Schlagwort-Archive: Sex

Anonymus – Lebende Bilder. Erotische Abenteuer

Amouröse Abenteuer rund um die Purpurschnecke

Zu Füßen einer Herzogin hält Richard, 27, reich und Glücksspieler und in alle schönen Frauen dieser Welt verliebt, erzählend Rückschau auf seine bisherigen erotischen Taten. Die Liste ist – eine Selbstverständlichkeit für einen Don Juan seines Kalibers – lang und verzeichnet bekannte und ungewöhnliche Spielarten des Genusses: zu zweit, zu dritt, zu viert, mit naiven Mädchen und erfahrenen Ehefrauen, zärtlich und grausam, geradezu oder unter Zuhilfenahme aller erdenklichen Mittel der Ausschweifung… (Verlagsinfo)
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Guy de Maupassant – Die Nichten der Frau Oberst

Humorvoller Klassiker der erotischen Literatur

Julia und Florentine sind die Nichten der Frau Oberst Briquart. In erotischer Hinsicht haben sie keinen blassen Schimmer, als sie sich mit jeweils einem Verehrer einlassen Florentine heiratet den impotenten Georges, einen Vetter, während Julia dem Werben des feschen polnische Emigranten Gaston Saski nachgibt. Als seine Konkubine muss sie leider erfahren, dass ihm seine Spielschulden über den Kopf gewachsen sind. Während sich vergeblich ein Kind wünscht, steht Julia vor dem Abgrund der Armut. Doch Hilfe naht, wenn auch von unverhoffter Seite…
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José Pierre – Die Strandnymphe

Langweilige Lehrstunden der Liebe im Dreieck

Dominique ist Malerin – und Mutter einer bildschönen Tochter namens Catherine. Dominique malt am liebsten erotische Bilder – nach fotografischen Vorlagen, und Cathy steht ihr oft Modell. Beim gemeinsamen Urlaub in Biarritz bittet Dominique ihren Liebhaber, am Strand zusammen mit Cathy vor der Kamera zu posieren – ein gefährliches Spiel, das dramatischen Höhepunkten zustrebt, als Dominique ihren Liebhaber und Cathy allein lässt… (Verlagsinfo)
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Alfred de Musset (zugeschrieben) – Gamiani oder Zwei tolle Nächte

Liebesraserei bis zum Tode

„Gamiani oder Zwei tolle Nächte“ (1833) zählt zu den berüchtigtsten Romanen der erotischen Literatur (erstes Erscheinungsverbot: Lille 1868; zweites Verbot: Paris 1889.) Dies ist die Geschichte der liebestollen Gräfin Gamiani, die die „Wonne der Männerliebe“ verschmäht und in einer „von heißester Leidenschaft durchpulsten Sprache“ ihre orgiastischen Abenteuer in einer Klostergemeinschaft erzählt, die sie dazu gebracht haben, nur noch an den tollsten Exzessen ihre Befriedigung zu suchen und zu finden. (Verlagsinfo) Hauptfigur und Erzähler ist indes der Kavalier Alcide, der sich mit der 15-jährigen Fanni verbündet, um die Gräfin zu befriedigen und zu beobachten. Er ist auch der einzige Überlebende…
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John Norman – Outlaw of Gor (Gor 2)

Aufstand gegen die Herrscherin

Im 2. Band des Gor-Zyklus wird Tarl Cabot aus Neuengland zum zweiten Mal nach Gor entführt. Und er ist entsetzt: Seine Gor-Heimatstadt Ko-ro-ba ist dem Erdboden gleichgemacht worden, sein Vater Matthew ist tot, seine Gattin Talena verschwunden. Er findet heraus, dass die Verwüstung durch die gefürchtete Todesflamme des Sardargebirges herbeigeführt wurde, jene Vergeltungswaffe, mit der die Priesterkönige unerlaubte oder unerwünschte Aktivitäten ausmerzen. Durch den Verlust seiner Heimatstadt Ko-ro-ba und ihres Heimsteins ist Tarl nun ein kompletter Niemand, ein Geächteter auf Gor. Natürlich hasst er nun die geheimnisvollen Priesterkönige, doch sie müssen es wohl gewesen sein, die ihn zurückgebracht haben. Aber zu welchem Zweck?

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John Norman – Tarnsman of Gor (Gor 1)

Actionreicher Auftakt, ungekürzt und humorvoll

In seinem bis dato 35 Bände umfassenden Gor-Zyklus erzählt der amerikanische Geschichts- und Philosophie-Professor John Norman (eigentlich John Lange) die Abenteuer von Menschen auf der Welt Gor, einem Planeten, der sich in seiner Umlaufbahn um unsere Sonne der Erde genau gegenüber befindet. Gor ist somit eine Art Zwillingswelt, allerdings weitaus wilder, altertümlicher, wenig erforscht und von zwei Alienspezies umkämpft, den auf Gor im Verborgenen herrschenden Priesterkönigen und den sie bedrängenden Kurii. Raumschiffe der Priesterkönige verkehren zwischen Erde und Gor: Sie bringen geheime Technik, Gold und entführte junge Damen auf die Gegenerde.
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John Norman – Rebels of Gor (Gor 33)

Wenn der Eiserne Drache fliegt: packende Action-Fantasy

REBELS OF GOR ist die direkte Fortsetzung zu MARINERS OF GOR und SWORDSMEN OF GOR (siehe meine Berichte dazu), und die Handlung nimmt den dort beendeten Faden direkt auf.

Die Pani haben mit ihrem Riesenschiff das Ende der Welt erreicht: ihre Heimat, die stark an Japan erinnert. Die zwei Fürsten Noshida und Okimoto schließen sich dem Shogun Temmu an. Doch sofort sehen sie sich von Verrat hintergangen, und die Festung Temmus wird von seinem Rivalen Yamada belagert.

Im Laufe der Monate verliert Tarl Cabot, der Hauptmann der Luftkavallerie, durch Verrat den Großteil seiner Streitmacht – und seine Sklavin Cecily wird für einen Fuder Reis an den Feind verkauft. Höchste Zeit also, das Blatt zu wenden. Doch wer ist der Verräter in den eigenen Reihen, der jede Initiative unter den Rebellen heimlich an Yamada weitergibt?
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John Norman – Conspirators of Gor (Gor 31)

Verschwörung und Gegenverschwörung: Showdown im Gebirge

Dieser 31. Band der GOR-Serie schließt an die Ereignisse aus Band 28 „Kur of Gor“ an, spielt aber ausschließlich auf Gor und der Erde. Bekanntlich entschieden sich der Krieger und Halb-Kur Grendel und die von ihm geliebte Kur-Sklavin Lady Bina dazu, nach einer gescheiterten Revolution auf Gor ein neues Leben anzufangen.

Die von der Erde eingeschmuggelte Sklavin Allison wird zur Zeugin des ehrgeizigen Planes, den Lady Bina in Ar, der stolzesten Stadt des Planeten, verfolgt. Dabei verliebt sie sich in einen zwielichtigen Typen, der dunkle Pläne verfolgt…

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Aran Ashe – Slave-Mines of Tormunil (Chronicles of Tormunil 3)


Nur etwas für BDSM-Fetischisten

Dies ist der dritte Band der erotischen Fantasy-Trilogie um Tormunil, die im 18. Jahrhundert spielt. Josef Stenner, ein junger Mann mit den magischen Kräften eines speziellen Rings, hat aus der Zitadelle der Sklaven die jungfräuliche Sklavin Leah mitgenommen, die ihn als ihren Gebieter und Besitzer anerkannt hat. Doch Josef ist auf der Suche nach der Sklavin Sianon, die von einem Schurken namens Malory geraubt wurde. Malory will Sianon Gerüchten zufolge in die Bergwerke von Menirg bringen, damit sie dort den Sklavenarbeitern dient…
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John Brunner – Das Menschenspiel


Psycho-SF: Die Marionetten entdecken ihre Spieler

Kriegsheld, Jetsetter, Gourmet – Godwin Harpinshield ist all dies und noch mehr. Sein Leben ist ein Spiel, das unter den Schönen und Reichen gespielt wird, deren Leben sie über die Natur- und andere Gesetze stellt. Durch einen einfachen Pakt gehen alle von Godwins Wünschen in Erfüllung. Er fragt sich nie nach seinen geheimnisvollen Gönnern. Und zahlt nie die Rechnung.

Auf einmal wird das Spiel unangenehm und der Einsatz wird erhöht; aus dem Spiel wird Wirklichkeit. Sein Einsatz sind: seine Zukunft, sein Verstand und – möglicherweise – seine Seele. Alles, was Godwin nun herausfinden will, sind die neuen Regeln. Und vor allem: Wer sind die anderen Spieler?
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John Brunner – Die Opfer der Nova (Drei SF-Romane)

Verbrechen an der Dritten Welt – nur in der Zukunft?

Dieser Sammelband enthält drei Romane, die innerlich zusammenhängen:

„Der Polymath“

Als der Stern Zarathustra zur Nova wurde und in einer lebensfeindlichen Lichtflut explodierte, flohen die wenigen Überlebenden in alle Richtungen und suchten auf Planeten der Nachbarsonnen eine neue Heimat. Doch diese Welten waren grundverschieden, und jede war auf ihre Art menschenfeindlich. Und schon die geringste Abweichung von der gewohnten Norm konnte auf überraschende Weise tödlich sein.

