Theodor Fontane und Tobias Krejtsch – John Maynard

John MaynardWie jetzt?! „John Maynard“ als Bilderbuch für Kinder? Viele Erwachsene erinnern sich sicherlich entweder mit einem nostalgischen Lächeln oder kaltem Grausen an Theodor Fontanes Ballade „John Maynard“, ist sie doch in vielen deutschen Schulen Unterrichtsstoff und muss nicht selten in voller Länge auswendig gelernt werden. Dabei ist die Geschichte von der großen Schiffskatastrophe im Erisee und der aufopferungsvollen Heldentat des Steuermanns bis heute ein packendes Thema, das junge Menschen begeistern kann.

In der Umsetzung des Illustratoren Tobias Krejtschi für seine Diplomarbeit ist es der wuchtige, graubärtige Kapitän, welcher seiner Enkeltochter im Kindesalter angesichts des Grabsteins von John Maynard die Geschichte erzählt. Die Zeichnungen erinnern stark an Comicbilder. Vor allem, wenn sie großflächig und reduziert sind. So lenken sie den Blick des Betrachters auf das Wesentliche und die Gefühle der Figuren sind an deren Augen und Mündern, sowie ihrer Körperhaltung gut ablesbar. Sehr gelungen ist auch das Einfügen wörtlicher Rede in Sprechblasen, was den reinen Balladentext aus dem 19. Jahrhundert typographisch auflockert und moderner erscheinen lässt. Andere Bilder bieten mit ihren Details Gesprächsstoff über den Text hinaus. Was bedeutet das Schiff in der Flasche? Und was für eine komische Lampe hängt über dem Wohnzimmertisch des Kapitäns? Für Kinder ab 7 Jahren sind das durchaus besprechenswerte Themen.

Die Ballade ist in der Reihe „Poesie für Kinder“ im Kindermann Verlag erschienen. Dieser hat es sich zur Aufgabe gemacht, jungen Lesern Weltliteratur zugänglich zu machen. In diesem Sinne ist die Aufnahme von Fontane-Titeln nur konsequent. Der Text wird am Ende noch einmal kompakt auf zwei Seiten wiedergegeben. Schön sind auch die kurzen Biographien des Autors und des Illustratoren auf einer der letzten Seiten, sowie der Verweis auf die historische Begebenheit, die Fontane in seinem Gedicht literarisch frei umgesetzt hat. Demnach hieß John Maynard eigentlich Luther Fuller und konnte trotz seines Ausharrens am Steuer nur wenigen Menschen das Leben retten. Wie auch immer die historischen Wahrheit aussieht, Fontane hat dem modernen Helden ein Denkmal gesetzt und Tobias Krejetschi hat ihm ein Gesicht gegeben. Vielleicht bespricht sich der Text in der Schule damit jetzt auch leichter.

Im Bücherregal nimmt sich die Reihe dank eines Buchrückens mit Goldprägung ebenfalls ausgesprochen gut aus. Der stabile Kartoneinband mit einer prägnanten Szene und das feste Papier der 24 Seiten garantieren eine lange Lesefreude. Mit einem Neupreis von 16,- Euro ist „John Maynard“ nicht ganz billig, aber lohnt die Anschaffung wegen seiner äußerst gelungenen Umsetzung doch.

Gebundene Ausgabe: 24 Seiten
Kindermann Verlag Berlin
ISBN 13: 978-3-934029-31-6
www.kindermannverlag.de

 

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