Schlagwort-Archive: Vampira

Weinland, Manfred / Fickel, Florian – Vampira: Landrus Ankunft (04)

_Vampira als Freundin und Moralpolizei_

Vampire! Sie hatten hier gewartet. Sie hatten Duncan hierher gelockt und schnell reagiert, verflucht schnell. Duncan hatte ihnen mit dem Anruf bei seinen Eltern einen Gefallen getan. Genau wie Lilith hatte er das wahre Ausmaß der Gefahr unterschätzt. Wie naiv von ihm … (abgewandelte Verlagsinfo)

_Der Autor_

Manfred Weinland ist der Autor der gleichnamigen Romanserie „Vampira“. Mehr zur Serie findet man im Forum http://forum.phantastische-hoerspiele.de/forum.pl?cat=Vampira. Dort heißt es vom Autor: „Vier weitere Folgen von Vampira sind in der Mache. Zwei Folgen kommen voraussichtlich bereits im Februar 2007 und die nächsten 2 im Herbst 2007.“

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Die Buchbearbeitung und Regie lagen in den Händen von Florian Fickel. Die Vertonung erfolgte durch Joschi Kauffmann, der auf eigene Musik und die seines Kollegen Rainer Scheithauer zurückgriff. Man kann annehmen, dass aus dieser Quelle auch die zahlreiche Geräusche und Soundeffekte stammen. Das Ganze wurde aufgenommen bei Studio Live Live, Berlin, Krüger & Krüger, Hamburg, bei FFS, München, und in den JK Studios, Stuttgart. In Stuttgart wurde produziert, gemischt und gemastert.

Die Rollen und ihre Sprecher:

Rückblick: Barbara Ratthey
Intro: Michael Habeck (Oliver Hardy; „Barney“; „Hampton“)
Erzähler: Christian Rode (Christopher Plummer; Michael Caine)
Vampira: Tina Haseney
Duncan: Gerrit Schmidt-Foß (Leonardo DiCaprio)
Marxx: Mogens von Gadow (Joe Pesci, Bob Hoskins, Sir Ian Holm)
Mc Beth, Reporterin: Ulrike Sturzbecher
Mutter Duncan: Barbara Stoll
Coroner: Santiago Ziesmer (Steve Buscemi)
Vater Duncan: Michael Holz
Sergeant: Frank Stöckle
Pathologe: Udo Schenk (Gary Oldman)
Hekade: Sabine Menne
Habakuk: Lars Rudolph
Portier: Michael Habeck
Landru: Bela B. Felsenheimer („Die Ärzte“)

_Die Vorgeschichte_

Ab Episode 2 werden die vorhergehenden Ereignisse kurz zusammengefasst: „Was bisher geschah“. Ich tue das ein wenig ausführlicher.

Lilith erwacht irgendwo in Sydney, ohne eine Ahnung zu haben, wer und was sie ist. Nun, sie ist eine Halbvampirin. Bereits im ersten Teil der Serie erfahren wir durch Liliths Träume von der Prophezeiung, die Liliths Leben bestimmt. Von wem die Prophezeiung stammt, ist unklar, Hauptsache, Liliths Mutti weiß Bescheid. Das Töchterlein hat die hehre Aufgabe, die Vampire zu bekämpfen. Was etwas ironisch ist, wenn man bedenkt, dass Mutti auch eine aus dieser Rasse ist. Papi ist nicht so wichtig, aber er kommt in einer Rückblende ebenfalls vor.

Aber welchen Grund hat Lilith, ihre blutsaugenden Zeitgenossen zu hassen und zu vernichten? Dies werden wir hoffentlich noch in späteren Episoden erfahren. Ein gewisser Obervampir namens Landru scheint dabei eine Rolle zu spielen. Möglicherweise wollte Liliths Mutter verhindern, dass Landru & Co. wieder ihre Herrschaft über die Menschen errichten, nachdem ihnen diese vor Jahrtausenden verloren ging. Warum Mütterchen drei Tage nach Vampiras Geburt den Löffel abgeben muss, wird ebenfalls nicht erklärt. Schuld kann bloß die Prophezeiung sein.

Selbstredend hat das arme Mädel – sie ist ja Vollwaise – null Peilung, über welche Kräfte es verfügt. Deshalb dienen die ersten Episoden zu ihrer Orientierung, was ihre Fähigkeiten anbelangt. Das macht ihre Geschichte sympathisch und spannend. Außerdem sind diese Abenteuer aufgrund von Liliths Schönheit und erotischer Anziehungskräft höchst sinnlich geprägt – ein Markenzeichen der Serie. Da Lilith aber nur Halbvampirin ist, ist sie nicht wie ihre reinrassigen Vettern und Kusinen auf Vergewaltigung aus – so bleibt alles schön politisch korrekt.

Ein ganz wichtige Waffe ist Liliths rotes Kleid, ein Erbstück des lieben Mütterleins, welches offensichtlich über ein eigenes Leben und Bewusstsein verfügt. Was dieses Kleid mit seinen Opfern anrichtet, ist meist ungesund in seiner Wirkung, aber: Die Schurken haben es ausnahmslos verdient. Schutz kann Klein-Lilith gut gebrauchen: Die Vampire – hier „Götzen“ genannt – sind hinter ihr her. Und sie können sich jederzeit von einem Menschen in einen Wolf oder eine Fledermaus verwandeln.

|In Episode 3|

… geriet Lilith Eden unter den Holzpflock des besessenen Priesters Lorrimer, der ihr selbigen ins Herz treiben wollte, weil er sie für eine Vampirin hielt – nicht ganz zu Unrecht, wie hier angemerkt werden sollte. Zum Glück für Lilith kam ihm sein Novize Duncan Luther in die Quere, der auf hypnotischen Befehl zweier echter Vampire handelte. Doch Lilith befreite ihn von deren Bann und gemeinsam konnten sie in eine Absteige entkommen.

_Handlung_

Sie sind zwar den Vampiren entkommen, doch der zwielichtige Geschäftsführer dieser schäbigen Absteige will Lilith nun als Pferdchen in seinen Nuttenzirkus aufnehmen. Er hat nämlich in der Zeitung davon gelesen, dass zwei junge Leute, auf die die Beschreibung von Duncan und Lilith passt, wegen des Todes von Pfarrer Lorrimer polizeilich gesucht werden. Nach einer Weile des mühevollen Begreifens ob solchen ungewohnten Ansinnens, wehrt Duncan empört ab: Er leiht seine Freundin nicht zu Prostitutionszwecken aus, nur damit Clearwater ihn nicht verrät. Auch nicht gegen Umsatzbeteiligung. Liliths Beißerchen bereiten den Gelüsten Homer Clearwaters ein jähes Ende – und machen die Dürstende endlich satt. Das Blut an ihrem Mund jagt Duncan einen gehörigen Schrecken ein.

Doch neues Ungemach droht, sowohl ihr als auch ihrem Freund Duncan.

Unterdessen erhält die Reporterin McKinsey, die von allen nur McBeth genannt wird, den Auftrag, über die Mordsache Lorrimer zu berichten. Sie nimmt den Fotografen Moskovitz mit, der ständig Zigarren pafft. Der erweist sich als wahres Goldstück. Er besticht den Gerichtsmediziner, damit er im Leichenschauhaus Lorrimers Leiche fotografieren darf. McBeth findet das Aussehen von Lorrimers Gesicht sonderbar: als ob ihn jemand zugleich erstickt und ihm das Blut ausgesaugt hätte. Der Gerichtsmediziner wird telefonisch von Polizeichef Codd vergattert, die Untersuchungsergebnisse nur an ihn, Codd, persönlich abzuliefern. McBeth sorgt dafür, dass sie Nummer zwei ist. In der Redaktion schreibt sie ihre Zeilen und entdeckt einen Umschlag mit einer seltsamen Liste. Sie reicht bis ins Jahr 1899 zurück und führt die Namen von über 70 Toten auf. Was verbindet sie?

Duncan ruft im Hotel seine Eltern an. Doch die Frau, die ihm antwortet, ist nicht seine Mutter! Gemeinsam fahren sie mit Duncans Wagen in den Vorort, wo sein Elternhaus steht. Wegen einer Vorahnung lässt sich Lilith hundert Meter davor absetzen. Kaum betritt Duncan das Haus, sieht er nicht seine Eltern vor sich, sondern zwei Vampire, die nur so aussehen. Endgültige Gewissheit über die schreckliche Wahrheit, dass seine Eltern tot sein müssen, erhält er, als ihm die Frau das Angebot macht, mit ihr zu schlafen. Und Papi soll dabei zusehen …

Lilith hat die Szene von draußen beobachtet und die Gefahr erkannt, die ihrem Freund droht. Sie überwindet das magische Schutzsiegel um das Haus und springt durch das Fenster mitten hinein in die bedrohliche Szene …

Unterdessen feiern die Vampire die Rückkehr ihres Meisters. In einem Gewölbe hört ein alter Mann namens Coroner plötzlich Musik und nähert sich einer seltsamen Szene, als würde er davon magisch angezogen. So wird er Zeuge, wie aus einer Fledermaus ein reifer, aber von Narben gezeichneter Mann wird: Diesen Typen nennen die anderen Personen Landru, ihren Meister. Nach fast hundert Jahren ist er zu ihnen zurückgekehrt, um die Prophezeiung zu erfüllen. Der Prophezeiung zufolge soll das Volk der „Götzen“ – vulgo Vampire, Werwölfe und dergleichen – nach hundert Jahren der Vertreibung wieder die Macht über die Menschen erlangen. Man braucht kein Einstein zu sein, um sich auszumalen, wer dieses Volks anführen wird.

Als die Anwesenheit Coroners entdeckt wird, können die Vampire ihm gleich mal ihre Loyalität erweisen, indem sie den Menschen seiner Bestimmung zuführen …

_Mein Eindruck_

|Die Vampira-Tradition|

Die Figur der Vampira kann eine ehrwürdige Tradition vorweisen, und im Internet findet sich jede Menge Bildmaterial: sexy, mal in Lack, mal in Leder, aber immer mit spitzen Beißerchen. Auf dieses Image stützt sich wohl auch Weinlands Romanserie. Sie befindet sich damit in Gesellschaft von „Geisterjägern“ à la John Sinclair, diversen Gespensterkrimis oder der „Necroscope“-Serie Brian Lumleys.

Doch die Hörspiel-Inszenierung hat mit Tradition nichts am Hut und tut so, als erwachte Vampira wie am ersten Tag ihrer Existenz. Das scheint mir auch das angemessene Vorgehen zu sein, denn ein Hörer, der die Romane nicht kennt, wüsste sonst wenig mit der Hauptfigur anzufangen. Vielmehr kann er sich zusammen mit der Amnesiegeschädigten auf die Suche nach ihrer verlorenen Identität und ihren zu entdeckenden Fähigkeiten machen.

|Die Auserwählte|

She’s the One! Lilith-Vampira ist wie Neo in „The Matrix“ auserwählt, und nach 98 Jahren Dornröschenschlaf wird sie von Marsha geweckt, die endlich das Zeitliche segnen will. Doch dies geschieht zwei Jahre vor der Zeit, die geweissagt wurde. Folglich ist Lilith noch ein wenig zu schwach. Sie ist nicht unbesiegbar. Das macht ihren Kampf gegen die Blutsaugersippschaft erst richtig interessant. Mit einer Superwoman ist alles nur halb so lustig. Und die Prophezeiung kennen die Vampire natürlich auch.

Liliths Weg als Heldin ist vorgezeichnet, denn es folgt einem uralten Muster, das Joseph Campbell in seiner Untersuchung „Der Held in tausend Gestalten“ (The hero of a thousand faces) aufgezeigt hat. Die erste Bedingung hat Lilith wie unzählige Helden und Heldinnen vor ihr erfüllt: Sie ist Vollwaise, verfügt über besondere Kräfte und hat eine prophezeite Bestimmung. Was sie als nächstes braucht, sind Gefährten. Denn das Auftauchen eines Widersachers ist ebenso gewiss wie die Prophezeiung, und in Episoden 2 und 4 taucht er auf. Ob Lilith wohl für diese Konfrontation bereit ist?

|In Episode 4|

… stellt Lilith erstmals ihre Fähigkeit zu liebevollem und solidarischem Handeln unter Beweis. Das macht sie umso sympathischer und akzeptabler, wenn sie andere Personen verletzt oder tötet. Als sie Duncan gegen die Vampire beisteht, entfaltet sie zudem beachtliche Kräfte, die belegen, dass sie auch ohne ihr magisches „Kleid“ den Gegnern Paroli bieten kann. Dass das Kleid schließlich wieder zu ihr zurückfindet und sie schützend umschließt, ist eher eine Fußnote. Doch Lilith, die eine Ahnung von ihrer Sterblichkeit hat, fühlt sich nun wieder vollständig.

Diese Wiedervereinigung wirkt moralisch gesehen zwiespältig: Schließlich war es das Kleid, das Pater Lorrimer tötete. Es verkörpert eine dunkle Seite an Lilith, die man nicht unbeachtet lassen sollte. Doch wie jedes Werkzeug kann es sich zu „guten“ wie „schlechten“ Zwecken einsetzen lassen. Doch was ist davon zu erwarten, wenn es seinen eigenen Willen ausübt? Ist Lilith für ihr Kleid verantwortlich zu machen? Diese Frage könnte noch wichtig werden.

In dieser Episode übernimmt die Reporterin den Part des Inspektors. Während Jeff Warner auf dem Grundstück Paddington Street 333 in Sydney ermittelt, suchen ihn Lilith und McBeth in dem seltsamen Garten, der sich nun dort erstreckt. Aber Lilith, die dort auch den Leichnam ihrer Mutter suchte, wird nicht fündig. Es bleiben noch jede Menge Rätsel übrig, die es zu lösen gilt.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Ähnlich wie die zwei bisherigen großen „Geisterjäger“-Hörspiele von Oliver Döring („John Sinclair – Die Rückkehr des Schwarzen Todes“ und „John Sinclair – Der Pfähler“) ist auch dieses Hörspiel aufgezogen, nur eben etwas weniger aufwendig. Musik und Geräusche sind professionell eingesetzt.