Lex ist ein Polymath, das heißt er wurde ausgebildet, eine ganze Welt in ihrer Entwicklung zu steuern und zu verwalten. Ihm gelingt es, eine Siedlung zu errichten und am Leben zu erhalten. Doch um den preis der Hoffnung auf Rettung. Er hat nicht mit der Konkurrenz durch einen Offizier gerechnet, der genau diese Hoffnung anbietet. Leider ist der Offizier vollkommen verrückt …

„Die Rächer von Carrig“

Einst war Carrig berühmt. Aus aller Welt kamen die Menschen in die prächtige Königsstadt, Nachfahren von Flüchtlingen, die einst den Planeten besiedelten. Doch dann kamen Fremde, störten den Frieden, verkauften moderne Waffen an die Bewohner und übernahmen die Macht. Ein junger Mann von Carrig und eine junge Frau von der Erde schmieden den Plan, die Eroberer zu übertölpeln. (Verlagsinfo)

„Die Erlöser von Zyklop“

20 Jahre später stoßen Maddalena Santos und ihr Ex-Mentor Gustav Langenschmidt auf dem Planeten Zyklop, von wo die Eroberer Carrigs kamen, auf eine weitere anrüchige Geschichte. Ein Arzt versorgt die Superreichen dieser Welt nicht mit regenerierten, sondern mit transplantierten Organen. Diese besorgen seine Mittelsmänner illegal von einem noch unentdeckten Planeten der Zarathustra-Flüchtlinge. Jetzt braucht Maddalena dringend einen Beweis …
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Régine Deforges – Lola. Erotische Variationen

Pariser Frauen im Liebeskampf

„Lola“ erzählt 13 Geschichten von Liebe und Wollust, von Verführungen und Verirrungen, Träumen und sinnlichen Genüssen, heimlichen Wünschen und Ausbrüchen wilder Leidenschaft – Geschichten von den Frauen einer Stadt, die wie keine andere mit den Liebenden im Bunde ist. (Verlagsinfo)
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Janson, Christine / Geissler, Dana – Just4Women: Erotikbox 1

_Erotik zwischen Lachkrampf und Tiefenentspannung_

Im März 2003 begann die „erste erotische Hörspielserie für Frauen“ und mittlerweile sind es schon über ein halbes Dutzend Abenteuer in Amors Gefilden, in denen sich die vier Hauptfiguren Moni, Cora, Annica und Sylvia mit meist, aber nicht immer männlichen Partnern verlustieren dürfen. Die erste Erotikbox in pinkfarbenem Plastikherz kostete immerhin 24,90 Euro. Aber da waren auch Badekerzen mit Lavendeldurft drin.

Nun vertreibt Lübbe die CDs des Kölner Herstellers „Sounds of Seduction“ exklusiv. Das erste Abenteuer auf den drei CDs ist aber nicht wie ursprünglich „Frauenabend“, sondern „Sexperimente“. |Dabei geht es um Monis und Coras aufregende Erlebnisse in einem außergewöhnlichen Erotikclub. Moni und Michael geben sich – zugegebenermaßen nach einigen Startproblemen – einer heißen Nacht mit einem anderen Pärchen hin. Vor allem Moni kommt dabei voll und ganz auf ihre Kosten, und für sie steht nach diesem Ausflug fest: das war nicht der letzte Ausflug in ein Etablissement dieser Art… Aber Vorsicht, Moni, Suchtgefahr …| (Verlagsinfo)

|“Online-Liebe“ – das ist der Titel der zweiten CD unserer EROTIKBOX. Auf dieser kannst du erleben, wie Annica in einem außergewöhnlichen Chat mit einem Yogi-Meister Erfahrungen im indischen Liebes-Tantra sammelt. Sehr anregend! Sylvia hingegen stellt bei ihrem ersten Blind-Date fest, dass es online gar nicht einfach ist, zwischen Fröschen und Prinzen zu unterscheiden. Dieses erste Date ist nämlich eher zum Augen verschließen – obwohl, aufregend wird es dann doch. Und das nicht nur für Sylvia!| (Verlagsinfo)

Die dritte Silberscheibe ist „eine Ratgeber-CD, die in Zusammenarbeit mit Christine Janson, der Autorin und bekannten Expertin in Fragen weiblicher Sexualität, zusammengestellt“ wurde. |“Diese CD enthält praktische Tipps und Anregungen zu den Abenteuern unserer vier Freundinnen und ist ab jetzt Bestandteil jeder Box. Was sollte ich bei einem Besuch in einem Erotikclub beachten? Wo finde ich die Top-Adressen Deutschlands? Und wo tummeln sich die Traumprinzen im Internet?“| Danach will frau das sicher gleich selbst ausprobieren.

_Die Autorin_

Das Drehbuch zur ersten Folge „Frauenabend“ schrieb laut Pressemitteilung noch die Sprecherin und TV-Schauspielerin Dana Geissler. Doch danach hat Christine Janson diese Rolle übernommen. Sie tritt hier auch als Ratgeberin auf. Auf der Webseite http://www.just4women.de kann man mehr über sie, die Figuren und den eigenen Persönlichkeits-Typ erfahren. Bilder gibt’s dort ebenfalls für den Download.

_Die SprecherInnen und ihre Rollen_

Wie gesagt ist Dana Geissler die bekannteste Sprecherin. Sie trat in „Tatort“, „Die Sitte“, „Die Wache“ und „Hausmeister Krause“ auf. Sie spricht MONI (32): freiberufliche Werbekauffrau, seit zehn Jahren mit Michi (38) verheiratet und Mutter zweier Kinder, Max und Lisa. Moni hat bislang nicht experimentiert und ist ängstlich.

CORA wird gesprochen von Eva-Maria Hardt. Sie ist die Powerfrau, wie sie im Buch steht. Sie übernimmt gerne das Kommando, kann sich aber auch hingeben.

ANNICA wird gesprochen von Anne Fink. Sie ist die „Cosmopilitin“ (= |Cosmopolitan|-Frau?) der Gruppe.

SYLVIA wird gesprochen von Birgit-Karla Krause. Sie ist die Romantikerin, die schon mal gerne nach Indien abdüst und gerne Tantra-Sex hätte.

Desweiteren tritt eine Liebesgöttin im Chat auf. Natürlich gibt es auch männliche Sprecher. Lustig ist die Formulierung des Herstellers dazu: „Bei der Auswahl der männlichen Stimmen wurde besonders großer Wert darauf gelegt, weiblichen Fantasien zu entsprechen.“ Es treten auf: ein Schlossbesitzer (Pat Murpy), der „Tantrameister Nr. 21“ (Volker Wolf) und diverse andere Zeitgenossen.

Der Titelsong „Girlfriends“ wird von Soleil Niklasson gesungen. Für den guten Ton sorgten Peter Harrsch und Rick Schepker. Regie und Musik oblagen Ingo Gregus. Für die Idee zeichnet Ralf Pispers verantwortlich, und wenn man sich die Anzahl der Episoden von „Just4Women“ anschaut, scheint es eine ziemlich erfolgreiche Idee gewesen zu sein.

_Handlung von „Sexperimente“_

Werbekauffrau Moni (s.o.) ist seit elf Jahren mit Michi, 38. verheiratet und hat mit ihm zwei Kinder. Es könnte nicht besser laufen, gäbe es da nicht eine Sache: Er beschwert sich, ihr würde nie etwas einfallen, um ihren Sex ein wenig aufzupeppen. Als ihre Freundin sie fragt, wovon sie denn träume, dann nur von einer Amazone, die Männer kastriert. Offensichtlich muss etwas passieren.

Moni fragt Cora, die Powerfrau, um Rat. Es wird deutlich, dass Moni nicht weiß, was sie anmacht. Aber der alte 08/15-Sex ist es sicher nicht. Cora hingegen hat die Fantasie, auf eine Schlossparty zu gehen, mit nichts unter ihrem Umhang als einem Paar Stiefeln. Sie lädt Moni und Michi zu so etwas ein. Die Mega-Frage ist jedoch: Was soll Moni nur zu so einem solchen Event anziehen? Die Corsage, die sie im Erotikshop anprobiert, schnürt ihr bloß die Luft ab. Das ist wohl nicht ganz das Richtige.

Als sie jedoch endlich am Schloss angelangen, das versteckt mitten in der Botanik liegt, erweist sich alles dort als ein wenig entspannter, als Moni befürchtet hat. Sie und Michi lernen ein erfahreneres Paar kennen: Marc und Tanja. Sie geben ihnen das Gefühl, dass es klappen könnte. Und so lassen sie sich auf ein Beisammensein ein, das sich als viel schöner erweist, als Moni erwartet hat.

Doch Cora ist unterdessen auf einer ganz anderen Wellenlänge. Kuschelsex ist noch nie ihr Ding gewesen. Als ein Mann im Armani-Anzug ihrem Blick standhält und sie zu einem besonderen Sexspiel einlädt, sagt sie nicht nein. Neugierig folgt sie ihm in den Keller. Hinter einer Eisentür liegt ein stilecht eingerichtetes Verlies …

_Mein Eindruck_

Warum nicht aus der Routine und dem Alltagstrott ausbrechen, warum nicht etwas Besonderes im Sexleben erfahren? Aber man sollte die Abenteuer von Cora, Moni und Co. nicht auf die Goldwaage legen. Es handelt sich um eine Erotik-Soap, die unterhalten soll. Immerhin kommt auch nicht die Psychologie zu kurz, und Informationen werden durch das Hintertürchen eingeschleust – siehe auch die Ratgeber-CD, wo Tipps zu genau solchen Schloss-Partys zu finden sind.

Positiv fiel mir an dieser Episode auf, dass Moni eine Menge Hemmungen und Ängste zu überwinden hat, bevor sie sich endlich mit einem anderen Pärchen einlässt. Von Buschheuers sächsischem „Bärschn-Säggs“ (vgl. [„Ruf! Mich! An!“)]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1338 ist hier also nicht die Rede. Dafür ist Coras Abenteuer mit dem Armani-Mann umso komischer.

_Handlung von „Online-Spiele“_

Sylvia, die Romantikerin, hat seit ihrer Trennung von dem Architekten Rolf – er hat sie verlassen – Trost in Online-Chats und Partnersuche-Foren gefunden. Sie hat herausgefunden, dass Frauen dort unheimlich begehrt sind. Zurzeit hat sie zwei Favoriten: den charmanten Peter und den jugendlichen Tobias. Als ihre Freundin Annica, die Sängerin, kommt, um sich um ihren Sohn Moritz zu kümmern, hat Sylvia Zeit, sich mit Tobias zu treffen.

Tobias stellt sich als übergewichtiger Computerfreak Ende vierzig heraus. Das ist noch nicht das Schlimmste: Er empfiehlt ihr ebenfalls eine kleine Abnehmkur. Und was er über Informatik quasselt, hört sie nur mit halbem Ohr. Am Ende des Dates erweist er sich als Knauser und Pedant. Ganz geknickt geht sie erst einmal durch den Park, um auf andere Gedanken zu kommen.

