bruno, waren in der antiken Sage die Kinder von Göttern und Menschenfrauen. Die Nephilim hingegen waren die Kinder von Dämonen, die sich mit Menschenfrauen paarten: negative Titanen. Treibt hier jemand ein fieses Spiel mit den letzten Titanen?

Auf der rechten Ferse jeder Leiche findet er das gleiche Tattoo, das er selbst auch trägt: das ägyptische Ankh-Symbol, ein Henkelkreuz, das „Leben“ bedeutet. Es ist kombiniert mit dem „Auge des Horus“, das, wenn geöffnet, einen Schutzzauber darstellt. [Beide Symbole sind auf der CD selbst aufgedruckt.] Ist dieses Horus-Augen-Tattoo jedoch pupillenlos, also blind, dann handelt es sich um einen Nephilim, ein früheres, aber abtrünnig gewordenes Mitglied der „Titanen“.

Da Christian ein Waisenkind ist, das von der Industriellenfamilie Scholl aufgezogen wurde, bildet Bruno Schwab seinen Vaterersatz. Bei den Scholls lernte er Sibylle Scholl als seine Schwester kennen und machte sie zu seiner ersten Geliebten. Adrian Bloch, den er nun in seiner Heimatstadt wiedertrifft, war ebenfalls einer der „Titanen“. Die Familie Bloch ist mit den Scholls seit jeher befreundet.

Seit seiner Rückkehr sind bereits zwei der „Titanen“ umgekommen. Beide Leichen weisen eine Tätowierung an der rechten Ferse auf: das blinde Auge des ägyptischen Sonnengottes Horus, das Zeichen der Nephilim, eines Geheimordens. In den Rollenspielen der „Titanen“ war Christian stets der Gott Osiris, Sibylle die Göttin Isis und Adrian der eifersüchtige Gott Seth, der Osiris tötete. Doch wer war Horus, der Sohn des Osiris? Adrian treibt sich immer noch in der Stadt herum, als neuer Besitzer der Villa Scholl, dem Sitz der Titanen.

Dieser ägyptisch-mythologische Hintergrund könnte etwas mit dem Schicksal des Ägyptologen Prof. Jan Erik Walberg zu tun haben, der Christian anrief und treffen wollte, aber unauffindbar ist: Wurde er entführt? Als Christian mit der Journalistin Tina Müller zu Walbergs Labor fährt, findet er dort zwar eine Botschaft, wird jedoch auch mit dem Tod bedroht: durch eine Flutwelle aus dem nahen Stausee. Hat ihn jemand im Visier? Christian fühlt sich zunehmend verfolgt.

_Handlung_

In der Walpurgisnacht findet sich Christian Wagner in einem Gelass eines Benediktinerklosters wieder. Adrian Bloch, sein Freund aus Jugendtagen, will ihn in den Geheimbund der Nephilim aufnehmen. Das Ritual beinhaltet jedoch auch, dass sich Christian ausziehen muss, damit er ausgepeitscht und tätowiert wird …

Als er wieder erwacht, ist er gefesselt und kann nicht nachsehen, ob seine Fußsohle so wie bei allen Nephilim mit dem leeren Auge des Horus tätowiert worden ist. Walter Zürn, den er aus der Villa Scholl kennt, kommt und befreit ihn. Aber auch Tina Müller, die Journalistin tritt ein und schickt Walter mit einem Schlag mit ihrer Kamera ins Land der Träume. Sie verlassen das unheilige Kloster.

Tina hat brandheiße News: Sie hat sich die DVD angesehen, die sie aus der Ermittlungsakte der Kripo hat mitgehen lassen (wie noch einiges andere). Auf der Silberscheibe sei ein Film mit einem Vortrag des Ägyptologen Walberg, dessen Ruf Christian ja erst in die Stadt gelockt hat. Walberg rede über den Ketzerpharao Echnaton. Der Name elektrisiert Christian aus diversen Gründen. Er ist der Hüter von Echnatons Mumie. Aber wo ist sie versteckt?

Sie müssen ins Rotlichtviertel, um den Schriftexperten Moritz Goldmund zu besuchen. Der Mann steht total auf Schauerliteratur, und Lovecraft, Poe und Hoffmann sind seine heilige Dreifaltigkeit. Hier schauen sie aber nochmal die DVD an: Christian traut seinen Augen nicht – da sitzt ja ein Untoter: Otto Bloch! Der war doch schon begraben, oder? Walberg zeigt Schädelformen, denn Echnaton litt angeblich unter Akromegalie, einer Knochenverformung. Christian tastet seinen eigenen Quadratschädel ab und fällt in Ohnmacht …

Moritz Goldmund ist ein Exbulle. Er ermittelte vor 15 Jahren im Fall Otto Bloch. Warum wurden die Blochs vor 15 Jahren so stinkreich, dass sie die Scholls einfach übernehmen konnten? Heute bearbeitet Alexa Voss‘ Chef Max Lohmann den Fall, der den Weg Christians schon mehrfach gekreuzt hat. Tina hat einen Zettel Lohmanns mitgehen lassen, den Moritz nun entziffert.

Die Spur führt zum Spielcasino Monte d’Oro (Goldberg). Als Christian dort eintrifft, läuft er allen möglichen Leuten über den Weg, die er eigentlich unbedingt meiden wollte, so etwa Alexa und Lohmann. Beim Senetspiel ereilt ihn eine Vision …

_Mein Eindruck_

Angeblich haben die Freimaurer der Aufklärung und vor ihnen die Templer des Mittelalters für ihre Aufnahmezeremonien finstere Rituale erdacht und an den Initianden grausam praktiziert. Das ist natürlich alles Blödsinn , hält aber die Autoren dieses Hörspiels nicht davon ab, mit diesen Legenden zu spielen und sie effektheischend einzusetzen. Alles, was mysteriös und mystisch ist, lässt sich wohl dem geistig normalbemittelten Gothic-Jünger als Halbwahrheit andrehen. Irgendetwas lässt sich davon immer glauben. Müssen sich die Yakuza in Japan nicht auch ein Fingerglied abschneiden? Na, bitte, quod erat demonstrandum!

Dass diese Initiationszeremonie und die verabreichten Peitschenhiebe bei unserem Helden keinerlei Spuren hinterlassen, verwundert dann schon etwas mehr. Hat er nun eine Tätowierung am Fuß oder nicht? Wir erfahren es nicht. Entzünden sich seine Peitschennarben? Ist ebenfalls wurscht. Hauptsache, er bewegt sich mit der allgegenwärtigen Tina von A nach B und geht dabei nicht über LOS. Also landet er in einem Spielcasino, warum auch nicht. Irgendwann führt die Spur sowieso zu den oberen Zehntausend der Stadt: den Blochs und den Scholls.

Der Fortschritt auf der objektiven Ebene wird mit einem Rückschritt auf der Rätselebene bezahlt. Die Vision, die Christian im Spielcasino hat, bringt ihn und uns beim Lösen des Mysteriums nicht weiter. Wessen Sohn soll den Christian bitteschön sein? Die Serie kann also weitergehen.

_Die Inszenierung_

Die Geräuschkulisse des Hörspiels ist nicht allzu realistisch. Man hört nicht jede Tasse klappern, nicht jedes Auto vorbeirauschen. Vielmehr stehen die Kommunikationsmittel im Vordergrund: Handys, Telefone, Türklingeln, fehlen nur noch Türklopfer und Megafone. Im Spielcasino sagen die Croupiers unüberhörbar die Anweisungen an die Spieler an.

Alexander Scheers raue Raucherstimme passt zum Möchtegerndetektiv à la Philip Marlowe, der nur per Zufall zum Kulturwissenschaftler geworden zu sein scheint. Sein Gegenteil, ein Ausbund an Disziplin und Pflichtbewusstsein, bildet die Rolle der Alexa Voss, gesprochen von Anne Moll (zuvor Sandra Speichert) Sie tritt in dieser Episode gleichberechtigt neben der kindlich-eifrigen Tina Müller, gesprochen von Anna Thalbach, auf. Einen hübschen Einfall fand ich den Auftritt von Gina aus dem Rotlichtviertel. Die Sprecherin klingt zwar wie eine Schwuchtel, aber genauso amüsant. Mehr davon!

|Die Musik|

Spätestens nach einer halben Stunde des Anhörens verhärtet sich im Zuhörer der Verdacht, dass die ganze Handlung eigentlich nur ein Vorwand ist. Nämlich der Vorwand, um möglichst viel deutsche Neo-Gothic-Musik abspielen zu können. Die oben aufgeführte Interpretenliste ist nur die Spitze des Eisbergs dessen, was den Zuhörer erwartet. Es verwundert nicht, dass in die Produktion des Hörspiels Firmen wie |Radar Media|, |STIL| (für die professionelle Soundproduktion) und ein Musikmagazin namens „Sonic Seducer“ eingebunden sind.

Letzteres hat sich mit einem Aufkleber auf der Hülle verewigt. |Radar Media| ist im Booklet mit einer ganzen Seite Werbung vertreten. Radar hat das Copyright und die Markenreich für „Schattenreich“ inne, folglich war die Firma auch an der Produktion beteiligt. Und da es in ihrem Interesse liegt, die Bands wie |Rammstein|, |Oomph!| usw. zu vermarkten, packte sie natürlich so viel Musik wie möglich auf die Silberscheibe. Jedes Mal eine Disko-Session in die Handlung einzubauen – egal wie – war daher obligatorisch, und das merkt man auch in Episode 6.

Diese Dinge sollte man wissen, wenn man die Musikeinlagen des Hörspiels bewertet. Plötzlich wird aus der Handlung nicht das Hauptgericht, sondern lediglich die Beilage. Deshalb dröhnt unvermittelt der Leadsong „Follow me“ durch die Boxen, nachdem bereits ein Donnerschlag den Zuhörer aus seiner Bürgerruhe aufgescheucht hat. Es gibt anschließend kaum eine ruhige Minute, in der keine Musik erklingt. Hier hat |Radar Media| ganze Arbeit geleistet. Immerhin ist es nicht mehr ganz so schlimm wie auf den ersten beiden CDs, denn jetzt wird der Hauptfigur mehr musiklose Zeit zum Nachdenken gegönnt.

|Webseite|

Hinweis: Auf http://www.schattenreich.net findet man das Tagebuch einer Figur, um die es immer wieder im Hörspiel geht. Ich tippe als Autorin auf Sibylle Scholl, die angeblich beim Brand ihrer Klinik umgekommene Billie, Christians Geliebte. Das Tagebuch bietet zusätzliche Hintergrundinformationen.

_Unterm Strich_

Die Reihe „Schattenreich“ wendet sich an die gleiche Zielgruppe wie die Musik-CDs, die DVDs und die TV-Produktionen (von denen ich bislang nichts gesehen habe): Gothic-Rock-Freunde, für die Musik nicht nur Unterhaltung, sondern eine Lebenshaltung und eine modische Aussage darstellt. Anstelle von Vampiren und anderem blutigem Gesocks treten aber in „Schattenreich“ nur jede Menge mystisch gestimmte Typen auf, die sich irgendwie zwielichtig aufführen. Ford Prefect würde sagen: „Weitgehend harmlos“.

Wie bei allem, was das Studio |STIL| produziert, ist das Produkt hinsichtlich Sound und Optik vom Feinsten. Immerhin erreichen das Studio und der |Lübbe|-Verlag eine neue Zielgruppe, die mit „Offenbarung 23“ nur unzureichend erreicht wird: die Gothic-Rockfans, die auf Bands wie |Rammstein|, |Oomph!| und |IAMX| stehen. Diesbezüglich kann „Offenbarung 23“ glatt einpacken. Wer die Songs runterladen will, findet auf http://www.schattenreich.net den Link dorthin.

|53 Minuten auf 1 CD|
http://www.schattenreich.net
http://www.luebbe-audio.de
http://www.stil.name
http://www.sonic-seducer.de
http://www.radar-net.de

Meirose, Astrid / Pruß, Volker / Sieper, Marc / Ihrens, Oliver – Schattenreich 5: Im Grab des Ketzers

_Echnatons Mumie in Hintertupfing?_

Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt – er war fünf Jahre im Ausland – wird der junge Kulturwissenschaftler Christian Wagner in mysteriöse Todesfälle verwickelt. Als ihn eine unsichtbare Macht ins Schattenreich entführt, enthüllen sich ihm die Nachtseiten der menschlichen Natur. Hinter den Masken bürgerlicher Wohlanständigkeit treibt ein skrupelloses Netzwerk ein größenwahnsinniges Spiel.

Der Äygptologe Prof. Jan Erik Walberg, der Christian anrief und treffen wollte, ist unauffindbar: Wurde er entführt? Oder hat er sich absetzen müssen, weil seine Forschungen an Mumien alle moralischen Grenzen überschritten haben? Ein grausiger Fund, den Christian Wagner in Walbergs Labor macht, lässt Schreckliches erahnen.

In einem unterirdischen Archiv entdeckt Wagner eine alte Inventarliste über die Öffnung eines Pharaonengrabs, signiert mit dem Zeichen der Nephilim, dem Auge des Horus. Wagner erkennt, dass die Vergangenheit die Gegenwart auf grausame Weise einholen wird. Oder ist er selbst Akteur in einem Spiel, welches das Leben nur simuliert? Eine Sternenkarte könnte ihm den Weg weisen.

Die Karte zeigt eine Planeten- und Mondkonstellation, die nur an einem bestimmten Tag stattfindet und auf eine Kultstätte verweist, die er finden muss – auf einer Nordseeeinsel. Dort findet ein ungeheuerliches Ritual statt, vorgenommen von seinem Mentor Dr. Bruno Schwab. Doch plötzlich tritt eine feindliche Gruppe auf. Ist die finale Auseinandersetzung der Nephilim mit den Titanen gekommen?

Was geschah vor fast 100 Jahren, das zwei befreundete Familien zu Feinden werden ließ? Des Rätsels Lösung scheint in den Tiefen der Villa Scholl zu ruhen. Wagner bemerkt zu spät, dass er selbst der Hüter des Geheimnisses ist.

_Die Autoren_

Als Autoren zeichnen Astrid Meirose und Volker Pruß verantwortlich. Mehr über die Serie findet man unter http://www.schattenreich.net.

Folge 1: Die Nephilim
Folge 2: Finstere Fluten
Folge 3: Spur in die Tiefe
Folge 4: Nachthauch
Folge 5: Das Grab des Ketzers
Folge 6: Echnatons Vermächtnis

_Die Inszenierung_

|Die Rollen und ihre Sprecher:|

Christian Wagner – Alexander Scheer
Alexa Voss – Anne Moll
Dr. Bruno Schwab – Volker Brandt (dt. Stimme von Michael Douglas)
Adrian Bloch – Norman Matt (Cillian Murphy, Jonathan Rhys-Meyers)
Max Lohmann – Manfred Lehmann (Gérard Depardieu, Bruce Willis, Kurt Russell …)
Walther Zürn – Stefan Krause (Billy ‚Pippin‘ Boyd)
Geheimnisvolle Frau/Billie Scholl – Daniela Hoffmann (dt. Stimme von Julia Roberts)
Hagerer, bleichgesichtiger Typ – Dero („Oomph!“)
Tina Müller – Anna Thalbach

sowie Ranja Bonalana (Synchronstimme von Reese Witherspoon) u. a.

ANNA THALBACH steht seit ihrem sechsten Lebensjahr vor der Kamera, dabei war der Weg zur Schauspielerei nicht so gerade, wie man es bei der Tochter von Katharina Thalbach annehmen könnte. Sie beginnt nach dem Abschluss der Mittleren Reife zunächst eine Hospitanz als Kostümbildnerin am Schillertheater. Doch der Hang zum Schauspiel überwiegt, und bald schon feierte sie selbst große Bühnenerfolge, so auch an der Seite ihrer Mutter in „Mutter Courage“.

DERO wurde am 16. April 1970 in Wolfsburg geboren. In der Band |Oomph!|, die 1989 gegründet wurde, ist er der Mann für den Gesang, die Texte, Drums und Kompositionen. Der Weg zur Musik sah laut eigener Aussage für Dero so aus: |“Auf diversen Familienfeiern in den 70ern wurde ich ‚gezwungen‘ mit meinem Vater (Gitarrist, Sänger) alle nur erdenklichen Elvis-Songs in grauenhaftem Englisch rauf und runter zu schmettern.“|

|Die Musik:|

Secret Discovery: „Follow Me“
Seabound: The Promise
Ivory Frequency: Clock is ticking fast
Beauty of Gemina: Hunters
Digital Factor: Conspiracy (Are you real?)
Blind passengers: Forgotten years

Berliner Filmorchester und Kammerchor

Regisseur Simon Bertling und Tonmeister Christian Hagitte von |STIL| sorgten für die gute Produktion, die Musik und die Sounds; ihnen half Cornelia Schilling. Die Produzenten sind Marc Sieper von |Lübbe Audio| sowie Oliver Ihrens von Radar Media, Bochum. Das interessante Booklet-Design stammt von Kai Hoffmann.

_Vorgeschichte_

Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt – er war fünf Jahre im Ausland – wird der junge Kulturwissenschaftler Christian Wagner in mysteriöse Todesfälle verwickelt. Christian ist einer von neun Spezialschülern, den „Titanen“. So nannten sich vor 15 Jahren die Mitglieder einer Gruppe von jungen Hochbegabten, die von der Scholl-Stiftung gefördert und von ihrem Lehrmeister Dr. Volker Brandt ausgebildet wurden. Die Titanen, so Bruno, waren in der antiken Sage die Kinder von Göttern und Menschenfrauen. Die Nephilim hingegen waren die Kinder von Dämonen, die sich mit Menschenfrauen paarten: negative Titanen. Treibt hier jemand ein fieses Spiel mit den letzten Titanen?

Auf der rechten Ferse jeder Leiche findet er das gleiche Tattoo, das er selbst auch trägt: das ägyptische Ankh-Symbol, ein Henkelkreuz, das „Leben“ bedeutet. Es ist kombiniert mit dem „Auge des Horus“, das, wenn geöffnet, einen Schutzzauber darstellt. [Beide Symbole sind auf der CD selbst aufgedruckt.] Ist dieses Horus-Augen-Tattoo jedoch pupillenlos, also blind, dann handelt es sich um einen Nephilim, ein früheres, aber abtrünnig gewordenes Mitglied der „Titanen“.

Da Christian ein Waisenkind ist, das von der Industriellenfamilie Scholl aufgezogen wurde, bildet Bruno Schwab seinen Vaterersatz. Bei den Scholls lernte er Sibylle Scholl als seine Schwester kennen und machte sie zu seiner ersten Geliebten. Andrian Bloch, den er nun in seiner Heimatstadt wiedertrifft, war ebenfalls einer der „Titanen“. Die Familie Bloch ist mit den Scholls seit jeher befreundet.

Seit seiner Rückkehr sind bereits zwei der „Titanen“ umgekommen. Beide Leichen weisen eine Tätowierung an der rechten Ferse auf: das blinde Auge des ägyptischen Sonnengottes Horus, das Zeichen der Nephilim, eines Geheimordens. In den Rollenspielen der „Titanen“ war Christian stets der Gott Osiris, Sibylle die Göttin Isis und Adrian der eifersüchtige Gott Seth, der Osiris tötete. Doch wer war Horus, der Sohn des Osiris? Adrian treibt sich immer noch in der Stadt herum, als neuer Besitzer der Villa Scholl, dem Sitz der Titanen.

Dieser ägyptisch-mythologische Hintergrund könnte etwas mit dem Schicksal des Ägyptologen Prof. Jan Erik Walberg zu tun haben, der Christian anrief und treffen wollte, aber unauffindbar ist: Wurde er entführt? Als Christian mit der Journalistin Tina Müller zu Walbergs Labor fährt, findet er dort zwar eine Botschaft, wird jedoch auch mit dem Tod bedroht: durch eine Flutwelle aus dem nahen Stausee. Hat ihn jemand im Visier? Christian fühlt sich zunehmend verfolgt.

_Handlung_

Zwei Wochen sind seit den Ereignissen auf der Insel vergangen, bei denen Christian Wagner ins blutige Geschehen eingriff, woraufhin er in eine Schlägerei verwickelt wurde. Zwei Wochen hat er im Krankenhaus gelegen, doch heute soll er entlassen werden. Doch was dann? Jeder will offenbar etwas von ihm.

Die Polizistin Alexa Voss besucht ihn als Erste, doch dabei bleibt es nicht. Ihr Chef, der Hauptkommmissar, bringt eine Akte über die „Titanen“ und die mysteriösen „Nephilim“. Christian beispielsweise ist ein Titan, ein ehemaliger Musterschüler in der Obhut von Dr. Bruno Schwartz. In der Akte steht, dass vor 15 Jahren vier „Titanen“ die Leiche des Industriellen Otto Bloch exhumiert hätten. Das nennt man wohl Leichenschändung, zumindest aber Störung der Totenruhe. Die Typen auf den Fotos, die in einem Zeitungsartikel abgedruckt sind, erkennt er alle wieder. Otto Bloch war der Großvater von Christians Freund Adrian Bloch, der heute in der Villa Scholl ein Unternehmen leitet.

Als Alexas Chef sie vor die Tür ruft und dort lautstark mit ihr berät, dass sie Christian Wagner einbuchten sollten, wird es Christian etwas heiß unter der Schädeldecke. Als ein Anwalt aufkreuzt und ebenfalls lautstark bei Alexa wegen irgendetwas protestiert, ergreift jemand anderes die Gelegenheit beim Schopf: Tina, die Journalistin! Zusammen mit ihr haut Christian ab, bevor der Kommissar seine Pläne in die Tat umsetzt. Tina recherchiert Otto Blochs „mysteriösen Tod“. Um diesen aufzuklären, gruben ihn die vier Titanen damals aus.

Einem Hinweis Tinas folgend, bringt sie der Taxifahrer auf eine Brachfläche am Stadtrand. Hier findet eine Kirmes statt, überall stehen Fahrgeschäfte. Als Christian durch die Gassen stolpert, denkt er, er sehe in einem Kabinett zwei Mädels, eines splitternackt, eines im Abendkleid, und sie küssen sich. Muss wohl eine Halluzination sein, oder? Beim „Tanz der Generationen“ entdeckt er ein Orakel, an der Schießbude erlegt er einen Teddybären, und schließlich landet er auf der Geisterbahn, wo ihm zwei nette Ladys das Ohr lecken.

Draußen wartet Tina mit seinem Teddybär. Zurück zum Orakel. Aus einem Sarkophag steigt eine Frau empor und zitiert aus Goethes „Faust“. Sie will, dass er ihren Schleier lüftet … In diesem Moment hören sie die Stimme von Alexas Chef. Die Bullen sind hinter ihm her! Ein freundlicher Clown öffnet ihnen einen Wohnwagen, unter dessen Bodenklappe sie sich verstecken können. In diesem Verschlag schlagen Wogen der Erinnerungen über Christian zusammen, als er wieder erwacht, zerrt der Clown – ist es Bruno Schwartz – dem aufgeschlitzten Teddybär vier Filmrollen aus dem Leib. Der Clown gibt Christian einen Hinweis: auf ins Kino!

Hier legt Walter Zürn, den Christian noch aus der Villa Scholl kennt (Episode 4), die bewussten vier Filme ein. Nachdem Tina wegen Terminen wegmustse, schaut sich Christian die Streifen allein mit Walter an: ein Ausflug in die goldene Zeit deutscher Archäologie im Orient. Hat Nathanael Bloch wirklich das Grab des Echnaton, des Ketzerpharaos, gefunden? Christian ist fassungslos. Keine Zeitung hat je darüber berichtet – wieso nicht? Aber auf einem anderen Film ist eine Inventarliste aus dem Jahr 1912 zu sehen: Unmengen von Altertümern – wo sind sie abgeblieben?

Christian erinnert sich an das Senetspiel, das den Saalboden in der Villa Scholl bedeckt. Er spielte dabei den Osiris, den Gatten der Isis, doch wer spielte seinen Mörder Seth? Dann schießt es ihm durchs Hirn: Er selbst hütet das Geheimnis, wo Echnatons Mumie versteckt ist! Doch er hat es niemandem verraten. Wirklich?

_Mein Eindruck_

Die Serie entwickelt zwar ihre eigene Handlung und Ästhetik, doch zunehmend gewinnt die ägyptische Mythologie an Bedeutung. Die Zwischenstation zwischen der Gegenwart und der Ausgrabung der Altertümer anno 1912 bildet die Gründung der Titanen und ihrer Widersacher, der Nephilim, vor mindestens 15 bis 20 Jahren, unter der Ägide von Dr. Bruno Schwartz.

Was trug sich alles in der Villa Scholl und ihrem mysteriösen Innenleben zu? Christian Wagner, unser Held mit dem Erinnerungshandicap, foltert sein Gedächtnis, doch nur in Augenblicken extremer emotionaler Belastung bequemt sich selbiges, einen Erinnerungsbrocken auszuspucken. Es ist davon auszugehen, dass uns bis zum Schluss der Serie noch jede Menge Geheimnisse beschäftigen werden.