Mir waren die Sprecher in der Mehrzahl unbekannt. Es gibt aber Ausnahmen. Udo Schenk ist die Synchronstimme von Kevin Bacon, und Christian Rode, der Erzähler, war einmal die Synchronstimme von Christopher Plummer, Michael Caine und vielen TV-Serienstars. Die Stimme der Heldin, die Tina Haseney gehört, hat mir mittlerweile besser gefallen.

McBeth wird von Ulrike Sturzbecher als eine patente und ehrgeizige Reporterin gezeichnet, die es verdient hätte, mal auf einen grünen Zweig zu kommen und Anerkennung zu erhalten. Sie ist kein kleines Mädchen, das beim ersten Widerstand brechen würde. Ich konnte diese Figur einigermaßen ernst nehmen, auch wenn sich in ihr einige Hollywoodklischees wiederfinden: Reporter-und Fotografen-Gespanne hat man schon zur Genüge gesehen.

Am unglaubwürdigsten ist eindeutig Felsenheimers Obervampir Landru: ein dreckig lachender Bösewicht, den wir sofort wieder vergessen könnten, wenn er nicht unserer Heldin gefährlich werden würde. Bela B von den Ärzten sollte weniger chargieren und sich mehr zurücknehmen.

_Unterm Strich_

Ein Gutteil der Faszination, die Vampire insbesondere auf Evastöchter ausüben, ist ihre erotische Ausstrahlung, die eng mit ihrer Verbindung zu Blut und Krankheitsübertragung verbunden ist. Es ist, als würde ein Casanova Frauen nicht nur reihenweise flachlegen, sondern aus ihnen gleichzeitig auch seine Kinder und Jünger machen. Das Element der Transformation in der Fortpflanzung dürfte schwangeren Frauen und Müttern nicht ganz unbekannt sein. Der Akt des Beißens und Blutsaugens ist mit dem Geschlechtsakt vergleichbar. Infolgedessen erscheint es nicht undenkbar, dass diese faszinierenden Wesen sich allerlei Sauereien erlauben dürfen. Je strenger das Tabu, das dabei gebrochen wird, desto intensiver der Nervenkitzel, davon zu erfahren oder gar Zeuge zu werden.

Jeder Vampirautor, von Bram Stoker bis zu Anne Rice, muss diesen Nervenkitzel bieten. Auch Manfred Weinland hat gefälligst zu liefern, was erwartet wird. Sein Nervenkitzel ist nicht nur der übliche Heterosex (Lilith verführt Duncan, das war ja klar), sondern auch die Andeutung von Inzest. Das ist nun ein ziemlich starkes Tabu unserer Gesellschaft, und allein schon die Gefahr, dass der Sohn von seiner vermeintlichen Mutter – eine minderjährige Vampirin! – vergewaltigt werden könnte, ist möglicherweise ein gewaltiger Kick. Höchste Zeit also, dass (ausgerechnet!) Lilith als Moralpolizei dazwischengeht und die Tabubrecher zur Strecke bringt. Diese Tat wird sofort dadurch legitimiert, dass Duncan die Vampire als die Mörder seiner Eltern identifiziert. Friede ihrer verfluchten Asche.

Wie man sieht, könnte die Serie für Hörer ab 16 Jahren noch recht lustig werden.

|Für wen sich die Serie eignet|

Diese Hörspielserie, die im April 2006 begann, ist meines Erachtens für Mädchen und Jungen gleichermaßen interessant – ab 14 bis 16 Jahren etwa, denn der Gewalt- und Erotikgehalt ist beträchtlich. Mädchen können sich mit der Lage der jungen Lilith Eden identifiziert und sozusagen mit ihr als einer Superheldin wachsen und Abenteuer erleben. Ihr realistisches Gegenstück ist McKinsey, die Reporterin.

Jungs identifizieren sich wohl eher mit dem Polizisten Jeff Warner und dem Novizen Duncan Luther. Erbaulich ist auch der Umstand, dass Liliths Opfer stets Männer sind, und darunter sind meist recht verkommene oder geistig minderbemittelte Exemplare. Gegen weibliche Vampire vorzugehen, hat das Supermädel aber auch keine Skrupel. Vampira ist Sozialdarwinismus auf zwei sexy Beinen.

Für Erwachsene hält die Serie herzlich wenig Unterhaltungswerte bereit. Dafür sind die Figuren und die Dialoge zu unausgereift. Mit Lumleys „Necroscope“ können sie schon gleich gar nicht mithalten – wollen es aber auch wohl auch nicht. Alles in allem ist eben die Hörspielserie die akustische Entsprechung zu einem Heftchenroman. Die Produzenten können lediglich versuchen, diesem dürften Gerüst ein möglichst schönes Mäntelchen umzuhängen. „Vampira“ ist ein schönes Kind, schon klar. Aber man sollte ihr keine Mathematikaufgaben stellen.

Die Beantwortung der Kardinalfrage bleibt einer späteren Folge (bislang gibt es sieben) vorbehalten: Warum besteht diese Feindschaft zwischen den Vampiren und der armen Lilith? Ob da wohl eine Dreiecksgeschichte dahintersteckt? Schließlich war Liliths Mütterlein selbst eine Vampirin …

|63 Minuten auf 1 CD|
http://www.luebe-audio.de

Weinland, Manfred / Fickel, Florian – Vampira: Besessen (03)

_Sozialdarwinismus auf sexy Beinen_

Pater Lorrimer hatte Angst. Denn das Böse konnte ihn schwankend in seinem Glauben werden lassen. Und Pater Lorrimer war noch nie einer Frau mit dieser Ausstrahlung begegnet … (abgewandelte Verlagsinfo)

_Der Autor_

Manfred Weinland ist der Autor der gleichnamigen Romanserie „Vampira“. Mehr zur Serie findet man im Forenbereich auf der Website http://forum.phantastische-hoerspiele.de/forum.pl?cat=Vampira.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Die Buchbearbeitung und Regie lagen in den Händen von Florian Fickel. Die Vertonung erfolgte durch Joschi Kauffmann, der auch eigene Musik und die seines Kollegen Rainer Scheithauer zurückgriff. Man kann annehmen, dass aus dieser Quelle auch die zahlreiche Geräusche und Soundeffekte stammen. Das Ganze wurde aufgenommen bei Studio Live Live, Berlin, Krüger & Krüger, Hamburg, bei FFS, München, und in den JK Studios, Stuttgart. In Stuttgart wurde produziert, gemischt und gemastert.

Die Rollen und ihre Sprecher:

Rückblick: Barbara Ratthey
Intro: Michael Habeck (Oliver Hardy; „Barney“; „Hampton“)
Erzähler: Christian Rode (Christopher Plummer; Michael Caine)
Vampira: Tina Haseney
Detective Jeff Warner: Norbert Langer (Dialogregie „Akte X“; Burt Reynolds; Clark Gable; Tom Selleck)
Duncan: Gerrit Schmidt-Foß (Leonardo DiCaprio)
Brian Secada: Mogens von Gadow (Joe Pesci; Bob Hoskins; Ian Holm)
Lorrimer: Friedrich Schönfelder (dt. Stimme von David Niven)
Polizeichef Virgil Codd: Volker Brandt (dt. Stimme von Michael Douglas)
Stiller: Santiago Ziesmer (Steve Buscemi)
Wissenschaftler: Michael Holz
Typ: Willy Schneck
Vampirin: Sabine Menne
Portier: Michael Habeck

_Die Vorgeschichte_

Ab Episode 2 werden die vorhergehenden Ereignisse kurz zusammengefasst: „Was bisher geschah“. Ich tue das ein wenig ausführlicher.

Lilith erwacht irgendwo, ohne eine Ahnung zu haben, wer und was sie ist. Nun, sie ist eine Halbvampirin. Bereits im ersten Teil der Serie erfahren wir durch Liliths Träume von der Prophezeiung, die Liliths Leben bestimmt. Von wem die Prophezeiung stammt, ist unklar, Hauptsache, Liliths Mutti weiß Bescheid. Das Töchterlein hat die hehre Aufgabe, die Vampire zu bekämpfen. Was etwas ironisch ist, wenn man bedenkt, dass Mutti auch eine aus dieser Rasse ist. Papi ist nicht so wichtig, aber er kommt in einer Rückblende ebenfalls vor.

Aber welchen Grund hat Lilith, ihre blutsaugenden Zeitgenossen zu hassen und zu vernichten? Dies werden wir hoffentlich noch in späteren Episoden erfahren. Ein gewisser Obervampir namens Landru scheint dabei eine Rolle zu spielen. Möglicherweise wollte Liliths Mutter verhindern, dass Landru & Co. wieder ihre Herrschaft über die Menschen errichten, nachdem ihnen diese vor Jahrtausenden verloren ging. Warum Mütterchen drei Tage nach Vampiras Geburt den Löffel abgeben muss, wird ebenfalls nicht erklärt. Schuld kann bloß die Prophezeiung sein.

Selbstredend hat das arme Mädel – sie ist ja Vollwaise – null Peilung, über welche Kräfte es verfügt. Deshalb dienen die ersten Episoden zu ihrer Orientierung, was ihre Fähigkeiten anbelangt. Das macht ihre Geschichte sympathisch und spannend. Außerdem sind diese Abenteuer aufgrund von Liliths Schönheit und erotischer Anziehungskraft höchst sinnlich geprägt – ein Markenzeichen der Serie. Da Lilith aber nur Halbvampirin ist, ist sie nicht wie ihre reinrassigen Vettern und Kusinen auf Vergewaltigung aus – so bleibt alles schön politisch korrekt.

Ein ganz wichtige Waffe ist Liliths rotes Kleid, ein Erbstück des lieben Mütterleins, welches offensichtlich über ein eigenes Leben und Bewusstsein verfügt. Was dieses Kleid mit seinen Opfern anrichtet, ist meist ungesund in seiner Wirkung, aber: Die Schurken haben es ausnahmslos verdient. Schutz kann Klein-Lilith gut gebrauchen: Die Vampire – hier „Götzen“ genannt – sind hinter ihr her. Und sie können sich jederzeit von einem Menschen in einen Wolf oder eine Fledermaus verwandeln.

_Handlung_

Nachdem ihr Domizil an der Paddington Street Nr. 333 in einer Erdspalte verschwunden ist und die Vampire sie entdeckt haben, entkommt ihnen Lilith Eden in eine Kirche. Dort wird sie ohnmächtig. Sie erwacht, nur um herauszufinden, dass jemand sie in Ketten gelegt hat. Pater Lorrimer ist gar nicht gut auf Wesen zu sprechen, die in sein Gotteshaus platzen und dabei Wolfszähne fletschen: „Satansweib!“ Offenbar weiß der Kirchenmann genau, womit er es zu tun hat. Er hält ihr ein Kruzifix vor die Nase und ruft den Herrn an. Obwohl ihr dies Übelkeit bereitet, versucht sie den durchgeknallten Pater vor den Vampiren zu warnen, die vor seiner heiligen Hütte lauern. Er hört nicht auf sie.

Lorrimer hat einen Novizen, den 27-jährigen Schüler Duncan Luther (welch sprechender Name!). Den schickt er aus, um Einkäufe für den geplanten Exorzismus zu tätigen. Doch als Duncan zurückkehrt, fällt er nichts ahnend zwei Vampiren in die Hände, die ihn unter Hypnose setzen und ihm den Befehl einpflanzen, das gefangene Weib zu töten und ihren Kadaver aus der Kirche zu schleifen.

Duncan kann sich diesem Befehl selbstredend nicht widersetzen und zückt seinen hölzernen Zeremoniendolch … Lilith fragt sich unterdessen verzweifelt, wo nur ihr Kleid sein mag, das ihr bislang so treu gedient hat. Anscheinend hat es sich durch Ritzen im Boden davongemacht. Nun sieht sie zu, wie der Novize seinem Meister alle Zutaten zu einem Exorzismus aushändigt und zusieht, wie er ihn ausübt. Doch als sein Opfer jämmerlich zu zittern beginnt, ohne den Löffel abzugeben, muss Pater Lorrimer erkennen, dass er zu handgreiflicheren Mitteln Zuflucht nehmen muss. Und was macht man mit Vampiren im allgemeinen? Man stößt ihnen einen Eichenpflock ins Herz!

Allerdings hat der heilige Mann in seinem Eifer nicht auf seinen Novizen geachtet. Der nämlich will das nackte Opfer, das in Ketten liegt, den wartenden Vampiren ausliefern und muss dazu Lorrimer aus dem Weg räumen. Zu allem Überfluss interveniert nun auch noch Liliths Kleid, um seine Herrin zu schützen …

_Mein Eindruck_

Ich habe darauf verzichtet, die Nebenhandlung um Chefermittler Jeff Warner zu skizzieren, die einen zweiten Handlungsstrang aufbaut. Warner, ein aufrechter und rechtschaffener Held, wie er im Drehbuch steht, steckt im Dauerclinch mit seinem Boss, Polizeipräsident Virgil Codd. Codd wird, wie zuvor zu erfahren war, von den Vampiren um Landru gesteuert. Deshalb pfuscht er Warner ständig die Ermittlungen. Und mit Codds Kreatur Stiller erlebt Warner, wie weit diese Querschüsse gehen können …

Warner glaubt, einem Serienmörder auf der Spur zu sein, der seit hundert Jahren in Sydney sein Unwesen treibt. Markenzeichen: Er bricht seinen Opfern das Genick, und in vier von fünf Fällen ist das Opfer weiblich. Doch wie soll ein hundertjähriger Tattergreis das schaffen? An Warners Theorie stimmt offensichtlich etwas nicht, und Codd lässt keine Gelegenheit aus, ihn damit zu diskreditieren. In Episode 4 schickt er ihn deshalb auf ein Himmelfahrtskommando …

|Die Vampira-Tradition|

Die Figur der Vampira kann eine ehrwürdige Tradition vorweisen, und im Internet findet sich jede Menge Bildmaterial: sexy, mal in Lack, mal in Leder, aber immer mit spitzen Beißerchen. Auf dieses Image stützt sich wohl auch Weinlands Romanserie. Sie befindet sich damit in Gesellschaft von „Geisterjägern“ à la John Sinclair, diversen Gespensterkrimis oder der „Necroscope“-Serie Brian Lumleys..