Unterdessen hat sich Annica, während Moritz schläft, an Sylvias PC niedergelassen und chattet fröhlich im Netz. Besonders interessiert sie sich für „Tantrameister Nr. 21“, der mit ihr eine heiße Einswerdung-Session abzieht, sich aber beim Austausch von Kontaktdaten plötzlich recht zugeknöpft zeigt. Seine Frau und Kinder sollen ja nichts davon mitbekommen …

Als am nächsten Tag Peter bei Sylvia anruft, überrumpelt er sie mit einer Einladung in ein italienisches „Restaurant“. Es entpuppt sich als Sphaghetteria, aber weil es gleich bei ihm um die Ecke liegt, erweist es sich als strategisch günstig gelegen. Obwohl er sich mit der Zunge dauernd über die Lippe leckt wie ein Salamander, erliegt sie seinem Charme und lässt sich mit zu ihm in die Wohnung nehmen. Alles ist genau richtig, bis er schließlich mit einem ganz speziellen Wunsch herausrückt …

Ihre Freundin, der sie alles brühwarm erzählt, ist total wütend, dass Peter Sylvia so ausgenutzt hat. Schließlich hat Moni gerade selbst genug Frust zu verarbeiten. Da war dieser Paul, mit dem sie und ihr Mann Michi einen flotten Dreier anbahnen wollten. Aber dass er sich dauernd über mit der Zunge über die Lippen fuhr, hat sie so abgetörnt, dass sie es bleiben ließen.

Da fährt der Schreck Sylvia in die Glieder, und sie bricht in Tränen aus: Das ist ja „ihr“ Peter, der sich seit dem Date nicht mehr gemeldet hat! Die vier Freundinnen beschließen, dass es auf Peters Verhalten nur eine Antwort geben kann: Rache! Und Cora weiß auch schon, wie sie es Peter heimzahlen kann …

_Mein Eindruck_

Diese Episode weist so viele Klischees auf, dass es entweder oberpeinlich oder schon wieder trashig gut ist. Annica zappt auf ihrer Suche nach dem Traummann über die Chat-Sites von vielen Fröschen, die sich als Prinzen ausgeben. Doch kaum haut sie dem Prinz mal aufs Maul, quakt schon der Frosch hervor. So geschehen mit dem „Tantrameister Nr. 21“ – allein schon der Username ist der Witz.

Richtig komisch wird’s natürlich, wenn das Tantraritual in allen sinnlichen Einzelheiten durchgespielt wird. Derartige PC-Freuden hatte ich mit meiner Microsoft-Maus noch nie. Ein Glück, dass Annica die Sache zwischen Yoni und Lingam sofort kapiert hat. Aber was hat das mit einem Mantra zu tun, stutzt sie. Darauf er: „Blas ihn einfach!“ Manchmal hilft eben das beste Tantra-Indisch nichts. Auch abgedroschene Ausdrücke wie „Lustgrotte“ und „Zauberstab“ – gemeint ist „seine harte Göttlichkeit“, klar? – wirken sehr komisch. Aber was soll’s? Hauptsache, „ihr Nektar fließt“, oder?

Die Krönung der Episode ist natürlich das Desaster mit dem falschen Fuffziger namens Peter – oder Paul, wenn man Moni glauben darf. Dass die arme Sylvia ihren „Busch“ opfern muss, um Erfüllung zu finden – eine Sauerei! Dass er nichts mehr von sich hören lässt – so ein Hallodri! Und dass Rache Blutwurscht ist, dürfte wohl klar sein. Cora, Spezialistin für Powerspielchen, fällt dazu auch gleich der erfolgverheißendste Plan ein. Long live Eva.

_Die Ratgeber-CD_

Unsere Sexpertin vor Ort ist Sara, gesprochen von Nicole Engeln. Sara hat für uns eine Reihe von Leuten vors Mikro geholt, die in Sachen Erotik interessante Angebote machen. (Die Webadressen aller Interviewpartner sind in der Box hinter der CD #3 abgedruckt.) Da ist zunächst die Agentur „EroLuna“, die Workshops und Partys einrichtet, auf denen Kunden ihre individuellen Phantasien umsetzen können. Mit der Originalität dieser Phantasien ist es aber nicht weit her: Der Maskenbal ist exakt aus Stanley Kubricks Film [„Eyes Wide Shut“]http://www.powermetal.de/video/anzeigen.php?id__video=297 kopiert. Zitate aus dem Drehbuch sollen die „Authentizität“ belegen. Auch nicht besonders originell ist die Gigolo-Party im Spreewald auf Schloss Milkersdorf.

Ewige Megafrage ist natürlich: Was ziehe ich (als Frau) für meine erotische Phantasie an? Expertin hierfür ist Gala Block, eine Designerin und Besitzerin des Webshops „Samt & Seide“. Sehr begrüßenswert ist der Tipp, möglichst unverwechselbar zu werden und zu seiner eigenen Weiblichkeit zu stehen. Gar nicht so einfach umzusetzen. Block gibt sogar offen zu, dass erotische Bekleidung für Männer Mangelware sei. Ein guter Tipp: Niemals den Partner fragen, was einem steht.

Da eine der Hörspiel-Episoden „Online-Spiele“ heißt, bietet es sich an, auch die Partnersuche im Internet mal unter die Lupe zu nehmen. Kenntnisreicher Interviewpartner für dieses Thema ist Oliver Zschau vom JoyClub, der offenbar allen und jedem offen steht, auch Leuten, die „nur“ Freundschaft suchen. Der Klub überprüft nach Zschaus Angaben auch so genannte Foto-Fakes, die immer mal wieder auftauchen, um nichts ahnende Kunden zu täuschen. Für eigene Angebote werden ebenso Tipps gegeben wie für das Verhalten im Online-Chat. Ehrlichkeit, Höflichkeit und Freundlichkeit haben oberste Priorität: Na, da hätten sich unsere Opas aber gefreut. Suspekt ist wohl eher der Tipp, im Zweifel lieber der eigenen (weiblichen) Intuition zu vertrauen.

Letzter Punkt auf der Tagesordnung ist eine „erotische Tiefenentspannung“ in der Länge von rund 15 Minuten. Ich hab’s ausprobiert. Es handelt sich um eine stinknormale Entspannungsübung. Was daran „erotisch“ sein soll? Vielleicht die suggestive Stimme der Trainerin.

_Mein Eindruck: CD 3_

Die Ratgeber-CD bietet also vier Interviews und eine Menge Tipps, die gar nicht zu verachten sind. Insbesondere die Empfehlungen für die Teilnahme an Online-Chats auf Sites, wo sich Leute kennen lernen wollen, sind beachtenswert, besonders um Missbrauch und Täuschung zu entgehen. Selbst wenn sie hin und wieder banal erscheinen sollten – man kommt heute durch die Reizüberflutung so selten zum Denken, dass man auf diese Regeln nicht so schnell von alleine gekommen wäre.

Die Gigolo-Party und den Maskenball kann man sich im Real-life geben, wenn man zu viel Geld und Zeit hat. Von Originalität ist dabei wenig zu sehen: Solche Kopien aus einschlägigen „Eyes Wide Shut“-Szenen gibt es wahrscheinlich bereits weltweit. Die Übung zur Tiefenentspannung kann man sich höchstwahrscheinlich auch auf jeder entsprechenden CD im Kaufhaus für fünf Euro besorgen.

_Die Sprecher_

Während die Sprecherinnen – zumindest für mich als Mann – alle ganz natürlich und passend klingen, kommen fast alle Männer recht unnatürlich und gekünstelt herüber. Das hängt allerdings auch oft mit den behämmerten Dialogzeilen zusammen, die sie sprechen müssen. Ist die Episode „Sexperimente“ noch durchaus erträglich, so wird „Online-Spiele“ zu einer Parodie, die keinerlei Anstrengungen unternimmt, das Lächerliche und Satirische in ihrem Ansatz zu verdecken. Da fällt es frau allerdings, sollte mann meinen, schwer, diese Warnungen ernst zu nehmen. Ganz besonders dann, wenn sich alle Prinzen als Frösche erweisen.

Der Sound kann sich durchaus hören lassen. Harrsch und Schepker (s.o.) haben gute Arbeit geleistet. Die Toneffekte, die sie einsetzen, machen sich besonders in der Episode „Online-Spiele“ bemerkbar. Da klappert die Tastatur, da klickt die Maus, und das Chat-Programm gibt fiepende Töne von sich.

So weit, so schön. Dann beginnen die Chats. Jetzt wird’s peinlich, ganz besonders dann, wenn sich „Tantrameister Nr. 21“ so richtig ins Zeug legt. Zu indischen Klängen und dem Singsang eines Yogi (oder was auch immer) stöhnen Annica und Tantramann um die Wette. Ich hätte mich am liebsten auf dem Boden gekringelt, bin aber meiner Chronistenpflicht gefolgt und habe fleißig protokolliert.

Wie klingt es eigentlich, wenn die Muschi rasiert wird? Das fragte ich mich, als ein entsprechend realistisch klingen sollendes Geräusch aus den Lautsprecherboxen in meinen Gehörgang drang. Da ich meine Zweifel an solcherlei Realismus habe, sollte ich wohl doch alsbald eigene Sexperimente in dieser Richtung anstellen.

Immer wieder taucht der penetrante Themensong „Girlfriends“ auf, wahrscheinlich nur deshalb, weil darin die Zeile „Just for women“ vorkommt, die der Serie ihren Titel gegeben hat. Die Sängerin ist eine Könnerin ihres Fachs, aber so häufig wollte ich sie nun wirklich nicht hören. Immerhin: Der Song füllt die Pausen, stimmt auf die Episode ein und am Schluss der 3. CD wird er sogar in seiner vollen Länge von rund drei Minuten ausgespielt. Irgendwie musste die CD ja gefüllt werden.

_Unterm Strich_

Ja, ja, die Erotik. Diese Box führt einen durch einige emotionale Höhen und Tiefen, und eine davon ist ein Lachkrampf, die andere eine Totalentspannung. (Was davon nun eine Höhe und was eine Tiefe ist, müsst ihr selbst bestimmen.) Konnte mir die erste Episode noch recht gut gefallen, so erschien mit die zweite als Parodie ihrer selbst. Die Ratgeber-CD von „Sexpertin“ Engeln ist durchwachsen, bietet aber für den unbedarften Einsteiger in Erotik-Events und Online-Partnersuche einige nicht zu verachtende Empfehlungen.