Immer wieder stolpert Christian über einen „hageren bleichen Typ“, den Dero, der Bandleader von |Oomph!|, spricht. Dessen Auftauchen folgt keinem erkennbaren Prinzip außer dem des Jokers im Spiel, so dass die Frage nach der Motivation zwecklos ist. Auch der Umstand, dass Christian ein Typ ist, auf den Frauen fliegen, bedarf keiner weiteren Begründung: Wer fragt denn noch, wenn ihm so lustvoll die Ohrmuschel geleckt wird?! (Dass die Ohrmuschel eine erogene Zone ist, sollte sich allmählich herumgesprochen haben.)

Ansonsten spielt das Hörspiel mit den Versatzstücken der ollen Ägypter: Echnaton und die Götter, das [Senetspiel]http://de.wikipedia.org/wiki/Senet (das nur Fachleute kennen) und natürlich das übliche Geheimbundspiel: Wenn du nicht für uns bist und zu uns gehört, dann bist du ein Verräter und gegen uns. Kein Wunder, dass sich Titanen und Nephilim gegenseitig bekämpfen. Irgendwo müssen die Leichen aus den ersten Folgen ja herkommen. Osiris war jedoch der Obergott des alten Ägypten, der Vater von Ra / Horus. Wer hat Christian diese hohe Position zugestanden bzw. zugewiesen? Ist er wirklich der Wächter der Echnatonmumie (die wirklich nie gefunden wurde)? Haben ein paar Titanen vor 15 Jahren wirklich Otto Blochs Leiche mit der Echnatonmumie verwechselt?

Fragen über Fragen, die der Beantwortung harren. Aber es kommen noch mindestens drei Hörspiele.

_Die Inszenierung_

Die Geräuschkulisse des Hörspiels ist nicht allzu realistisch. Man hört nicht jede Tasse klappern, nicht jedes Auto vorbeirauschen. Vielmehr stehen die Kommunikationsmittel im Vordergrund: Handys, Telefone, Türklingeln, fehlen nur noch Türklopfer und Megafone. Auf der Kirmes sind allenthalben entsprechende Töne und Geräusche zu hören.

Alexander Scheers raue Raucherstimme passt zum Möchtegerndetektiv à la Philip Marlowe, der nur per Zufall zum Kulturwissenschaftler geworden zu sein scheint. Sein Gegenteil, ein Ausbund an Disziplin und Pflichtbewusstsein, bildet die Rolle der Alexa Voss, gesprochen von Anne Moll (zuvor Sandra Speichert) Sie tritt in dieser Episode gleichberechtigt neben der kindlich-eifrigen Tina Müller, gesprochen von Anna Thalbach, auf.

|Die Musik|

Spätestens nach einer halben Stunde des Anhörens verhärtet sich im Zuhörer der Verdacht, dass die ganze Handlung eigentlich nur ein Vorwand ist. Nämlich der Vorwand, um möglichst viel deutsche Neo-Gothic-Musik abspielen zu können. Die oben aufgeführte Interpretenliste ist nur die Spitze des Eisbergs dessen, was den Zuhörer erwartet. Es verwundert nicht, dass in die Produktion des Hörspiels Firmen wie |Radar Media|, |STIL| (für die professionelle Soundproduktion) und ein Musikmagazin namens „Sonic Seducer“ eingebunden sind.

Letzteres hat sich mit einem Aufkleber auf der Hülle verewigt. |Radar Media| ist im Booklet mit einer ganzen Seite Werbung vertreten. |Radar| hat das Copyright und die Markenrechte für „Schattenreich“ inne, folglich war die Firma auch an der Produktion beteiligt. Und da es in ihrem Interesse liegt, die Bands wie |Rammstein|, |Oomph!| usw. zu vermarkten, packte sie natürlich so viel Musik wie möglich auf die Silberscheibe, sei es aus dem Taxiradio, sei es auf der Kirmes.

Diese Dinge sollte man wissen, wenn man die Musikeinlagen des Hörspiels bewertet. Plötzlich wird aus der Handlung nicht das Hauptgericht, sondern lediglich die Beilage. Deshalb dröhnt unvermittelt der Leadsong „Follow me“ durch die Boxen, nachdem bereits ein Donnerschlag den Zuhörer aus seiner Bürgerruhe aufgescheucht hat. Es gibt anschließend kaum eine ruhige Minute, in der keine Musik erklingt. Hier hat |Radar Media| ganze Arbeit geleistet. Immerhin ist es nicht mehr ganz so schlimm wie auf den ersten beiden CDs, denn jetzt wird der Hauptfigur mehr musiklose Zeit zum Nachdenken gegönnt.

|Webseite|

Hinweis: Auf http://www.schattenreich.net findet man das Tagebuch einer Figur, um die es immer wieder im Hörspiel geht. Ich tippe als Autorin auf Sibylle Scholl, die angeblich beim Brand ihrer Klinik umgekommene Billie, Christians Geliebte. (Ist sie Isis?) Das Tagebuch bietet zusätzliche Hintergrundinformationen.

_Unterm Strich_

Die Reihe „Schattenreich“ wendet sich an die gleiche Zielgruppe wie die Musik-CDs, die DVDs und die TV-Produktionen (von denen ich bislang nichts gesehen habe): Gothic-Rock-Freunde, für die Musik nicht nur Unterhaltung, sondern eine Lebenshaltung und eine modische Aussage darstellt. Anstelle von Vampiren und anderem blutigem Gesocks treten aber in „Schattenreich“ nur jede Menge mystisch gestimmte Typen auf, die sich irgendwie zwielichtig aufführen. Ford Prefect würde sagen: „Weitgehend harmlos“.

Wie bei allem, was das Studio |STIL| produziert, ist das Produkt hinsichtlich Sound und Optik vom Feinsten. Immerhin erreichen das Studio und der |Lübbe|-Verlag eine neue Zielgruppe, die mit „Offenbarung 23“ nur unzureichend erreicht wird: die Gothic-Rockfans, die auf Bands wie |Rammstein|, |Oomph!| und |IAMX| stehen. Diesbezüglich kann „Offenbarung 23“ glatt einpacken. Wer die Songs runterladen will, findet auf schattenreich.net den Link dorthin.

|63 Minuten auf 1 CD|
http://www.schattenreich.net
http://www.luebbe-audio.de
http://www.stil.name
http://www.sonic-seducer.de
http://www.radar-net.de

Meirose, Astrid / Pruß, Volker – Schattenreich 2: Finstere Fluten

_Gothic-Musikmenü mit Story-Dessert_

Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt wird der junge Kulturwissenschaftler Christian Wagner in mysteriöse Todesfälle verwickelt. Der Äygptologe Prof. Jan Erik Walberg, der Christian anrief und treffen wollte, ist unauffindbar: Wurde er entführt? Oder hat er sich absetzen müssen, weil seine Forschungen an Mumien alle moralischen Grenzen überschritten haben? Ein grausiger Fund, den Christian Wagner in Walbergs Labor macht, lässt Schreckliches erahnen. Welchem sinistren Zweck diente das Labor?

_Die Autoren_

Als Autoren zeichnen Astrid Meirose und Volker Pruß verantwortlich. Mehr über die Serie findet man unter http://www.schattenreich.net.

Folge 1: Die Nephilim
Folge 2: Finstere Fluten
Folge 3: Spur in die Tiefe
Folge 4: Nachthauch

_Die Inszenierung_

Die Rollen und ihre Sprecher:

Christian Wagner – Alexander Scheer
Alexa Voss – Sandra Speichert
Dr. Bruno Schwab – Volker Brandt
Adrian Bloch – Norman Matt
Geheimnisvolle Frau – Daniela Hoffmann
Hagerer, bleichgesichtiger Typ – Dero („Oomph!“)
Tina Müller – Anna Thalbach

sowie David Turba, Clara Nicolai, Manfred Lehmann, Joachim Höppner, Regina Lemnitz, André Sander, Santiago Ziesmer.

Alexander Scheer (geboren am 1. Juni 1976 in Ost-Berlin) verließ nach dem 11. Schuljahr die Schule und jobbte die folgenden vier Jahre als Friedhofsgärtner, Postbote, Barkeeper und als Darsteller in einigen Werbefilmen. Er überzeugte den Regisseur Leander Haußmann bei einem Casting zum Film Sonnenallee, seiner ersten Kinofilmerfahrung, sodass Haußmann ihm die Rolle des Protagonist Michas anbot. Nach den Dreharbeiten zu „Sonnenallee“ folgte er Leander Haußmann, der Intendant am Schauspielhaus war, nach Bochum. Dort spielte er Rollen in Theaterstücken wie Viel Lärm um Nichts, Leonce und Lena oder Faust ist tot. Im Film „Viktor Vogel – Comercial Man“ trat er neben Götz George, Julien Lambroschini, Nele Mueller-Stöfen und Maria Schrader auf.

Anna Thalbach (eigentlich: Anna Maria Joachim genannt Thalbach) steht seit ihrem sechsten Lebensjahr vor der Kamera, dabei war der Weg zur Schauspielerei nicht so gerade, wie man es bei der Tochter von Katharina Thalbach annehmen könnte. Sie beginnt nach dem Abschluss der Mittleren Reife zunächst eine Hospitanz als Kostümbildnerin am Schillertheater. Doch der Hang zum Schauspiel überwiegt, und bald schon feiert sie selbst große Bühnenerfolge, so auch an der Seite ihrer Mutter in „Mutter Courage“. Mittlerweile war sie in rund dreißig Kino- und TV-Filmen zu sehen.

Sandra Speichert (geboren am 22. Januar 1971 in Basel) wurde als Tochter deutscher Eltern aus Lörrach geboren und wuchs in den Niederlanden, Belgien und Frankreich auf. Sie spricht neben Deutsch, Französisch und Englisch auch Flämisch und Schweizerdeutsch. Bis zu ihrem 16. Lebensjahr erhielt sie Ballett-Unterricht. Danach machte sie am Internationalen Gymnasium St. Germain-en-Laye das Abitur. Von 1990 bis 1992 nahm sie Schauspielunterricht am Cour Florent in Paris und trat unter anderem in La Traviata, Carmen und Bolero auf. Im Marais-Viertel, in dem sie lebt, ist sie seit Ende der 80er Jahre regelmäßig auf Theater-Bühnen zu finden. Sie spielte in „Profil Bas“, „Die Halbstarken“, „Der Campus“ und „Kai Rabe gegen die Vatikankiller“.

Dero wurde am 16. April 1970 in Wolfsburg geboren. In der Band |Oomph!|, die 1989 gegründet wurde, ist er der Mann für den Gesang, die Texte, Drums und Kompositionen. Der Weg zur Musik sah laut eigener Aussage für Dero so aus: „Auf diversen Familienfeiern in den 70ern wurde ich ‚gezwungen‘, mit meinem Vater (Gitarrist, Sänger) alle nur erdenklichen Elvis-Songs in grauenhaftem Englisch rauf und runter zu schmettern.“

Daniela Hoffmann ist die deutsche Stimme von Julia Roberts, Volker Brandt die von Michael Douglas.

|Die Musik:|

|Secret Discovery|: „Follow Me“ / „Away“
|Anti Doctrine|: „Downfall“
|ASP|: „Ich will brennen“
|Letzte Instanz|: „Tanz“
|Oomph!|: Gott ist ein Popstar
|Garden of Delight|: „Play Dead (Sanctus Fortis)“
|Vigilante|: „The Other Side“
|De/Vision|: „The End“
|Qntal|: „Ozymandias 1“
Das Berliner Filmorchester und Kammerchor

Regisseur Simon Bertling und Tonmeister Christian Hagitte von |STIL| sorgten für die gute Produktion, die Musik und die Sounds; ihnen half Cornelia Schilling. Die Produzenten sind Marc Sieper von |Lübbe Audio| sowie Oliver Ihrens von |Radar Media|, Bochum. Das interessante Booklet-Design stammt von Kai Hoffmann.

_Handlung_

PROLOG. „Ich bin alles, was gewesen ist, was noch ist und was sein wird. Und meinen Schleier hat noch kein Sterblicher gelüftet.“ Man meint die gute Frau wohl, wer sie ist? Wir erfahren es nicht.

|Haupthandlung.|

Christian Wagner, seines Zeichens Kulturwissenschaftler und kürzlich nach fünf Jahren im Ausland in seine Heimatstadt zurückgekehrt, sitzt im Zug. Wieder einmal erinnert er sich an seine tote Geliebte Billie (bürgerlich Sibylle Scholl), die mit ihm Mitglied der Elitegruppe der „Titanen“ war.

Christian sucht den Ägyptologen Prof. Jan Erik Walberg. Er hat gesehen, wie der Prof offenbar kurz vor Beginn seines Vortrags über Mumien verschleppt wurde. Allerdings glaubt keiner Christian Beobachtung, schon gar nicht seine Ex Alexa Voss, die nicht mehr bei der Kripo, sondern fürs Bundeskriminalamt (BKA) arbeitet, das die Ermittlungen an der Mordserie in der Stadt übernommen hat. Schon drei Ex-Titanen sind tot, und Christian könnte der nächste sein.

Die Lokaljournalistin Tina Müller setzt sich neben ihn. Leider kann er die Klappe nicht halten und äußert schwere Zweifel an den offensichtlichen Vertuschungsmanövern des BKA. Das findet Tina natürlich mega-interessant, und so schließen die beiden Freundschaft. Was für ein Zufall: Sie fährt ebenfalls zu Walberg, um dessen Labor zu bewundern – und zu fotografieren. So ein medizinisch gebildeter Ägyptologe kommt ihr fast wie Dr. Frankenstein vor. Was es da wohl Schauriges zu finden gibt? Per Handy bekommt sie eine Einladung zu einem „Dark Halloween Event“ an ihrem Zielort.

Sie besorgt Christian ein Dracula-Kostüm, mit dem er dann alleine auf der Party aufkreuzt. Was sollen bloß all die vielen Kürbisse hier? Von einem halbnackten Knochenmann mit Bodypainting bekommt er einen scharfen Drink, der voll reinhaut. Ein paar hübsche Mädels reichen ihm einen Joint, der noch mehr reinhaut: Endlich kann die Chose losgehen. Es wird eine Nephilim-Orgie, was sonst. Dass Nephilims negative Titanen sind, stört ihn beim Anblick zweier textilfreier Mädels herzlich wenig. Ob wohl auch Tina hinter einer der Masken steckt?

Am nächsten Morgen kriegt Christian kaum seine Knochen aus dem Bett. Da klingelt schon sein Handy: Tina will ihn abholen, um Walbergs Haus zu besuchen. Sie sagt rein gar nichts über die Orgie am Vorabend, und er geniert sich, das Thema anzuschneiden. Wer weiß schon, welche Sauereien er mit ihr angestellt hat?

Das ehemalige Gutshaus steht am Fuße einer bedrohlich aufragenden Staumauer. Auf ihr Klopfen öffnet niemand; da die Tür offen ist, treten sie ein. Hinter einer Stahltür stoßen sie auf Walbergs Labor. Hier soll er angeblich Gehirne von Mumien seziert haben. Das ist nach Christians Meinung völliger Schwachsinn, den ägyptischen Mumien wurde stets das Gehirn entnommen. Nur das Herz verblieb im Körper.

Als Tina den Kühlschrank öffnet, schreckt sie zurück: Da steckt ein Kopf in einem Glas! Christian kennt den Kopf: Er gehörte Robert „Robbie“ Gruber, einem der „Titanen“ in seiner Gruppe. Er lässt Tina Fotos davon machen. Im Rechenzentrum finden sie eine Liste, auf der nur Christians Stammbaum ausgedruckt ist. Das findet Christian seltsam, denn woher soll Walberg ihn so genau kennen? Sind es die Finanziers von Walbergs Projekt, die die Verbindung bilden?

Auf einmal hört Tina ein mächtiges Donnern, und als sie zur hinteren Tür hinausschauen, sehen sie eine Wasserwand auf sich zurasen. Der Stausee läuft über!

_Mein Eindruck_

Allmählich wird die Handlung so dünn, dass sie auf einen Notizzettel passt. Vor lauter Andeutungen beginnt der Zuhörer allmählich daran zu zweifeln, dass Christian wirklich mal auf ein handfestes Skandälchen stößt. Ein Totenkopf im Kühlschrank? Genau passend zu Halloween, oder?!

Apropos Halloween: Der ganze Kurztrip zu Walberg ist vielleicht nur die Tarnung für einen Abstecher zu einer zünftigen Orgie in der Provinz, und was dabei vernascht wird, sind wohl keine Kürbisköpfe. Wie schon in der ersten Episode finden diverse weibliche Leckereien auf zwei Beinen heftigen Zuspruch, und da Christian, unser Superdetektiv, bis zur Halskrause zugedröhnt ist, lässt er dabei nichts anbrennen. So lieben wir unsere Gothic-Helden: Immer bereit, einen draufzumachen und die Sau rauszulassen. Die Mumien werden ihm schon nicht weglaufen, oder?

Die Anleihen bei „Sakrileg“ sind nicht zu übersehen: Christian ist ein Kollege von Robert Langdon, aber Gott sei Dank wesentlich weniger verklemmt. Auch scheint Christian nicht unbeteiligter Beobachter zu sein, sondern ein Teil des Rätsels, das das Schicksal der gemeuchelten Titanen umgibt. In einem weiteren bekifften Moment glaubt er sogar, Prof. Walberg bei Bruno Schwab, seinem Mentor, zu sehen, aber das kann ja wohl nicht sein, oder? Die Folgen sind ausdenkbar. Da könnte Christian ja gleich alle ehemaligen Kameraden verdächtigen.

Auch die Audioserie „Offenbarung 23“ lässt schön grüßen. Dort wurde der mystische Hintergrund hinsichtlich Stonehenge und die Weltverschwörung der Mithrasanhänger weidlich ausgeschlachtet (besonders in „Machiavelli“). Auch diesmal wälzt Christian Verschwörungsgedanken, die von seinem besseren Ich Alexa Voss natürlich sofort als Paranoia abgeschmettert werden. Aber hat Alexas BKA nicht gerade eine Mordserie vertuscht? Wie so oft, wird das Publikum im Ungewissen gelassen, was es denn nun glauben soll. Da hilft nur eines: weiterhören! Die nächsten zwei Episoden (siehe oben) kommen bestimmt.

_Die Inszenierung_

Die Geräuschkulisse des Hörspiels ist nicht allzu realistisch. Man hört nicht jede Tasse klappern, nicht jedes Auto vorbeirauschen. Vielmehr stehen die Kommunikationsmittel im Vordergrund: Handys, Telefone, Türklingeln, fehlen nur noch Türklopfer und Megafone. Ein Wecker nervt mit seinem Ticken, und die Krähe am Anfang nervt noch mehr. Kein Wunder, dass Christian ständig an Kopfschmerzen und Schlafmangel leidet.

Alexander Scheers raue Raucherstimme passt zum Möchtegerndetektiv à la Philip Marlowe, der nur per Zufall zum Kulturwissenschaftler geworden zu sein scheint. Sein Gegenteil, ein Ausbund an Disziplin und Pflichtbewusstsein, bildet die Rolle der Alexa Voss, gesprochen von Sandra Speichert. Sie tritt in dieser Episode hinter der kindlich-eifrigen Tina Müller, gesprochen von Anna Thalbach, zurück.

Den thrillergemäßen Höhepunkt der Episode bildet die Szene in Walbergs Labor. Es ist wie bei Dr. Frankenstein. Entsprechend unheimlich ist das soundmäßige Ambiente. Als die Stahltür des Labors zuschlägt, erschrickt der Zuhörer ob des gehörigen Donnerschlags. Das ist aber noch gar nichts gegen das Donnern der Wasserwand, das die Szene beendet, während unsere zwei Supernasen weggespült werden.

|Die Musik|

Spätestens nach einer halben Stunde des Anhörens verhärtet sich im Zuhörer der Verdacht, dass diese ganze ausgeklügelte Handlung eigentlich nur ein Vorwand ist. Nämlich der Vorwand, um möglichst viel deutsche Neo-Gothic-Musik abspielen zu können. Die oben aufgeführte Interpretenliste ist nur die Spitze des Eisbergs dessen, was den Zuhörer erwartet. Es verwundert nicht, dass in die Produktion des Hörspiels Firmen wie |Radar Media|, |Stil| (für die professionelle Soundproduktion) und das Musikmagazin „Sonic Seducer“ eingebunden sind.

Letzteres hat sich mit einem Aufkleber auf der Hülle verewigt. |Radar Media| ist im Booklet mit einer ganzen Seite Werbung vertreten: „Schattenreich Vol. 3: Die Kult-Kompilation als 2CD [sic!] und DVD u.a. mit Rammstein, Oomph!, Marilyn Manson […] und unveröffentlichten TV-Sessions [!!] mit „Camouflage“, „In Extremo“ und anderen Specials“. |Radar| hat das Copyright und die Markenrechte für „Schattenreich“ inne, folglich war die Firma auch an der Produktion beteiligt. Und da es in ihrem Interesse liegt, die Bands wie |Rammstein|, |Oomph!| usw. zu vermarkten, packte sie natürlich so viel Musik wie möglich auf die Silberscheibe. Jedes Mal eine Disko-Session in die Handlung einzubauen – egal wie –, war daher obligatorisch, und das merkt man auch in Episode 2.

Diese Dinge sollte man wissen, wenn man die Musikeinlagen des Hörspiels bewertet. Plötzlich wird aus der Handlung nicht das Hauptgericht, sondern lediglich die Beilage. Deshalb dröhnt unvermittelt der Leadsong „Follow me“ durch die Boxen, nachdem bereits ein Donnerschlag den Zuhörer aus seiner Bürgerruhe aufgescheucht hat. Es gibt anschließend kaum eine ruhige Minute, in der keine Musik erklingt. Hier hat |Radar Media| ganze Arbeit geleistet. Und wer sich nun verstört fragt, wer denn bitte schön |Rammstein|, |Marilyn Manson| und |Oomph!| seien, der sei auf die aktuellen Albumcharts verwiesen. Und wer mich nun fragt, was für eine Sprache dieser seltsam mystische Chor da singt, dem kann ich nur achselzuckend antworten, ich hätte keine Ahnung. Es klingt jedenfalls ein ganz klein wenig nach Hebräisch (aber das sage ich ohne Gewähr).

Hinweis: Auf http://www.schattenreich.net findet man das Tagebuch einer Figur, um die es immer wieder im Hörspiel geht. Ich tippe als Autorin auf Sibylle Scholl, die angeblich beim Brand ihrer Klinik umgekommene Billie, Christians Geliebte. Das Tagebuch bietet zusätzliche Hintergrundinformationen.

_Unterm Strich_

Die Story von „Schattenreich 2“ ist, wie gesagt, so dünn, dass sie auf einen Post-it-Zettel passt. Darüber nachzugrübel, ist der Mühe nicht wert. Der Plot enthält Elemente einer Serienhandlung, die Anleihen bei „Sakrileg“ und „Offenbarung 23“ sind. Die Story wartet aber mit genügend Rätseln auf, dass der Zuhörer bei der Stange bleibt. Ansonsten ist zu konstatieren, dass dieser Plot als Vorwand für a) Sex und b) jede Menge Musik-Marketing dient. Daran trägt der Produzent |Radar Media| die Verantwortung. Und wenn die Handlung nicht in die Gänge kommt, dann liegt es an willkürlich eingebauten Szenen wie der in der Dorf-Disco „Alte Mühle“ (hey, so heißt ja meine!), die nur dem Aufgeilen des Publikums dient, aber ansonsten keinen geistigen Nährwert besitzt.

Wie bei allem, was das Studio |STIL| produziert, ist das Produkt hinsichtlich Sound und Optik vom Feinsten. Immerhin erreichen das Studio und der |Lübbe|-Verlag eine neue Zielgruppe, die mit „Offenbarung 23“ nur unzureichend bedient wird: die Gothic-Rockfans, die auf Bands wie |Rammstein|, |Oomph!| und |ASP| stehen. Diesbezüglich kann „Offenbarung 23“ glatt einpacken. Wer die Songs runterladen will, findet auf http://www.schattenreich.net den Link dorthin.

|67 Minuten auf 1 CD|

Meirose, Astrid / Pruß, Volker – Schattenreich 1: Die Nephilim

_Neue Gothic-Serie: Sakrileg trifft Offenbarung 23_

Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt – er war fünf Jahre im Ausland – wird der junge Kulturwissenschaftler Christian Wagner in mysteriöse Todesfälle verwickelt. Als ihn eine unsichtbare Macht ins Schattenreich entführt, enthüllen sich ihm die Nachtseiten der menschlichen Natur. Hinter den Masken bürgerlicher Wohlanständigkeit treibt ein skrupelloses Netzwerk ein größenwahnsinniges Spiel. (Verlagsinfo)

_Die Autoren_

Als Autoren zeichnen Astrid Meirose und Volker Pruß verantwortlich. Mehr über die Serie findet man unter http://www.schattenreich.net.