Doch die Hörspiel-Inszenierung hat mit Tradition nichts am Hut und tut so, als erwachte Vampira wie am ersten Tag ihrer Existenz. Das scheint mir auch das angemessene Vorgehen zu sein, denn ein Hörer, der die Romane nicht kennt, wüsste sonst wenig mit der Hauptfigur anzufangen. Vielmehr kann er sich zusammen mit der Amnesiegeschädigten auf die Suche nach ihrer verlorenen Identität und ihren zu entdeckenden Fähigkeiten machen.

|Die Auserwählte|

She’s the One! Lilith-Vampira ist wie Neo in „The Matrix“ auserwählt, und nach 98 Jahren Dornröschenschlaf wird sie von Marsha geweckt, die endlich das Zeitliche segnen will. Doch dies geschieht zwei Jahre vor der Zeit, die geweissagt wurde. Folglich ist Lilith noch ein wenig zu schwach. Sie ist nicht unbesiegbar. Das macht ihren Kampf gegen die Blutsaugersippschaft erst richtig interessant. Mit einer Superwoman ist alles nur halb so lustig. Und die Prophezeiung kennen die Vampire natürlich auch.

|Equipment|

Doch wie einer der |Marvel|-Superhelden klassischen Zuschnitts verfügt Lilith über innere Fähigkeiten, die das Supermädel weit über das jämmerliche Level eines Menschen hinausheben. Sie ist Telepathin und offenbar auch telekinetisch begabt. Obendrein vermag sie Tentakel zu entwickeln und daraus ein Gift abzusondern, das Vampiren den Garaus macht. Von ihren ausfahrbaren Beißerchen brauchen wir gar nicht zu reden – das gehört zur Standardausstattung ohne Aufpreis. Dass sie selbstredend wunderschön, sexy und gefährlich ist, versteht sich von selbst.

|Sonderausstattung mit Aufpreis|

Sie mag zwar eine Waise sein, doch Mutti hat ihr ein wertvolles Erbstück hinterlassen: ihr rotes Kleid. Es scheint seinen eigenen Willen zu haben und ist definitiv lebendig. Wie mit kleinen Zähnen heftet es sich zu Anfang schmerzhaft an Liliths Astralkörper, dann aber vergeht der Schmerz, und das Kleid kann zeigen, was es draufhat. Es ist dem Willen seiner Trägerin unterworfen und passt sich ihr optimal an, kann aber selbständig agieren. Im Notfall stülpt es sich über den Kopf eines Gegners und verschlingt ihn, bis nichts mehr von ihm übrig ist. (Bemerkenswerterweise sind ihre Gegner stets männlich, ebenso wie ihre Opfer.)

|Verborgene Sinnlichkeit|

Was es genau ist, das Lilith so sexy macht, wird nie verraten. Okay, sie ist jung, schön und voll „wundertätigen“ Blutes, wie die Vampire glauben. Aber weder hat sie „sündige“ Gedanken noch spürt sie einen besonderen „Trieb“, der sie zur Kopulation triebe. Sie hat eben das zu tun, was ihre Erfinder sich wünschen. Das ist schade, denn dadurch wird sie zu einem Abziehbild herabgewürdigt. Dieses Image entspricht der Formel: Sex mit ihr bringt den Tod – oder doch zumindest Lebensgefahr.

|Der Weg der Heldin|

Liliths Weg als Heldin ist vorgezeichnet, denn es folgt einem uralten Muster, das Joseph Campbell in seiner Untersuchung „Der Held in tausend Gestalten“ (The hero of a thousand faces) aufgezeigt hat. Die erste Bedingung hat Lilith wie unzählige Helden und Heldinnen vor ihr erfüllt: Sie ist Vollwaise, verfügt über besondere Kräfte und hat eine prophezeite Bestimmung. Was sie als nächstes braucht, sind Gefährten. Denn das Auftauchen eines Widersachers ist ebenso gewiss wie die Prophezeiung.

|Episode 3|

Ihr Werdegang erfährt in Episode 3 keinen besonderen Fortschritt außer in einer bedeutenden Hinsicht: Sie hat nun einen ehrlichen Gefährten, nämlich ausgerechnet Duncan Luther (sie hat ihn von seinem Wahn geheilt). Mit ihm besteht sie einen Kampf gegen „Wölfe“ und behauptet sich gegen den Versuch eines zuhälterischen Portiers, sie zu Prostitutionszwecken von Duncan „auszuleihen“. Leider ist Lilith genau wie der Rest ihrer Brut stets durstig – nach fremdem Blut. Aber sie will sich ja auch nicht an ihrem Lebensretter vergreifen, dem sie etwas schuldet. Deshalb kommt ihr der hinterhältige Portier genau richtig.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Ähnlich wie die bisherigen „Geisterjäger“-Hörspiele von Oliver Döring ist auch dieses Hörspiel aufgezogen, nur eben etwas weniger aufwendig. Musik und Geräusche sind professionell eingesetzt. Die Stimme der Heldin, die Tina Haseney gehört, hat mir nicht so gut gefallen, aber das lag weniger an ihrem Tonfall als an den geistlosen Zeilen Text, die sie zu sprechen hatte. In dieser Episode hört sie sich jedoch wie die von einem Dämon besessene Regan in „Der Exorzist“ an: Sie wimmert, klagt, keucht und fleht, dass es zum Steinerweichen ist.

Pater Lorrimer – ein naher Verwandter von Pater Merrick – wird einigermaßen glaubhaft von Friedrich Schönfelder gesprochen, der deutschen Stimme von David Niven und anderen alten Haudegen. Er legt eine tolle „Exorzisten“-Nummer hin. Polizeichef Virgil Codd ist die Aufgabe von Volker Brandt, der deutschen Stimmbandvertretung von Michael Douglas und anderen Stars. Codds Stimme verfügt sowohl über die Autorität als auch über die Scheinheiligkeit, um ihn zum Unsympathen Nr. 2 zu machen. Nr. 1 dürfte immer noch Landru sein, doch der tritt erst in Episode 4 auf.

|Geräusche und Musik|

Recht interessant sind die Soundeffekte. Wie jedes Horrorhörspiel steht und fällt der Gesamteindruck mit dem Einsatz von Musik, Geräuschen und Effekten. Spielt alles sauber zusammen und gibt es keinen Soundbrei, dann ist das schon die halbe Miete, was den Erfolg beim Hörer anbelangt. Durch den Einsatz von Effekten kann man den Soundtrack aufwerten, ihn aber auch überladen, deshalb ist die richtige Dosierung entscheidend.

Auf Hall und Echo haben die Soundmixer in der Mehrzahl verzichtet, dafür setzen sie aber großzügig Donner, Blitze, Rumpeln und Knurren ein, also alles, was irgendwie Angst erzeugt. In einem Horrorstück dürfen natürlich auch die allfälligen Glockenschläge nicht fehlen. Kaum treten unheimliche Kreaturen der Nacht auf, hören wir auch schon ihr unheilvolles Knurren …

Die Fantasyhandlung wird jedoch stets der äußerst realistisch inszenierten Handlung um Inspektor Jeff Warner gegenübergestellt. Beide Handlung erfahren dadurch eine Bewertung und Kommentierung, werden in ihrer jeweiligen Färbung besser erkennbar: Lilith bringt Horror, Warner Realismus ein. Dazwischen eine Reporterin, die McKinsey heißt, aber von allen nur McBeth genannt wird – wie der Typ bei Shakespeare, der König Duncan meuchelt. Apropos: Auch Duncan Luther ist wie die Reporterin ein Grenzgänger, der zwischen die beiden Fronten gerät. Die ganze Figurenkonstellation ist also recht clever ausgetüftelt und bietet dem Zuhörer einige Identifikationsfiguren.

_Unterm Strich_

In dieser Episode hat der Autor – vielleicht aus Mangel an originelleren Einfällen – starke Anleihen bei „Der Exorzist“ gemacht, und so kommt die peinliche Lage, in der sich Vampira befindet, schon bald recht vertraut vor. Doch Pater LorriMER, der mit dem Filmpater MERrick nicht nur einen Teil seines Namens gemeinsam hat, ist ein durchgeknallter und obendrein ängstlicher Vertreter seines Priesterstandes. Wo Merrick nicht gezögert hätte, zögert Lorrimer – zum Glück, denn so kann die Serie weitergehen. Merrick käme auch nie auf die hirnrissige Idee, sich als Vampirjäger à la Van Helsing aufzuführen und zu Hammer und Pflock zu greifen.

Die Kriminalstory habe ich immer für eine Art Feigenblatt des Hörspiels gehalten. Es ist das Zugeständnis des Autors an die Realität. Immerhin bewirkt der komplementäre Aufbau zwischen (halbwegs) realistischer Kriminalhandlung und phantastischer Vampirstory eine gegenseitige Kontrastierung: Je realistischer Jeff Warner agiert, desto seltsamer erscheint uns Liliths Welt. Zum Glück wird diese Wirkung nicht übertrieben und der Zuhörer wendet sich gerne wieder dem zu, was ihn am meisten fesselt: Liliths Abenteuer in der Zwischenwelt der Blutsauger.

|Für wen sich die Serie eignet|

Diese Hörspielserie, die im April 2006 begann, ist meines Erachtens für Mädchen und Jungen gleichermaßen interessant – ab 14 bis 16 Jahren etwa, denn der Gewalt- und Erotikgehalt ist beträchtlich. Mädchen können sich mit der Lage der jungen Lilith Eden identifiziert und sozusagen mit ihr als einer Superheldin wachsen und Abenteuer erleben. Ihr realistisches Gegenstück ist McKinsey, die Reporterin.

Jungs identifizieren sich wohl eher mit dem Polizisten Jeff Warner und dem Novizen Duncan Luther. Erbaulich ist auch der Umstand, dass Liliths Opfer stets Männer sind, und darunter sind meist recht verkommene oder geistig minderbemittelte Exemplare. Gegen weibliche Vampire vorzugehen, hat das Supermädel aber auch keine Skrupel. Vampira ist Sozialdarwinismus auf zwei sexy Beinen.

Für Erwachsene hält die Serie herzlich wenig Unterhaltungswerte bereit. Dafür sind die Figuren und die Dialoge zu unausgereift. Mit Lumleys „Necroscope“ können sie schon gleich gar nicht mithalten – wollen es aber auch wohl auch nicht. Alles in allem ist eben die Hörspielserie die akustische Entsprechung zu einem Heftchenroman. Die Produzenten können lediglich versuchen, diesem dürften Gerüst ein möglichst schönes Mäntelchen umzuhängen. „Vampira“ ist ein schönes Kind, schon klar. Aber man sollte ihr keine Mathematikaufgaben stellen.

|64 Minuten auf 1 CD|
http://www.luebbe-audio.de

Weinland, Manfred / Rost, Simon X. / Fickel, Florian – Vampira: Diener des Bösen (07)

_Magisch: Äpfel vom Baum der Erkenntnis_

Vampira ist eine hübsche junge Halbvampirin, doch die Freunde ihrer verstorbenen Mutter, die Vampire, machen ihr das Leben schwer. Gut, dass Mutter ihr eine Allzweckwaffe mit auf den Lebensweg gegeben hat: ein intelligentes Kleid, das die Gegner fertigmacht.

In Episode 7 erhält Vampira ein magisches Heilmittel, mit dem sie ihre bisherigen Gegner zu ihren Helfern umwandeln kann, droht aber in eine Falle ihres Erzfeindes Landrus zu tappen …

_Der Autor_

Manfred Weinland, Jahrgang 1960, ist Schöpfer und Chefautor der aktuellen |Bastei|-Science-Fiction-Heftserie „Bad Earth“, die am 29. April 2003 startete. Als Autor ist Manfred Weinland ein „alter Hase“. Schon 1977 verkaufte er seinen ersten Heftroman an den damaligen |Zauberkreis|-Verlag. Es folgten bis zum heutigen Tag rund zweihundert Romanveröffentlichungen, als Taschenbuch, Paperback und Hardcover, unter eigenem Namen oder
Pseudonym. Für die 1994 von ihm kreierte |Bastei|-Serie „Vampira“ war er nicht nur federführend für den durchgängigen roten Faden verantwortlich, sondern schrieb auch den Löwenanteil der Romane. (zitiert nach: http://www.ren-dhark.de, Stand: 2004) Mehr zur Serie findet man auf der Website http://forum.phantastische-hoerspiele.de/forum.pl?cat=Vampira.

|Die Serie:|

1) Das Erwachen
2) Der Moloch
3) Besessen
4) Landrus Ankunft
5) Niemandes Freund
6) Die Blutbibel
7) Diener des Bösen
8) Das Dorf der Toten

_Die Sprecher / Die Inszenierung_

Die Buchbearbeitung lag in den Händen von Simon X. Rost, Regie führte wie bisher Florian Fickel. Die Vertonung erfolgte durch Joschi Kauffmann, der auf eigene Musik und die seines Kollegen Rainer Scheithauer zurückgriff. Man kann annehmen, dass aus dieser Quelle auch die zahlreiche Geräusche und Soundeffekte stammen. Das Ganze wurde in verschiedenen Studio aufgenommen. In den Stuttgarter JK Studios wurde produziert, gemischt und gemastert.

Die Rollen und ihre Sprecher:

Intro: Klaus Höhne („Prof. Dumbledore“)
Erzähler: Christian Rode (Christopher Plummer; Michael Caine)
Vampira: Tina Haseney
Landru: Bela B. Felsenheimer (|Die Ärzte|)
Mc Beth, Reporterin: Ulrike Sturzbecher
Tanor: Dirk Müller (Peter „Colt“ Lamb in Matrix 2 & 3)
Trish Tough: Sabine Menne
Leroy Harps: Michael Habeck (Oliver Hardy, „Barney Geröllheimer“)
Virgil Codd: Volker Brandt (Michael Douglas)
Maud Edwards: Giuliana Jakobeit (Keira Knightley in „Fluch der Karibik 1-3“)
Warner: Norbert Langer (Burt Reynolds, Clark Gable, Tom Selleck)
Weinberg: Heiner Heusinger
Maryanne Rosehill: Dorette Hugo (Joey Lauren Adams, Jennifer Garner, Shirley Henderson)
Vater Rosehill: Thomas Danneberg (Dan Akroyd, John Travolta, Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger, Nick Nolte, Dennis Quaid, John Cleese, Rutger Hauer, Christopher Lambert … die Liste ist beeindruckend!)
Carlotta: Kerstin Sanders-Dornseif (Susan Sarandon; Glenn Close)
u. v. a.

