Volker Kutscher – Die Akte Vaterland


Worum gehts?

1932. In Berlins größtem Vergnügungstempel „Das Haus Vaterland“ wird im Lastenaufzug eine Leiche gefunden. Alles deutet darauf hin, dass das Opfer ertrunken ist. Die Polizei und das Ermittlerteam um Kommissar Gereon Rath stehen vor einem großen Rätsel. Eine außergewöhnliche Ermittlung beginnt und führt Rath bis ins 800 Kilometer entfernt gelegene Masuren, direkt an der polnischen Grenze, wo er nicht gerade auf viel Gegenliebe der Dorfgemeinde trifft. Stattdessen lernt er die Wortkargheit der Ostpreußen kennen sowie deren Nationalgetränk, den Schwarzgebrannten, und die nicht immer nur schöne Natur.

 

Inhalt

Der Mordfall im Vergnügungstempel „Haus Vaterland“ könnte für Kriminalkommissar Gereon Rath ungelegener nicht kommen. Er steckt noch mitten in den Ermittlungen gegen den scheinbar unsichtbaren Serienmörder „Das Phantom“, die jedoch durch den neu aufgetretenen Mordfall ins Stocken geraten. Außerdem ist seine große Liebe Charlotte Ritter gerade aus Paris zurückgekehrt – das ist auch der Grund dafür, weshalb er es am Tatabend mit seiner Rufbereitschaft nicht so ernst genommen hat und seine Kollegen ihn nirgends erreichen konnten.

Bei der gefundenen Leiche im Lastenaufzug handelt es sich um den Spirituosenlieferanten Herbert Lamkau. Die Obduktion des Opfers gibt Aufschluss darüber, dass Lamkau ertrunken ist. Doch warum findet man ihn dann im Lastenaufzug, wo sich weit und breit kein Wasser befindet? Und was hat es mit den 1000 Mark auf sich, die man in seiner Hosentasche gefunden hat? Diese und noch weitere Dinge bringen die Polizei zum Grübeln.

Während sich Charlotte Ritter, Gereon Raths Verlobte und Kommissaranwärterin, ins Haus Vaterland einschleust, um dort als Köchin verdeckt zu ermitteln, verfolgt Gereon Rath eine Spur, die weit in den Osten führt, in eine Kleinstadt nahe der polnischen Grenze, führt. Dort ist er jedoch kein gerngesehener Gast und die Einheimischen erweisen sich als äußert mundfaul und sind ihm somit keine sonderlich große Hilfe. Gemeinsam mit einem Gehilfen der ortsansässigen Polizei ermittelt Rath vor Ort und führt die beiden in einen Wald mit zahlreichen Mooren, wo Rath urplötzlich in großer Gefahr schwebt und droht zu sterben.

Als man eine zweite und schließlich sogar eine dritte Leiche findet, die alle auf dieselbe Art und Weise ums Leben kamen, wird den Ermittlern ziemlich schnell klar, dass Lamkaus Tod nur ein Teil einer ganzen Mordserie ist und noch andere Personen in großer Gefahr schweben. Während sich das Dorf nahe der polnischen Grenze weiter in Schweigen hüllt und ein Geheimnis zu verdecken scheint, ist Rath felsenfest entschlossen, die Bombe hochgehen zu lassen, sobald er nur den kleinsten Beweis gegen seine tatverdächtige Person hat. Dies jedoch stellt sich als äußerst schwierig heraus.

Mein Eindruck

„Die Akte Vaterland“ besteht aus drei großen Teilen. Zunächst bleibt Kutscher mit seinen Lesern eine Zeit lang in Berlin, später nimmt er sie als Begleiter von Gereon Rath mit nach Masuren, um sie später wieder alle zusammen nach Berlin zurückzuholen.

Hierbei handelt es sich um Kutschers vierten Fall mit Gereon Rath in der Hauptrolle. Der Kriminalkommissar wird sehr intensiv beschrieben, so dass es als Leser nicht schwerfällt, sich ein Bild zu von dieser Person zu machen. Er kommt äußerst sympathisch, aber auch teilweise etwas eigenbrötlerisch rüber, jedenfalls handelt es hier um einen Protagonisten, mit dem es nicht langweilig wird.

Da die Geschichte Anfang der 30er Jahre spielt, lässt es Kutscher sich natürlich auch dieses Mal wieder nicht nehmen, seinen Lesern einen ausführlichen Eindruck der politischen Situation, die zu der Zeit in Berlin herrschte, zu vermitteln, was natürlich für den geschichtsinteressierten Leser ein zusätzliches Bonbon ist. Er hat hier aber ein gesundes Mittelmaß gewählt, so dass sich diese Beschreibung zwar durch das komplette Buch zieht, jedoch die eigentliche Geschichte nicht überschattet und aus dem Vordergrund drängt, so dass auch Krimiliebhaber, die keinen gesteigerten Wert auf Geschichte und Politik legen, auf ihre Kosten kommen.

Fazit

Es ist zwar bereits der vierte Fall für Gereon Rath, den Kutscher zu Papier gebracht hat, jedoch mein erstes Buch, das ich von diesem großartigen Autor lese. Und es wird ganz gewiss nicht das letzte gewesen sein.

Während man in den Bann des Buches gezogen wird und einen ausnahmslosen Lesegenuss erlebt, malt man im Kopf seine eigenen Bilder und hat das Gefühl, man befände sich gerade selbst im Jahre 1932 in Berlin, was wahrscheinlich nicht zuletzt auf den flüssigen, stimmigen Schreibstil des Autors zurückzuführen ist. Teilweise ist dieses Buch sogar ein Lehrbuch, da man doch einiges über die politische Situation Berlins in den 30er Jahren erfährt.

Kurz und gut: Suchtgefahr!

Dieses Buch ist ohne Einschränkung empfehlenswert. Es handelt sich hierbei um Spannung und Unterhaltung auf knapp 600 Seiten.

Über den Autor

Volker Kutscher wurde am 26. Dezember 1962 in Lindlar im Bergischen Land geboren und wuchs auf in Wipperfürth. Nach dem Studium brotloser Künste (Germanistik, Philosophie und Geschichte) arbeitete er zunächst als Tageszeitungsredakteur.

Seinen ersten Kriminalroman „Bullenmord“ schrieb er 1996 zusammen mit Christian Schnalke. Nach weiteren im Bergischen Land angesiedelten Regionalkrimis („Vater unser“, 1998; „Der schwarze Jakobiner“, 2001) begann Kutscher im Jahr 2007 mit dem Roman „Der nasse Fisch“ seine Serie um den Kriminalkommissar Gereon Rath im Berlin der 30er Jahre. 2009 folgte der zweite Band „Der stumme Tod“, 2010 der dritte Rath-Krimi „Goldstein“ und 2012 schließlich „Die Akte Vaterland“. Weitere Bände sind in Planung. Die Reihe soll den Ermittler Gereon Rath bis ins Jahr 1936 führen.

Gebunden: 576 Seiten
ISBN: 978-3462044669
www.kiwi-verlag.de
www.gereonrath.de

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