Folge 1: Die Nephilim
Folge 2: Finstere Fluten
Folge 3: Spur in die Tiefe
Folge 4: Nachthauch

_Die Inszenierung_

Die Rollen und ihre Sprecher:

Christian Wagner – Alexander Scheer
Alexa Voss – Sandra Speichert
Dr. Bruno Schwab – Volker Brandt
Adrian Bloch – Norman Matt
Geheimnisvolle Frau – Daniela Hoffmann
Hagerer, bleichgesichtiger Typ – Dero („Oomph!“)
Tina Müller – Anna Thalbach

sowie David Turba, Clara Nicolai, Manfred Lehmann.

Alexander Scheer (geboren am 1. Juni 1976 in Ost-Berlin) verließ nach dem 11. Schuljahr die Schule und jobbte die folgenden vier Jahre als Friedhofsgärtner, Postbote, Barkeeper und als Darsteller in einigen Werbefilmen. Er überzeugte den Regisseur Leander Haußmann bei einem Casting zum Film Sonnenallee, seiner ersten Kinofilmerfahrung, sodass Haußmann ihm die Rolle des Protagonist Michas anbot. Nach den Dreharbeiten zu „Sonnenallee“ folgte er Leander Haußmann, der Intendant am Schauspielhaus war, nach Bochum. Dort spielte er Rollen in Theaterstücken wie Viel Lärm um Nichts, Leonce und Lena oder Faust ist tot. Im Film „Viktor Vogel – Comercial Man“ trat er neben Götz George, Julien Lambroschini, Nele Mueller-Stöfen und Maria Schrader auf.

Anna Thalbach (eigentlich: Anna Maria Joachim genannt Thalbach) steht seit ihrem sechsten Lebensjahr vor der Kamera, dabei war der Weg zur Schauspielerei nicht so gerade, wie man es bei der Tochter von Katharina Thalbach annehmen könnte. Sie beginnt nach dem Abschluss der Mittleren Reife zunächst eine Hospitanz als Kostümbildnerin am Schillertheater. Doch der Hang zum Schauspiel überwiegt, und bald schon feiert sie selbst große Bühnenerfolge, so auch an der Seite ihrer Mutter in „Mutter Courage“. Mittlerweile war sie in rund dreißig Kino- und TV-Filmen zu sehen.

Sandra Speichert (geboren am 22. Januar 1971 in Basel) wurde als Tochter deutscher Eltern aus Lörrach geboren und wuchs in den Niederlanden, Belgien und Frankreich auf. Sie spricht neben Deutsch, Französisch und Englisch auch Flämisch und Schweizerdeutsch. Bis zu ihrem 16. Lebensjahr erhielt sie Ballett-Unterricht. Danach machte sie am Internationalen Gymnasium St. Germain-en-Laye das Abitur. Von 1990 bis 1992 nahm sie Schauspielunterricht am Cour Florent in Paris und trat unter anderem in La Traviata, Carmen und Bolero auf. Im Marais-Viertel, in dem sie lebt, ist sie seit Ende der 80er Jahre regelmäßig auf Theater-Bühnen zu finden. Sie spielte in „Profil Bas“, „Die Halbstarken“, „Der Campus“ und „Kai Rabe gegen die Vatikankiller“.

Dero wurde am 16. April 1970 in Wolfsburg geboren. In der Band |Oomph!|, die 1989 gegründet wurde, ist er der Mann für den Gesang, die Texte, Drums und Kompositionen. Der Weg zur Musik sah laut eigener Aussage für Dero so aus: „Auf diversen Familienfeiern in den 70ern wurde ich ‚gezwungen‘, mit meinem Vater (Gitarrist, Sänger) alle nur erdenklichen Elvis-Songs in grauenhaftem Englisch rauf und runter zu schmettern.“

Daniela Hoffmann ist die deutsche Stimme von Julia Roberts, Volker Brandt die von Michael Douglas.

|Die Musik:|

|Secret Discovery|: „Follow Me“ / „Away“
|Zeraphine|: „Die Macht in Dir“
|XPQ-21|: „Rockin’ Silver Knight“
|Diskonnekted|: „Neon Dream“
|X-Fusion|: „Masochist“
|[:SITD:]|: „Richtfest“
|Combichrist|: „Blut Royal“
Das Berliner Filmorchester und Kammerchor

Regisseur Simon Bertling und Tonmeister Christian Hagitte von |STIL| sorgten für die gute Produktion, die Musik und die Sounds; ihnen half Cornelia Schilling. Die Produzenten sind Marc Sieper von |Lübbe Audio| sowie Oliver Ihrens von |Radar Media|, Bochum. Das interessante Booklet-Design stammt von Kai Hoffmann.

_Handlung_

Christian Wagner erwacht, als sein Wecker klingelt und eine Krähe in seinem Zimmer krächzt. Nanu, wo kommt die denn her, fragt er sich, doch da klingelt schon sein Handy. Alexa, die Powerfrau-Polizistin, mit der er einmal liiert war, informiert ihn, dass schon wieder eine Leiche gefunden worden sei, genauso kopflos und tätowiert wie die anderen beiden. Ob er mal vorbeikommen könne? Dann zeigt ihm sein Handy eine SMS an und er spielt die Sprachnachricht ab: Es ist ein Goethezitat aus „Faust“. Er wird aus diesem Theaterstück noch zwei weitere Zitate erhalten. Wer sich wohl diesen seltsamen Scherz erlaubt, fragt er sich und taumelt zur Toilette.

Am Fundort der Leiche, die im Wald unweit der leer stehenden Villa Scholl liegt, sind außer der Mordkommission schon die Reporter versammelt. Nur Christian, der Kulturwissenschaftler, wird von Alexa durch die Absperrung gelassen. Da liegt die Leiche. Auf der rechten Ferse findet er das gleiche Tattoo, das er selbst auch trägt: das ägyptische Ankh-Symbol, ein Henkelkreuz, das „Leben“ bedeutet. Es ist kombiniert mit dem „Auge des Horus“, das, wenn geöffnet, einen Schutzzauber darstellt. [Beide Symbole sind auf der CD selbst aufgedruckt.] Dieses Auge hier jedoch ist pupillenlos, blind, und das jagt Christian einen Schauder über den Rücken. Dies ist ein böses Omen. Er erklärt Alexa, dass dies ein Nephilim sei, ein früheres, aber abtrünnig gewordenes Mitglied der „Titanen“.

|Titanen|

Alexa weiß Bescheid. Die Titanen – so nannten sich vor 15 Jahren die Mitglieder einer Gruppe von jungen Hochbegabten, die von der Scholl-Stiftung gefördert und von Dr. Bruno Schwab betreut und trainiert wurden. Die Titanen, so Bruno, waren in der antiken Sage die Kinder von Göttern und Menschenfrauen. Die Nephilim hingegen waren die Kinder von Dämonen, die sich mit Menschenfrauen paarten: negative Titanen. Treibt hier jemand ein fieses Spiel mit den letzten Titanen? Christian erinnert sich an seine geliebte Billie, die, wenn er selbst Osiris darstellte, seine Göttin Isis war. Doch da war auch Seth, der Gegenspieler des Gottes Osiris. Und der wurde von Adrian gespielt. Adrian treibt sich immer noch in der Stadt herum, als neuer Besitzer der Villa Scholl, dem Sitz der Titanen.

|Schattenreich|

Nach einem ergebnislosen Besuch bei seinem früheren Mentor Bruno Schwab, von dem er zweimal schachmatt gesetzt wird, besucht Christian abends eine Disko namens „Schattenreich“. Er zeigt seine Einladung vor und betritt ein völlig andere Welt. Halb entkleidete Tänzerinnen wiegen sich unter dem Einfluss von Marihuana, umgeben von gotischen Säulenbögen. Das Parkett zeigt die Felder eines ägyptischen Senet-Spiels*, wie er es zufällig bei Bruno gesehen hat.

Und da ist ja wieder die Frau mit der Medusenfrisur, die er am Fundort der Leiche zu sehen gemeint hat. Was aber dort eine Halluzination zu sein schien, entpuppt sich hier als erotische Realität. Und was noch besser ist: Sie sieht aus wie seine geliebte Billie, Gott hab sie selig. Während sie auf ihn zukommt, entblättert sie sich, so dass Christian nicht nur das Wasser im Mund zusammenläuft. Sie verziehen sich in eine ruhigere Ecke, wo sich ihm die „Pforte der Erkenntnis“ öffnet und er seine „Sehnsucht herausströmen“ lässt …

|Erwachen|

Am nächsten Morgen findet ihn eine Spaziergängerin nackt im Wald, mit einem Dauerständer. Sie ruft die Polizei, die in Gestalt von Alexa das Schlimmste zu verhindern weiß. Dann erinnert sich Christian, wie das Erlebnis in der Disko endete: Schwarze Nephilim-Kapuzenmänner marschierten in den Saal und eröffneten das Feuer aus Maschinengewehren.

*: »Senet war das wichtigste Spiel im Alten Ägypten. Erstmals erwähnt um 2600 v.
Chr., frönten alle Teile der Gesellschaft bis in die Mitte des ersten Jahrtausend n. Chr. dieser Leidenschaft. Bis heute kursieren unterschiedlichste Spielregeln, doch worum ging es wirklich …« (zitiert nach der Website www.schattenreich.net)

_Mein Eindruck_

Die Parallelen zu Dan Browns Megaseller „Sakrileg“ sind unverkennbar. Unser Kulturwissenschaftler entspricht dem Symbolkundler Robert Langdon und hat, wie dieser, die Aufgabe, diverse Symbole zu deuten. Praktisch alle Symbole stammen aus der altägyptischen Kultur, was zunächst für eine beruhigende Einheitlichkeit der Gegenwelt sorgt, in die uns nun die Handlung einführt.

Zunächst, denn Christian Wagner ist stärker in die Gegenwelt involviert, als er ahnt. Er war einer der „Titanen“, Mitglieder eines siebenköpfigen Zirkels aus begabten Eliteschülern, doch was ist aus ihnen geworden? Seine geliebte Billie (alias Sibylle Scholl) ist tot – angeblich starb sie bei einem Brand der Nervenheilanstalt, in der sie 15 Jahre lang untergebracht war und wo Christian sie zehn Jahre lang besuchte, bevor er das Land verließ. Aber vielleicht handelt es sich auch um den ersten Mord in der Serie, die Christian nun untersucht. Die Nephilim, in der hebräischen Sagenwelt die Nachkommen von Dämonen und Menschenfrauen, sind negative Titanen, doch in welcher Hinsicht? Und wenn es sich ehemalige Titanen handelt, wer hat sie dann „umgedreht“?

Christians Besuch in der Disko „Schattenreich“ als einfachen, aber in erotischer Hinsicht sehr erfolgreichen Drogentraum zu inszenieren, kommt im modischen Genre des Mystik-Horrors nicht gänzlich unerwartet. Solche Tricks setzt auch Wolfgang Hohlbein ein. Und das erotische Abenteuer in der ersten Episode unterzubringen, folgt der alten Produzentenmaxime, wonach in der ersten Viertelstunde eines Spielfilms entweder eine nackte Frau auftreten muss, etwas in die Luft fliegt oder ein Mann stirbt. Nun, zweieinhalb dieser Bedingungen können wir schon mal abhaken. Wenn man den Auftritt der ballernden Nephilimkiller im „Schattenreich“ als „halbe Explosion“ zählt.

Mit Vernunft und Logik ist also der Handlung herzlich wenig beizukommen, aber das liegt ja auch gar nicht in der Absicht der Macher. Und im Genre Horror liegt das Schwergewicht sowieso auf Symbolen: Die Außenwelt ist die Innenwelt, und wenn Christian in der Disko mit Billies Geist, der Medusenfrau, vögelt, so entspricht dies einem feuchten Traum. Ironisch ist denn auch, dass er anderntags im Wald nackt von einer alten Spaziergängerin gefunden wird. Sie entspricht seinem Über-Ich, das über die Kapriolen seines Es nur den Kopf schütteln kann.

Etwas prüde finde ich daher das Verhalten von Superfrau Alexa. Die Polizistin war ja schon ein- oder zweimal mit Christian im Bett, als sie noch zusammen waren, doch jetzt tut sie so, als ob sie seine Mutter wäre und ihn in die Schule schicken müsste. Das nenne ich pure Heuchelei. Dem Zuhörer, der ob Christians erotischer Eskapade womöglich von Schuldgefühlen geplagt wird, dürfte es das Gewissen beruhigen, wenn er von einer verzeihenden Mami so an die Hand genommen wird. Vielleicht hat Alexa aber auch noch andere Motive …

_Die Inszenierung_

Die Geräuschkulisse des Hörspiels ist nicht allzu realistisch. Man hört nicht jede Tasse klappern, nicht jedes Auto vorbeirauschen. Vielmehr stehen die Kommunikationsmittel im Vordergrund: Handys, Telefone, Türklingeln, fehlen nur noch Türklopfer und Megafone. Ein Wecker nervt mit seinem Ticken, und die Krähe am Anfang nervt noch mehr. Kein Wunder, dass Christian ständig an Kopfschmerzen und Schlafmangel leidet. Alexander Scheers raue Raucherstimme passt zum Möchtegerndetektiv à la Philip Marlowe, der nur per Zufall zum Kulturwissenschaftler geworden zu sein scheint. Sein Gegenteil, ein Ausbund an Disziplin und Pflichtbewusstsein, bildet die Rolle der Alexa Voss, gesprochen von Sandra Speichert. Wie gesagt, sie hat etwas Mütterliches an sich, so ähnlich, wie sich Barbara Bel Geddes sich in „Vertigo“ um den verliebt-verwirrten James Stewart alias „Johnnie-o“ Ferguson kümmert.

|Die Musik|

Spätestens nach einer halben Stunde des Anhörens verhärtet sich im Zuhörer der Verdacht, dass diese ganze ausgeklügelte Handlung eigentlich nur ein Vorwand ist. Nämlich der Vorwand, um möglichst viel deutsche Neo-Gothic-Musik abspielen zu können. Die oben aufgeführte Interpretenliste ist nur die Spitze des Eisbergs dessen, was den Zuhörer erwartet. Es verwundert nicht, dass in die Produktion des Hörspiels Firmen wie |Radar Media|, |Stil| (für die professionelle Soundproduktion) und das Musikmagazin [„Sonic Seducer“]http://www.sonic-seducer.de/ eingebunden sind.

Letzteres hat sich mit einem Aufkleber auf der Hülle verewigt. |Radar Media| ist im Booklet mit einer ganzen Seite Werbung vertreten: „Schattenreich Vol. 3: Die Kult-Kompilation als 2CD [sic!] und DVD u.a. mit Rammstein, Oomph!, Marilyn Manson […] und unveröffentlichten TV-Sessions [!!] mit „Camouflage“, „In Extremo“ und anderen Specials“. |Radar| hat das Copyright und die Markenrechte für „Schattenreich“ inne, folglich war die Firma auch an der Produktion beteiligt. Und da es in ihrem Interesse liegt, die Bands wie |Rammstein|, |Oomph!| usw. zu vermarkten, packte sie natürlich so viel Musik wie möglich auf die Silberscheibe. Jedes Mal eine Disko-Session in die Handlung einzubauen – egal wie –, war daher obligatorisch, und das merkt man auch in Episode 2.

Diese Dinge sollte man wissen, wenn man die Musikeinlagen des Hörspiels bewertet. Plötzlich wird aus der Handlung nicht das Hauptgericht, sondern lediglich die Beilage. Deshalb dröhnt unvermittelt der Leadsong „Follow me“ durch die Boxen, nachdem bereits ein Donnerschlag den Zuhörer aus seiner Bürgerruhe aufgescheucht hat. Es gibt anschließend kaum eine ruhige Minute, in der keine Musik erklingt. Hier hat |Radar Media| ganze Arbeit geleistet. Und wer sich nun verstört fragt, wer denn bitte schön |Rammstein|, |Marilyn Manson| und |Oomph!| seien, der sei auf die aktuellen Albumcharts verwiesen. Und wer mich nun fragt, was für eine Sprache dieser seltsam mystische Chor da singt, dem kann ich nur achselzuckend antworten, ich hätte keine Ahnung. Es klingt jedenfalls ein ganz klein wenig nach Hebräisch (aber das sage ich ohne Gewähr).

Hinweis: Auf http://www.schattenreich.net findet man das Tagebuch einer Figur, um die es immer wieder im Hörspiel geht. Ich tippe als Autorin auf Sibylle Scholl, die angeblich beim Brand ihrer Klinik umgekommene Billie, Christians Geliebte. Das Tagebuch bietet zusätzliche Hintergrundinformationen.

_Unterm Strich_

„Schattenreich 1“ ist der Beginn einer Serienhandlung, die Anleihen bei „Sakrileg“ und „Offenbarung 23“ macht, aber mit genügend Rätseln aufwartet, damit der Zuhörer bei der Stange bleibt. Ansonsten ist zu konstatieren, dass dieser Plot als Vorwand für a) Sex in der Disco und b) jede Menge Musik-Marketing dient. Daran trägt der Produzent |Radar Media| die Verantwortung. Und wenn die Handlung nicht in die Gänge kommt, dann liegt es an sinnlosen Szenen wie der in der titelgebenden Disco, die nur dem Aufgeilen des Publikums dient, aber ansonsten keinen geistigen Nährwert besitzt.

Wie bei allem, was das Studio |STIL| produziert, ist das Produkt hinsichtlich Sound und Optik vom Feinsten. Immerhin erreichen das Studio und der |Lübbe|-Verlag eine neue Zielgruppe, die mit „Offenbarung 23“ nur unzureichend bedient wird: die Gothic-Rockfans, die auf Bands wie |Rammstein|, |Oomph!| und |ASP| stehen. Diesbezüglich kann „Offenbarung 23“ glatt einpacken. Wer die Songs runterladen will, findet auf http://www.schattenreich.net den Link dorthin.

|57 Minuten auf 1 CD|

Meirose, Astrid / Pruß, Volker / Bertling, Simon / Hagitte, Christian / Sieper, Marc / Ihrens, O. – Schattenreich 8: Das blinde Auge des Horus

_Nachtspuk: Schneewittchen im Glassarg_

Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt – er war fünf Jahre im Ausland – wird der junge Kulturwissenschaftler Christian Wagner in mysteriöse Todesfälle verwickelt. Als ihn eine unsichtbare Macht ins Schattenreich entführt, enthüllen sich ihm die Nachtseiten der menschlichen Natur. Hinter den Masken bürgerlicher Wohlanständigkeit treibt ein skrupelloses Netzwerk ein größenwahnsinniges Spiel.

Der Äygptologe Prof. Jan Erik Walberg, der Christian anrief und treffen wollte, ist unauffindbar: Wurde er entführt? Oder hat er sich absetzen müssen, weil seine Forschungen an Mumien alle moralischen Grenzen überschritten haben? Ein grausiger Fund, den Christian Wagner in Walbergs Labor macht, lässt Schreckliches erahnen.

In einem unterirdischen Archiv entdeckt Wagner eine alte Inventarliste über die Öffnung eines Pharaonengrabs, signiert mit dem Zeichen der Nephilim, dem Auge des Horus. Wagner erkennt, dass die Vergangenheit die Gegenwart auf grausame Weise einholen wird. Oder ist er selbst Akteur in einem Spiel, welches das Leben nur simuliert? Eine Sternenkarte könnte ihm den Weg weisen.

Die Karte zeigt eine Planeten- und Mondkonstellation, die nur an einem bestimmten Tag stattfindet und auf eine Kultstätte verweist, die er finden muss – auf einer Nordseeeinsel. Dort findet ein ungeheuerliches Ritual statt, vorgenommen von seinem Mentor Dr. Bruno Schwab. Doch plötzlich tritt eine feindliche Gruppe auf. Ist die finale Auseinandersetzung der Nephilim mit den Titanen gekommen?

Was geschah vor fast 100 Jahren, das zwei befreundete Familien zu Feinden werden ließ? Des Rätsels Lösung scheint in den Tiefen der Villa Scholl zu ruhen. Wagner bemerkt zu spät, dass er selbst der Hüter des Geheimnisses ist. Er gerät unter den Einfluss einer Geheimgesellschaft. Deren Mitglieder sind Anhänger eines genialen Herrscherpaares, dessen Wirken die Kultur fast für immer aus dem Gedächtnis gelöscht hätte. Nun scheint ihre Zeit des Handelns gekommen zu sein. Doch wohin wird ihr Weg sie führen?

_Die Autoren_

Als Autoren zeichnen Astrid Meirose und Volker Pruß verantwortlich. Mehr über die Serie findet man unter http://www.schattenreich.net.

Folge 1: Die Nephilim
Folge 2: Finstere Fluten
Folge 3: Spur in die Tiefe
Folge 4: Nachthauch
Folge 5: Das Grab des Ketzers
Folge 6: Echnatons Vermächtnis
Folge 7: Hinter schwarzen Spiegeln
Folge 8: Das blinde Auge des Horus

_Die Inszenierung_

|Die Rollen und ihre Sprecher:|

Christian Wagner: Alexander Scheer
Tina Müller: Anna Thalbach
Alexa Voss: Anne Moll
Dr. Bruno Schwab: Volker Brandt (dt. Stimme von Michael Douglas)
Adrian Bloch: Norman Matt (Cillian Murphy, Jonathan Rhys-Meyers)
Jan-Erik Walberg: Lutz Riedel (dt. Stimme von Timothy Dalton)
Walther Zürn: Stefan Krause (Billy ‚Pippin‘ Boyd)
Geheimnisvolle Frau/Billie Scholl: Daniela Hoffmann (dt. Stimme von Julia Roberts)
Gruftie / Gerold Gruber: Dero (|Oomph!|)

sowie Natalie Spinell und Hasso Zorn u. a.

ANNA THALBACH steht seit ihrem sechsten Lebensjahr vor der Kamera, dabei war der Weg zur Schauspielerei nicht so gerade, wie man es bei der Tochter von Katharina Thalbach annehmen könnte. Sie beginnt nach dem Abschluss der Mittleren Reife zunächst eine Hospitanz als Kostümbildnerin am Schillertheater. Doch der Hang zum Schauspiel überwiegt, und bald schon feierte sie selbst große Bühnenerfolge, so auch an der Seite ihrer Mutter in „Mutter Courage“.

DERO wurde am 16. April 1970 in Wolfsburg geboren. In der Band Oomph!, die 1989 gegründet wurde, ist er der Mann für den Gesang, die Texte, Drums, und Kompositionen. Der Weg zur Musik sah laut eigener Aussage für Dero so aus: „Auf diversen Familienfeiern in den 70ern wurde ich ‚gezwungen‘, mit meinem Vater (Gitarrist, Sänger) alle nur erdenklichen Elvis-Songs in grauenhaftem Englisch rauf und runter zu schmettern.“

|Die Musik:|

Secret Discovery: „Follow Me“
b.o.s.c.h – Mehr
Nik Page – Herzschlag
Lola Angst – Am I dead?
Suicide Commando – Second death
Diva Destruction – Rewriting history
Berliner Filmorchester und Kammerchor

Regisseur Simon Bertling und Tonmeister Christian Hagitte von STIL sorgten für die gute Produktion, die Musik und die Sounds; ihnen half Cornelia Schilling. Die Produzenten sind Marc Sieper von Lübbe Audio sowie Oliver Ihrens von Radar Media, Bochum. Das interessante Booklet-Design stammt von Kai Hoffmann.

_Vorgeschichte_

Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt – er war fünf Jahre im Ausland – wird der junge Kulturwissenschaftler Christian Wagner in mysteriöse Todesfälle verwickelt. Christian ist einer von neun Spezialschülern, den „Titanen“. So nannten sich vor 15 Jahren die Mitglieder einer Gruppe von jungen Hochbegabten, die von der Scholl-Stiftung gefördert und von ihrem Lehrmeister Dr. Volker Brandt ausgebildet wurden. Die Titanen, so Bruno, waren in der antiken Sage die Kinder von Göttern und Menschenfrauen. Die Nephilim hingegen waren die Kinder von Dämonen, die sich mit Menschenfrauen paarten: negative Titanen. Treibt hier jemand ein fieses Spiel mit den letzten Titanen?

Auf der rechten Ferse jeder Leiche findet er das gleiche Tattoo, das er selbst auch trägt: das ägyptische Ankh-Symbol, ein Henkelkreuz, das „Leben“ bedeutet. Es ist kombiniert mit dem „Auge des Horus“, das, wenn geöffnet, einen Schutzzauber darstellt. [Beide Symbole sind auf der CD selbst aufgedruckt.] Ist dieses Horus-Augen-Tattoo jedoch pupillenlos, also blind, dann handelt es sich um einen Nephilim, ein früheres, aber abtrünnig gewordenes Mitglied der „Titanen“.

Da Christian ein Waisenkind ist, das von der Industriellenfamilie Scholl aufgezogen wurde, bildet Bruno Schwab seinen Vaterersatz. Bei den Scholls lernte er Sibylle Scholl als seine Schwester kennen und machte sie zu seiner ersten Geliebten. Adrian Bloch, den er nun in seiner Heimatstadt wiedertrifft, war ebenfalls einer der „Titanen“. Die Familie Bloch ist mit den Scholls seit jeher befreundet.