_Die Vorgeschichte_

Ab Episode 2 werden die vorhergehenden Ereignisse kurz zusammengefasst: „Was bisher geschah“. Ich tue das ein wenig ausführlicher.

Das junge Mädchen Lilith erwacht irgendwo, ohne eine Ahnung zu haben, wer und was sie ist. Nun, sie ist eine Halbvampirin. Bereits im ersten Teil der Serie erfahren wir durch Liliths Träume von der Prophezeiung, die Liliths Leben bestimmt. Von wem die Prophezeiung stammt, ist unklar, Hauptsache, Liliths Mutti weiß Bescheid. Das Töchterlein hat die hehre Aufgabe, die Vampire zu bekämpfen. Was etwas ironisch ist, wenn man bedenkt, dass Mutti auch eine aus dieser Rasse ist. Papi ist nicht so wichtig, aber er kommt in einer Rückblende ebenfalls vor.

Aber welchen Grund hat Lilith, ihre blutsaugenden Zeitgenossen zu hassen und zu vernichten? Dies werden wir hoffentlich noch in späteren Episoden erfahren. Ein gewisser Obervampir namens Landru scheint dabei eine Rolle zu spielen. Möglicherweise wollte Liliths Mutter verhindern, dass Landru & Co. wieder ihre Herrschaft über die Menschen errichten, nachdem ihnen diese vor Jahrtausenden verlorenging. Warum Mütterchen drei Tage nach Vampiras Geburt den Löffel abgeben muss, wird ebenfalls nicht erklärt. Schuld kann bloß die Prophezeiung sein.

Selbstredend hat das arme Mädel – sie ist ja Vollwaise – null Peilung, über welche Kräfte es verfügt. Deshalb dienen die ersten Episoden zu ihrer Orientierung, was ihre Fähigkeiten anbelangt. Das macht ihre Geschichte sympathisch und spannend. Außerdem sind diese Abenteuer aufgrund von Liliths Schönheit und erotischer Anziehungskräft höchst sinnlich geprägt – ein Markenzeichen der Serie. Da Lilith aber nur Halbvampirin ist, ist sie nicht wie ihre reinrassigen Vettern und Kusinen auf Vergewaltigung aus – so bleibt alles schön politisch korrekt.

Eine ganz wichtige Waffe ist Liliths rotes Kleid, ein Erbstück des lieben Mütterleins, welches offensichtlich über ein eigenes Leben und Bewusstsein verfügt. Was dieses Kleid mit seinen Opfern anrichtet, ist meist ungesund in seiner Wirkung, aber: Die Schurken haben es ausnahmslos verdient. Schutz kann Klein-Lilith gut gebrauchen: Die Vampire – hier „Götzen“ genannt – sind hinter ihr her. Und sie können sich jederzeit von einem Menschen in einen Wolf oder eine Fledermaus verwandeln.

|In Episode 3|

… geriet Lilith Eden unter den Holzpflock des besessenen Priesters Lorrimer, der ihr selbigen ins Herz treiben wollte, weil er sie für eine Vampirin hielt – nicht ganz zu Unrecht, wie hier angemerkt werden sollte. Zum Glück für Lilith kam ihm sein Novize Duncan Luther in die Quere, der auf hypnotischen Befehl zweier echter Vampire handelte. Doch Lilith befreite ihn von deren Bann und gemeinsam konnten sie in eine Absteige entkommen.

|In Episode 4|

… stellt Lilith erstmals ihre Fähigkeit zu liebevollem und solidarischem Handeln unter Beweis. Das macht sie umso sympathischer und akzeptabler, wenn sie andere Personen verletzt oder tötet. Als sie Duncan gegen die Vampire beisteht, entfaltet sie zudem beachtliche Kräfte, die belegen, dass sie auch ohne ihr magisches „Kleid“ den Gegnern Paroli bieten kann. Dass das Kleid schließlich wieder zu ihr zurückfindet und sie schützend umschließt, ist eher eine Fußnote. Doch Lilith, die eine Ahnung von ihrer Sterblichkeit hat, fühlt sich nun wieder vollständig. Allerdings rücken ihr ihre Feinde, die Vampire unter Führung von Landru, allmählich auf die Pelle.

|In Episode 5|

… lernt Vampira, auf den Traumpfaden der Geistreise zu wandeln und entdeckt das – leere – Grab ihrer Mutter Criana. Außerdem stößt sie im persönlichen Besitz ihres Widersachers Landru auf eine Landkarte aus Menschenhaut. Der Obervampir befindet sich auf der Suche nach einem heiligen Kelch, mit dessen Hilfe sich neue Vampire erzeugen lassen.

|In Episode 6|

… begegnet Vampira Landru in einem nepalesischen Bergdorf, wo beide die Bibel des Blutes an sich bringen wollen. Landru sucht hier auch den Kelch, doch wird er durch Vampira und die Wächter der Blutbibel erheblich gestört. In Neu-Delhi hat Vampira zuvor ihren Freund Duncan Luther verloren, durch ihre eigene Schuld.

_Handlung_

Zurück in Sydney, Australien. Die Pornodarstellerin Trish Tough findet in der Wohnung von Leroy Harps, den wir schon aus den ersten Episoden als Vampir kennen, ein vorzeitiges und unrühmliches Ende. Maryann Rosehill ist ihre Schwester und in die Stadt gekommen, um Trish zu identifizieren. In einer Hotellobby gibt sie der Reporterin McBeth ein Interview. Maryann zeigt sich sehr besorgt um ihren Vater. Als dieser sie in ihrem Zimmer besucht, zeigt sich, dass er Trishs Mörder mit der Hilfe der mitgebrachten Hellseherin Carlotta suchen und zur Rechenschaft ziehen will. Er dringt sogar an den von der Polizei versiegelten Tatort ein, damit Calotta ihrer Aufgabe nachgehen kann: Diese erkennt Leroy Harps als bluttrinkenden Vampir, der schon wieder ein Opfer gefunden hat – jetzt!

Der Vater begibt sich in das Industriegebiet, wo Carlotta Leroy Harps „gesehen“ hat, und stößt auf einen Wächter namens Armstrong. Als dieser sich aggressiv verhält, feuert Paul Rosehill auf ihn, doch Armstrong lacht bloß …

Maryann Rosehill wendet sich nach einer Warnung Carlottas besorgt an McBeth, und diese kontaktiert ihre Freundin, die inzwischen aus Nepal zurückgekehrte Lilith Eden. Alle vier Frauen fahren ins Industriegebiet, wo Paul Rosehill zuletzt „gesehen“ wurde. Lilith und McBeth betreten eines der Gebäude. Sie stoßen auf ein wahres Schlachthaus voller Leichen …

Unterdessen tritt der ehemalige Polizist Jeff Warner in Aktion. Er hat in einer der ersten Episoden das unheimliche Haus Paddington 333 (Liliths Elternhaus) betreten und dort ziemliche merkwürdige Dinge erlebt. Von einem mysteriösen Apfelbaum hat er mehrere Äpfel mitgebracht, die er nun auf nützliche Weise einsetzt: Wenn ein Vampir davon isst, verwandelt er oder sie sich zurück in einen Menschen. Und mehr noch. Die Geheilten werden automatisch zu Dienern Liliths.

Als Warner Lilith endlich nach langen Irrwegen trifft, um ihr dies zu verklickern, staunt sie nicht schlecht. Wem hat sie dieses Wunder nur zu verdanken? Einer SIE, deren Namen er nicht verraten will. Und da wäre noch etwas. Den heiligen Lilienkelch, den Landru und sein vampirisches Gesocks suchen, gebe es tatsächlich, und zwar in Wales, genauer in Llandrynwyth. Das dürfte wohl Liliths nächstes Ziel sein.

_Mein Eindruck_

Wie so viele andere Episode dieser Reihe besteht auch Episode 7 aus zwei Spannungsbögen, die einander intermittierend durchdringen. Die obige Handlungsskizze kann deshalb nur einen oder zwei durchgehende Handlungsfäden wiedergeben, nicht aber das Hörspiel als solches. Aber die Handlungsstränge stehen nicht nur parallel nebeneinander, sondern auch bedeutungsmäßig hintereinander.

Die vordergründige Spannung liefert die Story um die drei Rosehills: Maryann, Trish und ihren Vater Paul. Dieser Plot wird wie jeder normale Thriller ausgeführt und geizt nicht mit bekannten Horrorelementen und Schockeffekten. Natürlich fragt sich der Hörer, was das alles soll. Die Frage wird am Ende beantwortet: Leroy Harps ist lediglich ein Köder, den Landru ausgelegt hat, um Lilith in eine Falle zu locken.

Die im Hintergrund ablaufende Handlung um Jeff Warner ist so schwach und ohne den scheinbar nötigen Zusammenhang ausgeführt, dass sie für den Zuhörer ein Rätsel darstellt. Er ist gespannt auf die Lösung des Rätsels. Die Verbindung zwischen beiden Handlungsfäden ist natürlich Lilith. Erst als Warner sie trifft, wird das Geheimnis um die rätselhaften Verwandlungen von Vampiren gelüftet.

Während die Story um Paul Rosehill dem Horrorkenner nur allzu bekannt vorkommt – der Mann hat offenbar keine Ahnung, auf was er sich einlässt -, bereitet die Sache mit den Zauberäpfeln doch einiges Kopfzerbrechen. Die Äpfel der Heilung scheinen ein reines Fantasyelement zu sein. Sie erinnern an die goldenen Äpfel der Hesperiden, die Herakles auf einer seiner Heldenfahrten besorgen musste, und an den Apfel vom Baum der Erkenntnis, den Eva im Garten Eden aß.

In dieser Funktion ergibt das Symbol des Apfels einen Sinn. Nachdem ein Vampir davon gegessen hat, erkennt er seine Lage und wird wieder zu einem Menschen. Der Baum, an dem der Zauberapfel gewachsen ist und von dem Erdgeist Jeff Warner frei Haus geliefert wird, steht in einem verschwundenen Zauberhaus, das nunmehr unzugänglich ist – eine weitere Parallele zu Eden. Nicht zufällig lautet auch Liliths Familienname Eden. Da Horror und Vampire von jeher mit der Religion assoziiert sind – als Verkörperung des Un-Glaubens und des Widersachers – dürften wir in künftigen Episoden noch weitere biblische Anspielungen antreffen.

Dass der Obervampir Landru in dieser Episode nur am Anfang einen Kurzauftritt absolviert, finde ich schade. Mir haben seine düsteren Aktivitäten immer Spaß gemacht, weil sie so gruftig sind und ein Gegenbild lieferten zu dem, was Lilith unternahm. Das ist nun vorüber, und es ist höchste Zeit, dass Lilith wieder einen würdigen Gegenspieler findet.

_Die Sprecher / Die Inszenierung_

Ähnlich wie die bisherigen „Geisterjäger“-Hörspiele von Oliver Döring ist auch dieses Hörspiel aufgezogen, Musik und Geräusche sind professionell eingesetzt. Die Stimme der Heldin, die Tina Haseney gehört, hat mir wieder besser gefallen, denn sie muss nicht mehr die ahnungslose Landpomeranze spielen, sondern kann mitunter mal losbrüllen, wenn sie gegen die allfälligen Monstrositäten antritt. Im Verbund mit drei anderen Figuren kann sie sich diesmal als Fachfrau für die Bekämpfung von untotem Gelichter hervortun. Mit ihrem Superkleid, einem Symbionten, fällt ihr diese Rolle sicherlich leichter.

McBeth wird von Ulrike Sturzbecher als eine patente und ehrgeizige Reporterin gezeichnet, die es verdient hätte, mal auf einen grünen Zweig zu kommen und Anerkennung zu erhalten. Ich konnte diese Figur einigermaßen ernst nehmen, auch wenn sich in ihr einige Hollywoodklischees wiederfinden. Diesmal spielt McBeth eine wichtige Rolle als Anlaufstelle für Vampiropfer und Freundin der Heldin. Sollte McBeth allerdings noch aktiver werden, müsste man ihr eine eigene Show, pardon: Serie geben.

Felsenheimers Obervampir Landru ist zwar immer noch der Bösewicht, wie er im Buche steht, doch Bela B von den „Ärzten“ chargiert endlich weniger und hat sich mehr zurückgenommen. Das erlaubt ihm, nuancierter zu spielen und mehr Andeutungen in seine Dialogzeilen zu legen.

|Geräusche und Musik|

Recht interessant sind die Soundeffekte. Wie jedes Horrorhörspiel steht und fällt der Gesamteindruck mit dem Einsatz von Musik, Geräuschen und Effekten. Spielt alles sauber zusammen und gibt es keinen Sound-Brei, dann ist das schon die halbe Miete, was den Erfolg beim Hörer anbelangt. Durch den Einsatz von Effekten kann man den Soundtrack aufwerten, ihn aber auch überladen, deshalb ist die richtige Dosierung entscheidend.

Zu den Geräuschen zählen alle, die das Ambiente verdeutlichen, so etwa in einem fahrenden Auto oder an der Waterkant oder auf einem Friedhof – so eine Totenglocke bei Nacht ist doch immer etwas Heimeliges. Richtig un-heimlich wird das Hörspiel eigentlich nur an dem blutigsten Schauplatz. Dort ertönt ein unerklärliches Summen, das einem den letzten Nerv raubt.