Da dies nun „Erotikbox Nr. 1“ bei |Lübbe| ist, stellt sich die Frage, wieso man keine vernünftige Einführung bekommt, die den Hörer über a) die vier Hauptfiguren und b) das bisher Geschehene aufklärt. Denn dass Episode Nr. 1 nicht der Beginn der Serie ist, lässt sich leicht aus der zugehörigen Liste auf der Webseite http://www.just4women.de ersehen. Dort ist als 1. Episode „Hausfrauenabend“ angegeben. Ob sich dahinter eine Tupperparty versteckt, habe ich nicht nachgeprüft. Aber ein Besuch der Webseite lohnt, denn hier finden sich alle Infos, die man über die Hauptfiguren sucht – und obendrein jede Menge Downloads sowie Hörproben.

Grundsätzlich hat die Serie ihren Reiz, denn auf eine Erotikserie ähnlichen Kalibers dürften wir im Free-TV wohl noch fünf bis zehn Jahre warten müssen, auf Premiere vielleicht nur noch ein bis zwei. Wer sich keine Schmöker à la „Geschichte der S.“ mehr reinziehen möchte, in denen eh nur die Klischees wiedergekäut werden, der ist hier an der richtigen Adresse. Lachkrampf inklusive.

|220 Minuten auf 3 CDs|

Antoine S. – Florian der Genießer. Erotischer Roman

Bei Wein und Weib immer der Nase nach

Wie gewinnt man dem Leben den größten Genuss ab? Florian Nazulis bedient sich seiner Nase, um von dem, was das Leben zu bieten hat, das Beste zu erschnuppern – und das sind allemal die weiblichen Düfte. Frauen sind für ihn wie Früchte. Und so pflückt er sie alle, die Blondinen und die Rothaarigen, die Schüchternen und die Verführerinnen. (Verlagsinfo)
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Philip José Farmer – Die Liebenden

Subversiver Fremdkontakt

Hal Yarrow lernt auf dem Planeten Ozagen das Mädchen einer fremden Rasse kennen. Er verliebt sich in die Außerirdische, was nach den Gesetzen der Erde ein schweres Verbrechen ist. Das Mädchen gerät in tödliche Gefahr, als es schwanger wird. Yarrow bemüht sich verzweifelt um ihre Rettung u versucht, der unerbittlichen irdischen Justiz zu entkommen. Der Roman löste bei seinem Erscheinen 1952 in Amerika heftige Reaktionen aus, weil er erstmalig eine erotische Beziehung zwischen einem Menschen und einem Alien thematisiert. (Verlagsinfo)

Mit der Novelle „The Lovers“ erwarb sich der junge P.J. Farmer den Ruf eines Rebellen, stieß er doch mit dem Thema der Novelle – Sex mit einem Alien – eine Menge Leute vor den Kopf, v. a. Lektoren und Herausgeber. In der Romanfassung kommt dieser Zündstoff erst ganz am Schluss zum Tragen. Zudem wird die Wahrheit in einem langen Monolog eines der Wogs so reizlos präsentiert, dass sich der Abschnitt so aufregend wie ein Universitätsvortrag liest. Wer also „die Stellen“ sucht, sollte sich gleich auf die letzten zehn Seiten konzentrieren. Der Sex im restlichen Buch ist langweiliger als die Lektüre des „Playboy“.
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Farmer, Philip José – Fleisch. Drei Romane

„Fleisch“, ein Sammelband aus drei Romanen, enthält zwei Episoden um den Detektiv Herald Childe, der einer Horde grausamer Außerirdischer anheimfällt, sowie die Abenteuer eines gewissen Peter Bock, dem „Sonnenhelden“. Die Romane gelten als die „enfants terribles“ unter den Science-Fiction-Romane der sechziger Jahre. In Deutschland wurden sie zunächst nur vereinzelt und dann zusammengefasst in dem Band „Fleisch“ bei |Heyne| veröffentlicht. Das |Area|-Buch ist eine Neuausgabe dieser |Heyne|-Fassung: nun als „Fantasy“ statt „Science Fiction“!

Der Autor

Philip José Farmer wurde bereits 1918 in North Terre Haute, Indiana, als Nachkomme von deutschen, niederländischen und irischen Vorfahren geboren. 1946 verkaufte er eine Kriegserzählung an das Magazin „Adventure“, sein erster Roman „The Lovers“ (Die Liebenden) erschien 1952 in „Startling Stories“ und brachte zum ersten Mal das Thema Sexualität in die (eher prüden) Science-Fiction-Magazine seiner Zeit ein. Danach galt er als Tabubrecher. Viele seiner Werke zeichnen sich durch unterhaltende Themen und Erzählweise sowie durch Ideenreichtum aus. Das gilt auch für „Fleisch“, den vorliegenden Sammelband.

Hintergrund

Der Sammelband enthält die drei Romane „Die Verkörperung des Bösen“ (The Image of the Beast), „Außer Atem“ (Blown) und „Fleisch“ (Flesh). Er stellt einen zusammengehörigen „Exorzismus“ dar, der mit den drei Büchern in drei „Ritualen“ ausgeführt wird. Man fragt sich allerdings, was denn hier exorziert werden soll.

Nach der Liberalisierung der amerikanischen Zensurgesetze Ende der 60er Jahre gab der Verlag |Essex House|, der sonst Pornos veröffentlichte, Farmer den Auftrag, drei erotische Fantasy-Romane zu schreiben. Der erste gelieferte Roman, „The Image of the Beast“ (1968), ist eine wirkungsvolle Parodie auf die Detektivgeschichten und Schauermärchen seiner Zeit. „Blown, or Sketches among the Ruins of my Mind“ (1969) ist die obligatorische Fortsetzung dazu und zeitlich ein Jahr später angesiedelt. Beide wurden 1979 zusammengelegt und in einem Band herausgegeben.

Das dritte Exorzismus-Buch, „Traitor to the Living“ (1973), wurde nicht von |Essex House| veröffentlicht. Vielmehr wurde der Vertrag mit dem Verlag durch die Lieferung von „A Feast Unknown: Volume IX of the Memoirs of Lord Grandrith“ (1969) erfüllt. Der Essex-Deal half Farmer dabei, wieder Vollzeitschriftsteller zu werden – das erste Mal seit 1961, der Veröffentlichung von „The Lovers“ und dessen Fortsetzung „Timestop“ (Story 1960 als „A Woman a Day“, als Buch 1968/1970).

Wie man sieht, ist „Flesh“ nicht im originalen „Exorzismus“ enthalten! Es erschien im Original bereits 1960, in Deutschland zuerst in einer stark gekürzten Fassung 1971 unter dem Titel „Der Sonnenheld“ bei Heyne, übersetzt von Birgit Reß-Bohusch. Diese Fassung wird dem Original keineswegs gerecht.

Handlungen

„Image of the Beast“

Los Angeles leidet seit Tagen unter Smog; er ist so übel, dass kaum etwas zu sehen ist, wenn man eines der wenigen erlaubten Autos fährt, z. B. als Detektiv Herald Childe. Durch seine Kontakte bei der Polizei bekommt er einen Film vorgeführt, in dem einem Polizisten das Geschlechtsteil abgebissen wird. Ein Dracula-Typ tut sich ebenfalls an ihm gütlich. Es gibt weitere Opfer, so etwa einen reichen Geschäftsmann. Childe soll diesen Fall klären. Er recherchiert bei einem Horrorfan namens Woolston Q. Heepish (er taucht auch in „Blown“ wieder auf). Der Tipp führt zu Barons Igescus gut bewachter und weitläufiger Villa in Beverly Hills, in der eine tote Mexikanerin spukt. Außerdem gibt es Werwölfe und andere Gestaltwandler. Baron Igescu ist bereit, ein Interview zu geben, doch Childe wird ein Opfer der sexuellen Gelüste der Hausbewohner, zum Beispiel des Gespenstes. Igescu erklärt, dass die Gestaltwandler ursprünglich aus einer anderen Dimension bzw. Parallelwelt kommen und auf Erden eine ihnen genehme Form angenommen haben. Childe treibt es mit mehreren Bewohnern, bringt einige davon um – darunter Igescu – und setzt die Villa in Brand. Auf der Flucht bemerkt er drei schwarz gekleidete Männer, die zur Villa fahren. Der Smog verschwindet.

„Blown“

Es regnet seit Tagen in LA – Überschwemmungen, Erdrutsche sind an der Tagesordnung. Die drei schwarz gekleideten Männer stellen sich Childe als Angehörige einer mit Igescus Leuten konkurrierenden Alienspezies, der Toc, vor, die ebenfalls erdübliche Körper akquiriert haben. Childe ist mittlerweile Student an der Uni. Als seine verschwundene Ex-Frau Sybil wieder auftaucht, wird er misstrauisch. Sie stellt sich als Angehörige der Toc heraus, als Childe von den Gegnern der Toc entführt und mit Sybil zusammengesperrt wird.

In der Zwischenzeit vermisst der berühmte amerikanische Sammler von SF- und Fantasy-Memorabilien Forrest J (ohne Punkt) Ackerman sein neu erstandenes Dracula-Porträt. Er findet es in der Nachbarschaft bei seinem Konkurrenten Woolston Q. Heepish, bei dem sich ein paar Außerirdische einquartiert zu haben scheinen. Forry schließt sich den Toc an und unternimmt mit ihnen einen Überfall auf das Hauptquartier des Gegners. Er kommt genau rechtzeitig, um die Hauptzeremonie zu stören, in deren Verlauf Herald Childe, ein, wie sich herausstellt, Alienabkömmling, den Gral wiederherstellen soll, mit dessen Hilfe die Aliens wieder nach Hause kommen. Doch auch die Toc wollen den Gral. Chaos entsteht, als ein Erdrutsch das Haus wegreißt. Forry und Childe überleben, aber der Gral ist unter Tonnen von Schlamm begraben. Dumm gelaufen!

„Flesh“

Jeder kennt das Szenario von „Planet der Affen“: Eine Raumschiffcrew kehrt nach Hunderten von Jahren der Raumerkundung zu einer völlig veränderten Erde zurück. So auch hier. Nach 800 relativen Jahren kehrt Peter Bock (Stagg im Original; engl. stag: männl. Hirsch) an die amerikanische Ostküste zurück. Nach einer Reihe von globalen Katastrophen, die nur wenige Völker überlebt haben, ist die meiste Hochtechnologie verloren gegangen, aber Biotechnik funktioniert gut, zum Beispiel in der Medizin.