Seit seiner Rückkehr sind bereits zwei der „Titanen“ umgekommen. Beide Leichen weisen eine Tätowierung an der rechten Ferse auf: das blinde Auge des ägyptischen Sonnengottes Horus, das Zeichen der Nephilim, eines Geheimordens. In den Rollenspielen der „Titanen“ war Christian stets der Gott Osiris, Sibylle die Göttin Isis und Adrian der eifersüchtige Gott Seth, der Osiris tötete. Doch wer war Horus, der Sohn des Osiris? Adrian treibt sich immer noch in der Stadt herum, als neuer Besitzer der Villa Scholl, dem Sitz der Titanen.

Dieser ägyptisch-mythologische Hintergrund könnte etwas mit dem Schicksal des Ägyptologen Prof. Jan Erik Walberg zu tun haben, der Christian anrief und treffen wollte, aber unauffindbar ist: Wurde er entführt? Als Christian mit der Journalistin Tina Müller zu Walbergs Labor fährt, findet er dort zwar eine Botschaft, wird jedoch auch mit dem Tod bedroht: durch eine Flutwelle aus dem nahen Stausee. Hat ihn jemand im Visier? Christian fühlt sich zunehmend verfolgt.

_Handlung_

Nachts schleicht Christian durch den finsteren und ausgedehnten Sibyllenwald, der sich unweit der Villa Scholl erstreckt. Dort hat Christian die Stelle des Leiters der Scholl-Stiftung angetreten, die ihm Adrian Bloch vermittelt hat. Er ist jetzt de facto nicht nur der Hausmeisters, sondern auch zuständig für die Betreuung von psychisch labilen Menschen. Aber was führt ihn dann nächtens mitten in den Wald?

Er folgt dem Mann, der sich als der mysteriöse und scheinbar allgegenwärtige Walter Zürn herausstellt. Walter trifft sich mit dem hageren Typ, der Chris ständig über den Weg läuft und ihn regelmäßig mit „mein Freund“ anspricht. Als ob das etwas zu bedeuten hätte. Die beiden stapfen durchs Unterholz, und Chris muss leise mitschleichen. Plötzlich sind die beiden wie vom Erdboden verschluckt.

Zwischen dornigem Brombeergesträuch stößt Chris auf den Eingang zu einem alten Mausoleum aus der Zeit um 1900. Hier, so weiß er, war einst Nathanael Bloch bestattet, nachdem er im I. Weltkrieg gefallen war, doch seine Leiche ist schon längst woanders bestattet worden. Um wen also handelt es sich bei der Leiche, die Chris in einem Glassarg liegen sieht?

Der Typ sieht genauso aus wie Otto Bloch, jener auf mysteriöse Weise im Casino Monte d’Oro verschwundene Sohn Nathanaels. Es muss sich um Odoakar handeln, den von Madame Margaretes Mutter geretteten und vor seinem Vater versteckten Zwillingsbruder Ottos. Doch was sollen all die Schläuche, die in den Sarg führen? Und was ist das für ein betäubender Gestank in dieser Gruft?

Indem er vor Walter Zürn und dem Grufti flüchtet, torkelt Chris aus dem unterirdischen Bau. Nicht weit entfernt befindet sich eine Höhle, die er ebenfalls aus seiner Kindheit kennt, als er in der Villa Scholl aufwuchs. Doch diese Höhle ist nicht leer, wie er bald feststellt. An einem kleinen See steht Billie, seine Jugendfreundin: nackt, schwarzhaarig und nass. Hat sie gebadet? „Endlich bist du gekommen!“ begrüßt sie ihn, doch er, peinlich berührt, kapiert nicht, was sie von ihm will. Faselt sie doch von Osiris – das ist er selbst -, Seth und Isis. Letztere ist offenbar Billie.

Als er sich immer noch dumm stellt, wirft sie ihm ihr Handtuch an den Kopf und verschwindet. Als er draußen auf dem Waldboden erwacht, weckt ihn Tina Müller oder vielmehr ihr Hund Adenauer. Wieso ist Tina eigentlich immer genau dann zur Stelle, wenn er sie braucht?

_Mein Eindruck_

Diese Folge setzt chronologisch zwei Wochen nach Folge sieben ein. Dort stieg Chris am Schluss in Brunos Wagen ein, doch was dann passierte, wird uns verschwiegen. Also kann es nicht wichtig gewesen sein, und wir brauchen es nicht zu wissen. Aber solche Lücken machen dennoch keinen guten Eindruck: Der Hörer fühlt sich irgendwie manipuliert (was er natürlich ist).

Christian erfährt endlich, wo Otto Blochs Zwillingsbruder abgeblieben ist, aber was das männliche Schneewittchen in dem Glassarg soll, gibt ihm noch Rätsel auf. Weitere Nachforschungen verkneift er sich jedoch, denn nach seiner Begegnung mit der nackten Billie, die angeblich ebenfalls verschwunden sein soll, gibt es in der Villa Scholl, wo er hausmeistert, einiges zu entdecken. Christian taugt also als Detektiv à la Sherlock Holmes denkbar schlecht. Und von einem John Watson ist weit und breit nichts zu sehen, es sei denn, man will Tina Müller so bezeichnen. Sie entspricht eher einem Schutzengel.

So wie der Wald von mystischen Reminiszenzen überlagert wird – mit Schneewittchen und Isis / Billie Scholl -, ist dies auch mit der Villa Scholl der Fall. Sie ist ein eigenes Universum, das Christian erst zum Teil erforscht hat, denn schließlich ist er ein Teil davon. Er muss nur noch herausfinden, wo hier sein Platz ist. Einstweilen ist er der lokale Institutsleiter, aber was besagt das schon? Fremde stehen in seinem Büro und telefonieren, sein Vorgänger Adrian Bloch hat all seinen Krempel hier hinterlassen (auch ganz interessant), und der geheimnisvolle Walter Zürn erscheint immer dann, wenn man ihn nicht braucht.

Zürn immerhin gibt so viel preis: Christian sei der „Gesalbte“, der alle Dinge in Ordnung bringen werde. Na, toll, und wie soll er das machen? Kaum fasst er eine scharfe Braut wie seine Ex Alexa an, schon verduftet sie, und Tina Müller knutscht mit Adrian Bloch rum – vor Christians Nase. Da kann es mit dem Ordnen wohl nicht so weit her sein, oder?

Aber wie sich zeigt, hat Christian einen Vertrag zu erfüllen bzw. zu erneuern. Es ist der Ägyptologe Walberg, der wieder mal unmotiviert auftaucht, um Chris zu bedrängen. Christian sei sowohl ein Experiment als auch der Gegenstand und Einsatz einer Wette. Na, da fühlt sich Chris gleich viel besser: Er ist bloß eine Schachfigur in einem Senetspiel, das Unbekannte für ihn aufgestellt haben. Wieder mal flüchtet er sich in einen seiner zahlreichen Blackouts, und diesmal kann man es ihm nicht verdenken.

_Die Inszenierung_

|Die Sprecher|

Alexander Scheers raue Raucherstimme passt zum Möchtegerndetektiv à la Philip Marlowe, der nur per Zufall zum Kulturwissenschaftler geworden zu sein scheint. Sein Gegenteil, ein Ausbund an Disziplin und Pflichtbewusstsein, bildet die Rolle der Alexa Voss, gesprochen von Anne Moll (zuvor Sandra Speichert). Sie tritt in dieser Episode gleichberechtigt neben der kindlich-eifrigen Tina Müller, gesprochen von Anna Thalbach, auf. Tina Müller hat die Funktion des Schutzengels und darf folglich überall auftreten, wo Chris in Not ist.

Diesmal sprechen mehrere Stimmen aus dem Off, befinden sich also nicht auf der „Bühne“, sondern nur in Christians Erinnerung. Dazu gehören Bruno, Christians Mentor, sowie Sigmund Scholl, sein Ziehvater, bei dem er aufwuchs. Dass immer mal wieder Isis alias Billie Scholl etwas zitiert, sollte man ebenfalls festhalten.

|Die Geräusche|

Die Geräuschkulisse des Hörspiels ist nicht allzu realistisch. Man hört nicht jede Tasse klappern, nicht jedes Auto vorbeirauschen. Vielmehr stehen die Kommunikationsmittel im Vordergrund: Handys, Telefone, Türklingeln, fehlen nur noch Türklopfer und Megafone. Im tiefen Nachtwald ruft natürlich das Käuzchen „Schuhu!“, doch wenn Chris morgens aufwacht, zwitschern Vögel, bellen Hunde und dröhnen Motoren, von klingelnden Telefonen ganz zu schweigen. Es gibt also eine deutliche Trennung zwischen Nacht- und Tagwelt sowie zwischen Außen- und Innenwelt, etwa durch die Off-Stimmen.

Häufig sind die Stimmen durch Hall verstärkt oder durch Effekte verzerrt, so etwa, um eine Nachrichtensprecherstimme aus dem Lautsprecher nachzubilden. (Die Lautsprecher sind in Hörspielen grundsätzlich auf dem Stand der siebziger Jahre und klingen entsprechend kratzig.)

Darf man sehr tiefe Bässe noch zu den Geräuschen und Effekten zählen, oder sind sie bereits zur Musik zu rechnen? Egal, sie seien an dieser Stelle mal hervorgehoben. Sie werden in den Schattenreich-Hörspielen nämlich regelmäßig eingesetzt, um Angst zu erzeugen, nicht etwa bei der jeweiligen Figur, sondern im Zuhörer. Sie sind deshalb so tief, damit dieser Vorgang unbemerkt bleibt und unterschwellig wirken kann.

|Die Musik|

Spätestens nach einer halben Stunde des Anhörens verhärtet sich im Zuhörer der Verdacht, dass die ganze Handlung eigentlich nur ein Vorwand ist. Nämlich der Vorwand, um möglichst viel deutsche Neo-Gothic-Musik abspielen zu können. Die oben aufgeführte Interpretenliste ist nur die Spitze des Eisbergs dessen, was den Zuhörer erwartet. Es verwundert nicht, dass in die Produktion des Hörspiels Firmen wie |Radar Media|, |STIL| (für die professionelle Soundproduktion) und ein Musikmagazin namens |Sonic Seducer| eingebunden sind.

Letzteres hat sich mit einem Aufkleber auf der Hülle verewigt. |Radar Media| ist im Booklet mit einer ganzen Seite Werbung vertreten. |Radar| hat das Copyright und die Markenrechte für „Schattenreich“ inne, folglich war die Firma auch an der Produktion beteiligt. Und da es in ihrem Interesse liegt, die Bands wie |Rammstein|, |Oomph!| usw. zu vermarkten, packte sie natürlich so viel Musik wie möglich auf die Silberscheibe.

Diese Dinge sollte man wissen, wenn man die Musikeinlagen des Hörspiels bewertet. Plötzlich wird aus der Handlung nicht das Hauptgericht, sondern lediglich die Beilage. Deshalb dröhnt unvermittelt der Leadsong „Follow me“ durch die Boxen, nachdem bereits ein Donnerschlag den Zuhörer aus seiner Bürgerruhe aufgescheucht hat. Es gibt anschließend kaum eine ruhige Minute, in der keine Musik erklingt. Hier hat |Radar Media| ganze Arbeit geleistet.

Immerhin ist es nicht mehr ganz so schlimm wie auf den ersten beiden CDs, denn jetzt wird der Hauptfigur mehr musiklose Zeit zum Nachdenken gegönnt. Die Lauscher stellten sich mir auf, als ein deutscher Text von einer Sängerin zu einem Piano gesungen wurde, so dass ich endlich einmal den Text verstehen konnte. (Die Neo-Gothic-Sänger scheinen einen Horror davor zu haben, ihre Stimme unverzerrt und verständlich einzusetzen, wahrscheinlich, weil ihre Texte zu schlecht sind.)

|Webseite|

Hinweis: Auf www.schattenreich.net findet man das Tagebuch einer Figur, um die es immer wieder im Hörspiel geht. Ich tippe als Autorin auf Sibylle Scholl, die angeblich beim Brand ihrer Klinik umgekommene Billie, Christians Geliebte. Das Tagebuch bietet zusätzliche Hintergrundinformationen.

_Unterm Strich_

Bislang hat die Handlung von Schattenreich-Folgen noch nicht durch Logik geglänzt. Die Anwendung von Logik würde auch der mystifizierenden Absicht der Autoren widersprechen, die überall Rätsel aufstellen und Geheimnisse aufzeigen. Wenn ich Christian wäre, hätte ich schon längst den Verstand verloren und hätte mich von den Männern in den weißen Kitteln abholen lassen. Aber wie Paul Atreides ist auch Christian Wagner etwas genetisch Besonderes, eine Art Übermensch, der über besondere Fähigkeiten verfügt. Leider gehört das Berechnen des kleinen Einmaleins nicht dazu.

Die Reihe „Schattenreich“ wendet sich an die gleiche Zielgruppe wie die Musik-CDs, die DVDs und die TV-Produktionen (von denen ich bislang nichts gesehen habe): Gothic-Rock-Freunde, für die Musik nicht nur Unterhaltung, sondern eine Lebenshaltung und eine modische Aussage darstellt. Anstelle von Vampiren und anderem blutigem Gesocks treten aber in „Schattenreich“ nur jede Menge mystisch gestimmte Typen auf, die sich irgendwie zwielichtig aufführen. Ford Prefect würde sagen: „Weitgehend harmlos“.

Wie bei allem, was das Studio |STIL| produziert, ist das Produkt hinsichtlich Sound und Optik vom Feinsten. Immerhin erreichen das Studio und der |Lübbe|-Verlag eine neue Zielgruppe, die mit „Offenbarung 23“ nur unzureichend angesprochen wird: die Gothic-Rockfans, die auf Bands wie |Rammstein| und |Oomph!| stehen. Diesbezüglich kann „Offenbarung 23“ glatt einpacken. Wer die Songs runterladen will, findet auf www.schattenreich.net den Link dorthin.

|57 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-7857-3466-7|
http://www.schattenreich.net
http://www.luebbe-audio.de
http://www.stil.name
http://www.sonic-seducer.de
http://www.radar-net.de

Meirose, Astrid / Pruß, Volker / Bertling, Simon / Hagitte, Christian / Sieper, Marc / Ihrens, O. – Schattenreich 7: Hinter schwarzen Spiegeln

_Wie Alice durch die Spiegel_

Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt – er war fünf Jahre im Ausland – wird der junge Kulturwissenschaftler Christian Wagner in mysteriöse Todesfälle verwickelt. Als ihn eine unsichtbare Macht ins Schattenreich entführt, enthüllen sich ihm die Nachtseiten der menschlichen Natur. Hinter den Masken bürgerlicher Wohlanständigkeit treibt ein skrupelloses Netzwerk ein größenwahnsinniges Spiel.

Der Äygptologe Prof. Jan Erik Walberg, der Christian anrief und treffen wollte, ist unauffindbar: Wurde er entführt? Oder hat er sich absetzen müssen, weil seine Forschungen an Mumien alle moralischen Grenzen überschritten haben? Ein grausiger Fund, den Christian Wagner in Walbergs Labor macht, lässt Schreckliches erahnen.

In einem unterirdischen Archiv entdeckt Wagner eine alte Inventarliste über die Öffnung eines Pharaonengrabs, signiert mit dem Zeichen der Nephilim, dem Auge des Horus. Wagner erkennt, dass die Vergangenheit die Gegenwart auf grausame Weise einholen wird. Oder ist er selbst Akteur in einem Spiel, welches das Leben nur simuliert? Eine Sternenkarte könnte ihm den Weg weisen.

Die Karte zeigt eine Planeten- und Mondkonstellation, die nur an einem bestimmten Tag stattfindet und auf eine Kultstätte verweist, die er finden muss – auf einer Nordseeeinsel. Dort findet ein ungeheuerliches Ritual statt, vorgenommen von seinem Mentor Dr. Bruno Schwab. Doch plötzlich tritt eine feindliche Gruppe auf. Ist die finale Auseinandersetzung der Nephilim mit den Titanen gekommen?

Was geschah vor fast 100 Jahren, das zwei befreundete Familien zu Feinden werden ließ? Des Rätsels Lösung scheint in den Tiefen der Villa Scholl zu ruhen. Wagner bemerkt zu spät, dass er selbst der Hüter des Geheimnisses ist. Er gerät unter den Einfluss einer Geheimgesellschaft. Deren Mitglieder sind Anhänger eines genialen Herrscherpaares, dessen Wirken die Kultur fast für immer aus dem Gedächtnis gelöscht hätte. Nun scheint ihre Zeit des Handelns gekommen zu sein. Doch wohin wird ihr Weg sie führen?

Folge 7: Zeigen Spiegel die Wirklichkeit? Oder verkehren sie die Dinge in ihr Gegenteil? Im Spiegelsaal des Casino Monte d’Oro beginnt sich die verwirrte Welt des Christian Wagner in eine Ordnung zu fügen. Aber wie viel Wissen können Menschen ertragen? Die Illusion der Wahrheit wird ihre Opfer fordern.

_Die Autoren_

Als Autoren zeichnen Astrid Meirose und Volker Pruß verantwortlich. Mehr über die Serie findet man unter http://www.schattenreich.net.

Folge 1: Die Nephilim
Folge 2: Finstere Fluten
Folge 3: Spur in die Tiefe
Folge 4: Nachthauch
Folge 5: Das Grab des Ketzers
Folge 6: Echnatons Vermächtnis
Folge 7: Hinter schwarzen Spiegeln
Folge 8: Das blinde Auge des Horus

_Die Inszenierung_

Die Rollen und ihre Sprecher:

Christian Wagner: Alexander Scheer
Tina Müller: Anna Thalbach
Alexa Voss: Anne Moll
Dr. Bruno Schwab: Volker Brandt (dt. Stimme von Michael Douglas)
Max Lohmann: Manfred Lehmann (Synchronstimme von Bruce Willis)
Adrian Bloch: Norman Matt (Cillian Murphy, Jonathan Rhys-Meyers)
Moritz Goldmund: Dietmar Wunder (Cuba Gooding jr., Adam Sandler, Don Cheadle)
Walther Zürn: Stefan Krause (Billy ‚Pippin‘ Boyd)
Madame Margarete: Barbara Ratthey
Geheimnisvolle Frau/Billie Scholl: Daniela Hoffmann (dt. Stimme von Julia Roberts)
Hagerer, bleichgesichtiger Typ: Dero („Oomph!“)

sowie Kerstin Sanders-Dornseif und Oliver Brod u. a.

ANNA THALBACH steht seit ihrem sechsten Lebensjahr vor der Kamera, dabei war der Weg zur Schauspielerei nicht so gerade, wie man es bei der Tochter von Katharina Thalbach annehmen könnte. Sie beginnt nach dem Abschluss der Mittleren Reife zunächst eine Hospitanz als Kostümbildnerin am Schillertheater. Doch der Hang zum Schauspiel überwiegt, und bald schon feierte sie selbst große Bühnenerfolge, so auch an der Seite ihrer Mutter in „Mutter Courage“.

DERO wurde am 16. April 1970 in Wolfsburg geboren. In der Band |Oomph!|, die 1989 gegründet wurde, ist er der Mann für den Gesang, die Texte, Drums, und Kompositionen. Der Weg zur Musik sah laut eigener Aussage für Dero so aus: „Auf diversen Familienfeiern in den 70ern wurde ich ‚gezwungen‘, mit meinem Vater (Gitarrist, Sänger) alle nur erdenklichen Elvis-Songs in grauenhaftem Englisch rauf und runter zu schmettern.“

Die Musik:

Secret Discovery: „Follow Me“
Qntal: Departir
b.o.s.c.h.: Spiegel
Michelle Darkness: Brand New Drug
Jesus On Extasy: Beloved Enemy
The Spook: Cowgirl
Berliner Filmorchester und der Hochmeisterchor Berlin unter Leitung von Chr. Hagitte.

Regisseur Simon Bertling und Tonmeister Christian Hagitte von |STIL| sorgten für die gute Produktion, die Musik und die Sounds; ihnen half Cornelia Schilling. Die Produzenten sind Marc Sieper von |Lübbe Audio| sowie Oliver Ihrens von |Radar Media|, Bochum. Das interessante Booklet-Design stammt von Kai Hoffmann.

_Vorgeschichte_

Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt – er war fünf Jahre im Ausland – wird der junge Kulturwissenschaftler Christian Wagner in mysteriöse Todesfälle verwickelt. Christian ist einer von neun Spezialschülern, den „Titanen“. So nannten sich vor 15 Jahren die Mitglieder einer Gruppe von jungen Hochbegabten, die von der Scholl-Stiftung gefördert und von ihrem Lehrmeister Dr. Volker Brandt ausgebildet wurden. Die Titanen, so Bruno, waren in der antiken Sage die Kinder von Göttern und Menschenfrauen. Die Nephilim hingegen waren die Kinder von Dämonen, die sich mit Menschenfrauen paarten: negative Titanen. Treibt hier jemand ein fieses Spiel mit den letzten Titanen?

Auf der rechten Ferse jeder Leiche findet er das gleiche Tattoo, das er selbst auch trägt: das ägyptische Ankh-Symbol, ein Henkelkreuz, das „Leben“ bedeutet. Es ist kombiniert mit dem „Auge des Horus“, das, wenn geöffnet, einen Schutzzauber darstellt. [Beide Symbole sind auf der CD selbst aufgedruckt.] Ist dieses Horus-Augen-Tattoo jedoch pupillenlos, also blind, dann handelt es sich um einen Nephilim, ein früheres, aber abtrünnig gewordenes Mitglied der „Titanen“.

Da Christian ein Waisenkind ist, das von der Industriellenfamilie Scholl aufgezogen wurde, bildet Bruno Schwab seinen Vaterersatz. Bei den Scholls lernte er Sibylle Scholl als seine Schwester kennen und machte sie zu seiner ersten Geliebten. Adrian Bloch, den er nun in seiner Heimatstadt wiedertrifft, war ebenfalls einer der „Titanen“. Die Familie Bloch ist mit den Scholls seit jeher befreundet.

Seit seiner Rückkehr sind bereits zwei der „Titanen“ umgekommen. Beide Leichen weisen eine Tätowierung an der rechten Ferse auf: das blinde Auge des ägyptischen Sonnengottes Horus, das Zeichen der Nephilim, eines Geheimordens. In den Rollenspielen der „Titanen“ war Christian stets der Gott Osiris, Sibylle die Göttin Isis und Adrian der eifersüchtige Gott Seth, der Osiris tötete. Doch wer war Horus, der Sohn des Osiris? Adrian treibt sich immer noch in der Stadt herum, als neuer Besitzer der Villa Scholl, dem Sitz der Titanen.

Dieser ägyptisch-mythologische Hintergrund könnte etwas mit dem Schicksal des Ägyptologen Prof. Jan Erik Walberg zu tun haben, der Christian anrief und treffen wollte, aber unauffindbar ist: Wurde er entführt? Als Christian mit der Journalistin Tina Müller zu Walbergs Labor fährt, findet er dort zwar eine Botschaft, wird jedoch auch mit dem Tod bedroht: durch eine Flutwelle aus dem nahen Stausee. Hat ihn jemand im Visier? Christian fühlt sich zunehmend verfolgt.

_Handlung_

Im Spiegelsaal des Casino Monte d’Oro rollt die Roulettekugel und klicken die Chips in ihren Stapeln, als Christian am Spieltisch zuschaut und zunehmend in Trance gerät. Doch er hält Ausschau nach einem bestimmten Mann. Otto Bloch, Adrians Großvater, soll hier vor 15 Jahren verschwunden sein. Auch Kommissar Lohmann ist darum bemüht, dieses Rätsel zu lösen, wie Chris inzwischen erfahren hat. Und wie er nun von Alexa Voss, der Polizsitin, erfährt, lässt Lohmann ihn überwachen. Na, toll. Aber wieso hat hat Alexa seine Verkleidung durchschaut? Weil sie seine Ex ist, vielleicht.

Als Alexa aufs WC geht, um sich die Nase zu pudern, macht sich wieder diese nervige Alte an Chris heran und traktiert ihn mit einem „Faust“-Zitat, als sei sie Billie Scholl persönlich: „Ein guter Mensch in seinem dunklen Drange“ – kennt man ja zur Genüge. Chris sieht im Spiegel sein Ich, aber daneben ein Mädchen, das sich ihm als Führerin anbietet – es steht nicht neben seinem echten Ich. Chris verlangt, zum Senetspiel geführt zu werden und setzt auf die 19. In einer Ecke spielt Walter Zürn Humpty-Dumpty, das Ei auf der Mauer, doch der Weg führt weiter. In einem Saal erscheint ein älterer Mann mit einer Pistole, und daneben steht ein weiterer Mann, der genauso aussieht. Es muss Otto mit einem seiner Brüder sein, oder?