Am Schluss wird die Auseinandersetzung wieder mal sehr handfest. Als Maryann Rosehill gerade in höchster Gefahr schwebt und von einem knurrenden Leroy Harps attackiert wird, bringt ihm die Heldin mit einem schlagkräftigen Auftritt Mores bei – bevor sie ihn mit ihrem Apfel humanisiert. Die Faustschläge, die sie einsetzt, klingen wie aus der Mottenkiste der Soundeffekte.

Mehrere Male ist ein Klagelied zu hören, das von einer Frau sehr schön gesungen wird. Es erinnert an die elbische Klage über das Ableben Gandalfs in Moria. Das Intro mit der Titelmelodie wiederholt sich im Ausklang.

_Unterm Strich_

Diese Episode bietet sowohl für den Neueinsteiger als auch für den Sammler etwas. Der Neueinsteiger wird mit einer leicht verständlichen Thrillerhandlung um Paul Rosehill und seine zwei Töchter unterhalten. Der Sammler bekommt mehrere Elemente serviert, die schon vorher eingeführt und angefangen wurden und nun einer interessanten Bestimmung zugeführt werden. Dies betrifft nicht nur den Zauberapfel vom Baum der Erkenntnis, sondern auch den Kopf von Liliths Vater, den Landru, wie Dauerhörer der Serie wissen, in seinem Besitz hat. Daher ist diese Episode, obwohl sie wenig Neues zu bieten scheint, letzten Endes für Vampira-Sammler recht zufriedenstellend.

|Für wen sich die Serie eignet|

Diese Hörspielreihe, die im April 2006 begann, ist meines Erachtens für Mädchen und Jungen gleichermaßen interessant – ab 14 bis 16 Jahren etwa, denn der Gewalt- und Erotikgehalt ist beträchtlich. Mädchen können sich mit der Lage der jungen Lilith Eden identifiziert und sozusagen mit ihr als einer Superheldin wachsen und Abenteuer erleben. Ihr realistisches Gegenstück ist McBeth, die Reporterin.

Erbaulich ist auch der Umstand, dass Liliths Opfer stets Männer sind, und darunter sind meist recht verkommene oder geistig minderbemittelte Exemplare. Gegen weibliche Vampire oder Hybride vorzugehen, hat das Supermädel aber auch keine Skrupel. Vampira ist Sozialdarwinismus auf zwei sexy Beinen.

Für Erwachsene hält die Serie herzlich wenige Unterhaltungswerte bereit. Dafür sind die Figuren und die Dialoge zu unausgereift. Mit Lumleys „Necroscope“ können sie schon gleich gar nicht mithalten – wollen es aber auch wohl auch nicht. Alles in allem ist eben die Hörspielserie die akustische Entsprechung zu einem Heftchenroman, was sich schon am günstigen Preis von knapp acht Euro ablesen lässt. Die Produzenten können lediglich versuchen, diesem wenig anspruchsvollen Grundgerüst ein möglichst schönes Mäntelchen umzuhängen.

|70 Minuten auf 1 CD|
http://www.phantastische-hoerspiele.de/
http://www.luebbe-audio.de/

Manfred Weinland / Florian Fickel – Vampira (Der Moloch 2)

Zieht Vampiren die Zähne: Supergirl mit Superkleid

Sexy Vampira erprobt ihre Kräfte, erfährt alles über ihre Herkunft und zeigt den Vampiren, wo der Hammer hängt. Derweil tappt die Polizei im Dunkeln, und einen Parapsychologen wird das Gruseln gelehrt.

Das Mystery-Hörspiel wird vom Verlag ab 16 Jahren empfohlen.

Der Autor

Manfred Weinland / Florian Fickel – Vampira (Der Moloch 2) weiterlesen

Weinland, Manfred / Fickel, Florian – Vampira: Das Erwachen (01)

_Sinnlich-blutig: Erwachen der schönen Vampirjägerin_

Lilith Eden ist ein Mischwesen, halb Mensch, halb Vampir. Zwei Welten sind in ihr vereint – der ewige Kampf zwischen Gut und Böse. Ihr Schicksal ist es, von den Menschen gefürchtet und von den Blutsaugern gejagt zu werden. So ist Vampira beides: einzige Hoffnung und ewiges Verderben – für beide Völker! (Verlagsinfo)

Das Mystery-Hörspiel wird vom Verlag ab 16 Jahren empfohlen.

_Der Autor_

Manfred Weinland, Jahrgang 1960, ist Schöpfer und Chefautor der aktuellen BASTEI-Science-Fiction-Heftserie |Bad Earth|, die am 29. April 2003 startete. Als Autor ist Manfred Weinland ein „alter Hase“. Schon 1977 verkaufte er seinen ersten Heftroman an den damaligen ZAUBERKREIS-Verlag. Es folgten bis zum heutigen Tag rund zweihundert Romanveröffentlichungen, als Taschenbuch, Paperback und Hardcover, unter eigenem Namen oder Pseudonym. Für die 1994 von ihm kreierte BASTEI-Serie Vampira war er nicht nur federführend für den durchgängigen roten Faden verantwortlich, sondern schrieb auch den Löwenanteil der Romane. (zitiert nach: www.ren-dhark.de, Stand: 2004)

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Die Buchbearbeitung und Regie lagen in den Händen von Florian Fickel. Die Vertonung erfolgte durch Joschi Kauffmann, der auf eigene Musik und die seines Kollegen Rainer Scheithauer zurückgriff. Man kann annehmen, dass aus dieser Quelle auch die zahlreiche Geräusche und Soundeffekte stammen. Das Ganze wurde produziert in den JK Studios, Stuttgart.

Die Rollen und ihre Sprecher:
Intro: Michael Habeck (Oliver Hardy; „Barney“; „Hampton“)
Erzähler: Christian Rode (Christopher Plummer; Michael Caine)
Vampira: Tina Haseney
Ihre Mutter: Joseline Gassen (Lena Olin; Stephanie Powers; Bette Midler; „Delenn“; „Sisko“)
Ihr Vater: Udo Schenk (Kevin Bacon; Ray Liotta; Gary Oldman; Ralph Fiennes)
Ihre Freundin Marsha als Greisin: Barbara Ratthey
Hora, Vampir: Klaus Höhne („Prof. Dumbledore“)
Hadrum, Obervampir: Santiago Ziesmer (Steve Buscemi; „Oz“)
Taxifahrer Nick: Willy Schneck
Harold, Vampiras Freund: Frank Stöckle
Landru, Obervampir: Bela B. Felsenheimer (|DIE ÄRZTE|)
Horrus, Vampir: Lars Rudolph
Außerdem: Michael Holz, Sabine Menne

_Handlung_

Das Vorwort faselt irgendetwas von wegen einer unsichtbaren Rasse namens |Die Götzen|. Wir können beruhigt sein: In den ersten beiden Episoden tauchen sie nicht auf, dafür aber umso mehr Vampire.

Dunkel war’s, der Mond schien helle … Vampira erwacht auf einem heimeligen Friedhof, wo die Gräber anscheinend nach ihr rufen. Leider hat die Gute keine Erinnerung daran, wie sie auf dieses gruftige Plätzchen geraten ist und muss sich nun eben so durchschlagen. Angetan ist sie mit einem zerrissenen Kleid – war sie in einem Kampf?

Blitze zucken, Donner grollt, ein Holzkreuz wird entflammt – böse Omen, die ein seltsames Wesen ankündigen, das sich lebhaft, nein, gierig für die Halsschlagader des Mädchens interessiert. Es liegt auf dem Boden, windet sich in Spasmen, gibt ein wildes Knurren von sich und greift das Mädchen an. Während das Wesen jedoch an ihrem Hals saugt, geht die Sonne auf. Es wird vom Licht verbrannt und zerfällt. Was von ihm übrig bleibt, sind ein Schlüsselbund und eine mit Australien-Dollars gefüllte Brieftasche. Auf einem Zettel steht die Adresse „Lilith Eden, Paddington Street 333“. Ist sie das, diese Lilith?

Kaum ist Lilith fortgegangen, um nach dem Haus zu suchen, taucht der Sippenälteste der Vampire von Sydney auf. Es ist Hadrum, uralt, unsichtbar und in der Nacht flugfähig. Lilith ahnt nicht, dass Hadrum ihren Vater auf dem Gewissen hat. Er schnappt sich einen jungen Totengräber und labt sich an seinem Blut.

Auch Lilith verspürt allmählich quälenden Durst – nach Blut. Sie vernascht den Taxifahrer Nick im Park, der vor dem Haus Paddington Street 333 steht. Gestärkt begibt sie sich in das grüne Labyrinth, welches das Grundstück umgibt. Seltsam: Die Türen und Fenster dieses Hauses sind Attrappen. Wie kommt man dann hinein? Wie durch ein Wunder kann sie eine der Türen problemlos passieren. Das Innere ist mit alten Möbeln eingerichtet. Die Bilder an den Wänden sind dreidimensional und wirken lebendig. Liliths Spiegelbild ist lediglich verschwommen, niemals scharf.

Sie erinnert sich: Dies war einmal ihr Elternhaus. Sie war 17, wollte aufs College und liebte den gleichaltrigen Harold. Doch beim Liebesspiel passierte etwas Schreckliches. Sie verwandelte sich, entwickelte Klauenhände und feine Tentakel, die sich in ihn bohrten …

In einem alten Bett liegt eine Greisin, die Lilith freundlich begrüßt. Sie heiße Marsha und sei ihre älteste Freundin, die sich um sie gekümmert habe, nachdem ihr Vater, ein Mensch, und ihre Mutter, eine Vampirin, gestorben waren. Die Botschaft ihrer Mutter, die Marsha ihr vor ihrem Ableben gibt, führt Lilith in den Keller. Dort steht ein Holzsarg auf einem Podest, darauf steht ihr eigener Name. Nachdem sie das rote Kleid, das darin liegt, angezogen hat, legt sie sich hinein. Sie träumt, sie erinnert sich …

_Mein Eindruck_

Die Figur der Vampira kann eine ehrwürdige Tradition vorweisen, und beim Googeln nach ihr findet sich jede Menge Bildmaterial: sexy, mal in Lack, mal in Leder, aber immer mit spitzen Beißerchen. Auf dieses Image stützt sich wohl auch Weinlands Romanserie. Sie befindet sich damit in Gesellschaft von „Geisterjägern“ à la John Sinclair, diversen Gespensterkrimis, der „Necroscope“-Serie Brian Lumleys und vielleicht sogar der erfolgreichen, preisgekrönten POE-Serie |Lübbe|s.

Doch die Hörbspiel-Inszenierung hat mit Tradition nichts am Hut und tut so, als erwachte Vampira wie am ersten Tag ihrer Existenz. Das scheint mir auch das angemessene Vorgehen zu sein, denn ein Hörer, der die Romane nicht kennt, wüsste sonst wenig mit der Hauptfigur anzufangen. Vielmehr kann er sich zusammen mit der Amnesiegeschädigten auf die Suche nach ihrer verlorenen Identität machen.

|Die Prophezeiung|

Bereits im ersten Teil der Serie erfahren wir (durch Liliths Träume) von der Prophezeiung, die Liliths Leben bestimmt. Von wem die Prophezeiung stammt, ist unklar, Hauptsache, Liliths Mutti weiß Bescheid. Das Töchterlein hat die hehre Aufgabe, die Vampire zu bekämpfen. Was etwas ironisch ist, wenn man bedenkt, dass Mutti auch eine aus dieser Rasse ist.

Aber welchen Grund hat sie, ihre blutsaugenden Zeitgenossen zu hassen und zu vernichten? Dies werden wir hoffentlich noch in späteren Episoden erfahren. Ein gewisser Obervampir namens Landru scheint dabei eine Rolle zu spielen. Möglicherweise wollte Liliths Mutter verhindern, dass Landru & Co. wieder ihre Herrschaft über die Menschen errichten, nachdem ihnen diese vor Jahrtausenden verloren ging. Warum Mütterchen drei Tage nach Vampiras Geburt den Löffel abgeben muss, wird ebenfalls nicht erklärt. Schuld kann bloß die Prophezeiung sein.

|Die Auserwählte|

She’s the One! Lilith-Vampira ist wie Neo in „The Matrix“ auserwählt, und nach 98 Jahren Dornröschenschlaf wird sie von Marsha geweckt, die endlich das Zeitliche segnen will. Doch dies geschieht zwei Jahre vor der Zeit, die geweissagt wurde. Folglich ist Lilith noch ein wenig zu schwach. Sie ist nicht unbesiegbar. Das macht ihren Kampf gegen die Blutsaugersippschaft erst richtig interessant. Mit einer Superwoman ist alles nur halb so lustig.

|Equipment|

Doch wie einer der Marvel-Superhelden klassischen Zuschnitts verfügt Lilith über innere Fähigkeiten, die sie weit über das jämmerliche Level eines Menschen hinausheben. Sie ist Telepathin und offenbar auch telekinetisch begabt. Obendrein vermag sie Tentakel zu entwickeln und daraus ein Gift abzusondern, das Vampiren den Garaus macht. Von ihren ausfahrbaren Beißerchen brauchen wir gar nicht zu reden – das gehört zur Standardausstattung. Dass sie selbstredend wunderschön, sexy und gefährlich ist, versteht sich von selbst.

|Sonderausstattung|

Sie mag zwar eine Waise sein, doch Mutti hat ihr ein wertvolles Erbstück hinterlassen: ihr rotes Kleid. Es scheint seinen eigenen Willen zu haben und ist definitiv lebendig. Wie mit kleinen Zähnen heftet es sich erst schmerzhaft an Liliths Astralkörper, dann aber vergeht der Schmerz und das Kleid kann zeigen, was es draufhat. Es ist dem Willen seiner Trägerin unterworfen und passt sich ihr optimal an. Im Notfall stülpt es sich über den Kopf eines Gegners und verschlingt ihn, bis nichts mehr von ihm übrig ist. (Bemerkenswerterweise sind ihre Gegner stets männlich, ebenso wie ihre Opfer.)

|Verborgene Sinnlichkeit|

Lilith war laut Genesis die erste Frau Adams des ersten Mannes. Weil sie ihm nicht genehm war, verstieß er sie und nahm Eva zur Frau. Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts wurde Lilith zum Inbegriff verruchter Weiblichkeit. George MacDonald schrieb sogar einen schönen Fantasyroman über „Lilith“, der vor Urzeiten mal von |Klett-Cotta| veröffentlicht wurde und heute wahrscheinlich ein gesuchtes Sammlerobjekt ist.