Antike Fruchtbarkeitriten wurden eingerichtet, um das Bevölkerungswachstum anzukurbeln. Die Große Weiße Mutter Columbia (eine satirische Anspielung auf den „Großen Weißen Vater“ der Indianer, der in Washington regiert) setzt jedes halbe Jahr einen „Sonnenhelden“ ein, der auf einer Tour durch das Territorium von „Dici“ (= D.C.) zahlreiche Jungfrauen zu schwängern hat. Die Staatsreligion ist in der weiblichen Priesterschaft und ihren Unterorganisationen sowie in den Totem-Stämmen für die Männer organisiert. Unfruchtbaren Frauen – sie sind demzufolge besonders unglücklich – stehen entsprechende Tempel zur Verfügung, wo sie versuchen können, von den männlichen Besuchern schwanger zu werden.

Durch ein ihm aufgepflanztes Geweih wird Peter Bock zu einem wahren Sexprotz. Leider kann er nicht damit aufhören, selbst wenn er es wollte, da die Hormone, die das neue Geweih produziert, ihn zu höchster Geilheit zwingen. Am Ende seiner Tour soll er der Todesgöttin geopfert werden, erfährt er. Er macht sich aus dem Staub und wird entführt.

In der Zwischenzeit heiratet Churchill, einer seiner Offiziere, die Tochter eines erfolgreichen Dici-Geschäftsmanns. Seine ironische Belohnung: Er soll Schweinezüchter werden. Auf dem Flitterwochenausflug wird er Opfer von Piraten aus Karelien; deren Chef kann er aber überlisten, so dass er sein Raumschiff wiederbekommt, seine Kameraden befreien und den entführten und umgekommenen Peter Bock wiederbeleben und mitnehmen kann. Die Crew fliegt weiter, mitsamt der neuen – mehr oder weniger freiwillig – gewonnenen Frauen.

Leider hat es der fundamentalistisch eingestellte Christ Sarval aus Bocks Mannschaft nicht geschafft, mit dem Dici-System zurechtzukommen: Seine Bekehrungsversuche zur Keuschheit waren nicht gerade willkommen, und die Einwohner knüpften ihn kurzerhand an einem Laternenpfahl auf. Im „Nachspiel“ treten die drei Hexen aus Shakespeares „Macbeth“ auf: die Jungfrau, die Matrone und die Todesgöttin/Hexe. Offensichtlich sind es ihre Organisationen, die das Schicksal der neuen Männer bestimmen werden.

Mein Eindruck

Während sich die Sexszenen in den ersten zwei Romanen in Ausführlichkeit und Deutlichkeit, wenn auch nicht in Häufigkeit gefallen, so gibt es sie in „Flesh“ praktisch nicht. Im Gegenteil: Peter Bock und seinen Mannen legen sich zahlreiche Hindernisse in den Weg, bevor sie ihrer Lust frönen könnten: moralische Tabus ebenso wie wild gewordene Baseballspieler.

Farmer hat in den zwei ersten satirischen Romanen Detektive, SF-Sammler, Schauermärchen und Gralsucher auf die Schippe genommen. Selbst erotische Frauen fallen auseinander, wenn Childe ihnen zu nahe kommt. In „Flesh“ attackiert er dann den heiligen Nationalsport Amerikas: Baseball. Er zeigt, wie unglücklich sich die Umstände für die christlichen Fundamentalisten ändern können. Das Kapitol, die Hochburg der Priesterinnen, weist nun zwei busenförmige Kuppeln auf – eine Entweihung der Hauptstadt der Nation. Dreimal darf man fragen, welche Form der Obelisk des Washington Monuments hat. Dass in den Straßen barbusige, aber verschleierte Frauen auftauchen, reißt den an moderne Kost gewöhnten Leser nicht mehr vom Hocker.

Das Titelbild

… stammt von Boris Vallejo, einem der bekanntesten Illustratoren der Welt. Als Modell dient ihm meist seine Lebensgefährtin Julie, die selbst ebenfalls illustriert. Sie haben eine wunderschöne Website, auf der sie ihre Werke anbieten und verkaufen: http://www.imaginistix.com (ohne Gewähr).

Unterm Strich

Sicherlich sind die drei Romane Geschmackssache, und der ändert sich erstens von Mensch zu Mensch und zweitens von Epoche zu Epoche. Pornographie sind sie nach heutiger Definition nicht, eher schon Science-Fantasy mit einem satirischen Rundumschlag auf liebgewordene Klischees und SF, Fantasy, Sexualität und amerikanischem Nationalismus.

Hinweise

Der Preis von knapp zehn Euro erscheint mir für heutige Verhältnisse recht preisgünstig. 1989 kostete der |Heyne|-Sammelband stolze DM 16,80. Inzwischen haben sich die Preise für Taschenbücher mindestens verdoppelt. Dennoch erhält der Käufer den gleichen Gegenwert wie damals.

Auch so mancher andere Titel aus der Reihe „Area Fantasy“ im März 2005 ist einen Blick wert. Bekannte Zyklen von Poul Anderson („Das Schwert des Nordens“) und Alan Dean Foster („Bannsänger“) sowie Roger Zelazny („Die Prinzen von Amber“), die längst Kult sind und lange vergriffen waren, finden nun ihren Weg wieder auf den Markt.

Originaltitel: Image of the Beast/Blown/Flesh, 1968/69/60
Aus dem US-Englischen übersetzt von Ronald M. Hahn

http://www.area-verlag.de/

Henry Miller – Stille Tage in Clichy

Dieser Klassiker der erotischen Literatur ist zugleich ein idealer, kurzweiliger Einstieg in Henry Millers Werk. „Clichy“ entstand 1940 und wurde 1956 überarbeitet. Doch die erotischen Abenteuer, die Millers Alter Ego Joey erzählt, ereignen sich vor dem Hintergrund des Paris der dreißiger Jahre (genauer: 1933). Ein Abstecher in das deutschsprachige und -gesinnte Luxemburg vermittelt einen Einblick in den aufkommenden Antisemitismus jenseits der französischen Grenzen.

Handlung

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Anne-Marie Villefranche – Die Zaubermuschel. Erotischer Roman

Amüsanter Liebesreigen

Wieder mal Lust und Sex am laufenden Band. Aber humorvoll und mit Geschmack dargeboten. In „Die Zaubermuschel“ kommt ein Bursche vor, der zu Muscheln und Perlen ein inniges Verhältnis pflegt – zu jenen speziellen, die Damen zwischen den Beinen tragen. Es ist ein wahres Vergnügen, dem nimmermüden Monsieur Marcel bei seinem Muschelspiel zu folgen – besonders wenn es für ihn schier unüberwindbare Hindernisse zu bewältigen gilt.

Die Autorin

Anne-Marie Villefranche ist eine elegante und geschmackvolle Erzählerin erotischer Schlüpfrigkeiten. Ihre Darstellung lassen dennoch nichts an Deutlichkeit zu wünschen übrig. Sie erlebte das Paris der 20er Jahre und heiratete 1928 einen englischen Diplomaten. Nach ausgedehnten Reisen starb sie 1980. Erst danach stieß man auf ihre intimen Erzählungen, denen offenbar eigene erotische Erlebnisse aus ihrem Freundes- und Bekanntenkreis zugrundelagen. Es ist bemerkenswert, dass zur Autorin kein Wikipedia-Artikel existiert, noch nicht einmal in der französischen. „Der Liebesapfel“ ist angeblich ein kurz vor der Jahrtausendwende entdecktes Manuskript.

Weitere Werke

1) Folies d’Amour
2) Plaisirs d’Amour
3) Die Venusblüte
4) Die Zaubermuschel
5) Die Purpurrose

Handlung

Die Handlung spielt im Frankreich der 1920er Jahre. Die ‚Grande Nation‘ hat den Ersten Weltkrieg mit etlichen Opfern überstanden. Auch Marcels Mutter wurde Witwe, doch sind sie und ihr 30-jähriger Sohn aufgrund der Investitionen des Verblichenen gut versorgt. Doch etwas fehlt noch zum Glück: eine Schwiegertochter! Marcel hingegen denkt nicht ans Heiraten, tummelt er sich doch offenbar mit einem Freifahrtschein in den Betten und Boudoirs der schönsten Damen. Dennoch läuft die Handlung darauf hinaus, die Richtige für ihn zu finden.

Da wäre zunächst einmal die edle Gabrielle mit den eleganten Brüsten, die jedoch verächtlich auf die Freuden des Fleisches herabsieht. Marcel bringt ihr geduldig und sinnfällig bei, dass die einzige Hoffnung, unsere Fleischesbegierde zu besiegen, in ihrer Abtötung durch Überstrapazierung liege. Diesem Rezept folgen denn auch beide. Doch Gabrielle ist inzwischen die Verlobte von Adolphe, der einst der Jugendfreund von Marcels Mutter war. Das gibt zwar reichlich Gelegenheit zu Besuchen, aber letzten Endes siegt die Vernunft: Die göttliche Gabi sucht ihr materielles Heil in der Ehe mit Adolphe.

Doch dessen Schwester, Silvie, entschädigt Marcel durch sinnliche Genüsse, wie sie eine reifere Dame Ende der Dreißiger zu bieten hat. Sie geht sogar so weit, mit ihm, als Freier verkleidet, die Niederungen der Prostitution zu erkunden, und zwar nicht in den feinen Bordellen der Seine-Metropole, wo man sie erkennen würde, sondern in den dunkleren Gassen am Montparnasse. Das ist zwar vergnüglich und interessant, beschwört aber die Gefahr herauf, dass Silvie von gewissen Subjekten erpresst wird.

Die süße Dany Robineau wurde von Marcels Mama zur idealen Schwiegertochter auserkoren. Dany ist auch männlicher Zuwendung gar nicht abgeneigt, doch will sie um keinen Preis ihre Jungfräulichkeit opfern, bevor nicht der Richtige gekommen ist, um sie zu heiraten. Vernünftig gedacht, nur funktioniert es nicht – zumindest fehlt ihr die Widerstandsfähigkeit gegenüber Marcels Attacken. Und im Nachhinein sieht sich der Eroberer in eine herzzerreißende, hochnotpeinliche Szene involviert, in der Danys Mutter ihn quasi zur Heirat nötigen will. Bloß weg hier, denkt sich Marcel.