Schüsse fallen, Spiegel zerbrechen, Schreie ertönen. Chris erwacht aus seiner Trance und merkt, dass Lohmann persönlich eingetroffen ist: Razzia! Doch eine Gruppe schwarzgewandeter Kapuzenmänner tritt auf und eröffnet mit Maschinenpistolen das Feuer auf die in Aufruhr und Panik geratende Menge der Casino-Besucher. Chris versucht sich zu verkrümeln. Gott sei Dank, da ist Tina – immer zur Stelle, wenn Not an der Frau ist.

Von dem hageren, düsteren Typ, der Chris allmählich ziemlich bekannt vorkommt, lässt sie sich zu Madame Margarete, einer Wahrsagerin, fahren. Wieso das jetzt?, will Chris wissen. Darauf Tina: Weil Madame Margarete die Tochter der Amme im Hause Bloch ist und folglich jede Menge Geheimnisse kennt. Und woher weiß Tina das? Na, weil sie eine Reporterin ist, und Reporterinnen wissen bekanntlich alles.

Wenig später beginnt Rauch aus Madame Margaretes Haus in der Glockengasse aufzusteigen …

_Mein Eindruck_

Christian Wagner versucht immer noch, die Puzzleteile seiner eigenen Vergangenheit zusammenzusetzen. Anscheinend leidet er unter einer massiven Erinnerungsblockade, verursacht durch seinen langen Auslandsaufenthalt. Wer mit dieser Logik nicht mithalten kann, dem geht es auch nicht besser als mir.

Wie auch immer. Die Puzzleteilchen drehen sich um die oben erwähnten zwei Familien Bloch und Scholl. Dass das Zerwürfnis der Familien schon hundert Jahre zurückliegt, macht nichts. Denn schließlich sind Christian und seine Geliebte Billie deren Kinder. Aber in welcher Beziehung stehen sie zueinander? Wie sich schon in der nächsten Folge erweist, ist dies ein wichtiges Bausteinchen.

Zunächst erfährt er, dass Otto Bloch einen Zwillingsbruder hatte. Aber wo dieser abgeblieben ist, wird Chris bestimmt schon bald herausfinden. Und wie bewerkstelligte Otto seinen Verschwindibus-Akt, der Kommissar Lohmann so verwirrt? Die Spiegel des Casinos Goldberg, wie „Monte d’Oro“ wörtlich bedeutet, könnten ein Hinweis darauf sein. Leider hat Chris die lästige Angewohnheit, bei jeder Gelegenheit in Trance zu verfallen, als wäre er ständig bekifft. Und so betritt er wie Alice im Wunderland die seltsame Welt hinter den Spiegeln. Was ihm – und uns – aber nicht wirklich weiterhilft.

In der Rockoper „Tommy“ von |The Who| starrt das Wunderkind Tommy ständig in den Spiegel, obwohl es ja eigentlich blind sein soll. Erst das Zerschlagen des Spiegels entlässt Tommy, mittlerweile recht ausgewachsen, aber immer noch kindisch, in die sogenannte Wirklichkeit. Auch in „Hinter schwarzen Spiegeln“ kann es nicht ausbleiben, dass Spiegel zertrümmert werden. Nur sind es diesmal finstere Ballermänner in schwarzen Kutten, die das Casino in seine Bestandteile zerlegen. Offenbar sind Terroristen bühnenreif geworden und dürfen auch in Hörspielen auftreten, als wären sie Clint Eastwood in einem Leone-Western. Man gebe ihnen „eine Handvoll Dollar“.

Als ob Chris eine Art Unglücksrabe wäre, geht auch bald das Atelier von Madame Margarete in Flammen auf – oder sollte man besser „Hexenhäuschen“ sagen und Tina und Chris als Hänsel und Gretel bezeichnen? (Wie neuerdings bei „Offenbarung 23“ zu beobachten, schlachten die Autoren zunehmend die guten alten deutschen Hausmärchen aus.) Hier finden sich schwarze Spiegel. Natürlich können die beiden nicht anders als es Alice nachzumachen und hinter die Spiegel zu gelangen. Mehr Geheimnisse, doch nur eine Offenbarung.

Alles in allem ist die Informationsausbeute auch in dieser Folge recht mager. Aber das ist ja bei dieser Serie nun wirklich nichts Neues.

_Die Inszenierung_

|Die Sprecher|

Alexander Scheers raue Raucherstimme passt zum Möchtegerndetektiv à la Philip Marlowe, der nur per Zufall zum Kulturwissenschaftler geworden zu sein scheint. Sein Gegenteil, ein Ausbund an Disziplin und Pflichtbewusstsein, bildet die Rolle der Alexa Voss, gesprochen von Anne Moll (zuvor Sandra Speichert) Sie tritt in dieser Episode gleichberechtigt neben der kindlich-eifrigen Tina Müller, gesprochen von Anna Thalbach, auf. Tina Müller hat die Funktion des Schutzengels und darf folglich überall auftreten, wo Chris in Not ist.

Häufig sind die Stimmen durch Hall verstärkt oder durch Effekte verzerrt, so etwa, um eine Nachrichtensprecherstimme aus dem Lautsprecher nachzubilden. (Die Lautsprecher sind in Hörspielen grundsätzlich auf dem Stand der Siebzigerjahre und klingen entsprechend kratzig.)

Die Geräuschkulisse des Hörspiels ist nicht allzu realistisch. Man hört nicht jede Tasse klappern, nicht jedes Auto vorbeirauschen. Vielmehr stehen die Kommunikationsmittel im Vordergrund: Handys, Telefone, Türklingeln, fehlen nur noch Türklopfer und Megafone. Im Spielcasino sagen die Croupiers unüberhörbar die Anweisungen an die Spieler an. Bei Madame Margarete gluckert der Tee in die Tassen.

Darf man sehr tiefe Bässe noch zu den Geräuschen und Effekten zählen, oder sind sie bereits zur Musik zu rechnen? Egal, sie seien an dieser Stelle mal hervorgehoben. Sie werden in den |Schattenreich|-Hörspielen nämlich regelmäßig eingesetzt, um Angst zu erzeugen, nicht etwa bei der jeweiligen Figur, sondern im Zuhörer. Sie sind deshalb so tief, damit dieser Vorgang unbemerkt bleibt und unterschwellig wirken kann.

|Die Musik|

Spätestens nach einer halben Stunde des Anhörens verhärtet sich im Zuhörer der Verdacht, dass die ganze Handlung eigentlich nur ein Vorwand ist. Nämlich der Vorwand, um möglichst viel internationale Neo-Gothic-Musik abspielen zu können. Die oben aufgeführte Interpretenliste ist nur die Spitze des Eisbergs dessen, was den Zuhörer künftig erwartet. Es verwundert nicht, dass in die Produktion des Hörspiels Firmen wie |Radar Media|, |STIL| (für die professionelle Soundproduktion) und ein Musikmagazin namens „Sonic Seducer“ eingebunden sind. „Schattenreich“ ist ein Multi-Media-Projekt.

„Sonic Seducer“ hat sich mit einem Aufkleber auf der Hülle verewigt. |Radar Media| ist im Booklet mit einer ganzen Seite Werbung vertreten. |Radar| hat das Copyright und die Markenrechte für „Schattenreich“ inne, folglich war die Firma auch an der Produktion beteiligt. Und da es in ihrem Interesse liegt, die Bands wie |Rammstein|, |Oomph!| usw. zu vermarkten, packte sie natürlich so viel Musik wie möglich auf die Silberscheibe. Überall, wo Chris hinkommt, ertönt irgendeine Art von Song. Diesmal ist sogar einer in Französisch dabei, und der hat mir wirklich gut gefallen.

Diese Dinge sollte man wissen, wenn man die Musikeinlagen des Hörspiels bewertet. Plötzlich wird aus der Handlung nicht das Hauptgericht, sondern lediglich die Beilage. Deshalb dröhnt unvermittelt der Leadsong „Follow me“ durch die Boxen, nachdem bereits ein Donnerschlag den Zuhörer aus seiner Bürgerruhe aufgescheucht hat. Es gibt anschließend kaum eine ruhige Minute, in der keine Musik erklingt. Hier hat |Radar Media| ganze Arbeit geleistet. Immerhin ist es nicht mehr ganz so schlimm wie auf den ersten beiden CDs, denn jetzt wird der Hauptfigur mehr musiklose Zeit zum Nachdenken gegönnt.

|Webseite|

Hinweis: Auf www.schattenreich.net findet man das Tagebuch einer Figur, um die es immer wieder im Hörspiel geht. Ich tippe als Autorin auf Sibylle Scholl, die angeblich beim Brand ihrer Klinik umgekommene Billie, Christians Geliebte. Das Tagebuch bietet zusätzliche Hintergrundinformationen.

_Unterm Strich_

Die Reihe „Schattenreich“ wendet sich an die gleiche Zielgruppe wie die Musik-CDs, die DVDs und die TV-Produktionen (von denen ich bislang nichts gesehen habe): Gothic-Rock-Freunde, für die Musik nicht nur Unterhaltung, sondern eine Lebenshaltung und eine modische Aussage darstellt. Anstelle von Vampiren und anderem blutigem Gesocks treten aber in „Schattenreich“ nur jede Menge mystisch gestimmte Typen auf, die sich irgendwie zwielichtig aufführen. Ford Prefect würde sagen: „Weitgehend harmlos“.

Wie bei allem, was das Studio |STIL| produziert, ist das Produkt hinsichtlich Sound und Optik vom Feinsten. Immerhin erreichen das Studio und der |Lübbe|-Verlag eine neue Zielgruppe, die mit „Offenbarung 23“ nur unzureichend bedient wird: die Gothic-Rockfans, die auf Bands wie |Rammstein| und |Oomph!| stehen. Diesbezüglich kann „Offenbarung 23“ glatt einpacken. Wer die Songs runterladen will, findet auf www.schattenreich.net den Link dorthin.

|56 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-7857-3465-0|
http://www.schattenreich.net
http://www.luebbe-audio.de
http://www.stil.name
http://www.sonic-seducer.de
http://www.radar-net.de

Meirose, Astrid / Pruß, Volker / Sieper, Marc / Ihrens, Oliver – Schattenreich 4: Nachthauch

_Meist harmlos: Gothic Rock auf Mystiktrip_

Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt – er war fünf Jahre im Ausland – wird der junge Kulturwissenschaftler Christian Wagner in mysteriöse Todesfälle verwickelt. Als ihn eine unsichtbare Macht ins Schattenreich entführt, enthüllen sich ihm die Nachtseiten der menschlichen Natur. Hinter den Masken bürgerlicher Wohlanständigkeit treibt ein skrupelloses Netzwerk ein größenwahnsinniges Spiel.

Der Äygptologe Prof. Jan Erik Walberg, der Christian anrief und treffen wollte, ist unauffindbar: Wurde er entführt? Oder hat er sich absetzen müssen, weil seine Forschungen an Mumien alle moralischen Grenzen überschritten haben? Ein grausiger Fund, den Christian Wagner in Walbergs Labor macht, lässt Schreckliches erahnen.

In einem unterirdischen Archiv entdeckt Wagner eine alte Inventarliste über die Öffnung eines Pharaonengrabs, signiert mit dem Zeichen der Nephilim, dem Auge des Horus. Wagner erkennt, dass die Vergangenheit die Gegenwart auf grausame Weise einholen wird. Oder ist er selbst Akteur in einem Spiel, welches das Leben nur simuliert? Eine Sternenkarte könnte ihm den Weg weisen.

Die Karte zeigt eine Planeten- und Mondkonstellation, die nur an einem bestimmten Tag stattfindet und auf eine Kultstätte verweist, die er finden muss – auf einer Nordseeeinsel. Dort findet ein ungeheuerliches Ritual statt, vorgenommen von seinem Mentor Dr. Bruno Schwab. Doch plötzlich tritt eine feindliche Gruppe auf. Ist die finale Auseinandersetzung der Nephilim mit den Titanen gekommen?

_Die Autoren_

Als Autoren zeichnen Astrid Meirose und Volker Pruß verantwortlich. Mehr über die Serie findet man unter http://www.schattenreich.net.

Folge 1: Die Nephilim
Folge 2: Finstere Fluten
Folge 3: Spur in die Tiefe
Folge 4: Nachthauch

_Die Inszenierung_

|Die Rollen und ihre Sprecher:|

Christian Wagner: Alexander Scheer (Schauspieler)
Alexa Voss: Anne Moll (Schauspielerin)
Dr. Bruno Schwab: Volker Brandt (dt. Stimme von Michael Douglas)
Adrian Bloch: Norman Matt (Cillian Murphy, Jonathan Rhys-Meyers)
Geheimnisvolle Frau: Daniela Hoffmann (dt. Stimme von Julia Roberts)
Hagerer, bleichgesichtiger Typ: Dero („Oomph!“)
Tina Müller: Anna Thalbach (Schauspielerin)
Darius Menke: Gerrit Schmidt-Voß (Leonardo DiCaprio)
„Sterngucker“: Oliver Rohrbeck (Ben Stiller, Michael Rapaport)

sowie Markus Krane und Gerald Schaale (Andy Hallett – „Lorne“ in der Serie „Angel“).

Anna Thalbach steht seit ihrem sechsten Lebensjahr vor der Kamera, dabei war der Weg zur Schauspielerei nicht so gerade, wie man es bei der Tochter von Katharina Thalbach annehmen könnte. Sie beginnt nach dem Abschluss der Mittleren Reife zunächst eine Hospitanz als Kostümbildnerin am Schillertheater. Doch der Hang zum Schauspiel überwiegt, und bald schon feierte sie selbst große Bühnenerfolge, so auch an der Seite ihrer Mutter in „Mutter Courage“.

Dero wurde am 16. April 1970 in Wolfsburg geboren. In der Band |Oomph!|, die 1989 gegründet wurde, ist er der Mann für den Gesang, die Texte, Drums, und Kompositionen. Der Weg zur Musik sah laut eigener Aussage für Dero so aus: „Auf diversen Familienfeiern in den 70ern wurde ich ‚gezwungen‘, mit meinem Vater (Gitarrist, Sänger) alle nur erdenklichen Elvis-Songs in grauenhaftem Englisch rauf und runter zu schmettern.“

|Die Musik:|

Secret Discovery: „Follow Me“ / „Away“
Qntal: „Lingua Mendax“
In Extremo: „Kein Sturm hält uns auf“
Kutna Hora: „Our Lady of Sedlec“
Stillste Stund: „Darksomely“
Lacuna Coil: „Fragments of Faith“
Supreme Court: „(Yell) … It Out!“
Birthday Massacre: „Video Kid“
Das Berliner Filmorchester und Kammerchor

Regisseur Simon Bertling und Tonmeister Christian Hagitte von |STIL| sorgten für die gute Produktion, die Musik und die Sounds; ihnen half Cornelia Schilling. Die Produzenten sind Marc Sieper von |Lübbe Audio| sowie Oliver Ihrens von |Radar Media|, Bochum. Das interessante Booklet-Design stammt von Kai Hoffmann.

_Vorgeschichte_

Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt – er war fünf Jahre im Ausland – wird der junge Kulturwissenschaftler Christian Wagner in mysteriöse Todesfälle verwickelt. Christian ist einer von neun Spezialschülern, den „Titanen“. So nannten sich vor 15 Jahren die Mitglieder einer Gruppe von jungen Hochbegabten, die von der Scholl-Stiftung gefördert und von ihrem Lehrmeister Dr. Volker Brandt ausgebildet wurden. Die Titanen, so Bruno, waren in der antiken Sage die Kinder von Göttern und Menschenfrauen. Die Nephilim hingegen waren die Kinder von Dämonen, die sich mit Menschenfrauen paarten: negative Titanen. Treibt hier jemand ein fieses Spiel mit den letzten Titanen?

Auf der rechten Ferse jeder Leiche findet er das gleiche Tattoo, das er selbst auch trägt: das ägyptische Ankh-Symbol, ein Henkelkreuz, das „Leben“ bedeutet. Es ist kombiniert mit dem „Auge des Horus“, das, wenn geöffnet, einen Schutzzauber darstellt. [Beide Symbole sind auf der CD selbst aufgedruckt.] Ist dieses Horus-Augen-Tattoo jedoch pupillenlos, also blind, dann handelt es sich um einen Nephilim, ein früheres, aber abtrünnig gewordenes Mitglied der „Titanen“.

Da Christian ein Waisenkind ist, das von der Industriellenfamilie Scholl aufgezogen wurde, bildet Brandt seinen Vaterersatz. Bei den Scholls lernte er Sibylle Scholl als seine Schwester kennen und machte sie zu seiner ersten Geliebten. Andrian Bloch, den er nun in seiner Heimatstadt wiedertrifft, war ebenfalls einer der „Titanen“. Die Familie Bloch ist mit den Scholls seit jeher befreundet.

Seit seiner Rückkehr sind bereits zwei der „Titanen“ umgekommen. Beide Leichen weisen eine Tätowierung an der rechten Ferse auf: das blinde Auge des ägyptischen Sonnengottes Horus, das Zeichen der Nephilim, eines Geheimordens. In den Rollenspielen der „Titanen“ war Christian stets der Gott Osiris, Sibylle die Göttin Isis und Adrian der eifersüchtige Gott Seth, der Osiris tötete. Doch wer war Horus, der Sohn des Osiris? Adrian treibt sich immer noch in der Stadt herum, als neuer Besitzer der Villa Scholl, dem Sitz der Titanen.

Dieser ägyptisch-mythologische Hintergrund könnte etwas mit dem Schicksal des Ägyptologen Prof. Jan Erik Walberg zu tun haben, der Christian anrief und treffen wollte, aber unauffindbar ist: Wurde er entführt? Als Christian mit der Journalistin Tina Müller zu Walbergs Labor fährt, findet er dort zwar eine Botschaft, wird jedoch auch mit dem Tod bedroht: durch eine Flutwelle aus dem nahen Stausee. Hat ihn jemand im Visier? Christian fühlt sich zunehmend verfolgt.

_Handlung_

|PROLOG|. „Ich bin alles, was gewesen ist, was noch ist und was sein wird. Und meinen Schleier hat noch kein Sterblicher gelüftet.“ Was meint die gute Frau wohl, wer sie ist? Vielleicht Isis alias Sibylle Scholl. Der Schleier würde dazu passen.

Bei der Exkursion in die Unterwelt der Scholl-Villa ist Christian in den Besitz einer Sternenkarte gelangt, die er von dem Astronomen Darius Menke analysieren lässt. Menke ist ebenfalls einer der „Nephilim“, so dass ihn dies keinen Pfennig kostet. Menke meint, das Himmelsbild auf der Karte zeige zwei Planeten und den Mond in einer Konstellation, die nur in naher Zukunft stattfinden könne. Und das Wasserzeichen, das ins Kartenpapier eingeprägt ist, zeigt einen Leuchtturm. Ergo muss sich der Punkt, wo sich die Planetenkonjunktion beobachten lässt, an einem Ort mit genau diesem Leuchtturm befinden. Und da alle Leuchttürme der Welt eine individuelle Farbgebung besitzen, ist der Turm schnell identifiziert.

Die Insel, zu der Christian nun fährt, ist nicht nur der frühere „Spielplatz der „Titanen“, sondern scheint auch ein begehrtes Ausflugsziel zu sein. Trotz des aufkommenden Sturms, der Christian einen heftigen Anfall von Seekrankheit beschert, haben sich eine Menge junge Besucher eines Gothic-Rockfestivals mit dem gleichen Schiff, der „Medusa“, auf die Überfahrt begeben. In seinem Halbdelirium meint Christian, seine Jugendfreundin Billie neben einem Mann zu sehen, den er kennt. Sie scheint wie eine Medusa auszusehen.

Er erwacht in einem Rettungsboot im Hafen. Der Sturm ist vorübergezogen, ihm geht es jetzt ein wenig besser. Nachdem er sich in Bruno Schwabs Haus ein wenig frisch machen konnte, schlagen zwei finstere gestalten Christian zusammen und packen ihn in den Kofferraum ihres Autos. Doch am Hafen befreit ihn die allgegenwärtige Tina Müller und verduftet mit unserem Pechvogel. Sie begeben sich mit der Sternkarte zum Leuchtturm, der – welch Glückes Geschick! – zugleich eine Sternwarte beherbergt, die ein Freund von Darius Menke leitet.

Das Ergebnis der neuerlichen Untersuchung: Christian bleiben nur noch vier bis acht Stunden, bis die Himmelskonstellation eintritt. Aber wo ist sie am besten zu beobachten? Auf einer Kultstätte. Nur gibt es auf der Insel hunderte davon. Und Christian braucht genau drei von ihnen, zwei für die Planeten und eine für den Mond. Er macht sich mit Tina getrennt auf die Suche nach diesen Orten.

Gerade als er dachte, er wäre sie los, tritt schon wieder die Kripotante Alexa Voss auf – zumindest auf seinem Handy – und zwei freundliche Polizisten erweisen sich als so anhänglich, dass sie ihn gleich zur Vernehmung mitnehmen. Zum Glück kann er ihnen entkommen und Alexa treffen, aber das geht nur auf dem Rockfestival. Sie verklickert ihm, was er schon sein ganzes Leben „wissen wollte“: Jemand hat die Leiche, die angeblich Jens Walberg sein sollte, aus dem Institut für Rechtsmedizin geklaut.

Na, toll! Doch die Polizisten sind immer noch hinter ihm her, und auf seiner weiteren Flucht gerät Christian auf ein Areal, wo er Tina wiedersieht: eine Kultstätte, auf der gerade ein ziemlich abgefahrenes Ritual abläuft. Auf einem Turm steht ein Thron, auf dem ein Junge sitzt. Und auf diesen Turm klettert nun … Bruno Schwab! Christian traut seinen Augen nicht. Was hat sein Lehrmeister mit dem Jungen vor?

_Mein Eindruck_

Dass ab und zu Rockkonzerte draußen in der Pampa, auf dem flachen Land stattfinden, hat sich inzwischen herumgesprochen, nicht zuletzt durch eine Reihe von Dokumentarfilmen. Insofern verwunderte es mich nicht, dass auf der Insel ein entsprechendes Gothic-Rock-Festival stattfindet. Dass auch der Hersteller dieser CD ein handfestes Interesse daran hat, so viel Musik wie möglich in die Handlung zu packen, erörtere ich im nächsten Abschnitt meiner Rezension. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit dröhnt Gothic Rock aus dem Radio, sogar aus dem der Polizei!

Die Handlung hängt sich an den Mystik-Kult an, den Dan Brown mit [„Sakrileg“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1897 so erfolgreich – über 35 Mio. verkaufte Bücher sprechen eine deutliche Sprache – ausgeschlachtet hat (den Kult selbst gibt es schon über hundert Jahre). Mit einer Sternenkarte eine Kultstätte zu finden, ist zwar nicht einfach, aber wer den entsprechenden Antrieb hat, wie Wagner, der geht durch Dick und Dünn, um zum Ort des mystischen Geschehens zu gelangen. Um was zu finden?, fragt sich der rationale Laie. Antwort: Wieder mal die üblichen Verdächtigen, nämlich Dr. Bruno Schwab und seine Mischpoke von Mystikjüngern.

Die Mystik ist, weil sie so en vogue ist, von den ollen Ägyptern ausgeliehen. Folglich ist die Handlung ebenso wie das Design des Hörbuchs mit Symbolen der ägyptischen Mythologie überlagert, seien es nun Horusaugen oder Ankh-Henkelkreuze. Hauptsache, es mutet irgendwie mystisch an. Dieses mittelalterliche Welt-Bild postuliert wie schon Madame Blavatsky die Interaktion von göttlichen Mächten und menschlichen Aktivitäten, jedoch in völlig ernster Weise. Wie gut würde an dieser Stelle eine Prise Pratchett’schen Humors wie in [„Pyramiden“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2615 tun! Der würde mit dem ganzen Hokuspokus aufräumen.

Das wichtigste Prinzip einer Serienhandlung lautet: Gib niemals genügend Antworten preis! Der Leser bzw. Hörer muss immer weiter nach mehr hungern. Nach dem Prinzip der Appetithäppchen folgt das zweite Konzept: Es sollten die immer gleichen Figuren des Personals auftreten. Deshalb darf sich der Laie nicht wundern, wenn die Kripotante Alexa Voss weit außerhalb ihres Zuständigkeitsbereichs auftritt, doch der Fachmann wundert sich gewiss. Und was die Journalistin Tina Müller auf der Insel verloren hat, wissen nur die Götter von der Autorenfraktion, denn Tinas Aufgabe ist es, Christian a) zu informieren und/oder b) zu retten und c) zu küssen. Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge.

Gemäß Prinzip 1 darf sich der Hörer darauf verlassen, dass er bzw. die Hauptfigur am Schluss der Episode keineswegs alle Antworten bekommen hat, sondern im Gegenteil noch etliche Frage offen sind. Ein guter Grund, sich die nächste Episode zu besorgen.

|Die Inszenierung|

Die Geräuschkulisse des Hörspiels ist nicht allzu realistisch. Man hört nicht jede Tasse klappern, nicht jedes Auto vorbeirauschen. Vielmehr stehen die Kommunikationsmittel im Vordergrund: Handys, Telefone, Türklingeln, fehlen nur noch Türklopfer und Megafone. An der Waterkant schreien natürlich die unvermeidlichen Möwen, und der Wind wehrt hörbar.