Was es genau ist, das Lilith so sexy macht, wird nie verraten. Okay, sie ist jung, schön und voll „wundertätigen“ Blutes, wie die Vampire glauben. Aber weder hat sie „sündige“ Gedanken noch spürt sie einen besonderen „Trieb“, der sie zur Kopulation treiben würde. Sie hat eben das zu tun, was ihre Erfinder sich wünschen. Das ist schade, denn dadurch wird sie zu einem Abziehbild herabgewürdigt. Dieses Image entspricht der Formel: Sex mit ihr bringt den Tod – oder doch zumindest Lebensgefahr. Auf diese Weise wird sie zu einer Verkörperung der Großen Mutter (Kybele, Astarte, Astoreth, die Morrigan usw.), der zu begegnen für Männer meist nicht besonders angenehm ist. Am besten opfert mann ihr, um sie zu besänftigen. Dementsprechend opfern die Menschenmänner jede Menge: ihr Blut. Von ihrem Sperma ist meist keine Rede.

|Der Weg der Heldin|

Doch Liliths Weg als Heldin ist vorgezeichnet, denn es folgt einem uralten Muster, das Joseph Campbell in seiner Untersuchung „Der Held in tausend Gestalten“ (The hero of a thousand faces) aufgezeigt hat. Die erste Bedingung hat Lilith wie unzählige Helden und Heldinnen vor ihr erfüllt: Sie ist Waise, verfügt über besondere Kräfte und hat eine prophezeite Bestimmung. Was sie als nächstes braucht, sind Gefährten.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Ähnlich wie die bisherigen „Geisterjäger“-Hörspiele von Oliver Döring ist auch dieses Hörspiel aufgezogen, nur eben etwas weniger aufwendig. Musik und Geräusche sind professionell eingesetzt. Nur die Sprecher sind in der Mehrzahl weniger bekannt. Es gibt aber Ausnahmen. Joseline Gassen beispielsweise hat bei |Lübbe Audio| schon mehrere Hörbücher besprochen, meistens Frauenschicksale. Udo Schenk ist die Synchronstimme von Kevin Bacon, und Christian Rode, der Erzähler, ist die Synchronstimme von Christopher Pummer und vielen TV-Serienstars. Die Stimme der Heldin, die Tina Haseney gehört, hat mir nicht so gut gefallen, aber das lag weniger an ihrem Tonfall als an den geistlosen Zeilen Text, die sie zu sprechen hatte.

Recht interessant sind die Soundeffekte. Wie jedes Horrorhörspiel steht und fällt der Gesamteindruck mit dem Einsatz von Musik, Geräuschen und Effekten. Spielt alles sauber zusammen und gibt es keinen Sound-Brei, dann ist das schon die halbe Miete, was den Erfolg beim Hörer anbelangt. Durch den Einsatz von Effekten kann man den Soundtrack aufwerten, ihn aber auch überladen, deshalb ist die richtige Dosierung entscheidend.

An einer Stelle erklingt ein Wiegenlied: „Schlaf, Kindlein, schlaf …“, während im Vordergrund eine Figur zu sprechen anfängt, bis ein Klirren das Zerschmettern eines Spiegels andeutet. Danach setzt das Instrument Glockenspiel ein, um einen weiteren Übergang einzuleiten. Diese Stelle ist recht komplex und von Übergängen gekennzeichnet. Alle Tracks sauber zu trennen, kann ganz schön haarig werden.

An einer anderen Stelle wird der Stereoton der Aufnahme sehr schön ausgenutzt. Die Treppe in Liliths Haus ist ganz schön groß, und wenn sie auf dem linken Kanal hinunterrennt, endet sie auf dem rechten Kanal. Wer’s nicht glaubt, soll die Stelle mal testen. Wenn kein Stereoton erklingt, ist die Anlage Schrott.

Auf Hall und Echo haben die Soundmixer meist verzichtet, dafür setzen sie aber großzügig Donner, Blitze, Rumpeln und Knurren ein, also alles, was irgendwie Angst erzeugt. In einem Horrorstück dürfen natürlich auch die allfälligen Glockenschläge nicht fehlen.

_Unterm Strich_

Die neue Hörspielreihe ist meines Erachtens für Mädchen und Jungen gleichermaßen interessant – ab 16 Jahren, versteht sich. Mädchen können sich mit der Lage der jungen Lilith Eden identifiziert und sozusagen mit ihr als einer Superheldin wachsen und Abenteuer erleben. Erbaulich ist auch der Umstand, dass Liliths Opfer stets Männer sind, und meist recht hilflose oder geistig minderbemittelte Exemplare. Vampira, der Sozialdarwinismus auf zwei sexy Beinen.

Für Männer hält Lilith jede Menge Schauwerte bereit. Immer wieder wird ihr anfängliches Kleid zerrissen, bis man sich wundert, dass sie immer noch nicht nackig durch die Straßen Sydneys stolpert. Bemerkenswert ist jedoch, dass ihre Nacktheit keineswegs beschrieben, also behauptet wird. Dass sie entblößt ist, muss sich die Vorstellungskraft des Zuhörers schon selbst herbeizaubern. Gleiches gilt für ihre Geschlechtsgenossin Esha im 2. Teil.

Für Erwachsene hält die Serie herzlich wenig Unterhaltungswerte bereit. Dafür sind die Figuren und die Dialoge zu unausgereift. Mit Lumleys „Necroscope“ können sie schon gleich gar nicht mithalten – wollen es aber auch wohl auch nicht. Alles in allem ist eben die Hörspielserie die akustische Entsprechung zu einem Heftchenroman. Die Produzenten können lediglich versuchen, diesem dürften Gerüst ein möglichst schönes Mäntelchen umzuhängen. „Vampira“ ist ein schönes Kind, schon klar. Aber man sollte ihr keine Mathematikaufgaben stellen.

|67 Minuten auf 1 CD|
http://www.luebbe-audio.de

Weinland, Manfred / Rost, Simon X. / Fickel, Florian – Vampira: Die Blutbibel (06)

_Vampira als Indy: Abenteuer in Nepals Tempeln_

Vampira ist eine hübsche junge Halbvampirin, doch die Freunde ihrer verstorbenen Mutter, die Vampire, machen ihr das Leben schwer. Gut, dass Mutter ihr eine Allzweckwaffe mit auf den Lebensweg gegeben hat: ein intelligentes Kleid, das die Gegner fertigmacht.

„Lilith starrt in die Augen der Wesen, Augen, die sie hypnotisieren. Die beiden Hybriden erheben sich in die Luft und stoßen dann auf sie herab. Sie kann nicht verhindern, dass eines der Mischwesen sich mit spitzen Krallen in sie bohrt …“ (abgewandelte Verlagsinfo)

_Der Autor_

Manfred Weinland ist der Autor der gleichnamigen Heftromanserie „Vampira“. Mehr zur Serie findet man auf der Website http://www.phantastische-hoerspiele.de.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Die Buchbearbeitung lag in den Händen von Simon X. Rost, Regie führte wie bisher Florian Fickel. Die Vertonung erfolgte durch Joschi Kauffmann, der auf eigene Musik und die seines Kollegen Rainer Scheithauer zurückgriff. Man kann annehmen, dass aus dieser Quelle auch die zahlreiche Geräusche und Soundeffekte stammen. Das Ganze wurde in verschiedenen Studio aufgenommen. In den Stuttgarter JK Studios wurde produziert, gemischt und gemastert.

Die Rollen und ihre Sprecher:

Intro: Klaus Höhne („Prof. Dumbledore“)
Erzähler: Christian Rode (Christopher Plummer; Michael Caine)
Vampira: Tina Haseney
Duncan Luther: Gerrit Schmidt-Foss (Leonardo DiCaprio)
Landru: Bela B. Felsenheimer (|Die Ärzte|)
Mc Beth, Reporterin: Ulrike Sturzbecher
Rani: Samuel D. Willingham
Onan: Kerstin Sanders-Dornseif (Susan Sarandon; Glenn Close)
Kuttenträger: Dirk Müller (Peter „Colt“ Lamb in Matrix 2 & 3)
Pradesh: Frank Felicetti
Bahadur: Michael Habeck (Oliver Hardy, „Barney Geröllheimer“)
Baghdi: Peter Flechtner (Ben Affleck)
Suchete & Minati: Dorette Hugo
u. v. a.

_Die Vorgeschichte_

Ab Episode 2 werden die vorhergehenden Ereignisse kurz zusammengefasst: „Was bisher geschah“. Ich tue das ein wenig ausführlicher.

Das junge Mädchen Lilith erwacht irgendwo, ohne eine Ahnung zu haben, wer und was sie ist. Nun, sie ist eine Halbvampirin. Bereits im ersten Teil der Serie erfahren wir durch Liliths Träume von der Prophezeiung, die Liliths Leben bestimmt. Von wem die Prophezeiung stammt, ist unklar, Hauptsache, Liliths Mutti weiß Bescheid. Das Töchterlein hat die hehre Aufgabe, die Vampire zu bekämpfen. Was etwas ironisch ist, wenn man bedenkt, dass Mutti auch eine aus dieser Rasse ist. Papi ist nicht so wichtig, aber er kommt in einer Rückblende ebenfalls vor.

Aber welchen Grund hat Lilith, ihre blutsaugenden Zeitgenossen zu hassen und zu vernichten? Dies werden wir hoffentlich noch in späteren Episoden erfahren. Ein gewisser Obervampir namens Landru scheint dabei eine Rolle zu spielen. Möglicherweise wollte Liliths Mutter verhindern, dass Landru & Co. wieder ihre Herrschaft über die Menschen errichten, nachdem ihnen diese vor Jahrtausenden verloren ging. Warum Mütterchen drei Tage nach Vampiras Geburt den Löffel abgeben muss, wird ebenfalls nicht erklärt. Schuld kann bloß die Prophezeiung sein.

Selbstredend hat das arme Mädel – sie ist ja Vollwaise – null Peilung, über welche Kräfte es verfügt. Deshalb dienen die ersten Episoden zu ihrer Orientierung, was ihre Fähigkeiten anbelangt. Das macht ihre Geschichte sympathisch und spannend. Außerdem sind diese Abenteuer aufgrund von Liliths Schönheit und erotischer Anziehungskraft höchst sinnlich geprägt – ein Markenzeichen der Serie. Da Lilith aber nur Halbvampirin ist, ist sie nicht wie ihre reinrassigen Vettern und Kusinen auf Vergewaltigung aus – so bleibt alles schön politisch korrekt.

Eine ganz wichtige Waffe ist Liliths rotes Kleid, ein Erbstück des lieben Mütterleins, welches offensichtlich über ein eigenes Leben und Bewusstsein verfügt. Was dieses Kleid mit seinen Opfern anrichtet, ist meist ungesund in seiner Wirkung, aber: Die Schurken haben es ausnahmslos verdient. Schutz kann Klein-Lilith gut gebrauchen: Die Vampire – hier „Götzen“ genannt – sind hinter ihr her. Und sie können sich jederzeit von einem Menschen in einen Wolf oder einer Fledermaus verwandeln.

|In Episode 3|

… geriet Lilith Eden unter den Holzpflock des besessenen Priesters Lorrimer, der ihr selbigen ins Herz treiben, weil er sie für eine Vampirin hielt – nicht ganz zu Unrecht, wie hier angemerkt werden sollte. Zum Glück für Lilith kam ihm sein Novize Duncan Luther in die Quere, der auf hypnotischen Befehl zweier echter Vampire handelte. Doch Lilith befreite ihn von deren Bann und gemeinsam konnten sie in eine Absteige entkommen.

|In Episode 4|

… stellt Lilith erstmals ihre Fähigkeit zu liebevollem und solidarischem Handeln unter Beweis. Das macht sie umso sympathischer und akzeptabler, wenn sie andere Personen verletzt oder tötet. Als sie Duncan gegen die Vampire beisteht, entfaltet sie zudem beachtliche Kräfte, die belegen, dass sie auch ohne ihr magisches „Kleid“ den Gegnern Paroli bieten kann. Dass das Kleid schließlich wieder zu ihr zurückfindet und sie schützend umschließt, ist eher eine Fußnote. Doch Lilith, die eine Ahnung von ihrer Sterblichkeit hat, fühlt sich nun wieder vollständig. Allerdings rücken ihr ihre Feinde, die Vampire unter Führung von Landru, allmählich auf die Pelle.

|In Episode 5|

… lernt Vampira, auf den Traumpfaden der Geistreise zu wandeln und entdeckt das – leere – Grab ihrer Mutter Criana. Außerdem stößt sie im persönlichen Besitz ihres Widersachers Landru auf eine Landkarte aus Menschenhaut. Der Obervampir befindet sich auf der Suche nach einem heiligen Kelch, mit dessen Hilfe sich neue Vampire erzeugen lassen.

_Handlung_

Auf der Spur von Sydney nach Nepal folgen Lilith Eden und ihr Freund Duncan Luther der Spur von Obervampir Landru. In Neu-Delhi treffen sie den Kontaktmann, den ihnen die Reporterin Beth McKinsey genannt hat: Pradesh. Er soll sie weiter nach Nepal fliegen. In Gesellschaft dieses Mannes kommt Vampira auf eine saudumme Idee: Sie will ein Liebesabenteuer mit Pradesh. Sie lässt es ihn im Hotel arrangieren, dass Vampira und Duncan getrennte Einzelzimmer statt eines Doppelzimmers erhalten. Während sie sich mit Pradesh den Wonnen des Tantra-Sex hingibt, wird jedoch Duncan von einem Monster besucht. Auch sein Avemaria hilft ihm nicht. Als Vampiras sechster Sinn ihr sagt, dass etwas nicht stimmt, ist es für Duncan bereits zu spät. Voller Schuldgefühle fliegt sie mit Pradesh in den Himalaya …

Als sie in dem Dorf Dhalpu eintrifft, hat sie es bereits über eine Geistreise erkundet. Daher findet sie den Aufenthalt hier äußerst gefährlich, denn unheimliche Dinge geschehen hier. Sieben Dörfer unterstehen dem Tempel, in dem eine grausame Priesterin namens Onan jeden Monat ein Menschenopfer fordert. Um dieses zu erhalten, müssen die Dörfler seit Jahren per Scherbengericht einen aus ihrer Mitte bestimmen, der es verdient hat, zu sterben, weil er oder sie so ein schlechter Mensch ist. Doch zunehmend trifft das Urteil auch Kinder …

Vampira betritt das Dorf und sieht als Erstes den Scheiterhaufen. Darauf liegen vier Leichen bereit für die Verbrennung. Eigentlich dürften es nur drei sein: Die Auserwählte war ja für den Tempel bestimmt. Doch wie ihr der Junge, der die Scherben transportiert, sagt, hat etwas die vier kürzlich niedergemetzelt. Vampira denkt sofort: Landru! Er ist also hier.