Zwei Kandidatinnen ausgeschieden – da bleibt nur noch Silvie. Sie muss vor den Erpressern fliehen, greift sich Marcel, und gemeinsam besteigen sie den Orient-Express gen Istanbul. Erlöst, denkt Marcel. Zu früh gefreut …

Mein Eindruck

Jedes Kapitel dieses routiniert geschriebenen Romans aus Mme. Villefranches Nachlass bietet dem Leser mindestens eine sinnliche Szene. Was sich nun nach Nummernrevue („Will in deine Mupfel!“) anhört, bietet jedoch die Reize einer Boulevardkomödie französischen Zuschnitts: Witz, Abwechslung und Sinnlichkeit. Mehr oder weniger edle Damen geizen nicht mit ihren Reizen, galante Herren sind stets zur Attacke bereit, und zwischen ihnen entwickeln sich die Wirrnisse und Konflikte, die eben Allzumenschliches bietet. Dies alles ist aufgrund der feinen Ironie recht kurzweilig zu lesen, inbesondere unterwegs, etwa im Flugzeug, bei einem Glas Sekt oder Vino.

Eines fällt jedoch auf: Madame Villefranche scheint Vertreter ihres eigenen Geschlechts sehr genau einzuteilen und mit körperlichen Attributen auszustatten. Daher weiß der aufmerksame Leser schon nach wenigen Sätzen, mit der eine neue Figur charakterisiert wird, ob es sich um eine moralisch hoch oder niedrig stehende Dame handelt. Anständige Damen der Gesellschaft wie Gabrielle haben einen kleinen, „eleganten“ Busen (obwohl auch sie es faustdick hinter den Ohren hat).

Ihre unanständigen Gevatterinnen können wie Silvie einen umfangreichen Busen vorweisen – ebenso wie Vertreterinnen aus der Dienerschaft, beispielsweise Claudine, Gabrielles Zofe. Das liegt dann aber auch an deren niedriger, weil ländlicher Herkunft (merke: nährender Busen!). Listenreiche junge Ladies wie Dany Robineau liegen irgendwo dazwischen: Sie will zwar Spaß haben, doch zumindest den Anschein der Anständigkeit bewahren – die reinste Venusfalle.

Unterm Strich

Ein heiterer Spaß in der Pariser Gesellschaft mit Genussgarantie. Nur wer keinen Humor hat oder nie geil ist, sollte die Finger davon lassen. Mit fünf Euro ist das Buch übrigens sehr preiswert.

Originaltitel: Souvenir d’amour, 1991
Übersetzung von Angelika Weidmann

https://www.randomhouse.de/Verlag/Goldmann/4000.rhd

Janson, Christine – Just4Women: Erotikbox 2

_Zwischen Bondage Fever und Touch Mahal_

Im März 2003 begann die „erste erotische Hörspielserie für Frauen“ und mittlerweile sind es schon über ein halbes Dutzend Abenteuer in Amors Gefilden, in denen sich die vier Hauptfiguren Moni, Cora, Annica und Sylvia mit meist, aber nicht immer männlichen Partnern verlustieren dürfen. Die erste Erotikbox in pinkfarbenem Plastikherz kostete immerhin 24,90 Euro. Aber da waren auch Badekerzen mit Lavendeldurft drin. Nun vertreibt |Lübbe| die CDs des Kölner Herstellers „Sounds of Seduction“ exklusiv: für knapp 27 Euro pro Dreifach-CD.

Auf der ersten CD ist die Episode „Fesselnde Leidenschaft“ zu finden. Hier geht es um Bondage, handfesten Sex, aber auch um Eifersucht zwischen Freundinenn. Die zweite CD enthält das Abenteuer „Slow Motion“, das der ersten Episode sonderbarerweise zeitlich vorausgeht. Das Quartett erkundet in Indien die Liebeskunst, aber Moni gerät auf einer Strandparty in höchste Gefahr.

Die dritte Silberscheibe ist „eine Ratgeber-CD, die in Zusammenarbeit mit Christine Janson, der Autorin und bekannten Expertin in Fragen weiblicher Sexualität, zusammengestellt“ wurde. „Diese CD enthält praktische Tipps und Anregungen zu den Abenteuern unserer vier Freundinnen und ist ab jetzt Bestandteil jeder Box. Was sollte man bei einer Tantra-Massage unbedingt beachten?“ Danach wollen Mann und Frau das sicher gleich selbst ausprobieren.

_Die Autorin_

Das Drehbuch zur ersten Folge „Frauenabend“ schrieb laut Pressemitteilung noch die Sprecherin und TV-Schauspielerin Dana Geissler. Doch danach hat Christine Janson diese Rolle übernommen. Sie tritt hier auch als Ratgeberin auf. Auf der Webseite http://www.just4women.de/ kann man mehr über sie, die Figuren und den eigenen Persönlichkeits-Typ erfahren. Bilder gibt’s dort ebenfalls für den Download.

_Der Sprecher/Die Inszenierung_

Wie gesagt ist Dana Geissler die bekannteste Sprecherin. Sie trat in „Tatort“, „Die Sitte“, „Die Wache“ und „Hausmeister Krause“ auf.

Sie spricht MONI (32), eine freiberufliche Werbekauffrau, seit zehn Jahren mit Michi (38) verheiratet und Mutter zweier Kinder, Max und Lisa. Moni hat bislang nicht experimentiert und ist ängstlich.

CORA wird gesprochen von Eva-Maria Hardt. Sie ist die Powerfrau, wie sie im Buch steht. Sie übernimmt gerne das Kommando, kann sich aber auch hingeben.

ANNICA wird gesprochen von Anne Fink. Sie ist die „Cosmopolitin“ (= COSMOPOLITAN-Frau?) der Gruppe. Annica verfolgt eine Karriere als Sängerin.

SYLVIA wird gesprochen von Birgit-Karla Krause. Sie ist die Romantikerin, die schon mal gerne nach Indien abdüst und gerne Tantra-Sex hätte.

Neben ihnen gibt es natürlich noch eine Reihe von anderen Rollen und Sprechern. Sie werden am Ende einer Episode erwähnt.

Der Titelsong „Girlfriends“ wird von Soleil Niklasson gesungen. Für den guten Ton sorgten Peter Harrsch und Rainer Zuber. Regie und Musik oblagen wie immer Ingo Gregus. Wie gesagt, schreibt Christine Janson stets das Drehbuch. Für die Idee zeichnet Ralf Pispers verantwortlich, und wenn man sich die Anzahl der Episoden von „Just4Women“ anschaut, scheint es eine ziemlich erfolgreiche Idee gewesen zu sein.

_Handlung von „Fesselnde Leidenschaft“_

Endlich ist es wieder Sommer. Annica lädt ihre Freundinnen ein, die Bühnenshow ihres Berliner Exfreundes Leroy zu erleben. Von dem farbigen Tänzer und Conferencier sind besonders Moni und Sylvia begeistert. Da fordert Leroy eine Frau im Publikum auf, auf die Bühne zu kommen. Als sich keine traut, fällt ihm das zitronengelbe Bikini-Top von Sylvia ins Auge, und also ruft er sie. Dem Drängen ihrer Freundinnen hat die schüchterne Sylvia nichts entgegenzusetzen. Mit Bangen und Zagen steigt sie auf die Bühne. Denn Leroy ist ein Bondage-Künstler.

Er beruhigt sie, als er ihr die Augen verbindet. Er streicht mit einem Seil über ihre Haut, und sie wird zwischen Furcht und Lust hin und her gerissen. Und dann fesselt er auch noch ihre Hände! Nun ist sie ihm wehrlos ausgeliefert. Sie soll sich dem Rhythmus der Musik überlassen. Sylvia genießt das Spiel und da sie Leroy vertraut, lässt sie sich emotional ganz fallen. Da streichelt auch auch noch eine Peitsche über ihre Haut, und sie juchzt auf. In der folgenden Nacht plagen Sylvia wilde Träume. Sie hat sich in Leroy verliebt.

Doch schon beim gemeinsamen Frühstück wird ihr klar, dass auch Annica und Cora ihre Zähne in Leroys muskulöses Fleisch schlagen wollen. Und ehe sie es sich versieht, haben sie schon mit ihm geschlafen. Der nachfolgende Streit stellt ihre Freundschaft zu Cora und Annica auf eine harte Bewährungsprobe.

Unterdessen hat auch Monis Göttergatte Michi nicht die Hände in den Schoß gelegt, sondern fleißig Knoten geübt. Um mal wieder ihrer dahindümpelnden Ehe etwas mehr Pfiff zu verleihen, nimmt er sie auf einen Ausflug ins Grüne mit. Ihre Augen sind bereits auf der Fahrt verbunden, dann ist es nicht mehr weiter zu einer Waldlichtung, die Michi für recht abgelegen hält (was sich als Irrtum erweist). Hier stellt er seine ganz persönlichen Fesselungskünste unter Beweis …

_Mein Eindruck_

Dies ist ohne Zweifel eine der unterhaltsamsten Episoden der Erotikbox-Episoden überhaupt. Während der Sex mit Leroy ganz schön handfest und geil ist, ist diesen Szenen das zunehmende Elend in Sylvias schmachtender Seele gegenübergestellt. Auf diese Weise erscheint der Sex nicht so banal, sondern wird indirekt kommentiert.

Wer nun meint, hier würden Männer zu Paschas stilisiert, der irrt. Jede Art von Sex findet in der Just4Women-Reihe stets einvernehmlich, mit Kondom und relativ nüchtern statt, also nie besoffen oder high. Diese drei Prinzipien werden im Ratgeberteil noch einmal haarklein erläutert. Die Prinzipien sind – besonders in der S&M-Szene – international anerkannt.

Auch Michis lustvoller Sex mit seinem Eheweib ist keineswegs banale Triebabfuhr, sondern wird erstens Sylvias Streit mit ihren Freundinnen gegenübergestellt und mündet zweitens in eine regelrechte Komödie, als die beiden von einem „älteren Herrn“ erspäht werden, der seinen Dackel Gassi führt. Die Polizei ist alsbald zur Stelle und verhört die beiden Landfriedensbrecher und Erreger öffentlicher Erregung. Natürlich ist dies Klamauk, aber auch eine versteckte Warnung, sich den mutigeren Varianten des Sexus möglichst in den eigenen vier Wänden hinzugeben. Oder in einem eigens dafür eingerichteten Workshop, wie er im Ratgeber vorgestellt wird.