Alexander Scheers raue Raucherstimme passt zum Möchtegerndetektiv à la Philip Marlowe, der nur per Zufall zum Kulturwissenschaftler geworden zu sein scheint. Sein Gegenteil, ein Ausbund an Disziplin und Pflichtbewusstsein, bildet die Rolle der Alexa Voss, gesprochen von Anne Moll (zuvor Sandra Speichert). Sie tritt in dieser Episode gleichberechtigt neben der kindlich-eifrigen Tina Müller auf, gesprochen von Anna Thalbach, auf.

|Die Musik|

Spätestens nach einer halben Stunde des Anhörens verhärtet sich im Zuhörer der Verdacht, dass die ganze Handlung eigentlich nur ein Vorwand ist. Nämlich der Vorwand, um möglichst viel deutsche Neo-Gothic-Musik abspielen zu können. Die oben aufgeführte Interpretenliste ist nur die Spitze des Eisbergs dessen, was den Zuhörer erwartet. Es verwundert nicht, dass in die Produktion des Hörspiels Firmen wie |Radar Media|, |STIL| (für die professionelle Soundproduktion) und ein Musikmagazin namens |Sonic Seducer| eingebunden sind.

Letzteres hat sich mit einem Aufkleber auf der Hülle verewigt. |Radar Media| ist im Booklet mit einer ganzen Seite Werbung vertreten: „Schattenreich Vol. 4: Die Kult-Kompilation als 2CD [sic!] und DVD u.a. mit Rammstein, Oomph!, Nightwish […] und unveröffentlichten Schattenreich TV-Sessions [!!] und anderen Specials“. |Radar| hat das Copyright und die Markenreich für „Schattenreich“ inne, folglich war die Firma auch an der Produktion beteiligt. Und da es in ihrem Interesse liegt, die Bands wie |Rammstein|, |Oomph!| usw. zu vermarkten, packte sie natürlich so viel Musik wie möglich auf die Silberscheibe. Jedes Mal eine Disko-Session in die Handlung einzubauen – egal wie -, war daher obligatorisch, und das merkt man auch in Episode 4.

Diese Dinge sollte man wissen, wenn man die Musikeinlagen des Hörspiels bewertet. Plötzlich wird aus der Handlung nicht das Hauptgericht, sondern lediglich die Beilage. Deshalb dröhnt unvermittelt der Leadsong „Follow me“ durch die Boxen, nachdem bereits ein Donnerschlag den Zuhörer aus seiner Bürgerruhe aufgescheucht hat. Es gibt anschließend kaum eine ruhige Minute, in der keine Musik erklingt. Hier hat |Radar Media| ganze Arbeit geleistet. Immerhin ist es nicht mehr ganz so schlimm wie auf den ersten beiden CDs, denn jetzt wird der Hauptfigur mehr musiklose Zeit zum Nachdenken gegönnt.

|Webseite|

Hinweis: Auf http://www.schattenreich.net findet man das Tagebuch einer Figur, um die es immer wieder im Hörspiel geht. Ich tippe als Autorin auf Sibylle Scholl, die angeblich beim Brand ihrer Klinik umgekommene Billie, Christians Geliebte. Das Tagebuch bietet zusätzliche Hintergrundinformationen.

_Unterm Strich_

Die Reihe „Schattenreich“ wendet sich an die gleiche Zielgruppe wie die Musik-CDs, die DVDs und die TV-Produktionen (von denen ich bislang nichts gesehen habe): Gothic-Rock-Freunde, für die Musik nicht nur Unterhaltung, sondern eine Lebenshaltung und eine modische Aussage darstellt. Anstelle von Vampiren und anderem blutigem Gesocks treten aber in „Schattenreich“ nur jede Menge mystisch gestimmte Typen auf, die sich irgendwie zwielichtig aufführen. Ford Prefect würde sagen: „Weitgehend harmlos“.

Die Handlung von „Schattenreich 4“ ist, wie gesagt, so dünn, dass sie auf einen Post-it-Zettel passt. Darüber nachzugrübeln, ist der Mühe nicht wert. Der Plot enthält Elemente einer Serienhandlung, die Anleihen bei „Sakrileg“ und „Offenbarung 23“ sind. Die Story wartet aber mit genügend Rätseln auf, dass der Zuhörer bei der Stange bleibt.

Ansonsten ist zu konstatieren, dass dieser Plot als Vorwand für jede Menge Musik-Marketing dient (Sex fällt diesmal flach). Daran trägt der Produzent |Radar Media| die Verantwortung. Und wenn die Handlung nicht in die Gänge kommt, dann liegt es an willkürlich eingebauten Szenen wie der auf dem Gothic-Rock-Festival, die nur dem musikalischen Antörnen des Publikums dient, aber ansonsten keinen geistigen Nährwert besitzt.

Wie bei allem, was das Studio |STIL| produziert, ist das Produkt hinsichtlich Sound und Optik vom Feinsten. Immerhin erreichen das Studio und der |Lübbe|-Verlag eine neue Zielgruppe, die mit „Offenbarung 23“ nur unzureichend befriedigt wird: die Gothic-Rockfans, die auf Bands wie |Rammstein|, |Oomph!| und |IAMX| stehen. Diesbezüglich kann „Offenbarung 23“ glatt einpacken. Wer die Songs runterladen will, findet auf schattenreich.net den Link dorthin.

|65 Minuten auf 1 CD|
http://www.schattenreich.net/
http://www.luebbe-audio.de
http://www.stil.name/
http://www.sonic-seducer.de/
http://www.radar-net.de/

Meirose, Astrid / Pruß, Volker / Bertling, Simon / Sieper, Marc / Ihrens, Oliver – Schattenreich 3: Spur in die Tiefe

_Sex auf dem Billardtisch_

Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt – er war fünf Jahre im Ausland – wird der junge Kulturwissenschaftler Christian Wagner in mysteriöse Todesfälle verwickelt. Als ihn eine unsichtbare Macht ins Schattenreich entführt, enthüllen sich ihm die Nachtseiten der menschlichen Natur. Hinter den Masken bürgerlicher Wohlanständigkeit treibt ein skrupelloses Netzwerk ein größenwahnsinniges Spiel.

Der Äygptologe Prof. Jan Erik Walberg, der Christian anrief und treffen wollte, ist unauffindbar: Wurde er entführt? Oder hat er sich absetzen müssen, weil seine Forschungen an Mumien alle moralischen Grenzen überschritten haben? Ein grausiger Fund, den Christian Wagner in Walbergs Labor macht, lässt Schreckliches erahnen.

In einem unterirdischen Archiv entdeckt Wagner eine alte Inventarliste über die Öffnung eines Pharaonengrabs, signiert mit dem Zeichen der Nephilim, dem Auge des Horus. Wagner erkennt, dass die Vergangenheit die Gegenwart auf grausame Weise einholen wird. Oder ist er selbst Akteur in einem Spiel, welches das Leben nur simuliert?

_Die Autoren_

Als Autoren zeichnen Astrid Meirose und Volker Pruß verantwortlich. Mehr über die Serie findet man unter http://www.schattenreich.net.

Folge 1: Die Nephilim
Folge 2: Finstere Fluten
Folge 3: Spur in die Tiefe
Folge 4: Nachthauch

_Die Inszenierung_

|Die Rollen und ihre Sprecher:|

Christian Wagner – Alexander Scheer (Schauspieler)
Alexa Voss – Anne Moll (Schauspielerin & Synchronsprecherin)
Dr. Bruno Schwab – Volker Brandt (dt. Stimme von Michael Douglas)
Adrian Bloch – Norman Matt (Cillian Murphy, Drew Fuller in „Charmed“, Riley Smith in „24“)
Geheimnisvolle Frau – Daniela Hoffmann (dt. Stimme von Julia Roberts)
Hagerer, bleichgesichtiger Typ – Dero („Oomph!“)
Tina Müller – Anna Thalbach (Schauspielerin & Synchronsprecherin)
Walther Zürn – Stefan Krause (Billy „Pippin“ Boyd)

sowie

Thomas Schmuckert (J. „Troy“ LaRose in „Saw3“)
Ulrike Stürzbecher (Patricia Arquette, Kate Winslet, Jennifer Aniston)
Markus Krane
Jürgen Wolters
Andrea Sparberg und
Hasso Zorn („Aramaki“ in „Ghost in the Shell: 1 & 2 & Stand Alone Complex“).

Anna Thalbach steht seit ihrem sechsten Lebensjahr vor der Kamera, dabei war der Weg zur Schauspielerei nicht so gerade, wie man es bei der Tochter von Katharina Thalbach annehmen könnte. Sie beginnt nach dem Abschluss der Mittleren Reife zunächst eine Hospitanz als Kostümbildnerin am Schillertheater. Doch der Hang zum Schauspiel überwiegt, und bald schon feiert sie selbst große Bühnenerfolge, so auch an der Seite ihrer Mutter in „Mutter Courage“.

Dero wurde am 16. April 1970 in Wolfsburg geboren. In der Band Oomph!, die 1989 gegründet wurde, ist er der Mann für den Gesang, die Texte, Drums, und Kompositionen. Der Weg zur Musik sah laut eigener Aussage für Dero so aus: „Auf diversen Familienfeiern in den 70ern wurde ich ‚gezwungen‘, mit meinem Vater (Gitarrist, Sänger) alle nur erdenklichen Elvis-Songs in grauenhaftem Englisch rauf und runter zu schmettern.“

|Die Musik:|

Secret Discovery: „Follow Me“
Absurd Minds: „Gedanken-Reich“
Clan of Xymox: „She’s dangerous“
Hatesex: „Hatesex“
L’Âme Immortelle: „Dein Herz“
IAMX: „After every party“
Jesus On Extasy: „Assassinate me“
Flint Glass: „Alhazred“
Predella Avant: „Carbon figures #9“
Das Berliner Filmorchester und Kammerchor

Regisseur Simon Bertling und Tonmeister Christian Hagitte von |STIL| sorgten für die gute Produktion, die Musik und die Sounds; ihnen half Cornelia Schilling. Die Produzenten sind Marc Sieper von |Lübbe Audio| sowie Oliver Ihrens von |Radar Media|, Bochum. Das interessante Booklet-Design stammt von Kai Hoffmann.

_Vorgeschichte_

Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt – er war fünf Jahre im Ausland – wird der junge Kulturwissenschaftler Christian Wagner in mysteriöse Todesfälle verwickelt. Christian ist einer von neun Spezialschülern, den „Titanen“. So nannten sich vor 15 Jahren die Mitglieder einer Gruppe von jungen Hochbegabten, die von der Scholl-Stiftung gefördert und von ihrem Lehrmeister Dr. Volker Brandt ausgebildet wurden. Die Titanen, so Bruno, waren in der antiken Sage die Kinder von Göttern und Menschenfrauen. Die Nephilim hingegen waren die Kinder von Dämonen, die sich mit Menschenfrauen paarten: negative Titanen. Treibt hier jemand ein fieses Spiel mit den letzten Titanen?

Auf der rechten Ferse jeder Leiche findet er das gleiche Tattoo, das er selbst auch trägt: das ägyptische Ankh-Symbol, ein Henkelkreuz, das „Leben“ bedeutet. Es ist kombiniert mit dem „Auge des Horus“, das, wenn geöffnet, einen Schutzzauber darstellt. [Beide Symbole sind auf der CD selbst aufgedruckt.] Ist dieses Horus-Augen-Tattoo jedoch pupillenlos, also blind, dann handelt es sich um einen Nephilim, ein früheres, aber abtrünnig gewordenes Mitglied der „Titanen“.

Da Christian ein Waisenkind ist, das von der Industriellenfamilie Scholl aufgezogen wurde, bildet Brandt seinen Vaterersatz. Bei den Scholls lernte er Sibylle Scholl als seine Schwester kennen und machte sie zu seiner ersten Geliebten. Andrian Bloch, den er nun in seiner Heimatstadt wiedertrifft, war ebenfalls einer der „Titanen“. Die Familie Bloch ist mit den Scholls seit jeher befreundet.

Seit seiner Rückkehr sind bereits zwei der „Titanen“ umgekommen. Beide Leichen weisen eine Tätowierung an der rechten Ferse auf: das blinde Auge des ägyptischen Sonnengottes Horus, das Zeichen der Nephilim, eines Geheimordens. In den Rollenspielen der „Titanen“ war Christian stets der Gott Osiris, Sibylle die Göttin Isis und Adrian der eifersüchtige Gott Seth, der Osiris tötete. Doch wer war Horus, der Sohn des Osiris? Adrian treibt sich immer noch in der Stadt herum, als neuer Besitzer der Villa Scholl, dem Sitz der Titanen.

Dieser ägyptisch-mythologische Hintergrund könnte etwas mit dem Schicksal des Ägyptologen Prof. Jan Erik Walberg zu tun haben, der Christian anrief und treffen wollte, ist unauffindbar: Wurde er entführt? Als Christian mit der Journalistin Tina Müller zu Walbergs Labor fährt, findet er dort zwar eine Botschaft, wird dort jedoch auch mit dem Tod bedroht: durch eine Flutwelle aus dem nahen Stausee. Hat ihn jemand im Visier? Christian fühlt sich zunehmend verfolgt.

_Handlung_

PROLOG. „Ich bin alles, was gewesen ist, was noch ist und was sein wird. Und meinen Schleier hat noch kein Sterblicher gelüftet.“ Was meint die gute Frau wohl, wer sie ist? Vielleicht Isis alias Sibylle Scholl.

Beim Spaziergehen im winterlichen Wald stößt Christian auf Tina Müller, deren Hund Adenauer ihn fast anfällt. Sie verrät ihm, dass sie jetzt für Adrian Bloch arbeitet. Den will er ja sowieso treffen. Aber auch Kriminalkommissarin Alexa Voss will ihn wegen der Leichen sprechen. Im Café Palm soll er sie treffen. Als ihm schlecht wird, geht er aufs WC, wo ihn eine seiner Ohnmachten erwischt.

Als er dort wieder erwacht, hört er eine Frau keuchen – und einen Mann stöhnen. Als Christian durch eine Ritze linst, entdeckt er Alexa und Adrian, die es miteinander treiben. Auf einem Billardtisch. Christian wundert sich: Alexa, seine Ex, sorgt sich um ihn als einen „armen Irren“, und Adrian, sein Widersacher, behauptet, er liebe Christian wie „seinen Bruder“. Wer verarscht hier eigentlich wen? Christian verdünnisiert sich.

Als Alexa danach im Lokal auftaucht, behauptet sie, Prof. Walberg sei tot. Noch mehr Lügen, denkt Christian. Er bekommt schon wieder eine SMS mit einem FAUST-Zitat: „Staub soll er fressen und mit Lust, wie meine Muhme, die berühmte Schlange“. Danach widerruft Alexa gleich wieder: Nur das BKA wolle, dass die gefundene Leiche Walberg ist, aber er sei es nicht.

Auf dem Weg zu Adrian, der in der alten Scholl-Villa auf ihn wartet, muss Christian Bruno Schwab mitnehmen, der sich verfolgt fühlt. Als Christian endlich bei Adrian ankommt, nimmt ihn Walther Zürn in Empfang, dem Christian nicht traut. Er hat sich in den Zirkel der „Titanen“ gedrängt und war in einer psychiatrischen Klinik: einer der Nephilim, wie ihn die abtrünnigen „Titanen“ genannt werden. Adrian bietet Christian die Leitung der Scholl-Stiftung an. Es ist keine Bitte, sondern eine Drohung: Christian könnte sonst die Leibrente der Stiftung verlieren, die ihm ein sorgenfreies Leben ermöglicht.

Als Adrian wieder mal weg muss, geleitet Walther Christian in den großen Ballsaal der Villa, der sonst immer verschlossen war. Aber Walther hat alle Schlüssel und lässt ihn ein. Im Licht besonderer Beleuchtung entdeckt Christian die Felder eines ägyptischen Senet-Spiels. Durch den Druck auf eines der Felder lässt sich eine Hebebühne betätigen, durch Christian eine Etage tiefer fällt.

Dort unten ist es stockfinster, aber er findet seine Taschenlampe wieder. Der Schein der Lampe fällt auf drei vergoldete Holzschreine und einen Bilderrahmen. Er nimmt eine Sternenkarte mit und zwängt sich hinter dem Rahmen in einen Schacht, der bis zu einem Gitter führt. Dahinter liegt eine Art Computerraum oder Internetcafé. Auf einem der Bildschirm läuft eine Simulation des „Titanen“-Rollenspiels ab: Osiris, Isis und Seth. Christian kommt sich vor wie in der „Matrix“. Wo ist er nur hineingeraten?

_Mein Eindruck_

Diese Episode bereitet den Übergang vom bisherigen Schauplatz, Christian Wagners namenloser Heimatstadt, zu anderen Schauplätzen wie etwa einer Nordseeinsel vor. Außerdem erhält die Hauptfigur mit der Sternenkarte (die keine Sterne, sondern nur Planeten zeigt) einen wichtigen Schlüssel zu den mystischen Vorgängen, in die sein Mentor Bruno Schwab verwickelt ist.

|Mystik|

Die Handlung hängt sich an den Mystik-Kult an, den Dan Brown mit [„Sakrileg“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1897 so erfolgreich – über 35 Mio. verkaufte Bücher sprechen eine deutliche Sprache – ausgeschlachtet hat (den Kult selbst gibt es schon über hundert Jahre). Mit der frisch gefundenen Sternenkarte eine Kultstätte zu finden, ist zwar nicht einfach, aber Wagner geht durch Dick und Dünn, um zum Ort des mystischen Geschehens zu gelangen. Um was zu finden, fragt sich der rationale Laie. Antwort: Wieder mal die üblichen Verdächtigen, nämlich Dr. Bruno Schwab und seine Mischpoke von Mystikjüngern.

|Ägypter|

Die Mystik ist, weil sie so modisch en vogue ist, von den ollen Ägyptern ausgeliehen. Folglich ist die Handlung ebenso wie das Design des Hörbuchs mit Symbolen der ägyptischen Mythologie überlagert, seien es nun Horusaugen oder Ankh-Henkelkreuze. Hauptsache, es mutet irgendwie mystisch an. Diese mittelalterliche Welt-Bild postuliert wie schon Madame Blavatsky die Interaktion von göttlichen Mächten und menschlichen Aktivitäten, jedoch in völlig ernster Weise. Wie gut würde an dieser Stelle eine Prise Pratchett’schen Humors wie in [„Pyramiden“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2615 tun! Der würde mit dem ganzen Hokuspokus aufräumen.

|Das Prinzip Unklarheit|

Das wichtigste Prinzip einer Serienhandlung lautet: Gib niemals genügend Antworten preis! Der Leser bzw. Hörer muss immer weiter nach mehr hungern. Nach dem Prinzip der Appetithäppchen folgt das zweite Konzept: Es sollten die immer gleichen Figuren des Personals auftreten. Deshalb darf sich der Laie nicht wundern, wenn die Kripotante Alexa Voss weit außerhalb ihres Zuständigkeitsbereichs auftritt, doch der Fachmann wundert sich gewiss. Und was die Journalistin Tina Müller in der Handlung verloren hat, wissen nur die Götter von der Autorenfraktion, denn Tinas Aufgabe ist es, Christian a) zu informieren und/oder b) zu retten und c) zu küssen. Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge.

Gemäß Prinzip 1 darf sich der Hörer darauf verlassen, dass er bzw. die Hauptfigur am Schluss der Episode keineswegs alle Antworten bekommen hat, sondern im Gegenteil noch etliche Frage offen sind. Ein guter Grund, sich die nächste Episode zu besorgen.

|Cyberspace & Matrix|

Ein interessante Komponente ist das geheime Internetcafé im Keller der Villa Scholl. Hier wird der Cyberspace von „The Matrix“ ins alte Ägypten verlegt, komplett mit dem Dreigestirn Osiris, Isis und Seth, die über das Schicksal von Osiris‘ Sohn Horus entscheiden. Da Christian Wagner es seit den Tagen der „Titanen“ gewohnt ist, in alten mythologischen Symbolen zu denken, verbindet er dieses Cyberspace-Game mit seinem eigenen Schicksal: Er sieht sich als Horus. Und da er den Hörer in diesem Drama vertritt, fragt sich der Hörer (hoffentlich bang), was ihm wohl als nächstes zustoßen wird.

|Nephilim|

Die bedeutendste logische Schwäche betrifft wohl das nebulöse Konzept der Nephilim. Es soll sich um abtrünnige „Titanen“ handeln, doch sie scheinen nie so entschlossen gegen die „Titanen“ und Wagner vorzugehen, wie dies ihre religiöse Ideologie verlangen würde. Stattdessen spielen sie sozusagen den Buhmann, treten in schicken schwarzen Kutten auf und jagen ganz allgemein Angst ein, ohne aber einer Fliege etwas zuleide zu tun. Man darf zwar nicht übersehen, dass in Episode 1 und 2 drei Leichen auftauchten, doch wer hat sie auf dem Gewissen? Bis diese Frage geklärt ist, dürften noch weitere Episoden vergehen.

|Die Inszenierung|

Die Geräuschkulisse des Hörspiels ist nicht allzu realistisch. Man hört nicht jede Tasse klappern, nicht jedes Auto vorbeirauschen. Vielmehr stehen die Kommunikationsmittel im Vordergrund: Handys, Telefone, Türklingeln, fehlen nur noch Türklopfer und Megafone. Im Wald schreien die Krähen, ein Hund bellt und knurrt, und über allem liegt ein melodisches Pfeifen.

Alexander Scheers raue Raucherstimme passt zum Möchtegerndetektiv à la Philip Marlowe, der nur per Zufall zum Kulturwissenschaftler geworden zu sein scheint. Sein Gegenteil, ein Ausbund an Disziplin und Pflichtbewusstsein, bildet die Rolle der Alexa Voss, gesprochen von Anne Moll (zuvor Sandra Speichert). Sie tritt in dieser Episode gleichberechtigt neben der kindlich-eifrigen Tina Müller, gesprochen von Anna Thalbach, auf, vor allem als Geliebte von Adrian Bloch.

|Die Musik|

Spätestens nach einer halben Stunde des Anhörens verhärtet sich im Zuhörer der Verdacht, dass die ganze Handlung eigentlich nur ein Vorwand ist. Nämlich der Vorwand, um möglichst viel deutsche Neo-Gothic-Musik abspielen zu können. Die oben aufgeführte Interpretenliste ist nur die Spitze des Eisbergs dessen, was den Zuhörer erwartet. Es verwundert nicht, dass in die Produktion des Hörspiels Firmen wie |Radar Media|, |STIL| (für die professionelle Soundproduktion) und ein Musikmagazin namens |Sonic Seducer| eingebunden sind.

Letzteres hat sich mit einem Aufkleber auf der Hülle verewigt. |Radar Media| ist im Booklet mit einer ganzen Seite Werbung vertreten: „Schattenreich Vol. 4: Die Kult-Kompilation als 2CD [sic!] und DVD u. a. mit Rammstein, Oomph!, Nightwish […] und unveröffentlichten Schattenreich TV-Sessions [!!] und anderen Specials“. |Radar| hat das Copyright und die Markenrechte für „Schattenreich“ inne, folglich war die Firma auch an der Produktion beteiligt. Und da es in ihrem Interesse liegt, die Bands wie Rammstein, Oomph! usw. zu vermarkten, packte sie natürlich so viel Musik wie möglich auf die Silberscheibe. Jedes Mal eine Disko-Session in die Handlung einzubauen – egal wie -, war daher obligatorisch, und das merkt man auch in Episode 4.

Diese Dinge sollte man wissen, wenn man die Musikeinlagen des Hörspiels bewertet. Plötzlich wird aus der Handlung nicht das Hauptgericht, sondern lediglich die Beilage. Deshalb dröhnt unvermittelt der Leadsong „Follow me“ durch die Boxen, nachdem bereits ein Donnerschlag den Zuhörer aus seiner Bürgerruhe aufgescheucht hat. Es gibt anschließend kaum eine ruhige Minute, in der keine Musik erklingt. Hier hat |Radar Media| ganze Arbeit geleistet. Immerhin ist es nicht mehr ganz so schlimm wie auf den ersten beiden CDs, denn jetzt wird der Hauptfigur mehr musiklose Zeit zum Nachdenken gegönnt.

|Webseite|

Hinweis: Auf http://www.schattenreich.net findet man das Tagebuch einer Figur, um die es immer wieder im Hörspiel geht. Ich tippe als Autorin auf Sibylle Scholl, die angeblich beim Brand ihrer Klinik umgekommene Billie, Christians Geliebte. Das Tagebuch bietet zusätzliche Hintergrundinformationen.

