von Grote, Alexandra – Tod an der Place de la Bastille – Maurice LaBréas zweiter Fall

Relativ kurz nach dem Debüt ihres neuen Serienhelden Maurice LaBréa meldet sich Alexandra von Grote auch schon mit einem zweiten Band des Pariser Kriminalkommissars zurück. In „Tod an der Place de la Bastille“ setzt die Autorin die Lebensgeschichte des verwitweten Polizeibeamten und seiner Tochter Jenny fort und steigt einige Monate nach dem letzten wichtigen Mordfall von LaBréa wieder mit einem neuen Fall ins Geschehen ein. Dieses Mal hat von Grote sich allerdings für ein noch heftigeres Thema entschieden und setzt damit die Tendenz des letzten mit brutalen Morden gespickten Romans [„Mord in der Rue St. Lazare“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1834 fort. In „Tod an der Place de las Bastille“ wird die Geschichte eines skrupellosen Sexualmörders erzählt, der vor keiner noch so perversen und abscheulichen Tat zurückschreckt.

_Story:_

Maurice LaBréa und seine Tochter Jenny haben sich mittlerweile ganz gut in Paris eingelebt, und von den anfänglichen Reibereien des Umzugs in die Weltstadt ist kaum noch etwas zu spüren. Besonders der Vater des jungen Mädchens fühlt sich pudelwohl und ist nach den Schrecken des zurückliegenden Mordes an einer Frau wieder so weit auf dem Damm, dass er sich auf eine Beziehung mit seiner Nachbarin Celine einlassen kann.

Der neue Frieden wird aber abrupt gestört, als die Abteilung des Kommissars auf einen Mann angesetzt wird, der eine unscheinbare Putzfrau übel zugerichtet, vergewaltigt und schließlich ermodet hat. Der Mörder hat lediglich ein Blatt mit der Abbildung eines ägyptischen Fußes sowie Spuren seines Spermas als Beweismaterial hinterlassen und den Haustürschlüssel vor die Türschwelle gelegt, damit das Opfer möglichst bald gefunden wird. LaBréa glaubt daran, dass der Mörder aus dem Umfeld der Dame stammt; als dann jedoch wenige Häuser weiter eine Studentin auf genau dieselbe Art und Weise umgebracht wird, wird dem Kommissar schnell klar, dass man es hier mit einem Serienkiller zu tun hat. Schon jetzt zieht die Polizei Parallelen zu Guy Georges, einem Sexualmörder, der vor einigen Jahren die Stadt in Atem gehalten hat. Damals waren die Ermittlungen seitens der Polizei vor allem deswegen erfolglos gewesen, weil die Bevölkerung infolge einer Pressesperre zu spät gewarnt wurde und der Mörder unbeobachtet weiter morden konnte. Doch dieses Mal will man geschickter vorgehen, alarmiert die Presse zunächst dennoch nicht, weil man sich sicher ist, dass der Aufruhr den Mörder nur noch weiter motivieren würde.

Als dann aber eine weitere Frau getötet wird, die Beamten jedoch weiterhin nicht den Hauch einer Spur haben, schmiedet LaBréa einen gefährlichen Plan: Seine Kollegin Claudine soll den Lockvogel des Mörders spielen und sich abends mit ausreichend Polizei in der Nähe und Funkkontakt zu ihren Kollegen an der Place de la Bastille herumtreiben. Da Claudine in Sachen Kampfsport Expertin ist, erhofft sich LaBréa, dass sie im Notfall den Mörder selber zur Strecke bringen kann. Der Plan geht aber nicht auf, eine weitere Frau stirbt und Claudine ist in höchster Gefahr – vom Mörder ist dennoch weit und breit keine Spur zu finden …

Wer den Vorgängerband gelesen hat, ist mit den Hauptcharakteren der Geschichte bereits vertraut – dem konservativen Kollegen Franck, der aufgeweckten Tochter Jenny, der liebevollen Celine, dem muffigen Polizeipräsidenten, der jede Aktion mit einem Zitat eines berühmten Dichters kommentiert, dem schrillen und stets bunt gekleideten Jean-Claude und natürlich dem arbeitswütigen Kommissar Maurice LaBréa. Diese Vorkenntnis wird dem Leser grundsätzlich hilfreich sein, ganz besonders aber zu Beginn des Buches, wo immer mal wieder Rückblicke in vergangene Szenarien vorgenommen werden, die man dementsprechend auch besser deuten und verstehen kann.

Andererseits steht „Tod in der Place de la Bastille“ als Geschichte ganz klar für sich. Heftig, erschreckend und ohne Blende erzählt die Autorin eine Geschichte, bei der man zwischendurch schon mal öfter tief Luft holen muss. Die Beschreibungen der einzelne Morde sind nämlich recht eklig und gehen sehr tief ins Detail. Messerstiche in Brustwarze, Vagina und Hals, dazu Blut- und Spermaspuren überall – von Grote weiß, wie man den Leser schockiert, benutzt dies jedoch glücklicherweise nicht als effektheischendes Mittel, um von einer eventuell belanglosen Geschichte abzulenken. Dieser Roman ist nämlich das genaue Gegenteil des Begriffes ‚langweilig‘ und bleibt bis zur (tatsächlich) letzten Seite spannend. Von Grote schildert die Morde dabei sowohl aus der Sicht des Täters als auch aus dem Blickwinkel der Ermittler und fügt diese beiden Seiten schließlich wunderbar zusammen. Bis zum letzten Kapitel wird nie zu viel verraten und genau so lange tappt der Leser auch im Dunkeln, was Motiv und Person der mordenden Bestie anbelangt.

In dem Moment, wo die Polizei endlich eine Spur zu haben glaubt und eine Kollegin an den Platz der Bastille schickt, legt von Grote allerdings erst so richtig los. Ich habe die letzten 250 Seiten bis tief in die Nacht hinein gelesen, und aufgrund der fesselnden Atmosphäre der Pariser Nacht wurde mir manchmal – ich gebe es zu – vor Schaudern ganz anders. Die Jagd auf den Mörder bzw. deren Darstellung ist der Autorin bis ins letzte Detail wirklich super gelungen, und wie sie schließlich die verschiedenen Charaktere in die Erzählung mit einbezieht, ist schon ganz große Klasse und in diesem Sinne noch einmal weitaus gelungen besser als im ersten Roman um Kommissar LaBréa.

Lediglich eine Schwachstelle hat „Tod an der Place de la Bastille“, und das ist das Hinzufügen einer Profilerin, die plötzlich in der Geschichte auftaucht und versucht, die Psyche des Mörders zu analysieren. Dabei ist leider nur ein ziemlich klischeehaftes, wenig tief greifendes Bild entstanden, das sich der Leser auch selber hätte machen können. Es bleibt lediglich bei einem unnötigen und letztendlich gescheiterten Versuch, das Phänomen hinter einer solchen Person zu beschreiben, und insgesamt bringt das die Handlung ganz und gar nicht voran.

Davon ist aber dann bei der Endbewertung wieder abzusehen. Als Krimi ist „Tod an der Place de la Bastille“ wirklich sehr empfehlenswert, besonders wenn man schon mit den einzelnen Charakteren schon vertraut ist. Die in Südfrankreich ansässige Autorin hat das Flair ihrer Wahlheimat erneut prima eingefangen und sich in Sachen Spannung noch einmal enorm steigern können. Meinetwegen darf es schon sehr bald wieder einen neuen Roman aus dem Umfeld von Kommissar LaBréa geben!