Als die Leute aus dem Tempel ein neues Opfer für sie bestimmen, legt sich Vampira an die Stelle der auserwählten Frau Usha und wird in den Tempel gebracht. Dort muss sich erweisen, was ihr Symbiontenkleid alles draufhat, um seine Herrin überleben zu lassen. Denn auf eines haben es die Templer ganz besonders abgesehen: auf die Haut ihres Opfers. Da taucht Landru auf, der im Tempel den Kelch sucht, und stört den vorgesehenen Ablauf der Zeremonie in ganz erheblichem Maße …

_Mein Eindruck_

Herrje, was für ein Durcheinander. Der Autor vermischt verschiedene Mythen und Legenden auf recht wilde – andere würden sagen: kreative – Weise, um seinem Serienstoff Leben und Spannung einzuhauchen. Nach den sattsam bekannten Vampiren und Werwölfen (Landru ist beides) tauchen nun erstmals auch Harpyen auf: Minati und Suchete sind blutsaugende Raubvögel mit Frauenköpfen, die sich verwandeln können. Da sie etwas mehr sind als die Plagegeister der griechischen Antike, nennt der Autor sie kurzerhand „Hybride“, also Mischwesen. Dieses Merkmal wiederum trifft auf ungefähr alle Monster in dieser Serie zu, hat also wenig zu besagen.

Auch die Idee mit dem Scherbengericht stammt aus dem alten Griechenland. Der „Ostrakismos“ (von ostrakon: Scherbe) diente der Ausstoßung und Verbannung missliebiger Gemeindemitglieder. Auf diese Weise wurde die Todesstrafe vermieden. Dieser Zweck des Scherbengerichts wird aber in Dhalpu völlig verfehlt, denn die „Auserwählten“ sind todgeweiht. Die Grausamkeit dieses alten Rituals dürfte keinem Zuhörer entgehen. Weil der Ostrakismos zunehmend auch Kinder trifft, entzieht sich die Dorfgemeinschaft allmählich selbst ihre künftige Lebensgrundlage: Wer soll in Zukunft die Arbeit tun und Kinder bekommen? Wenn man dieses System zu Ende denkt, erscheint der Tempel nicht sonderlich klug, denn er vernichtet die Quelle, aus der seine Häute stammen.

Diese Häute werden nur für einen Zweck benötigt: als Seiten in einem überdimensionalen Buch, das als „Ewige Chronik“ bezeichnet wird. Das ist ein interessantes Konzept, das direkt aus der Bibelbeschreibung des Jüngsten Tages stammt: Die Lebenden und die Toten werden gerichtet je nachdem, was im Buch verzeichnet ist. In der Ewigen Chronik steht aber zusätzlich noch, was die Menschen in ihrem späteren Leben tun werden, also noch vor ihrem Tod. Wie der Tempel an diese Informationen gelangt, wird uns jedoch verschwiegen: Hellseherei, ein Orakel oder andere Methoden? Egal, feststeht lediglich, dass das Buch über einige überraschende Eigenschaften verfügt, die Lilith und Landru beinahe zum Verhängnis werden.

Die Episode lässt sich in drei Akte aufteilen: Nachdem der erste mit Duncans völlig unnötigem und unmotiviertem Tod geendet hat, betätigt sich Lilith, vermutlich aus ihrem gerechtfertigten Schuldgefühl heraus, als Heldin, um die Jugend des Dorfes Dhalpu vor den Leuten aus dem Tempel zu schützen. Nachdem sie selbst im Tempel gelandet ist, beginnt der dritte Teil mit dem Auftritt Landrus, der hier den gesuchten Kelch finden will, aber sofort gejagt wird.

Unterdessen bekommt es Lilith mit den Harpyien zu tun. Dies ist wider Erwarten eine höchst erotische Passage, ein sinnliches Atemholen vor dem chaotischen Finale. Denn Lilith erinnert sich in zwei Rückblenden, wie sie je eine lesbische Nacht mit Minati und Suchete verbrachte, als sie den Aufstieg ins hoch gelegene Dhalpu bewältigte. Die beiden Zwillinge hatten da natürlich ihre menschliche Gestalt gewählt, bevor sie sich in Harpyien verwandelten.

Wie in jedem anständigen „Indiana Jones“-Film – man denke etwa an Teil 2 – endet das Abenteuer des bzw. der Helden mit dem Untergang des Bösen und der Rettung der Guten. Mehr darf nicht verraten werden.

Wie man sieht, versucht der Autor, auf mehr oder weniger gelungene Weise erotische Episoden einzuflechten. Außerdem soll sich Liliths Symbiontenkleid bewähren und tut dies auf meist blutige Weise. Wider Erwarten bleibt ein Showdown zwischen Lilith und Landru aus, will heißen: Die Entscheidung wird auf spätere Folgen vertagt, auf die sich der Vampira-Fan freuen darf.

Höhere Ansprüche darf man an die Dramaturgie der „Vampira“-Folgen sicher nicht stellen, denn wahrscheinlich würde jeder Produzent, der einen Abschluss in Dramaturgie hat, solche zusammengestöpselten Skripte dem Autor um die Ohren hauen. Auch die Entwicklung der Figur Liliths ist nicht gerade vom Feinsten: Eben noch die sexgierige Halbvampirin, mausert sie sich flugs zur schuldbewussten Menschenretterin, nur um dann als Monsterschlächterin den Harpyien den Garaus zu machen. Aber was eine rechte Heldin à la „Elektra“ sein will, muss es eben jedem Publikumswunsch recht machen.

|Die Sprecher/Die Inszenierung|

Die Stimme der Heldin, die Tina Haseney gehört, hat mir diesmal besser gefallen, denn sie muss nicht mehr die ahnungslose Landpomeranze spielen, sondern kann mitunter mal losbrüllen, wenn sie gegen die allfälligen Monstrositäten antritt. Wenn sie mit den Dorfbewohnern spricht, darf sie auch mal ihre sanftere weibliche Seite hervortreten lassen.

McBeth wird von Ulrike Sturzbecher als eine patente und ehrgeizige Reporterin gezeichnet, die es verdient hätte, mal auf einen grünen Zweig zu kommen und Anerkennung zu erhalten. Ich konnte diese Figur einigermaßen ernst nehmen, auch wenn sich in ihr einige Hollywoodklischees wiederfinden. Diesmal spielt McKinsey jedoch keine Rolle.

Felsenheimers Obervampir Landru ist zwar immer noch der Bösewicht, wie er im Buche steht, doch Bela B von den „Ärzten“ chargiert endlich weniger und hat sich mehr zurückgenommen. Das erlaubt ihm, nuancierter zu spielen und mehr Andeutungen in seine Dialogzeilen zu legen.

Die beiden Hybriden sind mir aufgrund ihrer sehr hohen, beinahe schon kreischenden Stimmen in Erinnerung geblieben. Vermischt sind sie mit einem raubvogelartigen Krächzen, denn schließlich sind die Mischwesen ja eine Kombination aus Raubvogel und Frau.

|Geräusche und Musik|

Recht interessant sind die Soundeffekte. Wie jedes Horrorhörspiel steht und fällt der Gesamteindruck mit dem Einsatz von Musik, Geräuschen und Effekten. Spielt alles sauber zusammen und gibt es keinen Sound-Brei, dann ist das schon die halbe Miete, was den Erfolg beim Hörer anbelangt. Durch den Einsatz von Effekten kann man den Soundtrack aufwerten, ihn aber auch überladen, deshalb ist die richtige Dosierung entscheidend.

Zu den Geräuschen zählen alle, die das Ambiente verdeutlichen, so etwa der Propeller des altmodischen Flugzeugs, das Lilith nach Dhalpu bringt. Draußen heult ein eisiger Wind, wie er für diese Berghöhen wohl nicht ungewöhnlich ist. Immer wieder geht etwas zu Bruch: Scheiben klirren, Dinge fallen herab, und im Finale geht es recht wüst zur Sache. Brechende Hälse, spritzendes Blut – das volle Programm.

Da diese Episode in Nepal spielt, dominieren indische Instrumente, also Flöten, Tablas und dergleichen. Doch das indische Einerlei kann natürlich nicht ewig dauern, und so wird es abrupt von einer Marschtrommel unterbrochen, als die Templer zum Angriff auf Lilith und Landru blasen. Mehrere Male ist ein Klagelied zu hören, das von einer Frau sehr schön gesungen wird. Es erinnert an die elbische Klage über das Ableben Gandalfs in Moria. Das Intro mit der Titelmelodie wiederholt sich im Ausklang.

_Unterm Strich_

In dieser Episode ergibt das Handeln der Heldin ebenso wenig Sinn wie zuvor. War sie zuvor ein Spielball unsichtbarer Mächte, so entwickelt sie nun selbst eine willkürliche Unvorhersehbarkeit, die sie gefährlich macht. Ihre unvermittelt auftretende Geilheit muss ihr Freund Duncan mit dem Leben bezahlen. Die Wiedergutmachung soll durch Rettung von sieben Dörfern in Nepal erfolgen, doch der Erzfeind Landru entkommt auch diesmal wieder. Hier hat sich der Autor ein Hintertürchen offen gehalten, das es ihm erlaubt, die Serie fortzusetzen. Alles in allem ist dies für den Hörer wenig befriedigend.

Lediglich die handwerkliche Seite des Hörspiels vermag zu überzeugen. Geräusche, Sounddesign, Musik und schließlich die Dialoge bilden eine halbwegs gut zusammen passende Komposition. Wenn die seltsame Entwicklung der Hauptfigur nicht wäre, könnte ich das Hörbuch höher werten, aber so reicht es auch diesmal nicht zu mehr als einem durchschnittlichen Eindruck.

|Für wen sich die Serie eignet|

Diese Hörspielreihe, die im April 2006 begann, ist meines Erachtens für Mädchen und Jungen gleichermaßen interessant – ab 14 bis 16 Jahren etwa, denn der Gewalt- und Erotikgehalt ist beträchtlich. Mädchen können sich mit der Lage der jungen Lilith Eden identifiziert und sozusagen mit ihr als einer Superheldin wachsen und Abenteuer erleben. Ihr realistisches Gegenstück ist Beth McKinsey, die Reporterin, genannt „Mac Beth“.

Jungs identifizieren sich wohl eher mit dem Polizisten Jeff Warner (der in den Episoden 5 und 6 nicht auftritt) und dem Novizen Duncan Luther. Erbaulich ist auch der Umstand, dass Liliths Opfer fast immer Männer sind, und darunter sind meist recht verkommene oder geistig minderbemittelte Exemplare. Gegen weibliche Vampire vorzugehen, hat das Supermädel aber auch keine Skrupel, wie sie in Episode 5 unter Beweis stellt. Vampira ist Sozialdarwinismus auf zwei sexy Beinen.

Für Erwachsene hält die Serie herzlich wenige Unterhaltungswerte bereit. Dafür sind die Figuren und die Dialoge zu unausgereift. Mit Lumleys „Necroscope“ können sie schon gleich gar nicht mithalten – wollen es aber auch wohl auch nicht. Alles in allem ist eben die Hörspielserie die akustische Entsprechung zu einem Heftchenroman. Die Produzenten können lediglich versuchen, diesem dürftigen Gerüst ein möglichst schönes Mäntelchen umzuhängen.

|68 Minuten auf 1 CD|
http://www.luebbe-audio.de

Weinland, Manfred / Rost, Simon X. / Fickel, Florian – Vampira: Niemandes Freund (05)

_Nicht die Anna-Nicole-Smith-Gedächtnis-Episode!_

Vampira ist eine hübsche junge Halbvampirin, doch die Freunde ihrer verstorbenen Mutter, die Vampire, machen ihr das Leben schwer. Gut, dass Mutter ihr eine Allzweckwaffe mit auf den Lebensweg gegeben hat: ein intelligentes Kleid, das die Gegner fertigmacht.

„Anne Smith liegt mit aufgerissenen Augen in einer verlassenen Seitengasse, als Landru ihre Adern öffnet. Er braucht sie nicht einmal zu berühren, um Zugriff auf ihren kostbaren Saft zu erlangen. Wie schon einmal, erschafft er mittels Magie das Replikat eines lilienförmigen Kelchs, in welchen Annes Blut pulst. Bis ihre Gefäße leer sind …“ (abgewandelte Verlagsinfo) Ob die Ähnlichkeit zum Namen von Anna Nicole Smith gewollt ist, sei jedem zur Spekulation überlassen. Immerhin heißt die Episode Nr. 5 nicht „Anna-Nicole-Smith-Gedächtnis-Episode“ …

_Der Autor_

Manfred Weinland ist der Autor der gleichnamigen Romanserie „Vampira“. Mehr zur Serie findet man auf der Website http://www.phantastische–hoerspiele.de.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Die Buchbearbeitung lag in den Händen von Simon X. Rost, Regie führte wie bisher Florian Fickel. Die Vertonung erfolgte durch Joschi Kauffmann, der auf eigene Musik und die seines Kollegen Rainer Scheithauer zurückgriff. Man kann annehmen, dass aus dieser Quelle auch die zahlreiche Geräusche und Soundeffekte stammen. Das Ganze wurde in verschiedenen Studios aufgenommen. In den Stuttgarter JK Studios wurde produziert, gemischt und gemastert.