_Unterm Strich_

Die Handlung von „Schattenreich 3“ ist, wie gesagt, so dünn, dass sie auf einen Post-it-Zettel passt. Darüber nachzugrübeln, ist der Mühe nicht wert. Der Plot enthält Elemente einer Serienhandlung, die Anleihen bei „Sakrileg“ und „Offenbarung 23“ sind. Die Story wartet aber mit genügend Rätseln auf, dass der Zuhörer bei der Stange bleibt. Ansonsten ist zu konstatieren, dass dieser Plot als Vorwand für a) Sex auf dem Billardtisch und b) jede Menge Musik-Marketing dient. Dafür trägt der Produzent |Radar Media| die Verantwortung. Und wenn die Handlung nicht in die Gänge kommt, dann liegt es an willkürlich eingebauten Szenen wie der Sexszene im Keller des Café Palm, die nur dem Aufgeilen des Publikums dient, aber ansonsten keinen geistigen Nährwert besitzt.

Wie bei allem, was das Studio |STIL| produziert, ist das Produkt hinsichtlich Sound und Optik vom Feinsten. Immerhin erreichen das Studio und der |Lübbe|-Verlag eine neue Zielgruppe, die mit „Offenbarung 23“ nur unzureichend befriedigt wird: die Gothic-Rock-Fans, die auf Bands wie |Rammstein|, |Oomph!| und |IAMX| stehen. Diesbezüglich kann „Offenbarung 23“ glatt einpacken. Wer die Songs runterladen will, findet auf www.schattenreich.net den Link dorthin.

|68 Minuten auf 1 CD|
http://www.schattenreich.net/
http://www.luebbe-audio.de
http://www.stil.name/
http://www.sonic-seducer.de/
http://www.radar-net.de/

Meirose, Astrid / Pruß, Volker / Bertling, Simon / Hagitte, Christian / Sieper, Marc / Ihrens, O. – Schattenreich 10: Prolog im Himmel

_Das Erbe des Echnaton_

Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt – er war fünf Jahre im Ausland – wird der junge Kulturwissenschaftler Christian Wagner in mysteriöse Todesfälle verwickelt. Als ihn eine unsichtbare Macht ins Schattenreich entführt, enthüllen sich ihm die Nachtseiten der menschlichen Natur. Hinter den Masken bürgerlicher Wohlanständigkeit treibt ein skrupelloses Netzwerk ein größenwahnsinniges Spiel.

Was geschah vor fast 100 Jahren, das zwei befreundete Familien zu Feinden werden ließ? Des Rätsels Lösung scheint in den Tiefen der Villa Scholl zu ruhen. Wagner bemerkt zu spät, dass er selbst der Hüter des Geheimnisses ist. Er gerät unter den Einfluss einer Geheimgesellschaft. Deren Mitglieder sind Anhänger eines genialen Herrscherpaares, dessen Wirken die Kultur fast für immer aus dem Gedächtnis gelöscht hätte. Nun scheint ihre Zeit des Handelns gekommen zu sein. Doch wohin wird ihr Weg sie führen?

Folge 9: Abermals kehrt Christian Wagner auf die Insel seiner Kindheit und Jugend zurück. Hier hofft er die Wurzeln seiner ungeklärten Herkunft zu ergründen. Wird ihm der Weg in die eigene Vergangenheit zum Verhängnis werden? Als eine Sturmflut aufkommt, offenbart ihm die Insel noch ein anderes Geheimnis.

Folge 10: Er ist fest entschlossen, den wahnwitzigen Vorhaben seiner Widersacher ein Ende zu bereiten. Doch wer sind seine Feinde wirklich? Und wie ist es zu erklären, dass er plötzlich mit eigenen Augen eine Szene miterlebt, die sich viele Jahre vor seiner Geburt abspielte und deren Akteure schon lange tot sein müssen?

_Die Autoren_

Als Autoren zeichnen Astrid Meirose und Volker Pruß verantwortlich. Mehr über die Serie findet man unter http://www.schattenreich.net.

Folge 1: [Die Nephilim]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2912
Folge 2: [Finstere Fluten]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2914
Folge 3: [Spur in die Tiefe]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3767
Folge 4: [Nachthauch]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3790
Folge 5: [Im Grab des Ketzers]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4437
Folge 6: [Echnatons Vermächtnis]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4466
Folge 7: [Hinter schwarzen Spiegeln]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5047
Folge 8: [Das blinde Auge des Horus]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5186
Folge 9: [Totengeläut]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5503
Folge 10: Prolog im Himmel

_Die Sprecher & Die Inszenierung_

Die Rollen und ihre Sprecher:

Christian Wagner: Alexander Scheer
Tina Müller: Anna Thalbach
Alexa Voss: Anne Moll
Dr. Bruno Schwab: Volker Brandt (dt. Stimme von Michael Douglas)
Adrian Bloch: Norman Matt (Cillian Murphy, Jonathan Rhys-Meyers)
Jan-Erik Walberg: Lutz Riedel (dt. Stimme von Timothy Dalton)
Walther Zürn: Stefan Krause (Billy ‚Peregrin/Pippin‘ Boyd, Pauly Shore, Philip Seymour Hoffman in „Capote“)
Geheimnisvolle Frau/Billie Scholl: Daniela Hoffmann (dt. Stimme von Julia Roberts)
Gruftie / Gerold Gruber: Dero (|Oomph!|)

sowie Natalie Spinell und Hasso Zorn u. a.

ANNA THALBACH steht seit ihrem sechsten Lebensjahr vor der Kamera, dabei war der Weg zur Schauspielerei nicht so gerade, wie man es bei der Tochter von Katharina Thalbach annehmen könnte. Sie beginnt nach dem Abschluss der Mittleren Reife zunächst eine Hospitanz als Kostümbildnerin am Schillertheater. Doch der Hang zum Schauspiel überwiegt, und bald schon feierte sie selbst große Bühnenerfolge, so auch an der Seite ihrer Mutter in „Mutter Courage“.

DERO wurde am 16. April 1970 in Wolfsburg geboren. In der Band Oomph!, die 1989 gegründet wurde, ist er der Mann für den Gesang, die Texte, Drums, und Kompositionen. Der Weg zur Musik sah laut eigener Aussage für Dero so aus: „Auf diversen Familienfeiern in den 70ern wurde ich ‚gezwungen‘, mit meinem Vater (Gitarrist, Sänger) alle nur erdenklichen Elvis-Songs in grauenhaftem Englisch rauf und runter zu schmettern.“

Die Musik:

|Secret Discovery|: „Follow Me“
|b.o.s.c.h|: „Mehr“
|Nik Page|: „Herzschlag“
|Lola Angst|: „Am I dead?“
|Suicide Commando|: „Second Death“
|Diva Destruction|: „Rewriting History“
Berliner Filmorchester und Kammerchor

Regisseur Simon Bertling und Tonmeister Christian Hagitte von |STIL| sorgten für die gute Produktion, die Musik und die Sounds; ihnen half Cornelia Schilling. Die Produzenten sind Marc Sieper von |Lübbe Audio| sowie Oliver Ihrens von |Radar Media|, Bochum. Das interessante Booklet-Design stammt von Kai Hoffmann.

_Vorgeschichte_

Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt – er war fünf Jahre im Ausland – wird der junge Kulturwissenschaftler Christian Wagner in mysteriöse Todesfälle verwickelt. Christian ist einer von neun Spezialschülern, den „Titanen“. So nannten sich vor 15 Jahren die Mitglieder einer Gruppe von jungen Hochbegabten, die von der Scholl-Stiftung gefördert und von ihrem Lehrmeister Dr. Volker Brandt ausgebildet wurden. Die Titanen, so Bruno, waren in der antiken Sage die Kinder von Göttern und Menschenfrauen. Die Nephilim hingegen waren die Kinder von Dämonen, die sich mit Menschenfrauen paarten: negative Titanen. Treibt hier jemand ein fieses Spiel mit den letzten Titanen?

Auf der rechten Ferse jeder Leiche findet er das gleiche Tattoo, das er selbst auch trägt: das ägyptische Ankh-Symbol, ein Henkelkreuz, das „Leben“ bedeutet. Es ist kombiniert mit dem „Auge des Horus“, das, wenn geöffnet, einen Schutzzauber darstellt. Ist dieses Horus-Augen-Tattoo jedoch pupillenlos, also blind, dann handelt es sich um einen Nephilim, ein früheres, aber abtrünnig gewordenes Mitglied der „Titanen“.

Da Christian ein Waisenkind ist, das von der Industriellenfamilie Scholl aufgezogen wurde, bildet Brandt seinen Vaterersatz. Bei den Scholls lernte er Sibylle Scholl als seine Schwester kennen und machte sie zu seiner ersten Geliebten. Adrian Bloch, den er nun in seiner Heimatstadt wiedertrifft, war ebenfalls einer der „Titanen“. Die Familie Bloch ist mit den Scholls seit jeher befreundet. (Wirklich? Neueste Folgen belegen eher das Gegenteil.)

Seit seiner Rückkehr sind bereits zwei der „Titanen“ umgekommen. Beide Leichen weisen eine Tätowierung an der rechten Ferse auf: das blinde Auge des ägyptischen Sonnengottes Horus, das Zeichen der Nephilim, eines Geheimordens. In den Rollenspielen der „Titanen“ war Christian stets der Gott Osiris, Sibylle die Göttin Isis und Adrian der eifersüchtige Gott Seth, der Osiris tötete. Doch wer war Horus, der Sohn des Osiris? Adrian treibt sich immer noch in der Stadt herum, als neuer Besitzer der Villa Scholl, dem Sitz der Titanen.

Dieser ägyptisch-mythologische Hintergrund könnte etwas mit dem Schicksal des Ägyptologen Prof. Jan Erik Walberg zu tun haben, der Christian anrief und treffen wollte, aber unauffindbar ist: Wurde er entführt? Als Christian mit der Journalistin Tina Müller zu Walbergs Labor fährt, findet er dort zwar eine Botschaft, wird jedoch auch mit dem Tod bedroht: durch eine Flutwelle aus dem nahen Stausee. Hat ihn jemand im Visier? Christian fühlt sich zunehmend verfolgt.

_Handlung_

|1. Akt|

Christian sitzt in einem Theatersaal, sechs bis sieben Wochen nach den Ereignissen auf der Insel und dem Leuchtturm. Seitdem weiß er, dass Dr. Bruno Schwab und Sylvia Scholl seine Eltern sind, und dass Tassilo Bloch der Vater von Adrian und Sibylle Bloch ist. Eine Weissagung besagt, er selbst werde „die Dinge in Ordnung bringen“. Aber hat keine Vorstellung davon, auf welche Weise. Und was soll der Chip in seinem Hirn bewirken?

Der Vorhang hebt sich, das ägyptische Senetspiel, das Chris zur Genüge kennt, wird sichtbar. Zwei Schauspieler treten als Nathanael Bloch und Sigmund Scholl auf. Nathanael beansprucht die Mumie Pharao Echnatons für sich, doch Sigmund widerspricht ihm, denn er habe ja schließlich die Expedition finanziert. Dass die Zuschauer an dieser Stelle in Gelächter ausbrechen, wundert Christian.

Doch dann treten zwei Mönche in Kutten auf, die des einen weiß, die des anderen schwarz. Auf einem Tisch spielen sie das Senetspiel. Sigmund liest deklamierend die Weissagung zur Mumie Echnatons vor. Der reinkarnierte Erbe des Pharao werde dereinst hervortreten. Doch bis dahin dürfen die Entdecker nur je einen Sohn als Erben haben. Nathanael und Sigmund rätseln darüber, wer der Vater dieses Gesalbten sein wird. Ist es eine Wette oder Spiel, ein Test? Der Wetteinsatz ist das gleiche wie der Preis, nämlich der Gesalbte und die Wiedergeburt Echnatons.

|2. Akt|

Auf der Straße lässt sich Christian, der immer noch eine alte Armeepistole bei sich trägt, von einer Prostituierten abschleppen, die sich als Alexa Voss entpuppt. In der Dampfsauna ihrer Absteige liegt ein Freier, den Christian wiedererkennt: Kommissar Max Lohmann. Was tut der denn hier? Er zwingt den Cop zu dem Geständnis, dass die mysteriösen Nephilim eine Geheimsekte der Blochs seien. Christian selbst nehme eine Schlüsselrolle in deren Spiel ein: Er sei der Gesalbte! Mit den anderen Sektenmitgliedern experimentieren die Blochs, um wie Dr. Frankenstein den Neuen Menschen zu erschaffen. Lohmann bringt Christian zu ihrem Treffpunkt, dem Café Palm, das Adrian Bloch gehört.

|3. Akt|

Dort gibt sich die Gothic-Szene ein Stelldichein und Christians Bekannte nacheinander die Klinke in die Hand. Endlich tritt Moritz Goldmund auf, der etwas über den Ägyptologen Dr. Walberg (Episoden eins und zwei) zu berichten weiß. Walberg dachte, er habe bei Christian das Echnaton-Gen festgestellt, das zu einem großen Schädel und revolutionären Geistesleistungen wie dem Monotheismus führte. Christian ist nicht wirklich begeistert.

Auf dem Weihnachtsmarkt führt Dr. Schwab Christian zu dessen Amme. Von Madame Margarethe erfährt er, dass Christian seit frühester Jugend an epileptischen Anfällen und katatonischen Zuständen gelitten habe. Nach einem Unfall, der alles noch schlimmer machte, pflanzte Dr. Walberg Christian den Chip ins Hirn ein, und fortan besserte sich sein Zustand. Margarethe ist überzeugt, Christian sei der Gesalbte und werde die Blochs bekämpfen. Er habe sogar die Erinnerungen seiner Vorfahren geerbt. Dr. Schwab erklärt das für Blödsinn und führt Christian fort.

|4. Akt|

Christian hält sich die Pistole an den Kopf und fragt sich, ob er sich eine Kugel durch selbigen jagen soll. Dann entscheidet sich aber lieber dafür, von seinen Titanen-Geschwistern Adrian und Sibylle ein paar Antworten zu verlangen. Sie erwarten ihn bereits in der Villa Scholl. In drei Sarkophagen wartet dort ein Geheimnis darauf, gelüftet zu werden …

_Mein Eindruck_

Nach so vielen Enthüllungen über sich selbst und die Machenschaften der Blochschen Sekte der Nephilim weiß Christian Wagner endlich ungefähr, wo er steht: nämlich zwischen den Fronten. Nicht unbedingt ein gemütlicher Ort, um seinen Lebensabend hier zu verbringen. Daher ist es nun Christians Aufgabe, eine Entscheidung herbeizuführen. Allerdings braucht er dazu Verbündete, die er auf der Scholl-Seite, unter den Titanen, zu finden hofft.

Eine bis dahin rätselhafte Figur, mit der sich Christian noch nicht richtig auseinandergesetzt hat (wohl aus dramaturgischen Gründen), ist Billie Scholl, seine frühere Geliebte. Allerdings spielt sie die Rolle der Isis, deren Antlitz durch einen Schleier des Geheimnisses verhüllt ist, wie sie am Anfang jeder Folge ins Gedächtnis ruft. Wer mehr wissen will, sollte ihr Tagebuch unter schattenreich.net lesen.

|Osiris-Mythos reloaded|

In den Rollenspielen der „Titanen“ war Christian stets der Gott Osiris, Sibylle natürlich die Göttin Isis und Adrian der eifersüchtige Gott Seth, der Osiris tötete und zerhackte. Dem Mythos zufolge setzte Isis die Einzelteile Osiris‘ wieder zusammen, schlief mit dem Wiederauferstandenen und gebar ihren Sohn Horus, den Sonnengott. In der Umsetzung des Mythos stehen die Nephilim auf Seiten Seths und die Titanen auf Seiten Christians und Billies.

Die Wiederauferstehung Osiris‘ wird in Christians Wiederentdeckung seiner Herkunft realisiert. Das ist aber die Kardinalfrage: Sollte Christian auch das Echnaton-Gen geerbt haben, wovon die Nephilim überzeugt sind, dann reicht seine Bedeutung viel weiter als nur bis zu der Wiederholung des Osiris-Mythos. Die Frage ist, auf wessen Seite er sich dann schlägt. Die Nephilim tun alles dafür, ihn auf ihre Seite zu ziehen.

|Ein Kulturwissenschaftler?|

Christians Hauptproblem besteht in seinem mangelnden Verständnis seiner eigenen Position. Was mich schon immer an seiner Figur gewundert hat, ist der Umstand, dass er trotz seiner Ausbildung zum Kulturwissenschaftler sein umfangreiches Wissen nicht einsetzt. Alles, was er uns von seiner Bildung verrät, kann von den Erlebnissen seiner Kindheit und Jugend in der Villa Scholl herrühren.

Aber warum wendet er die Prinzipien der Kulturwissenschaft nicht auf seine Ermittlungen an? Sollte er sein Studium mit einem akademischen Grad abgeschlossen haben, so wurde er auch geprüft – und daher sollte er in der Lage sein, entsprechenden psychischen Druck auch auszuhalten. Er müsste die Erkenntnisse und Methoden seiner eigenen wissenschaftlichen Disziplin in seine eigene Ermittlung integrieren oder sie zumindest darauf anwenden.

Dass er dies unterlässt und stattdessen immer weiter durch den Irrgarten seiner zufälligen Funde stolpert, gehört zu den großen Enttäuschungen, die die Konzeption dieser Serie verursacht. Im anderen Fall würde sich der Hörer nämlich freuen, mehr von den alten Ägyptern zu erfahren. Aber dafür waren die Autoren vielleicht von der Materie überfordert, hatten nicht genug Platz (viele Songs waren unterzubringen!) oder ganz einfach ein anderes Ziel als ein Bildungsprogramm für Gothic-Fans. Möglicherweise haben sie auch bloß zu viele Filme von David Lynch gesehen.

_Die Inszenierung_

|Die Sprecher|

Alexander Scheers raue Raucherstimme passt zum Möchtegerndetektiv à la Philip Marlowe, der nur per Zufall zum Kulturwissenschaftler geworden zu sein scheint. Sein Gegenteil, ein Ausbund an Disziplin und Pflichtbewusstsein, bildet die Rolle der Alexa Voss, gesprochen von Anne Moll (zuvor Sandra Speichert) Sie tritt in dieser Episode gleichberechtigt neben der kindlich-eifrigen Tina Müller, gesprochen von Anna Thalbach, auf. Tina Müller hat die Funktion des Schutzengels und darf folglich überall auftreten, wo Chris in Not ist.

Diesmal sprechen mehrere Stimmen aus dem Off, befinden sich also nicht auf der „Bühne“, sondern nur in Christians Erinnerung. Dazu gehören Bruno, Christians Mentor, sowie Sigmund Scholl, sein Ziehvater, bei dem er aufwuchs. Dass eingangs Isis alias Billie Scholl etwas über ihr eigenes Geheimnis zitiert, sollte man ebenfalls festhalten.

|Die Geräusche|

Die Geräuschkulisse des Hörspiels ist nicht allzu realistisch. Man hört nicht jede Tasse klappern, nicht jedes Auto vorbeirauschen. Vielmehr stehen die Kommunikationsmittel im Vordergrund: Handys, Telefone, Türklingeln, fehlen nur noch Türklopfer und Megafone. Diesmal spielt das Theaterstück, das Chris am Anfang besucht, eine wichtige Rolle. Der Sound der Stimmen ist bühnenähnlich, und die Schauspieler deklamieren statt sich miteinander zu unterhalten.

Danach geht Christian auf den Weihnachtsmarkt. Überlagert von Glockengeläut – hätte gut zu Folge neun gepasst – hören wir Kinderlachen und eine Drehorgel. Es ist Heiligabend. Häufig sind die Stimmen durch Hall verstärkt oder durch Effekte verzerrt, so etwa um eine Nachrichtensprecherstimme aus dem Lautsprecher nachzubilden. (Die Lautsprecher sind in Hörspielen grundsätzlich auf dem Stand der siebziger Jahre und klingen entsprechend kratzig.)

Darf man sehr tiefe Bässe noch zu den Geräuschen und Effekten zählen, oder sind sie bereits zur Musik zu rechnen? Egal, sie seien an dieser Stelle mal hervorgehoben. Sie werden in den |Schattenreich|-Hörspielen nämlich regelmäßig eingesetzt, um Angst zu erzeugen, nicht etwa bei der jeweiligen Figur, sondern im Zuhörer. Sie sind deshalb so tief, damit dieser Vorgang unbemerkt bleibt und unterschwellig wirken kann.

|Die Musik|

Spätestens nach einer halben Stunde des Anhörens verhärtet sich im Zuhörer der Verdacht, dass die ganze Handlung eigentlich nur ein Vorwand ist. Nämlich der Vorwand, um möglichst viel deutsche Neo-Gothic Musik abspielen zu können. Die oben aufgeführte Interpretenliste ist nur die Spitze des Eisbergs dessen, was den Zuhörer erwartet. Es verwundert nicht, dass in die Produktion des Hörspiels Firmen wie |Radar Media|, |STIL| (für die professionelle Soundproduktion) und das Musikmagazin |Sonic Seducer| eingebunden sind.

Letzteres hat sich mit einem Aufkleber auf der Hülle verewigt. |Radar Media| ist im Booklet mit einer ganzen Seite Werbung vertreten. |Radar| hat das Copyright und die Markenrechte für „Schattenreich“ inne, folglich war die Firma auch an der Produktion beteiligt. Und da es in ihrem Interesse liegt, die Bands wie |Rammstein|, |Oomph!| usw. zu vermarkten, packte sie natürlich so viel Musik wie möglich auf die Silberscheibe.

Diese Dinge sollte man wissen, wenn man die Musikeinlagen des Hörspiels bewertet. Plötzlich wird aus der Handlung nicht das Hauptgericht, sondern lediglich die Beilage. Deshalb dröhnt unvermittelt der Leadsong „Follow me“ durch die Boxen, nachdem bereits ein Donnerschlag den Zuhörer aus seiner Bürgerruhe aufgescheucht hat. Es gibt anschließend kaum eine ruhige Minute, in der keine Musik erklingt. Hier hat |Radar Media| ganze Arbeit geleistet.

Immerhin ist es nicht mehr ganz so schlimm wie auf den ersten beiden CDs, denn jetzt wird der Hauptfigur mehr musiklose Zeit zum Nachdenken gegönnt. Die Lauscher stellten sich mir auf, als ein deutscher Text von einer Sängerin zu einem Piano gesungen wurde, so dass ich endlich einmal den Text verstehen konnte. (Die Neo-Gothic-Sänger scheinen einen Horror davor zu haben, ihre Stimme unverzerrt und verständlich einzusetzen, wahrscheinlich weil ihre Texte zu schlecht sind.)

_Unterm Strich_

Bald wird es überstanden sein, mag der Hörer wohl erleichtert seufzen, nachdem er diese Folge gehört hat. Christian hat endlich Heiligabend erreicht, weiß über seine Herkunft halbwegs Bescheid und muss nun nur noch eine Entscheidung zwischen Titanen und Nephilim herbeiführen. Leichter gesagt als getan. Denn in seinem Kopf steckt ein mysteriöser Chip, der möglicherweise auch seine Fernsteuerung erlaubt – wer weiß das schon genau?

Das Fest, an dem der Heiland auf die Welt kam, steht bevor. Das deckt sich genau mit Christians eigener Lage. Denn die Nephilim verehren ihn ja als den verheißenen Gesalbten, den Nachfolger des revolutionären Pharaos Echnaton. Und vielleicht spielt er nicht nur die Rolle des alten Osiris, der seinem früheren Ich entspricht, sondern auch die des Horus, des Sohnes von Isis und Osiris. Zumindest in geistig-spiritueller Hinsicht.

Sein Problem ist, dass er diese Rolle des Heilands ablehnt. Am Schluss dieser Folge verkündet ihm deshalb eine Stimme aus dem Sarkophag: „In deiner Hand ist die Welt!“ Ob dies nun Jahwe ist oder der Goethesche Erdgeist, wen kümmert’s? Christian sollte seine Kenntnisse als (angeblicher) Kulturwissenschaftler einsetzen und deren Methoden auf seine Ermittlungen anwenden. Das wäre ein Element, das die Serie erheblich aufwerten würde.

|Die Zielgruppe|

Die Reihe „Schattenreich“ wendet sich an die gleiche Zielgruppe wie die Musik-CDs, die DVDs und die TV-Produktionen (von denen ich bislang nichts gesehen habe): Gothic-Rock-Freunde, für die Musik nicht nur Unterhaltung, sondern eine Lebenshaltung und eine modische Aussage darstellt. Anstelle von Vampiren und anderem blutigem Gesocks treten aber in „Schattenreich“ nur jede Menge mystisch gestimmte Typen auf, die sich irgendwie zwielichtig aufführen. Ford Prefect würde sagen: „Weitgehend harmlos“.