_Handlung von „Slow Motion“_

Annica durchbricht eine biologische Schallmauer: Sie wird 30. Schlimmer sind eigentlich nur Geburt und Entjungferung, also muss das Ereignis gebührend gefeiert werden. Sie lädt ihre Freundinnen zum Essen beim Inder ein, aber in Bombay! Alle freuen sich aufs Land von Yoga und Meditation. Aber vor der Abreise stellt Moni fest, dass sie – wieder mal – nichts zum Anziehen hat, und nur Cora denkt daran, Kondome einzupacken.

Vor Ort stellt sich Sylvia als geborene Reiseführerin heraus, denn sie kann nicht nur mit den Taxifahrern feilschen wie ein Fischweib, sondern führt sie auch an die besten Sehenswürdigkeiten. Von solchen Touri-Strapazen seilt sich Cora sofort ab und lässt sich eine Ganzkörper-Massage angedeihen. Da sie nicht auf den Kopf gefallen ist, weiß sie auch, wie man einen Massageboy besticht, damit er auch die erogenen Zonen mit seinem sanften Touch beglückt, sozusagen der Touch Mahal.

In Goa, der Hippiehochburg an der Südwestküste, kommen sich die Mädels wie im Märchen vor. Wellen und Vogelgezwitscher schmeicheln ihren Ohren, Blumendüfte kitzeln ihre Nasen. Der Hotelbesitzer Mr Santosh hat die Hotelfachschule in Zürich besucht und kann sehr gut deutsch. Er kredenzt einen Hummer zur Feier des Tages, und sinnlichste Gaumenfreuden versüßen ihnen den Abend.

Die traditionelle Tantraschule kommt nur bei Sylvia gut an: Annica wird schwindlig und Cora schlecht. Die Alternative sieht wesentlich besser aus, und Annica testet diesen Mr „Shiva Lingam“, der eigentlich aus Köln stammt, aus. Das Ergebnis ist schon viel mehr nach ihrem Geschmack …

Moni hat sich bei der Massage in Mr Santosh verknallt. Als sie auf einer Rave Party von Cannabis-Keksen kostet, erlebt sie die Fantasie ihres Lebens. Doch während sie sich im Geist mit ihrem Indian Lover vereint, steigt die Flut gefährlich nahe an ihrem Leib empor. Der echte Mr Santosh und ihre Freundinnen vermissen sie bereits. Wo kann sie nur abgeblieben sein?

_Mein Eindruck_

Ich bin nicht in der Position, über ein Land zu urteilen, das ich noch nie besucht habe, und ob es die geschilderten Verhältnisse vor Ort gibt oder wenigstens geben könnte, wage ich nicht zu bewerten. Aber ich war anno 1993 auf Ko Samui, und dort waren Strandpartys nicht gerade ein tägliches Ereignis, und dass sich ein Hotelbesitzer zur Massage herabgelassen hätte, wäre ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Es ist einfach nicht Sache der Männer, Massage auszuüben, sondern die der Frauen. Zumindest in Thailand.

Ob es einen Shiva Lingam (lingam = Phallus) aus Köln geben könnte, erscheint mir wahrscheinlicher, denn es gibt einen regen Kulturaustausch. Viele Deutsche waren beim Guru in Poona und Rishikesh (wie einst die Beatles). Sie könnten, wie viele Ausländer in Thailand, auch in Indien ihre Dienste anbieten. Leider sind viele anderen Details geradewegs aus dem Katalog der romantischen Klischees. Der alte Tantralehrer gehört sicherlich nicht dazu.

Eine enttäuschende Episode, die zum Großteil mehr als PR-Gag taugt denn als antörnende Sexpedition.

_Der Ratgeberteil_

Unsere Sexpertin vor Ort ist Sara, gesprochen von Nicole Engeln. Sara hat für uns eine Reihe von Leuten vors Mikro geholt, die in Sachen Bondage und Tantra interessante Angebote machen. (Die Webadressen aller Interviewpartner sind in der Box hinter der CD #3 abgedruckt.)

Zudem liefert Sara praktische und sehr beachtenswerte Tipps zu einer Reise nach Indien: Reisezeit und -ort sowie Verhaltensweise als Tourist. Bekannt ist die Warnung, wie man Montezumas Rache vermeidet: kein Salat, kein Leitungswasser, kein Speiseeis – dafür aber viel scharfe Gewürze essen, um die winzigen Plagegeister fernzuhalten.

Zu guter Letzt können Zuhörer und Zuhörerin mal selbst in Sachen Tantra versuchen. Dabei sollte man die genannten Ratschläge möglichst genau befolgen, sonst wird aus dem Traumsex ein Sexalbtraum. Nach dem Motto „Ladies first“ darf ER zuerst SIE verwöhnen, danach SIE IHN. Vielleicht schaffen es beide, hinter das Geheimnis des „Big Draw“ zu kommen, von dem geübte Tantriker schwärmen.

_Mein Eindruck_

Die Ratgeber-CD bietet also Interviews und eine Menge Tipps, die gar nicht zu verachten sind. Insbesondere die Empfehlungen für die Teilnahme an Tantra- und Bondage-Kursen sind beachtenswert. Selbst wenn sie hin und wieder banal erscheinen sollten – man kommt heute durch die Reizüberflutung so selten zum Denken, dass man auf diese Regeln nicht so schnell von alleine gekommen wäre.

_Die Inszenierung_

Der Sound kann sich durchaus hören lassen. Harrsch und Zuber (s. o.) haben gute Arbeit geleistet. Die Toneffekte, die sie einsetzen, machen sich besonders in der Episode „Fesselnde Leidenschaft“ positiv bemerkbar. Ob nun das unvermeidliche Handy klingelt oder ein entsprechendes Ambiente wie Michis Waldlichtung gegeben ist, stets sind die nötigen Sounds vorhanden, allerdings in wohldosierter Menge. Auf diese Weise ist der Dialog immer verständlich.

Die Pausenmusik beim Szenenwechsel ist in den beiden Episoden unterschiedlich realisiert. In „Fesselnde Leidenschaft“ spielt ein guter Pianist kurze Motive, in „Slow Motion“ erklingen alle Arten von indischen Instrumenten. Der indische Gesang klingt für unsere Ohren recht eigenartig und drängt sich manchmal in den Vordergrund.

An Anfang und Ende jeder Episode taucht der Themensong „Girlfriends“ auf, wahrscheinlich nur deshalb, weil darin die Zeile „Just for women“ vorkommt, die der Serie ihren Titel gegeben hat. Die Sängerin ist eine Könnerin ihres Fachs, aber so häufig wollte ich sie nun wirklich nicht hören. Immerhin: Der Song stimmt auf die Episode ein und am Schluss der zweiten CD wird er sogar in seiner vollen Länge von rund drei Minuten ausgespielt. Irgendwie musste die CD ja gefüllt werden.

_Unterm Strich_

Ich habe beim Vergleich mit der ersten Erotikbox eine begrüßenswerte Qualitätssteigerung festgestellt. Während die Episode „Slow Motion“ noch dem alten Klischeemusterkatalog entspricht, wartet Episode 1 „Fesselnde Leidenschaft“ mit einer intelligenten Kontrastierung von Sex mit Psychoproblem oder Sex und Komödie auf. Die Dramaturgie ist hier wesentlich ausgefeilter und davon profitieren sowohl der Zuhörer als auch der Inhalt.

Die Themenfelder Bondage und Tantra sind immer noch etwas ausgefallen, aber weibliche Zuhörer wollen sicher nichts Neues über Hausfrauensex erfahren, oder? Das sind sie schließlich selbst, ob allein oder mit einem Partner. Sie suchen das Abenteuer, und das lässt sich am ehesten in exotischer Umgebung finden, sei es in Indien oder bei einer Bondageshow. (Ich habe noch keine einzige Anzeige für so eine Show gesehen und frage mich, wie Annica an so etwas rankommt.)

Do it yourself-Tantra ist schon ziemlich anspruchsvoll, habe ich den Eindruck, und bevor Hörer oder Hörerin so etwas ausprobieren, sollten sie entweder genau die Tipps befolgen oder noch besser gleich einen Kurs besuchen. Alle anderen Infos, besonders die zu Indien, klingen vernünftig, aber das kann nur die Spitze des Eisbergs sein. Allein anhand dieser Tipps würde ich sicher keine Reise antreten wollen.

|200 Minuten auf 3 CDs|
http://www.luebbe-audio.de
http://www.just4women.de/

Régine Deforges – Das Unwetter

Nach einem langen Auslandsaufenthalt in Französisch-Indochina kehrt ein Mann Anfang der sechziger Jahre wieder in seine Heimat zurück. Dort tritt er das Erbe seiner mit 26 Jahren während eines Gewitters vom Blitz erschlagenen Tante Marie an. Nur einen Monat zuvor war deren Gatte Edouard gestorben. In einem Schreibtisch entdeckt er in einem Geheimfach das erotische Tagebuch seiner Tante. Soll er die Aufzeichnungen, die eine verliebte Frau vor eineinhalb Jahren niedergeschrieben hat, vernichten, aufbewahren oder nach 20 Jahren veröffentlichen?

Er schreibt:

„Obwohl der Text obszön und manche Szenen nur schwer erträglich sind, fand ich, dass er in seiner schonungslosen Offenheit eine der schönsten Liebesgeschichten darstellt, die zu lesen mir vergönnt war.“

Der Leser ist gewarnt.

|Die Autorin|

Die Französin Régine Deforges ist eine der bekanntesten Schriftstellerinnen Frankreichs. 1968 gründete sie als erste Frau in Frankreich einen Verlag. Auch hierzulande wurde sie mit erotischen Werken in den siebziger und achtziger Jahren bekannt, so etwa mit den Erzählungen in dem Band „Der schwarze Milan“ (Rowohlt). Das besondere Kennzeichen dieser Storys ist einerseits die Tabus überschreitende Erkundung der Erotik und die feinfühlige psychlogische Begründung dieser Forschungsreise und ihrer Entdeckungen.

Bekannter wurde sie in den letzten Jahren mit ihrem historischen Roman „Das blaue Fahrrad“ und dessen Fortsetzung „Die weiße Lilie“, die beide im 2. Weltkrieg spielen, als Frankreich von der Wehrmacht besetzt war.