Die Rollen und ihre Sprecher:

Intro: Klaus Höhne („Prof. Dumbledore“)
Erzähler: Christian Rode (Christopher Plummer; Michael Caine)
Vampira: Tina Haseney
Duncan Luther: Gerrit Schmidt-Foss (Leonardo DiCaprio)
Landru: Bela B. Felsenheimer (|Die Ärzte|)
Mc Beth, Reporterin: Ulrike Sturzbecher
Habakuk: Santiago Ziesmer (Steve Buscemi)
Vater Duncan: Michael Holz
Sergeant: Frank Stöckle
Pathologe: Udo Schenk (Gary Oldman)
Hekade: Sabine Menne
Espen Storm: Christian Schult
Suzanne: Giuliana Jakobeit (Keira Knightley)
Sanders: Peter Flechtner (Ben Affleck)
Sean Lancaster: Udo Schenk (Gary Oldman)
Anne: Dorette Hugo
Nona: Mo Asumang
u. v. a.

_Die Vorgeschichte_

Ab Episode 2 werden die vorhergehenden Ereignisse kurz zusammengefasst: „Was bisher geschah“. Ich tue das ein wenig ausführlicher.

Das junge Mädchen Lilith erwacht irgendwo, ohne eine Ahnung zu haben, wer und was sie ist. Nun, sie ist eine Halbvampirin. Bereits im ersten Teil der Serie erfahren wir durch Liliths Träume von der Prophezeiung, die Liliths Leben bestimmt. Von wem die Prophezeiung stammt, ist unklar, Hauptsache, Liliths Mutti weiß Bescheid. Das Töchterlein hat die hehre Aufgabe, die Vampire zu bekämpfen. Was etwas ironisch ist, wenn man bedenkt, dass Mutti auch eine aus dieser Rasse ist. Papi ist nicht so wichtig, aber er kommt in einer Rückblende ebenfalls vor.

Aber welchen Grund hat Lilith, ihre blutsaugenden Zeitgenossen zu hassen und zu vernichten? Dies werden wir hoffentlich noch in späteren Episoden erfahren. Ein gewisser Obervampir namens Landru scheint dabei eine Rolle zu spielen. Möglicherweise wollte Liliths Mutter verhindern, dass Landru & Co. wieder ihre Herrschaft über die Menschen errichten, nachdem ihnen diese vor Jahrtausenden verloren ging. Warum Mütterchen drei Tage nach Vampiras Geburt den Löffel abgeben muss, wird ebenfalls nicht erklärt. Schuld kann bloß die Prophezeiung sein.

Selbstredend hat das arme Mädel – sie ist ja Vollwaise – null Peilung, über welche Kräfte es verfügt. Deshalb dienen die ersten Episoden zu ihrer Orientierung, was ihre Fähigkeiten anbelangt. Das macht ihre Geschichte sympathisch und spannend. Außerdem sind diese Abenteuer aufgrund von Liliths Schönheit und erotischer Anziehungskraft höchst sinnlich geprägt – ein Markenzeichen der Serie. Da Lilith aber nur Halbvampirin ist, ist sie nicht wie ihre reinrassigen Vettern und Kusinen auf Vergewaltigung aus – so bleibt alles schön politisch korrekt.

Eine ganz wichtige Waffe ist Liliths rotes Kleid, ein Erbstück des lieben Mütterleins, welches offensichtlich über ein eigenes Leben und Bewusstsein verfügt. Was dieses Kleid mit seinen Opfern anrichtet, ist meist ungesund in seiner Wirkung, aber: Die Schurken haben es ausnahmslos verdient. Schutz kann Klein-Lilith gut gebrauchen: Die Vampire – hier „Götzen“ genannt – sind hinter ihr her. Und sie können sich jederzeit von einem Menschen in einen Wolf oder einer Fledermaus verwandeln.

|In Episode 3|

… geriet Lilith Eden unter den Holzpflock des besessenen Priesters Lorrimer, der ihr selbigen ins Herz treiben, weil er sie für eine Vampirin hielt – nicht ganz zu Unrecht, wie hier angemerkt werden sollte. Zum Glück für Lilith kam ihm sein Novize Duncan Luther in die Quere, der auf hypnotischen Befehl zweier echter Vampire handelte. Doch Lilith befreite ihn von deren Bann und gemeinsam konnten sie in eine Absteige entkommen.

|In Episode 4|

… stellt Lilith erstmals ihre Fähigkeit zu liebevollem und solidarischem Handeln unter Beweis. Das macht sie umso sympathischer und akzeptabler, wenn sie andere Personen verletzt oder tötet. Als sie Duncan gegen die Vampire beisteht, entfaltet sie zudem beachtliche Kräfte, die belegen, dass sie auch ohne ihr magisches „Kleid“ den Gegnern Paroli bieten kann. Dass das Kleid schließlich wieder zu ihr zurückfindet und sie schützend umschließt, ist eher eine Fußnote. Doch Lilith, die eine Ahnung von ihrer Sterblichkeit hat, fühlt sich nun wieder vollständig. Allerdings rücken ihr ihre Feinde, die Vampire unter Führung von Landru, allmählich auf die Pelle.

_Handlung_

Während Mac Beth, die Reporterin, Liliths Freund Duncan Luther, den „Priesterlehrling“ (was man gemeinhin wohl einen Novizen oder Anwärter nennt), bewirtet, entschuldigt sich Lilith und erkundet draußen die Lage. Sie besucht Espen Storm, dem Aboriginal, in seinem Laden an der Market Street. Mit Erstaunen sieht sie seinen Körper am Boden hocken, doch da tritt seine Gestalt aus einem Wandbild! Offenbar hat er die Kunst der Geistreise erlernt. Esper warnt sie vor der Ankunft ihres Erzfeindes Landru. Dieser plane bestimmt schon einen Angriff auf sie.

Esper fragt nach den Namen von Liliths Eltern. Dies waren Sean Lancaster, ihr Vater, und die Vampirin Criana. Lilith weiß jedoch nicht, was aus ihnen wurde. Wie sich später zeigt, existiert Sean Lancaster als Schrumpfkopf in Landrus Tasche fort. Während Landru sich auf der Straße ein neues Opfer namens Ann Smith (s. o.) schnappt, begibt sich Lilith unter Espers Anleitung auf die Pfade, die jenseits des Wandbilds seines Ladens liegen. Sie muss sich lediglich genügend entspannen und ihren Geist auf Reisen schicken …

Dies führt sie in den Garten jenes Hauses, das in der Tiefe auf mysteriöse Weise verschwunden ist (siehe Folge 1 und 2). Hier steht ein Apfelbaum, und die Geister von Menschen gehen auf ihn zu, um sich seine Früchte in den Mund zu stopfen. Doch sobald sie davon gegessen haben, verblassen sie. Offenkundig steht hier nicht alles zum Besten. Die Reise führt in die Tiefe, wo in einem Erdloch ein Grabmal steht: das von Liliths Mutter Criana. Doch das Grab ist leer. Wo ist die Leiche?

Nachdem Lilith einen Angriff von Landru und seinem Schergen Habakuk abgewehrt hat, ergreift sie selbst die Initiative. Auf dem Friedhof an der Barnaby Road dringt sie in das Hauptquartier Landrus ein, doch fast alle der Vampire sind ausgeflogen. Lilith stößt auf eine Tasche und findet darin den Schrumpfkopf ihres Vaters sowie eine Landkarte, die auf Menschenhaut gemalt ist. Ihr Kleid, der Symbiont, macht ohne ihr Wissen eine Kopie davon, die sich in der nächsten Episode als sehr nützlich erweisen wird.

Lilith muss sich in einem Kleiderschrank verstecken. Schritte von Vampiren nähern sich. Sie stellen sich als Landru, ihr Erzfeind, und eine verführerische Vampirin namens Nona heraus, die Landru umgarnt. Während es die beiden lautstark vor dem Schrank treiben, zittert Lilith drinnen um ihr Leben. Sie fleht ihr Kleid an, ihr zu helfen …

_Mein Eindruck_

Während wir mit der ersten Hälfte dieser Episode absolut nichts anzufangen wissen und sie auch keine Entwicklung in die Wege leitet, so bringt die zweite Hälfte der Folge die bisher erfahrene Handlung voran. Zwar steht auch jetzt wieder keine direkte Konfrontation Liliths mit Landru auf dem Programm, aber zumindest mit Landrus Unterling Habakuk (dass Vampire immer so bescheuerte Namen tragen müssen! Habakuk stammt aus der Bibel).

In Auseinandersetzungen wie diesen hat Lilith gelernt, auf ihren Symbionten zu vertrauen. Das halbintelligente Kleid, das Erbstück ihrer Mutter, weiß sich wahrhaft auf vielfältige Weise ihrer Gegner anzunehmen: Es wickelt sie meist ein, um sie dann zu ersticken oder auszusaugen. Sicher kein schöner Tod. Doch Lilith macht sich inzwischen kaum noch Gewissensbisse deswegen, vielmehr begegnet sie den Vampiren mit einem aggressiven Trotz, der für ihr jeweiliges Gegenüber nichts Gutes vorausahnen lässt. Der Bodycount erhöhnt sich denn auch schon bald auf zwei. Und wenn man Landrus Beute hinzuzählt, kommt man auf mindestens fünf Leichen allein in dieser Episode. Horrorfreunde dürften auf ihre Kosten kommen.

Die rätselhafte und zerstückelte erste Hälfte dieser Episode dient wohl nur dem Legen von Spuren, die hoffentlich später einmal (nach Episode 6) aufgenommen werden. Criana, Esper, Geisterpfade, tödliche Apfelbäume – all dies ergibt keinen Sinn im Kontext und ist eben mal so hinzunehmen. Aber eine nur zur Hälfte spannende Episode ist eine nur halb genossene Episode. Hier dürften vor allem Mysteryfreunde auf ihre Kosten kommen.

|Geräusche und Musik|

Recht interessant sind die Soundeffekte. Wie jedes Horrorhörspiel steht und fällt der Gesamteindruck mit dem Einsatz von Musik, Geräuschen und Effekten. Spielt alles sauber zusammen und gibt es keinen Sound-Brei, dann ist das schon die halbe Miete, was den Erfolg beim Hörer anbelangt. Durch den Einsatz von Effekten kann man den Soundtrack aufwerten, ihn aber auch überladen, deshalb ist die richtige Dosierung entscheidend.

Auf Hall und Echo haben die Soundmixer in der Mehrzahl verzichtet, dafür setzen sie aber großzügig Donner, Blitze, Regen und Rumpeln ein, also alles, was irgendwie Angst erzeugt. Kaum treten unheimliche Kreaturen der Nacht auf, hören wir auch schon ihr unheilvolles Knurren…

|Stereoton|

Zwei Eigenheiten der Tonspur seien herausgegriffen. Mir ist diesmal besonders aufgefallen, dass ständig die Schritte der Figuren zu hören sind (außer auf den Traumpfaden Espers, versteht sich). Leider hören sich weibliche und männliche Schritte absolut gleich an, und das ist nicht stimmig.

Wie auch immer: An einer Stelle geht Landru vor seinem Untervampir Habakuk, in Überlegungen versunken, auf und ab. Um diese Bewegung darzustellen, gibt es seit jeher ein probates Mittel im Radio: den Stereoton. Während Landrus Schrittgeräusch und seine Stimme von links nach rechts und wieder zurück wandern, kann der Hörer genau seinem Weg folgen, gleichgültig ob er vor den Lautsprecherboxen sitzt oder einen Kopfhörer aufhat. Dies sind so die Stellen, an denen sich „Vampira“ die Bezeichnung „Hör-Spiel“ wirklich verdient.

_Unterm Strich_

Episode 5 ist eine der schwächsten Folgen der Serie bislang. Während die erste Hälfte keinen Zusammenhang ergibt, bietet die zweite Hälfte gleich zwei Zweikämpfe und dient als Steigbügelhalter für die nächste Episode. Nr. 6: „Die Blutbibel“ ist im Vergleich zum bisherigen Geschehen ein wahrer Höhepunkt, sowohl in dramaturgischer Hinsicht als auch im Hinblick auf die Entwicklung der Figuren.

|Für wen sich die Serie eignet|

Diese Hörspielreihe, die im April 2006 begann, ist meines Erachtens für Mädchen und Jungen gleichermaßen interessant – ab 14 bis 16 Jahren etwa, denn der Gewalt- und Erotikgehalt ist beträchtlich. Mädchen können sich mit der Lage der jungen Lilith Eden identifiziert und sozusagen mit ihr als einer Superheldin wachsen und Abenteuer erleben. Ihr realistisches Gegenstück ist Beth McKinsey, die Reporterin, genannt „Mac Beth“.

Jungs identifizieren sich wohl eher mit dem Polizisten Jeff Warner (der in den Episoden 5 und 6 nicht auftritt) und dem Novizen Duncan Luther. Erbaulich ist auch der Umstand, dass Liliths Opfer fast immer Männer sind, und darunter sind meist recht verkommene oder geistig minderbemittelte Exemplare. Gegen weibliche Vampire vorzugehen, hat das Supermädel aber auch keine Skrupel, wie sie in Episode 5 unter Beweis stellt. Vampira ist Sozialdarwinismus auf zwei sexy Beinen.

Für Erwachsene hält die Serie herzlich wenige Unterhaltungswerte bereit. Dafür sind die Figuren und die Dialoge zu unausgereift. Mit Lumleys „Necroscope“ können sie schon gleich gar nicht mithalten – wollen es aber auch wohl auch nicht. Alles in allem ist eben die Hörspielserie die akustische Entsprechung zu einem Heftchenroman.

Doch die Produzenten sind – hoffentlich nach konstruktiver Kritik – steigerungsfähig. Nach all dem Unsinn in Episode 5 führt Landrus Spur Lilith nach Nepal, und dort bewährt sie sich als Sozialhelferin, ein großer Fortschritt gegenüber ihrem bisherigen Hedonismus.

|68 Minuten auf 1 CD|
http://www.luebbe-audio.de