Die Macher

Wie bei allem, was das Studio |STIL| produziert, ist das Produkt hinsichtlich Sound und Optik vom Feinsten. Immerhin erreichen das Studio und der |Lübbe|-Verlag eine neue Zielgruppe, die mit „Offenbarung 23“ nur unzureichend bedient wird: die Gothic-Rockfans, die auf Bands wie |Rammstein|, |Oomph!| und |IAMX| stehen. Diesbezüglich kann „Offenbarung 23“ glatt einpacken. Wer die Songs runterladen will, findet auf www.schattenreich.net den Link dorthin.

Nach dieser Doppelfolge ist mit weiteren Episoden zu rechnen, um Christians Schicksal zu besiegeln. Denn einem „PROLOG im Himmel“, wie in Goethes „Faust“, sollte auch ein EPILOG oder Schlussakt folgen.

|58 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-7857-3592-3|
http://www.schattenreich.net
http://www.luebbe-audio.de
http://www.stil.name
http://www.sonic-seducer.de
http://www.radar-net.de

Meirose, Astrid / Pruß, Volker / Bertling, Simon / Hagitte, Christian / Sieper, Marc / Ihrens, O. – Schattenreich 9: Totengeläut

_Ödipale Fahndung nach der Mutter_

Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt – er war fünf Jahre im Ausland – wird der junge Kulturwissenschaftler Christian Wagner in mysteriöse Todesfälle verwickelt. Als ihn eine unsichtbare Macht ins Schattenreich entführt, enthüllen sich ihm die Nachtseiten der menschlichen Natur. Hinter den Masken bürgerlicher Wohlanständigkeit treibt ein skrupelloses Netzwerk ein größenwahnsinniges Spiel.

Der Äygptologe Prof. Jan Erik Walberg, der Christian anrief und treffen wollte, ist unauffindbar: Wurde er entführt? Oder hat er sich absetzen müssen, weil seine Forschungen an Mumien alle moralischen Grenzen überschritten haben? Ein grausiger Fund, den Christian Wagner in Walbergs Labor macht, lässt Schreckliches erahnen.

In einem unterirdischen Archiv entdeckt Wagner eine alte Inventarliste über die Öffnung eines Pharaonengrabs, signiert mit dem Zeichen der Nephilim, dem Auge des Horus. Wagner erkennt, dass die Vergangenheit die Gegenwart auf grausame Weise einholen wird. Oder ist er selbst Akteur in einem Spiel, welches das Leben nur simuliert? Eine Sternenkarte könnte ihm den Weg weisen.

Die Karte zeigt eine Planeten- und Mondkonstellation, die nur an einem bestimmten Tag stattfindet und auf eine Kultstätte verweist, die er finden muss – auf einer Nordseeeinsel. Dort findet ein ungeheuerliches Ritual statt, vorgenommen von seinem Mentor Dr. Bruno Schwab. Doch plötzlich tritt eine feindliche Gruppe auf. Ist die finale Auseinandersetzung der Nephilim mit den Titanen gekommen?

Was geschah vor fast 100 Jahren, das zwei befreundete Familien zu Feinden werden ließ? Des Rätsels Lösung scheint in den Tiefen der Villa Scholl zu ruhen. Wagner bemerkt zu spät, dass er selbst der Hüter des Geheimnisses ist. Er gerät unter den Einfluss einer Geheimgesellschaft. Deren Mitglieder sind Anhänger eines genialen Herrscherpaares, dessen Wirken die Kultur fast für immer aus dem Gedächtnis gelöscht hätte. Nun scheint ihre Zeit des Handelns gekommen zu sein. Doch wohin wird ihr Weg sie führen?

Folge 9: Abermals kehrt Christian Wagner auf die Insel seiner Kindheit und Jugend zurück. Hier hofft er die Wurzeln seiner ungeklärten Herkunft zu ergründen. Wird ihm der Weg in die eigene Vergangenheit zum Verhängnis werden? Als eine Sturmflut aufkommt, offenbart ihm die Insel noch ein anderes Geheimnis.

_Die Autoren_

Als Autoren zeichnen Astrid Meirose und Volker Pruß verantwortlich. Mehr über die Serie findet man unter http://www.schattenreich.net.

Folge 1: [Die Nephilim]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2912
Folge 2: [Finstere Fluten]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2914
Folge 3: [Spur in die Tiefe]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3767
Folge 4: [Nachthauch]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3790
Folge 5: [Im Grab des Ketzers]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4437
Folge 6: [Echnatons Vermächtnis]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4466
Folge 7: [Hinter schwarzen Spiegeln]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5047
Folge 8: [Das blinde Auge des Horus]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5186
Folge 9: Totengeläut
Folge 10: Prolog im Himmel (Schluss?)

_Die Sprecher & Die Inszenierung_

Die Rollen und ihre Sprecher:

Christian Wagner: Alexander Scheer
Tina Müller: Anna Thalbach
Alexa Voss: Anne Moll
Dr. Bruno Schwab: Volker Brandt (dt. Stimme von Michael Douglas)
Adrian Bloch: Norman Matt (Cillian Murphy, Jonathan Rhys-Meyers)
Max Lohmann: Manfred Lehmann (dt. Stimme von Bruce Willis)
Geheimnisvolle Frau/Billie Scholl: Daniela Hoffmann (dt. Stimme von Julia Roberts)
Gruftie / Gerold Gruber: Dero (|Oomph!|)
sowie Christian Stark (Arzt), Natalie Spinell (Taxifahrerin) und Oliver Rohrbeck (JJ) u. a.

ANNA THALBACH steht seit ihrem sechsten Lebensjahr vor der Kamera, dabei war der Weg zur Schauspielerei nicht so gerade, wie man es bei der Tochter von Katharina Thalbach annehmen könnte. Sie beginnt nach dem Abschluss der Mittleren Reife zunächst eine Hospitanz als Kostümbildnerin am Schillertheater. Doch der Hang zum Schauspiel überwiegt, und bald schon feierte sie selbst große Bühnenerfolge, so auch an der Seite ihrer Mutter in „Mutter Courage“.

DERO wurde am 16. April 1970 in Wolfsburg geboren. In der Band Oomph!, die 1989 gegründet wurde, ist er der Mann für den Gesang, die Texte, Drums, und Kompositionen. Der Weg zur Musik sah laut eigener Aussage für Dero so aus: „Auf diversen Familienfeiern in den 70ern wurde ich ‚gezwungen‘, mit meinem Vater (Gitarrist, Sänger) alle nur erdenklichen Elvis-Songs in grauenhaftem Englisch rauf und runter zu schmettern.“

|Die Musik:|

Secret Discovery: „Follow Me“
Arts of Erebus: Dawn of the Dead
Crematory: Pray
Red Cell: Substitute
Berliner Filmorchester und Kammerchor

Regisseur Simon Bertling und Tonmeister Christian Hagitte von |STIL| sorgten für die gute Produktion, die Musik und die Sounds; ihnen half Florian Müller. Die Produzenten sind Marc Sieper von |Lübbe Audio| sowie Oliver Ihrens von |Radar Media|, Bochum. Das interessante Booklet-Design stammt von Kai Hoffmann.

_Vorgeschichte_

Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt – er war fünf Jahre im Ausland – wird der junge Kulturwissenschaftler Christian Wagner in mysteriöse Todesfälle verwickelt. Christian ist einer von neun Spezialschülern, den „Titanen“. So nannten sich vor 15 Jahren die Mitglieder einer Gruppe von jungen Hochbegabten, die von der Scholl-Stiftung gefördert und von ihrem Lehrmeister Dr. Volker Brandt ausgebildet wurden. Die Titanen, so Bruno, waren in der antiken Sage die Kinder von Göttern und Menschenfrauen. Die Nephilim hingegen waren die Kinder von Dämonen, die sich mit Menschenfrauen paarten: negative Titanen. Treibt hier jemand ein fieses Spiel mit den letzten Titanen?

Auf der rechten Ferse jeder Leiche findet er das gleiche Tattoo, das er selbst auch trägt: das ägyptische Ankh-Symbol, ein Henkelkreuz, das „Leben“ bedeutet. Es ist kombiniert mit dem „Auge des Horus“, das, wenn geöffnet, einen Schutzzauber darstellt. [Beide Symbole sind auf der CD selbst aufgedruckt.] Ist dieses Horus-Augen-Tattoo jedoch pupillenlos, also blind, dann handelt es sich um einen Nephilim, ein früheres, aber abtrünnig gewordenes Mitglied der „Titanen“.

Da Christian ein Waisenkind ist, das von der Industriellenfamilie Scholl aufgezogen wurde, bildet Brandt seinen Vaterersatz. Bei den Scholls lernte er Sibylle Scholl als seine Schwester kennen und machte sie zu seiner ersten Geliebten. Adrian Bloch, den er nun in seiner Heimatstadt wiedertrifft, war ebenfalls einer der „Titanen“. Die Familie Bloch ist mit den Scholls seit jeher befreundet.

Seit seiner Rückkehr sind bereits zwei der „Titanen“ umgekommen. Beide Leichen weisen eine Tätowierung an der rechten Ferse auf: das blinde Auge des ägyptischen Sonnengottes Horus, das Zeichen der Nephilim, eines Geheimordens. In den Rollenspielen der „Titanen“ war Christian stets der Gott Osiris, Sibylle die Göttin Isis und Adrian der eifersüchtige Gott Seth, der Osiris tötete. Doch wer war Horus, der Sohn des Osiris? Adrian treibt sich immer noch in der Stadt herum, als neuer Besitzer der Villa Scholl, dem Sitz der Titanen.

Dieser ägyptisch-mythologische Hintergrund könnte etwas mit dem Schicksal des Ägyptologen Prof. Jan Erik Walberg zu tun haben, der Christian anrief und treffen wollte, aber unauffindbar ist: Wurde er entführt? Als Christian mit der Journalistin Tina Müller zu Walbergs Labor fährt, findet er dort zwar eine Botschaft, wird jedoch auch mit dem Tod bedroht: durch eine Flutwelle aus dem nahen Stausee. Hat ihn jemand im Visier? Christian fühlt sich zunehmend verfolgt.

_Handlung_

|1. Akt|

Christian fliegt an Bord eines kleinen Flugzeugs, das Adrian Bloch steuert, zu der Insel, auf der aufgewachsen ist. Er will mehr über seine Herkunft herausfinden. Ist er wirklich ein Waisenjunge, oder verbirgt jemand ein Geheimnis vor ihm? Er hat eine Kopie des Geburtenregisters gefunden – in Adrians Unterlagen.

Ein Leuchtturm ist sein Ziel, und mit der Armeepistole des alten Scholl zwingt er Adrian, den Kurs zu halten und Antworten über die Titanen zu geben (siehe oben). Doch Christian muss einsehen, dass auch Adrian nur eine Schachfigur in einem größeren Spiel ist. Adrian muss den Anflug abbrechen und versucht eine Notlandung im Wald …

|2. Akt|

Als Christian im Krankenhaus der Insel erwacht, erlaubt der anwesende Arzt keine Polizei. Das macht Alexa Voss, der Polizeiinspektorin, nichts aus, denn sie gibt sich als Christians Freundin aus. Während sich der Patient noch bewusstlos stellt, wundert er sich, dass Alexa und die Journalistin Tina Müller einander duzen. Alexa sagt, sie liebe Christian, aber Tina, die bi ist, liebt auch Alexa.

Da tritt Kommissar Lohmann auf und wirft alle raus. Nachdem ihre Proteste verklungen sind, versucht er, sich von Mann zu Mann mit Christian zu unterhalten, um ein paar Antworten zu erhalten. Der immer noch simulierende Christian erhält auf diese Weise mehr Informationen. Lohmann will wissen, warum in Adrians Lungenflügel eine Kugel steckt. Handelt es sich etwa um einen perfiden Mordversuch? Zu dumm, dass Christians Waffe verschwunden sei. Es sei die gleiche Pistole, mit der seinerzeit auch Nathanael Bloch erschossen wurde.

Nachdem der Arzt seinerseits Lohmann rausgeworfen hat, fragt er ihn, warum sich im Kopf seines Patienten ein Chip befinde. Ist es ein Sender? Ein Dr. Schwab habe angerufen, der Christian als seinen Sohn bezeichnete. Aber auch Tassilo Bloch habe Christian seinen Sohn genannt. Wie das denn, bitteschön, zusammenpasse? Schwab wolle ihn in eine Privatklinik verlegen lassen.

|3. Akt|

Sobald Christian etwas mehr Schlaf getankt hat, begibt er sich zu Adrian, um sich bei ihm zu entschuldigen. Er weiß, er muss hier weg. Mit dem Taxi lässt er sich zum Leuchtturm kutschieren. Bei dem Sauwetter?, fragt die Taxifahrerin zickig. Sie kennt den dort wohnenden Sterngucker JJ ebenfalls. JJ ruft dem eintretenden Besucher aufmunternd zu, es seien bloß 176 Stufen bis zur Plattform. Na, prächtig.

Schon das Blut auf den Stufen kommt Christian reichlich unheimlich vor. Erschreckend sind jedoch das Chaos und die Verwüstung, die er in der Wohnung des Leuchtturmwächters vorfindet. Da geht plötzlich das Licht aus. Christian wird niedergeschlagen und sieht wieder mal Phantome. Als es wieder angeht, liegt die Scholl-Pistole auf dem Tisch des Zimmers. Und dahinter steht Dr. Bruno Schwab. Wieso nur sieht er Tassilo Bloch so ähnlich?

Christian misstraut Schwab, der erneut behauptet, er sei sein Vater und habe die Pistole hier vorgefunden. Er lehnt es sogar ab, Schwabs Tee zu trinken. Schwab sieht ein, dass hier nur noch die Wahrheit hilft. Endlich erfährt Christian, wer seine Mutter war …

|TOP SECRET!|

((CWs Mutter Sylvia verschwand vor seiner Geburt und kehrte ohne den Enkel des alten Siegmund Scholl zurück, um ihren Sohn vor dessen Ränkespielen zu bewahren. Die Familie log und verbarg, was geschehen war, so auch das Kind. Schwab fand Christian endlich auf der Insel und musste seinen Sohn als Findelkind ausgeben. Seine Amme war Madame Margarethe. Sylvia wollte verhindern, dass eine Weissagung sich erfüllte.))

_Mein Eindruck_

Es sieht ganz so aus, als wollte diese ziemlich überflüssige Hörspiel-Serie tatsächlich endlich auf die Zielgerade einbiegen. Was ich mich schon die ganze Zeit gefragt habe, kommt Christian Wagner jetzt erst in den Sinn: Wer, zum Geier, war seine Mutter und was wurde aus ihr? Die arme Sylvia – da soll sie nun den Heiland der Christenheit zur Welt bringen, wenn es nach den Nephilim geht! Kein Wunder also, dass sie ausbüchst, untertaucht und den Sohnemann erst einmal undercover großzieht. Klar, dass Christian sich jetzt – eigentlich – auf die Socken machen sollte, sein Mütterlein zu finden.

|Rätsel|

Ansonsten bietet die Folge weitere Rätsel der gleichen Marke, die wir schon zur Genüge vorgesetzt bekommen haben, und deren Nichtbeantwortung die Macher der Serie in die Lage versetzte, diese Serie schier ad infinitum weiterzuführen. Was soll beispielsweise der Chip in Christians Kopf bewirken? Wird er ferngesteuert und überwacht, oder hat das Ding einen anderen Zweck?

Damit auch ein wenig Erotik das gewohnte Verwirrspiel würzt, wird der umtriebigen Tina Müller, ansonsten stets als Christians Schutzengel aufgetreten, flugs eine bisexuelle Veranlagung angedichtet. Klar, dass sie nun Alexa begehrt, doch die hat nur Augen für ihren Schwarm Christian. Da fragt man sich doch nach dem wahren Grund. Der natürlich (vorerst) nicht verraten wird.

|Der Vater|

Fragwürdig ist auch die Rolle von Dr. Bruno Schwab. Zunächst hat er sich als Mentor Christians aufgeführt, doch nun behauptet er auf einmal, sein leiblicher Vater zu sein. Hätte er ihm das nicht früher sagen können? Doch auch dies ließen die Autoren nicht zu, um uns mit Chris im Dunkeln tappen zu lassen. Frei nach dem sattsam zitierten „Faust“-Vers „Ein guter Mensch in seinem dunklen Drange“ usw. (Gemeint ist wohl nicht der Harndrang …)

|Faust|

Derlei Banalitäten kann man nur mit dem Spruch „Ein blindes Huhn findet auch mal nen Korn“ beantworten. Denn Christian ist weiß Gott kein faustischer Typ, der nach dem Geheimnis strebt, das die „Welt im Innersten zusammenhält“. Er geht auch keinen Teufelspakt mit einem Mephistotypen ein. Er ist lediglich ein Experiment, ein Wetteinsatz, und versucht sich aus der Verstrickung in die Verschwörung der Puppenspieler, der Nephilim, zu befreien. Na, dann viel Erfolg! Vielleicht ist Chrissi nur ein später Nachfahre von Ödipus, der seinen Vater töten und mit seiner Mutter schlafen will. Nix is unmöglich.

|Titel|

Der Episodentitel bezieht sich auf die Schlussszene, in der inmitten einer Sturmflut eine versunkene Stadt ihre Glocken läuten lässt und ein Meer toter Gesichter Christians halb träumendes Auge erschreckt. Was dies alles mit dem Rest zu tun hat, wissen nur die Autoren. Und die verraten nix.

_Die Inszenierung_

|Die Sprecher|

Alexander Scheers raue Raucherstimme passt zum Möchtegerndetektiv à la Philip Marlowe, der nur per Zufall zum Kulturwissenschaftler geworden zu sein scheint. Der Typ Humphrey Bogart steht im Widerspruch zu Chrissis bisherigem Herumgestolpere. Jetzt erst nimmt Chrissi auch eine Knarre in die Hand und weiß sie einzusetzen, um Antworten zu erhalten.

Sein Gegenteil, ein Ausbund an Disziplin, Liebe und Pflichtbewusstsein, bildet die Rolle der Alexa Voss, gesprochen von Anne Moll (zuvor Sandra Speichert) Sie tritt in dieser Episode gleichberechtigt neben der kindlich-eifrigen Tina Müller, gesprochen von Anna Thalbach, auf. Tina Müller hat die Funktion des Schutzengels und darf folglich überall auftreten, wo Chris in Not ist.

Diesmal sprechen mehrere Stimmen aus dem Off, befinden sich also nicht auf der „Bühne“, sondern nur in Christians Erinnerung. Dazu gehören Bruno, Christians leiblicher Vater, sowie Sigmund Scholl, sein Ziehvater, bei dem er aufwuchs. Dass immer mal wieder Isis alias Billie Scholl etwas zitiert, sollte man ebenfalls festhalten.

|Die Geräusche|

Die Geräuschkulisse des Hörspiels ist nicht allzu realistisch. Man hört nicht jede Tasse klappern, nicht jedes Auto vorbeirauschen. Vielmehr stehen die Kommunikationsmittel im Vordergrund: Der Tower des Flughafens der Insel meldet sich, schier überlagert vom Motorengeräusch des Propellers. Das EKG-Gerät piept ebenso im Hintergrund, um zu signalisieren, dass die Hauptfigur in einem Patientenzimmer liegt.

Um das Turmzimmer in luftiger Höh‘ zu positionieren, brausen Wind und Brandung derart, dass sich Christian nicht hinaus auf die Plattform traut. Klasse fand ich das Geräusch des Schusses aus Christians Pistole. Wen es trifft, soll hier nicht verraten werden.

Häufig sind die Stimmen durch Hall verstärkt oder durch Effekte verzerrt, so etwa um eine Fluglotsenstimme aus dem Lautsprecher nachzubilden. (Die Lautsprecher sind in Hörspielen grundsätzlich auf dem Stand der siebziger Jahre und klingen entsprechend kratzig.)

Darf man sehr tiefe Bässe noch zu den Geräuschen und Effekten zählen, oder sind sie bereits zur Musik zu rechnen? Egal, sie seien an dieser Stelle mal hervorgehoben. Sie werden in den |Schattenreich|-Hörspielen nämlich regelmäßig eingesetzt, um Angst zu erzeugen, nicht etwa bei der jeweiligen Figur, sondern im Zuhörer. Sie sind deshalb so tief, damit dieser Vorgang unbemerkt bleibt und unterschwellig wirken kann.

|Die Musik|

Spätestens nach einer halben Stunde des Anhörens verhärtet sich im Zuhörer der Verdacht, dass die ganze Handlung eigentlich nur ein Vorwand ist. Nämlich der Vorwand, um möglichst viel deutsche Neo-Gothic-Musik abspielen zu können. Die oben aufgeführte Interpretenliste ist nur die Spitze des Eisbergs dessen, was den Zuhörer erwartet. Es verwundert nicht, dass in die Produktion des Hörspiels Firmen wie |Radar Media|, |STIL| (für die professionelle Soundproduktion) und das Musikmagazin |Sonic Seducer| eingebunden sind.

Letzteres hat sich mit einem Aufkleber auf der Hülle verewigt. |Radar Media| ist im Booklet mit einer ganzen Seite Werbung vertreten. |Radar| hat das Copyright und die Markenrechte für „Schattenreich“ inne, folglich war die Firma auch an der Produktion beteiligt. Und da es in ihrem Interesse liegt, die Bands wie |Rammstein|, |Oomph!| usw. zu vermarkten, packte sie natürlich so viel Musik wie möglich auf die Silberscheibe.

Diese Dinge sollte man wissen, wenn man die Musikeinlagen des Hörspiels bewertet. Plötzlich wird aus der Handlung nicht das Hauptgericht, sondern lediglich die Beilage. Deshalb dröhnt unvermittelt der Leadsong „Follow me“ durch die Boxen, nachdem bereits ein Donnerschlag den Zuhörer aus seiner Bürgerruhe aufgescheucht hat. Es gibt anschließend kaum eine ruhige Minute, in der keine Musik erklingt. Hier hat |Radar Media| ganze Arbeit geleistet.

Immerhin ist es in den jüngsten Episoden nicht mehr ganz so schlimm wie auf den ersten beiden CDs, denn jetzt wird der Hauptfigur mehr musiklose Zeit zum Nachdenken gegönnt. Die Lauscher stellten sich mir auf, als ein deutscher Text von einer Sängerin zu einem Piano gesungen wurde, so dass ich endlich einmal den Text verstehen konnte. (Die Neo-Gothic-Sänger scheinen einen Horror davor zu haben, ihre Stimme unverzerrt und verständlich einzusetzen, wahrscheinlich weil ihre Texte zu schlecht sind.)

|Webseite|

Hinweis: Auf http://www.schattenreich.net findet man das Tagebuch einer Figur, um die es immer wieder im Hörspiel geht. Ich tippe als Autorin auf Sibylle „Billie“ Scholl, die angeblich beim Brand ihrer Klinik umgekommene Billie, Christians Geliebte. Das Tagebuch bietet zusätzliche Hintergrundinformationen.

_Unterm Strich_

Wieder einmal lässt eine „Schattenreich“-Folge den Hörer mit Frustbeulen zurück – und hungrig nach mehr Informationen. Der arme kleine Chrissi Wagner kriegt es einfach nicht geregelt, das Internet zu benutzen und dort nach seiner verschwundenen Mutter zu suchen. Denn dass sie unter der Erde sein soll, wurde meines Wissens nicht erwähnt. Und Chrissis Papi führt sich auch alles andere als glaubwürdig auf.

Die Verlagerung des Showdowns in die Spitze eines Leuchtturms ähnelt diese Folge fatal der 4. Folge von [„Die Alchimistin“.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5263 Man fragt sich, ob die „Inspiration“ der Autoren nicht doch eher aus Imitieren und Kopieren besteht.

|Zielgruppe|

Die Reihe „Schattenreich“ wendet sich an die gleiche Zielgruppe wie die Musik-CDs, die DVDs und die TV-Produktionen (von denen ich bislang nichts gesehen habe): Gothic-Rock-Freunde, für die Musik nicht nur Unterhaltung, sondern eine Lebenshaltung und eine modische Aussage darstellt. Anstelle von Vampiren und anderem blutigem Gesocks treten aber in „Schattenreich“ nur jede Menge mystisch gestimmte Typen auf, die sich irgendwie zwielichtig aufführen. Ford Prefect würde sagen: „Weitgehend harmlos“. Der Einzige, der gefährlich ist, ist die Hauptfigur Chrissi Wagner.

|Design muss sein|

Wie bei allem, was das Studio |STIL| produziert, ist das Produkt hinsichtlich Sound und Optik vom Feinsten. Immerhin erreichen das Studio und der |Lübbe|-Verlag eine neue Zielgruppe, die mit „Offenbarung 23“ nur unzureichend angesprochen wird: die Gothic-Rockfans, die auf Bands wie |Rammstein|, |Oomph!| und |IAMX| stehen. Diesbezüglich kann „Offenbarung 23“ glatt einpacken. Wer die Songs runterladen will, findet auf |schattenreich.net| den Link dorthin.

|55 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-7857-3591-6|
http://www.schattenreich.net
http://www.luebbe-audio.de
http://www.stil.name
http://www.sonic-seducer.de
http://www.radar-net.de