_Handlung_

Schon nach wenigen Seiten wird klar, dass die Schreiberin dieses Tagebuches einen gewaltigen Dachschaden hat. Als Beweis diene zunächst einmal, dass sie mehrmals das Grab ihres an Krebs verstorbenen Gatten besucht, sich darauf setzt und sich darauf munter einen runterholt. Tut dies eine anständige Frau? Vermutlich nicht.

Außerdem behauptet sie im Text, der geliebte Gatte sei immer noch „bei ihr“. Nun, er erfüllt sie jedenfalls in Gedanken und Gemüt derart, dass sie nicht wagt, von ihm als einem Verstorbenen zu sprechen. Dementsprechend konsterniert reagiert ihre Umgebung auf ihre Einstellung, insbesondere die Schwiegermutter.

Die Wahrheit ist, dass ihr Gatte sie zu solch gewagten sexuellen Handlungen verführt hatte, dass die gewöhnlichen Interaktionen zwischen Männlein und Weiblein nur wenig Reiz bereithalten. Selbst als sein Bruder Jean sie besucht und mit ihr ans Meer fährt, kommt es nicht zum Beischlaf. Stattdessen befiehlt sie ihm, sie in die Brustwarzen zu beißen.

Eine verhängnisvolle Entwicklung bahnt sich bei ihren wiederholten Besuchen auf dem nahen Friedhof an. Denn der Dorftrottel Lulu beobachtet die erotische Mänade aus dem Gebüsch. Lulu hat zwar nix im Kopf, aber dafür umso mehr in der Hose. Obwohl sie ihn bemerkt hat, denkt Marie gar nicht daran, in ihrem aufreizenden Tun innezuhalten. Als ein Gewitter losbricht, reißt sie sich vielmehr die Klamotten vom Leib, um den belebenden Regen zu genießen. Es kommt zu einem ersten Verkehr mit Lulu.

Nach einer Zeit der Krankheit und Genesung , während der sie die Annäherungsversuche des verliebten Trottels registriert, kommt es eines Nachts zu einem Höhepunkt ihrer sexuellen Begegnungen mit Lulu, als dieser sie seiner Familie vorstellt …

_Mein Eindruck_

Das Büchlein lässt sich ebenso einfach wie flott lesen, denn die Sätze sind ebenso kurz wie der Gesamttext. Nur ca. 83 Seiten umfassen die verschiedenen Texte, von denen das Tagebuch natürlich den Löwenanteil einnimmt. Es ist an den verblichenen Gatten Edouard gerichtet. Seine Funktion besteht nicht nur in einem Erlebnisbericht für die Nachwelt, sondern vielmehr als Beichte und Rechenschaftsbericht vor dem verlorenen Geliebten, den sie schon bald wiederzusehen hofft. Diese letzten Zeilen kommen für den Leser ziemlich unvermittelt. Mit einem gewissen Schock registriert er, dass sich die Schreiberin wieder einmal ein Unwetter ausgewählt hat, um den Übergang ins Jenseits zu vollziehen. Wurde sie wirklich vom Blitz erschlagen, wie die Zeitung schreibt?

|Freie Liebe|

Dieser Edouard muss ein ziemlicher Freigeist gewesen sein. Er propagierte die freie Liebe, also auch freien, außerehelichen Sex. Und zwar nicht nur mit Menschen. Was Marie in seinem Namen vollzieht, ist eng mit Gewittern verbunden. Diese sind nicht nur Erschütterungen aus den Elementen der Natur, die den Menschen in Aufruhr versetzen und ihn zu Veränderungen treiben. Sie sind auch Symbole für die Kraft der Natur und vor allem für die Präsenz des Animalischen im Menschen. Diese Triebkräfte freizusetzen, hat sich Marie – ohne es zu formulieren – vorgenommen. So gedenkt sie den Willen ihres geliebten Edouard zu erfüllen.

|Wichtige Zusatztexte|

Vier Zusatztexte stellen den Inhalt des Tagebuchs in einen anderen Kontext. Textimmanent gesehen, führen zwei Zeitungsmeldungen die Handlung fort. Darüber schweige ich. Doch dem Tagebuch sind zwei weitere externe Texte beigefügt. Der wichtigere der beiden ist ein Fragment von Georges Bataille aus seinem Roman „Madame Edwarda“, den er 1941, 1945 und 1956 veröffentlichte. In dem Fragment kommen eine Marie und ein Edouard vor. Dieser stirbt, doch Marie ist nicht schnell genug mit Ausziehen, um ihm seinen letzten Wunsch zu erfüllen. |“Sie stand neben dem Toten, abwesend, über ihrem Selbst, in schwerfälliger Ekstase befangen, überwältigt.“| (S. 87) Die Schlüsselbegriffe sind „über ihrem Selbst“ und „Ekstase“. Marie ist in spirituellem Sinne außer sich.

Verstärkt wird diese Charakterisierung Maries durch einen Auszug aus einem frommen Gedicht der Theresia von Lisieux: |“Mein Vielgeliebter, laß mich bald / Die Milde Deines ersten Lächelns ahnen / Und laß mich in meinem glühenden Taumel, / Ach, laß mich in Deinem Herzen mich bergen! / Seliger Augeblick! Welch unaussprechliches Glück, / Wenn ich den süßen Klang Deiner Stimme hören werde, / Wenn ich den göttlichen Glanz Deines anbetungswürdigen Antlitzes / Schauen werde zum ersten Mal!“| – Dies klingt, als wolle eine unschuldige Nonne, erfüllt von spiritueller Leidenschaft, endlich als „Braut Jesu“ die Vereinigung vollziehen – im Jenseits.

|Die literarische Tradition|

Und von dieser Ausgangslage ausgehend entspinnt Régine Deforges ihre Novelle „Das Unwetter“. Damit stellt sie ihren Text in eine relativ ehrwürdige Tradition: die der erotischen Literatur Frankreichs. Dazu zählen neben Bataille sicher auch Pauline Réage („Geschichte der O“), Jean de Berg („Das Bild“) und der Marquis de Sade („Justine oder das Mißgeschick der Tugend“).

Georges Bataille gilt als Verfechter des libertären Erotismus, der die Erotisierung des gesamten Erlebens forderte und in seinen Schriften auch schilderte, so etwa in „Die Geschichte des Auges“ (1928). Bataille, auf den sich Deforges hier beruft, ist jedoch ein ganz anderer Autor als der bekanntere de Sade. Bataille hat 1943 und 1949 eine soziale Theorie aufgestellt, „deren Ziel die Erfassung der menschlichen Totalität ist, zu der die hohen und niederen Aspekte des Seins gleichermaßen zählen“, wie das „Harenberg Lexikon der Weltliteratur“ ausführt (S. 306). |“Im fiktionalen Werk wie in seiner Literaturkritik manifestiert sich Batailles Suche nach dem Absoluten, das nur in herausragenden Momenten der Existenz, im Augenblick der ’souveränen Kommunikation‘ erreicht werden kann.“|

|Selbsttranszendenz|

Deforges greift gar nicht so hoch. Sie lässt ihre Heldin Marie D. gar nicht nach den Sternen greifen. Doch dem Leser ist schnell klar, dass Marie auf der gleichen Straße wandelt wie O, ihre berühmtere Schwester. Wo sich O in freiwilige Sklaverei begibt, um den Wunsch ihres geliebten René zu erfüllen, dort begibt sich Marie, in totaler Hingabe an die Wünsche des geliebten verstorbenen Edouard, auf den Weg der totalen Hingabe an die Wünsche von Lulu und seiner Familie. Um die vollkommene Ekstase zu erfahren, opfert sie sich, so umschreibt sie es zwischen den Zeilen, auf dem Altar ihrer Liebe zu Edouard. Dies ist ist aber keine pathetische Selbstzerstörung, sondern führt zur Selbstranszendenz.

Nach dieser Aufgabe der Persönlichkeit zugunsten der Erfüllung ihres sexuellen Wesens bleibt ihr nichts anderes mehr zu tun als die Aufhebung der eigenen körperlichen Existenz. Wie es Bataille klar war und wie Susan Sontag in ihrem klarsichtigen Essay „The pornographic imagination“ deutlich formuliert hat, ist der konsequente Endpunkt sexueller Erfüllung nicht die endlose Variation und Rekombination von sexuellem Vergnügen, wie uns de Sade glauben machen will, sondern der Tod. Anti-Erotiker würden dies als „Sakrileg“ bezeichnen. Doch für Deforges und ihre Heldin ist es ein „Sakrament“, das hier bis zu letzten Konsequenz vollzogen. Und Theresia von Lisieux hätte ihr darin beigepflichtet.

_Unterm Strich_

Régine Deforges ist eine der letzten Vertreterinnen der älteren erotischen Literaturtradition Frankreichs. Zu ihrer Generation zähle ich auch Emmanuelle Arsan, Anais Nin, die Freundin Henry Millers, sowie die Frau, die unter dem Pseudonym „Pauline Réage“ publizierte. Ihre Generation wurde von der so genannten „Hurenliteratur“ (die eigentliche Bedeutung von „pornos graphein“) abgelöst. Was Marie Darrieusecq („Schweinerei“) und Catherine Breillat („Romance XXX“) anfingen, wird heute bereits in einem breiteren Strom in die Buchhandlungen gespült. Zumindest in Frankreich. Hierzulande schämt man sich noch, dergleichen im Buchladen auszustellen.

Die Generation der Deforges ist mir weitaus lieber. Ihre Heldin Marie mag vielleicht in einem ländlichen Nimmerland leben und sich dort erotisch austoben, aber ihre Sexualität ist nicht deformiert und zur ausgebeuteten Ware gemacht worden. Ihre Sexualität ist sozusagen spirituell – eine Ansicht, über die heutige Autorinnen nur noch lachen können. Aber sie hat ein menschliches Antlitz, und das ist mehr, als man von so mancher moderner Heldin sagen kann. Maries Wahn ist nicht krank, sondern heilig, ihr Sex nicht Sakrileg, sondern Sakrament. Und so etwas hat offenbar keinen Platz mehr in unserer Zeit. Kein Wunder: Sakramente lassen sich weder kaufen noch verkaufen.

Für die heutige Leserin hält „Das Unwetter“ vielleicht nur wenig Neues bereit. Selbst ein Gangbang ist heute schon selbstverständlich.